ABHANDLUNGEN
DER
' . HISTORISCHEN CLASSE
DER KÖNIGLICH BAYERISCHEN
AKADEMIE i.™ WISSENSCHAFTEN.
FÜNFZEHNTER BAND.
IN DER REIHE DER DENKSCHRIETEN DER UV. HAND.
M C N C H E N
1880
VERLAG DER K. AKADEMIE.
IN COMMISSION BEI G. FRANZ.
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Die VerhancUuiigeii
über die
Nachfolge Kaiser Eudolfs II.
in den Jahren 15B1 — 1Ö03.
Von
Felix Stieve.
Abb. d. Ill.a.d.k. Ak. d. Wus XV. Bd. I. Abth.
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Die Verhandlungen
Über die Naehfolge Kaiser Rudolfs II.
in den Jahren 1581 — 1602.
Voo
Felix Stieve.
I.
Der Gedanke, einen der Brüder de» unvennählten Kaisers Rudolf II
bei dessen Lebzeiten zu seinem Nachfolger im Reiche und in den öster-
reichischen Huusländem ernennen zu lassen, wui'do, soviel die dürftigen
Nachrichten, welche uns ülxsrliefert sind'), bekunden, zueret im Anfänge
des Jahres 1581 durch Erzherzog Karl von Innerosterreich in Anregung
gebracht.
1) Dia Archiv Bodolfs II. iafc bia aof die BcichstagsacUD vcrmuthlich bei der Einnihmc
der Kleinteite Priga durch die Schweden im Jahre 1648 — beinahe völlig viTnichtei oder ver-
•ebleppt worden. Wie für die ganxe Regiernagageachiehte dea Kaiaera alnd wir daher auch f&r
die Nachfolgefrage vorzogaweise auf fremde Quellen angewieaen. Von diesen würden hier die
Archive der Erthenoge Matthiaa und Maximilian und dea ChurfÜraten von Köln die wich*
tigaten und reichsten aeiu. Aach sie sind jedoch gröaatentbeils verloren gegangen. Eine er*
aeböpfende Kenntnis der Verhandlungen iat daher nicht tu gewinnen. Meine archivalischen
Forachungen beginnen entsprechend meinen Arbeiten für die Historische Commission, welchen
diese Abhandlung ihre Entstehung verdankt, mit dem Jahre 1591. Wenn ich xeho Jahre weiterzu-
rückgebe, geschieht es nur, um die mir gelegentlich zu Hunden gekommenen Actenstücke und Nach-
richten künftiger Forschung zugänglich zu machen und dieser vorzuarbeiten. — Zur Bezeich-
nung der Archive und Urkunden wende ich dieselben Abkürzungen wie bei Herausgabe der
Briefe und Acten zur Qeachiebte des dreisaigjährigea Kriege« [a. Band IV ä. XVJ] an. In der
Datierung folge ich stet« dem neuen Kalender.
1*
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Des Kaisers Gesundheitszustand rief damals die Besorgnis wach,
dass dereelbe plötzlich aus dem Lelren scheiden und so ein Interregnum
herbeigeführt werden könne *). Dieses zn verhüten, hielt Karl für drin-
gend geboten. Er war überzeugt, da-ss sein Haus sonst Gefahr laufe, der
Kaiserkrone verlustig zu gehen imd der Stütze beraubt zu werden, welche
ihm der Besitz jener gegenüber seinen zahlreichen offenen und geheiineu
Feinden im Reiche und im Auslände gewährte. Die Behauptung Unganis
und die Abwehr der Türken waren ferner durch die Hülfen bedingt,
welche die deutschen Stände den Kaisern leisteten, und die Erhebung
eines Erzherzogs zum römischen Könige erschien eben desshalb zugleich
als Bürgschaft dafür, dass dessen Wahl in Ungarn und Böhmen erfolgen
werde, üeberdiess fürchtete Karl, dass seine eigenen Lande den Angriffen
der Türken, welche wiederholt grössere Einfälle in dieselben unternahmen,
und der Venetianer, mit denen er in mannigfache Händel verwickelt
war, rasch erliegen würden, wenn sein Haus auch nur vorübergehend
jene Machtstellung verlöre, welche ihm selbst starken Rückhalt bot.
So suchte er sich denn mit seinem Bruder Ferdinand von Tirol tmd
seinen Neffen Ernst und Maximilian über gemeinsame Schritte zu ver-
ständigen , welche zunächst die Sicherung der Nachfolge im Reiche be-
wirken sollten. Vielleicht betrieb er diese dann selbst, als er im Mai
nach Prag und im Juni von dort nach Dresden reiste ®), wie vennuthlich
auch er es veranla.sste , dass I'hurfiirst Daniel von ,Mainz den Kaiser
durch einen Gesandten ermahnte, die Wahl eines römischen Königs zu
befönlem. *)
2) Vffl. Hart«r FerJin«nd II, II, 313 fg. Chf. Daniel von Mainz »chrieb am 10. April 1.V<1
aus Lohr an di-n Chf. von Trier: Der Kaiser ist „mit ^«farlieber und sollicher qds zuvor uiibe*
wDsster leibsschvraehoit noch iminerdar bibafftet onrl [hat] daiaelb zugestanden ungemach so
lang verhelet, daaa ea Oberhand genommen und *o weit eingewurzelt, dass es alle medicin and
vleissder erfarnen ehirargen wenig helfen, und dann durch tegtich Zufälle also maceriert und ab-
gcnomin>‘n, dass J. Mt. in grosser leibsgefar gestanden und derselben noch in keinem weg ge*
sichert seien.“ Trier möge daher sein Gutachten geben, wie dem grossen Unheil, welches dem
Reiche durch ein Interregnum drohe, vorzubeugen sei. Wm. Suceewionswesen I, n. l Cpt.
‘D Khevenhiller Aunales Kerdinandei I,
4) Instruction des Chf. von Mainz v. 25. Juni mit Creditiven an den Reichsvlcekanzler
Vieheuser, den Geheimen Rath Fn*iherrn Hans von Traotaun, den ObersthofmeUter Freiberm
A<lam TOD Dietricluitein, den böhmischen Obrratkanzler Wratislaw von Bernstein und den |>apst>
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o
Rudolf scheint, obwohl sein Befinden sich gelx'ssort hatte, die seinem
Hause durch ein Interregnum drohende Gefahr gewürdigt zu haben.
Wie er jetzt die zwei. Jahre vorher hinausgeschobene Einwilligung dazu
ertheilte , dass seine Mutter Älaria nach Spanien reise, um seine Ver-
hcirathung mit Isabella, der Tochter Philipps II.. zu verabreden*), so
bat er den Clmrfürsten August von Sachsen im October 1581 bei Ge-
legenheit eines Beeuches, den ihm derselbe abstattete *), und dann wieder
im Sommer 1582 auf dom Reichstage zu Augsburg, welchem beide jier-
Bönlicl} anwohnten, seine Unterstützung z>ir Ordnung der Nachfolge zu
leihen.
Beide Male versprach Anglist, sich mit dem Churfüi'ston von Mainz*)
ins Einvernehmen zu setzen, doch unterliess er es, das erste iMal, weil
sich ihm keine Gelegenheit bieten mochte, das andere Mal, weil er kurz
nach dem Ansuchen «les Kaisere von Augsburg abreiste. ®)
Rudolf drang in der nilchstfolgenden Zeit auch nicht weiter in ihn,
da der Uebertritt des Churfürsten Gebhard von Köln zum Protestantismus
und der dadurch hervorgerufene Krieg einstweilen die Kriwligung der
Angelegenheit unmöglich machte. Kaum war jedoch Gebhaixl durch den
vom Domcapitel an seiner Statt erwühlten Herzog Ernst von Baiern
überwunden worden, als Rudolf den Umstand, dass Churfürst August an
lieben Nantias Giovanni Francesco Donomo, Bischof von VerceUi. Wm. Succe$sionswescn I,
n. 2 Cpt. VgL oheo Änm. 2. Beber die Veranlassung und den Verlauf der Gesandtschaft
geben die iDckenhaften Acten keine weitere Nachricht.
5) KherenhilUr I, 116 u. m.
6) Ob Erzhz. Karl den Besuch veranlasst hatte, ist nicht ersichtlich,
7) Vielleicht war eine Anmahnung der Erxberzogc vorausgegangen. Vgl, Hurter II, :U7«
8) Den ChurfSraten Wolfgang von Haint, der am 20. April 1682 auf Daniel gefolgt war. frug
Rudolf wahrend des ReichUges „privatim“, ob er wisse, was sein Vorgänger bei ihm der
Nachfolge halber Tertranlich angebracht habe; Wotfgang verneinte e«i er sei erst so korxe
Zeit im Amte; daranf liess der Kaiser die Sache ruhen. Protokoll einer Unterredung xwiseben
den CbfT. von Mains und Sachsen, 11. Juli 1584, Wm. Success. 1, n. 8. Da nur von Pfalz
und Brandenburg Schwierigkeiten so besorgen waren nnd er einmal Sachsen sur Betreibung
der Angelegenheit aufgefordert hatte, mochte es Rudolf geeignet ertebeioen, jenem die Initia-
tive ganslich sn Qberlassen.
9) Rudolf an Chf. August 14 Juni 1.584 Ä. a. 0. n. 4 Copie. Vgl. Harter VI, 424 fi., der
diese nnd die im Folgenden zu erwähnenden ActenstQcke des angeführten mainzer Bandes mit
der ihm eigenen Flüchtigkeit benutzt bat.
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den Rliein ins Bad reiste, benutzte, um ihn im Juni 1584 dringend zur
Erfüllung seiner früheren Zusagen aufzufordern. ’®)
August entsprach dem Ansinnen und stattete dem Churfürsten
Wolfgang von Mainz , den er sclion vorher im Vorheireisen begrüsst
hatte, einen zweiten Besuch in Mainz ab, wo auch der Churfürst Johann
von Trier oben anwesend war.
Die beiden Geistlichen galjen seinen Vorschlägen bereitwillig Gehör
Mit der Neigung für das Haus OesteiTeich verband sich in ilmen gegen-
über den Ereignissen des kölner Krieges und gegenüber der steigenden
Erregung und Geschäftigkeit der protestantischen Bewegungspartei die
Sorge , dass diese ein Interregnum benutzen könne , um über die des
kaiserlichen Schutzes beraubten Reichsstifter herzufallen und um die
kirchlich - politischen Forderungen , für welche sie seit Jahren auf den
Reichstagen stritt, gewaltsam durchzusetzen. Minde-stens, glaubte man,
werde sie der Wahl eines katholischen Kaisers heftigen Widerstand ent-
gegenstellen und da die kaiserlichen Befugni.sse während der Erledigung
des Thrones an die Reichsvicare , die Churfürsten von Sachsen und von
der Pfalz, übergingen, hielt man für gewiss, dass der heidelberger Hof
dieselben zu Gunsten der eigenen Partei ausbeuten werde. ") Lag doch
dort die Regierungsgewalt in den Händen des unruhigen und leiden-
schaftlichen Pfalzgi-afen Johann Casimir, welcher für Gebhard Truch.sess
ein Heer ins Feld geführt hatte.
Die Vornahme der Reichswahl erschien indess von zwei Bedingungen
abhängig. Einerseits musste zunächst „das Churfürstencollog ergänzt“,
diis heisst, der neue Erzbischof von Köln von den übrigen Churfürsten
10) Durch <Uh in der vorhergehenden Aomerkun; erw&hnte Schreiben, ln einem eigenhandif^cn
Briefe fügte dann der Kaiser bei: „Uochgeborner. lieber oheim und ehurfüret. Kacbdem E.L.
wol erwegen kennen, wass an der successionsachim gelegen , so bab ich nit ambgehen wöUen,
E. L. auch dieeer Zeit aafs neue daran tu erinnern, und bin der UDgczweifelten Zuversicht,
E. L. werde derselben als einer so wichtigen sacb mit allem treuen fleiu nachzudenken vor
sich selbst geneigt sein und an Ir nichts envinden lassen, so zu dern befürdening ditilich sein
mag, dargegen E. L. sich gentlicb dessen tu getröatcn, das, wasa hierinnen gehandlet, in bester
geheimt solle gehalten werden, wie auch das, so ich K. L. anssfOrlicher diesser Sachen halb
schreib, von einer vertranten hand geetelt ist. Datnm Prag den I^wiunil ao. 1544.“ Das. Copie.
11) Vgl, die Besorgnisse, die man schon 1575 hegte, in der Relation des Venetianers Tron bei
Alberi Relationi dcgli ambasciatori Veneti. I, t. VI, DH f.
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durch die Aufi&hme in den Churvorein als Mitglied des CSollegs aner-
kannt werden. Anderseits hielt man für noth wendig, das.s dem zum
römischen Ktinigo zu Wühlenden vorher die Nachfolge in Böhmen ge-
sichert werde, weil dies seit den luxemburgischen Königen üblich war
und weil die Verfassung des Reiches und des Churfürstencollegs zur
Voraussetzung hatte, das.s die bömische Krone imd Chur im Besitze des
Kaisers seien. In diesem Sinne änsserten sich daher die zu Mainz Ver-
sammelten in einem von Sachsen entworfenen Schreiben an den Kaiser. '*)
Sofort veisjjrach darauf Rudolf, ohstens für die Ordnung der
böhmischen Njtchfolge zu sorgen und forderte die Churfürsten von Mainz
imd Snehstm auf, sich ihrerseits eifrig angelegen sein zu lassen, da-ss das
„hochnothwendige Successionswerk“ im Reiche gefördert werde und der
Churfürst von Brandenburg in die Anerkeimung des Churfürsten Ernst
von Köln willige. '*)
Zu letzterer hatte sich August von Sachsen schon vorher auf An-
dringen von Mainz bereit erklärt und versprochen, sich dafür bei Branden-
burg zu verwenden. '*) Ende October 1584 kam er demgemüss zu
12) Protokoll <ler am ll.JaU za Mainz {^obalUncn Ikaprccbunff, Wm.a. a.0. q. 3. Zanachst rerhan
dtilte Gif. Aai^azt notor Zutiebuof; aeinc« Rathea Dr. David Pfeifer mit Chf. Wolf^ang» dem
sein Hofineiat«?r Hartinnt von Kronberg zar Seite war, dann Wolfgaog mit Trier; daranf fand
eine getm-inaanie Berathong atait. Daa Schreiben an den Kaiser am 12. Jali, daa. n. 5 Cpt.
13) Rudolf an Mainz 28. Juli 1584, a. a. 0. n. 6. Orig. In einer eigenhändigen Nachschrift be-
merkte der Kaiser: „Ich bab zu somlcm gefahlen und dank vernommen, was E. L. mit beiden
ebarfoTitea Trier und Saebaen vertreulich gehandelt Zweiffle nit, E. I*. werden Jer noch
^ ferner dise Sachen treulich angelegen sein lassen. Das bin ich in aller freundsehaft und gutten
zu beschulden wol geuaigt.**
14) Die Nachrichten, welche das oben erwähnte mainzer Protokoll über diese Angelegenheit gibt,
glaube ich, hier mittheilen zu sollen. Nachdem Sachaen über das kaiserliche Schreiben wegen
der Wahl Bericht erstattet hatte, bemerkte Mainz durch Kronberg: Sachaen wird sich erinaem,
was beide, als August anf der Hinaufreiae hier war, wegen des neuen Churfürsten von K5In
und wegen des nach Rotenburg a. T. ausgeschriebenen Tages besprochen halten. August hat
zu verstehen gegeben, er wolle Ernst anerkennen und Brandenburg dafUr zu gewinnen suchen,
sich aber auch durch dessen Weigerung nicht beirren lassen; mithin sei er der Aufnahme
Ernsta in den Churfünitenvereiii nicht entgegen und er werde seinen Gesandten nach Roten*
bürg solche Befehle ertheilcii, dass dort keine „Nullität" begangen Erst vor wenigen
Tagen ist wieder ein Gesandter Emsts hier gewesen und hat die Aofnahme ,,aufs heftigste
urgiert/* Mainz hoifl also, dass sieh August seiner früheren KrkUrnog gemäss den Vollzug
derwlben nicht zuwider sein lassen wird. August erwiderte durch Pfeifer: Er lat nach wie
. vor begierig, die Einigkeit ira ChuifÜrstcncolleg za befördern, kann aber Brandenburg nicht
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Ck)ttbu8 mit Johiinn Georg zusaimnen. Dieser zeigte sich zur Förderung
der Ueichswald geneigt, der Aufnahme Ernsts in den Churveroin dagegen
verweigerte er seine Zustiunnung **), obgleich dioselljc inzw’ischen tereits
durch Trier auf die Erklärungen Sachsens hin vollzogen worden war. '*)
Auf den Bericht über den cottbuser Tag crwidei-te nun Iludolf dem
Churfursten von Mainz *’) lediglich mit einer Erörterung der kölner
Frage: der Nachfolge geilachte er mit keinem Worte mehr und auch
in den folgenden Jahren kam er nicht w'ieder auf sie zurück.
Ihrer l'\>st8etzung stellte Brandenburgs Weigerung in der Tliat ein
ernstliches llindemiss in den Weg. Man konnte nicht daran denken,
einen Wahltag ohne Zuziehung des kölner Erzbischofs zu halten, denn
dadurch wäre die Rechtmässigkeit seiner Wahl und die Gültigkeit des
geistlichen Vorbehalts in Frage gestellt woixlen. .\nderseits war es ge-
wiss, dass der Administrator der Churpfalz gegen Ernsts Theilnahme
entschieden Verwahrung einlegen und dass er ebenso der Wahl eines
römischen Königs ülwrhaupt widerstreben wenle. Deshalb war bei den
bisherigen Verhandlungen von ihm gar nicht die Ke<le gewesen. Mau
hatte gehofft , durch die Flinigung der übrigen Chui-fürsten Johann
Casimir zum Anschlus.se zu nöthigen. Jetzt war diese Berechnung hin-
vorgreit«D. Was Kotenbarg betrifft, so ist ihm Ton seinen Ruthen «lie Resolution des Kaisers
saf^escbickt Ironien. Dieser meint es gans trenlierxig and seine Absicht gereicht xarSicberang
der frankfurter Handlung, die auch auf eine „Contentation** ging. August hat also teinea
Rithen befohlen, der ksl. Resolution entsprechend su stimmen. Mainz antwortete hierauf per-
sönlich: Dass Sachsen mit Ürandenburg borathen will, kann er ihm nicht venlenken; aus dem
▼origen Oesprich aber hat er rersUnden, data Sachsen auch dann, wenn Brandenburg noch
Bedenken habe, Ernst den chnrfQrstlicben Titel geben wolle und ihn] demzufolge dessen so-
fortige Aufnahme in den Verein nicht zuwider sei. Auf diese Krkl&rung hin liat Mainz nicht
nur mit dem Kaiser und mit Trier etwas daniu.<i communiciert, sondern ist auch im Werke,
Emst zum Vollzog der Aufnahme zu berufen. Längerer Vertag wOrde grosse Gefahr bringen.
Den rotenburger Tag betreffend, versteht er Sachsen dahin . dass dieses es durchaus bei dem
Religionsfrieden lassen will. ~ Eine Erwiderung .Sachsens erwähnt Jas Protokoll nicht Nach
dessen Angaben sind die hei Häberlin Neueste Teutacbe ReiclMgeschicbte Xlll, ^540 zu be-
richtigen. Vgl. auch Joannis Scriptores rerum Moguntineosium J, 8dÖ und Broweruz An-
nales Trevirenses II, 4'2ü.
15) Die ChurfQrstva von Sachsen und Brandenburg an den Kaiser, Cottbus 15/25 October 15»^,
Wm. Sucoessionswesen 1, n. 9 Cople.
16) Haeberlin XIII, :UI.
17) 12. Januar 1.VM5 Wm. Succesa. I, n. 10 Or.
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9
fällig geworden. Es konnte daher dem Kaiser geboten erscheinen, seine
Bemühungen zunäclist darauf zu richten, dass der Churfürst von Köln
durch Brandenburg anerkannt werde. Wir wissen nicht, ob er dieses
Ziel zu verfolgen foitfuhr und es erreichte. Wahrscheinlich erfolgte die
Anerkennung Emsts erst im Jahre 1586 stillschweigend, indem seine
Gesjmdten zum Beichsdeputat ionstage zugela.ssen wurden und eine Ver-
wahrung Gebhards '*) unbeachtet blieb. Atif demselben Tage ti-at jedoch
der Zwiespalt zwischen den Parteien im Iteich so schroff hervor und in
den folgenden Jahren wuclw des.sen Schäi-fe so st?hr, dass der Versuch,
die Wahl eines Erzherzoges zum römischen Könige zu bewirken, von
vornherein als aussichtslos erscheinen musste. Nicht einmal einen Reichs-
tag wagte der Kaiser zu berufen. '*)
Diese ausseren Umstünde können genügen, um seine Zurückhaltung
in der Wahlfrage zu erklären. Auffallend bleibt indess, dass er die An-
gelegenheit, welche er bis Ende Juli 1584 offenbar mit Neigung be-
trieben hatte, ") so ))lötzlich fallen liess, ohne auch nur eine Bemerkung
darüber zu machen , und d.'isa er nicht wenigstens die in Aussicht ge-
stellten Schritte zur Ordnung der Nachfolge in Böhmen unternahm.
Nichts als eine Vermuthung vermag ich zur Erklärung dieser That.sachen
zu bieten.
Rudolf II. hatte die Bemühungen seiner Mutter um seine Verheirath-
nng mit der Infantin Isabella eifrig unterstützt, bis am 20. Jimi 1582
Philipp II. einwilligte und verlangte, da.s.s er seiner Mutter und seinem
Botschafter in Madrid , dem Freiherrn Johann von Khevenhüller Voll-
macht zum Abschlüsse des Ehevertrages ertheile. Da wich er zurück.
Khevenhüller schrieb das vornehmlich cler Einwirkung d»« Oberst-
kämmerers Wolfgang von Rum|)f zu. Dieser, sagt er, hal>e des Kaisers
18) Haeberlin XIV, 416 ff. GeLharJ spricht dort S. 422 nor von einigen CharfursteQ, die sich
zur Aufnahme Emsts in den Churverein hatten bewe^^n lassen. Vgl. die Aufzeichnungen Jo-
hann Caeimirs in den Quellen nnd Rrörteruogen zur Bajer. nnd Deutschen Geschichte VIII,
m 392.
19) Vgl. Briefe und Acten t. Owh. de« drei&eigj. Krieges IV, 1 ff. und 141 ff.
20) Das zeigen seine oben mitgetheUten eigenhändigen Empfehlungen und die SchnelUgkeit, womit
seine Antwort auf das mainzer Schreiben der drei ChurfQrstcn erfolgte.
Abh. d Ilf . CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. ßd. I. Abth 2
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Noiffung zur Zurückgezogenheit und zur Beiichilftigung mit allerlei
„Curiositäten" benutzt, um die Leitung der Geschäfte an sich allein zu
ziehen und sich zum „Factotuni“ des Kaisers zu machen und er habe
gefürchtet, seine Macht nach der lleirath Rudolfs, die anderen Einflüssen
Raum schaffen musste, zu verlieren, ja, weil er derselben entgegenge-
wirkt hatte, durch lsul>ella vom Hofe entfernt zu werden.
Wir bisiitzen über Rudolfs Persönlichkeit und Umgebung aus dieser
Zeit zu wenig Kunde, um zu ent.scheiilen , ob die Anklage des freilich
sonst ti’efflich unterrichteten Botschafters begründet sei. *') Im Wesen
lies Kaisers lag überhaupt Abneigung gegen entscheidende Schritte und
seiner ganzen Art mnsston der Zwang und die Unruhe widerwärtig sein,
welche eine Ehe und namentlich die mit der Infantin unvermeidlich
nacli sich zog. Anderseits wirkte auch ein j«litischer Gedanke, den er
selbst gefasst oder sich doch Ijereitwillig ungeeignet hatten , auf ihn ein.
Er war ganz von der mittelalterlichen Auttiwsung der Kaiserwünle
durchdrungen, welche die Herrschaft ihres Inhabers über Italien voraus-
setzte. Diese Herrschaft zu bewahren und herziistellen , erschien ihm
zugleich als Pflicht gegen das Reich und die Nation, deren Haupt er
war, und er trug um so mehr Verlangen, ihr zu genügen, weil er ehr-
geizig und von starker Begehrlichkeit nach Erweiterung seiner Macht
und seines Besitzes erfüllt war. Wie er sich daher weigerte, das Reichs-
vicariat in Italien an Spanien zu übertragen und wie er der Festsetzung
des.selben in den dortigen Reichslehen widerstrebte, so verlangte er, dass
das Herzogthum ^Mailand als Mitgift Isabellens dem Reiche zurückgegeben
werde. Dieser Forderung wollte jedoch Philipp II. nicht Gehör gel>eii. •'-)
Die Mahmmgen seiner Mutter und Khovenhüllers vermochten nicht
Rudolfs Bedenken zu überwinden. F'ort und fort verschob er die Aus-
stellung der Vollmacht zum Abschlüsse des Ehevertrags.
Darüber wurde Philipp II. allmählich ungeduldig und wandte sich
dem Gedanken zu , seine Tochter anderweitig zu vermählen. Mit ihrer
Hand konnte aber , du ihr einziger Bruder noch ein Kind und sehr
kränklich war, dem Gatten das Erbrecht auf das spanische Reich zu
21) Dagegen sprechen KheTenhöllers eigene Bemerbungen Ännalcs Fcrd. V, 2221 fP.
22) Kftnke. Zur dentschen (iescbichU 182 f. Vgl. KheTeobiller IV, ond unUn.
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Theil werden, und vielleicht hegte auch Philipp schon damals den Plan,
die Liehlingstochter mit den Niederlanden auszustatten.
Diese Aussichten erschreckten die Kaiserin - Mutter und Klioven-
hüller. Sie glaubten, das.s es das Verderiwn <ler deutschen Habsburger
nach sich ziehen werde, wenn der ganze spanische Besitz oder auch nur
Burgund an einen dem Hause fremden Fürsten übergehe und so jenen
ein Nebenbuhler erstehe. Die Sorge, da.ss die Ueichskrone den Oe.ster-
reichern verloren gehen könne , kam hinzu. Schon bald nachdem
Budolf H. die Vei-zögerung seiner Heirath begiuin, hatte Khevenhüller
denselben ermahnt,, die Nachfolge in Deutschland seinem ältesten Bruder,
dem Erzherzoge Ernst sicheni zu lassen. 1584 forderte er nun auf
Befehl der Kaiserin Maria Ernst sellwt insgeheim auf, mit .seinen Üheimen
Ferdinand und Karl in den Kaiser zu dringen, damit dieser entweder
<lie spanische Heirath abschliesse oder vermittle, dass Ernst die Hand
der Infantin sanimt den Niederlanden erhalte und zum römi.schen Könige
erwiddt werde. ®*)
Die Erzherzoge entsprachen dem Vorschläge um so willfähriger,
als Budolf aufs neue erkrankt wai'. Ihre Bitten , die Ernst dem
Kaiser vortrug, veranlassten jedoch diesen, obwohl er sie freundlich auf-
zunehmen schien, nur zu der V\»rsicherung , dass er selbst die Infantin
Ijogehre.
Khevenhüller theilt uns nicht mit, in welchem Monate des Jahres
1 584 diese Verhandlung stattfand. Fiele sie in die Zeit nach der Ant-
wort des Kaisers auf diis mainzer Schreiben, so könnten wir in ihr die
Urs>»che des befremdlichen Schweigens über die Wahlfrage suchen. Die
Auf die«e Pläne dürfte der Jesuit Georg Seberer, der Hofprediger dea Erzherzogs Ernst aii-
spielen, wenn er 15^5 in der Widmung seines: „Bericht, ob der Papst zu Rom der Antichrist
■ei", nachdem er die Frömmigkeit Kmets, der nie eine seiner Predigten rersäumt habe, ge-
rühmt hat, meint, Gott müsse denselben zu grossen Dingen bestimmt haben.
24) Kur hierher kann die Bemerkung in dem Schreiben des Erzherzogs Maximilian vom '2'£. Hai
IAU9 bei Harter V, 401^ bezogen werden. AUertlings wird dort gesagt, das Atibringen der
drei Erzherzoge, welches ab bis dahin letztes bezeichnet wird, sei Tor sechzehn Jahren, also
geschehen, dieser Irrthum ist jedoch wohl unerheblich, da so lange Zeit verflossen und
weder Maximilian nocli der Verfasser des Schreibens [sieh unten) bei der Verhandlung betheiligt
gewesen war.
25) Khevenhiller I, 2>i2 und II. *147
, 2*
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1593 erfolgende Ernennung des Erzherzogs Ernst zum Statthalter von
Belgien erffdlte den Kaiser mit heftigem Unwillen und mit der Furcht,
dass der Bruder ..ihm seine Braut, die Infantin (welche er Niemandem ver-
gönnen, doch auch selbst nicht zu der Fixecution greifen wollte I weg-
nehmen und ihm mit Hülfe des Königs aus Spanien nach der römischen
Krone stehen wünle.“ In der Finvartung, dass er um dieses Argwohns
willen die Berufung zu verhindern oder mindestens zu verzögern suchen
werde, hatte Philipp II. mit Ernst ohne Rudolfs Vonvissen abgeschlossen.*®)
Der F'reihen- Leonhard von Ilarrach soll den hervon-agenden Fiinfluss
und die grosse Gunst, die er bei Rudolf besass, verloren haben, als er
sich für die Wahl Firnsts zum römischen Könige bemühte. *’) Wie die
V'erheirathung des Firzherzogs Albrocht mit Isalxdla und die Uel«>rtragiuig
der niederländischen Regierung an denselben auf Rudolf einwirkten,
werden wir unten verfolgen. Fis wäre daher nicht unwalii'scheinlich,
dass die oi-ste Anregung einer derartigen Massregel den Kaiser sofort
mit Sorge für seine Stcllimg oi-füllt und l>ewirkt hätte, dass er von nun
an der Feststellung seiner Nachfolge entgegen war. Vier Jahre später
wusste bereits der ihm fernstehende Pfalzgraf Johann Casimir, dass er
„voll F'urcht sei, die Krone zu verlieren und sein Dichten und Trachten
dahin gehe, sie zu behaupten“,'”) das heisst '\vohl , die Wahl eines
römischen Königs zu verhüten.
II.
Zehn Jahre vergingen, ohne da-ss Rudolf Schritte that, um seinem
Hause die Kronen, welche er trag, zu sichern. Im Reiche gestalteten
sich die Verhältnisse immer bedrohlicher für das Haus Oesterreich und
für den Katholicismus. Man fürchtete, dass die Protestanten den Kamj)f
zur Vernichtung beider l)eginnen würden. ”) Gerüchte von allerhand
26) KUc»enhUIer IV, 1071.
27) Hammer Khleal II. Beilagen 8. '»3.
28) BemerkoDg des Pfalz^afen in seinen )5h8 [a. anUm] verfaavten Aafzeichnnn^n: Qaeilan und
Erörterungen zur bajer. und deutaclten Geitchicbte VTII, 406.
29) S. die oben Anm. 19 angetogeneo Stellen.
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Umtrieben, welche bezweckten, das Kaisorthum den Hab*l>nrgern zu ent-
ziehen. liefen um. 158‘J wurde ein Vortrag verbreitet, welchen ein (ie-
sandter des Herzogs Karl von Lothringen dem Paj>ste gehalten haben
sollte. Die habsburgis<-hen Kaiser seit Maximilian I. wurden darin unter
heftigen Schmähungen angoklagt. fort und fort die Ketzereien begünstigt
zu haben, und als das einzige Mittel zur Herstellung des Katholicismus
in Deutschland wurde die Alwetzung des nachlässigen, scheingläubigen.
sittenlosen und den Protestanten freundlichen Rudolf II. bezeichnet.
Zum Führer bei diesem heiligen Unternehmen und zum Nachfolger auf
dom Throne wurden der Herzog von Lothringen, dessen Sohn, die Herzoge
vonMayenne, Aumale und Mercoeur oder ein bairischer Fürst empfohlen.
Sixtus V. möge durch seine geheimen Nuntien die katholischen Reichs-
stande veranlassen , ein Bündniss zur Vernichtung der Heuchler und
Scheingläubigen zu schlieRsen. Dann möge er dem Kai.ser befehlen, die
protestantischen DomheiTii in Strassburg mit den Waffen zu vertreiben,
ihn, wenn er sich dessen weigere, bannen und die Neuwahl auordnen
Nach dieser werde es ihm leicht sein, die weltlichen Churen ebenfalls
an Katholiken zu übertragen. *®) Wie bei Protestanten so rief diesc-s
30) Der Vortrag iit gedmekt in einer ohne Zweifol zu Straasbnrg vcrSfientlichteii KIugRchrift:
Schreiben Sizti V P.P. An Graff Johann von Bfandcivcheid etc. RischofTen tu Straaaburg etc.
Belangendt die Reformation deas Biatnmb« md Hohen Stiffta daaelbtt. Sampt einer Oration
oder Vortrag, ao desa dorcbleuchtigen FQraten, Herfzog Carlen von Lothringen etc. abgesandter
einer fbr gedachter Bipatlicher Heylig. gethan, dieaelbigo zur repurgation nit allein deoa
StraaaborgiacheD Biatnrobe, sondern auch deaa gantzen H Römiachen Reichs anzntreiben, mit
angehefflena Rahtachlag, wie aolchea Ina werk fOglieh mbclite gerichtet werden. Allen Hohen
rnd nidrigen Standen Teutacher Nation zu nothwendigem bericht rnd trewhertaiger war*
nnng in bevden Sprachen, Lateiniachrr vnd Teuf scher, an Tag gegeben. 1592. Einen Anszog
nach einer Handschrift gibt Droyaen Geschichte der preniaiachen Politik !I, II, 504. Dieaer
scheint das Sebriftathek trotz der von ihm angezogenen .Ableugnung Lothriogena fllr echt za
halten. Ich trage kein Bedenken, mich der von Droyaen mügetheilten Anaicbt des Chf. Johann
Georg von Brandenbnrg anzoachlieaaen , dass ra ein „eitel Gedieht" aei. In der Einleitung
jener Flngacbrift selbst gibt aieh deotlich di» Erwartung knnd, daaa man der Veröffentlichnng
keinen Glauben schenken werde. Verdacht moaa es erregen, wenn der Gesandte eines weltlichen
Füraten von der „autoritaa" spricht, „qnae pridexn V*. tributa eat in omnes orbia impera-
torea ac principea, quantumlibct invitia eoram adulatoribua aulieia'*; wenn von den geheimen
Nuntien die Rede ist nnd wenn es am Schlüsse beisat: „Qua ratione S*"* D. Pater, S*** V.eam
auri Tim, quam inaximis acertis tanta cura tantaque diligentia colligit et recondit, utiliua
ezponat?** Noch schwerere Bedenken mQaavn die Schmähungen gegen die Habsburger erwecken :
der mit den Spaniern verbündete Herzog von Lothringen konnte gewiss nicht wagen, so ver*
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SchriftKtrtck auch au« kaiserlichen Hofe , wo man die Unwissenheit und
Urtheilslosigkeit der deutschen Fürsten jener Zeit in jwlitischen Dingen
theilte , lebhafte Unruhe hervor. Dass Baiern nach der Kaiserkrone
trachte, hielt man in Frag für gewiss.*') Evangelische Füisten hatten
schon im Anfänge der achzigcr Jahre darüber borathen, wie die Nach-
folge eines Erzherzoges zu hindern sei, da ihnen das entschiedene Ein-
treten lUidülfs für die Kestam*ation die Ueberzeugung gal), dass der
deutsche Zweig der Habsburger gegen den Protestantismus gleiche Pläne
wie der spanische hege. Jetzt bezeichnete Johann Ca.simii’ es al.s
nothwendig, dass man, um Fi'eiheit der Wahl zu erhalten, das Interregnum
herbeiführen und dann einen Protestiinten auf den Thron erheben müsse;
er nahm , wie es scheint , schon den König Heinrich von Navarra ffir
denselben in Auasicht; ja er beschäftigte sich sogar mit dem Gedanken,
icbtUch un<] gehäMig von dfo Kai^em zu reden. Vor aDeni aber iat nicht anzunehiuen, dass
Herzog Karl IM über die Verhittnisae in Dentschland and die furchterfüllte Stimmong der
dortigen Katboiiken »o völlig in UnbenntniR gewesen fein sollte, um die oben enräbnteD, ge>
rsulexQ wabDsinnigen UinstanvorschUgo zu machen Wie hätte er gar MayeDne, Aumale und
Mercoeor zu Kaisern einpfehtea können? Auch konnte er sicher nicht glanben, dass 8ixlus auf
seine Pläne eingehen werde, da deren Aosführang ihn mit Spanien entzweien and einen Krieg
der Habsburger gegen die zu Lothringen haltenden Katholiken entzünden mu»te, ja ein Bünd-
nis jener mit den in ihrem Besitze bedrohten evangelischen Cliurfürsteo und deren Anhängern
herbeifUbren konnte, während der Papst alle Kräfte der katholischen Welt zu einigen wünschte,
am Heinrich von Navarra die französische Krone vorzuentbalten. Endlich aber waren die Ge-
danken und die Tbätigkeit Karls, d<w sich um das Reich überhaupt wenig kümmerte, damals
ganz und |^r darauf gerichtet, die Herrschaft ln Frankreich zu erringen, und er rechnete hier-
für noch fest auf die Unterstützung Spaniens. Vgl. auch Briefe u. A. IV, 21 iT Karls Plan
i. J. 1590 ein katholisch-prutestaatisches Bünduia unter Zuziebung des Kaisers und der Erz-
herzoge zu scbliesseu. Der fragliche Vortrag entspricht ganz und gar jenen zahlreichen prote-
stantischen Flugscbrifton, wodurch um diese Zeit In Deutschland die „bluUürstigen Praktiken*'
der hl- Liga „enthüllt** wurden; vgl a. a. 0. 14^1 Aiim. 8. Was übrigens den „Otto Henricos
Brunsvicensis princeps catbolicus“ betrifft, den Drojsen nicht unterzubringen weisa. so ist der-
selbe ohne Zweifel der älteste Sohn des Herzogs Otto II. von Braunscbweig-Harbnrg. der Reiter-
oberst unter Alezander Farnese war und am 15. October 1591 zu Brüssel starb; s. Cohn
Stammtafeln N. 87. Ihn und nicht, wie Häusser Quellen und Erürternngen z. B. and D. G.
VIII, 411 will, den Pfalzgrafen Ottheinrich von Salzbach meint ohne Zweifel auch Johann
Casimir, wenn er a a. 0. 379 sagt: „H [d. h. Herzog] Ottobeinrich Mameluck wirbt'*
31) S. Briefe und Acten IV, 221, 2U9 nnd 467.
32) Memoircs ct correspondanco de Duplessis. Momny II, 2^. Zu der dortigen Bemerkung über
Chf. Wülfgang von Mainz: „qui aemble incliuer ä ce parti'* [der Protestanten] vgl. Briefe
und Acten IV, 14 und die anderen dort im Register s. v. bezeiehneten Stellcir.
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da!>8 man, wenn die „Freistellung” nicht bewilligt weitle. „einen anderen
Kaiser machen müsse , der uns gibt , w'as recht und billig ist. und der
die Justitia den Annen wie den Reichen ergehen lässt.“'*^) Gewiss blieb
diese Gesinnung der evangelischen Bewegunspartei dem kaiserlichen
Hofe nicht verborgen. *■*) Besorgnis vor deren Anschlägen Iwstiinmte
den ghuibenseifrigen Heraog Wilhelm von Baiem, obgleich er die Kaiser-
würde in der That gern seinem eigenen Hause erworben hätte, den
Kaiser zur Ordnung der Nachfolge und zur Kntscheidiing wegen der
spanischen Heirath zu drängen imd dann, als dies erfolglos blieb, eine
Verständigung mit den anderen katholischen Reichsfürsten darüber zu
suchen , wie dem InteiTegnum vorzubeugen sei. **) Auch die Päjiste
L. Häusaer Tagebuch <lea Pfalzgrafen Johann Casimir, in Quellen und Kr5rterungen zur
Bayerischen und Deutschen Geschichte VIII, 3H0, 3><8 f. Die Schrift ist übrigens ohne
Zweifel nicht ein Tagebuch, sondern ein um die Mitte des Jahres zu einem bestimmten
Zwecke, wahrscheinlich zu einer Berathung mit Sacliaen, Brandenburg und Hessen rerfaaiter
QedenhxHtel. Zu wünschen wäre eine Vergleichung des Druckes mit der Handschrift, denn
jener ist nicht ohne schwere Verstösse. Wenn es z. B. S. 379 heisst: „Das gevefal, so die or-
denahern rom gülden flQss die grossen Thier erstehen*', so heisst es in der Handschrift wohl:
Das gemehl [Gctnalde], do ü. s. w. Gemeint ist die Briefe und Acten IV, 150 erwähnte Ver-
öffentlichung der prager Jesuiten, auf welche die Schrift S. 391 nochmals zurUckkommt.
34) Am *30. Januar 1503 BchrtL-b der bairische Rath Ulrich Speer aus Rom an Hz Wilhelm:
„wollen ir etliche darfhr balieo, es wurde noch lang kein reichstag werden, dann sich besorge
der kaiser, die protestiercoden, weil» Jett sonderlich mit Siraasburg so selzam stehe, dorften
den Ton Navarra zu eim lömischen KOnig haben wollen.** Ma. 311(19, «18 etgh. Or.
85) Vgl. nnten.
•36) In einem Briefe vom 30. Juni 1591 an Herzog Wilhelm von Baiem über eine auf dessen Ver-
anlassung mit dem Bischof Julius von Würzburg gehaltene Boeprecbuag sagt Chf. Ernst von
K61n : ..Also liaben wir auch ainer konftigen wal aines römischen kOniga halb mitS. L, [WQrz-
borg] umbstendlich conveisiert; befanden, das dieselbe eben in den sorgen als E. L. und wir
Stehen und derowegen nötig halten, das durch £. L. und des erzhertog Ferdinands LL., auch
andere negste bluctsverwandte nochinaln merers mit zuegemuetfQhrung der wichtigen motiren
eheist an die ksl. Mt gesetzt werde, das sie sich nit allain die wal aines römischen königs
allergnedigst gefallen lassen, sonder auch des spanischen beurats halb aigcntlich erclern vrolten,
das auch dem konigschen ambasator am kaiseriicben hof dergleichen in I. ksl. Mt zetrQogen,
aoraizung geben und gleichfalls I. Mt gehaimer rat und oberster cainerer, der Rumpf, weil
der vor andern bei I. Mt. alnca worts mechtig, bewegt und ime die gefar wol eingebildet
weilen solle, solches auch bei I. Mt. besser befördern zehelfen. Welch I. L. gnetaebten wir
uns dan unsers tails auch ganz Wohlgefallen lassen. Und haben 1. li. dabei vermeldet, da sieh
mit der ksl. Mt. vor ainer wal aincs römischen königs ain fal zutragen solle, das sie vor allen
unser haus ires eossersten vermugetia zu befürdem geneigt.** Md. I. Religionswesen n. 3. Or.
Wann die hier erwähnte frühere Anmahnung Wilhelms erfolgt war un<l ob jetzt eine neue ge-
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Sixtus V. imil ClemcnB VHI. bemühton sich bei Rudolf um die Wald
eines römischen Königs. Vor allem aber emeuerten die Kaiserin-
Mutter und Khevenhüller unablässig und mit wachsendem Nachdrucke
ihre früheren Vorstellungen und der Botschafter reiste sogar von Madrid
nach Prag und weilte dort vom Februar bis zum Deceiid)er 1592, um
Rudolf zur Ent.scheidung in der einen oder der anderen Richtung zu
drängen. **) Weder diese Mahnungen noch die Gerüchte von Anschlägen
zum Nachtheile seines Hauses noch die Ijedroldiche Entwicklung der
Verhältnisse im Reich vermochten jedoch den Widerwillen des Kaiser
gegen die Ehe und seine Furcht, das-s der Nachfolger, den er ernennen
lasse, ihn der Regierungsgewalt berauben wei-de, zu ül»erwinden. *®)
scbal), weiss ich nicht. Dass Wilhelm ein ifi-meinssmes Vor^ben der katholischen Fürsten
wünschte, glaobe ich,daraas schliessen zu dürfen, dass er ein solches auch in anderen Punkten,
die er damals durch Kola mit Würzburg erörtern liest, anstrebte.
37) Sixtus V. an Rudolf 1.3. Sept. 158!) Archiv für Österreichische Geschichte XV, 313. Hz. Wil-
helm von Baiern schrieb am 11. Dec. 1593 an den Rrzbiachof von Salzburg: Der Canlinal
Madruz, der im Aufträge Clemens VIII beim Kaiser gewesen ist, [s. Briefe und Acten IV,
167 Anm. 4] hat mit demselben auch „von eim römische köuig tractirt, ob ncinlich nit ein
notturft sein wolle, desselben wähl zeitlich und zwar auf vorstehendem reiehsUg zu bandeln.
Darauf 1. Mt. geautwort, sie wöii der sacheu alles viciss nachgedeoken und dabei thuen, was
die gebür nnd gemeinen vatterlands nur und ^olsUnd erfordern möge.“ Ma. 375/8, 1 Cpt. von
Speer. Schon 1585 hob der Prager Nuntius Malaspina die bei einem Interregnum dem Katho*
licismus drohende Gefahr in einem Berichte an Sixtus herror. Tempesti Storia delU vita
e geste di Sisto V, 1, 115. Wir dürfen daher wohl annehmen, dass ausser den uni bekannten
noch andere Schritte der Päpste zur Verhütung des Interregnums geschftbeD.
Khevenhiller II, 402 ff. III, 768 ff. 037, 939 f. 1051 ff. Vielleicbt beschäftigten sich auch
die geistlichen Churfürsten bei dem „arcanitsimnm contilium“, welches sie nach Pieler Caspar
von Fürstenberg 105, am 20. bis 36. August 15^ im Beisein des Kölner Nuntius Bonomo tu
Coblenz hielten, mit der Wahlfrage.
39) In dem Briefe und Acten IV, 40'^ mitgethenten Berichte des spanischen Botschafters Clo
mente heisst es: ,,Trevcres tourna k lujr [dem Kaist'r] dir« co qu'il luy avait desia escrit
Paun^ passöc, que aiant tra tteo cet affaire de la pari de l'Kmpereur avec Pelcctenr de Bran-
debourg ledit de Urandebourg Inj promit, qu'il donucroit sa voix k qui rBmpercur vondroit.“
Gegen diese Nachricht erweckt Bedenken, dass eine persönliche Besprechung des CburfÜrsten
von Trier mit ßrandimburg — uod von einer solchen scheint ja hier die Rede zu sein, — weder
in den Acten noch in den Zeitungen erwähnt wird und dass der Kaiser weder Madruz gegen-
über (s. oben Anm. 37] noch In dem Schreiben bei Hurter V, 410 auf Schritte hiuwies,
die er 1593 getban hätte. Vor allem ist eine Beauftragung Triers durch den Kaiser unwahr-
scheinlich, weil dieser 1593 frischen Cowillen und lebhaftes Mistrnnen gegen Krzberzog Ernst
hegte, welcher doch der nächste Caudidat für die Wahl war, und ist cs ebenso unwahrscheinlich,
«lass Brandenburg damab seine Stimme unbedingt zur Verfügung gestellt hätte, weil ihm, ab-
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Je mehr nun ilio Aussicht auf Rudolfs Verlieiratliung .schwand und
je weiter er ini Alter voi-scliritt, desto lebhafter wurde der Wunsch der
Mitglietler und Freunde seines Hauses nach Feststellimg der Nachfolge.
Als Rudolf, die geistlichen Churfürsten und der Adiiiinistrutor von (Jhur-
sachseu, Herzog Friedrich Willielm von Altenbuivg iiu Jahre 1594 dem
Reichstage zu Regousbui-g persönlich anwolmten, wies Philipj) 11. von
Spanien seinen Botschafter Don Guillen de San demente, der den Kaiser
begleitet hatte , an , die Wahl eines röinisidieu Königs zu betreiben.
Verniuthlich hatte er dabei den Hiutorgedankeu , dass Erzherzog Ernst
nach seiner Ernennung Isabella heirathen solle.
demente kam dem Befehle mit Eifer nach, denn er theilte die am
kaiserlichen Hofe herrschende Meinung , dass Baiern und Heinrich 1V\
von Frankreich nach der Krone trachteten , und ilass die der prote-
stantischen Ih'wegungspartei angehörenden Reichsstände theils jede Wahl
zu verhindern, theils sie auf ein anderes Haus als di*s österreichische zu
lenken gedächten. Bereitwillig unterstützten ihn, von gleichen .Sorgen
bewogt , der Legat des Pajwtes , Cardinal Madruz und der pniger
Nuntius SjMJciano. Ihren Bemühiuigen kamen die Wünsche der geist-
lichen Churfüi-sten entgegen. Auch der Administrator von Sachsen, der
dem Kaiser sehr ergeben war und den Frieden im Reiche zu sichern
gPMhcn TOD anderen Ursachen, die eine soiche Gcrüj((igkeit hiiidcni lunastca, die Wahl deit
Statthalters Ton Belgien wegen der j&lieher Sache nicht willkommen »ein konnte. Man konnte
nar etwa annebmen, dass Radolf wie später seinem Bnider Matthias den Erxbenog Leopold so
damals dem Krskerzog Emst einen anderen Enhersog habe cotgegenstellen wollen, und dass
Brandenborg sich bereit gezeigt habe, das in nntersttiUen. um Ernst aaszuschUessen oder jede
Wahl zu hindern. Auch das ist jedoch sehr unwahixclteinlieh. Vielleicht liegt ein Misrer*
stiLiidnis Clementes vor oder ein anderes Versehen. Der Brief war spanisch und in Chiffren
(rgl. a. a. 0, 471 Z. 7 ron unten] geschrieben. Er wunle tou Gegnern .Spaniens aufgefangi n,
entziffert und in franzOeischi r Uebersetzung rerbreitet. [Vgl. a. a. 0, 46« Aiim. 2]. Es wäre
möglich, dass zwiKhen „que^ und „aiant traittee** eine Chiffre stand, welche man nicht zu
deutet! wusste, und dass diese in der Cebersetzung oder in der schlechten uns erhaltenen Ab*
Schrift weghlieb. Am nächsten liegt die Vermutliung, dass der sehr eifrige [vgl. a. a, 0.
Anm. 6] CliurfQrst Johann von Trier den Kaiser aus eigenem Antriebe zur Ordnung der
Nachfolge mahnte und die Aussichten eines Versuches erörterad auf die 15»4 zu Cottbus er*
theilte gOnitige Erklaiung Brandenburgs bezüglich der Wahl [i. oben S. 8] hinwies, so dass
zu lesen wäre, „que Telecteor Auguste de tiaxe aiant traite.“
40) Vgl. di« dies!:m vom Tapste dazu ertheilten Aufträge bei H. Laemiuer Meletematum Roma*
norum inantissa :(45 Aum. 2.
Alh d lII.CI.d.k.Ak,d.Wi8R.XV.Bd.l Abih.
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wünschte, zeigte sieh duiTliaus willfährig und erhot sich, pei-sönlicli auf
Brandenlmrg einzuwirken und sell»st , wenn dieses sich nicht gewinnen
liisßo, seine Stiinnio mit denen der geistlichen Churfürsten zu vereinen.
„Seit die 'Welt steht’S Iwrichtete demente nach Madrid, „ist es nie so
leicht gewesen, die Wahl zu iHJwirken, wie jetzt; es steht in der Hand
des Kaisei-s. morgen zum Könige zu machen, vven er nur will.'-
liudolf erkannte die Berechtigung der Mahnungtm. die ihm vorge-
tragen wurden, vollkommen an und gab die besten Zusagen. Aber er
„hielt sich stets eine Hinterthüre offen“, wozu ihm die Churfürsten selbst
die Hand boten, indem sie wieder den Wunsch äiLsserten , da.ss er den
zu Wählenden auch in einem seiner Hausländer zum Nachfolger er-
nennen las.sen möge, damit dei-selbe die .Mittel zur Führung der Heichs-
würde erhalte. Seine ])olitische Einsicht überwog der Argwohn, da.ss
seine eigene Stellung durch den Nachhdger gefährdet sein werde, ^') und
daneben beeinflusste ihn, da die Am-egung der Wahl von demente aits-
ging, die Abneigung, welche er gtigen Spanien trug. Diese mochte her-
vorgerufen sein duix-h die Ueljergi-ifte Phili]tjis 11. in Italien, diu-ch de.s.sen
Wcigei-ung , Mailand als Mitgift Isabellens zurückzugoben , duixdi das
Dningen zum Abschlüsse der 8])anischen Heirath und dureh die Be-
schwerden und Unruhen , zu welchen das Vordringen der Spanier am
Rhein im Reiche Aidas,s gab. Neue Nahrung hatte sie durch die Be-
rufung des Krzheraogs Enfst nach Belgien empfangen. Jetzt machte sie
sich um so stärker geltend , weil König Philipp eben wieder in Italien
Reichslehon mit Reiseitesetzung der Befugnisse des Kaisers und des
Reiches einzuverleiben trachtete. So vertagte denn Rudolf schliesslich
seine Entscheidung bis zu einem Besuche, welchen ihm der Chui-fürst
von Köln binnen kni-zeni in Prag abzustatten beabsichtigte. ■**)
41) Briefe nii«! Acten 1V> 47U. Der vcnetlaniifeche GesfintUe Tomaso ContArino Hchlo^ einen Be-
richt über die Verhandlungen wegen der Nachfolge votn 1h. Augo.st 15m» welcher ihn besser
als lionst unterrichtet seigt, mit der Bemerkung: ..conoKeodosai manifeataiiiente, ehe S.
nun vuole in alcun modo, che si parli ne at tratti di queata materia, come ijuella rlu* 11 pare
piena di sospetto et di pericoto rispetto alla sua auttorita et alla sua grandexza.*' D. V. toU 24,
Or.
42) Briefe und Acten IV’, 4ü7 und 461i ff. Herxug Maximilian von Baiem meldete meinem Vater
schon am 1??. Juni, s. Aretin Maximilian 1. -Vt.’, die geistlichen ChurfQrsten wollten beim
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Cliurfttrst l''rnst wünschte, dass nun wenigstens unter seinen Amts-
genossen eine Vereinbaning wegen cler Wahl get rollen wenlen möge.
Auch dies unterblieb jedoch, weil er erkrankte und Pfalz und Branden-
burg nur durch Gesandte verti-eten waren. "**) Gleichwohl erneuerte er
seine Bemühungen, als er im November am kaiserlichen Hofe erschien.
Er war ein warmer Anhänger des habsburgischen Hauses und voll
Eifer für das Wold des Beiches und die Interessen der katholischen Kirche.
Uelrerdiess hatte er mit Eiv.herzog Ernst, als dieser nach Brüssel reiste,
Freundschaft geschlossen.'**) Desshalb Hess er es ohne Zweifel l»ei seinen
Vorstellungen nicht an Nachtlruck fehlen und da er des Kaisers Ver-
trauen und Neigung in seltenem Masse gewonnen hatte, gelang es ihm,
sich den Auftrag zu Verhandlungen mit den übrigen Churfüi-sten zu er-
wirken. Er reiste darauf sofort **) zu Sachs(m und Brandenburg und
iHSiuchte dann im Anfänge des Jahres 1595 seine rheinischen Aintsge-
nossen , um ihre Mitwirkung zu sichern. Nur der Churfürst von der
Pfalz verweigerte diese, ■*’) alle anderen zeigten sich geneigt, ^*) wenn
auch Brandenburg eine ausdrückliche und bindende Ex’klärung ver-
schob. ■*‘-*)
Als jedoch Ernst nun den Kaiser zu weiterem Vorgehen aufforderte**),
zeigte sich, dass Clemente sich nicht getäuscht hatte, wenn er aus den
Kai««r amnabnen; aus dem in der vorigen Anmerkanj; erwähnten Briefe Contarinns jedoch
hervor, daBa c« erst ge^en Ende de« Keiebstags gcifchah.
4^1) Bescheid des Chf. ton Köln für Casal v. 28, Januar 1601 Brs. Secret d' Allem. N. ilO.^OCop.
44) Johann Manhart an Herzog Wilhelm von Baiern, Prag 15. November 1504. Md. I, Zei-
tungen I, Or.
45i S. Briefe und Acten IV, 827 Anm. 2 nnd Lämmer MantisiiA 34o Anm. 2.
4#») Am 26. November, Harter. I, 227.
47) Bescheid des Chf. von Köln für Casal v. 28. Januar 1601, Brs. SeertSt. d'Altem. N, 116, v*!)
Copte und Bericht Ca&als darüber an Enhg. Ferdinand, Wi. Succeasion. Matthias. Copie. Dass
Ernst nach Heidelberg kam. erhellt aus einem Briefe des Chf. von Mainz an Hz. Wilhelm von
Baiem vom 12, April l-*»95 Ma. 64/16, HO Or.
4^) Beacheid des Chf. von Köln für Casal. Vgl. Harter V, 411, wo der Kaiser freilich nur von
einem Aufträge an Sachsen und Brandenburg spricht.
40) Dies erhellt aus den gleich anzuführenden Briefen.
•i0) Durch den Freiherrn Johann von GroUbeeck hatte er über seine Verrichtung bei Sachsen und
Brandenburg dem Kaiser sogleich Bericht erstattet. Am 2. Januar 1505 reiste G. von Prag
wieder ab. Manhart an Hz. Wilhelm von Baiern, Prag 3. Januar 1595. Ma. 5<) 7, 50 Or.
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Vorhaiullungen zu Regensburg das Ergebnias zog, dass Rudolf niemals
die Hand zur Feststellung der Xachfolge bieten werde. ’’) Nachdem die
iminittelbare Einwirkung des Churfürsten Ernst aufgehört hatte, gewann
Rudolfs frühere Stimmung wieder die Oberhand. Er erklärte jenem,
(lass man die Sache nicht übereilen dürfe.
Dies lx>t dann dem Churfürsten von Brandenburg einen willkommenen
Vorwand, um die Wahl zu hintertreilxjn , die er wohl überhaupt nicht
auf einen Erzherzog und namentlich nicht auf den Statthalter Belgiens
fallen zu sehen wünschte, da Rudolf in dem magdeburger Sessionsstreite
zu Regensburg und in der atr:us.sburger Bistlumisfehde seinem Hause ent-
gegengetreten war und man Spanien und dem Kaiser die Aljsicht, sich
der jülicher Lande zu iKunuchtigen, zuschrieb. .lohann Georg hielt dem
Churfüi'sten von Mainz vor, dass, wie ein Capitel seinem Bischöfe nur
mit dessen Zustimmung einen Coadjutor setzen könne, auch die Chur-
füi'sten einen römischen König nicht envahlcn dürften, wenn der Kaiser
nicht darum anhaltu. Zugleich äusserte er den AVnnsch , zu erfahren,
wen man zu erheben beabsichtige.
Der ängstliche und wenig eifrige Wolfgang erklärte hierauf gleich-
falls , dass man die Anregung des Kaisers abwarten müsse , und rieth
Köln nur , diese zu veranlassen. **) Ernst schriel) nach Frag. Rudolf
erwiderte jedoch noch ungünstiger als zuvor, dass er sich einstweilen
des Türkenkriegs wegen mit der Wahlsache nicht befas.sen könne, den
Churfüi'sten aber, sobald es möglich sei, zu mündlicher Besprechung be-
rufen werde. Die gleiche Antwort scheint er einem Gesandten ertheilt
zu haben, welchen .lohann Georg — vemuithlich nm den für die Krone
in Aussicht Genommenen zu erkunden — nach Prag abordnete, worauf
dieser Mainz gegenüber weiteres .Inhalten für imzulässig erklärte. Cliur-
fürst Ernst selbst fand , dass ihm des Kaisers Bescheid die Möglichkeit
zu weiteren Schritten benehme, und der Mainzer wusste keinen anderen
Rath, als dass man neuer Gelegenheit harren solle. **)
51) Briefe aml Acten IV, 470.
r»2) Brftndenburf; an Köln, Kdstr'm 3. JqU nod Köln an Maint 2’>. JuU 1*>95. Wm. Successions-
wesen I» n. 21 (^pie und 11 Or*
^:>) Mainz an K{>tn [nicht an Sp«ier, wie Harter VI, 42<> an^ibt] Aachaffenbarg 26. Auguat 159.'»,
a. a. 0. n. 13 Cpt.
•54) Köln an Mainz, Ldttich 12. Januar und 22. Febroar, Mainz an Köln, AsehafTenbarg 20. Fe-
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III.
Inzwisolien -war Erzherzog Ernst, aufgeriehen durch die Sorgen der
belgischen Statthaltei'schaft , am 20. Februar 1595 gestorben. An
seine Stelle ernannte Philipp II. nicht den nilchstältesten Bruder, Matthias,
welchem er abgeneigt war , weil dersellje sich einst mit den sich em-
pörenden Niederländern eingelassen hatte, sondern den jüngsten, Albrecht,
welcher bis dahin in Spanien gelebt hatte. Von vornherein hegte er
dabei wohl für diesen wie früher für Firzherzog Emst den Plan , ihn,
wenn sich Itudolf nicht endlich zur Heirath entschliessc, mit Isabella zu
vermählen, **) und ihm zur römischen Krone zu verhelfen.
Gewiss war auf letztem die Absicht Albrechts gerichtet , wenn er
eich schon im Jahre 1596 bemühte, dem Administrator von Sachsen
ein ihm früher angebotenes spanisches Jahrgehalt zu verschaffen, und
wenn er den Churfürston von Köln, .,auf den allein das Haus fast seine
ganze Hoffnung bezüglich der Wald setzte“, wiederholt angiug, den
Kaiser zur Ordnung der Nachfolge zu drängen. ^®) Wir wissen nicht, ob
brvar aod an Brand«Dbur^ 13. April, Brandenbarg an Maioi, Köln a. <1. Spree 38. Uarz lo96.
Ä. a. 0. D. IC u. 18 Orr. 17 und 20 Cpte, 14 Ür. Vgl. Harter VI. 425 dessen Angaben
bis aof die Daten herab anrichtig sind.
55) Khcvcnhiller IV, 1470. Vgl. Reidanas Annalei Belgamm 292.
56) Kberenhiller IV, 14TB.
57) Ritter Union 1. 246 l&ast Spanien schon 15m fQr Albrecht, den Statthalter der Niederlande,
wirken. Er Übersieht, dass damals noch Ernst lebte.
58) Hinacci an Speer. Taseulani 14. Oetober 1505 Ma 102/4. 120 Cri.
59) Albrecht an den Chf. eon Köln, Brüssel 17. Deoember 1506; Wir hören, daas E.L. demnächst
eine Reise ins Reich hinaaf and eieUoiclit gar nach Prag machen wird. Schon früher haben
wir E. L. durch Ihren Qelieimrath Dille „unsere Intention and msioang über das »accessioDS'-
werk und wie weit, auch mit was praeteit, condition and gelegenhait and fneg wir solches durch
K. L. bei I. ksl. Mt. gerne angebmeht und befördert sahen*, mittheilen lassen. Deshalb bitten
wir jetst nur, daas E. L. sich diese Sache und das auf dem leisten Reichstage einstimmig be*
achlossene PaciBcationswork [mit Holland] eifrig angelegen sein lasse. Wegen des letzUrco
haben wir dem Kaiser lingst geschrieben and ihn durch Clemente drängen lassen. E. L. wer*
den auch wissen, dass zu Ijebzeiten unseres Bruders Emst dem Administrator Ton Churaaebten
„als ainem unserm löblichen bauss sonderbar zugethanen und woblgenaigten försten* auf lie*
fehl König Philipps „in aller gehaimb und vertrauen eine jährliche pension, bonorarium oder
dankbare erkanntnuss, wie man es nennen möchte, nitro angebotten* worden ist [Vgl. Briefe
und Aetcn IV, 471]. Die Sache ist aber dann bis zu unserer Ankunft in diesen Landen ver*
schoben. Wir verhandeln jetst mit Clemente, um aie zum Abschlüsse za bringen. Träfe nan
E. L. auf der Reise mit dem Administrator zusammen und könnte Sie füglich von der „erkannt*
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i's zu Abmachungen mit Sai'hsen kam. Churtui'st Krnst, der auel» mit
Albrecht persönliche Freimdschaft geschlossen hatte, ents])rach dessen
Ansinnen. Auf alle seine Mahnungen emjifing er jislnch nur ausweichende
Antworten. *')
Wegen der Ilcirath suclite Philip]) II. eine entscheidende Antwort
Uudolfs herbeizuführen, indem er mit demselben im Deceniber 15!)6 und
im folgenden Frühling durch den Admiral von Aragon, Francisco de
Mendoza, mündlich verhandeln Hess. *-) Der Kaisi'r gab aber auch jetzt
nur hinhaltenden Bescheid. Da erkläi'te ihm Philij)]> , dass er seine
Tochter mit Albreeht vermählen werde, wenn Iludolf nicht seineraeits
binnen sechs Monaten zur Heirath schreite, und als die gesetzte Frist
veratrichcn war, kündigte er ihm an, dass er nun den bezeichncten
Schritt vollziehen werde. Aufs neue suchte der Kaistu’ Aufstdmb zu er-
langen. Philij)}) II. Hess sich indes nicht mehr täuschen und hinhulten,
da er selbst in hohem .\lter stand und seine Tochter beraits das zwei-
unddi'ei.s.sigste .Jahr erreicht hatte. Am (>. Mai lö98 wurtlo der Vertrag
abgeschlossen , durch welchen er dem Erzherzoge Albreeht die Hand
Isabcllas gewährte und beiden die Herrschaft der Niederlande übertrug.
Hudolf war schon durch die erste Nachricht von der Absicht des
Königs mit heftigem Zorne erfüllt woiilen. *■*) Als tlann sein Bnuler
zur Hochzeit nach .''j>anien reiste und ihm unterwegs einen Besuch ab-
reden, no bitten wir «nlle guete officift tae tbuen, Jumit er also in guetter dcTotion an*
sers löblichen hanses and in denen temiinis, wie er birabero ganz rüemblirben tmd löblicben
scheinen laBs«tt, erhalten wenle.* Bra. äeeretairerie d'Allemague, M. ’iiMb Cpt.
60) Briefe und Acten IV, ^27 Anni.
61) Bescheid de« Cbf. von K>~*)n für CasaI 28. Januar 1601 Urs. Secrct. d'Allem. N. 116, mO Copio.
02) Thnaous 721 (f. Vgl. Mich. Ejrzinger. Bclatio historicA l<V.i7 I, UM and 11, 2-1 and Seb.
Brenner Continoator temporis quinqucnoalis .108 und 370.
68) K heTcnhiller IV, l.ViJ, 1S47», f. V, B)ö2 fT. Alle die bisber angeführten Nachrichten des in
dieser Sache bestunterrichtetun Kbi-venbillcr sind wie von aufllandischen Schriftstellern so noch
jüngst von H. Sebmolke: PhUippe II. Alwebied von den Niederlanden, vdllig unbeachtet ge*
lassen. Sebmolke sagt S. 4: «Kaiser Rudolf, Erzheizog Emst und der Herzog vonGaise hatten
nach einander auf Isabellas Hand sieb Hoffnung gemacht: aber, sagt Grotios, der Vater behielt
sie bei sieb, um desto mehre dareb diellüffnuog auf ein solches Ehebündnii anzulockeii* q. s w.
64) Ara l.\ Sept. 15ü7 schrieb Ulrich Speer an Hz. Maximilian von Uaiern aus Prag: er wolle
mündlich berichten, «was man albie de matiimonio Oaesaris et quam hoc sit incertum, item
de matrimooio arcbiducis Alberti cardinalia et quam id certam sit cum offensa summa Caesaris,
disemrirt." Me Act n. 610, II, 84 eigh. Or.
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stattoii wollte, leimte er denselben unter leeren Vorwiiiulen ab'’*) und
als jener gieh dennoch einstellte, empfing er „schlechten Bescheid'“, so
dass er schon nach drei Tagen weiter zog. *’’®)
Sechzehn Jahre lang hatte sich Hudolf mit dem Gedanken an die
spanische Heirath beschäftigt. Weimgleich er sich nie zu derselben ent-
schlicssen koraite, hatte er doch auch nie verzichten wollen und im
Zwiespalt eines unentschiedenen Geinflthes hatte er vielleicht ebensoviel
Neigung wie Widerwillen für die Verbindung gehegt. Ks mochte ihm
daher schmerzlich sein, dass ihm die Infantin nun ondgftltig verloren
war. Seinen stolzen und eigenwilligen Sinn verletzte es ferner tief, dass
l’hilij)]) und Albrecht ihre Abi’ede getroffen hatten, ohne seine endgültige
Krklänmg zu erwarten und ohne ihn als Hau])t des österi-eichischen
Hauses vorher um seine Zustimmung anzugehen. Er konnte sich vor
ganz Europa beschimpft fühlen, da Jedermann wusste, dass er die Prin-
cessin begehrt hatte und nicht von ihm die Verhandlungen abgeln-ochen
worden waren. Noch schwerer empfand er es, das,s ihm die Gelegenheit
entgangen war, die Niederlande oder Mailand dem Ueicho wieder zu ver-
einigen. Er ermass, wie sehr seine Macht dadurch vergrössert worden
wäre und wie viel Ansehen und Ruhm es ilim erworben haben würde,
wenn er sich so mit der That als ,.Mehrer des Reiches" erwiesen hätte.
Dazu kam die Aussicht, dass der gesanimto Besitz Philij)ps II. auf die
Infantin übergehen könne. Er meinte, dann werde die ganze Welt ihn
tadeln, dass er einem Anderen solchen Gewinn und die VorhoiTschaft
in der Christenheit, die ihm als Kaiser gebührte, habe zufallen lassen.
Co) Der lelffi»che Ge*chSftstr»jrer , ArnaUo ran der Hoye an Enhz Älbreclit, JJ. October lö98.
Br*. Swet. d’AIleniapnc N. 79, 7 Or.
C6) Vcndrainin an den Dogen 17. October D. V. vol. 2S/244 Qr. Albrecht kam am Ul. nacii
Podiebrad, wo der Kaiser eben weilte. Vgl KheTeobiller V, 10C6. Boje ichrieb am 9.
Norember an Eraha Albrecht: ,£l personaje que V. A^cono«ce, ha rnelto i hszermc inBtancia,
paraque jo acnerde a V. A**, qoe sca servido de advertir de quando en quando al Ktnperador
de] sucesM desta jomada j de laa demas occmrenciaa qae fgeren de algtina imporlancia, porqoe
dice, qa« V. ae puede assegnrar, qne S. M ^ C. reetbira cn cllo inocbo giuto y contento
j tambien aerrira para quitar tauto mas presto aqaella nnve qae paresec ay por loqae eesaTe,
entre dirha S. y V. A*S y aasi entrara cada dia en mayor corr<npoRdencia y conhdencia
qae qnanto importa por lo que ae pretende, ae dexa de conaiderar a V. A‘^* Bn. Sccr^^t.
d'Allciii. K. 79, *21 Or.
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24
Vor allein aber glaubte er sich nun die (iefalir, dn»s ihm die Regierung
entwunden werde, unmittelbar nahe geruckt.
Durch den Besuch Albrechts mussten jene Erwägungen und diese
Furcht in der Seele des Kaiser lebhafter denn je erregt werden, zumal
der Erzherzog darauf drang, dass die Churfürsten ehstons zur römischen
Wahl aufgefordert werden möchten. Nicht lange zuvor aber hatte
sich Rudolf, weil in Prag die Pest um sich griff, nach Brandeis und
dann nach Podiebrad begeben , wo er aus Fuivlit vor der Ansteckung
nur Wenige vor sich Hess, und seine Minister, die Reichshofräthe und
die Kanzleibeamten hatten sich, da die genannten .Schlösser nicht hinlänglich
Raum boten, nach verschiedenen Oertern zerstreut. Am 18. .Januar 1599
kehrte er dann zwar nach Prag zurück, aber das, wenngleich vermindert,
andauernde Sterben Hess ihn noch längere Zeit in seiner Abgeschlossen-
heit verharren und erst Anfang April waren die Reichshofräthe wieder
ziemlich vollzählig um ihn versammelt. Monate lang war durch diese
Umstände die Erledigung der Geschäfte unmöglich gemacht und so
hatte der Kaiser denn volle Müsse, sich seinen trüben Gedanken hinzu-
geben. **)
67) Khevanhillär !V% 1845 und V, lfi66. Vgl. den Schloss der in Beil&go I mitgetbeiUen
Stelle aoR dem Briefe Yendramios vom 3. Mai and die Relation dee G. Soranzo vom
Jahre 16H in den Fontea rerum Austriacaram II, XVI, 2, wo die Heiratb Albrechta ala Ur-
BJiche der Melancliolie des Kallers bexeichnct wird, was offenbar die am ksl. Hofe herrscbeotle
Ansiebt war.
68) Kberenhiller V, H>66.
66) Vendramin an den Dogen, Prag 7. September 1598 ; Nachdem die Pest in einigen kleinen
Städten des Kbnigreichs aasgrbrochen war, sind vorige Woche auch hier zehn I^ute an ihr
gestorben, drei davon im HauR« Trantson« nnd einer im Scliloia Als der Kaiser dies erfuhr,
reiste er am ö. mit geringem Gefolge nach Brandeis; seit sieben Jahren hatte er abgesehen
von der Reise nach ßegensburg (1594] die Stadt nicht verla-Rsen. In den letzten zwei Tagen
ist von den mehr als 160, 0(H) Einwohnern Prags keiner mehr gestorben. D. V. 28, 198 Or
Derselbe an dens- Prag 21. Sept. 1.598: Am 1.5. kam der Kaiser mit sehr wenigen Leuten
hierher zurück nnd ging nach vier Tagen auf ein vier Meilen von hier liegendes Landhaus.
Die geheim gehaltene Ursache der Abreise von Brandeis war, dass dort eine Magd des Platz-
hau]itroanns an der Pest starb und eine andere Person ira selben Hause erkrankte. Prag ver-
Itess er wieder, weil ,il sospeüo va girando intomo dei suoi palazzt et della casa del signor
Traueen, suo principal miniatro, ehe sc ne i andato egU ancora ultimamente in altra parte
fnori della cittä." A. a 0. 213 Or. Am 27. September ging der Kaiser nach Podiebrad. Ale-
xander Präntl an Hz. Maxiroitian von Baiern 5.0ctober 1598 Ma. 50/9, 10 Or. Wo die Krank-
heit in ein Haus komme, meldet er, setze sie nicht leicht mehr aus, doch sei der Schrecken
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Kr brflteto darüber , wie er sich an Spanien und Albi-echt rächen
und in seiner Stellung behaupten könne. Schon iin Jahre 1594 hatte
verlautet , dass er in seiner Abneigung gegen Sjjanien beabsichtige,
.Maria von Medici zu heirathen, deren Oheim, der regierende Grossherzog
von Toscana, zu Philipp II. in gespanntem Verhältnkse stan<l. Drei
Jahre später soll — vermuthlich in Folge der Drohung Pliilipjjs, seine
Tochter mit Erzherzog Albrecht zu vermählen — der Vertrag mit
Florenz beinahe zmn Abschlüsse gediehen sein. ”) Jetzt waiwltc der
Kaiser aufs neue seine Gedanken dieser Verbindung zu und trat, wie
berichtet wird, noclimals in ernstliche Verhandlungen über sie mit dem
Grossherzoge ein. ’*) Zugleich liess er in den Archiven nach Urkunden
noch nicht Mlir gross und hoflfi' mnn anf die Kalte. Weitere Bericht«' des$ielh«'ii v. 9. Not.
25. Januar. 1. Febr. unil 5, April 1599 (laa. 25, 30. 31. 40 Orr. Koje berichtete am
0. Not. 1598: Die Pest greife Biets mehr um sich tmd Terlaufe stet» bldlicb. Gott gebe, dass
bald Frost komme. Bra. Secret. d'Allero. N. 79, 21 Or. .4m 20. liecember schrieb V'codramin
dem Dogen: .Col ritorno dei giudici et dei ministri eivili, venuti per obedientia del cotnman'
daroento di S. C. a resieder in quesU citta, s'incominciano aridur i magistrati ct a teuer
i soliti coosegli i>cr servitio della ginstida et di questi popnü. parendo. che la peate ancora
dia segDO di molto migiioraiDento. poicb^ ta settimaoa pa:itsata ne sono morti intomu a ceoto
manco delle settimane antecedeutl di tutte le sorte di malattie .... Tengoao pero ariai dt
Poglibena [Podiebrad]. ehe 8. C. stia molto nsoluta, quando la cHtä non si Hberi a certo
»egno. altncDO secoodo Paso di Alcmagna, sin a1 giomo della Epifania prossima, di rolcr
trasferirsi per ogni modo overo in qualche terra nell' Austria overo in altra terra situata sopra
li confioi dl qaesto regno, con fine di riduni appresso tutti li ministri del conaiglio anlico et
del consiglio secreto, perche si possa attender accuratSmente all! negotij quasi del tntto intcr*
mesai, m«'ntre quetta dlTisione et questa lontananza oltre il rispetto della pest«* ritardano non
solaroente le espcdiiiooi. ma caasano negl’ animi di qnelli che negotiano ct che si trorano in
inolta Dcconita di (.-sser espoditi. una grandissima confosione.'' D. V. toI. 2H. 290 Or. Am
25. Januar berichtete Vendramin die unerwartete Rückkehr des Kaisers, der befohlen habe,
,che Del 800 proprio palazzo non enirtno altri per hora che alcuni cavallieri del «uo serritio
eon un solo aerritnr per cadaano. Del reato st entra nel caatello a trattar con li ministri con-
forine all' ordinario.” A. a. 0. 319 Or. Boje meld«'tc dem Eizhx. Albreclit am 25. Januar, der
Kaiser lasse Niomanden ror, Dasselbe Vriebtete er am 1.5. Februar; nur den wallachiscben
Oraandten Imbe er empfangen ; die IVst habe »eit dem Eintritt der Kalte »ehr nachgelassen.
Br», wie oben 59 und Orr.
70) S. Briefe und Acten IV, 470 f.
71) S. den Brief Vendramins r. 8. März 1599 in Beilage I.
72) Khevenhiller IV, 1846. Boje schrieb am 4. Januar I.599 an Erzhz. Albrecht: ,Äj de
nuero en esta corte gran rujdo de que el Einperador estä reauelto de casarse con la princesa
de Florencia j dizen, que serä mas presto de lo que se piensa. Todo esto ha nacido, sin que
se puede affirmar cosa cicria dello. de un correo qne ba Tcnido poco« dias ha ä este embaiador
de Toscana j qne el despocs haja sido dos rezes llamado por el Emp«*rador que agora se halla
Abh.d.lII.CI,d.k.Ak.d Wiss. XV ßd. I. Abth 4
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Buchen, welche zur Abwehr etwaiger Ansjirflche Albrechts auf die Haus-
landur dienen konnten.
. Diese letztere Massregel rief die Meinung hervor, das.s er die Nach-
folge ordnen wolle, und veraiüasste den Erzhei'zog Matthias, sich mit
der Frage zu Ixjschäftigen. Da er nunmehr der älteste unter den
Brüdern Hudolfs war, glaulrte er zur Nachfolge lierechtigt zu sein und
er war nicht gesonnen , auf diesoltx> zu verzichten , denn er war von
Ehrgeiz und imruhigem Verlangen, eine hervorragende Rolle zu s|)ielen.
erfüllt. Nicht minder misstrauisch als der Kaiser -hatte er diesen liereits
en Lima cIdoo lei^aa« villa. adondc todariA sc moerv, pero algo menos qne los <Hss )ias-
sados i>or Io« frios quo haie." ür». ßecret. d'Allcm. N. TU, 5.T Or. Vendramin an den
Febraar lo99 : ,Dei negotij del Granduca sone parla ancora da quaicheduno dei medeaimi
ministri di 8. C.« dieendo eui, cbe le ofTi'rte di S. per 1e nozze e per il titolo (eine«
K5nig«j siano dl tre ifiilHoni d’oro, il cbe difTlcilmente riene ennlato. Ka spana uoa voce la
settimaoa ^taasata. che ü sr. ambasciatore di Fiorenia havesse bavuto aadlentia secretU da S.
• ma csseudo egit stato dal sr. Traucen i tempo di notte et per aventura ä quinto fine,
s'intcsc dapoi, cb>gll se nc era riioraato senz' c«ser atato admesao in altra parte. Favorisce
tuttavia questi iiegotij, per quantu s'lntende. ü detto ar. Traucen ioaieme con an medico di
S. C., nel quäle al presente clla at coofida molto. Mcntrc ginlrnHc. ch’iJ nr. I{onfo pro*
cura di dtrertir la ho da huom'xnima bnnda, ehr e^li dahita, ehr nrl cor.to de
altri an’ mrsi dritlittati dal Gra» Dura jMMga rmdrerifi di prroder nio^lie, affrrmandn eff/i
jterd che pan»alo il drtto irmfut et dmidoni alla prhtcipenAa, alln (fmd wtMtra S. C. fii*
clinntione f altro prrticiyic, ai posMti poi teuer jter cerio, che uou haldtin piit n uutritarsi.*^
D. V. Or. Vendramin* Berichte vom 8. März, 5. und lU. April a, Beilage I. Wie
vreit die Angaben Vendramin« im Kintcliicn begrändet sind, wage ich nicht zu CDtachelden.
Boy« achrieb am 5. April an Enbz. Albrecht: ,Se habla todavia <\A caaamiento de S. Md. C.
coD la de Florencia, pero por llevar este platica maj secretamente, no ae poede haata agora
afHrmar cosa cierta. Con todo eato no podrä tanlar mucho, que no a« aepa en que parari,
porque de but-na parte be entendldo, que dicha Md. C. haac determinado de qaererae declarar
presto aaai en lo de au caaamiento como tambien en Io de la elecUon del rey de RomAUoa.^
Brs. wie oben 137 Or. Vgl. Harter IV, d-M und dfid.
73) Am 20. Januar 159U schrieb Krahne. Matthias an Strein: Wir hören, dass der Kaiser .anjezu
gleichsainb proprio motn io tracUtione de futura sacecssione bei der cron Bebaim umbgiDgen "
Zu dem Ende hat man Kaiser Ferdinands TesUiiieniscodicill nnd die Erbcinigang zwischen
Oesterreich und Böhmen von 1364 aufgnuebi. Auch criim«rt der Kaiser sich eines Reverses,
dass Böhmen nicht auf Töchter vererben solU-, n. a. w. Wi Succcssion Matthias I Copie, ge-
druckt bei Luttig Staatsconsilia 327. Vielleicht gab Rudolf vor, <Uas er an die Ordnung der
Nachfolge denke. Dass es wirklich der Fall war. ist bei seiner Stimmung nicht anzunebmen.
und dass gerade die von .Matthias bezeichnoteD Urkunden, insbeeondere aber der die Töchter
aujschlieaaendc Revers aufgesucht wurden, leitet mich zn der oben ausgesprochenen Angabe.
Rudolf mochte f&rchten, daas AIbr<?cht die Hauslacde für laabella als Enkelin Karls V. in An-
Spruch nehmen könne. Behauptete doch später auch l'bilipp III. wegen seiner graden Abstain*
niung von Karl ein besseres KcHiht auf jene zu besitzen als Ferdinand II.
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früher auf das Gerücht hin, dass ))«i demselben für einen Anderen um
die Xaclifolge geworben werde, durch seinen 01)ersthofmeister Reichard
von Strein an sein Recht erinnert und um dessen Berücksichtigung ge-
Ijeten. Jetzt Hess er sofort den das Recht seines Hauses auf Böhmen
betreffenden Urkunden nachforschen, und forderte zugleich Sti’ein, der
als bester Kenner der Geschichte der östen*eichischen Länder galt, zu
einem Gutachten über jene Frage auf, „damit er die Feststellung der
Nachfolge bei Gelegenheit fönlem könne.“ ’*)
Bald glaubte er jedoch eine solche Gelegenheit nicht mehr abwarten
zn dürfen. Aua dem Reiche kamen Nachrichten, dass die Protestanten,
ei’bittert durch den gegen Endo 1598 erfolgten Einbruch dos belgischen
Heeres auf deutschen Boden, mit der Absicht umgingen, einen Angriff
auf die katholischen Reichsstifter im Norden und auf Belgien zu unter-
nehmen und Heinrich IV. von Frankreich oder den König von Däne-
mark mit Gewalt zum Kaiser zu machen. Einer derartigen Erhebung
schien das Haus Oesterreich nicht wioderstelien zu können, da seine
Mittel durch den Türkenkrieg eiswliöpft waren und es auf die Prote-
stanten in seinen Ländern alsdann nicht zählen durfte. Unter diesen
hatte ohnehin in Folge der durch den Türkenkrieg verursachten
Steuerlast und Bedrückungen , der alwolutistischen und germani-
sierenden Bestrebungen der kaiserlichen Regierimg und ihrer Versuche
zur Einschränkung des Protestantismus bedroldiche Aufregimg und feind-
selige Stimmung gegen das HeiTschorhaus Platz gegriffen. Die Ungarn,
74) Sieh den Bescheid Rudolfs für Strein bei Harter V, 410 f. Harter setrt das SchriftstQck
ins Jfthr 160S. Da jedoch Rudolf sagt, es sei seit 1‘>D4 nicht das Min<ieste wegen der Nach-
folge verhandelt worden, kann der Bescheid nicht nach dem oben erwähnten Anbringen Al-
brechts bei dessen Besnehe, geaebweige denn nach den im Folgenden za erzählenden Verhand-
lungen mit Matthias ertheilt sein, ich mOchte ihn in <ias Jahr Io% setzen, denn damals war
auch b«i den Protestanten das Gerücht verbreitet, dass Kriherzog Albrecbt sich am die Nach-
folge bewerbe; s. J. Bongarsi epiatola« ad J Camerariam p. 2i^0 und Im folgenden
Jahre dürften schon die neuen Mahnungen des Ctif. von Köln [s. oben 8. *22] erfolgt sein, die
der Kaiser aber freilich auch unerwähnt lassen konnte, weil er sie answetchend Ixiantwortete.
75) Durch das in der vorletzten Anraerkong angefübrb' Schreiben. Die Antwort Streins mit einer
von ihm verfassten .Infoniiation* über das böhmische Wahlrecht finden sich abschriftlich Wi.
a. a. 0.. gedrnckt bet Lünig Staatsconsilia I, 527 ff Das dort 541 ff. gMruekte Gutachten
Schlicks gehört ins Jahr Idlfi Mer 1Ö17.
4*
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Böhmen, Mähren und Schlesier sprachen gegenüber den Gerüchten, dass
Rudolf seinen Nachfolger eritennen lassen wolle, die Absicht aus, auf
voller Freiheit der Wahl zu bestehen und die Kronen, wenn sie durch
des Kaisers Tod erledigt seien, den Erzherzogen vorzuenthalten. Ja
76) Vgl. die in der folgenden Annivrkong angcftlhrten 8chreib«n and Beilage III und X. Ueb«r die
Anschläge der erangeliscbcn Reicksatändo berichtete Adelf Wolf gen. Metternich am 29. März
1599 ähnlich wie oben an Hz. Maximilian ron Baiern. Ma. 3. RIO eigh. Or. Schon am
18. Januar 1699 schrieb der belgische Geschäftsträger za Trag an Enhi. Albrecbt: .Dizete,
qae el atlministrador de Saxonia j el eteetor de Brandembureh j los duques de Meklenburcb y
de Pomorania han pedido a 8. Md. Ces. licencia de poder venir a vUiUrla para presencial*
mente consuUar con el algunas cosas de mucha importanza. Soipecbase, qoe querräo tratar
entre otras coaas de la election de au rey de Komanos y acerca lo del&religion y del remedio
contra los dancts qae el imperiu resclTe continuamente de la gaerra de los Paises Baxoe y tarn-
bien de la continaation de la gaprra contra e) Tarco.* Brt. Secretairerie d'etat Alemande
N. 79, 57 Or. Am 24. Mai berichtete derselbe: Der Tag der Proteatanten za Magdobarg [s.
Ritter Union I, 1H7 f. Moser Krt'isabschiede III, ;181 llaeborlin XXI, 540] ist ohne
Beschlüsse von Bedeatang aus einander gegangen. Es soll nar vereinbart sein, dem Katsar durch
eine Gesandtschaft za berichten, dass über Sicherang des Reiches gegen spanische Einflllle be*
ratben sei. Einstweilen entlassen sie ihr Kriegsvolk. Die Hauptursachen, dass sie sich nicht
Ober Aasführung ihrer Pläne einigen konnten, sind folgende drei: 1) Der Zwiespalt zwischen
Lutheranern und Calvinisten. 2) ,1a competencia que tienen por ei cargo de general, paes no
ban savido ncertar eo hazer an rej de Komanos. como prellenden, y sin duda le bixieran esta
vex, 81 el administrador de Saxonia concurria, cumo no ha qoerido hazer, y es quien inejur
se ha Hevzuio en estos movimientoe y alborotos contra el dicho exercito d. V. A“ , porque
aiempre lia hcMiho por divorsas vias y diligeucias todo lo qae pudo, para aquictarlos“, 3) der
Mangel an Geld zur Bildung und Unterhaltung eines Heeres, denn Wenige bsbon welches und
diese wollen nicht zuerst den Beutel ziehen, noch das Ihre für Ungewlises wagen und sich für Andere
zu Grunde richten. «Deste exito y suoeseo quetia 8. Md. Cos. y toda esta corte muy alegrada y
coDsolada por haversele quitado el caydado que so tenia de alguna sullevacion general en Ale*
maua con entroduxir por fuerza un rey de Romanos herqc y factioso.* A. a. 0. 153 Or.
Vendramin berichtete am 8. Mai dem Dogen: «Meiitre questi pritteipi protesUnÜ vaiino trat-
tando di unir le volontä et gli suimi degP altri principi et dolle Terre franebe per il loro
cuQgTcsso destinato iti Magdeburg, haiino determinato ultimamente li principi cattoHci et
gPecclesiastici di ridurre loru ancoia in nn altro convento affine di far una lega defensiva op<
posita ai detti principi Protestant! cosi per prepararsi io ogni eveoto alla loro defeea come per
dimoetrarsi iutti uniti insiome, aftiachv i dotti principi heretici vadano piii risorrati nelle loro
deliberationi. Dicono, che |M:r questa lega dei cattolici sia stata ricercata aucora la persona
dcl Ser«o arciduca Massimiliano et che S. A** faablia ilato intentione d'cntrarvi per la di>
fesa della religione. Ma am d*e quf$ia maUria di e per ne nte^sa tanio i/eiwia et
ptrehe ei raffiona de eleUiotie de re di Homani, menire chi la emnlatU»ne. traifli arcidHchi c
a cadaHHo »lollo ben uota, ai dabita tuttueia dt qmlche imfiortaHte traratflh della Germtwia
et partii'tdarmente drlla permtha di S. ('ca. alla qHale i principi proteataatif per qnanto
ui ititende, vogiionn mandarle ambanciatnri per eignificarle la c«Nsn dtdla quäl nouo mwiHi ä
eoler für queata diela et ti pentar di armarni f con cke dicono, ehe mranno congionte altre
querelle poiiate dalle nne antiche jtretcuuiont ettlorir per arentura am altri pretesti
la interna lom mala diajiotitione rernn la religione cattedica** D. V. vjI. 29. 127 (*r.
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C8 ging das Gerücht, dass der Churfürst von der Pfalz sich bereits mit
Hülfe mährischer Adclicher um die böhmische Krone bemühe, und dass
er sieh den Anschein gebe, als wolle er katholisch werden, um so bei
dei' künftigen Kaiserwahl die Stimme eines der geistlichen Chnrfürsten
und damit das Mehr für sich zu gewinnen.
Deshalb und zugleich wohl aus Sorge vor seines Bruders Albrecht
Nelienbuhlerschaft beschloss Matthias, pei-sönlich in den Kai.ser zu dringen,
dass er ihm und dem Hause seine Kronen sichern möge. Um seinen
Vorstellungen grosseres Gewicht zu verleihen und in der Furcht , das
Misstrauen und den Unwillen Itudolfs gegen sich selbst waclvzurufen.
bewog er seinen Bruder Maximilian, ihm nach Prag, wo er am lf>. Mai
1599 eintraf, ’*) ein Schreiben zu senden, welches ihn zu dem beab-
sichtigten Anbringen aufforderte. Dieses mittheilend mahnte er dann
77) Sieh Beilage II
7S) Pränt) an Hz Maximilian von Baiem 15. Mai 159D Ma. 50/9, 55 Or. Boye meldet in seinem
Bericbt vom 24. Mai, Matthias Itabe am 17. Audienz gehabt, Vendramin in einem Briefe vom
13. Mai Maitliias „havendp trattato secretamente per leltere con S. C. ha ottenuto licenda
di venir in eorte senxa particlpatione di qaelli del consiglio.** D. V. Vol. 29, 140 Or.
79) Bei Hurter t, 407 ff. Wh. Rekhsregiatratur, Matthias Wahl- und Kronangaacten K. 27
liegt ein Entwurf tu eiutfin Schreiben Matthias an Rrrhz. Maximilian vor, welche« mit dem
bei Harter wm^ntlicb gleichlautend ist. K« beginnt mit der Stelle bei Kurier S‘ 406 Zeile U
von oben: „E. L> werden on zweifei aus den*' n. a. w. S. 409 Zeile 12 von unten heisst es:
„Wir bezeugen mit Gott, das wir hierin nit uff unser person oder aigen intercssc, sonder
allain auf den grossen schaden, der unsenn ganzen hausa uff discr gcfarlichen saeh steet, ge-
denken, and weil wir iro der eltiste und lehentragcr »ein, so vennainen wir, schuldig sein,
gwistsen und Verantwortung halber vor Oolt, J. und den landen, uit weniger zu thnn# alss
mit getreuem brüderlichem rath , hilf und beiitand E und erzherzog Ferdinanden LL. bei
iK'Cbatgedachter B. ksl. Mt auf das glimpfliclüst alss immer muglieb , anbringen tu thon, und
weren entschlossen, inner wenig tagen, zwar anderer Sachen halben, das hero»ige kriegs-
nnd guhernamentsweaen antreffend , zu J. Mt zu verraisen nnd nach craehender gelegenhait“ n.
«. w. wie 8. 409 Zeile 4 ff Dann heisst es S. 410 Zeile 8 von oben nach „besorgen habe":
nDsmit aber solch werk sovü fruchtparlicher stathnl nnd von J. ksl. M» im peslen , wie e«,
Gott weis», anderst nit gi-meint> aufgenommen werde, so halten wir firas dienstlich sein, dass
£. L. auch proprio motu und aus« der lieb, affection und treu, so 8i zu J. ksl. Mt, dero
getreuen landen und leuten und ganzer christenhait, znnial auch tu wolstand und crhaltung
der catholischen religion haben, auch aussfihrlich schreiben, li der im reich firiber laoffenden
practlcen und discurs hrwemeteo und doneben petben, si wollen als ein vatter des vatterlands, I
dieweil unser ganz hanss ainiger t<?iilicher wolstand an J. ksl. M* haftet, gnedigst bedacht
sein, sich »elost vor angezogenen aoschlegen and practicen nnd un.ser hanss vor entlichem |i
Untergang, auf mass J. R ksl 5D selhrt am pesten wissen, tu versichern und darinnen lenger j
nit za feiern. Darbei E L. sich erpietten mechten, das Sie wollen auf alle anschleg gutte I
(
I
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30
<len Kaiser, entwoiler selbst zur Heirath zu schreiten oder die Nachfolge
festzustellen. *®) ,
Rudolf nahm da.s Anbringen unerwartet günstig auf. Ei' Hess seine
vornehmsten Minister, Ruiujif, Trautson und Hornstein mit dem Kanzler
seines Bruders, Wolf von Unverzagt, in Berathung treten und als diese
dringend empfalilen , Matthiius so bald wie möglich zum Nachfolger in
Böhmen, dann im Reiche und schlie&slich in Ungarn emeimen zu lassen, *')
erklärte er sich dazu bereit. **) Es wurde sogar schon eine Urkunde
achtung geben, J. ksl. derselben avisieren und sieb in alle miiglich« wog aU «nn gobor-
samor, getreuer broedor erzeigen, piltent, disc erindernng von £. L. irn pesten anfzanemen.
So hoffen wir es solle unser anbrigen nit one fnicbt abgeen. K. L. wolb n sich aber weder
mund> noch schriftlich nit merken lassen, das wir etwa« dafon wissen oler bei K. L. nrglert
betten**. Der Schlnaa S. 410 Zelte 9 von oben „Darüber dan anch G. L *' n. • w. fehlt in
diesem Entwürfe. Auf dessen Rückseite steht: „fn stmili ist erz Perdinan«! zu Qratz enocht
Alles beratschlagt mit hern Reicharten Strein, 4. Mai Dass FtTdinand dein Kaiser ge>
schrieben habe, ist nicht überliefert. 3dazimUian schrieb am *22. Mai aus Mergentheim an
Ciiverzagt: Wir haben Deine Briefe vom 1., 4. and 8. mit dem geheimen Schreiben Matthias*
erhalten. Letzteres betreffend hatten wir Bedenken, cs an den Kaiser zu richten, „weil Dir
selbst uflTcrborgen, wie leicht und viel ehr man ein argwöhn auf uns als auf andere wtirft*^
Wir haben deshalb das Schreiben an Matthias gelichtet, damit er es dem Kaiser bei Qelegcn-
heit voneigen könne, and wir haben es mit eigener Hand gesebrioben, damit ea desto weniger
Uflension veranlasse uni geltotm bleibe. Ib. Auagangene Schriften 1599 Cpt. Vor das
Schreiben des Matthias gehören, wie ihre in jenem wie>ierklingendc Einleitung zdgt , die
beiden von Khlesl gefertigten Entwürfe bei Hammer Khlesls Leben I. n. 132 und die
dort vom Jahre datiert sind, und zwar sollte die zweite Namraer vor der ersten stehen,
wie der dieser angehaugte und Silschlich bei der zweiten wiederholte Vermerk ausweist Aus
dieses Schriftstücken erhellt, dass Matthias zunächst daran dachte, den Kaiser schriftlich an*
zugehen. Dies mochte dann unterbleiben, weil man fürchtete, keine Antwort zu erhalten.
Das Schreiben, welches Harter v, 71 durch Khlest an den Kaiser richten lässt, und welches
er frühstens in den Anfang des Jalires 1600 setzen will, ist nach der von ihm mitgetheilten
Stelle olTenbar einer der von Hammer mitgctheiUcri Entwürfe.
80) Vgl. Hammer I, n. 137.
(*I) S. Ildlage III.
s*>) Am 31. Juli 1599 schrieb Erzbz. Maximilian aus Mergentheim an Unverzagt: Aus Deinem erat
heute cingelanfonen Selireibcu vom 3 habe ich vernommen, .dass I. Mt. die bewußte geheime
aach, die bishero so faaia und kizlich gewesen, dermassen gnedigst aufgenommen, das sie ea
dermaleins zu gemuth gefast and nunmehr mit denen gedaoken umbgehen Der almechtig
verleihe, das sie cs ihro der Wichtigkeit and nothweudigkeit nach recht mit ernst lassen ange«
legen sein So thetten auch 1. Mt. mit mir gar recht, wan sie nit allein die alten Österreich»
iseben kleinotter, kaiserliche cron, habito und was dergleichen, sondern auch das Und ver»
sicherten, dan wie ihrer vielen leider gar zu sehr die zunge nach der rerenderung (des Herrscher*
hauscs] liengt and bei diesen practizierischen, unsers thails aber säumigen loufen zu befahren,
wurden habit , cron und kleinötter wenig helfen, wan das land vcrlohren wehre Drumb weil
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entworfen, durch welche Matthias, falls er erwählt würde, versprechen
sollte , wenn Rudolf noch einen ehelichen Sohn erhielte , diesen statt
seiner eigenen Kinder zuin Nachfolger zu befördern.
Am Hofe erzählte man sich bald danach, dass Rudolf seinem Bruder an
seiner SUitt die Hand der florentinischen Prinzessin zu vei’schaflfen suche,
und dass er eutschlos-sen sei, demselben in nächster Zeit die Nachfolge
in den Hau.sländern und im Reiche zu sichern, und als Erzherzog Maxi-
milian eine Reise durchs Reich unteniahm, auf der er den Herzog von
Wirtemberg, die Churfürsten von der Pfalz und von Mainz und den Ad-
ministrator von Sachsen besuchte , wollte man wissen , dass sein Zweck
sei , im Aufträge des Kaisers den Practikcn des Königs von Frankreich
um die römische Krone ontgegenzuwirken. Wir sind nicht im Stande,
den Werth dieser Gerüchte festzustellen.*“) Thatsache ist jedoch, das,s
Rudolf im .August die seit lange erledigten grossen Iröhmischon Krön-
Jbr dieser Zfii eia ohr b«ror btU, so helft d&s beste rathen uml hottet Euch nur ror dem
(refehrlichen siebeDburgischon c&rdinale, (Aodreaa Bathory] dan: ex Transylrania omne malum,
hatt der tod Teuffenbach alweg pfleget xu prognoettcieren.“ Ib. AosgaDgene Schriften 151*0
Cpt- — Am 25. daoi rfiste Hatthia« von Prag ab» nachdem der Kalter ihn xuin Qcneralfeld-
obertt für Ungarn ernannt iiatte. PrftntI an Hx Maximilian Ton Baiern 3. Juli 1-VJ9. Ma.
50/», 02 Or.
S3) Nur hierher kann ich die Stelle bei Hammer Khlesl 111. Beilagen S. iS7 bexieheo, da der
Bevera nach ihr von Unreraagt entworfen wurde. Wenn Harter VII, 31 Anni. 73 bemerkt,
.das Original des Rereraes besage, dass es durch Rudolfs Oberstkammerer Leonhard Helfericb
Ton Meggan rerfaast worden sei*', so ist dagegen zu bemerken, dass M. nie Radolfs Oberstkäm*
merer war Lag Harter ein Rerera ron Meggaas Hand Tor, so kann derselbe nnr 1600 ent*
standen sein. Vgl. Kberenhiller Conterfot II, 29. Es wären dann zwei Reverse aozu*
nehmen, da das Zeagnia der Stelle bei Hammer, die Harter nicht kannte, unanfechtbar ist.
84l Sieh Vendramtns Boricbto ln Beilage IV.
S5) Woher Vendramin seine Nachrichten hat, ist nicht ersichtlich. Die einzige rollig sichere, aber
kochst dürftige Mittbeilong über Maximilians Reise verdanken wir einem Briefe desselben an
Rudolf 11. vom 17. September 1599 aus Frankfurt a. M. Dario meldet der Erzherzog: Ich bin
am 29. Augast zu Kirchbeim unter Teck beim Herzog von Wirtemberg gewesen. Dieser hat
mir unter Anderem gesagt. £. Mt. möge nicht länger die vonlerösterreicbischen Lande ohne
ein anwesend regierendes Haupt lassen und den Rätben besser auf die Finger sehen, denn das
jetzige Wesen könne nicht Bestand haben. Am 5. September reiste ich weiter and kam am
7. zom Churfürsten von der Pfalz nacli Qeiroersheim, der mir ausserordentliche Ehren erwies.
.Hag E. Mt. woll Tcrgwissen, das ehr ein feiner, verstendiger , treubeniger, offener herr ist
aber der zeit noch fast sehr von seinen rätben dependirt. Hat sich eotscholdigt, das er nit
gern an die izige teutsche Kriegsausrüstung kommen, sondern vom marggraffen [von Ansbach]
darzn beredt sei worden.* Er scheint sehr geneigt, E. Mt. za besacben und tbut es vielleicht
bald von der Oberpfalz aus. wozu ich ihm sehr gerathen habe. Am II. begleitete er mich eine
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ämter mit, Katlioliken l)es»!tzt«?, **) eino Matwrogel , welche ihm seine Mi-
nister in ilirem oben erwähnten Gutachten als erste Vorbereitmig der
bölunischen Wahl empfohlen hatten.
Weiter aber ging er nicht. Ks mochte ihm ganz genehm gewesen I
sein, Matthia.s als Nachfolger in .\ussicht zu nehmen, um dadurch Al-
brechts Wünschen entgegenzuwirken. Wie er je<loch die spanische Hei-
inth und dann die florentinische immer und immer wieder verschob, so
konnte er auch in der Wahlfrage nicht zum Ent.schlu.H.se kommen uml
schon regten .sich FuiTht mul Argwohn in ihm auch gegenül>er
.Matthias. *’)
Im Septeml)er 1599 kam dieser aufs neue nach Prag. ***) Ohne
Zweifel drang er auf die Ordnung der Nachfolge. Er erreichte jedoch
nichts und empfing übei'haupt auf keinen seiner .Vnti'äge gewähi'enden
Bescheid. •
ganz>> Ta^reise weit bis nach Frankenth&I. Am 1:1 war ich zu Mainz beim CburfOrsten.
Am PI kam ich nach Knnkfurt, Ton wo ich nach Fabla ziehe, om dort einige Irrungen bei*
zulegen. Ib. Ausgnngene Schriften. Cpt. Am 22. October schrieb Mniinülian dem Kaiser aus
Eisenach, am 26. nua Weimar, ohne jedoch nach da den eigentlichen Zweck seiner Reise anza>
denten. Ohne Zweifel gesebnb dieselbe mit Vorwif^sen des Kaisers, dessen Argwohn sonst zu
Rirchten war, und das Aufsochen der Churfürsten lasst rermutben, dass es sich um die WahN
frage handelte. Am 4. September berichtete Vendramin, Matthias habe gegen Vertraute Arg-
wohn über Mszimilinns Reise zu den Churfürsten genusseri, „dubitando, cb<& sia stato usafo
doppio artificio per opera fors« di interessati, aftinc di gtnerar qualche dirisione sco|teita
sopra la elettione de re de Romani tra essi fratclli." D. V. 29, :K>1 Or.
Bericht Vendramios v. 2'^. August l.‘>!)9 in Beilage IV.
X?) V^gl. Hammer Kblrsl I, Beilagen 3. 629.
Er war dort vom 2. bis znin 10. Berichte Vendramins D. V 2t^, :46 und 654 und Print! an
Hz. Maximilian Ton Bayern 11. September l>^i99. Mn. MO Or.
x9) Der venezianische Gesandte Pkro Duodo [er kam, um Vendramin abtulösen am 4. September
nach Wien, wo er wegen der Pest blkb; am 10. November kam er nach Rockezan. D. V. 29.
:W-'> u. 46H| berichtete unter dem IS. September aus Wien: ,8. A** tornato da Praga, per
quanto ho inteso da qualche suo domestico, h moffo mal mdutfatto per non haver potuto otte-
nere ninna delle cose che ba ricercate. Si doigono i sooi. ehi l'arcidaca non bsbbia bavnto
antorita da 8. M*i, onde narco, clA non sü obbedito ci stimnto, et da questo hanno scoperto
il poco gnato che vive tra TA** S. et tl contc di Squaitcmbcrg, odiatiseimo da iutti li soldati
si per commandare con poca humanita come per acoompagnarlo con troppo avidita, la quäle so
non c lodaU in un soldato, si deve perb granderoente biasimavp in un cajdtano et molto [piu]
in un generale." D. V. 29, 676 Or.
I
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IV.
Inzwischen gelangte eine krankhafte Anlage , die in des Kaisers
Natur vorhanden war, mehr imd mehr zur Entwickelung. WahrBcheinlich
hatte er diese Anlage von seiner Mutter ererbt. Im ältesten seiner
unehelichen Söhne, in dem Markgrafen Juliu.s, w'uchs sie bis zur Tob-
sucht. ”) Bei ihm selbst gab sie sich früh in dem Widerwillen gegen
Verkehr mit Menschen kund und sie mochte hinwieder durch seine Ab-
geschlossenheit, durch seine nächtlichen Studien, durch sein Verweilen
in dunsterfüllten laiboratorien , durch seine geschlechtlichen Ausschweif-
ungen und neileicht auch durch ein von Zeit zu Zeit wiederkehrendes
äusserliches Leiden**) verstärkt und ausgebildet werden. Wurden seine
Nerven durch Verkehr mit Fremden , durch unerfreuliche Nachrichten
oder Verhandlungen, ditfch Widerstand gegen seine Alwichtcn oder dm'ch
Anderes wie etw'a den Tod eines Vertrauten erregt, so bemächtigte sich
seiner ein Trübsinn, der ihn unzugänglich und zur Erledigung der Oa-
schäfte unlustig machte.
Seit dem ersten Jahre seiner Regierum; hatten sich derartige An-
fälle von Schwefmuth mehr oder minder heftig und länger oder kürzer
dauernd von Zeit zu Zeit eingestellt. **) Dem Besuche, den ihm Erz-
90) Kb^Tenbilter III, H62 and V, 22*26 Qb«r die Schwermath der Kaiierio.
911 Qindely Rudoir n und seine Zeit II, ff.
92l In dem Anm. 79 erwähnten Briefe Tom 22. Uei 1599 bei Harter V, 409 mgt Enhz.
M&ximilien, daee der Kauer «lu Zeiten ihre Leibsindiapoiitionen* [eo ist zu leeen] habe. Nach
dem Anm. 2 roit^etheilten Briefe i»t wohl nur an eine aoaserliche Krankheit fii denken.
Vgl. aoch Anm. 24.
93) Schon in einem [mir von Herrn Dr. von Bezold raitgetheilten] Schreiben eines pfäher Beamten
Toro 10, October 1.577 an Chf. Ludwig heisst cs. da« in Folge der durch verschiedene Ge-
sandtschaften benrorgerufenen Unruhe am kaiserlichen Hofe •die kal. Mt. fast meUnelK>lisch
sich erzaig.* Zum Jahre I.VS1 Tgl. Hurter II, 313 Anm 17H und oben} su 1582 s. Hae-
berlin XIV, 352; zu l-'i88: Quellen and Erörterungen VllI, 392, 406 und 409; zul590fg.
I. Briefe und Acten IV, Register s. t. Am 9. April 1.591 schrieb Graf Wilhelm von Zim-
mern an Rrzhz. Ferdinand von Tirol: Audieni ist .schwer zu oriialten, „weil I. ksl. Mt. umb
weilend hern Claudten vonTrivuU (welchen I. Mt. etlicher derselben hochwichtigen obgelegenen
Sachen und handlangen halben gehn Rom verschicken wollen, tötlieben ableben, so erst ain
tag vor meiner hieherkonft [4. April] besebeben, sich etwas traneng und unmuetig ersaigen
sollen.'* Ib. Ferdinanileum n. 105 Or. [Trivulz war Obcrststallmeister des Kaisers, Kbeven*-
hiller I, 7U7, vorher vielleicht der Kaiserin, das. 1. 190; E^iinger Rel. hist. 1591, II, 53,
der seinen Toi! auf den 1, April setzt, sagt, er «ei sehr betrauert worden, .»dan er nit allein
Abb. d. Ul. a. d. k. Ak. d. Wisi. XV. Bd. 1 Abth. 5
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Herzog Albreclit auf seiner Brautfahrt abstatteto, folgte ein neuer An-
fall. Derselbe mochte von vornherein um so heftiger sein, je schwerer
Rudolf durch die Heirath seines Bruders gekränkt und beunruhigt war
und je strenger er sich gerade damals aus Furcht vor der Best abschloas.
Gesteigert wurde seine Kraft durch den Zorn und die Sorge, in vrelche
der Kaiser durch den gegen Ende des Jahres 1598 erfolgenden Einfall
des spanischen Heeres in Norddeutschland versetzt wurde. Diese Ein-
lagerung erschien als die schimj)flicliste Antastung des Reiches und der
kaiserlichen Hoheit und erbitterte Rudolf um so mehr , je feindseliger
er ohnehin gegen Spanien gesinnt war. Er erfuhr zugleich, dass ihn
die evangelischen Stände im Einverständnisse mit den Spaniern glaubten,
er hörte von den Plänen derselben, ihn abzusetzen, und die gleiche
Absicht zu Gunsten Albrechts argwöhnte er vermuthlich als Ursache des
spanischen Einfalls.
I. ksl. Mk. sehr Heb und werth gewest, »onder euch lonak Ton jedertninoiglich geliebt, um
dses er sich so freuodlich and holdselig ohne einige HofTshrt gegen jedermenn gehalten, dase
ihm mernnnd [Anderes] dAnn Alles Oats hat nAchsagen mögen.*^ Als ksl OesAndten erw&hnt
ihn Theiner Annslee eccles. II, 2o schon 1575. Vgl. auch Chlumecky Karl ron Zierotin
118]. Am 7. Hai meldete Zimmern, der Kaiser sei noch immer schwer tugänglich; ihn habe
derselbe jedoch eehr gnftdig empfangen , ihm nnterstutxt tod dem Kammerdiener Popp Trink-
geschirro aus böhmischen Edelsteinen gezeigt and sieh ,^o ganz gnedigist und domostieo** er-
wiesen, wie er es seit lange nie mehr gethan haben soll, ansser gegen Strein, der aus Polen
gute Nachricht brachte. A. a. 0. Am 18. Fehnuir 150H schrieb BarTitios an Hz. Wilhelm
TOD Batern : Wenn Hz. Maximilian nach Prag [s. Briefe und Acten IV, 128 flt.] soviel Gefolge,
wie heabtiebtigt, mitbringt, ist zu fhrebten. „ne tantus strepitns Caesarem vehementer offondat,
qtti jam principem enm exiguo comitatu Inbens ac desiderans expectat, ab bominum eonspeetn
usqoe adeo in dies magU abborrens, nt suos vix ferre cubicularios poRsit, ut bodie per mediaro
horam dobitaverit, nutans, an ad saernm prodiret priratnm perordinariornm ministrorum seriero,
qoae astare solet . . . . Si praeter baronem Polweiler tres vel nt snmmnm quatnor enbieuUrii
ant cubiculariornm loco sint, sufßcerc [videbatnr.] . . . Patres ant eomm mentio cum alias in*
grata tum hoc maxime tempore, hae occasione; quos plane relinqoendos putant, cum nostri ad
manmn sint Poeros nobiles nuUos neque inferiores cubienii ministros niultos archtdnees fra-
tres addneere consuoverant. Ut nno verbo omnia comploctar: quo minore comitato ac strepitu
Tcnerit quo Caesari acceptior futurus priuceps. eul in solitodine consueta et in silentio singu-
lärem alias amorem ostendet ..... Quod roagnum comitatum ac strepitum Caesar usque adeo
fugit, sola cansa est, cur ad congressaro Brandenburgici et Saxoniae adroinistratoris non venia-
tnr, qui id jam diu qoam maitme desiderant atque Optant.** Ma. 417/8, 9, eigb. Or. Am 20.
Februar bemerkte derselbe; „Itomesticis, qui ex roodesto Monaebiensi quasi monasterio veoiant
facile erit seae noitro eremitorio accommodaro." A. a. 0. 13. dosgl. Vgl. Beilage XI.
94) HierQber im fünften Bande der Briefe nnd Acten Näheres.
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Unter diesen Kinwirkungen ging der Trübsinn des Kaisers in angst-
volle und gereizte Erregung über, die ilui so übellaunig und verstimmt
machte , dass lieinahe keiner seiner Käthe mehr mit ihm verhandeln,
keiner seiner Kämmerer und Diener mehr ihm aufwarten konnte.
Als er nach Prag zurückgekehrt war und die Pest nachliess, trat
Besserung ein. Er gab wieder Audienzen , die er seit sechs Monaten
verweigert hatte, widmete sich — sogar mehr als früher — den Ge-
schäften und nahm gegen seine Gewohnheit an Sitzungen Theil, zu
welchen sämmtliche anwesende Käthe erschienen. **) Kiusch sank er
jedoch in den alten Zustand zurück , da immer heftigere Klagen über
das Hausen der eingefallenen Spanier und immer beunruhigendere Nach-
richten aus dem Keiche einliefen. Seine Gereiztheit wandte sich nun
auch gegen den ersten seiner Minister, Wolfgang von Kumpf zum Wuel-
ross, Freiherrn auf Weitra«
Rumpf, welcher Rudolf schon während jener Jahre, die derselbe
als Jüngling in Spanien verbrachte, zur Seite gewesen war, hatte all-
mählich die vornehmsten und wichtigsten Aemter an sich gebracht. **)
9o) Boj« AD Sao Gement« 21 December Brg Secret d'AlI. N. 79, 49 Copie. [Diesen Brief
werde ich im fünften Bande der Br. n. A. mlttheilen.] Am 4. Jnnoar 1599 schrieb derselbe an
Ertbt. Albreeht: Der Kaiser „esta mny roelaDConico y mohino de manera qne caai nin^n ca*
marero o ajmda de camara pnedo mas esUr con eV* Das. 55 Or.
96) Vendramin an den Dogen 15. Febroar und 8. MArz 1599, D. V. :M5 and 29, 8 Or.
97) Id einem Schreiben aas Prag v. 3. Mai 1599 heisst es : „I. Mt. alteriren and enüroen sich ob
diesem anwesen [dem spanischen Einfall und der Zerschlagung des Depatationstages] so oft
und heftig, das lestUch nichts gnets daraus kommen möchte.** Ma. 292 3, 211 Copie.
98) Vgl. KhevenhilUr Conterfet II, 66 Anm. d. and Annalet III, 770, Harter 111, 32 ff. und
Briefe n. Acten IV, Register s. t. Am 2. Januar 1590 schrieb der bairische Agent Haber*
stock an Ht. Wilhelm ; Es heisst, der Kaiser wolle den alten Leonhard ron Harracb als ge-
heimen Rath bemfen: „das halten etliche für ein sebwera ding, dann lu dem er tU starker
begeren thnen, wQrde er etliche Ding ln dem stand si jezo seind, nit bleiben lassen.*' Ma.
147/11, 34 Or. Eyxlnger ReL hist. 1590, I, 76 sagt, dass als Nachfolger des 1589 Terstor-
beneo Obersthofmeisters Adam too Dietriebstein Rumpf, der Botschafter Khereohüller und
Leonhard ron Harrach in Frage seien. Harracb verlange, dass er vorher xum Präsidenten des
geheimen Käthes ernannt und der ganze Hof seinem Befehle unterstellt werde. Lettierem Be-
gehren stehe entgegen, dass dem Hofkainmerprisidcnten [Hofmann] sein Amt mit dem Vorbe-
halt übertragen sei, dass er Niemandem in gehorchen und Rechenscliaft zu geben habe als dem
Kaiser. A a. O. 1592, I, 48 meldet dann Eyxinger, nach Dietrlchsteins Tode sei an Harrach J
and Hans von Trautson gedacht worden; weil diese abgelebnt, sei das Oberstbofmeisteramt
5* '
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Als Oberstkänimerer beaufsiolitigt« er den Dienst für die Person des
Kaisers, besorgte dessen Privatangelegenheiten, vermittelte alle Audienzen
imd hatte selbst unangemeldet Zutritt; als V'erwaltor des Oljersthof-
meisteramtes war er an Hang der erste und dem gesammten Hofweson
vorgesützt und als Phi-sidtmt de.s geheimen Käthes stand er an der Spitze
der ganzen Hegierung und Verwaltung. Je schwerer zugänglich Rudolf
war, desto gi-ös.sere Bedeutung verlieh es Kumpf, dass er demselben
jeclerzeit nahen , misliebige Einwirkungen fernhalten und über alle An-
gelegenheiten seine Meinung vortragen konnte. Nur der Keiclisvice-
kanzler Jakob Kurz von Senftenau machte ihm eine Zeit lang den mass-
gebenden Einfluss streitig. Dessen Nachfolger Rudolf von (,’oraduz ver-
mochte es nicht und der Obersthofmarschall und lleichshofrathspräsi-
dent Graf Paul Sixt von Trautson sowie die Geheimräthe Hans
zuerst von Kampf und d«nn Ton Paul Siit Trautson rerwaltet worden. Letzteres kann nur
vorQberj?«bend der Fall gewesen sein. Vgl. KheTenhiller Ännalcs IV, 1210. [Ceber Har-
rach t. Harter I, 5, 240; Hammer Khlesl I, Beilagen n. 4d; Khevenhiller Annalea I,
190. II, :M7. ;t49, W2, III. «12. 770.]
99) Am 18. November l.VJ.'i [?] schrieb der bairische Agent zu Rom Richard Stravius an Hz. Ma-
ximilian: Der Kaiser soll sich um die Ernennung des Franz von Dietrichstein zum Cardinal
bemQben. „Corradutio audto consilia et officia illa non pUcere. Sunt, qui putant, hule digni-
tati inbiare ipsuimnet Romanamquo fortunam reputare mnito »olidiorem quam rragensem, ubi
se inridiae jaculis et aulae fluctibus cemit esse obnoiium nullaque firma amicitia adTcrsas
ejusmodi jacnla iimixom. Romfinm inprimis videtur metuorc, qui ejtu liberUtem facilemqu«
apud Caesarem accessum et proclivem gratiam non facilo patHur; timet enim, ne nimis paulo
poet audeat, quemadmodum nuper Curtius; ho« ctiain veterfs dient««, qui in urbe sunt, ne-
glectoa a Coradutio conqueritur ** Ma. ^48/^18, 14 Or. Ueber Kurz vgl. Briefe und Acten IV, im
Register s. ▼. Als Reichshufrath erw&bnt ihn Khevenhiller I, 2^0 schon 15H2. Am 28.
Januar 1598 berichtet Joliann Manhart an Hz. Wilhelm von Baiernr „Herr Kurz soll kQnlich
als rechter reichshofviceVaniler publicirt werden.” Md. I. Zeitungen n. 1. Or. Als Verwalt«
des Amtes fand ich ihn »chon auf einem Actenstöcke vom 10. Juli Als Vertrauten de«
Kaiser» erwähnt ihn auch Erzhtin Maria in einem Brief an ihren Bruder Hz. Wilhelm vom
27. Juli 1591, Ma. ^10/6, 404 eigli. Or Vgl. auch A- Wolf Lukas Üeizkofler 57, 5K, und
Burmann Sylloge epp. 1,427. Coraduz sUmmte aus Krain. Harter III, 478 Anm. tiS
und IV, 8C6; 1590 erwähnt ihn Khevenhiller Hl, 780 als Regimen tarath zu Orai ; in einem
Berichte v. 21. April 1598 erwähnt ihn Manhart als Rcichshofrath, .Ma, 50/7, 12 Or. am 12
Mart 1594 wurde er geheimer Rath, Eyiinger Re! hist 1594, I. 60; als Roichsvicekanzler
finde ich ihn zuerst am 10. August 1.598. VgL Briefe und Aclco IV, Register s. t. und
Stieve Ursprung des dreissigjäbrigen Krieges I. 84 f.
100) Vgl. über ihn Kherenhiller Contrefet Kupfferetich li, 6.5, Harter III, 36 ff. und Briefe
«nd Acten IV, Register s. t. .
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S7
»
Christof von Hornstein und Johann Hildel>rand Mcckor von Halg-
heini sclieinen ihm willig den Vorrang gelassen zu haben.
Des Kaisers Gunst, die ihn zu so hervoiTagender Macht erhob,
hatte Rumpf indess schon seit Jahren verloren. '“) Wahrscheinlich em-
pfand Rudolf, obgleich er seine Dienste nicht entbehren mochte, auch
ihjii gegenüber jene mistrauische Eifersucht, mit welcher er über seinem
Ansehen und seiner Herrschei'gewalt wachte. Jetzt erregte ^ seinen
Unwillen, dns.s Rumpf im Gegensätze zu den übrigen Ministern und Ver-
trauten und namentlich zu Trautson von der florentinischen Heirath ent-
schieden abrieth , weil Maria von Medici nicht als vollkommen eljen-
burtig erschien und weil er voraussah, dass die Verbindung zum Zer-
würfnisse mit Spanien führen und die Verleihung des Königstitels an
den Grossherzog, welche dieser zur Bedingung machte, anderen Fürsten
grosses Missfallen erregen werde. Der Kaiser vermochte nicht, sich dem
altgewohnten Einflüsse des Ministers zu verschliessen, aber gerade deshalb
reizte ihn dessen Widerstand gegen den Ileirathsplan, welchen er in seiner
101) lieber ihn i. raeinen Artikel in der All^meiien dentsehen Biographie and anteo. Am 25. Au*
gust npDot der bairische Kaniler Gailkircher Rumpf» Kun and Uorastein als „cardioen
aecreti consilii.'* Ma. 415/16, 1, Or.
10*2) Vgl über ihn Harter III, 228. Am 80. Januar 1595 schrieb Hz. Wilhelm von Baiern seinem
Oheritkanzler Hervrart: Die Kanzlersiclle tu Graz nmse mit einem tüchtigen und eifrig katbo*
lischen Manne besetzt werden. Uns ist ein Doctor und gewesener Kanzler tu Eichstätt einge*
fallen, der früher uns Dienste angeboteo hat und jetzt zu Innsbruck sein soll. „Der soll ernst-
lich genueg und dapfer sein» das er ime vielleicht cit rill wurde nemmen lassen; weil es aber
mit disem allein nicht ausgericht» so wierdest dn der notturft nachztulenken wissen, mit was
qoaliteten und requisiten [ehr sunst begabbi and sonderlich ob ehr ein eölhen eifer in der reli-
gion habe, wie es diss ortts die notturft erfhodert,*'] Ma. 80/9, 69 Or. die Stelle in Klammern
eigh. Uerwart erwiderte am 6. Februar» er finde den von Wilhelm bezeiebneten Mecker
um so mehr tanglicb, sls der Kaiser in Graz gern einen Oesterreicher sehen werde,
das. 7.5 eigh. Als gebeimeo Rath finde ich Mecker zuerst 1599 erwähnt. Während Cora-
doz 1599 in Italien war» versah Mecker das Heichsvicekanzleramt. Präntl an Hz. Maxi-
milian von Baiern l. Mai und 13. September 1599, Ma. 50,9, 53 und 72 Orr. Vgl, Briefe
und Acten IV, 896 Anm. 1. Am 1. Januar 1600 meldete Manhart nach München» dass Corap
duz zurOckgekebrt sei und sein Amt wieder übernommen habe. Ma. 50/10» 1 Or. Am 24. Sep-
tember 1601 berichtet der venotiaoisclte Gesandte Duodo, dass Mecker gestorben sei. D. V. 8],
172 Or. Erstand, soviel ersicbtlicb» an Einfluss den anderen Ministern weit nach. Uober
seine Persönlichkeit vgl, Rub. Turneri Kpistolae 276 H. In dem Beriebte bei Ranke Zur
dentacbcD Geschichte 287 wird er als Convertit und „Schalfncbs“ bezelchner.
103) S. Alberl Relaiioni I, VI, 248.
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Erbitterung gegen Sjianien mit krankhaftem Verlangen verfolgte. Schon
im März 1539 sprach man am Hofe und in Rumpfs eigenem Hau.se da-
von, dass er unzweifelhaft seinen Abschied erhalten werde, wenn die
florentinische Heirath zu Stande komme
Rudolfs Verstimmung wurde von Gegnern'“) Rumpfs ausgebeutet.
Sie stellten dem Kaiser vor, dass der Jlinister die Entscheidung in allen
Dingen an sich ziehe und ihn so „beiseitesetze''; dass er früher die Hei-
rath mit Isabella hintertrieben habe und jetzt der florentinischen eut-
gogonwirke, um seinen Einfluss uneingeschränkt zu behaui>ten; dass er die
den kaiserlichen und österreichischen Intere.ssen nachtheilige Aufliobung
der habsburgischon Lehenshohcit über Wirtemberg vermittelt habe, und
dass er dem Herzoge Caesar von Este die Belehnung mit Modena und
Reggio erwirkt habe'“), während der Kaiser diese Landschaften ebenso
wie der Paj>st Ferrara hätte cinziehen oder doch um einen weit höheren
Preis, als er erhielt, hätte verkaufen können'“'). Ja sie beschuldigten
Rum]jf, dass er im Einverständnisse mit dem spanischen Hofe stehe, dass
vornehmlich er die Verhoiratlumg Isabelions mit Albrecht veranlasst
hal)e und dass er jetzt auf Spaniens Wuasch der florentinischen Heirath
entgegenwirke, um dem Erzherzoge zur Nachfolge zu verhelfen. Eine
Commende, die ihm durch Philipp II. verliehen worden war'“), wurde
als Preis, um den er erkauft sei, bezeichnet.
Wie weit diese Vorwürfe sachlich begründet waren, vennögen wir
nicht mit voller Sicherheit festzustellen , da die Acten der kahserlichen
Regierung und Berichte eingeweihter Zeitgenossen fehlen. Zu Eigen-
mächtigkeiten wurde Rumj)f durch Rudolfs Wesen gera<lezu gedrängt,
wenn er die Geschäfte nicht völlig ins Stocken gerathen lassen wollte.
Grösseres Verschulden bei ihm vorauszusetzen, liegt kein Anlass vor.
lieber die .spanische Heirath sprachen wir bereits. Die Gründe, welche
Rumi)f gegen die florentinische geltend machte, waren unläugbar triftig.
104) ». B«iUge 1. 1.
lo.'i) Nach Daode» Bericht in Beilage VII, 1 bitte Barriiin» znerjt gegen Rnmpf iiitrigoiert.
106) Sie erfolgte am 17. Januar 159^ Haeberlin XXI. 6S.
107) S. Beilage VII, 1 und 2.
lOt^) Kherenliiller Annales III, 770 und Conterfet II, 66 Änm. d.
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so
Wtis die Lehensfragen angeht, so wurde durch die Aufhebung der wir-
teinhergischen Afterlehonsdiaft weder dein Kaiser noch seinem Hause
ein Nutaen bringendes Hecht entzogen, sie war geeignet, jenem die Er-
gelienlieit des Herzogs von Wirteinberg zu gewinnen, und sie führte den
ei"schö})ften Kassen desselljen eine bedeutende Summe zu’**); die Verwei-
gerung der Anerkennung des Heivxigs von Kste aber würde erfolglos
geblieben sein oder höclistens Spanien einen Vorwand geboten halben,
sich der streitigen Gebiete zu bemächtigen. Die Vermählung Albrechts
mit Isaljclla ferner konnte Huinpf, da es gewiss war, dass Rudolf sich
nicht mit dieser verlieirathcn werde, in der Hoffnung, da.ss sie den auch
für das Reich so wünschenswerthen Frieden in den Niederlanden erleich-
tern werde, und aus allen jenen Gründen befürworten, aus welchen früher
Khevenhüller die Verbindung der Infantin mit Erzherzog Ernst empfoh-
len hatte "*). Dass er dagegen Albrechts Wahl zum nimischen Könige
begünstigt habe, ist nicht anzunehmen, weil er im .Juli 1509 Matthias
unterstützte'"). Durchaus unliegründet ist endlich ohne Zweifel der Vor-
wurf, er sei ein Werkzeug des madrider Hofes gewesen. Die Verleihung
jener Coininende erfolgte schon 1589 und zwar mit Vorwissen Rudolfs "*)
und sie war eine bei Rumpfs Stellung sehr erklärliche und auch gegen-
über weniger eintlus,si-eichen Männern gewöhnliche Aufmerksamkeit, die
zu keinerlei Folgerungen berechtigt. Hätte Rumpf wirklich der Heirath
des Kaisers mit Isabella entgegengewirkt, so wäre das sicherlich ein
schlagender Beweis, dass er nicht ein w'illfahriger Diener Spaniens war.
Ueberhaupt aber findet sich keine Thatsache, welche darlegte, dass wäh-
regil der Amtsführung Rumpfs Spanien mehr begünstigt worden sei, als
es den eigenen Interessen und der eigenen Politik des Kaisers entsprach.
Die gegentheilige Behaujitung ist damals von deutschen Prob-stanten und
von andern Feinden Jlabsburgs, welche beide Zweige dos Hauses zur Er-
richtung der katholischen Weltmonarchie verbündet glaubten, aufgestellt
worden und neuere Geschichtschreiber haben sie gläubig nachgesprochen,
109) S. Sattler Geeehicbte der Herzoge von WQrtenbcrg V, 219 ff. und Senkenberg XXI, 620 ff.
HO) S. oben S. 11.
111) S. oben S. 30.
112) Das hebt Khcvenbiller aoadrucklich hervor.
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40
wie sie sich aucli sonst ihre Anschauungen über die Politik der Kaiser
und der katholischen Partei aus den eher bekannt gewordenen Acten der
Protestanten bildeten. Aber ein wahrheitsgetreues Bild einer Regierung
lässt sich doch nie aus den Vemiuthungen der Gegner gewinnen und
namentlich nicht in jener Zeit, wo man in Deutschland so wenig in die
Geheimnisse fremder Höfe einzudinngen veratand und ebenso arm an
politiscliein Verständnisse wie reich an Einbildungskraft und Leichtgläu-
bigkeit wai'"’). Wir erwähnten bereits, wie wenig willfährig sich der Kaiser
den Wünschen der Sjianicr in Italien zeigte"*); die Festsetzung deraelben
am Rhein misbilligte er stets"*) und der Einlagerung Mendozas trat er
von vornherein aufs entschietlenste entgegen. Der berufenste Zeuge, der
Botschafter San demente, klagte im .fahre 1 .594 bitter, da.sa er am kai-
serlichen Hofe in allen Beziehungen einer Spanien sehr abgeneigten Ge-
sinnung begegne"*). All dies aber fällt in die Zeit, in welcher die Lei-
tung der Geschäfte noch ganz und gar in den Händen Rumpfs lag. Wir
dürfen daher aunehmen , dass ihm durch die Beschuldigungen seiner
Neider und Nebenbuhler Unrecht geschah.
Die Einflüsterungen derselben verfehlten jedoch bei dem mistran-
ischen und gegen Spanien erbitterten Kaiser, der sich ebensowenig durch
Rumpf wie durch einen seiner Bruder der Regierungsgewalt berauben
lassen wollte, die beabsichtigte Wirkung nicht. Sie mochten dazu bei-
tragen, da.ss im Jlärz 1599 seine krankhafte EiTegung zurückkehrte"'),
und durch diese wurde wiederum sein Argwohn gesteigert. Er begann
in Rumpf einen Verrather und Nebenbuhler zu sehen und frug seine Üm-
gebung bisweilen, ob sie es mit ihm oder mit jenem hielten. Rumpf
selbst aber gab er zugleich seinen Unwillen in einer Weise kund, dass dieser
113) Welches Zerrbild der protesUntischen Politik würde x. E. aas den io dieser Ablioodlun^ er*
wähnten Gerüchten, die den kaiserlichen Hot, die Krxberzog« and diü kstholischeo ReichssUnde
Leunrabigten. entstehen.
114) S. oben S. 10.
115) Vgl. llsssel in der Zeitschrift fkr preusstsebo Getcbichtc V, 510if. Auch in den Epistolae
Itudolpbi II, 129 ff. findet »ich eine Mthnang de» Kaisern vom 12. i>«|)teraber 15H9 an den
König von Spanien, sein Volk vom Heichsbodeu abxaf^hren and feruzahalten.
116) Briefe nnd Acten IV, 471.
117) Präntl an Hx. Maximilian von Baiern 29. Marx 1599: Obwohl man bestimmt erwartet hatte,
dass der Kaiser den böhmUeben Landtag pi*raoolicb eröffnen werde, ist die PropfMition doch
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41
seinen Abschied erbat. Der Kaiser versprach ihm deiwelhen und wenn
er sich dann auch nicht cntscliliessen konnte, den Minister, an welchen
er gewöhnt war und welcher bis dahin alle Geschäfte geleitet hatte,
wirklich zu entlassen, zumal sich die Verhältnisse iin Reiche sehr drohend
und verwickelt gestalteten, so gewährte er ihm doch nur mehr selten
Zutritt"*).
Mitte April zeigte sich Rudolf ihm dann wieder günstiger gesinnt,
was vielleicht daher rührte, da.ss er selbst um diese Zeit seine Gedanken
von der florentini.schen Heirath ab wandte "’).
Bald darauf nahm je<loch seine Krankheit in Folge der schlimmen
Nachrichten, die aus dem Reiche einliefen'“), zu. Kr wurde so erregt,
da.ss er oft gegen seine nächste Umgehung in Zorn auflirauste, bald
diesen, bald jenen für einige. Tage aus seinen Gemächern verbannte, und
mehrere Kammerherren veranlasste, ohne seine Einwilligimg von Dienst
und Ilof zu scheiden Verstärkt lebte nun sein Unwille gegen Rumpf
auf und auch mit anderen Ministern begann er zu hadeni '**). Er mochte
es ihnen verübeln, dass sie ihm nicht Ruhe vor den Regierungssorgen,
nnr lebriftlicb fibergeben worden. Mn. ^0/U, 41 Or. Dcmelb« an denselben, 19. April ir>9'J:
Obgleich man von der Po«t sicht« mehr hört, bat sieb der Kaiser doch «eit «einer Rückkehr
[s. oben 8. 24] nnr dreimal, am Gründonnerstage, Charfreitage and Osterfeste [8., 9. nnd 11.
April] üffcntlich sehen lassen, auch da aber ist er nur mit den Kammerberren und den ge*
heimen Rätbea darch den verdeckten Gang in die Dotnkirche gekommen; dem übrigen Hof*
Staate ist nicht angesagt worden, damit nicht zu viel Volk loaammenkomme, „und wie man
von vilen orten vernimbt, erzeigen «ich 1. Mt. etlicb woeben bero sehr melancholiscli/
Das 51 Or.
1IH) S. Beilage V, 1. und Khevenhiller V, 2221.
119) S. Beilage V« 1 am Ende und l, ‘k
120) Vgl. oben Anm. 76 und Beilage VI, 1.
121) S. Pfäntls Bericht in Beilage V, 2. Was die«er über den Oniiid der „Abschaffungen*' angibt,
möchte ich dahin verstehen, dass d^ Kaiser« Zorn erregt wurde, wenn man ihm von Geechifleit
sprach, nnd dass sein Befahl den Zweck hatte, sich jene femtuhalten, da die Käthe erst Audi*
enz erbitten oder dazu berufen werden mutsten.
122) Vgl. Beilage II, und Hammer Khleal I, Beil, n. 1H7. Am S. Mai 1.599 berichtete Ven.
dramin „Si accresce In tanto ogni giomo eridentemente la afflittiono deir animo di S. C. Mtl,
mcotre da tutte le parti compariscono aviai che le apj>ortano grandisaima moleatia et etla seno
rieeote assai, qucrelandoai non «ob col Konfo, ma con altri ancora del soo cooseglio et oon
)i Buoi piü Intimi servitori. Onde «I vedono gli animi de tutti qnelli del suo serritio nniversal-
mente arsai perturbati et le co«e di quetto governo par, ebi ogni giorno vadano sempre ptü
deteriorando.*' D. V. 29, 128. Dechiffrierung.
Abb. d 111. a. d. k. Ak. d. Wisa. XV. Bd. I. Abth. G
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!
42
die ihn ängstigten, zu verschaflPen iiu Stande waren. Schon in früheren
Jahren liatte er sie mitunter aus solchem Anlässe mit Vorwürfen über-
häuft
Rumpf fand sich bewogen, aufs neue seinen Abschied zu fordern,
und ebenso hielt Trautson um denselben an. Rudolf ernannte darauf
wirklich am 1. Mai 1599 Peter von Mollart.”*) zum Verwalter dos Oberst-
kämmereramte.s, was man wohl nicht mit Unrecht von iler Absicht her-
leitete, dass er Rumpf den freien Zutritt in sein Gemach nehmen und
dessen Ansehen herabsetzen wollte'“). Bald gedachte er, wie es scheint,
noch weiter zu gehen. Er berief den Grafen Karl von Hohenzollem und
den Freiherrn Rudolf von Polweil ”*) schleunigst u!u-h Prag und forderte
12«)} Vgl. Alberi Kelazioui 1, t. VI, 24o.
124) Vgl. &b«r ibn J. llcrgmunii Medail^u «iif börQhmt« unJ ausgoutichad« Minatir des ßster*
rekhUchen K&iscrBtaates I, il70, und Kerschbxumor Khlesl Im J. 15UM war er noch in
Dienden det Erzberzugs Kerdiaand. Harter IV» 410. Vgl. Beilage V. 2. MotUrt .><cheint
aeinen Dieiiit bbrigeni vor Humpfs Start nicht wirklich angi treten za haben, denn Monhart
berichtet am 6. Kovember IdOO: „Molart »oll Uglich alhcr komtnen und baido dienet des
obersten cammorers und obersten stallmeisteni verwalten.** Mc. DrciMigjahr. Krieg&acten fase.
49i?. 1, Or.
125) 8. Beilage I, 4. Am 10, Mai 15i»9 berichtete Vendramin; i,Per la partenia de alcnni gentil’-
hoouiini della cantera diS. C. licentiatisi in poco iempo da s«> itessi con qaalche disgasto,
soRo statt fatti novamenb' altri tre camericri. AU' ano de qoali nominato il baron di Molar
e statG dato il titolo di locotenente del cameriero maggior, che i il s** Konfo. havendo voluto
8. C. levar la oceasione di qoesta maniera al detto s** Honfo di entrar nidU saa camera
et havendo volnto Icvarle insieme qaalche poco dl repatattone nel cospetto dclla carte.'* D. V.
20, l.'td Or. in Chiflern Auf diese Vorgänge bezieht cs sich wohl, wenn Erzbzg, Mazimitian
am 01. Jnli 15o0 an Unverzagt schrieb: „Sonsten weil ohne das nnverboffte mntationes za
Prag forgelaufen, wolte ichs gleich far ein gnt Zeichen achten, wann die flutte den schedlichen
und verhindvrilchen Hoffenanu auch zugleich mit hinwegraffte, nur das ein beaterer wider in
die stelle** [kiine]. Ib. Aasgangene Schriften 1509 Cpt. Der Freiherr Ferdinand von Hofmann.
[ein Protestant s. Beilage Vll| wird bei Kbevcnhiller I, *J.*h) schon l*>i42 als Hofkammer-
Präsident genannt. Vgl. Qber ihn Harter I, 514 and J. Rergniaiin Medaillen I. 2l>H, wo
er fälschlich als 1507 verstorben bezeichnet wird. Sollte er ein Gegner Rnmpfs gewi^en sein?
Der von ihm in Btaug auf seine Stellung geruaebte Vorbehalt, s. oIhd Anni. 98 konnte
zu Streitigkeiten zwischen beiden Anlass gegeben haben. Gegen liumpf war Maximilian
schwerlich ungünstig gesinnt, da derselbe fhr die Oidnnng der Nachfolge cintrat; s. Beil. III.
120) Vgl. über Beide Briefe und Acten IV, Uegister s. v. Ueber Zollom schrieb Barvitius am
IH. Februar 159U, als derselbe mit Hz. Maximilian von Baiern nach Prag kommen sollte, an
Hl. Wilhelm: „De comite Zollern inirom videbntar, qui controversias ac Utes aliaque negotia
lutricAta babeat; non iis jam locum cssu, non illum V. domestieum.** Am 20. schrieb er
dann: „Is si abeit, reliqui non ita nosiris in ocutis orunt. De eo superciliosutn erat unius
[d. b. ohne Zweifel des Kaisers] Judiciatn.** Ma. 417/x, 9 und M eigh. Orr.
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sie zum Eintritt in seine Dienste auf'-'). Wie man sich erzählt«, sollte
der erste Obersthofmeister, der zweite Obersthofmarschall imd Reichs-
hofrathsprüsident werden'*"). Es geschah jedoch nicht. Die Gesundheit
des Kaisers besserte sich und damit sowie durch seine schon erwähnten
Verhandlungen mit Matthias, welche ihm in diesem einen Bimdesgenossen
gegen die Pläne Spaniens und Erzherzog Albrechte zeigten, mochte sich
seine Stimmimg heben und sein Unwille gegen seine Minister, die Mat-
thias unterstützten, beschwichtigt werden.
Während der näch.sten Monate hören wir nichts von Zwistigkeiten
mit jenen oder von Regungen seines Leidens. Ob ein neuer Krankheits-
anfall die Ursache der ungünstigen Aufnahme war, die Erzhei-zog Mat-
thias, wie berichtet, im September 1599 fand, wissen wir nicht. Un-
mittelbar nach seines Bruders Abreise verlioss Rudolf Prag, wo die Pest
im Juli wiederum ausgebrochen war und immer weiter und heftiger
127) Polwciler an Hz. Maximilian von Raiern Ingolstadt 12. Jnni x\nz«ig« Ton der Bemfang.
Ma. 50/x, 47 eigh. Or. Schon am 10. December IÄ97 hatte Rudolf I!. den Freiherm nach
Pra^ berufen. Dieser meldete es am 29. dem Hz. WUbolm von Haiem mit dem Bemerken,
dass er schon wiederholt kaiserliche Dienstaoerbietungen abgelehot habe and auch jetzt keine
Lust liabe, sie anzonehroen. Das. f. 17 cigh. Or. Dazn bemerkte GaUkircher: Er spüre, dass
P. geneigt sei, anzanehmen, theils aas Ehrgeiz, theils weil er dann seine Angelegenheiten and
die seines Bruders Constantin, der am Hofe Processe anhängig habe, fördern kdnne. Aoaser-
dem scheine er, darch Andere veranlasst oder ans sich selbst, zu hoITen, dass er bald in den
geheimen Katb kommen werde „atqne ita faeile fieri poase, nt altcmtro cz üs, qai jam nunc
secandl sant a Caesare. deficiente ipse unus e daohas fiat. V'ertim quam haec omiiia , quae
sibi ridetur imaginari, sint incerta, quam plona fastidiorum negotia auliea hisce terDporibnt
apud Caesarero et in aula caesarea, quam omnia ibi ilü libertati, quam ipse ailfectat, enntraria.
qaoties ille Ser^ü V. minisieria, maximc ut illa nunc snnt, pracuptabit*' , das habe ich ihm
ernstlich TorgestelU. Das. 19 eigh. Or. Am 2:^. Februar 1*)9S meldete P. dem Hx. Maximilian,
er sei aus Prag zurhekgekehrt; der Kaiser habe ibm „zu einem Anfang'* das Rnichshofraths*
Präsidium angeboten und starke Vertröstnng grosser Gnade nnd weiteren Vorschubs getban ;
zweimal sei vom Kaiser selbst und ausserdem von Rumpf und Traotson mit ihm Terhandelt
nnd ihm mit Drohungen und Versprechujigcn zugesetzt worden. Da seine meisten Güter kai-
serliche oder österreichische I^hen und Pfandschaften seien, wisse er sich nicht zu weigern,
doch Irnbe er Frist bis Ende Marz. Das. 22 eigh. Or. Am 9- Marx bat er den Kaiser um Auf-
schub Ton vier bis fünf Jahren, weil or die durch seines Bruders Oonstantin Tod auf ihn ge*
fallenen Schulden ordnen müsse, u, s. w. Das. :ti) Copie. Am April gab der Kaiser ihm
Tier bis fünf Monate, .‘U Copie. Am 2». willigte Hz. MaxImtUan in seinen Uebertritt in ksl.
Dienste; Ji5 Cpt. von GewoM. Am 10. August bat P. den Kaiser nochmals dohentlicb, wegen
seines Hauswesens von der Berufung abxustehen, H7 Copie. Arn 24- Octoher 159X befahl ihm
jedoch der Kaiser, sich eiaxustellen. (4 Copie. Was ihn dann noch xarüekbielt, ist nicht er-
sichtlich.
128) S. Beilage V, 2.
6*
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uni sich gegriffen hiitte'"), und begab sich nach Pilsea Dort schloss er
sich dann in der krankhaften Todesfurcht^ die ihm eigen war'**), völlig
ab‘>')-
Schon dies musste die Wiederkehr seines Trilbsinns begünstigen.
Dazu kamen mannigfache Sorgen. Matthias hatte bei seiner Anwesenheit
den Zustand des Kriegswesens und die ganze Lage in Ungarn und Sieben-
bürgen sehr ungünstig geschildert untl dringend um kräftige Hülfe ge-
beten. Er fuhr damit nachdrücklich fort Die kaiserlichen Kassen aber
waren leer. Im lleiche zeigten sich die evangelischen Stände über den
Einfall der Spanier und das Missglücken ihres gegen diese gerichteten
129) A. Präntl an Hz. Maximilian von Baiern» Prag 26. Juli 1599: Dia Infectioa greift nicht imr
in der ümgegend. sondern such in Prag aelbat stets mf>hr um eicli, und man erwartet, dass I
der Kaiser sein Hoflager verlegt. Ma. 50/U, fl'J Or. Ders, an den«. 2. August: Die Pest niromt
za. Die Verzeichnisse weisen wacbentlicb 70 bis ^0 Tote auf und man vennathet, vielleicht
mit Grand, dass noch Viele XachU heimlich begraben werden. Für den Kaiser werden ln i
Linx Gebäude aus Holz zogerichtet. In ganz Böhmen soll n ziemlich schlimm stehen. Da die
Infection so frQh iro Jahre aasgebrochen ist. fQrchtet man, dius sie um so heftiger werden
wirl. Das. 71 Or. Desgl. 21. August: Die Pest wächst noch immer, namentlich unter dem Hof*
geainde. Auf der Kleinseite, wo dieses meistentheils wohnt, sind an einem Tage 40 Leute ge*
storben. Kin Kammerfaricr ist am 18. nach Linz vorausgcBchiekt . da man jedoch dort mit
dem Gclmude noch nicht fertig ist, heute aber sogar des Kaisers KapeUendiener jählings ge*
storben ist, so wird der Hof wohl einstwoUen nach Budweis gehen, f. 79 Or. Desgl. U. Sep*
tember: Gestern Kaclimitlag ist der Kaiser mit seiner Kammer nach Pilsen aufgebrocheo. Da
die Stadt sehr eng ist uml der Kaiser dort keinen Garten u. dcrgl. bat, so wiixl er wohl bald
nach Linz oder Pasniu geben. Die Reirhshofräthe sollen binnen 8 bis 10 Tagen in Pilsen sein.
Da unterwegs Jagden stattßnden. wird der Kaiser wohl erst ln vier Tagen nach Pilsen kommen,
f. 80 Or. Desgl. 12. September: Am 10. bat der Kaiser nur Rumpf. Mollart, der wegen Er*
kranknng des Grafen Albrccht von Fürstenberg das OberstetaUmeisteramt versah, und Barvitiiu
mitgenouimen. Trautsou ist am 12., Hornstein heute gefolgt. Fürstciibcrg Ist heute an einem
Fieber gestorben, f. 82 Or.
It^) Veudramin an den Dogen 1. Februar 1599: Der Kaiser wird wohl nur einige Tage um Phi*
Hpp II. Trauer tragen, „come qoella che naiuralmcnte lo abhorrisce.** 0. V. 28, 2:t0 Or. Vgl. .
Beilage VI, 2, I
121) Vendramin an den Dogen 8. November 1599: „Vire bora intanto S. C. molto retirata et
sotto pretesto della peste di Prags ha probibito ringresso nella terra di Pilzen ä tutti 11 pre*
tendeiiti et litiganti et alire persona affiittc, dalle quall anchora cbe le siano uiaudati diversi
memuriali ogni giorno con bumitisaime instantic, non suno peru lasciati pervenir alle sue raani,
per il che ai sentono molte quereile et molte lamentationi degne di grandiasinia compassione.“
D. V. 2P, 4ü3 Or. in ChifTern. Von den Reichshofräthen waren nur der Refereut Ehern und
Zait in Pilsen, ßarritius und Haanewald kamen „wegen vUe der gescheiten und der gebairoben
Sachen selten in den ratb". Präntl an Hz. Maximilian von Baiern 25. October 1599. Ma. 50/9,
fH> Or.
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Kriegszuges erbittert. Man höi-te von iliren Bemühungen, ein Bündnis
zu errichten, und von Iwsen Anschlägen gegen den Kaiser tmd die Katho-
liken. Der nach Sjieier berufene Keichsdeputationstag war bereits zweimal
durch ihren Wideretand am Beginn seiner Berathungen gehindert worden.
Bei seiner Wiedereröffnung standen schwere Streitigkeiten, wenn nicht
völliger Bruch der Parteien zu fürchten, und es war kaum zu hoffen,
dass die Kreise oder ein Ileichstag neue Türkenhülfon gewähren würden,
da die protratantische Opjxisition bereits trotz allen Mahnungen und
Drohungen die 1598 bewilligten Steuern zurückliielt Anderseits war
Erzherzog Albrecht mit der Infantin nach Belgien zurückgekehrt und
es hiess, diu« er sich um die Wahl zum i-ömischcn Könige bewerbe,
wodureh Iludolfs Furcht vor Ab.setzung neu erweckt und er zu sofortigen
Gegeubemühungen veranlasst wurde '“).
.So stellte sich demi die Aufregung, welche den Kaiser im Anfänge
des Jahres heimgesucht hatte, in verstärktem Masse wie<ler ein. Sie
steigerte sich, da er von Natur zum Jälusorn geneigt war '**), mitunter zu
jdötzlichen Wuthausbrüchen, in welchen er seine Kammerherren und
Diener wegjagte oder mishandelte. Auch seine Käthe hatten darunter
zu leiden, vor allem Kumpf und Traut.son. Wieder dachte er dar.in, sich
mit anderen Ministem zu umgeben. Zollern und l’olweil sollen nach
Hofe berufen worden sein. Im Mai 1600 wurde der Freiherr K.arl von
Liechtenstein zum Geheiiiirath bestellt”*). Wohl traten auch jetzt noch
1^2) Ka<]oIf schrieb an den Chf. too der ja im Verdacht stand» Albrechte Wünsche tu be-
günstigen: .»Krwardiger. freoodUcher, lieber retter und charfürit. WeUn ein zeit hero allerlei
Zeitungen wegen heimlicher practicken, di« succession im reich bet refft-nd, eich verlauten lassen,
und mir sonders daran gelegen, das ich solcites eigentlich wiuen müehte, so ist mein freund-
lich begern an £ L , Sie wollen mich in ^ndenu vertrauen, tla Sie etwas dergleichen vemeb-
men oder in erfahrung gebracht haben, damit ich mich desto besser und gewisser darnach
richten rosige, verstendigt'n. Das reicht mir zu sonderin angenehmen gefallen und noch vill
grösserem, da ich desshalben bald aelbstcn mit £. L. davon reden möchte. Benebens bin ich
E. L. mit vetterlichen trenen und allem gaeten jedereoit ganz weil zugethau. Datum Pilsen
den b. deeembris ao. VU. Eur Lieb gnetwilliger vetter RudoliT.*' Brs. Sccret. d'AIleui. N. 307.
144 Copie. Das Original war wohl eigenhändig geschrieben.
Alb^ri Relaziont I. t VI, 240.
134) Piero Duodo an den Dogen 29. Mai 1600: „Ha S. introdotto di novo oel suo consiglio
sccreto il s^ Carlo di Liectistain signore dl 00 o forse 70000 taleri d'entrata et che ä questo ottobre
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nihigere Woclien ein, aber ein kör{)erliches Leiden, welches dein Kaiser
Athemnoth schuf, und die politischen Ereignisse boten der Krankheit
neue Nahrung.
Insbesondere erregte den Kaiser die V'erlobung Marias von Medici
mit Heinrich IV von Frankreich, wodurch er nochmals seine Heiraths-
plilne und zw.ar wiederum zu Gunsten eines Fürsten, den er als Nebon-
Ijtihler um die Kaiserkrone betrachtete, vereitelt sah. Er gerieth darüber
in solchen Zorn, dass er nach Madrid schrieb, Spanien solle dem Könige
bei der Heiinfülmmg der Braut ..einen Possen reissen*^ und nun um jeden
Preis heirathen wollte. Er sprach davon, eine seiner Basen in Graz, für
welche er Mailand als Mitgift zu fordern gedachte, oder eine Tochter
des verstorbenen Erzherzogs Ferdinand von Tirol oder eine Lothringerin,
ja sogar eine Moskowiterin oder eine Wallachin zu freien ’*^). Das waren
freilich nur flüchtige Gedanken. Sogar die von .seiner Mutter ihm em-
jifohlene Verbindung mit einer Grazerin suchte er nicht weiter, da jene
ihm vorstellte, da.ss die Firwerbung von Mailand nicht zu hoffen sei'“).
I>stsat«, nacnilo io a Vi«niia, »i fece di heretico cattolko. k giorino di 2.'> io SO anni la-in-
tomo, muUo disereto et molto hoDor&to ct per quaato ho conouiuto in domcstica convcrtiatlone»
degno certo di Qaaato alla nobilita deila sua natura vi aggloogc resperieota,
)a quäle e roadre delli buoni goremi. atato giä ammeR&o alle eonsulto et ha giorato la
fedelta Mcoodo il solito, et ai dice, che preatoS. »ia per introdurri anco dclli altri. k roc«,
ehe il s'' Tranten disHegni di ritirarsi et gia anco rharrebb« fatto, le Io coae deil' Oogaria
fostero torminate. Ma gli paroi non poterlo far con suo honore, horeiido seguitato il padrono
oella proüperitÄ, abbnndonarlo poi iiellc miacrie. 11 simile ai aflrrma del af Konfo. Ma questo
80D0 coee ehe si erederanno, qoaodo ai voderanno» ae ben certo habtiano *ct l'uno et l'altro
moUa ragione dl Carlo.'* D. V. :b>, Or. üeler Liechtenstein vgl. Khevenhillcr Cnnter*
fet II, U!*, Hurter VI, 4*i9 f., und ChlumecVy Zierotin 1-V'i, ly7, 2dl Anm 62, 'J-W
Anm. or», 240. Ueber seine politi^^ehe StelliiBg arthellte der vencxiani«cbc (ieumlte Kr. So-
ranto am 20. Februar 1G07: „11 e' Carlo, se l>«ne per gli sooi ioter«Ksi ai va acco^tando
alla fattionc Fpagnola, nicnte<linieiio vi ha per natura 11 geoto aattai contrario." D, V. •iß, II,
30:i Or.
V-io) Auch an llcnogin ^agdalt-na von Baicrn dachte er vielleicht. Schon am >^. Oelober lo99
schrieb Groisbccek an Ulrich Speer aus Arnsberg, der Kai-or haW »ich das Bild der Prinxosain
erboten nnd es habe ihm so gut gefallen , dass er soghdeh seinen Maler Hans von Achen ab*
geschickt habe, „per tirarla del tuttu al vivo.'* Ma. 415, ‘>^4, 2^. CrI. Vgl. unten.
I:t6) Khevenhiller V, 222H f. u. Bvitag«* VI. Am 1. J.'inuar UKh) meldete Manhart dem Hz.
von Batern, es heisse, da;a Mecker stark vom Hofe weg trachte. .Mn. 50/10. I Or. Ursache
davon waren wohl auch die I^aunen Budulfs. Vgl. auch Briefe und Acton I. u. 120.
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Zur Rückkehr nach Prag konnte er sich lange nicht entschliessen.
obgleich die Pest bereits im Januar 1600 fast gänzlich erlosch’”). Erst
Anfang Juni machte er sich plötzlich von Pilsen auf und zog wieder
auf den Hradschin. Die Jagden, die er unterwegs abhielt, die gewohnte
Umgebung und der Wiedergenus.s der Sammlungen, Anlagen imd Be-
schäftigungen, die seine Freude waren, besserten noch einmal seinen Zu-
stand '**). Dann aber kam die so lange vortereitete Krankheit mit voller
Macht zum Ausbruch.
Die unbestimmte Angst, welche die Begleiterin heftiger Nervenleiden
zu sein pflegt, Hess dem K.aiser Tag und Nacht keine Ruhe und wenn
sein Zorn erregt wurde, artete sie zu Hallucinationen und an Raserei
streifenden Zuständen aus. Er glaubte. da.ss eine Verschwörung gegen
ihn bestehe, dass man ihn ab.setzen, ja uuibringen wolle, dass er ver-
zaubert sei oder Gift erhalten hal)e. Sein Argwohn gegen Erzherzog
Albrecht empfing neue Nahrung durch eine Reise des Churfürsten von
Köln zum Administrator von Sachsen'”), durch einen Besuch, den Erz-
herzog Ma.\'imilian eben damals der Kaiserin -Mutter in Spanien abge-
stattet hatte"*), und durch das Gerücht, dass jener von Madrid nach
Belgien ziehe.
237) Machart an dm Ilt. von Baiom 1. Janaar 1000: Die Peat hat fast ^anz aofgehört. Die 6e>
Oüchtetm kehren zurück. Bfan erwartet den Kaiser zu dem am 14. Wginnenden bühmiscben
Itandtage. Vom 1. Äugest bis zant 30. NovembiT 1399 sind nach den dem Kaiser cingeiie-
ferten Totenzetteln in Pr^ genau 4000 Personen gestorben. Ma. 50/10, I Or. Vgl. Bei-
lage VI, 3.
133) Prantl an Hz Maximilian von Baiem 17. Juni 1000: „Sonntag den 4. dUs nachmittag Ut die
B. ksl. unfürsehencr weiss, als das Hofgesind vor dem mittagronhl dergleichen gar nichts
gedacht, eiloods aufgebroehen and denselben tag von Pilsen bis geen Rockvzan verraist. Dess an-
dern tag* seind I. Mt. gleich widernmben vernickt und haben etliche tag von einer herrsebaft
zu der andern loatratficn gethan, unterwegs etliche gejagten gehalten und also sambetag den
10. glücklich allhie ankommen und befinden sieh wegen ihrer hiesigen ezercitien, recreationen
und allerlei gelcgenbaiten, dergleichen si anderer orten nit gehabt, sehr wol.“ Die geheimen
Ratbe und die Iteichsbofr&the sind jetzt auch wieder hier. Ma. 50/10, 4.5 Or. Manhart an den-
selben, 10. Juni 1000: Der Kaiser ist von Pilsen so plötzlich aufgebroehen , dass Rumpf kaum
Zeit hatte, sieb zur Keise anzukteiden und die Pilsner die Valediction rerBaumten. Das gemeine
Hofgesinde folgt allmählich; da cs an Fuhren fehlt, reist es meist zu Fass. Das. 47 Or. Auch
Dnodo berichtete am 12. Juni, der Kaiser sei „con buonisslma salute“ zurückgekehrt. D. V.
:«). lOU Or.
. 139) Sieh unten.
140j Kbevenbillcr V, 2224 ff.
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48
Jede ärztliclie Hülfe verschmähte der Kaiser und ebensowenig ver-
mochte ihn seine Umgebung, die ihn für verzaubert oder vom Teufel
heimgosucht hielt, zu bewegen, im Empfange der Sacramente Befreiung
zu suchen, denn in jo schrofferem Widerspruche seine geschlechtlichen
Ausschweifungen zu den religiösen Anschauungen standen, die ihm in der
Jugend eingeprägt waren und die ihn nach wie vor beherrschten, desto
mehr musste ihn in seiner angstvollen Erregung der Gedanke an die
Beichte und an die Verantwortung vor Gott erschrecken'").
Während seiner Anfälle war er mehrfach im Begriffe. Hand an sich
selbst zu logen. Auch das Leben seiner Kammerherren und Diener war
oft bedroht; mehrere wurden von ihm verwundet; wenige vermochten
bei ihm auszuharren. Die Erletligung der Geschäft!! stochte mehr als
jemals und beinahe alle Bäthe, w'olche mit Rudolf persönlich zu ver-
kehren hatten, fielen in Ungnade"*).
Sein Geheimsecretär Johann Barvitius ’**) durfte seit Mitte August
Ml) So >(laube ich Kudolfs Abneijj-ung gegen die Beicht« erklären la mösf^en In BeilAge IX wenlen
antdrnckiicfa «eine religiusen Scm{>el erwähnt. Das« er nicht, wie Ranke z. deiiUchen Ge*
schichte l«8 meint, in religiöser Hinsicht gleicbgQttig war, beweist wohl gerade die Äofregnng,
in welche er gerieth. wenn er beichten musste, sowie der Umstand, dass er seit dem Kndc des
Jahres 16lM) den fanatischen Convertiten PUtorine zum Bekhtrater annahm: > nnten. Zudem
trat er ja je länger desto entschiedener fdr die Restanratinn ein und strättbte sich aus religiösen
Bedenken so heftig gegen die Bestitigang des FriedensRchlQsse von lOOG und die Rrtheilung
der Majestätsbriefe. Vgl. auch Alberi Heiazioni I, t. VI, 240. Wie übrigens der Kaiser in
der Folge stets jenen Widerwillen zeigt, so scheint er von ihm auch schon in früheren Jahren
BUS dem oben bezeichneten Grande erfüllt gewesen zu sein. In dem oben Anm. 80 beepro-
ebenen Vortrage wird nämlich gesagt: .,Hec rero a patris aut ari ingenio Uiidolphus alla*
tenns degencrat. Nam enin magis usu quodam quam consilio christianuni ona# nemo non ag-
Doecif, qui videt, qnanto religionis contemptu patrem spiritualem aive confessionarium quin*
qoaginU milliaribus a se dUtantem alat, qnem vix semel in anno accersat, ut alü intelligant,
enm ob inünita sua rirginum et mnlicrum stapra et magicas incantatione« ac praestigias. qui*
bas cam sao Jadaeo Halo dat operani. impatientes non anquam aaros offemlere.“
142) S. Beilage VIII, IX, X und XI und Briefe und Acten I, n. 2(>0 am Ende
MS) Vgl. Kherenhlllor Conterfet II, 74. Unrichtig wird dort »eine GeburUstätte nach lnner>
Österreich verlegt. Er war ein Niederländer. Ob die Angabe bei Ranke Z. d Geschichte 287,
er sei „ciocs tompfaffen son von Utrecht/' richtig, weis« ich nicht. Um werde er Lehrer
des Herzogs Maximilian von Daiern. Aretin Maximiltan I. 8G2. LVtH wurde er bairischer
Rath. Md. HofzahlarotsbQcher. Schon im Sommer desselben Jahres trat er als Rath und ge-
heimer lateinischer becretär [erster Reichshofrathssecretär] In Rodolfs II. Dienste, Anfang April
ir>98 wurde er, ohne jenes Amt tu verlieren, Reich«bofrath. Manhart an Hz. Wilhelm von
Baiem, 21. April 1598. Ma. 50/7, 12 Or. Vgl. Ej'zinger Rel. hist. 1593, II, 77. Am 2i).
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nicht mehr vor ihm erscheinen. Am 26. Sej)teinher liess er dann Kumpf,
naciidem er ilin vorher wiederholt mit leidenschaftlichen Vorwürfen über-
häuft hatte, durch Hornstein die Knthebung von allen Aemtern ankiin-
digen und die Abreise von Prag befehlen, und als Trauteon ihm Gegenvor-
stellungen machte, wurde auch er, den der Kaiser ohnehin für Rumpfs
Mitschuldigen hielt, verabschiedet und verbannt. Beide glaubten selbst
29. Hai schrieb Oftilklrcher an Hl Wilhelm: „Video et aadio, BarTitü aoetoritatem etexisti*
matioDcm in dien ereseere et augeri maj^is.** Ma. 399^0. eigh. Or. 1597 wird B. alt Tor-
oehmster Sacretär des geheimen Ratbee bexcichnet. Seine Stellnng scheint schon seit 1594 der
ein» jetxigeii CabineUsecretÄrs entsprochen xn haben Er besorgte namentlich die prirate und
aoiUnduche Oorrespoodenx det Kaisers. Vgl. Briefe u. A. IV. Kegister t. Rob. Torneri
epütolae 37, 41, ‘JOh, 274 IT. >155. Burmann Sjrlloge epp. I, .59.5 und Harter Philipp Lang
162. 16.5. Hx. Wilhelm von Bsiem schenkte dem ßarritiax durch Hecret vom 10. Juli 1,59^
fhr dessen ihm geleistete Dienste und fUr die Zeit, wo derselbe ohne bestimmtes Gehalt gedient
habe, 3000 Gl. and befahl darüber einen SchuldtcheiD tu o% aoaxustellcn ; was B. früher für
Zehrung and im Abschlag auf sein in Aussicht gestelltes Gehalt empfangen habe, »olle ihm
auch geschenkt sein. Mc. Decreto IV, n. 85 Or. Am 1. Juli 1594 mahnte Rarvitins den Herzog
ihm eine Gnade za erweisen, sonst werde sein Diensteifer gegen Baiem erkaltea; am licbeten
sei ihm , wenn ibro der Herzog zur Heirath mit einer in Baiern begüterten Waise verhelfe
Ma. 899/81, 10 eigh. Or Wio aus anderen Briefen von ihm a. a. 0. 12 ff. erhellt, wollte er
die Schwägerin de« bairischen Ratbea Philipp Kurz von Senftenau heiratben und wünschte,
dass der Henog deren und der Verwandten Widerstreben brt'che Gailkircber schrieb am 21.
Juni 1594 an den Herzog: ßarvitius schwankt, ob er jene Dame oder eine andere Baieriit
nehmen solle ,,Sunt, qni exütiment, non faetnrum illum conditionem suam apnd Caesarem et
caeaareanos roeliorem, si docta Bavarica uxore magis sese in posterum obstringat Bavaricae
clientelae. Offerantur ei Austriacae virgines. riduae, oobiles, locupletes, nibilominos Video
illum bactenus pro mirabili sua in Ser<«*‘ V. affectione in Bavariam propendere.'* Ma. 398/80,
loO eigh. Or. Am 28. Juli 1597 lud B. die bairischen Herzoge zu seiner auf Ende August an-
geseilten Hochzeit mit der Jungfrau Maria, Tochter des verstorbenen Pranx de Bailliencourt.
Herrn von Barlettc und Douchy ein. Dabei schrieb er un Hz. Maximilian: „Ad nuptias . . .
Serw-tn V. invito .... O^am überalitatem ac munitlccntiam Suam ita in me iniignitcr hac oc-
easionc oeteusuram spero, ut studia erga Ipeam mea deinceps roagia magisque accendantur.
Quae raea sint erga augustain Bavariac domum merita, quac Ber^^ V. a me obsoqoia praestita,
novit Ipsa quam optime; quid mihi com Vicheuseri fllia [wohl die oben erwähnte Schwägerin
des Kurz] iütcri daoda esset, promissum fuerit, meminit. Penaio lUa ducentorum quinqoaglnta
florenorum aonuoram, quam Ser’**'* D. parens post comitia Ratisbonensia praeiente Ser"*^ eler-
tore [Cbf. Emst von Köln] mihi promisit, nunqoam soluta sed plano aboliu fult, quae boe meo
nuptiarom tempore comp'‘Dsari benigno gratiae documento poternnt. ai eam Ser^* V. de me
opinionem, quam me mereri *ezi»timo, habuerit. Jam enirn, qoanti me patroni faciant, ezpecto,
ut reipaa declarent.“ Md. I, Verehrungen, eigh. Or. Maximilian äusserte sich Über den an-
verschämten Brief sehr misvergnügt. doch wurden B., damit er nicht scltade, 600 Gl. geschenkt
und Tür die Zukunft jährliche Geschenke von gleicher HOhe in Ausaiebt gcetellt. A. a. 0. Ob
sie gezahlt wurden, ist nicht ersichtlich; B. blieb jedoch stets io oalier Verbindung mit
Baiem.
Abb. d. in. CI. d. k. Ak. d. Wisa. XV. Bd. I. Abtb. 7
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wohl 80 wenig wie der gesammte Hof, dass diese Anordnungen ernstlich
gemeint seien. Als sie jedoch zwei Tage später den Versuch machten,
Milderung zu erlangen, gebot ihnen Rudolf, die Stadt bei scheinender
Sonne zu verla.ssen. Sogar Freiheit und Leben Kumpfs sollen l)«lroht
gewesen sein.
Gleichzeitig erhielt Coratliiz seine Entlassung, die freilich sehr bald
wieder zurückgenommen wurde, und der Kammerjirilsident Freiherr Fer-
dinand von Hofmann ward unter der Anklage schlechter Verwaltung
mit llaushaft belegt'**).
Da wir gesehen haf)en, wie Rudolf in seinen Wuthahfallen häufig
Leute aus seiner Umgebung wegjagte und wie er gegen Rmupf mid
Trautson schon längst Unwillen trug, und da seine Ungnade gleiclizeitig
noch andere Käthe traf, wird es beinahe üljerflüäsig erscheinen, nach
einem bestimmten Anlasse zu forschen, welcher die Absetzung der beiden
Minister herbeiführte. Wir müssen jedoch die überlieferten Nachrichten,
die von einander abweichen, prüfen.
Kldesl bemerkte sieben Jahre später, Rumpf sei in Ungnade ge-
fallen, weil er die Ernennung des Erzherzogs Matthias zum Nachfolger
Rudolfs betrieben habe'**). Der Zusammimhang, in welchem diese Be-
hauptung vorgotragen wird, schwächt indes von vornherein ihre Beweis-
kraft und sie wird vollends dadurch widerlegt, dass der Kaiser gleich
nach dem Sturze Kumpfs eben jenen Bruder zu sich berief Es wird ihr
daher nicht mehr zu entnehmen sein, als dass Khlcsl ülM«rzeugt war,
Rumpf habe in der Wahlfrage zu Matthias gehalten. Der Erzherzog
selbst war der gleichen Meinmig '**). Dass Beide in dieser Hinsicht
falsch unterrichtet gewesen seien, ist nicht anzunehmen, und welcher
Grund sollte auch Rumpf bestimmt haben, von Matthias, für den er noch
144) S. HeiU^ VI( and XI and Kbevenhiller Annalet V, 2*221 fT. and Coot«rfet II, (MS f. Vgl.
Cbluraeek; Karl von Zierolio ^1, Ritter Union 1. 249 flf., Oiodelj Rodolf II uad teino
Zeit I, 46 ff. Ra nke Zar deaUchpn Geechidite 106.
145) Hftiamer Khlesl II. Beilagen S. 55.
146) Vgl. des RnbenogB Schreiben an Kampf Tom 24. Mürz 1600 bei Hammer 1 Beil. S.<527 and
die Art, wie er in Beilege Vlll and XI von den geetünten Blinietern spricht. Den Secretär
Kampfe Eberhard Wittenhorst bcetcUte MatthUe sofort za seinem Agenten am kaiserlichen
Hofe. Prüntl an Hz. Max. ron Baiern 25. April 1601. Ma. 50/10, 49. Or.
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51
im Juli 1599 wirkte'"), zu Albrecht Ohorzugehen? '**) Hätte sich aber
selbst seine Gesinmmg geäiulert, so wüisle er sich doch gewiss nicht da-
zu vei-standen haben, dein Kaiser die Ernennung Albrechts zum Nach-
folger zu empfehlen, denn Niemand wusste besser als er, wue sehr dies
Rudolfs /om erregen und wie wenig es fruchten werde.
Wir werden mithin auch der Angabe, dass der Sturz des Ministers
durch eine Bemühung zu Gunsten Albrechts herbeigeführt worden sei,
den Glauben versagen müssen. Diese Angabe findet sich in einem Be-
richte des französi.schen Gesandten zu Prag, Ancel"*), und in einem
.Schreiben von dort an den Markgrafen von Ansbach '**). Der Verfasser
des letzteren erscheint jedoch als mit dem Kaiser nicht in unmittelbarem
Verkehre stehend und als in die politischen Verhältnisse wenig einge-
weiht“') und auch Ancel konnte bei der feindseligen Stellung Frank-
reichs zum Hause Habsburg den V'orgängen im kaiserlichen Gemach, die
man sorgfältig geheim hielt'“), schwerlich auf den Grund kommen,
üeberdies erregt die Angabe beider Berichtei-statter, dass der spanische
Gesandte und der päpstliche Nuntius Kumpf zu der ihn verderbenden
Verwendung veranlasst hätten, noch weitere Bedenken. Am madrider
Hofe entschloss man sich erst im t.lctober des nächsten Jahres, für Al-
brechts Erhebung zu wirken'“), und nach einem Berichte des venezia-
nischen Gesandten Pier Duodo vom 26. Februar 1601 versicherte
147) S. oben S- «IO.
14d) An Beeteebao^ durch Spanien ist nicht zu (lenken , da diesee »ich erst im October 1601 für
die Candidatur Albrechts entschied.
140) Die^m bericht ist Chlumeckjr a. 0. gefolgt. Aoeh Gindely enahlt a. a. O den ätnrx
der Minister nseh derselben Quelle, gibt aber im Widerspmebe mit ihr als dessen Ursache an,
(lass TOD Kumpf und Trautson ond .wahrscheinlich auch von dem Gesandten Philipps III* fQr
Matthias gearbeitet worden sei Da er Itir diese ßebauptung keinen Beleg bietet, glaube ich
mich nicht weiter bei ihr aufbaltcn lu müneo, zumal sie die irrige Annahme zur Vorauasetzuog
bat, dass Matthias i. J. IfiOO vor dem October nach Prag gekommen sei. Auch Ranke lasst
a. a. 0. die Verbannung Rumpfs durch eine Bemühung für Matthias verursacht werden, doch
gibt er gleichfalls keine Quelle an.
150) Bei Ritter a. a. 0.
151) Ervteres bemerkte schon Kitter 247 Anm. 3, letzteres zeigt der bei Ranke Zur deutschen
Qesebiebte 2^2 f. veröffentlichte Theil des Berichtes.
1521 Vgl. Beilage V und X. Khevenhiller V, 2221 und Briefe und Acten I, u. 157.
153) Gindely I. 54.
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San Clemoiite damals dem Erzherzog Maximiliiin, das» Albredit nicht
nach der Kaiserkrone trachte imd nicht zu Mathias Nachtheil wirke
was er doch nicht behaupten durfte, wenn jenes Gerücht über die Ur-
sache der Entlassung Rumpfs berechtigt war, da Maximihan den Zu-
sammenhang des Ereignisses genau kennen musste oder leicht ergründen
konnte. Ebensowenig ist, wie wir späterhin sehen werden, anzimehmen,
da.ss Papst Clemens VIII zu Schritten für Albrecht Auftrag gegelien habe.
Der Nuntius zu Gnu weiss erst im November 1600, dass jener die Wahl
eines römischen Königs wünsche, dann aber bezeichnet er an erster Stelle
den Erzherzog Ferdinand als den seinem Herrn Genehmsten Auch
bei den gleich zu erwähnenden Verhandlimgen, die Matthias jiHog, um
seine Ansprüche zur Geltung zu bringen, ist niemals von Bemülnmgen
die Rede, welche von Seiten Spaniens und des Pa]>stes zu Gunsten Al-
breclits im Se|)tember untcmomiuen seien, vielmehr rechnet Matthias auf
deren wie auf seines Bruders Untei-stützmig für sich selbst Endlich
meldet Duodo am 23. üctober 1600, dass San Clomente und der prager
Nuntius für Matthias wirkten '**), und es liegt kein Grund vor, zu be-
zweifeln, dass sie, da Rudolfs Erkrankung ilie schleunige Ordnung der
Nachfolge nothwendig erscheinen lies» und sie noch keine anderen Be-
fehle, empfangen hatten, den ältesten um! in Prag anwesenden Erzherzog
bei seinen Bemühungen um jene imterstützten oder doch nur im Allge-
meinen auf die Vornahme der Wahlen drangen, was Matthias zu gute
kommen musste.
Dass trotzdem jene irrigen Venuiithungen entstanden, ist leicht zu
erklären. Schon lange hegten die Gegner Habsburgs den Verdacht dass
der König von Sj>anien für sich oder für seinen Schwiegersohn die Kaiser-
krone begehre. Erst im Juli 1600 hatte man sich wieder von eifrigen
Bewerbimgen Albrecht» erzählt'*’). Nun reiste, wie erwähnt der Kur-
fürst von Köln zum Administrator von Sachsen, Erzherzog Maximilian
weilte in Spanien, es hiess, er wolle von dort nach Belgien gehen, der
154} S. iint«n.
155) Seine Berichte werden weiterhin mitzutheileo »ein.
156) S. aoten.
157) S. unten Doodos Bericht v. 24. Joll 1600.
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Condestable von Castilien, Graf Olivarez, kam — veniiuthlich um die
Thronbesteigung Philijnw III anzuzeigen — im Sej)tember nach Prag'“)
der Nuntius hatte beim Kaiser Audienz und unmittelbar nach dieser er-
folgte die Entlassung Kumpfs. Da lag es nahe, diese Thatsachen und
Gerüchte in der erwähnten Weise in Zusammenhang zu bringen.
Das oben angezogene Schreiben an Ansbach und ein anderer Bericht
an den Markgrafen '") enthalten übrigens noch eine dritte Angabe über
den Anlass des Sturzes der Minister. Dem Kaiser, sagen sie, seien Briefe
in die Hände gefaUen, welche ihm gezeigt hätten, dass jene vor ihn gehö-
rige Sachen nach Beliel)en hinterhielten, dass Kumpf nach S)>aiuen geschrieben
habe, er sei regienmgsunfähig, und dass dersellje Albi-echts Ileirath mit
Isabella befördert, die florentinische Kudolfs aber im spanischen Interesse
verhindert habe. Wir hoben bereits hen’or, da.ss der Verfasser des ersten
Schreibens tieferen Einblickes in die Verhältnisse entbehrte; auch der
zweite Berichtei-statter war wohl nicht ein Mami, welcher eine ihn in die
Geheimnisse der kaiserlichen Kammer einweihende Stellung einnahm '“)
1591 C b I tt mec ky a 0.
159) Gedruckt bei Ranke Zur deuteeben Gcacbichtc 2^4 ff.
160) Bitter Termuthet a. a 0. 247 Anm. 3, dass der Bericht tüq Burkhard too Berlichingeu her*
rfibre. (Dieaen erwähnt Sattler Geachichte de« Herzogtbums Würtenberg V, 185 zum Jahre
1595 al« Rath den Herzoges von Wirtemberg. Wenn er »agt, derselbe habe «ch „als zugleich
in kaiMrlichen Diensten stehend, meistens an diesem Hoflager" aufgebalten, so liegt dem qd«
zweifelhaft eiu MuTerstindnis zu Grunde. B. dQrfte wirtembergischer Agent in Prag gewesen
sein und nur den Titel eines kaiserlichen Käthes besessen haben; 1597 nämlich rief ihn Henog
Friedrich lorQck und hielt ihn bis zum Jahre 1600 in Haft, a. a 0. 200. Dann mag er aus
eigenem Antriebo an den kaiserlichen Hof znrQckgekehrt sein.] Kitter stdtzt seine Vertnnth*
ung vor allem darauf, dass das erste bchreiben an Ansbach sechs Geheimrätbe und unter diesen
Berlichiugcn nennt, der in Frage stehende Bericht dagegen nnr fünf und eben B. nicht Diese
Auslassung ist jedoch wohl daraus zu erklären, dass Ü. nicht förmlich zum geheimen Rathe
bestellt worden war. Ich habe ihn aU solchen nie erwähnt gefuDlen und die Art, wie seiner
in Beilage XI und in den dort Anm. 2 angeführten Berichten Manharts gedacht wird, spricht
dagegen, dass er jenes Amt bekleidete. Das erste Schreiben dürfte nnr die Stellung in Betracht
tieheo, die er thatsächlich einnahm. Ich müchte der Vermutbuog Ritteis die entgegenstelleo,
dass der Bericht von dem in Beilage XI erwähnten „gewüsten brandenburglschen canzler"
Merkbach verfasst worden sei. Alles, was Uilter ausser dem bereits angeführten Grunde auf
BerlichlDgen scbliessen lässt, passt ebenso gut auf Merkhach. Dazu kommen noch andere Um-
stände. Der Verfasser des Berichtes wird io dem Schriftstücke bei Ranke a. a. 0. stets in
Gegensatz zu den kaiserlichen Räthen gestellt; er steht dem Kaiser, den Ministern und den
HofTerbältnissen ferner, als es bei Bcrüchingeo der Fall sein konnte; was er über die Berufung
lies Erzherzogs Matthias erzählt, iat ungenau nnd er lässt dieselbe sogar irrig vor dem Sturze
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und offenbar kam er erst nacli tler Al)setzung der Minister nach Prag.
Die Anklagen, welche beide erheben, waren, wie wir wissen “ ), dem Kaiser
bereits vor mehr als Jahresfrist ziigetragen mit Ausnahme derjenigen,
w'elche den Bericht nach Spanien ül)er Rudolfs Unfiihigkeit betrifft. Diese
aber können wir nicht für Iregründet erachten, weil wir überhaupt der
Annahme, dass Rumpf in engen Be/,iehungen «um madrider Hofe gestan-
den hal>e, nicht beitreten dürfen**'), und weil Rudolf seinem Wesen nach
gerade eine solche Verschuldung dem Minister niemals verziehen haben
würde, während er ihm in der Folge den Aufenthalt in Prag gestattete,
ihn wie Trautson in wichtigen Dingen zu Rathe zog'**) und beiden wie-
derholt Gnaden erwies, so dass „mänuiglich die Ungnade nicht, wohl aber
die Heue vor gross gehalten'**).“
Am glaubwüniigsten erscheint die Angal» des venezianischen Ge-
sandten**'), dass der Anlass zum Sturze der Minister dadurch gegeben
worden sei, dass der päpstliche Nuntius sich in einer Audienz l)eim Kaiser
heftig über sie beklagte, weil sie in den Händeln mit den Uskoken den
dringenden Wünschen des Papstes nicht entsprachen. Was Duodo hier-
über mittheilt, hatte er vom Nuntius stdbst erfahren, und eine Bestäti-
gung seiner Erzählung kann darin erblickt wervlen, dass der Kaiser gleich
nachher klagte, der Nuntius habe ihn verzaul)ert ***). Die michdrückliche
der Minister erfolgen; er teigt sieh ferner ^anx ran den protestantischen Vorartheilen über die
kaiserliche Politik erfüllt, die ß. doch richti^r beurth^ilen musst« ; er h5rt von einem Tornclimen
Herren, was der kaiserliche Gesandte xn Rom berichtet batte, wahrend B. den ßrief selbst b&tte
lesen können; endlich lasst ihn Aticel xu sieh berufen, um ihm eine Mittheiluni? tn machen,
was einem einfachen Residenten, wie Ancel war, gegenüber einem Msnne in Berlichingens
Stellan; nicht instand. Gerade diese Verbindang mit Ancel deutet auf einen Mann, der nicht
in Diensten des Kaisers, sondern der protestantischen Reichsst&nde war und auf Merkbar!) lasst
schliessen, dass der Bericht an ein Mitglied des Hauses Brandenburg gerichtet wurde. Ist
meine Vermntkang berechtigt, so sinkt damit natürlich der Werth des Berichtes bedeutend.
IfiU Vgl. oben S. as.
162) 8. oben S.
168i Am 2^. October 1602 berichtete der Kuntios xu Grax Graf Hieronymus Poriia dem Hx. Maxi-
milian von Baiern, der Kaiser habe dem Erxhx. Matthias eine grosse Menge Schriften nach
Wien geschickt. ,,da consoltarsi col Kumf etTrautzen et col s^ Anuibal (Hannewald] solaroentn“
und um dann eine Denkschrift für die Reichsstande aber die Grunde und Gegcugründc Blr die
Fortsetiung des Türkenkrieges xu rerfassen. Ma. 4<)2/«, 66 eigh. Or.
164) Kherenhiller Annalcs V, 2222; »gl. Conterfet II, 66.
\Sh) 8. Beilage VIF.
166) 8. Beilage XI.
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Sprache desselben dürfte ihn erregt und seinen Zorn gegen die Minister
entflammt haben. In dieser Stimmung mochten dann der Unwille und
das Mistrauen, wovon er in Folge der uns bekannten Thatsachen und
Verdächtigungen längst gegen Rumpf erfüllt war, sowie die Sorge vor
Umtrieben üu Gunsten Albrechts, welche bei ihm wie bei den Gegnern
seines Hauses durch die oben erwähnten Umstände wachgerufen worden
war, mit voller Kraft in seiner Seele aufleben und nach einer schlaflosen
Nacht den WuthaHsl)ruch gegen Rumpf bewirken. Duodo berichtet, dass
er in jener Nacht davon sprai'h, seine Minister wollten im Verein mit
Spanien den Erzherzog Albrecht zum römischen Könige machen, und dass
er Rumpf ein langes Sündenregister vorhielt und dabei vornehmlich auf
die Aufliebnng der wirtembergischen Afterlehenschaft und auf die Releh-
nung Ferraras hinwies. Letztere bezeichnete auch der spanische (iesandte
Bjiäter als Ui'sache der Entlassung'”) und Khcvenhüller erwähnt sie und
die Anklagen, dass Rumpf alle Gewalt an sich gezogen und zu deren
Behaujitung die spanische xmd die florentinische Heirath gehindert hal>e,
als Gründe der Ungnade, die jenen traf'**). Dass Trautson nur gleich-
sam zufällig in Folge seiner Füraprache für Rumpf in dessen Geschick
verfiel, werden wir gegenüber den bestimmten Angaben Khovenhüllers
nicht in Zweifel ziehen können. Vorbereitet war jedoch, wie wir sahen,
auch sein Sturz schon längere Zeit.
Nach der Entfernung der beiden Minister übertrug der Kaiser das
Oberst hofmeisteramt und den Vorsitz im geheimen Rathe vorläufig an
Karl von Liechtenstein, das Ilofmarschallamt aber an den Hauptniann
seiner Hatschierleibwacho, Grafen Hans Reichart von Schönberg'**). Um
für die Entlassenen Ersatz zu schaflen, wurden sofort Berufungen ausge-
fertigt. Zugleich befahl Rudolf seinem Bruder Matthi.as durch zwei ein-
167) S. Bfilagc VII, 2.
16S) 2221.
169) Jac. KrancQS Rel. hUt. 1601, I, 56. In einem Schreiben des Krzbz. Ernst t. 1.5. Janoar
1594 wird crw&hnt, da» der ebartrierer Oberst Schdnber^ rotn Kaiser berufen «ei, um für
diesen ein Regiment gegen die TQrken zu werltcn; am 11. April 1>597 bezeichnet ihn Erzhz.
Albrecht aU k«t. Knegsrath. Obersten und Hatschierleibqttardibaoptmann. Br« Secret. d'Allem.
N. 293, 45 und 264 Copien
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ander folgende Hriefe, seldeunigst nach Hofe zu kommun. Vermuthlich
hoffte er, durch denselben in seiner Beängstigung Hülfe zu finden, und
beabsichtigte, ihn dauernd an seiner Seite zu l)ehalten
V.
Matthias hatte schon früher daran gedacht, sich nach Prag zu be-
geben. Sein Kanzler Unverzagt brachte ihm nändich von dort im Fe-
bruar 1600 Nachrichten über den Zustand Kudolfs'*') und gleich darauf
wurden ihm auch von anderer Seite beunruhigende Mittheilungen ge-
macht imd der Kath ertheilt, den Kaiser zur Ordnung tier Nachfolge zu
drängen. Matthias äusserte hiergegen anfangs Betlenken, weil er den
.■Vrgwohn und Zorn des Kaisers gegen sich zu erregen und so der Er-
füllung seiner Wünsche ein unüberwindliches Hindernis zu bereiten fürch-
tete Dann neigte er sich jedoch dem Vorschläge zu und ersuchte
die geheimen Käthe um ilir Gutachten, ob er j>ers6nlich mit seinem
Bruder verhandeln solle”*). Sie dürften sich zustimmend geäirs-sert haben,
denn Matthias hielt um die Erlaubniss zum Besuche an. Erst nach län-
gerem Zögern entschloss sich Rudolf, seinen Brief zu erbrechen, und es
scheint, dass er verneinend antwortete'''). Nur der Oborststallmeister
170) Vgl. VII, I.
171) Keichart Streis an Mattlius, Hcideck 26. M&rz 160U in Antwort auf ein Srhr. t. 24. Wi. Sdc-
cesB. Matthias, eigh. Or Vgl. Hurter III, 287.
172) Hammer Khlesl I. n. BI7. Daa SebriftatOek ist nicht, wie Hammer meint, ein Schreiben,
iK)&'lero, wie die erste Zeile zeigt, ein Oedenkzettel för eine mündliche Antwort auf ein raönd>
lieh geacbehence Anbringeo. Es muss in diese Zeit gesi*(Kt werden, da rnrerzagts Bericht er*
wähnt wird und der Erzhene^ in dem Schreiben an Strein mm 24. März [s. die rorhergehendo
Anmerkung] dessen (lOtachten forterte, ob er nach Prag gehen solle, währentl er in diesem
Bescheide noch ablehnt, feineriN»its eine Aniuabnung an Rudolf zu richten. Vgl. unten den
Brief <les Nnntius Ponia rom 21. Februar ItlOO an Hz. Mazimiiian von Baiern. Für die V'er-
muthuug, dass der Bercheid an Barritius gerichtet. sei, gibt Hammer keine Begründung an
und Ich wage ilaher nicht, mich ihr anzuschltessen. <•
17S) Hammer Khlesl 1, n. VM, !».'>. 1»6.
174) Pawlo Termuthet freilich da* Gegenlheil. Er berichtete am 12. Juni: „II 8er“* Matthias giä
alcuni di haveva aoeh' egli per corriero espreaso riebieflto 1ic<*nza da S. con una Irttera
per venirrene ä lei. Molti giorni c stata per online suo trattenuta ^.senza vederla ei in fine la
fece aprire al s'’ Uonfo aila sua preaenza, ct si dice, che habhia riespedito U corriero con or*
dine, cbö aene reuga. et se bene la raggione ruole, che sia per ie cose «rOngaria et altre rac*
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57
des Erzherzogs Ottavio Cavriano kam im Juli nach Prag'”). Ob der-
selbe, wie man sich erzählte, wegen der Wahl Worbimg ablegte, oder,
wie es wahrscheinlicher ist die Einwilligung in die llerüberkunft seines
Herrn erwirken sollte, ist nicht überliefert. Gewiss ist dass er weder
in der einen noch in der anderen Beziehimg etwas erreichte.
Um so willkommener musste dem Erzherzoge die Einladung des
Kaisern sein. Er folgte derselben sogleich, obwohl er el)en zum Heere
nach Ungarn aufbrechen wollte, um den Entsatz Kaniszas zu versuchen;
der Verlust dieser Festung erschien im Vergleich zu den durch des Kai-
sers Zusttnd drohenden Gefahren wie ein „Kinderspiel”*).“
Als aber Matthias am 3. October in Prag eintraf, schlug Rudolfs
Stimmung gegen ihn plützlich um. Derselbe unterlies.s den üblichen
Empfang, für den er bereits die Befehle ertheilt hatte, zeigte sich gegen
den .\nkommonden sehr imfreundlich und wollte nichts davon wissen,
dass er selbst ihn berufen habe. Seine Furcht, dass man ihn vom Throne
zu stossen gedenke, wandte sich sofort, auch gegen Matthias und wuclis
von Tag zu Tag. Nach jener heftigen Aeusserung seiner Krankheit,
welche den Sturz der Minister herbeiführte, war er ruhiger geworden.
Jetzt kehrten die frühere Aufregung und mit ihr die Hallucinationen
zurück. Er liess alle Wachen verdoppeln imd das ganze Schloss sorg-
fältig durchsuchen. Seinem ersten Leibärzte Guarinoni, einem Veroneser,
commandate alla sua carica, tutUTia, esaeodo stato tanto trattenuto il corriero, si e anco detto
qa««tl di, che potesa« caaer per la elettione di rc di Rornaoi. dod firendoai qoi aenaa qoalche
gelosia delle noTe che nono andate attorno le aettimane passate, che S. Chri8t"=* habhia
poato qaalcbe pentiero in qqesto negotio, aoti altri aoeo aggiongoco. efaÖ per qaesto effetto
a panto il go?emator di llilaoo, rcaiguato ehe havera quoato gOTcrno, ala per venire a
qaesta corte . « . . Se S. si riaolTeaae di farlo, noo k alcuo dnbbio, che Totteitira, perche,
ßn qnanto atabili ü negotio delle noize eon Toacaoa, baveva promeasa certa da tuiti li eiet*
tori dal Palatino in poi et con oecaaione del coadjatorato di Colonia baveva anco ferma la
promeaita da qoell* arcivescovo." D. V. 30. 109 Or.
1?5) Doodo an den Dogen 24. JqH 1600: „Continua qui U a' Ottavio Cavriano !e trattationi per il
8QO padrone, le quali ai dicono essere intorno qneate coae de re de Romani, easendo entrata
gran geloaia in 8. del Ser"° Alberto auo fratello, del quäle i inforniato, che andaaae pra*
ticando qualch' uno dl qnesti elettori et perö si crede. che U mandati dal rä cattolico siano
piü per favoriro li interessi del secondo ehe del primo per le coae note. Tuttavla ancora noo
li sa. cb^ S. sia ressoluta di cib ehe habbia da fare. ae bene a favore di Mattbiaa li sti*
moU et li artificii che si usano. siano grandissimi per ogni parte.*' D. V. 30, 159. Or.
176) Worte Khlesls b. Hammer I, n. 139 am Rnde.
Abh. d. III. CL d. k. Ak. d- Wiaa. XV. Öd. I. Abth. 8
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58
der ihm lange Jahre gedient hatte’’’), gab er den Aiiscliied und nahm
statt seiner den Octavian Roberetti aus Innsbruck an ”*). Sogar die
Kapuziner, welche gegen Ende des Jajires 1599 nach Prag gekommen
und bis dahin von ihm Iwgflnstigt worden waren hatten unter seinen An-
fällen zu leiden. Es mochte ihn l>elästigen und mit ängstlichen (mlanken
an das Jenseits erfüllen, wemi in den Nächten, die er schlaflos zubrachte,
ihr Gebetläuten von dem in der Nähe des Schloases erbauten Kloster
herübertönte Bald beschuldigte er auch sie, ihn verzanl>ert zu halien,
und begann zu rasen, so oft er ihr lainten vernahm. Wie<lerholt befahl
er ihnen, die Stadt zu verla-ssen, und wenn ihre Vertreibung auch immer
noch verhütet wurde, so blieben sie doch unausgesetzt von dersellien be-
droht '**).
Seinen Bruder suchte er auf alle Weise zur Abreise zu bewegen
und als derselbe auf Bitten der geheimen Räthe aiwharrte, traf er mehr-
177) „Benisairoo conosciato da tanti miei pr^ceasori,“ sagt Da<xlo in einem Berichte vom 9.0c*
tober 16CH), JD. V. 30» 221 Or. der neben den weiter sniurühreiideD Acten dem oben Gesagten
in Grande Hegt.
178) Pr&ntI an den Uz. von Üaiera 15. October lOiK). Ma. 50/10» 66 Or. Gnarinoni wurde übrigens
bald wieder sa Gnaden aafgenomincn. Bericht Dnodos r. 13. Nov. 1600. D. V. 30, 279 Or.
Am 24. and 31. März 1603 erwähnt Giacomo Vendramin ihn als in Dienst stehend. D. V. :i3,
24 n. 28 Orr. V’gl. unten. Roberetti winl noch bei Hammer Verhaodlangen des H«'rrn t.
Roeenberg 29 erwähnt.
179) Manbart an den Hz. von Baiern 1. Januar 1600: „Die capazinermönich seind unlängst alher
kommen und haben -von I. Mt. tTlaalnus allhie zu wohnen, denen man auch b^rait ain Ort
ausgezaichnet. Dise ordenabrfteder kommen denjenigen, welche sie zuvor nie gesehen, gar sel-
lam für. Gott gebe, dass sie vil guets aussrichten bei dlseu aigensinnigen leuthen.*^ Ma.
50110, I Or.
180) Bonaventura da Coccallio et Erardo da Bad kerspurgo: RUtretto istorico dclla vUa, virtü
e miraeoli del b. Loreuzo da Brindisi, Rom 178:1, p. 61 ff.
181) Dies scheint die einfachste Erklärung. Wie Rudolf während seiner Krankeitsanftlle die Sacra-
mente nicht empfangen wollte, s. oben S. 48, so zeigte er sehun 1593, als er trübsinnig war,
Abneigung gegen die Jesuiten, s. den Bericht des Barvitius vom 18. Februar 1593 oben
Anm. 93. Die legendenhaft ausgeschmückte Erzählung bei Coccallio a. a. 0. 65 ff. lasse
ich auf sich beruhen. Sie leitet des Kaisers Unwillen vornehmlich von der Einwirkung des
Kammerdieners Machowskj, „perfldissimo calvinista'* und des Astronomen Tjcho Brahe her,
der dem Kaiser prophezeit habe, er werde dnreh einen Kapuziner ermordet werden. Dort ist
öbrigens S. 65 statt „il signore Dietriebstein*' ohne Zweifel „Liechtenstein*' zu lesen, da der
Cardinal nicht in Prag war und nicht bloe signore genannt werden würde.
182) Duodo an den Dogen 16. October 1600 D. V. 30, 235 Or. und Beilage X, XI umi XV.
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facli Anstalten, die Stadt zu verlassen, ja er wollte die prager Bürger
auffordern, den Erzherzog mit Wachen zu umgelwn, damit dieser ihn
nicht vom Throne stosse '**). Wenn er gleiclizeitig Miene machte, den
Feldmarschall Kosworm zum Hauptmann seiner Hatschiere zu ernennen
und denselben in seinem Vorzimmer schlafen liess, so schrieb man das
wohl nicht mit Unrecht dem Umstande zu, dass Kosworm Matthias üus-
sei-st verhasst war ***),
Gleichwohl scheint die Frage der Nachfolge bei den Besju-ochimgon,
welche Kudolf in ruhigeren Stunden dem Bruder gewährte, erörtert
worden zu sein. Nachdem Erzherzog Ferdinand von Tirol 1595 ge-
storl)en war, ohne ebenbürtige Söhne zu hinterlassen, hatte der Kaiser
in seiner krankhaften Begehrlichkeit und Eifersucht von seinen Brüdern
und seinen steirischen Vettern verlangt, dass sie auf die ihnen insgesammt
gehörige Erbschaft zu seinen Gunsten verzichten sollten. Vielfach war
darül>er verhandelt worden, ohne dass er zum Ziele kam'“). Im Januar
1600 hatte er nun Matthias angelmten, dass er ihm gegen Abtretung
seines Antheils an Tirol und den vorderösterreichischen Landen die Nach-
folge zusichem lassen wolle'“). Die ihn damals beunruhigenden Nach-
richten, dass Erzherzog Albrecht sich um die römische Krone bewerbe'*’),
mochten dazu beigetragen haben, dass er sich zu diesem Vorschläge ent-
schloss. Matthias hatte sich mit demselben einverstanden erklärt'“).
Jetzt kam vermuthlich er'*“) oder der Kaiser selbst darauf zurück. Es
183) Bericht Prfintls vom 15. Oetobcr 1600, Xt Tin>l Hammer Khlesl II, Beilngen S. ‘215.
184) Bericht Daodoo vom IG. October. Vgl. unten deii Bericht Portias v. 24. October.
18.')) Harter HI, 279 fl*., J&ger Beitrüge tor Ge»chiefate der VerhüDdluDgon Ober die erbfallig
gewordeoe Grafsebaft Tirol im Archiv (, ust. Geachichte 50, 103 ff. und Rgger Geechichtc
Tirols II, 26.^ ff.
186) Harter III, *287.
187) S. oben Aom. 13*2.
198) II arter a. a. 0.
189} Schon in dem oben Anm. 171 envahnten Schreiben batte Strein gerathen. das Anerbieten ta
benatseo, am bei einem Beiache io Prag aaf Ordnung der Nachfolge lo dringen. Wolle dann,
hatte er dabei bemerkt, der Kaiser die Sache iq Bedacht nehmen , io hebe der Erahertog vor*
xastellen. dass eich bei den Practiken im Beleb, die immer gefährlicher würden, leicht etwas
Ungleiches in den vorderiüsterTeiebisebeD Landen ereignen kbnne. Beigelegt hatte Strein eine
eigenbündige Aafieicfanong, welche dem Errberxoge Wort f&r Wort vorschrleb, was er sagen
sollte, wenn der Kaiser selbst die Suche anrege, und was, wenn dies nicht geschehe.
8*
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60
findet sich nämlich aus dieser Zeit ein Entwm-f zu einem entsprechenden
Vertrage. Dessen Unterzeichmmg erfolgte indess nicht"®) und in allen
Beziehungen blieb des Erzherzogs Besuch ohne Frucht. Am 24. October
musste Matthias dem Drängen des Kaisers weichen und Prag verlassen
Er glaubte jedoch nicht unthätig hleiben zu dürfen. Der Zustand
des Kaisers stellte dessen baldigen Tod in Aussicht"*) und auch, wenn
dieser nicht eintrat, drohte schweres Unheil. Die Geschäfte komiten nicht
mehr erledigt werden, da die Beschlüsse der Käthe der Bestätigung des
Kaisere bedurften und dieser weder einen Vortrag anhöron noch seine
Unterschrift ertheilen wollte'”). Durch die Entlassung der Minister und
durch die Verjagung der Kapuziner, die jeden Augenblick erfolgen
konnte, mus.ste ülwrall der Venlacht erweckt werden, dass Rudolf geistes-
krank sei, und man fürchtete, dass die Churfüiisten auf Grund der gol-
denen Bulle Gesandte schicken würden, um sich über den Zustand des
Kaisers zu unterrichten, und da.ss, wenn sie die Wahrheit erführen, sie
ihn für regior,ungsunfUhig erklären und die Churfürsten von der Pfalz
190) Hortet III, 2S7 Anm. 16.
191) S. Beikge XI. Piintl schrieb dera Hz. rou Baiero 23. October 1600: Morgen reist Mnttbiu
ab and „wie man vemiUFten will, bsben 1. fl. Dt. nit gsr vU aoasgeriebtet, dan 1. Mt seind
noch wie hievor sehr melancholisch and anlastig “ Ma. 50/10, OS Or. Am selben Tage be*
richtete Daodo dem Dogen: Mattbias ,,al€i]iia volta oelli Incidi intenralli si ritrora con la
S. et Del proposito di r5 di Romani ba otlenato corteaissima risposta, tutto cbo nclla indispo*
sitione S. faabbia fatto molti taotatirt per disgostarlo, aoeib chb partisae, roa tntti li snoi
baoni servitori Tbanno disaaio. Li lopradetti ministri [der spanische und pipstlicbo Üesandte]
anco in questa parte sollecitano, quaoto possono, qoesta elettione, et giä si b di online del 3or<°<’
Matthias scritto al Massimiliano, ü quäle b arrivato a Noistot [Wiener*Nousta<it] ebb
venga et al Ser*° Alberto, coa fine di farli abboccare qoi tntti tre insieme etchb unitarnente si
prendi qoalcho rieeolationo, assicurandosi per questo rerso dtdle diseordie, che poteuero per si-
roili competenze naseere fra di loro et se non Teniraano, Hndicio sara molto potente, che vi
posssno easer delli mmori/* D. V. 30, 249 Or. Besser über die Hauptfrage unterrichtet, mel*
dete Duodo am 25. October: „Parti bteri il Ser«^’^ Mattbiu, come mi disse di dorer fare, per-
ebb in eifctto in flno cosi volae S. M^^, chb facesse. Et so, ehe disse ad un ministro, chb fra
$fi niffi, pariando Hi rb Hf Efmani, o tutto farebbe, in rotina o accomtnodtUo^ et ilojto che
tutti U mezzi che haceva tenuto fin qui, fffi hafHyiano ftociuto, chi ti rolterebbe att altra parle,
rolcnHo inferire aili elettori, daW qiudi upera, eseendo d primo dojjo *S, Jl*«* deUa nua cn$a,
non ifli $ard fatto questo torto. Et da quetifo liarlare questi argui/ieom , ebb ci eia qualche
gelosia tra lui et H Ser"^ »uoi fratelli“ D. V. 30, 258 Or. Vgl. Beilage XI.
m) S. Beilage VllI, IX.
193) S. Beiiage XI uod Doodos Bericht vom 9. October 1600.
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und von Sachsen das Reichsvicariat in Ansj)ruch nehmen könnten. Dann
brachen all die Gefahren, welche man von einem Interregnum besorgte,
herein und den Praktiken des Königs von Frankreich, von welchem man
el)en damals wieder hörte, das.s er sich um die i-ömische Krone bewerbe,
sowie all der anderen Gegner der Habsburger wurde freie Rahn gegeben.
Unter den Erzherzogen selbst fürchtete Matthia.s einen Nebenbuhler um
das Kaiserthum zu finden und dessen Erwerbung musste ihm um so mehr
erschwert werden, als er noch kein eigenes Gebiet besass'”*). Dass die
Hausliinder sich ihm rasch und freiwillig unterwerfen würden, war nicht
zu hoflfon. Die Protestanten unter den böhmischen Stünden, welche ge-
rade zum Landtage versammelt w'aren, hielten bereits geheime Berath-
ungen, sie forderten drohend Abstellung ihrer Beschwerden und sprachen
davon, dass sie diese, wenn ein Interregnum eiiitrete, nöthigenfalls mit
Gewalt erawingen und sich von den Habsburgem befreien w’ollten. Auch
in Ungarn und in dgn übrigen Ländern gährte es "*). Ueberdies drangen
194) S. Beilage Vlli, IX, X, XI, XV and XVI, aowie unten daa SehreilNin Matthias an Enht, Al-
brecht r. 29. NoTeinber 1600 und den Briefwechsel AlbrcchU mit Salibarg aas demselben Mo*
nate. Duodo schrieb in seinem Berichte vom 10. Oeteber: ,,Qaeste cose [das Verhalten Rudolfs]
essendo diruIgaU fanno dubitare grandemente alli ministri, cbe {>ervenute alle orecchic delti
elettori li faceiano risaoWere di mandar qai ambaaciatori espresat per saper Io stato della
S-, in che ei aarebbe da travagliare aasai, ae ti pensasae ad ana elettione di re de Romani,
perebe, aebene aenza qoeata diagratia ciascuno crede, ch^ il laoeo sarebbe atato da tntti It fra-
telli ceaso al Scr**^ Matthias, tattavia al presente fa dubitare grandemente del sacceaso et
della roncordia pote^ae eaaere tra loro medesimi, oUro che, ae il nomioato Joveaae haver
prima altri atati et foeae fatto di Bohemia, non ai vede manco verao di farlo nel atato cbe
noi siamo, easendo masaime li Bohemi beniaaimo informati di totto. Cosi si travaglia per ogni
verao aenza poter con fondainento coogietturare qoello poeai eaaere dl nna cosi importante ma-
teria. Ha pero il conaeglio ritaoluto di mandar doi di questi aignori alli elettori per veder
ch^ ai contentino, ehe «ii Convocata la dioU, como fu fatto ultimamente con la prcsenia del
Ser»» Matthias et aenia rasaistensa della M<^ S., ma Dio non voglia, che per chiarirsi del vero
atato delle coee, si riasolrino in rispondere. di non voler venire, ae Ceaare non ri si trova
in persona.“ D. V, 80, 235 Or.
195) S. aoten die Stelle aus dem Entwurf eines Briefes von Krtbt. Matthias an Albrecht v. 29. No*
veraber. Üuodo berichtete am 9. October: „Questi Bohemi cominciano a fare delle conventicole
et gli heretici particolarmente, li quält aneo in qualche occasiooe bsano parlato molto alla
gagUarda in propoaito delli torii che pretendono di ricevere csaeti lo esclusi da totti quasi li ca*
richi publicl« et hanno miuacciato qaalehe persona principale cattolica, se veniase interregno.
ehe Dio non voglia, vorranno haver auch* esai la loro parto, altrimenti ehe faraono correre totti
qoeati fiami di sangne. et ciascuno pensa ä quello doverä fare. Et se bene si dice, qoesto
regno eaacr hcreditario in firtü di ordinationi di Carlo quarto, di Ladislao et di reasolationi di
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die Türken siegieich vor. Sie brachen die begonjR'uen Friedensverhand-
lungen ab. Kanisza musste sich ihnen am 20. October ergelxMi und da-
mit stand ihnen Innerösterreich offen. Die kaiserliclien Kassen waren
leer, die Hausläuder erschöi)ft. Hörten durch ein Interregnum oder
durch die Unfühigkeitserkliirung Rudolfs die Hülfen des Reiches auf, ent-
standen dort, oder in den Hausländem Unruhen, so muasten diese dem
.Vnfall des Fh'bfeiniles erliegen.
Unter diesen Umatilnden hielt Matthias für unbedingt nothwendig,
dass er baldigst zum Nachfolger des Kaisers eraannt und sofort als Coad-
jutor mit der Regierung betraut werde. Schon während seines Aufent-
haltes zu Prag regte er, wie es scheint, bei den Ijöhmischen Kronbeamten
die Einsetzung der Regentschaft, wenn nicht gar die Vornahme der Kö-
nigsw'ahl an. Als er da keine Unterstützung fand, beschloss er, die Hülfe
seines Hause« und der diesem befreimdeten Churfürsteu mid Fürsten in
Anspruch zu nehmen, um den Kaiser zur Einwilligung in seine Pläne
zu bewegen «xler diese auch ohne dessen Zustimmung zu verwirklichen.
Er fortlerte seinen Bruder Albrecht auf, herüberzukommen , damit sie
mit den Erzhei-zogeu Ma.\imilian und Fenlinand jjersönlich in den Kaiser
dringen und nöthigenfalls weitere Schritte vereinbaren könnten '“). Zu-
gleich beauftragte er einen gerade in Prag anwesenden Secretür des Chur-
fürsten von Köln, schleunigst zu diesem und den beiden anderen geist-
diet« et altro, tottarU sanno dir b«nissin]o 1« loro ra^ooi. J1 megUo di qactto negotio che
io effetio dod bavvrebboDo capo di qaalit« al qoale potesaero odherir«, ct eaaendovi anco
divisione tru loro Btcsai, sarebbe grati coaa, ch^ tomaasero i cader di noovo in quel laedo.
dal qoale pretenduno di Uberarai, et faccia Dio, che ooo possano baver luoco li loro disaegni. —
I>a qoesti antecedenti fomiano altri an* altra contcqoenza, ch« non «ia possibile. che qoesti non
habbiano da fare )a paco con l'arcbi. anco coo ogni conditione per non troTarsi in an temiM)
Bterao iinbarazxaii tra tanti traragU et qaesto tanto piü ai crcde, percho il Petxcn richiamato
[s. Beilage Yil] non compare giuata U primi ordini, et por oggi mi i atato detto, eseergli stato di
DQovo commandato, cbe auch* esao cali con gU altri comroissarii verao Strigooüa** D. V. 30,
Or. Am 13. Norember ecbrieb Daodo: „Mi ha anco aflfermato an mioiatro di principe
che k qni et mio molto confidente, di aaper certo, che gli Ongari trattino con Turchi di met-
terai sotto la loro obedienxa, pagandogli un ongaro [Ducaten] per fnoco, roa a conditione, chö
slano loro lasciati U loro castelli et fortezzo et che siano gaardate et coatodile da loro mede-
simi. Jo gli doinandai,*^ae erano tatti gli Ongari ö pnr parte. Mi diaac, tulti. Et queati roi>
nistri lanno le trattationi ne aanno, cnme proredcrvi, stando an le aperanze, ch^ non possano
far co^a alcuna.*' D. V. 30, 279 Or. Vgl. Ranke Z dettUchen Geach. 2^7.
190) BeiUge Vlll.
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liehen Churfürsten zu reisen, uni ihnen den Zustand des Kaisers zu schil-
denuind er bat dieselben, auf Mittel zu denken, ,.dainit nicht dein Kaiser,
seiner Hoheit und dem Hause Oesterreich zum Nachtheil der katholischen
Religion ein Schimpf widerfahre“ Auch an den Administrator von
Sachsen schrieb er in gleicher Weise
Erzherzog Albrecht erklärte. Belgien nicht verla-ssen zu können,
billigte aber im Allgemeinen die Absicht seines Bruders'"'). Darauf ver-
anlasste dieser die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand, mit ihm zu
Schottwien in der zweiten Hälfte des Novembers*’") zusammenzukommen.
Maximilian wurde ohne Zweifel schon damals von jenem uneigen-
nützigen Eifer für das Wohl des Hauses geleitet, den er später fort und
fort bewährte, und war, wie im Mai 1599™'), von vornherein l>ereit,
Matthias zu unterstützen. Ferdinand aber, dem jedes politische Verständ-
nis fehlte*"*) und dessen Aufmerksamkeit ganz und gar durch die von
ihm Ijegonnene Ausrottung des Protestantismas in seinen Landen und
durch den Türkenkrieg in Anspruch genommen wurde, hatte sich bis
dahin mit der Frage der Nachfolge durchaus nicht beschäftigt ““). Seine
197) Eigh. Schreiben v. 16. October« Wm. Succetsionswesen I, n. OleichlauteDtle Entwürfe tod
Krunberg &n Mainz. Trier antl Köln, Wi. Sncceasion Matthias. An Köln wurde am 21. October
eine Nachschrift gerichtet, welche der in Beilage VIII enUpricht. Das. Cpt. Krenbergs.
198) Briefe and Acten I, n. 166 Anm. 1 Das Schreiben lautete offenbar wörtlich wie dns an
Mainz and Trier, onr fehlten natürlich der Verweis auf den kölnischen SecreUr und die Worte
,in praejudicium der katholischen religion.*
199) Brief vom 2. November 1600 Wi. Saccession Matthias. Or.
2(KlJ Am 15. November schrieb der Nuntios zu Grai, llieronjmas Portia, an Hz. MaximüUn von
Baiem. die drei Erzherzoge würden in der nSchsten Woche [19.— 25. Kot.] zosammeh kommen.
Ma. .Sll/26, 71 Crl. Vom 29. Nov. liegt ein Bericht des Mathias an Erzherzog Albrecht aus
Wien über die Bi'sehlüsse vor; s. unten.
201) S. oben S. 29.
202} Vgl. meinen Aufsatz in der Allg. deotschen Biographie VI, 644 ff.
200) Berichte Portias an Hz. Maximilikn: 21. Februar 1600: ^De negotio illo ad refftm H&»ttimrnm
pertioenti hic satis frigide cogitatur. Solas nnas ex jfatrihug fodetatis »Uquid faceret, si sciret,
si poaset, aed viz attingimos terminos. Sola Ser^V. i>0Met prodesse consilio et aactoritate, sed
res sunt tarn confhsae, ut quid dieendum sit, nedom sperandum, riz haberem. Sed arcAi^iu’
Afatthim est valde io illa cogitatione immersna et soi omnes ewtsäiarii secreti perpetuo,
ut audio, hoc agont vel saltem bis cogitationibus exerceot mentem arckifiucM, et jam aliqui
scribunt, quod omnino flet pax inter arrAWucem Alftertum et reffinnm Awrjfmc, et qood reffina
babeat animnm, quod AfTmis quaedam ineat mrifniNOi'iiNm cum «ircAirfNce Matthm. Sed
quam bene nosraet nobisroetipsis isU ftngimos, ac si non intclleiiasemos annis elapeis, qaam
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64
politischen Gedanken reichten nicht über die salzburger Berge hinaus’*').
Hütte sich aber sell)st jetzt in ihm ein ehrgeiziges Verlangen geregt, so
mussten ihn die Gefahr der Lage und die Bedrängnis, in der gerade er
sich durch den Fall Kapiszas befand, abhaltcn, demselben Baum zu gel>en.
So wurde es denn Matthias nicht schwer, die Erzherzoge zu bestimmen,
dass sie ihn als den zur Nachfolge Berechtigten anerkannten und ihm
ihre Unterstützimg zur Verwirklichung seiner Ansprüche zusagten.
Man beschloss, diuss sümmtliche Mitglieder des Hauses und die bai-
rischen Herzoge, ja sog.ir der Pfalzgraf von Neuburg, der durch die
Türkengefahr wie Baiern nächst Oe,sterreich am meisten lietlroht war,
den Kaiser in einem gemeinsamen Schreiben auf seine Krankheit und
das Unheil, welches deren Bekamitwerden nach sich ziehen könne, hin-
weisen und ihn zu einer medizinischen und geistlichen Kur ermahnen
beoe T«lit archulutibtu omnlbo« et toti f&mi)iAe re<finn Anytbtt, quae nunquam deeeret ami*
citiam et conailta reffte Oaitiae. Sed forte erit practica, ut diridat co^tationee Alberii et
Mrttthiae. Tandem tgo Tereor, oe Germania aliquid mali ett pateora propter peocata imperatorU
et sgomni, et rix habebit laceei corem.*' Mc. Füratensacben tom. 08, C4 CrI. — 4. October:
>VrdinA»t(fK.tr parntn cogiUre videtnr de regt* et siroiliboj,
ita at »’xiatirnarim interdum, qnod expectet oblationcm aliqoam ab qoi babent electionem
in siinili negotio. Veram Tenrndom etti, ne Mnithitu Tel Afhtirttu praecipiat. et üabitandnm
etiam, quod auccessui in bU profiocUs rationcbr/fiin et proxiini» bis finibus maltam
impediant, qaia xere archidnx Fordinandax |>otaisset aibi procurare magnam nomen et
existimationem apnd omnea in Gmnania, ai movisaet sc occaaione belU pracaentis et xicini.
Sed peenniae non sant et molta aJia etiani deaiderantur, qnae tarnen potniaset habere, $i foiaaet
in Donoullia provideotia. Certe, ai hoc modo pergent, rex Oalliae multum negotii faceaaet
(WchtdueiltHit omniboa etiam in illo negotio eledioHie** Das. 74 CrI. — *24. October: „Qnt ai
tiene che r/m/fcrolore cogitet de componendis tribu* khm frairibus ioTiceni ei ioter te, et
quod praecipoe faveat Mntthiae quoad eUctianem regU Jiomam. Haie enim dieitur Teile
deatinare regattm Bvitemtac, Mastmiliamt antem directionem et Alberitut ro&nebit
cum eo, quod obtlnult ex gratia Hiepani. Sed vix iVtArimti/mntfir et AWciiu* cedet Mathiae,
Terendum enim est, no omnea ambiant. Solua archidus Ferdinandus videtor quiedeere vel
oimia occutte et lente procedere. Si <irc^j<fi4X i’Vrrftiitimfif.'r et archidHcisna mAfer aliqnid
Bperarent in auctoritato Tel faroriboa regia JUapaHiae, eerte jndicio meo deciperentur. Vix
enim aliom babebit fautorem quam V. etSuoa. Reliquoa qnoatl partem regia JliapaMiaet
ai tarnen aliquid valeront, occupabit infanta. Sed Terc timeo, quod archidujc Ferdmandua
nimia tarde procedat. Interim etiam amittit jna auum in TVrofi, ad quam partem dieitur, quod
Imperntor xelit ae recipere.“ Ma .011/20, G5 Crl. — Vgl. unten.
204) Portia an Hz. Maximilian 0. Mai 1601 : ,,Si dotmn qua in molte ceee ne gli noatri pensieri
paaaano i monti di Salibcrg. Qualcbe lioea e penaiero si getta verao le coae del re di Spagna
per liaxer qualchc penaione da quella patte, ma nel rimanente liatno huomini di pace,'* A. a.
0. 117 Crl.
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f.5
sollten. Erzherzog Ferdinand, welchen der Kaiser bis dahin noch nicht
im Verdacht hatte, dass er Uim nach der Krone stehe, einer der bai-
rischen Herzoge und womöglich auch der Churfürst von Köln, welchem
Rudolf so sehr gewogen war, sollten dieses Schreiben üben-eichen, münd-
liche Mahnungen hinzufügen*®*) und in den Kai.ser dringen, dass er sich
gegen Bürgschaften, welche ihm seine Macht und M'flrde sicherten und
die Literessen der ehelichen Kinder, die er etwa noch erhielte, wahrten,
Matthias als „Gehülfen“ bestelle und denselben zum Nachfolger erwählen
lasse. Insbesondere sollten sie sieh auch angelegen sein lassen, die Aus-
weisung der Kajmziner zu verhüten, da diese einerseits das befürchtete
Eingreifen der protestantischen Churfürsten fördern, anderseits aber den
Papst und die katholischen Fürsten des Auslandes, die den Kaiser für
vom Glaulien abgefallen erachten würden, von der Bewilligung ausgie-
biger Türkenhülfen abhalten, ja vielleicht den Papst veranlassen woi-de.
einen anderen deutschen Fürsten zum Könige zu erklären oder gar das
Kaiserthum auf eine fremde Nation zu übertragen. Für den Fall end-
lich, dass die Beauftragten nichts erreichen oder mit Rudolf wegen seiner
Krankheit überhaupt nicht verhandeln könnten, nahm man in Aussicht,
die Stände Böhmens und der zugehörigen Länder zur Ernennung des
Nachfolgers und Coadjutors aufzufordem, worauf man die Churfüi-sten
imd Ungarn zu entsprechenden Schritten zu bestimmen hoffte**).
Diese Beschlüsse gelangten indes nicht zur Ausführimg. Bei reiflicher
Erwägung mochte sich neben anderen Bedenken vor allem das aufdikn-
gen, dass eine so revolutionäre Massregel wie die Aufforderung der Böh-
men zu selbständiger Vornahme der Wahl doch kaum zulässig sei und
gefährliche Folgerungen nach sich ziehen könne, und dass ihr Erfolg
bei der feindseligen Stimmung der böhmi.schen Protestanten sehr zweifel-
haft sei. Auch lehnte vielleicht nachträglich Ferdinand ab, die Reisl^
nach Prag zu übernehmen. M;ui hielt wohl schon damals für möglich,
dass Rudolf in seiner Abneigung gegen alle seine Brüder ihm die Nach-
20<5) Die Anleitofig zq dieten M&hnQDf^ii M>llt« wohl BeiUge X oder rielmehr die dort in der An-
merknog nm Schinne erw&hnte ITmarbeituDg denelbeo bilden.
206) Beilage IX.
Abh. d, ni. CI. d. k. Ak. d. Wi«. XV. Bd. I. Abth. 9
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66
folge zuweiule. DuitIi die ihm aiifgetragone Verhandhing aber musste
er dessen Zorn und Argwolm gegen sich waehrufen*^’).
Mattliiii« und Ferdinand einigten sich daher, den Churfürsten von
Köln aufzufordem. diuss er allein nach Prag gehen uud den Kaiser zur
Onlnung der Nachfolge drängen möge. Mit der Uebermittelung ihres
Ansuchens wurde Ferdinands Kammerrath und Geheiinsecretär Peter Casal
betraut, sei es, weil Jlattliias jenen um so fester zur Vertretung seiner
-Vnsprüche verptlichton wollte, sei es, weil man auf diese Weise dem
Argwohn d('s Kaisers leichter zu entgehen hoffte. Unterwegs sollte Casal
den Erzherzog ^^aximilian, der sich nach der schottwiener Tagfahrt nach
Mergentheim, wo er als Deutschmeister residierte, begeben hafte, zur Ge-
nehmigung und Uiitei'stützung des geänderten Beschlusses bewegen und
von den bairischen Herzogen eigenhändige Befürwortimgen an den Chur-
fürsten erwirken”'"). Den Eraherzog Albrecht ging Matthia.s selbst um
eine solche an'"*).
207) V(^l. Harter VI. I2T. ^*hon am 15. November eehrieb Portia an Ht. MazimiliaQ von Baiern:
„Intcndo aoco. eh^ Mutfhin et runnitjUeri tuoi vorrebboDO, ch^ Ftrdimtiuim faceaae &leun ofHcio
00» VlmfMirnlorr, non baatando l'animo k Mafthüt di farci altro. Ma non penao, cho Ferdt-
uandtuf n latMierä fHTKiia«leri% peitbe pare a totti, cho anderebbe a riachio di perdere certo per
se et giovar ad altri incertament«** Kr fßgte bei, ea solle znSrbottvrien auch über den TQrlteo*
krieg verhandelt werden und er bbre, da» .MattbiM und seine Ratbe Ferdinand die Last aaf«
legen wollten, „ina in Gumroa orant's nrthiihtvrn sunt aptiorea ad {mcem quam ad bellnm et
vix credo. quod aliqnid boni efflcient, qaia tllorum persimae sunt !mpe*Iiinento qooad bellum.**
Ma. nil/Äi, "I Crl.
20.S) Beilage XI.
2ü9) Sein Schreiben vnro Ifi, December b. Uamnier Khetl I. n. 140. Wi. Succession, Matthias
liegt ein Entwurf Krenberg» vom 2!i. November vor. Danach irt bei Hammer S. d32 Z. 15
T. unten statt: „gelhonener Bittens“ rn lesen: ..getlionen erpietens", Z 5 v.q. statt: „vorthiel“
„veitraolich“, S. 3.‘W Z. 8 v. o. statt; „ßaich“ „ratb“, Z. 10 r. o. statt: „ohne durch“ ..oder
dc«h.*‘ Die Stelle 8. Z. H ff. lautet im Entwarf ausführlicher: ..in was achwärlicbem
stand wir uns detteiten ht^rauaser behntleo, da es an allem manglet, die expetlitionen nahet er*
ligen, kaine neue raicbsbilfen erfolgen und diae Und lum widerstand enchepft sein. Sollte cs nun
ito mit J. zu einem fanl kamen (das Gott gnedigüch verhOet) da kain succesaion richtig
gemacht, die rellgionen aller urten spaltig, Siebenburger von Türken, Polacken und Sigmunden
Batori angefoebten sein, ao sehe ich nichts anders als den endlichen andergang unsers hauss,
diser Und, den katholischen religion und suvor der ganzen chrisienbett hochaten schaden, zumal
«la mau bisshero keine rometlia, geiatliche noch weltliche miitel noch ainichen gatten rat zu*
lasGcn will, ich such selbst in ungleichem verdacht pin, also das alUin der allmecbtige
Gott helfen muesa, der tlaiumben wol zu pitteii ist.** Das. Z. 2 v. u. bat der Entwurf; ,, neben
uns und der freundbchaft zuatimmeten , insonderheit des churfürsten von Köln L. behandleten,
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67
Sie wurde ohne Zögem ertlieilt *'") und ebenso erhielt Casal in
München rasch die erbetenen Schreiben, die sich freilich auf eine nüch-
terne Herichterstattung ül>er seine Werbung Ijeschriliikten-"). Erzherzog
Maximilian war, als Casal nach Mergentheim kam, kurz vorher auf Be-
fehl des Kaisers nach Prag gereist*'*). Sein Einverständnis mit der l>e-
absichtigten Werbung durfte man jedoch voranasetzen. Am 22. Januar
1601 legte Casal dieselbe in Köln tei dem Churfürsten al>*'*).
VI.
Churfürst Emst hatte schon im Anfang des Jahres 1600 den Erz-
herzog Albrecht ermahnt, gegenüber den Umtrieben evangelischer Ueichs-
stände und Frankreichs Schritte zur Sicherung der römischen Krone für
das Haus Oesterreich zu thun, und seine Dienste zu Gunsten Albrechts
angelroten. Dieser hatte ihn darauf gebeten, jrersönlieh mit dem Kaiser
zu verhandeln*"). Das hatte Emst, wie es scheint, cinstw'eilon abgelehnt.
(Ute Verrichtung in fein und der zwei AOileren ehurfürtten D&men durch ein persönliche raiss
zu I Mt. je ehUt so möglich auf sieh zu nehmen , dann wir je kein pessem und I. Mt. zu
ditem werk annemblichem wisBien. Sonaten uni auaaer diaes piu ich nahet auüs aller hoffr
nung, dau ich £. L. nit verhalten kan, das et im kunigreich B<'haimb nit allaio der calviniaehen,
pikhartiachen , hnasitiachen und anderer aectiachen religion, souder auch der atänd unter ein-
ander aignen Spaltung halben ain Mizambea ausaehen, die ingemain und soudera von kainer erb.
liehen succession wissen wOlleu. Sollte Hebam von aimerin hausa kuiumeu, bo ist Ungern nit
zu erbalben. Dalier ich E. L. bruederlich eraueche, den tachon treuherzig naefazodenken, was
auf ein solchen unverhofften fal (den Got gnediglicb verbiete) zethuu »ei. damit die u»torreich-
ischen erblander nit unter ainsten zu gruod geen. aomit'r bei der chriatenhalt und dan daa
kunigreicb Bebaim bei pilicber erblicher Huecesaion cnift habender gerechtigkait erhalten werden
möge.** Das bei Hammer Folgende fehlt bia auf die SchluaaaaUe. Die Aendernng der achott*
wiener Abraaebungen erfolgte al»o wol Aufang Deceraber, denn mit der auch im Entwurf er*
wähnten Reise Kölns ist dort wohl nur die zur Unteratulzung Ferdinands und des Herzogs von
Raiern gemeiot.
210) Krzhz. Albrecht an den Gbf. von Trier IS, Januar 1601, Brs. Secret d'AHem. N. Ut'l, I.
47 Cpt.
211) Er kam dort am :J1. December 1600 an. Bericht Casala v. Februar 1601, Wi. Succossion. Mat-
thias, Copie. Daa Schreiben Hz. Maximilians v. 3. Januar 1601. Ma. 30/16, 2 Crl.
212) Bericht Caaala. Er kam am 5 Janoai 1601 nach Mergentheim.
213) Bericht Casata.
214) „Weil ich gar woll weias, wie E. L. mit I. Mt. sonderlich woll stehen und bet deroselben gar
vil vermögen, Iro sarorderist auch deaa bl. römischen reicha wollatand ganz eiferig angelegen
9*
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dagegen vonij»rochen, sich bei erster Gelegenheit mit dem Administrator
von Sachsen ins Einvernehmen zu setzen.
Anfang September 1600 liesuchto er diesen auf dessen Einladung
zu Silbach bei Schleusingcn. Frietlrich Wilhelm brachte dort selbst die
Angelegenheit zur Sprache, Er wies auf die Krankheit des Kaisers hin
und frug, warum die geistlichen Churfürsten ihre früher lx>gonnenen lle-
mOhungen. um die üitlmmg der Nachfolge nicht fort.setzten ; andere
Füi-sten, namentlich der Churfürst von der Pfalz, wollteu Heinrich IV
zum römischen Könige erheben; das habe er bei der Kindtaufe zuKas.se!*'*)
jenem stdbst gesagt, als der Churfürst ihm vorgeworfen, er und die geist-
lichen Churfür.sten wollten ohne Zuziehung der Amtsgenossen einen König
machen, und Pfalz habe nicht widersprochen; er sei bereit, wenn Ernst
es nützlich erachte, mit seinem .Mündel, dem Churfüi-sten Christian II
von Sachsen*'") nach Prag zu reisen*'). Wir vernehmen nicht, was ver-
abredet wurde. Es scheint, dass Ernst daran dairhte, sich selbst zum
Kaiser zu Ircgeben*'“).
««in lassen«** Hrüssel 2“. April IttOO. Brs Secri-t il’Allemaj^ne N. JM». Copie eines
Sehr. Als Ziel der Vcrhandlnnjrco bsseichnete Atbre«ht» dass einer der Bröder des Kaisers
gewühlt werde« »vriä >cb dann solche ehr und glück (das mir£. L. sicherllchen glauben möegen)
, ainem rvon meinen lierrn broe^iern von honten gpm gnnne und was« mein person betreffen
mOebt, I. Mt. gnedigen willen in allem baimbstelle nnd dem gemainen wesen durch ainige
aigne pretenston ira weuigisten prajodicierlicb »ein wolt/*
21*>) Ende August Kriedilieb Relatio hiatorica IdOl, 1, 6.
2U>) Damit dieser „sich daselbst etwas bekannt machete und einon anfang gewänne« I. Mt. za re-
»pectieren.**
217) Protokoll über das Anbringen des kölner Geheimmths« Drosten zu Bilstein und Amtmanns za
Frizlar Caspar von Förstenbirg bei d« m Cbf. von Mainz und über dessen MasÄnahmtm. Wra.
Sacccaaionswesen I. n. 24.
*218) In einem Creditiv d. d. Hau.s Hirschberg 2ö. September UiOO, mit welchem der Chf. seinen
Geheimrath Bille zur Berichterstattung über die Cnterredung mit dem Administrator an Krzhz.
Albrecht schickte, sagt er: .Und «ollen E. L. das gewisse vertrauen in ans sezen, dos wir hin-
fürter an uns (da wir anderst von E. L. nit verlasaen) nit ersiten lassen werden, dasjeitig, was
der ganzen algemeiiien chrtstenheit, dem hochlüblieben haass Oesterreich und E. L. bevorab
zum besten nuz und hohen gedeien gereichen mag, jeder zeit zo Wfurdern**, doch fehlen uns
bisweilen die Mittel, da all uusere Lande aosgesoge» sind und jetzt durch die Sperrung der
Rheinschiffiahrc noch mehr in Kotb gesetzt weixlen. Brs. Secret. d'.Allem. M. 110, 00 Or.
Das klingt, als habe Ernst die Zarückziehung der spanischen Besatzungen nnd Ausleger durch
InaassichUtellung der von Albrecht gewünschten Reise nach Prag l>efurdcru wollen. Am 18.
Dccember berichtete Duodo, cs werde versichert, dass Chf. Ernst tnr Betreibung der Nachfolge
nach Prag kommen wolle, „non essendori elettorc che habbia maggior antorita con lei [S
tli questo." I>. V. ;iü, 208 Or.
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69
Als er jedoch dann von dem heftigen Ausbruche der Krankheit
Rudolfs und von der Entlassung der Minister Nachricht erhielt, fand er
nothwendig, andere Wege einzuschlagen. Er venmlassto *”), dass sich mit
ihm der Churfürst von Trier am 4. December bei dem mainzer zu
Aschaffcnburg einfaud, und er beantragte dort, dass alsbald ein Chur-
fürstentag berufen werden solle, um Schritte zur Herbeiführung der Wahl
eines römischen Königs zu vereinbaren. Ein solches Vorgehen fanden
jedoch Trier und namentlich Mainz mit der goldenen Bulle und den
Rücksichten, welche mau dem Kaiser und den weltlichen Churfürsten
schulde, unvereinbar. Sie trugen zugleich Bedenken, etwas zu thim, w'as
dem Kaiser unangenehm sein könnte'-“), denn die Ehrfun-ht vor dem
01)crhaupte des Reiches war noch .so stark und festgewurzelt, dass man
sich trotz der Gefahr imd trotz Rudolfs Krankheit nicht von ihrem Banne
zu lösen vermochte. Von der Person des zu Wählenden wagten die
Churfürsten nicht einmal vertraulich mit einander zu reden“*).
Nur mit Mühe gelang es dem Kölner, nach dreitägiger Besi)rochung
zu bewirken, da.ss dem Administrator von Sachsen der Entwurf eines
Ausschreilwns zum Churfüi-stentage zugeschickt und sein Gutachten er-
beten wurde, ob da.s.selbe zu erlassen sei*“), und er konnte vorläufig
nichts weiter thun, als dass er seinen geheimen Rath, den Domherrn
Arnold von Bucholz zur Befürwortung des Collegialtages an den Admini-
strator abordnete '’“).
219) Dnrch Caspar von FQrstenberg. Dieser legte am 21. Oetober seine Worbaog ab. Die Hache
warde so sehr als Oebelmnia behandeU, dass i^ich F. di« Ztuiehung eines mainzer Rathe« za
seiner Aodieoz verbat. Die Nachrichten Ober drs Kaisers Zustand Qbcrgab er versiegelt ond
bat, sie ebonio zurOckzugeben. Mainz erwiderte, er habe bis dahin keine Kenntnij von jenem
gehabt. Durch seinen Domscholaster Adam von Bicken Ind er daraaf Tri>r za sich. S. das
oben Anm. 217 erwähnte Protokoll.
220) Rescheid des Chf. von Kuln fUr Casal, 23. Janaar 1601. Brs. Seerct. d’ Allem. N.116, SOCopie.
221) lieber den aschaßenbarger Tag an Erzl.z. Albrecbt berichteml, bemerkte der Chf. Lothar von
Trier: .Auf was person wegen der sacces»ion Mogantinas und Colonienaii gesinnet. hab ich nit
vernommen.“ Brs. Seeret. d'Ailem. N. 132, 46 Or.
222) Protokoll des Tages za Aachaffenborg 5.-7. December 1600. Wm. Saccessionswesen I, n.
Mainz an Sachsen 9, December, das. n. Cpt v. Faust. [Vgl. Briefe und Acten I, n. 160
Anm. 1).
22‘d) Am 16 Januar ICOl schrieb Groisbeeck an Speer: «Per le lettere del Sei“® elcttore scrilte
dopo che fu i^rtiko d'Aschaffenborg haverä V. S.”» vUto quelto che era passato. In summa
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Dieser hatte im November auf da« Sclireil>en, welches Matthias von
Prag: ans an ihn richtete, dem Chnrfilrsten von Mainz die Abhaltuiv'
eines Colleprialtages selbst vorgeschlagen“’*). (Togen die sofortige Beru-
fung desselben äasserte er jedoch jetzt — vielleicht durch eine münd-
liche Besprechung mit dem Churfürsten von Brandenburg beointlusst”’)
— Bedenken, weil man erst gi’ündlich über den Zustand des Kaisers
unterrichtet und gewiss sein müsse, dass Pfalz und Brandenburg ei-scheincn
würden, vor allem aber nicht ohne Vorwissen und Zustiinuuing des Kai-
sei's die Ordnung der Wahlfrage in Beiiithung ziehen dürfe*“). Da« ent-
sprach den Auschauungen der Churfüi-sten von Mainz und Trier und
diese einigten sich daher um so leichter, einstweilen unthätig zu bleiben,
als in Aussicht stand, dass der Kaiser die Churfürsten um ihre Kinwilli-
gung zur Abhaltung eines Beichstages angehen und so selbst den Anlaas
zum Collegialtage geben werde”').
Neben der Sehen, des Kaisers Missfallen zu erregen und dessen Ho-
heit sowie die Gesetze des Reiches zu verletzen, war es vor allem die
Furcht vor den Protestanten, welche Maiitz und Trier zu ihrer Zurück-
haltung bestimmte “**).
oibil, et sc non Ti st tromva il nostro patrone, rosneo. Mi ha detto ..-i'', haver trorato
i7 Mogunthm molto rafreddato di qaello cbe cra, qnando havcTt mandato da loy it r/rngf
»ifiin, et cre<le, che procede delU soggt'stione delli mütuifri crMrei. Fin a1 ritorno del s** lUi~
chfiU, cM i ito dal amminintratorr tli Su^ftonia, non potria serlrer a V. S'** in ehe parerä
quf^ta wuveutifwr dt'Ui etfttori. Mi disae S. „4", haver tirato dal cancfUiere di Treviri, ch’il
sno patroiie inclinara al ni-ritluca FenUiutmUt. Le cose sono ancora ntuUo erudo. 11 tempo li
faia jiaTii." Ma. 36 Crl.
224) HO. üctober. Wm. Snerpasionswosen 1 n. 27 Or. Am 3. Notember befichtete Mainz, antwor*
tend, Ober FSratenbergs Werbnng; ihm sei vom kaiserlichen Hofe seit geraumer Zeit nicht
mehr geschrieben worden ; er habe seine gdstUehen Aintsgenossen uro ihr Ootachten gebeten
nnd erwarte dieses oder ihren Besuch. Das 211. Cpt. [Vgl. Briefe o. A. a. a. 0.] Dem Krahz.
Matthias erwiderte Sachsen am 7. November nur, er werde, wenn Rudolf sterbe, seine Pflicht
thun nnd das Beste de« Vnterlandea nach Kräften fördern. Wi. ^nccession. Matthias Or.
223) S. Briefe Q. A. a. a. 0.
226) 25. December Wm. a. a. 0. n. 40 Or. Vgl, Briefe u. A, a. a. 0.
227) Mainz an Trier und Köln 10. Januar, Trier an Mainz 2ü. Januar und Mainz an Trier 2. Fe-
bruar 1601. Wm. s. iw 0. D. 40b Cpt. 48 Or. und 51 Cpt. Qroisbceck schrieb aro 1. Februar
an Speer; „Mi pare, che )a congregatione delli elettori volc aoüar in furoo b aila lunga Ogoi
giomo se senopre piu, qnanto sia raffreddato Mogunza** Ma. 415/H4, 30 CrL
228) Man müsse warten, sagte Trier in seinem Schreiben vom 20. Januar, sonst werde man niehU
auarichten, ja in ein gefährliches Lab^inth geratben, da andere Churfürsten schon Verdacht
geschöpft hätten.
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Diese Furcht war durcli Schreiben des Churfüraten von der Pfalz
verstärkt worden, worin sicji dieser nach dem Zwecke der asehaffen-
burger Zusammenkunft mit dem Hemerken erkundigte, dass es den
Churfürsten gebüre, in wichtigen, das Ueich betreffenden Sachen sich mit
einander zu veretändigen *“). Mainz beeilte sich darauf zu erwidern, dass
er und seine geistlichen Genossen sich dessen l>ei ihrer Besprechung sehr
wohl bewusst gewesen seien, er liiugnetc, von Unterhandlungen über die
Wahl eines römischen Königs Kenntnis zu haben, und er wagte nur
schüchtern, den Collegialtag in Vorechlag zu bringen, nicht aber dessen
Aufgabe anzudeuten
Durch das Verhalten seiner geistlichen Genossen uml Sachsens sah
sich nun auch der Churfürst von Köln den Weg, welchen er zur Ord-
nung der Nachfolge eiuzuschlagen gedacht hatte, versperrt. Als ihn Casal
im Namen der Erzherzoge bat, die Heise nach Prag zu unternehmen,
weigerte er sich entschieden. Nelwn anderen untergeordneteren Gründen
bestimmte ihn dazu unter dem Eindrücke der eben gepflogenen Verhand-
lungen vor allem die Ansicht, dass es vergeblich sein und ihm von den
übrigen Churfüi-sten verdacht werden wüi*de, wenn er ohne deren Vor-
wisseii und Vollmacht die Wahl l)etreibe. Zugleich fürchtete er die
Gnaile dos Kaisers zu verlieren, ja vielleicht gar von demselljen in einem
seiner Wuthanfölle schwere Beschimpfung zu erdulden“'). Auch er glaubte,
vorläufig seine Bemühungen einstellen zu müssen.
Während so die katholischen Churfüinten die Hände sinken Hessen,
suchte Pfalz den Kaiser in einer ihren Wünschen entgegengesetzten Rich-
tung zu beeinflussüii.
Bis dahin hatte die protestantische Bewegungspartei iler Nachfolgo-
frage wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Nach dem Reichstage von 1594
waren Berichte San dementes*”) über die dort wegen der römischen
A. a. 0. 40c Or. und Briefe il A. 1. n. 162 Anm. 2.
230) Briefe u. A. h n. 166.
2HI) Bccchcid für Caaal t. 23. Jan. J601. Brs. Secrt^. d'AUcm. N. 116, iM) Copie, und Bericbt Ca*
«als T. Febr. 160l. Wi. Socceesion, Matthias Copie.
232) Briefe u. A. IV, 467 ff.
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Königswalil gepflogenen Verhandlungen und ein Schreilien des Admini-
strators von Sachsen, worin er Philipp 11 seiner vollsten Dienst Willigkeit
versicherte*”), aufgefangen luid verbreitet worden*”). Man erfuhr da-
raus. wie eifrig Sj)anien und der rajtst die Sache betrieben, wie geneigt
die geistlichen Churfüi'sten und der Administrator ihren Wüiw?cheu waren,
imd wie juan letzterem auf spanischer Seite eine Pension zudachte, ja
sogar auf seinen Uebertritt zum Katholicismus hoffte, und mau konnte
aus seinem Schreiben muthmassen, dass er sich ganz an Spanien binden
wolle. Gleich darauf forderte Churfürst Ernst von Köln zur Unterstütz-
ung der Königswalil auf. AVir erzählten*”) wie Pfalz und dann auch
Brandenburg dieselbe vemagten und weitere Bemühungen unterblieben.
Damit begnügten sich die deutschen Gegner der Habsburger. Im .Jahre
1506 erzählte man sich wohl, dass Erzherzog Albrecht sich um die
Kaiserkrone bewerbe*“) und ähnliche Gerüchte mochten in der Folge
noch öfter auftauchen. Da jedoch ernstliche Schritte zur Oixlnnng der
Nachfolge nicht geschahen, fanden sich Pfalz und seine Freunde, deren
Aufmerksamkeit stets nur auf ihre iHt.sonderen und die nächstliegenden
Interessen gerichtet war, nicht veranlasst, Gegenbemflhungen anzustellen
oder auf eine AVahl in ihrem Sinne zu denken. Zugleich beruhigte es
sie wohl, dass sie den Kaiser der Ernennung eines Nachfolgers und dem
spanischen Hofe abgeneigt wussten**'). AA'as man auf katholischer Seite
über ihre Anschläge in Bezug auf das Kaiserthum hörte, war leere Er-
findung.
Mit grösserer Sorge vernahm Heinrich lA' von Frankreich die Nach-
richten, welche Philiji]) III Indd für sich, bald für Erzhei-zog Albrecht
233) Nur er kaoD ia dem Brief« des Boogars rom 10. Mai 159<% Bongarsi et Lingelsbemi epp.
08, an der durch Punkte beieichneUn Stelle genannt gevreBon Bcin, da er tu den .Teatri bo-
mines* gerechnet wird. Vgl. den Sehlusa dee zweiten Berichte« von Clemente, Briefe u. A-
IV, 471 f., oben Äom. 50 und Keldanns Annalce Belgarum 301.
234) Briefe u. A. IV, 400 Anm. 2. S. ferner das. I, S. 440.
235) S. oben S. 19 ff.
236) Bongarat epistolae ad Camerariom 290 nud 3*)8.
237) •Hoc Toleote Caeaare non puto faturum”, sagt Bongar« in dem ersten «einer in der toH^d
Anmerknog erwähnten Briefe am 27. Februar 1596.
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nach der Kaiserkrone trachten Hessen. Seinem Gegner, dem er die Vor-
herrschaft in Europa zu entreissen gedachte, wollte er nicht die erste
Würde der Christenheit Zufällen und die Jlöglichkeit zn Thoil werden
lassen, dass er unmittcllmren und tiefgehenden hiinfluss auf Deutschland ■<
gewinne. Ebensowenig oder wohl noch weniger genehm war ihm die
Erhebung Albrechts. Erhielt dieser die Kaiserkrone, so fielen ihm vor-
aussichtlich auch die österreichischen Hauslundo zu und der so geschaf-
fenen Jlacht mussten dann die Holländer erliegen oder sie konnten sich,
wie es schon wiederholt vorgt^schlagen worden war, freiwillig dem Reiche
wieder anschliessen, dessen Heligionsfriede und Verfassung ihnen ihre
kirchlichen und staatlichen Freiheiten sicherte; dem sj)anischen Einflüsse
aber wurde in kaum geringerem Ma.sst* als durch die Wahl Philipps Zu- ,
gang im Reiche verschafft und an der Ostgi’enze Frankreichs erstand ein
Feind, der es im Verein mit Spanien zu Boden drücken konnte.
Schon im Jahre 1598 machte daher Heinrich einen leisen Versuch,
den Herzog Maximilian von Baiern zur Bewerbung um die Kaiserkrone
anzureizen”"). Dann wandte er sich dem Gedanken zu, selbst die Hand
nach ihr auszustrecken”“), denn das Ansehen, welches sie noch immer
in ganz Europa besass, und die Macht, welche sie in Dtuitschland verlieh,
Hessen sie auch ihm begehreimverth eisicheinen Von ernsteren
Schritten in dieser Richtmig hielten ihn freilich die grossen Schwierig-
keiten ab, welche, wie er nicht verkannte, seinen Wünschen im Wege
lagen. Dagegen wurde er, als mit der Rückkehr Albreclits in die
Niederlande die Gerüchte von spanischen Umtrieben verstärkt wieder
auftruten, nicht müde, die Pfälzer darauf hiiizuweiaen und sie zu Gegen-
vorkehrungen anzuajxn-nen”').
Seine Warnungen und Mahnungen blieben indes unbeachtet. Ei"st
im Januar 1601 wurde der heidelberger Hof aufgeschi'eclct. Mau war
überzeugt, dass zu Aschaffenburg Verabredungen über die Kaiserwahl
23S) Briefe n. A. IV, S6fi.
*2:i9) Winwoo«! Memorials of affairs of State 29.
240) .Cest^ digiite qoi Yous coailoLroit in&liblemcnt ä U monarebie de TEnrope, voire da toat le
iDOode', sa^te Ancel dem KoDige, Briefe o. A. I, S. 299.
241) Briefe o. A. I. n. 12iV,
Abh. d. UI. CI. d. k. Ak. d. Wiw. XV. Bd. I. Ablh. » 10
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geh'offeu seien. Bald darauf kam Nachricht, dass der Cardinal Franz
von Dietrichstein zu Flui-enz, aus Iloiii zurückkehrend , gesagt habe,
er sei v'oni Papste beauftragt, der Wahl eines dun Si)auiern gefiilligen
z'ömiachen Königs anzuwohnen und eine Liga zwischen Sjianien und den
deutschen Katholikcm gegen Frankreich zu betreilx'n"**). Die Pfülzer
zweifelten an der Zuverlässigkeit dieser abenteuerlichen Meldung ’“), aber
242) Dietrichitein, dtr J« daroalt otaUflniliMidcn Jnbiläoms wegen n«ch Koni reUte, war Tora Kaiwr
Waaftni^t worden» den Papflt am Hilfe trcgoo die Turlcen anzu^ehvn. A. &.O. I, n. 178 Anm. 1.
Es war dien kUod vor dem Starae der kal. MioUter geschieben. Nach demselben kam Dietrich-
stein in die Nähe von Frag um neue Hefehle %ü holen. Duodo an den Dogen 9. October IGOO
D. V. oO» 2‘Jl Or. Er sagt, Dietrichütein solle die Erhöhung der vom Papste zur tTuterneb-
ninng gegen özolnok veraproebenen Sendi erwirken. .Fin a queat'hora che »ouo oUo gi-
oriii, aüpetta Honi'altra reaolutioue et Dio aa aneo loi, quando rbareii.* Am 11. December
meldete Duodo; Dietrichstein hat von Venedig am 24. November berichtet, da»« er vor «einer
Abreiso von Kum vom Papste «ognt prü ampla et amorerole attisitatioae et proroesa iotomo
le co»e di Caiiiaa et gli affari della guerra presente" erhalten Habe; derselbe erbiete sich» nicht
nnr das ^einige tu thuu, aondern auch bei anderen Fürsten «ich zu verwenden. D. melde weiter»
er bube Auftrag .di comiunnicare a bocca nioUc eose ä la S. toccanti ü tuo •ervitio.“ Er
habe sich erboten, nach Prag zu kommen and der Kaiser habe ihn berufen. «Viene seuza dnbbio
non solo per queste cos<*, ma con pensiero dl fürtiursi qua; se 8. gliido vorrä conetHiere,
baverebbe )a mira di entrare nel cou-siglio »ecreto et a'^Utervi» «e potti» in ch’e grandomente
favorito da qui^to ambasciator cattoUco» roa si crede havera delle difBcolta, «i per non csaer
molto in gratia di S. come («r Ic Opposition} che gli saranno falte da qoelU che vi sono
interessati." D. V. 21U Or. Am 22. Deceinber kam D. nach Prag. Bericht Dnodot v. 25.
a. a. 0. :121 Or. Erst nach acht Wochen erhielt er Audienz. Briefe und A. I, n. 179 Anm.
Am 8. Januar lÜOl berichtete Duodo: Dietrichetein bat mir» aU ich ihn beuchte, gesagt: .cbe
egli non portava alcuoa oflerta di ajuti ä S. inaravigliandoei forte, come questa nova fasse
aparsa. tnttavia e cosa certissimn» ehe egli di cib ne »crisse al die Lietistain et ehe gli di-
cesse hn tanto, ehe 8. si coutenterebbe di dare 6no k lOLHjO fanti con corte conditioni. le
qnali non si «anno, ina perü, ae saranim quelle che si credono, si dubita, cbe haveranno delle
difficultä ad ed’ettuarai et massiiue dalla M^-‘ 8.» come il fare una dieU di Germania, deebiarire
un rö di Komairi et cose tali, ond« si stima, ebb saranno piu presto apparenze di buona volonta
cb« alcnn* ciTetto proportioiiato alle nece:»ita presenti, non mancando anco di coloro cbe «uggo-
riscono» se len con poco fondamento, 8. 8*^ essere di animo fort«' inclinato alla parte del re
Cbri«t*>" et che per questo soleciti particolarmente tale elettione affine di fare, ebb sopra S.
eada queeta dechiaratione» et come qui si {>enetri poco et si sospiefai molto, non aarebbe
gran inaraviglia» che eoee tali fscessoro grande impressione.** I). V. 80» 3^0 Or.
24^1) Briefe und Acten 1, n. 162. Schon gleich nach DietriebsUina Ankunft in Korn [28. October]
ging dort da« Gerücht, er solle den Papst ersuchen, die geistlichen Cburfürsten za beeinflnssen,
damit einer der Brüder des Kaisers oder der Erzbz. Ferdinand erwählt werde. Jac. Franca«
liel. bist. 1601, 1, 70. Am IB. November trat D. die Kückreise an; das K5,
244) Briefe n. A. I» n. 162. Anm. 2. Dietriebstein hatte vermathUeb gesagt, der Papst wünsche
die Wahl eines römischen Königs und einen Band der christlichen Fürsten gegen die Türken,
um den er sich vielfach bemühte. Das« der Papst ihm wegen der Wahl emenAoftrag gegeben
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sie wurden doch mit der Sorge erfüllt, dass die Ordnung der Nachfolge
im Sinne ihrer Gegner herbeigeführt werden solle. Wie die geistlichen
Churfürsten wegen ihrer Besprechung zur Rede gestellt wurden, so ging
man Churbrandenburg, Ansbach, Braunschweig und Baden - Durlach um
ihr Gutachten an, was zur Wahrung der evangelischen Interessen zu
thim sei***).
Heinrich IV war um diese Zeit der Ansicht, dass bei dem Zustande
des Kaisers die Ernennung eines Nachfolgers hinnen Kurzem unvermeid-
lich sein und dann auf einen Oesterreicher fallen werde. Es mochte ihm
zu spät dünken, sich selbst um die Krone zu bewerben. Den Gedanken,
Herzog Maximilian von Baiern vorzuschlagen, hatte er aus unbekannten
Gründen aufgegeben. Er glaubte sich darauf beschränken zu müssen,
die Wahl Albrechts sowie Ferdinands von Steiermark, der allzu fanatisch
imd Spanien zu sehr ergeben schien, zu verhindern. Deshalb und um
den künftigen Kaiser seinen Freunden zu verpflichten, wünschte er, dass
diese die Wahl des Erzherzogs Matthias befördern möchten, welche er
ohnehin für wahrscheinlich hielt*“).
In Heidelberg wollte man jedoch, womöglich ein Interregnum her-
beiführen. Man mochte hoffen, dann eine den eigenen Wünschen ent-
sprechende Wahl bewirken oder das Reichsvicariat für die Sonderinter-
essen der Pfalz imd der Protestanten .ausbeuten zu können. Fürst Chri-
stian von' Anhalt unteniahm es, den Kaiser selbst zur Unterstützung des
pfälzischen Planes zu bestimmen.
Schon auf die ersten Nachrichten von der Entlassung Rumpfs und
Trantsous hatte er sich auf den Weg nivch Prag gemacht Da als Grimd
des Sturzes der Minister the Entdeckung ihres Einverständnisses mit
Spanien und dem Papste bezeichnet wurde, hatte der Fürst, der stets zu
hatte, ist nicht aninnehmcn, Clemens am I.S. Januar ISOt dem Chf. Ton Hains über jene
nicht die mindeete Andeutung machte, ah er ihm schrieb, wie sehr er »egen der Deutschland
durch die Türken drohenden Oefahr und wegen der Krankheit Rudolfs besorgt aei und wie alle
katholischen Reichsstände, namentlich aber die geistlichen Churfürsten ihr Aensserstes zur Ab-
wehr des Türken thnn müssten. Wm. Reichstag ISO-d, Praeambnia n. 2B Or.
24.5] liriefe Q. A. X, n. 162 Anm. 2.
246) A. a, 0. I, n. 164 und 168.
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ülwrschwönglidion Hoffnungen und atenteuerlichen Entwürfen ge-
neigt war, die Meinung gefasst, dass es möglich sein wcnle, lludolf zu
einer vollständigen Aenderung seiner Politik zu l>ewegen und ihn auf
die Seite der Protestanten zu ziehen. Das gedachte er durch mündliche
Vorstellungen zu liewirken und zugleich lioffte er, so dem Churfürston
von der Pfalz, in dessen Namen er den Ilesuch ausführen wollte, vor
allen anderen Cliurfüi-sten Einfluss und Vertrauen heim Kaiser zu erwerben.
Unterwegs wai-eii ihm jedoch Mittheilimgen zugekommen, wonach die Ab-
setzung der Minister als eine krankhafte Aufwallung und der spanische
Einfluss am Hofe als ungebrochen erschien. Das hatte ihm lledenken
erregt und er hatte beschlo.s.sen, in Arnberg auf weitere Nachrichten zu
warten*^'). Es dürfte nicht au solchen, die ihn ernmtliigten, gefehlt
liaben -■**), und als die Sorgen vor den Umtrieben der katholischen Partei
hinzukamen, wimle beschlossen, dass der Eürst die geplante Itcnse aus-
führen müsse. Man kannte die Stimnumg des Kaisers. Anhalt sollte ihn
daher ermahnen, seine liegierungsgewalt nicht durch die Wahl eines
römischen Königes be.schriiuken zu hissen. Dadurch hoffte man ihn von
der Einwilligung in die Ordnung der Nachfolge nbzuhalten. Zugleich
gedachte man den ursprünglichen Gedanken Anhalts durch Versicherungen
der Pirgebenheit und Anerbietungen des Beistandes der Protestanten und
namentlich des Churfürsten von der Pfalz zu verwirklichen-*®).
Am 21. l'ebruar IGOl traf Füi-st Christian am kaiserlichen Hofe ein.
VH.
Die Gesundheit Rudolfs hatte sich seit der Abreise des Erzherzogs
.Matthias nicht gebessert Der Verlust Kaniszas, den man ihm an-
247) Briefe n. A. I, n. 157. In erwartete man den Fürsten »eit Anfan)^ NoTomber, Ihiodo
an den Dogen Ö. November 16fK), D. V. ilO, 2ft9. Orp, Am 13. meldete er, ea heisse, Anhalt
werde nach Wien und vielleicht nach Qrai geben, um den dortigen Protestanten beizusteben;
nach Prag aolle ein anderer Gesandter kommen. Das. 279 Or.
248) Vgl. unten 8. 79 über Rudolfs Bespreebungeo mit protestautisebeu Mäunern.
249) Briefe n. A. I. n. 17u.
250) Duodo an den Dogen 6. November 1600: „Sta S. eecondo i'ordinario et piü presto qualcho
cosa peggio et aitrimente in modo, cbe si dubita asiuii, cbe nel progresso di qualche meae si
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fangs gar nicht mitzuthoilen wagte®*"), der unglückliche Ausgang dos
speirer De])utationstag€-s, das Auftreten der auf dem Landtage versam-
melten böhmischen Protestanten, welches offenen Aufruhr fürchten liess, *•'’*)
und wohl auch die schottwiener Zusammenkunft boten neue ^Anlässe zur
Erregung. Kr wurde nicht, wie man gewöhnlich anuimmt, irrsinnig.
Nm- zeitweilig Imtielen ihn die Hallucinationen und die ihnen enteprin-
gende Raserei, ln den kilrzoron oder längeren Zwischenräumen zeigte
sich keine Störung des Geistes aber auch dann war er von einer
Verstimmung und Unruhe erfüllt, welche ihm den Verkehr mit Men-scheu
luid die Geschäfte der Regierung zuwider nuichten und ihm ängstliche
Sorge vor ihn bedrohenden Anschlägen erweckten.
Während seiner Anfälle richtete sich sein Zorn noch immta’ vor-
nehmlich gegen die Kapuziner. Wiederholt erneuerte er den Refehh
<iass man sie aus Prag hinausti’eiben solle, worauf auch die böhmischen
Protestanten bei ihm drangen; die .Ausweisung imtcrblieb jedoch auch
jetzt, da die Räthe sich weigerten, zu ihrem Vollzüge die Hand zu bieten®*'*).
rendere ilel tutto poco fttU alle negociationi/' D. V. :10, 209. Or. Am 13. November be-
richtete Duoilo, der Kais> r ftcheine steh Beit drei oder vier Ta^n viel bivser za befinden. Da«.
270 Or. Vgl. Beilage XI.
Präiitl ao Hz. Maximilian von Baiern. 11. NoTember 1600: Der Terliut Kani.oza« wurde hier
er«t am 8. bekannt uni dem Kaiaer bi« gestern verheimlicht. Ma. 50/10, 24 Or.
252) Duodo an den Begeh 13. November 1600: „Questi giumi paeaati eon oeeasiono dclle indiepo-
aitioni di 8. aooo ao Jate attorno vori molto gagliarde delle aollevationi ehe volevano fare
gli beretici in queuta cittA, le quali accrcscerono taato. cbö moa«^ nontio, dobitando di qualcbe
«inistro incootro, per gli avi«i ehe glt ermno dati, ai ritiro all* improvuo quasi nella citta pic*
coia in uo' altra ca^ che haveva trovato, il che mi db'de causa di andarlo a vedere . . . .
Harerano gli heretici «critto una polirza sotfoecritta dalla maggior parte de* loro priocipali a
S. l>er la qnale ai sforzavano di persuatlero a dover mandar via qocstl poveri padri capnz-
zini et giit tre volte oltre alla inclinationo cbe i>er U sua naturale indiapositione vi baveva,
ordinö, ehe foescro licentiati, ma non ha trovato ministro cattolico che rolesae fare simile utßcio,
in modo cbe la coea h resiata cot], et »e poco |k»co cam'mano le eoae piii inaanzi, potrebbono
li cattolici correr io questo paese una gran borasca; che Die ci guardi.“ D. V. SO, 27!) Or.
253j Vgl. den Bericht bei Banke Z. deutschen Geschichte S. 285 und unten. Machart berichtete
schon am 23. October 1600: ,.I. Mt. mathematicus Tjcho Brahe hat 1. Mt. za belustigen, ez-
licbo kuosiliche grosso instrumenta in dem lusthau«« bimier dem scblon aufgericht. Diss sicht
man von fern.*' Ma. 50/10, 6H Or.
254) S. oben Anm. 252. Aehnlicbea beriehtt te Duodo am 25. December. Ifanhart schrieb dem
Hz. Maximilian von Baiem am 22. Januar 1601: „Es ist gar nabend darauf gstanden, dass
die capuztuer betten von hloDen mDessen pr<»pter mala quaedain de ÜIU oarrata, aber wie ich
temimb, sein I. Mt. besser informiert, Qod si also lenger alhie zu verbleiben jezt dardurch
bestettet worden." Ma. 50/10, 5a Or. Vgl. Coccalio p. 69 ff.
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Audienzen waren nur noch ausnaiinisweise zu erlangen. Wer dem Kaiser
etwas anzubringen wünschte, musste sich an seine Kammerdiener Ma-
chowsky und Frank***) oder an noch untergeordnetere Leute wie den
Kammerknecht Heid wenden. Von seinen Ministern imd Käthen durfte
kamn noch ein Anderer als der wietler einigermassen zu Gnaden gelangte
Barvitius, auch dieser indes nur selten, vor ihm erscheinen. Sogar Liech-
tenstein musste sich bald der Vermittelung Machowskys bedienen**®).
Rudolf hielt alle seine Käthe ausser Hornstein, den er jedoch zu furcht-
sam fand***), für Spanien ergeben und verkauft Dass jenes und Erz-
herzog Albrecht ihn mit Hilfe des Papstes und anderer Fürsten ent-
thronen wollten, blieb nach wie vor die grösste seiner Sorgen und er
fuhr fort, darüber zu gi-übeln, wie er sich behaupten und rächen könne.
Vorübergehend kam er auf den Gedanken zurück, Matthiiu« gegen Bürg-
schaften für die Wahrung seiner Macht zum römischen Könige ernennen
zu lassen. Auch sprach er wieder davon, sich zu verheirathen und liess
2.W) R«nke Z. dentwhen Gfsthicbte 2S2. Auch in einer Schiiä der br'bmiKhen Stände ». J. 1611
wird gesagt, mit Kodolfs Rückkehr roQ Pilsen hab« das Regiment der Kammerdiener begonnen.
Harter V, 98 inm. 161. Frank finde ich tonst nicht erwähnt. Ueber Hicronytnas Machowskj
Ritter von Machao auf Aichdorf und Birkenthal Tgl. Harter Philipp I^ang 10, 20, 21, 168,
199, Hammer Kblesl I. S. 190 Anm, 2 und CoccalUo p. 66 und 76. Am December
1604 berichtete der reoezianitche Gesandte Francesco Soranzo: t.Quel Macoschi aiatante di ca-
mera, tanto favorito delP Imperatore, ehe Taono ptmto fa condennato ämorto et poi per gra-
tia ehe gli fn fstta da S. confinato in perpeCuo carcere per imputationi di lesa roaetii, h
fuggito con qoattro gnanliani che lo barcraro in custodia.'* D. V. ;14, .’hH Or. Am 3. Januar
160.'» meldete er, M. sei in Meisten aufgefangen. Das. 377. Or. Bei Hammer a. a. 0, heisst
M. der ..Purghartecho cammerdiener." Sollte damit auf Burkhard von Oerlichingen [a. oben
Anm. 160 und Beilage XI] augt-spielt werden und M durch diesen an seine Stelle gebracht
worden sein? CoccalUo bezeichnet M. wieoWn Anm. 181 erwähnt ist, als ..perfldissirno cah
Tinuta" in dem protestantischen Berichte bei Ranke 2^2 wird er als niederträchtiges Werk-
zeng der Pä{«lischen und Spanischen geschildert. Bieter Widerspmch zeigt, wie Torsichtig
derartige Berichte Femst<hender zu Benutzen sind. Tr&fo die obige Veirniuthung über Berli*
chingens Verbältnia zu M. tu, so würde man. da B. Protestant war, wohl CoccalUo den Vorzug
geben müssen, der sich überhaupt gut unterriehtet zeigt und namentlich über die kircliUcbe
Stellung Machowakjs bessere Nachrichten gehabt haben dürfte, als jener Protestant, der sich
An<*s nach Hüreusagen und nach den V'orurtheilen seiner Partei zarechtlegte.
25C) Hammer Khlesl I, S. 1U6 Anm. 2. Oec Brief masa wie die Übrigen dort erwähnten in den
Juni oder Juli 1601 gehdren.
2«'i7) Ranke Z. deutschen Oesebiehte 287. Die Pnrehtsamkeit Hornsteins bestand wohl darin, dass
er Rudolf von unbeaonoenen Schritten gegen Spanien turückzuhalten sachte.
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sich die Bildnisse verschiedener Prinzessinnen schicken Daneben äus-
serte er die Absicht, sich der Nie<lerlande zu beniiichtigen. Wohl um
seine Stellung zu sichern, zeigt« er sicli zugleich den Protestanten seiner
Länder gnädig. Als Enksinus von Tschernembl iin Aufträge der Obcr-
österreiclier über die gegen diese angeordneten Kestaurationsinassregeln
klagte, soll er deren Einstellung befohlen haben*®-'). Mit Protestanten,
die in Prag weilten, trat er in vertrauten Verkehr, theilte ihnen seine
Befürchtungen und Plline mit und erfoi-derte ihren Bath. So erlangten
insbesondere der in seine Dienste getretene Burkhard von Berliehingen,
der chm-sächsische Agent Dr. Gödehnaim und der ehemalige braudon-
burgische Kanzler ^Merkbach jetzt Zutritt und Vertrauen Der Kaiser
äusserte gegen einen von denselben den Wunsch, lutherische lUithe um
sich zu haben, \veil sie treuer mid deutscher gesinnt sein würden als die
seinen, und jener meinte, lludolf werde es gern sehen, wenn evangelische
Fürsten sich an seinem Hofe auflnelten, und er werde dem Eiutlusso
jn-ütestantischer Männer zugänglich sein*®').
Plötzlich änderte sich jedoch des Kaisers Stimmung in dieser Be-
ziehung und er berief seinen Bruder Maximilian zu sich. Als derselbe
am 1. Januar 1601 kam, empfing er ihn mit grosser Freude*®*) und der
Erzherzog, welcher in der Nachfolgefrage für sich nichts begehrte und
ebenso einsichtig wie geschickt war, wusste sich iui Vertrauen und in
2ÖS) lianke 286. Schon am II, October 1000 berichtete DuoOo : ,,k gionto qni tm conto di Solti,
mandato anibuciator dal dnea di Bariera et ba {lortato il ritratto di nna figlinola di quel
princip«, cosi ricercato da S. D. V. alO, 219 Or. Aro 29. Jauuar IGOl weidete er: Per
Kaiser bat sieb das Bild ainer der itmsbrackur Prinxcasificu aal das der lothriagischen koromen
lassen; erstere gefällt ihm nicht sehr. D. V. 30» 307 Or.
2&9) Nach einem Heiuorial des Enbz. Matthias vom 23. Marx 1610 soll Radolf „bei zwölf Jahren
her'* mehrfach die Urheberschaft der kirchlichen Verfolgungen in Oesterreich geläogoet haben.
Hammer Khlesl II, n. 272.
2G0) S. Beilage XI, die Berichte bei Ranke 2t<2 and 234 ff. and Briefe a. Ä. I, n. 195. Daodo
berichtete am 11. October 1600: „Dopo questi strepiti [Starz der Miniator] S. ha fatto
andare ä se due b tre Tolte, che h coaa inaolita, un'agente di Sasaonia che h qai.'* D. V. 30,
219 Or. ^
261) S. den Bericht bei Ranke 285 ff. Perseihe mass nach dem ober Erzherzog Maximilian Getagten
Tor dessen gleich za erwähnender Berafnng geschrieben sein. Ueber den Verfasser s. oben
Anm. 160.
262) Daodo an den Dogen 8. Janoar 1601. D. V. 30» 330 Or.
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der Gunst seines Bruders zu befestigen. Er soll demselben mit einem
Freiinuthe, wie es nie Jemand gewagt hatte, die unheilvollen Folgen
seiner Abgeschlossenheit dargelegt haben, doch in einer Weise, dass er
gern gehört wurde und wirkte. Der Kaiser ertheilte wieder zahlreiche Au-
dienzen und erledigte die Ge.schäfte ***). Auch die Ordnung der Nachfolge
brachte Maximilian mit Nachdruck zur Sprache*“*) und auch hier erzielte
er — vielleicht untemtützt durch Gerüchte von französischen Umtrieben*®“)
— Erfolg. Es geschah ohne Zweifel, um die römLsche AVahl vorzuboreiten,
wenn der Kaiser den Erzherzog beauftragte, zu dem Administrator von
Sachsen und dem Churfiii>iten von Brandenburg zu reisen und sie zu
bitten, dass sic in- und ausländischen, gegen sein Haus gerichteten Um-
trieben entgegenwirken und ihm mit Bath und That beistehen möchten,
damit die Kaiserkrone jenem erhalten bleibe *®®).
268} Doodo an den 22. Jannar 16ul. Kr bei : ,»I>ae restano ancora ad baver andien»»
il s** Cardinal« Dletriatain et gU ambaaciatori de! rh di Persia." D. V. Or.
261) Daodo an den Dogen 21*. Januar 1601 : Kribt- Maiimiiian hat lange über Siebenbürgen mit
Rudolf geapn>chei3 und sieb znr rebt'rnahtue der StatthaltemcbaR unter drei Bedingungen be-
reit erklärt ; ersten« müssten ihm die nOChigeo (ieldmittel *o gesicdicrt werd<‘n, dasa er unbe-
dingt auf sie aäblcn könne; tweitens müsse er vorher seine wegen der polnischen Wahl g<-
machten grossen Schulden ordnen ; drittens ,cUe non intei\|ieva voltare le spalle alla Germania,
»t B. nun st risolvesse di procurarsi prima il sDCdssore, perchi* dubitarebW forte, mentre
foBse abaente, ]>ot^He nascer qaalche disordine ct cbö gli eteltori lo facessuro da se, stante
certa voce sparsa per tutto, ehe S. non fosae piü habile a governarc Pimperio, ae bene
egli vedesse, per gratia di Dio, ehe fosse altrimentl. Ha S. ricevulo in beno tutto rufUcio,
massiine da questo principe, ebi qui dentro ogniino dice, non pretenda altro, cho il bene et la
grandezza della sua easa senza haver alcuna pretensione, et coine fatto da persona non interes-
sata tanto piü e stato accetto alla et per qnanto rot ba detto roinistro che lopub molto
b<*n sapere, nel proposito di re de Romani ella ba promesso di rlssolTersi K vero, cb^
mi soggionse il »opradetto roinistro, che dl questa cosa non si doveva rallegrarscnc tanto. fino
che non sene vedeva IVffetto.“ D. V. 80, 3*'>7 Or.
26o) Duodo an den Dogen 26. Februar 16Ü1 : „La adunata de* ininistri di totti gli elettori laict ct
altri per la compositione deüe coee di Argentina da grande geloeia qui nella congiontura del
tempo. ndia qualo siamo, et tanto piü si fa maggiore , qoanto cbo nella Sassonia si va aueo
facendo qualcbe nuraero de soldati, tutto cbö si diea sotto notno del duca di BrunBuicIi per li
dispiaceri che ba con quella cittä. £t questo ambasdaior cattolico molto teme, non siano tutte
traroo faite per metter la coroua de re de' Romani in capo alla Christ»* Per queato
qualcbe altro signor principale ini ha detto, ehe Spagnuoli sentino male la paco tra Francia
et Savoia, parendo loro, cbö non sia servitio di questo ne^otio, che il re di Francia si trovi
quicto et aicuro da ogni parte, üno che non si vegga Pessito di questa elettiooe.** D. V. 30,
:J82 Or.
266) Briefe und Acten 1, n. 178. Maximilian reiste am 10. Februar ab. Pranil an Hz. MaxiroU
Han von Baiern 12* Pebruar 1601. Ma. &0/10, 15a. Or.
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Der Adininislrator von Sachsen lehnte in seiner ängstlichen Gesetzes-
treuo ab, sieh in Bezug auf die Wahl zu binden, doch war man seiner
ja ohnehin sicher. Clmrfärst Joachim Friedrich hatte sich noch vor
Kurzem gegen die Abhaltung des von Mainz beantragten Collegialtagcs
geäussert-®^). JetÄ erklärte er, das,s er ohne wichtige Ursachen nicht
vom Hause Oesterreich abgehen wolle, dafür alwr erwarte, dass der
Kaiser sich ihm in seinen Angelegenheiten günstiger als bisher erweise ***).
Auch auf ihn durfte man also rechnen.
Wieder nutzte jedoch Budolf die Gunst der Umstände nicht aus.
Am 28. Februar legte Anhalt seine Werbung bei ihm ab. Er erreichte
nicht, was er gehofift hatte, deiui der Kaiser war deim doch zn einsichtig
und inistrauisch, um sich durch die naive Schlauheit der Heidelberger
über deren Gesinnung gegen ihn und sein Haus täuschen zu lassen, und
die Versicherungen über die Ergebenheit der protestantischen Bewegungs-
partei konnten ihn um so weniger verlocken, als Anhalt sie mit der
Forderung verband, dass er auf die Gerichtsbarkeit des lieichshofrathes
verzichten solle, welche allein noch dem Kuiserthum wirkliche Begierimgs-
gewalt im Beich imd unmittelbaren, kräftigen Einfluss auf dessen Ange-
legenheiten verlieh und welche er daher stets mit jener zähen imd hef-
tigen Eifersucht, womit er über seiner Stellung in allen Beziehimgen
wachte, gegen die Angritfe der Protestanten vertheidigte. Anhalt wirde
mit nichtssagenden Bedensarten verabschiedet Indes mochten seine
V'oi'stellungen doch die alte Abneigung Rudolfs gegen die Ordnung der
Nachfolge verstärken uml d.azu lieitragen, d.i.ss er den Schritten, zu
welchen ihn Erzherzog M.aximilian bewogen hatte, weitere nicht folgen
lioss.
Jener war, wie es scheint, nach der Besprechung mit Brandenburg
nicht zu neuen Bomühiuigen nach Prag zurüekgekehrt , sondeni nach
267) Briefe u. A. I» n. 173.
268) A. A. 0. n. 178 Anm. Am 27. Februar berichtete der Adinintstrator von Sachsen über seine
nn«) Brandenburgs Antwort an Mainz. Wm. Snccessionswesen 1, o. Ö5. Or.
269) Briefe o. A. I n«179 «nJ 1«8. Die „Sache“ welche sich der Cbf. von der Pfalz in letz-
terem Schreiben f^omäss dem an Anbalt gerichteten Begohteo des Kaisi.rs angelegen sein lassen
ZQ wollen Terspriefat, war Termnthlich die lliiulcrnng der dieAbsetzuog des Kaisers bezwecken*
den Praktiken. Vgl. das. n. 298 nnd 425.
Abh.d.Ui.Cl.d.k.Ak.d Wiis. XV. Bd. I. Abth. 11
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Mürgentlieim gereist. Auch Matthias und Ferdinand blieben imthätig
und machten keinen Versuch, den Churfiirsten von Köln trotz seinen
Bedenken zum Besuche des Kaisers zu bewegen. Sie beschlossen, auf
den Reichstag zu warten, zu dessen Berufung der Kaiser Anstalten traf
Da forderte plötzlich im Mai Rudolf selljst den*Kölner auf, schleu-
nigst und in aller Stille zu ihm zu kommen”'). Die Anregung dazu
hatte vennuthlich Ernst selbst gegeben. Obgleich er sich Casal gegen-
über der prager Reise geweigert hatte, war er doch bald darauf für
dieselbe, w'ie es scheint, durch Erzherzog Albrecht, dom er ülaer die Ver-
handlungen in der Wahlsache durch seinen Geheimrath Bille Bericht
hatte 'geben las.sen -’*), gewonnen worden. Gleich nach Billes Rückkehr
Anfang Febriiivr 1601 hatte er die Gelegenheit, dass ihn der Kaiser ent-
weder über die Verhandlungen zu Aschaffenburg oder über die mit Casal
zur Rode stellte, benutzt, um demselben seine Einladung nach Prag nahe
zu legen *■'*). Im April hatte er dann wohl, nachdem Bille wieder in
Brüssel gewesen w'ar , weitere Schritte zu gleichem Zwecke gethan
Am 2. Juli traf er in Prag ein*^^). Rudolf hatte der Ankimft
370) Casal an Rrehi. Albrocht 18. Man IGOl. Brs. Scerci. d*Allem. N. 116, 101 eigh. Or.
371) CoaUjator Ferdinand von Köln an Hx. Maximilian von Baiero, 27. Mai IGOl, Ma. ^18/37, 97
eigh. Or. Er berichtet, Ernst sei sogleich aufgcbrochon.
272) 8. Beilage XIV das Creditiv für Bille.
273) Groisbeeck an Speer 9. Februar 1601. Ma. 41.VS4, 40 Crl.
274) Groisbeeck an Speer, Arnsberg 20. April 1601: hCIö qnalche cosa in aerc. ma le nnvole »ono
tanto spesse, che ancora non posso penetrare a ben saper, che cosa sia, perb tra noi drtto con-
oerne la andata dt S. rerso Vlmjtemtore, i! quäle deve csser cbiauiato da S. Et il
nogotio Tienc diretto tanto st'cretamentc da Hi7fro, che ti^ il baren di Kekem [s. Briefen. A.
IV, ne i) scr Bocholt nc io non ne sappiamo a parlar. Il ItilU tornb da JiritjttUes alU
10 del presente, ove fu in gran iretta, et iicssuno di noi tre ancora non pnb seuoprir qnello
ehe ha trsttato. Jo me ne dabbito bene, pern per non saper il Tcro non dico per adesso nulla.
Ben lo scQOprirb presto et m'accargo, per che causa Udleo . . . Üene nascostu qnesto trattato
a noi tre et c/edo, che V. S«» facilmente lo imagina." Ma, 415 84. Crl.
275) Präntl an Hz. Maximilian von Baiem. 9. Juli 1601. Ma. 60/19, 72 Or. Am 18. Juni schrieb
der Chi. von Köln an Erxhz. Ferdinand ausFreisiug: „Was sonsten das negotium, so vordisom
der Casal bei mir anbracht, betrifft, bleibt hieneben unrerborgen, das ili mih nechstkunftigon
Freitag [den 22.] von hinnen aufmachen und zu 1. ksl. Mt. erheben werde; wie ih uun 1. Mt.
hoiuor befind, wir ih nit underlassen. allo sahou so dextre nah muglikeit dahin xu ricbteiY, das
cs dem gemeinen wtsen und der ganzen Christenheit zu nuxen und besten kommen möge.“
Wh. FamilieacorresiitoDdvDZ, fase. 5 A, eigh. Or.
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83
seines „lielwten Freundes“ mit grosser Freude entgegengesehen®’*). Er
empfing ihn überaiw gnädig und gewälirte ihm mehrere se)ir hinge Be-
sprechungen ®”). Den Hauptgogenstand derselben bildete, wie es scheint,
die Orflnung der Nachfolge.
Churfürst Emst war von München her aufgofordort wonlen, die
Wahl seines XcfFcn, des Herzogs Maximilian, zum römischen Könige zu
befördern.
Der alte Herzog Wilhelm von Baiem, welcher sich mitmiter durch
kleinliche Begehrlichkeit und Empfindlichkeit iire leiten lies.s, hatte schon
im Jahre 1500 daran gedacht, die Wahl eines Erzherzoges zu hindern
und die Kaiserkrone seinem Hause zu erwerlsm. Sogar mit dem Admini-
strator der Chnrpfalz, Johann Casimir, deiil Hauptgegner der Katholiken,
hatte er zu diesem Ende in Verbindung treten wollen®’*). Die gelahr-
liche Gestaltung der Verhältnisse im Reich hatte ihn jedoch bald diesem
Plane entsagen imd den Kaiser, wie erw'ähnt ®’®), zur Oribmng der Nach-
folge drängen lassen. Seitdem war wohl noch öfter der V'erdacht go-
2T6) Burriliu an Spe«r 2;L Jnni 1601 : der Chf. ron K^In seine Anknnft in Praa rnn einige
Tafc« terachoben hat« „hero non displicet, nt snperatis bia festis et legatiooibns, qnac tardiua
anditae foemnt, liberiori amienm amicuBiraain aninio aeeipiat.*' Der Cbf. möge nach Peter and
Paal konnnen, ,,ne in paroxiffmani, qaem perillaatris V. norit, incidamus.** Schon sind
Briefe vom Administrator von Sachten gekommen. Ober deren Inhalt der Kaiser mit Kmst
reden will. „Videt perillu&tris nt occasione« aesc imdiqad in congreasnm cnmnlent»
Aget de omnibna familiarisaime hcrus cum principe, at oportnnius potnerit venire nnoquam
phncepe, de qao sponte saa berns in dies roentionem focit*' Ma. 311/17, 80 eigh. Or.
277) Präntls Bericht v. 9. Jali. Duodo schrieb am gleichen Tage: „Tre voUe e sUto qa^ti di oon
S. in andienze langhissime.“ D. V. 31f 99 Or. Vgl. Briefe n. A. IV. 305 Anm. 2 and
das. Beilage 31.
278) 8. Briefe nnd A. IV, Bl. Nach der dort Anm. 4 miteetheiUen Stelle atu dm Memorial för
Minacci heisst es weiter: Bei der bevorstehenden Ziisammenkonft der rbeinlacben Clmrfürsten
können aach die geistlichen von Chf. Emst ein wenig darüber atugeboit werden, „was sie von
jetzigem bösen stände des hl. römischen rcichs and künftiger kunigiseben wähl, item der prae-
cedenz [s. a. a. 0. 171 ff.] halten. Daneben Rollen aber I. ebfl. Qa. in allwog anch selten,
hochgedachte churförsten anf die bairische seiten zn bringen nnd mit grosscro vleiss (wie dann
1. chfl. Gn. faocherleuchten Verstands und beredt) locken und aufmerken, ob der kaiser bei disen
churförsten der wähl eines römischen königs oder der erzbenog Ferdinand [von Tirol] der prae*
cedenz halber was geworben.“
279) 8, oben 8. 15.
11*
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I
84
ilusHcrt worden, dass Baiern nach der Kaisorki-one traclite es findet
sich jedoch kein ilin rechtfertigender Beleg. Als 1598 ein französischer
Gesandter dom Coadjutor herdinnnd von Köln versicherte, dass sein Herr
die Wahl Maximilians gern sehen werde, bezeichnete jener diese Eröff-
niuigen dem Vater gegenüber kurzweg als Possen”'), und noch im An-
fang des Jahres KiOO scheint Maximilian selbst gewünscht zu haben,
dass Erzherzog Ferdinand sich um die Nachfolge bewert»
Ei-sl als sich nach dem Ausbruch der Krankheit Rudolfs und nach
der Entlassung seiner ersten Minister die Aussicht bot, dass die Chur-
füi-sten ilireraeits zur Enienmmg eines Nachfolgers schreihm könnten, kam
man am bairisclien llof auf den Gedanken, als Nebenbuhler OcsteiTeichs
aufzutreten, zurück und suchte seine Verwirklichung anzubalmen. Beides
ging vermuthlich von Herzog AVilhclni aus***), welcher, obgleich er der
Regierung bereits entsivgt hatte, noch immer enusig auf den Vortheil
seines Hauses bediicht war. Ohne Zweifel stimmte aber auch Herzog
Maximilian der Bewerbung zu. Er war ehrgeizig, jung und mit den
Verhältnissen im Reich und in Kurojia noch wenig vertraut. Wie er
sich die Dinge zurecht legte, wissen wir nicht. Wir besitzen nur die
Antworten, welche einer der geheimen Räthe des Churffli’sten von Köln,
Johann von Groisbeeck. an den bairischen Geheiinrath Ulrich Sjieer über
die Angelegenheit richtete.
Durch SjK'er wurde Groisbeeck Endo October 1600 .aufgefordert, die
Ansicht seines Henm zu erforachen imd deustdlien zur Befönlerung der
Wahl Maximilians zu bewegen **■*). Groisbeeck, welcher sich eben damals
l>ci den bairischen Herzogen um eine reiche Belohnung für seine Unter-
stützung der Ei-nennung Herzog Ferdinands zum Coadjutor im Erzbist hum
2'^) Briefe u. A. IV KegisUr, Baiem, Absiciiten und Anasichten auf die Kaiserkrone.
2Hlj A. a. 0. m.
26’2) Vgl. oben Anm. 20;l.
Darauf lässt schlieuta. dasa OroislNMck am 10. Juli aas Prag an Si>eer schreibt: ««Cnn tro pa«
role dirb, ebb tutto fin adeaso c passato eccondo il tlenitlrrio di t/ncii Ma. 415/*^,
57 Crl. and dass Speer, welcher iinnier drr Vertraute and Beauftragte üa Wilbclnia war, die
Verhandlungen fQhrte. Leuten;» konnte jedoch freilich auch darch besondere Beziehungen
zwischen Speer and Groisbeeck veranlasst sein.
2S4) Groisbeeck au Speer 9. NovemWr KKtO. A. a, 0. .‘VI Crl. Die Belege för da* Folgende s. in
Beilage XII.
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85
Köln bewarb, ontsjjraeli dem ihm ausgedrückten Wunsche. Der vertrau-
teste Rath seines Herrn, Karl Bille, erwiderte ihm jedoch zunächst nur
mit den Worten der Schrift: ,,Sio wissen nicht, was sie begehren.“ Auf
weiteres Andringen üussorte er sich dahin, dass Baiern zu arm sei, um
die laisten des Kaiserthuma und die Feindschaft OesteiTcichs zu ertragen ;
die AVahl werde das Haus verderben. Er erinnerte ferner daran, dass
Herzog Albrecht V. dem Churfürstcn August von Sachsen, als dieser ihm
die Kaiserkrone angeboten, geantwortet habe: „Ich will lieber Herzog
von Baiern bleiben, als Euer Narr werden.“ Jetzt, wo die Geldnoth in
Baiern weit grösser sei als je, würden, w'enn Maximilian das Kaiserthum
erlange, desto gewisser die Protestanten die wirklichen Herrscher sein.
Auch wies er, wie es scheint, darauf hin, dass Baiern nicht im Stande
sein werde, das Reich gegen die Türken zu vertheidigen , und dass die
Erwerbung der Kaiserki'one von dem Besitze der böhmischen abhängig
sei. In gleichem Sinne sprach sich ein anderer Vertrauter des Chur-
fürsten aus.
Die Bedenken, welche sie andeutetcn, waren so gewichtig und
lagen so offen zu Tage, dass Jeder, den nicht Interesse imd Vorurtheil
blendeten, die Bewerbung Maximilians für unzulässig erachten musste.
Groisbeeck selbst scheint so geurtheilt zu haben. Den Versicherungen
Speers, dass die Geldverhältnisse Baiems seit Maximilians Regierungsan-
tritt wesentlich gebessert seien, schenkte er nicht recht Glauben und er
hob hervor, dass die AVahl Maximilians nur während eines Inteiregnums
möglich sein, dieses aber dein Reiche die höchste Gefahr bringen werele.
Entschieden widerrieth er, dass der Herzog seinen AA'unsch dem Papste
entdecke und dessen Unterstützung erbitte.
Auch Ernst wollte, dass seine A'erwandten ihre Absichten völlig ge-
heim hielten und keinen Schritt zu ihrer A'erwirklichuung unternähnieu*®®).
AVenn er dieselben nicht geradezu verwarf, sondern auf die Zukunft ver-
tröstete, so geschah das wol nur, um nicht zu beleidigen. A'or zehn
Jahren war er vielleicht der Absicht AVilhelms nicht ganz abgeneigt
2&5) Am DL'cember 1601 schrieb Groi»bc«ck ausArosberg an Speer: „II ehttore non vede voIoq*
tieri, ch& di )a eiatn tanto kW ytf^ocio tlelltt succetfsioM. Saperä ben l^ruento, qimndo
saru A. a. 0. 59 CrI.
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86
gewesen ***). Jetzt dürfte er Bille« Ansichten getheilt und nach wie vor
an dem Wunsche festgelialten halien, die Wahl dos Erzherzogs Albrecht
zu bewirken. Darauf deutet, ditss er gerade durch Bille, ohne seine
übrigen Geheiniräthe einzuweihen, mit Albrecht verhandelte dass er
sich um die Einladung nach Prag bemühte, während man in München
diese Reise vermieden zu sehen wün.schte und dass er den Kaiser
zur Ordnung der Nachfolge drängte, obgleich docli unzweifelhaft schien,
dass Baiern sich nur nach dessen Tode mit Aussicht auf Erfolg um die
Krone bewerben könne
Ernst hatte die Parteiverhältnisse im Reiche kennen gelernt und
täuschte sich schwerlich darüber, welche P’olgen es für die katholische
Kirche und die geistlichen Stände in Deutschland nach sich ziehen musste,
wenn zwischen Oesterreich nnd Baiern Feindschaft oder gar offener Kampf
entstand. In diesem Falle hatte er selbst um so grösseren Nachtlieil zu
fürchten, als seine Bisthünier Köln und Lüttich unter der Hand des In-
habers der spanischen Niederlande lagen mul nur von diesem Schutz
gegen die Einfalle der Holländer erwarten konnten. Wie aus letzterem
Grunde und aus persönlicher Neigung war er ferner vielleicht auch des-
halb für Alljrechts Wahl, weil er die Hoffnung theileu mochte, dass der
Friede in den Niederlanden hergestollt werden könne, wenn der Herrscher
Belgiens Kaiser sei***®).
286) Vgl. Briefe d. ä. IV, 278 Anm. 2 and obeo Aimi. 86.
287) S. oben Annt. 274,
288) S. Beilftge XU. 5. Deshalb enthielten auch die Casal mitgegobonen Briefe, ts. oben ß. 67,
keine BefQrwortQng der Bitte der Erthenoge.
289) Vgl. aacb Beilage XIV und unten sowie Briefe u. A, IV, f>0o. Wenn Groisbeck*
in dem oben Anm. 28^) erwähnten Briefe sagt, es eei bis jetzt bei der Verbandiung des Chur*
fQrsten mit dem Kaiser nach den Wünschen Hz. Wilhelms gegangen, so bezieht sich das ohne
Zweifel nur darauf, dass der Katüer dem Clif. damals keinen Auftrag zu Verbindluogen wegen
der Wahl gab. Auch daraus, dass 11z. Maximilian dem Chf. von Köln, der im Juni nach Mün*
eben kam, Geld zur Reise nach Prag vorschoss [Hz. M. an Metternich 5. Sept. 1601. Ma. 89/5,
14 Cpt. Oopie] ist nicht za schliesaen, dass jener den bairischen Wünschen g^iwonueo worden,
denn man half dem Chf. oft aus. Vgl. auch nnten den Brief v. 5. November.
290) Vgl. oben S. 78. Dass man allgemein au die oben bezeichnet« Müglicbkeit glaubte, zeigen auch das
Actenstück Über die Friedensbedingungen, welche Krshz. Albrecht den Ilolländom gewahren
wolle, and die vom Kaiser und sogar von den Holländern selUt io dieser Hinsicht gemachten
Vorschläge, Ton welchen outen za sprechen sein wird. Vgl. Ranke Z. d. öesch. 287*
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87
Aber der Churfiirst durfte bei seinen Besprechungen mit dem Kaiser
Albrecht nicht geradezu in Vorschlag bringen. Rudolfs Furcht und
Groll standen diesem in unverminderter Stärke entgegen. Er verbot
dem Churfürsten anfangs, den spanischen Gesandten und den Xuntius zu
empfangen, weil er lÄSorgte, dass sie sich für Albrecht verwenden wür-
den, und nur auf dringende Voj-stellungen Ernste ertheilte er demselben
die Erlaubnis, sie zu sprechen”').
So musste sich Emst denn darauf beschränken, dem Kaiser im allge-
meinen die Wahl eines römischen Königes zu empfehlen, wobei er, wie
es scheint, vor allem vor den Bemühungen des Königs von Frankreich
warnte Daneben stellte er ihm vor, welche Verwirrung und Nach-
theile seine Ziu-ückgezogenheit veranlasse und welchen Unwillen sie iin
Reiche hervorrufo, und ermahnte ihn den Reichstag, der in Aussicht
stand, persönlich zu besuchen, da dersellje sonst erfolglos bleiten werde.
Er hatte dabei wohl den Hintergedanken, dort die Wahl zu bewirken.
Rudolf sprach sich „mit einer Klugheit, d.ass, wenn alte seine Mi-
nister zusammen berathen hätten, sie nicht bes.ser hätten antworten
können“, weitläufig über die Interessen seines Hauses, über die Noth-
wendigkeit der Ordnung der Nachfolge und über die ihm und dem
Hause drohenden Gefahren aus und gab die besten Zusagen l)ezflglich
der WahP®^). Aber seinem Trübsinn und seinem angstvollen Argwohn
veniiochte ihn Ernst nicht zu entreissen **''). Ohne etwas erreicht zu
haben, mus.ste der Churföi'st am 11. .Juli Prag verlassen. Erat fünf
Wochen sjiäter gab Rudolf ihm, vielleicht auf neue Bemühungen hin“®^).
291) »oodo an den Do(rcn 16. Juli 1601, D. V. 31, lO.’i Or.
29"2j Vgl. anten.
293) B«richt Daodos t. 16. Jali. Er schrieb nach ihm gctnacbt«n Mitthcilnngen dc< Cbf. Ernst.
Vg). onten.
294) Eroft sagte Duodo: [rjm)>eratore] cra fatto grandement« melanconko et con la retiratezza
il male anco gU cresoeTa, non havemlo pemaiia all* intorno» che procurasse di solleTario, ma
pia tosto di caricarlo, et ch^ a rimetterlo. s\ come «perava qoalche frutto dalli suoi ofiidj. che
cosi nel rcsto non sapeva asaolutaincntc quello che promettemi.“
295) Doodo an den Dogen, 13. August IßOl: >.Ha detto qoalche priodpaie ministro i persona mia
coofidente, ehe sono tante le efficaci indanse delii elettori per uii re di Komani« ehe eerto
spera qoeat'anno ventoro S. sia ßnalmenle per ritmlrenni a ricercarlo'*; deshalb wolle Ru-
dolf nicht in die Tbcilung Tirols, auf welche Erxhz. Ferdinand dringe, willigen; nach der Wahl
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88
einen Aufti'aK wegen der Wahl, indes auch da keinen weiteren, als dass
er die Churfürsten von Mainz und Trier auf der Heimreise befragen
solle, ob die Verhandlungen, die 1594 gepttogen worden, aufzuuehmen
seien, wie und wann dies geschehen könne und ob nicht zur Abwendung
aller in- und ausländischen Praktiken, namentlich der französischen , von
welchen die Zeitungen meldeten, alsbald die Churfürston selbst oder doch
deren Rathe versammelt werden sollten. Dabei stellte er zugleich das
Ansinnen, dass man darauf denken solle, wie er dos persönlichen Erschei-
nens iMjim Churfürstentage überhoben werden könne®*®).
Ernst wurde lange in Freising aufgchalton. Erst Anfang November
kam er zu dem Churfürsten .Johann Adam von Mainz. Es scheint, dass
er wie im Vorjahre wünschte, dass die geistlichen Churfürsten die rö-
mische Königswahl selbständig betreiben sollten, weil auf die Einwilligung
Rudolfs kaum zu rechnen war und die Wahl des Nachfolgers in Böhmen
auf Schwierigkeiten zu stossen drohte®*®). Johann Adam blieb jedoch
bei der Ansicht seines V^orgängei-s Wolfgang, die Anregung müsse vom
Kaiser selbst ausgehen. Er hielt zugleich für notliig, dass zuerst die
werde er sich dortbin znrQcbzichen ; sclion bube er befobleo, durch die strengten Ediete dort
jede Ja^d za rerbieteri, und dein Reicliühofrath, nm Tirol wenigstens fSr seino Lebenszeit Tora
Reiclie ZQ trennen» nntersagt, fernerhin ohne seinen ausdrücklichen Üefehl eine Ap]>elIation gegen
die Kegicrnng zu Innsbruck anzunehmen. „Qui perb tnttaTia fabrica et galeric ei corridori»
che inostrano piü presto il contrario.“ l>. V. 31, 12^* Or.
296} Creditiv des Kaisers für Chf. Emst an Mainz 18. August IGOI, Wm. Snccessionswesen 1, n. 61
Or. „Memorial, was der churfürst Cüln im namen ksl, Maiestaet bei den zwei anderu geistlichen
churfürsten anhringen soll.“ Das. n. 62 Copie. Am Sehlusse heiut es : Emst möge „vloissige
acht auf Nassau und Hanau haben, ob deine also, das sie mit Frankreich correspondenz und
Ton dem französisebeo gelt vestungen bauen, also auch was sonsten im reich nit allein von
fremden, sondern anch von inbeimiseben practiken getriben werde.“
297) Auf die Erklärung des Chf. von Mainz, dass der Kaiser die Wahl fordern tnQxse, sagte Emst
nach der gleich zu erwähnenden Aufzeichnung Fausts: „Einmal seie sich der ksl. Mt rcsolution
und einwilligung nicht wol zu getrosten, dan sie in iren resnlutionen zirolich varilroo. Et
betten auch I. chfl. Gn. zu Coln bei und von I. Vst. Mt. so vil verstehen können, dass sie
sich beclagtr die fomembste stende in der cron Behem giengeo ir ab und weren allerband in*
genia izunder onder ioeu den Bebemen, wie der ein Popel ein anfang dann geben; wollen sich
heimlich verlauten lassen, die cron Bebem uff keinen hem von Österreich mer kommen zu
lassen, dorbei auch sovil zu verstehen geben, es weren ge wisse vertrage uffgericht, das solang
hern vom haus Österreich vorhanden, die cron uff kein ander Haus zu verwenden, welche ver-
trüge aber, ob man sic wol nun in das 14 oder Ib jar gesucht, sich doch noch zur zeit nit
wollen finden lassen. L Mt. verstunden sich mit iren hem bruderu nicht wol und konte man
also schwerlich Ir gemot zu diesen sacbea erlernen.“
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89
Gesinnung des vor Kurzem zur Regierung gelangten Churfürsten Chri-
stian II von Sachsen erforscht werde, „damit man nicht gleicli zwei
Mauern in abgesonderten Gedanken stehe und das Gute böse, das Rose
ärger mache.“ Ernst erbot sich darauf, seinen Geheimrath Bucliolz zum
abgetretenen Administrator von Sachsen und wenn dieser es räthlich
finde, zmn Churfürsten selbst zu schicken*®*). Ob es geschah, wissen
wir nicht. Ebensowenig sind wir über die weiteren Verhandlungen unter-
richtet, welche — der besseren Geheimhaltung wegen mfmdlich — mit
Trier und Mainz gepflogen wurden. Ihr Ergebnis war lediglich ein
Schreiben der geistlichen Churfürsten an den Kaiser.
Sie erklärten darin ihr Bedauern, dass im Jahre 1594 die Gelegen-
heit zur Ordnung der Nachfolge versäumt worden sei. Jetzt seien die
Zeiten gefalirlicher und die Mitglieder des ChurfttrsümcoUegs zum Theil
andere geworden. Um so grössere V^oreicht sei also nothwendig. Das
Werk dürfe allerdings nicht ersitzen bleitjen. Sie allein abci' könnten
es wegen des Verdachts, in den sie bei protestantischen*®®) Ständen ge-
ratheu würden, nicht l>etreiben. Es müsse hauptsächlich vom KaLser
hertiiosson. Dieser möge also erwägen, ob er sofort einen Churfürstenbig
veranlassen wolle oder ob man erst auf einem Reichstage persönlich Zu-
sammenkommen, sich mit einander bekannt machen, das Slistrauen auf-
heben und so dem Werke einen sicheren Grund legen solle. Dass der
Kaiser sich während des Wahltages in der Nähe aufhalte, werde zur Ab-
wehr mancher Gefahr nicht zu umgehen sein. Von den Praktiken Frank-
reichs wüssten sie nicht mehr, als dass ein Gesandter desselben im Reiche
umherziehe, doch wollten sic weitere Erkundigungen einholen*®®).
Mit iliesem Briefe schickte darauf Churfürst Ernst seinen Rath Grois-
beeck nach Prag®”).
2^) Gatachtcn des m&iDxer Kooilers Faust Qber ^das Anbringen des Cbf. von Köln 1. November
1601. Wm. Soccessionswesen I, n. 630r. Anfzeichnung Fausts über die am 2» November zwischen
den Chff. gehaltene Besprechung, das. 65.
299) So stand ursprünglich; dann wurde gesetzt: „anderen.”
300) 23. Noverober 1601, a. a. 0. 69 Cpt. der mainzer Kanzlei, fast wörtlich nach einem Gotaefaten
des Cbf. von Köln vom 10. November. Bas. 67 Or.
301) Anfzeichnung Fauste, das. 70.
Abh. d. 111. a. d. k. Akad. d. Wiss. XV. Bd. 1. Abth. 12
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90
VIII.
Kurz zuvor luitteu sich uucli der Papst und der madrider Hof ent-
schlossen, die Ordnung der Nachfolge zu betreiben. Uis dahin hatten
Iwide seit dem Jahre 1594, soviel wir wis-sen. in dieser Richtung keine
Schritte gethan. Wenn nach dem Sturze Kumpfs und Trautson.s der
Nuntius und namentlich der H]>anische Gesandte zu Prag eifrig zur Vor-
nahme fler Wahlen gemahnt hatten*^), so war das ohne Zweifel nur
aus eigenem Antriebe geschehen und sie haften wohl nicht fiir eine be-
stimmte Persönlichkeit sondern le<liglich dafür gearbeitet, dass die
:X)2) S.oll>enAnm. 11)1. Am IH. Norember 10)Kj beridit«te Duodo : lunWciator CÄttoUco temc
incredibilmcnt«, ehe rim(>erto potM m Tolta oflcire di qoefita casa, et da aeaat boon loco
ho iuteao, cho li 8|>AgnuoU otTeriscono liHXiO fantl pai^ati per la ^j^tierra d’Ouf^ria alli elettori.
86 faranno quak'h'uno di quenU della casa d'AQstria.“ D. V. 2Tl) Or. Am 20. No'
vember »ebrieb er: ,»11 8' amb&sciator cattoHeo & rae dUsc ua dl della ^»aiisata aettlmana. ehe
non potendofii il re de Homani fare ebu in doe casi. Tuno, quaodo ^ Dominato da S. et
Taltro, qtiando i;li elettori cunoseenoro esaer per indiBpoaitione inca^iacc di govomar ella, che
nel primo terminc non ai farä mai» perche Ce«arc non la Yoole seiitire, ae bene habbia dato
buone parolc alU fratelli ct a lai mille volte et particolarmente netia dieta di Ralisbona, stando
aU'hora in aua raano il farlo, et chi* nel accondo easo credeva piu tosto, che li elettori »i
havercbbnn» contentato Ftare di qnesto modo, perebe per la bolla d‘oro di Carlo quarlo al
conte Palatino tocea all'hora haver il goTorno della meta. ai pao dire, della Germania et
aU'elettore di ^assonia dell'altra, in modo, ehe mrcblxi da dubitare, non volessero go<lere quosto
bene6cio; se pero casi la inteoderanno. mi soggioose. A ch6 fiue fos»c fatto tab' dütcorto, io
laacio alla aoitima pradenra di V» il conniderarlo. scoprendont ogni gionio in eflelto, che
totto non tende ad altro che n faTorire il Ser"»« Alberto.“ Pa«. :10H Or. Am 25. December
aebrieb er: E« heisst, dass die Enherzoge Maximilian, Matthias; und Ferdinand wegen der
Wahl kommen werden. Das« der Kaiser in dieselbe willigt, ist. da er e« früher nie ihun
wollte, jetzt, wo er krank ist, noch weniger zu erwarten. „Per questo 8. cattolica fa, per
qaanto intendo da assai bnon luoco, ogni cosa per far vtnir qua il contesUbile di CastigUa
ct gia gli haveva apedito nn auo per cssortarlo a tornarseno in modo, che qui «i crede la sua
venuta. Tatto e fatto a persuasionc di qnesto «>' ambaseiator cattolico, il quäle Tedomlo le
coae, come eanno, deeidem di dar quulche potente motore agii alTari di S. cattolica, conoa*
cendo, croilo io, in elfetto et per la aua indispoaitioiie et ]ter altri im|»ediiDenti poter poco spe-
' rare cosi in questa occasione di ri de Koniani come nel rcsto.“ Das. 321. Or.
:tt}3) Was Duodo in seinen in der vorigen Anmerkung erwähnten ikrichten darüber iiiittheilt, ist
nur VvrraolhuDg, Am 26. Februar ICOl schrieb er: „Prima j«rtiiwe [l'arciduca Ma&similiaDo]
di qua, «ono a^ienrato, che raiubaaciator cattolico facetse intendere a 8. A«, cliVlIa andawk*
allegranictite et negotiaase pure questa corona per chi alei piacesse, perche egli restava oataggio
per U 8er”*’ Alberto, ciregli non pensava ä ciö et che di tutto qoelio havi'Kse operato, ne have*
rebbe ricevuto molto piacere.“ D. V. 30, 3>*<2 Or.
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91
«Iringencl uothwendige Erncimimg des Nachfolgers überhaupt herlwige-
führt werde.
Dies wünschte allerdings auch Clemens VIII seit der Entlaa-sung der
^linister, die wie überall so in Rom das grösste Aufsehen erregte und
die Krankheit Rudolfs offenbarte Er hätte am liebsten gesehen, dass
Erzherzog Ferdinand von Steiermark, der so grossen Glaubenseifer be-
wies, ihm persönlich bekannt geworden war und an Italiens Gi'enzen
sass, erwählt würde; nächst diesem war er dem Erzherzog Albrecht ge-
neigt*®®). Von Reiuühungen für den Einen oder den Anderen hielt ihn
jedoch vielleicht die Sorge zurück, dass Zwietracht im Hause Oesterreich
entstehen und durch die sich kreuzenden Beworbnngen die Wahl über-
haupt erschwert oder gehindert wenlen könne, während die Interessen
der Kirche dieselbe so dringend erheischten, dass er sich auch die des
Ensherzogs Matthias würde gefallen lassen haben, obgleich man an dessen
kirchlichem Eifer und geistiger Befähigung zn'eifelte*®’). Unoutschlos.son
wie er war *"*), ■ mochte er deshalb sein Eingreifen vertagen. Ihadistens
dürfte er seine Nuntien beauftragt haben, im allgemeinen für die Wald
zu wirken*®“). Erst am 22. November 1601 richtete er — vielleicht
:{04) Ranke Z. dentschen Geachichto 26A.
305) V|?l. Briefe u. A. IV. :I07.
306) Der Nnotins zn Graz Portia an Hz. Maximilian, 26. Nov. 1600: ».Video ciiam. S. incU-
nare ex omnibns archidueihu^ in JVr<fiN«7mifNin et AUtfrium; relitjaoa non valde idoncoe pu-
tat.'* Ma. 311/23, 71 Cti. Derselbe an denselben, December 1600: ,.5. non est ailmodam
inclinata er;?a Maithi-am et sed omniDo pendet Tcrens J'^dinandum et M-
bertttm, sed dammodo aliqnid fieret et fteret re.r JRomattu* aliqais, esset bene contenta.** Das.
62 Crl. Groisbeeck schrieb am 10. Jali 1601 ans l’rag: „Ho scooperto, che il jxtpa poco si
enra ancoro, cb^ la corona non resti in coxn d*Auiftr{a, solo che l'habbi kn cattolico** Ha.
41. V^. 57 Crl. Der dechiffrierende bairische Secretär bemerkte, e w.rde wohl statt „papa“
heissen sollen: „iniperatore". Das ist gewiss nicht richtig, doch dürfte der Papst auch nicht
au die Wahl eines Nichtostorreichera gedacht haben. Vgl. Briefe n. A. I, n. 162 Anm. ].
307) Vgl. die vorhergobende AnrntTkang.
308) VgU Briefe a. A. IV, Register s. t. Character. Am 14. April 1601 schrieb AgosUno Hnrando
an Ulrich Speer; fjtejr liotnuHUit dicitnr qnoad lihpattos veile Alhtrtum C<tenariM /Traf rem.
Jtex Galtine creditnr nmldre. Papa pront in aliis pluribns irresolutos et tain quam
IlütpanoH differre cupere, nt interim, si qnid booi pntatnr erga Oallmu sncceasn temporis te-
pt-scat. Per MttxtmilianHm äucem dicitnr non qaacri talo.** Ma. 2:18/29, l.'l eigh. Or. Dass
die Furcht vor Frankreich den Papst bceindnsste, ist nicht wahrscheinlich.
309) Vgl. oben Anm. 244.
12*
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im Zusaininpnliango mit fien Bemühungen ties Churfiu'Bten von K<"iln —
ein eigenhändiges Schreiben an liudolf, worin er denselben Ireschwor,
die Wahl eines römischen Königs zu veranlassen, doch stellte er auch
da dem Kaiser völlig anheim, ob derselbe einen seiner Brüder oder
einen anderen Erzherzog befördern wolle, und verepruch Jeden, für
welchen jener sich entscheide, aus allen Kräften zu unterstützen. Aus-
führlicher beauftragte er zugleich in demselben Sinne den nach Prag
zurückkehrenden Keichshofrath I)r. Bartholomäus Pezzon’"') mal entspre-
chende Weisungen emi>fing der dortige Xuntins’").
Am 8]>anisi’hen Hofe war es wohl die gewohnte Langsamkeit, welche
bis zum Herljste 1601 abhielt, in der Nachfolgefrage Stellung zu nehmen.
Dann entschied man sich, die ’NVahl des Erzhei-zogs Albrecht zu begün-
stigen. Neben iler Abneigung gegen Matthias und der Uücksicht auf
Albrcchts früheren Aufenthalt in Spanien und auf seine Gemahlin J)o-
stimmto dazu wohl die Hoffnung, dass die deutschen lleiclisstände ihrem
Kaiser die Hülfe gegen die Holländer, welche Spanien auf Grund der
Beiehsangehörigkeit Burgunds schon oft, al>er stets vergeblich gefordert
hatte, nicht vei-sagen o<ler sich doch mindestens der Unterstützung seiner
Feinde enthalten würden und dass die Kaiserkrone dem Herrscher Bel-
giens erleichtern werde, sich der Pässe am Rhein zu l)edienen. Da man
je<loch wusste, wie wenig Rudolf II Spanien und Albi-echt geneigt war,
und da man d.as Entgegenwurken der Spanien feindlichen Mächte und
der deutschen Protestanten zu fürchten hatte, glaubte man Albrecht einst-
weilen noch nicht in Vorschlag bringen zu dürfen, sondern befahl dem
Botschafter in Prag lediglich, alles aufzubieten, damit der Kaiser in die
Vornahme der Wahl willige, .San Cleinonte, der sellist keine .\udienz
erlangen koimte, suchte darauf die Diener Rudolfs durch Bestechung zu
bestimmen, in entsprechender Weise auf denselben zu wirken*'*),
Erheraog Albrecht hatte seinerseits die Werbung Casals, welcher den
Chuifürsten von Köln um Verwendung für Matthias bat, befürwortet*'*)
<U0) 8. Chlnmecky Zierotin Anro. <30.
311) S. lioilage XIJI.
312) Ginaely Rutiolf II, I. 5:1 f.
313) S. obeu 8. 67,
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<13
und bald darauf Kriist ersucht, sich zu bemühen, dass einer seiner Hrüder
oder, wenn das nicht möglich sei, Erzherzog Ferdinand erwählt werde ’«)
Groi.sbeeck meinte, er hal» auf seine eigene Erhebung verzichtet, da er
einseho, dass dieselbe nicht zu erreichen sei, weil er, der so lange in
Spanien gelebt hatte, den Deutschen als Fremder galt als Werkzeug des
spanischen Hofes erschien und durch den Einfall Mendozjus ins Reich den
bittersten Hass der protestantischen Stände auf sich geladen hatte**'). In
der That war Albrecht gewiss bereit, zurückzutreten, weim durch seine
Bewerbung der Besitz des Kaisertlnuns für sein Haus gefährdet wurde.
Dem Wunsche, selbst die Krone zu erlangen, entsagte er indes nicht und
wie früher*'*), so mochte er auch jetzt vor allem dadurch zu ^seinen Be-
mühungen um die Ordnung der Nachfolge bestimmt werden, die er schon
vor der Entscheidung des spanischen Hofes erneuerte.
Wir gedachten seiner Verhandlungen mit dem Churfürsten von
Köln ”*). Er bewirkte, dass demselben die Verdoppelung dt« Jahrgehaltes,
welches ihm von Spanien bewilligt war, zugesagt wurde *'•). Auch mit
dem Churfürsten Lothar von Trier stund er in vertrautem Verkehr wegen
der Wahlfrage ’'*) und einen sehr lebhaften Briefwechsel, der uns ziem-
lich vollständig erhalten ist, pflog er über dieselbe mit dem Erzbischöfe
Wolf Dietrich von Salzburg.
Wir wissen nicht, wie die Beziehungen zwischen beiden angcknüjtft
wurden. Schon 159‘J beschuldigten die deutschen Protestanten den Erz-
bischof, zu dem Einfall Mendozas gerathen zu haben, doch leugnete
dieser damals, mit dem belgi.schen Hofe überhaupt in Verkehr zu
stehen**“).
S14] S. Beilage XII, 4.
;ti5) A. ». 0. a.
•il6) Vgl. oben Anni. 59 S. 24 a. r>7.
;U7) S. oben 82.
8181 S. iJeilaffe XIV on-l Briefe q. A. IV. 870.
819) Am 2.8. December 160U gab der Ohf. dem Etrhx. Ober die asGbaffenburgiT Zu^ammeaknnft, am
6. Februar 1001 über die weiteren Verhandlungen Nachricht; am 18. Januar l(>0l thcilte Al*
brecht jenem die Sendung Casuls mit, wobei er den Cht. bat. „Ihre getreue zuenaiguog gegen
meiner pereon *ue cootiouieren.'* Br*. Seerct. d‘Allem. Nr. l‘W, 4‘» n. 99 Orr. 47 Cpt. l>a»»
die beiden Briefe Trier* in OhifFern geischrieben sind, deutet auf regen Verkehr.
320) Uer Erzbiscliof an li». Maximilian von Baiem. 16. April 1.VJ9. Ma, 292/:! l.V» Ür.
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94
Im üktolKii’ IGOO em])fahl er dem Erzherzop; Albrecht, sich um die
Kaiserkrone zu bewerlK>n. Von den übrigen Mitgliedern des Hauses habe
keines Aussicht, sie zu erlangen, weil Matthias und Maximilian für un-
fiihig gehalten wünlen und Ferdinand sich durch seine gewaltsamen
Uostaurationsmassregeln verhasst gemacht habe. Um Frankreich, welches
nach der Krone trachte und von deutschen Protcstajiten , ja von Leuten
in der Umgebung des Kaisers, der ihm selbst nicht abgeneigt sei, von
der Wahl auszuschliessen , möge man sich beinülien, dass der Krieg
zwischen Frankreich und Savoyen fortdauere, denn dann werde von jenem
keine Hilfe gegen die Türken zu erwarten und mithin jeder Grund für
seine Wahl benommen sein. Albrecht dagegen müsse den Frieden in
den Nie<lerlanden herstellen. Dann werde er die Nachfolge leicht er-
halten. Mit dem Kaiser über die-selbe zu verhandeln, sei unmöglich und
gewiss vergeblich. Der Erzherzog solle sich nur der Mehrheit der Chur-
fürsten für den Fall des zu befürchtenden Inten'ognums versichern und
einem in der Nähe von Ungarn und Böhmen Gesessenen Vollmacht er-
theilen, nach Rudolfs Tode alsbald seine Wahl zu betreiben’*').
Anderseits suchte Wolf Dietrich auch bei Rudolf EiiiHuss zu er-
langen und es glückte ihm, „etliche der innersten Privabliener“ desselben
für sich zu gewimien mid es durch sie dahin zu bringen, dass der Kaiser,
der in seiner Unruhe und in seinem Mistrauen gegen seine Brüder und
Minister damals mehrfach fremden Rath suchte®“), durch einen Vor-
:(21) 8. ncilagc XV. Bien Schreib«!] kreuzte sich mit einem Albrochta vom 3. Koveraber, worin
derselbe um dei Erzbischofs Gutachten bat. wie die Nnchfolge einem ..von aas di«i BrQdeni*'
gesichert werden könne; er vernehme, dass im Reich allerlei schädliche Praktiken vorgingen.
wodurch nicht allein der Uutergang der katholischen Religion io demselben drohe. ..»ondorn
auch den auslendischcn zue unterdrQckung dessen uralter libertet tliuer und thor aufgethan
werden möchte.*' Brs. Secret. d’Allcm. N. *J49, 5 Cpt. ln der Antwort auf Salzburgs oben er-
wähnten Brief bat Albrecht um nähere Angaben, wie er die Nachfolge sich sichern könne und
uro Aufklärung, „woher 1. Mt. dem Franzosen wolgewogcti sein solle und welche mioiatri die
währen, so ihme adherireo,** sowie weshalb Salzburg dem ChurfUrsten von Köln inistraue,
[s. Beil. XVJ und was der Administrator von Sachsen [die gegen diesen gerichtete Bemerkung
Salzburgs liegt nicht vor] im Schild« führe; letzterer habe sich gegen ihn und sein Haus
stets sehr gut erboten und ebenso habe seit seiner Ankunft in Belgien und erst jhngst wieder
der Chf, von Köln sich g^?gen ihn „gar hoch anerboton.*' 10. November 1C00. Das. 6. Cpt.
Die Antwort Salzburgs fehlt.
a22) S. oleo S. 79.
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trauten sein Gutachten erforderte, wie er die Regiening in Znkunft l>e-
stellen solle*^’).
Der Erzbischof Ijozeichnete darauf als den Hauptmangel des kaiser-
lichen Regimentes die Schwierigkeit, Gehör liei Rudolf zu erlangen, und
rieth, um den mächtig wachsenden Unwillen der Reichsstände zu be-
schwichtigen, dem geheimen Käthe ein Haupt zu geben, welches die Au-
dienzen und Bescheide ertheile. Für diese Stellung möge der Kaiser einen
seiner Brüder erwählen und zwar, da Matthias den Anspruch der Erst-
geburt besitze, Maximilian, damit der eine den anderen hindere, sich zu-
viel Gewalt anzimmssen und jeder vor allem die Gunst Rudolfs suchen
müsse. Zu Ministem solle er Männer aus seinen Gebieten nehmen, da
Ausländer zu Fremden hinneigen und ansehnliche Reichsgenossen Privat-
interessen haben und einander beneiden würden;”*) aus dom Heere aber
müssten die französischen und anderen fremdländischen Oberoffiziere
entfernt wenlen, da sie des Kaisers Geheimnisse zu sehr liokannt machten.
Zugleich empfahl Wolf Dietrich, auf Ausführungen gestützt, in
welchen sich die seltsamen An-schauungen der deutschen !>tajU8männer
über die eurojiäischen Verhältnisse bezeichnend kundgeben, dringend die
Ordnung der Nachfolge, doch mahnte er, dieselbe nicht eher in Angrift'
zu nehmen, als bis man des Ergebnisses der Wahl ganz sicher sei, damit
nicht etwa die Protestanten bei jener ihi’e Pläne durchsetzten”^).
Er habe dies Zögern angerathen, sagte er dem Erzherzog Albrecht
weil er vor allem die nnverzfigliche Ordnung des Regiments für noth-
wendig halte und glaube, jenem Zeit verschaft'on zu müssen, damit er
für seine AVahl arbeiten und den Kaiser für sich stimmen könne’“).
323) Wolf Dietrich an Krilix. Albrecht. 24. Januar 1601 Dr;. Secrct. d’AIlem. K. 24!^ 10 eigh.
chilTriertea Or.
824) D&b war wohl gegen die H«mn ans dem Reich gerichtet, welche Rudolf , wie unten zu er-
wähnen, berief, um mit ihnen die Tornebmen Uoßmter zu besetzen. Weshalb der Erzbischof
ihnen entgegen war, weies ich nicht.
S25) S. Ikilagd XVI.
8*26) Der Erzbischof an Albrecht 8. Februnr 1601, o. a. 0. 12 Töllig chiffrierte# Or, Er schrieb
dabei, befinden sich die Sachen an I. Mt hoffe in altem stand und do ich denselben
auf den grund siehe, sein dass geschrai und die thatt etwass fern von einandern, dann obwoll
I. Mt. melancholisch und zne den andieDzen achwerlicb, wo nit gar nit zue bewegen, so leiden
sm doch sonst an dem verstand katn mang), sonder nemen ir« soeben sebarfrinnig in acht,
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Um letzteres zu erreichen, knüpfte Wolf Dietrich selbst mit dem
Astronomen des Kiiisc^rs, Tycho Brahe, und mit den Kammerdienern au,
die, wie er bemerkte, mehr als irgend .Jemand sonst vermöchten’’’). Es
gelang ihm auch, Brahe zu bewegen, dafw er den Kaiser zur ()i-dnung
der Nachfolge zu veranlassen und denselben für Albrecht — unter An-
derem durch ein diesimi gestelltes Horoskop — zu gewinnen suchte. Der
Erzherzog belohnte den Astronomen dafür mit einem Geschenke. Dessen
Bemühnugen führten jedoch nicht zum gewünschten Ziele.
Wolf Dietrich schrieb das vor allem dem Entgegen wirken des Gc-
heiinsecretärs Barvitius zu, welcher um diese Zeit von allen Häthen weit-
aus am meisten Vertrauen und Zutritt beim Kaiser besass. Er meinte,
derselbe sei Spanien feindlich und werde von Baiern beeinflusst.
Die Mitglieder des bairächen Hauses, mit welchem er lange in bit-
terem Streite gelegen hatte, betrachtete der Erzbischof von vornherein
mit tiefem Mistrauen. Albrecht werde eher auf Brandenburg als auf
Köln rechnen dürfen, iius.serte er. Seine Sorge wuchs, als er im April
1601 erfuhr, dass Frankreich dem Coadjutor Ferdinand ein Jahrgehalt
oder geistliche Pfründen anbiete. Er sah darin das Bestreben Hein-
richs IV offenbart, die Untei-stützung der bei den katholischen Ueichs-
ständen so einflussreichen Herzoge mul die Stimme Kölns für seine Wahl
zu erwerben. Deshalb Hess er sich angelegen sein, die Herzoge vom
Abschlu.sse mit Frankreich zurückzuhalten, und trieb er Albrecht unab-
lässig an, dem Coadjutor eine spanische Geldhülfe zu verschaffen. Der
Erzherzog lies.s es auch nicht an entsprechenden Schritten fehlen, doch
handlen aach lieimbllch Dn<J far licb selb stark nnd vÜ qq<1 so nur jemanü v^rhanien, d«r
der autoritet wäre, dass er 1. Mt. in den audienzen kind vertretton, were den saehea leicht*
liehen geholfen. Erzherxog Matthias xwar sol der zeit nit in sonders guetten ansecheo bei
1. Mt. sein. Maximilian aber vermögen sich I. Mt. zimblicb und ist noch zweifiieh, ob sie in
Siebenbürgen oder hei hoff verharren werden “ In der Wablsacho ist keine Eile zu fürchten,
aber doch nicht zu feiern, „dann wie gemeldt, so handlen I. Mt. ire sae'nen der zeit seer in
der eng und gehaimbe and ist deshalben übor die mausen schw^er, den grand allwegen zu
penctriren.“ Nsebr. „Die saeben sind bei I. ’Mt. also der zeit beschaffen, das schier nnamb*
genglich nothwendig, das sich I. Mt. mitt chittem einet anderen regiroens entschliessen müesen,
do sie sieh nit eines andern befahren wollen.“
327; Schreiben vom 8. Febmar.
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blieben diesell)en so lange erfolglos, dass die Baieni endlicb die Geduld
verloren*“).
So gewann Albreeht durch des Erzbischofs FreiiniLschaft keine För-
derung. Er bat densell>en wiederholt, ihm wirksame Mittel anzugeben,
durch welche er sich die Nachfolge sichern und den Kai.ser zur Einleit-
ung der Wahlen bestimmen könne. Wolf Dietrich wusste ilmi jedoch
immer nur mit lehrhaften Auseinandersetzungen imd dunklen Uedens-
arten zu antwm-ten. Als am 24. October ItiOl T3’cho Urahe starb, ver-
lor er die einzige Handhabe zur Einwirkung auf den Kaiser, die er be-
sass, und in den liriefen, die er dem Erzherzoge zu schreiben fortfuhr,
vennoehte er nun vollends nicht mehr als Aeusserlichkeiten und Gerächte
mitzutheilon **").
S2S) 8. Briefe n. A. IV, Mi« ff.
329) Die Briefe TulUt&nJig mitiutbeiien» scheint onnßthig. Ich füge daher nar das Wicbtigate
ihrer Auftählaog bei. Fla aind folgende: Wolf Dietrich an Albreeht 2H. Februar D>01, Br».
Secret. (1* Allem. N. 24!l, III , 20 eigh. fatt ganz chiffrierte* Or. Albreeht an Wölf Dietrich
17. Mär2, das. 2.'i Cpl. v. Blaaiait Haet«r. W. D. an A. 20. März. das. 2fieigh. Or. mit Chiffem
[.fimjtorfune Iftst itirh an lUrxfm nrt nit tractierrn .... A'rtiVcr iid ^rines aifjnen ai««« und
trill nellMt herr iteiner reiuthftionen äW«, fu^it auch hahi ar;/n‘ohn.** .... Der niiehvte Weg, die
Kaelifolge in den Erblandcn tn erhalten, i»t, xfmri-.s auf den fall (dm Oatl irmdcj K.
//. mit Hiarhcr hilfantrinttHUij an der hand Mcirn, auch die Machen bei S/ntnia ihJdn unter-
baacHf damit die<tclh frflri7«7i ettitje: m bin ich ^ueter hoff'nnn/f, cm MtK'hte K. IT. an beiden
arten fjeUnfjen W. 0. an A. 2’j. .\pril, daa. 32 eigh. Or. mit Chiffem. [gedruckt in Briefe
n. A. IV, 404 ff.J A. an W. I). 12. Mai, das. 35 Cpt v. Hueter, [gedruckt a. a. 0. 40!) f.
Dort *lo>i im Reindrnek die Klammern veggeblieben , welche die Stelle S. *!)0<) von : „So bin
ich — penetriren mDcbD*“ eineebUeasen sollten.] W D. an 2i*. Mai, da*. 42 eigh. Or. mit
Chiffem, [gedrnckt a. a. 0. oOl fj A. an W. D. l.^. Juni da*. 51 Cpt. v. Hueter. [Er ist stets
der Ansicht gewesen, dass den Kaiser haoptsuchlich Furcht, »eine AatoriUI zu verlieren, von
der Ordnung der Nachfolge abhalt.] W. D. an A. 20. Juni, das. 53 eigh. Ur. mit Chiffem.
[Schickt einen Diseurs Brahes über Albrccbts Nativitat- Brahe bemüht sich eifrig. Albreeht
möge deoselbin beschenken.] W. D. an A. 25 Juli, das. CO eigh. Or. mit (Th [t. Tb. gedruckt
in Briefe n. A. IV, 505 .\Dro. 2. Weiter sagt der Enbisebof noch: „Sonsten lass ich mich
bedanken, diun bnui kaieer der Barritio dem hawat Oexterreich ein oberauss scbedlicher diener
»ei, durch welchen ir vil Qbelss anstiften, dieweil er nitt in geringem cre^lit.*'] W. D. nn Bla-
sius llut;ter. 25. Juli, das. 53 eigh. Or. m. Cb. [Brahe hat „an dem Burntio ein starkhen
contraptüso, welcher den kaiser tu viiem widrigen bewegt“] A. an W. D. 15. August, das. 62
Cpt. V. Hueter, [„Das der Barvitio unser hauss Oesterreich in so geringer consideration halten,
daneben auch sehedliche offUia pra^tiren solle, hat er dessen kein ursacb und ob ich es gleich*
wol bisshrr, weil er diser orten »ein correspondenz lu unterhalten, eich nnlengtt geoossert und
mit besorgender gefehrligkeit entschuldiget, wol suspiciren kuennen,»o wurde ich mich es doch
so weit, als ich es anjezo verstehe, nit haben bereden lassen.“ Das Uebrigo ist gedruckt in
Briefe u. IV, 505 f.j W. D. an A. 29. August, das. U.*) eigh. Or. m. Ch. [Er kann nichts
Abh. d. III. CI, d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. I. Abth. 13
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In Hcitlolbei’i' argwöhnt« man, dass auch
donburg für Albrccht gewonnen sei. Im Juli
der Churfürst von Bran- '
ICÜl hatte Friedrich IV
Sicheres Über Kölns Verrichtung; erfahren. liVni vemimb ich von einer ansehcoUeben
undt vertranten person. «los «ich t^rzhfrzog Mntthia'* auf diese raisa rofowiVHJti» atarkh verlassen,
daa itne auch Cotimknifi» «her vil versprochen und cnt(;egen Mtitthim «ich aner*
l>ottcD, auf den fall mitt d>‘in noch InUtjeH freutdn Wcm in llaifnt zu rrnnffWcM.
Aber man khnn auch dort von Cultmiruttin Terrichtunii; nichts vcrnemiiicii nnd beklagt man «ich
uitt wenig, das man seitt seines« anfTbrucliss von CuhmirnMis deshalben nichts hatt kbinden
vemeinman. loh melncsthailits gbnb, das der will mcnlgHch «atinfaction apurentcr tu geben,
bei Culouieu^iK nit gering, die elTect aber kinden so weitt nitt gelange» und glaub auch, «Us
'.van er nmb tfru kto>,rr sei, das er kliatn eias nitt breche, sonder in allem den hrnnor dex
ktiinrrn secondicr, dan also hab ich in anno Ul autf dem reichstag be^chatTcn befanden. ....
Von dem ifnrritöi soll K. Dt. ich zu berichten uitt underksseu, das «eiucthalbon zimliche nach-
richtaiig vorhanden, das er von denen, so dem fhntarrirh versehrait sein, nitt zum
besten ntlectionnicrt tu sein, starkh eingenommen nndt insonderliaitt Jiniern anhengig. das
■lurch in bis dato vil gehaimna^«en aiiskhomuivn, so besser versebwigen weren gewest, das er
kuiter starkh instigiren nndt wider sein gelegcnbaitt in vilon suchen verfueren soll, das er
auch au den Mlurkeu m'mitoriix nml jtfwcsurn wider hern nlunrauU vor disem, daraoss schier
vil übclss entstanden wer, nitt ein geringe nrsach sampt anderen dergU-ichen toher, nndt ich
trage maine-^Hthnilss wtd sorg, das die sadicu int grumlt nitt vill auderss bcscbatfen, sonder
das villeicht auch cfzherzotiru AfhrechUn rchiUen in iren occasionen nitt ein bü.4en günner
uo im haben möchten Jedoch witisen K. IH. auch, das in solchen fhulen die judicia mber auff
conjecturas als autf einiche gewisshaUt, so niit wol zu erforKclieu, gvstell uudt deshalbeu vil-
leicht fuleu inÖchteii.*’J W. I>. an Hueter -*‘j. Sept, das. TO cigh. Or. Der«, an A. 18. October.
das. 7ö eigh. Ur. ui. Oh. [Die vertraut« Person, von der ich über Kölns Verrichtung in Prag
Näheres zu hören hoiTte, ist gesterD gi'kotnmon. Sie sagt, der Chf. habe wegen der Wahl
nicht zu verhandeln gewagt und sei mit der Ansicht geschieden, da<>s deshalb beim Kaiser
nichts auszurichten sei. Drahe bemQht sich eifrig für Alhrecht,] W. D. an A. •*>. November,
das 81 eigh. Or. ra. Ch. [Von einem Vertrauten des llenogs von Uaiern hat er gehört, dass
der Cbf. von Köln vom Kaiser Auftrag hat. mit Mainz und Trier wegen der Wahl zu roden
nnd Uz. Wilhelm V für Krzbz. Ferdinand ist] A. an W. I>. lö. November, «las. Cpt v.
N Huet»T, [Antwort auf dos Schreiben vom 18. October. Er r«-ehnel doch auf den Chf. von Köln.].
Ders. an dens. 24. November, das 81 Cpt. v- Hueter. W. D. au A. 11. December 1801, das
cigb. Or. m. (>b. [gedruckt in Briefe u. .\. IV, oOT f. Die nächslcii Briefe das. 5ü8 f.]
W. I>. an llnet«r, lÜ. April Uiü2, da*. IV, 28 eigh. Or. m. Ch. [Hier und in Italien wurde
auf das bestimmtest« versichert, dass Albrecht krank sei nnd der Uegiernng der Niolerlande
entsagen werde. Damit wollte man ihm wohl in Bezug auf die Kaifierwabl. von der stark die
Hede ist, schaden,] Ders. an «lens. 1. Mai, das. !i4 cigb. Or. m. Ch. Vgl. Briefe u. A. IV
IIBU Aoiu. 5 und unten. Der Nuntius zu Graz schrieb am K März 16ft2 an Hz. Maximilian,
inau höre dort, „che archifjH/KHijm» agit per literas cum congifianis regis i/tV
/MINI, apud quos conatur nrchulur.rm yrrthuaMhim deprimere et dt-clarare parum aptum ad
magna, praeseriitn ad rvunntu Komunum, ei quo apparct quasi manifest«, favere <irc/Mi/i4o\.4/'
herto, quod hic satis displicuit ct propterea hinc scriptum est, eundem Sfüiaintrgtngcw
non multum posse juvare negotinm Ulnd regig Eommmnm, non enim multos habere amicos.*
Ma. 311/22, 2ܑJ Crl.
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denselben zur Verständigung über die Massregeln, die gegenüber der
Krankheit des Kaisers und für den Fall des Inteixegnuius im Interesse
der evangelischen Stände zu ergreifen seien, eingeladen**®). Es scheint,
dass dabei die Absicht im Hintergründe stand, einen V'ertreter der Ijeiden
Churfürsten und ihrer Freunde am prager Hofe aufzustellen**') imd einen
neuen Versuch zum Abschlüsse eines protestantischen Bündnisses zu machen.
Joachim Friedrich, der sich damals überhaupt von den Pfälzern abwandte ***)
und dem Kaiser näherte***), hatte durchaus ablehnend geantwortet®**).
Gleich darauf erhielt nun Christian von Anhalt die Mittheilimg, dass der Bran-
denburger unter der Bedingung, dass er nach dom Tode des Herzogs
von Jülich an der Besitznahme der Länder desselben nicht gehindert
werde, dem Erzherzog Albrecht seine Stimme für die Kaiserwahl und
seine Vermittelung zum Frieden mit den Holländern zugesagt habe. So-
fort wurde der Burggraf Fabian von Dohna abgeschickt, um Joachim
Friedrich zum Abbruche dieser Verbindung zu bewegen. Der Chui'fOrst
stellte dieselbe entsc’hieden in Abrede, doch beschwichtigte er den auf-
getauchten Verdacht nicht völlig*“) und in der That waren wohl mit
ihm — wenn auch nicht geradezu im Namen Albrechts — Verhand-
lungen gepflogen worden ***).
•SSO) Briefe n. A. I, n. 20;i.
IKU) Vgl. deD Ton Pfalt mitgeacbiclicten Reicht ft. a. 0. n. 200 Aöm 1.
332) Ritter Union I. 237.
3:KI) Vgl. «iMtn S. HI.
3^M) II riefe o. A. I, n. 207
335) A. a. 0. n. 214 and 219.
336) Das ernte der a. a. 0. n. 214 Anm. 1 erwähnten Schriftstücke, wulcho tlerjenige, der tomehin-
Hch die Verhandlungen gi'fQhrt haben sollte, Anhalt mittbeiltc, liegt anch Wi. Successlon.
Matthias, tot, Ks enthilt dort ausser den von Ritter initgetheilten Friedensbcdingangen
noch zwei Punkte, nämlich am Anfanu*o: ..Erzherzog A)l>crtus ist orbötig. wan I. 0. Dt. in
regem et irai>eratorem Romanum erwehlet weHen, da.« hl. röra. reich bei allen Privilegien mul
gerechtigkcitcn tu lassen und vertheidlgen," und am Schlosse: „Zn güetlirher nntcr- und ver-
bandlung [mit den Hcdlundern] wollen bei R. ksl. Mt 1. ft. Dt. selbst ausbitten chf. Pfalz und
Brandonburgfl Dtt, den hmogon zu Holstein» bischoff zu HalbcrsUdt und fürsten zu Anhalt,
welcher clinr- und fl. Gn. wcissung 1. Dt- »ich bequcmben wollen. Signatum die Jacobi [25.
Juli] ICOI." Cnlerteichnet ist dieses Schriflatück von anderer Hand als der, welche es schrieb,
mit: „Hansa Ernst von der Asseburg, m. pr.‘* Es macht den Eindruck eines Originals. Am selben
Orte findet sich, wie schon Harter V, 82 Anni. 106 bemerkte, ein Schreiben von Christof
Sigemund von Bila an Christian von Anhalt: Er ist auf Befehl des Fürsten Johann Georg
100
Die I’fiilzer salieii sicli durcli Bruiidonburgs Haltung zur Uiitliätig-
keit genothigt. Es wäre ihnen nur nocli übrig geblieben, sich mit dem
TOD Anhalt aofort su Hana Ernst tod der hat deoselbeo aber erst nach dessen
[ihckltehr aus IlesacD bei einem neuen Besuche am i>. Norember gesprochen. A. bat ihm er*
klärt: ,, Alles was E fl. Gn er hiabevor dess churrorstlicb brandenhargischen in seinem und
hauptman [?) Molzers beisein pro arebidoce Alberto der rbmiKhen kbnigliehen wähl halber ge-
willigten voii wegen noterthenig berichtet, au Heidelberg churfurstliebcr Pfalz selbsten unter*
tbenigst io der person oder 8. chfl. Gn. herm räthen oder wem E. fl. 6n. solches zu offen-
baren, in gna>dcn rattsam erraeuien wDrden, sofort der nuniehr letzt abzufertigende diencr wieder
anlajigte. obngescheuet zu enbiecken und unterthenig zu vertreten, wie er dann auch, doch mit
gnetiigem vorbewost und rat hochged £. fl. Gn. geliebten herrn bruedern Volrabtten von Pless
Bolcbs alles mündlich dnreh meine wenige peraohn zu erkennen gegeben und vor ihm bez*mgen
lassen, das er vor Gott, hnebstgedaebter chorf. Pfalz und menniglich ufn notfall in undertbe-
iiigkeit aussagen könte und wolte, dass diese ganze sache an E. fl Gn. von ihm au»« unter-
theniger treuherziger aflVtioo zu allgemeines ratterlands desto mebrem verboffenden ruhen und
frieden nntertheuig und dobei nicht mehr oder weniger als was in rechter, gründlicher sich
knnflig mer erweisender warheit ihm wohl bewust, untertheiiig bericht worden, und dass er-
raelter von Ph'ssen solchs seines berichta, so er mit einem an ihn, dann auch fürstlicher TH.
und furst Peter Ernsts zu Mansfeld an ihn, den von der Asenburg getbanen und sambt etlichen
articulo E. fl. Gn. onterihenig gt-zeigeten sclitviben belegen lassen, zu E. fl. Gn. desto mebrer
ontscbuldigung geburlich nnterlbenig eiodenk zu sein, sieh nicht besebwern wolte, mit fleiss
suchen lassen, der von Plessi n solchs alles auch in frennd.schaft von ihm , wie ich mich ver-
merken [?] lassen, aufgeuommen, vertraulich zu behalten und zu vorfallender gelegeuheit unter-
thenigst, insonderheit zu E. fl. Gn. besten, eindenk zu sein, sich unterschiedlich erboten. So
ist auch an E. fl. Gn. mein ganz uutertbenigs und holies bitten, E. fl Gn. in gnaden geruhen
und des von der Asenburg und mein goediger furst und Herr zu sein und bleiben ...« auch ge-
wiss dafür zu halten, dass an untertheniger müiglicbkeit nichts erwindon soll, Gott helfende, E.
fl. Gn. unterthenig getliane bericht mit mebrem, sonderlich der chfl- brandenb. scbriftlichen erkte-
rung zu bosterken, also E. fl Gn zuforderst, demnach uns aus allem inisdenkcn nnd Verlegen-
heit zu erretten In eil Reupzig den 1 [11] november an. 1601-** Eigh. Or. Diese Schrift-
stücke geben Über die Quelle der Mittheiluogen CbristJans von Anhalt Auskunft Durch ihn
dürften sie an den Kaiser gelangt sein , da a. a. 0. auch das Schreiben des Gbf. von der
Pfalz an ihn, worin dieser ihn a. August zu einer Besprechung mit dem Administrator
von Sachsen und zur Abordnung Dohnas an Cburbrandenbtirg beauftragt, im Original vorliegt.
Vgl. Briefe u. A 1, n. 214 am Schlüsse. — Asseburg stammte aus den jUlicber Landen und
kann von da ans mit dem brüaseter Hofe in Verbindung gekommen sein. Was die von Ritter
erwähnten Bedenken gegen dis Echtheit der von Asseburg den Fürsten von Anhalt gezeigten
Briefe des Erzhzs. Albrecht und des Fürsten Peter Emst von Mansfeld betrifft, so scheinen
mir auch die nicht schon von Bitter beseitigten unerheblich. Die Auszeichnung, womit Asse-
bürg behandelt wird, erklärt sich daraus, dass er nicht belgischer Untertban war. DassMans.
fcld den Erzherzog „den durchlaachtigsten Fürsten und Herrn" und den Chf. von Braivdenburg
nicht Licbden, sondern Gnaden nennt, ist regelrecht, da er als erst vor einigen Jahren durch
kaiserliches Deere! ernannter Reichsfurst einem Erzherzoge oder Churfürsten nicht gleicbstand.
Die Verschiedenheit der Anreden an Asseburg erklärt sich durch die Verschiedenheit des Ranges
der Schreibenden. Für die Echtheit der Briefe spricht auch das Urtheil der Auhaltiner, welche
dieselben für Originals hielten; dass Asseburg sie durch eine Filachung getäuscht habe, ist
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101
Könige von Frankreich in Fhnvoniehnien zu setzen. Hierzu trugen sie
jedoch so wenig wie früher Lust. Sie trauten ihm seit seinem lleljer-
tritte zum Katholicisinus nicht mehr und zu anderen Gründen der Verstimni-
img kam , dass Heinricli im strassburger Bisthum.sstreit nicht lediglich
die 'Wünsche der deutschen Protestanten mit seiner Macht durchsetzen
wollte uml dass er mit den Hugenotten und mit dom Herzoge von
Itouillon in Zwist gerieth. Sich für seine Erhebung zum Kaiser zu be-
mühen, waren die Pfälzer ohne Zweifel nie geneigt. Sie konnten nicht
verkennen, dass das vergeblich sein werde; das nationale Gefühl, welches
sich gegen den Ucbei'gang des Kaiserthums an einen Ausliinder sträubte.
iKJcintlusste auch sic und sie fürchteten, dass der ülunnniichtige, absolu-
tistisch regierende König der deutschen Libertät und Ijesonders ihnen,
seinen Nachbarn, gefährlicher werden könne als ein Gesterreicher*').
Heinrich IV sell)st hatte sich, als die Ordnung der Nachfolge nicht
so ra.sch, wie er erwartet hatte, erfolgte, aufs neue mit dem Gedanken
beschäftigt, seinei’seits nach der Kaiserkrone zu trachten. Im Anfänge
des Jahres 1601 liess er die P'rage von Vertrauten an seinem Hofe und
von seinem prager Gesandten Ancel erörtern”"). Dann verzichtete er
jedoch endgiltig auf eine Hewerbuug”’). Als ihn der Landgi-af Moriz
nicht wahrscheioHcbf da dietelbe za schwierig gewesen w&re. Wir werden also annehmen
dürfen, dass Albrocht darch Asscbnrg and den diesem beigegebeneo Haaptmann Mulzer den
Cbf. TOD Brandenbarg für sieb za gewinnen sachte. Dass ferner Joaehitn Frie«lrich sieh unter
der oben orwafanten Bedingung zar Unterstützang Albrechts geneigt erklärte, ist nach seiner
dem Erzherzog Maximilian im Februar 1601 ertheUbeu Antwort nicht unwahrscheinlich. Nar
dürfte er nicht eine so bestimmte Zusage gegeben haben, wie A&seburg beliauptete. Wie weit
die Friedensbedingnngen für IIollaiMl den Aufträgen Albrechts entsprachen, muss dahingestellt
bleiben.
337) Vgl. das Gutachten Ancels and das Boratbungsprotokoll in Briefe u. A. I, 8. 299 n, 440 f.
338) Lacombe Henri IV et aa poHtiqne 493 ff. und Briefe u. Acten 1, n. 224. Ritter sagt,
das letztere Gutachten müsse im Jahr 1000 oder vor dem 3. October 1601 Terfaset sein. Es
kann nicht nach dem 5. April 1601 TeKaait sein, da der am 7. Juni 1599 erwählte Chf. Lothar
von Trier als „noureau et de peu d‘antorit^“ bezeichnet wird, bei dem Chf. ron Mainz aber
ein solcher Zasatx sich nicht findet, sondern seine Politik als bekannt und feststehend geschildert
wird. Es kann also nicht der am 15. Mai 1601 erwählte Cbf. Adam gemeint sein, eondem nnr
sein Vorgänger Wolfgang, der an dem erstbezeichneten Tage starb. Ich möchte das Gutachten
in dieselbe Zeit wie die bei Lacombe erwähnten setzen.
339) Vgl. Barotzi e Berchet Relazioni degli ambasciatori Veneti II, I, 149. Der Geheimrath
des Cbf. Ton Köln Bille schrieb aus Lüttich am 18. Juli 1604 an Hz. Maximilian Ton Balero,
der Ul. Ton Nerers habe auf dem Wege nach Spaa drei Tage bei ihm gewohnt und ihm ge*
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102
voji Hessen im October 1602 bei einem Besuche dazu anfiorderte, er-
widerte er durchaus ablehnend. Er sprach nur davon, ob sich nicht
Baiern den Oesterreichem entgegenstellen lasse, und beauftragte schliess-
lich den Landgi-afen, für jenes bei den Churfürsten 7.u wirken“'). Auch
dos war ihm jedoch schwerlich rechter Ernst'*'), da er selbst in dieser
Richtung weder bei den Churfürsten noch bei Baiern Bemühungen unter-
nahm und es geschehen liess, dass Moriz seinen Auftrag erst einige Jahre
s|>äter wenigstens in beschränktem Umfange vollzog“'). Er dürfte sich bei
den Versicherungen Ancels, dass Rudolf II Spanien und dem Erzherzoge
Albrecht abgeneigt sei und überhau|>t niemals in die Ernennung eines
Nachfolgers willigen wenle, Iwruhigt’**) und nach wie vor die Wahl des
Erzherzogs Matthias für wahrscheinlich und unbedenklich erachtet haben.
Unzweifelhaft würde diese auch trotz dem Wideretrehen der Philzer und
trotz den Wünschen Spaniens, Albrecht«, des Churfttrsten von Köln und
des Pajjstes erfolgt sein, wenn Rudolf gewollt hätte. .\ber dieser war
nicht zu bewegen, sie zu betreiben oder auch nur zu gestatten.
I.\.
Des Kaisers Gesundheitszustand besserte sich seit dem Frühling des
Jahres 1601. Die Hallucinationen und Beängstigungen stellten sich nur
noch selten, bei besonderen Anlässen, wie etwa zu den Zeiten, wo der
Kaist>r zu beichten j)degte“‘), und auch dann in mindeivr Heftigkeit ein.
„cbc ü ri> di Francia haT«a rocdiio «npra la corona impcrio, p«ru da
quattro anni in qna n'harca Icvato il pen^icro et o^ni prattica» bareodo riconoscioto, cbö nctn
saria ütato Talile delU aaa corona.** Ma. oi^b. Or.
340) Cbr. T. Kominel Goeebidite von Hessen VII, 4tVJ IT. Briefe a. A. I, 400 f. VgK Siri M«-
Diorie rccondite i. 10.‘> f. 173.
341) Darauf deutet noch, dass Heinrich in seinem Schreiben an Bon^arg, worin er über die Ver'
banJlungen mit Moriz berichtet, diesen Anftrag gar nicht berührt.
342) Wie Moriz damals mit Uaiern rerhandelte, wird im V. Bande der Briefe n. A. nützotheilen
eein.
343| Vgl. Uoinmel a. a. 0. 4ß.V
344) Vgl. oben Anm. 27(1. Giacomo ITendramin, Seeretar der renetianischen GesandtschaH, der, nach-
dem Dnodo am 3. Norember lß02 abgereist war, bis zum b. October 1603 die G^chafte rer-
sab, schrieb am 17. Mürz 16(j3 dem Dogen: „Li giorni passati Tlmperatore e stato talmeotc
travagliato, |«r qaello che dicono, da catarro, che non k uacito di camera, maoeo per aodar
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103
Die Mighaiullungon seiner Diener hörten auf*“). Täglich besuchte er wie<ler
die Messe ®^*). 5Iit den Kapuzinern söhnte er sich aus und gab ihnen zur
Eutscliadigung für die ausgestandenen Aengste zweitausend Thaler’''). Er
ergänzte seine Umgebung, welche während seiner Krankheit durch Ent-
lassung oder freiwillige Entfernung der Kuiuinerherren und Diener ge-
ftlla come soleva far oeni rnattina, et cori la notte come U ^iorno ba matulato a cbianiar
cpCAM) il medico Goarinoai per consig^liarsi sceo. come fa per ordinariu, qoando il bii^o^DO Ic
pare gmve. Jo }>erb ho 8co{i€rto Ja persona rnia coiiliiente et ehe lo puu 8a|»cro, eh^ il male
eia maj^ifior <li opinione clic di ciTetto vero, perchti approRsimanJosi la Acttiiiiana itanta, nella
qualti S. suolo coofctiaarM et commanicarsi. riesce di ^ran peso alla S. questa foiitiune
et haremlo particolanminte dimandato, »e il Pistorio, «uo ronffssorc crtlinario, h a Prafi^a et
flendole gtatodcttoche non, si e moltu altcrata, coat prrclie non le piucc il farlo chiamare, come
aitco, perebe la inutatione le rie^ce noiosiRaima. iton sapendo a cfai voiUr«i.“ Immer, wenn er
die Sacrament« empfangen hat, wird er plutxlich heiter „pareudole «Rser fnori di an gran tra-
vaglio/* 1). V. 12 Ur. Am dl. Marx Wriehtete Vendrauiin: ..Pnsfib la S. il merrordi
aanto. giorno ordinario, nel qoale anole confei)«arai et commnnicarRi, senza farlo et la notte,
\encndo ü gioredi, loandü a chiamare il Guarinoni et lo trattenne foral doi höre, ragionando
quaai sempre attorno queslo et adducendo di non aentirsi molto bene, Toleva prolangare la
fantionc al sahbuto. ma hnalmente il medico raffatico ianto. che la fece risolrere u farlo la
rnattina del giovedi et bora sta bene, poich« ai trova fuori di qticl travngUo Con tutto queäto
bavendo roluto li pailri cappunini far uua procesaione attorno una gran piazza cb’^ avanti il
loro monasterio, con forse sedeei tra Spagnoli, Italiani et Bobemi che si battevano [geUselten]
et arrirar con essa ail an' altra chiesa ch*e poco lontana, le fcee S. intendero. ehe non
«'allontunassero dal loro monasterio, perebe easeudo qni tal cosa nora, non haTerebbe voluto,
cbe le fosac fatto qaalcb* insolenza; ma in effetto ha lei teinuto, cbc s'avvicinassero tanto, che
lo occorrcsae di veder a far quel aegno di ^tenitenza.** i). V. HS, Or. Diese Mittheilungen
und namentlich der Vorfall mit den Kapozinern erscheinen mir als Bestätigung meiner oben S. 4-S
aafgOfsteUten Vermuthong über die Ursache der Scheu Kudolfs ror der tkichte. — Pistorios
[s über ihn Briefe u A. IV, 10 Amu. 2 und im BegUter s. v.] kam im Norember 1600
auf Berufung des Kais>‘rs nach Prag. Bon garst et Mngelsbemi epp. p. 1.H6. Jakob Heil-
brnnner schrieb am HO. Juni ltM)l an Philipp Marbach: „Quid Pistorios in aula linpcratoris.
ubi, quantnm ego quidem intelügo, cliamnunt haeret, machinetur, facile divinare licet. Xuper
confessiouari US rel poenitentiarius Caea. [nomlnatum?] fuissc atque ab eadem ainplos re*
ditus aniiuoa obtinalsss dieitur. Dominos contundat Achilopbelem illam cum Omnibus suis con*
ailiia.'* J. Feclit Epistolae ad Marbachios p. 7U2.
64Ö) S. Beilage XVII. Pistorios schrieb am 2. April 1601 au Hz Maximilian von Baiern: „Mit
1. Mt. steht cs (Gott lob) besser als bissanhero niemals, das wir uns nicht genugsam Torwon*
dem körnten und hoffen, es sei alle gefahr vorüber, welches desto gewisser wehr, wann 1. .Mt.
der natur ein wenig zo hilf kernen, so gleicbwol schwerlich erfolgen, aber doch mit der zeit
noch hoffentlich besch«ben wird.** Ma. 350/51, 9 Or.
346) S. Anm. :144.
347) Duüdo an den Dogen 22. Märi 1601, D. V. 31, 15 Or.
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liclitet war***), mul war auf die Wiedpi-bosotzung der erl<*dif!;ten vor-
nehmen Hofiiiiiter und llathsstellen *"') bedaclit.
Wir haben erwähn^ wie Chri-stian von Anhalt hoffte, ilem Churfürsten
von der Pfalz leitenden Einfluss l)ei liudolf zu erwerben, und wie auch von
anderer Seite die Meinung gehegt wurde, diiss der Kaiser gern protestan-
tische Fürsten als Ilathgeber an seiner Seite sehen unil Glanbensgenos.sen
derselben als Itiitlie bestellen wenle ““l. Nocli um die Mitte des .lidires 1001
hatten der Churfürst von der Pfalz und der Markgraf von Ausbach bo-
Manbart an Hz* Maximilian 2. April lüUl; kal. Mt. haben jetzt in wenig tagen vier hof-
(lienerplix ersczt, unter <lenen auch dem Caspar crjatallachneidcr, bei K. H. Dt. villeicht wo!
beVant, auch ainer gegeben worden nml gilt diur jezt anch etwas in accessn ad Impcratorem/*
Ma ‘lO/lO» *10* Or. Caspar ist wohl der bei Harter Ph. I^ang 164 erwähnte Kammtrstein*
Schneider Lehmann.
340) Vier Reicbsbofrathe waren, wie Manhsrt in dem in der vorigen Anmerkung erwähnten Urief<»
bemerkt, gestorben: Georg DesiJerius Freiherr Ton Franenkofon, [er war iriO'JiT Reicb^kammer^*-
ricMsprasident, G. M.d« L ad olf De jure eamerali commentalio systematica. Ap)wndiz p Kl ; am
2K. Novembrr 15h:1 wurde er bairischei Hofrathspräsident, schied jedoch schon LWi aus dem
Dienste, Md. Hofzahlamtsrechnungen.] ßoziieim, Wambolt Ton Umbstatt und Freiherr Christof
von Schlpiniz. l^etzterer starb nach Herichten Prüntls t. 1ü. and 26. Munt zwischen diesen
Tagen auf der Rückreise von Brannschweig. Vgl. über ihn Briefe a. A. IV und V Register
8. T, Das Verzeichnis der Iteichsliofräthe bei Ranke Z. d. Gesell. 2K7 ist fülgenilcrmasseQ zu
ergänze» und zu berichtigen: .Hufraete: [Freiherr Hais Friedrich vonl Hofman und Schleinitz
pro forma; «erden zu keinen geheimen Sachen gezogen; [dies wird hier ohne Zweifel deshalb
behauptet, weil beide Männer Protestanten waren; dass die Angabe unrichtig ist, beweist
Mhon der Cinstand, dam beide Vicepräsidentm, also die eigentlichen Leiter de« Keichshofratbcs
waren.] junger her [Kerditiand von] Trantson, [Hans Chri'-^tof] Zott von Perticek (vorher in
Innsbmck] [Hans Heinrich von] Nenhausen, [Johann Ludwig von] UIro [der 1612 Keiclisvice*
kanzler wurde, seit 15!r2 am Hofe. Hammer Khlesl III, n. 4oü, Kherenhiller Contorfet
11, 78; b. Joannis Kerum Mogunt. Scriptores I. IloO wird er ad a. 1601: „nobüitate doetrL
nammque nsu pra<'ataDtis.simus“ genannt.] diese drei adflstaiit«, heftig papistisch; gelorten; dr
[Paul] Garzweilcr [s. Briefe u. A. IV a. v.) perseentor, dr. [Michael] Khcm [s. a. a. 0. u.
Stieve Ursprung de« dreissigj. Kriege« Ij referendariu«, dr. [Johann Matthäus] Wacker [von
Wackerfeis s. a. a. 0. und Zeitschrift f. preuas. Gesch. V, 70, Burma nn Sylluge epp. 1
421, 431, 432, *a04 IF. D. Kudolphi II epp. 303 und C. Scioppius cptstola de sua ad
ortho<loxos migratlone 1600 p. l n. 6] und [Hubert] Giphanius [s. A. Wolf: Lnca« Geitkofler
140 und Prantl Gesch. d. Lndwig*Mazimiliansuniver«itat, I, Register, Briefe u A. IV, desgl.
Stiere Polizeiregiiueiit unter Hz. .Maximilian von Baicrn 66] apostatae, [Andreas] Hannevrald
[über ihn s. Briefe a. A. V.] nunmehr reichshofrat.*' — * Fyzinger Rel. historica LVJ3, II.
77 erwähnt znm Jnii 1563 die Anstellung von Fraoenhofen, Freiherr Alexander von Sprinzen*
stein, gewramem uiederöstcrreichiacheni Kaminerrath. Zott. Garzweiler und Barritius [di^e beiden
wurd.-n nach einem Berichte .Manharts v. 21. April LWt .Ma. 50/7, 12, Or. Mitte April Reichs-
hofräthe,] Kr ftigt bei, es sollten noch drei Doctoron angesteUt werden, so dass der ReichshoL
ratb doppelt so stark als bis dahin besetzt sein werde.
350) S. oben S. 76 und 79; vgl. Briefe u. A, I, n. 195 Änra. 6.
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105
absichtigt. iu dieser Itichtung durcli die (Jesandten, welche sie \md ihre
Freunde damals nach Frag geschickt hatten, auf Rudolf einwirkeii zu
lassen. Die Vertreter der übrigen Füllten hatten jedoch ihre Mitwirkung
versagt“'). <Tewis.s würde auch nichts eri-eicht worden sein. Der Kaiser
war über die Einsiii’uche gegen die Gerichtsbarkeit des Keichshofrathes
und über die Verweigerung der rückständigen Türkensteuer, welche durch
Jene Gesandten übermittelt wonlen waren, empört*“). Ueberhaupt hatte
er, seit er ruhiger geworden, der Neigung, mit Protestanten iu Verbin-
dung zu treten, entsagt. Wir hören nicht, dass er noch mit solchen
verkehrte und Berlichingen musste im Januar des Jahres 1602 den Hof
verlassen“*).
Dort erwartete maii längere Zeit, dass Rum)>f oder wenigstens
Trautson wie<ler zm-tickberufcn werden würden“*). Es geschah jedoch
nicht, obwohl der Kaiser sich ihnen sjiäterhin. wie erwähnt, wieder gnädig
erzeigte’“).
Als Ersatz für sie gedachte der Kaiser anfangs den Grafen
Karl von Hohenzollern und den Freiherrn Rudolf von Polweil zu ge-
winnen, die er gleich nach der Entlassung jener aufs neue“*) zu sich
berief“’). Es wurde lange mit ihnen verhandelt *’’*). doch erfolgte ihre
3.M) Ä. ». 0. I, n. -ioc, 201 n. 200.
3.52) A. ». 0. n. 215 nml 21". Im fOiiftsn Bsiuli' wird Weitere» niitiathcilcn sein.
353) S. Beilage XI Arnn. 2. Vgl. Hnrter Philipp I.ang 104.
3.54) Präntl an Hx. Maximilian Ton Baiern 7. Octobor 1000, 5. und 19. Febmar und 23. April 1001.
Ma. 50/10. 64, 13» , IS» , l» Orr. Ara 14. April berichtete Manharl demaelbcn; Der Kaixer
bat Peter Koder, den Tielbekannten Diener Rumpfs, der auch Hofdiener war. verhaften and in
Ketten nach dem fOnf Meilen von hier liegenden Schlowe BOrglii bringen lasaen. Da alle
»eine Sachen versiegelt worden sind, meint man, dass auch wohl Rumpf selbst noch in Gefahr
kommen könne Die Ursache der Verhaftung soll sein, das» Roder kecke Reden gethan und
als der Kaiser ihn deshalb answiea, Prag nicht sogleich verlassen hat. A. a. 0. 42 Or. Am
at. April meldete Präntl. Roder »ei schon dnreh eigens verordnete böhmischo Landofttticre
verhärt ; man halte die Sache sehr geheim. Der ehemalige Secretar Rumpfs und jotxigc Agent
de» Erxhis. Matthias Wittenhorst sei abgereist; man wisse nicht, ob da» mit Ro.tera Verhaf-
tung inaanimciihSnge. .Ma. .50/10, 49 Or. Weitere Nachrichten fehlen.
355) S. S. .54.
356) S. S. 42
357) Präntl an Hx. Maximilian von Baiern 11. und IS. November lOOO, 51a. 50/10, 24 n. 73 Orr.
Bougarai et I.ingelshemi epp. 136. Vgl. oben S. .55.
358) Polweil reiste erst Anfang Februar 1601 ab Manhart an Hx. Maximilian von Baiern 5. Fe-
bmar 1601. 5Ia. 50/10, 11 » Or. Präntl erwähnt Zollern noch am 29. Januar 1601 als anwesend.
Das. 9» Or.
Abh d.IU.Cl.d.k.Ak.d.Wi*s.XV.Bd. I. ibtb. 14
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10«
Krnonniiiig nicht. Vennuthlich trugen sie seihst Sclieu. sicli den Launen
ItudoUV. preis/.ugehen und die durch diese überHUS erschwerte Aufgabe,
welche ihnen ange.snnnen wurde, zu übernehmen
So blieb denn Liechtenstein Verwalter des Obersthofmeisteraiiites
und des Vorsitzes im geheimen Käthe“'), Mollart Verweser des überst-
kämmereramtes“"). .\ls Obei-sthofniarchall wuitle am 12. .Miirz 1602
Jakob von Brenner. Freiherr zu Stübingen, eingefühit i. I)en Voreitz
des Keichshofrathes übernahm Anfang April ItiOl der Landgraf Georg
Ludwig von Leuchtenlwrg doch weilte derselbe damals und in der
Folge nur vorül>ergehend in Frag. Zuin Naclifolger dtw Hofkaniuier-
Jt59) V'gl. Beilage XVll. Duodo berichli-t** über Zollern am *^5. Norcmber I6<)0: ,,E in concetio di
dover eisore msggiordomo maggiore, ma p«r non in(«nd«re ue parlare altra iingoa cho l'Ale-
mana. viene stimato gran CMntrario i>er qacata carica.” D. V^. 315 Or. Polw«*!! rrtchoint
im selben Jahr« ab) Statthalter itn ö4«rreichiacbcn Elaa«!». Agricola Historta provincia« S.J.
Gcnnaniae loperioris III, •>.
'160) Soioe endgültige Krncnnnog erfolgte erst im J. 1606; am 30. Ociober wünschte ihm Kmhi.
Albrecbt Glück daxn and erbot sich zngleicb xn •wirklicher Krkenntois für sein« gute Gesin-
nung.* Bra. Sccret. d'Allem. N. 305, 2 Copie.
361) Am 2t>. Janaar 1601 meblete Frantl, Mollart solle ernannt sein, sei aber nocii nicht Torgestellt
womlen. Ma. 50/10, 9* Or. Ob er endgültig i'rnannt wunle, ist nicht überliefert. Vgl. Hammer
Khlefl I. U*7 Anm. 1.
862) Manhart an Hz. Maximilian ton Baiern: Der Kaiaor bat letzten Dienstag Breuuer nU <')berat*
hofmarsehall «auch voikomlich installiert." 16. Marx 1602. Md. Generalia, Zeitnngen 1. Or. Am
19. Januar hatte M. gemeldet» Brenner „berait angenommener hofmarschalk" werde nächstens
kommen. Ma. 50/17. 162 Or. Am 24. December 1603» wurde B. als geheimer Bath installiert.
Bericht Hodenini' an Hx. Maximilian von Baiern t. 29. Ma. 50/11, 127* Or Vgl. über ihn
KhoTeiihiller Conterfet II, 219 nnd Harter IV, 111.
H6^l) Schon am 22. Jnni 1*V.^ war er wahrend des regensbnrger Ueichtages xnin Iteichshofraths-
prisidenten ernannt worden, Briefe u. A. IV, ]k5 Anm. 4, doch hatte TranUim, wie ea
scheint, das Amt weiter verwaltet, obgleich B. seitdem den Titel führte. Bei jenem Keiclistage
war ihm vom spanischen Gesandten aach eine spanische Pension und das goldene Vliess ver-
sprochen worden. Um Beides mahnte er wie in den vorliergtdienden Jahren wiederholt so noch
am 5. Janaar 160H bei Erxhx. Albrecbt an. in dem letzteren Briefe mit dem melancholiechen
Znsatxe: ..ich bin zum Unglück geboren." Hra Secret. d'Allem. N. 2^16. 8, 7, 9, 22. 2^ eigh.
i^rr. Am IH. Augast 1600 meldete Duodo: B. ist zum Reichshofrathsprasidenten and {^buimon
Käthe ernannt worden signore cattolico et in molta stima nella Germania et si tieo«.
che Sara atata ottiina elettione." Er ist vor einigen Tagen wieder abgereist und es heisst, er
werde erst im Januar zurückkehren. D. V 30. 1K9 Or. Heinrich von Haslnng berichtete am
14. August DM)0 ans Frag, es seien ihm OüoO 61. tiebalt versprochen. .Ma. 147 1.5, 9 Or. Am
17. Miirx IGOl kam er wie<ler nach Prag, Anfang April wnnle er aufs neue ernannt und führte
am 13. zum ersten Male den Vorsitz. Berichte Prantls v. 19. März und 15. April 1601. Ma.
50/10, 22* und 50/17, 47 Orr. Vgl, Briefe and Acten IV. Hegisti-r u. Stieve Ursprung 1,39«.
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1U7
Präsidenten Hofinann“') wurde iin Februar 1602 Wolf von Unverzagt,
Freilieri- zu Kbonfurtli und Itetz. ernannt“^). Am 16. November des-
selben Jahres endlieli wimle Graf Friedrich von Fiirstenberg als gelieiiner
Rath vereidigt ’**). Ausserdem traten vier neue Reichshofräthe in Dienst**').
Die Wiederbesetzung der Aemter beseitigte indes nicht die Langsam-
keit und die Unordnung in der Erledigung der (res<'hHfte. welche durch
die Erkrankung Rudolfs und namentlich durch die Entlassung der alten,
mit allen Regierungsangelegenheiten w<jhl vertrauten Minister herbeige-
führt worden waivn.
Vgl. Anm. 125, S. 50 tiD<1 Beilage VII. Am 4. Deceinber PtOO berichtete Daoiln, Hofniann sei
entlassen wonUn, „cm vecchio et heretico“; als Nachfolger nenne man ,JI s' |;*rainer (Peter?J
bnonissimo cavagliere ot cattoUco,** D. V, 30, 2^3 Or. Am 0. April 1601 nennt jedoch Printi
tmt^T den „vornehmsten camemles“ an erster Stelle einen HofmanQ, der wohl nnr Ferdinand
sein kann. Jfa. 50/10, 38* Or.
365i Hammer Khlest 1, 205 nnd Hormayr Archiv 20, 2-4T. Er erscheint 1562 ff. als Hofoecretär
2Q Wien. Hammcrl,28,:t0; 1571— 78 als Keichahofrathssecretar, Bau pach Evangelische« Oester-
reich 11, 2<.hü, 260, 208; 1503 als Kanzler des Entlirriogs Matthias, das. IV, Beilage 36. Vgl. oben
S. 30 und 5fi. Hammer Khlesl I. PlÖ, 13U, 10-5 ff. 230 n. 137, 141, 144. 167, II. n. 261
tS. 1781 und Raupäch IV, 154. In einem Berichte an Hz. Wilhelm von Batem v. 12 Dec.
1503 bezeichnet der wiener Agent Huberstock Unverzagt als „qnasi omnipotens“ bei Matthias.
Ma. 147/11, 102 Or. Manbari nennt ihn .am 7.Sept. 1503 den .,fumemb«ten mann*' derErthzz.
Ernst and Matthias. Ma. .50/7, 17 Or. Am 26. Mai 1602 «rhrieb derselbe: „Herr Unverz^t
thnct grosse Sachen in seinem neuen dienst des hofeammerpraesidentenampU, als dass sich
auch I. Mt. und die lurnembi^ten alliie darüber verwundern. Er »oll bereit das kringswesen
mit guetter verUg bei 300000 fl. an geld niid sonst auch mit der prufant ein solche fürsehung
bestelt haben, dergleichen noch nie beschehen.'* Das. 175 Or.
366 » 0. Vendramin an den Dogen 18, November 1602 D. V, 32, 251 Or. Er bemerkt: „fe »oggettu,
dicono, di molta esperienza et fo alire votte presideiite d<'Ua eamera dl äpira/* Der K^ser
selbst habe der Vereidigong ang* wohnt und sich dann mit K. allein eine Zeit lang )»esprochen
F. kam Ende Augnst nach Prag. Bericht Manbaits v. 2. September DMr2, Ma. 50/7, 188 Or
Wie Bodenius am 3], August meldete, verhandelten Hornstein und Flarvitius mit ihm. doch
wollte er anfangs nicht annehmen. Ma. 50/17, 125 Or. Vgl. K. .Münch Geschichte d^ Hausrs
ond Landes Fürstenberg II, 237 ff. — Ueber die Versuche des Cardinal« Dietrichstein geheimer
Uath und Cardinal-Proteetor für l>ent«chland zu worden vgl. Chlumecky Carl von Zierotin.
247 ff, G. Vendramin meldete am 4. November 1602, D. sei am *2. nach Prag gekommen , um
Mitglied und Priaident des geheimen Küthes zu werden : man glaube nicht, dass es ihm ge-
lingen werde, „essendo egli tutto 8pagnolo et poi eccUaiastico." D. V. 32, 2i0 Or. Am 0. De-
cember beriebtete er, D. habe Audienz gehabt und neben der Protection u. A. „licenta di pu-
blicar an editto contra li hendki sotto|M>Bti alla siia giurisdittione^' verlangt; hierauf ..l'lm-
pemtore l'ha lodato molto dcl zolo ehe ha nella religione cattolica et le Ita data IntentioDe di
compiaeerlo das Edict sei schon veröffentlicht. Das. 2W Or. Am 2**. December versicherte
Vendramin, die geheimen Käthe begünstigten D. in Bezug auf das Protectorat, Barvitius aber
sei für Paravicino; dos. 271 Or. Daun erhielt D. den Titel eines geheimen Käthes „ma non
entrata in eonsiglio.” V^^ndramin *40. Dec. 1602, das. 275 Or.
367) Ein Graf von Oettingen, ein Graf von Lippe, Dr. Christof Schwarz und Dr. Engelmeyer.
14»
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108
Das Leiden Rudolfs wirkte nach. Der venetiaiiische Gesandte Duodo,
der, um sich zu verabschieden, ini October 1602 Audienz erliielt. fand
ihn sehr g;ealtert und krankhaft bleich““). Er vermochte sich nicht der
schwennüthigen Verftiinnnmfi und der Menschenscheu, die ihn l)efallen
hatten, zu entringen. Auch l>lieb ihm di(^ Furcht vor Attentaten, welche
durch eine Pwphezeihung Rrahes. er werde wie Heinrich III von Frank-
reich durch einen Mönch ermordet werden, befestigt worden sein soll.
Nie Hess er sich mehr in <ler Oeffentlichkeit sehen“''), verborgen wan-
delte er durch die Giinge und Gallerien. die er sich im .Schlosse erbauen
Hess, und durch die Garten und Stulle, die kein Fremder betreten durfte:
sogar in der Kirche entzog er sich den blicken. Niemand ausser seinen
Dienern durfte ihm nahen, ohne dass er ihn berief’'"). Ausseroiiientlieho
Gesamlte und Andere, die in ihren .\ngelegenheiten nacdi Prag kamen,
mus.sten in der Regel Monate lang warten, ehe sie vorgelasseii wurden,
und erhielten dann die Weisung, sich auf eine möglichst g((driingte ,\n-
gabe ihres Begehrens zu beschränken“”). Die ständig am Hofe weilenden
Gesandten konnten Jahre lang kein flehör erlangen. Hatten sie etwas
anzubringen, so mussten sie es schriftlich thun”’) und derselbe Weg
mn.s.ste in der Regel überhaufit in allen Geschäften eingeschlagen
werden’”). Die Ueliermittelung dei' Eingaben lag nach wie vor in den
Händen der Kammerdiener und anderer untergeordneten Leute aus der
nächsten Umgebung des Kaisers und deren Wort war wie für die Er-
ledigung jener so für die Verleihung von Aemtern .und Gnaden von
weitgreifender Bcsleutung. Der mächtigste unter ihnen blieb Machowsky.
;368) Bericht Daodos r. 7. OttÄber UiU'J I> V. ;{2, -JO« Or.
869) i’ranti an Hz. MaximiUan Ttm Haiern April 16bl: Man hoffte. «1er Katiter wenlf zur hi
Zeit in die Kirche koinmcu un<l dich wieder einmal sehen lassen, wie denn im Dom un«l in der
Allerhcili^enklrclie BoUtühte fOr ihn lier^richtet worden. Kr ist jedoch nicht «Mvchlcncn; ea
hrisst oar, er «ei rerbor^en in der Kirche i^ewesen. Ma. Äy/l«, dtf Or, V'fjl. Beilage XVII.
870} Dttodo an drn ik>gcn 11. Juni 1601 : „8. non iasciandosi parUre, »e non a chi lei ruolc.'*
D. V. 81. 88 Or.
871) Vgl. Briefe n. A. T n. 198 Z. 8. Die protestantUchen (iosaadten erhielten wohl so rasch
Anilicnz, weil sie der Kaiser entfernen wollt«.
37*2) Berichte Dnodoa t. 15. October 1601 [der rranzöei&cbe Gesandte konnte keine Audienz erlangen*
um die Gebnrt dea Daa{>hin.s anzuzßigen ] 80. September u. 7. October 1602, D, V. 81, *20?^,
82, *204 u. *206 Orr. Sic sind anch im Fulgenden benutzt. G. Wndratnin schildert in Berichten
T. 24. un<l 81 Miirz 1608, welche Mähe es kostete, nur zu erfahren, ob der Kaiser eine Ein*
gab« wirklich gelr-sen habe Das. 88, 24 u. 28 Orr.
878j V^gl. die Scbilderung Soninzoa b Gindely 1. 44
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Nel)en ihm kam allmahlicli iUt Kaiimu'nlieuoi* l'lhlii>p Lang®'^). ein ehe-
maliger Jude. em|ior. Von den liätlieii des Kaiseis hesnssen Hornstein.
Barvitius und dann aueli rnverzugt*"^ grossen Einlluss. aber nur Barvi-
tius dui’fte l)eiiialie taglieli und nielit selten »Stunden lang mit Hiulolf
verhandeln. Dagegen liatte im Oetoher 1001 Iiieehtenst(*in seit zwei Afo-
naten. Coraduz seit langer als einem Imihon Jahre keine .\ndienz mehr
erhalten
Die Annahme, ilass Ilndolf sieh nicht mit den liegierungsangelegen-
heiten befasst habe und diesellien ibm gleiebgidtip: gewesiui seien, ist
irrig*”). Er zeigte sieh in denselben wie frülier wohl iinterriehtet und
einsichtig und war mit krankhafter Eifersucht darauf bedacht. Herr
zu bleiben. Niemand wurde gewagt haben, eil» zu seinen Händen ge-
richtetes Schi*Piben zu erlirechen *'■'). Vielfach handelte er ohne Wissen
oder gegen die Ansiclit .S4uner llätlie, und überall wollte er selbst die Ent-
scheidung trefft*!» *■*'). Gerade hierin lag die Hauptursaclie der Vers<’hlej)pung
S74l Vg]. Htirter Philipp LAßg. Kammerliencr Kaiser Umblphs II. Schaffhausen Ih.M uq«) Chin-
in ec ky Zierotin 249.
S75) Ö. Chlumccky 240 ff, nml 24yAnni. S»2. ontl oben Änm. a:W>. Am 1. Mai !»H>2 schrieb der
KrzbUchof ron Salzburg an Blasias Haeter: „Am k<tifieHichrn huff gliett css zu, <!as ofs schier
oitt wol L^er »ein khueiult. linrrUiu regiert alless. Der Ut eben iler , win ich in hioror be>
schriben; halt laider die Sachen bei trrjWr so weitt bracht» das man schier Uit'ijijisdtrn kaUer
nitt CO gar abgOnstig als« SjHUÜn. Mitt Fiual will man gross bäum ausreissen undt nichts
dorwider hOren und wer nur boes ttjuiHinch ist, der gilt.“ Br». Secret. d'Allcra. N. 24». ü4 eigb.
Ur. Am VI. Angust IWrj schrieb derselbe : „Die handlang bei dem hii^erfichcu ho/f belangendt.
haben der zeitt der ortten wenig andere den tudritt ausser des Btttritii und dess r»rrr:utfteit.*'
Das. J»y eigb. f»r. Dtiodo nennt am 5. August 1002 ünrereagt „uno delli pin favoriti et con-
lidenti iiiinistri di S. I). V. :i’J, 14d Or. Auf Unverzagt bezieht ea »ich auch ohne Zwei-
fel, wen» Khlesl b. Hammer I, Beilagen S. :t02 am 4. Januar 10!j;l sagt, der Kaiser sei
gegen ihn vielleicht von denen eigcnoininen, ..(lui hoc tempore ijuotidianuiD habent ad S
aceeaanm “
.S76i ä, Beilage XVII. vgl. Hammer Kblesl I, UKi Anni. 2. Am 21. Dcccmber 1002 meldete Bo*
denius dem Ht. von Baierii als etwas Ungcwühuliclie», dass der Kaiser seinen geheimen Rathen
Insgesamint und dann Liechtenstein besonders Audienz ertheilt habe. Ma. 50/11, '.»0 Or.
:177) Manbart berichtet z. B. am 2. September lt><i2: „1. ksl. Mt lassen ir diss werk (den Türken-
kriegj ainmal hoch angelegen sein, also dass si selbst ain modell geschickt ainer Wagenburg,
wie auch der veind möchte vor \Veia«ienburg mit wenigem volk besueebt und an seinem intcut
Tfrhiodert werden.“ Ma. 'iO/7, Or.
Vgl. oben B. x7 n, Anm. :!26 und Gindcly Rudolf U. I, .’i7 Anm. 1.
:l7yj ü, Vendramin an den D<^n ■!!. MSrz I>, V, :i:t, 2S Or.
:!M» Vgl oben Amu. u. Aum. :i2h. Am M. Mai 1601 schrieb der Riibischof von Salzburg
dem Erzbz. Albrecbt: „Sonsten au.sser diss, das kaiscr keinen brader noch i|pr zeit umb sieb
will, nemmen sich I. 5ft. umb die geseliaf! ziinbUcIi stark an und ruesten sich zu ainem star*
110
ilei' Gesfhiifte. Hfi tlt>r {ri*vinffpn Entwicklung, welche die St.nitsverwal-
tmig bis ilaliin gewonnen Imtte. bedui-ften iiiicli sehr unbedeutende Mass-
regeln der rntei>>chrif‘t des llen'schers. Hatte Rudolf dieselbe wie an-
dere Fürsten gedankenlos ertheilt, so hätten die Geschäfte durch die
Minister rasch zuiu Abschlüsse gebracht werden können. Da er nun
aber auch diesen gegeiüibtu' sein Ans<'hen und seine Gewalt voll be-
haupten wollte, sich jeiloch in wichtigen Fragen nur schwer entschliessen
konnte und wenn er duirh eine solche beunruhigt war. bis zu ihrer Erledig-
ung alle Sachen liegen liess. wurde der Gang der Regierung schwer gelähmt
Die unvenneiilliche Folge der L'uzugänglichkeit Rudolfs und der
Vei'zügernng iler Entscheidungen war. dass die .Minister und Rätho selbst
in ihri'ii .\rbeiteii veislrossen und lässig wurden. Liechtenstein hatte an-
fangs zu einer ilui'chgreifenden Reform des Hofwesens Schritte getlian*’’),
bald aber liess ei’ die Hände sinken. Er fühlte sicli überall durch die
Langsamkeit der Ent.schlie.ssungen Rudolts behindert und da er sich über-
dies ni<-ht in Gnadi-n sah. ilachte er fort und fort daran, seinen .VbschkHl
zu nehmen“'^'), .\iich (’oradiiz hcirte die gleiche .Vbsicht und el>enso
keti vcliizQiT tür diss jar, inmassen «lann an alle kruisä tleh« reichst liilf be>ri^rt wird.“
ßti. N. '23 eigb. Or. die ganze Sudle in Ciülfern. IV bei Chlumccky 243 ein iViftpiel
t*Ur sein Handeln gegen die Ansiclit «einer iMthe; einen Beleg Tilr die Selbständigkeit seines
Urtheils aus frQlierer Zeit s. Briefe n A. IV, 27. Vgl. auch oben Anm. 7^. Der venezian-
isrlie (Gesandte Francesco Pnuli bemerkt«* »ni 12. October DJOl); hNou c'i ebi ar<liafA fare cnsa
.ilcuna tenzn l’aMen»» di lei ]ier il rigorc che usa contra chi si ruol urogare piü di quollo
oIiVIIh gli da, e sc bene poco gnsta d'iugerirei nel governo, nondimeno piii tosto lascit» correr
II disordini che pennetter ad aUri il riincdiarvi arhitrariftmentc.“ D. V. 43, 42 Or.
3^1) TliutMiclien aus den späteren Jalir«-n. ilbor die wir besser nnterriebtet sind, stützen diese Sehlnsg-
foigernng Vgl. auch Hammer I, n. 271 n. *272.
:h^2) Manhurt an Hz. Muzimilian von Baiern 13. Januar 1001: „Herr Carl von LiechtensUin erzaigt
sieb als oberster holTmaister in seiner Verrichtung gar tb-issig und gibt mau imo berait «las
lob, er .«lei ein guetter wirth “ Er bat »Ich von der Hofkaminer onil von der böhmischen Kammer
Verzeichnisse des EinkommeuK von d« n kaiserlichen Gütern f, .daran man gleicliwol hart kom*
tneii") Qod Verzeichnisse «1er Kosten des Hofhaltcs gfUm lassen. Ma. riu/io, 0 ür.
3M3r S. s. Schreiben v. 30. October Idol b. Hammer Khlesl I, ii. 14o Duo«io berichtete an «len
Dogen schon am 4. December 1300; „BAgionando un giorno «bjmesticament.*, come spesKo
iii'iticontru di farlo, cots' «Ii Lieetistain, nii dUse in contidenra, cb‘eg1i trovava qui tanta repug*
nanza n«^lla celerita delle ressolutioni. che certo «entiva piii pena in quegto che in lutto il xesto
«iella carica che gli e adossata. et du* doveva esser compassionato «la tutti." D. V. «lO, 2S3 Or.
Am 2o. März I6u2 schrieb Duodo: , .Continua pol il LichtUtain nci soliti snoi disgusti et
HO ben io faccia, quanto posao, perche non »i pieclpiti nelle re«»so)ntioni. tuttavia io bramo. che
qn«^ta liiateria de*Uscochi preiida qualcbe buoii a«set(ainento nel temposuo, perche se lui partiase,
certo dubiterei, che ci fosaeru delle difticoltä.“ D.V.32, l.jOr. Vgl. Chlomecky Zierolin 324 über
die Absicht des Kaisers, L als Gesandten nach England zu schicken und «leasen Weigerung, weiter
Tbaler vorgcsch«^sen hatte, die er nach seiner Entfernung von Frag zu vcilieren Türchtete.
•484) S Beilage XVII, die auch iin Folg(*n«]eo benutzt ist.
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lU
wollte UiiverKilgt schon Ende IfiOi seinen Dienst wieder aufsagen
Der Zusaninienhalt der Uegierung lockerte sich. Jeiler timt . was er
wollte und trieb seine eigene Politik. Die geheimen lüithe hielten, wie
ein bairischer Gesandter iiii Üctober 1601 klagt, nicht mehr ivgehiiiissige
Sitzungen®") und die einen brachten die Zeit mit Damen hin’'’'), die
anderen mit S|)azierenfahren.
E.S kam hinzu, dass die Zahl der Minister mul lliithe der ungemein
grossen Last der Geschiifte gegenüber zu gering war. Tüchtige Miinncr
alwr Hessen sich schwer gewinnen, da die unerfreidichen ZiLstfinde am
Ihife bekannt waren und .Teder fürchten mochte, ähnliches Geschick zu
erleiden wie llumpf und Trautson. W iederholt erwartete man. dass der
Kaiser auch seine neuen Minister wieder von dannen jagen werde’”.)
Selbst IJarvitius sagte jenem bairischen Gesandten: ..Wir leben in <len
Tag hinein und wissen nicht, wie bald Alles d'runter und d’rüber gehen
wird.*' Fortwährend bedrohte das Mistrauen, welches den Kaiser erfüllte,
seine liäthe mit l'ngnade.
Ebenso argwöhnisch und eifersüchtig wie jene beobachtete er nun
auch seine Hrüder Matthias und Albrecht. deren Einem er die Nachfolge
sichern sollte. Die Sorge, welche er alle die .lahre ilaher gehegt hatte,
dass er durch den Erwählten seiner Macht, wenn nicht des Thrones lie-
raubt werden würde, verlioss ihn nicht®*). .Seit sie sich im October 1600
gegen .Matthias gewandt hatte, war er demselben überlmujrt weniger ge-
neigt*"'). Gegen .Mbrecht bewahrte er den alten Groll*"') und dei-selbe
wuchs ohne Zweifel mit seiner steigenden Erbitterung gegen Spanien.
4X5) Botlenio^ an Hz. Maximilian von Baiern 7. I)ec»*mbcr Ma. •’iO/ll, Or. V^ndiamin an
i\^h Dogen :10. Dec 1602. D. V. S2, 27.’» Or.
Auch Bcxlenius »cbrieb am 14. Doeember 1602 an Hz. Maximilian von Baiern: ..NVben dieBein
thuet henr Coraducitu sicli voriger tnaiiaen beelagen, «lau er im rath zue keiner referiemng
kommen nmg und also allerhand negotia bei im unezpedirt liegen bleiben.** Ma. .70/11, tiO Or
:IH7) Das zielt wohl TornehmUch auf Liechtensteins Verkehr mit der verwittweten Freiin Maria von
Pernstein. S« Ranke Z. deuUehen Gesch. 286 und Hammer Khlesl I, S. 19.7 Anm. 4.
[Bergmann Medaillen I, 12H.]
Beilage XVII. Der KnbUchof von Salzburg schrieb am 10. April 1602 an Hoeter: ..Bei dem
kaiser siht ess einer grossen enderung nitt ungleich andt das die meisten ministri von neuem
verkert mochten werden.** Bra. Secret. d’Ällem. N 249, 28 cigh Or.
689) Vgl. oben Anm. 620. Auch in den venetianer Berichten wird oft auf jene Sorge hingewiesen.
:(90l Vgl. unten Anm. 406. Am 1. Mai 1602 schrieb der Erzbischof von Salzburg an Hueter: ..7v.
Äthrfdtl nembaich selbst macht nnd vergeas seiner beiden rbMr/Wrsfrn nitt, dan meiness erkheiincn»
ist seitt desa Braiie todt sich auflf knUfr nitt zu verlassen, gleichwol die disgust mit erzhfr:oft
sich auch nur mheren undt sterkhen.“ Brs Secret. d'Allem. N. 249 P4 eigh. Or.
691) Vgl. die vorige Anmerkung.
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112
Dio.si- trat iiiiiiier sc härter zu Tajre. Iler spanische Gesandte konnte
nie mehr Audienz erhalten und Ilarvitins hi'uidi den Ilriefwcchsel. den
er mit dem In-üsseler Hofe fteplloften hatte, ah, weil er verdäehtij' zu
werden fürehteh! Wenn Liwlitenstein Itudolfs Gunst und Vertrauen
verlor und wenn der Cardinal Dietrichstein sich vergelilich liemiihte, die
Aufnahme in den geheimen llatli und die Krnennung zum Protector
Dentscldaiuls am römischen Hofe zu erlangen, so ging die Vermuthnng
wohl nicht fehl, dass dies zum Theil daher rühre, weil sie als Anhänger
Spaniens ei-schieneii*”). Der Kaiser .suchte geradezu nach Anlässen, sich
über Spanien zu beschweren ”‘‘1. liinen gewichtigen Grund dafür erhielt
er, als Philij>p 111 sich im Anfänge des .lahres lfil)2 die Markgrafschaft
Finale, obgleich sie ein Üeichslehen wai‘, auf Grund eines Kaufvertrages
mit dem letztmi Inhaber derselben aneignete und die kaiserliche Hesatz-
ung der Hauptstadt entfernte liudolf befahl seinem liot.schafter in
Madrid imter bitteren Klagen sofort, die Herausgabe der Landschaft zu
fordern. Die Spanier weigei'ten sich jitloeh derselben und das wieder-
holte Andringen des Kaisers blieb fruchtlos"'*). Das erfüllte ihn mit dem
heftigsten Zorne. Kr sah sein Ansehen und die Hechte des lieiches
schim))tlich verletzt und sein alter rnwille über die Vorenthaltung Mai-
lands uiid üIku' all die anderen l’ebergritfe Spaniens in Italien mochte mit
voller Kraft auHeben. „Man ist in Prag beinahe dem Türken nicht so
feindlich wie .Siianieiv, versicherte der Krzbistdiof von Salzburg’“') und
JW2) &. oben Auin.
S. oben Antn. untl Kaiikd 7, d. üftstdi. Am 11. Juni IfiOl m«]deto Duodo, ti t«i
in l'ru^ verKicbert wor>len, diT KiViii^ von Kraiikrcich »ei nnt einem Heere ins R>'ic1i cing»*-
falU’n. Der Kaiser sei darüber sehr zornig geworden. Man glaube, die Kaehricht tei erfunden,
um KudoUs «Urrh die eben anvrezende protestantische Geiandt&cbaft neu erregte Erbitterung
über den Einfall Mendozas zu begeh wichtigen. 1>. V. 31, •'*‘•1 Or.
S. KheTonliiller V, Dieser aelbat bemerkt, dass ron den Heaebwerden des Kaisers
„die drei [letzten] aus 1. Mt. angesto^aeneii Melancholie viel mehr, als aus einem genügsamen
Fundament bergeflossen.*'
Senkenborg N. T. ReichsgeHch, XXII. fl', frgl. Haeborlin X,417 und XI, off.) Phi*
lippson Heinrich IV und Philipp Hl, I, 210 t.
:Wü) Kbevcnhiller V, •Jö’ül f. Zu der Beitchwerde über Philipi« Absicht, die Prinzeasinnen von
Graz in Italien zu verheiraihen, wahrend Uadulf se]b.st sie freien wolle, sei bemerkt, dass er nach
einem Berichte DuoJos v. 19. K«‘>vember DiOl dumal.s seit zwei Monaten baoAg wegen seiner
Verheirathang mit der Prinzessin Anna von Tirol nach Innsbruck schrieb. D. V. Ml, 247 Or.
.*V17t S. oben .Anm. M7ö Vgl Chluinceky 232.
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113
ohne Zweifel war liudolfs Zorn ühei' die Kinverleibunf' Finale« die Ur-
sache, das« er im August 1G02 jdötzlicli einmal den französischen Oo-
sandten eiii|)iiiig und sich ihm gegennlxn’ aussjirach, als wolle er Hein-
rich IV gegen l’hilip]) III untei'stützen*'*), und divsa er im sellien .lahre
die empörten Niederlande auftördern lies«, sieh als Freistaat dem lieiche
allzugliedern was nur die Schädigung Spaniens bezwecken konnte*''’).
Unter diesen Umständen war es nicht anilers möglich, als da.ss die
Bemühungen, welche von allen Sinten zur Erwirkung der römischen <
Königswahl unternommen wurden, ohne Erfolg blielien.
(iroisbeeck, welcher das (intachten der geistlichen Churfüraten über-
bracht hatte “"). musste drei Monate lang warten, bis Rudolf eine nichts-
sagende Antwort'"’’) ortheilte. Mündlich erklärte sich derselbe dabei frei-
lich so, dass Churfürst Ernst nocli einmal die beste Ibiflfnung schöpfte*“’).
Bald erwies sich diese jedoch als trüg(‘risch“") und obgleich Fernst in
seinen Mahnungen, um deren Untei-sti’itzung er auch den Papst er-
•'(98) 8. G i n <1 e I jr I. 'Vi. ,
UlJd) S- Oroen van Prinaterer, Archive» de U toaiaoii tl‘Orange*Xa«sau II, Seriell, Stilly
oecononiies in Miebaud collectioii nouvell« des memoire« XVI, dö-t a. 4‘j2 ud<1 Deventer
Oedenkstiikketi III, 14^. Siri I, t'JK f. Der den Staaten gemachte Vorschlag war beim
Kaiser wohl von dem Hz. Heiortch Julius von Braunschweig, der ihn übermittelte, angeregt
worden.
400) l>er Krebischof von Salzburg, welcher meinte, der Vorschlag gehe von den HoDAnieru au«,
schrieb am DI. August IßOJ an Huoter: cs sei otTfiibar nur darum zu thun, „zu der Stntlnt
behelir durch solch mittell tlrn karWu mt SiutHtru nml fi'zhcrztuj .4/brrr/i/ zu hezcii und
das teur wider sy underoinst in Dft*l.<rUhtu(i anzublaseu, welchcssen sicti desto niher zu be>
fahren, dieweil die iuclinatioo dorzu her one da« nitt gering sein iu5cht*^ Brs. Secret.
d'.Mlem. N. ‘240, flu eigh, Or.
401) S3. oben S. 8U.
402) Der Kaiser an den Chf. von Mainz Februar DK.*2: Dank für da« Gutachten der drei Chtf.
„Und weill ich selbst betrachte, wievi! an fortsetzung aine« so hochwichtigen werks dem hl.
reich und der religion gelegen, will ich tme mit rcifTcii elfer t'^ie es furdcrüch ins werk zu
richten sein metehte) nachdenken und E. I,. and Iren mitchurfSrsteu hernach, wessen Ich mich
weiter cntscbloesen wird haben, vertreulich zu wissen tbuo." Wni. Sacccsaionswesen i, n. TlOr.
403) Ernst an Erzhz. Albrecht, Menden 1<>. April Di02: Grnisbeeck ist zurückgekehrt. Der Kaiser
hat unter und ons^rer .Mitchurfürelen Gutachten H<^b angebbrt und vernomen, das alr
sich auch dergestalt erklcrt, kein einige zeit mehr zu verlieren. soinlcr:i man in kurzen ein
endlich wurkung und verfolg dabei sehen solle.** Brs. Sccret. d'Ailem. K. 110, 14«'i Or.
404) Ernst an Erzhz Albrecht, Menden 24. Juli 1002: Bei jeder Gelegenheit mahne ich den Kaiser
zur Abhaltung des Reichstages und zur Ordnung der Nachfolge. ,,Ich trage aber sorg, es seien
etliche umb 1. Mt., die, soviel ich und andere gn^therzige auf einer seiten bauen, es auf der
andern seiten wieder abbrcchcn und die «achen mer hindern aU befnrdem helfen.“ Bre. SeeriH
d’Allem. N. 116, Uu Or
Abh.d lII.CI.d.k. Ak.d. Wiss XV.Bd.I. Abth. 1.'»
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114
suchte*'^), fort fahr, war Hutlolf doch nicht zu dem gewünschten Vorgehen
zu bewogen.
Es scheint, dass er GroislKWck gegenüber die Atisiclit geäu-ssert hatte,
Matthias ei-wählen zu hassen*'“). "Wenn das auch nicht den Wünschen
lies Churfüi-steii von Köln entsprach, so mochte dieser e« sich doch
gefallen lassen, damit üljerhaupt nur die Wahl zu Stande käme.
Der Kaiser aber hatte dabei ohne Zweifel kein anderes Ziel im Auge,
als desto sicherer seinen Bruder Albrecht auszuschliessen, von dessen mit
dem Churfüreten von Brandenburg wegen der Wahl gejiHogenen Ver-
handlungen er Nachricht erhalten hatte*®'). In der Tliat war er nicht
geneigt. Matthias zu erhellen.
Durch die.scii und die Erzherzoge Maximilian und Ferdinand waren
inzwischen, soviel wir wissen, weitere Schritte nicht geschehen*“*). Sie
405) Oindoly I, 5G.
406) K« liegt darüber sar ctae geheimnisiToIIc Amloutung vor in cinom Briefe dee Cbf. von Mainz
an d««ften Kanzler Kauet vom 27. Juni Ich war letzte Woche beim Cbf. von Köln in
Km«, wohin auch der Chf von Trier kam. En wurde der Nachfolge gedacht und Köln gefragt,
waa er beim Kaiser ausgerichtet habe Er erwiderte, „daa si gleicbwol bei 1. Mt. allen menach'
liehen möglichen vleie und bearbaituag angewendet und gueten euceeM verhoft gehabt, aU aber
diejenige iR^rson, darauf 1. Mt aelbet andeutang getban, zu Prag aogelangi, were dieaelb ono
ainige rerrichtung oder abfertigung gela«ien und lieaae rieh vaat dahin anaehen, daa diejenige
rätbe und diener, welche I. Mt. wol uinb eich leiden und dulden möchten und täglich uinb aie
woren, deroeelbeu niehta nagen dörflen, die andern aber in etwas Verdachts und tniaatraueos
atiuden. So würde auch nit allerdings guete veratendnua zwischen 1. Mt. und dero gebruedern
vermerkt und obwol anch andere hohe )>eraoDeD, die es mit gemainem wesen und dem vater*
land gern gnet sehen, allerbaud wullmaiiiendi’ erinderung gethan, irie ea jedoch auch nit aller-
dings gleich ufTgenotnincn und aioer und der ander abaclieu gemacht worden, also das S. L.
selUten sich nit wol entschliessen konteo, was desfalls weiter farzunenien craprieaslich und
vorträglieli sein möchte.'* Wtn. Succesaionsweaen I, n 76 Or. Unter der Person, auf welche
der Kaiser der Wahl wegen Andeutung gethan. kann ich nur Matthias, der im Januar
nach Prag kam. verstehen. Eine Bestätigung dafür finde ich darin, das« Chf. Ernst in den in
Anm. 402 nnd 408 erwähnten Briefen an Erzhz. Albrecht diesem nicht wie gewöhnlich Zusicher-
ungen för deaaen Person macht. Auch berichtete der Nuntius Portia aus Graz am 25. Februar
1602 an Hz Maziiuiiian von Baiern: Die grazer Käthe, welche aus Prag zurOckkehrten, sagen,
Matthias habe die drei geistlichen Churfürsten und Sachsen für sieh und ihm seien der Kaiser
und Maiimiliao geneigt, „ita ut de archtduee Fer<U$iaH4io parum speretur amplios, immo de-
siK>nderuDt animis UDUsqai«que.** Ma. 8U/*28, 20S Crl. Der«, an dens. 17. Märt 1602: „Circa
electionem rftfis J{trnutnotnm qui non si erede altro ne pensa altro si non ehe archiduca Mat-
thias avanzi ogni altro** Das 214 Crl.
407) S. oben Anm. :C16,
40^} Am 5. Januar 16<>2 kamen allerdings di« Krzhzz. Ferdinand und Maximilian Emst von Uraz
nach Wien und reisten am 7. nach Prag. Friedlieb Kelatio hist. 1602, 69, wo sie am 18.
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mochten den Argwohn und Unwillen des Kaisei-s zu erregen fürchten
und ihre Hoffnung auf den Churfüreten von Köln setzen “*). Iiii Januar
1603 wunlo al>er nun Matthias von Rudolf nach l’rag berufen, um dessen
Aufti-age für den regeiusburger Reichstag, welchen er als Stellvertreter
des Kaisers leiten sollte, entgegenzunehmeu. Da dachte er daran, auf
die Ordnung der Nachfolge zu dringen*"*). Die Minister l>eschworen ihn
jedoch, deraelben mit keinem Worte zu gedenken, weil er s<mst Rudolfs
Zuneigung völlig verlieren und diesen in eine EiTcgung versetzen werde,
welche die Erledigung aller anderen Angelegenheiten unmöglich machen
würde. So verliess denn Matthias nach fünf Wochen den Hof. ohne
einen Verench zur Förderung seiner Ernennung gewagt zu haben**').
Auch Churfürst Ernst wurde jetzt endlich der fruchtlosen Anstren-
gungen müde*'*) und el>enso stellten Clemens VIII, dessen Verwendung
eiDtrafeii und bis lam 28. blieben. Bericht Duodoe v. 14. Januar 1602, D. V. 81, 290 Or. mid
Jac. FraucQS Rel. hist 1602, !, 129 u. Es liegt jedoch kein Aiiteiebcn ror. dass sie
wegen der Naehfolge trerhandelten. Dagegen wirkt«, wenn die oben Anm. 8*20 am Schlosse
mitgetheilte Angabe richtig ist, Ferdinand in Madrid gegen Albrecbt, nicht in seinem Interesae,
wie die in Anmerkung 406 angeführten Briefe Portias xeigen, sondern wohl zu Gunsten des
Matthias.
400) Vgl. oben Anm. 820. Die dort erwähnt« Heirath zwischen Erzhz. Matthias und Magdalena
Ton Baiem brachte auch Portia in seinem oben Anm. 40«'» erwähnten Briefe r. 17. März 16<)2
in Vorschlag; sie werde, wenn Hz. Maximilian wolle, wohl zu Stande zu bringen sein, da Mat'
thias zur Wahl den Chf. Ton Köln and das Haas Baiem bedürfe. Am 6. December 1600 hatte
Portia geschrieben: tarnen ita posaem discurrere: Mntihitut cognoecit, quod IWfiiHowlH'*
non habet animum neque applicationem magnam a<1 rfgnum RnmmorHm; ideo Matthias Teilet
lucrari sibi FerHiHattdHm et w/itrcm. proinitteiido fort« »irf/WmoNiKNt cum iifineipitua Tram-
sitcamae [Erzherzogin Marie Christine] et hoc medio acquirere posse sibi persnadet K. .St«"* et
Suo«.** Ma. :mr28, 82 Crl.
410) Vermothlich spornten Um dazu GerQcbte von Umtrieben Heinrichs IV, welche durch die oben S. 102
erwähnte Reise de« Landgrafen ron Hessen reranlasst wareu. 0. Vendramin berichtete darüber
am 6. Januar 1608: „Paro anco ehe tia' protestanti sia stata concUtsa nna mezza lega et
fatta ona a^sainblea tra di loro, nclla quäle sta stato trattato dl elettione del rö dl Romani
et dicono apertament« qua. ehe tuttn si faccia ad instanza del re Christ*»» il quäle havendo
dalla sua parte quasi tutti li elettori secolari, tratU hora di iirarri anco U ecclesiastiei et
molti passano tanto avanti, ch« dicono, chb voglia adoperar in «io la forza el che ha per ciö
diefaiarito suo generale deH'armi il laDtgravlo di Hassia et sborsato molti danari per I'eff^etto
sopradetto Ich weiss nicht, ob diese GerQcbte wahr sind oder nicht; ich berichte sie, „poichc
soDO di tanta importanza et sento ragionarne tra persone non rolgari, riTendoai qua dtelbcon
grandisaima geloeia et essfeodo credute ^^rticolarroente da 8. Ce*. M**." D. V. 8*2, 279 Or.
411) Gindely 1, 57.
412) 8. oben Anm. 406.
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(1er Kaiser sehr übel iiiifgeiioiniiien hatte"*), und Sjtani(»n *") ihre Bemüh-
ungen ein. San Cleinente wiederholte seine wrhon l.üild ausgesprochene
Vei'sicherung. dass Itiidolf nie zur Ordnung der Nachfolge die Hund
bieten werde. Der einzige Weg. zu dieser zu gelangen, sagte er, werde
sein, (hm Kaiser abznsetzen; dafür aber sei nothwendig. nuchzuwei.sen,
(lass er zur Regierung unflihig sei und soweit erstrecke sich die Wirk-
ung seiner Krankheit nicht*'*).
Er dachte an den gt^setzinä.ssigen Weg des Eingreifens der Chur-
fürsten, auf welchen schon wiederholt hingewiesen worden war*'®). Die
Ereignisse der folg(mden Jahre drängten Matthias, einen anderen Weg
einznschlagen; den der Revolution, welche er, Maxiniilian und Ferdinand,
schon zu Schottwien"') — freilich in bes(!hiiinkteni .Ma.s.so — für den
üu.sser8ten Nothfall in Aus.sicht genonnnen hatten*”).
4KJ) MainztT Protokoll v. '2‘Z. P'obruar l^HM. Wm. Sact'CM. I, n. 10^. Der P«i>»t wird aucli oben
Anm. -tOt) nntcr den „liohen PeraotD'ii* ^nieint Min, da sieh ja Chf. Ernst an ihn gewandt
hatte und Clemens darauf, wie c« scheint, nur mit dem s|iani«chen Geasndien zu Rom über
Mitte], den Kaiser gefügig zu machen, berieth. S. Gindelj I, oC.
414) Chluniecky Zicrotin 'J4l Anm. 7H.
liri) Gindelj I, 5d.
416) S. oben S. «0. 62. 65, 6y. h-J, ui* Anm 2U4, Amn.
41 7l S. oben S. 65.
41») [>ie Verhandlungen in den Jahren 160^1-1607 werde ich im fünften Bande der Briefe und
Acten ira Zusammenhang« der Roichsgoschiehte, aus dem sie nicht lu I5sen sind, darstelien.
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Beilagen.
I.
Berichte des rcnetlanischeii (JeNandfen Fruncesco Vendniinin un den Do;;eii.
1) J*raj( s Miirx .4litrovandc>si )i negotij del tiraiuliica ogiii giorno iu
termiiii di pifi cwrtA trattationc, nii e ntato liti'rto nliitiiam^mto in grandisi^ima
c^mHdentia , come haveudo chiaraato »i so ü m«*fic passato lu M'* dclT Imperatore il
Ronfo, le hu ricercato. chi* di novo Je dioi*s.*ie Iu cunsa, perclie egU seutiva, che ella
non dovwe niariturwi et spetialmcnte con la nipote del Granduca, ei che egli le
ri?»p(jse, che alt re volte le lia\'eva detto rivereiitemeute il purer suo coufornie alla sua
coD-scientia et replico di ipielle ragioni eoncpmeiiti il i^ervltio et la r<^putatione
della M*** , et che ella le dw«e: „che rosa .«sarebhe, w io ini riHolvewi di farloV“
Kvplic.) il <(' Konto, che aarebh« statn di gnin ilisgiuito alla cii*n d'Anatria et che il
mnndn non haverehbe lodato la risiolntiolii“, oltrc chJ pretendeva il Urandnca «teile
cow che farebl>eiio diapiaccinte ad altri priiicipi et ehe potevaiio cangar dei travagli
«t delle dieaensioni. Et M'* non le riapose nitro.
Il medico Uuariiioni, Veronese, praticnto ä noine del Uranduca, IV-wla ä
iiiaritai'si dicendo. che per easer lei di enmplessione forte et robnata ma travagliata
dalla njalinconia le couriene pn«nder nioglie per la aaa aanitä. Altri le dicono, che
le conviene di farlo, perchc non a.atencntlosi da ipialche peccato al presente, ella viverä
nmritandosi confornie alla lege di Dio. Ne ninncano niolti officij da ,S. C. M'^ vo-
lontieri ascoltati, tenendo iiioHi per certo, che ella sia risolnta di far per ogni nm-
niera (|Eeste uozze.
II a' anibasciatore di Fiorciiita da]>oi la ultima sua audieiitia si trora ogni ae*
eondo giorno insieme col a' Trancen et niolte voll* in chiese et in Iiiochi retirati
aecretameute, esaemlo atato referto al s' Konfo, cb£ il detto a' aiiilmsciatore babbia
detto ä una persona da lui tenala per molto conKdente, che liavendo Ini contrariato
si'iiipre ä i|ueste nozze et particolaniieni* dui nnni suniio, che eile erano ridotte ä
temiini di couelusione, che «^li potova beii prepararsi alla partita del servitio di S.
M“, ae eile ai conclndevann al presente, pereile eaveiido tntto ciö molto ben noto a«l
altri, non occorreva, che egli sjicraase di accommodarlo. Cosi nella casa del s' RodI'd
sene parla fra i sni pih intimi come di oosa che snccedendo posaa esaer la
sua ruinn.
Al detto s' ambasciatore iiiolti si a'iteiigono di parlar di <|ueata materia, ha-
vendo hii mostrato sempre graiidissiino aentimeiito, che sene parli dubitando, che
ipieste Toci distnrbimo la risolutione pendente nell’ animo di S. M“, non tralasciando
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egli nel resto qualsivoglia »orte di artificio iinitameiite col b' Trauccu per concluder
li Büdetti uegutij cooloriue alle grandissinie sperau/^ clcIP uno et dell* altro« qnando
par le sue mani restiuo terminati »econdo il suo de^siderio.
I» qoesii particolari, bavendone io havnto ultimameute notitia cou foudamento
in grau secreiezxa, sara etfetto conformo alla singolar prudeutia della 8er*‘ V., che
siano ienuti aecretiNBimi *)
D. V. vol. 29, 15 Or.
2j Prag 5 April 1599. .,ilora »i coniprende. che fra S. C. M‘* el il Ser*" r^
catholico qou vi »ia inolUv intelligeu/a. au/.i che ella »i dimostra molto aliena col
aninio al preac'ute da Spagna com per (|ue»ta iuvasiooe delV amiraute di Aragon nel
ducatn di Cleves come per altri disgusti. Ondc m tiene per concluso questo niatri*
mouio di 8. M'" con la principeaaa di Medici , et havendo espedito H giorui passati
qaeato s' aml>asciatoro di Kiorenza il aiio cameriero per le ponte al Graudoca, sene
stanno aspettaudo inaiemc ool s' Trauzen la riBoIutiono, essendo stato fatto veder dal
detto ambasciaiore a S. ultimanicnte mi ritraito della detta priucipessa oltre a
dui altri in diverse forme che le sonn stati inandati altre voIte. Ha accresciuto
ancora ultimamente il detto ambaaciatore il numero di tro «taffieri oHra all’ ordine
delli altri amhaHciatori et ha fatto nnva livrea, henohe per horu positivamente
mostrando [!] S. C. M** inciö grave diBgusto contra la per^nu del s' Roufo, perche egli
nou ha volnto dar il suo parer per le su dette nozze. Con che egli e vennto a termino
di licentiarsi dal nno servitio
A. a. 0- 62 Or. Vgl. Beilftgc V.i,
3) Prag 19 April 1599. „Par che lo cose del n' Koufo vadauo uiigliorando
hora, che egli e stato chiamato due volle <|iH^ta settiniaua da S. C. M'*, mentre ch^
egli se ne Btava retirato. parlaiidosi hora piii treddamente del matrimouio di S.
dei giorni passati, poiche di.scorrono dopo il ritorno del cameriero del n' ambasciatore,
cb^ il Graiidnca nou trovi bene Hnalniente di arrivar a qitella summa, che dal s'
Trauceu le viene ricercata come da se con promessu die gran s|>eran7.a per la con-
clusioDC dei negotij di S. A”. Et e noto ancora, ehe il s' Ronfo stia sempre saldo
sopra il parer suo, cou che non couvenga a S. ('. di far il detto matrimonio.
Cofli s’iutende, il detto b' ambasemtore havor fatto saper ultimamente a S. ch^
il re di Polonia foceva instanza al Granduca di haver la detta principessa per moglie,
aspettandosi intanto, che slauo passati li sei iftesi destinati {>er la risolutioue, cou
che si crede, che ella finalmeute dovera rissolversi di abandonar questa impresa et
di collocar la detta principe^^i in altra parte
A. a. O. s9 Or.
4) Pnig 3 Mai 1599. „Le cose del b' Roufo con 8. M^“ C. souo ricadute dalli
altri niaggiori disgusti, fatti horroai intollerabili al detto s' Ronfo. il qnal ha re*
1) Der ganze Brief ist in Chitfern geschrieben.
2) Die gante Stelle iit chiffriert.
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plicato ultimameute ta instaazii Ui havi'r liceiiza Ui ritirarsi in Viena, Uove Uiuono,
ch'egli habbia Uato orUine per levar nna coa». Ma nell' universale si tiene per oerto
cbe S. C. M“ non voglia licentiarlo. Mn alcuni iliaeorrono, cb'ella possa privarlo
pintosto Ui qaalcbeUuno Uei siioi gmUi, per levarle nel coapetto Uella corte la ripu*
tatione, la qnale fatta oUiosa ä S. C. M“ jier l'autorita ch’egli si haveva acquistatn
nella aUministratione Ui qnesto governo. pare che sia la cansa piCi principale Ui qnesti
suoi graviasinii travagli.
Intanto ha fatto internier S. M'' al s' ambasciator Ui Kioreu/a, per ([uauto bn
intesü Ua bnonisaima parte, ch’il Gmmluca nun voglia ubligarlo in tanta brevitit di
teinpo alla risolutione Uel inatrinioniu cun la principesea sua nipote, ma che 8. A**
si astenga di maritarla in altra parte , aspettandn ch'ella possa risolversi cnnforme
alla sna soUisfattione, portanUo 8. M“ iuanzi il teinpo et non gnstando, che la Uetta
princi(>es8a si niariti ad altro principe, inentrc In soleeitava il a' Trancen cou l'aiutu
del medico Veroneee, il quäle ha l’orechio piü Ui ogni altro al presente Ui S. M“,
ä conclnder qnanto prima il iletto matrimonio, Uel quäle ella ascolta molto volontier!,
quando lene viene parlato, mostranUo ancoru nei raggionamenti col Uetto meUico Ui
conservar impresso nell’ animo suo il grave disgosto da lei ricevnto, ch^ la infante douna
Isabella sia Uivenuta moglie delT arciduca, suo fratello, Unbitaudo. ehe se il re ca-
tholico per aventnra restasse senza posteritä, che dal moudo le potesse esser attribhito
a gran mancainento, ch’ella havesse perme.sao, non ricevendo la infante i>er moglie.
ehe capitassero in altri che in lei merlesimo, la grandezzn et la potenza Ui cosi
nuraerosi stati.“
A. a. O. 121 ür. in Cliifferu.
5) Prag 3 Jnni 1599. „Havendo bavuto aviso qnesto s' ambasciator Ui Fiorenza.
che S. M“ Christ.“ tenga incliuatione di haver per moglie la principessa Maria
nipote del Granduca. ha fatto far ultimamente un altro officio col mezo Uel s' Trancen
con S. C. M**, perchi el'a si risolva ä queste nozze, valendosi delln occasione, et per
qnanto si intenUe le ha risposto S. M“ in nun tal forma, che non astenendosi S.
dalla risolutione di dar la nipote al rd Chrisf"' si tiene per certo, che ella resterebbe
priva ä fatto Uella sna gratis, la quäle per molti suoi risjietti ha inostrato sempre
8. A“ di stimare piii incomparabiimcnte di quella di qnalsivoglia altro principe
Uella Christianita.“
a. 0. 172 Or. in Chittren.
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II.
Hcrichl Kranei'Nco Vriidramiiis au <lou Dofceii.
I*nig Mai
[hiir atim )>arUM! contt* Palatino, bavi'iulo .scacciato li suoi predicanti
aniti»ienti. ha cluaiiiaio u so im tlu'ologo di )<ai)U vtia ot pare, rhi‘ lo nscolti molto
atUmtaiiKmte. Agginngono di piit, chi* insirMue iron 1a inoglic Pt cou at«|nauti della
xuu corte egli si »ia retiralu ulliiiiaUKmt«.' appre-so rHreiwscovo di Miigonlia, IVlettor
t\e\V linperio, cou voce* univerjwde, cirpgU pt»ii>i di coiivertirsi et di ridur tutti li
iuoi popiili alla vera reiigioii«
Mä |H>r t|U<dU» ho intP^i da liuonisMina partp* e «tato fatto Kaper ultima-
mente a ??. C. M'% che dchbi liaver Ko-ipelta ijm-sta attioiie del Palatino, pcrche egU
machiüi cul niex/u de alcuiii huroni di Mornria hendlci di farsi fare re di Uocutia
et )H)i re di Uoiiiaui. |K.'iiK.tudo eoii ({Uesta diKKiimilatione di ahhracciar (palchednuo
dein elettori catholicl , uftiiie cht uniti cou gii heretici et col kuo proprio voto
t!gli possa IjHver il immero dei quattro voti nece^^sarij |M»r la Mudetla elettione. Per
queKti güä{>etti si iut«‘nde horu, che il Ser'“' uroiditea Matias ai vada avanzando di
concetlo appres.-n) di S. C. M'* per la detta eletlioiie de re de Koinani Hfliue di levar
jigli heretici rjuesti prete**!! di sullevatioue et di levar le Kperanze al Ser"^ arciduca
.Vlherto, a lei poen grato, di p<»ter aspirar in alcun tempo alla detta elettione. l'ou
ehe «i e gii'i puhlicalo nella corte, ch^* il Ser'“* arciduca Matias habhia da CHaer quanto
prima re di Uomaiii ei che S. C. M'* habhia delibernto di farlo dar la princi|H'$Ka
iiipotc dol GraiuUu'u per uioglie et ch«* tiabbia da CKser renovata la trattatione di
quei negotij, clio tin hora soiio pasKuti con la porKona di S. M'* per occasione delle
nozze et del titolo con (|uella in delto Ser"' areidnea. DalP altra parte di^corrono.
che Parciduca Kerdiiiando, aueora che habhia S. A*“ cunclnso il huo luutrimonio di
iiiolti mefti per volonta deliu .Ser*“* arcidnclieHsu, sna iimdre, cou (|uella di Haviera ^).
incliuato piii tosto u premler la detta principe?>.>a, nipnte del Graiuluca, ataodo
Hospesa S. P. M**, per iM* stPssa Iiabbiu incamiiiato il negotio a termiiio di conclusionc,
eKHondo hora la eorto piena di vurij diKcoi'si in siinili propo^iii, meiitre ki trora la
perMitia del s' Koufo cou S. C. M** nei ««diti graviKaimi diKgusti. 11 quali .<ii rinovano
di quando iu quaiido si fHttanieiite, che da ca<laimo e teuuio per certo, che egli habhia
ila partirsi per ogni tnauiera dal .suo s»*rviiio, aggiongendosi aueora, che la persoua
del s* Trauceti sia c'adiita iu molto ilit'fideiiza di 8. 0. M‘^ et che ella le porii gran-
diasioio odio, lameuiuiidosi, che il govenio sia pa'<Kato malameute per le sue maui et
che per colpa dell’ uiio et dell* altro si tr(»viiio le cose sue al presente in grandiaaimo
disordiue.“
I). V. 2‘J, I5.J und 15y Or. '
1) Das Folgöinle ist ganz in Chiffern gc^clirieben
2) 8. Briefe und Acten IV» :tl0 ff.
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121
III.
TVolfgaiig von Kuin]ir, Graf Paul SIxt von Trautaon, Hans Christof von Uorn-
slein und Wolf Unverzagt an Uudolf II.
Auf E. M' Befehl haben wir ünverzagts schriftlichen und mündlichen Bericht
wegen des österreichischen Erbrechtes auf Ungarn und Böhmen erwogen.
Wir Rüden, dass die Böhmen den Söhnen und Töchtern oder, falls solche
fehlen , den Brüdern und Schwestern ihrer Könige das Erbrecht nicht bestreiten
können, wenn anders die Vernunft, die goldene Bulle, der MajestStsbrief König Wenzels,
der Vergleich Ferdinands mit den Ständen von 1543 und der Landtagsbeschluss von
1547, sowie das Testament Ferdinand.s von 1543, sein Codicill von 1547 und die
l^andtheilung von 1554, welche alle durch die Voreltern der jetzigen Stände als
Zeugen oder „te.stamentarii“ mitunterschrieben sind, Geltung haben sollen. E.s findet
sich nämlich nicht , dass jemals eines Königs Sohn ausgeschlossen worden ist. Aus
alter Zeit sind noch zwei Erbvereinigungen zwischen den böhmischen Königen und
dem Hause Oesterreich vorhanden; da jeiloch die Böhmen letzteres zu den Zeiten, wo
es an Nachkommou des königlichen Stammes mangelte, mehrfach übergangen haben,
so wird man sich weniger auf diese als auf die jüngeren Verträge stützen müssen.
Zu denen haben sich die Stände selbst liekannt. „Aber wie jezige neue weit ge-
schallen, da die alten nhge.storijcu, die jungen von kainer crhlicheu succession wissen,
inen die freie wähl für richtig einpüden , die land mit allerlei gefärlichen secten
überhäuft, die nichts als unruhe und neues regiment zu ircin intent suchen, sich auf
die benachliarten irer rcligion Sterken“, so kann mau nicht wissen, was sich künftig
trotz allem Kt>cht zum Schaden der Laude und des Hau.-ies K. .M' zutragen kann.
König Ferdinanil hat es erfahren, als er schon sechzehn Jahre regiert hatte. Jetzt
retlen die Böhmen insgemein von Wahlfreiheit und Einige wollen weder den älteren
noch den jüngeren Sohn dulden, sondern wählen, wer ihnen Ijelicbt. Bereits Ijci
E M' Wahl sind allerlei Schwierigkeiten gemacht worden. Dies würde jetzt noch
mehr geschehen, wenn die Böhmen durch einen Todesläll so gute Gelegenheit dazu
erhielten. Deshalb halien sich Ferdinand I. und Maximilian II. mit Grund nicht
blos auf ihres Haust>s liecht verlas.sen, sondern der gar zu grossen Gefahr wegen bei
Lebzeiten auf Sicherung der Erbfolge gedacht.
Eben.so steht es mit Mähren , wo Viele nichts lieber sähen, als des deutschen
liegiments ledig zu werden.
Huben sich diese Länder gegen Fenlinaiid 1 , der römischer und böhmischer
König und dessen Bruder Kaiser und König von S|>auieu war, aufzulehnen gewagt,
wieviel mehr würden sie es thun, wenn ihnen nur ein Erzherzog gegeuOberstäude,
der sie nicht vor dem Türken schützen noch sie bezwingen könnte.
Die zweite Frage ist also, ob der Kai.ser bei seinen Lebzeiten auf Ernennung
eines Nachfolgers denken soll. Hätte E M' einen Sohn und wäre derselbe auch
Al)h.a.III.Cl.<l.k. Ak.d.\Vi».XV.W.I Abth. 16
122
nur Tier bi» fünf Jahre alt, BO könnte raan Bedenken haben. Jetzt aber nieiiien
wir, ,,ilas» E. ksl. M' Ir selbst , Ires ganzen han«a und geniainer Christenheit wol-
fahrt hallten in allweg und so ehe je besser auf ainen »ncce.»soren , der E. M‘ an-
genemh, vertraut, gehorsamb und gelren »ei, doch auf ma.».'! und versicheruiig. wie
hernach gemeldet ist , trachten und damit alle die gefahr und sorg verhieten, die
sonsten zu einem fall auf dennen interregnis im hl, reich und den zweien könig-
reichen stienden“.
Die Nachfolge in den Königreichen und besonders in Böhmen ist der einzige
Weg zur römischen Krone und anderseits erkennen die Böhmen selbst, in welcher
Gefahr sie wegen de» Erbfeinde» ständen , wenn jene von ihren Königen käme. Da
nun E. M‘ keinen Sohn haben und seihst wenn Sie noch heiratheten und einen
Sohn bekämen, dieser erst im vogtharen .titer Kai.ser werden könnte, so käme bei
einem Tode.sfall da» Kaiserthuin gewiss vom Hause. Dann würden in Folge des
Aufhörens der ReielishUlten Ungarn , Böhmen und Oesterreich dem Türken aiiheim-
falleu und im Reiche würden die zwbi Vicare die Gewalt haben, die Freistellung mit
Gewalt durchsetzen und die katholische Religion in höchste Gefahr bringen. Das
Alles i.»t durch rechtzeitige Ordnung der Nachfolge in Rohmen uml dann im Reich
zn verböten.
,\nf dem regensburger Reichstage [von l.öüt] haben schon die vornehmsten
Clmrfürslen K. M' in eigner Audienz ennahnt und ihren Beistand angel)oteii. Auf
die vier jetzigen Churfürsteu [Mainz, Köln, Trier und Brandenburg] kann man sich
auch wohl verlassen. Sollten aber sie sterben und der Administrator von Sachsen
über zwei .Jahre die Vormundschaft niederlegen, so könnten spater Schwierigkeiten
entstehen. Sind doch schon jetzt Practiken wegen eines- protestantischen Kaisers
durch verdächtige Zusammenkünfte auf der Bahn und „der bese feind und die cal-
vinisteu“ feiern nicht mit ihren ..Vnschlägen wider Oesterreich und ilie Katholiken,
zu deren Anstuhrung cs zwei Mittel: ila.» Interregnum oder die Wahl eines pro-
testantischen Kaiser» gibt. Für Böhmen käme hinzu , da»» die Reichsfürsten nicht
Lehenslente eines Königs, der nicht zugleich Kaiser ist, sein werden wollen.
E. M‘ könnten nun da» Bedenken hal>en, dass Sie sich noch verheiralhen und
einen Sohn erltalten könnten. Für den Fall lies»» sich hei der Ordnung der Nach-
folge in Ungarn unri Böhmen ein Vorbehalt zu de.»sen Gunsten machen und die
Krönung verschieben. Ancb wird der Nachfolger E. M' ohne Bedenken versprochen:
1) nicht zn heirathen , so lange E. .M' Leiheserben zu hoifen hohen, und sich mit
der Verehelichung ganz nach E. M‘ Willen zu halten ; 2) einem Sohne E. M‘ bei
dessen Vogtharkeit die Königreiche abzutreten und denselben nach Kräften zur
Nachfolge im Reich zu befördern; und 3) sich, so lange E. .M‘ lebt, der Regierung
nicht weiter nnznmossen, als E. M' ihm einräumt. Letzteres werden die iHihmi.schen
Stände selbst bei der Wahl aushedingen und es ist üblich, da«« der römische König
einen solchen Revers ans-slellt. Auf diese Weise würde sich E. M' einen treuen Ge-
holfen erwerben, Sie könnte ihm die Kei.sen, die Abhaltung der Reichstage und dgl.
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öberla»»?n und alle Gefahr »uire verbotet. „Und halten wir fOr gewiss , das kein
mansch lebt, der es ai\derst mit K. M' und der gemeinen wolfahrt treuherzig, eifrig
und wol meint , der nit von ganzem herzen die ehist^ Versicherung der succession
aller dreien cronen, doch mit obsteheuden gennegsanien conditionen, ratheii wirdet“.
Der Anfang ist in Böhmen zu machen, da dies die Feststellung der Nachfolge
im Reiche erleichtert. Bet Ungarn ist das Bedenken, dass es dem Reiche nicht ein-
verleibt ist und dieses und Böhmen von ihm nichts empfangen, soudern nnr ihm
hellen müssen , so dass man die Böhmen und DeuLschen durch die vorherige Vor-
nahme der ungtirischen Wahl mehr schrecken als trösten würde.
Von den Mitteln, wodurch die Bache in Böhmen ins Werk zu setzen wäre,
wird man erst nach E. .M* Bescheid reden können. Sie wird alter sehr erleichtert
wenlen, wenn E. M‘ die erleiligten Stellen ilcr Kronbeamten von Bubnien vorher
mit Katholiken besetzt und die I’ersonen wie den l’roeess der Kauzlei reformiert. lu-
zwi.scheu wären auch die nötbigen Acten aufzusiichen.
Die in Ungarn den Türken wieder entrissenen Güter, Bchlös.ser u. s. w. be-
treffend, meinen wir mit Unverzagt, dass sie einstweilen Niemandem zu geben seien.
Nach erfolgtem Friedeu.sscbluss kann mau auf einem Landtage sehen, wem sic ge-
hören und was davon E. M' gebüre.
Den 12. jiilii anuo 99.
Wi. 1 A I. Succession in Böhmen. Matthias N. 3. Cnpie.
IV.
Berichte Franre.seo Yemlraniiii.s an den Bogen.
1) Frag 10 ■Tuli 1.Ü99 Essendo cessata in gran parte ä qnesta corte la
voce del nmtrimonio di 8. C M** nella principessa de Medici, si iuteude hora, che
il negotio del detfo raatrimonio si tratti per il Ser”" arcidnea Matias con il s' Gran-
duca et che S. M'* p.»scndo stata longameute in qne.sti concetti di maritarsi, si sia
resolnta di far elegger potendo [!] la persona di S. A“ re de Romuni. .Yflerniano,
che cessate le fattioni di quesl" anno in Ongaria overo con la pace overo con la
stagione , si teiiirä une dieta in Fossonia per far elegger S. rö di Ongaria et
poco da poi se ne tenira un' altra in «ineslo regno per eleggerlo rö di Rooraia ct
finalmente si chiamerä la dieta imperiale per la sua olettione de re di Romani. Con
che S. C. M'" peiisa di volcr dar al moiido qiiesta sodi.tfuttione, inteudeiidosi, che
ella procuri di impedir la trattatione de] matrimonio di quella principessa con la M'^
del re Christ”", daudo intentione al Grandnca di darle el titolo da Ini desiderato, et
di accoiisentir in.sieme alle nozze delF arciduca con una summa couvenieute di danari.
Ifi"
I
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T24
Di (|aesta niBteria iifferm»no, che il s' Coraducio *) iie hiibbio traltato ultimamente in
Fioreoat con S. A". Con tutto ciö per le frcqnenti aUerationi, che qui si sono
fette fin hnra in qiiesta niateria, si discorre, che non ai possa aeertir del tuturo
alcnna cosa con fondaraento“.
D. V. Fol. 2!l, 210 Or. in Chifferu.
2) Prag 21 Anglist 1590. „Serenissimo Principe. Xelie roci che vanno
Storno di moUi giorni , ehe il re Christ“' ospiri grandemente alla elettione di re di
ßoinani nella sna persona et che i principi elettori, poco ben affetti verso la Ser"*
casa d'Anstria et molto infastiditi del governo presente, feciano importnua instantia
all’ Imperatore, che si risolvi di convocar una dieta imperiale, sicome da lei e stato
promes-so li inesi passati, affine che sia cletlo nn re de Romani, si e ris.solnta S. .M'*
C. di dar ordine per lettere al Ser“* arcidnea Massimiliano , chü vada qnanto prima
in nome sno ä caduuno degli elettori nei suoi proprii .«tati, affine cb^ eesi intendino
la bnona mente di lei et che egli scopri la intentione dei principi sospetti, cunfermi
la bnona volontä di qnelli, che sono ben disposti et ehe in universale proenri con
questa dimonstratione di coneiharsi gli anirai pih chÄ sia po-ssibile, di essi elettori
per la detta elettione, alla qnale senra alcun dubbio s'iutende, ch^ sarä prouiossa
da S. C. M“ la persona dal t^r“* arciduca Matias, come qnella che e magior di anni
et che ha le pretensioni migliori degli altri snoi fratelli. Vogliono qni, chö S. M“
debbi haver il voto di Sassonia indnbitatamente hora che l'administrator 6 morto
sno dependente ') e che 1'arcive.scovo di Magontia et qnello di Treveri debbino con-
corer essi ancora nella sna nomiuatione. Al che aggiongendosi il sno proprio voto
come re di Hoemia vogliono, che ella sia per haver ndempito il unmero suffi-
cientenientc jier la detta elettione conforme alla sua volontä,
■Altri dicono , chb il conte Palatino et il marchese di Brandenbnig, principi
Protestant! favoriscano il re Christ”*, che l’arcivescovo di Magontia non sia cosi ben
femio per la casa d'Anstria, che qnello di Oillonia favorisca il Ser"" arcidnea Alberto
et che pasaino degl’ altri negotij secreli et delle dissinmlationi con fine di fer ridnr
qnanto prima la dieta et che la elettione possa sncceder poi diversamente dull’
aspettatione et dal desiderio di S. C. M", qnale perö, come s'intende, insieme con
qnesti mini.stri mostrano di teuer poco conto dei pen.«ieri di Francia, facendo la in-
stantia la S'* del pontefice col me/.o di qnesto Rev"“ uontio, che S. M'* ai risolvi di
convocar la dieta qnnnlo prima, offerendosi di fevorir apresso gl’arcivescovi elettori
con ogni sua autoritä quel soggetto, che le sarn pih grato et che ella si adopererä
prontamente, affine che l’elcttione cada in iin principe di qnesta Ser"“ casa.
lutanto s’intende, che S. M'* Christ'“ continni le sue pratiche con gl’ elettori
et che doveva pa.ssar ultimamente una pei-sona sotto altri pretesti ä traltar con loro
1) Er reiste lisch einem Berichte Vendramins a. a. 0. 13."i am 10. Mai ah.
2) Diese Stelle ist otTenbar anrichtig dechiffriert. Es eollle etwa heissen : hora piu certe che
tJ9 Vadministrater n. s. w.
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di qaesta materia, ma qni couclndono, clif S. C. M“ prociirerä di assicurarsi prima
in quanto 1e aarä possihile, della detta elettione et chü poi sarä da lei convocata la
dieta, la qnal sarä portata inanzi facilmeute, per quanto si crede, con so<lisfattione
de’ principi clettori fiiio ii tantu, che con il fine dell’ anno presente si termininn le
fattioni et forse tutta la gnerra nella Ongaria.
II Ser" arciduca Masaimiliano per qnanto s’intende, harendo moderato i snoi
pensieri della scoperta emnlatione con l'arciduca Matias, suo fratello, par, che vada
iuclinando Tanimo ä qnalche gran vescuvato di Germania col mezo dell’ antoritä
deir Imperator et del pontefice, con che avanzando si il modo di poter sodisfar tutti
i snoi debiti et di poter snplir abondantemente alle spese della sna corte, potesse
viver S. A“ con qniete conforme alla sna natural iuclioatione. Gratis etc.
D. V. 29,316 Dechiffrierung.
3) Prag 25 Angnst 1599 Desiderando S. C. di reconciliarsi gl’animi
di questi baroni di Bohemia et specialmente della casa Poppel molto principale,
esacerbata per la pena data giä ä Giorgio Poppel et per i sospetti mostrati da lei
altre ToUe della lor fede, ha elctto ultiniamente il s' Christoforo et il s' Sdenco
Poppel, il primo per maggiordomo maggior del regno, grado tennto altre volle dal
detto s' Giorgio, che fu de.smcsso et ä tennto tuttavia prigione, et il seeondo per
canceliero supremo del regno. Merlesimamente ha eletto nelP i-stesso tempo per
cameriero maggior dal regno il baron Berga [Bercka] fratello dell' arcivescovo di
qnesta cittä et per primo giudice il barnn de Sterembergh [Sternhcrg]. 1.ji distri-
bntione di questi mini.storij, vacati di longo tempo, ii stata fatta hora da S. M‘‘ per
avaiuarsi solamente la volontü di quesii et d'allri haroni suoi dii>eiide>iti con fine di far
elegger quanto prima il Ser”“ arciduca Matias re di Hocmia. Corrono perö le voci, che
ciö sin stato fatto per le instantia del pontifice, il quäle intendendo, che erann esser-
citati una parte di qnesti carichi da vicegerenti tutti hcretici di longa mano per
moilom provisionis, se n’era dolnto piü volle con S. M’*, dubitando, che finalmente
ricadessero tutti i carichi nelle sne mani.
Ila ordinato poi S. M’“ C. in un mede.simo tempo, che siano scacciati i predi-
canti della setta di Lnthero et di Calviuo non solo di qnesta cittä ma ancora dall’
assistentia di qnei haroni, che seli tengono apprcsso libcramente nei lor castelli. Ai
qnali baroni b stato scrilto, chi- sotto pena della sna disgratia debbano scacciarli
qnanto prima et che qni in Praga venga iuqnirito diligentemente sopra quelli che
adheriscono alle sudette sette con online, che siano osservate le leggi proprie di
Bohemia, dalle qnali viene prohibita l’essercitio d’ogni ultra religione che oltre la
vcra cattolica Romana, la commnnione snb ntraquc permossa altre voIte ä bnon fine
con le conditioni esprc.sse nella bolla dai pontefici ä questo solo regno, del che si
spera di riceverno bnonissimo frutto conforme alle antiche institutioni di S. S** et
conforme al desiderio di S. M'*.“
D. V. 29. 325 Or.
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V.
Berirlite übrr Kiidolfs II. Verhältnis zu Kumpr.
1) Vendraniin au den I)o)ieii, Pra(? 12 .\pril 15!)9 „Li disgusti contra la
jM^rsona ilel ,s' liotifo, per quello s’intendc, si scopreno .sempre maf>^iori, che per es-ser
(piesto so){<retto molto coiispicno et il inagnior^ <li questo goveruo, causano varij
discor.si al presente in qiiesta corte. Uicouo, che ä S. M'* sia stato representato,
clii' il »' Umil'o gia stato causa priiicipale, che al Ser“° arcidiiea Alberto sia stata
il.ita per luoglie la Ser“* infaiit« ili Spagiia contra il gusto di S. M'* et che haTcmlo
egli pi’r fiiie maggior grandezza del detto arciilnua et per altri rispetti aucora ä
re<juisitioue di Spagna egli cou.segli bora S. M“ di non maritarsi et ehe perb egli
si sia oposto apertameiile al parer sno nelle consnlte ä iineslo malrimouio con la
nipote del Orandnca. meiitre gli altri ipiattro suoi ministri la hanno eousegliata
che conveuga, che ella si raariti, per servitio della idiristianiti» et ehe mm trnvando.si
ipiesto sogetto piü proprio all' otä sua, le conveuga di prender la detta principessa.
Aggiongono, che S. M‘ iusos|)ettita del dfdto s' Konfo per nna eommi'iida, che egli
tiene da niolti aiini in Spagna hen col suo consenso, sia cndnta di liii in gran diffi-
denza et ehe lo tenga per molto apassionuto nelle cose appartenenti ä <|nella coroua,
verso la qnal S. M“ si scnoi>rc honi nmlissimo disposlo.
Sono alqnanti mosi , che «i e partito di qnesta corte il s' doii (Inglielmo San
t’leineute, anbasciator di Spagna, et se hen sncce.sse poco da poi la mortc del Ser”“
re catholico, non e perft stala mandata cini c|uella personn, come si aspettava. ä far
nfficio di compliniento, ne meno e stato proveduto qui di altro, che va<la in Spagna
[ler il smletto effetto. il che vien' os.servato insieme con altre cose, per le qnali si
crede, che li disgnsti si facciano .sempre luaggiori.
Ha il s' Konto con raro i'ssempio ü qne.sta corte tre carichi uiiitamente li piu
priucipali apprc.sso S. M”: l’imo di presidente del consiglio di stato, l’altro di
maggiordomo, il terzo di uimerier maggiore, et fanno capo con Ini tntti li ambaseiatori
et ogn' altro persona iielli maggiori negntij che si trattano ä qm>sta corte. Onde
egli si trovB imposseasato et della intelligeuza dellc matcrie et della autoritä, nientre
ti. C. M” fiiggendo le occasioni di travagli le ha hksciato nna administratione qna.si
assolnta di tntte le cose. Ila (■gli ultimameute ricercato buoua licenza da S. .M” di
rltirarsi, ritrovandosi in ela di 03 anni, et li fu pronnsso prima di darin et poi le
fii parlato da lei molto altrimentc, .si che egli conosce, che ella non vnole licentiarlo,
et sa, che ella non puü privarsi di lui, spetialmente per i nuneggi che passano al
presente di guerra et d'altri negotij impnrtanti, da Ini pin che da tntti gli altri pra>
ticati et iutesi. Egli eiitra al presente rare volte ä S. M'* rispetto all’ ordiuario et
per quanto s’intende, succtnlendo questo mntrimonio e molto risoluto di ritirarsi ä
viver privatamente in altra parte.
Ha egli proposto nltimamente nella consnita la principessa sorella maggiore
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della ivKin» di lr<|>agna, come i>iii propria alla )(raiide<7.ii di S. ma dagli altri
d atato reprobato quaato aoiiao coii la etä aproportioimtii ch' «-lla tieue agli amii di
S.
E ritornato ultimauieute il canieriero del s' ainbaaciator di Fioreiiza, vemito in
aette giorui, nun aapendoai sin hora altro d'arantaggiu, ma discorrendoai da persona
di moltn sensn. che esaendo S. M**' uatnralment« molto dnbia nelle sue resoluliuni et
huvendo poatu nella cousulta dei siiui rainistri questo niatrimonio per inlerease di
atato et per ralerai apprea«o li principi dei [»reri unirersali di tiitti i sudetti suoi
ministri, etla |>ntrebl)e ritirarai bnabnente da qiieati snoi penaieri, non barendo dato
la parola al (irauduca. Del ehe non c alcnno ch' aflermi altro di piii con fonda-
mento di qnello che barendo io intesao da boniaaiina parte ho repreaeutatu sin bora
riTerentemcnte alla Ser*^ V. (iratie etc.
D. V. 20, HO. Uechiffirierung.
2) Alexander PräntI an Herxog Maximilian von Haiern. Prag 10 .Juli I50'i.
K. D' hat mir unter dem 2. verwieaen, dass ich nicht berichtet hätte, „was sich mit
dem Unrapfen und an<leru I. M' dienern hegelHui, was auch für dienstverenderung
auf der paan “ Ich habe frilher ') iM'richtel , „das 1. M' sich ein xeit hero melan-
cholisch und gegen dero cauinier was scherpfers als zuvor erzeigt. In specie hah
ich nichts schreiben künden, weilu dergleichen .Sachen vor mir und anderer fürsten
und herrn dienern derniassen uudertrnckt werden, das ich, oh gleichwul zu Zeiten
von dergleichen di.«cnrriert worden, kain gewisshait halwn mögen.“ Ich habe mich
um so mehr hüten iiiüssen, nachznfragen , als ohnehin anf die Agenten , ihren Um-
gang, ihre Erkundigungen jetzt sehr Acht glichen wird. Vor wenigen Wochen i»t
Kaiidlberger ’) welcher den steirischen Ständen alhsn in ihrer Ueligiuussache hier
V'erhandelte geschrieben hatte, nachdem seine Briefe eröß'uet worden, in der Xacht
aufgehoben und an Erzherzog Ferdinand ansgcliefert worden.
Was die t?achc selbst angeht, so scheint mir, dass man ausserhalb Prags mehr
weiss, als ich erfahren kann. „I ksl. M‘ hat sich gegen den truksessen und cam-
nierdienern sonderlich vor und unter tafelszeiten vor diesem — davon nun etliche
Wochen nichts mehr gehört worden — was wnnderbarlich und schaiq>f erzaigt, einen
und den andern bald abgescbalTt, doch nit gar geurlaubt , sondern über etliche tag
widerumben zn dienst kommen lassen , welches daher ervolgt sein solle, das I. ksl.
M* gespurt, das vilerlei Sachen durch hilf diser leuten förgcbracht und embsig solli-
citirl, welche ihrem ambt gar nit anhengig, als das I. k-sl. .\1’ lenger und weiter
nit gedulden mögen , ainiche sach anderst als ordinaria via fürzubringen oder ex-
pediert zewerden.“
Dass mit Rumpf etwas vorgegangen oder derselbe irgendwie in Ungnade ge-
fallen sei, kann ich dnrehans nicht erfahren, und es ist auch nichts davon zu spüren.
1) S. den bericht vom 19. .\pril, oben Anm. 117.
2) Vgl. Harter IV, .74, 224 f, 475, .MUI f. Ilammar Khlcsl I, n. 12ti and 129.
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denn Bumpr liat atats seiiiRii Diaiiat getlian und dem geheimeu Käthe angewohiit
ausser an wenigen Tagen, wo er durch Leihesschwachheit am Ausgehen verhindert
war. Das Gerücht mag dadurch entstanden sein, dass Graf Karl von Ilohenr.ollern
lind Herr von Polweit hierher berufen wurden, wornns man schloss, dass jener Obersl-
hofmeister und dieser Keichshofrathsprüsident werden solle. Obgleich Polweii schon
hier ist, hört man doch nichts von .seiner Anstellung. Trautson trachtet seit dem
Tode seines einzigen Sohnes stark vom Hofe .Sollte er wirklich seinen Abschied
erlangen, so meint man, das.« Polweil Obersthofmarschall nnd Keichshofrathsprüsident
zugleich werden würde. Vor einigen Wochen ist der früher in Krzherzog Ferdi-
minds Diensten gewesene Herr von .Molart znm Oberstkämmerer angeuomincn , doch
s<dl dies Kumpf wegen seines hoben Alters zn be.sonderen Gnmleii geschehen sein.
Wann Molart den Dienst autritt, weiss mau noch nicht; iuzwisclien versieht Kumpf
ilcnselljeu Weiter. Ma. 50/f), 114 Or.
VI.
lierichte fiher Kudolfs Krkrankuiig.
1) .lo han n Man hart an Herzog Maximilian vo n Ha ier n. Prag 7 Fe-
bruar 1 COO. „Nachdem ein zeit her vilerlei von hie aus geschrieben worden, so I. M' nnd das
iiofweseu aulangt, und villeiclit mit allerlei selzumen discursen, die hernach draussen
im reich und sonst vit übrige aueh nachthailige nidcn cansieru, hab K. D' ich allein
diess dabei nnterthänigst wülleii vermelden, dass Gottlob 1. ksl. M' ziemblicher
guetter gesundhait nnd gar arbaitsamh seien. Ks hat sich zwar etwas veräiidernng
mit dero canimerofficiern und dienern begehen, indenie I. M' sich etwan zu Zeilen mit
Zorn erhizt und czlich gähling ahgeschalft oder aber sonst ernstlicher (wider die ge-
wohnliait) gegen denen verfahren, davon vil geredt worden, wie dann auch von herrn
Kumpfen selbst. Es wöllen aber die verstendigeu darfllr halten, I. M' haben hieran
die nolbweudigkeit gethan und mau sage sonst, was mau wolle, so sieht man der-
jenigen, so auf I. M‘ täglich zn vs'arten, anjezo aiu sondere sorgfcltigkcit und tteis-
siges dienen. So waiss man anders nit, als das Herr Uuinpf sine discretioue seinen
dienst täglich besucht, auch cmlisig nnd fleissig den gehaiincn rath- und andern Sachen ab-
wartet. Item wie noch die verslendigsten ilarfUr halten, da .schon I. M' sich etwan
zu Zeiten alterierten , wereu doch genuegsaiuc Ursachen vorhanden , .sonderlich der-
selben zeit vorhanden gewesen, niss mit dem sihenburgiseben , uugcrischen kriogs-
sachen, der Spanier rumor in Nidcriand und reichsdepulationtag, welcher alles vast
anf aineu häufen minus directe fürgelolfeii. Dieweil aber Gottlob sich allgemach die
Sachen etwas hes-ser foriniern, spürt mim derzeit I. M' in zimblichcr nie. Herr
Kumpf ist warlicb nun bei ziemhlichem alter und wol zn vermuetteu, er begere
iinch einer bessern vue, wie man auch vom Herrn TranUon dessgleichen sagen will,
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dann einmal menniglichen l>ewisl, das disen siwaien herrn ein sehr hoher tmd schwerer
dienst aufgebnndeii , auch getreuer mithelfer und eutseser wol hetürllig seien, wie
man dann sagt, dass nach dem graven von Zollern, hern von Polweil und andern
mehr soll geschrieben worden sein *).
Ma. SO, 10, 15 Or.
2) Der venezianische Gesandte Piero Dnodo an den Dogen.
20. Mürz 1000.
.,La dietn di Oiigaria Inttavia continua et per le molte cuiuloglienze bitte dalli*
Ongari contro il conte di Snarzeraherg cra stato egli necessituto, da Viena passarsene
snbilo verso Possonia per qnesto effetto. Da Slesia darii aiich’ essa le solite contri-
butioui deir anno pussato et il simile la Moravia el l'Aiistria et ipiesta anco di piü
shorscra 21000 fiorini per fahricar in Vienna il palazzo di M'^. Il che ha fatto
divnigare, chi: ella polesse ben presto transferirsi ä qnella volta. Ma regnandovi
adessn il male delle petecchic, delto da loro il male d'Ougaria , et senlendovisi
qualche caso di peste ehe tanto teme S. M'^, non si crede, chü potease cosi facil-
meutc venire in tale resolutione. Anzi ((uesti di esseiulo inorto iino al imjiroviso ä
Pilzen che si dubith forse di mal contagioso, subito ella spedi forrieri ä Passan con
dissegno di andarsene ipiivi. Ma vedendo, che la cosa non fa altro progresso, si e
acqnietata ne piü seno parla. Qiielli estraordinarii tiuiori el il vivere tanto retirato
di S. con taute eure et laiiti pensieri le hanno aceresciiito in modo la iiielan-
amia, suo male naturale, qnesti giorni , che havendo riceriitu disgusti dalli siioi ser-
vituri ne ha ferito nicuni et altri anco mal trattati, in modo, che inolti si sono
|>ai'titi di corte et <|uclli che restano, non vi sono senza pericolo del meilesimo et la
sua imperial per.soiia e rimasta con pochissima servitü“.
D. V. 30, 12 Or.
3) Johann M Huhart an Hz. Max imil inn vo n Haiorn. Pilsen 26 Mära 11100.
Ich bin hierher berufen worden. E.s scheint, dass der Kaiser noch lange hier bleiben
will, denn es ist za Prag noch nicht völlig sicher wegen der Pest. Vornehme Ma-
thematiker und Physiker wollen „natiiralihus indiciis“ sclilicsscn, dass die Gefahr wenig-
stens noch bis zum nächsten September dauern werde. Der Kaiser soll wieder ernstlich
licfoblen haben, ihm einen Gang von seiner Wohunng in die naheliegende Kloster-
kirche zu flauen und Vorkehrungen für längeren Aufenthalt trefl'cn lassen, während
das Hofgesinde spätestens ü.-tern in Prag zu sein gedachte. ,loacbim Pngger wird
mOndlich berichtet haben, „was sich zu Zeiten I. ksl, M" person und anders Ver-
laufs halben , auch in zeit seines hieseins zugetragen und jezt vast gemuin wirdet.
Der allmechtig verleich, damit uit etwa aiumal aiu unverhoffte consequenz volge."
Ma. 50.10, 33 Or.
I) Drr llricf ist weder mit einer Anredefemiel noch mit der rnterschrifl versehen. Zur Kr-
kUrung dieser Vorsicht und des iiu Briefe angescblageuen Tones vgl. Beilage V, 2 über die Beauf-
sichtigung der .\genten.
Abh. d III. Ci. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. I. Abth. 17
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4) Piero Dnodo an den Dogen. Prag 17. April IflOO.
„.Apprewto Paninjiuistralore di Snasonia si era per fare nna andata di molli
principi Alenmni ') et si stima, cbe sia per cose importautisaime et particolarmente
per far risaolvere hormai S. M'^ i> far fare eleltioue di nn n> d« Romani et di niaritare
ipialch'uDO dein Ser“' auoi fratelli , co.ae tntte che sono di poco gusto della .M*^ S.,
perche li fratelli non si mariterauno senaa liaver stati et S. M'^ per t)nanto si dice,
vire ressolnta di non sene spogliare, et il far re de Romani e cosa che puö con
ragione dnhitare, che le scemi la rcputatiooe et la dignitn. Dali' altro canto S.
patisse nn catlaro che spesso le da travaglio grandissimo et li snoi piii alfetionati
temono) che un giorno al iraproviso non le cresca tanto, che Io snlTochi, nel qnal
caso, come starehbe l'Imperio scnza capo, qiiesto regno et quello di Ongaria seuza
re, per le tante pretensioni che ci sarebbono, sia effetto della prndenza della Ser*^
V. il conaiderarlo. Kl perö qncsti principi che vanno perredinnlo da lontano qnesto
disordine, Torebbono, se fo.sse po.«sibile, prevenire prima di ea'wr prevenuti. Per
qnanto ho sottrutto da bnon luoco, pare, che questi habbiaoo havuto strette trat-
tationi cul princi|>e Mauritio per harerlo alli loro serritij ne egli si mostrava alieno
per servire al presente alli .Stati con molto sno disgnsto, non potendo tolerare di
essor legato stato al modo che c, et coramandato da borghcsi, cbe secondo il costnnie
di quh da luonti nun )>orlauo alcnn titolo di nobilta seco, ina in eifettu i egli lal-
uiente invilupato, che non ha saputo trorar modo, come sbrigarsene, et questi. per
quanto intendo, hanno per hora sbnicciato qnesto negotio, col mezzo del quäle, se
havessc ))otuto rinscire, doverebbono haver liberato il Ser'“ .Alberto di un graude
nemicu et easi poterano aperare di servirsi di un valoro-aissiino capitano.“
D. V. 30, 32 Or. in Cbifrem.
5) Derselbe an denaolben. Prag 8 Mai 1600.
„La venuta di S. M'^ qni resta ancora in snspeso nüacne poträ aajwr nienle pih
di certo, ae non qnando aarä arrivata Non ba voluto, ehe la Ser'“ arciducliessa
Anna Catterina d'Inaprnch enndnea seco in questo riaggio le due principesae sue
figlinole, le quali sono slate i>oate nel mouaaterio di llalla i>er cnstotlia. Della sc-
conda, cbe non ba piti ehe dodici in tredici anni , si dice, che babbia mnndato a
preiidere il ritratto, ])er haver la prima qnalche inancamento , et >piesto ba dato da
iliscorrcr alla corte, che S. iLspiri di nunvo ä qnalche matriinonio, il quäle in
gioventii non jicnsato et in etä matura eaeguito sarebl«? cosa coai facile, che gli
potesse levare la vitii, che Dio guardi , come difficile, che da esso ne |H)tesse vedore
posterilü ; se bene e piü rerisimile , che secondo il solito tutto si rissolvi nel imagi-
narlo seiiza ponerlo ad esseentione.
S. M'* per ordine espresso senza commiicarlo uianco con suoi coiisiglieri ha
commandato al conte di Lodrone, giä destinato commLssario per le cose di ca.slel
1) Guinciiit ist wohl ilor Tag lo Totgan. Kitter Union I. ISI. llriefe und Acten I. n. 122
Anin. 1, 124 Amn. 2 und Li n gels II e mi i et üonganiii epp. 11.7, 110, ll'J.
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Giuffre, chÄ sene vcti({a alla »aa jircsenza, con peusiero, per (juaato mi viea detto
da assai buou Inuco, d’intendere particolarmeute tutto quello che ha paasato col s’
Oaca di Mantoa
Sono qui li ambasciatori di Bninsvich, Brandenburg, Sassonia et del conte
Palatino ‘). 8i dice, per far instanzia di questa elettione de re de Romani et per
ia deciaione di cento et piü difficnltä che sono devolute de’ loro principi ä questo
consiglio aulico, il quäle mai la fornisce, che certo 6 con incredibili quereile et dis-
gneto di tutto l'imperio, in modo, che non mancauo male sodisfattioni per ogni
verso, et se questi non fossero hormai entrati uel letargo, si ])otrebbe dnbittire ben
presto di veder acceso qualche grau fuoco in questa provincia, ma al presente tutto
ai rissolve in ambasciate, promesse et negotiationi et che riceve li preginditij, con-
viene sopportarli con qnello flegma per necessitä, con il quäle per volontä vi sono
incorsi.“
Ü. V. 30, 81 Or.
VII.
Berichte Aber den Sturz RunipfM und Trantsons.
1) Duodo au den Dogen. 2. .October 1600.
„Fmalmciitf dopo tmdc male sodis/alliotti predicate che S. M'^ havesse del
s’ Ron/o et dd s' Trancen giorcdi 10. del passalo *) li ha tutti due licenliati dal
suo aervitio et non sensa qualche pericolo della vita del primo. Quello che habbia
dato la spinta ä que.sta resolutione dicono esser .stato l’ufficio gagliardo fatto da
mons' nontio nclla ultima andienza che hebbe nel proposito delli Uscochi, perche
caricü (ortemcnte la mono sopra di loro, dicemio, che non facerano mai alcuna cosn
confornie alli brevi che haveva, quali erano efficacissimi et me li ha letti, in modo,
che il Uonfo gli mandü ä dire du|io, che üio gli perdonasse. perchd egli era stato
causa di qne.sta ruina et si dohjono tutti doi di S. S"* Rev“ inlinitamente.
Ha subito S. spedito al Ser"“ Matthias, ch6 sene venga in diligenza et ei
attende d’hora in hora Kt si ha dolnto, che havendo in ogni tempo desiderato
appresso di se qnalch’uno delli Ser”' suoi fratelli, questi due Vhahhiuno sempre scon-
sigliato. Änsi che uelli mugyior sirepiti ehe siiccederono la notte dopo li 15 , alle
quattro höre , domandando S. 3/*“ quello si Sapeva del Ser“* Massimiliaiio al
1) Vgl. Brief« nmi Acten I, n. und S. 246 Zelle 1 von nntea, and LingelsheraH et
Bongaraii epp. 100, 110, 121.
2) lJa.s!) statt des 10. der 2H. za setzen Ut, zeigt der Wechentag und ein Bericlit Prantls an
Hz Maximilian von liAiem vom 7. October, dass „die Veränderung bei Hofe vorige Woche“ geschehen
sei Ma. .TO/IO, 64, Or. Damit stimmt die Angabe bei Kurier 111, 3.3 und bei Ritter
Union I, 2.70.
3) Statt dieser Zahl ist ohne Zveifel 2.i. zn lesen.
17*
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confe (li Sciumhergh rnpifauo dclli nmVri, et rispontlmttogli^ che si cretfeva^ fossc
h qurM* hora in Finnth'a. soggionsr: .X’ostoro volcvano uniti con li Spatfnoli^ ehe
egli *) fosse fatto re de Bomuni ^ ma io rompendo [!] qucstn hro rctc in moih, ch^
non kavera luoro il loro difisegno.*^ Xel rinfaciaf' H s' Ilonfo dclli rnnncamenfi da
hii crcdufi, che hnrcssc conmrs.^o net sno scrrifiOt ira molte tdfre cose dicono (jUene
rncordasise due^ le qmdi fdfnmvntc Ic sfunno radicde ncl CHorc^ et sono In iuvefdiit4ra
data di ^fo^lma et Itezo H qncUa di Virtcmhrrgh , come dnte et per&Hetse da loro
contra il sno jwoprio servitio. Con tutto qncsio äi crcde^ che }>ass(Uo qwilcMe giorno
nlmrno il s\ Trancen sia per tanmre in cortc^ nia ne Vnno nn l'tdtrOf ae veniranuo^
vorrnnno sercir certo in altra carica ^ che di pnro consiglicro sccretOj per esser ä
qursti fcwpi il »treir fatto molto diffirile et il servitio altntonto pericoloso.
Hsuino anco richiamato il PetzHi *) ncl istos<io tempo et mamlato facolta in
patente aperta al arculnra col iiomo in biaiico, perche noinini qualcbe altro in
8UO liiocn per )a tratlatiniie della pace.
S. M** pare dopo haver essalato qaesto anl<>re, il quäle la rmleva nelT intrin^eco,
che sia molto soUevata et che stia rae^lio assai del usato, inentre tenova il h* Ronfo
alla saa preseti74\ et anleva cli ade^no contra di lui. Che fn la notte nopradetta si accese
in qnel pnnto fiioco iielT etlißcio della polverc che e qtii in iin’ isola del fimne, detta
Venctia. (}ueMto fere per la materia che vi cra, tanto Inmc et tanto strepito, ch^ S.
M*^ diihito, fosse fatto ad arte, \\ che fu causa, chö il ft' llonfo haresse comraodita
di partirsi, et cosi la cosa cossu.
Resta adesso capo del conseglio per modo di provisione il s' Carlo Lietistain
et vi soiio rOrnostan et il Mechur.
Il Corradnccio htldtc ancor esao la intimatione di andarsenr^ ma poi S.
l'ha rct’oc<ito et m ndesso al conseglio^ come fuena prima^ mn Dio sa, qndlo Sara,
Ha seqiiestralo in ca»a l Ofman, prosidente della cauneni, che e heretico, et
Tuole, che reiula conto d4‘lle anmiinisirationi sue, et in sonuim c rissoluta, che li
snoi ininistri facciaiio il loro dehito. II setTctario Barvitio, che e stato il primo a
riportare i'i le attioni di qiiesti inini-ilri, per niettersi in jjratia, si trova auch’
esso da sei seltimani in (pia, cli<^ noii entra alla sua presenza.
Kessolutione de novi coiiseglieri non si sa, che attcora Imhbiu fatto M^, ma
si noniinann dne per la corte, nn conte di Snlcz *) et un nitro conte di Fieratemberg;®)
che adesHo e delej^uto per S. alli comitij di Spira.
D. V. 30, -'12 Or.
1) Hans Rcichart ron Sch&obcrg, r. S.
2) Gegen Maximilian hegte Rn-Inlf den Verdacht wohl schwerlich. Oie angebliche Reise von
Mailrid ORch Beigieti legte dagegen den Gedankon an Umtriebe für Albrecht nabe.
3) Keichsbofrath hartholomaua Pexxen, früher GcRandter xu Constaotinopol. Vgl. Hurtter lil,
107 Anni. 224 and Festler Geechicht« von Ungarn, 2. Auflage IV, 15.
4) Gemeint ist wohl Graf Rndulf rou Salz.
5) Grat Friedrich von Fürsteiiberg.
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133
2) Dnodo an den Dogen. 12 März 1601.
„Esaendomi trorato questi di col s' ambasciator cattolico et entraiiilo
[egli] sopra le cose di Modena et lle/.7.o, tentate da mons' nontio, le quali gli soiio
beuissimo note, mi disse ; Continna tuttavia, nia non iroverä, chi ardisca di portare
quealo negotio ä S. M‘‘, sapemlo li miuistri molto bene, cbe nesanna cosa piü fece
alterare raninio sno contra Roiifo et Tranzen, ch' il consiglio le diedero sopra
qnella inrestitnra , della qnnle rimperalore ne e pentiti-ssiiuo, {H'rcbe in cainbio di
uii niillione d'oro che gli diedero da inteudere, che Imverebbe potnto envare del
diica di Ferrara, col qiulc si liaverebbe haruto conimoditä di desimp<<gnare nioUi
Inochi deir Austria che haverebbono reso molto piü assai, aftine di cararne parola di
S. che si contentasse della (rattatione, presa poi oecnsione dalla penlita di
Giavarino et vednta S. M'^ nella neee-ssitä che era, fecero da lei aceorilare l’in-
restitura per 400000 scudi, 300000 in contanti et 100«J00 di nn credilo che haveva
il dnea con lei; et perö dal auo ess4'mpio ü molto ben ragionevole, chd li ministri ci
pensino molto prima che trattarlo'b
A. 0. 0. 31. 0 Or.
VIII.
Erzherzog .Hatthlas an Krzherzog Albreclit.
Wir kindeti K. I>. in brnederlichem hohen Tortrauen nit verhalten, das die R.
ksl. M', nn.ser gnedig.ster fr. geliebter her niid brueder ein zeit hero in starker me-
lancolei (auss denen vil jar getragenen schweren sorgen ires obligenden kaiser-
thnmlw nnd krieg.s mit dem erbfeiuil) gcratten und nna.s dieser tagen, do wir gleich
nach dem veldleger zu entseznng Cani.sa auf .«ein wöllcu, per prssta alher zu sich er-
fordert. Do haben wir laider die suchen beschwer- und geferlich genueg gefuudeu, dan sie
die nmi.st zeit mit angst, sorg und denen gedankeu zubringeu, als wel man si uinb-
bringen, vom regiment stos.sen, tränen keinem gehaimen ralh , camercr noch diener,
haben au-«s solchem verdacht zwei eltistc gehaime räthe, hofniaister und marschalk,
den Rümpfen nnd Trautson vom hof geschafft, werfen nnd schlagen unib sich, kinden
weder rnebig essen noch schlaffen, halten sich selbst fir verzaubert und nimbl die
kleinmfietigkeit und angst so gar überhand, das man fraiss, schkg oder anderss be-
sorgen muss. Zezeiten kumb ir fir, man hat ir gifl geben. Niemand kann I. .M*
zu geistlichen Sachen noch zu mcdicin bereden und hat ain ansehen uiner rechten
Zauberei oder noch mehr. Oh si wol je ein .stund still und verninftig, so endert es
1) Wslirsclieinlicli sind der nngldckliche Zug gegen Kab v. J. 1697 und die ihm folgenden
Ereignisse gemeint.
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sich doch alspahl. Wir nuJ die noch anwesenden gehaimen räthe steen gar an, die
behraischeu landofticier, so admnniert worden, thun nichts. Ilnss allein abwesend der
andern herii gehrtleder und vettern wil es iiit gebiern, wass tirznnemmon, damit nit
die zwei vicarn des reiche daher ursach ueinmen , aulT die privation zu gedenken,
welche privation oder snapension vor versichernug unaers hauss sncce-ssiou höchste
gefar auf sich hat.
Weil dann diss E. L. zugleich mit betrifft, zumal des erbfeinds und der ka-
tholischen religion halben in Tentschlan.l nud damit die successiou der köuigreich
und land wider habend» gerechtigkait nit in Zweifel gezogen werden, .so haben wir
E. li . . . . dessen hicniil vertreulich eriiulern wollen , wie es daun auch gegen des
chnrfürsten von Cöln L. beschehen : ganz freund- und brüderlich begerend, Si wöllen
der pluet.sverwantnns.a nach allen denen inittleu gutherzig nachdeuken, damit I. ksl.
\r person, dero bohcit, unserni löblichen hauss und der katholischen religion kein
schimpf geschehen, sonder die sach aller orten zn abschneidung peser practicen deren
die weit voll und sonderlich Frankreich ‘) in verdacht ist) gewört und unser hauss
versichert werde. Ausser dessen wurde es mit diesen dem erbfeind angrenzenden
landen, Ungern, Belieinb, Mehren, Üesb’rreich und Steyr, puld gelhan sein. WoUeii
winschen, das E. L. selb.st in der person sambt den rudern unsern gebrödern und
vettern LL. alhie sein nnd wir comriinnicato cousilio das püste rathen und I. M‘
helfen kinden. ISeneben etc.
Gehen anf dem kgl. schloss Frag den lf> octoher a* lOOO.
l*. S. Erindern wir E. L.. das wir gleichwol verhofft, bei jezigem gefcrlichem
stand lenger alhie zu bleiben mul I. ksl. M' unsern gehorsamen brüederlicheu bei-
staud, lieb und getreue allectiou zn erzaigeu. Weil aber 1. M' durch allerlei mittel
zn dem hiuansraisen in Oesterreich stark nnd anhebig nrgicru und verinanen last,
so miessen wir gleich zu verhüettung utfeusion, Ungeduld und angleichen verdacht
mit schwerem herzen unseren weg hiiiansnemmen , das inner zwei Tagen geschehen
wfird. Der Allmeohtig wolo hiezwischen alles uhl verbieten. Wellen aber E. L.
bröderlicher aiitwort mit chistem nach Wien gewarten und nnderdessen wollen wir
miss mit erzherzogen Maximilians und Ferdinanden L, L. auch beratten und
das E. U. vertrenlich auch erindern , ob wir villeicht alle sarahtlich zugleich in der
person alher gen Frag klimmen und dem geferlicheu wiseii I. ksl. M' selbst person
niiserm löblichen hauss, der catholischen religion und der ganzen Christenheit zum
jiesten rat finden kinden. Gehen Frag den 21 octoher a“ 1000.
Wi. Succession Matthias. Cpt. von Krenberg.
1) Vgl. S. Anm. 174 uisl Amu. '242.
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IX.
„Schottwleiicrlsche Tracfation.“
„Erstlichcn wais man, wie die Indisposition laider der zeit stehet. Dieweil
dann bei disem Inidigeii und betrüebten zneatand zwo grosse sargen und getär sein,
die nine, do etwo (dass Gott genediglich verhöette) I. M' ur.der einem solchen pa-
roxianio, der geniainiglich mit aiuem zorn und griuieu knenibt, in ein frai.ss oder
andej-e lebensgfiir gerathel, wie es sich boraits erzaigt bat, das die successionen im
hl. reich und I. M* köuigreichen und incorporierten landen in hijcbster gfUr gesezt
wurden, nit allein dem hochlöblichen haus.s Oesterreich sonder ganzer Christen-
heit zue schaden, dem erbtcind aber zue gewünschten vortl, wie das je<lcr verniinftiger
ermessen kan.
Die ander, da schon der Allnieehtig I. M' das leben lenger fristen wiird , das
doch I. M' indisposition und daraus bi.<hero und künftig erfolgende ungelegenhcit,
die berait weit erschollen und unmöglich in der eng zu halten .sein, ein snspension,
wo nit gar privation dess impcrii verursachen oder zum wenigisten ein römischer
künig ausser dess han.ss nnd zumafal ein iinkatholischer aufgeworfen, das ganz reich
zerrüttet und damit 1. M‘ selb.st kaiserlichen perschon nnd hocbeit noch in irera
leben nnd dem hanss Oesterreich der höchste schimpf nnd gfar begegnen möcht.
So ist hieranf die frag, was erstlich zne widererhingiing 1. M* gesunds zne
thuen ; znm andern , wie hei so geschaffener Sachen I. ksl. M' mit irem selbst gne-
digsten gneten willen zue Versicherung der succeasion zn persuadiern; und zum
dritten, da I. M‘ indisposition halben mit derselben nichts zu tractiren oder zu hoffen,
was man alsdan verantwortlich thuen möchte.“
Man hat erfahren, dass eine oder zwei Personen wenig ansrichten, cs auch
keiner gcni auf sich allein nimmt. Daher sollen alle Erzherzoge und ihre nächsten
Verwandten, darunter auch die verwitlweteii Erzherzoginnen zn Graz und Innshrnck
ja sogar die noch unmündigen Erzherzoge, die uuschnldig zu Schaden kommen
würden , sowie die beiden Herzoge von Baiern und Pfalzgraf Philipp Ludwig von
Nenburg dem Kaiser schriftlich vorstcllen, „in was krankheit I. ksl. M‘ laider
weren, di si selKst an ir nit empfinden noch erkeimeten, almr menniglich offenbar
wer«, daher die dem hanss Oesterreich nnd der katholi.schen religion widerwertige
ihr starkes anfsehen und auschlag betten und leichtlich ursaeh finden möchten,
unter dem praetext der inhabilitct 1. .\I' kaiserliche perschon nnd hochait und irer
ganzen }H).sleritet am hauss Oesterreich den höchsten schimpf und schaden zu thuti.‘.
Der Kaiser möge also nach Gottes Ordnung dem liathe weiser Aerzte folgen.
„Neben diesem weil sich bei 1 ksl. M’ grosse anfechtimgen im gemüeth, zczalten
clainmücttigkeit , darob ir das leben vertrieaslich ist , auch scrnpel in der religion,
gotlsdienst und uumuetb wider etliche gaistliche erzaigen, sie selbst der
maiuung, da.s sie verzaubert .seien, welclies villeicht sein, entgegen auch wol von den
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scliwprcii sorgen ile* kniserlichen regiments Iierfliessen kinden , so were sieh zue bc-
niSehen, neben der medicina auch die gaistlicbe arzuei durch gepett, peicht, coiu-
innniuu und trdstung füernember teologurum, die man zur hanJ priiigen möchte,
bei 1. M‘ zu erhalten."
Damit min der Kaiser dieser gei.st- und leildichen Kur desto besser abwarten
kann und der Kegiernngssorgen znni Theil enthiilien wird , wäre er zu bewegen,
siph einen Gehülfeii zu erwählen, wobei der V'orbeliali zu machen, das« dies seinen
ehelichen Nachkommen, wenn er solche noch erhielte, nicht uachtheilig sein solle.
Um dies dem Kaiser Torznstellen und das oben erwähnte Schreiben zu überreichen,
sollen Krzlicrzog Ferdinand und Herzog Wilhelm von Haierii, oder fall« dieser nicht
zu bewegen ist , Herzog Maximilian sich schleunigst nach Frag begeben. Zu
mehrerem KHect wäre es sehr gut , wenn der Churfürst von Köln, „der I. ksl .\1‘
sonders aiigonemb“, bewogen würde, zu gleicher Zeit mit einem Cichreibeii und mit
Vollmacht der aiuleren geistlichen Clmrfür.sten mich Frag zu kommen und das An-
bringeu zu iiiitersttltzeu. Auch der Fapst, die Kalseriu-.MuUer und die Königin von
Spanien könnten um Krmahnuiigsschreilieu an den KaisrT ersucht werden.
Könnte die.«er aber mit Güte gar niclil erhandelt werden oder wäre seine Krank-
heit so arg, dass mit ihm nicht zu verhandeln wäre, dann könnten der Erzherzog,
der Herzog von Baiern und der Churtürst von Köln durch die Brüder, Vettern und
Frennde de.« Kaisers mit Sclireiben an die Böhmen und die eiiiverleihten Länder
versehen werden , worin diese ersucht würden, es liei dem Kaiser oder wenn dessen
Krankheit zu schwer wäre , durch eigenes Vorgehen dahin zu richten , dass ein
Nachfolger ernannt werde. So würde wenigstens die böhmische Wahl jetzt licwirkt
werden, der die anderen nuchfulgen würden. Man könnte auch die Böhmen durch
die österreichischen und tiroler Landstände ermahnen lassen, bei dem Hause Oester-
reich zu bleiheu und die Wahl vorznnehmen, und „auf solicheu eusscristen full I.
M' vermangleten Vernunft oder lehen.sgerärligkcit", durch Gesandte aller Erzherzoge
die sechs OlmrfUraten beschicken uud sie, namentlich wenn es mit der Walil in
Bölimeii nicht recht fortginge, mit Hinweis auf die Türkengefahr uud die Verdienste
des Hanscs zur Abwehr jener ersuchen, die Wahlen in Itöhmen und Ungarn zu
befördern.
Die Vornahme der römischen Wahl wäre daun den Churlnrsten heiiuzu.«tellcn,
„In allwegen ist dahin zue sehen und I. ksl. M‘ auf aiu oder anderen fall die
initl zne machen , das dero an der ksl. hocheit , perschon, würden und tractation
durchaus nichts derogiert, villweiiiger si offendiert werden."
Wi. Succession. Matthias. Copie.
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X.
„Karzer IHsrurs, wie der R. ksl. M' in ihrem izigeii aiilieGcen vor ihre persoii
und finiisten zu heifen »lein müciile“.
Drei Punkte sind zu bedenken: des Kaisers Person und Leben , die Gefahr*
welche im Reich von den nnruhigen Cairinisien wegen der römischen Königswahl
droht, und wie heim Papste und anderen ausländischen Fürsten ausgiebige Türken-
hUlfe zu erhalten sei.
„Was anfenglich I. M* person belanget, ist der natur nach, sofern es nicht
von Gott wunderbarlich abgewendet ward, zu besorgen, wo I. M' nicht bei Zeiten
darzue thueh, das die meluucolischc schwere perturbationes I. AP herz allgemach
ansnagen nnd im haubt grosse blödigkeit, schwinde! nnd tine.ss dergestalt erwecken
und inwendig kurzer zeit den tod verursachen werden, inma.ssen mau schwerlich bei
heharrung dieser beschwerung glauben kau, das I. M' über ein viertel jahr leben
mögen. Ücrowegen uf alle weg zue denken, wie doch i. M' zue einer mediciuischen
cur allernuterthänig.st zu vermögen sein, denn mau hergeg,'n hotTen will, sofern I.
M' nnhr ein wenig volgeu , das innerhalb weniger Wochen vermittelst göttlicher
half die melaucolei ans dem leib aii.sgetragen und künftig neue wachsung der.selben
leichtlich verhnettet werden könt, allein das der leib einniahl zwei geiiffnet nnd ein
ader gesprengt und hernach ein gewisser kreuterwein und onlnuiig im e.ssen nnd
trinken gebraucht werd. Ob man aber schon daneben auch meinet, d:is 1. ,\I' von
geistern etwas angefochten werd, hat doch dassolbig nicht so viel znc bedenken, und
wann nur das fuudament nnd ncmlich der melancolisch humor (darin die gei.ster
gern ihr ufhalt und wonung suchen) abgeschatft wehr, könd mau hernach mit Gottes
giiad der geister wohl mechtig wenlen. wehr auch der Zauberei, so ohne zweifei
mit unterlauft , hernach desto besser abzuwehren , wiewohl man nicht dnrwierlcr i.st,
das man auch ohn die mediciiiische cuhr der Zauberei rath suchen und die verdachte
weihesperschon in haftnug ziehen und nf den gmud kommen soll, dann man >lurch
diss mittel entweder 1, M* mit Vertilgung der Zauberei gewiss heilen oder doch, ob
wir mit besorgnng der Zauberei wol fundiert saiu, nf die spur kommen und liernach
durch andere mittel, wann cs nichts mit der Zauberei wehr, I. M' rahteu kann.
Üeshalben was I. M‘ person betrifft, in alle weg dahin zu arbeiten ist, das man ihr
gesuudheit und lelien besagter weis.s ndeslernrnb gewinn und erhalt, ai.ss dann des.s-
wegen nichts weiters zu furchten sein und i. M' in vorigem stand sich belinden
werden, allein dass daneben auch böse lent, so I. M' täglich melancolische Iwsc ge-
danken eiustossen, von 1. M‘ gemciii.schaft hinweg zue weisen und zu kainer ninlienz
zue las.sen sein, welches ziie I. M* gesnndheit nnd weniger pertufhation ein grosses
zne verfangen bat.
Die aiifwiklnng des römi.«chen königes bei den niirubigcu kczern zne wider-
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss XV. lid I. Abtli. 1“*
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treilieii , ist gleichwol wahr, das das geschrei, so von I. M' und dero hauptblödigkeit
(aber Golt lol> falscher weiss) durch ganr. Tcutachhind ausgeachoUen ist, ein merk-
liche ursach darxne gibt, darumb auch dahin getrachtet sein will, das dcmsclbigen
Ijcgpgnet und die opinion verlcschct wird. Welches sowohl durch I, M' person,
wann sie sich oft in piiblico erzaigten mid mit den capucinern inhiiten, als durch
schreiben und andere remedia geschehen kann.“ Der Kaiser mOsste sich bei etlichen
Chnrfürsten und Fürsten dieser Injurien halber beklagen und sie ersuchen, Audere
besser zu nnterrichten, und besonders müsste verhütet werden, dass nicht dergleichen
falsche Zeitungen hier von Hofe au.s ins Ueich gcachriclten würden, denn soviel man
weiss, ist all da.s Unglück von hier au.s durch die Schreiben der Agenten und Anderer
angorichlet. Man müsste deshalb einmal eine Post anflialten und wenn mau .Te-
nmnden schnldig fände . ihn Anderen zniu Beispiel strafen. Mit Stillung des Ge-
schreis würde aller freilich dem Werke nicht geholfen , denn noch ehe man etwas
von des Kaisers Melancholie wusste, haben vor drei ’) Jahren die Ketzer in Deutsch-
land diese gefährliche Praktik getrieben, dass sie Dänemark, Frankreich und Chnr-
pfalz bereden wollten, sich zum rümischeii Könige aiifzuwerfen. Das wahre Funda-
ment ist der Gegner unruhige Art und ihr Hass gegen Oesterreich und den Ka-
iholicismus. Daher ist nicht anders zu helfen , als da.ss der Kaiser ehsten.s aus
seinem Hause einen römischen König wählen lässt. Er hat dazu jetzt bessere Ge-
legenheit als je , denn die drei geistlichen Churßlr.sten nnd der Administrator von
Sachsen sind auf unserer Seite , Brandenburg ist nicht stark dagegen und Pfalz
wird leicht zu begütigen sein. Tritt der Administrator, wie cs schon binnen Jahres-
frist geschehen wird , von der Verwaltung der sächsischen Chnr zurück und stirbt
einer der gei.stlichen Churftlrsten, so dürfte die Sache nicht mehr so leicht sein. Wird
die Wahl nicht jetzt bewirkt, so mcb?e sich Niemand andere Gedanken machen, als
dass wir in kurzem einen römischen König nach dem Gefallen der Gegner haben
werden „und I. M' solchen .schlang neben sich mit höchstem schaden, schimpf und
spott leiden müssen, dann niimeglicb sein wird , ein könig aus Frankreich, wann er
in das reich eingefnhrt wehr, widerumb mit gewalt hinaiuszubringen nnd muest
Teulschland mit Oesterreich darüber zu grund gehn. Soviel mehr I. M’ zu erbitten
ist, das sie ihr und uns allen ratt zue schnlTen und die wiedrige praktik zue brechen,
auch die kaiserliche dignitet bei ilircm hauss zue erhallen, nach dem excmpel kaiser
Carls V ein römischen könig auss ihrem hanss benennen und den herrn churftlrsten
zu wehleu Ohergeben". Man kann ihm wohl Bürgschaften geben, dass ihm dadurch
an seiner Hoheit und Kegiorung und für seine Kinder kein Nachtheil erwachsen soll.
,, Darumb desto eifriger darauf zue driiigeu ist und lest sich sonst einig mittel wieder
gegenpart-s tägliche practick nicht finden. Es muesseu aber auch I. M' die patres
1) Hier nioss ein GeJächtnUsretiler vorlicgen, vgl. oben S. 27.
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capiicina<i keinsweg.« hinw«gweigen, goiiilurn rohig pleiWn la-«Hen, dami sandten sicht
allein I. FI' und alle katholische pnteataten and ständ vorn kupf gestosseii, sondern
auch die opinion von I. M' hnSbtb'Ödigkeit auch bei den kezern weit mehr geaterkt
werden müesat, weil jedermann die capuciner vor fromme, unschuldige lent haltet
und niemand glanben kann oder will, das man sie bei guctein verstand veij^t hette".
Die Hülfe de« Papstes und anderer ausländischer Fürsten wird leicht zu er-
halten sein, wenn man sie gebürlich darum ersucht and ihnen die gro-se Notli nnd
die Gefahr, dass die Türken durch Innemesterrcich nach Italien vorbrechen könuten,
darstellt. Nur muss man sie nicht durch Austreibung der Kapuziner vor den Kopf
.stossen,-deiin sie werden den Kaiser daun für uukatholiscli hiillen und sich nie be-
reden lassen , dass jene ihm aus anderer Ursache als der Religion wegen zuwider
seien ; man müsste sie denn, was nicht der Fall ist, offen des „iimleficii" überführen
können. Halten der Papst und die ausländischen Fürsten den Kaiser für nichtka-
tholisch, so werden sie ihm trotz der Gemeinsamkeit der Gefahr nicht beisteheu, ja
ihn anfeindeu und der Papst wird entweder einen anderen römischen König in
Deutschland aufwerfen oder dos Kaiserthum auf eine andere katholische Nation ül>er-
frageu. Deshalb ist der Kaiser dringesnbt vor der Ausweisung der Kapuziner zu
warnen , zumal mau argwöhnt , da.«s ihn die böhmischen Picardeu <lazu antreiben,
welche den Kaiser durch das Vorgeben, da's sie es gut meinten und auf die Gesetze
des Königreichs hielten, hintergehen, während doch die Gesetze nicht gegen die Ka-
puziner, die dem uralten Kranziskanerordeii angehören, sondern gegen die Picarden
selbst gerichtet sind nnd der Kaiser, wenn er die Landlafel und ilic Gesetze voll-
ziehen wollte, jene und nicht die Kapuziner verjagen müsste. .\uch die katholischen
Reichs.«tände werden ihn .sonst für unkatholisch erachten, die Lutheraner und Cal-
vinisten aber werden ihn erst recht für gei.steskrank halten und um so mehr die
Wahl eines protestuiitischeu Königs betreiben. Duldet der Kaiser die Kapuziner, bis
er genügende Heweise wider sie besitzt, .so wird die auslaiidi.sche Hülfe gewiss er-
folgen und das Reich wird ihn um so höher respectieren. Vertreibt er sie, „so helf
der allmechtig Gott“. Uns bliebe freilich noch der Trost, dass ilie Krzherzoge, der
Herzog von llaiern und andere katholi.sche nnd lutheri.sche Fürsten des bairischen
Kreise« oder auch die Erzherzoge allein den Pap,«t und Spanien für sich und die
Christenheit um Hülfe angehen könnten, indem sie den Zn.«tand d<«i Kaisers zu de.ssen
Entschnldignng schilderten nnd häteu, für diesmal nicht den Kaiser sondern die ge-
meinsame Noth der Christenheit anzusehen. Itaun würde gewiss so gut wie auf des
Kaisers Ansuchen Hülfe geleistet werden, „welclies doch 1. 11' jezigmal nicht auzu-
melden sein niöcht“. Ebenso könnte man alle dentsclieii Reichsstände aalfordern.
Aber besser ist cs, dass man alles aufldetet, den Kaiser von der Vertreibung der
Kapuziner ahznhalteu „Wann auch nichts helfen wolt, muss man Iczlich wieder
die Pickrder uf alle mittel und weg pmcticiren und dicsudbig vermög der landord-
nung bei I. M' abzuschaffen begehren, ob also 1. .M*, wann sic ilie trennnng unter
Is*
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1-10
den ISehenieu vermerkten , in sich gehen und beide theil (dieser seit noch) im
alten stand (alx;r nicht in ihrer cammer und audienz und viel weniger im raten)
lassen mOchteu.
Dabei wir es bewenden lassen und das übrig, so noch viel resticrt, unseru
gnedigsteu hern , den liern erzherzogcn, nach ihrem von Hott höchst begabten ver-
stand vcrnuuftigist znc bedenken, unterthenigist haimbatclien“ *).
VVi. Succeasiou Matthias. Copie.
XI.
Instruction der Erzherzoge Matthias, Maximilian und Ferdinand für des letz-
teren Geheiinschreiber Peter (.'osal.
C'asal soll den Fürsten , an die er geschickt wird , des Kui.scrs Krankheit mit
gehorsamer He.sclicidcnheit melden. In Folge der lli'gioruiigssorgcn ist der Kaiser
allmählich in solche Melancholie gcratheii, ,,diiss 1. M' erstlich ein jar etlich wenig
Zeiten, hernach nur ein tag, letztlich aber etliche tag und wochen nach einamler
dermassen solliche merken Ias.seu, da.s uit allein etliche ircr eamrer entreiten müessen,
die camerdiener von derselben bei tag und nacht sehr giwchlageu und verwundet
worden , sonder das I. M' Icztlich vilnmllcu (da man nit forkomlren) selbst I. M*
perschon nit ver.'choüct und au dieselb hand angelegt betten“. Deshalb müssen alle
.\ndicnzen und die wichtigsten Geschäfte, deren Aufschub der Christenheit den
grössten Schaden bringt, verschollen worden. Er lässt Xicmandeii oder doch nur
Wenige und diese selten vor sich und nichts wird eiitschicdcu. Obwohl nun der
Pap.st, die Kaiserin -Mutter, der König von Spanien, die verst<irbcnen Erzherzoge
Ferdinand , Karl und Ernst , die geistlichen Clinrtiirstcn nnd uameullicb der von
Köln und endlich Matthias den Kaiser seit vielen .lahren und noch vor seiner Er-
krankung auf alle Weise zu einer lleirath und zur Ordnung der Nachfolge gedrängt
halicn, so ist doch nichts erreicht und lediglich der Verdacht bei lluilolf erweckt
worden, da.ss man ihn absetzen wolle. Dieser Verdacht hat immer mehr zugeuomnien,
bi.s er endlich jetzt seine geheimsieu Käthe, die ihm treu gedient nnd gesorgt haben,
dass trotz seinem Wesen Jeder doch noch soviel wie möglich zufrieden war, wegen
1) lücser Sctilnsssaiz zeigt, dass wir ein Gntacbteii für die iierathmigen der Erzherzoge vor
uns haben. l>a es oben S. lUS Steile S von olien ff. heisst, die Berichte über des Kaisers Krankheit
seien „von hier ans“ ins Eeich ergangen , werden die Gelieinirätlie zu Prag die Verfasser sein. Das
Gntaebteu klingt im zweiten Punkte mehrfach an Beilage III an. Weiter liegt ein Schriftstück
„Wessen I. 31' aUeruntertbünigst zu ermahnen sein möchten“, vor, worin das Gotaefaten zu einem Vor-
trage an den Kaiser urogearbeitet ist.
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141
jenes Verdachtes wcj's'ejagt hat, wie er sic vorher oft mit dem Tode oder mit Vcr-
baunuDg bedroht hat. Kr bat ihre Stelleu mit Anderen besetzt, sich aller Ofliziere
beigeorduet , die zu jeder Stunde an seiner Seite sein uiüs.seu , mul seine Wachen
verstärkt.
Seitdem bat die Melanchidie ganz Oberhand genommen, so dass der Kaiser den
Erzherzog Matthias, als dersellie eben persönlich den Entsatz von Kanisza versuchen
wollte, durch zwei Schreiben eilends nach Prag erforderte. Als aber Matthias kam,
zeigte ihm Rudolf allerlei Unwillen und timt, als ob er von der llerufung nichts
wisse. „Darauf alspahl I. L. zuegesproehen, da.ss si gern weichen, alles resignieren,
hinwekzieheii und in ainein winkl sich betr^en wolteu, mit vermelden, der uuiicius
hette sie verzaubert*'. Vergeblich hat .Matthias ihm den Verdacht zu nehmen gc-
sneht. Der Kaiser ist Ober seine Bemühnngen unwillig geworden und hat ihm an-
denteii lassen, er möge abreisen, und als Matthias auf starkes .Anhalten der geheimen
Rätbe blieb, wollte der Kaiser die Altstädter anfforden», den Erzherzog auf dem
königlichen Schlosse zu verwahren, da derselbe ihn vom Throne sto.ssen wolle.
„Douehens betten I. .M* mit dem calviuischen bösen mann Mekhbach, gewösteu
brandeuburgisciien cauzleru ’), dum von l’erlingcn Di)ctor (icdlmann ’) und anderen
calviuischen und sectischen, ja mit den scbicchtisten, gemainisteu lenthen vertrauliche
und sidliche gemaiuschaflcn , das sie ire Consilia, intentiones und lU'gntia denselben
communicierteu, von aiguer band zetl schreiben nnd ir vilnmllcn beiwohnen liessen,
wie sie daun ans fTirgeuombeuer klainmüetigkait durch mittl la'rOerter sectischen per-
souen mehrmallen eutreiten und von allen ireii landen ziehen wöllen.
Danelieus höre man von I. .M* allerlei Itiegendu reilen wider unsere heilige ka-
tholische religion and fdas zu erbarmen) nietl'eii .si ans dergleichen klaimuOetigkeit
mehrmallen l>ei tag und nacht den teull selbst mit vermehlen , das si sein wären
und mOg er dieselh also mit sich und hinwekfileren.'* Er hört die Messe gegen
seine Gewohnheit nicht mehr täglich nnd mir mit Venlrusa und ohne Andacht. Er
trägt gro.sseu Zorn g^en die Geistliclien mul besonders gegen die Kapuziner, die er
mehrmals bat ahschalfun wollen , weil sie ihn mit ihren Gebeten so heilig plagten :
„8opa1d diese patres mul fratres, es sei liei Ing oder nacht, nur zu betten auge-
1) Wohl der niac'lcburgisclio Kaiub*r M«'rtliscli, der »af dem Keiebstagc von l'iOt so heftigen
Streit erregte; s. liriefe nnd Acten IV, 2dl ff.
•J) Bnrkhard von llerlichingen. Ihn finde ich zoerst erwälmt in einem Ueriebte Menbacis an den
Hz. von Baiom vom l.'i. Januar IfiOl, wo es heisat : „Mau »agt auch, das zu aiiier neuen und guutten
wirHucluaft bei hof anzustcllen, insonderhait eich anjezu beinahe der Biirglart von llerlichingen". Jla.
50/10, 6, ür. Am 15. J.innar lOOJ meldete Manhart: „Dem Bnrcbaiden von Berlicbingon ist von
berm von I.ichtenstein an.s bcvelcit I. .M’ anzaigt worden, er solle den boft' meiden. Caosae andinntnr
]dnrea, weil er sehr infaniicrt vom herzogen von Wirtemberg nnd seinem eignen brueder, item wegen
ainer gelt[>ractik vom Paradaiser, ine damit [der wogen Uebergabe Kaniszaa über ibu verhängten
Haft] ledig in machen". Ala. .50117, 100 Ur.
ü) Der snehsisebe Agent Ciölelnianu.
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142
fnnj^en, I. M' glpifh gewüet, gelobt, geschrieen utnl mitten im schlaf erwacht sein,
mit furgeben, »ie wnnlen von den capnzinem geengstiget, desswegen man zu Ver-
schonung I.M' das uachtgehett in den tag transferiert, datier nun jezund diser niotus
nud paroxismns sieh mehr im tag als zuvor erzaigt“.
Durch all dieses ist Matthias als unseres Hauses Leheusträger und nach dem
Kaiser Aeltester verursacht worden, mit uns Erzherzogen Maximilian und Ferdinand
zu heratheii, was zu thmi sei. Wir hnheii zuerst liesehIos.seu, dass wir in Deutsch-
land weilenden Erzherzoge sümmtlich ') persönlich zum Kaiser gehen und die ver-
wittweteu Erzherzoginnen uns dabei mit Schreiben nntersttitzen, falls aber der Kaiser
sich und seiner Krankheit nicht helfen tvolle , wir die Stände der llauslünder zu
Hülfe nehmen sollten. Dann aber haben wir erwogen, was dergleichen Zn.samroen-
kunft erfordert, ivas sie früher für Nutzen geschalft hat, was für ein Mistranen gegen
Qe.sterreich jetzt im Reiche und was für schädliche Praktiken sonst noch vorhanden
sind, welcher Verdacht wegen des Kaisers „Unvermöglichkeit“ entstehen würde, svo-
durch Viele Förderung ihrer Praktiken suchen würden , dass der Kaiser selbst die
Zusammenkunft für eine Verschwörung gegen ihn halten , ausrcisseii , seinen Ver-
wandten einen !^cliimiif oder sich ein Leid unlhiiii oder aus Lliimuth eiuen Nach-
folger, der nicht katholisch oder luiserem Hause feindlich wäre, ernennen lassen
könnte und dass Matthias dadurch lieiin Kaiser in den höchsten Verdacht kommen
und sich so von seinen natürlichen Rechten anssehliessen würde. Deshalb haben wir
denn misere Meimiiig geändert und Iseschlossen , den Churfürsten von Köln zu er-
suchen, da.s.s er die Verhamlliiiig mit dem Kaiser ülieriiehmen möge.
Cii-sal soll also alle.s aufhieten, um den Churfürsten zu der Reise zu bewegen.
Cm sein Ziel desto hes.wr zu erreichen , soll er zunächst die Herzoge Wilhelm und
Maximilian von Ilniern und den Erzherzog Maximiliuu aufsneheu und sie bitten, den
Churfürsten eigenhändig zur T'ebcrnahme des Anflrages zu ermahnen. .Matthias hat
an Erzherzog Albrecht in gleichem .Sinne ge,schriel(cn.
Der Churfflrst von Köln möge sich Vollmacht von den atuleni beiden geist-
lichen Churfürsten gehen lassen. Er kann seine Vorstellungen mit dem Hinweise
auf die Umtriebe des Königs von Frankreich higinnen, die schon bei vornehmen
Reichsständen soweit geiliehen sind , dass es nur noch des letzten Schrittes bedarf.
\or allem muss er dem Kaiser vorstelleii, dass Heinrich IV. ihn hei lebendigem Leibe
Ix-crhen, ihn und seine Verwandten verjagen und „noch die alte srimhl, so Frank-
reich mit diesem hnuss ullzeit gehabt, desswegen aiieh gar den Türken zu hUlf ge-
nomheii , rechen wolle , an wellichem pas.su hei I. .M‘ und derselben znstand am
l) .\us iU,\srr Anpabe ist wohl nicht auf eine .Abänderunir der in Heilaze X mititetheilten Ifo-
sctilüssc zu sehliesem. bs palt ja nur den Churfbrsteii davon zu aberzeupen, da« das Vorpehen der
Krzherzope nicht woiil niöplich sei, und dica war leichter zu erreichen, wenn man die obipe Absieht
aU die nr8]iruitpliche bezeiehuetc. tlie in Sehottwieii beschlosseae -Masarepel wünle der Chf. wohl sellist
vorpozopen luiben.
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143
meisten der *eit gelegen“. Dann inuiw der Clif. Matthias lohen mul dem Kaiser
rathen, denselben sogleich in Böhmen wählen *n la.ssen ; er werde dann die Wahl
im Reiche betreil>eu. Dem Kaiser soll seine Hoheit nud Uegierungsgewalt durch
Bedingiingeu, für deren Einhaltung wir alle uns verbürgen «’ollen, gesichert werden.
„Auf sniliche weiss hetten auch die abgeschatften gehaimben riith vor ainem jahr
I. M' persuadiert und contentiort, das sie diese Sachen vortsezen wollen, da nicht ad
partem andere irer privatiuteresse beforderung willen sollichcs I. M' heiliges fOr-
nembeu verhindert.“
Da alle bisherigen Bemrihuugen diulnrch gescheitert sinil, dass man dem Kaiser
nicht so lange zusetzte, bis er seine Zusagen auch wirklich erfüllte, so darf der Chur-
fOrst sich jetzt nicht mit Bedachtuehmeu und dergleichen ablindeu lassen. Erreicht
er durch seine Gründe nichts, so könnte er, da der Kaiser so grosse Angst vor der
Entthronung hat, schliesslich erklären: „weil sie sähen, das I. M‘ das wesen in ain
Bolliche weifleutigkeit richten, darauf doch der katholischen religion und derselben
zuegethonen personell , sonderlich aber dem geistlichen stand gewisser Untergang in
Teutschland stünde, müesten sie, die geistlichen churfürsten, wegen ires Stands mit
zneziehung der gelreneu und diesem hnuss affectionirten lutrischeu stände drangen
und zwangen wider iren willen , mit zusammcuseznng auch das irige thun, weil sie
.sehen, das bei so allen gepflegten gehorsambisten mitieln aiumni nichts verfangen
und I. M* inen weniger als gar gemeinen und po.s.siouirten leuteu, so ir privatinteresse
suechen, trauen und glauben wollten. Geschähe nun dieses, wie es anderst uit .sein
kflnte, so haben I. M* leichtlich zu gedenken, wa.s es für ein plnetpad in Teutsch-
land abgeben, I. M' aber selbst die höchste unruhe und gefahr causieru und in allen
historii.s ain ewigen bösen mimen machen wurde“.
Ist die Nachfolge richtig gemacht, so kann der Ghurfürst dem Kaiser zu einer
geistlichen nud leiblichen Kur rathen , aber nicht eher, denn sonst ivürdc er davon
Anlass nehmen, die Ordnuug jener aufzuschieben.
Wi. Succession. Matthias. Copie.
XII.
Briefe Joliann.s von Groisbecck an lllricli Speer.
1) Arnsberg 28 December ICOO. „Solo dirö, che non posso dar alcun avizo
del negotio che si tratta, (in ä l’altro ordinario et secoiido io schuoprirö campagna.
Qnantc al s' Billebeo egli ne fu avertilo di detto negotio per me et ciö con ordinc
espresso del Ser"“ elettore, perö destrameute. t'on tutto ciö, diibitando, chö con
grand’ ardore si braniava questo particolar , mi rispose secondo la sacra scrittura :
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„Neseiiuit , qniil pfltnnt.'* Jo flopo esgcndo in Lieg! li ho fatto Uimo, di manera,
chi‘ adf'sso nieglio intonde la disposilione del uegotio.“ Ma. 415/84,32 CrI.
2) Köln 23 Januar IfiOl: „(iuanto alli argumenti del liiUfO, chi ha detto •
„Neacinnt, quid petunt“, sono aaaai, ma il priiicipale, che io ho iiiteao, ö, chi pare,
che liariera non «arä hastnnlc ä portar fcil carico per mancamento di niexzi et per
l'inimicitie che nasceranno tra A>istria et liaviera, et che consecntivamente sara la
rorina della casa di Baviera, et di quel purere e ancora un altro hnomo et caragliero
di ginditio et confideiitissimo giurato <Iel Ser’”' clettor, con il qnale <ineato negotio
h »tato trattnlo. Ilic multa poasinl adduci argumenta, H quali non ei laaciano acriver“.
Da«. .37 Orl.
3) Lüttich 1 Kehrnar 1001: „llillco non i ancora tornato di BrusscUes et per
quello non habhiuiuo ancor.a potuto'di.«correr .«opra il fatto diila siieeatsione. Perö
sia, come si vogli : so, che Billeo aarä del parer di rXr.tlore et Orohhcerk, cioe, ch'iu
nesaniia luaniera conviene, che ilnrn Miissimilintio ae dcrlnri verso jui/Ht f> quäl altro
so vogli, di jiri'hiidir nlhi suceessioiie“ Da«. 39 Crl.
I) Lüttich 9 Februar HlOl. „Qiianto al negotio del siircessioite, io credo, chi
arcidura Athcrio ha sapnto qiiello che e stato cercato circa quel particolare , poichi
egli ha fatto progar ctcliorc di Volonia per Billco , che volesse tener la niano, che
ln coroiiu polessi ro«tar iiilla casit di Aunhia ä mm delli suoi frntelli ö se no, nl
mono ü arcidiicn Fmlitmiido. Tocante l'nrgunieuti contrarii cii per il primo, che
mettono iu avanti la debbolezza di liamri et chi non .saranno bastanti di poter
RO.«tciilnr tal poso per divcrsi rispetti, che V S'" facilniente potri imaginär. Kt
que-sto era chc voleva dire quel nesciunt, giiidicando, che sarebl» la rorina di Baviera.
Perö ein fossi .sicuro ddUt liulirmia, in tal caso non lo dissuadercbboiio. Si ricor-
dano niico della riR]i<wtn che Alhcrio padre di diica (iuilrlmo diedo ä Auijunto di
Sassonia, alliora chi li olferse la coromi, dicendo , voglio piii jiresto restar «ii diica
di Bavirra che di doventar il vostro matio, volendo accennar, che egli sarebbe stato
pro forma et li altri pntroni. Onde vengono ä inferir, chi sc loy ch'era principe
tanto savio et potente, e.weudo Bavirra iu altro stato, chi non e ailcs.«o, non gindi-
cava per bene in quel tempo, chi Baviera aceettasse Pofferta, che manco converrebbe
per il presente, essendo la miseria di Jiaricra piii graiids che mai, secondo corrc la
voce et se non possono mantener qnel stato solo, come vorrebbono dunckve defrnder
Vimperio. Li occupationi non permettono .scriver piü. 11 elettor ne (iroisheerXe hanno
mutato d'opponioue, perö spenino, che la cosa da se inedesiino verrä ä cascar, dove
se pretende et ciö per la poea aft’ectione che si cogno.*ce esscr verso la aisa d’Austria“.
Das. 40 Crl.
5) Arnsberg IG März IGOI: „Non nccade, che V. S'*‘ se inaravigli, se arridaca
Alberto non peiisi per se inedesimo. La cau.sa e, ch’egli molto bene cognosce, non
potervi arrivar per haver perso trop[H> il e.redito j>cr Ic cause che V. 0”“ sa'), et
1) Ohne Zweifel ist 4er Kinfall Mcmloras gonieint. Vgl. auch Briefe unil Aeten 1, n. 214.
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I4ri
per caser allevaio in Spagna. Mi allejfro, chj le cose di duea Massimiliam sono in
tauto buon esser et credo Tolonticri V. S"*, perft, con licenza detto, nii niaraTif(lio.
che sempre se ha visto tanta strettesaa et ncceaaitä in corle di ßaviera, orc niai
non hanuo havuto guerra, anzi godnti sempre di pace. Ilaec inter nos. Si coram,
plura adjijugerem. Non hablii V. S"“ paura, che VImperatore cliiaini Vcllettore, et
io non mi poaao pcrsuader, che con consenso et volontä di S. M*^ niai si verrä allii
eletiione di rc di lloniaui, et che li dctlori lo faranuo senza sno consenso, cie poca
apparenza, se dunckve del tntto non fossi desperate di S. et non volendo con-
seutir V Imperalore, bisognarä espeltar qnello che Iddio statuirä di loy et in tal caso,
credo , che piii facilwcnte duca Massimiliano potrebbe arrivar a1 nostro disegno.
Perö qni cie da considerar , die se non si puö venir ä u»a elcftione nisi in caso
mortis, in tal caso l’imperio correrä gran resico“. Das. 47 Crl.
XIll
Papst Clemens VIII. nn Kaiser Budoir II.
Clemens papa VIII.
Cnrissime in Christo fili noster. Baluteni et apostolicam benedictionem. Angit
cor nostrum et exerutiat vehementer jam a mnltis annis grarissimum ncgolinm clec-
tionis regis Romanorum, quod M“ Tuae mirum non videbitnr, si oogifaverit, in co
summopere versari atqne inniti commune boonm et tranquillitatem reipnblicac chri-
stianae, conscrvationein catholicae religioni.s in Germania, salntem deniqoe et quietem
serenissimac vestrae Austriacac familioe et regnorum ditionnmque ipsius, quae omnia
M“ Tuae nota esse non ambigimn.s. (jtia de causa, qusiita possnmus efScacia et con-
tentione, rogamua, obsecraraus et obtestamur M““ Tnum per gloriani Dei et Snani,
per utilitatem popnii christiani, nt pro Sua prndentia, pieiate animique maguiindine
proqne Sno ardenti zclo conserrondae catholicae religionis et dignitatis ac majestatis
retinendae augnstae domus Snae tandem aliqnando serio velit et statnat finem im-
ponere huic saluberrimo et peruecessario negotio, in qno uil alind nos .spectamus aut
expetimus, niai nt is rex Bomanorum eligatnr, quem .M" Tun ex Sno sangnine Suaque
inelyta familia potissimum eligi volnerit, nos enim in hoc concordissime cum Ipsa pro-
cedemns. Eligat igitnr M'" Tua, quem maluerit sive ex sereni-ssirais fratribus Suis
sive quem aliiim ex eadeiu Vestra serenisainia familia Austriaca, nos enitn operam da-
bimns omni stndio totisque viribus noslris, qnod idem ille eligatnr, quml facillime
Doo juvantc fore non dubilamus. Satis enim illud erit, declarari a M“ Tua, se electio-
nem iieri veile et quem eligi velit Caetera facillime disponentur, quemadinodmncopi-
Abh.d,IlI.CI.d.k.Ak.il. Wiss.-W W.I.Abih. 10
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Mt:
asus [!] locuti snnina cnm doctore Peccennio ') liTgato Tao, viro, ut nobia visaa est,
valde prudeuti et M'‘ Tiiae addictissimo, nuem de hoc ipso smnmi momeati negotio
nostro nomine cnm Kaagentem, ut uoii soluiii benigne audire sed exaudire etiam velit,
etiam atque etiam petimus a M“ Tua, eni nostram paternara ct apostolicam bene-
dictionem toto ex animo itnpartimur.
Datum in palatio nostro aposfolico XXII novembris 1601.
Wh. Reiehsregistratur, Wahl- und Krönungsacten K. Matthias. 1611 and 1612,
n. 28 eigb. Or.
XIV.
UiurlTirat Kriist von Köln an Krzlierzng Albreelit.
ünrchleuchtigister fiirst. Frenndlicher lieber herr vettcr. Xechst erbiettung
meiner frcnndtvetterlichen dienst bleibt K. L. uuverliulten , das mir dero schreiben
von aigner handt wol zukommen, dnrnnss ich dann mitt .sonderlicher frendt ver-
nommen, wie enibsig und sorgfältig K. D" die erbaltung des hl. römischen reicha
und gemnin wesen |Ihr] angelegen sein lassen, welches dann mir zn hohem tro.st
nnd erleichterung be.schwerlicher sorgen geraichen thnett. L'nd mögen K. L. sich
des gewislichen getrösteu , das es au meinem eusseristen vleiss nnd vermögen nitt
ersitzen noch ermaugten soll, K. L. treues gemüet nnd herz zu .secundiren. Möchte
gleiehivul von herzen winschen , das auch andere, welche das werk voruerolich mitt
berüeren thuett, gleichsam so wachtsam und inen diso so schwere wichtige sach nitt
weniger, wie dann woll billig wäre, zu herzen giengc
Vor mein person bin ich jeznuder noch mehr gegen K. L. verobligiert von
wegen der geraertcu und gebe.sserten peusion, so in K. L. selbst schreiben mit an-
gedeuttet wiirdt und wiewol nitt an ist, das ih von solchem müchtigen und grossen
könig vil ein grössere recompens (in nnsehnng meiner gelaister, treuer, vilfeltiger
dienst und von wegen Ir könig. M" unOberwindiiehen und unaussprechlichen erlittuen
Schadens) erwartet hette, dessen unnngesehen wurde ich dise bewilligte und aiigmen-
tirte Pension vor höher und zweifache gnad halten, da Ir Lieblten gerhuen wurden,
sich zu bemhOen und bey Irer kü. M'' das werk dahin zu dirigirn, das ich vor meinem
ableiben meinem gefallen nach davon disponirn und diselbige pension trausportirn
möchte, wie es dann mehrmals andern cardinüln zucgelosscn und verstattet
worden ist.
1) Doetor Bartliolomäns I’ezzen, der um TUrkeiihiilfe gebeten halte. 8. Archiv für üsterreicbiMhe
Geschichte XV, 234.
2) Das bezieht sich ohne Zweifel auf die Ch^. van Mainz nnd Trier, S. oben S. G9 tT.
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Thue mich nach Regen E. L. frenndtlicli l>cdankhen von wegen gnetten er-
zaigten willens gegen mir, in allen möglichen Sachen die handt zn bietten. wie ih
dan deshalbcn gnuegsaiu mit den pas|>ortten der schiff halben gespürt hab, und
thuett mir daneben von herzen wehe, das ih E. L. hingegen sowol in particnlaribns
als publicis imperii negotiis durch habenden inangl ainiger mitll nitt dienen kan.
wie ich ilan von herzen wol winschen und thueu wolt, wie E. L. dann solches alles
von meinem Billeo weitters vernemen werden, welchem B. L. daun als mir selbst
völligen glanben zu geben wissen. Und time mich derselben also frenndtvetterlich
und dienstlich bevelchen.
Datum Hirschpetg den 31 decemb. a” 1600-
E. L.
getrener und dienstwilliger vctter alzeit
Ernst churfürst.
Brs. Secretairerie d’Allemagne, N. 110, 1'29 cigh. Or.
XV.
Der Erzbischof von Salzburg an Erzherzog Albrecht.
Dank für das Schreiben vom 13. Erbieten zn allen Diensten. „Ich hab nach-
richtung, das sich die Sachen auch seitt dess anfbrucbss und abscbaidenss Kninpf
nndt Trnutson umb den kaiser nur bösere und sich höchlich eines ghehlingen
undt unverhofften ansschlagss zn bcfharen, undt obwol erz. Mathias erfordertt
nndt alda, so wirdt er doch nitt gehörtt, übell ange.sehen undt beßiidt sich tlbell
Content. E. Maximilian thuett man erwartteu, ist aber genng.mmme vcrmnetung
verbanden, das im nitt minderss widerfbaren werde, dieweil kaiser von der snc-
cession nichts will hören undt im von disen deshalben selbst vil nngleicliss ein-
bildett. Derohalben nndt auss disen allen bette e. Albrecht nrsach inciness er-
achtenss desto mher anch sein schanz darl>ei in ochtiing zn nemmen, nitt das ich
vermain, das mitt kaiser oder den seinigen was nuzlichss zn tractiren, dieweil die
Sachen also beschaffen, da.s uiemaudt verhanden, der reden dörff o<ler khüun oder anch
villeicht mitt nuz möchte, .sonder das die pass an andern ortten von weilten zu prae-
uccupieren. Dan soll cs bey so l>e.schoffnea wesen zu einem iuterregno khommen,
ist nichts gewisserss, dan das ess ein grosse zerrittikhaitt wirdt abgeben, nitt ullaiii
von wegen dess kaiserihmuh, sonder auch von wogen Ungern undt den seine.s
gesellen’), do sich jezo kaiser anffhelt, dan obwol .Mnttbias der Vorzug villeicht
geburcte, so hatt er doch starkhe oppositiones an allen denen orten, wie nitt minder
1) D. b höbraen.
19*
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148
Maximilian, dieweil die meisten darvilr halten wSlIei), ander andern! das der
keiner zu dem ernst ronderss tauglich nndt soril das kaiserthumb in imper-
sonali ') belangt, ist K. L)‘ minder als mir verborgen, dass Frankreich ira vil
darvon träumen last nndt zn seinen pretensionem desto leichter gelangen möcht, von
we^en dess erstgemelten concept von Matthias und Maximilian, bevoraus dieweil
er auch bei kaiser seine adhaerenleii halien soll, der im auch vür sich selbst nitt un-
gewogen. Frankreich aber von disem allen abzuhalten, ist kheiu besser mittel,
als dass der krieg niitt Frankreich von Spanien behart würdt, dan dordnreh
werden anff den fal den protestierenden alle ihre motiven, jFraM/;rfifA beizufallen,
benommen, dieweil nitt zu vermutten, tlas wider Türken vil geleist khondt werden,
so lang man mitt sich selbst zu schaffen. E. Ferdinand hatt bey disem wenig
zn l>edcitten, dieweil der im selbst den weg sleust mitt seinen zu vil schorpfen re-
formatio neu, alss das er im on alle mitteil allen beyfall der protestierenden
benommen undt abgekhnrzt Derhalbcn schlies ich dohin , da der e. Ihr echt
Niderland in ruhen kbondte haben durch mitteil eins frieds oder sonsten, das er
vor allen andern den offnen pass bett nitt nllain zu kaiserthnmb sonder auch
zu Ungern nndt seinem gesellen undt wnrdt darmitt Oeslerreirh wider zusammen
khommen undt grösser alss nie; gebürte auch mhererss nitt dazu alss ein gutte vor-
beraithnng bei Saxen, Mainz, Trier; Cöln aber halt ich nitt, das zn tränen,
sonder werde villeicht uehner auch Hrandenburg zn gewinnen sein, wan es zum
handell khoni. Ungern aber und seinen gesellen betreffendt, do nur zeitlich in der
nehne bey inen genügsame eventualbevehl verbanden, halt ich zu rechter zeit, do
darvor nichts heschehen, die handluiig vür ziralich ring. Im fal aber diser zeitt undt
bis dohin in Kiderlandt je kain mittel statt haben khan, .so bin anch darumb
ich nitt ausser hoflhnng, obwol die Sachen insoiiderheitt von wegen Turggeu
etwa-s schwerer an allen orten fallen werden, do allein erzh. Al brecht sein jezige
reputalion in kriegswesen erbelt und Franzos zu khainer ruhe khoinpt. Den
wie es sich ausicht , so Stichen die mai-sten anss denen die fried begeren zwischen
Franz oss undt Spanien, dises sampt Oesterreich zu eutschläffern, damit der
ander mög avanzirt werden. -Salzburg den 25 October IGOO.
Urs. Secret. d’Allcm. N. 2111, 79 eigh. Or.
1) Bezieht sich auf die Chiffre, welche eigeutlich Kaiser hie».
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XVI.
l)es Erzbischofs von Salzburg lUmi Kaiser zugeatellte „Summarische
erinnerimg und anzeig, wie I. ksl. M' allerhand jiractikcn, so sich dem, dem
hl. reich und dem löblichen hauas Österreich zu merklichem praejudicio hin
und wider anspinuen , begegnen und diss hoffwesen wie in gleichen dass veld
also bestellen können, dass sie in nie nnd mit menniglichs satisfaction der per-
sönlichen andienzen überhebt sein mögen.“
„Ob wol nit gezweifen wird, die R. ksl. M* haben dess weltlanls und jezigen
stauds genugsanibo uachrichtung .sowol fllr sich selbst alss von anderen fUrneoieu
orten und dannenhero billich hcdcnklich , dcsshalbeu I. M' fernere uuterthenigste
erinnernng znekommen zue lassen, so beiiudt sich doch anderseits die pfliebt gegen
I. M‘ alss röra; kaiser derma.ssen beschaffen, und conditioniret, dass ohne betraugnuss
des gewissens auch nit wol zu unterlassen, da.sjenige, so in wahre errabrnuss gebracht,
I. ksl. M' gehorsambist zne berichten und zwar umb keiner anderen ursach willen
daun darmit der pflicht, wie jetzt angedeuttet, auch ein genügen geschehe.
Und ist dises aiifenglich der hauhtpuiict, dass dem weltbrauch nach -sich au
mehr orten erzaigt, alss wore grosse naignng vorhauden, den stand der cristenheit
in dem politischen wesen zu enderu nit ohne gefahr und sondere nachtheil dess
löbl. hauss Oesterreich, dann nit allein Frankreich Rlr sich seihst sonder auch die
bäpstliche Ilail' und die italiaiiische lürsten in geiuain wie vitleicbt auch etliche dess
reiche mögen ein starkes aug auf Frankreich geworfen haben, um das.selbig sorill an
inen gelegen, zue dem kaiserthumh zne befürderu und dardtirch den weg zu eröffnen
zne untertrücknng dess lianss Österreich under dem schein, dass die österreichische
nnd spanische macht irem vorgeben nach ohne du.ss zue bocli gestiegen und ire
Sicherheit erforderte, zue einem gegengivicht Frankreich zne crliclien. Durch diese
mittel aber, das I. ksl. M', zue gedenken auf ein succcssorcm im reich, noch zue zeit
villeicbt wenig lust und uaiguug tragen und derhalben, dieweil wir alle sterblich,
die Bachen zne ainem freien iuterreguo im reich kommen möchtcu , welches, da es
heschehen solle in wehrenden offenen krieg wider den -erhfciiid, den churfürsten nott-
wendig auweisuug würde gehen, auf aiu solches hauss im reich zue gedenken, so zue
versichening gemaines vatterlands den krieg wider den erbfeind zue führen, genueg-
sam qnalificiert. Wann dann zue solchem Frankreich fuer nicniglich anderm ge-
schickt, I. M* brüeder aber wie auch erzh. Ferdinand darzue nit also tauglich ge-
achtet werden möchten nnd erzh. Albrecht in dem Niderlnud ohne dass gnueg zne
schaffen, mich dass mit eiufellt, dass von wegen der .starken religion.srefonnalion, so
anjezo bei disen herrii in der Übung, die.selbeii bei den protestierenden stenden dess
reiebs etwass übel gewolt: also ist die verrauettung vorhanden, dass Frankreich den
ziiegung zne dem reich , so es alberait stark nffi»ctiert, Icichtlich inögte bekommen.
ÜB aller sollichs wider verhoffen geschehen solle , gebe ibme dass reich mittel , sich
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der Nidertand wie aiicli etwaii der croii Ungarn unter dem schein dess [Törken]
kriegs inechtig r.ue machen, nnd da «olliches ervolgte, nbwol Frankreich Italia mit
frieilen liess, würden doch dardurch die Ilispnui in ain solche forcht gesezt, dass sich
die übrigen potentaten in Italia wenig vor ihnen znc furchten betten. Wolte dann
Frankreich wider sein versprechen nnd ire zneversicht auch in Italia nnrne aiistiflen,
80 hcttc man alssdann die Spanier zum besten nml wurde ein macht die andere in
zamn halten und dardurch die andere stiind irer frciheit halber desto mchrer ver-
sichert .sein. Und diss sein die lianhtdiscnrs der italiani.schen potentaten der zeit, dahin
sie sich nnd alle ire anschleg und resolutionen nach nnd nach richten.
Bei Frankreich aber ist wissentlich , das er ime vom reich mehr alss stark
traninen last nnd desvhalhen in starker Vorarbeit ist , auch sovill die gaistlichen
churlürslen behingt, sich auf den bähst nit wenig verlast. Kljenmessig sein etliche
sländ im reich zne dieser tractation nll>erait nit allerdings ungewngen. Seite es dann
zne ainera solchen kommen , ist Icichtlich zue erachten , wnss es mit dess hauss
Oesterreich vorlanden fnr ain gestalt gegen Frankreich wurde haben und ob sie auch
dasselbige joch entrinnen kOiiten oder nit. Gleichsfahls «vUrden die Stailen sambt den
protestierenden dise gelegenheit, die Spanier oder villmehr die Österreichischen auss
Niderland zne treilwn nit versäumen. Die übrige land anch, so an Ungarn stassen,
mögbm durch dise böse practiken leichtlich von dem hauss Österreich kommen. ‘
Dannenhero die eüsseriste not erfordert, diesem allen nunmehr so vill niensch-
nnd möglich fuer/.uehauen und zne begegnen. Darzuc dann 1. M' ainiges ander csler
gelcgenere.s mittel nit haben, lianbtsachlich davon znc disenrriren , alss dass sie in
dero lehzeitlen die snccessiou des reichs zue werk zne richten . sich gnedigst ent-
schliessen. Wann aber I. M' zne der siiceessioii kein leibserls'ii , also mögten die-
selben auch dero hrneder halber, solche biss daher zu hetürdem, villcicht nit mizeitig
heilcnken gehabt haben. Zneilem ohwoll der hanhipnnct an diesem gelegen, so ist
doch nit woll rattsamb fiiereileud ain solch,“ werk , alss da ist. die wall eines röm.
königs für und an die liand zne neiuinen, man sei dann dess mischlags mehr alss
vorgewisst [vor gewis.s?] hevoranss bei der jezigen heschatrenheit , liei wellicher sich
leichtlich begegnen niöcht, diiss man mit nngewi.s.sen Vertröstungen suchte zue der
wall zne kommen , damit mau nachmals den Sachen ainen imvcrhoflen mul nit ver-
maiiiten ans.se,hlag ettwo gefehrlicher weiss gelwii kiinte, dardurch dan nit allain divss
reich sonder auch sowoll T. M' seihst alss ilass haiis.s Oesterreich in geiiiain in die
cnsseristc gefahr gesezt wurde. Derhalben daun mehr als vorstendig, ilise Sachen
und practiken zuevolir giiueg,samb zne versnechen, ehe mau sich unterstehe sollichc
in dass werk zue si"/«!.
Darneben sein dieselben auch nit woll in die leng zne stellen, dieweil die prac-
tikoii nit allein stark in schwung, sonder auch vill furneimne steud di'ss reichs ob der
expedition dess kaiserlichen hoft's nit allerdings ein gefallen tnigeu und hesorglich,
da I. M' nit ain eiiueheu timen , dass wann diu Sachen reif und zeitig , die chiir-
fursten zue bewegen villeicht sein mögten , die Sachen fier sich selbst an die band
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löl
zne Hemmen und nnf aiii einsehen zue f;cdenken , inmasH'U dan nit leit iiu reich
umugeln, die sich dergleichen alhereit verlauten las.seii.
Solchem nun allem fui'zukommen utnl zne Ixgegncn, I. ksl. M‘ in aiclicrheit und
authoritet zne erhalten, künftiger gefahr des» hauMa Österreich entgegen zue gehen,
den chiir- und fnrsten deas reiche, ao sich disgustiret befinden und iieiiening iniglen
verursachen, satisfactinn zue geben, die practikeu abzuschneiden und die wall eines
römischen kunigs von dem hanss Oesterreich aufs kOnttig desto mehr zue facilitiren,
ist zum ersten nottwendig und ratthsamb, dass I. M* dass regiment so woll bei hoff
als im weiten in ain gnuegsambe ordnnng und bestallung bringen, ob welches nie-
mandt mit fueg und billigbeit zue hesehworen, dan sintemall die persönlichen audienzen
und verhöriingcn der bottschaften und abgesandten I. ,M‘ etwas schwer aukommen
nnd sich verweilen raögtcn , gibt alheroit die erfahrmig zue erkennen, das die ge-
haimbe räth gimegsambc satisfaetion von sich zue geben mul meuiglich zue conten-
tiereii, nit erklecken kOnten, dass auch desshalbeii der verdrtiess und Widerwillen nur
einreissen, welchen 1. M' da sie schon die aiizahl der geliaimben mehren, nit leicht-
lich {firkommen werden, so lang sie nit den gehaimbeii rnth mit einem solchen baubt
versehen, ab wellichem sich die bottschaften, da sie schon ahn dmeadbig gewisen
werden, nit zne beschweren hal>eu
Und dieweil I. ksl. M' dero geliebste herren brüeder an der hand, währe sehr
rattsamb, 1. M' Hessen ir allergnedigist belieben , dem ainen bei sich Ihm hoff zue
haben, dem gebuimbeu rath furznsezeu und der andiciizcn halb I. M' zu vertreten.
iJa auch 1. M' vcrniainen möchten, das sich ain brueder des gcwalts nbernemmeu
mögte, haben I. M' dises mittel, das sic erzli. .Matthias, als welcher praehMisioiies
primogenituroc, l>ei seinem gnberno mögteu verbleiben lassen, bei hotfaher den erz-
berzog Maximilian brauchen , so wurde auf disen weg ain brueder den anderen in
dem gebärenden respcct gegen I. M‘ erhalten nnd e. Maximilian sich ziivil nit an-
luassen, damit er I. M‘ gnad nit verwirket, erzherzog Matthias aber auch de.sto fleissiger
sein, damit er I. M' nit ursnch gebe, den erzherzog Maximilian ihmc vorzuezichen.
So wcreii auch ohne das 1. M‘ ohne sorgen, dieweil .sie ir die höchste authoritet
lievohr behielten, da es dero gcfellig, dem e. Maximilian nit anders alsa mit dero
wissen zue liaudlen bevölcheu, nnd dann die gehaiuibe, so ainem solchen herrn ziie-
geben werden, nit ime, sonder I. M‘ nllain vei-ptlicbt währen. Auf dise weg mögteu
I. M' irer ruc mit gelegenheit ]iflcgen nnd wflrd dennoch in den geschäfften nichts
verabsaumbet , sowoll auch znefrieden sein, so hei hoff zne handicn , dass sic mit I.
M* bnicder ainem ferner und nit mit Privatpersonen zue tmetiren betten, ünd'könten
dardnrcli die respect nnd anthoritet auch de.sto sterker erhalten und der Unwillen
bei den nnwilligen von tag zue tag abuenieu, entgegen aber der willen immer sterken
nnd wachsen.
Wass al)er die geliaimben belangt, so einem solchen herren zne verordnen, dabei
will etwass licdenklich fallen , solche von frembden orten und auch etlicbermasseu
BUSS dem reich zue nenimeu, in bedenkung, dass frembde auch frembde dependenzen
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haben imil die auss dem reich, so aiucs ansehens, ire priratinteress nit entratlien,
auch der neid unter gleichen gmainiglich gross und die beste frag, warum!) dieser
und nit jener. Danneuhero Termaiut mau untertheuigist, dass I. M' von denueii auss
dero kuenigreichen und landen am l>esteu und gelegensten würden bedient und in
allweg derseliicn affection und treu mehrer als der fremhden versichert und verge-
wist sein.
Sovil aber dass feld Irelangt , gibt die erfahrung zn erkennen, das durch die
französische hänbter wie villeicht andere zum thail nusalcndi.sehe 1. M' und deren
künigreichen gelegeuheit gar zue nahe wollen in achtung genommen und zue weit
pnliliciert werden. Üaraulf dann bestehet dass I. M‘ und dero hauss inis.sgueunern
mit grosser gefiihr deren ir höchste gehaiml)uuss offenbar werden, welliches daher
so lang Tcrmietten blieben, alss sich I M' diejenigen, so keine ausslendiscbe oder
fremhde dependenzen gehabt, getrauet haben.“
[Januar KiOl]
Brs. Secret. d'Allem. X. 249, III. 14 voll-stündig chiffrierte Copie.
XVll.
Dr. Otto Forstenhenser an Hz. Maximilian.
Durchlenchtigister fnrst Simslcn hab ich weitters verstanden , das es
zwar Iciletverniögenhait halben nmb I. k.sl. M‘ gar wol siehe, mögen auch wol essen
und trinken, pflegen auch zue zwen oder anderhalb .stunden zu tisch zue sizen und
haben auch I. M' bei einem halben jar deroselben dienern nicht nier, wie sie vor
disem gepflogen, angefareu, geschweigeii.s etwas ferners wie vor disem ip.so facto ge-
schehen, attentirt. I. M' lassen sic anch nimmermer öffentlich sehen, gehen auch
keinen gesanten andienz, sonder es mues alles an 1. .M' per memorialia gelangt
werden. Der Corradutius hat leuger als in einem hallam jar ainiche andienz nit
gehabt , der von Liechtenslein i.«t auch in zwaien monaten zue I M' nit kommen ;
her Barvitins aber hat dägliche nudieuz , ist auch manchesmal drei oder vier stunt
bei I. M‘. Diser allein expedirt I. M' privat- und auch wol andere Bachen
Bunsten .sagt man auch, das der Corradutius gar nit in gnaden bei I. M‘ seie.
Er zwar hat mir hent sclbsteu geclagt , dais die gehaimen so gar kaine andienzieu
bei I. M‘ iiaben' köiideu ; er bitte (iot däglicb , das er allein mit gmulen von I. M'
dieusten ledig möchte werden ; er und die gehaimen könten, Got anderst
nicht dienen, als sie thuen, so seie doch I. M' mit inen nicht content; ko könden
sie die gehaimen kaine gelcrtte oder erfarene lent aus dem reich hicher bringen,
dieweil die soeben also beschaffen, dan I. M* allein ir cammerdiener umb sich haben,
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denen gebe er glanben , ennderlich einem , so der Magophsgi genant wQrd , ao ein
Behem ist, wellicher gesel in oflentlichem adulterio leben tbnet. Dieser liabe auch
seithero des Popen ') ableiben ezliche dansent gülden per fag nofasque zuesameu
bracht, ünd sagt auch letzlichen mit diesen wortten zue mir, das vor zeitten ein
Sprichwort gewesen, das besser seie ein oesterreichische ungnat als ein bairische
gnat, aber das contrarium seie nunmer war. Ich rerstehe auch weitters in gemein,
das es noch ante natalitias ferias selzame mutationes alhie geben sol. So lang ich
auch hie gewesen, sihe ich doch auch, das &st ein je<ler thnet, was er wil ; die ge-
haimen rete haben auch kain gewiae stunt mer , in den rat zu gen, dannenhero die
sollicitationes der abgeordneten und gesanten gar ungewis ; so man dan sie zue hans
snecht, so hnt man die herren selten anhaimbs, den ire etliche das frauenzimmer
cortesiren , andere aber faren spacim ; dannenhero jeznnt vil mer clagen verbanden,
als zue zeit des Kumpfen bescheben. Es ist glcichwol nit one, wie her Barviti diser
dagen zu mir vermeldet, qnud in diem vivant und wissen däglich nit, wan es Ober
nud über gebe.
Wan ich aber widerumen nach München gelangen wurt, so wil alsdan E. D*
ich merers in specie des hiesigen hofwesens berichten , welliches alles anjezo ich der
feder nit zuevertranen Datum Prag den 27. octobris a" 1601.
Ma. 30/17, 16 eigh. Ov.
1) 8. Briefe und Acten IT, 221 Anm. 3.
Akh. d. III. CU d. k. At. d. Wie« X V. Bd. I. Abth.
20
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Pi e g- i s t, e r .
Hans Tfin Aftchcn. Anui. I;!.*.
Ancel. S.M fl' Aimi, ]<;0, -JIO, ;t73.
Anhalt. Für»tChristian.S.7'>f.HI. IMI. Anm -t Wt.
Johann Gcnrjr Anm
Annalx>rg. Zu^aiuincnknnft S 70
Ansbnch. Marlj^raf Goorj; Fric-lrich S. 51, Mf,
7^. U>1, Anm. 100,
Asehatrenbnrjr. Zünammenkonft 8. 0?), 71, 7-»,
7^^^ Anm.
Harfl Rnv^t von der AsM^bnrg. Amn. oUfl.
Herz"^ von Amnale S. 1^
Ba«Un'Durla<'b. Markjfraf Ernst Friedrich S. 7-‘i.
Ilai^rn. Kr i»« S. Haus : An.<tc)icn S.
144 f. Stclluni; zu Fhinkr»'ich S f. rum
Kaii^er Anm. IP». Ans- and Absichten auf
dia Kniserkrone S. 1-*>, 14, 17, >*-t f., ttfl ft.
Anin. Herzop Albrecht V, 8. 8-t, 144 ;
Erm<t und Ferdinand siehe Köln; Herzo^’in
Magdalena Anm. I-IA, ;l*29, 409; Maria
Anna S. li?0; Herzoj? Maxiniilinn 1^ S. Ct, 65,
^
04. 09, 70, Ith*, U7, I JO. 127,
FJ9.. m HO, l<jo, I7J.
17f<, ITfl. 191, 200, 2Q:l. tJOl. 207. 206.
^71, 270, H20, :i2i*. Si9, :t4-5, Mi, ::04, ;157,
2:^, ;4(i2, im, 270. 282, 385. »8«, 4)>*i,
4i>n, Anm. 2 *u S. 129 und 2^ xu 141 ; M. be-
wirbtsich om die Kaiserkrone 8. 72, 70. 83 ff.
102j_ U2 ff. Anm. W; Wilhelm V. S, 15. fi4,
6^ ^ f. ff. 135. 136. 142 , Anm. ^ 3^
!*Zl ±L ili ^ ^ »02, 126, 127, 143,
329, 36.5.
Franx und Maria de Bailliencourt Anm. 143.
Johann Uarritius S. 4-**, 78, HO, lOfl, 111, 112,
132. 152 f. Anm. \j2j_
276, 321». 319, 3»iG.
Bithory, Andreas Anm. Sletfinund Anm 209.
Ikdjricn S. II. 12. 18. 22 ff.
Ladialaua von Ih<rka 8. 1 25.
Burkhard von Berlichinffen 8. 79, 105, 141.
.Anm. B»0. 255.
Johnmi Adam von Bicken Anm. 219. V^l.Mainx.
ChriKtof Sie^round von Bila. Anm.
Karl Bille 8. 82, H.~i f. IF! f. 147. Anm. 09.
218. n:{!i.
Wilh*dni Bodenins Anm. 362, :ki6, 376, -185, ;t86.
Brdimen S.131; Neipiinjc xum AbfaU von 04’ster*
rtich S. r. 65j_ 77^ ^ 135 tT.
147. Anm. 209; Erbrecht Anm. 297 ; Kanzlei
S. 123; K.migswahl S.9j^£^221f. 131, 136,
147 f. *ic ist alhangijT von der Kniscrwahl
8. bedingt diese S. 2i_ 30, 85. 144 ;
Kronaiiiter S.^ f. 12^h 135; Landtag von 1599
Anm. 1 17 ; von 1600 S. 77^ Anm. 137 ;
Bc-stanration 8. 125. 139, vgl. Pirarden; Mange!
an Führern unter den Ständen Anm. 1 95.
Jakob Bongart Amn. 2»t3, 237, 341.
Giovanni Francesco Bonomo, Bischof von AVrcelli
und Naiitia.s xu Prag, Anm. 4, 38.
Herzog Heinrich von Bouillon S. 101.
Arnablo van der Boje. Anm. 65. 66, 69, 72«
76, 78, 9,5.
Botxht^im Anm. 319.
Tycho de Brabe S. ^ f. Anm. 181, 253.
329, 390.
Brandenburg: Chnrfurst Joachim Friedrichs 7^
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IM
ÖSff. m. 122. 124. !?n. U'*:
Johann Georg S. 7 ff. 22. 2^1^ Anm. l.tO,
:^9. ■‘>2. 54. 76. 98.
Brannflchweig: Herzog Hctnrich Julias 8. T"».
VAX . Anm. 2^ri. :C(e, :tmi; Otto Heinrich
Anm. IfjL.
Breuiier: Freiherr Jakob S. 10^ Peter [?) Amn.:W>*l.
AmoM von Buchok 3. ttt*. ^9, Anm. 2*2:t, 274.
Buiiweia Anm. 12li. ^
Calviniaten S. i;?7.
Peter Casal S. ßC f. 71^ ^ 140 ff. Aom.4f^
220^ 2^ ;m».
ConJestable von Caetilien Anm. au2.
OUavio Cavriano S. M
Cliurfunlencolleg; Aufnabme <le» Chf. Ernst von
Köln S.^ff. Aun. 14; Hechte S._^ff. fü*. >*4.
Ufi, i:t4, lari, |:!0, 150f. Anm. 2i'A, :t02;
Vcrfflssaiig S. 60, 70» 71. beab»»ichtigter
Char(ur»tontag S. ^ ff. xk ; Zuaatnmen-
kQnfte von ChurfQrsten: Mainz l*»i4 (Mainz,
Trier, Sachaen), Cottlas iriS4 (Sadi*en, Bran-
denburg) Oobleni (Mainz. Trier, Köln)
Silbach ICuO (Köln, Sachsen Ascbaffenbnrg
HK» (Mainz, Trier, Köln) Annaberg lüOO
(Sachsen, Brandenbarg) Mainz ICO] (Mainz,
Köln) Kms l(i0>4 (Mainz. Trier, Köln) siehe
unter (len Ortsnamen.
Clemens VIII. 3. Ui. 17. 52. 72, 74. iMj ff
1^11^ 21^1Üili!^ M2i. ü±f
I4tt f. Anm. 242. ■44'h S44.
Gnitlen de San Clementa S. 17, IS, 10, 40, 51 f
5.5, 71, 00, hg, 112. m, 120, Anm. ^
^ ^ U5(_ 140^ 2^ 2^ ;W2,
'.m, ;jG;i.
CoMenz, Zu-samroenkunft Anm. :kü.
Tomaao Contarino, Anm. 41. 42.
KndoU von Coradnz S. ^ 50. 109. IIP. 124,
120. i:t2, 152, Anm. ^ 102^^ 3H6.
Cottbus, ZuRammenkanft S. ^
König Christian IV. von Hünemark S. 27, 1-tS.
Deutscblanii, Nationalgeföhl S. 101.
Dictriebstein, Freiherr Adam Anm. 4. 08; Franz,
Bischof von Olinhtz, Cardinal S. 74 , 112,
Anm. ^ 366.
Burggraf Fabian von Dohna S. 99.
Piero Duodo S. 51,. >2, 54 f. IQS, 129 ff. Aom. 89,
lf>2. 106, i:i4, 138, 174, 175, 177, 17S. 1B2,
m. 191. 194. 195. 2U^ML.ML g-'iO. 252.
254. 258. 26Ö. 26:1. 264. 265. 277. 291. 293.
' 2^ 2^ 302, :W3. :M4, 3.59, 304. 370, 372.
375, 333. 393, 396.
! Michael Ehern Amn. l.'U. .349.
^ Kms, Zusammenkunft Anm. 400.
Engelmeyer Änin. 367.
j England Anm. 38^1 Krmigin Elisabeth .Anm- 203.
Herzog Caesar von Este. 8. 38, Vgl. Ferrara,
' Modena, lieggio.
Philipi* Faust Anm. 222. 297. 2nx, .301, 406.
Kaiser Ferdinand i S. 121.
Ferrara S. ^ ^ I3;t.
Finale S- 112 f. Anin. 375.
Otto Forstonlienser 8. 152 f.
I Frank 8. Ü,
Frankfurt a. 31. Zusammenkunft Anm. Uu.
Frankreich. König Heinrich IJI. S. 10^; Hein-
rich IV. Heiruth mit .Maria von Medici S. 46.
1 19, 123; Stellung znr Jfachfolgtfrage 8.
12j.il. 31. 61. 6N 72 ff. 75, ■■'4. k7. \ij,
•ilh. M ff- 12i liH* iiiit HL Üi ff-
Anm. ^ ^ 174. 2 12. 265. :U)S. 321, 410;
andere Praktiken im Beich, Amn. 2*J6.
393.
Freiherr Georg Desiderios von Franenbofen.
Amu. 319.
FrieJbcrg, Zusammenkunft .Anm. 26.5.
Forstenberg. Graf Albrecbt Anm. 129, Casi»ar
Anm. 217, 219, 22 t. Graf Friedrich 8. 107, 132,
Freiherr Jouebiiu von Fugger S. 129,
Johann Gailkircher Aora. lol. 127. 143.
Paul Gurzwcilcr Anm. >149.
Hnbert Giphanins Anni. 349.
Giuffru 8. 131.
Johann Güdeluiuuu S. 79. 141.
Freiherr Johann von Groisbevck 8. ^ ff. 89, 93.
113, 114, 14:1 ff. Anm. 50, 135, 223, 227, 273,
ZLL
Gnarinoni S. 57, 117, 119, Anm. 7^ 17-S, .344.
Ludwig Haberstock Anm. 98» 365.
Hai Anm. 141.
Graf Johann von Hanau Anm. 296.
Andreas Uannewald Anm. 349.
Freiherr Leonhard von Harrach 8.12». Anm. 93.
Heinrich von Haalaug Anm. 363.
Heid 8. Ü
Jakob Heilbituiner Amn. 344.
Johann Georg von Herwart Anm. 102.
Landgraf Morit von Hessen S. 1^ f. Anm. 410.
20*
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1 5G
Freiherren Ton Hofmaon, Penlinand 8. 50, 107,
l:>2. Anm. !»>>. 12'» ; Hans Friedrich Anm.JMa.
Graf Karl I(. von Hoheucollem 8. 42. 4'\ 105 f.
I2*<. liD.
Holland. Vcrcinigui^ mit IVntRchland 8. ^
lld; FrtcJcnshandlung S. H4, 01j,
IK Anm. ^7]^ -m
Heno); von HoUtein Anm. ^(>'16.
Hans Chiiiitof von Hornstein 8. ^16 f. «x,
m f U2i_ Anm. lOU 129^ :tG6.
Blaslita Haetcr Anm. :{T5, :190, 400.
Huf^eootten 8. 101.
Agoatino Hnrando Anm. :U)S.
Interregnum S. ^ 14^ f., 7^ 9U, 122,
Vi*}, U\ 147. Ui>. Anm. :t02.
Italien S. I.^Q, Reichalehcn 8. 10, |H,
Jesuiten XQ Gra« Anro. in Prag Anm. -tX, 181.
Jülich 8. 2^ Anm. ^
Markgruf Jalias 8. -1^1.
Kaiserthum, Aneehen 8. 69. 70, 72, xS, Anm. 210.
219 ; Bedeutung S.j4j^ der Papst kann es Ober*
tragen 8. IH9.
KaUerwahl, Bedingnngso 8. 7^ ^If. 69, 70,
7f^ ^ ^ f„ «it f.. 1*4^ 14^ 149j
Anm. 2^;^ :t02, ;129.
Kandlberger S. 127.
Kaniitxa S. iüt. *0. 1-kl. 141. Anm. ^ xn
S. UL.
Kapuxincr 8. .'>8, fiO. 65, 77, IQJl, |:tx ff., 141 f.,
Anni. *144.
Karl V. S.
Kassel, Kindtaufe S. ^
Katholiken , Liga und Besorgnisse vor den Pro*
testanten stehe dort.
Freiherr Johann von KbevenhOUer 8. ^ ff., 10,
^^11^ Anm. 9^ :194.
Melchior Khlenl S. A7j_ Anm. 7^ :17B.
Köln; ChurfOrst Emst 8. 5, 62, Amn. 4il, 47,
406.
409 ; Aofnabroe in den Churverein 8. ff.
Desocli beim Administrator von Sachsen 8. 47.
6K; Freondschaft mit Erzherzog Albrecht
8. ^ ^ ff.. ^ ff., ^ ff., Anm. .121,
12U, 403, 404; mit Erzherzog Emst S.
mit Kaiser Rndolf II. 8. 19. 21, 65, 82 ff.,
i:i6. Anm. 321, 329, 40:i, 404; Geldnoth
Anm. 218, 289; StcUang zor Nachfolgofrage
8. 17 ffir2nir7»2, &y ff., T^^ff., M f.,
102, 113 ff., 122. 134, 136, 138, 140 ff. 143 ff..
146 ff. , Amn. ^ ^ 7^ 17£ 329.
411; «j])4nische Pension 8. 91. 146. Coadjator
Ferdinand: 8. ?<4, 96 f.. Anm. 271. Vgl.
Gebhard Truchsess von Waldbnrg.
Ulrich von Krenberg S. 114, Anm. 197, 209.
Hartmut von Kronberg Anm. IL
Kurz von Senftenau Jakob S. 1|^ Anm. 99, 101 ;
Philipp Anm. 141.
Philipp lang S.
Caspar Lehmann Anm. :148.
Landgraf Georg Lndfrig von LcochtenbergS. 106.
Freiherr Karl von Liebtenstein 8. 4o, .V%, 7?^.
106, 1^ Anm.IKl, 242,
:W7.
Liga S. Lb 74^ Aum. 7^
Hermann von Linden , Freiherr zn Reckum
Anm. 274.
Linz Anro. 129.
Graf von Lippe Anm. 167.
Pope! von Lobkowitz: Christof 8. 12Ö, Georg
8. 12.\ Anm. 297, Sdenko Adalbert 8. I2o.
Graf von Lodron S. 110.
Lothringen : Herzug Karl III S. ^ f. Franz
Graf von Vandemont S. l'>; Prinzessinnen
8. 46. Anm. 2*>8.
Hieronymus Machowsky S. 7^^, 106, 1A1 Anm. 1>^1.
Ludwig von Madruzzo, Cardinal, Bischof von
Trient S. ^7^ Anm. 17, 19.
MShren S. 129, LH, Xeigung zum Abfall von
Ücstorreicb S. ^ f , 120, 121.
Magdeburg, Si'saionsstreit 8.^ Zusammen-
kunft Anm. 76.
MaiUnd S 10. |x. 2:1. 46. 112.
Mainz, ZusammenknoG S. £ ff., 88 f.
Mainz, CburfürHt Joltann Adam 8. 86 ff.« Anm. ^138,
402, 4*Hi (vgl. Bicken) Daniel 8. 4 ff., Anm.^
^ 8^ Wolfgang 8. £ff., t]_ ff., 1^69 ff., j».
!-20, 122, 124, m 140, 148, Anm. 8, 12, 47,
52. .VI. :H, 197, 198, 217, 223, 224, 227, 244,
26H, 118.
Gerroanico dt Malaspioa, Nuntlos zu Prag
Anti). 37.
Johann Manhart S. ^f.. Anm. 44. 50,
2*Ll 102, 12d, 116, 117, 1.38, 142, 160, 179,
m ^ HS, H«, HS. :16*2, H5, HO, 377,
;W'2, Anm. ^ zu 8. 141.
Fürst Peter Emst von Mansfeld Anm. 116.
Herzog Vinccns von Mantua 8. III.
Philipp Marbach Amn. 344.
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!57
Kaiserin Maria 8. 5. ft ff.. 16, 47, m, UO.
Maria von Me-lici 8. ^ M7 ff, f.,
u*<i-
Kaiser Maximilian L S. Maximilian [I.
s.
Heno|? TOD Majenno 8. 13.
Herxog ron Mecklcnbar^; Anm. J6.
Joluinn Hililebraml Mecker ron Bali^heim S. 37.
m, ^ Anm. m
Graf Leonhard Helfried von Me^gan Anm. ^
Francisco de Mondoxa 8. 40, 93, 118, 144.
Anm. ;t‘2ft.
Herzog von Mercoear 8. 13.
Merkbacb 8. 7^ 141. Anm. 160.
Adolf Wolf von Gracht, genannt Metternich
Anm. 70. 280.
Minaccio dei Minocci Anm. 58.
Modena S. 'iS, 132. \’U.
Peter von HoUart S. UHi, I2\ Anm. 124.
125. 12ft,
Molxer Anm. 3:16.
Nachfolge ; Recht 8. 26. Amn.73; Verhandlongen ;
1.VM 8. 1 ff., I5K'i S. 5^iL. l-5’*4 S. iL. IL
Anm. 39, 1.585—1594 8. f** 1594
S. n ff.. 71 f., ^ .Anm. .'102; 1595 ff.,
8. ff, 7^ 90^ Anra. 74^^ 15iW S. ^ ff^
56, 120. 121 U 123 ff.. 143; 1000 ff., 8. ^ ff
mff.
Graf Ladwig II. von Nassau Anm. 2i>6.
Pfabgraf Philipp Ludwig von Neabarg 8. 64, 135,
Hans Heinrich von Ncuhausen Anm. :l4ft.
Herzog Karl von Nevers Anm.
Nnntien 8. Anra. jL 30^ Vgl. Portia in
Orax, Bonomo, Malaspina, 8peciano und
Spinelli tu Prag.
Oeiterreich : Inneröetereich 8- 6^ 127. 134,
Anm. U)2. 247. Erxhcnogthüiner ob und
unter der Enns, 8. 79, 129, L14, 136, Anm, 247,
Vonleröaterreicb 8. 150. Anm. ^
Oesterreich, Krihenoge: Albrecht S. 3^
m f. Anm. ^ 76, 9^ 191, 20.3, 210,
360, :163, :tS0, 400, 40;l, 404; Heirath mit
IsabclU 8. ff, ^ f., 1^ 1^ Bwnch
bei Kaiser Rudolf S. ^ f., ^ L Verhältnis
lu demselben 8. 1^ ^ ff-, .12, 43, 45, 47,
M ff., W f-, Ml «Zt ^ Hk Alk
120, Anm. 66, 67 ; Stollung tur Nachfolge'
frage 8 21 ff, 51 ff., 62ff, 72 ff., 7^
m ff., 1^1^ ff., m ff..
I 146 ff. Anm. 57. 59. 74. 175. Iftl. 214. 221.
:t02. ■tO'3. Anna S. 130 Antu. 3lKi ; Anna Ka-
tharina d. Ae. 8- !•»). LlTi, 142; Anna Ka-
I tharina d. J. 8. LK>, Anra. 3!HJ, (vgl Töchter
Ferdinands von Tiroll Eleonore 8. 127 ; Emst
n r. Ikik 10. 21, :ut, 140. Anm. 3ft.
36.5 ; Ferdinand der Aeltere von Tirol 8. i*
U, 46, 59, 140, Anm. 36 , 93, 278 ; dc^en
I Töchter 8. 46, L», Anm. 25**. Ferdinand der
jQngere ron Inn<*rösterriieh S.62.^^'» ^2. 114.
! 127, 134, Lt-5 ff.. Anm. 4", 7.3. 79, 275. 295.
:W2; B' sneh in Prag 1602 Anm. 4'J8; Heirath
, 8. 120 ; Aussichten auf die Nachfolge S. ^ f./
75, .84, 91 f„ iU. 94, 144, 148. 149. Anm. 223.
243. Jt2^^ 406, 40**, 409, Schwestern 8.M. f-»
Anm. 396 (vgl. Eleonore und .Marie Christin**)
Karl S. 3 ff.. 140, Anm. 6; Maria S. j.1-5. 142,
■Anm. 1>9, *203, 409; Marie CHiristme Anm, 409 ;
I Matthias, V'erhältnia zu Erxlieraog Albrecht
8. 29 . 52 . 61. 62 . 93. 120. Anm. 76. 175.
’ I9t ; Besuche in Prag S. 2^j^ ük 37 ff..
115, 1-3.3 f., 21L 14^ Character 8. 26 f., 94,
14-S 149, Anm. 1*^9, .3<>5; Heirath S. 31, 120.
* 123, Anm 2tVl, 329 , 4o9; Verhältnis znm
Kaiser S. 32 , 43, ^ f. , ^ ff., 78, 95, Ul,
I Hi ft- ff . 1-3 f . 131, 147 ff., Anm. ^
' 1^2^ 2^ 2^3-2^^ 3.'4, m; zu Maxi-
I milian S. ^ Anm. 85, 191 ; zam Papste
S. ^ f.; XU Spanien 8. 92 ; Stellung zur
• Nocbfolgefrage 8. 2« ff., 56 ff., 70, 75, HO.
^ U4 ff., 1^ ff-, J2|^ m ff, Änrn. ;J02.
406, 4tJ9; Maximilian 8. 4, 29, 31, 47, 52.
62 ff. , «6 f., 79 ff. , ^9^ IIL. U6^ Lik
134. |:t5 ff., 147 ff. Anm. 24.
7^^ ^^1^19^:102, :m, :108, 326,
3:46, 4<Hi; Maximilian Emst Anm. 40**.
Graf ron Oettingen Amn. :I67.
Graf Olivarez S. 53. Aum. 174.
Prinz Moriz von Oranien 8. 130.
Freiherr Georg von Pairadeiser Amn. 2 zu 8.141.
Ottavio Paravicino Anra. :166.
Passau S. 129 Anm. 129.
Perostein Maria von Anm. 3S7. Wratislan Anm. 4.
I Persien Anm. 263.
Pest S.24,34, 4:j, 47, 129, Anm. 69, 117, 129,
m.
I Bartholomaus Peiaen 8. ^ 132. 146. Anm. 195
Pfalz. Churfürst Frie^irich IV. 8. 31. 104 f.. 131.
Anm. Wü; bemüht sich um die Kronen Böhmeni
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and des Rcic)ia S. l'iO; Stcllanii' zur Nacb-
folgefmge S, UJ. *>S "1. ff-. ff-*
124, Ar>ro.’J6U. Pfulzjjraf Johann Casiinir
S- iLÜ LL.il *■•* iliL. Anm. Chur-
fürMt Amn.
David Pfeifer Amn. 1^ 14.
Piearden S. JUill f.
Pilsen S. 4^ Anm. PU.
Johann Pistorius Anm. 141. )i44, 24‘».
Volrat von Pleasen Anm,
Polen S. IlH, Am». 20ü. 2ti4.
Freiliertcn von P^lweil, Confifantin Anm. 127;
lladolf S. 4^ 4^ lüä f. , LLli Amu. ^
i:iL
Hono^je von Pommern Anm. ^
IluUB Popp S. 1 ■‘■i Anm. ^
Uraf Hicronvnius Puitia, Nuntius zu Graz S. 52,
^Aiim. U*::. 172. IM. 2tHj. 2u:t. 204, 21)7,
‘M, :i2t), 4<m;, 4ox, 40i*.
Alexander Pruutl S. 127 f.. Anm. CH, 7s, }j2. xy.
102, 117, m U<i. \:\ is:t.
^ :»i), XA, ;i:i7.
301, 3<k?, 3i>y, Anm. zu Ji. 131.
Pnij: S. 132.
Francesco Priuli Amu ^'•O.
Cardinal • Prot* ctor von Deut^icbland 8. 112.
Anm. ^(00.
Protentantcn , Pläne der IP wi^DK^partci, De-
sor^ni»se derselben und Furcht der Katbo*
likon vor ihr S. ^ 17, 27, 31, 3.7, 40>
» IrÜt
122. 124 f.. P^ 1^ 1^ f.. ^
ff. , A mn. ^ ^ 302,
321, 410; G*4Jnoth Anm. 76; G'-sandtsebaften
an den Kaiser, 1000 S. 131, lOUl S. 104 f..
Anm. 2.71, 303; Haas xwiachon Lutheranern
und Calvinisten, Anm. 70 ; Stellung zur Nach«
folgvfrage 8. ff-« 00 ff- Verweigerung der
TUrkenhülfen 8. 42> ; Unionspläne S. 4-'>. 09.
Anm. 410. Zuaammcnk&ofte siehe Frankfurt
a. M. Fnevlberg, Kassel, Magdeburg, Uot«n>
bürg a. T. und Torgao.
Rab 8. VXi.
Keckem aieho Linden.
Reggio I Rezzo) 8. 3^, 132, iXi.
Reicbs'DepuUtionstag P'if'Ö 8.^ P'iOSML, 8. 4.7,
77, 128, Anm. 07 ; Hofrath 8. 15, 24. Sl.lQ.^,
lüü, 131, Anm. 34'J; Tage 1082 8. ^ 1604
S. 17 ff-, 71 f., 1^ Amu. 3L^ 363; 1508
g. 4^ 1603 8. ^ Hl, ^ Anm. 242;
Yicariat während de* Interregnums S.j^ ßOff.,
06. 122. 134. 13.\ Amn. ;W2j in Italien 8.10.
Beligionafrieden : Freistellung S. 1.6 ; geistlicher
Vorbehalt S. ^ Anm. 11.
Octavian Roberetti 8. 6S Anm. K-’^.
Peter Koder .\nra, :K4.
Hermann Christof Rosworm S. .60.
Rotenburg a. T. Zusammenkunft Anm.
Kaiser Rudolf II. Alcbymie nnd Astn^nomie.
Amn. 141 , 263. 320; Verhältnis zu seinen
Brödom S. 111 . P'tQ. Anm. 207, 3M), 4>S(ij
(vgl. unter Albrerht und Matthias vonO*‘*ter-
r*‘icli) Character 8. ^ ff.,
^ ff, ia f-, Ü f.. 41. 4.6. .64, 66.
^ir., 66, 70 ff.. H\, Kt, Hl, HM, 01, lus ff.,
115, 117, HO. 126. 127. VJH f.. ^ 142,
Amu. 66, 60. 70. 03, 121. 141. 20!>. 276, 297,
326, .320, 406, IIÜ; Verhältnis zu Kngland
Anm. 383; zu Frankreich 8. 04 , 113, 110,
123 f. Gtildnoth S. 11. Anm. 2t>0. 3**2; Hoi-
rath 8. HO, mit der Infantin lsa]i*41a S. \
y ff., 1^16 f., ff.. 32. 3^, 110; mit
Maria von Me*lici S. 2.'». .!2. 37 ff.. 46, 117 ff.,
123. Anm. 174 ; mit an-iereu 1'rinzi‘ssinncn
8. 46j^J78 f, 126. PtO, Amu. 306; VerlmUuU
zu Holland S. 70. 113; Kammenliouer u. dgl.
8. ^ ^ ^ 06j^ m f., 2^ IM f.
(vgl. Frank, Hai, Lang, Lefaiuano, Machowskj
und Popp), Krankheit S. ff-« ^ ff*«
4^ ff.. ^ ILIiL ^
Hg. 127, I^ IL. _m ff.. I£L Pir h
07 , 127. 242. 204. 276. -J'.*!. 326; Stellung
zur Nachfolgi'frai;e 8, 6 ff., 11 f-, 12, 20, 22 ff.,
3U ff., 46. 66 ff.. 72. 7-yff.,
ff., r, 142 f.. L,
Anm. 10, 13, 20, 132, 320; VerhaUma zum
Papste 8. 7-8, 87, 1P6; Politik 8. 10, IH, 2.3,
1 XI ;
Rtiricrongsweise 8. 10
. 24,
27,
, :» f.
, 4.x,
(Wi_
"X ff., x;t. IST. -J1 f..
107
ff..
127,
128,
130
t, 140, P60 ff., Anm.
98,
126,
. 131,
174,
200. 224. 242. 32ß. 366, .
Anm
. 1
ZU 8,
rj«!
religiös«' Stellung 8. 13. 14,
. 48,
•w,
, 76 ff.
. 79,
1»2
ff., IM, l:« f., Hl
f-.
Anm, 03,
27«,
1 3Ü6
; Verhältnis zu Spanien 8.
10,
IH,
1.25,
3irül*ilLiiL W f« 7^ 7^ 78 f., 87, 02,
96, 102. Hl ff., H>^ l^i^ Anm. 302,
320, .366, 37o ; (vgl. Albrucht von Oesterreich)
Absicht, Tirol zu behalten S.^ f., Anm. 20;t,
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159
295; Unterthanen 8. 27,^ 70^ Amn. ^2; (rgl.
Bobroen , 5Iabreo, Oeaterreich, Schleaien und
Cnjram) Wahl in Böhmen S. 121,
Frfihcrr W’ol/>mng ton Kampf 8,^ ff., 15:l,
Amn. EinfluM aufl^
Kaiser S. 9 f. , ff. , Anm. 174:
Stellung *nr «panischen Heirath 8. 9 f.,
5.1, 55, I2<>; znr florentinischen 8. 37, jW ff.,
.*>3. 5.>, 1 17 ff., 12^* ! zur Nachful^rcfrage 8. 30 f., i
f., 50 ff., 121 f.. 14^1; in Spanien S. ^ff., |
53 ff; 1^ PoHUk S. 38 f. , er füllt in ün-
gnade S. ^ ^ff., ^ ff.. ^ 75 f , 1 1 7 ff.,
m m it, 1£^ Anm. 124.
125, 149; späteres Verhältnis zu Uadolf 8. 54.
105, Anm. lfi:h
Sachsen. ChurfQnit AngUHt 8. ^ ff., 8^ M j, j
Anm S 9. 39 ; Christian LI. S. Herzog
Frie<lrich Wilhelm von Ältvnborg (Weimar)
.Administrator von Chnrsachsen 8. 17 ff., 31.
^5^ ^ ^ ff., ^ ^ 122. 124, '
PK), 131. l;W. HS, Anm. ^ I
276, 321, 8{>aiiische Pension S. 21, 72.
Erzbischof W'olf Dietrich von Salzharg 8.93 ff.,
112, 147 fi; Anm. 37^ 3T5, 3'*0, 3-‘'8, 3;H).
Savojen S. ^ Anm. 205.
Georg Scherer S. JJ_.
Freiherr Christol von Schlciniz Anm. 340.
Schlesien S. 2^. 1 20. j
Graf Heioricli [?J von Schlick Anm. 75.
Graf Hans Keicfaart von Schönborg S 5.5, l:p>,
Anm. Hj9.
Schottwien, Zusaminenkanft 8 C3 ff.. 77, IIC.
135 ff.
Christof Schwarz Anm. 307.
Graf Adolf von Schwarzenberg 8 129 Anm. 80.
Siebenbürgen S. 44, I2^, .knin. HJ, 2'/Ji~2ti4-
Silbach, Zusammonkanft S. 4)^ j
Siitns V. 8. 13^1«^ Anm. 30. '
Francesco Soraiizo Anm. 134, 255, ,373. I
Spanien: Erbfolge 8. 10; Verhältnis zu Frank-
reich S. ff , Amn. 205 ; Auftreten in
Italien S am Rhein S. 1^
40, Anm. 218; Einfall in DeuUchland l.V.*H— '
998.27.34. 3.5. 40, 11 f., 93, IIR, 1-A>^. U4,
Anm. 70, 329, 303; Verhältnis zuin Kaiw
8 Rudolf II.; Stellung in der Nacfafolgefrage
8. 21 ff-. i^.M ff., ,7^90 ff., 102,
116, 140, Äum. 50 , 175f Infantin IsabeUa 1
8. ^9 ff.. 18,^21^^11,, ^4^1^ I
126, Anm. 20^1; Königin .Margaretha S, 136*
König Philipp II. S. 5. 9, 10, 12. 17, 1S.~2P
32 ff.. ^£<.7^ Anm. PhUipp ÜT
S. 10, >>-3, 72 f., 1 12, 1 :19, 140, Anm. 149, 203.
Cesaie Speciano. Bischof von Cremona, Xuntiiu
in Prag 8. 17,
Ulrich Speer 8. ^ ff., 143 ff. , Anm. 34.5^
04, 135, 223, 227, 273. 274, 270. :jQ8.
Erzbischof Spinelli Nuntius zu Prag S. ^ 53,
^ f , 90 ff, 1^ !4U Anm^ 191, 252.
Freiherr Alexander von Sprinzensteiii Anm. 349.
Adam von Stemberg S. 125.
Strassbnrg, BisthrnnsÄtreit 8.20, 101. Amu. 265.
CupiteUtreit 8. 13; Bischof Johann von Man-
derscheid S. Dl.
Reichard von Strein 8. 27 Anm, 73, 75, 79, H3,
171. 172, l.^ü,
Graf Rudolf von Sulz S. 132 Anm. 2.59.
Szolnok Anm. 242.
Tensenbach Anm. 12..
Tirol 8. >>_ f., Anm. 2H5.
Torgau, Zusammenkunft S. DU).
Tnscatia, Grossherzng Franz S. 2.5, 117 ff., 123 f, •
Ge.nandtcr dea<»elben S. 117 ff., 127 Anm. 7^
Trautson, Graf Ferdinand Anm. 349, Freiherr
Hans Anm. 4, IH; Graf Paul Sixtu« 8. 30^^
^ ü üilff. 75 f., ioirn ir..
12t f. . 120, 12S ff , 133. Ml>, 14;t. 147,
Anm. 09, 72. 127. 129. DU, 149, 103. 3(W.
Trier, Cliurfürst Johann S.£ff., ^ ff., Anm. 2
12, 39; Lothar S.£|^ ff., ff, 122, 124^
13?*, Hfl, ll>^. Anm. 197. D) j. 2107 219, 221,
‘223, 227> 22-^. 3:ts. 400.
Graf Clandio von Trivulz Anin. 93.
Freiherr Erasmus von Tschememb) 8.
Türken. Bunil gegen sie Anm. 244; k^ircbt vor
ihnen S.j^ £4^ Hk l-’-Vl36. 139. U'*,
140 ff. Anm. 329, Rcichnhülfcn S. 4, 4-5,~Ö^
1^ DiZllik!. Anm. 242, 244, :h>2; Krieg
S. 4, 20, 27, *i2, 64. 1>5, 123, 12-5, 128, 132,
DU, Anm. 76, 79, 103, I74, 195, 2o3, 207,
209, 305, 377, 3K0.
Johann Ludwig von Ului Aimi. 349.
Ungarn S. 44, 123, 134. Neigung zura Abfall
von Oesterreich 8. 27 f„ 61. D4, P15 ff., 147,
Anm. 209; l^andtag IfiOO 8. 129 ; Königswahl
S. 6^ 121 ff., 136; abhängig von der Kaiser-
wahl S. 4, 30; Ungarische Krankheit S. 121),
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IfiO
Freiherr Wolf von rnversafft 8. 30 , 56, 107,
109. HO. 121 f., Anm. 79, 82, 83, 125, 172.
Uskoken 8. M, 131, Anm. 383,
Vendramin, Fnoceflco S. 117 ff., 120, 123 f.,
120 r, Anm. 66, 67, «9, 71, 72, 76, 78, 85,
88,89, 96, 125, FtO, 131: Giacomo Anm. 178,
344, 366, 372, 385, 410.
Venedig 8. 4 in Prag S. 132.
Viehenaer Anm. 4, 143.
JohüDD Matbuas Wacker Anm. 349.
Gclibard Truebücss von Waldb&rg S. 5, 6, 9,
Wambolt Ton Umbetak Anm. 349.
Wdeecnbnrg l. U. Anin 377.
Wien S. 129.
Wirtemberg, AfterlehenKfaaft 8. <18 £, 55, 132;
Herzog Friedricb 8. 31, Anm. 160, Anm. 2
zu & Ul.
Eberhard Wittenhorst Anm 146, 354.
Bieebof Jolias von Wdrzbarg Anm. 35.
Graf Wilhelm von Zimmern Anm. 93.
Hans ChriitofZott von Pemeck Anm. 131, 349.
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T’eb«T altere Arbeiten
baierischen und pfälzischen Geschichte
im
geheimen Haus- und Staatsarchive.
Von
Dr. Ludwig Rockinger.
Zweit«! Abtheilung.
Abb. d. III. CI. d. k. Äka-i. d. Wm. XV. Bd. I. Abtli. 21
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Ueber ältere Arbeiten
tur
baierischeii und pfUlzisclien Geschichte
im
geheimen Haus- und 8taatsarchive.
V’on
Dr. Ludwig Rockinger.
Die erste Abtheilung tlieses Gegenstandes — in den Abhandlungen
unserer Classe XIV' Abth. 3 S. 29 bis 113 — hat mit der Aufzählung
von 46 Nummern abgebrochen, welche zunächst von 1 bis 20 eine Aus-
wahl von baierischen und pfälzischen genealogischen Ar-
beiten gebracht hat, welchen sich von 21 bis 40 eine Zahl von Schriften
angeschlossen hat die einzelne baierische und pfälzische Für-
sten oder irgendwelche bemerkensworthe Kreignisse aus
deren Herrscherzeit zu ihrem Gegenstände gewählt, mit Einschluss
von einigen Tagebüchern, während endlich von 41 bis 46 einige
Arbeiten zur baierischen wie pfälzischen Geographie und
Topographie beziehungsweise Ortsgeschichte gebildet haben.
Hieran sollten sich, wie dortselbst S. Ö5 bemerkt ist, von Nuiii. 47
bis 90 Werke thoils grösseren theils geringeren Umfanges anreihen, welche
zwar häufig auch nur die Bezeichnung als Genealogie u. dgl. führen,
aber über den Kreis der Num. 1 — 20 hinaus sich mit der eigentlichen
baierischen und pfälzischen Fürsten- wie Staatsgeschichte
beschäftigen.
Den Schluss sollte endlich von Num. 91 an ein Anhang von
Stücken bilden, in denen sich mehr oder minder einschlagender Stoff
21*
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1()4
zur bairrisrlien wie ]>fülzitiflien Gesdiichte findet, wie etwa
Th(mia.s EbeniloH'er von lliuselltac-h (ieiwlnehte der Biselude von Lorch-
Parsau oder die alsbald folgende Chronik von Worms, oder welche als
Nachzügler erst wahrend des Druckes noch aufgetaiicht sind.
Was damals verschoben werden musste, um den für eine Abhand-
lung unserer Classe als Hegel bemessenen Haiim nicht weiter zu über-
schreiten, folgt jetzt. _
47.
Scheieru-Wiltel.sbach'sclie Stammtafel.
Vuu iliesein Denkmale, einer alten Tun Holz umsclilossenen Tafel, ursprllnglicli
ini Kreuzgange des Klosters Sflieiern, spater in der Fürsten- oder Kapilolkapellc
daselbst, nach den .\usfiülirungi'n des Colligen tirafen Hiiiidt in den .Miliundlnngen
unserer (’la.sse IX S. 2G!) — 279 z.wisdieu den Jiilireu 1391 und 1393 abgefas.st , seit
der SScularisation verloren, hat sich wenigstens ein Dutzend .'khscliriften vom Ende
des 14. bis in das 18. .lalirbmidert ’*( erhalten.
al
Zu ihnen kömmt mm zunächst das Stack in dem oben XIV Abth. 3 .S. 39 — .70
erwähnten Sammellmiule des geheimen Hnasarcbivcs unter bit. m auf den ersten
fünf Stuten eines (jnaternes ans dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts.
Es endet mit dem .Ausgange dieser Seile gegen den Schlns.s des .Alalruckes des
Dr. V. Hefner iui oherhnierischen Archive für vaterlämlische Geschichte II S. 188— 19.Ö
mit den Worten: .Anno domini 1216 wmvl erschlagen herzog Ludwig von Bairn,
ain kroll ain trost viid ain wiiu alles landcs, vnd der pestn fnrstn ainer der da
lepl, zw Kelhaini ains alteiia von ainein Sprecher, duz styfflct kaisscr Hainrich, als
er sein hernach selb veriach etc.
h)
Den vollständigen Text bietet uns sotlann der grössere Theil iler in Num. 70
folgenden .Anfzeichmingen des .Michael .Arroden zur baierisch-prälzischen fle.schichte.
Kr weicht von ilcm berührten Abdrucke in unterschiedlichen Punkten ab. So
beispielsweise bei der Gründung des Kln-sters Scheierii : die lierrn alle, von erst
Beatrix vnd jhre khindt, bortzog Olt vni .Agnes sein wirtiii, vnd Gonrail vnd Ott
von Daohaii, vud l’tnlzgraf Ott von Wiltl.spach, vnd die rechten Scbeirer Ott Kckliart
Ber[ii]hard, jhr drei mit ein ander slifftelen Scheirn das dosier in vnser lielieu franen
ehre, vnd erwelteii jhneii do ein ewige begrebmisz. das beschacb du inan zalt von
Christi gehurt lU2t juhr.
791 Vgl. die Xolo I o. a. 0. S. 270,271.
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Ui 5
Die vorhin mit(?etheilte Stelle über die Kriuorduug Ludwigs des Kellieimerg
lautet hier: Auno 1232. Herzog Ludwig, eiu cron vnd ein trost vnd ein wonne
alles Inudts, vnd der höchsten fürsten einer der do lebt, werdt rr.st'hlagen zue Kel-
heim aines abents von aiin Schacher, das stilftet kejser Heinrich, alsz er jhiue her-
noch veriacb.
Der Schlnss bat die Fassung: die ligen all zne Suheirn, herzogen iiiiig vnd
ah, wol 42, grauen wol GO, die von Scheirn vnd von Dachan vnd anderhalb waren
gesessen, vnd jhr aller rainer würdige weib, den gott gua<le.
48.
De« .Andreas von sanct Mang zu Stadtamhof
chronica de principibus terrae Bavaroriiiu.
Diese schöne Handschrift des geheimen llausarchives an« der zweiten Hälfte des
l.">. .fahrhnnderts besteht jetzt noch aus .ö Lagen von je 4 Koliobogen , zu deren
vierter noch ein besonderer für die Stammtafel der Nachkooimen des Kaiser« Ludwig
liis auf Herzog tieorg den lieicheu bestimmter Bogen kommt.
Der Haupttitel des Werkes „incipit cronica de prineipibn« terre Bauaroriim*'
wie die Feherschriften und .Anfangsbuchstaben der Abschnitte und die g Zeichen .«ind
roth. die Eigennamen roth unter.«trichen.
Die Stammbaumeinzeichnuugen kleineren Umfanges sind dem Tevte zur linken
8eite eingefngt, die grösseren nehmen die ganze Breite einer .8eitc ein <aler bilden
überhaupt eigene Seiten beziehungsweise — wie für die der \ucbkommen de« Kaisers
Ludwig bemerkt worden — einen eigenen Bogen. Die Namen sind in sic in besonderen
von schwarzer Tinte mit dem Zirkel gezogenen Kreisen eingetragen und wieder roth
unterstrichen.
(iegenüber der von .Marquard Freher veranstalteten und dem Herzoge Maximilian I
von Heidelberg au« am 23. August 1002 gewidmeten Ürnckansgabo in Quart sind
diese genealogischen Znthaten hier namentlich am .Anfänge zahlreicher. Was ihre
Darslellnng anlangt, sind sie sodann immer umgekehrt, indem die Linie in der Hand-
80) AU'lreae iirwbj-tcri ratisponensi» cbroniion Je dadbu Bavariae ante cc (laolo minus snmw
scriptum ad Luduvicum pslstinum coinitem Htieni, Bsr.vriac dnreni, cuniitcm ia Mortaiii. Oum i«ira-
lipomcnis Iea>nhsTdi Ilauholiz prcsbpteri nd siinmu u«t|ue MOCCCLXXXVl Item ejusdem Amlreae
historiie fundstionum DoauuHorniu monssteriurum per psrtes Bavnriae. (>ninia iiutie primum et quam
iatezerrime edita ex bibliotlieca Marquardi Frelieri, coitsiliarij palatiui, cum ejusdeui nutia
Von des H.-rausgobers Druckmauuscript bat sich das mit 8. .ST und 58 bezciebnete Blatt im
geheimen Hansarchive erhalten. K« beginnt mit den Worten „calcens in voxillo signarotnr" des
Drnckes S. 111 Zeile 8 von unten , und reicht bis in der Ueberschrift des Abschnittes „de genealogia
Conradi regis Bomanorum, et fratrnm suorum l>ucam Bavariae" auf 8. 51. t'nniittelbar darnoter
ist die zu dieser Seite gehörige Stammtafel angeklebt, und zwar in der bereits berührten umgekehrten
Darstellung.
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100
»chrift. nbsteigt , ini Drucke dagegen von unten l>eginnt nnd nach olien answUcbst.
tknlann sind aiicli die auf den Tafeln des Drucke« rnsainmengeworfeneu, wie *n S. 34,
hier getrennt, wie e* »ich gehört.
Nicht minder /.eigen »ich ihnen gegentlber V'crschicdenheiteu im Texte. So
etwa anstatt der Veberschrift 8. 1 1 „de genealogia Karoli magni et historiis pro-
genitoruni »uorum" hier; de historija snbscriptorum nobilium terre Banarie .\lberti
et ceterorum patebit jn »ecpientibn». Auch der darnach anf der folgenden Seite be-
iiiidliche Stanimbanm ist im Drucke nicht vollständig wieilergegcben.
Abgesehen davon hat dieser Erweiterungen. So abgesehen von jener nach der
Schlacht zwischen „Muldorff et Oting jn pralo qnod dicitur dye fechwis" auf S. 73
nnd 74 den Schliiasabsatz von S. 07)08 beziehungsweise S. 67(70, den ganzen Text
der S. 97 und 98, den zweiten nnil dritten Absatz der S. 99 und den ersten von
.8. 100 wie den zntn .lahre 1420 anf S. 100/101.
Die beiden Stammbänrae zu S. 78 de« Druckes sind hier nach der daselbst S. 82
l)chandellen Theilnng Raierns unter den Söhnen des Kaisers Ludwig vom .fahre 1349
in der Weise richtig eingereiht. da«s es nach dem Schlüsse .juferiorera Bauariara,
Hoiiigmiiam, Hollandiani, Selandiam et Fri.soniam cum suis attinenlijs“ schwarz heisst:
sequitur nunc tignra geuealogie principnm qui ab hijs descendenmt. Dann folgt
roth : a duobns fratribus , scilicet Rudolfo comite palatino Reni et Lndoiiico Ko-
innnoruni jmperatore, principes nostri temporis cmn numeratiir m ccce .xxviij «eenn-
dum figuram subtus positam de.scendernut. .letzt kommen in Htamnitafelform die
filij Uudolfi coraitia palatinj, nnd dann Uber die beiden Innenseiten eines besonderen
schon erwähnten Bogens durchlaufend die tilij Liidovicj imperatoris.
An den im Drucke auf S. 102/103 niitgetheilten Brief des „Johannea dei gratis
Jlierusalem Cipri et .Armenie rex“ vom 12 August 1427 schliessen sich endlich ohne
L^nterbrechung , aber nicht mehr unter liesonderen üeberschriften, von der gleichen
Hand die bekannten Nachträge, im Drucke vielfach gemehrt, bi« zn 8. 114 dessellicü.
Daran reihen sich wieder ohne Unterbrechung, ja nicht einmal in einer neuen Zeile
die nach der Kinschiebnug des Drncke» auf 8. 115 — 117 folgenden Anhänge
von 8. 117 — 121, in deren .Mitte mit den Worten „coacti «unt per aliara viam jn
regionem“ die Handschrift abbricht.
Sie war nach einer der zahlreichen Bemerkungen an ihrem Rande“) seinerzeit
im Besitze eines .lohannes dux Bavariae comesque in Sponheim. Darf man mit jener
Anfllbrung eine Stelle ans einem Briefe des Herzogs Reiehard von Simmern-Spon-
81) Zu der — in der berührten Ausgabe Freber'a auf S. 44/4.7 begegnenden — Krrählung vani
Herzoge Frost: Hee historia Brnne/rlerenais cenubj mich Jubaonj duej Bauaric coinitiqne in Spain*
heym ab abbnte data eontinet. aed ille ab Ernfrido eomitj palatino, qni et .Azo nuncupatus. eznotium
capit etc.
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i
167
beim”) in Verbindnng bringen, so ist es dessen Vater, Pfalzgraf Johann II, der
von 1509 — 1557 regirte.
49.
Des Andreas von sanct Mang zn Stadtamhof
eben behandeltes Werk in deutscher Bearl>eitnug.
Diese 6ndet sich in dem Sammelbaude des geheimen Haosarchives, dessen oben
XIV Abth. 3 S. 38/39 Erwähnnng geschehen ist, unter Lit. c anf fQiif Lagen von
5, 7, 6, 9 und 7 Bogen, wovon in der vierten das erste Blatt abgeht, ohne dass
übrigens der Text Schaden gelitten, während die Schlussseite der letzten Lage nicht
mehr beschrieben ist, von einer kräftigen Hand des 16. Jahrhunderts.
Der Hanpttitel „Hie hebt sich an ein warhafftige Cronica von den Beverscheu
hernn“ wie die üeberscbriften der einzelnen Abschnitte sind grösser gefertigt, aber
auch nur .schwarz.
Die kleineren .Stammtafelbemerkungen sind in der Regel am linken nicht ganz
in einem Drittel der Seite leer gelassenen Rande schwarz in schwarzen Doppelkreisen
angebracht, die grösseren Stammbäume je nach Bedtlrfniss Ober ganze Seiten
gezogen.
Mit dem Drucke in des Freiherrn von Freyberg Sammlung historischer Schriften
und Urkunden II S. 371 — 450 stimmt unsere Handschrift nicht ganz und gar zu-
sammen. So findet sich beispielsweise anstatt der daselbst ani die Widmung an den
Herzog Ludwig folgenden ersten durchschossen gedruckten fQnfzeiligen Ueberschritt
hier nur: Von den fürsten im Beyriandt, das auch Norgawe zum ersten genant ist.
Auch schliesst sie mit dem Briefe des „Janus von gots gnaden zn Jerusalem
Cipernn vnd Armenias kunig“ vom 12. August 1426, wie hier die .Tahrzalil lautet,
ohne die im Drucke von S. 450 — 454 noch folgenden Anhänge.
50.
Baierisch-pfälzischer Stammbaum
mit zahlreichen Farbeudarstellungen von Figuren mit Wappen wie mit
geschichtlichen Verzeichnungen
auf einer Bolle von 13 unter einander zusamniengeklebten Stücken Pergament in
62) ln eiocni SannnellAade des geheimen Haosarcliives. Er Qberscuilet am H. Au/rnat
1579 an den kurpfälsiachen Rath Or, Jostns Reuber au Heidelberg die historiam von weilaatt
herzog Ernsten pfalzgraaen seligen, welcher nach seiner selzamen volbracbten schielTartt Eio genast
worden, die wir von eiaom raunich Johannes Silnanos, des elosters sw s. Marthiii sw Coln Kellern, jin
closter Branweiler, das von pfalsgrancn fondirlt, sw wegen gebraehtt. wiewhol wir nun solche hi-
storiain vor eslich vnd swensigk jharen von dem closter Brauweiler mit etwas nierern vnibstendten
alss in dieser beschrcibong gedachtt wurtt, sonnilerlich aber des namens Esonj halb, aoeh bekhomen,
vnnd dieselbe auch wcilantt vnserm nirstlichcn gnedigen lieben herrn vnd rattern, berzog Jobannsen
pfalsgraoen etc. chriatscliger gedcchtnoss swgesteltt, so haben wir doch, dieweil in der historia keines
Esonj geflacht wirtt, vmb inerer dieses namens erkundigung diesem mnnich abcrm.ill schreiben lassen.
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U>8
der Ge<iaiumtläuge von 5,43 Met. mul einer Breite unten von 55 und ol>eu von
fifi Centiniet. au.< der Mitte des 15. .Jahrliniidert» mit Fortsetzungen In» an da» Ende
deasellien im geheimen HiinBarchive.
Kr kam heim Kinstnrze einer Mauer in einem in .lalich gelegenen Schlosse de-»
liekannteii l{cisemleii Freiherm v. Hallherg-Broich, baierischen Michaelaordensrilter»
und Olx*rhanners im Herzogthuine Berg, de.» auch sogenannten Eremiten von Gauting,
zum Vorschein, welcher Ihn am ita. April 1814 mit dem AnfOgen aus Attenbach
bei Siegburg au König Maximilian I schenkte, daa» diese» auf seiner ,, alten Barg zu
Brachleu hei Linnig, wo 1444 Herzog Gerhard einen glänzendeu Sieg wieder .\ruold
von Egmoud erfochten, und den Hnimrti Orden gestiftet“ gewesen.
Der erste Blick in diese» I’rachtstOck tiihrt zur Wahrnehmung, da.»» »ich eigent-
lich .4 Oller wenn man will 4 Bestandtheile nnterscheiden lassen.
Der erste untere von Herzog Garibald auf der linken Seite und recht.» dem
nachher in den geistlichen Stand getretenen Kaiser Arnulf an bis auf Kaiser Otto III
/z?ichuet sich durch die ans-serordentliche Zahl der hiib.»ch iu Blumenkelchen gruppirten
Brnstbilder — nur der erwähnte Herzog Garihald wie Bischof Ariinif von Metz sind
in ganzer Figur abgehildet — der durch die Abzeichen ihrer weltlichen oder gei.st^
liehen Würde am Haupte sogleich ämtserlich erkennbaren Kaiser, Könige, Herzoge,
Fäbste, Bischöfe, Mönche u. ». f. wie auch der zur Aufnahme gelangten weiblichen
Spro-»sen aus, wie etwa der Theixloliude, Theaila, Gaiswiudi», Herzog Arnolds
Tochter Adelheid, der nugarischeii Königin Gisela. Es tritt nämlich je aiw dem
Ilerzeu de* Erzeugers oder der Mutter ein hlaugriiner Stängel heraus, welcher in
den ofteneii von oben nach nuten sich iimscblagenden Blumenkelch endet, der die
Behansnug der lietrcffendcn unmittelbaren Nachkommen bildet, deren Wappen au
ihm angebracht sind. Doch hat der Meister es nicht zn einer .»tark wirkenden
Farhenfrische gebracht, während allerdings ans der ganzen grossen Gesellschaft — es
sind nicht weniger als 59 fürstliche Glieder abgebildet — beispielsweise die Mönclis-
gestalten in ihren schwarzen K lo.stergewämlcrn von den übrigen weithin kenntlich
abstecheu, beispielsweise die drei mit ilirer zarten Schwester Gaiswindis in einem
Kelche heisummenbockendeu Söhne des Herzogs Theodobert, Landtried Waldram und
Eliland, die Gründer von Kochel Benedictheuern Schlehdorf mid Slaffehsee, deren
gar salbungsvolle geschorene Köpfe ohne Bedeckung man freilich im Übrigen nach
dieser Darstellung nicht als Muster der Bewohner ihrer Stiftungen erkennen wollen
wird, wenn man an deren groasartige Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft
und der Kunst denkt.
Dem Umfange nach geringer — es sind nur 25 — sind die Bilder des zweiten
Hanptlzestamltheiles, welcher aber an Kraft der Farben den ersten weit übertrifft.
Sie lieginiieu mit Herzog Otto von Wittelslmch sammt seinem Bruder Konrad, und
reichen in der baierischen Linie bis zn den Söhnen des Kaisers Ludwig des Baiers
und dem Aussterben des niederbaierischeu Zweiges im ,Inhre 1340, wie in der
plälzi.schen bis auf Rudolfs .Söhne Rudolf Rupert und Adolf.
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III!)
Auwer ilifnem krinstlerisclien Schmucke in Uilileiii enthält sodann linder Stamm-
baum noch in (jewöhulicher Daretelinnjj in Doppelkreisen von schwarz nnil f'ell)en.
weiss Hiid blauen, weiss nnil gellren ß indern die Namen der Persünlichkeilen, welche
irgendwie weiter fflr die Verwandtschaftsverlniltnisse oder die Lieschichte in Hetracht
kommen.
So schiebt »ich gleich zwischen die beröhrten zwei Beatandtheile ein Blatt ein,
welches unten mit der Beigabe der Kaiserkronen in dem leeren Raume der l>ernhrten
gelben und schwarzen Doppelkreise Kourad II, Heinrich III und IV aufführt, und
sodann in blau-weissen die weIHschen Herzoge wie die baierischen Herzoge nnd öster-
reichischen .Markgrafen Irfopold nnd Heinrich.
Den obersten Theil endlich bildet ebenfalls ohne alle künstlerische Ziithat die
KortfUhrung der Geschlechtstafel von dem bemerkten zweiten Hanptbestandl heile
weg in blan-weisseii Doppelkreisen, deren Innenraum theilwcise die Abzeichen der
weltlichen oder geistlichen Würden und theilwei.se die Namen ausfilllen, in dem
baierischen i^lanitne bis zu den Herzogen Wilhelm uud Ludwig, deren Bruder Krnst
erst nachträglich in einem einfachen Do)>peIkreise eingesetzt ist, in der pfälzischen
Linie bis zu den 9 Söhnen des KiirfTirsten Philipp des Anfrichtigen , von welchem
Ottheinrich gleichfalls erst später beigelügt ist.'
Hieran reihen sich noch ganz oben einige weitere Kinzeichniingen , aber nur
mehr in gewöhnlichen schwarzen Doppelkreisen, wie Iwreits bei Krnst und Ottheinrich
bemerkt worden, oder auch ganz uud gar ohne solche blos in flüchtigem Schriflhin-
wurfc. So bei den pfiilzischeu Fürsten die von den 3 Srihneii des Kurfürsten Ruprecht:
Georg, Ottheinrich, Philipp. Bei der baierischen Linie scheint ein Missverständniss
in Mitte zu liegen, indem als Herzog Wilhelms Sohn allerdings Albrecht nnl'gelührt
ist, als dessen Söhne aber Wilhelm Lndwig und der Freisinger Bischof Krnst, so
dass wohl hier die Verwechslung mit den Söhnen des älteren Albrecht eingetreten ist.
Den beiden mit dem Bildersebmneke ausge.statteteu llaupthestaudtheilen und
dem zwischen ihnen beflndlicheu Blatte sind sodann an den betretfeudeu Orten kleinere
wie grössere geschichtliche Nachrichten eimerleiht.
Was gerade sie aulaugt, ist abgesehen von der l)ereits berührteii Verschiedenheit
der Bilder auch der Unterschied der Schrift auf den beiden Hauplbestaiultheileii nicht
zn übersehcii, welche in dem nuteren Theile des ersten, dessen Nauieushezcichmiiigen
ohne Ausnahme ganz uud gar roth sind, gleichfalls roth ist oder wenigstens ur-
sprünglich roth war, in dem zweiten dagegen schwarz.
Wenn es heisst, dass sie in den unteren Stücken des ersten Bestandtheiles,
nämlich bis zu den Bohnen Ludwigs des Frommen . und zwar insbesondere bis zn
Ludwig von Baiern, wenigstens anränglicb roth gewesen, so fasst diese Wahrnehm-
ung darauf, dass jetzt zum grossen Theile auch da wo sie schwarz ist deutlich noch
der weggeschabene rothe üiilergrund sichtbar erscheint. Vielleicht ist von oben
seinerzeit eine starke Rückwirkung nach nnteu eingetreteu.
Abh. d. III. fl. d. V. Ak. d. Win». XV. BJ. I. Ablh '2
170
Jedenfalls ist eine bedeutende Aenderun)^ in der ganzen Staniiureihe sogleich
auf den ersten IJliek von Kai.-4T Arnulfs Söhnen weg erkennbar. Wahrend sich
nämlich von Herzog Arnulf von liaierii weg links die Linie durch .seine Tochter
Adelheid einmal bis zu Kaiser Otto 111 und anderntheils bis anf Kaiser Heinrich den
Heiligen und seine Oeschwister furtpSanzt , den Bischof Bruno von Augsburg und
die Königin Gi.sela von Ungarn, ist rechts vom Grafen Wemher von Scheiera”*)
oder jedenfalls seinen beiden Söliuen**) au eine umfassende Aeudernng vorgenommen
worden. Sie sind auf dieser Seite jetzt die letzten welche bildlich vorgestclit sind.
Allerdings verzweigte sich die Reihe von des Grafen Eckhard von Scheiern nicht
genanntem Bruder wtg frOher noch um zwei Blumenkelche hinauf. Diese sind alier
ausgeschnitten und von der Rückseite durch ein leeres Stück Pergament ersetzt
worden, so dass nur mehr ihre Enden links wie rei:hts und leise Spuren einer rothen
Schritt von dem otrereu Kelche sichtbar sind. Dem entgegen sind ohne allen Bilder-
schmuck die Namen der Nachkommen Eckhards von seinen drei Söhnen — Graf
Arnold von Dachau, Graf Otto von Scheiern, Graf Konrad von Pal — hinweg
tinreb das Mittelstüek zwischen dem ersten und zweiten Hauptbestandtheile bis zum
.Anfänge dieses letzteren mit Herzog Otto von Wittelsbach sammt seinem Bruder
Konrad nur in Doppelkrei.'en. anfangs blau und gelb, dann blau und weias, mit rother
•Schrift eingetragen. Ob hieliei ursprünglich eine falsche Einzeicbnnng initunterge-
laufen, oder ob nachträglich eine anderi* Stammreihe beliebt worden , dürfte schwer
zu entscheiden sein. Das letztere ist allerdings, wie cs den Anschein hat, wahr-
scheinlicher. Jedenfalls ist unter dem Kelche des Herzogs Otto und seines Bruders
Konrad noch zu erkennen, dass die grünliche Abzweigungslinie anfangs eine andere
■Stellung halte.
Was den Text dieser gcscbicbtlicben Nachrichten anlangt, ist er theilweise
von ziemlichem Umfange. Von seinen Quellen winl Otto von Frei.sing und die „Hi-
stori de Scheiern“ namentlich benannt. Weiteren Stotf wird auch wohl die baierische
Chronik des Andreas von sanct Muug zu Stadtamhof geliefert haben, wenn anders
die Abfassung, wie oben bemerkt worden, um die Mitte des l.'i. Jahrbunderts fällt.
Wenigstens findet sich bei Gelegenheit der Erzählung von dem rothen Bundschuhe
ilc« Grafen Eckhard von Scheiern eine Andeutung, welche biefür einen .Anhaltspunkt
gewähren mag. Es heisst nänilich daselbst, es hätten auch die Für-den von Baiem
diese tieschiebte „vil vnd otft aufmaln lassn; vnd sunder der frumb hertzog Johanns,
ain Vater des knnig von Tcnnmarch“ C’bristofs Wahl zum Herrscher dieses Reiches
füllt auf den 10. April 1440, und bereits am Ti. .Tauner 144.'' starb er. Da seiner
noch nicht als cine.s Verstorbenen gedacht wird, darf man wohl eben an die Jahre
1440 bis gegen 144.'ü denken Wollte man annehmen, dus.s die Ausdrucksweise
SU) Diser grau« Bernher von Schein) hat verloren du hertzogtomb Bairo mit streit.
84) Die zwen grauen brneder ererbten den khrieg, vnd mustn den mit armut ligen lauen.
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171
ganz genan gewählt sai, so würde sich, da der srliwedisclien mid norwcgifchen
Kronen keine Erwähming geschieht, die Zeilgrünze zwischen _den berührten 10. .April
nnd den 4. Oktober 1440 beziehungsweise den 4. diuii 1441 eiiiengen, die Tage der
AVahl znm Könige von Schwellen nnd Norwegen Deutet auch bei Christofs Vater
Johann nichts daranf hin, dass er liei Xiederzeichnnng dieses Satzes nicht mehr am
Leben gewesen, so würde sie wenigstens noch vor den 13. März 1443 als seinen
Todestag fallen.
Führt in dieser Beziehung genauere Untersuchung wohl nicht schwer auf
bestimmtere Ergebnisse , so sei hier nur noch angefögt . dass miiglicherweist? über-
haupt der untere Theil unseres Stammbaumes nicht mehr vollständig ist, sondern
vielleicht ein jetzt verlorenes Stuck — ist ja auch durch Mäusefrass oder wodurch
immer dem Kaiser und nachmaligen Metzer Bischöfe Arnulf der ganze Kopf unter
der Jnfel abhanden gekommen, und von Herzog Garibalds carminrothem mit hell-
braunem Pelze verbrämtem Mantel ein Theil zn Grunde gegangen — einst noch die
älteste fabelhafte Ge.schichte Baierns behandelte. Wenigstens findet sich um die
Kopfbedeckung eben des jetzt den Ausgangspunkl bildenden Herzogs Garibnld die
Remcrknng: an disem Caribaldus vabet an der ander stam oder geschlächt. Das
dritte"*) sodann an Herzog Odilo, das vierte“*) an Ludwigs des Frommen Sohn
Ludwig von Baiern. Soll hienach nicht auch das erste irgendeinmal vorhanden
gewesen sein ?
.ledenlälls gehörte der nnmnehr ganz unten angeklebte quer gelegte Pergameiit-
streifen , dessen sogleich unter Nummer .51 gedacht wenten wird, nicht ursprüng-
lich daran.
51.
BruchslOck
aus der baierischen Chronik des Hanns Ebrnn von Wildenberg.
An der eljeu behandelten prächtigen Pergament rolle des geheimen Han.sarchives
ist nuten ein Stück eines 0,36 Met. langen und in seiner nr.sprOnglichen Breite
0,23 Met. haltenden Pergamentblattes ans dem dritten oder letzten Viertel des
1.5. Jahrhunderts angeklebt.
Es ist nur bis nicht ganz zu zwei Dritthcilen der Vorderseite in der Weise
beschrieben, dass vor den letzten fünf Zeilen in der Mitte in einen Doppelkreis von
weisser und blauer Farbe ein Schild mit den Wecken derselben Farben eingefiigt
ist, um welcheu in rolhcr Schrift oben „Philippus“ und auf der rechten — die
linke ist weggerissen — Seite „ain Römer“ steht. Von späterer Hand ist daneben
55) An tl«m Ottolo — heisst es am Schlosse dieses Herzogs — vahet an der dritt stamen niler
gesehlAchte in Paicrnland.
56) Nach folgendem Satze; Pej disem bertzog Lndvig in Paiem — aber als in ettlich ander
nennen: hünig — vahet an der vietd elaracn oder geschläehte in Patern land.
22*
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17J
rechts mit schwarzbramier Tinte in einoni Tartsclienschilde der zweiköpfij'e deutsche
Reichsadler beijjeieichnet.
Den Inhalt hililet — v({l. twispielsweise hiestn den Cod. gerin. 15D7 der Hof-
und Staatsbibliothek Kol. 'JO' und ;21 — der .\bschnitt aus der bnierisclien Chronik
des Ritters Hanns Ebraii von Wildenherg über den römischen Landvogt Philipp in
Baiern. Er beginnt: .\ls nniii aalt von Kristi gehnrd ij' vnd Ixxxxvj jar, sagen
ettlich, das Piilippns aiu Homer lanndnogt in Itanaria oder Norcoa gewesen sey. der
Ptilippus was in das laiind gesec/.t wordu von dem kayser .Maxiiniliano. v,w den
zeyteu was Gardianns kayser. derselb kayser strait mit den von Persia, vnd gesygt,
vnd fner wider hayni mit grossem gut. do trueg Ptilippus an mit seinen tVilndn
den Körnern, das der kayser Gardianns ershigen wanl, vnd er an das römisch reich
kam der kayser Ptilippus het /.wen sün , Pfilippnm vnd Quirianntn. Ptilippum lye
er mit jm kayser sein, also das sy bayd u. s. w. Der .Schlu.ss, wovon das auf der
linken .Seite weggeri.'sene hier in Klanimeru aus dem erwähnten Cod. gerni. 1597
ergänzt ist, lantet : viid in die Teyfer gewarften. darnach [wardt er gar wirdigclichenu
begraben] jn dem freythone Ponianis. der heylig leichnam [Qoiriui ist in dem
klo.«t]er zw Tegernsee, viid dohin gebracht von [den hertzogen (Wacarus vund
Albrechten, als hernach in derselben fiirsten histori mer daiiou gesagt wnrtt].*’]
ettlich seczen, ilas der Ptllip lauiul[iiogt in Bairn hab angefaiigen zne] pawen dye
.»tat Passiiw.
52.
.Joannes Trithemins
de origine gentis et ducnm sive regum Bavarornm
Diese Handschrift des geheimen Hausnrehives ans der zweiten Hälfte des 16. Jalirh.
umfasst im Ganzen 4 Lagen, die erste von 4 Folioliogen, die zweite und dritte von
je 6, die letzte nur von 3, wovon das Schlnssblatt abgeschuitten. Sie sind am oberen
ämsseren Rande je des einten Blattes mit 1—4 bezeichnet, und von der zweiten an
mit 1—29 foliirt.
Die erste Lage ist leer. Vielleicht war sie zu einer Vorrede liestinimt Nnr
oben nnf der letzten Seite sind von anderer Hand als derjenigen , welche den Codex
gefertigt, 9 Zeilen iilier Herzog Hugbert **) u. s. w. eingetragen.
H7) Diese Fassung war orspruuglieh eine andere. Der Raum ist für sie viel zu eng. .tuch
scheint es. als ob das letzte Wort ..han“ geheissen.
ite) Hugbertus dax foit Hauarie tempore Gregorij pape :t, sicut in primo libro vite aancti
Bonifaeij epUcopi scribitur.
Teniporibus Otilonis dacis sanctus Bonifacius archiepiscopas moguntinus de eias et pape Gregorij
consensu Ircs instituit episeopatas in Bauaria. Johannes ad Saltzbnrg, Rrimbertus ad Frisingen,
Gowibold ail Kegensipurg primi per eum ordinanlnr episcopi.
6nb Carolo Martelto maiore domua Viualus vero a papa Gregorio tercio iam prius fucrat ordinatus
episcopus patauiensis, ut in primo libro vite s. Bonifaeij.
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I7:i
Mit (Ipr zweite")! I>ngc beginnt ilii» M erk unter der rothen Uebersclirift : de urigiue
gentiü et ducum sine reguiii BiiuHrormii. Ueher derselben steht scliwnrz von der
Hand welihe den vorhin bemerkten Eintrag gemacht: Joannes Triteinins abbos
spanhemensis postea diui Jacobi herbipolensis harn- editionem fecit ad instantiam
Philipp! comilis puktini Buanriec|ne dneis.
Hie Anfänge der Abschnitte oder Absätze, zum grossen Theile aus den Namen
der Ftirsfeu bestehend, nud auch mehrfach erscheinende eigentliche rebersehritten,
wie „translatio dneatus ßanarie ad marchioneni Anstrie“ oder „restitucio ducatns
Bauarie ad legittiinos heretles“ oder „translatio dneatus Hauarie ad eomites de
Scheyern“ n. s. 1. sind auf der ersten Seite schön roth, von der ziveiten ab theil-
weise mit schlechter rother Tinte ausgezeichnet, theilweise auch nur schwarz. Bis
auf Fol. 12' sind .sodann auch am Hunde die Namen der je trelTenden Herrscher in
besondere von scha-nr/.er Tinte mit dem Zirkel gezogene Kreise eingetragen, auf der
ersten Seite wieder schön roth, weiterhin theilweise mit schlechter rother Tinte oder
blos schwarz.
Gegenüber der dem Herzoge Johann von Sinimern-S|)onbeini ans Frankfurt am Main
„per Cyriacuni Jacohnm“ unterm IJ. Juni 154t) gewidmeten Hnickansgabe “*) in
i}uart. wie gegenüber der dom Fllratbischofe Julius von Wirzburg unterm I. April
1601 gewidmeten Folioan.sgalie der Opera historica des Johannes Trithemins von
Marquard Freher S. 100—119/120 .sind V^erschiedenheiteu bemerkbar, die jedenfalls
theilweise aus Nachläs-sigkeit bei deren Fertigung stammen. Es seien hier nur einige
bemerkt. Der Schluss des Absatzes von Herzog Heinrich, dem Bruder des Herzogs
Konrad von Schwaben , nach der Erwäbnmig der Stiftung von Osterhofen lautet
anstatt ..regnum Bernhardns et Ecchardiis taiidem , nt siipra diximus, ohtinnermit“
in der Handschrift: Bernhurdus et Eckardiis fratres pro ducafn Banaric liellahant:
quem Eckardns tandera, vl supm diximus, obtinnit. Nach Herzog Ludwig und
seinem Bruder Bischof Johauii von Regensburg steht hier noch der allerdings ziem-
lich ftbertlössige Satz: amborum soror Helizabeth vxor fuit regis Fraiicoruin. Zwi-
schen den alsbald folgenden Herzogen Ernst und Heinrich Kmiet sich noch folgender
auf Herzog Wilhelm bezüglicher Absatz: Wilhelnuis dnx Bnuarie, tilius Johiunis
Mönchen ducis, et frater snpradicti principis Ernesti ac Sophie regine Bohemic, tili ’m
geuuit nomine AdoHTiim, qni sine liberis mortuus est, ut sno loco dicemns. Nicht
weit, und wir slossen auch nach dem berührten Herzoge Heinrich auf folgenden
L’ebergang zn dem Pfalzgrafen Rnpreclit: nunc de lilijs Riipertj comitis palatinj
Keni et regis Ronianorum .secundum promissiouem secuiidum ordinem loquaniur.
Wie die unter Num. 4.9 berührte Chronica de principibus terrae Bavarornm des
-Andreas von s. Mang zn Stadtamhof dürfte auch die.se Handschrift seinerzeit im
SU) De origine gentis principninque Bavarorum ceinmenUrius pertiaam elegaas Joaonis Tritemij
abbatis spanbeymensis, nunc primam in bteem aeilUns.
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174
Bpsit/.f" dps dort nni Schlnasp orwälintpii llonsoRs JoliBiin II. vou Simmern-Sponheini -
gewespti spin.
Kille Abdelirift von ihr enthSIt der aus der pfal/ischeii Bibliothek von Mann-
heim stammende t'od. bav. 161(! der Hof- nnd Ptaiitsbibliotbek ans dem vorigen
Jahrhunderte Kol. 2!) — SO. Allem Anscheine nach ist sie für eine neue Drnckans-
galie gefertigt, da sich in den Anmerkungen sorgfältig die Abweichnngen der .\ns-
gatie des .Marquard Freher verzeichnet finden.
53.
A 11 g II s t i n K ö I n e r ‘ -s
Kcbereicht der baierischen l,andestfaeilnngen.
Sie findet .«ich, und zwar von seiner eigenen Hand aus dem Jahre 1503, in dem
wohl erst in unserem Jahrhunderte brochirten Foliobändchen des geheimen Hans-
archives, welches als erste Hälfle das unter Num. 62 b berührte BrnchstOck der
baierischen Geschichte unseres ausgezeichneten Archivars enthält.
Sie steht auf einer der eben bemerkten Schrift gegenölicr ein wenig kürzeren
Lage von sechs Bogen , wovon die Rückseite des drittletzten Blattes nicht mehr
beschrielien , das vorletzte leer , nnd das letzte gleichfalls leere dem nnmnehrigen
blauen Knckunischlage aufgeklebt ist.
■Als ganz vorzugsweise archivalische Arbeit kennzeichnet sich diese Zusammen-
stellung genugsam schon in dem grösser geschriebenen llaupttitel ; llienachnolget
wieuil tailung des ober- vnd uiderlanndes zu Beim zwisclien den verganngen herrn
bescheheii sind, vnd wo die tailbrief darüber sagend ze suchen sind, mit anzaigen
in besonder des artikels wie sich die herreu in sollichen tailungen verschriben
haben, künftiger erbuall halben.
■Sie beginnt mit dem Vertrage von l’avia von 1320, und schlie-sst mit der Ver-
schreibung welche Herzog Ludwig der Reiche gab „weilennd berlzog Johannsen
vnd hertzog Sigmunden von ir vnd irer hriider wegen hertzog Albrechten Chrisloffcn
vnd Wolfganiigen , die dazemnt l>ej irn vogtperen jarn iiit gewest sind, von wegen
des saltzfurens etc.
Zwischen das vorletzte und letzte Blatt des Sexternes ist ein Bogen eiiigeklebt,
der auf seinen beiden Innenseiten zwei Stammhäiime enthält, einen zn der Theilung
zn r,audsberg im Jahre 1349, und einen von Herzog Ludwig dem Strenger, bis zu
Georg von NiederUaiern nnd AIhrecht IV. Sie waren wohl nach der L’elierschrift
„der pawm der erhschaft daranf die hernach angezeigten teilbrief zaigen zwischen
der herren von Beim“ nicht für diese Stelle bestimmt, sondern darauf berechnet,
an die Spitze der ganzen .Anseinaudersetzung gestellt zn werden.
Muthmnsslich ist diese .Arbeit durch Fragen hinsichtlich der Krbfolge in die
Verlassenschaft des Herzogs Georg des Reichen veranlasst worden.
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175
54.
Haierisch-pfälzische Chronik
von Baioariiis bis zum Aiifauge des lü. Jahrhnnderls.
Sie lieginnt in dem ölten XIV. Abth. 3 S. 3‘J - 50 berührten Sanimelltande des
geheimen Han-sarchires auf der sechsten Seite des Quaternes , welcher auf seinen
ersten fünf Seiten die unter Num. 47 aufgezählte .Ab-schrift der Scbeierii-Wittcla-
bach’schen Geschlechtstiifel enthält, und reicht bis zu einem Drittel der Rückseite
des vorletzten Blattes,? umfasst also nicht ganz 13 Seiten in Folio.
Ihr Anfang lautet: Bayonrins oder Baiiro mit seinem vngezemppten oder greu-
lichen volck in dem andern altter der weit, kamen von Armenien, haben das ertrich
da .sie sich nider gelassn habn genant von ireni furstn Haioariam, das ist Bayrn.
Die einzelnen Herrscher werden dann bis zu Heinrich dem Hochfartigen in
ziemlicher Kürze iHdiandelt. Von ihm heis.st es: Dieser Heinrich am letstn iar seins
regamencz, anno 11»0, pracht den margt vnd pruckn von Vering gen München in
sein stat.
Von Otto von Wittelslmch an , der ausserordentlich gerühmt ’•) ist , werden
sodann die Angaben theilwcise etwa-s umfangreicher.
linter Ludwig dem Baier heisst es: Ludwig der dritt sou pfalczgratf Ludwigs,
hcrzog in obern Bairnn , ward von viern zw rümschni kouig erwelt vnd zw .Auch
gekrönt anno 1314 iar. aber Friderich von Ostereich ward nnr von 3 erwelt. dar
hat die Hairn bey Müldor? geiagt anno 1330. vnd im andern iar dar nach hat er
die Hairn manigfalHgklicb geecht. aber darnach anno 1323 ist er gelangen wordn
mit seim brnder herzog Hainrich vinb sanet Michels tag als der streitt zw Kmpfing
autf der vecliwis geecha. anno 1325 ist konig Ludwig in Welschlaml kumen, vnd
dar nach 1328 zw Raum gekrönt, dar nach anuo 1330 hat er Etall gestyfft. im
iar 1347 ist er bald gestorbn. ligt zw München zw vusser lieben frowen. er verliesz
fi Bon: Ludwig der eltter, Stefläu, Albrecht, Wilhelm, Ludwig der Römer, vnd Otto,
vnd 2 tochtern.
Haiern wiixl im (ianzen umatUndlicher berücksichtigt bi.s zum Tmle de.s Herzogs
Siegmiind im Jahr 1501, während bei Albrecht, der 1417 geboren wurrle und 1487
Kaiser Friedrich.« Tochter Kunigunde ehlicbte, au.sdrücklich bemerkt ist: der noch lebt.
IKt) Äin man de» Icibs vnd gemacz». ain vorjrecr der »Urcli, plneend zu vil ema vnd ndehtuiii,
der aller erfamnst in den wappn peklait, mit der weiahait etarck, in dem radt unIt, in den a»ben
geiezig, des lob» geschiekt in der frumkait Irew vnd aller tagend, vnd vil armen seine tngentliche
Werg enogt, vnd getragn bat in allen geaelicfftn vnd «ebadens «eina reich», mit welchn er dem reich
oder gebiett alwegn der getrewst kenipffer rnd ain emasiger voratreitter gewest u. ». w.
Der Sehloaa lautet: vnd die land die weil er lebt mit d-r hochatn weiahait vnd dem beatnn
frid geregiert hat, der ein vatter de» vatlerUnda waa. anno lls-1 iar, da er was in Wehwaben bey
dem kaisaer, ward er bestelt am >> inlly, ist gestorbn, vnd dar nacb gen Seboirn gefbrt, in dem
kioster begraben.
Vgl. biezu den vorletzten .\bsatz der Xnm. 00.
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17«
Die pflilzischon Kiirst'‘ii konmien fast nnr mit «Itirren genealogisclien Angaben
«lureli, wovon die jüngafi* das Todesjahr von Kurfürst 1‘hilipps Demaliliu Margaretha,
der Tochter des Herz-ogs laulwig des Keichen von Itaiern-Landshnt ist, lüOl.
oö.
Hrnchstllch einer lia i er i sc h -p fä 1 z isciien Chronik.
Den Schhis.s des oben XIV Ahth. 3 S. 38.'i!l berührten Saminelbandes ini ge-
heimen Hausarcliive iiilden 7 Itlätter von einer Hand der ersten llältle des It:.
Jahrhunderts.
Sie enthalten ein Brnchstnck einer Imieriaeh - pfalz.isclien Chronik mit eiuge-
luischtcn gereimten Vier/eilen zu den einzelnen Herrschern.
Der jetzige Anfang lautet: pfaltzgrane tttt von Witelsitaeh ”) vnd die rechten
von Scheyern, Ott Krehart Beruhart etc. jre zv mit einander .stilften das closter
Scheyern jn vnser liehen frawen ehre, vund erwelteu jneu do ein ewig begrebnnsz.
das geschach anno doniini 1124.
Alsbald darnach hei.sst es: Der fromme furst Ludwig von Beiern wurd zu
Kellheim erstochen, alsz inan .sagt vsz geheiaz key.ser Friederichs iin jar 1231.
Unter Herzog Otto dem Kriuuehten wird berichtet: Von gunst wegen die er
hett zu keyser Friederichen vnd seinem .son Couraden ward er von Innocentio dem
vierden mit dem keyser ju bann gethan, derhulb er auch wardt die pfattheit durch-
echteu vnd hassen, au sant .Audre:is abeiit anno 12.7.7 ivasz er mit seiner hausfrawen
vnd holfgesind frolich. starb geheling.
In dem jar — wird hieran geknüpft — da Otto starb theiltten .seine sone
Ludwig vnd Heinrich. Ludnigen gefiel oWr Beiern vnd Laudtshutt, Hainricheu
das Norgawe.
Das Brnchstnck schliesst nach den Keimen auf Kurfürst Philipp:
Viel lieKsz sei dir beschert, Philips,
du bist ein kern disz Pfaltz sips,
von tugent getrew, gütig vnd niilt.
Von Beiern Margareth dich erwelt:
Dieser zweier ehegeniahel erst gelmrn kint war ein soll mit nanien Ludwig,
das u. s. w.
Des Ladislaus u n t h c i m
haierische und pfälzische Genealogie.
Den Anfang des in der ersten .Abtheilung S. .3813!* erwähnten .‘iammelbandes
des geheimen Hausarchives bildet der Rest einer schönen Handschrilt aus dem ersten
Viertel des 10. Jahrh. in Folio, die urs))rtlnglich neun je auf der ersten Seite oben
Ul) Vgl. die Sdieiem- Wittebhacirsche GeschlecbUtafil obeu in Knm. 47 b S. 1<>4.
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177
rechts am Rande KezähUe Laj{eii ninfa-sste, wovon jetzt noch die letzten fünf nml
nicht ganz ein Bogen einer fröheren erhalten sind.
Was hienach fehlt, nämlich die ersten vier Quaterne, his auf die beiden Inneu-
hogen des zweiten, fand .sich in der Xum. 1 des Kost. bl. 42(! des geheimen Staafcs-
archivea lose in einem grauen Papierumscfalage mit der neueren .Anffchrii’t: Fainilia
Üucum llavariae primae fainiliae ejusdeui Domus.
Begegnet einmal eine llindeutung auf l>adialans .Siintheim mit der auch anders-
woher ”) hei ihm bekannten .Fahrzahl 1511, ntid vergleicht mau andererseits den
Inhalt des Ganzen wie es jetzt vereinigt vorliegt mH Arbeiten von ihm im zweiten
Bande von Oefele's rerum Iraicarnm scriptores, so ist nicht nnwahrscheinlich, dass
dieses erste Stück nnseres Sunimelbandes Werke des genannten Wiener Domherrn
und kaiserlichen Historiographen“’) enthält, und es ist gewiss, dass in der Haupt-
masse desselben seine haierifche nud pfälzische Genealogie eutgegentritt.
Das Ganze gliedert sich folgendermassen.
An der Spitze steht, in der Weise da-ss — wie auch fortan immer — die
Hauptflbersehriften in earminrotber Tinte gefertigt erscheinen , die Familia ducum
Bauariae primi; familiae eiiisdem domus. Daran schliesst sich die Familia Garibaldi
regia Bauariae. Auf sic folgt: jterum prima familia Baiiar[orlam, and daun Garibaldi
regis Bauariae familia. Daun reiht sich an die Familia fundatormu Saltzburgensis
et Passaw episcopatuum die Familia Thasilonis Magni regis ac ducis Bauariae. Xuii
beginnt die Familia Carolj Magui, ijui et sui posteri Bauariam rexeniut, worauf
nach dem kurzen Abschnitte „jteni isti sei|uentes dienntur etiani fuisse filij sancti
Arnolti“ die Linea Carolj Magni materna bis an den Schluss von Kaiser Ludwigs
des Frommen Sohn lajthar folgt, bei Oefele a. a. 0. S. 042 Sp. l im ersten Absätze.
Jetzt fehlen, wie bereits bemerkt worden , die beiden .Mittelbogen der zweiten Lage,
und es fahrt dann der Text dieses Abschnittes auf dem nächsten Blatte, divs einen
starken Ansriss hat, wieder mit den Worten [re]gina orientalis u. s. w. in der
Königin Lintgurd, bei Oefele a. a O. S. 644 Sp. 2, bis an den Schluss der Weu-
delmut — im Drucke in „Wemlelucuet“ unigetanft — concubina Hugonia u. s. w.
fort. Auf der Rückseite beginnen die Uxores Karls des Gro.‘seu. .Alles wovon bis-
her die Rede gewesen entspricht dem berührten Drucke Oefele’s von 8. G3ö bis an
den Schluss von S. 044 , mit Ausnahme der erwähnten Lücke Uumittellurr reihen
sich mm — von Oefele nicht mehr berücksichtigt — die Concubiuae Cnroli Magni
Caesaris an. Weiter geht dann die Darstellung nach dem „Epithauium Ludouici pij
U2) Äof (len Innenseiten des Vorder- wie Hinterdeclicls des Cod. Ist. 12U1 der Hof- und ätoats-
bibliothek steht: Item anno m- v' vnd im aindilTten Jar hob jeb Lssssla Santhaim von Itnn< nspurg,
thneinbherr «n Wienn, rSmiseher tajrs. Maiest ditz puech snege.‘aDndt. vnd bt Tejfcrtigt worden am
aehlistcn tag des tnonats msreij.
fid} Vgl. Franz Pfeiffer, das Donanthal von Ladislaus bnntheira, im Jahrbnebe für vater-
ländische Oesebiebte, Wien IHiil, S. 274— ZU“.
Abb.d. III. Cl.d. k, Ak.d. Wizs. XV. Bd. I. Abtb. 2:1
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17«
Cftesiiris r^gi« Frnncorum" mid dem Drogonis episcopi Metteiiiis jn
Lothuriugia, iiatnrHlis filiu» (,'arolj niagni“ zur Faiuilia Arnolfi (äiesaris ducis iSansriae
in zwei mit der gleichen reheraclirift versehenen Abschnitten über, mit Eininiscimiig
von lateinischen Versen und allmälig auch deutschen Vierzeilen bis auf Iler/og Otto I.
von Wittelsliach *•) uinl seine unmittelbaren Nachkommen Ludwig den Kelheiiner
und Otto den Erlauchten i. Nach einer ohne Uiiterbrechmig hieran geknüpften
Reihe von Chronikverzeichnungen l>eginnt daun die Fainilia dncntn Haiiariae ex domo
«axoniae, welcher die Faniilia sanctae Khunigundis tolgt. Hieran schliesst sich die
..Familia Welphonnm comitnni de Altdorff, qni Hauariae ducatum rexit“ bis an den
Schluss des vierten (inaterncs, das aus dem geheimen Staatsarchive stammende Stück,
in dessen zweiten tjuatern der iin Fliiigange erwähnte nicht mehr ganz erhaltene
Bogen aus dem geheimen Hansarchive hineingetallen ist. Mit der fünften t..age,
also dem Beginne des über den IMlcken znsniumengebundenen Folianten eben des
geheimen Hansarchive.s, ist mau ohne Unterbrechung in den Schluss dieses Abscimittes
versetzt, welcher noch das erste Blatt füllt, nämlich z.u Heinriens, aller filiua Heiiirici
Leoui.s et domino .Mechthildis eins vxoria, reginae Angliae, frater Ottonis quarti
Caesnris, bis zur Aufziiälung der Stiftungen der Familia Welphonnm. An ihrem
Schlnase findet sich die vorhin schon berührte Hindeutung auf den Verfasser: Hec
per dominum laidislaum Sunihnin de oppido jniperial.j Kauenspurg orinndnro, Serenissimi
et jnuictisainii principis et domini domini Maximiliani Uomanorum jmperatoris etc.
hystoricum et capellannm, ac canonicnin Viennensem, coraportata sunt anno MDXI.
Am zweiten Blatte schliesst sich nunmehr die Familia filiorum sancti Leupoldi
marchiouis Anstriae, Heiurici et Leo|M)ldi ducnin Banan'ae, bis zu etwa einem Dritt-
theile der KOckseil« des dritten Blattes an.
Auf dieser Seite beginnt jetzt, und zwar mit zahlreicher Einmengung von
deutschen Vierzeilen, die baierische und pfälzische Genealogie der Wittelsbacher.
Die erste, die Familia ducnm Bauariae ex comitibus de Scheyrenn et Wittols-
pach orta, ex quibns nioderiii Bauariae priiicipes procesaerunt, wie lad Oefele a. a.
0. II. S. 5fi2 — .ü'.ü, reicht bis an den Schluss der ersten Seite der Lage 8.
94j Otto zu Bayren hertzog wai.
tauiwcDt liundert achtzig man lazz.
«achssen bet er jnn seiner hand.
Grosmuttir was der forat genant,
ti.r) Ludwig, desNcibcn Otten zun,
bet zu ainem weyb von khenigs kronn
Ludmill, die tochter von Beheim.
Er atarb von sterben zu Kbelhcim.
96) Otto, der erat pfnltzgraff bey ititein,
bett pfaltzgrutr Hcinricba tüchterlein.
Mit nmnnhnit er es erfeebt
Dea Reichs rbnrfurat blib sein gesehlccht.
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17!»
Anf Jereu Rückseite folgt enJIicb Jie Familia palatinomm coinitum Rheni,
Jucuiii Baaariae, ex comitibos de Schewreu et Wittelspacb orla, wie bei Oefele a. a.
0. 8. 575 — 581, bis anf die Rückseite des fTinften Blattes der Lage 9.
Ganz und gar vollständige üebereinstiranntng unserer Handschrift mit diesem
Drucke herrscht indessen nicht. Um nur eia Beispiel anznfübren, sei bemerkt, wie
sie anf dem sechsten Blatte des fünften Guaternes unter Otto dem Urlaachten zwischen
den vorletzten nnd letzten Absatz daselbst 8. 565 8p. 2 eingeschaltet hnt: Magnns
Albertus, magmis predicator, Landshntte sub Ottoiie dnee Hornit.
57.
Des Ulrich Fütrer baierische l.lbronik
in späterer Umarbeitung.
Sollte sie nach streng chronologischer Folge eigeuttich erst zwischen den Nuni.
63 nnd 64 cingereiht sein, so mag sie doch, so lange ihr Verfertiger nicht bekannt
nnd namentlich auch die Zeit ihrer Herstellung nicht noch genaner erforscht ist,
und mit Rücksicht darauf dass weiter das folgende Stück in sichtlichem Znsamnieu-
hange mit des Ulrich Fütrer baierischer Chronik .steht, gleich hier l’latz finden.
Sie füllt in dem oben XIV. .\btli. .3 8. 3S'.39 anfgefütirteu Sainnielhandc des
geheimen Hiinsarchives unter Lit. d eilf Lagen in Folio. Die erste, welche nuten
beschnitten nnd daher im Formate kleiner ist , auch ein anderes l’apierzeichen hat,
besteht gleichwie die folgenden sieben ans je 6 Bogen. Die nennte hatte ursprüng-
lich 8 Bogen, wovon ein Blatt, gerade zwischen den 8chlnssahsUtzen über Kaiser
Ludwig den Baier , ausgeschnitten ist, ohne dass es übrigens den .Anschein hat als
oh von dem Texte etwas fehlte. Die zehnte Lage besteht ans 7 Bogen. Die 8chliiss-
lage umfasst gar 12 solche. Säramtliche Lagen sind je oben in der Mitte der
Vorderseite des ersten Blattes fortlaufend von 1 bis 11 eiiischl. gezählt, während
sich bei einer Reihe von ihnen auch je nuten in der Mitte jener Vorderseiten Zahlen
finden, nämlich 15, 16, 14, 4, 0, 32. 8, 12, 17, t), 0. I). Ob die Zahl 32 nicht
anfänglich einfach für 2 oder 3 gestanden , und nnr später so verändert worden
ist nicht klar.
Auf den ersten Blick fällt abgesehen von dem Zuschnitte der ersten Lage und
ihrem anderen Papierzeichen anf, da.ss durch unser Werk nicht die gleiche Hand
begegnet, dass sich auf den einzelnen leigen eine kleinere wie grössere Zahl von
Zeilen findet, dass hier und dort mit blässerer Tinte Bemerkungen theils in den
Text geschrieben , nnd theils an den Rand beigefögt erscheinen, u. s. f. Auch ist
einmal eine leere Seite znm Kintrage von zwei Absätzen verwendet, unter denen ein
Verweisungszeicben steht, das auf der Rückseite des folgenden Blattiw wiederkehrt,
mit dem Beisatze: Dise zwen artigkhl sollen nach dem negsten hernachnolgcnten
plätl steen wo das zaicheu sleet. Es liegt vielleicht nach allem dem nicht gar zu
ferne, auf Jen Gedanken zu verfallen, als ob eine Reibe von Lagen einer Handschrift
23*
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ISO
der Chronik des Ulrich Udtrer einer Unmrheitnng unterroifen und eine andere Reihe
von ihnen wohl ganz entfernt nmi dnreh neu liearheitetc ersetzt worden.
Das erste Watt der jetzigen ersten Lage ist für den Titel des ganzen Werkes
be.«timnit, welcher auf seiner Voj^eraeite im (iegenlialte zu dem in der Spalte 1
mitgetheilten Texte der schönen ans dem Kloster Polling stainnienden Perganient-
handschritt der Ilof- nnd Staatsbibliothek aus dem 15. Jahrhunderte, Cod. germ.
43, in Quart, folgende Fassung hat:
ln ilem nameii der hochen vnd vnge- ln dem namen der hohen vniul Tuz.er-
tailten drinaltigkait. amen. laillten Iriualtigkhait. amen.
Durch begeren vnd gepot des durch- /u eern dem durchlenclitigen hochge-
lanchtigen hochgepornen fürsten vnd bnrnnen fürsten vnnd herm herrii .\l-
herren herrn .\lbrechten, pfallnntzgraucn brechten, pfallenntzgranen bej Rhein,
l>e)' Rein, hertznge in Obern vnd Nideru hertzogen in Obern vnnd Nidern Rayrn
Bayren etc. ain sun des edln fürsten etc. ain sune des edlen wolberedten auch
vnd herrn den man ye all sein zeit weitberuembten fürsten vnd herrn herrn
nannt den gütigen herlzng .Wibrechten Wilhelmen vnnd geliorun von der edlen
von Bayren etc vnd geburn von der fnrstin frawen Maria Jacolm, gebornne
edln fnrstin frawen .Wnna von Praiin- marggreflin von Baden etc.
schwig etc.
na dnreh vor gemellt gebot des jungem
fürsten vnd herren heru Albrechts her-
tzog in Bayren etc hab ich mich vnder-
stannden zu beschreiben der zeit als
man z.elct von der gepnrd vnnsers baylers
Christo Jhesn tunsent vierhundert vnd
achtt vnd sibentzigk das herkiimen des das herkhoineu des aller edlestcn stanieii
aller edlisten stamen des fflrsteuthumb.s des furstentbumbs vnnd weitberuembten
vnd weyt periieniten löblichen hawsz löblichen hansz von B.vyrn etc. auch
von Bayren, noch allen fürsten disz allen forsten disz aller edlestcn geileeht-
aller edlisten kuunes vi'rgaugen löblicher uusz gegenwunliger löblich regicrenmle.
gcdechlnnsz gegenburtiger löblicher
regierung.
Mit dem zweiten Blatte beginnt der Text der Chronik seihst, welcher gegen-
über dem berührten Cod. germ. 43 theils Kürzungen , theils Erweiterungen , theils
kleinere oder grössere Umstellungen zeigt, und am Schln-sse noch den Anlauf za
einer Fortsetzung erkennen lässt. Nachstehende Mittheilungen mögen beispielsweise
das eine wie andere vergegenwärtigen.
Gleich im Eingaugsabsatze ist ein Ansfall, welcher den Text — was sonst nnr
äusserst selten der Fall — unverständlich macht :
Nach Rom stilftumb sechshundert Nach Rom stifftung sechshundert drey-
drew vnd ncwiizigk jare herschte zu nudiieuntzig, da.s ist vor der gepnrt
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181
Uniii ilor groKz Pompevii», nacli ücm
vnd Kriisms von den Römern erlott
ward, dem sy zerlaesen^i;olH in seinen
halls ffossen vmb des willen das er den
Römeren vil volcks durch .seinen geytz
verfTirt vnnd verloren liett.
Criatj aclitnndfiinffzig jar , liersehte zu
Rom der grosz Pampeins, nachdem sy
zerlassen golt in seinen halls gossen
vmb dosz willen das er den Römern
durch seinen geytz vill voickbs verl'uert
vnnd verloren het.
Zwischen diesen und den folgenden .\bsatz Ober Porapeiiis ist gegenOber dem
Cod gerni. 43 hier folgender eingesetzt: Die Allten, als Tiltus Liuins, Plinus,
Florns, Eutropins, vnnd annder schreiben vnnd haissen Bayrn Hoias. seindt wol
dreyhundert jar vor Pnmpcio in Welschen Ijaiindeii gesessen, haben Maylluiindt,
Bressa, vnnd annder steet gepaut.
Nicht lange, nnd es begegnet uns nach der Theilung von des Bavariis *’)
Söhnen Boemnnd und Igramyon , von welchen ei-sterer Herzog in Baiern und der
andere Herzog iui Nordgaue geworden, im Cod. germ. 43 S. 12, wieder eine Ein-
schiebnug. und zwar gleich von den vier folgenden Abschnitten :
Als mm Troya die grosz stat zerstört wardt, khain Enebises vnnd sein sun
Eneas in die gq;ent Ittalia, da yetzt Rom ist, vnnd pauetn ettlich fleckhen vesste
vnnd gesisiz. vnnd ans des Enea.s geschlecht wardt ainer , genant Miinitor , geporn.
der war aiii khönig vber das vertriben volckh von Troya, vnnd wanlt von seinem
brnedern Danbiiis von de» kbönigreich gc.stossen vnnd vertriben. nun het Munitor
zwei! jung sun, Romulus vnnd Remus. vnnd als sy zu ireu jarea kbamen, samleteu
sy ein grosz volckh, vnnd halfleii iereni vatter Monitor wider an das reich, vnnd
regierten die zwen sun mit dem vattern, vnnd pauetn purgen vnnd stettl vnnd als
Munitor starb, khameu seine «wen sun an das khöuigreicb. darnach wardt von den
rorgeuaiinten zwen herrn, Roninhis vnnd Reniiis, die stat Rom angefaugen. vnnd
machten vmb das stettl vnnd pnrg ein maur, das es ein stat wardt. vnnd nennten es
Rome nach iren namen. das gcschach vor Oristj gepurdt 750 jar.
Vnnd als Romulus vnnd Remus die stat Rom gemacht betten, da waren sy die
ersten khönig vnd herrn darnher, darnach wardt Remus erschlagen, nachmals
regiert Romulus allain , vnnd eiTvellet hundert man ans den eitesten vnnd weisesten
zit Rom, mit der rutb er alle ding wolt ansrichten; vnd nant die Cenetorcs, wann
sy alt waren, er erwölt auch dausent mau, die fnrnemesten vnnd sterckhesten , die
sein dieuner vnnd der stat beschirmer sollen sein, denen gab er einen namen, das
sy solten haissen ritter. als diser Romulus het regiert 38 jar, erschlueg in der thoner.
nach im wardt khönig zu Rom Nomapompilius. der regiert 41 jar. der Nomapom-
pilius war def erst der da ordnet das man den dausent ritteru besölduiig gab. auch
thet er die zway raonat jenner vnnd hornnng zu dem jar, dann vormals het aiu jar nur
97) Kr nrsnog vnnJer sein herrsebaft 0»ler-FratmcIihen. Kherliiigeo, Borgumlt, Oesterreich Ja»
man die zeit naimt Jas ober Poinania, Jsterreicb. vnnJ Märhera.
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182
7.ehen raouat. noi^h disem rejjicrt Tnliua llostiliofi H‘2 jar. der war der erst der zu
Rom coatperliche cloider von purper vniid beaclileclit« antrueg. zu lest wart er
vnud als sein volekh von dein thoner ersclilaj^en vnnd verjirenndt. also ist Rom von
deu khönigen naeb vtid nach bisher ye lennger ye vesster vnnd grösser gepawen vnnd
yetzt der Irnbst jnuen hat. desnmla gienng der kbönig gewaldt vnnd reginiennt nit
weitter dann vier meilwegs von der stat Rom.
Dersellien zeit war die stat Kharihago elter dann Rom. vnnd babeus die
Römer 40 jar vor Cristj gepnrdt verprennt. die rinckhmaur ist in der weit vmb die
stat Cliarlhngo vier teulsch meilwegs gewest, vnnd HO schueeh dickh, vund ,ö0 sclmecb
hoch, als von ijnatterstaiu gemacht, darnach vber 20 jar erlaubten die Römer die
stat Chartngo wider anfzepanen. war aber nit so grosz ge|iawen ahs sy vor
gewest ist.
Vnud als die Römer den caiser vund die stat Cliartago bezwungen betten, da
wollen die Römer Teutsche vund anndere Lanndt auch liezwinngen. also achwueren
die Teiitschen vnnd Wallten vnud vil lanndt zesanien wider die Römer, vnnd das
sy zu dem erstenmal mit den Römern stritten , da lagen sy ob , vnnd erschluegen
der Römer SOOOO vnnd der von Coloste 40000, das der Römer hardt zehen ent-
rannen. vnnd als die zehen entniunen dalmim die pesen mer .sagten, da erschrackhen
die Römer so vbl viid vorchten in , vermaiuten sy waren das landt vnnd die stat
Rom verliern. darnach als die Teiitschen vnnd Walhen gesigt betten, da fueren sy
in Ittalin vnd wolten Rom belegen, da zogen die Römer in aincr nacht aus vber
die Teutscheii vnd Wnlhcu, dieweil sy vngewamet waren, vnnd erschlnegen ier
140000, vnud uamen 70ü(K) man gel'aniigeu. vund disem streit zu eereu paiietu
die Römer zu Rom ain tenipl.
Auch ip dem was uumittelhar folgt ist die ändernde und noch hauptsächlich
erweiternd« Hand deutlich genug sichtbar.
Vmider di.sen Zeiten kriegt Julius mit
macht der Römer alle teutsche lanndt
bis au die portt Zesare, in tewtsch ge-
nannt kaysers portt, von dem er den
namen von erst gewan Julius Zesar :
z vnd noch all kay.ser nach im den uamen
haben Zesares, diser Julius bez.wauug
alls Britony, Kcriing, Aquitonj. er
macht inanig schone purck an dem Rein,
auch nianig vesste stat, alls Oppenhaim,
Maiutz, Ingelhaira, Pnparten etc. vnd (Vgl. unten S. 184.]
er besetzt die stet wol mit lewten die
die lannd sollten hewarcu. allso zoch
er in das lanud zu Haireu. do ward im
sUrcker widerstanudt getan von den
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1ö;5
zwayu fnrsten Boeimiudo viul Y;?rainino.
ay «triten manixeii hcrtlfii streit, ilarjnii
vil guter ritter Tiind kiieehtt erschlageu
wurden. Tud doch an dem jüngsten
zwang JuliiM die fürsten vnder sein
herschafft.
|VgI. oben «. 180.181.]
[Vgl. unten. I
■Tuliauus haubtnmu zu Koni.
.\ls man zeit ti',13 jar von ’•) der stat
Rom erpawuug, da.s ist vor Cristj gepurt
58 jar, als vor gesagt, wanlt Julius zu
Uom an dem gwallt der inaister ainer
gemacht, vnud als die Römer zu disen
Zeiten hetten alle laundt liezwungeu, an
allain Teutsche laundt Krannckhreich
vnnd Laiuparten, da sanften die Römer
disen fruinen strcitparn hanhtniau Julius
aus mit einem grossen volckh , vnud
beualhen im , das er die vorgenannten
lanndt sollte auch bezwingen vnnder der
Römer gwallt, vnud sollte das thuen
in fnnff jaru, ob er mecbte, vnnd solte
also die fnnff jar ain maister vnnd
haubtman sein vlier da.s volckh , vnnd
nit fiirbas. also fner Julius hinweg mit
dem volckh, vnnd bezwaung zu dem
ersten Lampartten als miteinannder.
darnach fuer er in Teutsche lanndt. da
zohen im die zwen hertzogeii von Bayrn,
Boemnndus vnd Igraman gcbrueder,
mit grassem volckh gegen .Inlio, vnnd
thetteu einen gro.ssen streit miteinnun-
der, vnd kbani vil voickhs vmb. doch
vberkham Julias, das im die zweu brue-
der Boemundus vnd Igraman, die zwen
hertzogen von Bayrn vnnd Norcaw,
vnnderthenig wurden, darnach fuer Julius
geen Trier , vnnd vmblegert die stat :
dann es die liaubtslat war in Teuischen
98) ln der Handsthrift steht: vor.
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18-4
lamideii. die von Trier werttent »ich
vu»»t gegen Julio. doch gcwaniig .lulio
die »tat. da» khaiii al»o wieuolgt.
ln der »tat Trier waren zwen Herren
an den der gwalt stuenndt. die waren
gar reich, vud khriegten allezeit mitein-
anmier vmb ier gro.tse herrscliaftt der
ain hiiesz Dultzemar, der aunder ,^igna-
(or. da aber 8igiiator »ach , das er
Dultzemar nit macht vberkhnmen , da
machet er sich ans der »tat, vnud wardt
,Iatins dieniier. Tiiiid mit de» hiltl'trueg
Signator an, da» Dultzemar iler hauhl-
man in der »tat erschlagen , die »tat
vnnd da» lanudt gewungen wanlt. vund
Julio liesz die lanndtherm bej iren eereu
beleihen, vnnd verricht also das sy Julio
liultetn: vnnd »cbwiieren im als ierem
iiberisten herrn. nnn was ,Tuliu» ain
tugentlicher milter man, vnnd gab gro«
galten vund gescbenuckh von im. damit
schiielT er, da» im alles voickb willig
vnd gehorsam wa.s. vnnd blib zu Trier
bi» da» im Cölu Menntz Speyr vund
Straapurg vnnd die annderu »töte alle
in Teutschen binnden mit guetteni willen
vnndcrthenig wurden, vund pawet auf
dem Khein vil gnettcr veaste in dem
lannde zu huetteu: da» was Buchparten
fVgl. oben S, 182.] Inngelhayni vnud Oppenhaimb. vnud
machet zu .Menntz ein schöne herliche
weitte priickhen vber den Uheiu. die
wardt zehanndt darnach von der Mcntzer
vntrew wogen zerstört vnd zerprochen.
AI» Julius alle Teutsche lanndt be-
zwungen het, da fuer er gecu Kbers-
haiin mOuster zu dem teuipl, der wa»
in Marcurius eeren gemacht, opHferet
vnud dannckhet Marcurius, dem got
»eine» gluckhs vnnd »ig», nach haid-
nkscheu »ytteii; wann zu den Zeiten,
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inr.
50 jar vor Cristj gepurJt, da waren
evttel haiden, vnod was Marcuriiia
oberister abgol zu Teutachen laniiden.
vnnd hielten in gar genediclich nach
irem glauben, vnnd also ist derselb teinpl
zu Elrerahaim radnster seither zu aim
closter gemacht worden.
Alls uu Julius vil weiter lannd hat . Ua nun Julius alle Tentsche laiindt
bezwungen, do zoch er machtigklich zu bezwungen het. als vor gesagt, vnnd
Rom. do woltn in die Römer nichtt zehen jar das volckh het regiert, vnnd
einlassen, wann er wollt alle herschaft bey inn in Teutscbe laundt gewest, da
allain im beheben die er mit arbait er- ordnet er die herra vnnd steet , wie sy
stritten hett. alle man im vor verspartt sich sollen halten, vnnd fner er wider
die stat Rom, zoch er wider zw teut- geeu Rom, vnnd bat die Römer, das sy
scheu lanndeu, vnd er sanilet ain grosz inn liesseu den maister ain sein an dem
her, vnder den anch disz zweii fürsten gwallt zu Rom, seidt da.« er were ge-
Yon Bavren waren , mit der hilff vnd wesen maister vnnd hauhtmaun vlier
ritterlichen beystandt er Rom nötiget vnd das volckh, vnnd den Römern so grossen
zwanng. er vertraib vil Römer in das nntz bet geschafft, aber die Römer wollen
ellent, vnd auch Pompeyum in Kgipten. in nit in die stat lassen, darumh das er
er pracb auf zu Rom die triscamer, nam lennger dann die funff jar so .sy ime
daraus alle die schütz die sein vodern zum zil vnnd zeit betten gesetzt aus-
lanug ersatnlct vnd behallten hettent hüben wer, vnnd das er auch des romi-
vnud tailte die vnder die Tcutschen vmb sehen voickhs zunil in dem streit gelassen
das sy im in manigen hertten streiten vud verlorn heb darnmb wollen sy in
so hilflichen peystandt getan beten. abstossen vnnd einen annderii hanhtman
haben vlwr ier volckh. des gab Pompeins
vnnd der weise Chato den Römern rat.
vnnd gehuldeteii im die edlen, aber den
anndern was es iaidt. da Julius also
, was gcschwecht von den Römern , da
fuer er wider in Teutscbe lanndt, vnnd
Iwsonnder zu allen den herrn vnnd slötteu
die im gehuldet heilen , vnnd claget
denen sein not vnnd die schmachait die
ime die Römer betten gethan , vnnd
gelobet inen grosz giiet das sy im zuhillf
khümen. da fuer alles Teutscbe volckh
mit ime gen Rum, vnnd machet Igratnan,
den hertzogeu von Bayrn vnnd ab dem
Norcaw, zum oberisten haubtman vber
Abh. d. III. CI. d. 1(. Ak. d. Wiss. XV. Bd. I. Abth. 24
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iillfs volckli. da die Römer raclieii, das
Julias mit so grossem macht khani, da
erschracklien sy also seer das Porapius
viind der wei«e Cbato, die wider Julio
rat heten gehen, vnnd die edlen flahen
all zu Rom aus der stat. die anndern
za Rom warenndl fueren gegen Jnlio
niH der stat zu rora vnnd fuesz, vnnd
empfienngen in gar hcriichen, vnnd batten
in vmb gnadt. also fuer Julius mit den
Tentschen vnnd mit seinem volckh in
die stat Rom. vnnil prach den thnren
(Vgl. oben S. 185-J nulf, dar in der Römer schätz lagen,
vnnd gab seinem volckh reichen soll,
yetlichen als er in gelobt het. vnnd sprach
zu den Römern : ir wollent mir vor nit
ain wenig gwallts vergnnnen , den ich
doch manigfalltig verdient vnnd erarmet
han : mm wil ich eurs vngedannkhs den
gwallt miteinannder allain haben, vnnd
eiir aller herr vnnd khönig gewnltigklich
sein diett-eil ich leb. vnnd bevalch, das
Diser kaiser pot auch den Tentschen man die Tentschen fiiran soll iritzen,
die er, das allcrmnnigklich sy hinnen vnnd nicht mer duitzeu.
furan sollt irzzen vnd nicht dutz^n:
wann vor der zeit nicmandt niegeirtzet
ward. u. s. w.
Also was Julius der erst römisch caiser.
das gi"chach vor Cristj gepnrt t" jar.
Da nun Julius der caiser den gewallt
zu Rom allnin erworben vnd erfoch-
ten u. 8. w.
Im grossen Ganzen hält sich unser Werk weiterhin ziemlich genau an den
Gang der Chronik des Ulrich Fütrer. Dabei ist ribrigens keineswegs ausgeschlos.sen.
das.s bei einzelnen Abschnitten mehr oder weniger eingreifende Abänderungen vorge-
noinmen worden sind. Hier nur ein Paar Beispiele.
Zunächst die Erzählung der Schicksale von König Pipins Gemahlin Berchta
wie der Gehört Karls des Gi*ossen in der bekannten Ueismuhle im örmthale.
Ulrich Fütrer beginnt sie im Cod. germ. 43 S. 12fi folgeudermassen :
Es ist ain geroaine vnd lautraörige
history be.schriben von der vermachlnng
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187
des kani);» Pippini von Franckreich vnd
seiner fraweu Perchta, das wol in der
warhiiit beatct. wie oder wo wellicher
l^estallt aber Karolua warlich geporen
sey, vind icb nit mit trcffennlicher oder
bewürter erklärumb. daa red icb dem
nach. ettJicb Niderlenndcr ballten vnd
scbreibeu in iren coronicken, er sey
geporn zn dem grossen Ingelhaim auch
mit den hysiorieu alle ich bemach sagen
winl. vmb des willenn hab er sein
mai.st hof vnd geaprech mit den kristen-
licheu fürsten dar gehal)t. so sagen
ettlicb vnd der maiat tail, das er geporen
aey in Bayren bey einer ainöd ainer
mOl genannt die Kelsmill, gelegen zwo nuten S. I88;189.]
meyl von der stat Mfincben. vnd der
vrsBch nach : Pippiiius aey in der art
beschlosat vnd mit seinem hof ge.se.ssen.
das auch zugibt der Fraunzosen coronica
vmb das: wann er mit den llewnen
Hachasen vnd Pebaimeii atrait, wann er
zw Franckreich kam zu handt viel daa
volck von dem glauben Criatj, vnd rich-
ten wider auf ir aptgotterey: vmb des
willen muat er lanng vnd stüt auf seinem
scblosa W’eyhenstcfcn I<ehaw8eu,
Wie dos ist das er vil gehoft bat zw
Weybenstefen , so sagt doch Pontna
Gotfridus de V iterb , das er warlich
geporen sey zu dem grossen Inglhaim
vnder Maiiitz doch mit allen bysturien
all-s ir hören werdt. mit dem hillt auch
bruder Peter der mynderen hrfider, alle
er schreibt de regimine poutifticis et
regia etc. e.s .«agen auch all Xyderlenn-
der, was mit red her inii gesagt wirt
von Weybenstefen vnd Augspurg, das
sagen sy von Inglhaim vnd Maintz. so
hab ich doch nie gelesen oder in warlmit
hörn s:^en, d;ia Pippiuus vmb die art
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188
yimilert geliofl oiKt vnsst gestriten
hab.
Ob aber yemandt kam begegnet cxler
weaste ainicherlay wolbewürler hystorj
diser nach Tollgennden inateii, den oder
die selben bitl vud fle ich , er well es
viub nieins genedigisten herrn willeiin
thun, vud es an dise stat setzen, doch
das sy nicht crsamlet seyen aus den
erdichlcu oder fliegenudeii coronickeu,
der ich auch vil vnnd inanige gelesen
hab. vud hiemit setz ich mein vnscbatld,
wann ich dise uachgeiid hystory nie
klarer noch lanltrer erfunden hab.
Ich hab euch iiu by.^her gesagt von
den streyten Pippin j, auch wie er sein
wunung vil geliebt hab auf seiner purck
Weyhenstefen u. s. w.
Die ganze folgende Schilderung — im Iwrührten Cod. germ. 4ii in nicht
geringerem Umfange als von S. 12B bis IS,") — hat Christof Freiherr v. Aretin als
Anhang in seiner zn Mfincbeu im .Tahro 1S03 erschienenen Schrift „älteste Sage
über die Geburt und Jugend Karls des Grossen“ S. 105 bis 124 niitgctheilt.
Erbarm ungslo.s hat unser Werk dieselbe gestrichen, nnd fertigt das tianze in
nachstehenden zwei Absätzen ab ;
.ler habt vernomen von Pippino vnnd
von seinem streiten, mm ist in der men
sehen oren khumen mit gemaiuer redt von
der vermehlung Pippino, wie in sein
hofmaister solt betrogen haben vnnd im
sein vermelthe oder vi'rtrante khöuigiu
frawen Pertha, deskhönigs von Kherlingen
tochter, als er die dem khiinig zu lanndt
het haim gefuert , hiet der hoffmaister
die khünigin geschaflt jinermöru. vnnd
gluckh hulfft ier dauon. wie die inng
khönigiu zu dein mBIIer kham, vnd
bey dem ettlich zeit wonet , vnnd
wie sich Pippinns ainer zeit auch in
dem waldt bej Gantting verjrrt vnnd
zn derselben muH kham, genannt die
[Vgl. oben S. 187.] Rcismnll, zwo meyll wegs von der stat
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1K!»
Mnnchen”), wie er die obgedacht iunckh-
Iraw IVrIlia besehliefiF, wie dann die
eelb nacht sy schwaiinger wardt des
cuiser Carl.», vnnd wie im die fraw sagt
alle ding wie mit ier gchanndlt wiir,
Tnml wie *y bej der muH den khönig
Carl gepar, vnndderenden erzogen wardt,
mit vil torachter uachredt, der ding
khaius Iwsteen mag. man sagt dabe;,
das der hofmaister dem kli5nig l’ippino
betrogenlicb sein tochter hab vermehelt
rnnd ziiegelegt, fnrgehallten als es fraw
l’ertlia sein solt, auch wie er mit den
. dorlFkbindern zu I’äll erzogen sey. sol-
cher fahel redt werden in den gnnckhlen
ril von im gesagt, das doch der weisen
glächter i.st.
Warlich ist er geporn in Lanngeu-
dockh, das man auch nennt Aquitania,
in der stat Corhanj, vud in khönigclichen
hßffen erzogen worden, wol hat Pippi-
uus vor der fraweii Pertha bey ainer
frawen die aus rittera khumb geporen
was gchal)t drey sun, die des caiaers
Carls brueder waren der masz als ich
gesagt hab. ainer hic.sz Leo, der aiii
babst zu Rum wardt. die anndern zweo
waren kfauen ritter, die durch cristen-
lichcQ glauben gross streit gethan haben,
genannt Witeman vnnd Rapalt.
Auch hinsichtlich der Erzählung von des ürafen Wernher von Scheiern be-
. kanntem Sohne Eckhart mit dem Rnndschnhe — im Cod. gerui. 4.‘i 8. 229 bis 231
— lassen sich Abweichungen geltend machen ;
Eckhart sein snn traih den krieg Nachdem volüert sein sun Eckhardt
nach dem manlich. er n'ard wider den krieg so maulicb das er wider zu
betedingt zu dem lanndt, vud das er dem lanndt zu Hayrn kham.
sott mit küuig Hainrich dem dritten
99) Die Worte „zwo meyll weg« von der
sUt Müoefaen" .«ind ent an den Rand beige-
schrieben worden.
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190
varen x« dein heiligen gnih. er röaat
»ich vaat herrlich zu der vart. er was
gar guter vnd frenihder abeutewr vnd
geepräeha, auch gar furtriichtig mit an Vgl. die Note 100.
»chlegeii. dauoD sich menigkhcb im liebt.
er het xwen pantschnch allzeit au mit
dreyn roten rieiulein, vmh da» man in
nannt den hertzog Hnnt»chuch.*®^) wo
OjO) Unter Werk &1ii*rgeht an dieAer Stelle die betrelTeDtle Erzählung, widmet aber nach der
ersten Zeile der 8. *244 de« Ood. gernt. 4^1 dem Grafen Eckliart folgende drei besondere Absätze:
Nun kbaiiib ich wider an Eckbardt von Sebeyru, von dem ich karttlich gesagt hab. al> der
mit todt verganngen was vnnd drey sun verliess: UrnoU, Ott, vnnd Chaenradt. Ott blaib gratT za
Schein), dem wardt verin-nrat fraw Khatherina von N.a«»aw. die im gepar ain sqii. genannt Eckhardt,
als der zu jam khani. wardt er gar ain ritterlicher farst. brae^ier Anndre von Vicenntz acbrelbt, das
er gar ain knn«tlicber her aej gewest in astromonia, ain großer maiaier in der frulichen musica auff
jnstrnmi'nnten, stareklis vniul geradts leibs, vnnd bebennd in der kanst des fechtens, ain beraemb*
tcr storicus.
Furbos m>T Rcbndbt der gemidt bnicder Anndre, das der zeit als man zalt von der gepardt
CrUtj dausent zwayundneuntzig jar das der babst Vrl>anas der annder ain eoncillio niacUi in Krauekli-
reich in der stat Claremont. dahin kbamen vil cristlicber farmten vnnd herrn, geistlicher vnnd welt-
lich. vnnder dem kham auch dar treniiche botsebafft von dem caiser Alesio von Connstoodinopel.
der begert bilff von dem l^bst vnnd allen fürsten wider die Haiden vnnd Turckbon, die alles
Khriechen lanndt anfaebten mit vnnienschlicher darchaebtung, als das gar lantter begriffen wierdt in
der mörfardt Gotfridls vnnd des grossen Haugen von Franuckhrcich. da schworen der merer thail
aller furstt-n mit der pesalon macht in aigner person ain herfart an die Haiden, vnnd fort das beillig
lanndt vnnd grab Cristj zugewynniii, dise fart oder niisz wardt so strenng vnnd eronstlicb furgenomen,
das aller mciiigclich es sclictzte für ain sonnders mirackhel vnnd wonder, vnnd ain aigentlich einplasen
des heilligcn geists in der niooschen hertz.
Zu diüer raisz russt sich der vorgemelt graff Kckhanlt von Scheyrn — hiezu ist mit blässerer
Tinte an den Hand bemerkt, aber wieder auHgestriclien : als man zalt 120^ jar mit ritter vnnd
knechbm vasst kostHch, vnd th«‘t vi) sunder manlicher kicIi mit den seinen wider die Saraconen. er
war gar ain wunder kurtzwcilligcr lierr in dem veldt. er trneg allzeit an twen scliwartz groez
pundtschuech, ye^ler mit dreyen rotten riemen. darumb wardt or von allem voickh genannt bortzog
Fundtschueeb. als aber alles hör durch vil grosser streit zu Jherusalein khaiiien, vnnd man die stat
anbei) mit «tonn zu sechzebon oniidcn, was die stnt vasst woll bt^etzt mit den Haiden, die sy an*
luasscu vasst wortten, vnnd triben zwen sturm ab, wann da was nicht an dann mnnlicli gesigen: an
der stat da geflacht kliain oristlichcr ritter an die bucht, sunder nur für sy zustreiten. vnd als die
gross schiacht so gar strenng on abbsaen mit grossem geschray werde bis an den anndern morgen,
da vberolMjrt durch gottes vorliomignusi vnnd hilff der obgonannt graff F^ckhardt sciu aturmUeb ort
wider seine gegenstroitter; vnnd mit wörücber handt kbam er mit seinem panier — dar jn der
pundtscbnecli gemalt stoondt — in die stat. da kbam er auch zu grossen nuten clio das man im
zubilff kbam. als aber das urt an der stat gewuniicn wardt. da bellen die ritter gottea au den
streit mit grosson scharen, vnnd wurden die pordten an der stat gooffnet. da wardt gsrhray, würgen,
mordcu, schlossen vnd stechen an n)a»8en gross, da wardt erschlagen in der stat von den cristlichcn
rittern man weih vimd khindt. also wardt die stat Jhcrusaleni mit grossen nuttou von den cristeo
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101
er nu zu nacht Ing, do stackt man ainen
pnntschuch anf. du legt eich dann ril
mer voleks zu daun zu des kunigs wonung.
vnd vnib desswillen hiesz im der kunig
ain swartzen puntschuch in ain weyrz
panier machen, alla gy zu Constnutinopid
kamen , Hessen sy ire pfard dar fuereu
Hier an, vnd zngen zu fnsz gen .lerusn-
lem. sy gewuimeu auch die slat Jerusa-
lem vnd das heilig grab vnder dem panyer
des pnntschuchs. allso bestütt der ktiuig
im den piinfachuch zu ainem Wappen
zu fuereu vnib der gedachtuusz willen
das das heilig grab daruuder gewunuen
ist worden, nlls aber kunig Hainrich
wider zu teutseheu lannden kämm, an
stund gewuunen die haydeu wider die
stat Jerusalem, erschlagen alle die kriss-
ten die sich in dem laund aufgewortfen
betten, das gieng auch den meisten zu
durch den vngetreweii kayser Alexium
von Con8tantina|)cl nach dem als der
heilig Vater pabst Vrbanus der annder
ain herfarl vlier mer macht, do Wall-
debinus Keymnndus vnd Gotfridus etc.
das heilig laund mit grosser not erstri-
ten , von dem zug auch gar aiu schöne
historj beschribeu ist.
I Vgl. oben. |
Vgl. die Note lOU.
Item man list in aiuer cruuicen der
Scheirer, da.s diser Kckhart vlwir mer
mit khönig Ueiurich sej gefaru, vund
das heillig grab vnndcr seinem panier,
daran gemalt war ain pundtschueeh, ge-
wunncn sej worden : in dem warlich
warlich va.sst gejrrt ist, wann der ge-
naunt khönig nie vber mer khaui. cs
erobert vnd gewannen, vniul aller rnrat ans der stat geworlTen. die toslen kbrjier der eristeulieben
rittet warden mit vil clair begraben, diser (rcuidlt Kckhardt kham wider mit hohen eeren in lanndl,
vnnd paut hernach Grie.vpacb, vnnd machte ila ain irrafschafft, nncbdem kurtilich starb er selligclieh
an erben, vnnd ligt za bcheyrn anno etc.
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192
iet aiu amider Eckhardt fjeweaen , der
des Eckhardts ene heraach gewest ist.
als Eckhardt der ellter starb, zalt man
daiisent seebsanduierzigkh Jar. aber als
die nicerfart khönig Philippen von
Fraiiuckreich was mit VValldewinns Tar-
credo vnnd hertzog Gotfrido. darjnn der
hert/üg Piindtschuech was, schrib man
dausent zwayhnndert vnd acht )ar. von
der meer fart ich luer sagen wierdt.
Eine hrx'hst bedeutende Erweiterung hat sclann die llarstellnng der Geschichte
des Kaisers Ludwig des Baiers erfahren, wovon bei anderer Gelegenheit.
Unmittelbar darau kuüj>ft sieh ein Absatz, der ein anschauliches Bild kleinerer
Abänderungen im einzelnen gewährt:
Nu vernembt wie es all die weil mit den
aunderen herren von Bnyren gienng die
da in Nideren Bayren waren, der waren
drej , all.s ich euch vor gesagt hab :
Hainfich der ellter zu Laiulshut, vnd
der het des knnigs von Pehaim tochter;
Ott sein hruder; vnd llaiiirich der junger,
die kriegten in diseni werren des kaisers
auch miteiminnder an alls abla.ssen, vnd
wurden die laiidt ser mit raub vnd
prannt verderbt, do besaunte kunig
Ludwig, wann er noch nicht hett die
zeit die kaiserlich weich, sunder er was
alls sich der krieg mit dem hertzog
Fridrieh von Oesterreich verendet het :
nw besannt er, alls ich ee sprach, die
drey hei-ru vnd den kunig von Pehaim
gen Nilrnberg. vnd nach vil laniiger
vnderred wollt der kunig vber ain das
sy kurlz gerichtt wären , wann im die
jungen herru beuolhcn waren , alls ir
vor vernomen habt, auch wolt es der
Nun vernembt wie es mit den jungen
drey berrn von Baym gieng die da in
Nidern Bayrn waren: Hainrich den man
nent von Natternberg, hertzog*") Ott,
vnd Hainrich sein brueder'”*), als vor
dnuon gesagt ist. die kriegtu auch mit-
einannder der zeit caiser Ludwigs, vnnd
wurden die lanndt seer mit raub vnnd
pranndt verderbt, da hesanndt könig
Ludwig, wann er noch die zeit die
kayterlichen weich nit het, sunder die
krieg mit dem von Oe.sterreich verricht
het : nun besambt er die obgemeltn drey
jnngn hertzogen vnd den könig von
Behem gen Niiernnberg. vnnd nach vil
lauuger vnnderredl wolt der könig Lud-
wig vl>er ain das die jungen drey herrn
kurtzumb gericht vnd veraint '"•) wer-
den, dann sy jm — wie gehert —
benolhen weren. des wolt auch der könig
von Behem. also gieungen die drey
jungen hertzogen auf khönig Ludwign
101) Anstatt ..hertzog" stand anfangs: vnnd.
102) Zuerst stand : brueder der junger.
10:i) Die Worte „vnd vereint" sind erat an den Itand beigemerkt.
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103
viincl konig von Hehem. anch purggraff*>n
von Nnrnl>erg: was dieselben richten
vnnd machten, diw soll bej innen auch
sein, vnd kamen gen Hegensjmrg, vnnd
die richtung wardt also, das hertzog
Hainrich dem elltern **'*) an der bericht-
uug wardt Laundsbut, Straubing, Scher«
ding, l'tarrkirchen, mit den herrschafflen
dammb ligent. Otten, seinem brnedern *^®),
wartlt Hnrckhaiisen, Otting, Trannslain,
vnd Hall, mit ini jsuegehorungen bis
gen Sttlzpurg an das gepirg Hain-
riehn dem jnngii vom Natteriiberg **^*)
wardt Dinglfing, Lanndaw, Teckheiidorf.
Vilshouen, Kham, Pogen, Khelbaytii. vnnd
dise riclitnusz geschacb an sandt Ber-
tholmey tag anno jar. vnnd
anno 13.‘12 jar da thetten bede hertzog
Haynnrich die lanndt wider zusninen.
Ziemliche Verändernngen treten sodann noch l)caonder8 gegen den Schluss ein,
nachdem des Kaisers Ludwig Sohne bi« aut Herzog Stefan, welcher von ihnen mit
seiner Nachkommeuschnft in Oberbaiern-IngoHtadt zuletzt an die Reihe gelangt, wie
die pfälzischen Fürsten abgehandelt worden.
Bei Gelegenheit der Krwähnung des ersten aus Deutschland ini Jahre 13'.)ö
gegen die Türken unternommenen Zuges mochte ein Anklaiig an einen Liebliugsge-
danken Aventins und seinen oft angedeuteten Plan einer Germania illnstrata nicht
zu verkennen sein, Vnnd khaiu — heisst es daselbst — das volckh alles zesam vniider
der Saw in der Bnigerey vor ainer stat au der Thuenaw gelegen , so die Torckhen
vnnd Kriechen Nicapel, das ist Sigenburg, die Teutschen SchuMam nennen, die
Franncosen wolten den Vorzug haben, der Turckh lag ob. khönig 8ignmndt kham
khaum daruon : burggraff Friderich von Nürnberg bracht in auf ain schiff, wer sunst
gefanugen worden, fuer auff dem wasser gen Constantinopl. hertzog Hanns von
Burgiindi wardt gefanngen. pfallz.graff Raeprecht entrann dauon, Hesz vast all sein
kuuig von Pehaipi. alls<) giengeu sy
auf den kunig Ludwig, auf den kunig
von Pehaim , vnd auf den purckgrafen
von Nürenberg. die richten sy allso,
das Hainrich dein elltern ward I*aunds-
hnt, Straubing, Scherding, Pfarrkirchen,
mit den her^chefReii darumb ligend.
Otten ward Porckhausen, Oeting, Tmwn-
stain, vnd Hall etc. mit ireii zngehoren.
Hain riehen dem jungen geuiel zu seinem
tail Dingolting, lanndaw, TegkendorfF,
Villshofen, Kamm, Pogen, vnd Kelbaim
etc. vnd disew richtnusz geschoch an s.
Bartholonieus tag anno taiisent drcwhnn-
dert sibenvndzwaintzigk jar.
104) Die Worte „vnd kamen gen Kegenspnrg, vnnd“ tind erat an den Band beigcaelit worden.
10*^) We ursprüngliche Fauting war; also das Hainrich dem ellcm so man nent der hertzog
von Natteiiiberg.
106) Die Worte „»einem brnedern“ sind erst eiiijpfsdialtet worden.
107) Die W’^orto von ,,bis gen“ angefangon sind erat an den Band geschrieben.
108) ür«prflnglich hiosa ea: dem jungn. dea Ottn bme<ler.
109) Dieser Satz ist erat nachtragUch b'-igefügt.
Abh.d.IH.CI.d.k.Ak.d Wiaa.XV IM. I.Ablh. 25
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194
lentli vnnd j{uet himler im. kham mit gar wenigen wider au laniidt, vntid starb in
kurzen tagen zu Amberg: da ligt er begraben in sant Martin» kirchen. Hans 8chnlt-
perger tou München, der fürsten <laaelb« kamerer, ist in discm krieg gefanngeu
worden, lanng in der Turckhey vnnd Tartarej vmbzogen. liat alle» beschriben.
sein pnech ist drnckht. im zeiUbuech vber gaunz Tentscblanndt wil ich nach not-
turfft disen zug beachreilien. die allten krieger loben» nit, so man zunil voicklis,
voran» besonndere sprach, zesam bringt: will kliain rechte gehorsam da sein, wie
die erfarneu wol wissen, vnainigkait zertrennt vnnd verderbt alle lanndt, die Viin-
geni haben sych allein de» Tnrckhen redlich l>ej hundert vnd dreyssig jarn heer
erwörth. yzo wie die Kriechen — ans ir vnainigkhait haben ey den Tnrckhen selb»
inns lanndt gelasseji. wie kbann es in annderst ergeen dann gleich wie es den Kriechen
geschehen ist?
In ähnlicher Weise hietet auch im ferneren Verlaufe eine IteinerkDiig bei der
Erwähnung der französischen Knnstschätze, welche Herzog Ludwig im Barte ans
Paris nach Haiern brachte, einen nogefähren .Anhaltspunkt für die Zeit un.»erer
Hertzog Ludwig, hertzog Steffans snn,
khani junger gen Krannckhreich mit
seiner Schwester an den hof. vnnd wardt
von aller nieuigclich lieb gehabt, im
gab auch die Schwester grosz guet:
nemblich vnnsern hergot lautter gülden
vnnd sein krön vnd rockh mit (sllgestaiu
versezt; auch die zwelfpotten lautter
silberen, alle nians lenng vnnd grosz;
auch ain guldes creutz mit edlstain
versetzt; vnnd eonnderlicb vnnser frawen
pilt, als arabi.sch golt, des dauu das
wenigst dran ist . .»omidern mit suuil
gnetten edlen gestuin versetzt, das man
sagt, nier dann zway furstenthnnib werilt
sein aolt; vnd »-onust vil gelt, das fuerth
er mit im aiisz Krannckhreich in Bayrn
gen Inngolt.stat: das man den noch alle
antfertag zaigt in vnnser frawen kirchen :
one allein vnnser herrgolt vnnd die
zwelfpotten sein von hertzog Jörgen
gen Biirckhausen gefuerth worden : nach
hertzog Jörgen todt sein sy gen Lannd.s-
hnt pracht worden , vnnd gleich nach
dein bayrischen krieg hat» hertzog
Umarbeitung;
Ludwig, bertzojf fstelTaiis siiii, kam
junger mit seiner swester au des knnig
von l'nmckreicb bof. vnnd wanlt von
mnin'gklich lieb gehabt, im gab auch
die swester gross gut, da» er alles gen
Bairen »ante, von gollt »Uber gellt vnd
der geleiclien.
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195
lltthainrich g*!U Nowbiirg oberhalb liiu-
goltatal gefuert; alda iiii rauch gen
bimbl gpfaren.
er lebt auch gar kositlich. na het der l)i'«r genannt hertzng Ijiidwig, er
knnig an «einem hof «wo junckfrawcn, lebte gar köstlich, nun het der khönig
die im genaigt waren, n. s. w. Carl in l'rannckhreich awo echün jnnckh-
fraweii an iseinem hof, die inie Ludwgen
genaigt waren, ii. ». w.
Um nunmehr zum Schhisse zu gelangen, sei noch erwähnt, dass unser Werk
bi» S. 420 des Cod. gerra. 43 reicht, zum Tode des Herzogs Albrccht von Ober-
baiern- MB neben am 1. März 14<10 nml seines Sohnes .Johann im .Jahre 1463, wie
ihrer Begräbniss auf dem heiligen Berge zu Andechs.
Anstatt der nun noch bis S. 427 und dann auf S. 431 folgenden Behandlung
des Herzogs Heinrich von Niederbaiern und seines .Sohnes Budwig de» Reichen bilden
den .Schluss unserer Handschrift folgende
Endabschnitten dortselbst von ö. 42.5—427
Diser hertzog Hainrich liesz hiuder
im den gros mächtigen hertzog Luilwig
von Bayren. der wardi gar ain fürst-
licher herr, manbaft »ein» muts vnd
hertzens, vnd in seinen kriegs Inüffen
vasst sighofft. der raargkgraf Albrccht
von Branndenburg hueb mit im ain
vrleug an. dem durch zoch er alls sein
lanndt, gewann im ettwo vil stet vnd
slösser an, die er — alls sich der
krieg endet im alle mit willen wider-
gab. auch gewan der marckgraf etliche
in dem krieg wider, die dem fürsten
verVntrewt wurden, di.sen krieg beuilch
ich ainem andern zubeschreiJien, der diser
ding ])as dann ich vnterricht ist.
Item alls der krieg der zwayr lierrn
nidergelegt wardt, huljen die reichstet
mit dem gemelten hertzog Ludwig von
Bayren an zu kriegen, de» ward auch
der obgemelt markgraf Albrccht ir hauht
durch verheugnusz oder geschafft kayscr
zwei Absätze, welche den eigentlichen
ent.s|irecben ;
Nnn khum ich wider zu ruckh au
hertzog Hainrich , als der starb anno
dumin.j 14.50 jar, vnnd ligl zu Ballign
Tall zu Lanndshnt. der lies biuder im
ain snn I,ndwig den grosmechtigeu von
Bayrii. der war gar ain fürstlicher herr,
manlialTl seines geniuets vnnd hertzens,
vnd in seinen krieg» lenfieu vast sighalft.
der luarggralT Albrecht von Brandenburg
hueb mit im aiu krieg an. dem durch
zoch er als sein laundt, gewanu im vil
stet vnnd sehlösser an
vnnd als der krieg der zwayer herrcu
nider gelegt war, huelien die reiclistet
mit hertzog I,udwigen von Bayrn an
zu kriegen, des wardt auch obgemelter
niarggraff Albrecht von Branndenburg
ir haubtman durch gescliett't oder ver-
26*
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196
Fridrichs des dritten an dem nameii.
do durch zoch der furat alles reich mit
gewaltijifcr hanndt vnd nmchtt an wider-
standt, vnd tet doch den laiiteu nicht
sölicheu schaden alle er des wol macht
liett gehabt znthun; au was sich im
widersatzt, alls das groas darf zu Naw,
verachtt den fürsten vnnd sein her zu-
mal ser. sy waren auch allso in dein
dorff gerichtt, das ander mit in ver-
uiaiuten, das es in lannger zeit nicht
wol möglich wör zugewinneii, alls aber
diser edel furst für zoch , gewan er cs
in dem stegraif, eud prnnnt es zugrnnud
ans. der furst was auch bey allen
dingen in aigner pcrson.
henckhnusz kaiser Friderichen des dritten,
da durch zoch hertzog Ludwig das reich
mit gewaltiger hanndt an widerstanndt,
vnnd tbet doch den leutn nit solchen
schaden als er es wol macht het gehabt
zuthuu: an was sich im widerselzt, als
das grosz dorflf zu Naw, das veracht
den fürsten vnnd sein hör zu mall seer.
sy waren auch also im dorf gericbt,
das anuder mit iueu vermainten das es
in lannger zeit nicht woll miiglicb were
zugewinugen. als aber diser edl furst
für zoch, gewauiig er es in dem steg-
raiff, vnnd prennt es in griiudt aus. der
furat was alweg bej allen dingen in
aigner persoii.
Diser hertzog Ludwig trib zu laiuuds-
hut alle Juden aus der stat. das"") ge-
schähe darumb: dieweil vmid genielter
hertzog Ludwig jung was mit anndern
edlknaljen warffen sy im scliloaa zu
Lanndshnt von uiner staben zum fenii-
ster den jierg mit staiueu ab. nun
waren aber die Juden vnden am schlos-
perg zu bausz, vnnd ainer im gartten
wardt mit ainem stain hart beschedigt.
der judt clagt*") das herzog Haiurich,
des jungn hertzog Lndwign vattern.
der liest den hofmai.ster fragen, welcher
edlknab die .staiu gewortfeu vnd den
Juden beschedigt het: solle der hofmai.ster
mit der ruettcii woll achlahen. da wolts
der edlknabeii klmiuer gethauii haben,
da viel das losz auf den Jungen hertzo-
gen, der es dann gethanu het. da strich
ime der liofmaister aus beuelch des ultn
furstn das thet dem Jungen furstn
110) Von hier an beginnt eine bläsioro Tinte.
111) Znerst stainl: beelagt.
112) Hier folgte noch anfangs: ain guette.
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197
KO Zorn, <1a-<i er sagt, biiHT im got das
er lebt rnd in das reigimeut kheinb,
wolt er alle juden au» der ‘ »tat vnnd
laundt treibo. des er daun tbett.
58.
Reste eiuer baierischen Chronik.
Sie bilden in dem in der ersten Abtheilung 8. .19 — 50 besprochenen Sammel-
bande de.» geheimen Hau.sarchives unter Lit. k eine Lago von sechs Rogen in Kolio,
welche nur zum geringeren Theile noch lesbar sind, da sie dem Anscheine nach
nicht allein durch Feuchtigkeit gelitten haben sondern wahrscheinlich einmal ganz
im Wasser gelegen und daher in grauenhafter Weise verwaschen sind.
Wie sich vermuthen lässt, lantete ihre Uebcrschrift ähnlich wie bei der
Num. 59. Wenigstens erscheint bei guter Heleucbtung io der obersten Zeile etwas
von dem „anezogen vnd »tarn des fnrstliclien bansz zu Bairn“ und ist von der Mitte
der folgenden Zeile an mit ziemlicher Sicherheit noch zu entziffern : durch nach-
uolgund Cronicisten ze reprobieren , als Garibaldum diser ge-schichteu der wis.senst,
Vincencium in speculo hystorialle, Alfonsum, Martinianum, Franciscum Patriareba etc.
Ist im üebrigen der darunter beginnende Text der ersten Seite nicht mehr
vollständig erkennbar, so ergibt sich doch in gewisser Cebereinstimmung mit der
Lit. b der Num. 59 die .iusw’anderung des fUrstlichem Stamme entsprossenen
Havarns in der Zeit der Herrschaft des Pompeiu.s zu Rom, da er nicht in der Dienst-
barkeit dieses Reiches verbleiben wollte, seine in ähnlicher Weise wie dort geschil-
derte Bezwingung durch Norix in dem Streite bei Snlzbach, und wie dann dieser
„im ein fürstlich gescsz an das end da disz [zeit] Regenspurg staut“ erliaule.
Ist von dem unteren Drittel dieser Seite gar nichts mehr zu entziffern , so
beginnt die Rückseite folgendermassen : Theodone, ain son Ingramians, verbandt
sich u. s. w. Am Schlüsse dieses .Absatzes wird bemerkt, das.» .seine Gemahlin eine
Königstochter von Franken gewesen : dis zeit waren nur 4 kongreich in alle Ger-
maniam, als all Cronicisten schreiben : Bairn, Swaben, Frangken vnd Saxen. Pertrodi»
gepar Tbeodonj ain son Tassilo, dem vmb seiner manheit willen hernach der konig
von Merchern sein tochter gab. die geliar im auch ain son Tassilo.
Der nächste Absatz, beginnt: Konig Senebor von Capadocia het drey sonne,
Paryll n. s. w. Der Schluss lautet; Parill gewan bey seiin weib ain son Titürison.
dem ward des konig» Buiiifaz von Arragona tochter Eiisabel zu weib. die gebar ira
ain son Titnrell. der uam Richanda, koug Furmitten tochter von Hispanyen. die
gebar im auch ain son Furmantcll.
1 14) Vorher stand; dem.
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108
Itera — heisst es ilaim ini iiürhsten Ah^ntze — die stat su sauet Veicbt in
Keriiiiten. an dem selben ort ist vor /.eitten die stat Tharsia Bestanden, da thet
der iniig oben anczeigt Thassilo aiu streit mit den Körnern, vnd sigt : dar vnib der
Körner Adelgero ansy. dem land Bairn weichen müst anno er baut in Kernten
vil kastei, sein weih was aiiis vugerisebeii l'iirsteii tochtcr: gebar ini 3 son — Aurel-
lianns, Theodo, vnd Grimaldns — viul aiii toebter. ward aim marggratren von
Pcchem.
Hiemit schlies.st das erste Blatt. Auf dem nächsten wird sodann in besonderem
•Absätze fortgefahren: Anrellianus ward nach seinem vatter n. s. w. Der Hchluss
dieser Seite lautet: Theodo starb anno 131 iar. gab seim son Lotbary Bairn, vnd
Grimaldeii gab er die inarcli zn 0.stereicli.
Knft ein Blick auf die Ordnung des (iaiizen unwillkürlich den Gedanken an
«ine theilweise gedrängte Fassung der Iraierisehen Chronik des Ulrich Fütrer wach,
so zeigt, wie häufig, beispielsweise in dom Schlussabsatzc auf der Kückseite des
sechsten Blattes auch der Wortlaut eine nnffnllenile üebereinstimmung mit derselben,
aus welcher hier nach dem Perganieiitcodex germ. 43 der Hof- und .Staatsbibliothek
Fol. 23Ä233 die betreffende Stelle in der zweiten Spalte mitgethcilt sein soll:
Ich find ain history in Zesarin. der Ich hab ain hystory fundeii in Zesario.
schreibt: graft' Berchtold von Wittel.s- der .sehrcibt von ainem grauen genant
pach was gar ain gerechter richter. dem l’erchtolldus von Witelspaeh: der selb
trampt ainsmals, wie ainer sprach: dw Herr was gar ain guter richter, vnd het
riebst nit geleich deinem volgk. er ant- das recht vasst lieb, er straft das vnrccht
wurtt, das kftnd er nit verstell, .sprach hoch, disem grafen trawmbt ainer nacht,
diaser zu im: morgens so du aiiffstast, wie ainer zu ini küm, sprach: wie nu?
so gang vnder das thor : vnd welcher dir du richtestt nit geleich dem volck. in
am ersten vff der brugk kumpt, der ist daftcht, das er oiitwurt, er kundt der
gro« wirdig des toils. der gralf tet es mayuiimb nicht wissen noch vernemeu.
des morgens, so kumpt sein hoffmai-ster, jener gab im antwurt. sprach: morgen
den er zumal lieh het. sprach der gralf: so du uiifgestiinden pist, so gang vnder
nu beicht dein sünd, wan dn bist ain das tor; vnd wellicher meiisch dir zn
sun des tods. das ist da-s gericht gotes dem ersten anf der prugken knmbt, der
u. s. w. ist gros wirdig des tods. alls der tag
zn morgen kam, der graf nam etiliefa
zn im, vnnd gieng anf die prugk. so
kninbt im der liufmaister, den er gar
zumal lieb hetf. an stund s|)rach der
graf: nu betracht deiner sei säligkeit,
vnd peicht dein siindt, wann du pist ain
sun des tods. das ist das gerichtt gotte.s.
• vnd es was doch nicht des grafen raay-
nuiig in seinem ernstlichen u. s, w.
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1!»9
Vielleicht liegt der Gedanke nicht zu ferne, da*s man es bei dieser Arbeit
mit einem Angzuge aus der berührten Chronik für Zwecke Aventins zu thun hat.
:,9.
Des , Johann Tnrmair
Anfänge einer baierischcn Chronik.
Sie bilden in dem oben XIV Abth. 3 S. 39 — 30 l>ehandelten Samraelbande
des geheimen Hnnsarchives die dort unter Lit. 1 aufgeföhrte Lage von .l Bogen,
deren letzte 3 Blätter leer sind, während auch das vorhergehende nur mehr auf der
Vorderseite beschrieben i.st.
a)
Die Debenschrifl lautet: Hernach volgt das anezogen vnd der edl stara des
forstlichen haus BevTn vor Christi gebürt an durch nachnolgund crouicisten genant
zu reprobieren, al.s Garibaldo diser geschichten der wisseust, Viucencium in spegkulo
historialle, Alfonsum, Martiniannm, Franczciscum l’attriarcha etc.
Gewissennassen als Einleitung wird dann bemerkt : Die alten geschieht be-
schreiber von tenczschen lannden geschriben dem nach das die Teuczschen etwan
vnwesseulich vnnd in groben barbarischen Sitten gelept haben, schnöder klcider vnd
sich kriegischer Sachen vnnd henndel gebraucht, als sie aber durch anniemung des
kristlicheu glaubenus haben sie solche barbarische gropheit bingelegt u. >s. ». Ins-
besondere bezüglich Baienis heisst es: Wir finden auch, das die fiirsten von Bejru
durch ir selbs macht zum merern mall den Bomerii, Fraiiczossen oder gallischen,
Viigern vnd andern irn anstoasenden lannden grossen widerstannd gethou, sic znm
glauben Cristy bekert , vnd vil reich mit sampt der selben fiirstenthom cingenomen,
mit königlichen vnd andern tittcln bewonndt vnd geregiert etc. vnd nemlicb wider
die vnglaübigen mauigeu ritterlichen streitt volnbracht vnd gro.sseii syg erlangt
haben.
Der nächste .Absclinitt behandelt kurz die Lage von Baiern orler — wie es
vor Zeiten bie.ss — dem „Norigkaw, als dan noch die gegent zwischen Regenspurg
vnd Nüremberg geneiit“ wird, und erwähnt, es sei „mitt grossen trelfenlicLeu hc-
ruempten stetten vnd mergkteu geziert, also da-s im gannezeu Europa nit vil trefflicher
gegeilt zierlicher erscheinen es sind auch in dissem lannd fünft' bisehofflicher
stett vnd histum, die namlialft sind, als t^ulczburg, vorczeitten Jnuania oder Hellfen-
bnrg in tenczsch geheissen, Regenspurg, Pas.^aw, Frcy.ssing vnd Eystett. auch ellich
gar treffeulich fürstenstett, als München, I,anndshut. Ingoldstat, Straubing, Landspurg,
U4J Oireer Satz hat in der lateinisch abgefassten baieriachen rbronik im Cod. bav. 916 oder
lat. 1216 der Ilof-_Dnd Staatebibliothek Fol. :J1 — 111 Jeinanilem solchen Ingrimm verursacht, dass
er sich am Kande xu dem Wuthausbrucite veranlasst gefonden: NB. du verlogner baubajr!
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200
Wnsserbiirj; , Biirgkhansseu , Braiimiiiw, Otting, Müldorf!, Newburg, vnnd ander vil
mcr, wol erpawt vnd mit vil habhafftigen bnrgern beseczt u. a. w.
Dann tiegiunt die Oeacliiclitserziililnng: Nach erpanwnng der stat Korn fiOS jar
viid vor der gepnrt Christi S4 jar, als der meclitig Pompyus zu Rom lebt vnd den
Römern vil lanud gewonnen vnd vndertänig gemacht hette, vnd gewann das selb
reich mit vil pl5t vergieasen , dann im grosser widerstand gescha. zn letst pracht
er den Römern Armenia vnd ander vil vnddigende lannd in irn gewalt. also schreibt
auch l’anllna Orosins libro sesto, das Mittnidalna, der konig Ponnty vnd Armcnye,
bestritt den konig Nicomeden vnd vertraib in ausz Rithinia u. s. w.
Nach einer Einschaltnng „Olliinpias ist ein zail nach der zeit vier jar lanng,
da die lattinischen vnd kriechischen vor zeitten ir z*ll oder historien bescbriben
halfen“ wird nnn „von dem konig reich vnd den lannden Armenia" gehandelt,
woselbst auch die Arche Noe’s nach der Sintfluth bei der Abnahme des Wassers
stehen blieb, und darunter: Bauarins ist gewessen ein ellieher sonne des konigs
Snnpallo von Armenia vnd Kaldeornm. ansz barbarischem oder heidnischen glauben,
ein anpetter der abgötter. sein mutter was geheissen Sullaiidra, des konigs von
Egypten tochter. sein gemachcl was seins namens vnd gesohlechczs ansz Armenia
geporen, die im gebar zwenu sonne, Boymundnin vnd Ingramyan: diesellfen gesessen
sind zu Regenspurg, von den nachmals gesagt wirtt.
Rs folgt dann unter Verweisung auf den oben Ijerührten Chronisten Garibald
der gewaltige Streit zwischen Bavarius und dem vornehmen Römer Norix bei Sulz-
bach und die Besetzung des Landes durch denselben. Er het sein wonnng vmb
Regenspurg vnd vff dem Norigkaw. er hielt sich vast fürstlich, atfer er het sechs
krieg mit Banario, dar durch die lannd vast beschwert vnd verliert wurden, wann
ir keiner dem andern nicheza vher sechen wolt. des vnderstunden sich ir baider
lanndscbafft, vnd gaben baiden fürsten zu erkennen ir gros verderben vnd des lannds
abniemen ; sagten in ernstlich zu, das sie in sollichs kriegs vnd verderbung der lannd
nit mer gesUitten woltten , snnder sie baid frcuntlich vereinigen vnd vertragen:
welcher aber solchem vertrag nit volgeti oder den anniemen wölt, dem selben wollen
sie alles widerstand thun von baiden landen, vff sollichs wurden baid fürsten
vereinigt also, das sie Iraid ein schilt vnd wappen soltten fueren vnd einen tittel
haben als bestatt herezogen in Beyrn vnd vff dem Norgkaw. cs ward auch beschlossen,
das einer den andern solt erben wie dan leiplich brueder tfa&nd. das geschach. vnd
nit lanng darnach starb Norix on leiplich erben, da behielt Bauario das gancz
lannd , vnd n^iert vast woll. er bezwang auch etliche lannd an sein lannd stosend,
als Ostenfrangken , Ostereich vnd Mercbern. als aber Banario mit tod ahgieng, da
behiellteu seine son das lannd. Boyniundus besa.sz Beyrn, Ingramyen der be.sasz das
Norigkaw, die nachmalls vil kriegs betten vnd volbrachten wider vnd mit Jullyo
dem ersten keysser.
Dieser nnd Angnstns gelangen jetzt zur Erwähnung bis znr Geburt Christi,
auf der ersten Beite des vierten Blattes, woselbst der Schluss lautet: Als .Tiiltius
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enichlagpii ward, kam an das ksysserthom Octanianus angostus, das ist ein iiierer
des reicha oder des gemein iiäca, als noch die römischen keysser den tittel achriben.
er was ein sweaterson Jully. der hat groar. kriegs vbung gliigkaiilligklicb volnbracht,
vnd geniainen frid gemacht in allen launden. dar rmh wolt zu den selben fridlichen
zeitteil viifiser her Jhesus Cristiis geboren werden, das geschach im 42 jar des
keissertlioms Augusty, vnd iin dritten jar der 193 olimpiadischen zall, von erpauwung
der atat Uoin 759 jar, vnd von anf'ang Banario des ersten besiczers Heyrlanda
im 84 jar.
b.
Mit dem folgenden Blatte winl von der gleichen Hand begonnen : Nach er-
pauwung der stat Rom 69.3 jar, das ist vor der gebürt Cristy 84 jar, in regierang
Pompius des Römers, waa in Armenia eins konigs son da selb« mit nameii Banario
oder Bauare. etlich nach groliem tenczsch hallen in Bair genant, vermnint nit in
dienstperkeit der Homer sonnder in freyein fUrstlicheu stand zu lielilien, vnd zoch
wol mit 12000 atritgenosseu vnd weggefertten on weib vnd kind in ein gegent
Histria genautt, das ganncz mosaig waldig vnd vol der Wasser flnsz was. nun liesz
er »ich an.«z eygner vestikeit des lannds da nider, vnd ward nach seinem namen
Bayrn genant.
Disse gegentt hett j^egeii vffgaung Nider-Bonnonya zu nasten nachbarschafil.
Thierol vnd Schwaben gegen mitag, Fraugken vnd Schwaben gegen nidergang, vnd
Pechera gegen mittcrnacht.
Nun hat die selbe gegentt ztl der selben zeit ob 40 tenczscher meil in aller
vienmg begryifeu. in solcher reuier lies er sein volgk das er mit im bracht vnd
vor im lannd fannd alles nach Ordnung vnd zu nucz huweii die selbe wiltuu-s , gab
in auch allen gatte reganient vnd statutten, dar vnib vil volgk vnder in zoch vnd
sein lannd in kurczer zeit gebessertt ward.
Als er sich aber mit ruew da nider gelassen bet, so was ein her gar von
hochem ge.schlecbt durch allten ha.ss von Troya her des geschlechczs Philletus , der
ein vrsach was der vertribung Herculles, vnd was ein brndersou des stargken Herg-
kulles , von dem Troye erstmalsz erstört ward, des sellien Herculles gcsehlecht was
dieser Noriz. der zoch mit grosser hilff der Römer vfl' disseu Buuarinm, vnd tett
mit im ein vermessen streitt in der gegent da dis z.eit Sulczbach stat, den gewan
er. dar vmb pautt er im ein fürstlich gesäss an das end da dis zeit Regeuspurg
staut disser Banario was iung stargk vnd eins grosmütigen herczen , dar vmb das
volgk gern vnder im was.
Etlich nennen das land Baioricam ausz gropheit des groben vngeczemplcn
armischen volgks. aber die stat da dis zeit Regeuspurg leit nampt er nach im
Norienm, wie wol vil wollen das ea Nürnberg sey, dem ich auch glauben gib ausz
etlichen vrsachen.
Abh. d. 111. CI. d. k. Ak.d. Wi*s. XV. Bd. 1. Abth. 26
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•202
Mit der näclisten Seite beginnt ein Abschnitt von Julius Cäsar, dem zwei von
Octaviau und T iberius folgen , der alle deutschen Lande eroberte nnd viele Städte
und Schlösser Imnte: sonderlich die Stadt Tibnrtina, nach im also genannt, dis seit
llegenspurg geheissen.
Dann folgen nachstehende zwei kürzere Absätze:
Als Jullyo die laniid heczwang, da aaczt er vier tributmeiater gen Bevrn. der
was Uoymuudus einer, vnd (ieroldns ein Römer, vnd als lanug die tribantmeister
in Beym waren, .«o m&sten die rechten forsten de« lanuds vnd regamencz euperen :
vnd ward iin fuufften nltter der weit das lannd lleyrn ganncz bezwungen von
Tiberinni, der da.« selb land Noricam, non Bairn, nach seinem naiuen Thibitrinum
geheissen.
Es hat auch .Cdelgerns, ein herezog der Schwaben, den keisser in dem Br|i]xinen
veld dar nider gelegt, doch ward Beym den keissern Constino vnd Jnlliano vnder-
tänig, das sie ilar ein verwea.ser saczteii. vnd als die leit zu Beyrn von mancherley
geschlecht gepeinigt wurden , fluchen sie in das eilend Neapolliu. da lagen sie
verporgeii.
Dieser Absatz reicht bis in die fünfte Zeile der vierten Seite, welche daim
leer ist. .Auf der nächsten kehrt der Verfasä«*r wieder zu Tiberius zurück, der
seinerzeit den baierischeii Fürsten Theodo vertrieljeu, und erwähnt noch die Itegier-
ung des Gayus Gallicula von d .lahreii und 3 Monaten. In der zeitt — heisst e.s
da zum Schlüsse — enthielt sich Theodu bey den Ost^ogotten, yecz Vngern. er
het zu gemachel des konigs tochter aus« Frangkeu. dan zu den zeitten hielt man
I konigreich in gancz Germania : das waren Beyrn, Swnben, Frangken, vnd Sach.sseu.
die selb sein gemachl fraw Pertraudtis gebar l)ey im drey sonne. Banario starb
inng, Vdillio regiert nach seim vatter, vnd Thassillo der erst — als der zu scyn
iaren kam — ward uianlich, dar vmb im der konig aus Merchern sein tochter ver-
mechelt von seiner ritterlichen tadt wegen.
-Anno 108 iar zoch Theodo , ein fnrst der Norigkawer vnd Beyrn , mit seinem
voigk wider gen Be[y]rn in sein eygen lannd, vnd dar nach im 30 iar gestorben.
(iO.
Des Johann T u r ra a i r
(ieschichte der Pfalzgrafen von Trier und bei Rhein.
■Sie bildet in dem in der ersten .Abtheilung S. 39 — .öO behandelten Sammcl-
bande des geheinieii Hausarchive« nach der daselbst unter Lit. i S. 46 berührten
Geschichte der Kurfürsten von Brandenburg, worunter uatOrlich auch die aus dem
Hause Wittclsbach, Kaiser Ludwigs des Baiers J^öhne, Ludwig der Brandenburger,
Ludwig der Römer, und t.ttto bis zum Verkaufe der Mark im Jahre 1373 ihre Stelle
gefunden haben, den Schlus.s jener Lagen.
Ihre l’eberschrifl lautet: Dis her nach sind alle pfalczgrauen von Trier vnnd
bey Rhein, vud ist mit dem kurczsleu begriffen der vrsprnng vnd ir herkomen von
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eim anff den andern bis sie cnrfursteii worden sind, wer die all vnnd ein veder
gewessen ist der die cur besessen hat, stat als klerlich her nach.
Die Darstellung beginnt in „den zeitten als im bübstlichen stüll zu Koni sa.sz
VigilliuB, vnd das romsch reich regiertte der keysser .lustinianus“ mit der Herrschaft
des Königs Lucius und seines Kniders Claudius in Frankreich, den KauhzUgen der
wilden Normannen und ihrer Genossen den Khcin auf und ab bis nach Hritannien,
und dem grossartigeu Siege des Herzogs Odilo auf dem Nordgane, des Sohnes des
Herzogs Garibald und Bruders des Herzogs Theoiln von Baiern und (»lerpannonien
oder Oesterreich, eben (Hier die Normanneu, worüber König Lucius solches Gefallen
hatte, dass er nach ihm „schigkt, vnnd enpfienng den als sein freuntlichen lieben
brüder vnd Schein, verwandelt im sein schilt, der vor mit wegken weis vnd schwarcz
was, das er den furo hin solt weis vnd rot fuern zn einem Zeichen vnd erkentnus
das er sein schilt offt mit der feind blöt besprenng thab, vnd als ein griiner lewb
wider seine feind gestritten, vnd die mit manlicher haund erobert, dar vmb er fnro
hin noch ein schilt furn soll, des feld von adamanten sein sol, dar in ein steygenden
lewen mit offem maul , rotter ansgestregkter znugen vnd feisehigen clawen , als ein
leb der sein feind eroliert hat. er soll auch vff seim haupt von robin ein krön furn
da mit er vor andern scheine. *n solchem schilt begurt ich in mit der gorttel
ritterlicher ern, vnd schenogk im in sein ritterschaft die pfalcz des grossen hansz
zu Trier dar au wil ich den lewen mit den feisehigen znugen vnd wallen für ein
erpwappen hengken, wann er es ritterlich vor den feinden hat erlöst vnnd lieschirnipt,
das er es furo billich für sein erb sol haben nid besiczen mit all sein erben vnnd
nacbkonien, vnd nit allein das grosz hausz, sunder alle ziigehorung mit wie es bisher
vusser verwesser von vnsseni wegen besessen vnd in gehabt hat, nins auch sollichs
verreebennt etc. da mit er sich aber so vil bas zu vnns befreunde, so wollen wir
im vnssers brudern Clodius tochter, ,\dolphina genant, zu der ee geben, mit der
er das groscz haus der Pfalcz soll besyezen vnd regiern als ander seine erblannd etc.
also ward der heiratt beschlossen vniid alle sach vollenudt nach des konig Lucius
vnnd Ottillo gefallen etc. damit hat Ottillo das grosz hans der Pfalcz zn Trierre
ritterlich mit dem sebwert erobert vnd behaltten, dar vnib er sich fnro schreib eiu
furst des gro.sseii hans, herezoge vff dem Norigkaw viiud iu Beyni, wann im als
dem längsten das Norgkaw zu geteilt ward, mit solchem syg ist Ottillo der erst
fnrst des grossen haus zu Trier gewest «eins geschlechcz.“
Von seinen beiden Söhnen wurde der jüngere, .\rnold, nach „aligang seiner
vettern Theodo vnd Theodonny seins soiins, die beid oiine meulich leibserbeii ahgien-
gen, vnd den grund zum stiffl Sulczburg gaben, auch herezoge in Beyru, von dem
der leUt Tliassillo hic ist,“ während Haugwert „nach seinem vatter fnrst des grossen
haus zu Trierre vnd herezog vff dem Norigkaw“ geworden.
Seine Nachkommenschaft und die Geschichte des grossen bauses der Plalz zn
Trier wird jetzt theilweise ansserordeiitlich romantisch und mehr oder minder mit
Horeinziehnng der Ereignisse in Baiern behandelt bis zu dem am Anfänge der
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berührte» Lit. i besprochenen Anfkoinnicn der deutschen KurTdrsteu in der Zeit des
Pfalzgrafen i^eifrifd bei lihein, des letzten Sprossen de« Pfalzgrnfen Otto, der auch
die Burg zu Wittelsbach erbauen muss. So nain im — heisst es da — keisser
Otto der dritt für, nach dem er kein menlicheu leibscrbeu hctte, das er dem reich
zu gutt in seim leben ein frid schaffen woltte. vnd nam fnr sich mitt wissen bubst
Johannes des 19, das er wölt vff seczeu erwöller des heilligen romschen reiche, die
furo hin ein romschen konig rnd kunffligen keisser zu erwölln betten onne ineiiigk-
lichs einred. das gab der benielt babst Johannes zu , vnd Iresfetigt es etc. wie
vor*“J da von geseczt ist, worden drey geistlich vnd drey weltlich dar zu gegeben
von allen steuuden des reiche, vnd nachmals von babst vnd keysser bewilligt vnnd
bestett, vnder welchen disser i^yfryd der sechsscr einer was , vnd der mittler vnder
den dreyen weltlichen etc. also ward disser edl fiirst vor seim eud zu einem löblichen
cnrfursten erwelt vnd hestctt. im ward anch sein tyttel also geseczt, da.s er sich
furo schreiben soltt: von gotte.« genaden wier Seyfrid, pfalczgraue bey Khein, des
heilligen rom.schen Reichs ercztruch-sfisse vnnd cnrfurst etc. aber er was so allt,
da-« er kein wall erleblte, vnd starb im iar Cristi anno lOO.J iare.
Aus der noch folgenden weiteren t^childerung sei hier nur mehr bemerkt, dass
sich bei dem ersten baierischen Herzoge Otto aus dem Geschlechte der Wittela-
bacher, der auch als Pfalzgraf bei Uliein angenommen ist, Iheilweis« wörtliche
Uebercinstimmung mit der unter Nnm. .')4 aufgezälilten Chronik findet. Disser Otto
— lesen wir da — was geiiaut der rott pfalczgraue Otto, dar vmb das er rott
har vnd ein rotten bardt liett. er was ein man de« Icibs vnd gemücz«, ein vorgeer
der stcrgk, blueweiid in vil ern vnd reichthümen, der aller erfarnost in den wappen
gekleit, mit der wei.«heitt stargk, in dem radt milt, mit sein ganbcii geiczig, des
lobsz geeohigkt, in der frumkeit trew, vud aller lugend voll, vnd vil armen seine
tngentlichc wergk erczögt. er hat getragen die burd in seinen geschellten, mit
welchem er seim furstenlhüm alzeit der getrewst kempifer vud vorstreitter gewest
ist vnd seine laml die weil er lebt mit der höchsten weyslieit vnd dem besten frid
geregiert, ein rechter vatb*r sein.« vatterlaimds. vud als er in Schwaben bey dem
key.sser was, ward er krangk , vud .starb am .ö lag inlly anno 11S4 iar, vnd ward
gen Scheirn gefiiert, da er Izegralien lygl bey seinen vorelttem.
Mit seinem Sohne Ludwig und dessen (Teniahlin Ludmilla , deren bekannte
Vetehlicbnng ausführlich erzählt ist, bricht die Arbeit ab : vnd geredt ir die ee vor
den gemailten rittern. so bald das gescliach, wünst sie im vnnd ir vil glügks zu
dem ellicben stannd. mit disseu wortteu tratten lebendiger ritter vier hinder dem
beth vnd dem gemailten fiirhang herfor, vud wUnstcu dem fürsten vnd der furstin
vil glügks zu irem ellichen stanude, vud sagten das sie in baiden kuutschafit geben
wöltten sollichcr ellicher abred etc. mit dissen wortten gienngen sie ausz der kamern.
115) Vgl. ». «. 0. XIV. Abth. 3 S. 46.
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vud lieasen die zway bey ein ander ira willeuns vnd gefalns zu leben etc. also
vberkam berezog Ludwig sein gemach), die gebar bey im zwen sonne, Ludwigen
vund Otten.
61.
De.s Johann Turmair
Itegister aller pfalczgrauenn bey Kein vniid herezogen in Beim, auch was vonn
andernn geschlechten aus-/, jn erwachsenn sind.
Da ich dieses baieriscb-plälzische genealogische Gesehichtawerk un.seres Aventin
ans den Schlussjah'ren des ersten Viertels des 16. Jahrhunderts, seine erste grössere
Arbeit in deutscher Sprache, und das erste Ijaicrische Stammenbneh , den würdigen
um mehr als ein halbes Jahrhundert älteren Vorläufer von dem des bekannten
Dr. Wiguleus Hundt wie von dessen nachher in den Num. 66 — 69 erwähnter
baierisch-pfitlzischen Genealogie, inzwischen in einem Vortrage in unserer Cla-sse am
3. Mai vorigen .fahres besonders behandelt habe, kann ich mich hier in Kürze auf
den Bericht hierüber I S. 365—435 beziehen.
62.
Angustin KOlner's
Verzaichnus der khöniger. kaiser fürsten vnnd hertzogen vonn Bayren altvatter
herkomen sipachafft vnnd pluetstamm mit der kürtz nach antzaigen der alten historien
vnnd brieftlichen vrkhunden vnd wie das furstennthumb Bayren nach kaiser Karols
desz grossen vnnd seine|r] sunne vnnd enickl absterben in fremtjder fürsten regierung
khomeu vnnd zerdrent vnnd am jüngsten widerumb zusam gebracht worden.
Aus Fol. 126 dieser aus blos-sen I>agen ohne Einband bestehenden Abschrift
des geheimen Staatsarehives aus dem 17. Jahrh. in Folio ergibt sich, dasa der
berühmte baierische Archivar das vorbemerkte Werk auf zwei Bücher '■•) berechnet
116) Kb heisst dortsclbst folcendcriiiasscu :
DarDacti ist hertzog Ladwig anno 12U4 aach toda abgangen, so zu Fürstenveld begraben ligt.
vnnd binntter sein verlassen zwen sün. Hueiiolfen vnnd Ludwigen, vnnd der selb Ludwig ist darnach
zu einem rSmisehen kaUzer erwältt worden.
Vnnd wie es zwQscben den selben brnedern herizog HuodoUen vnnd bertzog Ludwigen von
wegen der obern Pfalltz ebnr- vnnd fnrstenthum in Bajrn erganngen ist, wirdet hernach auch nach-
volgennder vraach in naehvollgcndem anudenn pnech angetzaigt. dann der stani vnnd Uni so von dem
merbemelten allten bertzog Heinrichen in nidorn Bayrn etc. berkbomen ist in kaiszer Ludwigs
regiernng gar abgcHtorben, wie dann in dem paum der HchipBchafft bienor — nämlich anf Pol. 9U
— leutterer verzeichnet steet. demnach wird desz bemelten aliten bertzog Heinricba plnetstam in
nidern Baym etc. dieweil der in kaiszer Ludwigs regiernng abgestorben ist in diszem pnech fOrgeaetzt,
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206
hatte, wovon das erste* naher bekannte bis zum Tode Ludwigs des Strengen beziehungs-
weise mit dem AnachluKsc* der Geschichte von Xiederbaieru bis zum Erlöschen der
Linie der dortigen Herzoge im Jahre 1340 reicht, während sodann die Darstellung
der Geschichte von den t^jhnen Lmlwigs des Strengen an , Rudolf mul dem nach-
maligen Kaiser Ludwig dem Baier, mit Ausschlnss der berührten Geschichte von
Niederbaiern bis zum Jahre 1340, das zweite Buch bilden sollte.
Ob dieses wirklich zu Stande gekommen, oder nicht, imig dahingestellt bleiben.
Allerdings sollte man das erstere nach einer Bemerkung des bekannten Dr. Wigulens
Hundt auf dem Titelblatte des seinerzeit in seinem Besitze betindlich gewesenen Cod-
gerra. 1592 der Hof- und Staatsbibliothek schliesseu dürfen, wonach dieses zweite
Buch im baierischen Archive vorhanden gewesen,
Mau möchte das ini übrigen auch nicht für unmöglich halten, wenn man in
dem alten Inventare el>en dieses Archive« aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderis,
das nnserm Augustin Köluer als Grundlage bei seiner Ordnung diente, die von alter
Hand mit der Zahl 10 gezeichnete Lage ins .\uge fas.st, auf welcher er in ähnlicher
Weise wie ini ersten Buche unter der Üeberschrifl „Hernachuolgen sonnder Ver-
schreibung 80 khayser Ludwig vnd khönig Johanns von Behoym in ir beder regirung
aneinannder gegeben, vnd wie ainer dem anudern erstlich wider Österreich zehelfen
«ich verpundcii vnd vmb ir irruug vertragen haben, vnd darnach wider in vuainig-
keit choraeu vnd sich zu lest kaiser Ludwig mit Österreich vnd Beheym vmb Karndtn
Yntal Tirol vnd Xorigkaw auch vertragen Iml“ die hetrelfendcn Urkunden von
1317-1341 **’) Whandelt.
Tood die brieflichen vrlchundt souil nldem Ilayrn betriflt so der alt hertzog Heinrich jnngehabt hat
in diasem ersten pnech hernach registriert.
117) Beispielaweise aus denen des Jahres 1332:
Mer ain vcrachreibung vnd ainung mit hoher Verpflichtung so kaiser Ludwig vnd kh5nig Johanns
von Behe}'tn aneinander geben haben, das sy tu frid vnd nutz aller cristeuheit bed tu den heiligen
geswom haben, da« yeiweder dem anndem vnd soinon kindeu getreu vnd gewaer sein, auch nach
ichte seinem leib ere noch gut zu schaden trachten well, noch ycmand darauf Sterken noch
anweiseii etc.
Vnd zu merer Sicherheit so hat keiser Ludwig aus seinen raetn erkom die edln mann:
Berchtoldo grafen zu Hcnnenberch. seinen swager vnd heimlichen,
graf Gerlahen von Nassaw, auch seinen swager,
graf Ludwigen von Oetingen den eitern,
Herman von Liechtenberg, seinen cantzlcr,
graf Fridrichcti von Oetingen,
Johannsn burggrafn zu Normberg,
Ludwigen von Hohenloh,
bmder Heinrichen von Zipplingeu, landcfaomethnm zu Franckeo,
Heinrich den Preisingei zu Wollnzach.
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207
Doch dem sei wie ihm wolle, vom erstcu Uucho ist der so tn archi-
valiscbe oder eigentlich ganz und gar auf urkundlichem Boden erbaute Theil iu
einer sehr selten gewordenen alten Ausgabe in Folio unter dem Titel „Stamm- und
Krbfolg des durchleuchtigaten Haussen Pfaltz. Erster Theil“ im grossen Ganzen
unverändert***) im Drucke erschienen. Wo nämlich auf Fol. 21* der Abschrift des
geheimen Staat^rchives nach der Erwähnung der Erschlagung des Königsmorders
Otto von Wittelsbach des jüngeren durch einen Truchsessen von Waldbiirg und
einen Marschall von Papi>enheim in den Weingärten zn Oberndorf an der Donau bei
Abbach sich der Üebergang findet:
Darauf volgt hernnach die registratur der brieflichen vrkhuud wie dasz
furstenuthumb Bayrn jn regierung weilennd nachuollgenden römischen khunig
vnnd kaiser, uemlich khnuig ütten von Brauunschweigkh hertzog in Sachssen,
kaiszer Fridricheu desz annderen hertzogon in Schwaben, khunig Heinrichen
desz sibennten lanndtgraueu iu Turingeu , khunig Chnnuruden desz viertten
auch hertzogeu^jun Schwaben, bisz auf khunig UuedolfTeu, graf Albrechta
von Habspurg sone. wider in ein regierung ziisamgebracht worden vnnd an
den rechten stammen dttsz hluets von Bayrn khomen, so vil derselben brief-
lichen vrkhund im gewelb zu München verhannden, die vil jar verlegen
vnnd iu diszesz buech durch mich Augustin Köllnner, jrer fürstlichen gna-
den secretarien, zum tail summarie vuud zum tail von wort zu wort
registriert vnnd jn peszszcr richtiger ordnung nach den jarzallen Christi in
yedesz fürsten regierung nach einaimder auszgaungcii gebracht worden,
So hat konig Johanns von Behoym aus seinen r>'ten erkom:
hcrtiog Heinriehen von Bayrn, seinen aulen,
Vlrichn von Honawe.
Dteraan von KoUitz,
Wilhelmen von bandstain.
Heinrichn von der Lerppen,
Otto von Bergowe,
Chanradn von Cnchaemch,
Hartman von Kromberg,
Vlrichn den Phlackh.
Darauf habn die obgenanten furstn graf» vnd herm za den lieiügcu gesworeii, ob der kaiser
vnd kbonig ir ainer des vergä&K vnd änndem weit, das sj alsdann solbs wenndn sollen mit irem rate
als verr sy mugoo etc.
Oiser verschreibong datum steet : zq Xurinberg au aatid Bartlmes tag da man zalt von Cristus
geburde xiij< jar darnach in dem xxxijten jar.
118) Nach dem in d<*r vorigen Note erwiihnteu fetainmbauiuc filgt sie gegenüber unserer Hand-
schrift noch ein: Nach jetxtgemeMter Fürsten in Bayern Tod ist dasselb Pürstentbom auff Kayser
Ludwigen, desz obgenannten Hertzog Ludwit.'s Cliurfürsten Sohne, kommen, und Ober- und Nieder-
Bayern wider zusammen gefaüeu.
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208
beginut diese Drnckausgabe •*’) folgendermasseii: Extract ansz der registmtur der
briofflichcn rrkiinden wie das fürstentlinni Baym etc. in regiernng weylaud nach-
Tolgender römischer könig und kayser n. s. f.
Mit den Worten in der Urkunde der Herzogin Ueichgart vom Jahre 1335
„erben (»sitzen nieszen vnud in halten sollen zne gleicher weis“ auf S. 107 S|>. 1
des Druckes, dem drittletzten Blatte desselben, gegen die Mitte zu brach die Abschrift
des geheimen Staatsarchives, als sie mir zuerst in die Hand kam, am Schlüsse der
Bflckseite des Fol. 178 ab. Auf das hier noch fehlende stiess ich in ungeordneten
Papieren des geheimen Hausarchive.s , nämlich auf ein einzelnes Blatt und einen sich
daran reihenden Quintern, dessen letzte 3 Blatter mit der Rückseite des vorher-
gehenden nicht mehr beschrieben sind. Dieser Re.st ist nunmehr mit dem übrigen
vereinigt, so dass das Werk .jetzt vollständig ist.
Auch den vollständigen Text bietet der bereits erwähnte wichtige Cod. gerin.
1592 der Hof- und Staatsbibliothek aus dem 16. Jahrh. von Fol. 1 — 221 und 227
bis 229', dann der Cod. germ. l.')93 gleichfalls des 16. .Tahrh. von Fol. 1 — 229',
weiter der Cod. germ. 1640 aus dem 17. Jahrh. vom Fol. I — 216' und 218
bis 220'.
Der Stelle über eine Urkunde vom .Jahre 1288, in der Handschrift des gehei-
men Staatsarchives Fol. 97' und 98, aus einem nicht näher gekennzeichneten Exem-
plare mit dem im Eingänge bemerkten Tittel hat Prof. Friedr. Christ. Jonathan
Fischer im zweiten Bande seiner kleinen Schriften aus der Geschichte, dem Stsats-
uiid Ia;henrechte, S. 417 iu der Note r gedacht.
Von einer ferneren Handschrift iu dem früheren sogenannten äusseren .Archive,
aus 304 Blättern bestehend und auch mit dem Jahre 1341 endend, macht dessen
Vorstand Johann Anton Aettenkhover in der Vorrede seiner zu Regeusbnrg im
Jahre 1767 erschienenen „kui'zgcfassten Geschichte der Herzoge von Bayern von
Herzog tttto dem Grossen von Wittelsbach an bis auf gegenwärtige Zeiten“ S. 1 — 3
Mitthcilnug.
b)
Als ein Bruchstück der früheren Anlage eines .Stückes aus dem nicht gedruck-
ten Theile dieser baierischen Geschichte, und zwar theilweise mit Verbes-serungen
von der Hand des Augustin Kölner, theilweise ganz von ihm selbst geschrieben,
erweisen sich auch im geheimen Hausarchive sieben zusammcngeheflcte und wohl
erst in unserem Jahrhunderte mit der Num. 53 — vgl. oben S. 174 — in ein
Bändchen znsammenbrochirte Bogen in Folio, theilweise am unteren Rande beschnitten.
119) Vgl. über sie Maffat’s Gnindzüge zur älteren Geschichte der baierischen landesarchivo
in den Münchner gelehrten Anzeigen 1855 Num. 11 und 12 Sp. 94—98.
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Besonders eingeklebt sind zwei Zettel, ein kleinerer und ein grosserer, mit
einer arcfaivalischen Mittheilung**®) an einen Herrn Prediger.
Das (Stuck selbst beginnt mit dem Absätze ,,Nach itzuerineUa niarggi'afen Loi-
polds tod hat kaiser Conrad anno 1144 des vertneUen Leopoldn sUu , genant inarg*
graf Haiurich von Österreich, das furslenthumb Bairu benolhen. also ist diser
Heinrich der achtet des namens Heinrich so das** u. s. w. auf Fol. 16' der vorhin
berührten Handschrift, und läuft auf den ersten drei Blättern ganz von der F4and
Kö!uer*s bis zu Arnulf und Ludwig auf Fol. 19 jenes Codex fort, von wo an eine
bereits vorhandene Reinschrift nur mehr verbessert und lediglich eiumal noch mit
einem grosseren Zusatze versehen ist, und zwar bis zur Schleifung von Wittelsbach
und der aus seinem Steinwerke vorgenommenen Frbauung der Stailt Aiohach wie
dem Untergänge des Kaisermörders Otto von Wittelsbach des jungen auf Fol. 21'
jener Handschrift, hier auf dem zehnten Blatte: alls die Historien auzaigeu, aus
beuelch verinellts khonig Philipsen Brueders Sune, hertzog Fridrichs von Swaben,
der darnach Römischer kaiser vnd Fridericus seeuudas geuent ist w’orden, furneniHch
durch ainen Trugsiüwen von Walpnrg vnnd aineii Marscbalch von Pappenheym , die
jmo nachgeeilt halben, in den Weingarten zu ObernduH au der Thuuaw bey Abacb
uncb erslagen worden.
c)
Zum Beweise wde noch nach beinahe dritihalb Jahrhunderten amtlich das
Werk des Augustin Kölner für den praktischen Behuf Verwendung gefunden, mag
hier nur in Kürze bemerkt sein, dass v. Obermnyr seiner in den Sechzigerjahreu
des vorigen Jahrhunderts abgefassten in Reinschrift im geheimen Hausarchive***)
befindlichen „kurzen Geschichte von der Erbfolge in Bayni bey dem Wittelspacliischen
Hause von anno 1180 bisz auf unsere Zeiten, ans den bertzoglicben Lehenbriefen
und Erbfallen gezogen“ als erste Beilage auf 10 Lagen mler 60 Blättern in Folio,
120) Lieber herr prediger! ich kan aof eur frag nit finnden, da« MeclUhildis icy ein tnarg“
grafin vnnd Welfoni — dann dnrcfaatrichen : oder flainrcich dem hochvertig»''!! dan die Welfo sin —
so genent bat Heinrich dem hochnertigen verhyrat.
Sind hier nur die Worte von „so genent" an von der Hand des AugoKtin Kölner, so ist der
gruiBcrc Zettel gana von ihm: Lieber herr Prediger! Icli kan auf enr frag nit fynnden, das Mecb-
tfaildis ein marggrafin vnd Welfoni oder lleiorich dem hochuertigen »erheyrat: dann die Welfo sind
hem von Saxn gewest, so aas Bairn veriribn wordn.
Aber jeh fynnd ain fraw, genant Mecbtliyldis, so kaiser Rudolfs von l!a.«:purg tochter gewest,
dauon kaiser Idaximiiiaii hie ist, vnd hertzog Lodwigti dem anndern von Bairn des nainons rurlieyrat
worden anno 1294. des sind brief verbanden im briefgewelb alhic. ligt xu h'urstenfeld, vird kaiser
Lodwigs von Bairn mutter gewest.
121) Auch im geheimen Staatsarchive hinterliegt ein Exemplar, lialbbrücbig geschrieben, in
einem Pappendeckelbando mit blauem Papterüberzage in Folio und der Aufschrift; Geschichte der
Erbfolge io Baiern von 1180 bis auf die neueren Zeiten.
Abb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss. .VV. Bd. I. Abih. 27
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210
indem die ersten 3 Lagen Qnaterne und die folgenden Sexterne sind, den weitaus
grösseren Theil dieser Arbeit angchängt hat.
Ks beginnt diese Reilage auf Fol. 1 mit Fol. 52 der unter a berührten Hand-
schrift des geheimen Staatsarchives, in der dort erwähnten Druckansgahe S. 15 8p. 1:
Hernachvolgn die brieflichen ürknnd rund Vertrag, souil der jm Brief (jewelb xu
München bisher gefunden, der lunhaltang bieinn allein snmmarie — dieweil die all
in Latein gestellt — angexeigt sind, zwischen weiland obgenannten Pfaltzgraf Lud-
wigen ChurTürstn vnnd seinem Bruder Heinrichen Hertzogn in Baym aiisgangen
jrer Tailung Krieg vnnd Irrung halbn von anno 1262 bisz auf 1208.
Volle üebereinstimmung herrscht bis Fol. 31' beziehungsweise 86' und im Drucke
S. 37, von wo an die ürkunden theilweisc nicht mehr vollständig anfgenomnien
sind, sondern nur die Andeutung „scribatur nsque in finem“ n. dgl gegeben ist,
KI>en.so wurde aut Fol. 33 die Debcnschrift des auf Fol. 09 vou a , 8. 45/46 des
Druckes, beginnenden Abschnittes ***) sammt der Stammtafel nicht aufgenommeu,
während die ürkunden bis Fol. 40 beziehungsweise 125, im Drucke 8. 65 Sp. 1,
wieder nur mit ihren Eingängen und der Zeitbestimmung angemerkt sind. Von Fol.
40 beziehungsweise 125' , nämlich „vonn Otten khonigen in Hungern vnnd seinen
Bruedemn vnd Vetter Hertzogenn inn Nidemn Bayrnn“ herrscht wieder Ueberein-
stimmnng mit Ausnahme vou einigen kleinen ümstellnngen bis FoL 44' = 133, im
Drucke S. 65 Sp. 1 bis S. 71 Sp. 1, und sodann nach einigen Auslassungen von da
weg bis Fol. 145' wieder bis an den Schluss des Ganzen, in der Handschrift des
geheimen Hausarebives Fol. 51', im Drucke S. 112 Sp. 2.
Wenn vorhin in a nicht mit Bestimmtheit behauptet worden ist, dass das dort
berührte zweite Buch wirklich zu Stande gekommen, lässt sich gerade noch vor
Abschluss des Drnckes diese Frage jetzt mit Sicherheit bejahen.
Aus einer Keihe von so bezcichneten „Copial-BOchern“ in Pappendeckelbänden
in Folio im geheimen Hausarebive enthält der fünfte Baud aus der ersten Hälfte
des 16. Jahrh. eine Beinschrift; dieses Werkes mit den eigenhändigen Verbesserungen
nnd Abänderungen Kölners theil.s im Texte und theils am Rande, auf sieben je iu
der unteren rechten Ecke der Vorderseite des ersten Blattes der einzelnen Lagen
mit den entsprechenden arabischen Zahlen bezeichneten Sexternen von Papier mit
dem Zeichen eines in einer Einfassung stehenden ansgebauebten Metallgefässes aut
122) Hernacbaolxen etlich brieflich rrkhan.lt die zwUebenn obgonanntem pfaltzgraf Lodwigenn
cbarftlrsten , weyleand kaiser Ladwigz vafem an ainem vnnd nach aeinea merbeaiettcD Brneders Hei-
Izog Hainrioha abaterbenn zwQaclien deazaelben Hertzog Hainricha elltem aunne, genannt Otto, auch
Stefi'an vnnd Otto, deazselben Otten Brnedern, dnreh biacbof Hainrichen von Regennaporg anazganngen
sinnd, anno 1290 bis anno 129.3, der zeit sich erst anngefanngen bat tentach brief zenebreibenn.
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4 beiiehnngsweise 6 FOascn mit darüber befindlichem Deckel, in »Ireng chronologi-
scher Folge in der Weise dass nach den betreffenden Jahren immer Blätter für
allenfallsige Nachträge frei gelassen worden sind.
Die HauptQbcrachrift lautet: Hernachnollgen brieflich Trkhnnd etlicher tail-
brief rnd vertrag, souil der im briefgwelb ?;n Manchen sjnnd, zwi.schen kaiser
Lndwigen vor vnd ee er zu khaiser ist erwelt, auch darnach ausganngen eins- vnnd
seinem brnedern pfallntzgraf Ruedolfen, anch ir beder sunen, annders tails vmb die
Chur vnd Pfalltz am Rein vnd hertzogtbumb Bajrn von anno 1310 bis anno 1338.
Das Werk selbst beginnt sodann : Alls bertzog Ludwig von Bairn ohurfurst,
so das closter FUrsteufclld gestift vnnd das Oberlannd vnnd Pialltz am Rein innge-
habt hat, anno 1296 tods abganngen ist, dauon dann in dem puech so in dem
klainem altem cha.stn ligt hieuor '*'} allerlay brieflich vrkhundt krieg vnnd geschieht
die er mit seinem brueüern hertzog Uainricben in Nidern Baym gehebt angezaigt
sind, hat derselb hertzog Ludwig hintter sein verlassen zwen sune, nemlich Ruedolfen
vnd Ludwigen, dieselben haben darnach ires vattera lannde — nemlich das vitzthom-
ambt München, auch die guetter in Schwaben vnd Oesterreich — getailt u. s. f.
Zunächst kommen die Jahre 1310—1317 an die Reihe.
Hieran schliessen sich unter der Ueberschrift „Hernachuolgen die brieflichen
vrkhundt zwischen khaiser Lndwigen nach seine bruedera pfallntzgraf Rnedolfs
churlflrstns etc. vnd desselben gemabel frawen Mechthildis geborn von Nassaw tod
vnd absterben an ainem vnnd dca-selben khayser Ludwigs brueders khinden aunders-
tails hin vnd wider ausganngen, souil der im briefgwelb zu München sind“ die
Urkunden von 1328 und 1329, 1338, 1341 und 1342.
Die Urkunden selbst sind ihrem vollen Wortlaute nach aufgenommen.
Ausserdem zeigt sich der eigentlich archivalische Charakter dos Werkes bei-
spielsweise aus der Bemerkung nach dem Vertrage von Pavia vom Freitage vor
Oswald des Jahres 1329: Disen obnerschriben tailbrief vnd in besonnder wie es
mit der fiirstn von Baim chnr geballten soll werden haben derselben zeit die chur-
fürsten confirmirt vnnd ir decret darüber ausgeeu lassen, wie dann dieselben der
ebnrfnrsten decret vnnd vrkbund in dem register daijnn dj brieflichen vrkhundt
vber dj chnr vnd wal ains römischen khünigs , so das bans vnd Pfalltz in Bairn
hat, nach lenngs registriert sind, nemlich
von khünig Jobannsen von Bebaim, der khaiser Karls des vierten vatter ist gewest,
hertzog Ruedolfen von Sachsen, churfürstn,
marggraf Ludwigs von Branndeuburg , churflirstns , der khaiser Ludwigs sun ist
gewest,
123) Zuerst stand: in dem ersten puech hieuor. Das Wort „eratn" hat sodann Kölner durch-
strichen und die jetzige Fassung au den Ksnd gesetzt..
27*
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hertzog liueclolfa von Baira , pfalltzgranen bej R^in , kbaiser Lndwigs brue-
der 3uue,
herrn Hainricbeu ertzbiacbofs zu Meutz,
herrn Walldewein ertzbiscliufs zu Trier.
Aber — liut Kölner hiezu noch beigesetit — des bischofs von Cöln decret
vnd confirmatiou ist bisher uit gcruuden, villeicbt aus vrsachn das derselb von üoin
in der nal keyser Ludwigen sein stym nit geben bat.
63.
Augustin Kölner's
Verzeichnung der baierischen Pfaudschaften u. s. w.
a)
Sie findet sich, wahraclieinlich ans einem grösseren Archiralbande getrennt,
nunmehr als besonderes Foliobeft im geheimen Staatsarchive.
Den Anfang bilden von des Verfassers Hand unter der üeberschrift „Hernach
sind durch mich A[ugustin] K[ölnerl anno 1531 sonnder treflich vnd notturftig
hanndlnng die vnnscrn gn. herrn h[ertzog] Wilhelmen vnd h[ertzog] Ludwigen in
Hairu etc. vnd jrer furstl. gu. erben vnd nachkomen billich zu bedeucken vnd darü-
ber verrer zuratslagen gebürt“ die Ueberschrifteu der einzelnen Gruppen an der
Spitze je eines sodann leergelassenen Blattes, ohne dass übrigens die wirkliche .Au.s-
füllung selbst überall stattgefunden, welche wohl auf besonderen Blülteru beziehungs-
weise Bogen für den Behuf der seinerzeitigen Reinschrift erfolgt ist. Nur von der
an vorletzter Stelle aufgeführten „Pfnntschafl vinb die Swartznburg Retz Wenig-
muncheu vorm Beheymer wald“ ist der Text vorhanden , nnd von dem den Schluss
bildenden bekannten Interesse des sogenannten letzten Ritters.
Diesem Entwürfe folgt dann auf 28 von der ursprünglichen Hand gezählten
Blättern die Reinschrift des Werkes selbst unter der üeberschrift „Verzaichnns vnnd
bericht welchermossen von vnnsers gn. fürsten vnd herrn hertzog Albrcchts in Bairn
etc. wegen etlicher hochen vnnd annsechlichen Sachen halben gehanndlt vnd gerat-
schlagt werden mechte“ gewissermassen in 2 Hanptabtheilnngen , deren erste als
„Pfundtschafft vnnd ander gerechtigkbaiten“ und die zweite als „Öffnung vnd anpot
etlicher heuser“ bezeichnet ist. Ganz in der unteren Ecke reehts ist bemerkt:
Collata cum exemplo primario.
Den Reigen eröffnet „March vnnd Cburlurstentumb Branndenburg“ mit dem
Anfänge: Als marggraf Woldemar von Brandenburg Churfurst etc. tods abganugen,
bat Kaiser Ludwig, dieweil derselb Marggrafe khaiu manlichen Erben u. s. w. Anf
Pol. 3 folgt das Herzogthum Pommern und die Markgrafsebaft Lausitz, anf Fol. 5
die Grafschaft Görz, auf Fol. 6 die Landvogtei im Elsasse, auf Fol. 7 die Ijandvogtei
in Ober- nnd Nieder.scliwaben bis Fol. 9. Auf Fol. 16 findet sich die Pfanndscbafl
vnib die Sohwartzenburg Uetz vnnd Waldinuucheu vor dem Beheymer wald, deren
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eigenbändige Aufzeichnaog Kölner ’s oben sebon berührt worden. Von Fol. 17‘— 19
ist der „Wein Zehent rne Hailpronu“ behandelt, sodann die „Pfnnntschafft vnnd
widerlosnng der Oraffiicbafiben Hochentrnhedingen vnd Wassertruhedingen, so yctr.
die Marggrafen von Brandenburg des llaus Onoltzpach jnnhaben“ von Fol. 19 — 2U.
endlich die „PfanndtsebaSt vnnd widerlosnng der Herrschafft Cham“ von Fol.
20' - 24.
Hieran knüpft sich das „Vertzaichnus nach Ordnung des Alphabets viler Haiiser
vnd Schlösser in vnnd ausser Lannds Bairn gelegen, darauf vnser gu. Fürst vnd
Herr offuung vnd anpott hat“ von Fol. 24—28'. Es beginnt mit „Ansenhonen so
man yetz nent Eisenhonen im Lanndgericht Crantsperg“ n. s. w. Den Schluss bil-
det „Wincklarn bey der Molt gelegen“ n. s. w.
Znr raschen Auffindung der einzelnen Pfandschaften n. s. f. ist auf der Rück-
seite des ersten oder so zu sagen Tittelbtattes ein alphabetisches Inhaltsverzeichniss
mit Beifügung der einscblagenden Blätter des Textes gefertigt, und daselbst am
Schlüsse bezüglich des zuletzt berührten Gegenstandes bemerkt: Item die Heuser
vnd Slösser, darauf vnser gn. fnrst vnd her oflnung vnd anpott hatt, scind zue end
heruachvotgender P&ntscfaafften nach Ordnung des Alphabets gesebribeu, derwegeu
von vnnötten dieselben alher auch zesetzen.
Nicht aufgenommen ist das Endstück des oben erwähnten Entwurfes, welches
da lautet:
König .Maximilian Interesse, so er als Rom. keyser von des Reichs wegen ein-
geiiouien vnd itz dem Ertzhertzogthnmb Oesterreich zugeaigent wirdet, sambt den
treflichen Steten Ratenberg Kuefstain Kytzpuhel.
Vmb das Interesse, auch khriegs khosten , seind die Verschreybungen von den
Fürsten von Bayrn nach Khönig Maximilians gantzem gefallen gefertigt , vnnd in
optima forma auf ewig versichert.
Hic opus, hic labor est. et magni consilij res:
Non ego — qni tennis — consulo, sed refero.
b)
Es hat den Anschein , dass diese Schrift des Angustin Kölner seinerzeit von
Michael Arroden für seine archivalischen Arbeiten ***) verwertbet worden.
Wenigstens enthält unter der üeberschrifl „Extract ausz des Arrodenij , gewe-
sten fürstlichen Hoff-Caplans vnnd Archinarij, prothocollo vber die durebganngene
Doenmenta“ ein Stück von drei zusammengehcflcten Bogen in Folio , wovon die
letzten zwei Blätter sammt der Rück.seitc des drittletzten leer sind, mit der auf dem
letzten angebrachten Umschlagsaufschrift „Verzaichnus etlicher Pfandtschafflen so das
124) Vgl. darDber Dr. HaüUe im ob,.rbai«riKhaa Archive für vaterländiacho Geschichte XXXIV
a 201—206 and 290 - 236.
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Han» Bajm von andfrn gehabt et reciproce wa» andere von Bnym gehabt“ im
geheimen Staalfarchive , in einer aanberen Reinachrift de» 17. Jahrh. wörtlich den
Text der Lit. a von Fol. 10 — 14' über
1) Ernlierg, Clansen bey Füeasen, 8tain am Ritten, Rodinckb,
2) etliche Pfandt»chafRen gegen StifTt WOrtzbnrg vnd den Grauen von Hochen-
lohe: Landen, Jagsperg, Gmilndten, Rottenfcl»,
3) Kbrenlsheimb, Vlfhonen, »chlosz vnd statt VVerdeckh, echloaz Honhart, dorff
Lar, ”*) Burchstall,
mit Ausnahme von Haldenbergstetteu, von Fol. 16' und 17 Ober Lnggau im Landt
zu Lausitz und Stefening, von F'ol. 17' über Stainach, von Fol. 19 — 20 über die
Grafschaften Hohen- und WassertrOdingen.
Am Rande sind die — wohl auf Michael Arroden bezüglichen — Folien 791,
792, 794, 797, 798, 799 von anderer Hand mit blässerer Tinte beigesetzt.
64.
Des Herzogs Johann II von Simmern-Sponheim
baierisch-pfalzische Reimchronik,
für seinen f^ohn Kurfürst Friedrich III im Jahre 1569 bearbeitet.
a)
Sie war nie gebnndeii, sondern findet sich in nngehefteten Lagen von meist 2
oder 3 in einander liegenden Bogen in Folio, hie nnd da auch von 4 und mehr
solchen, manchmal sogar nur auf einzelnen eingesebobenen Blättern beziehnugsweise
Bogen , im geheimen Hansarchive. Wie sie jetzt nach früheren änsserlicben Kenn-
zeichen beisammenliegen, womit indessen keine Gewähr für die vollkommene Rich-
tigkeit der Ordnung beansprucht sein soll, sind sie je auf der ersten Seite eiuer Lage
nuten mit groasen lateinischen Biichstaljcn A — T, dann mit kleinen dergleichen
V w X y z und wohl wieder z, endlich mit den arabischen Ziffern 1 — 10 einschliess-
lich bezeichnet. In der Mitte der ersten Seite des dritten Blattes dieser letzten mit
10 gezahlten Lage schliesst das Werk.
Ks führt in durchaus rotber Schrift folgenden Titel: Snccessio Zn- vnd Ab-
khunfft Haider Chur- vnd Fürstlichen Henszem Pfaltz vnd Beyern , auch genealogi
vnd Geburt» Thafell der Itzuudt noch I.,ehenden Chur- vnnd Fürsten, Sambt ainer
Kurtzen Histori dcrselbigen leben vnd thatten, in Reimen verfast, wasz nmn dessel-
bigen aus alten bewerten Historien , Kaiser vnd König Privilegien , Confirmation,
Stifftnngen, Grabstett vnd Kpitaphijs gehaben mog; Von Etwo weilendt dem Dnrch-
lenchtigen Hochgebornen Fürsten md hemi herrn Johans Pfaltzgranen bey Rein,
12.S) In dem Archirale steht: I^tw.
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Hertzogen in Beyern, vnd graffeu zu i^ponheim, dem löblichen hau.‘<z Pfallz vnd
Beyern zn Ehren nit on besonder vleiaz vnd ongewenten Costen zusam getragen
vnd verlast etc. Itzundt zu vndertbenigsteu gehorsam lerer Forstlichen Gnaden
fOrgelipten Son Pfaltzgraf Friderich dem Dritten CbnrfOrsten an tage gebracht
anno 1569.
Darunter stehen, in der Weise dass je der erste Bachstabe jeder der folgenden
sechs Zeilen roth geschrieben ist, das andere schwarz, die Verse :
Gleich wie der Löblich Sonne Schein
Die Erd, all gwechs erfreuet fein.
So ist ein fromme Obrigkbeidt
Ein Freud vnd Zierd des Landts alzeit:
Drum Gott allzeit für alls zu bitten ist
Für Tren obem zu aller frist.
Nach der leeren ROckseite dieses Titelblattes beginnt aut dem zweiten Blatte
unter der rothen Ueberschrift „an den gütigen Leser“ die Hauptvorrede zum
Ganzen.
An sie knüpft sich unter der rothen Ueberschrift „von dem Namen Pfaltzgraff“
eine längere zum Tbcile polemische Auseinandersetzung hierüber. Es heisst nämlich;
Den Vrsprnng Herkhomen vnnd Namen der Bayern, Bezirck Gelegenheit vuud
fruchbarkeidt desz Landes, ist vnnsers wercks nit in diser der Chur- vnd fürsten
Genealogie zu beschreiben , dan andere , jnsonderheit der hochgelert M. Johannes
Auentinus, solche in seiner Bayrischen C'ronick stattlich vnnd weitläufig thuet, zu
dem daz von solchem vnder den Historien beschreiber khein sonder streit oder
zwitracht. aber von dem Namen vnnd Vrsprnng Pfaltzgraffe ist vnder den gelerten
grosser streit.
An diese Abbandlnng reiht sich auf nur einer Seite eine kurze Zusammenstel-
lung „von rechten eins Pfaltzgraneu ausz der Gulden Bullen.“
Nach gedrängtem Uebergange zum eigentlichen Werke auf wieder nur einer
Seite folgt nun die wirkliche Reimchronik in der Weise dass den einzelnen da behan-
delten PeraOnlichkeiten unter ihren roth geschriebenen Namen und Worden je in
dem Mittelranm eines mit dem Zirkel in schwarzen Linien gezogenen Doppelkreises
von der durchschnittlichen Hohe der Hälfte einer Textseite Holzschnitte mit ihren
Brustbildern auf ihren Wappenschilden, häufig auch mit denen ihrer Gemahlinen,
vorgeklebt sind, wahrend am Schlüsse der einzelnen geschichtliche Aufzeichnungen
in Prosa stehen, wie auch nach grö.sseren Gruppen und später nach den bedeutenderen
Herrschern förmliche auf Urkunden und sonstige geschichtliche Denkmäler begründete
Erörterungen angeknüpft sind.
Die Reihenfolge ist nachstehende; Adelgher, König inn Bayrn; Tbeodo oder
Dieth der Erst, Hertzog in Bayrn; Dieth der .4nnder vnnd Grosz, Hertzog inn
Bayrn ; Hertzog Vthill der Erst, ein Bruder hertzogs Diethen des groszen inn Bayrn,
marggraf zu Anthorff ; Dieth der Dritt, Tbebalt, vnd Vtho oder Ott, gebrOder,
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hertzogen in Bayrn, Hertzogs Diflhen des grossen Söne; Dieprechft], ein Son Her-
tzog Diethen des Dritten, vnd Thessei, ein Son Hertzogs 'Chebalta, Qevettern, hor-
tzogen in liayrn; Garibald, Hertzog inn Bayrn; Geribolt, Hertzogs Thesseis des
Ersten Sohn; Dieth der Viert, Hertzog inn Bayrn; Tbessel der Ännder, Hertzog inn
Bayrnn; Grimholt der Erst, Hertzog inn Bayrnn ; Dieth der Sechst, Hertzog inn
Bayrn; Hamnbrecht, Hertzog in Bayrn; Vthel, Hertzog inn Bayrn; Thessei der drit
vnnd letzt Hertzog inn Bayrn.
Jetzt wendet sich der Verfasser „ziim Laser“ in einem kurzen GesanimtOljer-
blicke Ober diese Periode von 4.56 — 788, nnd erklärt zugleich, da-ss er, obwohl ihm
nicht im Sinne gelegen, die Herrscher des alten Fraukenreichcs initanfzunehinen,
um.soweniger da nach seiner Ansicht die baierischen nnd pfälzischen FOrsten in keinen
Verwandtscbaftsverhältnissen zu ihnen stehen , doch dem Kaiser Karl dem Grossen
zn Ehren sie von Chlodwig an, dem Coaetanens des bereits erwähnten Königs Adelger
in Baiern, in Kürze behandeln wolle.
Das geschieht denn nun in der Heihenfolge: Cladoueo oder Lndtwig. Kbunig
in Franckreich ; Lutharius, Kbonig inn Franckreich; Blichtliill ausz Franckreich^
Anselbert von Alphay ein Komischer Senator; Arnolph Marggraf zu Anthorff;
Arnolt Marggraf zu Antorf, letzlich B[ischoff] zu Metz; Anchises, des Königreichs
inn Franckreich Hanszmayr; Pipinns der Kurtz von Haristall, Hanszmayr; Carl
Marcel, ein Hertzog vnd Fürst der Fraueken; Pipinns der Feist, ein hertzog vnd
fürst, letzlich kouig zn Fraueken; Carl der gross, konig der Francken, letzlich
Römischer Kayser; Keiser Ludwig der gütig; Ludwig der Elter, khonig in Ost-
Franekeu ; Carlman Kouig in Bayrn vnd Italien, vnd Ludwig der Jünger, kouig in
Ost-Francken vnd Bayrn, gebriider; Kaiser Carl der drit, konig in Italien Frauck-
reieh vnd Baim, zugenaut der feist, obgesatzter zwayer brnder; Kaiser Arnolph,
Konig in Bayrn, königa Caroluians Sone; Ludwig der drit inn Bayrn vnd Römi-
scher König.
Nachdem nun dem „günstigen Leser“ die Irrthümer der baierischen und pfäl-
zischen Genealogie bezüglich der zuletzt behandelten beiden Persönlichkeiten , des
Kaisers Aruulph und des Königs Ludwig, anseinandergesetzt worden, gelangt der Ver-
fasser „vf den Amolt oder Arnolphen, so zu negst vf khönig Ludtwigeu — jdoch
in abgerissen! bäum oder linj — folgt, den rechten vrsprnng vnd ankhunfft der jtzig
lebenden Chur- vud fürsten im Ilausz Pfaltz vnd Bayrn.“
So beginnt denn Arnolph oder Arnolt, König vnd Hertzog in Bayrn; daun
folgt Bertholt, Hertzog in Bayrn; Heinrich der Erst, hertzog in Bayrn; Heinrich
der Ander, Hertzog inn Baym ; Sanct Heinrich der drit, hertzog in Bayrn, Römi-
.scher Kaiser der zweit des Namens, vnd der Erst in der wale, zugenant der Lame;
Heinrich der Viert, Hertzog in Bayrn, von Geburt ein Palasgraue; Heinrich, Her-
tzog inn Bayrn, des obgemelten Sone; Keiser Heinrich der drit, zugenant der
Schwartz; Ohuno oder Cuuradt, Hertzog inn Bayrn, von Geburt ein Palasgraue;
Kaiser Heinrich der Virt, zugenant der Elter, kaiser Heinrichs des dritten Hoene;
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Agnes, Rdmische Kayserin, Hertzogin io Bayrn ; Oth, Hertzog in Bayrn, von Gebnrt
ein Graf zn Northeim; Wölff der Erst, Hertzog in Bayrn, von gebürt ein Marggraff
von Ast, Graf zn Althorfif; Welpf der Ander, Hertzog inn Bayrn; Heinrich der
Neundt, Hertzog in Bayrn, Hertzog Welphen des Ersten Soene, vnd des zu negsten
Brneder; Heinrich der Zehent, Hertzog in Bayrn, Marggraff zu Tnscan, zngeuant
der Hoffertig; [Lenpolt, Hertzog in Bayrn]; Heinrich der Eilfft, Hertzog in Bayrn,
Marggraf in Ostreich, zugeuant Jochsamer Gott, des furgemelten Bmder, bis zur
Losreissnng Oesterreichs von Baiern und bis zum Tode eben des Herzogs Heinrich
unter Kaiser Friedrich I;
Als nun, wie gsagt, König Cunradt
Gstorben, vnd zu Bamberg bestatt,
, Hertzog Fridrichen in ,Schivaben
Die fürsten frey erwehlt haben.
Welcher Couradts brueders Soen war.
Heinrich der Jung in Sachsen zwar
Hat nun mher schon erreicht sein Jar :
Dem neuhen König stetz vrab recht
Ansucht, Er wolt entscheiden schlecht
Die Bach gegen sein stiff Vatter,
Hertzog Heinrich in Bayrn, welcher
Sein Erb vnd Vatterlich gntter
Wieder recht vnd all billicheit
Nun iughapt besessen vil zeit
Wie wol nun der König vil tag
Angsetzt, Heinrich doch albcg sag.
Wie er die nit besucht, oder
Sonst etwas für brecht zu wieder.
Vnd waren woll zwey gantzer jar
Veräiessen. Nachmals zn Goazlar
Entlieh zu recht gesprochen war
Das Hertzogthumb Bayrn Heinrich zu.
Nachdem hat der König nit Rne,
Wie er sein Vettern in der gut.
Das nit villeicht vnschuldig blut
Vergossen wort, verdragen mSgt.
Aber es war der mangel schlecht
Au Heinrich. Jedoch nach der handt.
Als Fridrich kam ansz welschem Landt,
Zu Regenspnrg wol für der statt
W^as znuor beschlossen im Rath,
Der König zu Behem den Spruch tbat,
Abh. d. III. Ct. d. k. Ak. d. Wiis. XV. Bd. I. Abtb. 2B
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Was noch Osstrcicb heist dieser frist,
Datzmal mit Bayrn begriffen ist,
Vnd drug ein Marggraff von Osstreich
Solch Inndt von Bayrn zn Lehen gleich,
Drum des Kaisers sprach noch soll sein,
Das Bayriandt zwai Herlzogthnmb fein.
Das Landt ob der Ennsz zugethan
Wort Ostrich, vnd soll nun für an
Ein frey eigen Hertzogthnmb sein,
Welchs Heinrich solt behalten ein:
Vnd alls er fnr ein marggranc zwar
In Ostrich — wie sein Altern — war,
Solt nun mer den Namen Herizog
Dragen. Das Landt aber so noch
Dem Nidcrgang ligt, vnd Baym gnandt,
Wirt dem Jungem heim zuerkandt.
Dise rachtnng geschehen ist.
Wie man dasselbig klerlich list,
Im jar eilf hundert fnnfftzig sechs.
Zu wünschen das in Uallo Oretz
Gwessen der zeit König Cunradt
Sampt den fürsten so im Reichs Rath
Heinrichs des Vatter zu Gosziar
Seiner Landt vnd Icnt entsatzt gar.
Dos blnt, so daher langer frist
In Sachsen Bayrn vnd Schwaben ist
Vergossen, vf irm kopff berhnt.
In Gerichten nimer gnt thut
Rach Zorn Hasz Neidt vnd znnil gunst;
Recht richten ist warlich ein Kanst.
Kheiser Eriderich in Welschlandt
Hat Welphen anch befridt zu handt,
Vnd im was sein Brneder für bat
Daselbst reichlich wieder erstatt;
Das Hertzogthnmb Spolet, Tuscan
Die Marggrafecbafft, Sardinian,
Alles was Welphen vndertban.
Hertzog Heinrich, nun in Osstreich,
Hat in Baym funfftzeben, desz gleich
ln Osstreich ein vnd zwantzig jar
Mit grossen lob vnd Rhumblich zwar
219
Regiretu Ist, alls er Bayrlandt
Seim atifft Soen Heinrich galt von Hundt,
In Osstreich noch lang im Leben.
Sein Gemahel hat im auch geben
. Lnitpold vnd Heinrichen zween Soen,
Aach ein Dochter Agnes, die schon,
Welch hat zu eim ehelichen Man
Den König in Vugaru Stephan.
Alls er nun mher hochbedacht war,
Von einem Pherdt thet fallen zwar:
Ein Vrsach seins tbots dieser fall
War, wie er dan hernach starb paldt.
Hier schliesst die Handschrift, wie bereits bemerkt, auf der Mitte der Vorder-
seite des dritten Blattes der letzten Lage.
An verschiedenen Stellen sowohl in den Heimen als auch in den Erörterungen
in Prosa finden sich durchstrichene Stellen wie ganze Seiten, oder auch kleinere
wie grössere Aenderungen nnd Zusätze, so dass es den Anschein hat, als ob nicht
lange nach ihrer Herstellung eine Umarbeitung lllr irgend welchen Zweck beabsich-
tigt gewesen. Aber keineswegs alle Lagen weisen einen dergleichen Znstand auf.
Vielleicht ist daher wenigstens eine Reihe von ihnen, auf welchen keine dergleichen
Veränderungen sichtbar sind, auch bereits als Reinschrift dieser Umarbeitung zu
betrachten, die an Stelle des ursprOnglichen Textes eingelegt wurden.
b)
Jedenfalls liefert ein Bruchstück von zwei in einander liegenden Bogen, wel-
ches sich noch in dem eben liehandelten Fascikel befindet, den Beweis dafür, dass
wirklich wenigstens theilweise eine Reinschrift der ursprünglichen Fassung mit
Berücksichtigung der berührten Abänderungen hergestellt wurde.
Diese beiden Bogen bieten nämlich diese Reinschrift zu der Lage M von den
Reimen gleich nach dem Anfänge des dritten Blattes bis an den in Prosa geschrie-
benen Schluss von Kaiser Ludwig dem Frommen oder ■Gütigen, und weiter fort zu
der Lage N ohne das Bild, wofür der Ifaum leer gelassen ist, bis zur Mitte der
Rückseite des zweiten Blattes.
(i.'j.
Bruchstück einer baieris ch-pfäl zi sc hen Reimchrouik.
In ähnlicher Art, mit Abdrücken von theilweise denselben Holzschnitten in dem
Mittelranme von schwarz gezogenen Doppelkreisen nusgestattet , findet sich in dem
unter Nnm. 64 a nnd b berührten Fascikel des geheimen Hansarcliives ein Brncb-
stUck einer Reimchronik von Bniern nnd Pfalz, gewissermassen einer als gedrängter
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Auszug ans dom grösseren Werke des Herzogs Johann II. Ton Simmcrn-Sponheini
gefertigten Bearbeitung, von anderer Hand, nicht ganz unwahrscheinlich von der-
jeuigeu von welcher in dem eben bemerkten Werke die am Schlüsse von Nnm. 64 a
erwähnten Abändernngcn stammen.
Es bildet dieses Bruchstück, so wie ich es jetzt aus den übrigen Lagen einst-
weilen ansgelesen und zusammeugeordnet habe, eine Lage von zwei Bogen, ein Blatt,
eine Lage von drei Bogen, endlich eine Lage von wieder drei Bogen , wovon nur
niebr die erste Seite beschrieben , dagegen fortan noch die Holzschnitte einge-
klebt sind.
Aeusserlioh ist dieser Auszug so eingerichtet, dass jedem Fürsten auf je einer
Seite nnter einer rolhen Uebersclirift nach den betrefleuden mit den Wappenschil-
den versehenen Holzschnitten 12 — 18 Iferse gewidmet sind.
Die Reihenfolge ini einzelnen stimmt bis anf nur geringe Abweichnngen mit
der in der Arbeit des Herzogs Johann II. von Bimmern-Sponheim.
Den Anfang macht Adelger konig in Bayrn ; dann folgt Theodo oder Dietz
der erat, Hertzog in Baym; Theodo der ander, Uertzog in Bayrn, zugenant der
Grosz; Hertzog Othill, sein Bruder, marggraf zu Anthorf; Theodo der dritt, Dhie-
bolt, vnd Vthill, Hertzogen in Bayrn, gebrüder, Hertzog Theodo des andern Söne;
Hertzog Theasel der erst, vnd Dietprecht, Hertzog Dietben Söne; Konig Garibalt in
Bayrn ; Gariballt königk in Baym ; Theodo der viert, hertzog in Bayrn ; Tessel der
zweit vnd Dietprecht, gebrnder, Hertzogen in Bayrn, hertzog Theodo oder Diethen
des vierten Sone; Hertzog Dieth der funft, Griroholt, vnd Dietprecht der dritt,
gebruder, Hertzog Thessels in Bayrn Sone; Hertzog Dieth der sechst, hertzog Grim-
holts in Bayrn Sone; Hortzog Haiimbrecht, hertzog Diethen des sechsten Sone;
Hertzog Vthil in Baym, Haumbreebts Sone, konig; Hertzog Thessei der dritt, vnd
Dieth der acht vnd letzst in Bayrn, sein Sone.
Nachdem jetzt „dem gütigen Leser“ bemerkt worden, dass ununiehr des Kaisers
Karls des. Grossen Vorältem an die Reihe kommen, folgt Anselbert von Alphaj, ein
Römer, Marggrane vff der Scheiden; Arnolpb, Murggraue zu Anthorlf; Arnolff
Marggrane, letzst Bischoüf zn Metz ; Anchises Murggraf zu Antorf, Grosz Hanszmayr
in Franckreich; Pipin der Knrtz, Marggraf zn Authorff, Hertzog in Austrasia vnd
Brabant, Groez Hausmayr in Franckreich; Carll Marcell, Hertzog vnd fnrst der
Francken; Pipin der feist, Hanszmayr, Konig in Franckreich.
Vielleicht sollte jetzt in Prosa der Uebergang zu Karl dem Grossen seine
Stelle finden, der wegen des bereits eingekicbten Holzschnittes keinen freien Platz
mehr fand.
Eine Vergleichung mit der durch den bereits oben in Nnm. 6 erwähnten Pfalz-
Simmeru'schen Kanzler Matheas Röthler ini Jahre 1570 besorgten Bearbeitung der
Reimebronik des Herzogs Johann II von Simmern-Sponheim , welche sich im (Jod.
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germ. Ifil4 und im Cod. germ. 1615 der Hof- und Staatsbibliothek **•) findet, to»
welchen der letztere sehr rein geschrieben ist nnd auch überall den Raum fUr Ein-
lUgang von Bildern , Tielleieht wieder den gleichen Holzschnitten . zwischen der
Uebersebrifi nnd den Reimen leer gelassen hat, weist zum Theiie Tollsiandige Ueber-
einstimninng nach.
Im Vorubergehen mag bei dieser Gelegenheit darauf hingedeutet sein, dass ein
Abdruck des zuletzt berührten Werkes ans einer seinerzeit einmal im Besitze des
Marquard Freher befindlich gewesenen Handschrift im Jahre 1781 vom Professor
Friedrich Christof Jonathan Fischer zu Halle in seiner novissima scriptonun ac
monnmentomm rerum Qermanicaram tarn ineditorum qnam rarissimornm collectio I
S. 39 — 131 bewerkstelligt wunle. Freilich aber hat er, da er der Vorrede zufolge
8. 6/7 aus höchst sonderbaren **■) Gründen in diesem Werke eine zwischen die
Jahre 1574 und 1576 zu setzende Arbeit des Kurfürsten Ludwig V erkennen zu
sollen meinte, dieselbe als „Knrfürsi Ludwigs V von der Pfalz reimweise veffasste
Genealogie des Bayerischen nnd Pfälzischen Hanses** veröffentlicht.
66.
Des Dr. Wiguleus Hundt
baierisebe und pfälzische Genealogie sammt kurzer Verzeichnung der baierischeii
Laudestheilungen.
a)
Sie besteht in einer Uaudschrifl des 16. Jahrh. im geheimen Staatsarchive
ans zwei znsammengehefteten Lagen von je 8 Bogen, von deren letztem das Schluss-
blatt nicht mehr beschrieben.
126) Soccetflio Za- wind Abkanfft beider Chur- rnd fürstlicher Heaser Pfsltz mnd Bajm, der
jetzandt noch lebenden Cho> vnnd Fürsten Oenealog] oder geburts Tafel, aosz alten Historjen Friui-
legien Confiimation Stifftnngen Grabstetten vnnd schrififtoQ zusammen getragen vnd Terüunt von otwo
dem DnrchlenehUgen Hoebgebomen Fürsten vnd Herrn Jobannsen, PCslUgrafcn bei Rhein, Hertzogen
ja Bajm, vnd Grafen zu Spooheim
127) Vgl. hierüber die Note 133.
1^) Gleich die ersten sind daher genommen, dass sich am Schlnaae folgende zwei Anfieieh-
Bongen finden:
a) Venaicboos Meiner Hertsog Ludwigen PfalUgrauen etc. Brneder and SchwesUrn, wo
nnd wenn »y gebom worden and darunder ir ains taile widemmb in Gott versebiden,
b) Mein Hertzog Ludwigs Pfaltigranon mit meiner Geroahelin erzeügte Khindor.
Li^ da am Ende nicht der Gedanke viel nihor , dass dieser Herracher , von welchem Fischer selbst
bemerkt, dass die pfSlzisehen Geschichtschreiber nur üassem, eom foisse eoocordiae atqoe tranquUli-
latis stodiosum, litteranun amatorem atque pietatis eultorem , die betreffenden Einseichnungen iu ein
ihm sugebörendee Exemplar der in Frage stehenden Reimchronik geaaUt habe, und dass sie bei
Abschriftnahme hievon zugleich mit aafgenommen und auf solchem Wege weiter vervielfaUigt wor-
den? Ist das ja aoeh in den erwähnten Handschriften der Hof- nnd Staatsbibliothek der Fall.
129) Dass sie seinerzeit dem Dr. Wiguleus Hundt selbst gehörte, beweist Mine Bemerkung am
unteren linken Rande der ersten Seite: Hern Dr. Honds Liberej.
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Die baierische Genealogie beginnt mit den Worten „Hernach volgt mit der knrtze
ain waarhafts anzaigen wie der Chnrfäniten Hertzogen in Baiem vnnd Pfalzgranen bcj
Rhein genealogia pluetstanimb vnd sippacbaft heerkbSmbt Ton der zeit an zurecbnen
<ils 8J die regierung vermeltes herzogthnmbe bej weilend kaiser Fridrichen dem ernten
Barbarossa genant anno 1180 wider Tlierkhommen haben“ mit Pfalzgraf Otto in
Baiern, Graf zu Scheiern nnd Witfelsbach, dem dritten oder nach „Aventinue in
sein! Compendio“ dem vierten dieecs Namens, nnd reicht bis Herzog Wilhelm V,
dessen Kindern — Christina, Maximilian, Anna Maria, Albrecht beziehungsweise
durch Correctur anderer Hand Philipp — die Geburtsjahre nicht mehr beigesetzt
sind, wie auch vorher die Kinder des Herzogs Albrecht V vielleicht erst nachträglich
eingefOgt wurden.
Nach einer leeren Seite folgen auf zwei Blättern unter der L'eberschrift „Von
Thailungen des lands zu Baiern“ diese von 12.^4 beziehungsweise 1255 bis zu der
niedetbaierisehen in Folge des Presburger Spruches vom Jahre 1429.
Wie schon oben bemerkt, ist das letzte Blatt der zweiten Lage leer. Zwischen
das Verzeichuiss der Laudestheilungen nun, welches mit dem vorletzten Blatte dieser
Lage schlies.st, und dem erwähnten letzten leeren Blatte, jetzt IJmschlagblatte, ist
eine Lage von 4 Bogen eingeheftet, deren erster als Umschlag dient, und oben in
der Mitte der ersten Seite die Aufschrift fDhrt : pfälzisch titamb. Diese pfälzische
„Pluet liui vnd stamm der jetzigen Pfaltzgrauen am Rhein“ Ireginnt mit dem Kur-
ftlrsteii Ludwig dem Dritten oder Strengen, und reicht bis gegen den Schluss des
dritten Viertels des 16. Jahrhunderts, und zwar zu Pfal/graf Ludwigs Linie zu
Zwcibrtlcken, und Pfalzgrnf Friedrichs Linie anf dem Hundsrüeken.
Zu der den Anfang bildenden baierischen Genealogie sind von derselben
wie von anderer ‘’*) Hand hier und dort Bemerkungen an den Rand gesetzt.
Es mag bei dieser Gelegenheit noch auf einen schlechten Abdruck verwiesen
1601 HeiHiiielswaise bei Herzog Chrbtof von ttaicrn-Müiictien: H[mog] Oriztotz bofmaizter
Hanzz Truclizezi, V[lrick] Ilötinger. Item seine itieuer V[lrich] Adltzboner in .tdltshoneD vnd Sig-
mondt Prnkber, Cniitzler anno 14-Sö.
161) Unter Kaiser I.ndnig dem Baier besagt der Text: Vnmi nla fmw Hentrii teiu gemzchel anno
1620 todta nbgangen. hat jme graf Wilhntm von Holland anno 1.626 nein tochter fraw Margreth rer*
bejmt. danon die grafsohaftten Holland Seeland Friesland vnd Henegaw an daz Hansz liavrn kommen.
Cöllner zetzt, wie doa graf Wilbalm kainen männlichen erben gehabt; darin er zieh gejrrt, dann er
bet sin ton, anch graf Wllbalui genant, wcllicber anno 164.1 ohne männliche erben veivtorbcn. Aven-
liirnz in zeiner Cl-ronikh fol. 7.19 vnd 7K4. dergleichen andere Hiatoriej.
Hiezn Kniet sich folgende spätere archivaliKhe Hemerknng in HQchtiger Schrift von blässerer
Tinte: ea bezaigt zieh in der laden 126 vndt register K 207 ein oiiginnl. erafft welchem diese fron
lieatrix ainen bmeder mnesz gehabt haben, vndt derselben erst nach dessen todt die obbemelte graf-
scliafltcn bainibgcfallen sein, msssen in solchem original exprezse entlmlten, das kliaiser Lndwig seiner
grmablin nach jhres brneder todt die jhr haimbgefallne graffchafften zu Rom verliehen habe.
162) Als Beleg liicfür nur ein Beispiel, nämlich die Stelle über die Veimäbinng des Herzogs
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223
sein, welchen aus einer Handschrift die verschiedene Schicksale zn überwinden hatte
bis sie in seinen Besitz gelangte***) im Jahre 1781 Prof. Friedrich Christof Jona-
than Fischer zn Halle in seiner novissima scriptornm ac monomentorum reruin Ger-
manicarum tarn ineditornm quam rarissimormn collectio I S 137<-192 besorgt bat,
woselbst er der Vorrede zufolge S. 8—10 in dem Werke ans bdchst sonderbaren
Gründen eine Arbeit des bekannten Freher erkennen will, nnd en demgemäss als
„Markward Freher*» Blutstamm nnd Sippschaft der Herzoge von Baiem nnd Pfalz-
grafen am Rhein'* bezeichnet *
In diesem Drucke ist der grössere Theil der Randbemerkungen der gleichen
Hand wovon vorhin die Rede gewesen bereits in den Text aufgenommen. Ueber-
hanpt sind verschiedene Ausführungen hier vielfach weiter als in der Handschrift
des geheimen Staatsarchives. So findet sich beispielsweise in der baieriscben Genealogie
S. 145 bei Otto*s Sohn Heinrich dem Natternberger unter Verweisung anf Aventins
Geschichtswerk, wornnter wie sonst immer die Ingolstädter Aasgabe der baierischen
Annalen von Hieronyma.» Ziegler vom Jahre 1554 verstanden ist, S. 774 die Andeu-
tung, dass er „zu. Natternberg als er kburtzweil halb gedantzt und gesprungen" einen
Fass gebrochen habe, in Folge dessen er bald hernach im Jahre 1333 gestorben.
Sodann sind die oben berührten Kinder Albrecbts V und Wilhelms V im Drucke
S. 171 — 173 genaaer behandelt und bis zum Jahre 1587 verzeichnet In der pfal-
• zischen Genealogie erwähnt nnsere Handschrift von Ruprecht, dem Sohne von König
Raprechts drittem Sohne Ludwig, nur in aller Kürze, dass er Erzbischof zu Köln
gewesen and im Jahre 1476 gestorben sei, während im Drucke S. 180 die desfallsige
Alhrecht V mit Eosigunde von Oesterreicb, der Tochter des Esisers Friedrich 111 and Schwester des
Eaisers MsTimilisD, in der Spalte 1 gegenQber dem Wortlaute unserer Handschrift in der anderen
Spalte:
vand die Termihlong beaehehcn za Issprlnkb
anno 14S7. hat den andern jener anno 1487
boehzeit gehalten nach anzaig der Aagtpurgi-
Mhen Cronickba. in aioer bajerisehen teatschen
Croniekb etebet, sej zu weinnaebten auno 1458
gebora.
vnnd gedachter hertzog Alhrecht t4>dt am
mariij anno 1508 o. s. w
18
rund die vermecbltug besebeeben zu Ynsprnkb
anno 1487.
jn ainer tentscheu bayrischen Cronikb stet, seie
za woihnilebten anno etc. 86 besebeeben. die
ober lall ist glaublicher von wegen der khinder,^
deren das erst anno 1488 geporen.
rund gedachter benog Albreebt todt am 18
martij anno 1508 a. s. w.
133) Es heisst von dieser wie von den übrigen im berührten Werke benützten Handschriften:
Qoaa jam in lacem prolatnros sum tria roanascripta olim erant Cancellario Halens! a Ludwig, qai
illa e Marqaardi Freheri bibliotbeca acceperat. a quo deinde — et quidem, qnod ez iUo quoniam
leqne in Michaelis catalogo thesauri Ubromm rolgat. et mas. Job. Petri de Lndwig HaUe 1745,
neque in catalogo bibU Ludw. mss. aUegantur, colllgo — dono accepit Magnus Bcgni Borassici Caneellarias
aCooceji, post cujos obitam ad orphaootropbei Halleoais iabernam Ubrariam pervenerunt, quae postea.
mibi Ula vendidit.
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Wahl im Jahre 1474 and die hierauf eingelretenen Ereif^üae bis zu seinem im Jahre
1480 im Gefängnisse erfolgten Tode berührt sind; wie Flandreuais Crouica davon
weitlenffig schreibt und Nauclerus Generatione 50. Aach von S. 186 an, Pfalzgraf
Ludwigs Linie zu Zweibrücken, ist der Druck gegen unsere Handschrift tbeilweise
ausführlicher, während sodann umgekehrt diese bei Wolfgang***) weitläufiger erscheint,
wenn sie gleich nur 4 Sühne und 3 Töchter desselben gegenüber den dortigen 5
Söhnen und 8 Töchtern verzeichnet. Endlich finden .sich gegen die in Frage stehende
HandschVift im Drucke Seite 188/189 zwischen die Zweibrücker Linie nnd die des
Pfalzgrafen Friedrich auf dem Handsrücken noch „Hertzog Philips Ludwigs zu Neu-
hnrg Kinder“ eingeechoben , und bilden daselbst S. 191/192 den Schluss die Kinder
des Kurfürsten Ludwig bis zum Jahre 1597.
b)
Nur mehr der innere Bogen einer Lage aus dem pfälzischen Theile des eben
behandelten Werkes, von einer Hand des 1647 Jahrh. in Folio halbbrüchig geschrie-
ben, findet sich gleichfalls im geheimen Staatsarchive.
Es entspricht dieses Bruch.stück in dem vorhin angeführten Dnicke Fischer’s
den S. 178—180, aber in der Weise, dass der Abschnitt über den zum Erz-
bischöfe von Köln erwählten Pfalzgrafen Ruprecht — nicht so vollständig ist, son-
dern — mit der unter a berührten Handschrift stimmt.
c)
Ein Bruchstück einer Abschrift wenigstens des ersten Theiles des eben unter
Lit. a erwähnten Werkes enthalten 7 und 11 Uber den Rücken za.sammengebeflcte
Blätter aus dem 17. Jahrh. 'im geheimen Hansarchive, hier und dort mit Erweite-
rungen, theilweise so dass die daselbst l>erUhrten Randbemerkungou der ersten Hand
in ihrer Mehrzahl bereits fortlaufend in den Text aufgenommen sind, theils aber auch
in selbständigen Zuthatcu bestehend , wie gleich im Anfänge zwischen dem Pfalz-
grafen Otto in Baiem, Grafen zu Scheiern nnd W4ttelsbncb , dem dritten oder nach
„Aventinns in seinem Compendio“ dem vierten dieses Namens, und seinen Kindern
unter der Ueberschrift „alii sic“ über den Pfalzgrafen Otto, den Stifter von Ensdorf,
und seine Gemahlin Helica wie der letzteren Schenkung von Kostbarkeiten an dieses
Kloster, mit den Epitaphien der dortselbst begrabenen Pfalzgrafen Otto und seines
Sohnes Friedrich.
134} Wolfgaug. dessen grinsclt) Aaaa. Isndtgraf Phillippen von Hessen tnchter. bej jr 4 süna
vnd .S tSchter verlassen ; Phillip I.ndwig, Johanns, Ott • Hainrich , Fridrieh; Cristina, Anna,
Dorothea Agnes.
Disem pfalttgraf Wolfgang vhergah sein votier pfaltigraf Ott -Hainrich die jnng Pfaltz an der
Thonaw, als er tnnor das stathalter ampt in Amherg etlich jar verwalt het er starh in Franckhreich.
dahin er den Hngenotten tu heistand ein namhaft tentach kriegsnolckh in rosz vnd fnesz wider denn
konig gefirt het anno 1.^69].
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Da» Bruchstück reicht bis gegen den Schluss von des Herzogs Albrecht von
Niederbaiern-FIolland erstgebornein Sohne Wilhelm.
67.
Des Dr. Wiguleus Ilnudt
baierische nnd pfälzische Oenealogie,
theils gekürzt, theils aber auch aosfübrlicber, und namentlich der Zeit nach bis in
die Neunziger jahre des Dl. Jahrh. weitergelohrt, auf 13 in einander gebeiteten Bogen
in Folio im geheimen Flausarchive aus dem Scblnsse des 10. oder dem Anfänge des
17. Jahrhunderts, wovon die drei End.seiten leer sind.
Die unter Niim. 66a borilhrte Vorrede fehlt hier, so dass unter der Uel>erschrift
,.prältzischer vund bavrischer stammen D. H.“ gleich „Otto Pfalzgraf in Baym, grafl’
zue Seheurn vnnd Wittclspach, anno 1165, der dritt , alias der d disz namens“
l)eginnt.
Am Schlüsse der baierischen Oenealogie sind die in Nnin. 66 a nur mehr an-
gedenteten Kinder Albrcchts des Grossn\üthigen wie Wilhelms V ausführlicher
behandelt, nnd theilweise die dortigen Zahleuangaljeu verändert. Sie reicht bis zur
Gehört der Prinzessin Magdalena am 4. Juli 1587. Es besteht hieuach Uebereiu-
stimmung mit der llandschrifi , aus welcher der da.selbst erwähnte Druck Fischer's
hergestellt ist.
Ohne die .■Vufzählnng der baierischen Landestheiinngen folgt dann gleich
Bluttlini vnnd stamm der jetzigen pfaltzgrafen am Uhein. Die in Nnm. 66a auf-
genommene Erzählung von Pfalzgraf Johanns Kämpfen gegen die Hussiten und die
Schlacht bei Hiltersried mit der Erwähnung des Veit .4rnl>cck teblt hier, wie auch
die unmittelbar darauf folgende Stiftung des Klosters Onadeuberg. Vervollständigt
ist die Linie des Herzogs Ludwig von Zweibrücken, und nach ihr ist die in Nnm.
66 a nicht I>erück8icbtigte des Herzogs Philipp Ludwig von Pfalz-Nenbnrg bis in das
letzte Jahrzehnt des 16. Jahrh. eingeschobeu, worauf dann erst die des Pfalzgrafen
Friedrich auf dem Hnudsriiekeu folgt, so dass in den in diesem Satze berührten
Beziehungen wietler Uebereinstimmung mit der handschriftlichen Vorlage des oben
erwähnten Druckes herrscht.
6K.
Ohur- vnnd fürstliche Pfälzische vnnd Bayrische
Geuealogia,
durch weilnud den edlen hochgelehrten Herren Wiguleum Hund, der rechten
doctorn, ftirstl. Bayr. Rath, zuesamen gezogen.
Unter dieser Ueberschrift begegnet von einer Hand der zweiten Hälfte des
16. Jahrh. in dem oben XIV .^bth. 3 S. 50 — 54 besprochenen Sammelbande des
geheimen Hausarchives von einer Folienbezeichnnng 107 an auf einer Lage von
ursprünglich sielwn Bogen, deren zweite Hfilfte leer ist, nnd ans deren erster Hälfte
Abh. ü.lll.Cl.d.k.Ak.il WUs. XV Bd. 1. Abth. 2'J
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zwei Blätter au«geriaseu sind, so diiss jetzt nur noch fünf lieschrieben sind, ein
Bruchstück des genannten Werkes mit erläuternden Bemerkungen zu den einzelnen
Abschnitten und zugleich mit wirklicher Darstellung der (Teiiealogie in der Gestalt
von Stammtafeln. So beispielsweise erstcres gleich nach der unter Xum. 66 a erwähnten
Vorrede ‘*®) des Dr. Wiguleus Hundt, dann nach dem Beginne des Werkes selbst,
also nach der Verzeichnung von Pfalzgraf Otto in Baiern im Jahre 1 165 und seinen
sechs Kindern.
Die Arbeit bricht bereits mit den Stammtafeln vom ersten Herzoge Otto von
Wittelslzach bis zum Aussterbeii der niederbaierischen Linie im Jahre 1340 wie mit
jenem vom Kurtiirsten Rudolf I von der Pfalz bis zum Tode Ruprechts II im
Jahre 1398 ab.
69.
Des Michael Arroden
.Auszüge aus den Drknndeu und .Akten des baierischen .Archives über den
Landshnter Krbfolgekrii’g.
Unter den bervorragendeu liaierischen Archivaren früherer Jahrhunderte, deren
in der ersten .Abtbeiluug S. 32 — .37 gedacht worden, hat auch Michael .Arroden
seine .Stelle gefunden, ln unserem Jahrzehnte hat ihm Dr. Hafitle, wie dort erwähnt
ist, ein ehrendes Denkmal*’*) im oberbaierischen .Archive für vaterländische Geschichte
.XXXIV S. 190—236 ge.setzt.
Es ist daselbst S. 230—236 insbesondere seine archivaliscbe Thätigkeit gewür-
digt, und darunter deren Meisterwerk, die sogenannte Huinmaria Registratura tabu-
larii boici in vier Theilen in Folio, wovon der erste in zwei Halbbände zerfallt,
jetzt im allgeiiieiuen Keichsarchive hier. Von ihrem zweiten Theile fehlen die ersten
10 Folien oder vielleicht etwas darüber. Kr beginnt — nach Hantle's Mittheilung
S. 23.Ö — am Ende des 26- Oktobers 1591, und zeigt als ersten Eintrag eine Urkunde
von 1506, woraus ersichtlich dass der vorausgehende erste Theil — ebendort S. 234
— nicht mehr viel über den 6. Oktober hinausgereicht haben könne, weil er an
diesem Tage bereits bis zum Jahre 1501 mit Arrolens Einträgen gediehen war. Es
ist dieser Verlust um so bedauerlicher, als gerade dieser zweite Theil besonders
ausführlich behandelt ist, und uns auch für eine allenfallsige Ergänzung der im
bJi) Beispielsweise la den Worten „siino 1180 wider bekotnen“ heisst es: Beijeiiige so das
Herzogthainb Bairn wider vberkomea hatt graf Otto vonn Wittelspach der gross gehaisien, wie enden
an seinem ortt weitlcüftiger davon soll gesagt werden.
Zn den alsbald folgenden Worten: darvon langer abz 2oO jalir. Berchtoldus, qui post fratrem
.krnolpbuni malom Boiariae Dux ab Ottone I linperatore fbit constitotus, obüt sine liberia IX cal.
Decembr. anno Clir. !Ms, -
l:>(i) Dr. .Michael Arrodenius, herzoglich baierischer Archivar und Hofkaplan. Eine biogra))hiseha
Skizze.
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allgemeinen Reichsarchive noch vorhandene erste Entwurf für denselben im Stiche
lässt, indem er erst von S. 262 beginnt, so dass nur eine auch nicht einmal annähernd
sichere Ausfüllung durch den chronologisch geordneten sogenannten Index historicus
von Urkunden von 1224 — 1579 au dem in Frage stehenden aweiten Theile mög-
lich wäre.
Des hienach mehr als gewagten Versuches einer solchen Arbeit ist man inde.ssen
überhoben , da ich unter ungeordneten Papieren im geheimen Hnii.sarchive auf das
eben als mangelnd beaeichnete Stück des zweiten Randes der summarischen baierischen
Archivsregistratur gestossen bin.
Es finden sich nämlich daselbst, nur in neun losen je ans drei unten und oben
znsainmengehefteteu Rogen bestehenden Lagen , Reste iler Reinschrift des berührten
Bandes, und zwar mit vielfachen Randverzeichnungen und einer .sehr umfassenden
Einschiebung von der Hand Arrodens selbst. Die Aufbewahrung dieser Reste muss
lange Zeit hindurch keine .«ehr sorgsame gewesen sein, denn beispielsweise gleich
die Beschaffenheit der Vorderseite des ersten Blattes legt in seiner durch Staub und
anderes ganz unkenntlich gewordenen schauerlich in grau und braun spielenden
Farbe beredtes Zeuguiss hiefür ab. Wa.s das Ganze im Einzelnen betritlt, sind von
der ersten Lage die Ijeiden Anfang-sblätter leer gcla-«sen, vielleicht für den seiner-
zeitigen Titel und etwa eine gedrängte Hauptübersicht des Inhaltes. Von dem dritten
Blatte weg weisen die einzelnen Lagen Paginirung von 1 — G8 auf, während die
Blätter 69—82 foliirt sind. 83 bis 92 fehlen. Von 9.3 — 116 herrscht wieder
Paginirung. Zwischen der siebenten Lage findet sich die vorhin angedentete grössere
Einschaltung Arrodens, indem in ihre Mitte zwei und wieder zwei eng Ijeschriebene
Bogen eingeheftet sind.
Es umfassen diese Reste seine archivalische Arbeit vom Montage dem 7. Oktober
1591 bis in den 26. dieses Monats, und vom 29. desselben bis in den 4. November.
Zunächst ist der Inhalt des Kastens 1 mit einem an.«serhalb desselben gelagerten
Libell von S. 1 bis Fol. 71' bezicbnngswei.se 79' verzeichnet. Daran schliesst
ich der der Kästen 2—4 *”) von Fol. 80 bis 82 und S. 93 bis 116, mit Ausnahme
137) C. 1. Hifrinaen liften 3 lad mit Xr. 1. 2. tt. kmichnet, vnd ein libell mit N'r. I.
Die ent Lad hebt an an diuni bist de nnn« I4«.'i bis l.'iOt.
Die ander fol. 31 de anno 1.703 bis 1.704.
Die dritte fol. 4S anno l-7(t4.
libell fol. 73 de anno 1.V4 et l.Vt.',.
1.38) C. 2. Hierinnen ligen iwo Laden vnd ."> — oder richtig fi — Libell mit Nr. 1. 2. ete.
bezeichnet.
Die erst hebt an an diaem blat de anno I.704 bis auf ITÖtl.
Die ander fol. 80 ,le anno 1-706 bis 1.707.
Krstea Libell fol. 8-7 de snno 1406 bis 1-704.
-Anders fol. 88.
Das dritt fol. 80 de anno 1460 bis anf 1490.
20*
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228
der Stöcke des Kastens 2, welche auf die fehlende iin Bande des allgenieiueii Keichs-
archires vorhandene Lage treffen.
So wichtig das för die genauere Kenntnisa des zweiten Tbeiles von .\rrodens
summarischer haierischer Archivsregistratnr ist, so würde es natürlich doch noch
nicht rechtfertigen, dass ich hievon unter älteren .Arbeiten zur Ijaierischen und pfäl-
zischen Geschichte Meldung mache. Wie aber dieser Theil von Arrodens arcbivaliscbem
Hauptwerke — was vorhin schon angedeutet worden — Ijesouders an.sfübrlicb
behandelt ist, bietet er auch für die Zeit des so traurigen Landshutererbfolgestreites
ausgiebigen Stoff, und zwar nicht blos in einfachen Kegesten der zahlreichen Urkunden
der namhaft gemachten Kästen, sondern auch in äusserst sorgsamen und zum Theile
weitläufigen Auszügen ans den eiuscblagenden Aktenbänden, io Auszügen die mit
sichtlicher Neigung nicht nur für archivalische Zwecke sondern mit Kücksicht auf
die nefricdig\mg geschichtlicher Bcdürfni.sse gefertigt sind. So beispielsweise der von
dem „Prothocol .Augustini Köllners, Hfertzog] Alhrechteu Secretarien, der Acta vnd
verhör auf dem Tag zue Aichach vnd Angspurg 1504“ von S. 27— .31. Noch deut-
licher tritt das lj«i der Behandlung des schon angeführten „ansserhalb der Laden“
des Ka.stens 1 gelagerten Libelles von rl5ß Blättern von Fol. 71 — 70' entgegen; Ist
sin Beschreibung der namhafflisten Geschieht vnd Kriegshaudinng nach Köm. Kön.
Maje.«tat auszgangner A^rtl, vnd wie, auch wohin, vnd welcher ort Hjertzog] Albrecht
mit dem Hündischen Heer vnd Wagenburg im Laudt Obern- vnd Nidern - Bayrn
bey IS Wochen vmbgezogen vnd zue Veldt gelegen ist, auch was sich darzwisclieu
begeben vnd verloffen hat, von 8. Görgeii tag anno 1,504 bis auf den Februar anno
150.5. Arruden batte anfangs diesen Archivalbaud in nicht mehr als 17 Zeilen
ahgefertigt. nnd am Schlüsse bemerkt; Ist das gantz buech nit allaiu lustig, sonder
auch wegen allerlay Missin vnd Geschieht nntzlieb zue lesen. Damit endete auch
die Verzcichnnng des Kastens 1 Lade 1 auf der ursprünglichen S. 74, jetzt Fol. 71.
Mit der folgenden nrsprünglichen S. 75, jetzt Fol. 80, begann die des Kastens 2
mit seinen zwei Laden nnd 5 Imziehungsweise G Libelleu. Zwischen diese Seiten ist
nun nachträglich der sorgfältige Anszug des in Hede .stehenden Libelles auf zweimal
Da* viertte fol. 8b.
Das fSDÜt fol. .SU ilo anno I.MHl bis auf 1.540.
Da* sechste fol. !i;l ile anno I52;t et 1524.
C. ;t, Ilicrinncn Hegen 4 Imden mit Nnm. 1. 2. ;1. 4. bezeichnet.
Die erst hebt an an discni blat de anno 1484 bis auf 1.50b.
Die ander fol, 10.5 anno 1.506.
Die dritte fol. 107 de anno 1.506 bis 1.508.
Die vierdte fol. 108 snno 1.52-5.
C. 4. Hierinn ligen zwo Laden mit Kr. I. 2. beteiclinct.
Die erst bebt an an disem blat de anno 151.3 bis 154».
Die ander fol. 174 de anno 1514 bis 1516.
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229
zwei zusaminengehefleteu eng bcschriebeueu Bogen mit je 50—60 Zeilen auf der
Seite von Arrodcn» ohnehin kleiner aber nicht» desto weniger sehr deutlicher Schrift
eingefhgt worden. Hiebei hat die Paginirung, uni mit der ZShlung der bereit»
fertigen weiteren Arbeit nicht in irgend eine verwirrende Collision zn gerathen, die
Umwandlung in eine Foliirung erfahren , so da.»s — wie erwähnt — die ursprüng-
lichen Seiten 75 — 80 einschliesslich anf Stelle der betreffenden Rasuren jetzt die
Folien 80 — 82 einschliesslich bilden. Bestand nun, wie nicht zu bezweifeln, die
hierauf folgende Lage wieder aus 3 Bogen oder 6 Blättern oder 12 Seiten, so ergibt
sich hiefflr die Paginirung gl — 92 einschliesslich. Und hieran schlieasen sich sodann
ganz natnrgemäss unsere beiden letzten fragen von 8. 93—104 und 105 — 116.
70.
Des Michael Arrodeu
Aufzeichnungen zur baieriscben und pfälzischen Geschichte.
Sie finden sich auf drei am Rücken zusainuiengeklebten in einen neueren
Papierumschlag mit der Aufschrift „Historia Bavarica de anii. 767 bis 1451“ ge-
hefteten Blättern, wovon die Vorderseite des letzten nur mehr bis zu einem V'iertel,
die Rückseite nicht mehr beschrieben ist, im geheimen Hausarchive.
Die Schrift zeigt Arrodens Hand in ihrer ganzen Flüchtigkeit.
Den Anfang bildet die oben in Nuro. 47 unter Lit. b erwähnte Abschrift der
Scheiern-Wittelsbach'schen Geschlechbstafel bis zu mehr als drei Viertheilen der
Vorderseite des zweiten Blattes.
Unmittelbar hieran knüpft sich ein Al>satz mit der Ueberschrifl. : Hie starb
h[erzog] Lndwig der Pfalzgraf zu Haideiberg, vud satzte h[erzog] Fridrich sein brnder
zue aiuem vonnnnder. In der zeit — b^nnt er — alsz man zalt 1449, aiiff mit-
wochen vor Assuinpt. Mar. virg. vnd der was vff aiiien freitag , zue zwolff vhren,
starb h[erzogl Ludwig Pfalzgrsf bey Rhein vnd h(erzog] in B[eyrnJ zue Wormbs
in der tb[nm]bprobstey au dem vszgang oder an dem stnelgang u. s. w.
Der nächste Absatz unter der Ueberschrifl „alsz h[erzog] Fridrich Pfalzgraf
w'ardt“ fangt an: Darnach alsz mau zalt von Christi gepurt 1450, wardt h[erzog|
Fridrich vorgeuant, b[erzog] Ludwigen seligen bruder, ains mit den jungen h[erzog]
Philippen Rathen , da» er solt sein lebtag Pfalzgraf sein vnd alles des gewaltig
sein das ainem Pfalzgrauen zue gehört vnd auch zue gebart, n. s. w.
Dann folgt ein Absatz: Hie wollen etlich fürsten vnd herrn b[erzog| Frid-
richen für khainen Pfalzgrauen han. In dem jar 1451 wollen die vorgenanten, der
bischof von Meintz , h[erzogj Steffau von Beyrn , vnd der Margraf von Baden , vnd
die 2 grauen von Lützelstaln mit allen jhren halltern u. s. w.
1:19} Die Eudworte — in der Verzeielinong des Kastens 2 Lade 2 de anno 1-iÜÖ bis auf 1.507 —
sind da: Abtrett vnd Anfsag brieff ieden Ücekben loeediickben. die thailnng des [Pnlners].
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230
Nun Hilirt uns unter der Uebersehrift „Das sindt die herrii vnd fürsteu die
*u Sjieir rif dem Tag waren“ ein längerer Alisehnitt die lä Fürsten, 26 Grafen,
20 Freien, 62 Kitter vor, die den Keichstag Speier am Tage von Maria Hiuimel-
falirt des Jahres 1451 besuchten.
’ Den Schluss endlich bildet der Altsatz; alsz — nämlich im Jahre 1452 —
Lntzelatain gewonnen wardt, vnd die Grafen vertriben von hferzog] Fridrichen.
Mau wird hiebei unwillkürlich an den Anonymus .Spirensis zur Geschichte des
Kurftlrsleu Friedrichs des Siegreichen erinnert.
71.
Des Hermann W i t e k i n d
Geuoalogia vmid Herkommen der t'hiirfurstcn, auch Plaltzgranen bey Rhein, von
Otten von Wittelspach, welcher vor vierhundertt .Jahren gelebt, bisz v ff jetzt
regierenden Plältzgralf Friederichen den vierttenn dieses Namens , mit Vorzeigung
kürtzlich eines .Jeden L<>benB.
Diesen Titel führt eine aus drei Lagen von je vier Hogen in Ijnart Ijesteheude
Handschrift des geheimen Hausarchives aus dem letzten Jahrzehent des 10. Jahrhun-
derts. Unter dem Titel selbst ist das zierlich in Farben ausgeführte Wappen von
Uaiern- Pfalz uufgeklebl. Auf der Vorderseite des Umschlage.s von grauem Fliess-
papier, in welchen die drei Lagen geheftet sind, steht von einer gleichzeitigen Hand,
welche auch zahlreiche kleine Bemerkungen an den Hand gesetzt hat : tienealfigia
de.sz Chnrfiirstl. Pfalz stammen.
Sie beginnt damit, dass „Keiser Heinrich, genant Auceps“ zwei täöhne liinter-
lasseu, von welchen Otto nach des Vatera Tode den Kaiserthron bestieg, während
zum Bchiife der standesgemässen Versorgung Heinrichs „die rechten Hertzogeu in
Bayern verstcisaen“ wurden, .\rnnlf und Hermann, des Herzogs Arnulf Söhne, welche
die Grafschaft Scheiern im Herzogthum Baiern erhielten und sich hienach Grafen
von Scheiern schreiben mussten, bis Kai.ser Friedrich der Hothlmrt dem Grafen zu
Scheiern Otto von Wittelsbuch „wegen seiner manlichen thaten vnd wollmittens nn
seinem hoff das bertzogthumb Beyern, welches seiner vorältern gewesen, wieder ein-
geruumbt“ hat.
Im weiteren Verlaufe wird ansschlie.sslich die l’falz berührt, und zwar schim-
mert aller Orten ein tmversöhnlicher Hass gegen das Pabstthuni ““j dnreh, wie anch
140) Bei der Besprockang de* Interre^ums vor der Wahl des Rndolf von Halreburg heisst es:
Za dieser Zeit stundts gar vbel ini Reich von wegen der Wahl eines Kejsers, deren sich die Fürsten
nicht vergleichen kmidten in 17 Jahren: za welcher Vneiaigkeit daaa die Bäpst, ihrem Braach
nach, weidlich hoHfea.
Nach der Absetzung des „vnnQtzcn“ Kaisers Wenzel lesen wir: Da wchlten sie — die Kar-
fürsten — Friftlericben, ein Hertzogen von Braanschweig, welcher in Heimreisen vff der Wag bei
Fiirstlcr verrhitcrisch vnd mSrderisch erschlagen war von einem Orafen von Waideckh durch AnztieiT*
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231
die Sprache im nbrigen höchst unimiwumleu und theilweise sehr derb '**) ist. Mit-
unter sind soud€r1)are Auecdoten ***) eingemischt.
Der Verfasser unseres Werkes ist nicht genannt. Doch ergibt sich ans der
Vergleichung verschiedener Stellen welche Daniel Parens in seiner Historia bavarico-
palatina aus der von ihm benützten handschriftlichen pfälzischen Geschickte des
Hermann Witekind anfuhrt, dass bei der vorliegenden Arbeit nicht wohl an
eine andere Schrift gedacht werden kann.
tou^ den BischolTs zae Maintz, welcher war ein GrafT von Naasaw, mit Namen Adolff, welcher« mit
dem abffesetzten Keyser hieitt, aun anatifftoug dcsz BapaU. Es Ut khein SchelmenatQekli so gross
oder klein, wie Zusehen, da der tenfTelische Bapst nicht zagebolffen.
141) Bei Gelegenheit der Erwähnung des Grabes des Kurfürsten Rudolf II und seiner zweiten
Gemahlin Margarethe „zue Neustatt in Marien Kirchen, die er gebawet, darin noch ihm sein Bruder
Ruprecht ein Canonicat angericbt hatt*' heisst es: Die grobe Esel vnd faul fresssende Canoniej (Hier
l'fafien haben uit geilacht oder geacht, dasz sie zue RudoUfs oder zu seiner Gemal bildern, die vif
jhrem Grab erhaben ligen, hetten jhre Namen verzeichnen lassen, vnd dass sie ihres Abschiedts
gedacht, jedcwh weUiz man wo], dasz er gestorben im Jahr fld&3] 1351.
Gleich darauf lesen wir bei Rudolfs II älterem Bruder : Adolif ligt zue Schönau. Weise nit,
ob seines Grabs anieiguog vorhanden seye. Alsz ich da bin gewesen, wasz es zum tbeil zerbrochen,
stunde ein krippen druff, daraus! ein Pferdt asz vnd sein stall da batt. waren andere gräl>er also
von den Welschen, die solcbs Closter jetzo inhaben, beschissen, dass einer mit einem feurhackhen nit
bett können auf den grnndt khommen. Bescheisaen also landt vnd leuth, lebendig und todt, die
gutten verjagten Christen. Es ist nicht fein, dasz die herm ihrer Vorfahren Monninenta vnd Begrab-
nassen so lassen verwüsten vnd abgebo. weiten sie doch nicht, dasz solches hemachmals den ihren
geschehe, die sie jetzo so köstlich lassen xuriehten. quod tibi non vis lieri, alteri ne feecris. monu-
meuia sunt sacia, etiam apud eihnicos et barbaros.
Bald nachher stossen wir unter Ruprecht dem Jungen, dem Stifter der Universität Heidelberg,
auf folgende fär Kaiser Karl IV nicht sehr schmeichelhafte Stelle: durch ihn sein etliche zöR am
Rhein an die Waltz khommen, die er vriedder andere Churfürsten vom Keyser Carlen geschenckbt
naro; der iein Adler diese groetse fedder auszropfft, entblusset, andere damit bekleidet, ein Mehrer
seines vnnd nicht desz römischen oder teutseben Reichs: auf dasz sie ihm seinen Sohn Wenzeszlaum
zum römischen König möchten, den sie darnach seiner Vntäglichkeit halben musten wieder absetzen.
142} Wie etwa von dem Gewände, welches Kurfürst Friedrich der Siegreiche von seinem Freunde,
dem Henoge Karl von Burgund, erhielt:
Dieser Carl schencklit ihm ein köstlich doch vnformlichs Kleidt. dasz verhiesz er ihm zntragon,
wie ein herr dem andern offt zu gefallen narren muss, das Kleidt war sehr kurti, nach der Burgun-
der damals brauch, dass es ihm die bufft vtmd latz nicht bedeckbt, welches dem «hmhafften dapffern
berrn ein vbclatehendt vnd scfaAndtlich geberdt daucht sein, druga derw^ggn ein braidte Tasch, den
latz damit zu bedeckhen. vf dasz aber die hoffjuiickhern vnd diener nicht nach thetten, auch so kurtz
rockb trügen, wie sie dan pflegen ihren herren nachznfolgen, kleidt er seinen Hoffnarren auch so knrtz
vnd gleich, weil aber der Karr keine däsch hat, hielt er beide Hand vor den latz, ihn damit zu
bedeckhen. hieransz siebet inan, wie ein ehrlicher züchtiger herr Pfaltzgralf Friedericb gewesen, der
wiedder seinen willen solch Kleidt trug, sich in dem einem narren gleich erkhant.
143) Es sei hier nur gegenüber dem zweiten Absätze der Note 141 an den vorletzten Absatz der
Note des Daniel Pareus zum Kurfürsten Adolf S. 16ö erinnert:
Seboenaniae terrae Hiatus est, poeito monumeuto, qnod sibi adhuc visum s(uibit Witckindus,
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23-2
Georg Christian Joanuis fflhrt in der Vorrede zu seiner Ausgabe der erwähnten
Geschichte des Daniel Paren» S. 2G unter Ziff, 5 an : Hermanni Witechindi historia
de Palatinis, sine kurt/e historische Beschreibung der hochloeblichen Churflirsten
bey lUiein herkomcn gebart vnd folge nacheinander, Breuis lihcllns — bemerkt er
hiezrr — et vix quincjue plagnlarum. Auctor in Westphalis Nienrodii, tloinitatns
Marcaui oppidulo, natus, postqunni Kiga in Palatinatum Hbenanum delatus est,
primniu Ileidelbergae in collegio cui a sapieutia uonien est docuit; post in acaderaia
linguae graecae et deinde niatheniatnm egit Professoreni. Anno MDLXIX, uti apud
Tolnernm in cod. diploin. Pal. pag. 1.H2 videre est, Hectoris fnnrtus est ninnere; et
tandem, rnde donatns, obiit a. d. VII Jd. Febr. anni MDClIl. \'id. Adaini in vit.
Philosophor. pag, 210. Fechtins in tab. chronolog. epist. Marbach, subiunctis. Fertnr,
nt Georgius Tolmidas in praef. historiae snae Palatinae annotat, ne typia diunlgare-
tiir prohibitum fuisse. Manndescriptus hic illic in bibliothecis hitet, vti qnidein tum
cl. Miegio tum ICto {terquain celebri et hi.storiarum in inclita Giessena P. P. Imma-
nuoli Webero ese scio. Incipit ab Othone AVittelspachio, et desinit in .Toaune
Casimiro.
Der Vergleich mit den „Duces Bavariac“ des Cod. buv. 2848 der Hol- und
Stnatsbihliothek , auf dem Dmschlagblatte von einer Hand des vorigen Jahrhnndert.s
anch dem Hermann Wittekind“*) zugeeiguct, führt zu dem Krgebnisse. dass unsere
Handschritt als eine verbesserte Bearbeitung de.s früheren Entwurfes, der alxschrifllich
im berührten Cod. bav. 2848 erhalten ist, erscheint. Dieser beginnt ohne den hlin-
gangsabsatz unseres Textes sogleich mit Herzog Otto von Wittelsbach, und schliesst
bereits in der Erwähnung des Johann Kasimir, in Spalte 1 gegeuril>er der Ausführung
in der Handschrift des geheimen Hausarcliives in Spalte 2 :
Dieszer Herzog Johann Casimir, Pfaltz- Dieszer Johann Casimir, Pfaltzgratf,
graff, ChurfUnsten |Friedrich.s] Sohn nndt Churfurstcn [FriedrichsJ Sohn vnd |Lud-
[Lndwigs] Bruder, regieret jetz die Chur- wigs] bruder, regiert die Churfdrstlich
fürstliche Pfaltz alsz ein Vormünder Pfaltz al.sz ein Vormundt seines bruders
seines Brndern vnmündigen Sohnes Frie- sohn, welcher noch vnmUndig war, bis
derich. Mit wasz lleisz vudl trew Er jn dasz ueundte Jahr,
solche Vormundtschalff verrichtet, so
licet aliqnain paricm dirutnm, et — quod merito iralignatar — pmesepi, ad qaod eqnus steterit,
iiiipoaito tenu-ratuui. Hist. Falat. Macr. pag. 18.
144) Hcraiaauas Wattekindua — liciisst es auf der BSckseitc dactaelbst — Imt diesen knrtien
Ansaug der Pfälta. Historie zum Unterricht Charf. Frid. !V in desselben Jüngern Jahren in teutscber
sprach verfertigt. Charf. Friciler. V hat selbigen in die fraiitzuaische , und desselben ältester 102U
so nnglQcklicher weisz ertrmikene Frintz Friderich Henric. in die Isteinischs s|irach übersetzt vnd bisz
auf Churf. Frid. V continuirt. Vide die Dedic. diese letztem Frintzen von seiner Frosapia Natalibns
et Serie Klectomm Falatinoruui etc. in van Bjler Iiibellormn rariorum i«rtim e<litonira partim ineditomm
fascicnlo 1 jag. UIU.
van Byler hat diese Frosapiam ans des Frintzen eigner HandsehriS't Iierausgegehen. Vide dessen
Fraefation pag, lü.
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233
wohl wasz die Institution rndt Zucht
seines rfle^^ohns alsz die Kegieruug
Todt Hauszhaltung anlanget, dasz ist
ftlr äugen, Tudt wirdts sein PHegsohn
nachmals empfinden rndt erkennen, rndt
ihm seinem liel^eii Herrn Vettern darfUr
dancken.
Von welches ChurfUrsten Tugenteu
vndt thaten, die verfolgte Christen wie-
der die Tyrannen zn schützen, auch
desz reichsz wohlstaudt zu verfechten
vndt zn erhalten, wirdt heruachmahls
vndt zu seiuer Zeit geschrieben werden.
•letz wünsche ich Ihm ein langes leben
in gesundtheit vndt wohlfarth sampl
seinem Khegeraahl fruweu Elissabeth,
ChnrtUrstens zu Sachszen Augnsti toch-
ter, vndt Friederichen dem jungen Herrn,
dass er wachsze vndt gedeye zu einem
solchen Herrn vndt Kegenteu der zu
solcher Zeit den landen wohl furstehe,
Gottes ehr, der vnderthann Heil vndt
bests, wie sich dann seinem berufi' arapt
vndt standt für allen dingen gebühren
wird, suche vndt (ordere.
abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wi«. XV. Bd. 1 Abtb
Von dieszes Fürsten Tugendten vund
Thateun wer vil zn sagen , welcher
vuuerdrossen verfolgte Christen wieder
die Tyranuej zu schfitzenn , auch desz
Reichs wohlstandt znuerfechten vnd zu-
erhalltenu sich alzeit befiissenn.
Ist in seiuer Jugendt in König Carl
desz Xeundten in Franckhreich hoff ge-
we.szenn , die frantzüsische sprach artig
vnd wohl geköudt. Lateinisch mehr ver-
staudenn alsz können redeun. jst zwey-
nial mit einer groszen auzahl kriegs-
volckb Teutschen zu Rosz rnnd fuesz
jn Franckhreich gewesenn. hat den ersten
Zug getimn jm Jahr 15GT, die Condi-
scbenn vnnd Euangeli.schen wieilder desz
Bapsts Tyranuej zu scbflb.eu ; jst jbm
glückblich abgangen. Den andern im
Jahr 74: thett mit König Heinrich ein
Treflenn den 2. Febrnarij, schiegt jhm
viel voickbs ab , erlegt etliche fahnen
Italianer, erobert ein gro.ize beutth,
du
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234
welche der Bapst dem Küiii(( /.iischickhen
wollt. Hackht darnach fort, nam Orliens
ein vnd andere Statt n. e. w.
Die Fortsetzung in ilicser Handschrift dea geheimen Hausarchivea reicht bis
über den Tod dea .lohann Kasimir am 6 Jänner 1592 in die Regierung dea Kur-
fürsten Friedrich IV, und achliesst: Ist Churftlrst Friederich geboren im Jahr 1574
den 5. Martij. Ist vonn seinem AUvatter Hertzog Frietlerichen aus* der Thauff ge-
hobenn etc. Ist ein frischer gesundter Herr, gantz vnruhig, kann nit rüwig sein,
musz etwas zu handttierenn habenn, jst frön vnnd spat anff, in Religionssachenn
eyfferig, besucht die kirchenn vleiszig mit seinem Hoffgesindt, dnlt kheinenn zu hoff,
es seyen koch. Kecker, oder sonst Diener, müssenn den Oatechisninm vnnd fnndament
christlicher Religion lehrenn : welchem der .\llmechtige ein glückselig laugwirige
Regierung verleihe!
Von anderer Hand ist hiezu mit blässerer Tinte noch heigesetzt: Ist den 19.
T"'' anno IfilO todls verschieden.
Eine Abschrift dieses Mannscriptes aus dem vorigen Jahrh. enthält der aus
der pfälzischen Bibliothek von Mannheim slainmende Cod. bav. 1016 der Hof- und
Staatsbibliothek von Fol. 1 — 26.
72.
Des Christof (iewold
baierische Genealogie,
theilweise in der eigenen Aufzeichnung des Verfassers, theilweise in einer Reinschrift
mit seinen auf den Druck des Werkes bezüglichen Bemerkungen, an zwei gesonderten -
Orten im geheimen Hausarchive, nämlich lose von seiner Haud die Generationen 18
und 19 wie 21 — 28 einschliesslich auf einem oben beschnittenen Blatte und drei
Bogen in Polio, sodann in einem in hellblaues Papier brochirten und mit der Auf-
schrift ,, Fragmenten von Copial - Büchern“ versehenen Foliobande zunächst die
berührte Reinschrift mit den Drnckivcinerknngen auf einem ifuaterne in Quart,
nämlich von der Vorrede“*} mit dem einleitenden Absätze über Kaiser Kurl den
Grossen und von den Generationen 1 , eben mit Karls des Grossen Sohn Pipin
beginnend, bis l(i einschliesslich wie von 17 bis zum Beginne von Ottos des Erlauchten
14-">) SEKEN18SIMORUM BAIOAIiUE »UCL'M — lautet aie - KT t’OMITU.M PAl.iTINO-
RUM RHENI auctorem atque primum rooditorein , au|>ervacancuni rati vlUriui progreJi, conatitniinas
CAROLU.M magnum: nnn qnuleni lecumluin coinmuoein plurimorum errotem rel ad ini]i,'ratores
I.udonicnm pium et d>'iiieeps ad Arnolphum, quem patreui spurij fabniantnr comitis Arnutplii, patris
l««poIdi, Tel ad Hugoiiein quendam descendeDtea, cuini fuerit tUina beupoldua ille dux. ab iraperatore
I.udouico IV illustiis coincs propinqaua «uua dilectua apiwllatus, id quod et veritati hiatoriarum et
4-hronologiae annorumque snpputationi muaifeste aduersari dignoaeitur, sed ea gencrationuiii Serie
qaemadniodum suis locit Infra patebit.
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23i'.
zweitem Sohre Heinrich, dami anf drei beechriebenen Blättern in Folio die eigene
Anfeeiclinuug der Generationen 14 — 17 einschliesslich und 20.
Sie .steht in diesen beiden Bestandtheilen in Debereinstimmung mit dem Texte
der zn Augsburg im .Tahre 1605 in Folio im Umcke erschienenen, dem Herzoge
Maximilian I von dem Kupferstecher Dominicus Cnstos gewidmeten und mit einer
stattlichen Reihe von Abbildungen der baierischen Herrscher in Kupferstichen des
Wolfgang Kilian zn Augsburg gezierten Genealogia serenissimorum Boiariae ducnm
et i|Uoruodam genuinae effigies, in deren Vorrede ,, (Christoph. Gewaldus, utr. jur.
doct. sereniss. Boiar. duc. a conailiis et secretis“ dem Leser bemerkt, dass er novam
et paene uemini frequentatam hacteuus viani betreten.
Sie schliesst hieuach mit der Heirat des Herzogs Maximilian I. mit Elisabeth
von Lothringpn im Februar des Jahres 1.59.5.
Vgl. auch noch die Num. 7.5 und 74, wie 87.
73.
Des Christof Gewold
baierische Genealogie,
mit mehrfacbeu Veränderungen gegenüber iler eben behandelten Num. 72.
Sie findet sich im geheimen Hausarchive auf einer Lage von 5 und einer von
4 Bogen in Folio, wovon das Schlussblatt fehlt und das vorletzte beziehungsweise
jetzt letzte nicht mehr beschrieben ist, in schöner Reinschrift des Verfassers.
Bie l>egiuut ohne die in der unter Num. 72 berührten .Augsburger Druckaus-
gabe vom Jahre 160.5 au die Spitze gestellte Vorrede des Christof Gewold sogleich
mit der Einleitung zum Werke selbst: Serenissimorum Bavariae ducum et comitum
pslatinurnm Rheni antorem atque primum conditorem , supervacaneum rati niterius
progredi, constituimus Carolnm magnnm; nou i|uidem secundum commuuem plurimorum
errorem rel ad Imperntores Ludovicum Pium et deiuceps ad Arnnlphnm n. s. w.
Im grossen Ganzen stimmt die Reihenfolge der Generationen zusammen , und
sie reicht auch bis zu der Schlussbemcrknng unter Herzog Maximilian I, dass die
Hochzeit mit Elisabeth von Lothringen im Februar des Jahres5l595 gefeiert
worden. '
Im einzelnen fehlt es nicht da und dort an kleineren wie grösseren Verschie-
denheiten. So hauptsächlich bei den Generationen 9—11.'**) In der zwölften fehlt
Uti) Diese haben hier foI(rcisie Fassung:
Geoeratiu IX.
Bvrclitoldus cornes schirensis et palatinns Bauariac, Arnolpbt filius, oecubait in Calabria contra
Sariicenos a. Cb. O1XX0II. rclicto post se (itio Babonc.
Aiij alios qnoqnc bnins fiiios coinmemoraat, de quibus nondoin satis coastat.
:i0*
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236
»m Anfänge der ^alz der Drnckanegahe: adrneatns eccleaiae friaingenais sub Eleandro
epiacopo. In der nennzehnten, Lndwig dem Baier, findet aich noch zwiachen der
Wahl znm Kaiser und dem Tode die Anführung; fundauit et regaliter ditanit
monaaterinm Eetaal , and zwischen dem Todesjahre 1347 und der Aufzählnng der
Oemahlineu: mnlta perpesans ab aduersarija immeritua.
74.
Des Christof Uewold
baieri.sche Genealogie mit einem .Anhänge von ^itammtafeln.
a.
In der ersten Abtbeilnug S. HO — 54 ist eines Sammelbandea des geheimen
Hansarchives in tjuart gedacht worden , von welchem dort geäusaert ist , dass sein
Inhalt zwar gegenüber dem der beiden daselbst vorher behandelten Volianten nur
als dürftig zu bezeichnen sei, dass er aber demnngeachtet manches biete, was der
Beachtung nicht ganz unwertb ist. Es bezieht aich diese letztere Behauptung aut
die Vorarbeiten des Christof Gewold hanptsächlich zu seiner baieriscben Genealogie.
Wie nämlich der am berührten Orte S. 39 — 50 besprochene Sammetband einen tiefen
Blick in Aventins W'erkstätte erlaubt , so führt uns der in Rede stehende Guartant
in eine grosse Menge von .Aufzeichnungen unseres Gewold. Man vergleiche beiapiels-
wei.se nur die nnter den Buchstaben b bis e einschliesslich, g, h aufgezählten, unter
i und k jedenfalls wenigstens theilweise. Sie stehen im engsten Znsammenhange
mit genealogischen und heraldisch-.sphragistischen Studien, und sind zum Theile fllr
die Vervollständigung der einschlagenden Arbeiten des Dr. Wigulens Ilnndt ange-
legt , wie ja auch einmal geradewegs — vgl. oben Nnm. 9 — gewissermasseu als
Um.scblagsbemerkung zu lesen: ad continnaudnin Hundinm.
Aber auch ein vollständiges Exemplar der Itaieriscben Genealogie von des
V'erfassers Hand findet sich in diesem Hammelbaude von I'ol. 276 beziehungsweise
«päter 122 an auf zwei Lagen von Je 4 Bogen, wovon das letzte Blatt aber — wie
am angeführten Orte bemerkt wurde — mit anderen Gegenständen beschrieben ist
(ioneratio X.
Babo, Berebtolüi filius, Schiroram romes ct palatiuQB BaaBriar, binorum filioruni pater,
o Otfaonis 1 et
Babonis II, qui propter UDmet<»ani tobolem ab bistoricis celebratos, initinm deJit comilibu in
Abnsper^, Rhor, Handeck, et Rietenburg.
Generatio XI.
Otbo I, Babonis I filiiis, Bcbirensis princepi. palatinus Banariae, aepaltna Friaingae.
Habnit nxorem Julatn comitiasam a Nassau, quae fecit i|»uin patrem
Otboni.s II,
Ämo1ph^ conditoris comitum in Daebauu et Pbatai,
Kcrardi I, qni in itinere palaestino interiit a. Cbr. M bXIlI,
et Vlrici.
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237
Das Werk behandelt seinen Gegenstand in 28 Generationen bis auf Maxi-
milian I. nnd seine Gemahlin Elisabeth von Lothringen: nuptiae celebratae 15!)5
menae februario.
Es stimmt im grossen Ganzen zu der eben behandelten Num. 73, insbesondere
in den daselbst im letzten Absätze mit der Note 14fi berührten Punkten.
Unmittelbar daran schlieast sich auf der nächsten Seite unter der Ueberschrift
„Seqnitnr tabula genealogica“ die Stammtafeldarstellnng von König Pipin und seiner
Gemahlin Bertrada bis Bernhard und seinen Sohn Arnnlph, der im Jahre SOI contra
Normanuos fortiter dimicans occubnit, nnd dann von Luithbaldns sive Leopoldus
an herab bis auf Maximilian I.
b)
Unabhängig hievon sind Aufeeichnnngen von der Hand des Christof Gewold
anf zwei Bogen, die in Folioformat zusammengelegt sind, gleichfalls im geheimen
Hausarchive.
Wie mau aus ihrer Biegung ersieht, waren sie anfänglich zwar auch für
Quartformat bestimmt. Es ist auch auf etwa zwei Ürittheilen einer solchen halben
Folio- oder einer Quartseite die vorhin in der Note 14.5 der Nnm. 72 berührte
Vorrede zur baierischen Genealogie gescbrieben. Da aber die vierte Seite des Bogens
— die lieiden mittleren sind leer — wie auch der zweite Bogen für Stammtafeln
verwendet ist, die sich in die Breite erstrecken, reichte das Quartformat nicht ans.
Die erste dieser Stammtafeln füllt von unten nach oben die erste und vierte
Seite des zweiten Bogens, dessen Mittelseiten wieder leer sind. Sie beginnt mit
Karl dem Grossen, nnd reicht bis zn den Kindern des im Jahre 114(> verstorbene»
Grafen Otto IV von Wittelsbach.
Bei des.sen Sohn Otto V, dem ersten wittelsbachisclien Herzoge von Baiern,
findet sich ein Verweisnngszcichen, welches nns auf dem schon besprochenen anderen
Bogen wieder begegnet, woselbst sich von ihm an der Stammbanm bis zn den Kin-
dern Ludwigs des Strengen nnd Heinrichs von Niederbaiern fortsetzt, welch letztere Linie
ja im Jahre 1340 ohnehin ansstarb. Hiemit ist die Seite gefüllt. Rin Weiterführen
in die anstossende Anssenseite des Bogens war aller nicht möglich , du auf ihr —
wie bereits liemerkt — die Vorrede zur baierischen Genealogie geschrieben ist. Es
stebt daher im pfälzischen Zweige bei dem im Jahre 1.319 verstorbenen Kurfürsten
Rudolf: de his alias. Die Nachkommeuschafl seines Bruders dagegen, Ludwigs des
Baiers, sollte ohne Zweifel auch besonders behandelt werden, wie ja in a wirklich
der Fall ist. Ob etwa noch weitere hierauf bezügliche Bogen vorhanden gewesen,
wir wissen es nicht.
75.
Kurze Geschichte der Kurpfalz
von — Herzog Otto I von Scheiern- Wittelsbach, beziehungsweise seinem Bohne —
Lndwig dem Kelheimer, bei welchem die Erznhinng von der Jägersnppe der Lndomilla
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2»a
Platz gefunden, bis zum Tode des Kurfürsten Ottbeinricb im Jalire 1Ö59: also ist
die cimriini erloschen, vnd damit ist die Chur uff atepbans, Riiperti römischen konigs
Sohn, gefallen: und wurde Fridericus III zu Simeru churfflrst.
aie findet sich, ziemlich Rnchtig geschrieben und mit Tielfacheu Veränderungen
und Verbesserungen des Verfassers selbst im Texte wie am Rande versehen, im
geheimen Ilausirchive auf zwei l>ageu von je 4 Bogen in Folio, welche in einem
den Umschlag bildenden Bogen liegen, dessen erste Seite nur die Aufschrift „Otto
Pfaltzgraff" bat, wozu später „et Siiccessores" gesetzt ist, während von dem letzten
Blatte nur mehr die erste Seite bis zu dem schon bemerkten Schlüsse beschrie-
ben ist.
Die Gcrwhtsameu der Kui-pfalz werden darin in ganz besonderer Betonung
hervorgehobeu, und Baiern gegenüber macht sich bei der Berührung der Beseitigung
der Bestimmungen des Vertrages von Pavia vom .lahre 1329 bezüglich des Wechsels
der baierischen und der plalzischen Linie des wittelsbachischen Hauses in der Aus-
übung des Stimmrechtes bei der Kaiserwahl beispielsweise durch die goldene Bulle
Karls IV wie durch die zwei sogenannten Sigismund'schen goldenen Bullen vom
Jahre 1434,'**) wovon es ausdrücklich heisst, dass sie ,aille drey, in originali vor-
handen, uiehrern inhalts zu verleszen“ seien, ganz entschieden eine gewisse Behag-
lichkeit bemerkbar.
Vielleicht liegt es bei dem Ganzen nicht zu ferne, daran zu denken, dass man
es mit einer Arbeit zu thun habe, welche für eine ganz bestimmte im 17. .Jahrhun-
derte — es wird bei Friedrich dem ,‘^iegreicheu auf Maripiard Frehers Buch de rebus
gestis Friderici I electoris verwiesen — abgefnaste Rechtsaustührnng nur in Kürze
die Hau|>tzüge der kurpfalzischen Geschichte zusammenfassen wollte.
76.
Des Firnsmus Fend
Verzaichnns etlicher Sachen dauon den h[errnj Chamer-Rätheu auzaigen zethiien , so
maistthnils durch weilend herzog Ludwigen etc. gehandelt worden sind.
Fla füllen diese — hier als Beispiel einer Reihe ähnlicher .Arlieiten des 16. wie 17.
Jahrhunderts eingesrhobnen — Nachrichten über baierisebe Orte und Güter in versebie-
deneii Gerichten, samnit einem kurzen Verzeichnisse von Adeligen welche ans Gnade
147) Also ist durch obige guideite ball, kaiser- und kbitigliche, auch der .i ('burfürsten decieta
erkantnuszen and iirtheilen der altvätterticber pavijscber Vertrag de anno so viel derselbige
die Chur und Wahl eines rvmisefaen Königs iretrifft, ganz aberkant eaasirt und annulirt wurden.
I4sj rinrch diese kaiser- und koniglicb gülden bnll und chnrfarstliclie decrota wird der alt-
vatterliclie Vertrag von Pavia, so derselbe der Cimr halben vermeintlich ntfgericht und nie in sein
KrRfften und wSrekliehkeit gangen, abermahl aherkint oassirt annullirt nnd verniebtigt.
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23!)
und auf Widerruf die Jagdbarkeit besassen, vier zusammengeheftete Bogen in Folio,
woTon die letzte Seite leer ist, von der Haiid des Archivars Erasmus Fend.
Am oberen Rande der ersten Seite hat er bemerkt; Dauon hab ich den h[errn]
Chamer-Räthen abschrifft zuegestelt den 12 Septembris anno etc. 58.
Die Änfeeichnungen beginnen mit Holzhausen, Türebing, Redenfelden and
•\hamstein, sämmtlich im Gerichte Aibling, Keu-Chieming im Gerichte Marqnardstein,
und schliessen mit Schildberg.
Der grössere Tbeil — mit Ausnahme der ersten 7 und der letzten — sind
„ans der neueren liandtshutischen Kegistratnr von auuo etc. .37 aufahend“ and „ans
Kuelaud khlainer Registratur“ eben von Landshat “®) gezogen.
77.
De.s Johann Wämpl
Abriss der baierischeu Geschichte von Otto von Wittelsbach bis zur Mitte des
17. Jahrhunderts.
a)
Er führt in dem in der ersten Abtheilnng S. 36'.37 berührten Sammelbande
des geheimen Hausarchives Fol. 5 — 28 die Ueberschrift: Wie dasz I.andt Bayni
vor alters ein Königreich gewest, hernach zu einem Herzogthumb gemacht, vnnd
von Zeit des Ottonis Wittelspachij mit den abthaillangen auf begebente fäll gehalten ;
aber entliehen die priniogenitur eingeführt worden.
14!») Di««c letitere, an« (I itt*smmengeheft«ten Bnceii in Folio be,«U1ienJ, wovon da« leUto Blatt
nicht, von dem vorletzten nnr die Vorderseite beschrieben, ist der Arbeit de« Krasmos Fend an-
l^ebeftet.
Die Vorderseite des Umschla^biattes liat oben die Anfsehrirt; Memorial, aosz etlichen Eegi*
Stratum zu l.anndshaet durch den Kuelanndt secretary daselbs gezogen, welches er mir l>r. Hvnnd,
iletselben zeit Cnnniler, an die berm Chamer-Räth ze|iringen haben, wie dünn von mir beschchen etc.
Dannter steht von der Hand des Erasmns Fend die Nota: Diecr Itegi.«tratur hab ich souil
die freyheiten vnd begnadnngen anf widermlTen belanget, dauon vnsers gnäd. försten vnd herrn
Chamergnet khQnfftiger zeit Interesse haben möge, aineu auszog den h[errn] Chamer-Küthen .«ambt
merer veriaichnus vbergeben im herbst des .v8 Jars.
An der Spitze des Testes von Fol. 1 — 10 findet sich die Ueberschritt ; Hierjnn verzaichnet
ettlicb briefHich vrkhunden vnnd sebrifTten so bey der Cannzley alhie zu Lanndshuet vnnd jn den
casten die im Lebenstnbl sein ligen, welche die fürsten von Bayrn sonndcrlich betreffen, auch mit
sleiaz aufzeheken sindt, durch mich Ruelanndt dutchiuecht vnnd verzaichnet anno dominj DI-'iO.
Nach Fol. IG ist ein besonderer Bogen eingebeftet, dessen Inhalt sich aus der Bemerkung auf
der Rückseite ergibt : Mein Ruelannds verzaichnusz eftlich brieflich vrkhunden vnd schrifften, so von
der fürstlichen Cantzley zu Tzinndsbuet geen München auf erfordern — nämlich vom ;t März l.b.“»4 —
geschickht sind worden.
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240
Dn». Werk seihst beginnt: Ubwollcn Carolus Maj^uus, römischer Kayser viiud
auch Köuig in Franekhreich , welcher Thessalunem et Theudonem anno 788 aiisz
Bayru wejfen jrer rebelliun verstosseu , sich König zu Ilayrn genannt, s'uud alsz er
die Hmnien rnnd Auarm ausz i’annonia ii. s. w. bis: solches herzogthumb Hayrn
dem Ottoni Grauen zu Scheuru vnnd Wittelspach anno 1180 verlieben, der es daun
(iedoch, wie gedacht, mit Zurückhbleibung Paniinniae vnnd raehrer Orthen) auf den
rechten liluetstammen Carolj Magni widerumb gebrikcht hat, ut pulchre describitur
in scripto (iiiodani vom Vorzug desz huiisz Baym gegen Oesaterreich Lad. 207.
Nach Erwähnung der ersten Wittelsbacher Herzoge und der Theilung des
Landes im Jahre 1250 wird zunächst Niederbaiern .abgehaudelt , und folgen dann
die llbrigen ans den verschiedenen weiteren Theilungen hervorgegaugenen Linien
bis zum .Aussterlieu iler von Nierlerbaieru-Laudshnt und dem bekannten Erbfolgekriege,
au dessen Schluss auf Pol. 13' auf die bereits olieu aufgezählt« Num. 3.3 verwiesen
ist: wie hernach ex Summa actorum vnnd beygelegtem Cölliiischen Sprach mit
mehren zu vernemmen. Doch ist von solchem des H[erzogen| Georgen Lanndt auch
tails dem Kayszer Maximilian, dennen von Nürnberg, dem Eitel Priderich Grauen
von Zollern, vnnd andern in recompensam der dem Herzt>gen .\lbrecht gelaisten
Kriegshilff /.nekoinmen. Alles nach Inhalt der verhandtnen acten, wuruiin ich einen
kurzen extract gemacht vnnd alda infra fol. 30 neben dem Compromi.sz - sprach
selbst beizusezen für gnet befunden.
Nun folgt von Pol. 14 an die „erste Eintiehrung de.s Primogenitur Rechts“
und der weitere Verlauf mit einer nicht zu verkennenden Berücksichtigung der
gräflich Wartenlkcrg'schen Linie bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts.
Bei den wichtigeren Archivalien, welche zur Erwähnung gelangen, sind die
Lagerorte gleich am linken Rande uugemerkt.
b.
Ohne .Angabe des Verfassers findet sich eine Abschrift dieser Arbeit mit
Abänderungen und theilweisc mit Ergänzungen von dem Salzburger Erzbischöfe
Herzog Ernst an auch im geheimen Staatstirchive auf zwei zusammengehefteteu Lagen
von je 6 Bogen oder 24 Blättern, halbbrüchig geschrieben.
Die Ueljersehrift lautet da: Wie das Landt Bayrn vnd die Pfalz von Zeit des
Grau Ottens von Seheurn bis dato von ainem Pürsten auf den andern gefahlen, vnd
wie es vnder solcher Zeit abgethailt worden.
Der erste Absatz zeigt sodann folgende gekürzte Passung: Es ist erstlicben
bekhant, was gestalt Kayser Priderich der erst nach der AchLs-erkhleruug des
Henrici dem Graf Otten von Schenren vnd Witlspach das Land Bayrn anno 1180
verliehen, vnd dardurch auf den rechten Bluetstamb des Karoli Magni solches widernmb
gebracht bat.
Dann herrscht im ganzen Einklang mit der Lit. a bis in die Zeit des Herzogs
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241
Ferdioaml, des GrOnders der Warteiiberj»'schen Linie, dort Fol. LS', liier am Schlüsse
der ersten I>age auf Fol. 12'.
Die zweite Lage sodann befasst sich weiter ausschliesslich mit der Behandlung
der Ansprüche dieses Geschlechtes.
Ausführliche Behandlung findet zunächst „die frag, ob Ihr (.'hurfürstl. Durchl.
in Bayrn nach abgang des Graf Ferdinand Lorenz von Warltenberg männlichen
Stainmens deuuen annoch lebenden von Graf Ernst Benno berstammenden Descen-
denten eine appanagi , vnd wienil dessen , ausvolgen ziaasen obligiert seyen" von
Fol. LS' — 22, und sodann die „vlterior qnaestio, ob des Graf Ferdinand Lorentz ron
Warttenberg etc. gewesten Hoffraths - Praesidenten hochseel. hiuderlassnen Freylen
Töchtern man vom Churfürstl. Haus Bayrn ein Hevratsgueth vnd ausvertignng zu
geben obligieret“ von Fol. 22 — 24.
Beim Beginne des ersten der bemerkten Gutachten ist auf die linke Hälfte der
Seife ein zierlicher Stammbaum der männlichen Sprossen des Herzogs Ferdinand
eingezeichuet.
Die Lagerorte der einschlagenden Arcbivalien sind hier gleichfalls auf den
leeren Halbseitcn angemerkt.
IS.
Des ,T o h a n n W ä m p 1
Entwnrff der jenigen orthen welche nach Zeit des Ottonis von Wittelspach bisz dato
zu dem Landt Bayrn vnnd mit was titi körnen seind.
a)
Er füllt in dem oben XIV Abth. 3 S. 36/37 berührten Foliobande des gehei-
men Hausarchives die Fol. 57 — 98'.
Die Geschichte der betrettenden Orte wird einzeln theils kürzer tbeils ausführ-
licher behandelt, und fast durchgehends sind hiebei am Rande die Lagerorte der
einschlageuden Urkunden angemerkt.
Die Arbeit beginnt mit Wasserburg: Otto l“"' Graf von Sebeurn vnnd
Wittlspacb, so von Kayszer Friderich zum Herzogen in Bayrn erklärt worden, bat
des Grauen 'Phodori von Wasserburg Tochter Agnetem zur Ehe gehabt; vnnd obwollen
durch solchen Heurath Er Otto dise Grafschatft Wasserburg nit gleich damals
bekommen n. s. w. E-s folgen dann Burckhauszen , Pogen , Schwäbi.schwörth oder
Thonawörtb, Dachau, Mospurg, Murach-Viechtag, Donatio Conradi, Schwabegg n. s. f.
Am Schlüsse von Schärding Fol. 64 wird anf die später von Fol. 124 — 130' folgende
Auseinandersetzung „wasz von alters dasz löbliche Hausz Bayrn anf GOrtz vnd Tyrol
für prätension gehabt“ Bezug genommen. Zuletzt kommen an die Reihe Vöckhla-
prugg und Englhartszehl, Tärnis und die darzue gehörige Filialn, Manttambt Stain,
Rottenberg mit den Endworten: nach inhalt der beschrcibung gegen 200 000 fl.
KauSschilling verkanfft. der Kaulfprief dat. München den 17. septembris anno 1664.
Abh.d.III.Cl.d. LALd. WiM XV. Bd. 1. Abth. 31
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242
b)
Als Vorarbeit r.u dieser Zusanimenstellung des Jobami Wämpl kann man wolil
eine dergleichen aiisebeii, welche nuniittelbar nach der Mitte des 17. Jahrh. gefertigt
ist , und sich noch im geheimen Stnalsarehive auf fünf 7.ii«aranieiigeheftcten Lagen
von 29 mit Ausnahme der letzten Seite halblirüchig beschriet>enen Blättern in Folio
erhallen bat . woran sich als Fol. 30 ein ül>er die l>eiden Innenseiten de.s Bogens
gefertigter Staminiraum vom Herzoge Otto I von Wittclshach an bis zu den Söhnen
des Kurfürsten Maximilian 1., Ferdinand Maria und Maximilian Philipp, wie zn den
Kindern .\lbrcclits des Lenchtenbergers reiht.
Ein neueres vorgekleblea Titelblatt bemerkt, vielleicht nach einer älteren Vor-
lage: .Summarische Be.schreibuug aus denen im innern Archiv vorhandenen brieflichen
Docnmentis gezogen im Jahr lü.öJ. Dnbey die .\btheilungen oder Divisioiies, so
von 1255 bis dato geschehen.
Die Zusammenstellung selbst lieginnt auf Fol. I mit der Donatio Conradi,
woran sich Schwabegg, Türckhaira, die Hofmark Sandtbach, Khnrchberg, Paybronn,
Scherdting ohne die vorhin bemerkte Verweisung, Hengersperg, Teuspach u. s. f.
schliessen, von Fol. 14 bis 15' — wie es hier heisst: Hochen-Schongau — Hohen-
schwangau, dann bis Fol 17 die Grafschaft Haag, von Fol. 20 bis 21 Mindlheimb,
von Fol. 21' bis 22' die Kur mit dem Krzlrnchsessenamt, von Fol. 22' bis 24' die
Oberpfalz mit Camb, von Fol. 24' bis 25' die Landgrafschaft I<cuchtenl>erg, von
Fol. 26' bis 27' Tarvis und die dazu gehörigen Filialen, von Fol. 27' bis 28 das
Mautamt Stain u. s. w. Den Schluss bildet von Fol. 28' auf 29 Mirandula mit
dem Satze: also haben Ir Kayserl. May. sich erbotteu, solchen consens znr richtig-
kheit bringen znhelffeu. Datae in Arcae Braudisij, 22 Sept. anno 1638.
79.
Des Johann Wämpl
Bericht vnd Gnettachten yber die frag, ob auf den in der handt Gottes stehenten
fall da der manliche stamen der Ertzbertzogen in Oesterreich absterben solt zu der
Verlassenschaft Khönigreich vnd l.andte dasz Churfürstl. Hanaz Bayern ainige
praetension vnd Zuesprnch mit recht zn snee.hen hete?
«)
Der Entwurf einer grösseren Auseinandersetznng iles Verfassers über die berührte
Frage ßndet sich im geheimen Staatsarchive anf 29 beziehungsweise 30 Blättern
theils in losen Bogen und theils blos in Blättern in Folio.
Die .Arbeit selbst war ursprünglich anf sechs „Qnaestiones vnd pnncten“ be-
rechnet, nämlich :
l) ein Schema, au.sz welchem zn secheu, wie die Sippschaff bewandtet, vnd aus
wemc der zeit dasz Ertzhaus Oesterreich bestehe?
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243
2) durch wasz mittl die Ertzhertzogen ausz Oesterreich jhre Khönigreicb vnd
Landte nach vnd nach an sich gebracht ?
3) wasz es mit den privilegijs Aastriacis für ain Ijeschaflenheit , vnd ob auch
pacta familiae verhandten?
4) wie es bisher vf begebne todtfall mit der snccession gehalten wordlen?
5) wasz mit Ihro ChurfUrstl. ünrchl. Krauen Xlnetter Maria Anna per pacta
dotalia gebandtlet worden , ob dessen vngehindert Deroselben Erben die snccession
gegen den Oesterreichischen Landten **'*) offen steheV
G) wer in specie bey ainem vnd andern Khiinigreich vnd Landt anf ereigneten
fall deficieutis liueae maseulinae Austriacae succedieni, oder ob thails dem Römischen
Reich bainibfalleu wnrdt.
Die ersten fünf sind auch In dieser Reihenfolge durehgeführt. Dann aber tritt
folgende Behandlung von Ki-age 6 — 12 ein:
6) ob Ihr Khayserl. May. Leopoldns nit durch aiiiige disposition vnd letsten
willen dise Ihr von Ihro Voreltern znegefallue Verlassenschafft vermachen oder daruoii
testiren khundtV
7) ob der Khönig in Spanien auf den fall vor Ihme der Khayser Leopoldns
abs((ue heredibus mascnlis mit todt abgehen solt bey den Oesterreichischen Landten
^roximus successor sein, vnd die Oe-sterreichische Töchter oder dero Erben auschliessen
wordte?
8) wer anf eraignete fall deficieutis lineae maseulinae Hispanicae bey dero
Khönigreicb vnd Landte negster Erb sein wnrdte?
9) wer auf den fall der Khönig in Spanien aintweders — wie oben in der
7 qnaest. erwähnet — zu den Oesterreichischen Landten khaiu regress zesnechen
oder aber vor dem Khayser Leopolde mit todt abgehen solt alsdan zu solch Oester-
reicbischer Verlassenschaff deficiente linca mascnlina Austriaca das beste Successions-
Recht haben wurdte?
10) ob Carnten Tyrol vnd Görtz auch ein Reichs- Lechen , vnd des Ferdinandi
2" Verlassenschaff anhängig seyen?
11) wasz es mit dem Khönigreicb Behamb wie auch mit Mährn vnd Üchfesien
für ein beschaffenheit habe?
12) ob Ihr Churfürstl. Durchl. auch zn Vngarn Croatien Dalmatien vnd den
Windiseben Landt ainige hofnung ainer succeasion zu machen?
150), Im Trite lautet dieie Qaaestio: WeIcbergstalUn Tagehindect der pactierten Veniebt
Ihro Churfbrstl. Durcbl. Haiimiliani Gemablia ilaria Anna hocbacel. gedrehtn. geboraer Grtzhartiogin
vnd anyetio dero Erben annoeb der regrau inr succeuion in de« Ferdinandi 2^< Verlaaaenschaff vnd
Oeaterreichiachen Landten auf den full der manlicbe atamen der Ertibcrtzogen abaterben aolt ver-
bliben vnd offen atebe.
11*
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241
b)
Ein Aii8itn(r au» dieser Schrift — so wejjen besserer ordtnnng in volgente 12
quaestioiies abgethailt wordten — vom 17. Juni 1669, gleichfalls von des Verfassers
Hand , bildet sich auf sechs /.nsanimeugehefteteu Bogen in Folio im geheimen
Staatsarchive.
Kr behandelt den erwähnten (iegenstand in den vorhin nnter a schon näher
gekennzeichneten 12 Abschnitten.'*')
bO.
Des Liceutiaten Kaspar Zillesiiis
,.Kurtze Erklärung des/. S|ionheimbschcn Stumuibaum.sz.“
Diese Ueberschrift führen zwei Aufzeichnungen des 17. .lahrhunderts in Folio
a) anf vier zusanmiengehefteten Bogen,
b) auf ursprtlnglich sechs zusainniengehefteten Bogen , von deren äusserem
das für den Titel be.«tiraiut gewesene Vorderblatt nur mehr in einem schmalen Streifen
erhalten, das Kiickblatt leer ist,
beide im geheimen Hausarchive, die eben bemerkte in einem Fascikel von Akten-
stücken zu Arliciten des Oberschultheisseu Johann Jakob Kneupell zu Kreuznach
und des Pfalz-Sponheim'schen Käthes Kaspar Zillesius hauptsächlich zur Sponheim-
scheu Genealogie und Geschichte,
c) weiter eine schone -Abschrift wohl nicht lauge nach der Mitte des vorigen
Jahrhunderts in einem Couvolute mit der Aufschrift „MerckwOrdige meistens unbe-
kannte aus dem C'hurftirstlicheu Archiv gezogene Nachrichten“ gleichfalls im geheimen
Hausarchive, und zwar in deren Abiheiluug IV § 18.
Es sind theilweise höchst gedrängte Nachrichten Uber 6.9 Glieder des Spon
heimischen Grafenhauses von dem unbekannten Gemahle der Gräbn Hellwig an, die
mit ihrem Sohne Kberhart das Kloster Schwabeuheim gestiftet, bis zum Tode des
letzten Grafen Johann am 26. Jänner 1437.
Es mögen hiezu die beiden folgeuden Num. 81 und 82 verglichen werden,
namentlich die Spalte 2 der letzteren, und nicht minder auch die Num. 8.
Mau darf wohl an den berührten Liceutiaten Kaspar Zillesins als Verfasser
denken, insbesondere da sich von seiner Haud auf dem unter Lit. b erwähnten Streifen
noch die Bemerkung tindet ; Ist Herrn Ober-.SchuItheiszen zu Creutznach cum tabula
genealogica also communiciret worden den 21 May 1664.
l.M.I Die fünfte Qnacitio lautet da: Ob Ihr Ohnrfürstl. Durehl. Mariae Annae, Ferdinandi
2" Töchtern, oder non nach dero ableiben Ihro Erben, vngehindert der pactierlen Verzicht, auf den
faU der Oeaterrelchisch manaatammen abeterben wurdt der regreis zur auccetiion deren verlatsnen
Laodt vnd guett verhüben aeye, vnd noch offen itehe?
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245
81.
Des Licentiaten Kaspar Zillesius
GeschlecbUregister des alten Grafenhauses von Sponheim,
a) in des Verfassers eigenhändigem Entwürfe in einem Foliobande mit Perga-
mentüberzug aus einem alten Missale in dem eben unter Lit. b der Num. 80 erwähnten
Fascikel des geheimen Hansarchives,
b) in einer ans dem vorigen .lahrhnnderte stammenden .\bscbrift von sechs
angehefteten Lagen zn je 4 Bogen in Folio , von deren letzten nur mehr die erste
Hälfte beschrieben, wieder im geheimen Hausarchive.
Der Titel des Werkes selbst lautet: Genealogia Sponhemica, oder Geschlechts-
Register der alten Grafen nnd Grä&ueu zu Sponheim , zusammengetragen , mit
Anführung vieler merkwürdigen Geschichten illnstriret, nnd dem durchlauchtigsten
Fürsten nnd Herrn, Herrn Georg Wilhelmen, I’fultz Grafen bey Rhein, Herzogen in
Bayern, Grafen zn Veldenz nnd Sponheim etc. etc. nnterthänigst praesentirct von
Caspar Zillesio, .lur. utr. Licent. Consil. Palat. Sponheim, die XXI Jun. anno
MDCLXIV.
In der aus Birkeufeld unter diesem Datum geschriebenen Widmung sagt der
Verfasser, dass neben anderem ihn hauptsächlich die ihm auvertraute „Charge, welche
eine genaue Wissenschaft aller Sponheimischen Regalien Freyheiten Rechten Gebräu-
chen nnd Gewohnheiten erforderet“ dazu veranlasst habe, die bei dem dortigen
„Archiv vorhandene alte Briefe, MannbUeber, Saal -Bücher, Rechnungen, Register,
Acta, und Schrifften, darbeneljen auch da.s Chronicon Trithemij und andere Anthores
horis .«uccessivis zn durchgehen“ und das Sachdienliche in möglicher Kürze zu
extrahieren. So habe er es dahin gebracht, seinem fürstlichen Herren „G3 gebohrne
Grafen und Gräfinnen zu Sponheim, die über 400 Jahr nach einander gelebet, in
einer genealogischen Tafel praesentiren“ zu können , mit den nothdürftigsteu ge-
schichtlichen Nachrichten versehen.
Zunächst wird „von dem Ursprung der Grafschati't, und ältesten Grafen zu
Sponheim , auch von dem Namen Abtheilnngeu zugehörten etc. etc. solcher Graf-
schalTten“ gehandelt.
In a ist nunmehr die „Genealogia Comitnm de Sponheim“ auf zwei zuaammen-
geklebten Bogen in Folio — von anderer Hand geschrieben — eingeheftet.
Dann folgt die „Erklährung des Sponheimischen Stamm-Banms mit anführung
der alten Grafen und Gräfinnen lebens und tbaten“ in den vorhin berührten 6.3
Gliedern mit den betrefl'enden geschichtlichen Anmerkungen vom Jahre 1019 mit
Heinrich Grafen zu Sponheim bis zu dem kinderlosen .Absterben des Grafen Johann
am 26 Jänner 1437.
Den Schluss bildet auf nur drei Seiten ein .Abschnitt „von Devolution und Er-
bungen beeder — das ist der hinteren und der vorderen — Grafschafiteu Sponheim.“
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Vgl. hier-u die Num. 80 imd in.^ibesoiidere die Spalte 3 der sogleich folgenden
Nnm. S2.
82.
Genealogie Comitum de Sponheim.
Die beiden in den Num. 80 und 81 aufgefllhrten Werke des Pfalz-Sponheimischen
Käthes Kaspar Zillesius, nämlich die krirze Erklärnng des Sponheimischen Stamm-
baumes, wie sein S|K>nheimisches Gcschlechtsregister. de>«en Hauptabschnitt sich
gleichfalls als ..Erklährung des Sponheimischen Stamm Baums mit anführnng der
alteu Grafen und Grähunen lebeus und thalen“ bezeichnet, setzen nm so mehr einen
wirklichen solchen Stammbaum — vgl. auch oben die Num. 8 — voraus, als in
ihnen die eigentlichen Abstammungsverhältnisse nicht in einer unmittelbaren über-
sichtlichen Klarheit hervortreten.
Da.ss auch ein .solcher von Kaspar Zillesius gefertigt worden , ergibt sich ans
der Bemerkung desselben, welche in Num. 80 unter Lit. b angeführt wurde, wonach
er dem Oberschulthcisseu Johann .lakob Knenpell zu Kreuznach jene Schrift ,,cum
tabula genealogicä“ am 21 Mai 1664 luittheilte. Auch ist er dem in Num. 81 unter
Lit. a erwähnten Werke des Kaspar Zillesius wirklich einverleibt.
Weiter liegt ein solcher, .sehr sauber auf einem Bogen steifen sehr schönen
weissen I’apieres von der Grösse zweier gewöhnlicher Bogen, vielleicht um die Mitte
des vorigen Jahrhunderts gefertigt, in zwei E.vemplaren im geheimen llausarchive
vor, nämlich
a) für sich
b) in dem unter Num. 80 in Lit. c erwähnten Convolute, und zwar in dessen
Äbtheiluug IV § 18.
Er ist im gros.seu Ganzen nicht viel anderes als eine erneuerte Ausrührung des
älteren, welcher im Laufe der Zeit schadhaft oder sonst unbrauchbar geworden,
weist aber eine Reihe von Einfügungen zu den Nummern der beiden erwähnten
Werke mit Theilziffem auf, beispielsweise als 9'/i einen Grafen Ludwig von Sponheim
mit Bezug auf eine Urkunde in Marquard Erehers origines palatiuae zum Jahre 1 180,
weiter nach 21 als 21 Vt einen Simon und als 21*,» den Deutschordensmeister Eber-
hard **’) in Liefland, nach 22 als 22*/« einen Grafen .Johann**®) und als 22*,'» und
22*;« seine Söhne Gottfried*®*) und Heinrich, und enthalt l>ei der Mehrzahl der
Glieder auch zugleich lateinisch geschriebene Nachrichten.
In der oberen Ecke links ist das Sponheini’sche Wappen angezeigt, aber nicht
mehr in Farben ausgefUhrt, sondern es sind selbe unr mit Buchstaben angedeutet.
152) Zum Jahre !2>5tt mit der Bemerkang: ob. 1258.
153) Conie« Sponheimij et Senaei. Uior N fllis N eomitii Sponheimise alteriaa lineoe.
154) Gothofredas cum fratre partitua est 1264. pro se retinuit eomiUtum Senaeam, et iupoete-
rum se ecripait comitem Senaeam. binc descoadunt comite» Senaei.
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247
Der Stanmibanm selbst beginut links etwas unter der Mitte mit dem Grafen
Eberhard, der Nuui. 2 ’**) der oben berührten Werke, und setst sich in den lietreffen-
den Verzweigungen nach der rechten Seite bis zuni letzten Grafen Johann, der
Nntn. 63, in der Weise fort, dass den einzelnen Persönlichkeiten die je einschlagen-
den der 63 Zahlen beigefögt sind.
Zur Itequemeren Veranschaulichung des Verhältnisses der mehrlierührten drei
Werke mögen folgende Angaben dienen, welche in der ersten Spalte dem in Rede
stehenden Stammbaume entnommen sind , in der zweiten und dritten den Text der
beiden unter Num. «0 und Num. 81 aufgeführten Schriften wiedergeben:
Vgl. die Note 155.
Eberhardns cum matre
Hedwig non solnm fnnda-
vit coenobium Schwaben-
heim, sed etiam extrnxit
templnm non procul a
Sponheim in monte Feld-
berg anno 1044.
1.
Wer der Gräfin Hellwig
Gemahl gewesseu, ist un-
bekandt. Sie batt neben
ihrem Sohn (.iraff Eber-
bartten da.szClosterSchwa-
benheim gestifftet.
2.
Graf Eberhardt stifftet
und erbonwet eine Kirche
ohnfem Sponheimb auf
dem Feldtberg anno Chr.
1044.
Henrich Graf zu Spon-
heim 1019, dessen im
Trierischen Tournier-Bnch
gedacht wird. Des-sen Ge-
mahlin war Hedwig: ist
unbekannt , aus welchem
Geschlecht sie entsprungen.
Ihrer aber wird in einem
Manuscripto gedacht. Sie
stifftet nelren ihrem Sohn
Graf Eberhard das Closter
zu Schwabenheim Trithe-
mius 1019.
Eberhardns Graf zu
Sponheim bat zu Zeiten
Kaysers Henrich III eine
Kirch auf dem Feldberg,
ohnweit Sponheim der
Burg gelegen , gestifftet
und erbauet, auch zn seiner
Seelen Heyl viele Qüther
darzu verordnet, im Jahr
Christi 1044.
Henricus I"" der Kayser
öbergiebt ihme auf ewig
155) Ala Nani. I ist onten bemerkt: Henriens Com. Sponheim. 1019.
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248
Steplmiius, vir pin», ex
predicto templo , a patre
aedificato , moiiasteriam
fnudavit, ijuod hudie Spon-
heim appellatnr , auuu
1101. obiit ins, 25 febr.
Meinhardu» coenobiuni
Sponbeimense abaolvit, 8.
Martino dedicavit, et mo-
uacbi» ordniis Benedicti
inbahitandmn conceasit
1 123.
die Dörfer Hocbfelden und
Schweigenhauasen aamiut
einem Walt, Ileylig Forst
genannt, IUG5 und 1066.
.letzt geuielder Kayser
gibt auch dem Domstitlt
Trier den Hoff in der
Herrschaft Kreutzenach in
dein Dorff Nachgau gele-
gen cum appertinentiis
1065.
3.
Graf Stephan, ein from-
mer vndt gottesfnrchtiger
Herr, macht ans vorbe-
aagler Kircb ein Closter,
welches noch auf dieszen
tag .Spouheimb genandt
wirdt. 1101. t rt*"" 25
Februar 1 1 1 S.
4.
Graf Meinhardt ein vor-
troflieher Herr, vollftlhrt
den Closterliauw, lest den-
szelben weihen , dedicirt
ihn st. Martino , vndt
setzt Mönche Benedictiner
Ordens darein 1123.
Stephanus Graf zu Spon-
heim, ein frommer und
gottsfdrchtigerHerr, macht
aus der von seinen Fitem
auf dem Feldherg erliau-
ten Kirchen ein Closter
1101, kann aber den an-
gefangenen Bau wegen an-
deren eingefallenen Hin-
dernüssennicht vollfllhrcn,
befähle derohalben auf
dem Tods - Bett seinem
Sohn Meinharden, solchen
zn absolviren. Er starb
V cal. mart. das ist den
25 Febr. 1118.
Maynharilus Graf zn
S]M)nhcim, ein förtreff-
licher Herr, vollführt den
von seinem Herrn Vatter
seel. angefangenen Gloster-
Ban durch Hülff seiner
Frau Gemahlin und Herrn
Bruders, lasset auch den-
selben durch Paponem
Bischoffen zu Wormbe
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249
ob. 1155, 28 Febr.
üxor Mechtildis sive
Met ZS,
Abh.d.III.CI.(l.k. Ak.d.
f den 28 Februar 1155.
Seine Gemahlin Franw
Mechtild oder Metze, ein
sehr audechtige Matron,
hat dos ihrige bejr dem
Closter Bauw auch gethan.
ansz welchem Ilausz sie
geweszeu sey , ist iiu-
wiszent.
Wi«i XV,B<I.I. Abth.
weyhen and s. Martino
■sacriticiren anno 1123.
Die Mönchen bindet er
nnter einem .Abt an h.
Reuedicti Orden und regul.
Sie Graf und GrUQunen
rcsigniren das Closter der
Kirchen zu Meiniz zn
Kigeothnm dergestallt dsss
Sie nur Vogt oder .Schirm-
herrn desselben verbleiben,
den 7 Juni 1124.
Kr Graf Meinhard er-
langt vom Kuy.^er Henrico
4“, dosz er das Closter
Sponheim in des Reichs
Schutz und Schirm aaf-
nimbt, den 24 Febr. 1125.
Papst Honorius iiimbt
es gleichfalsz in des apo-
stolischen Stuhls sonder-
bahren Schutz auf, den
23 .Martii 1127.
Er starb den 28 Febr.
115.5
Gemahlin Mechthildis
oder Metze, (iräfiu von
Sponheim, eine sehr an-
dächtige Fran, welche zu
dem vorberBhrten Closter
cyferich geholffeu hat.
Peszgleichen hat Sie
da-s Closter Schwaben heimb
Augu.stiner Ordens, so sie
von ihren Eltern ererbt,
s. Martino zu Ehren way-
hen las.sen, und Adell>erto
dem Ertzbischoff zn Mayntz
übergeben 1130 mit dem
32
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250
Vorbehalten, dara er Graf
Mainhard die Tag seines
Lebens, nach seinem Tod
aber der unter seinen bee-
den Söhnen, welchem dasz
SchloBz Dill in Abtheilung
zufallen werde, deseiben
Vogt seyn solte. Trithe-
mius.
Johannes Ultimos comcs
Sponheimensis , dominus
StarcWenburgensis et Cm-
cinacensis,
cum Lndovico Barbato
electore palatino in l’alae-
stinam profectus U07.
03.
Graf Johau der Ijetztere
zu Sponbeimb, Herr zn
Starckenburg vndt Kreuz-
nach,
reiszct mit Hertzog Lud-
wigen, der Bärtige ge-
nandt, nach dem heyligen
Lande, weszhalben Keyszer
Ruprecht ihme alsz Ihr
Mayestatt Bludtsverwand-
ten einen geleits Brieff
[ertheilet] 1107.
Johann der letztere Graf
zu Sponheim , Herr zn
Starckenburg und Creutze-
nach, giebt Churfürst Lud-
wig das Dorff Enckerich
ein, doch dergestalt dasz
er es jederzeit wieder zu
sich nehmen dörffe, 1402.
Herzog Ueinhold be-
lehnet ihn mit der Vogtey
Seeheim 1401.
Er begabt die Capell
auf dem Schlosz Birckeu-
feld in der Vorburg mit
30 Beichsth. Gelds jähr-
licher Gülden 1404.
Der Bischoff zn Trier
belehnet ihn mit unter-
schiedlichen Stück 1404.
Er nimbt mit Herzog
Ludwig, der Bärtige ge-
nannt, eine Rei.sz nach
dem gelobten Land für,
weszhalben ihm König
Ruprecht ein Patent uud
Mandat ertheilet , dasz
mäniglich demselben als
sein des Kaysers Bluts
Verwanten liey der Reisz
so er über Meer fürge-
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251
Äb eleotonbos trerirensi
et Palatino ac dnce clivenei
diversa fenda accepit
Vgl. Torher.
Er empfengt von Trier,
Chnrpfaltz , undt Cleve
vndtergcbiedene StQck zn
Lehen.
Vgl. vorher.
nommeu sambt gesind und
Kleine Diener zu Bosz
and Foez alle befördernng
und guten willen erweisen
»olle 1407.
Er begnadet Jacob Frne-
nffen von Castell mit s.
Antboni Älter zn Kncke-
ricli , nnd fibergiebt ihm
die darzu gehörige Göther
zn Hanen 1410.
PfaltzGrafLndwigChnr-
fürst belehnet ihn mit
Weiningen , Enckerich,
Obermendig and wildfung
auf dem Idar 1411
Er verleicht Johann
Rockenbausen, Pfarrherrn
zu Irmenach den Altar zu
Trarbach in dem Kenen
Hansz nmb Gottes willen
1413.
Er schwöhretmit Pfaltz-
Grafeu Lndwig nnd Frau
Elisabeth» ein Burgfrieden
zn Creutzenach.Ebernbnrg,
Gattenberg, Arioschwang,
Gmunden, Numbnrg, Cop-
pensteiu und Kirchberg
1416.
Vergleicht sich mit Her-
zog Ludwig wegen des
5"" theils au der voderu
Grafschafft, so demselben
von Frau Elisabetba Gräfin
von Sponheim vermacht
worden, 1417."
32*
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252
Bernbardum marchio-
nem Badensern et Fride-
ricum coiuiteni Veldenline
casii quo sine liberis de-
cederet legilimos hereeles
omniuni snarom ditiomim
inatituit 1419.
Kr setret Margrafen
Beruburteu zu Bahden
vndt Graf Frid. zu Vel-
den tz auf den fall er keine
Leibes Erl>en verlaszen
würde zum rechten erben
aller seiner Laiiile vnndt
Herscbaflten ein 1419.
Er und Khein Graf Phi-
lipp zu Oberstein schwö-
ren ein Burgfrieden zn
Neuen Brumberg 1418.
Kayser Sigismundns be-
stättiget ihm alle .seine
privilegia, und nimbt ihn
in des Reichs sonderbahren
Schutz 1418.
Dieser Kayser Sigis-
mnndus schreibt an Chnr-
fdrsten Ludwig, das Er
den Edlen Graf Johann
Ton Sponheim wegen ihrer
unter sich habenden Ir-
rungen nicht beschädigen
sondern im rechten flir-
nehmen solle, 1418.
Befehlet auch den Chnr-
fUrsten zu Brandenburg
Maintz und Cölln, dasz
sie Grafen Johann gegen
Herzog Ludwig schützen
sollen, 1418.
Herzog Ludwig giebt
ihm ein theil am Zoll zu
Kaub , im gleichen die
Sclilöszer Enenstein und
Wolffstein zu Lehn 1419.
Er setzet Marggraf Bern-
hard zu Baadeu und Graf
Friedericb zu Veldentz auf
dem fall Er keine Leibs
Erben hinderlassen werde
zum rechten Erlien aller
seiner Laiideu und Herr-
schalTlon ein 1419.
Er raumbt seinem \'et-
ter Marggraf Bernharden
da.s Schlosz Gräffensteiu
mit zugehörigen Dörffern
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253
für 9000 fl. pfaivds weisz
rin 1-120.
Er und gedachter Marg-
graff legen zwey BrieCf in
treue Händ hiuder Graf
Johann zu Leiiiingen, be-
treffend die Grafschafft
Sponheim mit Schlöazer
Städten und Oörffern und
andern Zngehör 1420
Er versetzt das tiräffen-
reich, so er vom römiacheu
König pfands weisz innen
gehabt, Marggraff Bern-
harden xn Banden , mit
Vorbehalt dass seine Er-
ben und der römische
König die Lösnng haben
sollen, 1421-
Er empfängt von Pfaltz
Graffen Ludwig Chnrffirst
6000 fl. dergestalt, dass,
wann der Chnrförst oder
seine Erben ihm noch
14000 fl. weiter geben
würden, Churl’faltz ';*tel
an der Orafschafft zu
Creutzeuach — daran Herr
Ludwig bereits *fjtel hatte
— versetzt seyn solle,
1421
Herr Ludwig händiget
ihm darüber ein Brieff
ans, worinnen er die wie-
derlösung erkennet, 1422.
Dechant und Capitul zu
Aageii versprechen ihm
und seiner Gemahlin, ans
ursach dasz sie hinderuiig
an ihrem Zehenden uud
Geströh zu Starckenhurg,
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254
In Boheniia contra Hus-
aiU« militavit, in eoqne
bello ae strennnm ((essit,
1422.
Kr zeugt in Böheimb
gegen die Hussiten, vndt
heit sich tapfer in sel-
bigem Ketzer Krieg, 1422.
Traben, Trarbach, und in
der pfleeg Irmenach abge-
thau , mit Vigilien Seel-
meszeu und 4 brennenden
Kerzen ihre Jahr Zeit zu
begehen, 1421.
Er wird Marggraf Bern-
hard zu Baadeu 200000 fl.
schuldig, und verpfändet
ihm deszlialben die Graf-
schafft Sponheim 1421.
Er befehlet Reinharden
von Leiningen sein Land
und I.entb dergestalt, im
fall er auf vorgeuomraener
Reisz gegen die Husitlen
nach Gottes willen mit
Todt abgehcii würde, als
dasz dann seine Grafschaft
Marggratf Bernhard zu
Baaden eiugeraumbt wer-
den solle, 1421.
Zu Vollziehung seiner
Baasen Frau Elisabethae
letzten willeus stifftet er
ein Altar in der Pfarr
Kircb zu Crentzenach ber
ihrer Begräbnusz , dasz
daselbst ewiglich Meesz
durch 2 Priester gehalten
werden solle, und begabt
solchen Altar mit 100 fl.
jährlich zu Sprenglingen,
1421.
Er ziehet in Böhmen
gegen die Ilusitten , und
hat sich daselbst dapffer
gehalten, 1422.
Marggraff Jacob zu
Baaden giebt ihm schrifil-
lichc Versicherung, dasz
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255
Deinde seuretariiini sn-
iim Golx-Iiamii abbatem
constituit , invitis mona-
chis, 1432.
Obiit Starckenbnrgi iiu-
prolis 1437, 2fi,jamiurii,
sepultns Trnrbaci.
Br luacht seinen Secre-
tariiim Gobelier znni Abt
im ClosterSponheimb, wie-
der der Mönch willen,
14.32.
+ den 26 .Tanuarij 1437
zu.Starkenburg ohne Lei bsz
Erlien , ligt zn Trarbach
in der Kirchen begraben :
ist in gantzem Currae in
Mes/.ing gegos/.en, vndt
in der Mauwer aufgerichtet
die älteste Söhn in der
GrafschaSl allein succe-
diren sollen 1422.
Br giebt dem Closter
und Convent BarfQsser
Ordens zn Merll ein Brieff
Aber ein Jährl. Göldt von
4 Malter Kom zu Rei-
chel u. s. w.
Er macht seinen Secre-
tarinm Göbelen zum Abt
im Closter Sponheim, wie-
derderMönch willen, 1432.
Verbindet sich mit Ul-
rich , erwehlten Bischoff
zu Trier, dergestalt, wann
sie die Stadt gewinnen,
der Brseboff zwey theil
und der Graf ein theil
haben soll , doch vorbe-
haltlich dasz der Bischoff
den 3“” Theil mit 20000
Mezer fl. ablösen möge,
1432.
Er cedirt Herzog Stephan
Pfaltzgraff '.«tel an Mon-
•stein der Burg und Stadt
u. s. w.
Er raumbt Herzog Ste-
phan und Marggraf Ja-
coben zu Buaden *stel
der Grafschafft, jedoch auf
absag, ein, 1437.
Stirbt den 26*™ Januarij
1 437 zu Starckenbnrg ohne
Leibs Erben, liegt zu Trar-
bach in der Kirch begra-
ben: ist im gautzeu Chyras
in Messing gegossen, und
in der Mauer aufgericht
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256
Dior: Walbargis, Jo-
hannis comitis Leiningru-
«is, (lomini liixingani, et
Elisabethae comitis«ae
LOtzelsteiuij tilia.
mit folgender Cirabwhrifft:
Hie jacet nobilis ilomiiuia
Johannes novisainius de
Spunbeim. qui obiit anno
doniini Mt'CCCXXXVll
feria quintn post festnin
8. Lucae evangelistae.
Cujus aniina per niiseri-
cordiain dei rerjuieseat in
sniicta pace. Amen.
Die Gemahlin : Frauw
Walbnrg, War Grav
Uunsaen von Leiningen,
Herrn au Kitaingen, vndt
Frauw Elisaabelhen Grä-
vin zu Lützelstein tocbter.
mit folgender Grabschn'ftt:
Hie jacet, wie in Spalte 2.
Von diesem Grafleu
schreibt Trilhemius in
Chronico Sponheiniensi lul
anuuui 1426 also: Er war
ein sehr curioser Herr
u. B. w
Gemahlin : Walhurg,
Graf Hansen von Leinin-
geu , Herrn zu Kisingen,
und Frau Elisabeth Gräfin
zu Litzenstein Tochter.
Ihres Herrn gegen Ver-
niechtnus wird von Marg
Gratleu Bernharden von
Baaden confirrairel 1421.
Sie wird auf Castellaun
Burg und Stadt u. a. w.
83.
Abänderungsvorschliige zn des I)r. Philipp Jakob Spener
Domns Palatino-Bavarica,
auf vier ungehefteten Bogen in Folio, eiirem besonderen Blatte mit Verbes-serungen
zu den §j) 7 und 1 1 , wie weiter einem lose inliegenden Zettel zu § 1 , aus dem
Schlüsse des 17. .Jahrhunderts, hnlbbrüchig geschriclien , mehr Concept als bereit«
fertige .Arlreit, im geheimen Hausarchive.
Von dem ersten Bogen, welcher den üinschlug des Ganzen bildet, ist das
zweite Blatt nicht mehr beschrieben, sondern trägt blos auf der Rückseite von der
gleichen Hand die Aufschrift; Animadversiones vber Herrn ijpenneri Tractatnm
Heraldicnm, das Chur- vnd Fürstl. Hans Plaltz betr. Auf der ersten Seite des
fi
i
4
i
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i
257
Ganzen steht Ton anderer späterer Hand: Animaduersiones super trnctatum beraldicuni
Speueri ratione domns palatinae confectam.
Die Vergleichung mit dem das pfalz-baierUche Haus betreffendeu Abschnitte im
Lib. III Cap. 27 von des Dr. Philipp Jakob Spener bekannter Historia insignium
illnstrinm, seu operis heraldici pars specialis, zu Frankfurt am Main in erster Auflage
ira Jahre 1680 und in zweiter im Jahre 1717 erschienen, führt zu dem Ergebnisse,
dass da verschiedene dieser gutachtlichen Vorschläge berUcksichsigt sind.
AU Probe von ihnen möge hier die vorhin erwähnte Bemerkung zu § 1 1 auf
dem besonderen ursprünglich mit Sigelwachs angeklebten Blatte eine Stelle hnden:
Quoad insignia liueae simerensis notandum , Fridericnm , hujus liueae autorem,
anno 1448, 1455 qnadripertito scnto nsum fuisse, ita nt primum et quartnm leo
palalinus, secnnduiu et tertium quadrantem rombi bavarici implerent, medio scutorum
inserta parmula tessellas spauhemias continente. Scntis impositn galea, leonem pala-
tiiinm cum pavoninis peunis inter duo conma absqne rombis bavaricis adversa fronte
residentem sustinons: quandotjne etiam hnnc leonem absque illis pennis ob.servare
licet, quandoqne etiam galeam com insidente leoiie plane omissam videmus. Hujus
successores usque ad Friderici III tenipora, qui Klectoratnm buic lineae anno 1559
intulit, tripertito tantnm scuto, qnale hic ab antore describitnr, imposita galea et
leone ut in priori, nsos fuisse reperio. Kichardum vero, in quo sub hnem superioris
seculi duces simtnereu.ses defeocre, quadriportito iterum scnto usum fuisse observavi,
simbota palalina et bavarica bis repetens, neglectis tessellis spanhemijs. Scntis in-
cnmbit capnt leonis sine corona.
84.
Des David König
topographisch-statistische Geschichte des Herzogthnras ZweibrSeken.
a)
Sie findet sich im geheimen Staatsarchive in deutschem und französi.schem
Texte, wovon der erste für sich ein geheftetes Ganze ausser dem Titelblatte von 27
Folien bildet, der zweite allem Anscheine nach aus einem grösseren .4rchivalbande
losgetrennt und auch nur spätere Abschrift ist, unter dem Titel :
BeylaUffige Beschreibnngh der Consti-
tution des Herzogthumbs Zweybrücken
rniidt aller Hertzogen Pfalzgrafen so
dasselbe von anfang bisz vff diesze zeit
regieret, auch deszen gegenwärtigen
ruins, gefertigt vndt dem königlichen
.Schwedischen bevollmächtigten Gesand-
ten zue den alhieszigen Friedens Tractuten
Description de 1’ Etat ou se trouue
ü peu pr{« le Dnche de Deui pouts
et des Ducs et Comtes Palatins qui Tont
regi depnis le commeucemeut jusques ä
ce tems, comme aussi de sa ruine presente,
dresse et rais es mains de son Excellence
Mgr. le Comte Oxenstirn, Ämbas-sadenr
plenipotentiaire de Sa Majeste Suedoise
Abh. d. III. CI. d. k. Ab. d. Wis». XV 6d. I. Abtb.
m
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258
Herrn Graffen Oxenstirn« Kxcellenz
vbergebeu durch den pfallz-zwejhrücki-
schen Ilej?ierun(;s Rath vndt Kechenkam-
mer Directoren, auch anhero Deputirten,
David Königen. Xitiiwegen den 15”"
Novembris 1B77.
pour le traite de paix ä Nimegne, par
Dauid Koenig, conceiller de la Regence
et direeteur de la chambre dej» comptea
de 8on Alteese Palatine de Deux pont«,
anssi depute ponr le dit traite. Ä Ni-
megne le 15 novembre 1677.
Sie beginnt mit Herzog Stephan, dem Sohne des Königs Hnprccht, und schliesst
mit dem datnals regierenden Herzoge Friedrich Ludwig.
Daran knüpft sich die Beschreihnng der vier Hauptämter: Bergzabern, Zwei-
brücken, Lichtenherg, Meisenheim, <)iioad saecularia.
An diese reiht sich eine Anfziihlung der .Jura welche ZweihrOcken ausserhalb
des Herzogthnms hatte.
Kndlich schliesst der „Bericht wegen der geistlichen GOtter“ im Fürstenthume.
Zuletzt erklärt der Verfaaser unter dem bereits berührten l.ö. November 1677:
V'ndt dieszes ist die Nachricht so ich absqne adminiculo einiger acteu vnd doen-
menten ex propria reminiscentiä wegen dea Fürstenthurabs Zweybrücken vndt der
Herzogen so diksselbe biszher regieret zue geben weisz. Solte in einem oder deine
andern sich etwan noch einiger Irrthumb befinden, so wirdt solcher durch den
mangell, wie gemeldet, aller .\cten hoffentlich zue entschuldigen sein.
Es mag hiezu auch noch auf die Num. 88 aufmerksam gemacht sein.
b)
Auch in der Handschriftenahlheilung der Bibliothek des geheimen Hausarchives
findet sich eine halbbrüchig gefertigte Abschrift dieser Arbeit in deutscher Sprache
ans dem vorigen .lahrh. auf drei znsammengehefteten Lagen von 6, 5, wieder 5
Bogen in Folio.
85.
Des Thomas Blanc
Abbregd de l’histoire de Banicrc.
Von dem ursprünglichen Entwürfe dieses Werkes haben sich lose die ersten
drei je mit grüner Seide zusammengehefteten Qnnterne in (juart im geheimen Staats-
archive erhalten.
Da-s Titelblatt lautet: .lesus, Maria, .Joseph, Anna. Le Tout al' honneur et a
la gloire de Dien. AbJirege de l'Histoire de Bauiere. Tome premier.
Auf dem zweiten Blatte beginnt der ..Liure premier’“ gewissermassen , wenn
man will, mit einer Vorrede die eine Art Widmung an den Kurfürsten Ferdinand
Maria und seine Gemahlin in sich schliesst. J’ay entrepris — äussert sich der
Verfasser — d’ ecrire 1’ histoire des Penples famenx , <|ui ont establi leur Empire
au de^a et au delä du Daunbe, ou il commence de prendre un large canal; et
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259
d' ebaucher les portraitji des raillann Princcs qai ont commande ä oiie Nation
belliqueufi«, et rempli T Alletna^ne et 1* Italic de la terrenr de leur noiu. Ces Peu-
ple«, diaie, depuis ploaieura sieclea out fait grand brtiit daus TKarope preniieremeut
Bons le uom de Bojea, et ensuitte soiia )e nom de Hauarois, et sous Tun et Taiitre
86 sont signalez par lour« couqueste^. Leurs Chef^ ont eate cjnelquefois les Maiatres
de TEmpire, et les Arbitree de puissants Estata. Ils ont tonjonr-s bien scea Hoütoiiir
lenr gloire, mcme daiis les teiups t'acbeux ; et je conduiraj ma narration iusques aux
trioiupbes du grand Maximilian, et an regne beureux de l'KIecteur Ferdinand Marie,
8on fila. Ce Prince, Texemple de tonttes les vertus cbcetieunes et politiqucs, digue
Heritier de tant d' Augustes Äucetre«, se Toiu uu Siiccesseiir, le doox espoir de ses
Peuplea. et l'appuj de ses Eatata dont le Ciel a beni sou Mariage ct Valliauee qu'il
a faitte auec la Maison Hoyalle de Sauoye , daus laquelle sont entr^s de Suitte
ciiique filles de Koys. Henriete Adelaide, Princesse en qui lea vertu« les plus eminentes,
et toutes les graues de 1* esprit et du cor|)S se sont assemblees, a transmis auec eile
et apporte pour dot prinoipal k la Maison de Bauiere la baute et delicate prndence
d’ un Charlea Emauuel, 8on Ayeul, la solide et cxeniplaire pietc d’un Victor Amtnlw,
Sou Pere: et ce Prince et cette Princesse tiennent aniour<lhuy <lans un des plus
beaux pnlais de l'Europe vne des plu« belle« Coors, des plus polies, et des mieux
reglos qtie Ton puisse uoir. C’est sous le regne et In l>euigne inflnence de ce« deux
grans Astres que i'ose former uu dessein faardi, et s'ils me sont Propiees, comme je
r eapere, je uoleray plus haut que ma foiblesae ne port, et mes efforts u. s. w.
Nach einer geographischen und topographischen Besprechung von Baieru und
der Oberpfalz mit theilweiaen kurzen Blicken auf die Kultur*®*) von Fol. 4—l4\
156) Pour ce qui e*t — heisst e* von Fol, 9 bU 10' — de la maniere de s* babiller, lett
Baoarois e* ajostent la plus part ä la FrancoUe, quelques uns a rEspa^uoW, et le Bouriscoia appri che
de ritalienoe. Les femines du conunuu poitent des Manteaux fort coorts, fourrez eo bjruer, et doublt
en «st4 de quelque etoffe legere. Elles portent des cba|ieaux, oa Us Darncs de qualite atUchent des
pluines comme daus l'Ei^tat du grand Duc de Florcnce ct eu Aogletcrre, et da reste elles ne different
guere des Francoises. Poar le ViUsgeois, son liabit est a raucienne mode AUemande, vne camisole
auec le pc^arpoint a manche pcndantc, et quoyque rustique il ne se peut neu uoir de plus propre que
cette Sorte du T^tcmeut.
Je dira; en son Heu eo quel tcmps la Baviere receut le Christianisme pour passer ä la puissanee
du Prince appnyi'e sur ses forces et sur ses ricbesses. Oorome son Pavs et fort peuplö, il peut
mettre co Campagne trente roiir« Hommes choists en moios de six jours; et outre que ohaque Habitant
a an {>etit Arsenal en sa maison , TElecteor a tant a Munich qu* a Ingolstat des armes pour vingt
inille Hommes, et enuiroo stx eent picces d'artillerie sans comprendre les petits canons. La Xoblesse
se platt fort a mouter a cbeval, et le Prince au preinier mandcment peut auoir deux mille chcuaui
de ses sujets. 11 entretient ordinairement prea de luj plu^ieurs CapiUines Fraovoia. Sauojards, Lor-
ratns et Wallona, qui sont )>ayez m^me en temps de paix, de sortc qu' il peut assetnbler cn peu de
iouTS un boii nombre d'Hommes sous des Capitaines pleins d'expcricnce ; ce qoi a paru durant ces
dernieres guerres, ses armees ajatits este le plus souaeut de vingt et cincq mille Hommes et au
»1*
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2Cü
die mit einer Bebilderung von Donauwörtb bis Fol. 16* scbliesst, beginnt die eigent-
liche Geechiebte : il eat tenipa de coramencer mon Histoire, et je prendray la Nation
Bauaroiae dana aa premiere Origiue selon ies memoires que i en ay pü recouurer.
Vergleicht mau mit dem was hievon noch erhalten ist die zu Paris im Jahre
1680 und mit neuem TiHblatte im Jahre 16H2 in Dnodez erschienene „Histoire de
Bnviere** des aavoischen Rathes und Historiographen Thomas Blanc, so entspricht —
wahrend da „une description exacte de tou« les Etats de Baviere, VEtat present de
cette Auguste Maison, avec toutes les Brauches, el les appanages de ces Brauches,
la description de la Cour aous TElecteur Ft?rdinand Marie, et tont ce qui sVst fait
de plus cousiderable soüa le Regue de cet Electeur, depuis son Mariage avec la
Princesse Adelaide de Savoye, .insq«’ au Mariage de Madame la Dauphine, et a la
Majurite de Monseigneor l'Eleeteur Maximiiion Emanuel k present regnanP* dem
fünflen Bande Vorbehalten wurde — die narstellnng unseres Brachstückes von Fol.
18—24' im grossen Ganzen der Ausführung im ersten Bunde S. 27 — 36.
Nach der Widniung desselben an des französischen Herrschers Ludwigs XIV,
Brdiü, den gleichnamigen Dauphin, Gemahl der baicri.«chen Kurprinzessin Marie Anua
Christine, entnehmen wir der Vorrede, dn«s der Verfasser von deren Mutter, der
berührten Kurfilrstin Adelheid, den Auftrag zur Ausarbeitung die-ses Werkes erhalten
hatte, r achevay — knüpft er hieran — cette eutreprise quand la mort de cette
Princesse et de son Auguste Eponx m’oterout Tavantage de leur presenter ces
deniiers traits de mes travaiix. Mais le Mariage de Madame ln Princesse Electorale
leur Fille aiuee avec Monseigneur le Dauphin, et )a Majorite de Monseigneur TElecteur
Maxirailien Emanuel lenr Fils ont releve mes esperanees, et m* obligent a reudre
public ce qne j* avois destiue u la gloire de leur Maison. Flugs war durch die
Bojer die innige Zusammengehörigkeit der Baiern und Pranzos<*n hergestellt. Die
Befriedigung des Betlurfnisses der Gloire gipfelte stolz gleich im ersten Satze der
Widmung an den Danphiii ; ITIistoire de Baviere, que je vous presente, tire tant
d*^clat de ce Royaume, qne eVst un juste tribut que jo rends a cette Couronne,
quBud je vous oflFre THistoire d’un Peuple, qui doit son Origine, .sa Religion et scs
grans Succ^ a la France. Jetzt durfte getr<»st zum Drucke geschritten werden!
deli. Poar VFafanteric de Havier«. eile e«t si bien disdpline«, et si bien qu* eile doit catre
preiH|uc prefere^ k tontes le« antre«, a qui cei deux p*ünt« manqiie soauent; et les Soldats Allemani
Di les Eetrnn^ers nc se petment guere plsindre d' auoir quittu le ^efuice de ce Prboe faute d’eslre
bien p«yez.
L'Klectear est cstirae un des plus ricbes Princes d'Allemagne, et aes reuenua viennent de son
domaine, des fonds asseniia, du sei, des forests, des (teagea, des gabelles et des tailles. Mais ce qiü
le rcüd plus puissant, e^i Pobligatiun qtie les GentiU hommes qui tienoeDi des bien« tant allodianx
qu* en üef de ce Prince, ont de le seruir en toutes occastons, leors Prinileges »^«tant fort
D'ailleura le Duc ayant veu que les Princes Proiestants d*AUomagne eabüont denenua pnisoans et
ricbee {»ar Ics rcoenus des Eglises qa' Ua s' estoient appropriex. re^ournt u. s. w.
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261
Konnte so zwar die eigentliche Geschichte immerhin nach wie vor bestehen
bleiben, so war dncb bienach der nrsprünglicbe Kntwurf in seinen ersten Partien
mehr oder minder unbrauchbar geworden. Er liegt nnn noch in den Resten des
geheimen Hausarchives vor.
Ein lose hiebei vorfiudlicber halber Bogen schöneren Papiers enthält anf seinem
ersten Blatte Bemerkungen über Gegenstände die besonders zu berücksichtigen, bei-
spielsweise :
2) Le plus grand Lac en Baniere est celuy de Kiemsüe. Le Wirmsee est
celuy, on il y a le delicieux Ohastean de Starnberg, le Bucentore qui egale en
magnificence et en beante celuy de Venise, auec quantite de Galcree et des grands
bateau, qne qnand leur A.A. E.E.*'* y vont semblent tine arinee nanale; ontre an
Parc qui fournit quantite de Corfs, et antres animaux pour auoir le plaisir de la
Chasse sur le mesme Lac.
7) Lea Villageoises porteut la Robbe fort oourte, et les Villageois des Poiir-
points auec un rond long jusipies dessoiis les genoux plisse, et il ne portent point
des manches peiidantes.
86.
Des Johann Franz Diani?
baierische Geschichte von der Reformation bis auf Maximilian Emanuel.
In der ersten Abtheilung ist unter Num. 36 einer ziemlichen Reihe von thcil-
weise höchst umfangreichen Fascikelu mit Arbeiten zur Geschichte des KurfUrsten
Maximilian Emannel Erwähnung ge-sehehen, wahrscheinlich von seinem „Obriaten
nnd Ilistorischreiber“ Johann Franz Diani stammend, hauptsächlich in italienischer
Sprache.
Gewisseniiassen als die Einleitung zur Geschichte Baierns unter dem genannten
Herrscher erübrigen weiter zwei mehr oder minder in sich abgeschlossene Werke,
gleichfalls in italienischer Abfassang, wohl wieder des Johann Franz Diani, im
geheimen Staatsarchive.
a)
Das eine besteht — theils in Reinschrift., theils nur im Concepte, thcils mit
zahlreichen Abänderungen versehen — ans zwei gewaltigen Fascikeln, von denen
der erste die neuere Aufschrift „M. S. .8toria di Germania dal 1617 fin 1683“ mit
der unten am linken Rande angebrachten Zählung „pag. 1 — 13M“ führt, während
auf dem anderen von derselben neueren Hand steht: M. S. Frammenti alla Storia
di Germania, und aus Bruchstücken in einem besonderen Fascikel.
Ist der Inhalt auch wirklich so zu sagen eine Geschichte von Deutschland in
dieser Zeit, so lässt doch gleich der Eingang nicht verkennen, dass es eigentlich
1,77) Vgl. in dieser Beziehung auch die Note 165 S. 263 - 26,7. *
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262
Dicht darauf abgoseheu gewesen, sondern dass der Verfasser eine eingehende Darstel-
lung der baierischeii Geschichte vom Begiuue der Ueformation bis zum Nimweger
Frieden beziehungsweise bis zum Tode des Kurfürsten Ferdinand Maria oder noch
etwas weiter auch wenigstenH der ersten Uegieruugszeit des Maximilian Enianuel
beziehe.
Schon der Beginn des Ganzen lässt hierül>er keinen Zweifel. Quaiito heisst
es da si sia distesa nclla Germania, nell* Euro[»a, ed anche in parti pin lontaue
la potenza ed il nouie de* Boij, qiiauti graudi Principi abbia prudotti a se niedesima,
ed ad altri Dominj U Baviera, ne furono registrate da* gravissinii Scrittori le veri-
diche, et ugualmeute inaigue memorie. I^a Casa che v\ rcgna per alcuni **•) secoli,
e che vi reguu felicemeiite ne secoli piu remoti, Ktmile, poiianio dire a se siessa,
che turbati alle volte da sinistri accideuti, a* quali pemiettc Iddio, che i Grandi
sieno .soggetti, ö per provarne il enore, ö per aeuirne P ingegno, conservarono
tuttavia 1' iunata loro magnaiiiniitH. graiide maestra delle arti, cou le quali si vince
Pingiusta emulazione, e si regge la presente fortuna. Sono incomparabili, frequenti,
e degni d’ essere sempre celebrati ed iniitati per ia grandezzA, e per lo tine gli
esenipj, che lasciaruno di uua suggia foriezza, di una costante heneticeuza, e d'uua
iucorrota pietu; cosi che cou gran ragioue fu giudicato, che la Germania goderebl>e
interameute degli autichi suoi pregj, se tutti gli altri Principi avessino auuto comune
ctm questa Casa il zelo di sostenere la religioue ,de* loro muggiuri» e di procurare
Pindeiinitä dell* Imperio. Bcorreremo pero hreremente le azioui, che ne amrairarono
i prossimi teinpi deeorsi, esporemmo quelle, che vide la nostra eta; e dalP une e
d’ull altre ]>olrii scorgersi hen fondato il .souraccennato giudicio; e quauto sia vero,
che i Principi della Haviera, disceruendo le massime del n>gnare, impiegarouo la
forza, adattarono i oonsiglj ai btme puhblico, nel quäle uuebe il privato si coutieue'*');
e che seutendo sempre sananiente della Rcligione, abborrirouo Pinstituto di quelli,
che vollero a’ tempi et all* interesae accomtklarla.
Das Werk selbst beginnt mit der Geschichte der Reformation vom Jahre 1517
an, und gelangt auf Fol. 1154 zum Tode des Kurfürsten Ferdinand Maria. Puteva
tuttavia credersi, che quautunque non si fasse futta la pace con tutie le cauzioni
consigliate dalP Elettore di Baviora, averebbe quesli procurato, ch* ella nou si
alterassc; esseudo che la sicurezza degli Ordiui richi(Hieva; che Oesare nou atteutassc
alcuua cosa sopra le loro prerogative, e che gli stranieri non si dilatesscro uelP
Imperio oltre u que* confini, che gli furouo assegnati ]>er le conveuzioui: ma nel
158) Das Wort „alcani** ist durchstrichen and interpangirt.
159) Orspr&nglich stand: a se stessa reineriti, diedc al Mondo Imperatori, Regi| e Principi
ugoali a Rcgi, che le bene.
160) Das Wort „acaime“ ist darchstricbeo und interpongirt.
161) Anstatt ,^i contieno“ stand: e contenuto.
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2B3
di 26 di Mag^o passo migliore vita in eta di ({iiarantatro soii auni, e lasciö di
se nn disiderio tanto maggiore quanto che si credette, ch* averebhc potnto vivere
pin lungo t^^mpo, quelli, che non gcrivono particolarmeute le axioui, adduranno gli
eseiDpj, e le meinorie delle sue in^^igni virtu; della nna verace ed aasiduu pieta, della
ginstizia temparata e perfetta, della splendida e gruve moderaziono, della sua 8pon-
tanea e giodiciosa beneficenza. Diranno, ch* egli amu la patria cd il bene de' «moi
concitiadini con una. summa e(|iiita; che cercö la quiete de* suoi popoli con decorosa
cautela; che siucerissima ue fii la fede« e non »inmlata comc q?e))a di alcuni i
qnali teniono pia la fama che la coscienza: diranno ‘•*), che maturate dalla prndenza
— il di cni passo e anzi tardo, che freHoloao — ma ferme ed immutabili furono
le sue deliberazioui : cbe non eaaendo!«! mai ingerito iu alcuna guerra pote determinare
ad ogni facconda il sqo teni(>o, e ancbe alla solitndiiie ed al «ileusio incitameDti
de* grandi pensieri : che per la tned^ima cagiune gli aiivenne ancora di mantenere
HD* ordine sempre uguale nel sno governo, e di otteuere da «uoi niinistri che osser-
va.«»ero attentameiite le loro curiche , nelle quali dovevauo cnsto<lire il beneticio ed
onorare Telezione del Principe.
Daran reiht sich noch der Anfang der Hegieriuig seines Sohnes Maximilian
Kmannel in den ersten Achzigerjahren des 17. Jahrhunderts, aber nicht mehr in
eigentlicher Ausarbeitung, sondern so zu sagen als flüchtige Skizze, welche eben
seinerzeit aus dem massenhaften Stoffe <ler in Nam. 36 erwähnt worden zu einem
umfassenden besonderen Werke fortgesetzt und umgestaltet werden .sollte. So
162) Dm Wort ..qrella“ Ut erst üherge*chripb»m.
16H) Auch das Wort „diranao*' ist erst Qbergescbrieben.
164) Anstatt .Jaccenda** stand: occupazione.
165) Das ergibt sich auch unzweideutig aus einer im Entwürfe wie in einer mit verschiedenen
Aendemngen vemebenen Keinsebrift in den berührten Prammenti alla Storia di Germania Torliandenen
Vonede.
Lasdamo. dico, che la storia nniversale — bdsst cs dort anf Pol. Id* — ■ pin diletti, e piu
giovi per la copis, diversita, ed ordinata unione dclle matcrio, non dene perb negarsi, ehe la storia
particolare non abbia i snoi pregj , e le sue proprio vagbetzc. 8e questa non si ostende tant' oitre,
contidera perö in tntto le diroensioni que' looglii, dov* eila si trattiene: se non k varia per la
moltitudine della cose, spiopi perb pin distintamente i consiglj e pin csattomente le azioni. Esce
pur essa tal volta da' snoi confini, e d discopre i pin rimoti paesi, quanto h convencvole. ehe sieno
vednti 0 conoscinti; adducendo altre deliberazioni, ed impresc cola uignite, od anteriori, b posteriori,
b concordate, onuero opposto a qnelle, di eui principalmenbe si tratta: cos) ehe se le notizic non
sono tanto copiose, uon resta perb, ehe non sieno diletteToli, utili, e necessarie. Si agginnga, che
dallc storie particolari de' Principi i loro discendenti godono di tronare nella propria Casa grandi
fatti, e grandi esempj ne traggono le instrnzioni piu acconee per noatcoere i loro interessi e diritti,
per mcKlerare i consiglj o le deliberazioni, |>er conoscero U aito, \ coetumi, ed it genio de' popoli,
come pure le forze, o le massime de' Tieini, e de' Principi, de' quält 6 debbano diffidare, b eonuenga
di coltiuare Tamicizia.
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wird denn auch sogleich au Ferdinand Maria auf Fol. 1155' angeknüpfl: Elettore
Massimiliano Emanuele suo primogeuitOf benche gia poasedesse anche qTelle virtii che
Egli k COSA , che sieno pabUicatc
le azioni deU* Kleitore Masiiimiliaoo Emmanueli!
Daca di Baviera, afHoe che ad eiiao e<i a auoi
poatcri Don sia defraadato 11 prooenntogli da'
auoi gravissimi dispendj e dalle ane lunghe
fatiche. Kc lo atile non e qnalo richiedcrelib« il
Boggfito, aara, cred* io, gradita da’ buoni la
puriaaima e fcdelo aioccritä con la qoalc ne ho
scritta la -storia che poscia roeglio schiarata dal
felicc ialento di alcun altro pia aTventaroso e
di roe pia enidito saranno inacritti nella grande
atoria della sua Caaa, donde appartaea quanti
antichisaimi e fu^uaUti otnamenii ne riceaö il
aaddetto Principe, e qaanti egU ne aggionae
ngnalinente aingolari e memorabili. Scorreremo
i auccessi de* tetnpi dccorai; ?edremo, quält dia*
cordie 11 Bgitarono, e quali }>aci ne aieno acguite
da cni non ineno che dalle gnerre nacqvero le
turbolenze ehe afflisecro nella noatra nltima eta
io varie parti P Europa. Con tale occasione
poträ oaservarai . che l'Elettore MaiwimiliaDo
sec<*ndo nato nel trinpo in cni si aforzaua il
Tnreo di oecupare il Regno di Caiuiia, e niinau-
ciava d'invadere quello di V'ngbcna; allora ai
treuö adulto, ehe lo eteaso iroplacabiie nimieo
ai flgorb di opprimere la Germania, e iniHlitaua
di soggiogare l'ltalia, la forza delle quali
ratienne il corso rapidissimo delle rictone de*
snoi predpceaiori. Uunde pot« itcorgeni chiara*
mente, che meutre Iddio permette, che i snoi
popoli eiano espoati agl' infortunj ed nl fuore
de' anoi xiimici, nello att«8o tempo dUpone i
Tuetti per aaWarli. Vedreroo, che '1 auddetto
Princi{>e volle iinpitrgarc i primi auoi studj per
la difeae della Cristianita con rUolusiooe degna
del auo gran zclo, avendo nccondato con forte e
piena mano le diliberazioni di Leopolde primo
lmt»eratore, aotto al di cni regno u. 8. w.
Ho intraproao nach dem uraprQnglicbeo Ent*
würfe — di sciinere le azioni dell' Elettore
MasRimiliano Emauncle Duca di Baviera, ai
perebe roc lo impoae il debito , ai perche adeaso
et a* snoi poateri non aia defraudata qnella
glorm, che fu il aolo acquisto proaeontogli da*
anoi grauUnimi diapendj , e dalle aue lungbe
fatiche. Se '1 mio atile nou h quäle riebiederebbe
il aoggetto, nara cred* io gradiU )a aincera
esatt^xza con la qoale scriaerb queat*’ gcandi
roemorie, cbe poacia illaiitrate dalV eloquenta di
alcun* altro di me piu furtuoatu e pin eruditu
potraono inaerirai oelP iatoria della Caaa, donde
appariaca quanti anticUlaaiini et inaigni oroamenti
ne ricenette il noatro Principe, e qaanti egli ne
aggiunae ugualmeute grandi e memorabili. Scor*-
reremu U anccesHi de* tempi deoorai , vedremo
quali dlacordic le agitarono, e quali paci ne
aieno »eguite, da cui non nieno cbe dalle gnerrc
ebbero Torigine qnelle turbolenze che aftliaaero
nella noatra ultima ela in rarie parti rKuropa.
Con tale occasione oaaeruarsi , che *l noatro
Elettore nato nel tempo in cui tentaua il Turco
di oecupare il Hegno di Candia, e ininaccaua
d* iuuadore quello di Vngberia; allora si troub
aduUo che lo atesao implacabile nimieo ai flguru
di opprim«'re ]*Allemagna, e ineditaua di aoggio-
gare Pltalia. cbe aono le due sole pronincie, la
forza delle quali rattenne il corso rapidiaaimo
de* auoi progreaai: donde pot^ acorgerai ebiara*
mente, che mentre Iddio perinette, cbe i inoi
popoli aiano eapoati a gl’ infortunj ot al fnrore
de* auoi pn>prj nimici, nello t>tea»o tempo dit-
pone i meti per aalnarli. Vedremo, ch’ egli voll«
impiegu’e H primi suoi studj per la difeae della
Beligionc con dcliberazione degna del suo grao
zelo, auendo secondati 11 pgnsimi e genoai disegoi
di Leopoldo, sotto al dl cai giusto imperio
D. 8. w.
Nach näherer BerGhrung der Zuatande in der Türkei wird aodann auf Fol. 19 fortgefahrea :
Si vedrä, cbe *1 noatro Elettore dal tratio auperiore del Reno difese le vidne provincie, i auoi Stati,
e la patria comune: ehe di la paaab a eoccorrere il Piemonte, dapoiche fu giudicato necesaario, ehe
fosse vigoroaamente aoetenata, ö ai teneaae almeno coli riatretta « eoniinata una guerra che a* Francesi
era piu delle altre incorooda e dispendioaa. Vedremo quello, ch* egli fcce ne Paeee Baano SpagnuoU
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da altri nou fti acqviMano che nel progreseo del teropo. *••) luttavia uoo atendn aucora
toccato Tanno decimoUavo,**^) per le pubbliche , le qnali aorde ed invariabili
non diapenauio con il forte genio, che naf'ce e cresce ne* Principi ’•*) coltivato ch*
ei sia ***) da una felice ednca/ione» nott pote allora imprendere )a regouza. Di
questo narreremo particolarmente i conaiglj ed i fatti ch’ enipirouo*’^) per ccm dire
la niiaura del 8UO nuue. la lode che proviene ad un Princii>e dalle azioni e aaa
propria ed eterua ; quella, che deriva dalle attre qualitii pno dirai comuue a moUi ;
o paasa dal defunto al snccesMore.
b)
GewisserniHaaen als ein handlicher Auszug der eben behaudetten Arbeit, theilweine
in wortwörtlicber Herübernahme, beg^net uns eine baierische Geschichte wieder
vom Beginne der Reformation bis zum Nimwegerfriedeii beziehungsweise bis zum
Tode des Kurfürsten Ferdinand Maria, in sehr deutlicber Reinschrift mit Aenderungen
des Verfassers, in zwei in Pappendeckel gebnudenen Foliobänden von 1S9 und von
342 Seiten, wovon der erste bis zum Tode de» Kurfürsten Maximilian I, der zweite
bis zu dem des Ferdinand Maria auf S. 336 — 338 reicht: Intrattaiito passb a miglior
vita in etu di qvarantatre anni l’Elettore Ferdinande Maria di Haviera, che lascio
di se un disiderio tauto maggiore, qvanto che si credevn ch* egli avrebbe potuto
piedolo ausnio (1'ana grandin^ima eredita, e che allora serriva di alpine per coprire qae* metlesimi
SUti, che ii ribellarono dal Dominio Cattolico: per dilatarat ne' qvali impiegö i maggiori aforsi la
Fraoeia, con»e per dtfenderli vi accoraero qraai tutte le potenze delT Europa. Da eio, che qrivi fo
impreso ed intralazciato, aarä libero di giudicare i fini particolari ed occaUi cbe allora mnovevaau i
PriocipL Se detba dirai, che de ConMerati di rado aono nniti gli animi, benebe nieno ooite le forte:
cbe condocono erandi eeereUi negli altrai paesi per averne I’ arbitrio: cbe regolaoo con rinieresBe
gli aiuti, che promuovono qveilo de' ronünanti solo io quanto possano {>er la protmedere alla propria
sicorezza. 8i vedra, se |H>eiia dirsi, che sicome in qvel tempo non rilevava alla Repobhlica Ui Ollanda
di poseedere ono Stato preteso da uoa vicioa e forte poteou, per indeonita del qoale dovevano altri
moiti Principi collegarai con essa, qnan>lo foas« b minaccata. ouem asaalita; eosi gli coovt^iva. ch« 'I
niedesiinu Paeao Basao Spagnaolo ne fosee totalmente »oUomesso, ne maggiormente s'ingradisse. affloe
ehe non eegli auaicina»e un R« temuto, e oon ei rinfortaMüe uu sospi'tto. £ perch^ le gnme, cbe
n faervano in molte parti, poteoano dirsi una sola guerra, essendo eile da un solo consigltu diretie,
Sara necessario di tocesre anche i lontani soeeessi, per li qnali ben di radn i collegiati poterono
eseguire , e inolte volte cangiarono le preee deliberazioni. Si cimibatte nove anni contra la Franria,
tempo assat longo per le afflixioni dell’ Europa, e che non baat<> a decidere, ne a proccurargli nna
qniete skora.
Ifhb UriprQnglich lautete die Faesung: benche foiee giä tale, che nolla doveva attendere dal
tempo e dagli anni.
1(>7) Zoersl stand : toccato il decimo ottavo.
16H) Anfan^’s stand: Grandi.
löö) Die Worte „ch* ei eia** find erst Qbergesehrieben.
170) Die frühere Fassung war: fatti I primi de* qoali.
Abh. d. III. a d. k. Ak. d. Wi«. XV. Bd. 1 Äbtb M
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vivere pin lan(;o t«ropo, ed inMeme proccarare,*’*) che qvantnnqoe uon si foase
stabilita la pace delV Imperio ***) con tutte le canzioni, ella non si sarebbe cosi
toeto, come aTvenne, interotta,*’*) esaendosi in fine riconoaciuto *’*) da opjnno,
che se u. s. w. theilweiae in derselben Paasnug wie sie vorhin in a> S. 263 bis an
den Schluss mitgetbeilt worden: nelle qvali si dovevano cnstodire i1 beneficio ed
onorare l’elezione del Principe.
Anstatt der da noch folgenden Skizze der ersten Regierungsjahre des Knrfursten
Maximilian Rnianuel folgen hier nach dem Schlüsse der 8. 338 nur mehr 7 Seiten,
welche über ihn sozasagen ganz und gar wortwörtlich ”*) beginnen wie vorhin
S. 264.265 bis ans Ende bemerkt worden.
Der Anfang des ganzen Werkes spricht sich dahin aus: l«a Casa di Baviera
dalle pio remote fino alla nostra eta ha dati al Mondo grandi He, gloriosi Iniperadori,
e Principi ugvali a i Re. Si lascj che la Grecia a fine di reudere pin splendidi i
Buoi principj abbia ordita la sna storia da* favoleggiamooti : not in pruova dell'
antichita della snddetta Casa abbiamo la continnata e veridica tradizione, a cni non
si pui) senza temerita scemare la fede. abbiamo i fasti, ne* qvali sono registrate le
grandi e folici inipresi degli antichi Ke di Baviera e di Germania; i ritmi, che si
cantavuno in loro lode; e la nomenclatiira, che tuttavia sussiste , e diirera nelia
Bucce«tsione de' tempi. Egli e cosa notissima, che gli antichi prendevano i nomi
non a caso ma avvisatameute, perche ne indicassero il grado e Tingeguo ; e ehe
imposero gli stessi loro uomi talvolta a* fiumi ed a* monti, e per lo pio alle
popolazioni ed a* luogbi fondati da essi ; perloche si vedono anche oggidi nella nostra
Baviera alcune citta e molti castelli; üalla distanza dal sito de* qvali come^^*)
dalla dinüminazione, che ne addussero i pin antichi geograii ed i pin acenrati scrittori,
si conosce all* evidenza «wer* eglino que* medesimi, che ftirouo edificati da i primi
Re di Baviera, e da i loro discendenti. I trofei, le lapide, le inscriziout, i titoli, e
171) Von „cb* egli avrebbe^' an ist aof einom besonderen Zettel an den Rand geklebt.
172l Hier stand arsprOngÜch noch: e degli stranieri.
17:t) Znamt war geschrieben: alterata.
174) Die frühere PaMong lantete : essendosi notato.
175) Inebesondere anch narb der bereite angedeoteten RQckeicht, dass eeine Oeechiebte beeoo'
dere behandelt werden wird: Bi qvesto narrererao inrtirolarinente i coneiglj ed i fatti, che* empirono,
per coi'l dire, la mietLra del sno Nome.
Äneb eeboD gleich nach dem Beginne anf 8. 4 findet sich eine nnsweidentig hierauf goriehUtc
Anepielnng: Dovendo perö noi von anderer Hand geändert in: Intrapreei con qvalche ginsto
motivo di — compilare la etoria de) vtvente RIettore MasBitniliano Enmianoele, abbiamo etitnato
von anderer Hand geändert in: e perö stimai necessario di brevemente accennare alcnni de’ fatti
e di consiglj degli olt'mi snoi glorioei Predecessori o. s. w.
176) Das Wort „loro“ ist erst an den Rand bemerkt.
177) Die Worte „nella nostra Baviera** sind erat Qbeigeschrieben.
178) Die Worte „de* qvali come“ gleichfalls.
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le insegne , che ’n varie parti si scorgono , Ternceraeiite ci aimnouiacono . che i Ke
ed i Principi di Baviere per tntta la loro Serie fnrono atteiitissimi di lasciare a'
p<]steri le nieinorie delle loro azioni: sioome dalle scrittnrc pubbliche ed anten-
ticbisaime, dalle qvali per tutte le leggi u. s. w.
Der Scblnssabsatz lautet ; ln hne la pac« de i Ke di Praucia e di i^vezia e
deir Rlettore di Brandenbnrgo fn aecoudo il detlato del Cristaanissimo conclnsa e
segnata in Parigi, e qvella del Re di Danimarca dopn a qvalche teinpo in Nimwegen,
proteatb egli pare e si dolae di essere stato abbaudonato dal Brandenburgbese , ma
qveati se ne scusö, come gli altri con la legge della necessifä. la qvale — com' egli
allora affermö — aasolve chichesia da ogni contratto e da qralunqTe nbbligazione.
87.
Geuealogia Comi^um Schjreusium,
ex bibliotheca schyrensi desumpta,
auf ilrei ineinandergehefteten Foliobogen, deren letzte Seite nicht mehr tjeschrieben,
aus dem letzten Viertel des 17. .Jahrhunderts, im geheimen Huu.sarchire.
Sie behandelt ihren Gegenstand in ähulicher Weise wie die oben in den Num.
72—74 berührte Genealogie des Christof Gewold in Generationen, und zwar hier
in 30 solchen, da noch die Kurfürsten Ferdinand Maria und Max Emanuel berück-
sichtigt sind.
Gegenüber der dort erwähnten Druckansgabe des Gewold'schen Werkes rom
Jahre IGO."! finden sich hier vielfache Verschiedenheiten.
Nach „Luitpoldns, Leupoldus, Lupoldus, Leopoldus varie passim nominatus,
lichyrensium comitum gloriosus protoparens et auctor indubitatus“ findet sich vor
der siebenten Generation , dem ersten Arnoldus seu Amulphns cognomeuto Malus,
folgender Uebergang: Ab hoc tempore usqne ad annum 1180, id est ad Ottonem
comiteni Schyro- Witlspacensem, pur aunos 232 integros haec stirps ducalis iichvrensis
a ducatu Boiariae iuit exclusa. Nam Otto Imperator rogatu matris suae, dominae
Mechtildis, ducatum Bavariae tradidit fratri suo Henrico, eiusque uiori Judithae,
filiae Amoldi fratris Berchtoldi praedicti — nämlicb in der sechsten Generation —
sororiqno comitum Schyrensinm, qnae sola ex .\rnoldi liberis Boiariae cnm marito
imperaverat. Uaec Juditha, matrona formosissima simul et prudeutissima , fuudavit
coenobinm ss. virgiuum Katisbonae vulgo Niderminster, ubi iacet sepulta, fuitqne
avia 8. Henrici IT imperatoris romani, qui Baben bergensem qnoqne episcopatum fundavit.
Wie im Drucke stehen in der 10 und 11 Generation auch Weruher und Otto I
au der .Spitze; aber beide Generationen sind hier ausführlicher*’*) behandelt. ,
179) Die erstere folgendcnnsssen :
Werabenu, Berchtoldi Glios, comes Schyrensis, ex coniuge Beatrice, fliia Sophias sororU Coiomaoni
Hcogariae regle, dqos laecepit filiofl:
34*
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268
Der SchlnKs der r.wolfteu sodann lautet fol^eudermaÄseu ; Eckardus dictus mit
dem Buntschuech. Hic interfuit expeditioni a Godefrido BuUionio victoriosissimo
I^tharingiae duce in Palaestinani susceptae: da richtete Eckardus auflf zu nachts
neben seiner zeit einen schiU'ch o<ier stifi mit 3 rothen bundtrilhineu als sein feldt-
Zeichen : uti chrooicon nostrmu Inquitur. Es qua expeditione rediens in jnsnla C'ypro
obiii anuo llOl! Ute Eckardus superstiteH habiiit 61io8 Kckardum munachnm Schy«
rensem 1131« Ottonem et Hernardum comites de Wolfratshauseu.
Merkwürdig kurz werden die Weuerationen von der 17 an behandelt. Beispiels-
weise die 19: Ludovicus 1II***\ Ludovici IP* coguomeuto severi , Bavariae dux,
comes palatimis Rheni, eligitur in Roraanornm imperatoreni 20 oct. 1314. obiit
5 oct. 1847. sepnltus Monachii nd divam Vit^nem. summus nionasterii nostri
l>euefactor ob douatain et incorporatam parochiam PfafFenhofeu et alia pririlegia
monasterio coiicessa. Uxor prima: Beatrix Polona; secunda: Margarita Hollanda.
Filius eiusdem Ludovicus marchio brandenburgensis dunavit monasterio parochiam in
Vobburg cum pertiuentijs, et fundavit missam qnotidianam perpetuaiu in capitulo
Schjrensi.
Von der 25*^ Generation au fuhren die Herrscher folgende Beinamen : Guil-
lielmus constaus, Albertus magnanimus« Guillielmus religiosus« Maximiliauos vere
maximus, Ferdinandus Maria paciiicus, Maximilianus Emmanuel bellicnsns.
88.
Des David König
to]K>grapbiscb-staiistiHche Ge«»chichte des Herzogthiims ZweibrUcken,
vermehrt im September 1093.
Sie führt in einem Pappendeckelbande des geheimen SUatsarchives in Folio
den Titel wie Kum. 84« woran sich noch der Zusatz knuptl: uunniehro mit «
Ottonem; hic Otto est primos inter Ottones Schyrenses;
Babonem I*“".
Hic Oabo comcs postea Abenspergicus , iscredibiH forme foecanditsto liberoruu cohortem nactus, 40
•ols)]e«, inque iis mare« omne« legitimo tfaoro eiceptos, Honhco I jmperatori addaxit, qooc CaeMr
omnes in lilios suoa adoptavit
Die eilftc Üeneratiou Uiutüt folgendermosaen:
Otto 1*^% Wcrnlieri Alias , comos schyrensis, paUtinas Boiariao, obiit anno 1040, Mpultoa Fritioga«.
Uzorem habait Totam. comitis NaasovieDsis Aliam, de qaa nati aant:
Otto II'*“’, de qoo infra.
Amolpboa. protoparens comitam in Dachao, qui cx lieatricc coniuge excepit Conradom et Ottonem.
Cbnradas rareos geaait Arnoldum et Conradum IH**.
Hic Conradns II**“* ex domiaa üthilda aascepit Aliam Conradum III'*““'.
Conradas, a quo comiteo de Pbtlay orioodi. Qui Conradus postea gennit Coalteram archiepiscopum
trevirensem, Ottonem, Conradom, qoi roraoi gcnoit Conra*lam et Ottonem.
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269
verscfaiedcuen uotatis Hlter den die>^mithli);en Zu.staiidt dp» Ilprzo^lhiinihs vermehrt
vndt des köni|;l. Schwedischen Plenipotentinrij Herrn Graffen von üxeiistirus Eieelleua
vnterthänit^t überreicht, den .V“ Septeiubris von jetznmhli(ter fOrstl. Pfalz-
zweybrückischeii Regiernng.
Sie ist bis S. S3 hslbbrndiig in der Weise geschrieben , dass zn dem in der
rechten Spalte befindlichen Texte David Königs vorn 15. November IS77 in der
linken die Zusätze angebracht sind.
Daran reihen sich sodann noch l>PBondorc Anhänge, beispieUweise von S. 85
bis 119 die „Specification des Fttrstenthumbs ZweybrOcken Vasallen, auch wasz
selbige zu liehen tragen“ und S. 120 — 123 was hingegen das Herzogthnm zu Lehen
trägt, worauf S 124 mit der aus Meisenheini vom 4 September 1R93 datirteu
Bemerkung schliesst: Vndt dieszes ist wasz mann von dem dieszmahligeii Znstandt
des Herzogthnmbs ZweybrOcken in Ermangelung der Acten, so wegen der vusicl.eren
Zeitben vndt lauflen theils jenaeiths Rheins theila nacher Bischweyler vnd Strasburg
transportiret worden. Ober obiges zu auuotiren geweszt.
Ans den weiteren Berichten von S. 125 — 179 »ei hier nnr noch der von
8. 128 — 136 erwähnt; wie die Jnstitz in dem Kiirsteuihumb Zweybröbken hiebevor
administrirt worden , vndt wie es ahnjetzo damit gehalten wird, sambt ohnmaszgeb-
licher anzeig wie solche noch zur Zeith eioziirichten wäre.
89.
Des Karl Ludwig Tolner
Genealogie der ältesten Pfalzgrafen bei Rhein.
Sie findet sich auf losen Bogen und Lagen in einem weissen Papierumschlage
mit der neueren Aufschrift „Expositiones Genealogicae Palatinae“ im geheimen Hans-
archive. Nach einer Bleistiftbemerkuug unter dieser Aufschrift ist sie seinerzeit
„bey der orleanischen und lithauischen .^ucceasion“ gelegen
Der Text besteht aus einem Bogen, dessen erste ,Seite dem Titel gewidmet ist,
während die folgenden drei die ,,Praefatio ad Lcctorem“ enthalten, und aus 8 I.,ageu
von je 2 Bogen oder 40 Seiten. Hiezu kommen drei oder wenn mau will vier
grössere Stammtafeln.
Der Titel lautet: Expositiones Genealogicae Palatinae seu rationes et proba-
tiones GENEAIXIGIAE verae et genuinae, hactenus non satis cognitae. primorum
et antiquiasimorum COMITÜM PALATINORUM RHENI ut et eorum in Palatinatu
Rbenano eidemqne annexo Palatii Vicariatu-s et Archidapiferatns officio vera et
indubitata successio a temporibus Conradi I Imp. usque ad Rudolftim I Habsburgicum.
Ex ipsis Antiquitatis Historiae fontibus, anthoribns ut plnrimum coaevis fideqoe
digniasimis mannscriptis antiquissimis, ipsorum deniqne Imperatorum hinc inde datis
diplomatibns vetnstissimis, omnique exceptione majoribus testimouiis erutae et ftisius
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270
de«1iictap, Ktndio ÜBroli Lndovici Toliieri Pal. L. H. Clftuenlii-fi. Principi Naasovio-
EHIIenb. quondam a stadÜN.
Die Vorreile be/.eichiiet in ihrem Schlussab.saty.e die Aufgabe des Werkes
folgenderniasseii : liisee praemuiiitis sisto tibi, beiievole Lector, uovam et bactenns
non satis cuguitam (ieuealogiam Comituni Palatinorum Rheni antiquissimornm
eorumque in Palatinatu Rhenanu veleri eidemquc annexu Palatii officio veraiu et
indnbitutuni a temporibus Henrici I et Ottonis 1 nsque ad Imperatoren) UudoUnm I
Habsburgicnni successioncni , quam mox sequetur Historia Palatina ipsa jam fere ad
prelum parata, quä res quae hisce Ripositionibus Genealogicis jam tibi exbibentur
fusius expoueutur.
Vom Texte behandelt das erste Kapitel ohne Üel)er8chrift bis S. 13 im grossen
Ganzen dasselbe was auch das Caput 1 iler ol)en l)ernhrten iin Drucke tu Frankfurt
am Main im Jahr 1700 in Folio erschienenen „Historia Palatina, seu primornm et
antiquisaimonim Comituni Palatinorum ad Kheunin res gestae eorumqu« in Palatinatu
Rhenano vera et induhitala, hactenus non satLs cognita succeasio“ umfasst: qno
ostenditur, coroites Lucenihurgicos ntinquam fuisse Comites Palatinos Rheni, nti
hactenns creditum. Caput 2 , von >S. 1 4 au , handelt de antiquissimorum Comitum
Palatinorum Rheni in Palatinatu Ithenano eidemquc annexo Palatii officio successione.
Es bricht in der Frage nach den Geinahlineu des Pfalzgrafen Kunrad gegen Ende
des 12. Jahrhunderts — in dem angeführten Drucke der Historia Palatina S. 331 —
mit den tVorten ab: cum certnm sit, nullum Rheni Palatinum hoc tempore (id est
ante Conradiim Rheni Palatinum, fratrem Friderici I imperatoris, Hermauni succes-
sorem) in rerum natura fuisse, qui nomen Conradi gesserit: errant denique et alii
qui cum Heniiinl gesio].
Von den Stammtafeln entspricht die erste auf 4 zusammengeklebten Blättern
derjenigen, welche in Kupferstich anf die Vorrede und das Inhaltsverzi’ichniss der
Druckausgalie der Historia Palatina folgt, in unserer Handschrift unter der ganz
oben gleichfalls in einem 8chwarz.en Kreise angebrachten ücberschrift : GLORIA
ÖTIRPIS PALATINAE, seu Genealogia Comitum Palatinorum Rheni hactenns non
satis cognita, uova, ex ipsis Autiquitatis Historicae fontibus ernta et exoruata,
Studio Caroli Ludovici Tolneri Palat. L. H. Ibrincipi Nassovio Dillenbnrg. quondam
a studiis. Die zweite, mit B bezeichnet, ist die in jenem Drucke gleich darauf und
zwar ebentalls mit der Zählung B folgende. Die dritte endlich, mit E bezeichnet,
entspricht der dort auch unter Fl aufgenommenen.
Man wird wohl nicht besonders im Irrthvuue l>efangen sein , wenn man das
Ganze als eine Vorarbeit zu des Veriassers Historia Palatina betrachtet, welche
allmählig ans diesen ersten Stndien herausgewachseu. Wenigstena wird man dos
bereits ans dem vorhin mitgetheilten Schlüsse der Praefatio ad Lectorem in unserem
Werke, welche — wie auch der Text selbst — theilweise wortwörtlich eben in
die Historia Palatina hinilbergenommen ist, ohne besondere Bedenken annehmen
dürfen.
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271
90.
Abriss der allj^etueinen uad deutschen wie der
pfälzischen Geschichte
bis in das zweite Viertel des 18. Jahrhunderts.
Er findet sich, wohl für die Unterweisung pfälzischer Prinzen in der Geschichte
bestimmt, in zwei Exemplaren im geheimen Staatsarchive:
A) in einem mit weiss-gelbem Papiere überzogeuen Pappendeckel bande in Quart,
aus dem Besitze des Plalzgrafen Friedrich zu Zweibrücken , der sich daselbst vorne
am ersten Blatte am 24 Jänner I7.S7 eingezeichuet,
B) in zwei gleichfalls mit weiss-gelbem Papiere überzogenen Pappendeckelbün-
den in Quart, von denen der erste fast ganz, der zweite nur mehr bis zu etwa
einem Drittel beschrieben ist, und wovon der letztere auf der Vorderdecke in lauter
gsossen Buchstaben die Anfschrifl führt: Hisloriae Palatinae Epitome. Von dem
was weiter darunter befindlich gewesen ist nur mehr „Domino“ zu erkennen.
Die allgemeine und deutsche Geschichte bis in das Jahr 1718 reicht in A von
S. 1—109, in B 1 von S. 1 — 113.
Die pfälzische beginnt in A mit S. 119, in B I mit S. 118, und behandelt
nach kurzer Einleitung Uber den Ursprung der Pfalzgrafen
1) zunächst die vor den Wittelsbachern von Eberhard bis zum Tode Heinrichs
des Stolzen im Jahre 1227, in A von S. 12fi — 137, in B 1 von S. 127 — 139,
2) die aus dem Hanse Wittelsbach von Ludwig dem Kelheimer bis zum Tode
Ottheinrichs im Jahre 1559, in A von S. 137 — 171, in B l von S. 139-177,
3) Die .Simmern’sche Linie von Kaiser Kuperts Sohn Stefan bis zum Jahre
1685, in A von S. 171-198, in B I von S. 177—208,
4) die Nenburg’sche von des Herzogs Wolfgang Wilhelm Sohn Philipp Wil-
helm bis zum Jahre 1716, in A von S. 198 — 204, in B I von S. 208 — 215,
5) sodann in A gewissermassen als besonders gekennzeichneten Abschnitt die
Zweibrncken’sche von Ludwig dem Schwarzen bis zum Jahre 1722 von S. 209 bis
230 bis 245, in B ohne diese Abscheidung in ununterbrochenem Verlaufe, und zwar
im Bande I von S. 215 — 243 und sodann im Bande II von S. 1 — 17,
6) die Landsberg'sche von Friedrich Kasimir bis zum Jahre 1681 , in A von
8. 245—249, in B II von S. 17—22,
7) die Kleeburg'sche oder schwedische von Johann Kasimir bis zum Jahre 1718,
in A von 8. 249 — 267, in B II von 8. 23 — 45,
8) mit ihrer „Nebens-Branche“ von Johann Kasimirs Sohn Adolf Johannes
bis zum Jahre 1731, in A von S. 267 — 273, in B 11 von S. 45 — 52,
9) die Velden z'sche von des Herzens Alexander von Zweibrücken Sohn Rupert
bis zum Jahre 1694, in A von S. 273 — 278, in B II von S. 52 — 58,
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272
10) die Hirkenfeld’fiche von <les Heraog» \Volfj{iUig von Zweil)rücken und Xeii-
bnrg jllngstem Sohne Karl bis /.nni Jahre 1071, in A von S. 27« — 281, in B II
von S. 58 — 02.
II) die Hiachweiler mit Christian I, in A bis S. 288, in B II von S. 02 — 04,
wo.selhat der St-hlnssalKala lautet: Endlich bekuin er wegen dem Heuratbsguth,
welches seine Krau tiemahlin an Zweyhrncken wegen ihrer Frau .Mutter , einer
Printr.essiu von Kotian, /n forderen hatte, die l’fiindschafft von Bischweilcr, allwo
er auch seine Kesidenz batte.
!ll.
Acta dio Stranhingisclie Erbachafft betr. de 1425 — 14. 80.
Ex .\rchivo .Monacenai ad .Archivura Bijiontinuni.
Diesen Titel führt von der Hand des l’falz.-Zweibrücken 'sehen wirklichen geheimen
Ratlies lind ersten Archivars .lohanu Heinrich Bachmann ein in Pappendeckel mit
gelb-braunem Papiernber/.iige gebundener Foliant des geheimen Staatsarchives.
Au seinem Schlüsse lieglaubigte er zu ZweibrOeken am 18. Februar 1779, dass
„dieser Codex Mannscriptiia von einem andern collationirteii Codice Mauu.scripto ans
dem Münchner Archiv getreulich abge.«chriel>en'‘ sei.
Er beginnt mit der im Prkundeubnehe zu des Professors l)r. Friedrich Christian
Jonathan Fischer Oeschichte des ersten Jahrgangs der Stniubingischen Erbfolge —
vgl. seine kleinen Schriften aus der Oeschichte , dem .Staats- und Lehenrechle H
S. 1 bis 402 — unter Num. 28 abgedrnckten „Teiding als wir Herzog Heinrich
mit saniht vn.«crn lieben Vettern Herzog Emsts und Herzog Wilhelms Raten zu
Straubiugeii gethan haben“ im Arch. Tom. Privileg. X.VII Fol. 81 , und schliesst
mit dem Schiedspruche zu Nürulzerg vom Samstage nach (iall dos Jahres 1430.
Ein bei der .Alischrift der Erkunde „die Geisel, die Herzog Heinrich von des
Niderlands wigen getan hat zue Arnberg“ vom 17. Sept. 1420 lose liegender Zettel
besagt: .AU mir dieses Manuscript von München koiiimunizirt worden, war meine
Vorlegung'*") schon unter der Presse, .sonsten hätte ich den § 115 — Vers: Von
Seiten Herzogen Heinrichs etc. — p. 149 nach der Erläuterung, welche Herzog
Heinrichs Revers (der heisst in diesem Mscr Geisel) vom Dienstag Exaltalionis Crucis
1420 und Spruch Briff vom Samsdag nach st. Gallen Tag 1430 au Händen giebt,
eingerichtet.
180) Nämlich die iin Jahre 1778 zn Zweibrheken erschienene Verlegung der KideicommimriKben
Rechte des Kur- and Fürstlichen Hauses Pfalz überhaupt uud des regierenden Herrn Herzogs zn
Pfnlz-Zweibrücken , als dermaligcn nächsten Agnaten nnd Kurfolgerz, insonderheit, anf die von
dem am 30. Des. 1777 höchstaeelig verstorbenen Herrn Kurfürsten Mnziiiiilian Joseph in Bsiera,
nls dem letzten ans der Wilhelminischen Linie, verlassene anmmtlicbe I,ande nnd Leute samt
Zugehürde.
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273
»2.
Des T li o m a « E It e u d u r f e r
Bischofakatalog von Lorch-Passau.
Eine mehr zierlich als correct gefertigte Handschrift des geheimen Staats-
archives aus dem 10. Jahrh. in Folio, nach dem stark gebraOnteii ersten Blatte mit
der Anftchrift „Patauiensis episcopatue priiiilegia et seriea epi.scopornm** längere Zeit
ungehiinden gewesen , enthält nach einem Oopialbnche von Urkunden und anderen
Aktenetflcken der Paasauer Kirche '••) eine umfangreiche (Ihronik von Lorch-Passau
bis znm .lahre 1402.
Der Verfa.sser ist nicht genannt. Doch dörfte es nicht zu gewagt sein , auf
Thomas Ebendorier von Haselbach zu rathen. Man weiss von diesem fruchtbaren
Schriftsteller, über dessen geschichtliche Arbeiten Ottokar Ixirenz in der zweiten
Ausgabe von Dentschlauds tieschichtsquellen im Mittelalter von der Mitte des
1.3. Jahrhunderts 1 S. 226—235 verglichen werden mag, dass er auch einen Bischoft-
katalog von Lorch-Passau gefertigt, wie er selbst Wstimmt in anderen .seiner Schriften
angibt. Wie es den Au.schein hat, wurde aber dersell« jedentalls in neuerer Zeit
nicht besonders berücksichtigt. Wenigstens aussert Lorenz a. a, 0. I S. 234 in
Note 1; Was es mit dem Catalog der Pa.ssauer Bischöfe auf sich hat, weiss ich
nicht; Zeissberg, der ihn verglichen zn haben scheint, urtheilt sehr nngünstig
darüber.
Ich habe keine nähere Kenntniss von der Sache, und beabsichtige auch hier
weiter nichts als in Kürze einige der wesentlicheren Anhaltspunkte mitzntheilen,
welche mir bei Einsichtnahme der in Frage stehenden Handschrift den Gedanken
anfgedräiigt haben, dass man es mit dem Werke des Thomas Bbendorfer von Hasel-
bach zu thnn habe.
Es ist zunächst bekannt, dass er eine lateinische Kaiserchronik wie auch eine
Chronik von Oesterreich geschrieben. In unserer Handschrift, in welcher sich das
Werk über Lorch-Passan bald nach dein Eingänge „Priscornm caritatem ad nos
patrum, qni non solnm came sed et per euangelium in Christo nos geniiemnt sancte
IM) Zunächst von Fol. I bis an den Ocbluss von Fol 74'. Von dem letzten Aktenstücke
findet sich der Schloss auf den ersten 8 Zeilen des Fol, 77 , indem ein Bogen zwischen Fol. 74 und
77 gebunden ist.
Dann folgt von derselben Hand ohne Ueberschrift blos nacli einem Zwisebenraame von
höchstens einer Zeile; Hncusqoe tractauimus de origine Gotbomm, qni et u. s. w. auf Fol. 77, nach
dessen Bückseite die Fortsetzung aus dem bemerkten Grunde des Vorbiodens dar Mindschrift auf
Fol. 75 folgt, bla: ab allis nationibns Inbripolla, st a Tiberio eius reconatruetore Tiburnia
est Tocata.
Hieran knüpft eich wieder nur nach kleinem Zwisebenraume und ohne Ueberschrift: Post
dsoeriptioneni gentium et dioerssrnm uationnm Enrope, bis auf fi Zeilen des Fol. 76, welches sodann
leer ist, mit dem Behlnise: Fontonina, Chathalamnt, Hemnne.
Abh. d. III. ('I. d. k. Ak. d. Wiss X V. Bd. I. Abth. 35
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•>74
coQuersatiouid** u. %, vr, als Catalogus incliti ducatus Au.^triae praesulam a diebus
<|uibus fidei christianae co)1a decrevit submittere b^Koicbnet, fiuden sich zahlreiche
Verweisungen auf ein von ihm verfasstes Directorium; ausserdem beispielsweise bei
der Behandlung des Biscliofes Otto von Lonsdorf die Bemerkuug: ut in cronica
Austriae clurius prosequntus smn ; uod abgesehen von anderem lesen wir nicht lauge
nach dem Beginne dos Ganzen: serenissimi priucipia ac domini domiiii Friderici III
Ronjauorum regis seniper augnati neenon Aostriae Stiriac Karinthiae aUjoe Carniolae
dneis etc. maiidalis obtemperans pauca de gestis ortu et occtisn Romanornm regum
depinxi, .\ustriae etiam cronicam» (juam de materua lingua in latinnm transtuleram,
«ihi qnibusdam addltis et resectis eisdem counectere decrevi , ut unios voluminta
qnautitatem meis acriptis efficereni. etiam qiiautum ex diverais historiis extrahere
potui spiritualium patruiu archipraesulum et episcopomm hujns ducatus principniiier
cathalogum iu uiium conscribere non inutile censui, ad incitandnm undeenmque
legentium animos ad ipsorum gesta deo digna, ut sectatores efheerem.
Ausserdem erwähnt Flieronynuis Pez vor der Ausgabe der österreichischen
('hronik im zweiten Theile seiner ?^riptores rerum Austriacarum S. 6^^3, dass unser
.Wiener Domherr und Hofcaplan wie Universitätsprofessor ’•*) auch die Pfarrei
Herchtüldsdorf iunegelmbt. In unserer Hiimlschrift sagt der Verfasser unter dem
Bischöfe Leonhanl von Leiming» dass dieser ihn priinum ad eeclesiam »ancti .lacobi
in Valkennstain et post triiim mensiuni spalium ad ecclesiam Virginis gloriosae io
Herloltsdorff **•} anno domini 1435 gratiose et liberaliter habe investiren lassen.
ls;ü) Anspielungen gersilc auf Wien finden sich an mehreren Orten.
So wir.t alsbalil nach dem beginne des Ganzen bei UerQhrung des durch die Bemühungen der
christlichen Heiligen verdrängten Ileidenthnms bemerkt: abiectis sporticiis* ydolorum cultibos Martis
precipue et Jouis» qiiibos huius prouintie quondam delusa vesania ineolanim Jedita fntMe dignoscitnr,
pToot in ipsorum statnis. que hodie Wienne pre foribus eccletie sancti Stephani cancello ferreo incluse
Mruantur, a Gumlramsdortr turri vt fertur allatis pro memoria, sat s liqnct
ln der Behandlung der Thätigkeit des Qulrinos heisst es bei Gelegenheit der Erwähnung der
\Mta des heiligen Severin: vita nnstri sancti Patron! Seuerini. abbati« monasterij fauianensis, id e«t
Wienne al eios mnros |>er eundt^m fnndati.
Weiter auch unter Altinann: Ouatiiuis istius presnlis merita tongc Uteque quidam ut sui
cenobij prnfessus sf»argere disposuerit, )>er quantam ignotam feininam grauate fame diebus nostrii
nescio quo jkcrmote spirita adeo ut et suis artibus lUdos ostentaret, pront clarius in scalis Vienne
muletatam vjdimns, et wlgarcs ad ipsins Hmina contra prohibitionein ecciesie venire neque probibeq
possent aot auerti, prefati poniifieis denotione succensi: hoc tarnen non admisit diuina pronidentia
qain condctain detegeret salubriter falsitatem.
War vorhin von der Vita des heiligen Severin die Uede, so geschieht ihrer ansaer anderen
Stellen auch bei BerQhmng der LQcke der Loreber Erzbischöfe von Theodor bis Vivilo folgendermassen
Erwähnung: vita elarinsimi nostri i>atroni beatiasimi Seuerini monacbi et abbstis. quam Neapoli
reperi io eins monasterio, vbi et ipsius gleba in altari sunimo conditur.
1S8) Bereit« unter Bischof Petrus findet sich eine längere Stelle über diese Pfarre, deren Text
ich hier — zum Beweise der am Eingänge aufgestelKtm B<5liauptnng, wie wenig correct theilweise
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27r.
Fasst man sodann die Nachrichten ins Auge, welche Thomas Ebeiidorfer über
sich selbst in dem Abschnitte de ortn Scriptoris am Bchliuse des vierten Buche.^
seiner österreichischen Chronik augehängt bat, so wird sich allein daraus schon im
Zusammenhalte mit verschiedenen Andeutungen in der Handschrift des geheimen
StaaUarchives jene Annahme rechtfertigen. Kr bezeichnet dort einmal Hollabrumi
als den Ort seiner Geburt und Taule- Wir hören ferner daselbst von besonderen
Verbältnisseu der dort betindlicheu Kirche des heiligen Lorenz mit eilf anderen
Pfarrkirchen, welche damals ,«Zweltterin^^ hiesseu. Und endlich bemerkt er gerade
hiebei, dass er davon ausfubrlicber in seiner Chronik von Lorch-PassaiC^*) gehandelt
aiis«n? HaDdtclirift ist — ohne Aen<i«runi? mittheil«. Kt ut huius presuliü antplior circa spiritualia
•ollicitudo appareat. tpse uldetar diocesi sue tiaes vi$;ilanter pertaHtrassf , ct suura cpiscopaie offidom
propria io persona instar sni predeceasorU deuotos pertoluisse et aiiministiaesc. Kccc anteeessor
costcr Ottinaniii ipae in cectesia parrochialj in BertoUtorf, cui dei ut aiebat permissinae deseraio,
capellam beatj Nicoiaj in sinistro prefate ecclesie de presenti collocate, que tune in dos dextra fundata
cxtiteiat. xxv tal. aaKnsti rnaemn altare eiusdem dcdicauit. eodemqoe die altare sanctonim Simoiii«
et Jude, Andrec et Bartholome], sancti Stephan] prothomartiris , Tbcodori, Kunigundis, xi miliuin
virginum, et sancte Klisabvtb. in medio ccclesie, qnod nunc omniuin apostolorum vocatur, ante trienDium
ad aliiim tranalatum. similiter consecrauU propria sua in persona. Kt quia prefata ecclesia in gweria
expulsione Pridorici ducts a patria .\ustrie per prefatutu ducem fuit incinerata in «xlium domtn]
Ottonis de Berchtoltxdorff, suprerni Camerari] ducatos Austrie, in Camerstain Castro reaidentis, cotus
hodie Hupersunt in Berchtoltxdorif rcstigia, prefate cccieaic fundator, ipsius quo<}ue altaria |»er qaandum
desperatum sacrilegum presbiterum fuere violata. sanctorom quoque renerabiles reliquie furtim
ex eisdem ims ablate. Ücet per iiisequentea deprebensuji fncrit prrditus iste, reenperateque
reliquie: scedulas tarnen desiguantes easdem ex nomine recu]KTare non valereut: ob quod et sepedicta
ecelcsia desolata remansit vrque ad annum domini MCTLXX, in quo et v*» jdus noocmbrii prefatus
Ten«‘rabllis pontifex Petrus eedesiam Bertoldensem inm refonuatam dedieauit in bonore sanctissinie et
intemerate dei genitricie virginis ^farie, cuius patrocinio hodie gloriantur, licet a fundo diebus meis
de nouu ree<lififata exiatat. et ante bieoniuin io eins naui testudioata desuper, basilien quoque ipsius
Bubtus conpleta, et duo altaria aancti Marci et AugOBtini immoueriua quattuor aanctoruin doctoruin
ecclesie ae apoetolorum in medio ipsius — me plorimum operante per reucrendum patrem dominum
Franciscura Assisien episcopuro de nmndato reuerendiasimi domin] Johannis sancte romane eedesie
tituli aancti Angeli diaconi cardinalia per Uermaniam legst] cmi^ecrata anno domini .MCCCC xlviii].
1K4) Auch auf diese beiden Orte Huden sich hier und dort nähere Änapielnngen.
Bei Lorch wird unter Quirinui bemerkt: in Castro Laurcaecnsi. in loco qni vsque hodie Ronia-
nurum Todfatur captiuita«*, quem hodie fratres minores ibidem fnfra »na septa iKMsident.
Paa»au*a sodann wild unter Erzbischof Bruno von Lorch , welcher auch nach dem Tode de-«
Bischof» Ottokar von Pasaau diesen Sitx inne batte, folgendermassen gedacht: Hcc Patauienais ecclesia
ecribitar in cronjds a Popino, filio Anchise. qui et maior domus erat, maritus Plcctrudis, Grimealdi
ducis Bowariorum et Campani« filia, refonnata funditus: cuius &li] Bo so et Grimualdua: mde versus
Colonie scripti:
I*egali Thatonio PlcctmiUi iuncta Pjfpino
Busonem genuit. magnumque ducem Grtmoaldurn,
primum principein tJampanie, secundum Galliarnm. Habetur eius ymago hodie Patauie, a dextria
maioatatia haben» eccleaiam in manibiu: et Plectrodis a dextris eius.
;tr>*
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27fi
Hin) dort jeu» 12 Kirc)nm mit Xameii autgefUhrt )iabe: pront latiiia in praomluiu
l.anrpacensiuni catologo de^cripai, n)>i et Iias dnoileciin eoclesiaa ex noiuiiie designari.
Waa entnehmen wir hieni aus iiiiaerer Handschrift? Unter dem Vorgänger des
Biactiofs (.*tto von Lnnadorf, Herthold, heisst ea bei der Krwühunng der lehenweiaen
Uebertragnng von 12 l^farrkirchen an Bremr.laus o<)er Ottokar iiei Oelegenheit seiner
Vermählung mit Margaretha von Oesterreich: abatrncta sola liii, Holohrnnna nomine,
in ipia (|iii hec acriiin mcrnm baptisma snscepi, (|uam ad instautiam canunicornm
Paiaviensium ad daudutn assensnm pracfntac infeodationi ipsorum naibna deputavit.
Und was sodann die vorhin ta^merkten besonderen Verhältnisse der 12 Kirchen
betrifft, wobei namentlich auf die Chronik von lajrch-I’assau verwiesen ist, äussert
unsere Handschrift unter Biachof Reginmar, dass er den Markgrafen Leopold den
Frommen, den Stifter von Kloster- Xeuburg, dazu vermocht hatie, nt deciniationes
multarum ecclesiarnm, qnaa sui praedecessores saecnlari consnetndine contra decreta
patriim possederant, ecclesiae dei remitteret et restitueret, et i|>Karum ecclesiarnm
rectoribus iuautea colligendas commemlaret pro salute siia, Aguetis couthorulis, et
snac prolis. qiiod et factum sui duo maiores natn hlii in manns praefati episcopi
astipulautes laudavernnl, Albertus videlicet et Leopoldus. nomina autem ecclesiarnm
haec sunt: Xeunhurgk, Holnbrunne, Oors, Polaii, Kgkndorff, Kuspach, Mistelbach,
Valkcnnstain, ladsz, Mnszleich, VVciderfeld, inaior Pulka, Alhat, et FTemburgk.
precibus tarnen Hartmanni praepositi Nenuburgensis primi religiös), cnjns conailio
et monitu praemissas princeps deo deuotus decimas sam to Stephano nt praemittitur
remiserat, deciniatinnem ecclesiae Neunbnrgensis parocbialis coeuobio sanciae Mariae,
qnoil jam dictus niarchio religioso affectu construxerat, idera pontifex delegavit.
Ohne auf weiteres hier eiuzugehen, theile ich als Probe des Textes Stellen aus
dem Abschnitte Uber Bischof Rndiger und seinen Nachfolger Kourad mit Ktlcksicht-
nahme auf ihre Beziehungen zu dem berüchtigten Passauer Dekan u. s. w. Albertus
Boheinus unten S. 2Ü3 — 2!I6 in der Beilage mit.
!)3.
Copialbnch über den Salzburger Bauernaufstand
in den Jahren 1523 und I52H.
Ks tindet sich alischriftlich , aus.«erordentlich eng von einer Hand des vorigen
Jahrh.« gefertigt, im geheimen Staatsarchive auf t Lagen von je 7 Bogen oder 94
beschriebenen Seiten in Folio, mit einem Inhaltsverzeichnisse über das Ganze, wel-
ches die fünfte [tage gleichfalls von 7 Bogen bildet , wovon die letzten 5 Blatter
und die Rückseite des vorhergehenden nicht mehr beschrieben sind.
Bas erste nicht gezählte Blatt der ersten laige bildet den Titel: Brieffereyen
und Beytrsge zur Geschichte des Aufruhrs im .sechszehnten Jahrhundert. Eine spätere
Hand hat das dahin verdeutlicht: oder Sammlung von Sendschreiben, Vollmachten,
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Verträgen, Befehlen nnd anderen Aktenstficken, den Salzburgischen Banern-Aiifstand
von 1525 nnd 1526 betreffend.
Mit dein zweiten Blatt« beginnt der Text in der Weise dass er zwischen zwei nicht
sehr breiten Kündern steht, wovon der innere die Zahl der einzelnen .\kten.stOcke
von 1 — 109 einschliesslich mit kurzer .Angabe alier ihren Inhalt verzeichnet, der
äussere eine fortlanfende Reihe von Zahlen nach einem Buchstaben, welcher wohl
ein kleines o sein wird, von 1 — 349, so dass vielleicht darin die Seiten des t Iriginales
ihre Beiftlgung gefunden.
Die einzelnen StQcke selbst sind fast durchgängig ihrem ganzen W'ortlaute
nach wiedergegeben. Das erst« ist das „Schreiben von denen Oasteiuern in Pongau
Salzburger landts an die von Stall in Steyermarkht“ vom Donnerstage vor Pfingsten
1525. Das letzte das „.Manndat der beschwerungeu der Vnnderthanen itn Stifit
Salzburg" vom 20 November 1526.
.Auf dem ersten Blatte hat der bekannt« Salzburger Geschichtschreiber Zauner
unter den oben berührten Titel die Bemerkung gesetzt : Me hocc« Codice MC“ in
con.scribenda historia Salisburgensi insigni cum fructu usnm esse, grata mente
profiteor. Salisbnrgi die XIV Dec. 1602. .Indas Thaddaens Zauner.
94.
Geschichtliche Erörterung über die Praeeminenz
nnd Präcedenz
des baieriseheu Hauses vor dem österreichischen,
auf sieben in einander liegenden Foliobogen, wovon die Rückseite des vorletzten
Blattes und das letzte Blatt nicht mehr beschrieben, aus dem dritten oder letzten
Viertel des 16. Jahrhunderts, im geheimen Staatsarchive,
Sie beginnt: Es i.st vnwidersprechlich, das Baym lang vor tauseut Jahren ain
Khinigreich vnd vraltes Herzogthumb gewesen , von Theodone dem Ersten, welcher
die Römer daraus vertriben vmb dasz Jahr 500, hisz auf Teiisalonem den Dritten
vnd sein Sohn Theodouem den .Achten — welche von Carolo Magno Römischem
Kay.ser vnd Khönig in Franckhreich von Rebellion vnd Vngeborsamb wegen vmb
das Jahr 788 bekhriegt gefangen vnd in dasz Closster Ijauroszhaimb am Rhein ver-
stossen worden — nnchet bey dreybmidert Jahren jnngehebt u. s. w.
Nach ihrem Schlüsse „sonder es mecht ausser der Reichsversambluugen —
damit es bey alltem Herkhommen billich bleibt — auf andere mitl vnd weg zu
gedeuckheu .sein, dardnreh guetes V’erthrawen vnd Freundtschafft, alls sich zwischen
so nache gesüpten vnd genachberten Fürsten sonderlich bey jezigen schweren laüffen
woll gezimbt, nach miglicheit gepfianzt erhallten vnd dannocht dem löblichen hausz
Bayrn , deasen nachkhomraen , vnd sonderlich den andern Pfalzgrauen , deren sich
etlich ohne dasz den regierenden Herzogen jn obem vnd nidem Bayrn der Session
halb jm heyligen Reich vnbefuegten eiuballtnng zethnen vnderstienden, nichts bege-
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b«u noch prciudiciert wcrd, wie dann daran mit uiobteu xuz-weideu. baide löbliche
Heuser werden ohne daez, selbs dahin willig vnd genaigt sein: darzue der Allmechtig
seinen Segen welle gelxm, amen“ hat der spiitere Arcbirar Johann Mändl bemerkt:
Kxtrahiert aus Auguslini Cöluern bnech, vnd ist dem ansehen nach von weilandt
Dr. llnudt verfasst worden.
Auf der letzten Seite steht: Ausz Augustin Köllner schrifften. historische
<leductiun vnd austiehrnng sambt angehengtem Gutachten. Darunter steht sodann
wieder von der Hand Mäudra: Von Vrsprung vnd Heerkhonimen beeder hochlob-
lichen Chur- vnd Kizhaüser Hayrn vnd Ossterreich, deren praeeniinenz vnd praece-
denz , priuilegien , vnd wie Ossterreich an vnd hernach widernnib von Bayrn
khonimen.
Es mag hiezu der schon oben S. J06 und J08 erwähnte Cod. gerni. 1.502 der
Hof- und Staatsbibliothek, der seinerzeit im Besitze des Dr. Wiguleus Hundt gewesen,
welcher ihn vom Bangraz von Freiberg erhalten hatte, der ihn vom Grafen Joachim
von Ortenburg wie dieser von .seinem Vater Moriz erhalten haben soll, Fol. 440 bi.s
4.52 verglichen werden; nicht minder die Abschrift in dem gleichfalls 8. 208 bereits
berührten dortigen Cod. germ. 1640 Fol. .500 — .516.
95.
Des Dr. Gail Tusc helin
knrtzer bericht wie das Crener Keich an die Grauen zu Sponheim kommen , jtem
wie die Ertzbischoff zu Trier die Vogtey im Cröuer Keich erlangt, Jtem wasz die
Grauen zu Sponheim auch wasz ein Ertzbischoff zu Trier derents haben,
aoniel ausz ettlichen wenig Urkunden gezogen hatt konden werden, die dem Doctor
Gallen Tuschelin in copijs newlich zugestelt worden.
auf zwei Lagen von 4 und 2 je zusanimengehefteten Bogen in Folio, wovon die
letzten drei Seiten nicht mehr beschrieben, uns dem Jahre I58T, in einem Akten-
bande des geheimen Hausarchives , ausser anderem auch „der Cröfer vnder-
thauen verwaygerte huldigung vnd anders mehr betreffendt de anno etc. 85
vsque etc. 90. 91.“
Der Bericht beginnt: Ich befinde in ettlichen hernach angozogenen altten
Urkunden, da.ss die Dörfer Oroue, Rheiel oder Kheielkirch, Künheim, Künheinier
ijewreu mit allen Eugehornugen ahn der Mosell vf der seitten gegen der Eifell in
einem nbgemerckten Gezirck , vast in die rnndte gelegen , dem heiligen Reich von
altters aigenthumblich zugeetanden , vnd dasz derohalbeu die regierende Keyser vnd
köuig dieselbige Pfleg von wegen des Reichs jngehabbt genutzt vnd genossen, daher
dan solche Dörfler mit einem Wortt noch henttigs Tags da.sz Oröner Reich genent
wnrdt, das es uemblich ein Land sey dasz zu dem heiligen Reich gehörig. Vnd die
weill dasz Dorff Cröue dasz gröst vnd dasz best Dorff in solcher Pfleg jst, haben
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“iTil
die andere mit diesem PorCf den nameu dasz Cröler Reich iiekommen. Vnd dessen
zn glaublicher Anzaig n. s. w.
Au dieses Aktenstllck schliesst sich ein mit der darin berfilirten „guttlicheu
Tractation zn Oene mit den Trierischen Käthen“ im Zusammenhang stehender
„Bericht was anf dem Guetlichen tag zne Creiie den II Jannarij Anno etc. 87 des
Crener Weiszthumbs halben pro et contra turkhomraen, anaz dem protliocoll gezo-
gen“ anf einer gehefteten Lage von drei Bogen, wovon das letzte Blatt abgeschnitten
und auch das vorletzte nicht mehr beschrieben ist.
Vgl. auch noch unten die Snm. 10.1. .
9ß.
I j e n e a I o g i a i 1 1 n s t r i n m C o m i t u in in S p o n h e y m
vtriusijne lineae in Creutzenach et Starckenburg , ex script« chronico Sponbeymensi
abbatis .luhannis Trithemy, inprimis vero Originnlijs einsdem comitatn« desumpta, et
in hnnc ordinem digesta. Anno Christi 1588.
Diesen Titel, unter welchem noch in grossen Bnehstaben „(i. Sp. S. VI“ steht,
ftlhron drei zusamnieiigeheftete Lageu in Kolio, wovon 27 Blatter ausserordentlich
sorgfältig in der Weise beschrieben sind, dass der Text je zwei Drittel der Seite
füllt, auf dem linken Drittel die einschlagenden „.Authores“ lieziehungsweise archi-
valischen fjuellen bemerkt sind, im geheimen Hau.sarchive.
Die ßehaudlung des ganzen Stoffes theill sich in 13 „üradns“ von dem nicht
genannten Gemahle der Gräfin He»lwig bis zum letzten Grafen Johann — conscripsit
testamentum sunm anno 1420. sextam partem Comitatus tradidit Stephano CVimiti
Palatino et .lacobo Marchioni Badensi anno 1437. ei Bernhardus Marchio Badensis
promisit ordiuatioues suas seruandas anno 1437. et Jacobns Marchio Badensis scripto
canit quod tantum maiores natu filij succedere debeant in hoc Oomitatu anno 1422 —
und seiner Gemahlin Walburg.
Diese Zusammenstellung lag dem Licentiaten Kaspar Zillesius bei seinen in den
Nnra. 80 und 81 aufgeflihrten Arbeiten vor. Er bemerkte darüber auf der Rückseite
des Titelblattes zn Birkenfeld am 20 Jnni 1664: Diese genealoglam hab ich an
unterschiedlichen orten unrichtig und mangelhafft befunden, und .seindt unterschied-
liche Graffen auszgelaszen, wie ex collatione der meinigen leichtlich von einem jeden
zu ersehen stehet.
97.
Wormser Chronik
bis zum Jahre 1623.
Sie findet sich als ein in blauen Papiernmschlag brochirter Band in Folio im
geheimen Hausarchive. Es ist eine .Abschrift ans dem vorigen Jahrhnnderte,
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aiifünglich etwaii weiter f;ehalten und mit breiterem Rande auf der linken Seite,
apater sehr gedrännt and nur mit einem »chmalen Rande.
Etwa vom zweiten Drittel an aind linke oben und nnten V'erweieuugcn auf
irgend welche Seiten angebracht, am Schinase auf p. 529 vlt. Vielleicht beziehen
sie sich auf die V'orlage.
Vor den Anfang des Werkes ist von anderer Hand , welche allenthalben Ver-
besserungen gemacht und sehr häuhg am Rande Abweichungen einer Handschrift
unter der Bezeichnung „MS. V.“ heigefügt hat, bemerkt: Womibeer Cronica, dasz
ist Kine Beschreybnng deaz rhraprung.s dieaser Statt, Item was sich vor denckwflrdige
Sachen in vnd vmb diesse Statt haben zugetragen, coutiuuirt bisz in das Jahr lt>29.
Durch Krantz Bixihtolden von Klerazheimb .MDXL‘*‘) anfänglich colligirt.
Der Anfang lautet: Wornibs, eüi berälunpte Statt am Rhein, ist etwau die
hauptstatt deren Völcker gewesen welche von den altten Scribenten, Tacito, Caesare,
Plinio, Ptolomaeu, Ammiano , Vangiones genennet worden, der Zeit Borlietomagus
geheissen, vnndt uachniahla den Namen ßormagum u. a. w.
Vom Anfänge bis zum Beginne des Jahres 14Ö0 ist aui Rande' eine nicht
nraprOngliche Paragrapheneintheiinng ungetilgt, bei der Huldigung der Stadt Worms
an Kaiser Ruprecht am Donnerstag nach Allerheiligen des Jahres 1400 tj 4.S.
Der Schlmss anf dem ans Versehen au den Anfang gebundenen letzten Blatte,
dessen Rückseite nicht mehr beschrieben , behandelt noch zwei Ereignisse aus dem
Jahre 1623, Anno 1623 im Fehruario hat sich allhie zu Wormbs ein schwartzer
dicker Wolcken eines breiten huts zwevmabl gros anznsehen beym Mon erzeigt,
welcher sich alsbaldt in einen gro.sseu Adler ohne Kopff vnd ausgespreiten flügelen
verwandelt vnd fortgeschoasen , deme alsobaldt ein feuwriger strahl auch nachge-
sebosseu, vnd hernach verschwunden. Kanibstag den 6 Sept. gemelten Jahrs ist
allhie zu Wormbs zwischen II vnd 12 Vhren im Mittag ein sehr gmsz Wetter
gewesen . vnd in der allbiesigen Dhomdecaney in dem alten vnd fordern iienwen
banw vber dem thor, so der vorige Dhomdechant Herr Didterich Wilhelm von
Dann buuwen vndt auffriehten o. s. w.
98.
Des Bernhard Hollandt
Aufzeichnungen über Gesandtscbafts-Ceremoniel bei den
westphälischen Friedensverhandlnngen und bei der kölnischen Friedenaconferenz.
lieber ihre Veranlassung gibt die Vorrede der nachher nnter Lit. b eingereihten
Schrift genügende Auskunft. Als in anno 1674 — beginnt sie — durch die in dem
18«) Ib d«r HaadKhrift steht: MDCXL.
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chnrftirsU. sctiiVnen Palast zu München aus Verwaiirlosunn einer Hof- Damen ent-
siandtene grosse Feurs Prnnst vnder andern auch die hriefereyeu vnd acta in der
Geheimljen Canzlev (indeme man das vorneminere darnon annderwertshin zu salvieren
getrachtet, vnnd dahero alles zusammen geraffet vuiid geworffeu , wies in der eil
vnder die Hand kommen) in sehr grosse Confusion gerathen , hat aus gnädigstem
hefelch des seel, ChurfOrsteu Ferdinand Maria be_v ersagter Gebeiini>en Cauzley alles
zusammen helffeu müessen, vnnd die zersträhete acta vnd schrifften, souil möglich,
wider in jhre ordtnung zusammen zuricbten. Xachdem mir nun dazuinall vnder
anriern auch ein starckher theill von dennen Münster- Vnd Osnahrnggischeu Fridens
tractaten vnder die Handt gefallen, aber so verwahret vnnd ellendt ziiegericht, das
ich aines iiitmebr zn dem andern zubringeii vnd folgents nichts hessers mehr znthuen
gewust, dann das ich all solches in einen grossen fascicul versamblot, mit dem vor-
neiumen, ich wolts nach der hanndt gegen dennen in duplo verhandeuen vnd in
Pirainent znsamb gepnndtenen Mflnsterischen vnd Osnabniggischen Tomis halten, die
Defect darauf wider ersezen, yber das völlige Werckh aber — darhey Chnr-Buyrn,
wie bekandt, so grossen theill gehabt — ein Oompendium oder Historische Deduction
mit seinem darzue gehörigen Indice verfassen , vnd disz zu Dienst der Geheimen
Canzley vnnd sonderbar derienigen Miuistrorum welche von ersagten Münster- vnnd
Osnabruggischen Fridens Connent baldt’disz baldt ienes zn wissen vonnötten hetteu,
wie ich dann dazumnllen (weils S. Chnrftlrstl. Dtirchl. Höchstseel, ans seinen Vrsacheu
Selbsten also verlangt) mit extrahierung desz zu Münster vnd Osnabrugg oljseruierten
Ceremonials den anfang gemacht, hingegen bin ich wegen anderer mir von Zeit zu
Zeit aufgegebenen Verrichtungen mit dem vorgehabten Comiiendio historico immer
stöckhendt verbliben , bis ich anno 1690 baldt nach dem Augspurgisohen Wahltag
des Römischen Königs zu der grossen (Konferenz nacher dem Grafenhaag vnd nach-
gehendts zu den Kiswickhischeii Präliminar- vnnd gleich darauf gefolgten Fridens
tractaten verschickht worden, wo ich ans maugl der Canzley .Vkten die also genante
Pfanner'sche in trnckli gegebene historia Pacis VVestplmlicae sainbt des französischen
Historischreihers Vittorij Syri Mercurio historico vnd was ich sonsten aus andern
bewehrten Scribenteii von den Westpbalischeii Tractaten fOnden können für mich
genommen vnd mit Hilff des ienigen was mir ausz vn.«ern Tomis in iler gedächtnus
gehlilien gegenwertige rcmarqnen oder anmörckhnngeii verfaßt . welche aber allein
das Ceremonial vnd die bey ersagten Westphalischen Fridens tractaten obseruierte
forinaliteten betreffen, deren ich bey dennen Riswickhi«chen tractaten am mehristen
vonnötten gehabt , gleichwoll mit dem krafftigen fürsatz. das ich mit der Hilff
Gottes, wan ich wider in Bayrn körnen solte, anch das fürgenommene (’oinpendinm
historienm aus vnnsern Canzley .Actis noch darzue verfassen vnd dardnreh dises
augefangene Werckh völlig ergenzen wolte. so mir auch vmb soleichter fahlen dertte,
weill ich aus andern bewehrten actis vnd Historicis schon einen ziniblichen vorrath
darzue heybandten.
Abh.a.III.CI.d.k.Alt d. Wis«, XV W. I. .\bib. M
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a)
Extract ansz dem bey denneii We8tpbali>t;hen Fridens tractaten gehaltenen
Chur-Bayrischen Diario, souill das Cerenionial betrifft.
Er bildet den Hauptinhalt eines mit hellgelbem Le<ler Uberzugeneu Pappendeckel-
baudes in Folio, halbbriichig gescbrieljen, im geheimen Hausarcbivc.
Nach einem 9 Blätter riillenden ausflihrlichen Inhaltsverzeichnisse folgt der
Text anf 105 Seiten je mit genauer Angabe der einschlagenden Folien des berührten
Diariums auf der leeren Ilalbseite.
Hierau schliesst sich noch der „Extract ansz dem Munster'schcn Diario Tom.
l“* et ‘i" de auno 1646“ und der „Extract ex actis publici.s paeis VVestphalicae, die
Reichs Deputation zu den Westphalischen Fridens tractaten betreffend, so von dem
Hildesheimb'schen Cantzier Herrn von Zimuiernmnn herkhombt.“
b)
.Anmerckhungen vber die zu Munster vnd t.lsnabruckh vorgewesene
Frideus tractaten,
in einem mit hellgellrem Leder überzogenen Pappeudeckelbande in Folio, wieder
halbbriichig geschrieben, im geheimen Staatsarchive.
Nach einer Vorrede auf den ersten 5 Blättern, deren S. 280 und 281 bereits
Erwähnung geschehen, und einem Inhaltsverzeichnisse auf weiteren 2 Blättern beginnt
das Werk selbst, auf 113 oben am aussereu Räude gezählten Seiten, woran sich
von S. 115 — 118 die .Abschrift des auf S. 110 berührten am 15/25 Oktober 1648
nach 10 L'hr durch den Stadt.secretär auf einem schonen neapolitanischen Pferde
verlesenen „der Statt Münster Publications Patents, den Friden zwischen der Rom.
Keyserl. vnnd Königl. Meyest. in Franckhreich betreffend“ reiht.
c)
Auch in dem in ganz gleicher Weise gehaltenen in zwei Exemplaren '*‘) im
geheimen Hansarchive vorhandenen „.Münster'scheii Cereiuonial Extract aus dem
Vittario Siri , souill das zu MUn.ster vnnd Osznapruckh observierte Ceremonial
betrütfl“ ist an den betreffenden Stellen die Rücksicht auf Baiern genommen.
So beispielsweise anf S. 50 — 54 beziehungsweise 50 — 55: Einzug vnd tracta-
ment der Chur- Bayrischen Gsaudten zu Münster. Oder auf S. 56 beziehungsweise
58: Chur-Bayrischer Hecundarius — Dr. Krebs — was er bei denen Französischen
für einen plaz gehabt, vnd wie Er selbige titulirt.
166) Das eiae bildet wieder einen mit bellgelbem Leder überzogenen Pappendeckelband in
Folio, das andere wie Lit. d einen mit brannem Leder überzogenen und über den Rücken mit Gold-
venierung versebenen Pappendeckclband gleicbfalle in Folio.
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283
Anmörkhnngpn yher die Chur-Gillnischc Heich!» Conferenz
de anno 1073 et Iß'4.
Sie finden sich in einem mit braunem [^er nlientogeneii nnd üi)er den RUnken
mit Goldpreesung versehenen Pap|iendeokelbaiide in Folio, gleichfalls balbbrnchig
geschrieben, im geheimen Staatsarchive.
Der Text dieser mit „denen Vrsaohen welche die Cronn Franckhreich bewogen,
dennen General Standen im April anno 1072 denn öffentlichen Krieg anzakhiiiidten“
beginnenden und bis zum Nenmagisehen Friedenscongress im Jahre 1076 reichenden
Schrift, Uber welch letzteren der Verfasser seine „besondere schrifflliche reniarqnen
der ChurfOrstl. Gehaimben (lanzlei zn gnetten'" zusammen getragen. umfas.st 4 1 oben
am äusseren Rande gezählte Seiten, woran sich von 8. 4.'i — 244, theilweise von
anderer Hand geschrieben, die je auf der leeren Halbseite Irezeichneten Beilagen
reihen, während auf weiteren 7 nicht gezählten .Seiten eine Aufzeichnung „Sambstags
denn 26 Angnst anno 167,3“ schliesst.
Bei Gelegenbeit der Besprechung der ,,Ueii8Siiniption der zu Vilm vnderbrochenen
Vereiiiignngs Tractaten beesler Hauser Bayrn vnd Pfalz vnnd in absonderheit auch
desz Reichs -Vicariats von S. 1.3 an wird S. 17 — Ifl l>emerkt: Weill sieh auch,
wie baldt hernach gemeldet werden solle, der Cöllnische Fridens Conuent aus einer
anndern Vrsach /xirschlagen , so ist sowoll die Erbeinigung vnnd Verbrflederung der
Pfälzischen Haiiser alsz auch der Vicariats Vergleich bisz ad annniii 1690 in suspenso
verbliben. zu welcher Zeit, als Ihr Mayest. Mayest. Mayest. der Kayser Leopold, die
Keyserin Thereszia, der Köm. König Joseph mit dem Pfalzgraf Philipp Wilhelmh
von Nenbnrg von dem Angspurgischen Wahltag nacher Mönchen khommen vnnd sich
daselbsten einige Täg aufgehalten, hochgedacht er Hörzog zu Pfalz-Neuburg, alsz
welchem zuuor wie weltkhüudtig die Churpfalz angefahlen wäre, den Vicariats
Vergleich von Neuem starckh zutreiben angefangen , vnnd sich auch zu solchem
Kndte seiner Frau Tochter der Kayserin wie auch des Kaysers selhsten hochen
ioterposition zu praevaliren getrachtet, also da,«z es damahls schon eine geschechene
sach gewesen wäre, wann sich nit der alte Herr Gehaimbe Rhat Wänipl. der zugleich
Innerer Archivarins wäre, ausz dem Innern Archiv gewi.ser Docnmenten erindert
hätte, warin Ihr. Kayserl. Mayest. mit liandt vnderschrifft vnnd Insigl Chur- Bayrn
wider Chur- Pfalz vnnd dessen Attentaten bey dem Reichs Vicariat aufs khräfftigst
zu manuteniren versprochen, deszgleichen auch dasz (3inrrrirstl. Hochlobl. Collegium
gethann, n. s. w.
«9.
Bruchstücke eines Entwurfes von L ebensbildern baierischer Herrscher
von Otto IV von Wittelsbach bis zu Kaiser Ludwig dem Baier,
anf nngebefteten Bogen in Folio halbbrilchig geschrieben , so dass die rechte Spalte
den Text enthält, in der anderen Verweisungen auf die einschlagenden Geschichtswerke
,3€*
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2S4
und thpilweisi- auch AufShrungcu der Lagerort« von namentlich hertlhrteii Akten-
stücken de» baierischen Archive«, ivie Abänderungen Plata geinnden haben, während
solche weiter auf besonderen Hogen und Blättern wie kleineren Ausschnitten beiliegen,
im geheimen Hauaarchire.
An der .Spitre des ersten Bogens steht: Coepi 13" .lunij 1703 opu». ijnod
operatu« es in uobis, jn uuniine SS. Trinitatis amen.
|)ie Leben.sbilder selbst behandeln Utto IV von WilUdsbacb, den nachmaligen
Herzog Otto V, Ludwig den Kelheinier, Otto den Erlauchten, Heinrich XIII von
Xietlerbaiern, Ludwig den Strengen, den Herzog von Nieilerliaiern und König von
l'ngarn Otto, woran .»ich noch Ib-ste l>ezt)glich der Wahl Ludwigs des Baiers zum
Kaiser reihen.
Unter Ludwig dem Kelbeimer wird bezüglich seiner Ermordung und ihres
muthmasslichen .Anstifter» fulgendes bemerkt; .41« aber uit lang darnach den
It) Oktober 1231 herzog Lndwig zu ahendts nach der Tufl aut der Bruckh hin vud
wider gienge, wurde ihm« von einem Meichelmörder, den darzue Heuriens der kouig
«uborniert hatte, mit einem .Möser ein Stoss in den Leib gebracht, daryb-r er
alsogleich in anwe,senheit seine« Hofgesindt zu Boden gefnhien vud im .57 Jahr seines
alter» verstorben, der Meichlniörder aber alsogleich au der [Stell] von denen fürstlichen
Bedienten ermordet worden ist. .Sein leychnam wurde nachcr Scheyru geliehrt. vnd
daseltisten in der fürstl. begrebnusz beygelegt. Adlsrjreiter] p. I 1. 23 fol. .5.50 sagt,
herzog Ludwig habe .sich zur letzt mit Keyser Friderich zerfahlen, vnd seye derenl-
halben durch einen von ihme erkaufften Mörder vf obbesagte Weis vmbs leben
gebracht worden. Sit fide» authori snb alio C|nain in titulo libri expresso nomine
mihi non ignoto: ich halte daruor, es seye in diser Materi dem Pabstl. Stuell rill
zu ehren geschriben vnd ain vud ander» mit Stillschweigen ybergangen worden.
Interim ist gewisz vud viiauimi» Historicorum opinio, dasz der innge König Hainrich
seiuein Herrn Vattern nach dem reich vnd leben gestöhlt, vud derentwegen comperta
cansa vom reich vnd seinem Herrn Vattern ad perpetuo» carccre« verdamet worden,
ia nach in Apulien elendiglich verstorben seye. Oewis« ist auch, rlasz Herzog Lud-
wig desz iuugen Königs obsicht gehabt hatte, vud gegen den Kayser allzeit propens'*')
vnd diser Visach wihlen von dem inugeu König so gar mit verhörguug desz Laudts
verfolget war; das also ich mit den vornehmsten Historici» nit glauben kan, da.sz
Kay.ser Friderich aineu thail au diser Morthat gehabt, vud dises rmb souill weniger,
alsz ich bei Tolnero in Cod. diplomat. Palat n. 197 litteras consolatorias a([Uttonem
illustrem Bavariae Ducem datas beygetrugkhter'“) finde, worinen er den Tot dises
1S7J Am Bande steht noch: Hatte auch der Kayser seine — Hering Ludwigs — Uohtcr
Isahella zur Ehe. u. s. w.
183) Easdem exhihet Petrus de Vineis, lm{jeratoris Friderici caacellarius, L 4. epiat. 3.
fol. Uh.
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Her/o^eu Uehsten bedsurt, vnd vuder andern expressiouen dine Worth brauchet: ex
quo ^ antecedit« quod Ludovicus Socer debituin naturae exoluerit tuuto iiuä
pungit doloris ritus acerbns, quanto per eius absentiam, qu; genitoris in nobis
otficium conipensabat, et veluti nontri pars magua consilij crga nos cbaritatis puteruae
nun inipareh dabat atfectus, multa nobis decisae carnis et graiidia incommoda resvrata
seutimas. Veruoi quia sic irreparabiliter cadere hominis est natura, non poena, et
morbus iste non est medicabilis herbis, u. s. w. Woraus/, des Kaysers yber diseo
Totfabl geschöptfte Luid vnd seine gegen ihne getragene hohe schat/aing sathsamb
vnd mithin das widrige erbeUet.
Unter Otto dem Krlaucbten ist bei der Krwiihnnng seiner Vermahlung zu
iStraubing in den Pfingstteiertagen des Jahres 12*25 unter Anführung der Chronik
des Nanclerus auf die bekannten Verse „zu Haidlberg im .Schlos“ Bexug genommen;
(Jtto der erst Pfalzgratf bei Ftbein
Hatt Pfalzgraf Hainrichs Tikhterleiu.
Mit Maiiheit er es erfecht:
Des Reichs Churfnrst blib sein geschlecht-
Der Verfasser ist nicht genannt. Eine Anspielung auf «len Knrf(lrst**n Maximilian
Emanuel als seinen Laudesherm findet sich bei Gelegenheit der Erwähnung der
Dienste des Herzogs Otto von Wittelsbach für Kaiser und Reich : als wurden ihme
solche vf dem Reichstag zu Hegenspurg durch das Herzogthumb Baym vergolten,
vnd auf dise weis da.s Geschlecht von Wittlspach vnd Scheyru, so Gott in Maximiliauo
2*^ meinem derroabl regiereudt gnädigisten Herrn bestendiglich erhalten wolle, in
die fürstlich dignitet vnd Würde, dessen sye von Pertholdo, Arnolphi niali Brüdern,
an 232 Jahr entratheu miessen, iure postlimiuij restitaiert. Die häufige Anführung
von Lagerorleu der da und dort einschlagendeu Archivalien deutet darauf hin , dass
er Einsicht von denselben habe nehmen können. Die Beachtung der Schrift endlich
fuhrt darauf, dass man es mit einer Jugendarbeit des um Baiern und sein früheres
Archiv so hochverdienten nacbnmligeu Kanzlers Franz Joseph Freiherrn v. ünertl
za thnu bat, in dessen zahlreichen Ahbaudlungen über staatsrechtliche Fragen von
besonderer Wichtigkeit vielfach geschichtliche .Autnhrungen an Werk
erinnern.
189) Man vergl Winpielsweis« mit der eben erwähnten Stelle bei Otto von WitteUbach die
folgende aus seiner im geheimen Staatsarchive vorbamlenen Oedoctio historica praelimiuaria et super*
ficialis jurinm I>ucum llavariae in terras Austriae: also dasz vnm KaysiT gegen Selben — nämlich
Heinrich den L5wen — anno 1180 die Acht erkennet, üerzogen (Hten von Wittlspach s<doer hoehen
Verdiensten wegen daaz Herzogthninb Bavm anf dem Reiehs-Tag tu Regeuspurg verliehen, vnd für
jare poatliuiinij restitnicret: von welchem dise Carolinisebe linie von Zeiten Bertholdi. Arnolphi mall
Brüdern, an 232 ganzer Jahr ansgeecblossen wordten.
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286
100.
Beachreibang der Herzogen in Baiero,
rrie ael)>e auf einander gefulget und zur Kegiernug kommen sind; [dann der
von ihnen eroberten und wieder entri.saenen Landen.] anno 508 — 1282.
So lautet — der in Klammern gestellte Satz ist von anderer Hand beigefngt —
das Titelblatt einer .\rbeit von nur 12 Quartblattern im geheimen Hausarchive, zum
Theil in eigenthümlicher Sprechweise ahgefasst.
Sie beginnt: Nachdeme die Herzogen ans Bayrn des vralteu .\giIol6ngiscfaen
Geschlechts Theodo 1“' vnd dessen Sohn Theodo 2'“' vmb das Jahr nach Christi
Geliurth .508 die Körner , deren Pothmessigkeit sieh bis an die Thoiiau erstreckhete,
vbcr die Teuf.sche Gebflrg veriagt, hatten sye sich jure Irellj in die Poasession aller
eroberten Laude gesezt, mithin von Oessterreich Steurmarckh Kärnten vnd Tyroll
Mai.sler gemacht, welche Läiidter sye Herzogen ersagten Geschlechts bis ad aiinnm
788 zusammen 280 Jahr ruehiglich ingehebt , theila durch ihre Prinzen , theils aber
anfge.«ezte Marchiones vulgo .Margrafen oder Comites limitum, welche eines dermahligen
Vizedonib gewalt vnd earacter hatten, regieren lassen.
l>ie Geburt Karls des Grossen ist nach „Carlsburg in Bayrn“ gesetzt. Die
Vorgänge unter Herzzig Tassilo II werden folgendermaasen geschililert. Thassilo
stund bei Carolo M|ugno| aiilängs in grossen Gnaden. Als er aber Nachricht von
seine.s Horm Vatteni Todt liekham. so zöge Kr in aller Stille ohnne Abschid znnemmen
nach Haus, womit er Carolum M[agnum] sehr vor den Kopf stüess. Vermählet«
sich hierauf mit der l>angnbnrdischrn Prinzessin Lytobtlrga. Und weillen Carolus
M|aguusJ seinen .^chwiger Valtcr dethronisirte, so riiehete die Gemahlin nit bis ave
ihne wider Carolnin M|agniini] in den Harnisch gebracht, da er dann die Hunnen
— vmb Carolo dessto mehrer gewachsen zusein — an sich vnd zu Veld zöge; Er
käme aber zu kurz, vnd ward anno 775 nach Wormbs citiert, wo er nit allein aufs
neue sich submitiern sondern auch 12 vornehme Herrn vom Landt nebst seinem
Prinzen Theodone 8* zur Gaisl geben muesate. Sechs Jahre hernach lainte Er sich
widerumlwu auf; doch (arnlus MlagnusJ käme jhm geschwind yberu Hals vnd tribe
jhne anno 782 so in die Enge dass Er im Lager, wie die Histori meldet, vmb V^er-
zeichuiig bitten mueste. disem vngeacht gieuge Er Thassilo aus verinuethen Antrih
seiner Praiieii Gemahlin aV>ernmhleu mit gefehrlichen Anschlägen schwanger. Dessent-
wegen ward Er vnd .sein .8ohii anno 788 von Carolo M|aguo] in das Closster
Laurshainib, dan seine Frau Gemahlin als ein Nonn verstossen.
Der Schluss liehandelt Baierns Verhältnisse zu Oesterreich nach der Wahl
Rudolfs von Hahshurg bis zum Jahre 1282. Zunächst, wie König Ottokar von
Böhmen „vom Keyser, sonderhahr aber durch Hilff Herzogen Lndovici Severi aus
Bayrn, welcher in diesem Kri^ mit einer grossen Macht in Porsohn zu Veld
stundte, yberzogen, vnd endlich anno 1278 bei dem Stattlein Markht-Ekh in
Oessterreich erschlagen“ wurde. Kayser Kndolph — wird dann fortgefabren —
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287
machte anfangs seinen Sohn Albertam zum keyserlichen Statthalter yher Oesaterreich
vnd selben anhangeudte Proninzen. Als er aber nach der Haudt ibme die mehrere
Reicbsfürssteu durch Ausheurathoug seiner 4 erwachsenen Frauen Töchter gewuuen
batte f verliehe Er anno 1282 auf einem zu Augspurg gehaltnen Reichstag dh^e
angefablue Oesaterreich- Steyr- vnd Khärntische Landt emaut seinem ältisteu Sohn
Herzogen Albrecht: darwider beede Herrn (iebmeder Herzog Ludwig vnd Herzog
Hainrich aus Bayru solemniter vnd publice protestiert, vorwoudteml das die Landt
Oessterreich Steur Kärnten vnd Crän durch Ihre Vorfahrer aus der Römer w'ie auch
der Wendteu Hunnen vnd anderer vnglaubigen Völekher lländten mit Vergatessuug
Villen Bluts erstritten, vnd ihnen hernach vnnbillicb wider alle Reichs Constitution,
so daiuahls schon dfe Vertrirnerung der Fürssteuthum verhütten, entzogen vnd ver-
theillet worden, mithin weillen sye auch wider Ottocarum zue Herbeibriuguog diser
Landte das meriste getbon, billicb vnd den Hechten gemess were, nachdeme sye
dermahlen erlediget, das sye dem Haus Bayrn wider zuegestölt vnd niemand andern
vom Reich verliehen wurden. Ob zwar nun die anwesendt© Reichs Ffirssten der
Herzogen habendes Recht wohl erkeneten , waren sye doch vorhinein schon von
Kayser Rudolph praeocupirt vnd solcher gestalten eingenommen das sye ihr gegebnes
Worth dem Ka3'ser nit mehr zurugg züehen könten, sondern Herzogen Ludwig,
welcher nach einer ad acta ybei^ebnen Protestation mit vnwillen abgeraist, mit
einer andern grossen Hoffnung laetiert vnd aligespeist, woruon doch nichts ad
etfectum khommeu ist.
Ein Verfasser ist so wenig als bei der Num. 99 genannt. Aber die unver-
kennbare Uebereiustimmung mit Auslassungeu in den Arbeiten des dort am Schluss©
namhaft gemachten Kanzlers Frauz Josef Freiherrn v. Unertl lä^t kaum eiuen
Zweifel darüber, dass auch diese kleine Schrift von ihm stammt.
101.
Des Franz Peter Flussing
kurze genealogische Beschreibung des durchleuchtigisteu Chur Haus Bayrn,
vom Verfasser ,,iu vier Sprachen, als Teutsch, Welsch, Französisch und Spanisch^
gefertigt, dem Herzoge Ferdinand Maria (Innocenzi in Baiern im Jahre 1737
UK>i Man vergleiche beiepielBweiee zo der eben berührten Anfubrung über die Belehnung des
Herzogs Albrecht mit Oesterreich u. s. w. wie die mnthmaasliche Ursache von desoen Einfall in
Baiern folgende Stelle eben aus der Num. 99: wt-illcn henog Hainrich mit seinem Herrn bmeder
Ludwig dem Pfalz «Grafen in die belehnuDg der Oesterreicbischen lande für ibne bertogen Albrecht
bei dem zu Augspurg in vorhergeheodero h2****> Jahr vorbey gangenen Reichstag nit eingewiUiget,
vnd sich gegen die anweeendte Chur« vnd fürsten verDehmen lassen, wie dasz die laod Oesterreich
Steor Kärndten vnd Ciain durch ihre Vorfahren aus der Kön»er wie auch aus der Wenden Hunnen
vnd anderer voglanbiger Völkher bänden mit Vergiessung vülen bluets erstritten vnd ihnen hernach
vnbillich entsoheii worden, mithin billicb were, nachdeme sye dermahlen verlediget, dass sye dem
hane Bayrn wider luegestelt vnd niemand anderen als ihnen vom Reich verliehen wurden.
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288
({pwidnifi, in einpni Pappmidpi Mbande mit Ueberaug von braunem Leder in Gold-
presfumg in Qmirt. im geheimen Hausarchive.
Auf dem ersten HIatte ist da« baierische Wappen unter dem Kurhnte und
zwischen den Ordensinsignien in Farben dargestellt, über welchem in einem Spruch-
hande in lauter grossen Buchstalien die Worte „felix faiistnnique sit" angebracht
sind, worunter die .lahizahl 1737 steht.
Nach dem Titelblalte und der Widmung beginnt das Werk selbst; Das Bayr-
land hatte zu jeglicher Zeit die l>eruemhteslen Fürsten gehallt , daun wann man nit
reden will von den Königen die in diesem I^and regiert haben zwischen der Zeit
des niuftten Sacamli bis auff das neunte; ans diesem henntigen durchlenchtigisten
Hans von Bayrland warreu von der Zeit Othonis von Wittelspach, so sich mit
Agnes, einer Erbin der Pfaltz und des Bayrland im .lahr 122.Ö in die Eheliche
Verbimlnus eingelassen, zwey Kayser und König aus Schwaden Dennemarckh und
TJorwegen kommen, auch unterschieilliche C'hurfOrsten des Reichs, tiratfen von
Holland etc.
Es folgt dann die Darstellung der tieschichte auf l‘.t Blättern von .Adelger,
hier Ableger geschrieben , von dem man glaubt dass er sich im Baierlande um das
.Jahr 456 niedergelassen, bis zn den Kindern des Kurfürsten Maximilian Emanuel
aus seiner zweiten Ehe mit Therese Kunigunde, der Tochter des Polenkönigs ,Tohann
III .Sobiesky; Maria Carolina gelxihren den 4 .Aug. 169t>, Carolus .Allwrtus Oaietaniis
gebohren den 6 .Aug. IKÜT, der henntigen Tag glorwürdig regieret, Philippus
Mauritius gebohren den 5 Aug. I(i!l8 und zu Rom gestorben in I71i<, Clemens
Angustiis gebohren den I.'t .Aug. I7t)0, heuutig regierender Chnrfürst von Cölln,
Ferdinand Maria — dem die Schrift gewidmet ist — gebohren den 5 -Aug. 1699,
.lohanu Theodorus getaihren den 3 Sept. 170;4, Bischoff von Freising und Regenspurg.
Hieran .schliesst sich dann die französische, italienische, spanische IJebersetzung.
102.
Des .fohaun Martin Maximilian Einzinger von Einzing,
.Inreconsultns , (kunes Palatinus Caesareos ac Electoralis Bavsricus, nec non
8. J. R. Notarius publicus juratus et iminatriculatus.
chronologische hihren-Tafel der durchlauchtigsten Königen Herzogen und Chnrlürsten,
welche vom (taribald oder (iariwald 1 bis auf das heut zn Tage glorwürdigst regie-
rende Churhaus io dem ehemaligen Königreiche und dermaligen Churfiirstenthnm
Bajem Horiret und geherrachet haben , nebst der Anzeige ihrer Sterbjahren sowohl
als ihrer Frauen Gemahlinen, vielleicht bei Gelegenheit der Vermählung des Kur-
fürsten Maximilian III .losef im .lahre 1747 entworfen, in breitem Querfolioformate,
über den Rücken in einen Streifen farbigen Papiers brochirt, im geheimen Hans-
archive. ,
Der oben bemerkte Titel ist auf dem ersten von Blondean in Tnsche gefertigten
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2i*i>
Blatte in Praclursclirifi zwischen Draperien aiisgeföhrt , in deren Mitte oben das
Knrwnppen mit den Ordensinsignien aus Standarten hervorragt, während unten links
die Gerechtigkeit und rechts ein geharnischter Bitter Wache halten.
Die änsserst kurz gefasste Znsammeustellmig selbst beginnt mit Garibald I,
und schliosst unter der röniischeu Num. "!> folgenderniasseu : Maximilian der 3'”
Joseph, derraalig glorwiirdigst regierender Chnrfllrst etc. Geimihlimi Maria Anna
Sophia, des König August des ,3'"" iu Polen und Ohurfürsten zu Sachszeii Prinzessin
Tochter. Der Himmel verleihe die.seni dnrchlauchtig.sten Khepnar die so erwOnschte
Khevermählung !
103.
Des H. B. Patrick
ausführliche Turormation von dem sogenannten Cröver-Rcich an der Mosel, und
rechtliche Aussführung derer alleinigen Landes-Herrlichen Gerechtsamen beydet
liochlnrstlichen Geraeiiis-llerrschafften der Hindern Grafscliafft Bponfaeini — Pfaltz-
Zwcybrfickeu und Baaden-Baaden — in dcmselltcn, auch dass einem zeitlichen
Ertz-Bischolfen und Chur-Kursten zu Trier nebst denen von -Alters hergebrachten
St. Peters oder des Ertzstifl'ts Dieustleuteu , Peterlinge genant, nach dem
nralteu Schöffen - Weiszthnm alsz dem beyderscits aguosuirteu regnlativo ein
mchreres nicht alsz das von der fainilie derer von Dann erkantfte Vogtey-Ambt
mit denen demselben aiihiiugigeu in beröhrtein Sehöiren-Weiszthum aus^edrnckten
Rechten und Nutznngen ciu hiszher nsurpirtr-s Condominimn territoriale pro
una tertia aber keines wege.s zu stehe. •*')
Sie bildet unter dieser Aufpchrifl, gleich auf dem Titelhlatte selbst vou der
Hand des Pfalz- Zweybrücken '.scheu Regiernngsrathes Patrick mit der Bemerkung
..Zweytes Concept, so hieii und wieder etwas/, aiigmentirt und geändert worden“
versehen , halbhrllchig geschrieben , mit zahlreichen Aenderungen nnd weiteren Ans-
rdhrungeu Patrick’s sowohl auf den leeren Halbseiten als sonst, etwas Ober das erste
Drittel eines in Pappendeckel mit schmutzig weisseiii Papiere Qberzogenen (iross-
foliobandes im geheimen Staatsarchive.
Zwischen das Titelblatt und den Anfang der Abhandlung ist eine zu § 1 der-
selben gehörige ..Sivecial - Cliarte , dos so genanic Croever- Reich an der Mosell mit
einem theil des Oberambts Tnirbaoh und denen angräntzenden Trierischen Aembteren
vorstellend, so viel davon znr Krlüuterung der Anszführlicheu Information von dem-
selben nöthig befunden worden“ vom Jahre 1749 ciugebimde]i.
l'Jl) Autan^licli stand noett, ist aber durchstrichen worden: Sambt aagefügten gravaminibaa
der SiHjnlieimischen FünrilicbewGemoins-nerTschafft gegen die Cbur-Trieriscbe aaffs hbebst gestiegene
Anmasznngen.
Abb. d. 111. (3. d. k. Ak.d. Wies. XV. Bd. I. Abih. »7
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Das Werk selbst war, wie es »len Anschein hat, ursprünglich auf 66 §§ berech-
net , umfasst jetzt aber deren 83 , wovon gerade dieser letzte ganz von der Hand
Patrick’s zugesetzt ist,
iJaran reiht sich eine „Erklärung derer in dem alten SchÖffen-Weiszthmnb
des Cröver-Reicbs de anno 1359 und Gerichta-Buch von 1470 bisz 1494 enthalthenen
alten und in dasziger Gegend üblichen Wörter“ unter Beifügung der je betreffen-
den Folien.
Von den sodann folgenden Beilagen bildet eine Abschrift von dem „Schöffen-
Weistum des CVover Reich«, circa 1355 verfasset“ den Anfang
104.
Des C r i 8 1 0 p h Jakob K r e m e r
zweiter Abschnitt der Geschichte der t>raf'<chaft Sponheim.
Nach einem aus Gruuihach vom 3 Jänner 1755 datirten Briefe wahrscheinlich an
den Pfalz - Zweibrücken’schen Uegiernugsratb nnd Archivar Bachmann hatte der
Verfa.«wer die Absicht, eine genealogische Geschichte der genannten Grafschaft in
vier Abschnitten zu bearbeiten.
192) Nach dem mitQberschicktcn Grun<lri«ac io folgender Mthcilnng:
Sectio I
Von dem ältesten Zustand derer Sponlieimischen Landen unter denen Kölnern and Francken.
Cap. 1.
Von denen Eintbeiton^en des DiaseiU Kbeinischeo Teatschlands vor und nach Christi Geburt,
and daher entstandenen Volck derer TrevfrerD. woher nach lifezeicet wird, dass diese die Sponheimische
Landen »o wohl an der Mosel aU an der Nob besessen.
Cap. 2.
GesebiebUn der Trevirern tu denen Zeiten Julii Caesaru.
Cap. 3.
Forti^setste Geschichten derer Trerirern nach des Julii Caeaaris Zeiten bis auf den Einbruch
der Francken in Gallien.
Cap. 4.
Weitere Fortsetzung dieser Geschichten unter den Frünckisclien Königen so wohl MeroTlogiseh*
als Carolingi sehen Stamme.
Cap. .*».
Geographische Beschreibung dererjenigen Gauen, worinneo die Sponheim lachen Landen ge-
legen waren.
Cap 6.
Beweis», das» die Beherrscher oder Grafen dieser Gauen »um Tlieil »um Sponbeimischen Haus»
gerechnet werden können, als eine Fortsetzung des 4^ Capitels
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291
Zunächst führte er hievon einen Theil de« zweiten ans, welchen er mit dem
erwähnten Schreiben dem darin bezeichneten Hej^ierungsruthe mittheilte. K« mus«
hierauf eine Vorlage au den Herzog Christian von Zweibrucken erfolgt «ein, denn
Cap 7.
Untcrauchang der Frage: ob die Herren Grafen von Sponheim jemablcn das Herttogtbom
Cirathen besesaen and daselbarten eine bexondere Linie geatiAet.
Sectio II.
GeDealogiKh'Diplnmatiachc GeachiclUen derer Herren Grafen von Sponheim vom XI bis in das XV
Saecnlum. oder bis auf die Erloocbang dieses Hanses.
Cap. 1.
Von denen Herren Grafen von Sponheim bi» anf die Abtheilung in die Starckenbarg- und
Creatznachische Linien.
(.'ap. 2.
Geschichte derer Herren Grafen von Sponheim CreuUnachUcher Linien bis auf deren im Jahr
1415 erfolgten Erlöschung.
Cap.
Von denen Herren Grafen von Sponheim aus der Starckenburgischen Linie bis auf das Jahr
14d7, in welchem der SponbeimUehe Mannsstarmn erloschen.
Sectio III.
Geachichte der Grafschaft Sponheim nach Erlöschung de« SponheUniachen Mannntamui, und denen
darinn unter deren durchlaucbtigaten BaiUern bia auf gegenwärtige Zeit vorgefallenen
Staatsveränderungen, so wohl in PoHticis, al» Eceleaiasticia.
Cap. I.
Von dem wQrckliciien Anfall dieser GrafsebaA an das HochHlrstl. Baadisebe und Gräfl. Vel*
den1ii*che |>o«t Pfaltzgräfl. Ilauaz bej Rhein und durch den Bainheimer Vertrag errichteten
Condofuinio.
Cap. 2.
Von den durch die Grahn Klisabeth dem Clturhausz PfalU v^rsebaften ‘/»tcl der Vordem
GrafschaA Sponheim.
Cap. :3.
Geschichten der hintern und vordem Grafschaft Spt>Dheim bia auf die Zeiten der Simmerlxchen
Chor>Würde. so wohl in dem PfalU. als Baa^lischen Hausz.
Cap. 4.
Gesebiebten der bintem Grafschaft S|M>nheini nach der Siinmerischcn Cbur-WQrdc, und was
darinnen so wohl in dem HoehfQrstl. PfalU* iiirckcnfeldiscbcn, als Badischen Hau»e bis jetzo vor
ätaata-Veranderung vorgefallen.
Cap. 5.
Fortgesetzte Geschichten der vordem Grafschaft in dem PfaUz^Simmerischen post Chur-Pfältzi-
sehen und BaadUchen Ilausz bis auf die gpgenwärtige Zeit.
Sectio IV.
Politisch'Geographiscbe Beschreibung der gantzen so wohl hintern als
vordem Grafschaft Sponheim nach ihrem jetzigen Zustand.
* ‘ 37*
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•i!l2
es beM in (Ie.<seu Fint-sclilii^siinfj; eben au Baebnmmi vom 4. Februar IT.'iä: wird
der von Secretario Kracmer ({efertigte Anfsat* einer 8]ioulieimi8chen Historie mit
dem Anfiigen reinittirt, dnea Kr davon ins tielieim durch den Candidatum Pelzer
eine Abschrilft machen luszen , so fort über den Betrag der Scbrtdh (iebiilir
die Verzeichmis tthergeben soll, welche Wir ans üueorer Cubinets-Cassa zahlen
lassen wollen.
Diese Abschrift , halbbrflcbig gefertigt , verwahrt das geheime Staatsarchiv in
einem in branues Glanzpapier brochirten Foliobande.
Sein Hauptlitel lautet: Zweyter Abschnitt oder Genealogisch - Diplomatische
Geschichte derer Herren Grafen von Sponheim vom Kilften bis in das Fünfzehnte
■Tahrhundert oder bis auf die Kriüschung die.ses Hauses.
Das erste Ilauptstrick „von denen Herrn Grafen von Siionheim bis anl die
Abtheilung in die Starckenburg- und Crentznaehische Linien'*’) besteht aus 32 §S. Das
zweite „von denen Herrn Grafen von 8|H>nheim Creutznachischer Linie bis anf deren
ini .Jahr 1414 erfolgten Erliwchung“ läuft bis § 62 fort, reicht aber nur ‘*‘) bis
zum Grafen Simon II und dessen Kinder etwas über die Mitte des 14. Jahrhunderts,
so dass die Zeit des Grafen W'alram nicht mehr besonders behandelt ist.
Zwei mit Verweisungen auf die eiuschlagendeu §§ dieser Arbeit gefertigte
Stammbäume auf je einem eigenen Bogen liegen an , der eine von der Hand
Pelzer's, der andere von der Hand Kremer's selbst mit Kleistiftabändermigeu
desselben.
liabtiii diese 104 Nuiiiinern mit ihren da und dort eiii-
gereihten U n ternum in er n wie die in der Note 1 (i der ersten
. Abtlieilung eigens nufgcfnh rteii Tagebücher den Vomith an
älteren Arbeiten zur liaierischen und pialzischen (ie-sehichte iin geheimen
llaiui- und Staatsarcliive keineswegs ganz imd gar eracliöpft. so ist docli
die Hauptsache hieraus zur Kenntniss weiterer Kreise gebracht, und es
kann hicmicli der Wächter derselben sich wie bei jener ci-sten Abtheilung
zur Zeit bei di(«em llandlangerdieiLste bescheiden.
In di(««r Hetiehung hat der Verfaw«r in dem oben berührten Briefe bemerkt» da« er
«eine „Gedanken ron dem ächten Urs|jiraDg der Abtheilang in die ätarckenburg- nnd Creutinachieeho
Linien wohl Zehen Mahl“ knderte: biax ich wie es wörtlich heilst ^ auf die wahre spur, und
damit in den Stand gekommen bin. m xeiiten, das« solche nicht im jahr LKIl zn Kutellaon, sondern
bereits mehr aU ein halbes Jahrhundert vorher unter denen Söhnen Grafen Johann I von Sponheim
und Starckenburg geschehen. Den Bewein habe § 4Ö und 50 zw.’ir nur durch reraiasionen auf den
verfolg meiner abbandlong gefUhret; ich finde mich aber im Stand» solchen so ausxualellen, da« er
Überzeugend» und auszer allen Widerspruch gesatzet werden solle.
104) Dessbalb heisit es auch in dem bemerkten Briefe mit Bezugnahme auf den da mitgethoilten
Grundriss: das» das Qberscbickte erst einen geringen Tlteil davon aus machet» und ohne Anfang und
Tnde ist.
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"Beilage.
Zu Xuni. 92 Seite 273 — 276. “
Hic Undigerus viiacnni suis eanouicis AUiertnin dictum Boheiiuini pro eo quia
romanam defendebat ei;clesiam suis rebns expolinuit. ***) Ipse vero per totaro
.^Icmoniam fit legatiis cnm auctoritate maxima, ita ut et facultatem halwret deponendi
arehiepiscopos et episcopos per i|nadrieunium. De )|U0 Saltaeburgensis cum ceteris
episcopis commoti -snut, instantes vnacnm ducc Bauarie, (piatenus hoc iagum romane
ecclesie ab Alemauia extcrminaret. Sed non extendebat, qnia Imperator in excom-
mnnicatione *'*) sordebat. Kinaliter tarnen apnd castrnm IVrnstain apud quendam
ministerialcm suum cognatum AVilhelmiim pro mille marcis nrgenti venditur. Sed
hoc agnito nocte ad alinm ca.strnm Tirbergk sni consangninei profiigit, et ibidem
per annnm et dimiditim moram fecit. In quo Castro fierbergk dum se obsideri per
arehiepiscopos et episcopos et indeuotos magnates agnosceret, Bobeiniam intranit.
Vbi recouciliato Moguntino, quem de speciali mandato pape depoauerat, tandera
per Senonas oeenite Lngdanani , nbi curia erat , venit : et in Harisins uix iiianus
Frideriei iinperatoris amicorum enasit.
In Lngduno ergo Albertus prefatns, qui prins per electionem concordem ad
decanatiim patariensem assuniptus est, per papam Innocentiiim, qui Fridericum
iinperatorem deposuerat, et alium eligi preceperat, '”) et electionem landgranii Duringie
rati habebat, ordinatur in sacerdotein ; ei decanatuni confirmat eundein, et siniul ad
ecclesiam in Weilten introuisat.
Qua spe fretus prefatus .Albertus arcbidiaconus, iam dccanus, reuerti ob com-
positionem cnm nnnciis Budigeri coram papa factam nititor ad propria remcare.
195) In der Uttudeehrirt steht; expolistar.
196) Ebeadort; eiterDiiiiacione.
197) Ebendort: percipemt.
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294
Per episcopnni '“) patauieuseni circumuent«», cum sibi iiigressu« ad Pataniam
dam foret inhibilus,"'*) VVasscrbnrgk suo periculo redieiis intrare cngitnr. Vbi a
comite fvasserhnrgen^i cum »nis traditns obsidiune diuturua ciuctuH est, nocte
qnoqne omnibns suis perditis fuga elapsus *••) cum suis venit in Uoheiniam. Et
taudem mi'<ai sni ad Lugdnnnm siias iactnrns sumino poutifici Iniioceotio quarto
dcplanxernnt.
IIcc ita prosetjiiuluR sum , ut appareat quam sit difficile, zelum dei liabentem
capita ecclpRie apiritnalia iiednm auctoritate Rumnii poutificis Rcd etiam ex ratione
corrigere atque moiiere ut plus deo quam boniiiiibns ohediaiit, sicuti in isto Friderico
secundo tirannn apparuit, cui nedum seculnriuni principuni cetua sed et ardiiepisio-
puruni et episcoporum numorus copiosus cnm presenti Uudigero episcopo etiam poat
ipsius damnatiouem legittimum adhesit , et insidias de opposita oppinione statuit.
Et qnis qualiaqne horum subaequutus est tinis?
Es folgt jetzt die Erzäblung, wie nach der Absetzung des Kaisers, die Papst
Gregor X auf dem Coucil zu Lyon ausgesprochen , die KurfQrsten von Mainz und
Köln cum pluribu« principibus Kheiii den Landgrafen Heinrich von Thüringen znm
römischen Könige wühlten, der alsbald einen Hoftag nach Frankfurt am Main ans-
sihrieb; wie gegen ihu des Kaisers Sohn Konrad, dem der Herzog von Baiern seine
Tochter zur Gattin gab. mit der er zn Vohbnrg die Hochzeit feierte, in den Kampf
zog; wie der neue König dann feierlichen Hoflag zn Nürnberg hielt, und nach
Schwaben zog, ubi upere Sueuorum VImam sibi rebellem obsedit: a qua tarnen nucte
recetlit, et in via apuil castrnm proprium Warttimla'rg lapsus de eqno post dies
paucns vltiraum diem claudit.
Daran schliesst sich die Mittheilung, wie Herzog Friedrich von Oesterreich in
venatione turpitcr exitio datns est, und wie wenige Tage nach Empfang dieser
Nachricht seine .Mutter Theodora starb.
Dum hec acta .«unt, Friderieus alius imperator ad Lambardiam se contulit, et
Mediolannni gloriosa victoria snbogit.
Interea mittitnr a latere dominus Petrus Caputius dyaconns cardinalis, qui
cum Syfrido mognntino, Conrado coloniensi, .Arnoldo*'*'} treuerensi, Gerharde bremensi,
et cum multis aliis episcopis Barlwintie connenientes apud villain Borrench nouum
regem secundo contra Fridericum elignnt, Wilhelmum comitem Holandrie, admodum
iuuenem. Plures >|Uoque crncem assumunt contra prefatum Fridericum iam depo-
situm tumnltnaniem. Per qnos et prefntnm legatnm Petrum niaxime tarnen Frisoues*“')
19S) Ebendort:
remenre epiFCopn»,
I9H) Ebpndort;
inhnbitus.
200) Ebfndort:
IftpsUS.
201) Ebendort:
ac.
202) Ebendort:
prefatus lej^atos Petrus maxiiue tarnen Frisonus.
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295
Ac|uisf(raDnm ob«idione cingitur; qua diutiua protracia et «trage niultorum tandeiu
Aquisgranum '•*) aquis inuudatnr et eapilnr. Qua capta prefatus Wilheinms per
legatiim et Colonieusem solemnitcr coroiiatur.
Et ibidem prefatus Budigeru« pataiiiensis cpiseopus per legatum ad iu.stantiaui
«epedicti Alberti decani, quem deceperat, et tractatua iuter se per snos nuncios
Lugduni per pupam factos irrilanerat, deponitur et de speciali maiidato pape a suo
episoopatu submouetur: ac qnicf(uid per eam factum fuerat in irritum docitur et
inordinatum *"*) renocatur.
Et Couradus tercins, filius ducia l’olouie, nepos regis Bohemie, ad iustuutiaiu
solius Alberti prefati decani patauieusis ecclesie in episcopiim surrogatur anno
domini MCC xlviiij.
Hat tempestate i’atauia pluribus iocommodis atteritur. Vnde quidnm de
ea dicebat : Quid agis, misera PataniaV Nonne ceteris et poteacia eiuiuebas et
dinitiis? Qiiomodo nunc inculta recumbi» et mendica«! Non babes paiiem quo
ventreiu reficias. Erjuora tibi pro viuo, lupides pro paue , uubes tibi pro lignis,
fletus et gemitus pro tripudio. Sic te fastinanit, sic te irrisil improbus Budigerus,
quem tibi in tutorem erexeras, qui tuum decalcauit eaput, et ossa dispersit per
deuia et triuia et veluti hostis ad extreina deducere. V’tinaro hunc uunquuin
vidiases! Vbi Inorum canonicorura gloria, vbl niiuisterialium potentia, vbi ciuium
diuicie, qui sibi statuam erexerant vt eidem niterentur, qne tauieu suo casu omnes
oppressisset, nisi sanctornm suornni patrocinio fnissent reuelati.
Couradus, diii Polouie, electus anno domini MCCL, sedit Patauie anno vno
mensibu'i tribus, Qui sepe uomiuato Alberto decano castrum Bnrbum cuiu suis
comitibus coutnlit in proprietatem , et in episcopatu patauiensi castrnm Wildeu-
stain et Wescherstain cum villis et suis pcrtiuentiis,’'’*^ ac mutam in l’atania
Tnacnin prepositura Abbatie et omnia beneticia canouicorum patauiensium, suorum
aduersariomm , liberaliter contnlit et snis priuilegiis contirmauit. Oh qnod et
prefatus decanus sibi Ixvi marcas argenti puri pro redditu sno in Poloniam
mutuauil,*"*) et pro centum roarcis anri se pro eodem Colonie rädern coustituit,
vbi et plnribns niensibus demoratns et amplius circa cxr marcas argenti expendit.
Tandem vero per quendam prepositum sancti Widonis spirensis territus ad
romanam curiam festinantcr accessit, et ambiliouem eiusdem prepositi prudenter
euacuauit.
203) Ebendort:
2U4) Ebendort:
205) Ebendort:
206) Ebendort:
Äqaisgrani.
ordinatam.
pernsijs.
mntsuit.
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2!lfi
Iilem C'onradus plettus post anni circuliim acl iiiguiu nmtHmonii conuolauit.
cluceua in vxoreni liliam Jucis l’olononim Odowitz, et fratrem sniim prinio-
geiiitnin Wadeslaiini capiens portioncm pateriie ane horeditatis reqoirit. Quo deteiito
et fratrem aunm .secuiido- genitiim detinet, ac per h(x: totius I’olonie moiiarchiani
obtinet.
Et (]uia tiregoriua papu. audirns doiiiiiiorum maguiitini et coloniensia et alionim
contra doniiuum l’etrmu Caputium It^atniii murniur pro eo quia aic occolte Kiidigeruni
patauienaeni de[H>suit, etatuit prefatum in iuditiuni euoaindnm de conailio rloniiuoriim
Cardinaliuni : conmittitur quotpie causa electo Saltzeburgensi douiino Fillippo, lilio
ducia Karintbie, qui defuuclo Eberliardo Saltzeborgensi per caiiouicos et ininisteriales
ecclesie concorditer electus extiterat. Kt quia iuris {leritiis uon erat, nec talinm
assistentia fortassis fulcitus , ideo et derisioui patuit et totum negotium confudit.
Bed tarnen postea papa, per etlictnm citando liudigerum epiacopum, in valuis ecclesie
sancti Petri die ipaa dedicationis eiuedeni prefatain causam releuauit. Qui quideiu
episcopus dum in termino sibi prefixo minime conpareret, panliaper prestolatns, in
publico consistorio coram multis archiepiacopis et episcopis, premisso themate ,,homo
cnm in honore esset, uon intellexit“ et facta uollatioue per dominum Petrum Alba-
nensem epiacopum cardinalem, ab omni honore pontiticatna et sacerdotij iterato
deponitur, et omiiium aliorum ordinuni ofbcio pro perpetno in fnturo xiij kal. niartij,
licet absens foret, suspendilnr. Quicquam etiam per eum etc.
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Beiträge und Erörterungen
zur
(rescMchte des deutschen Eeichs
iu den Jahren 1330 — 13i34:.
Von
Dr. Wilhelm Preger.
Abli. d. UI. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. II. Ablh.
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Beiträge und Erörterungen
zur Geschichte des deutschen Reichs
In den Jahren 1330 — 1334
TOD
Dr. Wilhelm Preger.
Als Kaiser Ludwig ini Dezember 1329 Italien verliess, wo er Macht
und Ansehen ebenso rasch verloren wie zuvor gewonnen hatte, war dieses
Land dem Ehrgeiz seiner (Tewalthal wr und der Eifereucht seiner Parteien
in erhöhtem Masse jneis gegeben. Von den Stiidten blieben nur wenige
dem Kaiser treu. Eine nach der andern suchte Frieden njit dom Papste
und Befreiung von dem Interdikte. Aber darum fand der Pai>st in po-
litischen Dingen doch nicht den Gehorsam, den er als Verweser der
Reichsgewalt oder auch als uninittelbaror Herr in An.si>ruch nahm. In
Parma, Reggio, Modena, wo sein Legat der Herrschaft sich bemächtigt
hatte, 8i»h sich dieser sehr bald wieder durch die einheimischen Parteien
verdrängt. Uniiusgesetzt kämpften in Ober- und Mittelitalien die Gnelfen
und Ghibellinen wider einander, oder suchten die Stadtherren die Ge-
walt, welche sic an sich gerissen, über die Nachbargebiete auszudehnen.
Die Zustände in der Lombardei waren im wesentlichen die gleichen, wie
sie nicht lange nach dem Tode Heinrich’s VII. geherrscht hatten. Da-
mals berichteten die jiäpstlichen Kommi.s.süre Bernhard und Bortraud an
.lohann XXU. *) : Nach allem was wir gehört und zum Teil selbst ge-
1) Bericht Tom 18. Juli 1317. Tab. Vatic. Secr. lit. .Von. I. T. I 87 —90. Es war mir
geftattet, fQr ein«n Teil der Torliegouden Arbeit Auszug« aus zumeist noch anbckannteD Urkunden
dea vatikaniscben Arcbivs zu benützen, nnd eine Anzahl derselben nach Erroeaaen in den Beilagen
drucken zu lassen. Für diese freundliche Erlaubnis spreche ich dem verehrten Besitzer der Sammlung
sowie dem Verfasser der trefflichen Auszüge hiemit den geziemenden Dank aus.
!•
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Behen Iia1>en. sind es die Tyramien. welclie, die Herrschaft ülwr das Volk
an sich reissend, den allgemeinen Frieden stören und die Getreuen der
Kirche von ihren Ehren und Einkünften verdrängen. Die Unterdrückten
seufzen in der Stille; es fehlt ihnen aller Schutz; die Gelder])ressungen
geschehen mit Hilfe der rohen und grausamen S<")ldnerschaaren, und die
Macht der Tyraimen, die immer mehr Städte an sich reissen, wächst.
Filiere Heiligkeit veraeihe, so schliesst dieser Bericht, aber sehr viele
Kleriker und Baien miünen, dass kaum je oder niemals die Lomimrdei
F’riede halien werde, wenn sie nicht ihren eigenen König erhält, der seine
Herrschaft in seiner F'amilie vereriit und einer barbarisi'hen Nation nicht
angehört. “
Nun haben wir Kunde von einer Bulle, durch welche .lohann XXII.
Italien vom Kaisertum und Reich clor Deutschen getrennt haben soll,
womit dann allerdings der Weg zur Firfüllung jenes Wunsches zum Teil
geebnet gewesen wäre.
Die Bulle Johanns XXII., welche Italien vom Reiche trennt.
Von dem Texte dieser Bulle waren bis auf Höfler nur die Anfangs-
worte. welche Alberich von Rosate '), und die Schlusssätze oder die eigent-
liche Sentenz, welche Nikolaus Minorita*) mitteilt, bekannt. Höfler’)
fand dann in einer Florentiner Handschrift den ganzen Text, wie er meint.
Ist die Bulle echt, d.ann ist sie sicher nicht ohne Fliniluss auf die
Gestaltung der politischen Verhältnisse geblieben, wenn gleich dieser Fiin-
fluss bis jetzt von denen, welche die Flchtheit annehmen, nicht mit Sicher-
heit hat nachgewiesen werden können. Indes hätte sie auch schon als
eine der Thatsachen, welche die Willkür .lohanns XXlf. dem Reiche
gegenüber kennzeichnen, ihre geschichtliche Bedeutung.
Im Hinblick auf den durch Nikolaus .Minorita bekannten Teil der
Bulle hat Baluzius die Flchtheit bezweifelt , und auch Böhmer hat sie
1) Dictlonariam Jurin rtc. Vt-net. 1672. S. unter [talia nnd Pap». Ine.: Ne pra«tereat
(Text: praeiftreatur) cunitideraiitis intoitum.
2) Hei Boliiner. Fontes eie. IV, .'*[*9.
Abhandlungen d. K. Höhni. OoaelUcli. der WinnenscliArten 1H6». Aon Avi^nun S. 40 fT.
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niclit unter den Regesten Johanns verzeichnet, obwolil er jene Stelle aus
Nikolaus kannte.
Dagegen erklären sich Höfler, Riezler imd neuerdings Carl Müller*)
für die Echtheit und zwar nach dem ganzen Umfang des Textes, wie er
durch Höfler gefunden worden ist.
Mit der Frage über die Echtheit steht jene über die Zeit der Dulle
— auch Höfler fand sie ohne Datum — in enger Verbindung. Die
zuletzt genannten Schriftsteller gehen hier weit auseinander. Während
Höfler sie in den Anfang der Regierung Johanns setzt, weisen sie Riezler
und Müller dem Ende derselben zu.
Keine der beiden Fragen scheint mir bis jetzt hinreichend erledigt,
auch durch Müller nicht , der sich am eingehendsten damit beschäftigt
hat. Ein bisher unl>ekanntes Schriftstück unserer Staatsbibliothek wird
dies herausstellen und uns, wie ich hofte, zu einer gesicherteren Antwort,
verhelfen.
Dass Johann eine Bulle erlassen habe, welche Italien vom Reiche
trennt, dafür zeugen 1) da.s Frankfurter Manifest Kaiser Ludwigs vom
8. August 1338“), 2) eine geheime Instruktion des Kaisern für seine
Roten in Avignon vom J. 1339 ■*). 3) eine Streitschrift für Ludwig aus
derselben Zeit bei Nikolaus Minorita, und 4) der italienische Rechts-
gelehrte All)erich von Rosate. welcher in seinem nicht lange nach Lud-
wigs Tode vollendeten Dictionarium juris der Bulle zwei Orten
gedenkt.
Zu diesen bisher iMjkannten Zeugnis-sen kommt nun noch das unserer
Münchner Handschrift *), eines (iutachtens der Gelehrten an Ludwigs Hofe,
durch welches der Kaiser vor unvorsichtigen Verhandlungen mit dem
Papste gewarnt werden soll. Dies Zeugnis ist insoferne vor den andern
wichtig, weil es noch aus der Zeit Johanns XXII. selbst stammt und eine
1) Die lit. Widermach^r der Papste zur Zeit Lodwigg de« Haiers. 1874. 8. ff.
’2) Der Kainpf Ludwigs des Daiem mit der röin. Curie. Tüb. S. ff. :I7Ö ff.
OlfnsehUger» 8ta«Ugeschichte. Urk. LXX.
4) Bei Eiezler a. a. 0. S. :W|.
5) Cod- lat. Monac. (‘i*’. 15 sc.) f. 178 »fiq. «. Beilagen Nr.
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genauere Bestimmung Aber die Zeit der Bulle und mittelbar auch über
die Echtheit ermöglicht.
Die genannten Schriftstücke bezeugen uns nicht bloss im allgemoineu,
dass Johann durch eine Bulle Italien vom Reiche getrennt habe, sondern
eines von ihnen, das von Nikolaus mitgotoilte bringt auch, wie schon
bemerkt, die Schlusssätze oder die eigentliche Sentenz der Bulle, und die
Worte, mit w’clchen in den übrigen der Inhalt der Bulle angegeben wiitl,
zeigen, dass die V'erfasser die Sentenz in dem Texte kennen, wie ihn
Nikolaus überliefert hat, Beziehungen auf den von Höfler aufgefundenen
weiteren Text fimlen sich in den genannten Zeugnissen nicht ’).
Gegen die Echtheit einer Bulle mit dem erwähnten Inhalt scheint
nun zu sprechen, dass derselben sonst weder von Johann noch von einem
der folgenden Päpste, soviel mir bekannt ist, gedacht wird, dass sie in
keiner Sammlung der Bullen Jolianns sich findet, und dass Raynald. dem
das päpstliche Archiv zur Verfügimg stand, über sie schweigt.
Allein dieses Fehlen mid Schweigen könnte auch einen andern Grund
hal)en als den der Unechtheit. Selbst bei solchen, welche den Papst in
die Verwesung des Reiches eintreten lassen, wenn dieses erle<ligt ist,
konnten Zweifel entstehen, ob dersellw dann ein Recht habe, ohne die
Zustimmmig der Fürsten Reichsgut zu veräussern, ganze Länder vom
Reiche zu trennen. Diese Erwägung war es auch vielleicht, W'elche den
Alberich von Rosate, der dom Papste die Reichsversvesung im genannten
Falle zugesteht ^), zu der Bemerkung veranlas.st hat, Gott allein wis.se es
ob der Papst zu einer solchen Bulle ein Recht gehabt habe. Auf jeden
Fall w'ar dieser neue Eingriff Johanns in die Rechte des Reiclis geeignet,
1) Riezler und wie es scheint nach MQUer jrUubon, da.<i9 Alberich von Rosate auch eineu Teil
des HdHer'schen Textes als den der Bulle gekannt habe, den letzten AbachuiU derselben vor der
eilfeotUchen Senteox. welcher mit den Worten be^nnt: Ke« praetereat considerantis intuitum. Denn
Alberich sa^e, die Bulle habe mit den Worten bi‘i;onDen: Ne praetereat considerantis intnitum. Allein
wäre das nicht ein schlimmes Zeugnis (ttr Alberich, wenn er eiaen mit Nec beginnenden SaU, dom
kein anderes nec folgt, für den Anfang eines Schriftstückes hatte halten können? Und ihm xutraaen,
dass er ne für nee geleseu, geht ebensowenig, da auch hier die Konstruktion dea Satzes den Irrtum
sofort aufdecken musste: Nec pretoraat constderantis intuitum. sed infürmet adTertentis auditom* rccens
de facili memoranda commissio Imperatoris llenrici, qui etc.
2) Papa — supplct defectum regis vacant« regno.
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dein Papsttum auch unter solchen Reichsständen Gegner zu erwecken,
welche die bisherigen Aniiiassungen Johanns sich hatten gefallen lassen.
Es könnte danun gar wolil jenes nachträgliche Schweigen auf jiäpstlicher
Seite auch nur ein kluges Verschweigen sein.
Vielleicht hat auch die Meinung des Raluziu.s *) über die Bulle in
solchen Rücksichten ihren Grund. Beweise für seine Meinung bringt er
ja nicht bei; denn wenn er auf etliche Beisjiiole mitergeschobener päpst-
licher Erlas.se aus jener Zeit hinweist, so ist das doch wolil kein Bewei.«.
dass auch unsere Bulle untergeschoben sei.
Auch das macht die Bulle nicht verdächtig, dass sie mit einer ein-
zigen Ausnahme in Schriftstücken erwähnt wird, welche von der kaiser-
lichen Partei ausgegangen sind; denn es ist selbstverständlich, dass man
da Anklage erhebt, wo man Beeinträchtigung erleidet. Zudem ist die
Anklage an hervorragender Stelle erhoben worden, in dem Frankfurter
Manifest Kaiser Ludwigs. Wie kommt es, dass der Vorwurf niemals
von Avignon aus mit der Erklärung zurückgewiesen wonlen ist, dass die
Bulle unecht sei?
Aber wollte man auch gegenüber den Zeugnissen von kaiserlicher
Seite das Misstrauen nicht fallen lassen, so bliebe doch immer noch das
Zeugnis dos angesehenen Alberich von Rosate, eines Rechtslehrers, der
zwar die Unabhängigkeit des Kaisertums vertritt aber darum doch nicht
ein unbedingter Anliänger Luilwigs ist *).
Auch in dem Inhalt oder in der P’orm der Sentenz liegt nichts wa.-*
gegen sie spräche. Wir brauchen gar nicht auf die Zeiten vor Johann
zurückzugehen; es genügt schon, an den im Eingang angeführten Bericht
zu erinnern, in welchem die päpstlichen Kommis.säre dem Papste die Un-
abhängigkeit des Königreichs Italien als einen von sehr vielen Klerikern
und Laien gehegten Wunsch nahe legten. Warum hätte Johann, leiden-
schaftlich erregt gegen Kaiser Ludwig, der ihn entthront hatte, zu den
Schlägen, die er liereits wider den Feind geführt, nicht auch diesen neuen
fügen kömien?
1) Vit»e Papar. ArenioD. I, 704.
2} 8. t. Pap«: — Joanne« XXII. (deposQiti Ladovienm de BaTaria— — qneni totem» licnt pato,
oearpatum est» nisi abt eeaent (imperatorca) baeretici» licet ipse Lndovica« in mnltia eicesaerit contra
Kclesiam Romanani, forte profoeatns.
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8
Und was die sjji-achliche Fonii betrifft, in welche die Sentenz ge-
fasst ist — ich rede hier mir von der Sentenz, nicht von dem durch
Höfler hinzugebrachten Texte — so liegt auch in dieser nichts, was auf-
fallen könnte. Sie ist dem Stil der Schriftstücke, wie sie um jene Zeit
aus der päi«tlichen Kanzlei hervorgingen, durchaus nicht unähnlich.
Liegt somit bis jetzt kein hinreichender Grund vor, die Existenz
einer i>äpstliclien Bulle mit der durch Nikolaus Minorita liekannten Sen-
tenz zu bezweifeln, so ist dagegen der Zweifel um so berechtigter, wenn
es sich mn die Frage handelt, ob die Bulle mit jener Einleitung uml
geschichtlichen Begründung existiert halie, mit welcher sie Höfler in einem
Codex der Magliabecchiana in Florenz alischriftlich gefunden hat.
Fürs erste fällt auf, dass die.se Einleitung mit ihrer ganzen histori-
schen Darlegung zu der Sentenz nicht passt, welcher sie doch zur Be-
gründung dienen soll. Man täusche sich oftmals, so meint der Eingang^
und was man anfangs für heilsam erachtet habe, da.s stelle sich im Ver-
laufe der Zeit als schädlich heraus. So sei es auch mit dem Kaisertum.
Und nun würd eine Reihe von Beispielen gebracht, welche zeigen sollen,
wie schädlich dieses der Kirche und der öffentlichen Ruhe gewesen sei.
Die Beispiele, welche zum Teil sehr starke Unrichtigkeiten enthalten,
schliessen mit Heinrich VII., dessen Zeit als die „allerjüngste“ bezeichnet
wird. Diese giuize Reihe von Vordersätzen und die Art wie sie urteilen,
fmxlert als Schlusssatz : wir erklären da.s Kaisertum für aufgehoben, und
statt dessen folgt eine Sentenz, welche da-s Kaisertum bestehen lässt und
nur Italien vom Reiche trennt, sowie Deutschland nach Frankreich hin
schärfer abgegrenzt wis.sen will. „Wir machen“, heisst es in der Sentenz,
„Italien vom deutschen Kaisertum und Reiche los, und wollen, dass
Deutschland durch deutliche und bestimmte Grenzen von Frankreich ge-
■schieden werde.“
Um die Lostrennimg Italiens zu begründen, gab es eine viel näher-
liegende Deduktion. Der Papst brauchte nur auf die Mis.sstäude hinzu-
weisen, welche durch die weite Entfernung der deutschen Herrscher von
Italien in diesem Lande eintraten und eintreten mussten. Und diese Be-
gründung kommt nun auch in der Sentenz selbst vor und wird da als
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die vornehmste Ursache angeführt, *) aber so, dass man sieht, sie müsse
im einleitenden Teile schon irgend wie erwähnt sein. Denn ein Sata
der Sentenz, beruft sich auf die bereit« angeführten Gründe uml sagt,
dass man andere nicht anführen wolle, um Weitläufigkeiten zu vermei-
den. Nun kommt aber in der ganzen Einleitung des Höfler'schen Textes
von diesem Ilauptargumente keine Silbe vor.
Der zweite Umstand, welcher diesen ersten Teil der Bulle als ver-
dächtig ei'scheinen lässt, ist, da.ss die geschichtliche Begründung mit
Heinrich VII. abschliesst und von dessen Zeit als der allerjüngsten ge-
sprochen wird. Das war es denn auch, was lIöHer bestimmto. die Bulle
in die ersten Regierungsjahre .lohanns zu verweisen. Allein er hat dabei
nicht beachtet, d.ass dem Frankfurter Manifest zufolge die Bulle „nach
den Processen'^ gegen Ludwig ei'lassen ist, wie das schon Riezler hervor-
gehoben hat.*) AVie durfte dann aljer jener historischen Begründung
der Hinweis auf Ludwig den Baier fehlen? Riezlers Vei'snch, tien Mangel
eines solchen Hinweises damit zu erklären, dass in den Augen des Papstes
Ludwig weder König noch Kaiser gewesen sei, ist doch nur ein künst-
licher. Denn war auch Ludwig für den Papst ein Usurjiator, so konnte
ja selbst dieser Umstand der Kurie sehr gut zum Beweise dienen, wie
viel Schaden das Bestehen der Kaiserwürde der Kirche gebracht habe.
Und wie der Inhalt der Einleitung nicht zu dem Inhalte der Sen-
tenz piissen will, so stimmt auch die Sprache der ersteron nicht zu
der Sprache der letzteren. Auch Müller wird darüber bedenklich, glaubt
aber die Sache damit erledigt, das.« dieser einleitende Teil der Bulle fast
wörtlich einem Schreiben Robert« von Neapel und seiner Bundesgenossen
an den Papst entnommen sei, welches mn den Anfang des .luni 1334
verfasst ist.*) Allein das Plagiat ist doch nicht so, dass es nur wörtlich
1) — tlwernente?, q«od ntjllo anqatm tempore conjung-antor et uniantnr ei eo precipoe,
qnod ««rundem provincianim loQifca diffoMque proiensio »ic coDfandit et unlus rej^oanti«
jurisdictioflU et j^abernationi» eSectum, ut tpitarum cura^ro) perplexe negligat. et dum Iinperatoria
animos ad multa dividitor, «d eiDgul« per conaeqoens ininuatur.
2) fmiaper post dictos processos quasdam literaa imb bulU sua dicitur fecisse ot per niuodum
public« transmisisiic, in qnibus as^erit, se toUm Italiain ab Jmperio et Ke{fno Alemanniae soparaas«.
dj Es ist ein Verdienst MüHefSj auf dieses Sebreiben aufmvrkbam gemacht und es aog einer
Pariser Handachrift xom Abdruck i^^ebracbt zu haben. Nur setzt er die Zeit desselben etwas zu s|tat
an: Juni bis Juli 1^S4. J>as Schreiben sellnt gibt die n&tin^eti Merkmale an die Hand; es ist
Abh.d.IIl.Cl.d.k. Ak.d. Wis». XV. Bd. llÄbtb. 2
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herübergenommen wäre. Eb sind vielmehr Aenderungen in der Form
vorgenonmien, welche auf derselben Linie liegen, wie die rhetorischen
Wendungen im Schreiben Roberts, nur dass sie diesellien noch überbieten.
Wir dürfen also gar wohl von einem eigenen Stil dessen reden, der den
ersten Teil geschneiten hat, und da will denn diese gesuchte Künstlich-
keit, mit der*man z. B. die gleiche Anmutung: dass man beachten möge,
in immer neuen Wendungen wechseln lä.sst,') da will diese rhetorische
Häufung der Anapher, kurz diese ganze rednerische Geziertheit zu dem
zwar auch nichts weniger als guten, aber immerhin weit nüchterneren
mul treffenderen Ausdruck in der Sentenz wie in den sonstigen Erlassen
Johanns in keiner Weise pas-sen.
Ich habe diesen Höüer'schen Text der Bulle ein Plagiat aus dem
Schreiben Roberts vom J. 1334 genannt, wiewohl der geschichtliche
Nachweis für die Schädlichkeit der Kaiserwürde in diesem Schreiben
selbst nur wieder, wie Müller bemerkt hat, ein Inserat aus einem älteren
Schreiben vom Jahre 1313*) ist, in welchem derselbe König seinen Ge-
sandten Weisungen gibt, wie sie bei Klemens V., dem Vorgänger Johanns,
darauf dringen sollen, dass er die durch die delegierten Kardinale voll-
zogene Krönung Heinrichs Vll. zum Kaiser für ungültig erkläre. Die Be-
weisführung in der Bulle könnte also auch insofeme nur jenes ältere
TerfiKst, hU Parma and Re^jrio zugleich von der Liga bedroht waren tind die Katastrophe ror Parma
am 7. Juni noch nicht eingetreten war: also in der Zeit nach dem L Mai und vor dem 7. Jani.
Yergl. iro Schreiben a. a. 0. 8. 402 mit Pöppelmann, Johann r. Böhmen in Italien, Arch. f. öeterr.
OeMhichte Bd. 35, 242—24^1.
1) Hier einige Satze inr Vergleiehnng:
Schreiben Roberts t. J. I3;t4: Ecce qnid Jalianos ireperator fecerit etc. Balle:
Attendat mo<lcma eonspectio, qoid JoUanns etc.
Schreiben Roberts: qaid JuUanoa inip. fecerit, qai perHecatus est sanctoe catbolicos
christianos naqae ad stragis excidiam et ecclcsiaro ipeam taeeit etc. Bnllo: qoid Jaltanos
eidem eecleeiae taedii et peraecutionia intnlerit, qaid ortbodoiii asqoe ad stragis excidiam
irrogmverit etc.
Schreiben R. : Eeee qoid Valerioe Imperator fecerit etc Balle: Arertat diiqnirentis
injnriam, qaod Valerias Imperator etc.
Schreiben K. : Attandator eclam, qoid Pelagias Broto commiserit etc. Bulle: Coosi-
deret diligentis attentio, quid Pelagios Bruto portaverit etc.
Schreiben R.; Ncc omittat memoria, qaid Leo imporator egerit eie. Bolle: Nec in
abscondito maneat amara recensio Leonis AngUfti etc.
2» Bei Bonaini, Acta Henrici VII. I, 233 ff. Die Urkunde gehört dem J. 1313 aOf nicht dem
J. 1312, wie Bonaini annimmt, denn sie setxt die Exkommunikation Heinrichs Vll. voraus, s. a a. 0. 235*
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11
Schreiben Roberte zur Voraussetzung haben. Doch ist dies nicht der Fall ;
denn die Bulle enthält auch Sätze, welche wohl im Schreiben Roberts vom
Jahre 1334, aber nicht in jenem älteren stehen. Aber ist nicht noch ein
Anderes möglich? Könnte das Besondere, welches die Bulle mit dem
zweiten Schreiben Roberts gemein hat, nicht auch so sich erklären, dikss
letzteres aus der Bulle geschöpft hätte? Ein Umstand macht diese
Annahme geradezu unmöglich. Es ist der, dass im Schreiben Roberts
der Bulle nicht gedacht wird. Müller selbst hat dies hervorgehoben,
um zu beweisen , dass die Bulle später als das tichreiben Roberts sein
müsse. In der That, wie konnte Robert. Erwägungen als seine eigenen
dem Pa|wte vorlegen, wenn diese Erwägungen bereits in einer Bulle des-
selben Papstes standen? wie konnte Robert für eine Meinung bei Johann
werben, olme zu erwähnen und sich darauf zu berufen, dass damit ja nur
Johanns eigene durch die Bulle sanktionirte Meinung vertreten werde?
Es ist darum ganz immöglich, die Bulle früher als das zweite Schreiben
Roberts zu setzen. Dieses aber ist um den .\nfang des Juni 1334 verfasst.
Der Papst ist am 4. Dezember 1334 gestorben. War nun der durch Höher
hinzugefundene Text ein Bestandteil der Bulle, dann kann diese nur zwi-
schen Juni und Dezember 1334 erlassen sein, wie sie denn auch Müller
in den August setzt
Wie nun aber, wenn die Bulle doch älter wäre, als das Schreiben
Roberts vom Juni 1334? Was würde daraus folgen? Dass die geschicht-
liche Darlegung von der Schädlichkeit des Kaisertums nicht in der
Bulle gestanden haben kann. Denn derselbe Grund, dass in dem Schrei-
ben Roberts dieser historischen Darlegung nicht gedacht ist, kann mit
gleicher Kraft beides beweisen: entweder dass die Bulle später ist oder, •
wenn sie nicht später ist — dass ihre geschichtliche Beweisführung
später, mit andern Worten — dass diese letztere unecht ist.
Nun ist aber in der That die Bulle älter. Es wird sich das zeigen,
wenn wir das mehrerwähnte Schriftstück unserer Münchner Handschrift
näher betrachten.
Weil man, so beginnen die Gelehrten ihre Warnung an Kaiser Lud-
wig, mit Gottlosen keine Gemeinschaft haben dürfe, so müsse sich der
Kaiser aufs äusserste hüten, mit Jakob von Cahore — mit diesem seinem
früheren Namen wird Johann von den Gegnern meist bezeichnet — in
2*
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12
irKemi eine V'erhaiulhing zu treten lievor «lieser seine verderblichen Irr-
tOnier widerrufen und auf alle Hechte über das Reich , welche er sich
auinasse, verzichtet habe. Denn nwche Ludwig auf andere Weise Frie-
den. sei es auf das Zureden solcher, welche aus ungetreuem Herzen dazu
raten, oder solcher, welche weder die Schrift noch die Geschichte ken-
nen, so würden Kaiser und Reich die schwerste Schädigung erleiden.
Nachdem <lann die Selliständigkeit des Reiches und ilie Unabhängigkeit
der Wahl und Krönung seines Oberhau|)teK zum König und Kaiser dar-
gelegt ist, wird auf die verschiedenen Prätensionen des Papstes überge-
gangen und dabei erwähnt:
Unde et audivimus, quod quendam fecit libellum, quem decretalem
ap]>ellat, in quo asserit, se provinciam Ttaliae ab imporio et regno
Alemanniae sej)arasse.
Nachdem die Unzukömmlichkeiten, welche aus den Ansprüchen des
Papstes auf die oberste Gewalt in weltlichen Dingen sich ergeben, in
langer Reihe angeführt sind, heisst es am Schlüsse: Möge darum der
Kaiser bis zum Tode für die gerechte Sache einstehen, nicht bloss mit
ämsserlichen sondern auch mit geistigen Watfen, die ihm seine Gelehrten
in Menge darbieten können. Jetzt freilich ist die Gerechtigkeit zum
Spott geworden, weil den Gelehrten, die sie gerne darlegen möchten,
dies auf keine Wei.se gestattet ist. weshalb es auch nicht wunder nehmen
darf, wenn viele dafür halten, dass die Gelehrten dem Kaiser von keinem
Nutzen seien, gleichwie auch die tapfersten Soldaten in der Schlacht
als lumütz erscheinen, wenn sie das Schwert nicht zücken dürfen.
Aus den mitgeteilton Stellen geht hervor, dass das Gutachten der
• Gelehrten in den Jahren 1330 — 1334 verfasst sein müsse, denn in diese
Jahre fallen die Unterhandlungen des Kaisers mit dem Pajiste Johann.
Die Versuche mit Johann zu unterhandeln enden aber im Juni 1334;
denn aus der späteren Zeit bis zum Tode des Papstes ist uns nur noch
von den Remühimgen Ludwigs berichtet, in Verbindung mit ('äsena,
Occam und Bonagratia ein allgemeines Konzil gegen Johann zu Iwrufen,
das diesen stürzen soll. Wir dürfen aber nmi gleich den Grenzstein für
unser Gutachten noch weiter, vom Juni 1334 auf den November 1333
ziu-ücksetzen ; denn die Verhandlungen Johanns von Böhmen mit dem
Papste für Ludwig, welche im Juni 1334 enden, beginnen spätestens um
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den Noveinl>er 1333; sehr wahrscheinlich aber schon früher.') Unser
Gutachten aber spricht von Verhandlungen, welche erst beginnen sollen.
Ein anderes Merkmal kann uns diese nähere Abgrenzung nur bestätigen.
Wir sehen aus den mitgeteilten Schlusssätzen des Gutachtens, dass es
verfasst ist zu einer Zeit, da den Gelehrten das Schreiben wider den
Paysst vom Kaiser verboten war. Nun wissen wir aber, dass sicher in
der ersten Hälfte des Jahres 1334,*) sehr wahrscheinlich aber auch schon
im Jahre 1333, die Theologen an Ludwigs Hofe den Payrst wegen seiner
Lehre de visione beatifica auf das eifrigste bekämpft haben, wie denn
unter andern der Kaiser selbst im Juni 1334 eine Schrift Bonagratiaa,
welche wegen der genannten Lehre des Papstes an ein allgerneines Konzil
appelliert, mit grossem Beifall aufnimmt und zur Förderung seines Planes,
Johann durch ein Konzil zu stürzen, kopieren lässt.*)
Auch nach der andenn Seite hin werden durch das eben genannte
Merkmal unseres Gutachtens die Grenzen verengert. Denn seit die
ininoritischen Feinde des Paj)stes mit Lndwig sich verbunden hatten, bis zur
Mitte des Jahres 1330 beweist eine Anzahl von Schriften derselben, und
der Umstand, dass der Kaiser selbst für die Verbreitung ihrer öffentlich
erhobenen Anklagen sorgte,*) dass das Gutachten erst nach dieser Zeit
entstanden sein müsse.
Somit blieben uns von den Verhandlungen, auf welche sich unser
Gutachten beziehen könnte, nur diejenigen übrig, welche in die Jahre
1331, 1332 und 1333 fallen. Nehmen wir nun, um unter diesen die
1) S. Urk. JohADUs t. 6. Dei. bei W<«ch, Kainer Ladwifi* d. B. u. Job t. Böhmen
8. llü, and die Urkunde, welche Heinrich von Niederboiern am 7. an Philipp von Frank-
reich aasstclU, bei Böhmer, Act Imp sei. Vergl. die Erörterang am Schlosse dieser Abhanülung.
2) Am 8. Jan. 13H4 protestirte Johann in einem Konsistorium gegen den Vorwurf, dass er in
der Fmgo de vkiono beatifica eine Determination gegeben, zu welcher Protestation Bonagratia einen
ne widerlegenden Kommentar schrieb, vgl. Ba/n. nr. 2B u 31. Diesen Traktat wQnscfate Kardinal
Orsini im Jnli nach Avignon geschickt r.u sehen, vgl. den Bericht de* kau. ünterliindlera Walter bei
Höfler a. a. 0- S. 12.
3) 8. d. Brief des Minoritenbroders Walter b. Uö&ei, a. a. 0. S. 11. Die Appellationsschrift
Bonagratias ist vielleicht der von Kaynald (s, vor. Annierk.) erwähnt« Kommentar.
4) ZoleUt noch in einem Schreiben an die Stadt Aachen vom 12. Joni 1«I30, (wahrscheinlicb,
wie Böhmer vermuthet, ein Rondschreibea) bei Quix, Geschichte der Stadt Aachen. Urk. 305. Die
Anklagen sind, wio ich weiter unten zeigen werde, einer an den Kaiser und die mit ihm tagenden
Fürsten gerichteten Schrift Cöseuas entnommen.
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richtige zu hnden, von neuem das Gutachten selbst zu Hilfe, so geht
aus der Art, wie Ludwig vor Unterhandlungen mit dem Papste gewarnt
wird, hervor, dass diese Unterhandlungen für die Gelehrten etwas neues
sind, etwas von dem sie zum erstenmal hören. Sie warnen nicht vor
„abermaligen“ Unterhandlungen mit dem Papste; sie begründen
nicht ihre Meinung, dass der Papst erst seine Häresie von der höchsten
Gewalt über die irdischen Reiche zuvor müsse widerrufen haben, damit,
dass frühere Verhandlungen eben an dieser Prätension des Papstes
gescheitert seien, — eine Berufung, die sicher nicht fehlen würde in
dieser Schrift, in der sie sich kaum genug thun können in der Zusam-
menstellung von Gründen, welche gegen eine unvorsichtige Verhandlung
sprechen — sondern es ist durchaus wie in der Einleitung so auch im
ganzen Gutachten von einem Schritte die Rede, wie ihn der Kaiser bis-
her nicht gethan hat. Nun fallen die ersten Versöhnungsversuche, welche
für Ludwig in Avignon gemacht wurden, zwar vor den Juni 1330; allein
das waren Versölmungsversuche, welche durch andere Fürsten für Lud-
wig gemacht wurden, und von denen nach unserem Gutachten angenom-
men werden muss und auch kann, dass sie den Gelehrten unbekannt
geblieben waren. Zudem geht der Brief Christophs') vou Däuemark an
die Kardinale über die Mahnung zum Frieden nicht hinaus, und was die
beabsichtigte Reise Wilhelms von Holland nach Avignon im März 1330
betrift't, so ist überhaupt sehr fraglich, ob diese den genannten Zweck
gehabt habe. Aber auch von dem Schreiben, welches Johann von Böh-
men in Verbindung mit Balduin von Trier und Otto von Oesterreich am
24. Mai desselben Jahres mit Zustimmung Ludwigs an den Papst richtete,
ist aus verschiotlonen Gründen anzunohmen, tla-ss die Minoriten in Mün-
chen nichts davon erfahren haben. Schon die oben berührte und noch
1) S. B«iU|?e nr. 28 Müller »etzt nAch einem spateren He^t diesen Brief in das Jahr
18^10. Allein die Urkunde im k. Hausarchiv hat nur dss Datmu des 2. Januar, aber keine
Jahresanf^be. Auf der Kehrseite befindet sieb die Bemerkung eines spatereu Archivars: Anno,
ut puto, ViSO. Paranf beruht wabracheinlich die Anfrabe des liegest« , welches aus dem 18. Jahr-
bändert stammt. Ich verniate nach dem, dau Ludwig in dem Schreiben nur rez Romanorum ge-
nannt ist und nach dem übrigen Inhalt, dass es io die Zeit vor der Kaiserkrünung gehört. Kine
Konzession an den Papet, wie Müller meint, kann das Weglassen des Kalsertitels nicht sein, da sonst
auch das rez Romanorum hätte wegbleiben müssen.
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15
näher zu erörternde Schrift’,) mit welcher sich in eben dieser Zeit Cäsena
an den Kaiser wendet, und in welcher sich von Befürchtungen, dass man
unterhandeln möge, keine Spur zeigt, genügt zum Beweise.
Anders verhält es sich mit den Unterhandlungen, für welche Lud-
wig seine Vollmacht am 14. Oktober 1331 ausstellte. Hier ist es der
Kaiser selbst, welcher seine Boten in Avignon unterhandeln lasst. Ehe
er diese sendet, hat er durch Abgesandte die Stimmung in Avignon
erkunden lassen. Es sind des Kaisers eigene Sekretäre Arnold Minnebeck
und Ulrich Hofinair,*) welche nach Avignon reisen. Auch die Instruktion
für sie lässt keinen Zweifel, dass der Kaiser aus diesen Verhandlungen kein
Geheimnis gemacht wissen wollte. Nur diese also können es sein, deren
Vorgeschichte die Gelehrten an Ludwigs Hofe in Unruhe versetzt und in
Bezug auf welche sie unser Gutachten verfassten. Es kann nur zur Be-
stätigung dienen, dass wir die richtige Zeit für das Gutachten gefunden
haben, wenn in dem Schreiben, das Kaiser Ludwig seinen beiden Boten
an den Papst initgibt, von der Geneigtheit die Bede ist, welche der Papst
zu diesen Unterhandlungen habe, >ind wenn dem entsprechend auch das
Gutachten davon zu reden weiss, dass der Papst die Unterhandlungen
wünsche. Von den Unterhandlungen, welche Johann von Böhmen und
Philipp von Frankreich in den J. 1333 — 1334 in Betreff der Verzicht-
leistung Ludwigs auf das Beich bei der Kurie führten, wissen wir, dass
Ludwig es dabei vermieil sich selbst an die Kurie zu wenden, und dass
der Papst sich lange Zeit abwehrend gegen die Bemühungen Johanns von
Böhmen imd Albrechts von Oesterreich verhielt. Aber auch abgesehen
davon, so gilt für diese letztgenannte Unterhandlung, wie für die allein
noch in Frage kommende, für welche Ludwig um die Wende des Jahres
1332 die Grafen von Oettingen und Hals aboi-dnete, dass sie auf Verhand-
lungen Ludwigs folgten, welche gescheitert waren, weshalb mit ihnen
unser Gutachten, das von einem Scheitern bisheriger Verhandlungen
nichts weiss, nicht verknüpft werden kann.
Fällt somit das Gutachten, wie als sicher angenommen werden darf,
in die Zeit der Vorgeschichte der Gesandtschaft vom 14. Oktober 1331,
J) Sieh«* S. Kl Anm. 4.
2) Uofmair ond nicht Hofmann, wie Gewold und Müller haben, steht in der ürkande des
Mftochner HaasarchiTs.
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dann iiiuwj die Bulle, deren die Gelehrten im Grutachten gedenken, in
der ersten Zeit des Jahres 1331 erlassen sein. Denn früher sie zu setzen
verbietet die Angabe des Frankfurter Manifests, der zufolge sie nach
den Prozessen gegen Ludwig, deren letzter in den Januar 1331 fallt,
erlassen ist Ist somit die Bulle auf alle Fälle vor dem Schreiben
Uoberts vom Juni 1334 verfasst, und gedenkt Uobert bei seiner ge-
schichtlichen Darlegung dessen nicht, dass er damit nur des Papstes
eigene Woi-te wiedergebe, so ist damit die Unechtheit des Höfler’schen
Teils der Bulle erwiesen; denn es ist, wie schon gesagt, undenkbar, dass
das Schreiben die Gründe, welche gegen den Fortbestand des Kaisertums
sprechen, mit den eigenen '\Vort«>n des Papstes hätte anführen können,
ohne daran zu erinnern, da.ss es des Pa}>stes eigene vor der Welt erklärte
Meinung sei, die man hier ausspreche. Auf die echte Bulle aber sieh
zu berufen, die nicht ilas Kaisertum aufhob, sondern Italien vom Reiche
trennte, lag für Kotert kein Anlass vor, vielmehr aber Grund davon zu
schweigen, weim durch diese Bulle einem fremden Füi'sten, wie .sich
zeigen wird, der Wog zur Krone von Italien geebnet werden sollte.
Mit unserem nUlu'ren Nachweise aber, dass die Bulle der ernten
Zeit des Jahres 1331 angehöre, fällt nun auch dahin, wji.h llöfler
und Müller über ihr Verhältnis zu der Goschichfo des Kamjifes zwischen
Ludwig und dem Pajiste sagen. .Sie ist dann weder nach Ihitler da.s
Programm, nach welchem sich der Pujxst in seinem Verh.alten gegen
Ludwig durch die -ganze Dauer seiner Regierung bestimmen lässt, noch
ist sie der Schlussstein in der Politik Johanns XXII. gewesen, wie Müller
naehzuweisen versucht hat.
Wir werden vielmehr einen m'sächlichcn Zusammenhang mit den
Versuchen, welche Philipp von Frankreich iin J. 1330 bei dem Papst
machte, für seinen Bruder Karl die Krone von Italien und füi- sich sellwt
das Arelat zu gewinnen, vermuten dürfen.') F.in in dieser Zeit deshalb
abgesiJdossener Vertrag, auf den wir noch zu sprechen kommen werden
und die .Stelle in der .Sentenz, welche auf eine bessere Grenze Frankreichs
gegen Dent.schland liedacht ist, deuten darauf hin. Wir wenden uns
1) VUlani Crooica Fir. 1X4.V Vgl. L X, l!H mit X, 158 nnd la beidem den Vertrag Johanns
von Höhmen mit dem Loi?aten vom 17. Apr. Beil. nr. 5 am Ende.
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damit den Vorgängen in Italien in den näclisten Jahren nach I.udwigs
Ilückkelir zu.
Johann von Köhnien in den Jahren 18J1 und I3J2.
Der Kaiser hatte den deutschen Boden kaum erst wieder betreten,
als er den Italienern wiederholt seine baldige Rückkehr und die Betei-
ligung Johanns von Böhmen bei diesem Zuge ankündigte. Die Ver-
hältnisse in Deutschland hinderten Ludwig, sein Vorhaben auszulühi-en.
Dagegen kam der König von Böhmen im Oktoljer 1330 nach Ti-ient,
nahm hier die ilim ilargebotone Signorie über Brescia imd dessen volk-
reiches Gebiet an. zog am 31. Dezember in diese Stadt ein, gewann dann
die Herrschaft jenseits dos Po in Reggio, Modena und Parma, wo <lie
Herrschaft des ])iii)stlichen Legaten verdrängt worden war; und bis zum
April 1331 h.atten sich ihm, ihrer inneren Streitigkeiten müde, alle
wichtigen Städte der Lombardei mit Mailand, jenseits des Ajiennin auch
Lucca. unterworfen. Am 1 7. April scJiloss dann Johann mit <lcm jiäjjst-
lichen Legaten zu Piumaccio einen Vertrag, dessen Inhalt ein Geheimnis
geblieben ist'). In welcher Absicht hat nun Johann diesen Zug nach
Italien unternommen ? Hat er es für den Kaiser und das Reich gethaii ?
Er mag es hie und da vorgegeben haben; die Art, wie er in der Lombardei
verfuhr, der Unwille, mit welchem Ludwig das Unteinehmen Johanns auf-
nahm. zeugen vom Gegenteil. Oder handelte er bereits im Einverständnis
mit dem Papste? Einzelne Städte hatten den Papst darum gefragt und
dieser hatte wiederholt erklärt, dass es nicht der Fall sei. Man ist
darüber jetzt nicht mehr im Zweifel, dass Johann ohne Befehl des Kaisers
uud wider des-sen Willen nach Italien zog in der Absicht sich da eine
Herrschaft zu gründen. Ob er daran dachte, die Zustimmung des Kaisers
noch zu gewinnen, unter seiner Hoheit die neue Herrsi'haft zu führen?
Im Juli 1331 kam er zu dem Kaiser nach Regensburg, unterhandelte
hier 22 Tage lang mit ihm, und es kam zu Verträgen, welche dem
Könige den grössten Teil des Erworbenen sicherten, al»r die Aner-
kennung der Ol)erhoheit Ludwigs über das neue Gebiet zur Voraussetzung
I) Vsl- zu diesan Vorg&ugan röppalmaun, Jühann von Bdliman in lUlien 13:t0 — 13.33. Arch.
r. aaterr. Gasch. Bd. 35, 356 IT. 331 f.
Abh.d. Ill.Cl.d.k Ak.d. Wi«. XV. Bd. II. Abth. 3
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18
hatten, ln einem weiteren Vertrage vom 17. Dezember defsellien Jahre«
zu Frankfurt erkannte Johann von neuem die Hoheit Ludwigs an.
Die neueren Darsteller Weeeh, l’öpjielmann. Müller sehen in den
llegensburger Verträgen eine Aus.s<"ihnung Johanns mit I.udwig, Pöppel-
mann meint, anfangs sei Johanns Politik eine nur luxemburgische, dann eine
luxemburgisch-päpstliche, mit den Verträgen zu Uegensburg alwr eineluxein-
burgiscli-kaist^rliche geworden, ln etwas amlerer Weise Müller: erst sei sie
nur eine luxcnnburgische gewesen, in Uegensburg halie sich dann Johann mit
dem Kaiser versöhnt und nun sei sein Bestreben gewe.sen, auch den Paj>st
mit seinem Lnternehmen auszusölinen und zur Befestigung seiner Herr-
schaft den Frieden zwischen Kafsor und Papst wieder herzustellen.
Das wäre also eine Politik Johann.s, welche auf eine wirkliche Aus-
söhnung mit dom Kaiser sehr bald nach den Krfolgen in Italien bedacht
gewesen wäre, und sie auch erreicht und nach vorübergehenden Störungen
wieder gewonnen hätte.
Ich kann mich diesen Auffassungen nicht anschliessen. Der Vertrag
von Piumacc.io. des-sen Inhalt wir nun mitteilen können, ijnd die auf
Grund dieses Verti-ages fortdauernde Verbindung Johanns mit dem Papste
sprechen dagegen. Sie weisen auf eine l’olitik Johanna i:» den Jahren
1331 und 1332, welche ununterbrochen dem Kaiser feindlich war und
dessen Kntthronung zum Ziele hatte.
Das Vertragsdokument im vatikanischen Archiv ist in der ihtu bei-
gefügten Signatur nur mit der Jalir/ahl 1331 bezeichnet'); aber ein in
dem Vertrage aiif den Herlrat angesetzter Termin, und neben anderen
Umständen vor allem die Thatsache, da.ss im J. 1331 kein anderer
Vertrag zwischen dem Papste und Johann von Böhmen in Betreff der
Herrschaft über Italien geschlossen wurde, sichern die Annahme, dass
wir in diesem Dokumente den Vertrag haben, der am 17. April 1331
zwischen Johann und dem juip.stlichen Legaten Bertrnnd zu Piumaccio
gest-hlossen worden ist.
Der König erkennt in dem Vertrage die Hoheitsrechte des Papstes
über die von ihm in Besitz genommenen Städte Parma, Modena und
1) Vttikaii Archiv, be«OB(l. Kapsel s. B<i)a),'«ti Nr. A.
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Reggio an und nimmt diese Städte vom Pnjiste zu Lehen, für welche er
ihm denn auch den Huldigungs- und Lohenseid leisten wird. Dann ga-
rantiert er dem Papste alle die Kajntel, welche er vor seiner Ankunft
in der Lombardei durch seine N'untien der römischen Kirche angetragen
hat. Johann will 1) wenn er die Lomltardei tiesitzt oder wieder erobert,
die Rebellen gegen die Kirche zum (lehorsam zwingen, '!) der Kirche in
der Lomliardei alle ihi« liechte zuiiickstellen.
Johann verspricht ferner, Ludwig dem Haier nie anz\diangen, ihm
nie Hilfe zu leisten , ihn nie als König oder Kaiser anzuerkennen,
so lange er nicht mit <ler Kirche versöhnt ist : dagtjgen wird er dem Pajwte
und der Kirche, wenn es nötig ist, wider ihn helfen. Der König, welcher
Ludwig dem Baier niemals einen Huldigungs- und Lehenseid geleistet,
wird solches auch in Zukunft nicht thiin.
Der Vertrag soll geheim bleiben, nur Philipi> von Frankreich ilavon
in Kenntnis gesetzt werden, damit man wis.se, ob derselbe auf einem
früheren Vertrage in Itezug auf ilie Lombardei bestehen wolle. Für
diesen Fall müssen dem französischen Könige dann auch jene drei Städte
überlassen werden.
Wir sehen aus den angeführten Stellen. 1 ) »lass Johann von Böhmen
schon während er zu Ende dos .Tahrea 1.930 zu Trient weilte, den be-
stimmten Plan gefiusst hatte, sich der Lombardei unter Zustimmung und
Protektion des Papstes zu l)eniächtigen. also das Königreich lüdion als
Feind Kaiser Ludwigs an sich zu reissen, und
2) dass der Papst, ehe sein Legat diesen Vertrag mit Johann von
Böhmen einging, einen Vertrag mit König Philipp von Frankreich ge-
schlossen luitte, durch w'elchen dieser die l,ombardei erhalten sollte.
Johann hat wohl als er zu Trient weilte, auf keinen Fall viel
früher, dem Papste seine Anerbietungen gemacht. Denn das Schreiben
des Papstes') an Johann vom 21. SeptemlHar 1330 weiss noch nichts
davon. Hier wird vielmehr der König wegen seiner bisherigen Parteinahme
für Ludwig aufs ernsteste zurechtgewiesen. Ich vermute mit Pöppel-
mann, dass dieses .Schreiben wesentlich dazu beigetragen hat. Johann
1) B«i RaynaKl or. H4 ff.
3*
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auf die feindliche Hahn wider Ludwig zu führen. Der PapHt erinnert in
deini^lhcn den König an die Zuneigung der Päpste zum Hause der Luxem-
burger; sein Vorgänger habe Johanns V'ater zum Kaiser erhoben. Schon
in einem Schreiben vom 31. Juli') hatte er Johann aufgefordert auf die
Wahl eines neuen Königs bedacht zu sein. In beiden Briefen mahnt der
Papst im Tone eines uni das Seelenheil ’ des Königs bekümmerten Freundes,
das Band mit Ludwig zu zerschneiden. Wie aus der Fei-ne winkt das
Königs- das Kaiserbild.
Ludwigs Stern schien damals im Niedergang, der des Papstes wie<ler
im Aufsteigen. Der von dom Kaiser aufgestellte (iegenpapst hatte sich
vor kurzem unterworfen. In der Lombardei hatten die wichtigsten
Städte den Kaiser verlassen, die Gnade der Kirche gesucht.
So mag der letzte Brief des Papstes dem Gedanken in Johanns
Seele zum Leljen verhelfen halK-n, im Bunde mit dem Todfeinde Kaiser
Ludwigs die Krone von Italien und dann die Kai.serkrono zu gewinnen.
Der im Vertrage orwrdinte Umstand, dass Johann schon, ehe er
Italien betrat, seine Anerbietlmg^^n gemacht hat, gibt nun auch zu den
Erklärungen des Papstes bald mach den ereten Erfolgen Johanns in der
Lombardei den richtigen Kommentar. Wenn der Papst auf die Anfragen
Azzo Viscontis in Mailand und der Florentiner am 14. 22. u. 31. Januar
1331*) versicherte, der König von Böhmen sei ohne sein Mitwissen und
Wohlgefallen in Italien eingezogen, so ist dies eine diplomatische Rede-
wendung, welche nur die förmliche Verbindung mit Johann leugnen soll
und die den Anerbietungen Johanns gegenüber anfangs noch zuwartende
Haltung des Papstes erkennen lässt. Als die Erfolge des Königs sich
mehrten, schreibt der Papst seinem Legaten, derselbe möge sich gegen
Johaim aller feindlichen Schritte möglichst enthalten*). .Am 17. April
ist dann der förmliche Bund geschlossen. Nur auf Frankreichs Ein-
willigung kommt cs noch an.
1) Mftrtine, Th««auruj If, 806.
2) Du Sebreiben an Aizo VUeonti b«i ßa^o. 1:VU Nr. 18» die beiden an die Florentiner bei
Ficker, Urknodeii tnr Geschichte des RdroertOf^es Kaiser Ludwigs :t07 u. 808.
8) Rajn. 1381 Nr. 19.
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21
Mit dem Vertrage von Piuinaecio nun stehen die schon erwähnten
am 10. 12. und 13. August zwischen König Johann und Kaiser Ludwig
zu Regensburg') geschlossenen Verträge im offenen Widei’sjnnich. Dort ver-
spricht Johann, LiKlwig nie als Kaiser und König anzuerkemien; liier erklärt
er, dass er „mit dem siegreichen Füi-sten. seinem Herm, Herrn Ludwig,
Kaiser der Römer“ ein Ueliereinkommen getroffen halie. ■ Dort hatte er
für die Städte Parma, Reggio, Mutina dem Paj)ste den lluldigungs- und
Lehenseid zugestanden; hier nimmt er in dem ersten Vertrage diese
Städte mit anderen Städten von dem Kaiser als Pfand für eine
Schuldsumme, im zweiten als ein im Namen des Kaisei-s. im dritten als
ein gemeinsam mit dem Kaiser zu verwaltendes (.Tebiet, Dann geht
Johann von Regensburg nach Böhmen, erwehrt sich von hier aus der
ihm inzwischen erstandenen Feinde, der Polen, Ungarn mul üusterreicher,
und eilt sodaniT nach Frankreich, nachdem er die nötige Vorsorge
für den Schutz seiner Länder getroffen hatte. Auf der Reise nach
Paris trifft er in Frankfurt noch einmal mit dem Kaiser zusammen,
und gelobt ihm hier am 19. Dezember mit einem Eide, dass er sich
keiner Stadt, keines Schlosses, keines Fligentums des Reiches in Italien
ohne des Kaisers besondere Einwilligung unterziehen wolle*).
Bezeichnen nun diese Verträge von Regensburg und Frankfurt
wirklich eine Wandlung in der Politik König Johanns? Ist dieselbe
eine „luxemburgisch-kaiserliche“ geworden?
Hätte der Papst auch von dem näheren Inhalt der Regenslmrger
Vertrüge nichts erfahren: schon die Reise zu Kaiser Ludwig imd die
sofort bekannte Thatsache. dass der König von Böhmen mit Ludwig sich
friedlich vertragen, hätte des Pajistes Mi.sstrauen und Unwillen erregen
müssen. Nun aber ist gar nicht anzunehmen, d.ass man auf kaiserlicher
Seite aus dem Inhalt der V'erträgc ein Geheimnis gemacht liabe, nachdem
Johann zuvor öffentlich vom Kaiser der Auflehnung wider die Autorität
des Reichs beschuldigt worden war. Der von seinen öffentlichen und
1) Dif dr« UrkunJeD im Münchner Stutwrehic; die v. IS. Ang. »bgedr. bei Sebeidt. Bibli»-
HUtorica OoettingenaiA I, S. '.240. C«b«r die beiden noderen vcrgl. Bacbner, Geeohiebt« von
Bnjrern V. 439.
2) UQnchner StutenrehiT. Böhm. Keg. Lndw. d, D. Vergl. Büchner S. 441.
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22
goheitnen Anliiingfrn in Deutschland mit Naclirichten treflflidi bediente
Papst hat siclier schon kurze Zeit nach den Regensburger V’^erhandltingen
von den Resultaten derselben das Nähere erfahren.
Nun bekundet aber eine Keilie von Thatsachen. dass das Bündnis
zwischen Johann und dem Papste, wie es der Vertrag von Piumaccio
geschaffen, ununterbrochen im J. 1331 fortbesteht.
Am 17. .\pril war der Vertrag geschlossen worden. Um dieselbti
Zeit muss die Kunde von der drohenden Haltung des Kaisers, die Johanns
Rückkehr nach Deutschland notwendig machte, diesem zu ( ihren gekommen
sein. Am 2. Juni verlasst er Parma, die neue Residenz, wo nun sein
Sohn Karl für ihn die Regierung fortführt, und man weiss hier, dass
er Italien verlassen wird'). Boten halien seine Rückkehr nach Deutsch-
land geraume Zeit vorher angekündigt. Auf (irund dieser Ankündigung
wartet der Abt von Königssaal dort lange auf seine Ankunft’®). Wetm
nun der Pa]ist dem König am 12. .Mai schreibt^), dessen Boten würden
den piipstlichen Bescheid über verschiedene .\ugelegeidieiten und be-
sonders über den Baier mündlich bringen: so hatten diese Boten des
Königs ohne Zweifel dem Paimte die Reise nach Deutschland an-
zeigen und den Papst über das Bevorstehende Ijeruhigen sollen ; vielleicht
hatten sie auch für einen Voi-schlag die Erlaubnis einzuholen, den Johann
in Regensburg machen wollte, um des Kaisers Misstrauen zu verscheuchen,
ich meine das Anerbieten einer Vennittlung für die Versöhnung Ludwigs
mit dem Papste. x\in 24. Juli, als iler König schon in Regensburg an-
gekommen ist, hebt der Papst auf .lohanns Bitte da.s über Parma aus-
gesprochene Interdikt auf'*); wenige Wochen )iach den Verhandlungen zu
Regensburg sehen wir Delegierte des Legaten imd des Regenten Karl
vereint Entscheidungen in Sassuolo treffen-'’). Der Bund Johanns mit dem
Legaten dauert ungestört das ganze Jahr hindurch fort.
Welchen Schluss muss man nun aus dieser Sachlage ziehen? Dass
es Johann von Böhmen gelungen sein müs.se. den Pajist bezüglich der
1) Poppelruann a a. 0
2'r Peter v. Zittau, «d. Iiosertb. Fontes ßerum Austriacararn. Sttriptnre» VI[(, $. 4^2.
3) Dudik. ]ter KoroaDam II. S. 118.
4) Pöpiieltnaon S. <134.
5) a. a. 0. S. 348.
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Regensburger Verträge zu bei-uhigen. «lass er iliiii diestilben als Xot-
verträge werde hingestellt haben, die er gesonnen sei so bald als möglich
zu brechen.
Es mag fi-eilieh hiel'iir starker Versicherungen bedurft haben; denn
in Avignon war man zu voi-sichtig und klug, um durch einen Kund mit
Johann, wenn er nicht hinreichende Bürgschaften bot. die eigene Stellung
sowohl Frankreich wie Italien gegenüber zu gefalmlen. Schon im J. 1331
zeigten sich die V'orboten des grossen Bundes, welcher im J. 1332 fast
alle bedeutendeivn Städte und Füi-sten Italiens gegen den König von
Böhmen und den Legaten des Pajjstes einigte. So hatte man denn auch
im Vertrage von Piumaccio Johann noch das letzte, w'iis er sich wünschen
musste, Vorbehalten.
l)or Herrschaft Johanns über die Loml)aitlei fehlte noch ein
Dojjpeltes. das ihr zur Stärkung nötig schien : die öffentliche Anerkennung
des Papstes und der Königstitel ; denn die einzelnen Städte waren nur
durch gesonderte Verträge ihm iinterthan; sie blieben unter sich ge-
schieden. So bildete jener Vertrag nur eine Vorstufe für Joharms Ziel.
Sodann hatte der Pajmt noch Sorgt! um die Zustimmung Frankreichs.
Diese war von Johann, wie sich aus nachher mitzuteilonden Dokumenten
ergibt, bis jetzt nicht ei'holt worden. Von Frankfurt, wo er im
Dezember den letzten Scheinvertrag mit Ludwig geschlossen hatte, war
Johann zu Verhandhmgen mit Philipp nach Paris geeilt; dann wollte
er in Avignon weitere Unterhandlungen führen. Aber cs schien dem
Papste doch gut. dem letzten Frankfurter Vertrage gegenüber einiges
Misstrauen gegen den König durchblicken zu lassen, so sehr er anderseits auch
wieder seine Geneigtheit zu Besinechungen mit ihm zu erkennen gab. Zwei
Briefe, an demselben Tage an König Johann gerichtet, bezeugen diese
Haltung. Auf den Frankfurter Vertrag wird es sich beziehen, wenn der
Papst in dem einen Briefe sagt, da-ss er Johanns Boten gehört habe,
und wenn er ihn ermahnt von der Gemeinschaft mit den Feinden der
Kirche abzustehen'), d. h. weniger vorsichtig aasgedrückt, offen mit
1) Dndik, a. 0. IB. J&u. <]Ut>d nantium suoin audirit, et borUtur, Qt a coinmaniooe
hoatiam eeclesiae abstioeat.
24
Ludwig dem Baier zu brechen, und die vereprochene aber noch nicht
bewirkte Ausgleichung mit Philipp wird es betreffen, wenn der Papst
im zweiten Briefe mahnt. Johann möge, ehe er seine Heise zur Kurie
unternehme, erwägen ob er damit recht thue. Wenn das der Fall sei,
dann möge er mit fröhli<;hem Herzen kommen’).
I)as.s nun aber in der That Johann, während er am 1 !), Dezemlwr
1331 zu Frankfurt Ludwigs Hoheit über Italien anerkannte, noch fort-
während die Beseitigung derselben iin Sinne hatte und ferne davon war,
des Papstes Bei.staud für seine ehrgeizigen Alraichten wieder aufs Spiel
zu setzen, das Iwwoist nicht nur eben diese Werbung bei dem Papste
um sein persönliches Erscheinen in Avignon, sondern auch seine gleich-
zeitige Thätigkeit am französischen Hofe. Denn bei der beabsichtigten Heise
nach Avignon handelte es sich, wie wir sehen werden, um die Sicher-
stellung oder Erweiterung iles Vertrages von Piumaccio, der einen so
hervorragend feindlichen Charakter dem Kaiser gegenüber trägt. Und
in Paris schloss Johann nicht bloss eine neue enge Familienverbindung
mit dem französischen Königshause, indem er seine Tochter dem Sohne
und Firben des Königs verlobte, sondern er ging auch mit dem Könige
im Januar zu Fontainebleau einen Vertrag ein*), der uns enthüllt, dass
er auch die Kaiserkrone unter Beseitig\mg Ludwigs erstrebte. Denn in
diesem Vertrage sagt er dem Könige Philipp seine Hilfe zu auch gegen
den Kaiser, falls dieser einen Reichsfürsten unterstütze, den Philijip
bekriege; er wolle auch, so heisst es ferner, wenn er oder sein Sohn
römischer König oder Kaiser werden sollten, keine .Vnsjirüche
auf die Besitzungen des Königs von Frankreich machen; auch dem Könige
in der Champagne, in Vermandois und Amiens mit Bewaffneten boistehen,
selbst wenn er römischer König wenle. Bedenken wir, dass der Papst das
Reich als erle<ligt Ijctrachtete, dass er wiederholt grosse Anstrengungen
machte, eine neue Königswahl zu bewirken, dass er iin Jahre 1330
Johann aufgefordert hatte, hierauf be<lacht zu sein: so dürfen wir
1) a. a. 0.: ot priuaqaam it«r ad enriam Bomaoam siucipiat, bene pooderet, nnm recte faclat,
«t si sie. nt boc iter laeto animo arripiat.
2) BÄhm. Job v. Böhmen nr. 40Ji.
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25
annehtnen, dass Johann, der gerade um diese Zeit den Bund mit dem
Papste noch enger zu machen strebte, an eine Erhebung zum Könige
und Kaiser nicht nach Ludwigs Tode, sondern bei Ludwigs Leben dachte.
Wenn mm bei dieser Sachlage Johann im Mürz 1332 den Kaiser
zum Schiedsrichter zwischen sich mid Oesteireich macht, wenn er im
August dieses Jahres einen Freundschaftsvertrag mit Ludwig schlieest,
so dürfen wir mit liecht auch hier wieder fragen, ob diese Vollmachten
und Verträge wohl ehrlich gemeint gewesen seien, ob sie eine Wendimg
in der Politik Johanns bezeichnen? Und auch hier wii-d uns die Er-
wägung gleichzeitiger und nachfolgender Thatsachen mit Nein antworten
lassen. Wir werden finden, dass er sich auch mit diesen Verträgen nur
von der augenblicklichen Notlage loskaufte, in die er durch den Kaiser,
der ihn durchschaute, gebracht worden war.
In Italien war einer der Hauptpfeiler von Johamis Macht mit der
Wegnahme des Gebiets von Brescia am 15. Juni 1332 durch Mastino
della Scala zusammengebrochen. Schon gährte cs überall in ilen ihm
unterworfenen Städten. Dazu hatte ihn Ludwig in seinem Schwiegersöhne
Heinrich von Niederbaieni getroffen, den er mit Krieg überzogen hatte.
Da war Johann herbeigeeilt und hatte die genannten Verträge zu
Nümlrerg geschlossen'); Aber wie sehr Ludwig in Johann seinen Feind
erkannt hatte, das offenbart der Inhalt dieser Verträge und die von
Ludwig geforderte Bürgschaft Balduins von Trier, nach welcher dieser
dem Kaiser seine Hilfe Zusagen musste, falls Johann ihn „am Reiche
irren“ wollte.*) Ein weiteres Zeugnis, das.s der König von Böhmen nur aus Not
und zum Schein diese Verträge schloss, lässt sich einer Instruktion entnehmen,
welche kurz zuvor der Herzog Heinrich von Kürnthen seinem Boten für
König Johann mitgegelien hatte’). Heinrich ist um seiner Tochter Jlar-
garetha willen, die an Johanns zweiten Sohn verheiratet ist, der vertraute
Bundesgenosse des Böhmenkönigs. -\us der Instruktion Heinrichs nun
erfahren wir, dass der Herzog um Johanns w'Ulen seit dem Dezember
1) Urk. V. Aug. 1M.32 bei Weech Ludwig d. Bayer q, Johann x. Böhmen, S. tLS. Urkonde
?. 24, Aug. im M. Sta&tsarch' 'J/dl^, 8. Beilskg. nr. 29.
2} Dominien^, Baldewin v. Lütteiburg, S. nach der Urkunde vom 17. Ang. 1^2.
3» Ficker, a a.O. S. 152.
Abh.d.Iil.Cl.d.k Ak. d. Wisa. XV. Bd. II. Abth. 4
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26
dem Kaiser jede Zusammenkunft verweigert liat, weshall) ihn der Kaiser
wie einen Feind ansieht. Aus der Mahnung Ueinri’clis aber, dass der
König seine .Sache mit dem Kaiser entweder durch Krieg oder durch \'er-
handlung zu Ende bringen möge, je nachdem er es für nützliciier halte,
erhellt, dass der V'ertragsweg nur gewählt wurde, weil der Krieg für
den Augenblick dem Zwecke nicht zu dienen schien.
Dass Johanns Absichten gegen den Kaiser jetat und bis gegen den
Schluss des Jahres 1332 unverrückt die gleichen geblieben sind, das be-
weisen endlich die seit dem Juli von neuem gemachten Versuche, des
Papstes Zustimmung zu einer Reise na<’h Avignon zu erhalten, und der
Erfolg dieser Versuche im November.
Wir sahen da.ss im Vertrag von Piumaccio des älteren Vertrages
getlacht war, den der Papst wegen der Lombardei mit Philip]) von
Frankreich geschlossen hatte, und da.s.s es für Johann darauf ankam,
Philij)p zur Verzichtleistung zu vermögen. Der Papst selltst mochte
sich scheuen, zu Philipp von dem Vertrage zu sprechen, den er gleichsam
hinter dessen Rücken geschlossen hatte. So lange Johann nicht von
F'rankreich zustimmende Erklärungen brachte, konnte der Paj)s-t neue
Zugeständnisse in Betreff Italiens nicht machen. Darum hatte er am
21. Juli Johanns Reise zur Kurie abgelehnt'). Nun mu.ss es Johann ge-
lungen sein, die Reise nach Avignon dem französischen Könige als in
dessen eigenem Interesse gelegen darzustellen, ohne das.s Johaim dabei
das eigentliche von ihm erstrebte Ziel offenbarte: denn Philipp gab sich
nicht nur zum Vermittler Ijeim Papste für diese Reise her, sondern seine
Boten versicherten auch zu .\vignon, ein Vertrag Johanns mit dem
Pa])8te wegen Italiens könne der Kirche nur nützlich und dem all-
gemeinen Wohle förderlich sein*).
Aus der Antwort des Papstes an Philip])*) ersehen wir, welche Lust ihm
mit dieser Botschaft vom Herzen gefallen war ; er erschö])ft sich fast im
1) Vgl K«)naU 1.S32 sr. 11.
'!) 9. die unten antrefBhrt«n Briefi; d«s Pa}»8tefl v. 2t5. Febr.
3) Bei Ra;naH 13^)2. nr. 11. Aas dem Inhalt wie aue dem Ort der Einreibung in der von
Rajn. benQtiten Sammlong ergibt sich, dus dieses ü^hreiben s)»&ter ist als das obenerwähnte
vom 21. Juli
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27
Danke weil der König selbst so freundlich ihm Johanns Ankunft angezeigt,
habe. Johann kam, mit den höchsten Ehren empfangen. ln den
Tagen seines Aufenthalts vom 10. — 24. Noveml)er liess er 10000 Gold- *
gülden aufgehen. Und „es ging dem Könige fi»st alles nach Wunsch“,
berichtet der vertraute Unterhändler Johanns dem Abte von Ktinigssal.
Die Kardinale gaben ihm bei seiner Abreise eine Meile weit ilas Geleite.
Jener Unterhändler crwälmt zugleich, dass er mit geheimen Aufti-ügen
an den Bischof von Konstanz, an Heinrich von Kärnthen und an den Bischof
von Trient betraut sei.')
l)as.s in diesen Tagen ein neuer Vertrag wegen Italiens zwischen
Johann und dem Papste geschlossen worden sei, ist aus den Urkunden des
vatikanischen Archivs gewiss*). Dass dieser Vertrag einen schweren Verlust
für den König von Frankreich bedeutete, wird aus der grossen Aufregung
ersichtlich, welche, wie wir, finden werden, *lie Mitteilung des Vertrages
bei Philipp hervorrief.
Wir fragen, was dieser zu Avignon geschlossene Verti’ag, der sich
auf die Lombardei bezog, enthalten haben möge? „Es ging dem Könige
fast alles nach Wunsch“, so hörten wir. Wir wissen, dass im Vertrage
von Piumaccio des älteren Vertrags gedacht ist, den der Pa]>st wegen
Italiens mit Frankreich geschlossen hatte. Nach der Aufregung, welche
die Mitteilung des Vertrags von Avignon bei Philipj) heiworrief können
wir nicht zweifeln, dass dieser Vertrag dem König Johann zur Befe.stigung der
ihm vom Paiwtc zu Piumaccio zugestandenen Heri-schaft in der Lombardei
diente, vielleicht auch den Titel eines Königs von Italien zusicherte. Auf
keinen Fall kann der von Johann so anhaltend erstrebte Vertrag weniger
gewährt haben, als jener von Pimnaccio. Nehmen wir so Anfang und Ende,
den eisten und den zweiten Vertrag mit dem Papste zusammen, und
erwägen wir, dass das Verhältnis Johanns zu der Kurie in der ganzen
Zwischenzeit ungestört blieb, wenn auch der Papst hie und da Beruhigimg
von seiten Johanns forderte, erwägen wir feiner, dass es sich für den
]) Pptr. T. ZittaQ a « 0. S.
2) 8. die durch gütige V^rmittlang dee k. Ministerimas de« Aeusaeni mir zugekommeoen Ab-
echrift der Briefe de« Papste«, Beilagen Nr. ]5 n. 17, die leider den Vertrag selbst, wie leb nacli der
Bemerkung Raynalda geholTt batte, nicht enthalten. Vgl. Ra^n. 1^18 nr. 28.
4*
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2Ö
ehrgeizigen König gleich anfangs, als er im Dezember 1330 von Trient
aas seinen Zug nach Italien unternahm, um eine im Bunde mit dem
' Papste zu erringende und im Bunde mit demselben zu bewahrende Krone
handelte: so kann kein Zweifel sein, dass die zwisi'hen den Verträgen
von Piuniaccio und Avignon liegenden Verträge von Regensburg, Frankfurt
und Nürnberg nur Scheinvertrüge waren, durch die Notlage erzwungen,
und in der Alwieht geschlossen, sie zu brechen, sobald sich eine Ge-
legenheit dazu bieten würde; dass mithin von einem Wechsel in der
Politik Johanns während der Jahre 1331 und 1332 nicht wohl die
Rede sein kann.
Ludwigs Politik In den Jahren 1330 — 1334.
Mit diesen ehrgeizigen Bestrebungen fügte sich Johanns Politik
eine Zeit lang den zahlreichen Vei-suchen ein, welche der Pajtst machte,
die Stellung des Kaisei's in Deutschland zu untergi-aben. Wären letztere
besser geglückt, so würde wohl schon König Johann, wie nachmals sein
Sohn Karl, die deutsche Krone gew«)mien halien. Alx'r es gelang dein
Kaiser, tlie Kraft seiner Gegner zu lähmen. Ehe wir jedoch Ludwigs
Tliätigkeit in dieser Richtung würdigen können, werden wir noch kurz
an jene Vereuche des Papstes, die Stände des Reichs wider Ludwig zu
erregen, zu erinnern haben, wobei wir nur einige weitere charakteristische
Thatsachen den schon bekannten aus unseren Dokumenten hinzufügen.
Als Ludwig aus Italien zurückkehrte, war Johann AXII. bemüht,
üljerall den Widerstand gegen ihn in Deutschland wachzurufeu. Ludwig
war noch in Trient, als am 17. Januar 1330 an eine Menge von Städten.
Fürsten und Herren Süddeutschlands gleichlautende Schreiben des Papstes
ergingen, den zurückkehrenden Ludwig nicht aufzunehmen, ihm nicht zu
gehorchen, ihm überall feindlich entgegenzutreten.') Am 27. Januar liess
er den früheren Prozessen wider ihn aliennals eine Bulle folgen, welche
den Bann erneuerte und alle bedrohte, welche ihn als Kaiser anerkennen
würden.*) Im April 1330 erlässt er ein Rund.schreiben an die Obrigkeiten
1) Vat. Arcb. 17. Jan. IHllO. a. B«tl. Nr. 1.
2) MarUne II. 787.
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29
und Unterthanen des Reichs ;') Ludwig, der in Italien alles in Verwirrung
und Arumt gestürzt, wolle nun dasselbe oder Scliliniiiieres in Deutsch-
land versuchen. Seine Vereijcechungen seien Lüge, denn er verfüge nur
über fremdes Eigentum, da er sell)«t nach den ji&pstlichen Prozessen
nichts mehr sein eigen neunen könne.
Es gelingt ihm. Herzog Otto von Oesterreich sowie die beiden
Bischöfe von Strassburg und Konstanz zu einem Waffenitunde wider
Ludwig zu vereinen; er stellt ihnen für den Kampf eine namhafte Geld-
unterstützung in Aussicht*) Er veranlasst den Verweser de.s Bistums
Basel, diesem Bunde beizutreten.*') Die Verbündeten holen im Falle des
Zweifels bei ihm sich Rat, wenn es sich darum handelt, durch neue
Glieder den Bund zu vei’stürkeii.'*)
Der Ankündigung des Papstes vom 4, Januar 1331,*) diws Ludwig
in die ül>er ihn verhängte Strafe der Exkommunikation nun wirklich ver-
fallen sei, folgt eine Reihe von Handlungen, welche zeigen, dass der
Pap.st sicii jetzt seilet der Verw'altung des Reiches annehmen will. Er
schreibt Reichstage aus®) und mahnt zugleich, von den durch Ludwig
augekündigten wegzubleiben;*) alle auf solchen kaiserlichen Tagen durch
Ludwig veranla-ssten Beschlüsse werden im voraus für ungültig, alle ihm
geleisteten Eide für nichtig erklärt. Im März belehnt er die Herzoge
von Pommern mit ihren Ländern,*) ohne des Reiches dabei nur zu
gedenken; L’ntergel>ene des Herzogs tklo von Burgund hatten in einer
Streitsache von dem Entscheid des Herzogs an den Kaiser appollirt. Der
Papst verbietet dem Herzog die Annahme solchei’ Apj«llationen unter
Androhung der Strafen, die für die Anhänger Ludwigs ausgesprochen
sind.*) Zuschriften an die Heiv-oge von Pommeni und au alle der Mark
I) Vat Arch 24. Apr. lS.'iO. a Bril. Nr. 2.
'1) Kftjn. 1^)0 Nr. und Gesta Ikrtboldi a. 0. Ht>4.
3) Vat. Ircli, 9. Apr. liHI. 8. Beil, Nr. 4.
4) V. Ä. 5. Juni m\. S. Beil. Nr ß.
5) Martü-ne II, 816.
6) Rayn. IvWl Nr. 22, mit Hinwei» auf Urkunden des rat. Archivs: Adversos haec Ludorici
Bavari conaitia alios indixit conventus.
7) Antwort des Papstes an Uodolf von Sachsen 20. Jan. Rayn. Rtdl Nr. 21.
8) 13. März 1331, Rayn. 1:1.31 Nr. 24.
9) V. A. 13. Aug. i;«l, g. Beil. Nr. 7.
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30
Brandenburg benadiburten Fürsten und Bischöfe fordern auf sich Ludwig
inunnhaft zu widersetzen und ihn zu bokäiiipfen, wenn er kommen sollte,
seinen Sohn dort eiiwusofzen.')
Wir wissen, mit welchem Erfolg für seinen Schatz sich .Johann die
Besetzung zahlloser kii-chlicher Stellen reservirte und über lx>stehende
Wahlrechte hinwegsah. Von seinen angeblichen lleservationsrechten
machte er nun auch bei Erletligung deutscher Bistümer ausgiebigen
Get>rauch, um willige Werkzeuge für seine Anschliige wider den Kaiser
zu gewinnen. Das .Jahr 1331 namentlich l>ot ihm dazu reichlichen
Anla.ss. Am 27. März ernannte er für das Bistum Verden den Mainzer
Kanonikus Johann von üöttingen;®) am 5. April lür Augsburg den Propst
Nikolaus;*) am 10. Juni erhebt er einen Scholastikus der Bremer Kirche
zum Bischof von .''chleswig;*) am 14. Juni den AugustinermOneh Ulrich
zum Bischof von Chur;*) am 31. Juli den Projjst Heinrich zum Bischof
von Hildesheim.®) So hat er auch in den folgenden Jahren, im J. 1332 zu
KölnJ) iin J. 1333 zu Konstanz imd Würzburg*) mit päpstlich (Jr'sinnten
die bischöflichen Stühle zu l>e8etzen gesucht. Da aber, wo von früheren
Jahren her seine Ernannten gegen die kaiserlich gesinnten Inhaber
nicht zur Ausübung ihres Amtes gelangen konnten, wie in Mainz, wo
Heinrich von Virneburg durch Balduin von Trier, in Worms, wo Salman
durch Gerlach zuriiekgedrüngt war, da war er bemüht, durch Drohungen
und verschärfte kirchliche Zensuren die Macht der Gegner zu brechen.*)
Wir sahen, wie er zu Gunsten Frankreichs Italien vom Reiche
trennen wollte, wie er dann die Krone dieses Landes an Johaun von
Böhmen zu bringen gedachte, imd auf die Wahl eines Gegenkönigs in
Deutschland hinarbeitete.
1) V, A 18. Ang. 1881, §. Ectl. Nr. 8. vgl. liBmit di« Zu-tchr. vom 12 Febr. KiSI Wi
lUyn. Nr. 22.
2) Vit. Arcb. Ep. coipm. P. I, Ep. 81.
8) Vat. Ärch ih. «|>. 82.
Vat. Arcb. ib. «p. «H. Der Bischof sahlt dem Papste für seine Ernennong 2(HJ0 Goldgolderi
für die Kriege des Papstes io Italien. V. A. Secr. P. I, Ep. :^tü.
Vat. Arch. Ep. comin. P. I, ep. .'14.
8) Vat. Arcb. Ep. comm. P. lll, ep. 1210 n. P. I, ep. 46.
7) Vat. Arch. Comm. P. 1, ep. 802.
8) Vat. Arch. Comm. P. II, Ep. 15. a, Ep,
Vat. Arch. 28. Sept. 1H8I a. Beil. Nr. 9, o. 19. Okt. 1881 a. Beil. Nr. 10.
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31
Italien nahezu verloren; Johann von Böhmen, Philipp von Frank-
reich iin Bunde miteinander, mit dem Papste; in Deutschland die vom
Papste ernannten Bischöfe, die feindlichen Fürsten, eine Zeit lang die
Herzoge von Oesterreich, dann Heinrich der Aeltere von Nioderbaiem,
Heinrich von Kürnthen. die Herzoge von Pommern, Rudolf von Sachsen;
dazu die beständigen Agitationen des Papstes und zahlreicher Helfer') —
fürwahr eine gefährliche Lage für Ludwig und das Reich!
Sehen wir zu, wie Ludwig nach seiner Rückkehr sich der Gefahr
zu erwehren, seine Stellung zu behaupten suchte.
Am 6. August 1330 gewinnt er nach mehrfachen Unterhandlungen
die völlige Aussöhnung mit den Habsburgern, den Herzogen Otto und
Albrecht:®) ein schwerer V'erlust für den Papst, der durch den Bund,
den Herzog Otto mit den Bischöfen von Strassburg und Konstanz ge-
schloa-seu hatte, den Krieg gegen Ludwig schon vor Augen sah und
dafür eine Geldhilfe zugesagt hatte. Auch weiss Ludwig seine Nellen
in der Pfalz, mit denen er sich noch auf der Rückkehr aus Italien zu
Pavia abgefuuden hatte, und von seinen niederbairischen Vettern wenigstens
Heinrich den Jüngeren und Otto sich dauernd zu verbinden.*)
In einer Reihe von V’ertrügen sucht er sich des eigenen Landes
sowie der olxirdeutechen Herren und Städte zu versichera. Am 4. Oktober
1330 bewirkt er einen Landfrieden für die Dauer eines Jahres zwischen
dem Bi.schof von Augsburg, 13 oberdeutschen Grafen und Herren, 12
schwäbischen Städten und seinen Dienstleuten und Städten in Baiem.'*)
Am 29. Juni 1331 vereint er 8 andere? schw'äbische Städte zu einem
Landfrieden auf die Dauer seiner Regierung.*) Beide Bündnisse werden
dann ergänzt dui-ch den grossen am 5. Dezendjer 1331 geschlossenen
Vertrag, nach welchem zwischen seinen drei Söhnen und dem Herzogtum
Baiern einerseits, dem Bischof von Augsburg und 22 schwäbischen Städten
1) Ein Boispiel tt« auch in den Beil. Nr. 14.
2) Urk. bei Olenacbla^or LXI. aus GewoM.
3) Vgl. namontl. die Gewührong de« Pririlegiom» de non erocando an die Pfiilier ». 22. Juni
BUtO bei Oefele, ^cripl. rer. boic. II, 154 and den Bandbrief Ottos und Heinrichs des Jüngern Ton
Niederbaiem 1. c. t. 2U. Juni 1331, I. c. 1>V».
4) Bübmer Reg. Ludwigs Nr. 1223. erneuert stn 10. Juni auf weitere 2 Jahre ib. 1551.
5) a. a. 0. Nr. 133*>.
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32
anderseits auf die Dauer von Ludwigs Lel)en und dann noch auf zwei
weitere Jahre ein gegenseitiges Schiitzhündnis Iwstehen soll, insbesondei*e
auch für den Fall einer neuen Kimigsw'ahl.')
In den folgenden Jahren bewirkt er gleichartige Bündnisse unter
den Standen und Städten am Rhein. Am 22. Juli 1332 verbindet er
die Städte Mainz. .Strassburg, Worms, Si>eiei', Oppenheim mit den Erz-
stiften Trier und Mainz und den Hochstiften Speier und Worms zu
einem zweijährigen Landfrieden, der dann am 30. Nov. 1334 auf weitere
2 Jahre erneuert wini.*) Man geht irre, wenn man diese Ijandfriedens-
bündnisse geschlos.s«>n wähnt, der Fehdelust zu wehren, der friedlichen
Entwicklung im Lande Raum zu schäften. Sie sind vor allem Schutz-
bündnisääe für den Kaiser selbst, sie sind die .\ntwort dos Kaisers auf
jene Versuche des Papstes, <las Schwert iler deutschen Stäinle wider ihren
Oberhen-n wachzurufen. Der eigentliche Feind ist in diesen Bündnissen
nicht genannt: aber die Verbündeten wollen Zusammenhalten gegen jeden,
der sie angreift. -Sie sind gescdilossen mit Gunst, Gebot und Willen des
Kaisers; aber der sie gebietet, steht sellwt nnter ihrem Schutze.
Die Anhänglichkeit, die Treue der Städte gewinnt der Kaiser durch
zahlreiche Privilegien. Die Urkundenregesten aus diesen .Jahren ver-
zeichnen eine ungewöhidich gi’osse Zahl. Er w'urde bald inne, da-ss Insi
diesen freien Gemeinwesen, die mehr auf die Ausbildung der Freiheit
als auf die Ausdehnung der Herrschaft bedacht waren, 'der sicherste
Rückhalt gegen die Herischsucht der Fürsten und der kräftigste Sinn
für die Ehre des Reiches zu finden sei.-’) Die Städte bestanden die Probe
der Treue, als die Kurie ihren Einfluss auf das religiöse Leben in uner-
hörter Weise aufl)ot, dieselbe wankend zu machen.
Auch den Ordens- imd Welt-Kleras ist Ludwig bemüht, durch grosse
Vergünstigungen auf seine Seite zu ziehen oder wenigstens zur Unthiltigkeit
den Anforderiuigen des Papstes gegeni'iber zu bestimmen. Wir erwähnen
hier nur der beiden Gnadenbriefe vom 27. Mürz 1332 und vom 15. iPärz
1) ». a. 0 Nr. l;tts.
2) a. a. 0. Xr. 1477 und
’i) Vergl. die üriefe der olerdcntseben Städte t. 2 Jan., IS. F«br. n. 21, Mär* in meiner
AbbanJ!.: Der kirchenpol. Kampf etc. S 6!) f.
J
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33
1333;') mit dem ersten will er die bairischen Pfarrer, mit dem zweiten
die bairischen Mönche an sich ketten, indem er ihnen Befreiung von
weltlicher Gewalt, von Steuern und Diensten zuspricht. Auch dem nicht
bairischen Klerus gewährt er zahlreiche Gnadenbriefe gleicher Art.
Aber nicht bloss auf dem friedlichen Wege der Verhandlungen, der
Vergleiche und Zugeständnisse sucht Ludwig die Befestigung seiner
Stellung, die Wiederherstellung seines Einflusses. Kr ist nicht minder
rührig im .\ngriff. Eben jenes Waffonbündnis zwischen Otto von Oester-
reich und den Bischöfen von Strassburg und Konstanz, das mit dem
Ueberg.ang Ottos in das kaiserliche Lager endete, hat er durch einen •
raschen Zug gegen diis von Otto bedrohte Kolmar gesprengt.*) Gegen
die ihm vom Papste zur Bestreitimg seines Sohnes in der Mark Bran-
denbiu-g erweckten Feinde versichert er sich des bewaffneten Zuzuges
von 24 norddeutschen Fiu-sten, Grafen und Hen’en.®)
Als Johann von Böhmen sein reichsfeindlichos Unternehmen in Italien
mit so raschen Erfolgen ins Werk gesetzt hatte^ ruft er zuerst auf dem
Keichstag zu Nürnberg im April 1331 eine Erklärung gegen Johann
hervor, ■*) schliesst dann am 3. Mai mit den Herzogen von Oesterreich, '
den Pfalzgrafen bei Bhein, dem Markgrafen von Meissen und seinen
zwei Söhnen Stephan mid Ludwig ein Bündnis.*) ernennt am 4. Mai
Otto von Oesterreich zum Reichsvikar®! luid kommt mit diesem dahin
überein, dass er in Verbindung mit den Königen von Ungarn und Polen
Böhmen angreife.*) Durch die ihm von Ludwig drohende Gefahr sieht
sich Johann genötigt, Italien zu verlassen, vor Ludwig in Regensburg zu
erscheinen und dessen Hoheit über Italien anzuerkennen, wenn gleich das
nur zum Scheine geschah. Den König vor dem Kriege zn sichern, den
er durch Otto von Oesterreich ihm bereitet hat, hält Ludwig nicht für
gut. Der Böhme eilte von Regensburg nach seinem Lande, dem drohen-
1) BShiner a. a. 0. Nr. a. 1521.
2) Oesta Bcrtboldi a. a. 0. :104. ^
3) Im Oktob«r 1:W1. Oefele 1, 764 rgl. li^bmcr Keg. Ladwi-.:« Nr. 1;J59 upd
4) Petr. V. Zittaa bei Ijoaerth a. a. 0, S. 4^7.
5) B6hmer, Reg. Ludw. Nr. 1294.
6) I. c. Nr. 1297.
7) Petr. T. Zittau, b. Loeerth S. 4S7. Brief de* Notars Johanns Heinrich t. 26. Not. 13H1.
ef. 4>^2.
Äbb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss XV. Bd. II. Abth. A
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den Einbrüche der Feinde zu begegnen. Als ihn dann seine ita-
lienischen Angelegenheiten veranlassten nach Paris zu gehen, um König
Philipj) für sich zu gewinnen, muss er den Krieg unbeendet hinter sich
zurflcklas.sen. Die.se Fortdauer der (iefahr nötigte ihn. ehe er Deutschland
verliess. dem Kaiser durch jenen V'erti'ag zu Frankfurt abermals zu
willen zu sein. Ludwig liess sich indes durch Johanns Versprechungen
nicht täuschen; cs ist ihm wohl auch der Inhalt des V'ertrags. den Johann
sehr bald nach dem Frankfurter Tage zu Fontainebleau schloss, nicht
imhekannt geblieben. Er ergriff die Gelegenheit, die ihm der Streit
um die llegienmg unter den Herzogen von Niederbaiern lx)t, um Heinrich
den Aelteren, den Schwiegereohn Johanns, in Straubing zu beskriegen und
so mittelbar Johann selbst zu schwächen.') So wurde die Lage Böhmens,
da ohnedies der Krieg mit Oesterreich nicht glücklich verlief, noch ge-
fiihrdeter. Diese Lage war es, welche ,Tohann zu den schon früher erwähnten
Nürnberger Verträgen mit Kaiser Inidwig nötigte. Johann hatte, wie
die V'erträgo selbst zeigen, weder durch die V'ersprechmigen, die er hier
gali, noch diirch die V'erlobung seiner Tochter mit dem Sohne dos Kaisers
Ludwigs Misstrauen besiegt. Aber für Ludwig war durch diese V'erträge
die mächtige Bürgschaft Balduins von Trier gewonnen, die ihm dessen
Bundesgenossenschaft sicherte, wenn Johann ihn „am Reiche irren wolle.“
So ist der Kaiser im Angu.st des Jahres 1332 Herr der politischen
Lage. Die Uebermacht seiner Stellung ist in der schon oben benützten
Instruktion des mit Johann eng verbundenen Heinrich von Kärnthen be-
zeugt. wenn nach dieser Heinrich» Bote dom König die Schwierigkeit
ein<?s Krieges mit dem Kaiser durch den Hinweis auf dessen Macht vor-
stollen und zugleich erklären soll, dass Heinrich der Aufforderung Ludwigs,
vor ihm zu erscheinen, nicht länger sich widereetzen könne.
Johanns Macht in Italien hatte dadurch, dass ihm Mastino della
Scala von VT^rona im Juni 1332 das groase Gebiet von Brescia entriss,
einen tödlichen Stoss erhalten. Sio erlag nach dem wenig austragenden
Siege, den Karl, Johanns Sohn, im November bei San Felice errang,
bis zu dem folgenden Jahre dem vereinten Hasse der italienischen Liga.*)
1) Vgl. Petr. T. Zittaa I. c. S. 4‘Jl.
2) Ueber den Verlauf duw’r Kämpfe «. Puppebnann.
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Ob an diesem Ziisammenbreehen der Macht Johanns in Italien
Ludwig irgend welchen Anteil gehabt habe, darüber fehlen bis jetzt die
Zeugnisse. Nur schwache Spuren sind es, die auf eine jwlitische Ver-
bindung Ludwigs mit den Feinden der luxemburgischen Herrschaft in
Italien hindeuten. In dem Waffenstillstand, den Johann, als er nach dem
Zusammenbruche seiner Macht im J. 1333 Italien für immer verliess,
mit der Liga schloss,') erkennen die lombardischen Städte Ludwig als
ihren Oberherrn an, während sie bei Abschluss ihres Bimdes gegen
Johann im Jahre vorlier wetler des Kaisers noch des Reiches gedacht
hatten. Als es sich um die Mitte des Jahres 1334 um ein wider den Papst
zu berufendes Konzil handelte, finden wir den Bischof von Como unter
denen, welche den Plan mit ins Werk zu setzen suchen, und er wie die
Scala in Verona sind es, an welche Streitschriften wider Johann X.VII.
geschickt werden.")
Indessen hätte es in Italien der Einmischung des Kaisers nicht einmal
bedmft, um die böhmische Herrachaft zu zeratören. Es sorgte hiefür schon
der Hass der Italiener gegen die fremde Gewalt in ihrer Alitte.
Die bis jetzt erwähnte politische Thätigkeit Ludwigs hatte mittelbar
auch dem Papste Abbruch gethan, dessen Absichten jene dem Kaiser
feindlichen Fürsten dienstbar waren. Nicht minder thatkräftig zeigt sich
Ludwig, wo es gilt, der mehr unmittelbaren Einmischung des Papstes
in die Kcichsverhältnisse entgegen/ uw irken oder do:i Einfluss derjenigen
unter dem Klerus zu vernichten oder zu hemmen, welche sich zu Werk-
zeugen der päj)stlichen Angriffe gebrauchen liesseu. Den Anstrengungen
Joluums gelang es nicht, einen Reichstag wider Ludwig zu stände
zu bringen oder die Ffu'sten- und Reichsversammlungen, welche Ludwig
anordnete, zu vereiteln. Den Briefen des Papstes zum Trotz hält Ludwig
einen Füi'stentag im Juni 1330 zu Speier,') in der Zeit vom April bis
1) S. Ficicer a. ». 0. S. 161.
2) H6fl<>ra. a. 0. S. 11 o. lll. S. II heiml ca: nuncius donimi ekcti Kttnaiii reoit ail Impcratorem
ete. H5Hcr vermutet »Utt Kunaiii Camnui, wa« mir durch daa, was wir S. 12 finden; (*umu
niittatar reaponsio Domini N. (Napoleon Oraini) zn werilen scheint.
H) Cäscna richtet zwiacben Februar and Juni ein Schreiben an Ladwi^ und dio zu einem
rarlamcnlo verMmnielten Ffiraten. Dass das Schreiben innerhalb der angegebenen Zelt verfasst seu
dafbr B. nnten 8. dS n. -VJ Anni. den Beweis. Steht diese Zeit im allgeiiicinen fe»t, dünn folgt
aa.i der Vergleichung der ßegesten Ludwiga, dass jene Versammlung au Speior stattfand.
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Juni 1331 einen Ueichstiig zu Nürnberg, iin August 1332 wieder zu
Nürnberg, im J. 1333 einen Hoftag zu Frankfurt.
Don pä]wtlichen Bischöfen begegnet fast überall in den Bistümern
ein von ihm kräftig unterstützter Widerstand, und es gelingt in den
meisten Füllen, den von der kaiserlichen Partei Gewählten den Besitz
des Bistums zu verschaffen oder zu erhalten.
Als der reichstreue Balduin von Trier auch das Erzstift Mainz an
sich gebracht hatte, schirmt ihn Ludwig mit allen seinen Mitteln gegen
den • Papst und den von diesem ernannten Heinrich von Virneburg.
Das ganze Domkapitel, nicht Einzelne nur, hatte hier Balduin ge-
wählt') und beharrte den Zensuren des Papstes gegenüber bei seiner
Wahl. Am 11. Dezember 1331 verpflichten sich der Kaiser und Balduin
gegenseitig, dass keiner ohne den andern mit dem Papste Frieden
schliessen wolle.*) Der Kaiser spricht kurz nachher wider die Stadt
Maiiui, ilie es mit Heinrich hielt, die Acht aus. Wie in Mainz, so ist
auch in Worms die Mehrzahl dos Klerus auf Ludwigs Seite. Hier hat
das Domkapitel den vom Papste ernannten, von Ludwig als Hochverräter
bezeichneten Salmann vertrieben. Gegen 150 Kleriker derTliocese wurden,
weil sie Salmann nicht anerkennen wollen, nach Avignon beschieden,*)
ohne [dass die Geforderten dem Befehl Folge geleistet hätten. Gegen
den päpstlichen Kandidaten in Hildesheim ernennen Propst imd Kapitel
Heinrich von Braunschweig zum Bischof, und diesem gelingt es das
Bistum in Besitz zu nehmen.'*) Auch in Schleswig vermag der vom Papste
emamite Hellembert keine Anerkennung zu gewinnen.*)
In Basel ist Johann, Bischof von Langres, Administrator des Bistums.
Sein Vikar ist Johann, der Prior von St. Alban bei Basel. Mit einem
Heere war dieser ausgezogen dem Bischof Berthold von Strassburg zu
Hilfe, den Ludwigs Anhänger angegriffen hatten; aber Ludwig kam herbei
und nötigte Berthold zur Unterwerfung, den V^ikar von Basel zum llückzug.
ll VrI. Beil Nr. 9.
2) Dominicafi 2S9.
3) Vgl, Beil. Nr. 10. 8. <U «Dcb ölier daa Verhalten der Stadt Worm*,
4) S. Heil. Nr. 12.
5) 8. Beil. Nr. 11.
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Zu spät niahut der Papst zu neuem Vorgehen gegen die Anhänger
des Kaisers.') *
In Würzburg wollte ein Teil des Klerus den Kanzler Ludwigs
Hermann von Lichtenberg zum Bischöfe haben, wie der Papst selbst
bezeugt, und in Ludwigs Gegenwart wurde die Wahl durchgesetzt am
30. Juni 1333.*) Auch hier vermochte der von der Minderzahl gewählte
päpstliche Kandidat Otto von Wolfskehl nicht aufzukommen, so lange
der vom Kaiser geschirmte Hermann lebte.
Viele vom Klerus unterwarfen sich, als sie die rücksichtslose Ent-
schiedenheit sahen, mit der Ludwig anftrat. Edikte des Kaisers im April
und August des J. 1330 gebieten, die Güter aller Kleriker einzuziehen,
welche, den päpstlichen Geboten folgend, das Interdikt halten wollen.*)
Ein Edikt das Kaisei-s vom 12. Juni desscllHin Jahres befiehlt den Städten,*)
dem Minoritengeneral Cäsena alle Ordensglieder auszuliefern , welche
den Befehlen desselben nicht gehorchen würden. Andere Edikte wehi-en
dem Klerus, Schriften zum Xachteil dos Reiches bekannt zu machen,*)
oder gebieten, alle I'erdachtigen. welche nach Avignon reisen, anzu-
halten.®) Den Geistlichen von Würzburg droht Ludwig mit Verwüstung
der Kirchen, wenn sie ihn, den Gebannten, nicht dem Herkommen gemäss
cinholen werden.’)
Doch war es nicht bloss die Gewalt, welche Ludwig dem Feinde in
Avignon entgegensetzte. Die Häui)ter der strengen Partei unter den Mi-
noriten, welche, vom Papste gebannt, an seinem Hofe sich aufliielten, sind
für ihn seit seiner Rückkehr aus Italien mit unabläs-sigem Eifer bemüht,
Johanns Ansehen durch ilire Schriften zu vernichten. Wir sehen aus
dem oben besprochenen Wamungsschreiben derselben vom .1. 1331, dass
sie mit ihrer literarischen Thätigkeit von den Weisungen des Kaisers
1) 31. Okt 1333. 8. Heil. Nr 21. Vf^l. GesU Uerfholdi a. a 0. 307.
2) 8. darüber Müllur a. a. 0. 296 iT.
3) Efislingen 3 a. 4. Apr, 1330, gednicltt bei S. 385 u. 3H7, Edikt t- 18. Aag. 13.30 b«
Uogo Ton K«utHrigen in Böhmer Kontos IV. ff.
4) Bei Q>]iK a. a- 0. 305. Es Ut ohne Zweifel, wie auch Böhmer bemerkt, oin Rundschreiben.
5) Kege«!. Ludwig« bei Böhmer Kr. 1539. 14. Mai 13:jB. Welchen Gefahren diejenigen sich
ausaeteten, welch«? die Prozesse des Papstes Terkümleten, daron «. ein Beispiel in den Beilagen Nr. 10.
6) Reg. Ludwigs Nr. 1419 d. d. «30. Jan. 13.32.
7) Beschleus des Wurzb. Klerus v. 20. Jnli 13'^. Mon. boica. 39, 8. 502 if.
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nbhiin^g waren. Danmls wehrte er ilinen auf einige Zeit das Schreiben
und sie erhoben deshalb ihre Klage vor ihm. Wir s'ahen. weshalb er
dies that. Er hatte vor, seine Boten Hofmair und Minnebeck nach
Avignon zu senden um wegen eines Friedens mit der Kurie in
Unterhandlung zu treten. Aber bald nachh(!r schon beginnen sie ihre
Thätigkeit von neuem. Es ist da.s änaserste von Polemik, was in diesen
Schriften gegen Johann aufgeboten wird. Vor allem werfen sie ihm als
Ketzerei vor, dass er lehre, Christus habe auch als ^fensch die Herrschaft
Ober die weltlichen Dinge gehabt; sodann da.sser beliaupte, die Apostel hätten
niemals das (jelübde gethan. alle Dinge zu verlu.s.sen. Man sieht leicht,
dass die erstere Lehre dem Papste zur Begründung seiner Machtansprüche
dienen sollte. Später ist namentlich Johanns .Vnsicht, dass die selig Ent-
schlafenen vor der Auferstehung nicht zum unmittelbaren Schauen Gottes
gelangen. Gegenstand ihrer heftigtsen .\ngriffe. Und der Kaiser vertritt
in öffentlichen Ei’las.sen die Lehrmeinung der Minoriten als seine eigenen,
er kämpft öffentlich gegen Johann mit ihren Argumenten,') er sorgt
dafür, dass ihre Schriften verbreitet werden.’)
1) S. «Im 8c)»oq erwilhnte Schreiben an di« Stadt Aachen \'om 1*J. Joni
2) S. (kn Urief de« Minoriti*n Walter, bei Höfler S. 11.
•Sehrtflen der Minoriten an Lndwiga Hofe, welche in dio Jahn* 1-b‘lO ■— ^jehoren:
1.26. Mäns Monachii: CaaenAa .ipolo^e Johanns 22. Bolle: Quia vir reproba«. Ine:
Ad perpetuara roi inemoriam innot«-4cat otc, (nach Wäulding Tora. VI, x.5h Irrtümlich
wird htefOr die von Johannes Minorita rnitgeteilto Schrift (Balarias cd. Manai III, .'14t
sqq.) gehalten. Dieao letztere iat, wie ich nachgewieaen. (der kirchenpol. Kampf unter
Ludwig d. B. etc. S. H.'i Anna. 4l erst kurz vor CAsena« Tode im J. I.‘U2 verfasst.
2. Mai S«'hreiben Caaena.s mit der .Aufschrift: Ludovteo etc. caeterisqoe Prineipiboa,
baronibns et nobiiibus aeeatn in ParUmento existeotibus, bei Goldaat II, M44 (faUclie Pa-
ginierung). Dass dies Schreiben in die obciiangegebenc Zeit gehdre und nkht in das J.
wie Uieiler vermutet, bfwidst folgende«: 1. Die 12 verxciebneten pai>«tlieheD IrrtQmer sind
r’inem Lib**U des Pap«t<>s cntiiomin«‘n, das dicaor der Appellation Cäsena« entgcgengtstcllt
hat.* Das« dies Lik’!! die am 17. November Id2^> erlaasctie Bnlle Quia vir reprobiu aas
erweist nicht bloss der Verglekli des Wortlautes, sondern auch der Uiustanl, dass Casena
die IrrtQnior mit der Ikihcnzahl anfTthrt, die sie in der Bqik haben. 2) CWna bittet den
Kaii<cri diese IrrtQmer ad C(xde«jao poblicara notitiani celeritcr d<viqcere. Wie sollte
er selbst erst vier Jahre mit der Stellung dieaer Bitte gewartet haben? 3) Cäsena spricht
von einer im , vorigen“ Jahr gehaltenen Predigt de« Papstes, die einen Sieg iea KQnigs
von CaatilU'D über die Saraz^^nen feiern sollte. Siege dies .*« Königs sId*! wohl in den Jahren
ld*2« und IH25I, aber nicht in dem Jahre l:kl2 verzelchnoi. 4) Kiii Verzeichnis |)ap8tl>
IrrtOmer im J. I:I3;I würde auch die Lehre dea Papste« de visione b^'atifleä angeHlhrt haben.
5) das Schreibe» des Kaisers an die Stadt .Aachen vom 12. Jani 1-tUJ hat unsere Schrift
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So finden wir Ludwig nach «einer Klickkohr aus Italien ini Kampfe
wider seiife Feinde. Nach allen Seiten hin ist er thätig, den Grund,
auf dem er steht zu befestigen, die Feinde anzugreifen. Wir sahen, dass
zur VeraaiMieizunK, wcnnj^leidi e* itur eit
Stellung dem Zwecke des SchreiWns m
päpstliche AiitoriUt Mcheine jetzt erloschen -
pauperum cauaas indesinenter assumero et
(Eingang): Jmperiali conrenit znaji^tati.
daciam coercere.
Ci<M>na:
Dogmatizatnsest, qnod Christus In quantum
homn, ab iustAnti eonceptionis haboit QDiTer>
sale duminium rerum temix>raltam aicut rerus
rez et domitiDs in tcmiioraUbat!. et qaod
Christus iH)n fnlt dictus pauper ct egenus
propter carentiam dominn rerum temporaliuin.
VII: Qnod Apostoli nunqonm to-
verant omnia relinquere, nec nnquani votum
omnia relinquendi emiscrant.
len Teil der Irrtömer heraushebt, und die I>ar-
ehr anpasst. Vgl Cisena (im Eingang): Die
■'VobU rcstat, Iiii]wrator piisaime, negotia fldei et
inccssanler prosequi etc Ludwigs Schreiben
:orum precipoc et fautoruni ip'=ontm au-
Ludwigs Schreiben:
Dogmatizat enim erroricc, quod Christus in
quantmn erat humn viator, fuit rez terrenus
ct tnundanus regnorum et principatuum. do-
tnintum posridens temporale, nec erat pauper
pr carentiam alicuius frei) tempontlis.
— — Quod Apo5.t"li dominium rerum tem-
poralium nunqaam reliqoerunt, etquo^l votum
paupertati* minime emiserunt.
6) Der Srbln^s «tes kaiserl Schreibens, welcher alle dem Cisena feindlichen Minoriten diesem
aU'^zuliefern befiehlt, zeigt, dass Cisrna um die Zeit, als Ludwig zu 6{KMer weilte, sich
an diesen gowendtt haben muss. Das ^chreib^n Ludwigs ist am 12. Juni zu Speier erlassen.
Da somit Cäsenaa Schreiben vor den Juni iailt, und an den Kaiser sowie die in einem
Parlamente Tersammelten Ehrsten gerichtet ist. so muss bei dem Aufenthalt des Kaisera
in Spoier vom 20. klai bia 22. Juni eine Förstenveisuminlang gehalten worden sein. Damit
stimmen auch die Regesten Lndwlgi. bei Böhmer Nr. lUd: Verzicht Ludwigs auf Holland
zu Gunstens seine« Schwagers .mit Einwilligung der Kdefaafünten* ; Kr. 1140: Privilegium
de nun evocandu an Lodwigs Vettern, die Pfahgrafen bef Rhein. Für eine Fdrstenver-
Sammlung vor dem 20. Mai geben die Regesten keinen Anhalt.
H. 4« Jan. l.i:U. Schreiben Cä^mas: Univerais et einguÜs ministri«. cuatodibos etc. luc.
Christianae fidoi fundamentum. Bei Goidaat II. S 118^!• lialuzius gibt den 4. Januar,
Wadiling den 14. Jan. Lb'll an. Unrichtig setzen es Golda.«t und Riezler in das J. 133:); denn
da* Schreiben spricht von dem bevorstehenden ficneralkapitd der Minoriten, das der Gegner
Cosenaa, Gerhard Odonis, nach Perpignan ausgeschriebeD hatte Dieses Qeneralkapit>d fand
im J. 1:J31 statt.
4. 2.% .tpril D^)l. Schreiben CAsenas: Universis fratribaa ordinia etc. Ine: Literas pluriom
inagietrorum. Bei Goldast II, 1236 — 12:)8 DiewU-en Sitze gegen Johann, aber mit
anderer Einldtung, als^) wohl für die OcATcniliehkcit bestimmt : Cod. lat. Monte. 17S33 f. l.M b.
5. 1331. Schreiben der 1‘heologen an Ludwigs Hofe an dm Kaiser, welche« vor Unterliand-
longen mit dem Pai»ste warnt. S. Beil. Nr. 30 Aua Cod lat. Mon. 17833
6. Deiemb. 13:)2. Schreiben Cäsenas an Gerhard Odonis. Inc: Teste Salomone. Gedruckt,
so weit cs erhalten ist, in m Abbaiidlong: der kirchenpol. Kampf etc. Beilage I.
7. 1333 od. 1334 (vergl Kiezlor a. u. 0. 24b) Occain: Tractatus de dogmatibus Johannis XXII.
papae, bei Goldast ll, 740 — 770.
8. 1330'* 1333 (vcrgl. Rh-zler 243 n. 301) Occam: Opus nenaginta dicrum. Bei GoMast II,
903 1236.
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er es mit grossem Erfolge that. Der gleichzeitige und dem Kaiser
feindliche Heinrich von Rebdorf bemerkt zutn J. 1333: die vom Paijste
gesetzten Bischöfe und Prälaten seien von Ludwig mit Kraft bekämpft
und viele derselben vertrieben worden. Trotz der päpstlichen Prozesse
halie ihm fast ganz Deutschland gehorcht.') Und es ist nicht etwa so
bei Ludwig, dass Zeiten der Thätigkeit mit Zeiten der Erschlaffung ab-
gcwechselt hätten; der Kampf gegen die Feinde geht wenn auch in
verschiedenen Formen doch ununterbrochen foi’t.
Es bedurfte dieser Zusaunnenstellung von Thatsachen, um den Boden
für die nun folgenden Erörterungen zu gewinnen. Sie betreffen zwei
Seiten in Ludwigs Politik, die man bisher als Zeichen der Schwäche des
Kaiser nnd von Gesichtspunkten aus beurteilt hat, die ausserhalb des
Kreises liegen, in welchem peine sonstige Thätigkeit sich bewegt.
— 34. Tlonagratia: KoiniiwnUr xu d«« Pa)x4teii tiehre de visioiie D^i, Vat. Bibi Coti.
400li, cf. RaynaM 13;H Nr. Hl.
10. 13H4. Bouaf^iatiaa A|>p«11ation an ein allgenifinp« Koozi), «rwähnt in dem Schreiben des
Minoriten Walter an Cäscna bei Höflor, Aus Avignon S. 11. cf. lUynald ad a. lH34Kr. ‘14
und 31. Et ist fraglich, ob diese Schrift ifieotiich sei mit der Torhergehendeu.
11. — 13. 132h — drei Schriften, deren Anfänge in dem obenangefQbrten Schreiben r« 4. Jan.
angegeben werden, und als deren Verfasser die appcllantes iiiagislri in sacra pagina
bezeichnet sind :
a) Pe patre impio qaemntnr filii.
b) Principales haereses.
e) Quicurque ?u]t aaWns esse.
14. Zwischen 1320 *• 1334. Replik auf einen libellus allegationnm, in welchem gegen Casenas
^ 4p|>eUation und des Kaisers Sentenz gegen Johann XXII. qoidain errorea noviter divulgantur.
Verfasser angenannr. Inc: Quoniam contra ^.inctam UnmAnam ecclesiaro, katholicam fidem
etc. Cod> lat. Mon. 17833 f. 145, bricht f. 151 ab.
1.5. I:130 — 13.34. Vou einem ungenannten Verfasser; StreiUebrift wtder die Ansprüche des
Papstes auf die höchste tiewalt in weltlichen Dingen Cod. lat. Mon. 10635 f. 4^3 sqq.
16. 1333-*Di^l4. Itationes, per quas probatur, quod Gcraldus (Gerhard Odonis) est haereticas. Er*
wahnt im Selirelben Walters bei Höfler S. 12 Die Forderung Wallers, diese Schrift nach
Avignon zu schicken, zeigt gleichfalls, da» die inneren Streitigkeiten unter den Minoriten mit
zur Befehdung des Papstes dienen musstet], und dass Schriften wie diese oder die 3, 4u.6
gt-nauntcD auch in weiteren als den nächsten minoritischen Kreisen verbreitet worden.
1) Bei Höhmer, Fontes IV, 520: ln Alemania ntagnum schisma est in elero et pupulo ex pro-
viaionibus sedia apostolice ad episcopatus et sollempnes prelaturas et alia benefleia. Quas idem Lu-
dewicus in odium sedis apostolice fortiter impedivit, multos etiam proviso« a seile, qoi ei obsedire
nolebant. admisit (aniovit ?J. et ipei tota quasi Alemania non obstantibas sedis apostolice proeessibus
obedivit.
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Dt« Verhandlnn^n in ATlgnon.
Es scheint mir anf^esiclits der gleichzeitigen Thatsachen unmöglich,
die Friedensunterhandlnngen, welche l<udwig während der Jahre 1330 — 34
zu Avignon führen Hess, auf religiöse Bedenken oder überhaupt auf Kleinmut
zurückzuführen, wie dies bis auf die Gegenwart herab geschehen ist
In derseltjen Zeit, in welcher Johann von Böhmen und Balduin von
Trier dem Papste mit Bewilligung Ludwigs Vergleichsvorschläge machen,
erlässt dieser das schon erwähnte öffentliche Ausschreiben (12. Juni 1330),
in welchem gesagt ist, diws , Jakob von Caturrho, der sich Papst .Johann
XXII. zu nennen anma.sst, fünf Konstitutionen erla,ssen habe, in welchen
er die abscheulichen Lästerungen seines Wahnsinns als Dogmen öffentlich
verkünde.“ Er nennt ihn einen Häretiker, der seine Thorheit und
Unwissenheit in theologischen Dingen sowie in denen des natürlichen
Rechtes in den erwähnten Schriften vor aller Welt dargelegt habe. Nach
den Satzungen der Konzilien sei er als Ketzer aller Würde und Macht
beraubt. Darum solle niemand es wagen seinen Befehlen und Sentenzen zu
gehorchen u. s. w. Er befiehlt den Städten, den V^erteidiger der Wahrheit
Michael von Cäsena und alle, die es mit ihm halterf, zu schirmen wider
jedermaim; auch alle Minoriten, welche dem General widerstreben, auf
dessen Verlangen in den Kerker zu werfen.
Und nehmen wir die letzte der für Jjudwig durch die Könige von
Böhmen und Frankreich au der Kurie geführten Unterhandlungen, bei
welcher es sich um den Verzicht auf die Krone zu Gunsten Heinrichs
von Niederbaiern handelte, so fällt hier gleichfalls auf, dass diesen Be-
mühungen eine Reihe sehr entschiedener .Angriffe Ludwigs auf die
.Anhänger des Pajistes in Deutschland zur Seite geht. Die Unter-
handlungen nämlich haben von seiten Johanns zum mindesten schon im
Oktober 1333 in Avignon begonnen und sie dauerten bis in den Juni
1334. Aber um die Zeit des Anfangs derselben bekriegt Ludwig den
Bischof von Strassburg, den eifrigen Anhänger des Papstes, und wie
bitter man das in .Avignon empfindet, wird aus dem obenangofuhrten
Briefe dos Papstes an den Prior von St. Alban in Basel ersichtlich,
in welchem <ler Kaiser als ein Diener des Satans bezeichnet wird.
Und gleichfalls in die Zeit jener Unterhandlungen fällt es, dass Ludwigs
Abh.d. III. Cl.it t Ak a.W«. XV.Bd ll. .Abtli. 8
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Kanzler Hermann von Liclitenberg sich des Bistums Würzburg gegen
den vom PajMrt ernannten Otto von Wolfskehl bemächtigte, wobei ihm
der Kaiser selbst Hilfe ziiführte.
Wie sollten da die Unterhandlungen Ludwigs mit Papst Johann auf
religiöse Motive, auf Gewissensunruhe und daraus entspringenden Kleimnut
zuriickzuführen sein ‘i
Sehen wir nun auf die Unterhandlungen selbst. Ich habe schon in
meiner früheren Arbeit über Imdwig den Baier gegen Riezler nachzu-
weisen gesucht, dass nicht die Prokuratoriun Ludwigs für seine Gesandten
in Avignon, sondern die geheimen Instruktionen, die er den Gesandten
mitgal), für die Frage entscheidend seien, wie weit der Kaiser gewillt
war, der Kurie nachzugel)en. Wir haben aus der Zeit Johanns nur
noch die Instruktion vom 14. Oktober 1331,') welche den Gesandten
Minnebeck und Hofnmir bei den in der nächstfolgenden Zeit in Avignon
zu führenden Verhandlungen zur Richtschnur dienen sollte. Alxtr sie
genügt ; denn aus der Art, wie der Papst die übrigen V'erhandlungen
abwies, ist ersichtlich, dass die Zugeständnisse, die Ludwig in denselben
zu machen wirklicli, bereit war, nicht grösser gewesen sein können, als
die vom 14. Oktober 1331.
Iler Brief Ludwigs an den Papst, welchen Minnebeck und Hofmair
ül)erbruigen. ist in einem sein' ehrerbietigen, aber nicht in besonders unter-
würfigem Tone gehalten. Im Eingänge nennt er sich Ludwig von Gottes
Gnaden Kaiser der Römer. Er beklagt den Zwiespalt und seine Folgen; er
ersucht den Papst, der, wie er vernommen, zur Eintracht geneigt sei,
mit seinen Weisen auf Mittel bedacht zu sein, durch welche der Friede
unter Wahrung der Ehre der Kirche und des Reiches erreicht werden
könne. Er sei bereit alles zu tlmn, soweit es die Ehre des Reiches
gestatte.
Diesem Vorbehalt entspricht nun auch die Instruktion. Ihr zufolge
sollen die Gesandten die Ehren und Rechte des Kaisers und Reichs zur
ersten Richtschnur nehmen.
Bei der Forderung des Papstes, dass der Kaiser eine Busse auf sich
nehme wegen dessen, was er wider den römischen Stuhl gethan, macht
1) Gewold, IWeniio Lndoviei IV. Im)L Ingolat. 1618 118
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Ludwig einen bemerkenswerten Unterscbied. Busse dafür zu nehmen,
dass er wider den Glauben der Kirche gehandelt hat», verweigert er.
Er achtet sich durch die Prozesse des Papstes in dieser Hinsicht nicht
gebunden. Eine leichte zeitliche Busse für anderweitige Verletzungen
des römischen Stuhles zu übernehmen sei er bereit, und ebenso zur Bitte, dass
der Bann, der ihn um solcher anderweitiger Verletzungen willen getroffen,
aufgehoben werden möge. Die Barfflsser will er gerne ,in seine Uichtuiig“
mit aufnehmen und sie zu bewegen suchen, dass sie dem Stuhle fortan ge-
horchen. Weigern sie sich dessen, so will er sie nicht mehr schirmen.
Thun sie fortan etwas wider den Glaul>en, und geht der Papst den
Kaiser darum an, so will er „den Glauben“ schirmen. Man hat dieses Zu-
geständnis dem Kaiser verdacht, als habe er seine bisherigen Bundes-
genossen damit preisgegeljen. Aber man h.at übersehen, dass die Richtung,
in die er sie mit aufnehinen will, eine solche ist, nach welcher er die
Prozesse, welche ihn als Häretiker verurteilt haben, in keiner Weise
als bindend erachtet, dass er also mit seinem bisherigen Verfahren im
Glauben der Kirche zu stehen meint. Es ist demnach ein für die Theo-
logen sehr ungefährliches Zugeständnis, wenn er sagt, dass er wider sie
den Glauben schirmen wolle, falls sie etwas thäten, was wider denselben
wäre, und das um so mehr, als Ludwigs Worte sich auf etwaige künftige,
nicht auf die früheren Thaten derselben beziehen.
Eine neue Weihe und Krönung zu empfangen ist Ludwig bereit;
doch nur um dem Stuhl seine Ehre su lassen, da es das Herkommen
also mit sich bringe. Aber die Krönung von 1328 wird mit dem
damals bestehenden Streite entschuldigt, und auf sie nur verzichtet, wenn
sofort die neue erfolgt
Andere Eide, als seine Vorgänger im Reiche dem Papste geleistet
wird er nicht schwören; anderes als was jene dem Stuhle zugeshmden,
wird er nicht zugestehen.
Wir sehen, das sind Zugeständnisse, die alle auf der Voraus-setzung
ruhen, dass Ludwig bisher rechtmässiger König und Kaiser war, imd dass
die Prozesse des Papstes, welche ihn als Ketzer verurteilt haben, keine An-
erkeimung von ihm erhalten. Die neue Weihe und Krönung wird zu
einer blossen Frage der Etikette gemacht. Hätte der Papst auf dieser
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Grundlage Friede geBchlossen: er würde nicht eine Niederlage des Kaisers,
sondern seine eigene besiegelt halien. Denn alle Ansprüche des Papstes auf
die Oherherrlichkeit über das Reich, aus denen der ganze Streit ent-
sprungen war, wären damit stillschweigend zurückgenoinnien gewesen.
Wenn es nun, wie auch diese Instruktion uns gezeigt hat, weder
religiöse Motive noch eine unglückliche Lage der V'erhältnisse und daraus
entspringender Kleinmut waren, welche Ludwig in den .1. 1330 — 34 zu
Unterhandlungen mit Avignon geführt haben, wenn wir vielmehr Ludwig
in dieser ganzen Zeit entschlossen für die Rechte des Reiches eintreten
sehen, so werden wir von selbst zur Erklärung der Verhandlungen aus
den j>ei’bönlichen und individuellen Beweggründen lieraus auf Motive
geführt, welche lediglich dem Gebiete der politischen Zweckmässigkeit
angehören. Und diese Motive sind nicht schwer zu erkennen.
Erstlich war ein Frie<le auf Grundlagen, welche die Ehre und die
Rechte des Reiches nicht gefährdeten, jedenfalls Ijesser für die innere
Entwicklung wie für die äussere Machtstellung des Reiches, als ein fort-
gesetzter Kampf, der immerhin die weltliche Autorität gefährdete.
(Jing aber der Papst auf einen Frieden unter den l>ezeichneten Vor-
aussetzungen nicht ein, wie wohl Ludwig selbst dessen sehr bald schon
gewiss gewortlen war, so blieb doch die fortgesetzte Erneuerung der
Friedensversuche ein politisches Mittel der ergiebigsten Art für den Kampf
selbst. Denn erstlich bezeugten diese V'örsuche die Friedensliebe Ludwigs
in den Augen des Volkes und verhinderten die Erregung, welche die
päpstlichen Verwünschungen und Drohungen hervorzurufen geeignet
waren; sodann stumpften sie bei dem Klerus vielfach den Eifer in der
Verkündigung der Prozesse ab. Denn da in Folge der Unterhandlungen
sich regelmässig djis Gerücht verbreitete, es werde bald Friede wenlen
zwischen Kaiser und Papst so scheuten sich viele, ilurch zu grossen
Eifer für die Prozesse sich der nachträglichen Missgunst auszusetzen.
Auch in Avignon erkannte man den Vorteil, der in der Verbreitung
solcher Gerüchte von einem ^vorstehenden Frieden für Ludwig lag,
und die Kurie Hess es sich darum auch ganz besonders angelegen sein,
solche Gerüchte wieiler zu zerstreuen und dagegen zu einem kräftigen
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Vorgehen in der Veröffentlichung und V'ollziehung der Prozease an-
zutreiben. ')
Endlich waren diese Unterhandlungen auch ein Mittel, die anmassliche
Stellung der Kurie gegenüber der deutschen Reichsgewalt und deren
ausschweifende Forderungen den Fürsten und Städten des Reichs immer
von neuem vor Augen zu führen, und so die Stimmung für die Ehre
imd Selbständigkeit des Reiches zu wecken oder zu steigern.
Die Frage wegen der Abdankung Ludwigs zu Gunsten Heinrichs von
Niederbaiern.
Auch die Verhandlungen wegen des Uel)erganges der Reichsgewalt
an Heinrich den Aelteren von Niederbaiern werden sich, wie ich hoffe,
von Gesichtspunkten aus verstehen lassen, nach welchen sie sich der
übrigen politischen Thätigkeit Ludwigs als Mittel für die gleichen Zwecke
einordnen. Wie rätselhaft die Frage in Betreff der Ab<lankung noch
immer erscheint, beweist die letzte mnfassonde Arbeit über Ludwig,
die wir Carl Müller verdanken. Man finde, so heisst es hier,*) in der
politischen Lage so wenig Grund zu Ludwigs Abdankung, dass man
geneigt sein könnte, hiefür die Auffassung von Ludwigs Politik anzu-
wenden. welche neuerdings von mir für die Versöhnungsversucho Ludwigs
unter den späteren Päpsten aufgestellt worden sei: man könne demgemäss
auch hier nur einen Schachzug sehen wollen, der ihn den Fürsten ge-
genüber in dem Lichte darstellen sollte, dass er zum äussersten bereit
sei, die Kurie aber eine V^ersöhnung nicht wolle. Diesen Zweck unterstellt
indes hier nur Müller, nicht ich; und mit Recht erscheint ihm das
hiefür gewählte Mittel als thöricht. Al)er so kommt auch er zu der
herrschenden Auffassung zurück, welche in der Persönlichkeit des Kaisers
den Grund für die unerwartete Tliat sieht; Ludwig habe, meint Müller,
für den gewaltigen Streit die Lust verloren gehabt, entweder weil seine
Gemütsart den Konflikt mit der Kirche auf die Dauer nicht zu ertragen
vermochte, oder weil ihm die geistigen Kämpfe überhaupt zuwider ge-
worden seien.
1) Vit. Irth. t. Beil. Sr. 24.
2) «. «. 0. S. Slit f.
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Aber wenn es Gewissensunrulu* war, welche Ludwig? zu diesem
Schritte bestimmte, wie kommt es, dass gleiclizeitig mit den an der
Kurie geführten Unterhandlungen die päpstliche Partei in Deutschland
aufs kräftigste von Ludwig bokäm]ift wird? und wenn er aus Ueberdruss
an den geistigen Kämpfen der Hegiening müde geworden war, wie kommt
es, dass von einer ErschlafFung der Kräfte in seiner sonstigen Reg^erungs-
thätigkeit nichts bemerkbaj^ ist? Und wie sollte, selbst diesen Ueberdruss
angenommen, Ludwig gerade den Schwiegersohn seines Feindes, Heinrich
von Nietlerbaiern sich ersehen haben, um ihn zum Erben seiner Gewalt
zu machen ?
Wenn wir fragen, wer wold zunächst auf den Gedanken gekommen
sein möge, Heinrich von Nicderbaiem für die Nachfolge im Reiche vor-
zuschlagen, so ist es das nächste und natürlichste, an den Schwiegervater
Heinnchs, an den Röhmenkünig zu denken, diesen an politischen An-
schlägen so fruchtbaren, unsteten luid ehrgeizigen Fürsten, für den Heinrich
stets nur ein gefügiges Werkzeug war. Nun haben wir aber auch ein
urkundliches Zeugnis für diese Annahme. Heinrich sagt in dem Vertrage,
den er wegen seiner Köuigswahl am 7. Dez. 1333 mit Frankreich schliesst:')
Es bestehe durch Vermittelung Königjohanns zwischen Ludwig und
der Mehrzahl der Kurfürsten ein Vertrag, nach welchem Ludwig zu
Gunsten Heinrichs, vom Reiche zurücktreten wolle.
Johann vermittelte also diesen Vertrag, Johann von Böhmen, der
bisherige Feind des Kaisers, er, von dessen gefährlichen Absichten der
Kaiser unterrichtet war, den er noch im letzten Nürnberger Abkommen
mit dem höchsten Misstrauen behandelt hatte. Und nichts macht in
den Dokumenten, welche dieser Atxiankungsgeschichte angehören, auch
nur von ferne den Eindruck, als werde hier ein Druck auf Ludwig geübt
Hat der Böhmenkönig die feindliche Politik, welche durch die Verträge
von Piumaccio und Avignon bezeichnet ist, aufgegeben? Li der That
lässt alles in den Urkunden ein inneres Einverständnis zwischen Ludwig
und dem Böhmenkönig vermuten, also einen völligen Umschlag in der
h liöhraer, AeU Imperii selecta II, Nr mediante doroino Johanne rego Bobemiae illostri,
aoeero nostro cariasimo, at idem dominua Ludovieu» cetiat omni iuri et atatoi imperii et regni Ro-
manorum etc'.
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47
Politik de» letzteren. Wann mag dieser Umschlag eingetreten sein? Was
kann ihn veranlasst haben?
Dass der Böhmenkönig nicht mehr auf dem Boden der Verträge
von Piumaccio und Avignon stehe, davon zeigen sich deutliche Spuren
schon mehrere Monate vor den Rothenbimger Verträgen, welche zuerst
von Ludwigs Kücktritt und Heinrichs von Niederbaiern Nachfolge handeln.
Als Johann sich genötigt sah. mit der gegen ihn und den Papst
vereinten italienischen Liga am 19. Juli 1333 einen Waffenstillstand zu
schliessen, da erscheint auch der Kaiser wieder in der hierüber ausge-
stellten Urkunde,’) mul zwar als ein Haupt der streitenden Parteien, dem
mit Ausnahme Neapels und der Florentiner alle übrigen die .\nzeige zu
machen haben, wenn sie vom Waffenstillstände wieder zum Kriege über-
gehen wollen. Nun würile es zwar bei einem Johann von Böhmen noch
w’enig sagen, wenn wir seinen Namen wieiler unter solchen finden,
welche Ludwig als ihren Oberherm anerkennen; allein die Sache ei’hillt
doch mehr Bedeutung, wenn wir lesen, dass einen Monat vorher der
König mit seinem bisherigen Bundes- imd Kampfgenossen, dem Legaten
des Papstes, sich überworfen habe und ohne Abschied zu nehmen hinweg-
geritten sei;*) und wenn er im Oktober, als er das für ihn verlorene
Italien verlässt und nach Deutschland geht, sich mit auffallender
Bestimmtheit als Friedensstifter bezeichnet, der den Kaiser und die Kirche
versöhnen werde.*) Lässt sich ja auch schon aus der Natur der Ver-
handlungen wegen der Nachfolge Heinrichs selbst ableiten, dass jene
Wandlung in der Politik Johanns nicht erst in der Zeit der ersten
Rothenbnrger Urkunde vor sich gegangen sein könne. Johann hätte in
der kurzen Zeit, welche zwischen seiner Rückkehr aus Italien, und den
Tagen zu Rothenburg und Frankfurt verlief, unmöglich jene Verhand-
lungen zwischen Ludwig und den Fürsten vermitteln können, von denen
eine der Urkunden spricht, selbst w'enn er nicht alsbald von den Alpen
1) Bei Ficker, a. a. 0. Nr. 827 160
2) VilUoi a a. 0. X, 217: Di«Be«i paleee, che i re Oiovaani siecome amico degU Aretini
e a loro preghiera e per aDimo di parte ghibellioa indn^o U scccoreo. Per la qoal ooaa il legaW
•*iodegoo con loi e partiaei da Bolo|rnft aanza ano coagio a di 15 di Gittgoo e torooai a Parma.
8) P&ppelmaao ans der Hiat Corteaiorum bei Huratori XllI, p. 859.
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48
aus nach den Niederlanden geeilt wäre um dort mit dem Henog von
Brabant zu kriegen.*) Hat aber Johann von Italien aus seine Vennittler-
thätigkeit begonnen, dann müssen wir für die AnlÜnge derselben gewiss
bis auf die frühei-en Zeiten des Jahres zurückgehen; denn in einer so
grossen und schwierigen Frage, mit der so viele Interessen verknüpft
waren, war ein wiederholtes Hin- und Wiederreisen der Boten in Deutsch-
land und zwischen Deutschland und Italien unvermeidlich.*)
Dokumente des vatikanischen Archivs weisen uns denn nun auch
für den Umschwung in der Politik des Böhmenkönigs in die Zeit un-
mittelbar nach dem V'ertrage zu Avignon, in den Dezember des J. 13J2
zurück. W^ir sahen, der Vertrag von Piumaccio hatte dem König zu der
Herrschaft über die Lombardei die Zustimmung des Papstes gebracht,
aber unter der Bedingung, dass der Vertrag auch die Genehmigung des
Königs von Frankraich erhalte, da in einer früheren Vereinbarung
mit Frankreich der Papst dem Bruder des französischen Königs die
Herrschaft über Italien zugestanden hatte. Jene Zustimmung nun muss von
Johann nicht eingeliolt worden sein; denn als der Vertrag von Piumaccio
durch den von Avignon nach des Böhmenkönigs Wunsche erweitert, und
nun am 30. Nov. 1332 vom Papste dem Könige mitgeteilt worden
war,®) geriet dieser hierüber in die äusserste Aufregung. Und es müssen
die Zugeständnisse selbst., welche der Papst dem Böhmenkönig gemacht
hatte, und nicht etwa die Unterlassung einer blossen Formaltät den
König Philipp in solchen Unmut versetzt haben, wie aus dem gleich an-
zuführenden Schreiben des Papstes sich erpbt. Auch zeigt dieses, dass
Philipp darum gewusst und es gebilligt hatte, dass der Papst mit dem
Bölimenkönig unterhandle. Johami muss es also verstanden haben, dem
König über den Gegenstand der vorzunehmenden Verhandlungen eine
falsche Vorstellung beiznbringen, ilm wähnen zu lassen, dass es sich um
1) Petr. T. Zittau a. a. 0. 8. 467: niox at e^irressae de T«ombardie partibun cam filio sao
Karolo Taorat, Ducem Brabantic pro ducata in Ljmbark com copioso ezcrcitu invadit hostiliter et
inipa^nat.
2) Auch die Unterhantilun^eo des BöbmenkbniifB mit dem Papste in dieser Saebo, deren io
der Urkunde des Königs vom ü. Deicmber (a. a.) gedacht ist, wdiien odb nach der Art, wie eie er-
wfihnt werden, auf die Zeit rar den Rotheoburger Urkunden für den Beginn der Unterhandlungen xnrhek.
3) 8. Beil. Nr. 15.
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49
Dinge handle, die dem Interesse Frankreichs weit ferner lägen, als es
in der Tluit der Fall war.
Wie sehr aber der französische König über diesen Vertrag von
Avignon aufgebriwht war, das sehen wir aus den Anstiviigungen. welche
der Papst machte, den König zu beruhigen.
Er hatte, wie erwähnt, den mit Johann von Böhmen eben geschlos-
senen Vertrag dem König am 30. November 1332 mitgeteilt. Aber statt
einer Antwort Philipps kamen nun Nachrichten, welche von der Er-
bitterung Kunde gaben, welche der Vertrag hervorgerufen habe.
Da schreibt der Papst am 10. Januar 1333:') Mit Verwunderung
habe er gehiirt. das.s der König darüber erregt, sei, da.ss ihm für den
mit dem König von Böhmen abgeschlossenen Vertrag die Genehmigung
nicht Vorbehalten worden sei. Der König scheine sein eigenes Schreiben
verges.sen zu haben, worinnen er einen solchen Vertrag dringend empfehle.
Er möge indes bedenken, auf wie schwachen Füssen der Vertrag stehe,
wie schwierig er durchzuführen sei, so dass der König gar keinen Grund
habe sich zu erregen; ja w'enn der Vertrag seiner Majestät missfalle, so
sei er, der Papst, bereit, seinerseits ganz davon zurflekzu treten.
Als der König auch jetzt noch dem Papste nicht antwortet, wie-
derholt dieser sieben Wochen später sein voriges Schreiben und schliesst
mit dem Wunsche, dass die Gnade Gottes das Herz des Königs bei seinen
Handlungen lenken möge.*) In einem zweiten Schreiljen desselljen Tages
bittet der Papst die Königin um deren besänftigende Vermittlung; habe
ja doch der Gesandte Philipps einen Traktat mit Johann so empfolilen
wie des Königs eigene Angelegenheit.*) Von demselben Tage ist auch
ein drittes Schreiten, welches den König wogen der Rückkehr des Pajwtes
nach Italien zu beruhigen sucht,*) und ein viertes, in welchem der Papst
dem König, offenbar um ihm etwa.s angeiiehmes zu sagen, meldet, er
1) V»t. Aich. Sfcr. Änn. XVI! a, XVIII. Ep. Äll. Der Inhalt dieses Briefes iti dem Schreiben
T. 2H. Febr. l'i'U wiederholt, 8. diesca in den Bell. Nr, 17.
•2) Schreib, t. 28. Febr. \m Beil. Nr. 17.
3) Vat Arch. «. Beil. Nr. 18.
4) Gedruckt bei Rajnald 1333 Nr. 24.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wi« XV. Bd. II. Ablh. 7
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habe die Nuntien des Baiers, welclie wegen des Friedens zu unterhandeln
nach Avignon gekoinnien seien, zurückgewiesen.')
Man sollte nun meinen, der Unwille des Königs von Frankreich
müsse sich in noch verstärktem Masse auch gegen den eigentlichen
Urhel)er des Vertrages von Avignon, gegen .Johann von Böhmen gewendet
hal>en. der unmittelbar nach dem .\bschluss desselben von Avignon nach
Paris gereist war, also gerade zu einer Zeit dort ankam, in welcher
Phili])p die erste Nachricht von dem Vertrage durch den Papst empfing.
Wenn wir nun statt dessen wenige Wochen später den Böhmenkönig mit
einem in Frankreich geworl)enen Ueere und mit einer Cieldunterstü/.iing
Philipps nach Italien auflirechen sehen,*) um hier das Reich. da.s er sich
gegründet, vollends aufzurichton, so sind wir zu dem unvermeidlichen
.Schlüsse gedrängt, da-ss es in diesen Wochen vor dem Aufliruch Johanns
nach Italien, d. i. vor dem ‘24. Dezomljer zu einer Uebereinkunft zwischen
dem Ijöhmischen und franzJjsiscdien König müsse gekommen sein, welcher
die beidereeitigen einander zuwiderlaufenden Interessen ausglich.
Nun erscheint in jenem Vertrag, welchen Heinrich von Niederbaiem als
künftiger König mit Frankreich abschliesst, König Philipp nicht minder als
ein Helfer, der Heinrichs Nachfolge l)ei den deutschen Fürsten betreibt, wie
Johann von Böhmen. Für die Geldsummen, die er es sich hiefür hat
kosten lassen, soll ihm eben das Arelat abgetreten werden.*) Und auch
hier sagt mis wieder die Natur derartiger Verhandlungen, dass die Be-
mühungen Philipps um die Nachfolge Heinrichs nicht erst in der Zeit
der Rothenburger und Frankfurter Verträge können begonnen haben.
Wahrscheinlich hängt schon die vorhin erwähnte Abweisung der Gesandten
1) Gedruckt bei Raynald Nr. 2S. ln weichem Grad« der PapRt von Frankreich abban^i]^
war, das tcigt auch die in der Beilage Nr. 13 initgetellte päpstliche Anfrage vom 26. Sept
13:32 in der Verlobungssache des Königs von Böhmen. Kiner von den zahlreichen Deweisan, wie oft
Fragen kirchlicher Bijziplin nach poiitUchen R&cksiehten entachiedeo wurden.
2) Villani X. 211: E dissesi cb'avea avutu dal re di Francia o in dono ovvero in presto cen*
tomila tiorini d'oro. cf. XI, 225: — — avendo fertna aperania d’easere io poco di tempo al tntto
re e signore d'ltalia coiraioto deUa Chieaa e del ano legato e eol favore del re di Francia.
3) — et com Ulaatriasima» princept dom. Philippos, Kranciae rei. ut predieta ad effectom
perducantar optatum — — ^ dederit iam roultipliciter et dare prumieerit opus et operam effieacee etc.
— inanper attendentee, quod idem rei Franeornm pro predictiv impleodis iam magnas pecaniarum
quaotitates ezpeodit et liberalitcr erogavit etc.
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51
Ludwigs durch den Papst iui Fobr. 1333, und hängen die Versuche
Philipps beim Pa])ste im Septeml)er 1333, den Bischof von Lüttich zum
Erzbischof von Mainz zu machen,') mit dieser veränderten Richtung zu-
sammen. Wir sahen, die Mitteilung von der Abweisung der Gesandten
Luilwigs war eines von den Mitteln, welche der Pap.st zur Beruhigung
Philipps anwandte. Fir wird mit der Abweisung einem Wunsche Frank-
reichs entsimochen haben, dessollwn Frankreichs. da.s doch, wie wir wissen,
diese Gesandtschaft veranlasst hatte.*) Denn Frankreich wie Böhmen
mussten jetzt wünschen, dass sich die Kurie Ludwig gegenülier so unzu-
gänglich als möglich zeige, damit dieser für ihre neuen Vorschläge um
so entgegenkommender sei. Und ebenso konnte der Wunsch Philipps,
den ihm ergebenen Bischof von Lüttich zuin Erzbischof von Mainz ge-
macht zu sehen, mit den Bemühungen Philipps, Kurstimmen für die
Wahl Heinrichs von Niederbaieni und für die Abtretung des Arclat zu
gewinnen, in Verbindung stehen.
Doch mag es sich mit den teiden zuletzt angeführten Thatsachen
auch anders verhalten, so viel bleibt gewiss, dass die urkundlich verbürgte
gemeinsame Thätigkeit der Könige von Böhmen und Frankreich in der
bache der Abdankung Ludwigs schon länj^re Zeit vor den Kothenburger
und Frankfurter Vereinbarungen, welche in den November und Dezember
1333 fallen, müsse begonnen haben. Was mag die Verbindung Iioider
Könige für diesen Zweck veranlasst hallen? Wir sahen vorhin, es müsse
kurz nach dem Vertrage von Avignon, der solche Erbitterung bei Philipp
von Frankreich hervorrief, zu einem Vergleiche zwischen beiden Königen
in Betreff Italiens gekommen sein. Ist dieser V’ergleich wegen Italiens
vielleicht zu Stande gekommen im Zusammenhang mit dem Plane, welcher
die Abdankung Ludwigs betraf?
1) V>t. Arch. 9. Beil. N’r. 19.
2) Rajn. Nr. 11 Nie. liur^ndi Hist. bav. 140; Sant qoi rej'em prsovaricationis
iDsiinuIciit, quasi cain Pontifiee colluaiaet nolletqae sbeolntuin ('Msareni eio. Maltisque id suniiectnrn
foit, quod non prius in (laliam quam a Gallo discuNltiret. Constabat onim PontiQccin abnoiium Gallo
et per Gallum maxiine pare. quomimus Imperator abiolveretur. Zwar hat die Reise von ATignon
nach Paris lonachst einen andern Grand, abi den von barf^andins anj^ef^cbenen, cs ist der, die Zu-
stimmung Philipps 10 dem Vertrage wegen Italiens zu gewinnen. Aber das wird wohl riclitig sein,
(lass die Abweisung der Gesandten Ladwiga durch den Papet auf den einen der beiden K&nige oder
auch aaf beide zurüekiurQhren tat.
7*
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Briefe des Papstes an Philipp und Johann führen mit Notwendigkeit
zu dieser Annahuio. Nach ihnen haben die (Gesandten Böhmens und
Frankreichs in Avignon über die Abdankungsfrage und die italienische
Frage zugleich verhandelt.
„Nuntien des Königs Philipp und des Königs Johann von Böhmen, so
heisst es in einem Schreiben des Papstes vom 27. Juni 1334 an den
König von Frankreich,’) hätten mit dem Pa]wt in Bezug auf clen eraten
Traktat zwischen diesem und dem König von Böhmen neue Verhandlungen
gepflogen, deren Resultat des Königs von Frankreich Nuntien ihm über-
brächteu. Mit dieser Anzeige empfiehlt der Papst zugleich seine eigenen
Nuntien Ca.sse und Cariti dem königlichen Wohlwollen, und bittet um
sicheres Geleite für sie.“ Ein Brief vom gleichem Datum und Inhalt
ist an den König von Böhmen gerichtet. Ein dritter Brief vom dem-
sellx!n Datum®) empfiehlt die genannten Nuntien dem Herzog Heinrich
von Baiern, ein vierter vom 28. Juni l>eglaubigt sie bei Ludwig
dem Baier.^)
In dem an Ludwig den Baier _ gerichteten Briefe heiast es, der
Papst habe dm’ch die Gesandten der Könige von Böhmen und Frankreich
von Ludwigs Entschlüsse gelröi’t. auf das Reich verzichten zu wollen.
Er, der Papst, ermahne ihn nun, Ernst damit zu machen und den Nuntien
Gasse und Cariti seine Willensmeinung deshalb kund zu thun.
Wir sehen, diesellien Boten der Könige von Frankreich und Böhmen,
welch(! in der .Sache Ludwigs mit dem Papste zu thun hatten, haben
auch wegen des ersten Traktats zwischen Johann von Böhmen und dem
Papst verhandelt, und dieselben Boten des Papstes, welche den beiden
Königen die päpstliche Antwort über ihre Verhandlungen wegen „des
ersten Vertrags“ überbringen, sind zugleich des Papstes Boten an
Heinrich von Niederbaiern und Kaiser Ludwig, üeber Paris gehen sie
nach Deutschland.
Der erste Traktat zwischen Johann von Böhmen und dem Papste
ist der Vertrag von Piumaccio, in welchem König Philipps Ansprüche
1) S. Beil. Nr. 26.
2) S. Beil. Nr. 27.
3) Gedrackt bei BayDald l't34 Nr. 2t).
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auf Italien Vorbehalten waren und König Joliann gelobt hatte, Ludwig
nie als Kaiser anzuerkeiinen. Es handelte sich also daru]ii, für eine
Ahäialerung dieses Verti'ages des Papstes Zustiniinung zu gewinnen.
Diese Zustiniinung wird von den beiden Königen gemeinsam erstrebt.
Also ist zwischen diesen ein Vergleich wegen Italiens zu stände ge-
kommen. Um die .\nerkennung dieses Vergleiches handelt es sich.
Eine Wirkung der neuen Verhandlungen ist, dass Gosse und Gariti auch
zu Herzog Heinrich und Ludwig dem Baier reisen. Es bestellt also ein Zusam-
menhang zwischen dem Plane der Verzichtleistung Ludwigs zu Gunsten
Heinrichs und jenem Uebereinkonmieii zwischen Philipj) und .Johann wogen
der Verträge von Piumaccio und Avignon. Dit*ses Uebereinkommen aber
besteht seit längerer Zeit, denn es sind „erneute“ Verhandlungen, die
gepflogen wertlen.
Steht somit aus einzelnen Thatsachen fest dass es die Könige von
Böhmen und Frankreich waren, welche die Vermittlung in der Verzicht-
leistungsfrage übernommen hatten, aus anderen Thatsachen alier, dass
diese Vermittlerrolle im Zusammenhänge steht mit einer Einigung
zwischen den. beiden Königen wegen Italiens; aus andern endlich, dass
diese Einigung muss zu Stande gekommen sein zwischen dem .Vbschlu.ss
des Vertrages von Avignon und dem Zuge Johanns nach Italien, also
zwischen dem 30. Nov. und 24. Dez. 1332: so ist klar, ilass die Ver-
mittler für die Verzichtleistung Ludwigs zu Gunsten Herzog Heinrichs
zugleich auch die Urheber dieses Planes waren, oder bestimmter noch,
dass dieser Plan in der Seele Johanns von Böhmen muss entsjirungen
sein, als dieser es für nötig fand, den König von Frankreich wegen der
Vertrage von Pimnaccio und Avignon zu besänftigen und dessen Verzicht-
leistug auf die Krone von Italien zu gewinnen.
Und worin mag dieses Uebereinkommen Johanns von Böhmen und
Philipps bestanden haben? In nichts anderem als was wir den Rothen-
burger und Frankfurter Urkunden entnehmen oder aus der Zeit des Ueber-
einkommens selbst schliessen können. Beide Könige suchen vereint dahin
zu wirken, dass die deutsche Krone von Ludwig an Heinrich von Nieder-
baiem komme, und Heinrich wird dann das Arelat an Frankreich ab-
treten. So wird also in dem eigenen Verzicht auf die Bewerbung um
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die deutsche Krone und in dem Arelat der Preis zu suchen sein, um den
der Böhmenkönig sich die Zustimmung Frankreichs für seine Herrschaft
über Oberitalien erkaufte.
Sagen wir nun aber auch gleich von vorne herein, dass Johann von
Böhmen sicherlich nicht hoffte und bei der Machtstellung Ludwigs im
Jahre 1333 auch nicht hoffen konnte, er werde in der Hauptfrage etwas
anderes durchsetzen, als zum höchsten die Zustimmung zur Wahl Heinrichs
als dei-einstigen Nachfolgers für <len Fall des Todes des Kaisers. Die
Zustimmung für Heinrichs Nachfolge aber, sowie für seine Herrschaft in
Italien konnte er nur zu gewinnen hoffen, wenn er dem Kaiser Aner-
kennung, Bündnis und Ausgleich in der kirchlichen Frage in Aussicht stellte.
Letzteres war nun freilich der schwierigste Punkt. Denn es standen
sich hier die Gegensätze uoversöhnlich gegenüber. Ludwig würde nie
zu einem Frieden sich verstanden haben, welcher in Bezug auf die
Königs- und Kaiserwahl die Rechte des Reiches verleugnet hätte, der
Papst nie zu einem Frieden, der die Ansprüche der Kurie auf das Ent-
scheidungsrecht in dieser Frage nicht anerkannt hätte.
Aber konnte dem Papste nicht der Schein für die Sache geboten
und er so überlistet werden? Dass man in der That durch List die
Aufhebung des Bannes und Interdikts zu gcwiimen suchte, dafür haben
wir in den Urkunden selltst, sowie in dem Misstrauen und der schliess-
lichen Weigerung des Papstes die genügenden Merkmale.
Aus der Verhandlung mit Hei-zog Heinrich ergibt sich, dass die Erwähl-
img des letzteren abhängig gemacht wird von der Absolution Ludwigs durch
den Papst. Der Papst soll dahin gebracht werden, dass er die Alisolution
ausspreche, ohne dass Ludwig zuvor die Krone niederlegt.') Böhmen
1) Urkuod^ d d. 19 Not. bei Oefele II, 16:i f. Wir Heinrich t-tc. verjehen (dTcnlich an
disen Brief, den wir haben von nnneern Herren dem Khaieer umb die Verzeichnnis des Beichs, dss
ich den nit xai^en soll, noch soll kein Krallt haben, bis das in der Pab>t absolviert annd erlöset von
allem dem das er aof in i^eleit and j^ethan hat nnnd alles das mit tme darin khomen sjnnd, das soll
albio geschehen, er soll den Pahxt pitten, das er im vergeh unnd abneme alles das er wider ioe
unnd den Steel tu Rome gethan hab, mit allen den, die mit ime darein khomen s}'nnd, wenn das der
Pabst thuet entgegen seines Pötten nnnd ainen waren Pötten heraus sennd mit vollem Gewallt, der
in ze Dantchen Lannden offennlicb absolvier unnd abneme alls vor geschriben ist. Es soll auch der
Herr Khaiaer widermeffen nand abnenien, was er wider den Pabst nnnd den StuI za Rom gethaa
hat, wenn das geschieht, so aol der Prief den wir haben Kraft haben unnd voilfnert werden, der Brief
ist geben zu Rottenworch etc.
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5Ö
•
und Frankreich hoffen dies zu erreichen, indem sie versichern, dass
Ludwig nach der Absolution auf die Regierung verzichten werde, und
sie können das versichern unter Hinweis auf Urkunden, welche allerdings
den Schein hiefür bieten. Aber eben auch nur der Schein; denn sie
sind so hinterhältig abgefasst, sie laden so geschickt die Garantie von
dem einen auf den andern ab, dass man auf diu Vermutung kommen
muss, Ludwig habe niemals im Ernste daran gedacht vom Reiche
zurückzutreten.
Am 13. Nov. 1333 verpflichtet sich Herzog Rudolf von Sachsen zu
Rothenburg,*) dass er Herzog Heinrich „zu einem römischen König und
künftigen Kaiser“ wähle, „wenn der Kaiser abginge oder bei dem
Reiche nicht bleiben wollte.“ Heinrich kann hiernach mit Si-
cherheit nur auf die Krone rechnen, wenn Ludwig gestorben ist; ob er
sie früher erhalte, hängt ganz davon ab, ob der Kaiser sich dazu ent-
schliessen will. .\m 19. Nov. verjiflichtet sich dann Heraog Heinrich
selbst in der schon erwähnten Urkunde, den Brief, den er vom Kaiser
halle „um die Verzeichnuss des Reichs“, niemand zeigen zu wollen.
Derselbe solle auch keine Kraft, haben, bis der Papst Ludwig absolviert,
habe.“ üb der Brief des Kaisers von der Verzichtleistung handle als
von einem Falle, der nach der Absolution sofort eintreten wird, oder
als von einem bloss möglichen Falle, wie die Urkunde Rudolfs von
Sachsen, ist nicht gesagt. Es scheint nur das erstere. Auch da, wo
von dem in „Kraft treten“ des Briefes nach der Absolution die Rede
ist, erhalten wir keinen Aufschluss. Es ist nicht gesagt, weis in Kraft
treten soll: ob die Zusage, dass Ludwig sofort zurücktreten wolle, oder
dass Heinrich als ein beim Leben des Kaisers erwählter Nachfolger ge-
wisse Rechte ausübe. Die das nun aber zu wissen wünschen müssen,
brauchten freilich nur sich von Heinrich die Urkunde Ludwigs zeigen
zu lassen. Doch da steht als Hindernis im Wege, dass Heinrich sich
gegen Ludwig hat verpflichten müssen, den Brief niemand zu zeigen!“
Am 6. Dezember gelobt Johann von Böhmen dem Kaiser zu Frankfurt,*)
den Herzog Heinrich dazu anhalten zn wollen, dass er das halte, was er
1) Urk. b«i S<h«idt I. e. 1, Z42 Nr. 3S.
2) Bei Bocbiwr a. *. 0. S. 449 f.
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dem Kaiser in seinem Briefe geschworen, wenn Heinrich „nach Ludwig
römischer König werde.“ Ob diese Versprechungen sich auf Ludwigs
Erijen oder auf Ludwig selbst bezogen, ob das „nach Ludwig“ den Tod
oder die V^erzichtleistung zur Voraussetzung habe, bleibt wieder unaus-
gesprochen.
In einer andern Urkunde vom gleichem Tage') verspricht Johann
dem Kaiser Hilfe wider den Papst, falls dieser die Vorschläge, über ^welche
jetzt noch die Unterhandlung in Avignon schwebe, nach ihrer Annahme
wieder brechen wolle.
Das sind die zwischen dem Kaiser und den deutschen h'ttrsten aus-
gestellten Urkunden. Wir beacditcn, da-ss sie alle wohl geeignet sind,
den Schein zu erwecken, als ob Ludwig zurücktreten wolle, dass aber
in keiner derselben es wirklich ausgesj)rochen ist. und dass die Urkunde
in welcher man bestimmte Aufklärung («rwartet, eben diejenige ist, welche
von Herzog Heinrich niemanden gezeigt werden darf.
Ganz anders lauten die Erklärungen, welche Herzog Heinrich und
sein Schwiegervater dem Könige von Frankreich gel)en. In der Ur-
kunde Heinrichs vom 7. Dezember, in w'elcher dem Könige Philipp für
seine Bemühungen um Heinrichs Nachfolge das ganze Arelat versprochen
wird, heisst es auixlrücklich : es Ixistehc durch Vermittlung des Böhmen-
königs zwischen Ludwig und der Mehrzahl der Kurfüreten ein Vertrag,
nach welchem Ludwig zu Gunsten Heinrichs vom Reiche zurücktreten
wolle.“ Aber auch hier ist zu beachten, dass Heinrich dem französischen
Könige nur versichert ein solcher Vortrag sei vorhanden, sicut per eorum
patentes litcras super hoc editas nobis constat; der König von Frank
reich hat also die betreffenden Urkunden nicht selbst gesehen. Eine
kennen wir; die oben erwähnte von Herzog Rudolf; wenn sie alle waren
wie diese, und es ist sehr wahrscheinlich, dann war es gut, dass Philipp
sie nicht gesehen hatte.
Aber Ludwig hat vielleicht anderwärts sich mit Bestimmtheit erklärt,
dass er zurücktreten wolle ? Auch Albrecht von Oesterreich hat Böhmens
imd Frankreichs Bemühungen um die Absolution in Avignon unterstüzt.
1) Bei Weech a. a. 0. S. 118 f.
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Denn auf Kaiser Ludwigs Sache wird es sich beziehen, wenn der Papst
wenige Wochen vor den Rotlienl)urger Verträgen dem Herzog schreibt:')
Von seiten jenes Angesehenen (nobilis d. i. Ludwigs) müsse die Wahrheit
erst verbürgt imd ein Fimdauiont gegolten sein, auf dein man weiter
bauen könne, und am 13. F'ebruar 1334 werden erneute Versuche des
Herzogs vom Papste dahin beantwortet:*) Wenn ihm von Jenem (Ijudwig)
solche ProjKisitionen gemacht w'orden wären, so würde er mit Freuden
darauf cingegangen sein; denn einen solchen Mann von der Bahn des
ewigen W^rderljens zuräckzuhalten, wäre ihm eine unermessliche Freude.
Aber das. was bis jetzt von ihm angeboten sei, mache es noch nicht möglich.
Auch bis zum Schlüsse der Verhandlungen, die für Ludwig in
Avignon mit Papst Johann geführt wurden, ist von Ludwig seltet keine
bestimmte Zusicherung des Rücktrittes gegeben w'orden, wie aus dem
Schreiben hervorgeht, mit vvelchem der Papst zuletzt, am 28. Juni, seine
Boten an den Kaiser sandte.*) Denn er sagt darin, dass er durch die
Nuntien Philipps von Frankreich und Johanns von Böhmen von dem
Entschlüsse Ludwigs gehört habe, und eine andere Gewissheit noch
nicht hal)e. Wir entnehmen dieser .Stelle zugleich, dass Ludwig seihst
bei den Unterhandlungen sich ganz im Hintergründe gehalten hat, und
dass Böhmen und Frankreich mehr wie vermittelnde Freunde als w'ie
eigentliche Mandatai'e Ludwigs in Avignon sich eingeführt ha1)en.
Und so dürfen wir nach diesem allem unbedenklich annehmeu, d:i.ss
es Ludwig mit der Alxlankung nicht ernst gewesen sei, dass er alier
dem Böhmen gestattete, im Bunde mit Frankreich dem Papste die
Abdankung vorzu.spiegeln , um ihm die Absolution zu entlocken. Es
wird somit auch der Brief, den Ludwig nach dem Abbruch der Ver-
handlmigen an die Woi-mser schrieb*) (24. Juli), die volle Wahrheit ent-
1) Vat. Arch 2'A. Okt t, Beil. Nr .20. Ein andere« Schreiben des Papate-i an d«n Bischof
von Pnsflan vom IH. Febr. (». Beil. Nr. 2^1) bezieht sich off«nb«r aal Otto, den Bmdor Albrechts.
2i Ib. s. Beil, Nr. 22.
S) Bei flayi». Kr. 20 w|q.
4) Bei BSbtner Fontes I, 214: tun wir ew chunt mit disem offen brief, daz daz in unser hertze
noch sin nie cboro noch nimmer chttml, dat wir daz reich, do wir msnijL? zeit uns und den tmiiern
we umb baben getan und u»s hart an choinen ist, bey unserm lebnntigen leyb niemant aus der hant
geben. Wo! ist daz war und wellen sein nicht hekn, dai wir durch chreftigang dez heiligen teiehs
te rat wrden mit aneern fürsten und herren, ob wir nicht enwaeren. daz denn zehant nach uns ein
römischer kQnicb waer etc.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wira. XV. Bd. II. Abth. H
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hulten, wenn er darin sagt, dass ihm eine Verziclitleistung auf das Reich
nie in den Sinn gekommen sei, dass es sich vielmeiir bei den Verhand-
lungen mit den Fürsten wegen Heinrichs nur um die Naclifolge iui
Reiche gehandelt habe.
Etwas der r)i])k)inatie jener Zeit oder dem Wesen Ludwigs Freind-
artigi« wird man in diesem Täuschungsversuche schwerlich finden wollen.
In dem erbitterten Kriege zwischen den beiden höchsten Gewalten war
der Grundsatz: Trug um Trug schon längst nichts Neues mehr. Wa-s
Ludwig und insbesondere den vorliegenden Fall betrifft so bieten die
Prokuratorien des J. 1343 etwius ganz Aehnliches. In diesen zwar zu
Avignon forniuliei-ten, aber von Ludwig als Gnmdlage für die Verhand-
lung angenommenen Prokuratorien verapricht Ludwig, den kaiserlichen
Titel ohne jeden \k)rlx!halt niederlegen zu wollen. Aber in der ge-
heimen Instruktion zu diesen Prokuratorien sagt Ludwig seinen Bevoll-
mächtigten: den kaiserlichen Titel sollt ihr hinlegen; ihr sollt aber nicht
schwören, dass wir ihn nicht wieder annehmen wollen, ihr hättet denn
Sicherheit vom Papste und dem Ki'inig von Frankreich, dass er uns in
einer bestimmten Zeit wiedergegeben werde.') „Nimium lubricus“ so
nennt der gleichzeitige .Ubertinus Mussatus den Kaiser. Und wir handeln
gewiss richtiger, wenn wir auch in der Abdankungsgeschichte den schlauen
imd nicht den schwachen oder streitmüden und im Gewissen unruhig
gewordenen Ludwig als Flrklärung zu Hilfe nehmen.
Aber konnte wohl Ludwig erwarten, dass der Papst auf einen so
unsicheren Boden treten, oder dass er, sobald er inne geworden, dass
man ihn getäuscht habe, die ausgesprochene Absolution nicht wieder
zurücknehmen werde ? Und musste Ludwig nicht auch den Zorn Frankreichs
fürchten, das. durch Johanns List zur Slitwirkung verleitet, in Avignon
gewissermasseu die Bolle eines betrogenen Betrügei-s spielte?
Wenn Ludwig auf die beiden Fürsten sah, die in Avignon das Ge-
schäft für ihn ftthiden. so dürfte die Hoffnung dos Kai.sers, der Papst
werde ihren Versicherungen, werde den Kommentaren des Böhmen zu
1) S. m. AbhanOllun^; D?r kirchffopol. Kampf etc. 8.
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den deutschen Urkunden von Rothenburg imd Frankfiut Glauben schenken,
doch nicht als zu abenteuerlich erscheinen. War ja der Papst der
Wünsche Philipps von Frankreich so gewärtig, wie er dies bei keinem
andern Fürsten war, vmd war doch Johann von Böhmen derjenige, welcher
im Bunde mit dem Papste die Beseitigung Ludwigs erstrebt hatte. Und
war es nicht vor allem Böhmens Interesse, wenn demnächst Heinrich
von Baiern die Regierung dejj Reichs übernehmen wfli-de? So durfte
Ludwig wohl hoffen, der Papst könne allenfalls sich verleiten lassen,
auf die Vorschläge der beiden Könige einzugehen.
Der Zorn des Papstes aljer, wenn er inne werden würde, dass er
getäuscht sei, bot auch nichts dar, was Ludwig von dem Versuche hätte
aljschrecken können. Es blieb doch sehr fraglich, ob der Paj>st den Bann
erneuern und nicht vielmehr gute Miene zum bösen Spiele machen werde.
Denn hatte er den Bann einmal aufgehoben, ohne dass Ludwig die
Krone zuvor niedergelegt hatte, so hatte er ein Prinzij) aufgegehen: er hatte
damit zugcsftinden, dass ein rechtmässiges deutsches König- und Kaisertum
auch ohne des Papstes Zustimmung bestehen könne. Der Papst mu-sste
fürchten, bei einer erneuten Erörterung der Frage nun selbst als Zeuge
für die Behauptungen der kaiserlichen Partei beigezogen zu werden.
Auch jene Frankfurter Urkunde, nach welcher der Böhme zum Kaiser
stehen will wider den Papst, falls dieser das Gewährte wieder zurück-
ziehen wollte, konnte, zu rechter Zeit in .\vignon bekannt gegeben, mit-
wirkeu, um die Erneuenmg des Bannes zu verhüten.
Den andern Fall aber angenommen, dass der Pai»st auf die Bemüh-
ungen Böhmens und Frankreichs nicht eingehen werde : so mussten
doch schon aus den Verhandlungen sellwt dem Kaiser nicht unwesent-
liche politisiche Vorteile ents|)ringen. Denn auf jeden Fall war der
Kaiser dadurch dt-s gefährlichen Böhmenkönigs auf die ganze Zeit der
Verhandlungen sicher. Er hatte Böhmen an sein Interesse gt'knüpft und
von dem Paj)ste abgezogen.
Ob Ludwig wusste, dass der Böbmenkönig und sein iSchwiegeisiohn
den König Philipp duich Täuschung zu ihrem Verbündeten gemacht
hatten, darüber lässt sii-h kaum eine Vermutung aufstellen. Jedenfalls
konnte Ludwig die Besänftigung Philipjjs dem gewandten Böhmenkönige
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überlassen, dem die gleiche schwierige Aufgabe ja auch nach den Ver-
trägen von Piumaccio und Avignon gelungen war.
Die Unterhandlungen der beiden Könige in Avignon sind an dem
Mi.sstrauen des Pajistes gescheitert. Die Nuntien Gasse und Cariti, welche
die Weigerung des Pajjstes, auf die V'orschläge und Versicherungen
Johanns und Philipps einzugehen, diesen überbrachten, gingen im Anfang
des Juli 1334 von Paris aus erst zu Heinrich von Nioderbaiern, dann
zum Kaiser, um sichrere Bürgschaften zu fordern.')
Ludwig aber, als er gewiss geworden war, dass der Papst auf die
Versicherungen der beiden vermittelnden Könige nicht eingehe, begnügte
sich mit dem V'orteile, den ihm die zeitweilige V'erwendung der ihm vorher
feindlichen Fürsten für seine Dienste gebracht, und mit den Kundgeb-
ungen der Sympathie, welche ihm das Gerücht von seiner Abdankung
in Deutschland erweckt hatte, und durch letztere neugestärkt ging er
jetzt daran, den Plan eines allgemeinen Konzils zu betreiben, um durch
die.ses die Kraft seines unbeugsamen Gegners in Avignon für immer zu
brechen.
1) Vat. Arcb. s. B«ü. Nr. ‘^6. 27. and den Brief des PapateB an Ludwig bei Haynald. ■
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Beilage ii.
1.
Tabal. Vatic- Kpistolae (Literae) Secretac. Tom. VII. anni Xlil. u. XIV, Ep. 1HH8. 17. Jan. IttSO.
Johann XXII. an dip Kommune und üniTereitaf* der Stadt Basel.
Warnung vor der Aufnabme Ludwig.«. Anfzählung der Sünden des Baiera,
wobei erwähnt wird, wie Peter von Corvara, der Antipapa genannt wird, sich eine
ganze Knrie geschaffen habe; er habe pseiidooardinales, notarios aliosque offiiciales
inxta moreni, quem servat Komana curia, eingesetzt. Von Ludwig heisst es, er habe
in Italien die Städte nnd Orte, die ihn aufgenommen and ihm gehorcht, verwüstet
zerstört nnd in solche Armut gestürzt, dass sie sich noch lange nicht davon erholen
würden. Deshalb seien auch bereits fast alle Städte, die sich ihm ergeben, wieder
von ihm abgefallen and zum Gehorsam gegen die Kirche znrOckgekehrt, und die
noch nicht zurOckgekehrt .seien, bereiteten «ich eben dazu vor. Nun wolle Ludwig
in diesen nächsten Tagen sich nach Trient begeben, wohin er eine Versammlung berufen
habe. Da wolle er aber auch nur Gelegenheit .suchen, .Anordnungen unter denselben
coloribus diversis exquisitis zu treffen wie in Italien, um auch diese und die übrigen
Gegenden .Alemanniens anszusaugen und in seine Frevel und Irrtümer zu verstricken
Deshalb schicke er sich schon an, nach Basel und in die Gebiete .Alemanniens seine
Beamten, Vikare und Diener zu senden. Unter diesen Umständen ermahne er, der
Papst, in väterlicher Fürsorge ihre Vorsicht und bitte sie in dem Herrn, die ihnen
und ihren Nachkommen drohenden grossen Gefahren zu erwägen, ihren Ruhm nicht
zu beflecken, ihren Schöpfer und ihre Mutter, die heilige Kirche, nicht gegen sich
heransznfordern, auch die über die Anhänger Ludwigs verhängten .Strafen und .Sen-
tenzen nicht zu übersehen, nnd Ludwig und seinen Beamten die Aufuahme zu ver-
weigern, ihnen nicht zu gehorchen, ihnen nicht mit Kat und Hilfe beiznstehen, viel-
mehr ihnen eutgegenzutreten. D. Av. XVf. cal. Febr. .Ann. XIV. *
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Td derselben Weise an die Kommune und UniTersitns von Augsburg, Kolmar
(Baseler Diöcese), Lindau, Schaffhausen, St. Gallen und an die Wingenses (Wangen?)
(alle vier Konstanr-er Diöcese), an den Johanniterprior Rudolf de Vallemassonis, an
die Grafen von Wirtemberg, von Hohenberg, von Zollern, an Rudolf Graf von Ra-
dovria (Rordorf?), Johann Graf von Habsburg, Friedrich Graf von Toggenburg, und
Hesso Markgraf von Baden.
2.
Tab. Vat. Secr. T. VII. a. XIV. Ep. I8K4. S4. April US«.
Johann an alle Herzoge, Grafen, Vieegrafen, Barone, Reneachalle, Justlziarien,
Schöffen, ronanles, rectorea, coniniuultatea, unirersitates und weltliche Herren,
und die (Ihrigen Oelreuen, zu deren Kenntnie dies Schreiben geiangt.
Ludwig, der in Italien alles in Verwirrung und Armut gestHrzt. will nun
da-sselbe oder .Schlimmeres in Alemaunien versuchen. Seine Versprechungen sind Lüge,
da er nur von Fremdem geben kann; denn er selbst kann nach den Prozessen
nichts mehr sein eigen neuueu. in seinem Gefolge sind Michael von Cäsena und
Jakobns, ehemaliger episcopns Gastellanns, der sich für einen apostolischen Legaten
BUsgibt, nachdem Peter von Corvara ihn dazu ernannt hat. Die Adressaten werden
ermahnt, sich den drohenden Gefahren zu entziehen und den Kirchenfilrsteu bei der
Gefangennehmnng des Michael von Cäsena und .Jakobus Castellanus auf alle Weise
behilflich zu sein. D. .Avin. VIll. cal. Mai. Anu. XIV.
3.
Tab. Vat. Kplst. (Literae; Comatanes l*ars IV. anal XV. Ep. 673. tl. Apr. 168].
Johann an die Achte in RBfleiilmHlarh, Kuniia und Yiktring in der Salzburger
Diöcese.
Die Pfalzgrafen bei Rhein und Herzoge von Baierii Heinrich und Otto (Brüder)
und deren Vetter Heinrich haben in der Erzdiöcese .Salzburg und in den Suffragan-
diöcesen einige exacliones et coUectas graves et indebitas erhoben. Dafür haben die
Bischöfe, der Erzbischof und seine Suffragano von Regenshurg, Pas.sau und Chiemsee
und das Kapitel von Freising (während der dortigen Sedisvakanz) über die Herzoge
und ihre Nachkommen die Exkommunikation und über ihr Gebiet da-s Interdikt verhängt
und publiziert. Die Herzoge sind in sich gegangen nnd hal>en schriftlich uml eidlich
versprochen, nie und aus keinem Grunde wieder etwas Aehuliches zu thun. 1^
wurden die Zensuren aufgehoben. Der Papst licstätigt es nnd trügt den Adressaten
auf, darüber zu wachen, dass die Herzoge ihr eidliches Versprechen halten. D. Av.
IIl. ndn. ,Apr. Ann. XV.
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4.
T»b. Vnt. 8«r. Tom. VIII. ». XV. o. XVI. Ep .m 9. Ipr. IMI.
Johann an Johann, Bischof von Langres (Llngonensls), AüminiBtrator der
Kirche von Basel.
Die Bischöfe Bertbold von Strnssbarg und Rudolf von Koiistau/. haben dem
Papste geschrieben, dass sie eine Zusammenkunft unter einem bestimmten Termin
mit einigen Getreuen festgesetzt, um anzuordnen, wie sie Ludwig dem Raier entge-
gentreten sollten, und haben den Adressaten schriftlich gebeten, au ihrer Zusammen-
kunft teil zu nehmen. Der Papst ermahnt ihn, dieser Aufforderung im Interesse
der Kirche und des apostolischen Stuhles zu folgen. D. Av. V. idus Apr. Ann. XV.
5.
ii<>sond«re ICspsel 20.T. Eldl. 17. Apr. ISSl,
Vertrag zwischen dem Papste Johann XXII. und König Johann von Böhmen.
König Johann ist in die Lombardei gekommen und hat drei Städte eingenommen uud
im Besitz: Parma, Reginm, Mntina, zum Präjudiz der römischen Kirche, der jene Städte
gehörten. Die Information (Iber das Itestehende Rechtsverhältnis nahm der König
aber an, übertrug die Städte und wünschte sie im Namen der Kirche fortan zu be-
sitzen. Der Papst neigte sich diesem Wunsche zu in der Annahme, wenn er hoch-
herzig bandle, werde die Treue uud Ergebenheit des Königs gegen die Kirche noch
gestärkt werden und weder für die Kirche noch für Italien würden darans Nachteile
entstehen, vielmehr Vorteile für beide. Er belehnte also den König und seine Nach-
folger mit den drei Städten und ihren Gebieten und Gerechtsamen unter der Be-
dingung, dass der König ihm das homagium, die fidelitas und alle Kapitel, welche
der Lehenseid einschliesst. leiste und dass seine Nachfolger in dem Lehnsbesitze
dasselbe thun. Ferner soll der König die Kapitel garantieren, die er vor der Ankunft
in der Lombardei durch seine Nuntien der römischen Kurie selbst angetrageu hat,
nämlich dass er, wenn er die Lombardei besitze oder nach Verlust wieder erobere,
und Rebellen gegen die Kirche dort finde, diese mit all seiner Macht zum Gehorsam
gegen den Papst und die hl. Kirche zwingen und sie verfolgen werde, wenn sie
fliehen wollten. Ferner dass er der Kirche die ihr durch die Tyrannen in der I.om-
bardei entzogenen Rechte auf dem kürzesten Wege restituieren helfen, und namentlich
auch den Klerus vor ITnrecht schützen und das an demselben verübte Unrecht
rächen wolle.
Ferner, dass er alle Guter, Hechte und Freiheiten des Klerus jevlen Ranges,
und zwar des Ordens- und des VV'eltklerua, schützen und allen Kirchen, Kathedralen
und andern Kirchen in den Wahlen, Postnlationen, Nominationen und Provisionen
die volle Freiheit wahren wolle. Ebenso will er die Kirche ihre Gerichtsbarkeit
üben und alle vor ihr Forum gehörigen Prozesse frei verhandeln und führen und
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bei Appellationen an den römiechen Stahl sowohl die Appellanten als die Appellati frei
r.ur Kurie ziehen lassen. Die zwei Söhne des Königs sollen sich für diese Leistungen
mitverbUrgen und einen Eid darauf leisten. Fenier verspricht der König, dass er
und sein Nachfolger im Lehen die Gebiete der Kirche in der Lombardei schützen
und dass sie nirgends ein Kapitaneat oder Dominium oder anderes Amt auf diesem
Gebiete annehmen ausser mit Lizenz und Zustimmung des Papstes, und ebenso auch
nicht in Tiiscien. Diejenigen, welche im Nameu der Kirche sub obedientia temporal!
Gebiete inne haben, versprechen auch ihrerseits, das Gebiet des Königs zu achten
und nicht zu besetzen. Der König verpflichtet sich ferner, nie das Königreich Si-
zilien oder andere Länder, welche der König von Sizilien besitzt und namentlich in
Piemont und der Lombardei besitzt, zu besetzen oder zu verletzen. König Johann
hat sich aber das Recht gewahrt, wenn der König von Sizilien ilni liehriege und
sein Gebiet angreife, sich zu wehren und Vergeltung zn üben. Der Papst bat
seinerseits erklärt, dass er nie einen Krieg zwischen beiden Königen gestatten werde.
Auch verspricht der König speziell die Mailänder nicht anzugreifen, wenn sic selbst
keinen Krieg erregen und iliin Restitution und Satisfaktion für geschehene Beraubung
und Verletzung geben. Der Papst will unter allen Umständen keinen Krieg zwischen
beiden Parteien zugeben und verspricht, wenn keine Ausgleichung sonst erfolgt,
das justitiae complementnm. Den Besitz des Lehens hat der König selbst zu ver-
teidigen und der Papst ist zur .Stellung von Ililfstruppen oder zur Wiedereroberung
nicht verpflichtet.
Ferner verspricht König Johann, Ludwig dem Baier nie anzuhangen und
ihm nie Hilfe zn leisten, ihn nie als König oder Kaiser extra gratiam ecclesiae
anzuerkenuen, vielmehr wenn es nötig wäre, dem Papste und der Kirche gegen ihn
zu helfen. Der König behauptet, dem Ludwig nie die iidelita.s und das homagium
geleistet zu haben und will es ihm auch in Zukunft- nicht leisten. Erfüllt der König
diese Versprechungen nicht, so verliert er jedes Recht auf das Lehen. Der üohn des
König», Karl, Obergibt dem Papst oder ilessen Bevollmächtigten die .Stadt Lucca und
was er sonst von dem Territorium und Distrikte der Stadt Ijesitzt zur ganz freien
Disposition. Das alles »oll geschehen bis zu dem Feste des Erzengels Michael
im September. Der Papst wird unterdes auch den Frieden zwischen dem König
Johann und dem König von Sizilien, sowie zwischen Johann und Florenz, und mit
anderen, mit weh^hen der König vou Böhmen im Zwiespalt ist, kräftig zu vermitteln
bemüht sein. Der Paizst und der König von Böhmen geben einander das Versprechen
der gegenseitigen Leistungen schriftlich. Die Eidesleistung der Söhne des Königs
erfolgt, sobald cs füglich geschehen kann, nach der Belehnung (lacta investitnra). Nach
der Inve.slitur und Eidesleistung werden noch literae in meliere forma ausgestellt.
Der König wird von nun an in allen Zwistigkeiten mit dem Könige von Si-
zilien dem Urteilsspruche des Papstes sich fügen, unter der Bedingung jedoch, dass
der König vou Sizilien dem Sprache sich gleichfalls unterwirft. Diesen letzten
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Punkt beschwor der König von Böhmen, die Hand aufs Evangelium gelegt, und ver-
sprach ferner, dass er alles, was in den vorhergehenden Kapiteln ihn verpflichte, treu in
der Art und Form, wie man flbereingekoninien, halten und erfüllen wolle. Und
auch der Papst versprach alles und jedes, was ihn darin verpflichte, in derselben
Weise zu halten ; auch befahl er Aber alles dies uuum vel plura publica instrumenta
zu machen. Endlich kamen sie flberein, dass der König von Frankreich von diesen
conventiones zwischen ihnen in Kenntnis gesetzt werden solle — nt sciatur, an vellet
intendere ad quendani tractatum alias secum habilum super statu patrie Lombardie,
quod, si volnerit, in casu, in qno tractatus compleretur, predictus Johannes do-
minus rez Boheniie sibi dictas tres civitates dimittcre teneatiir.
6.
Tab. Vat. Secr Tom. VIII. a. XV. a. XVI. Ep. USU. 5. Jaal 1381.
Johann an Berthold, Bischof von Strassburg.
Ein Bündnis gegen Ludwig mit jenem Fürsten (wird nicht geuauut) sei nicht
raUam, wenn derselbe nicht zuvor zur Kirche selbst zurückkehre. Er möge dem-
selben also zuerst diese Rückkehr Vorschlägen. I). Av. nonis Jun. Ann. XV.
7.
Tab. Vat. S«r. Tom. VIII. a XV. u. XVI. Ep. 177. 18. Aig. IS8I.
Johann an Oddo, Herzog von Burgund.
Untergelwiic des Herzogs haben in Streitigkeiten von seinem Forum oder dem
seiner Beamten an Ludwig als an den Kaiser appelliert. Her Papst verbietet dem
Herzog die Annabme solcher Appellationen. Er verfalle, wenn er nachgebe, den
Strafen, die den Aiiliäugoru Ludwigs angedrobt seien. D. Av. id. Aug. Ann. XV.
8.
Tab. Vat. Secr. Tom. VIII. a XV. ii. XVI. Ep. :t(4. IS. Aug. 18.11.
Johann an die Herzoge von Steltin, Otto und de.H.seii Söhne.
Er habe gehört, dass Ludwig zur Mark Braudeulmrg kommen wolle, um seinen
Sohn in vollen Besitz zu setzen. Iler Pap.«t ermahnt sie, wenn er komme, sich ihm
virililcr et laudahiliter entgegeuzuwerfen und ihn zu bekämpfen. I). Xv. XV. cal.
Sept .\nn. XV.
In ähnlicher Weise an die Bischöfe von Hihlesheim, Osnabrück, Bremen,
Münster, Verden. Lübeck, Ratzeburg, an die (trafen Gerard von Hoya, Adolf von
Schanmbnrg, .Tohanii und Obristian von Oldenburg und Delmeiiborst und an Werner,
den Dentscliordensmeister und dessen Ordensgenosaeu in Prea8.seii.
Abh. d. III Ct d. Ii. Ab. d. Wiss XV. Bd. II. Abth. !>
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9.
Tab. Tat. Comin. P. l. a. IVI. Ep. 101. 2S. S«pt 1S81.
Johann an den Blachof ton Naumbnrg, an den Dekan der Kirche zu Bonn
und an den Scholaatikns 8. Georgli zu Köln.
Diejeuigeu nclche nicht an» Liebe, Ciehursam und Demut den Befehlen des
Papstes sich bcngen, sind durch Strafen zu zwingen. — Dem Baldnin sei
per . . . prcpoaitum et . . . deeauum et capitulum eiusdem ecclesie Magnntine admi-
nistratio spiritualiuni et temporalinm plena et libera übertragen worden, quaiuquam
hoc dicte sedi (apost.) dnmtaxat de inre competat, nach der potestatis plenitudo,
die er besitzt. Balduin hatte drei Mainzer Domherren, Gerhard von Bacemberg
(Banml^erg?), Johann von Kriedljerg und Johann de Fontibus zu iudices archicpisco-
palis curie Maguntine ernannt ; wogegen der vom Papste ernannte Erzbischof
Heinrich andere iudices aufgestcllt hatte. Die iudices Balduins verhängten Ober
verschiedene Anhänger Heinrichs — Prälaten und andere Geistliche der Kirchen
der Stadt und der Diöcese — die Exkommunikation sowie andere Sentenzen
und suchten deren Exekution zu bewirken; apostolische Schreiben Hessen sie in
der Diöcese, da wo sic Macht hatten, nicht zu, bis sic dieselben eingesehen und
approbiert hatten. Ferner hat Balduin den Hermann von Bebra zum Dekan der
Kirche S. Maria zu Erfurt und zu seinem Kommi.ssär daselbst ernannt, der den An-
hängern Heinrichs die Benefizien in jenen Gegenden nimmt, und dieselben den An-
hängern Balduins, die hinwieder durch Heinrich und den Papst mit der Exkommu-
nikation und anderen Zensuren belastet 'sind, erteilt. Der Papst ernennt nun die
Adressaten zu seinen lüchtern und befiehlt, alle Sentenzen, Statute und Mandate,
Privationen und Kollationen, die durch Hermann von Bebra erlos.sen und geschehen
sind, für null und nichtig zu erklären, und ebenso die Handlungen aller iudices des
Baldnin, die ja keine rechtliche Wirkung haben könnten. Er gebietet ferner diesen
seinen Kichtern, mit allen kirchlichen Zen.sureu gegen diejenigen vorzugehen, die
sich ihren Befehlen widersetzeu würden. D. Av. IV. cal. Oct Ann. XVI.
10.
Tab. Vat Coraiii. P. III. a. XVI. Ep. 19. Okt. 1581.
Johann an alle Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, Pröpste und andere Prälaten,
zu deren Kenntnis dies Schreiben kommt.
Enthält die Prozesse des Papstes gegen die Wormser, deren Kapitel nach dem
Tode des Bischofs Konrad (Kuno) den Gerlach de Pincerna (Schenk von Erhacb),
Kanonikus in Speier gewählt und den vom Papste ernannten Salmann vertrieben
hatte, so dass Gerlach in den rollen Besitz des Bistums gelangte. Darauf hat der
Papst iudices ernannt, den Dekan der Kirche S. Gangolph und die Scholastiker der
Kirchen St, Peter und St. Maria ad gradus, die mit allen Strafen bis zn dem
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änsaenten gei^n Propnt, Dekan nn6 Domherren des Kapitels ku Worms, so wie
gegen Vasallen, Belehnte jeder Art, Geistliche und Laien jeden Ranges, welche
Salmann nicht anerkennen wollten, Vorgehen sollten, bis äalmann von allen Bnrgen,
Festungen etc. Besitz ergriffen habe. Sie waren beantragt, die Prozesse mit allen
Feierlichkeiten, auch in Form der Edikte zn veröffentlichen. Die Richter mahnten
also nnter Drohungen Friedrich von Leiningen, den Propst, Dietrich von Borbocb,
den Dekan, nnd die einzelnen Domherrn, auch die Rektoren, Konsnin, Ijehenslente,
Vasallen, Gemeinden etc. Zwei Jahre unterliegen sie schon den Zensuren ohne Be-
kehrnng. Ungefähr 150 Namen von dem Klerus der Wormser Diöcese werden ge-
nannt, mit dem Zusatze, dass noch andere ermahnt worden seien. Als die Ermahnung
nichts fruchtete, wurden sie mit peremptorischem Termin nach Avignon citiert, welcher
Citation keiner der Geladenen Folge leistete, obgleich einige eine Appellation an den
Papst anmeldeten. Pro forma wurde ein Prozess in Rom (?) unter dem Vorsitze
des Kardinals Gaiicelin in contumaciam geführt. Der Gerichtshof erklärte, Gerlach
Pincerna habe kein Recht auf Worms, der rechte Bischof sei Salmauu. Die C'itierten
und nicht Erschienenen seien als coutnmaces zu behamleln, es sei zur Privation ihrer
Benetizien zu schreiten, auch ihre luhabilität auszuspreclieu. Der Papst bestätigt
alles, was der cpiacopns Albanensis entscheidet und trägt seinen Richtern die Exe-
kution auf. Ferner sollen nun auch die Vasallen. Rectores, Consules und Cniver-
sitates der Städte, Castra etc., die zur Diöcese gehören, mit zweimonatlichem Termine
durch Edikte citiert werden an Orten, wo es zn ihrer Kenntnis kommt. D. Av. XIV.
cal. Nov. Ann. XVI.
Ein anderes Schreiben von demselben Datum wiederholt die Hauptsache uud
hebt hervor, dass der Magistrat von Worms die Aufnahme nnd Publikation aller
päpstlichen Schreiben, welche die ^ache des Salmann betreffen, in Worms und an
anderen Orten, wo die Stadt eine Macht ansübt, verboten hat. Die Strafen seien
nun zu vermehren. Das Domkapitel zu Worms wird des Uechte.s, bei eintretemler
Vakanz einen Biscbol zu wählen oder zu postulieren, für immer für verlustig erklärt,
es verliert ferner alle je von den Päpsten erlangten Privilegien, Indulgenzcn, Gnaden,
Ehren, Freiheiten und Immunitäten, wenn es nicht innerhalb dreier Monate zum
Gehorsam zurllckkebrt uud Salmann als rechtmässigen Bischof anfuimmt Auch die
vornehmsten Behörden der Stadt Worms etc., der Burgen uud Dörfer der Diöcese
und die Va.«allen werden verwarnt, dass, wenn sie nicht innerhalb dreier Monate zu
Salmann sich bekennen, ihre Kinder bis zur dritten Generation inclusive als inhabiles
in Bezug auf kirchliche Benefizien erklärt, und die Städte nnd Gemeinden mit dem
Interdikt belegt, würden. Die Stadt AVorms insbesondere, die Universitas und die
einzelnen Bürger, sollen aller Privilegien etc. verlustig gehen ; auch würde zur
Strafe der bischöfliche Sitz, dessen sie nicht mehr wert .seien, an einen andern Ort
verlegt. Es werde ein Beispiel der ultio des verletzten apostdlischen Stuhles zum
Schrecken für die Nachwelt staluirt werden. Eide und BOnduisse mit Gerlach und
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seinem Anhänge seien null und nichtig : auch alle Rechtshandlungen in Bezug auf
Güter und Aemter seien ohne rechtliche Wirkung, und die, welche solche Güter und
Aemter durch Dekrete jener inue hätten, seien exkommuniziert, wenn dieselben nicht
innerhalb zweier Monate znrückgegeben würden.
Ein drittes Schreiben desselben Datums ist an die drei päpstlichen
Richter, die oben genannt wurden, gerichtet. Sie sollen feierliche Ihiblikationen
der Zensuren rornehmen und aufiordern, Schulden nnd Abgaben, die zum bischüf-
licheu Tisch von Worms gehören, an Salmann zu zahlen, nnd überhaupt die Ein-
künfte aller Art. die dom Bischof zuatehen, diesem znwenden. Zu diesem Zwecke
sollen kirchliche Zensnren nnd schliesslich der weltliche Arm zu Hilfe genommen werden.
Ein weiteres Schreiben ist an alle Ordenshänser in Deutschland, an Aebte,
Prioren, Pröpste un<l Konvente gerichtet. Der Pap.«t gebraucht den Ausdruck, er
habe Salmann zum Bischof ad regnuin der Wormser Kirche befördert. Er zeigt
ihnen die über das Worni.ser Kapitel verhängten Zensuren an und befiehlt ihnen
kraft des Gehorsams und unter Androhung der Exkommunikation, den Rebellen
nicht zu folgen, da.s Interdikt nicht zu verletzen, nnd sich namentlich nicht nach
der Wormser Kathedrale zu richten, die ja eben mit unter den Zensuren stehe.
Auch werden ihnen die strengsten Strafen für den Ungehorsam augedroht, wenn
sie auf Ibajuisition die Prozesse gegen die VVormser nicht publizieren, und zwar
so oft und wo sie dazu aufgefordert würden.
11.
Tab. Vat. Comm. P. III. a. XVI. Kp I.'i"". 1«. Juni 1882.
Johann an den Propst des Kloaters S. Georg in Stade, an den Schola-
atiker der Kirche zu Hamburg und an Magiater Jakob, scliolasticiiH eccleaie
Tullensia.
Erzählung, wie er, der Papst, nach dem Tode des Bischols .lohann den Hel-
lembcrt zum Bischof von Schleswig ernannt habe (10. Juni 1331), nnd wie er dem
Hellembert, weil er die littere provisionis nicht schnell genug von der päp.stliohen
Kanzlei habe erhalten können, sofort die .Administration des Bi.stnras Schleswig
übertragen hab. Wäbreud der drei Monate der Administration nun war Hellembert
ira ruhigen Besitz des Bistums und seiner Einkünfte. Weil aber die littere pro-
visionis noch nicht augekommeu waren, so musste Hellembert mit der Verwaltung
inuebalten, and diesen Moment benützten einige der bcnacbbarteii Mächtigen, eine
Opposition zn bilden, die dann bei der Ankunft der littere provisionis so stark war,
dass dieselben in Schleswig nnd au andern Orten nicht publiziert werden konnten,
während jene Nachbarn die Güter des Bischofs besetzten. Die Schleswigcr selbst
seien, hicss es, nur durch die Drohungen von Gewaltthätigkeiten zur Widersetzlichkeit
gegen Hellembert gebracht worden. Der Papst befiehlt nun den drei Richtern, den
Hellembert in seinen Besitz einzusetzen mit Anwendung aller Mittel. D. Av. XVI.
cal. Jul. Anii. XA'I.
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12.
T«b. V»t Comm. P, II. ». XVI. Ep. 1161. 28. Juni 18U2.
Johann an den BIsrhof von Paderborn, an den Abt dea Klosters der iiisula
vor den Hauern von Minden und an den Propst der Kirche St. Johann zu
Osnabrikek.
Erzählt, wie er mich der Kesignation Ottos den Hamburger Propst Heinrich
(Eiricns) zum Bischof von Hildeshoini ernaunt habe, aber Propst, Oekan und Kapitel
zu Hildesbeiiu, um die Reservation wohl wissend, haben den Kanonikus ihrer Kirche,
Heinrich von Braunschweig, zu ihrem Bischof gewählt, und Balduin Erzbischof von
Trier, liat als Erzbischof von Mainz (welchen Sitz er occupiert, sagt der Papst)
ihn bestätigt. Er bat sich zum Bischof weihen la.sseu und das Bistum in Besitz
genommen Die Adressaten sollen nun mit allen Mitteln den vom Papst Ernannten
in den Besitz, der castra, oppida, fortalicia, Güter, Rechte etc. de.s ganzen Bistums
bringen. Sie sollen mit pereiiiptorischen Terminen gegen Propst, Dekan und Kapitel
etc. Vorgehen, die dem Heinrich von Braunschweig geleisteten Homagieu und Eide,
BO wie alle Verträge und Biinduisse mit ihm für null und nichtig erklären, sollen
mit Exkommunikation, Suspension, Interdikt etc. drohen und damit Vorgehen, Ci-
tationeu, Edikte anschlagen etc. D. Av. IV, cal. Jul. Ann. XVI.
13.
Tab. Vst. Secr. Tom. IX. s. XVII- a XVIII. Ep. .>00. 26. Sept. 1832.
Johann. an Philipp, König von Frankreich.
Zwischen Johann König von Böhmen und der erstgeborenen Tochter des ver-
storbenen Herzogs Friedrich von Oesterreich sei eine Heirat verabredet, die der Dis-
pensation durch den römischen Stuhl bedürfe. Er bringe dies zur Kenntni-s .seiner Ma-
jestät und bitte sich eine Meinungsäusserung darüber aus. Mau habe sieb übrigens
dahin vertragen, dass der Friede zwischen den Königen von Böhmen und Ungarn
sammt den Herzogen von Oesterreich unverletzt bleiben solle, möge die Heirat
zu Staude kommen oder nicht. I). Av. VI. cal. Oct. Ann. XVII.
14
Tab. Vat. Se«r. Tom. IX. a XVII n. XVIII. Ep. 627. 1. 0kl. 1832.
Johann au die Edelleute Johann und Hennigo de Slavia, Herren von IVerle.
Sie haben ihm Briefe gesandt durch ihren Nnnliu-s Arnold von Neyenkerken.
Er dankt ihnen für ihre gntc Gesinnung und ftlr ihre Thätigkeit im Interesse der
Kirche. Er bittet und ermahnt sie au-szuharren. Die Prozesse gegen die Söhne
Ludwigs des Baiers sende er in ihre Gegend zur Publikation. Sie wünschten ein
Lehen, aber ihr Nuntius hatte kein ausreichendes Mandat. Die andere Bitte werde
erfüllt. D. Av. cal. Oct, Ann. XVII.
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lö.
Tab. Vat Set. Tora. IX. a. XVII. o. XVIII. Ep. 80. Not. 1888.
Regi Francle.
Dt de hüs que inter iios et carissimum in Christo tilium nostram Jobannem
Regem Boemie illu.atrem acta siiut, pro quo .acripsit serenitas regia et destinarit
nontium, noticiam nrngniücentia regia habeat pleniorem, pandet celsitudini regie cedala
presentibiis intercluaa, (|uam pauci.s maniTestare placeat eiäque imponere sub iiira-
mento prestito, ot in ea cnntenta unlli coimnunicare debeant, scd ipsa secreta tenere.
Gratia doinini nostri iesu christi cor regium in agendis dirigat et protegat ab ad-
versis. amen. Datum li. cal. decembris anno XV^II. '
16
Tsb. Vst. Comm. P. I s. XVII. Ep. H;!. 9. Jan. 1888,
Johaiin an den Bischof von Strasgbiirg.
Die Dominikaner Kourad, Prior, nqd Theodorich, Lektor su Speier, Johann,
Lektor za Bern, nnd Got'/.mann von Hagenau, aus der deutschen Ordensprovinz,
haben berichtet, dass, als sie auf ihrer Kilckkehr von einem Proviuzialkapitel in
dem unter ihrer Leitung stehenden Kloster zu Lampert, Speierer Diöcese, ein-
gekehrt waren, der Ritter Simon, genannt Siachlider, und Arnold, sein Sohn, ferner
Heinrich, genannt Knebel, Jolranu von Watlienheim (Udenheim?), Heinrich de domo
lapidea, Heinrich Skoba, scultetus Nove civitati.s, and Rudeger Plünderer, armigeri,
Rebellen gegen die Kirche aus der Speierer Diöcese, im Bunde mit einigen andern,
einen feindlichen Angriff auf sie machten, weil sie die päpstlichen Prozesse gegen
die Relicllen der Kirche publiziert hatten Die bewaffnete Schaar erbrach die Thorc
des Klosters, tbat den genannten Dominikanern Gewalt an bis zur Blntvcrgiessung,
nahm sie gefangen, schleppte ,«ie durch Dorngesträuch und Gebü.sch in die Burg
Wolsberg und warf sie in den Kerker, wo sie dieselben so lange gefangen hielten,
bis die Dominikaner ihnen eidlich Lossprechung versprachen und alle Gliter des
KIo.sters als Pfand liessen. Die Dominikaner haben nun wirklich den Papst um Ab-
solution für jene gebeten, weil erstlich sic selbst in jene Gegenden ohne Todesgeiahr
nicht mehr gehen könnten, wenn -die .Absolution nicht erfolgte, und zweitens, weil
das Kloster alle seine Güter verlieren wurde. Der Papst ermächtigt den Bischof,
den sakrilegischcn Verbrechern Absolution anziibieteu, wenn sie congrua satisfactio
leisten und die auferlegte Busse öberuehmen. D. Av. V. id. Jan. .Ann. XVII.
17.
Tab. Vat. Secr. Tom. IX. a. XVII. o. XVIII. Ep 88. Febr. 1888.
R«gi Kraiicip.
Hnia in hüs que tructata fneruut inter nos et carissimum in chri.sto filium
nostrum Johannem Regem Boemie Illustrem, dum idem Rex in Romana esset curia.
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regium reservatum non fnit beneplacituni, regiatn foisse intelleximos benivolenciam
pertnrbatam : qnod ex hoc supponimus ntiqne prorenisse, qnod ea que nobis super
illia excellencia regia ecripaerat memoritcr non teneliat, (|ue sie profecto ad saam
revocaaset niemoriani, profeclo nolla turbationia affniaset niateria sed gratiariim pocius
actionis. Per literaa qnidem regias uobia prefati regia negncia velat propria celaitudo
regia oommendavit, ipsaque dco grata reique pnblice expe<lieiitia et ad noatrum et
eiusdem ecclesie honorem et conimodnm asaeruit pertinere, ncc hiia eontenta ad
premiasa promovenda et prosequenda negocia auum proprium ridelicet Magiatrnm
Petrum Galvangiii Parisiensem Canonicum deatinavit nuncium. ipaaque negocia regiis
aliis nuntiia qui erant commcndaTit. Ruraua ai diligenter attendiaaet circumspcctio
regia quam sit tractatua ipae debilie tamque difficilia ad complendum exiatat, utique
nullaro tnrbationis ingessiaaet materiam, pront ex ipsiua tenore tractatua quem celsi-
tudini misimns regie percipere potuit eTidenter. Sed quicquid de hoc tractatnm fiiorit,
hoc pro nobia et Hege prefato excelleucie iam dudum obtniimus ac in presenciarum
offerimiia regie, qnod ai sibi placnerit, a tractatu predicto parati anraua prorans re-
cedere sic quod pro iiifecto penitus lial)eatnr, nec euim nostra nec dicti Regia fuit in-
teutio in predicto tractatn deducere aliqua, que debercnt regie celsitudini displicere.
Hec alias scripsimua, sed qnia nondnm ad noa perveiiit an scripta nostra ad manum
regiam veneriut, iterum duxiinua hec scribeuda, gratia dei in agendis cor reginm
dirigat et protegat ab adrersis. Datum II. caleudas Marcii, anno decimo septimo.
1«.
Tab. Vat Secr. Toro, IX. a. XVII n. XVIII. Ep. .1.?8. 28. Febr. 18S«.
Johann an die Königin von Frankreich.
Dieselbe Angelegenheit. Auch der Nuntius des Königs Philipp, der Pariser
Kanonikus S. Galvanns, hal>e den Traktat mit König .lohanu so empfohlen wie
des Königs Philipp eigene Angelegenheit, und nichts von einem vorv.u behaltenden
regium beneplacitnm gewusst. Die Königin möge durch ihre besänftigende Ver-
mittlung bewirken, quod regalis perturbatio quiescai. Dasselbe Datum.
19.
Tab. Vat. Secr. Toro. IX. a XVII a. XVIll. Kp. ilj». 15. Sept 1SS8.
Johann an Philipp König von Frankreich.
Der König hat gebeten, der Papst möge den Hischof von Lattich zum Erz-
bischof von Mainz machen nnd den Erzbischof von Mainz zum Bischof von
Lattich. Der Papst erwiedert: bei Versetzungen von Prälaten müsse der apo.stolische
Stuhl ein Doppeltes beachten, 1) dass keiner von einem höheren Range zu einem
niedreren herabgesetzt werde nnd '2) dass keine der beiden in Betracht kommenden
Kirchen Schaden nehme. Bei Erfüllung der Bitte des Königs aber würde der Erz-
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bischof von Mainz um seinen Kang kommen am) die Lütticher Kirche wahrscheinlich
Schaden nehmen. Üer jetzifje Bi.schof von Lüttich sei ein mächtiger Mann, habe
viele Freunde und sei doch im Kampfe mit den Mächtigen des Volkes zn einem viel-
jährigen Exil gezwungen worden ; endlich nach grossen Kämpfen und Ciefahreu sei
er im friedlichen Besitz; ein Nachfolger aber würde leicht wieiler den Kampf auf-
nehnien müssen. Auch wäre die Versetzung nur statthaft mit j^ustimmung der beiden
Prälaten und der Domkapitel. Daher rniige der König ihn entschuldigt halten, dass
er auf .seine Bitte nicht eiugehen könne. D. Av. XVII. cal. Oet. Ann. XVIII.
2«.
Tab. Vat Sc«. Tom. IX. a XVII. o. XVTII. Ep. lll!>. i*. Oet. UW«.
Johann an Albre<;ht Herzog von Oesterreich.
Dieser hat den (»rsfen von Oettingen Ludwig den Aelteren und den Kartäuser
Prior (iottfried von Marburg als seine (iesandten mit Propositionen resp. Bitten
zur Kurie gesandt. Der Papst beteuert, dass er die Sache reiflich geprüft und er-
wogen halje, sie könne aber mit den Anweisungen und Vollmachten, welche des
Herzogs Nuntien halten, nicht erledigt werden, die deshalb negocio imperfecto zu-
rnckgeschickt werden. Er sei zur Erledigung der Sache immer bereit, wenn ihm
possibilia ac deo ar.cepta proponiert würden. Dazu seien zwei Dinge erforderlich,
1) quod sibi veritas et misericordia debeaut obviare, so dass von seiten jenes nobilis
die Wahrheit komme, und von seiner (des Papstes) Seite die misericordia, die jeden-
falls nicht fehlen werde, wenn ex parte ip.sius nobilis die Wahrheit assistiere,
2) weil man ohne Fundament nicht bauen könne, so müsse erst ein solches, das noch
nicht vorhanden, gelegt werden. Der Herzog möge ihn also entschuldigen, dass er vor-
läufig auf seine Wünsche nicht eingchen könne. D. Av. X cal. Nov. Ann. XVIII.
21.
Tsb. Vat, Seer. Tom. IX. a. XVH. u. XVIII. Ep. 1120. 31. Oet 13.SS.
Johann an Johann. Prior des Klosters 8. Alban vor den Mauern Ua.sels,
Deneralvikar des Bistums Basel.
Die .Vnhänger Lndwig.s des Baiern (der minister Batanae genannt wird) haben
Berthold. Bischof von Stras.sburg, angegriffen, und der Papst hat an den Adres.sateu
ein Ermahuungsschreibeu gerichtet, dem BUcliof von Btrassburg viriliter und po-
timter beizustehen. Der Papst sagt nun, mit Verwunderung habe er vernommen,
dass der Generalvikar von Basel zwar ein Heer versammelt nnd sich zur Hilfeleistung
für den Bischof von Strassbnrg auf den Marsch begeben, daun aber plötzlich ohne
eine Vereinigung mit den Truppen des t)edrängten ßiscLofs erreicht zu haben, nach
Basel zurückgekehrl .sei. Der l’apst fordert ihn auf, mit von neuem gesammelten
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mul ventärkteu Kräften den Feldzug wieder aufzouelimeu, and dem ßieehof zu Hilfe
zu eilen; er wisse, dass dies auch durchaus im Sinuc des ep. Liiigonensis, des Ad-
ministrators der Baseler Kirche sei. 1), Ar. II. cal. Nov. .Aun. XVIII.
22.
Tsb. Vst, Secr. Tom. IX. a. XVII. u. XVIII. Kj., IliS. 18. IVbr. 1884.
Johann an Albert, Menog von Uesterreich.
Der Papst bat sich über des Herzogs Brief gefreut, nnd dankt ihm für die
darin evident kundgegebene Gesinnung. Wenn ihm solche Propositionen von jenem
gemacht worden wären, würde er mit Freude darauf eingegangen sein. Nobis qnidem
ad ingens gandium cederet, si tantum virum, currentem ad precipicium et mortem
etemani, possenins retrabere ipsumque reducere in viam salutis eterne. Doch was
bis jetzt von ihm angeboten sei, mache es noch nicht möglich. Sed exoramu.s pacis
actorem cemui, ut cor eins humiliet etc. D. Av. id. Febr. Ann. XVIII.
23.
Tab. Vat. Secr. T. IX. a. XVII. a. XVIII. Ep. 112U. 18. febr. 1884.
Johann an Albert. Bischof von Paasau.
Em Herzog von Oesterreich wandlc auf den abschüssigen Wegen, die zum Tode
führen. Der Bischof möge auf denselben einwirken, dass er umkehre; er, der Papst,
werde ihn, obgleich er der Kirche viel Leid zugefUgt, mit Freuden wieder aufuehinen.
D. .Av. id. Febr. Ann. XVIII.
24.
Tab. Vat. Secr. Tom. IX a. XVII u. XVIII. Ep. ll:l:t. 21. Mal 1884,
Johann an Krich, Bischof von Hildesheim. ‘)
Er wundere sich sehr, dass in jener Gegend, wie er aus seinem Briefe sehe,
das Gerücht sich verbreitet habe, der Baier sei mit der Kirche ausgesöhnt, da es
jeder B^ründuug entbehre. Weder er noch andere Getreue in jenen Gegenden
möchten dergleichen glauben, weuu es ihnen nicht durch eine päpstliche Bulle
amtlich initgeteilt werde. Sie sollteu vielmehr kräftig Vorgehen ad publicationem et
executionem prooessnum etc. Er, der Papst, schreibe in diesem Sinne auch wieder
an die Erzbischöfe von Köln, Mainz, Bremen und Magdeburg und an jene Fürsten,
in Betreff deren er, der Bischof Erich, geschrieben, dass sie ihm beistehen möchten.
D. Av. 12. cal. Jon. Ann. XVIII.
1) Ancb bei Kajnald 18.84. Nr. 28, aber ohne nihere Zeitangabe nnd minder genan.
Abb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wies. XV. Bd. 11. Abtb. 10
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Tab. Vat. üacr. Tom. IX. a. XVII o. XVIII. E|>. »»». S6. Jmi 11134.
Johann an Philipp von Frankreich.
Er teilt ihm im .\nschlnii.s den Inhalt zweier Briefe mit, den einen von dem
König von Serbien, und den andern von Ludwig dem Baier [an Lndwig? Der Brief
dea Papstes an Ludwig vom 'JS. Juni (bei Kaynald) weiss nichts von einem von
Lndwig an den Pa|ist gerichteten Briele], D. Av. VI. cal. Jnl. Ann. XVill.
26.
Tab. Vat. Ster. Tom. IX. a. XVII u. XVIII. Kp, «!>!(. S7. Jaai 1*84.
Johann an Philipp von Frankreich.
Nnntien des Königs Philipp und des Johann von Böhmen haben mit dem Papst
in Bezug auf deu ersten Traktat zwi.schen diesem und dem König von Böhmen neue
Verhandlungen gepflogen, deren Itcsnltat des Königs von Frankreich Nuntien ihm
überbriugeu. Dies zeigt der Papst an imd empfiehlt zugleich seine eigenen Nuntien,
den Magister Haymnnd del Casse, Dekan der ecclesia Lingonensis, und Bertraud
Cariti, Archidiakonus Vanrensis, dem königlichen Wohlwollen und bittet, um sicheres
Geleite für sie. D. Av. V. cal. Jul. Ann. XVIII. In derselben Weise an deu
König von Böhmen.
27.
Tab. Vat 8«r. Tom. I.\. a. XVII u. XVIII. Ep. 1001. 37. Janl l.^T4,
Johann an Heinrich, Herzog von Baiern und I^falzgraf bei Rhein.
Der Papst bittet ihn um Wohlwollen uud Geleitsbrief für seine Nr. 2ti ge-
nannten Nuntien. D. Av. \^ cal. Jul. .Ann. XVIII.
28.
Manchen, K. Hausarebiv. 3. Jan. —
Chriatoph von lUincmark ersucht die Kardliiäle , den Papst Johann zu
mahnen, da.ss er die Reclite des römischen Königs Ludwigs anerkenne, und
bittet mitzuhelfen, dass die Eintracht zwischen beiden hergestellt werde.
Ileverendissimis in Christo patribus ac dominis, sacro cardiualinui coctui et
collcgio honorando C., dei gracia Dauornm rex etc., salutem et se ipsum cum omni-
inoda qua potest reverencia et houore. llevereude pateruitati vestre cum humilitate
qua decet attencius intimamus, nos veracitcr peroepiase, ut inter sanctissimum in
Christo patrem ac dominum dominum Johanuem, mlseracione divina sacrosaucte Romane
ac uuiversatis ecclesie snmninm pontificem, ex una parte et magnificum priucipem
dominum Lodovicuni Komanorum regem ex altera dissensio plnrima et grandis dis-
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cordia prochdolor e«t snbnrta, de qtio sine dabio tnrbati aumus non modicuni et
dolemna, ymo diibitamne verisiiniliter et timcniua, <inod exinde proeenire puterint
non aolnm pereouanim et rerum dispendia gnivia, ymo et animaruiii pericnla (|Dani
plurima et scaudala in popnlo in maximam christianitatis et tidei per dixeraaa lo-
cornm diatauciaa forsitan, quod den» auertat, notabile dctrinientum, unde Tobia et
veetrum cuilibet omni inatancia qnB poaaunius supplicamn«, quatenns dominum Jo-
bannein, enmmuin pontiticem predictum, relitis pie nionere et inducere. ut predietum
dominum Lodonicnm, regem Romanornm, inre suo ac iuria aui prosequucione perfroi
amore dei iuaticie et noatrarnm precum interventn velit permittere, prout predecesaorea
Bui, Komanornm regea, pacifice et qniete uai fnerant ab autiqno, et ad conrordiam
inter eoa faciendam propter deum cum efficacia vos interponere digueinini, ad quod,
sicut et pro parte speramua, posse proficere, oooperari et laborare volumua cum etfectu.
Nec miremini, quod pro ipao et bono ipsius tractare volumua et in ania iuatia cauaia
noH iniromittere, quia liliua auua Kliam noatram dnxerat in uxorem, nee aliud de
ipso aentimna, quam quod de tideli chriaticola eat aenciendum, cni testimonium per-
bibent vite aue et operacionia rectitndo, nec nun lama eiuadem non solum apud bonoB
et grave«, verum eciam, ut intelleximua, commnniter apud omnea. Bono et pacia et
trauquillitatis aancte Romane eccleaie et predicti patrU noatri, anmmi pontificia. et
tocina cbriatianitatis libentiaaime intendere volumua, ut tenemur. Valeant in t'bristo
veatre paternitatea reverende per tempora longiora. ticriptura craatino circnmciaionia
Domini.
29.
München, K. Staatsarchiv, J XOmberir, 24, Aa;. ltW2.
Kaiser Ludwig und König Johann von Böhmen verpflichten sirh zu gegen-
seitiger Freundschaft.
Wir Ludewig, von üota genaden Römischer keyser, zn allen ziten ein merer
des rieh.", vnd wir .lohan, von Got.s genaden Kunig zu Beheim vud ze Polan, graf
zu Lucemburg, veriehen vnd tun chunt allen den, die diaen brief sehent oder horent
lesen, daz wir vna Heplich vnd friwentlich mit enander vereinet haben dnreh fride
vnd nutz aller kristenbeit, vnd daz dest minner archwons vnd zwifela zwischen
vns sei, so haben wir beide zu den heiligen geaworn, daz vnser ytweder dem an-
dern getrwB vnd gewär sei vnde vnsem kiuden, noch niht gere noch trachte, daz
dem andern weder an leibe, eren noch gut schade sei, noch nieman dar vf sterchke
noch auweia mit dbeinen sacken an alle geuerde. War auch daz ieman vnser eint-
weder« schaden werben wolt oder wuerken mit worden oder mit werclien, daz aol
der ander furchomen vnd wenden als verre er mach, vnd sullen vns furbaz trwelich.
vnd gäntzlicb an einander lazzen leibes, eren vnd gbts. Vnd zu einer merern Si-
cherheit ao haben wir keyser Ludewig vz vn.serm rat erchom die edlen mann
Bertold grafen ze Henneberg, vnsern lieben swager vnd heimlicher, vnaern swager
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f^raf (ierlahen von Nazzovre, grafi' Ijudnigen von Otingen den eitern, Hernmn von
Liechten borg, vnsern kanczler, graf Friderich von Olingen, .lohansen, bnrgrafen w»
Nöreiiberg, Lndewigen von Hohenlocfa, brnder Henrich von Zipplingeu, lantcho-
mentwr ze franchen, Heinrich den Breysinger von Wollenczsach. So halieu wir .lo-
han, kiinig ze Beheini, vz vuseriu rat erchorn vnsern eyden Herezog Heinrich von
Beyern, Vlrieh von Hanowe, Uyeinen von Kolditz, Wilhelm von Lannstein, Heinrich
von der Leippen, Otten von Bergowe, ( 'hnurat von Luchsenich, Hartman von Krom-
herg, Vlrieh den l’hluchk, vnd die selben habent alle zn den heiligen gosworen. ob
vnser dheiner des vergazze i\nd ändern wolt, des got nicht gebe, daz si daz wenden
aullen mit irein rat als verre si inngent. Vnd wolt man in des nicht volgen, so
sullen si den der vor warnen, an dem man nicht halten wolt. vnd haben si daz
beident halbe gebeizzen, vnd aullen wir in dar vmb nimmer deater feinter sein noch
werden. Der vber haben wir beide gebeten den Hochwirdigen Baldewin, Krczbyschof
ze Trier, daz er geloht hat l>ei guten trwen vnd bei sinem ampt daz selbe ze tun,
daz vnser beider rat gesworen hat. Wir wellen auch, daz alle bnnde stSt beleihen,
die vnser ietweder gen einen frweiiden getan hat, als wir si au vnsern Ijriefen vz
genonien halten. Vnd wellen doch dar inue tnn daz best, daz wir inngen mit Worten
vnd mit werchen, daz zu frwentsebaft vnd eiuung gehöret vnd ziuhet vnd daz krieg
furchomen mach mit guten trwen au allen argen list. Vnd daz die vorgenant
rede alle gancz stät vnd vnzerbrochen beleihe, so haben wir beide des zu den heiligen
gesworen vnd hencheu vnser beider lusigel an disen brief zu einem ewigen vrchundc.
Der geben ist ze Nürnberg an send Barthelemeus tag, da mau zait von kristus
gehurt driutzeheu hundert iar darnach in dem zwei vnd dreizzigstem iar. In dem
.\cht zeheuden iar vnser des keysers richc vnd in dem fünften des keysertums.
Mit den Siegeln Ludwigs und .lolianns.
30.
Cod. Ist Monac. 17.s:W f. 17S d. |:«1.
'Voralellung der für Kaiser Ludwig streitenden Minoriten, die l'nterhand-
Inngen desseiben mit dem Papste Johann XXII. betrelTend.
Quoniam scriptiira testante diviua, qui impio prebent auxilium, ant hijs, qui
odernutdominnm. amicicia coninugimtur, poenam doniini, enins in manus borrendnm est
incidere, promerentnr, snmmopere vereiidnm est christianissimo ac serenissimo priiicipi
domino Lodovico, dei gracia Komanonim imperatori semper angnsto. ne impio deique et
Christiane fidei inimico .lacolto de tiarecto amicicia enniungatnr, cum ipso pacem et
ooncordiam quomodolibet faeiendo, nisi Jacobns snpradictns (Text; snpradictos) suos pn-
blice revocaverit perniciosos errores , omniaqoe iura imperii, qiie nsnrpat indebite,
veraciter non simulate voluerit resignare ac ea, qne insticia exigit, per omnia ad-
implere. Si enim alias pacem dominus imperator ad persnasionem qnoruncunqne.
qni vel inhdeliter consiilunt, vel causam imperatoris minus bene cognoscunt,
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Ecriptaram saci-am et racioneni naturalem ac hietoriaf- fifle digiias, in quibue imperii
iura fnndantur, ignorantes, cnm .Tacobo faceret antedicto, Homannm imperhim,
cjuantnrn in ips-o est, ad nibilum est deducere, inra successonim Miorum principumque
Alamanie, electornni imperatoris, turpiter detrnncabit, peraonam propriam in con-
fiisionem ilahit et obprobrinm ae multipliciter illaqueabit. armai|neabiiciet, que predictue
Jacobna niminm pertiinescit, snos heredes inuumeris ac variis exponet pericnlia ac fideles
et zelatorea imperatorie maieslatisdestruet et confnudet et tandem, qnod omnium pessi-
mum est, ddein indefensam deseret orthodoxani. Quod antem dominus im|)erator, si
aliter, qnani dictum est. se cnm JacotK) composnerit memorato. Komaunm. quantnm
in ipso est, ad nichilnm deducit imperluni, patere poterit evidenter,' si inra imperii,
que prefatna .Tacobns impndenter nsni'pat, in medium deducantur. Primo namque
ad iura spectat imperii. quod Romannm iniperinm, quod regnorum et principatimm
noscitnr esse caput, liberum nunc sicnt fuit antiquitns nec in aliquo plus quam
cetera regna mnudi Romano pontifici siibiectum, ex quo patenter conclnditur, quod
persona ydonea in regem Ronianornm legitime per principes, electores imperatori.s,
electa per Ronianum pqntiticem est uullateuus confirmaudus nec sibi inramentnni
fidelitatis aut vasallatua seu snbiectionis cuiuscuuque in temporalibus prestare tenetur,
nec sic electns est ab ipso, nisi sponte rolnerit. consecrandns, seil Romano pontifice
irrequisito tanquam »erns rex Romanorum anctorilatem optinet Romanuni regendi
impeiinm et disponendi omnia teniporalia, que ad idem spectant imperiom, atque
imperatorem a quo voluerit poterit legitime corouari, quemadmodnm alii reges in*
consnito Romano pontiRce regnornm suornm administracionem suscipinnt et a quibus
eis placuerit coronantur. Quod antem aliqni imperatores Romano pontiRci iura-
verunt ab ipsoqne corouam imperii acceiierunt, respondeo hoc non ex necessitate
sed ex spontanen volnutate seu dexocioue aut lorte ex simplicitate fecerunt, unde
tnlia facientes legem suis sncceB,«oribns, qua talia facere cogerentnr, prescribere minime
potuerunt, cum non habcat iniperinm pnr in pareiii.
Ex predietis eciam colligitur cxideuter qno<l papa quicunqne non habet pote-
statem iniperinm dividendi, dimimiendi rel nugendi, qnemadmodnni alia regna nec
diridere nec augere potest. Ratet eciam ex preniissis, quod papa non potest plus
imperatorem Romanum instituere seu destituere quam qnemcnnqiie alinni regem
cbristianum, nec eciam polest transferre imperiiini sicnt alia regna. tii antem dicatur,
qnod papa transtniit Romannm imperium a Grecis in Germanos, ad hoc et ad qnam-
plura alia, que qnidam pro parte alia allegare conantur, faciliter respondetur, quod
nunquam papa racione papatus rel alicnius auctoritatis vel potestatis sibi date a
Christo transtniit imperium vel qnoniodolibet de imperio ordinavit, i|aemadmodnm
nec regem Francorum, de quo legitur XV. ql cap. VI .diins, anctoritate papatus de-
posnit, aicut gloa<a dicit ibidem ; dicitur deposiiisse. qnia depoiieiitibus conseiisit, hoc
est. auctoritate regui deponentis deposuit. Sic quiequid papa nuqnam fecit circa
Romannm imperium, auctoritate fecit illornni qni potestatem habnemnt de imperio
slisponendi et illam potestatem aliis committendi, et ita potestas de imperio ordinandi
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non plus spectat ad papam racione oSicii papatna quam ad quemcunque alium clericum
Romanum vel civem, quare racione officii papatns non est vacante imperio eiusdem
imperii ricarius repntandua. Sic omuea predictaa libertatea sepedictns Jacobna iniperii
niiitur annullare dicens, Komano pontilici, in quantum eat ricarius Christi et snc-
ceasor beati Petri, Komauum imperium eaae anbiectnm, et qnod in regem Komauorum
riectna, aiite<juam per ipsum fuerit contirmatua, nec rex rocari debet uec aliquam
optinet adminiatracionem regni de iure, et quod elcctua aibi iuramentuin tidelitatis
et snbiectionis preatare tenetur, qnodque non niai per ipaum vel ]>er aliuiu de eins
nmndato |K>teat in inipemtorem legitime coronari, et quod imperium poteat dividere,
diininuere et angere, nnde et andiTimns, qnod queudant tecit libellum, (|uem decre-
talem appellat, in quo aaserit, se provinciara Ytalie ab imperio et regno Alemanie
separasse, et <)Uod poteat imperatorem deponere et alium anbrogare ac imperium de
geilte in gentem tranaferre, et quod vacante imperio Komanomm debet administrare
imperium (|uautum ad omnia iura et iurisdictioues imperii temporales. Ut autem
Jacobus anpradictuH suaa prefatas asserciones nephariaa Tideatnr in scriptura fundare
dirina, novam bereaim detestabilem adinrenit, dicena et ^ereiis, quod Christus, in
quantum homo viator pasaibilia et mortalis, omnium reguornm mundi ac cunctarnm
rerum temporalinm dominium habuit temporale, et qnod per carenciam dominii tem-
poralia ac proprietatis in apeciali omnium rerum tempoi alium non potuit eciam per
diTinam potenciam esse pauper. Hane autem bereaim callide introducit, nt ex ea
concludat, quod papa. in quantum Christi ricariua, potestatem et inriadictiouem
habet super omnia regna resque temporales et mobiles et immobiles univeraas, ex
qua radicc omnes premiase sue asserciones manifeste snmuutur.
Sed ex isto fundameuto propbano inconreuiencia quam plurima preiudicibilia
Omnibus regibus et principibus ac omnibus christianis concluduntur aperte, quorum
primum eat, quod non aulnm Romanum imperium, verum eciam omnia regna ac tem-
poralia universa papa potest auctoritate propria dividere et diminuere ac Iraus-
ferre et destruere pro suo arbitrio voluntati-s. Seenndum inconveniena est, quod sequitur
ex fundaiuento predicto, quod papa potest duces, comitea, atqiie barones alio.s 1
facere reges, e converso de regibus facere principes inferioris dignitatis, ipsis regnis
minime requisitis. Tertium inconveniena eat, qnod regna posaet dare episcopis et epis-
copos ipsos in regia confirmare dignitate, qnemadmodnm de facto quo.sdam archie-
piscopoa et epiacupoa ducea et marchionea et comitea reputat et appellat. Qnartuni
incoureniens eat, quod papa castra et predia ac tbesanros et res mobiles ac im- '
mobiles ((nornmennque chriatianorum licite viileret auferre pro aue libito voluntatis. ,
Quintum inoonveniens quod sequitur est, qnod a principibus Alamauie, electoribns I
imperatoris, ins et potestatem eligendi de iure posaet auferre ac electionem rite cele- |
bratam cassare et aibi collacionem imperii re.servare, aient iste Jacobus de episco-
patibua et aliia diguitatibus predicta facere de facto dinoacitur. Sextnm inconve-
uiensquod seqnitnr est, quod papa vacante imperio quemcunque principatum in imperio
constitutum, nt r^nnm Bohemie, ducatnm quemcouque et omnem marchionatum ac
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7!»
comitatun), si proptrr defectum inaiicnli liere»lis vacavprit, couferre poterit ciii volnerit.
et ita nepotibus et coiiBanj^ineis suis rnsticis et calciariis posaet dare imperii prin-
cipatus. tjeptimum iiiconreuiens quod se<(uitnr est, qaod omnem seiitenciam
imperatoris et cniuscniuiue principis inferioris super causa quacuiique temporali
potest papa si voluerit rerocave ac eciani aiiunllare. Oolavuni iiicouveniens est,
qnod a setencia imperatoris et priucipnm aliorum liceret cuilibet subiecto imperio in
cauais secularibus ad Romanam eccleaiam appellare. Nonum iuconreuiena est, quod
papa posset omnes principes Alamauie et Ytalie pro feudis et aliis temporalibus
vncare ad Roiiianam curiam et citare. Inconvenieucia omnia supradictu et atia plura.
per que libertates tollnntur imperii, ex heresi memorata seqnmitur, quare iiullo modo
poterit imperator cum honore imperii pacem facere cum .lacobo sepedicto, nisi idem
Jacoims heresim revixaverit antedictam oinuesque predictas restituat libertates. Kursus
ad iura spectat imperii, quod quicunque e.lerici, infra imperium rillas, ciritates, castra
vel predia poasidentes, de ipsi.s tribiita et alia servicia imperatori exbibere teneiitur,
uisi imperiali benignitate immunitatem ab huiu.smodi ruerint assecnti, nec ab hniusmodi
de prediis, villis, civitatibns et castris, que tenet papa, raciono papatiis est exeinptus,
nulla enim talia possidet iure diviuo et ideo nou uisi iure huiuano talia poterit
Tendicare, quare inribus ablati's imperatorura et regum iioii potest pai« dicere; hec
villa inea, hoc castrum lueum est, omnia ista potestati imperatorie sunt subiecta,
Amplius ad iura spectat imperii, quod uulla persona seeularis ret ecclesiastica infra
imperium constituta et ipse papa habet aliquani iurtsdictionem temporalem sei iu
causis raere secularibus ex iure diviuo, sed soinmmodo ex conce.ssione libera im-
peraloris. Adhnc ad ins imperii .spectant tota ,\1amauia atque Ytalia universa
ac omnes in.sule adherentes Y^talie et terra sancta tota sc alie tcrre vicine infidelium,
que quonjlum imperio subieete fucrimt, quare ad solum imperatorem Komauuiu
spectat potestos de eiusdem modi disponendi, ,^ed omnia supradicta iura tollere
iiititnr ,lacobus antedictus, cum millam rem temporalem ab imperio recognoscat,
inrisdictionem eciam temporalem non ab imperio se asserit obtiuere, ipsnmque im-
perium turpitcr lacerat et detruncat, cum asseutire iion formidat, quod imperator
Homanu.s super regnuin Jerusalem, Sicilie et Apulie et omnes terras vicinas infidelium,
omnes insulas maris in illis partibus conslitutas, Uomam cum Omnibus civitatibus
patrimnnii, totam Cainpaniam, ducatnm Spoletanum et marchiani jVnchonitanam, co-
mitatnm Romandiole, Boiioniam et Ferrariam nullum ius optinet domiuii temporalis.
Ex pre<lictis igitur liquet aperte, quod, si dominus Imperator, antequaiu Jacobus
memoratus omnia iura imperii autedicia aliaque plura nun de facili enarranda plene
restituerit et iwrfecte reeognoseendo, videlicet quod omnia iura, libertates et terre
prefate ad imperatoriam pertinent diguitatem, composnerit cum eodem, quantum in
eo est, Romanum ad uichilum dedneat imperium, iuraque succe-ssorum suorum et
principum Alamauie electorum torpiter detrnncabit. Insnper personam propriam
multipliciter illaqueabit. Frimo enim de facto fatebitnr, vel prius fuisae liereticum
et scismaticuin ac excommuuicatum et {leriurum, quum vicies ipse Jacobum tanquam
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bereticiim et scisiiiaticum et exconimuuicatnni daoipDaverit, ac quud crederet, ipsnm
esse bereticum, pluries inrainento firniaverit, vel post in fantoriam beretici incidisse^
si aliter, quam dictum est, se composuerit cum eodem. Nam si Jacobus anpradictns
non est bereticus, seJ katholicam predicans veritatem, ergo imperator, quando
ipsuin tauquam bereticum et diKtrinam eins tauquam bereticam condempnaTit, fuit
bereticus reputandus; si vern iste Jacobus est bereticus, ergo imperator componeudo cum
ipso tautor beretici est censeiidus. Secundo, si imperator coiuponendo cum ipso
emn tauquam verum papam recognoscit, alteruni duorum inconveniencium sequitnr
evidenter, videlicet, quod vel imperator habet bereticum pro papa vel habet katbo-
icom pro papa, qui tarnen uuuquam fuit verus papa, quia luce clarins conslat,
qnod vel iste Jacobus est bereticus vel predecessores sui tuernnt beretici, cum
iste et predecessores sui opiniones contrarias circa ewangelicam veritatem, quanim altera
est beretica, quia scripture sacre repugnaus, peiünaciter defensaverint, cum Cbristianos
ad credendum eorum assercionibus penis obligaverint et preceptis. Si autem iste
Jacobus est bereticus. ergo imperator ipsnm recoguoscendo papam habet bereticum
pro papa ; si vero preclecessores sui fuerint beretici, ergo non fuerunt veri summi
pontifices, et per consequens caislinales, qui istum Jacobnm el^erunt, non tuerunt
veri cardiuales, ex quo patenter concluditur, quod iste Jasobus nunquam fuit verns
papa, et ita imperator recognoscens ipsum pro papa babebit pro papa illum, qui
nun<juam fuit papa. Tercio periculosa erit imperatori concordia memorata, quia si
imperator composuerit se cum supradicto Jacobo et ipsum pro katholico et vero
papa babuerit, si postea fiierit discordia inter eos exorta, qnod poterit propter
minimiim castrum accidere, et predictus Jacobus dominum imperatorem excominuni-
caverit, et imperator in eicommnnicacione per aunum manserit, sepedictus Jacobus
imperatorem tauquam relapsum absque andiencia indicabit, eritque novissimus error
peior priori, presertim com imperator post coucordiam eidem tytnlnm beresis, que
ipsum nunc teilet fortissime macnlatum, impouere nequaqiiam poterit, post-
quani ipsum seniel catholicum et verum recoguoverit papam. Nec credat do-
minus imperator, quod concordia sit diu duratnra, quia snperbia Jacobi antedicti et
neipiicia. postquam de causa beresis, quam ultra omnia pertimescit, fuerit expeditus,
ipsum quiescere, quando occasionem contra imperatorem invenerit (T; iuvenerati,.
non permittet. Quarto ex alio erit periculosa imperatori bec coucordia prcdicta,
nam presumendum est, qnod post istum bereticum, cum aliquis katholicus in snmmum
fiontilicem eligatur, qui omnes bereses omuesque faiitores istius Jacobi coudempnabit,
et per consequens dominum imperatorem tauqnam fantorem beretici et pravitatis heretice
condempuabit, jmo dominum imperatorem tauquam bereticum indicabit. Nam si
imiieiator istnro papam Jacobnm verum papam et katholicum recognoscet, ergo inter
oredentes erroribus ipsins et per consequens inter berelicos compntabitnr. Nec
poterit se imperator ita se excusarc sicut ceteri reges, cum imperator magis'quam
alii sit de suis heresibus iuformatus in tantnm, ut ipsum pronunciaverit bereticum
manifestnm. Quinto timere habet imperator concilium generale futnrnm , nam
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öl
si generale fnerit couciliuui celebratum , imperatnr non poterit excnaari , qunm
hereticuB vel faiitor heretici sit censendns, si concordiam fecerit cnm Jacobo anpradicto.
Si enim concilium generale ipsum tauijuam hereticum condempnabit, quod salra fide
oniittere non (loterit, et dominum im|>eratorem eadem seiitencia tanquain fautorein
eins et cre<lentem erron'bus ipsius condempnabit et involvet. Si vero coucilinm ge-
nerale istum Jacobum pronuuciabit katholicum, quod eat minime estimandam, ea-
dem senteucia imperatorem fnisse quandoque hereticum iudicabit. Et ita si imperator
composnerit cum eodem, senteuciam concilii generalis rel in rita rcl post mortem
non valebit evadere et in obprobrinm imperatoris in cronicis et fntnris scriptis auten-
ticis relin(|uetnr, qnod dominus Lodovicus, dux Bavarie, Romanorum imperator
primo papam tanqnam hereticum solemuiter condempnarit, quem postea eidem sub-
iugando imperium tanqnam verum papam et katholicum recognorit. Sexto erit
predicta composicio domino imperator! perniciosa pr<> eo quod, sicut tactum est,
eidem .Tacobo titnlum beresis non valebit obicere, propter qnod eritandum et non
propter aliud iste Jacobus predictam procurat concordiam. Timet enim, ne imperator
aliique katbolici .saltem post mortem eins geuerale procurent concilium celebrari,
quod si rite fnerit celebratum, non est dnbium, qniu tanqnam hereticns condempna-
bitiir. Septimo inntilis erit predicta concordia imperator! pro eo, quod propter
talem concordiam gnelH et alii rebelles imperii imperator! minime adherebunt, ymo
forte iuspirante illo, qni immntat corda, tarn iinperatori quam Jacobo antedicto
titnlum heretice pravitatis imponunt. Revocet antem ad memoriara dominus im-
perator, quo<l guelfi et rex Robertus imperator! Heinrico, non obstante quod in con-
cordia fnerit cnm eccleaia, sibi toto conainiue restiternnt.
Ex prcmissis constat indubie, qnod ei imperator cnm dicto Jacobo aliter, quam
dictum est, pacem faceret et concordiam, se ipsum mnltipliciter illaqneabit. Qnod
antem auos pneros et beredeg innnmeris ac variis exponet periculis, patenter apparet-
Esto enim, quod imperator, dum rixerit, qnamvis cum Jacobo composnerit sepedicto,
se potnerit per potenciam defensare, tarnen qnig sit fnturus imperator post eum.
ignorat, nec seit an erit inimiens .«nus filiornnu|ne suorum mortali.s, quod si con-
tingeret, |et]ad bona herednm imperatoris fntnrns imperator aspiraret, et cum papa
catholico contra ipsos, quod pater eorum fnisset fantor heretice pravitatis, obiceret
et probaret, non apparet, qnod filii imperatoris contra imperatorem fntnrum et papam
ac amico.s eornm possent per potenciam se tueri. Qno<l et predicta concordia in
confn.sioiiem et destructionem caderet amicornm imperatoris, patet aperte. Rosset
enim Jacobns supradictu.s, qnandoennque sibi placeret, hdelibns obicere, quod parendo
domino imperator! favi.ssent beretico et ita penam fantorie bereticorum non possent
evadere. Quare probabiliter est cavendum, quod si imperator nunc cum Jacobo
-supradicto componeret, non inveniret postea sapientes, qni, si ab ipso Jacobo
discordaret, sibi fideliter adberere auderent, qninyino de eins constancia peiiitns
desperarent. Imo per tractatns de pace amicos snos videtnr inlirmara, qnare timentes,
ne imperator compunat cum ipso Jacobo, prius conabuntur compoiiere com eodem.
Abh,d.lII.aa.k .U. d. Wisa. XV. RI. II. .\lith. II
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82
\ovii«ime vero, ri imperator composuerit cum Jacobo supradicto, fidem, quam de>
fcudrndam suscepit a deo, deserit indcfensam, quod in gloria imperatoria maculam in-
delebileni geiierarct, preaertim cum imperator iuraverit, se fidem kathoUcani defen-
surmu. et proccsaus ac sentencias pro fidei veritale publicaverit contra Jacobum se-
pedictiini. Atteudat ergo dominus imperator, quod inxta sentenciam sapientis usque
ad mortem pro inaticia est certandnm et pro iusticia (?) fidei et imperii non solum
per arma materialia sed eciam per arma epiritualia, id est per sacrarum testimonia
aeripturarnm et |ier upertas raciones, qiiibus nnlla lex liumana poterit refragare, quas
sihi sapientes eopioaia'ime ininistrabunt. Mumm inexpugnabilem se opponat et a
seductore predicto Jacobo de Carecto nuUatenus decipi se permittat, sed sicnt sepe-
dictu» iniquua Jacobiis dominum imperatorem conatnr ubique terrarum impie et men-
daciter diflamare. ita dominus imperator suam inuocenciam et insticiam ac fidei
siuceritatcm per sapientes nbique declaret, quod fiet taciliter, si dominns imperator
suam iusticiam iuter sapientes de ipsa plenius informatos et riros literatos contrarium
sencientes fecerit ventilari. Tuuc enim iniuria oonfusa succumbet et iusticia glo-
riosa poteucius triumphabit. Nunc autem facta est in derisum iusticia, qnia
sapientes, quibus est cognita, ipsam declarare minime permittuntur (?). Et ideo
non mirum, si a multis domino imperatori inutiles reputantur, quemadmodum mihtes,
quantnmconque strenui, in prelio videntnr inutiles, si euses suos cxtrahere nulla-
tenns sinerentur.
S. ö, Z. » r. «. 1. Ilieskr').
S. 4a, Anmerk. 1 u. 'i IQr btt4 1.
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Politik und Geschichte der Union
zor Zeit des Aosgangs Rudolfs II und der Anfänge
des Kaisers Matthias
Moriz Ritter.
Abh. d. in. a. d. k. Ak. d. Wipt XV- Bd. II Abth.
12
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V orbemerkung.
Vorliegender Abhandlung liegen haui>tsiichlich folgende airhivalische
Quellen m Grunde: die L'nions-, Wahl- und ISeiehßtagsacten des Berliner
Archivs, die sinn Jahr 1611 eingeroihten und vielfach über diese Zeit
hinansgehenden Unionsacten des Stuttgarter Archivs und die Papiere des
gräflich Dolma’schen Archivs zu Schlobitten. Hinsichtlich der letztem
bemerke ich, dass die Schlobittener Acten aus der Zeit 1612 — 20 vor
mehrern Jahren im Aufti-ng der historischen Commission von Herrn
l)r. Baumann Iwarbeitet sind. Es siml seine Auszüge und E.xcerpte, die
ich zu meiner Abhandlung benutzen durfte. — Dass das nur vorliegende
Quellennmterial kein nach allen Seiten hin vollständiges ist, wird der
Kundige leicht ersehen. Indess da es mir zu genügen scheint, um die
für die allgemeine deutsche Geschichte wichtigem Punkte in's Licht zu
stellen, und da eine genauere Durchfoi'schung des Gegenstandes in nächster
Zeit kaum zu erwarten ist, so glaube ich, mit der Verwerthimg meiner
Collectaneen nicht länger anstehen zu sollen. Für uniuithig habe ich es
gehalten, überall wo ich meine Vorgänger, besonders Gindely (Rudolf II
Band II) und Ranke (zur Reichsgeschichte, 2. Aljschnitt. Werke Bd. Vllj,
ergänze oder ihre Aufstellungen ändere, eine besondere Polemik anzu-
hängeii. Die von mir ungezogenen Acten sinechen für sich selber.
12*
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8fi
Erstes Kapitel.
Die Lage der Union nach dem Jiilicher Erbfolgekrieg.
Die protestantische Union des Jahres 1608 gehört zu den politischen
Schöpfungen, welche durch si-hr lange Kämpfe vorbereitet sind, und doch
bei ihrer Verwirklicluuig fdierall Widei’sprüche und Halbheiten an sich
tragen. Ursprünglich betrieben von einer fortgeschrittenen Partei') deutscher
Fürsten, welche der Politik des j)rotestantischen Deutschlands eine im
wesentlichen offensive Richtung zu geben suchten, kam sie zu Stande als
ein Verein zur Abwehr wideri'echtlicher Angriffe gegen die Person der
Verbündeten und gegen die Lande, welche ihnen zur Zeit des Bundes-
schlusses zustanden. Anfänglich gedacht als eine Vereinigung der Kräfte
und Bestrebungen der gesammteu protestantisirhen Reichsstande, vermochte
sie, als sie im Jahr 1608 begründet und bis ins Jahr 1610 erweitert
wurde, aus Norddeutschland nur Kurbrandenburg, Hessen-Kassel und
Anluilt zu gewinnen, und im Süden musste sie auf den Beitritt der
Grafen, Reichsritter und eines Theiles der Städte verzichten. Wie also
die Union in Wirklichkeit da stand, war sie ein ziemlich enges Verthei-
digungsbündniss: zu einer Vertretung der Rechte oder gar der Interessen
des gesammten protestantischen Deutschlands fehlten ihr sowohl die
Kraft als der Muth. Und doch war und blieb der Gedanke dieser
letztem grösseren Aufgabe das eigentlich treibende Element in der Ge-
schichte des Bundes. Indem nämlich ein Theil der Mitglieder, welche
die An.schauungen der fortgeschrittenen protestantischen Partei mit
besonderer Energie festhielten, dafür sorgte, dass Aufgaben, die mit
einer Vertretung der Rechte oder des Strebens nach Machterweiterung
des gesammten protestantischen Deutschlands zusammenhiugen, den Ver-
bündeten immer wieder entgegengebracht wurden, entstand im Innern
des Bimdes der Gegensatz zwischen den Befürwortern einer kühnen, über
die Gränzen der Unionsverfassmig hiuausgehenden Politik und der Partei
der ängstlichen Zurückhaltung. Durch diesen Widerspruch ist die Ge-
scliichte der Union an erster Stelle bestimmt.
1) Was ich daruDtcr Terttche, habe ich in der AbhamUoog: .Karftlrat August too Sachsen
und Frieilrich III. von der PfaU* nusgefQhrt. Archiv fUr die sächsische Oaschichte. Nene Folge Bd.T.
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87
Den nächsten Anhiss zum Her\-ortreten der sich also entgegen-
gesetzten Bestrebungen bot sclion im zweiten Jahr des Bestehens der
Union der Jülicher Krbfolgekrieg. Es war dies die erete grosso Ver-
wicklung, in welche der Bund hineingezogen wurde, die einzige, in der
er äusserlich bedeutende Erfolge davontrug, zugleich aber auch der
Grund für eine Krisis in seinem Innern, von welcher er sich später nur
unvollkommen erholt hat. Um da.s Auftreten der Union in dem letzten
Kegierungsjahre Kudolfs II. zu verstehen, muss auf ihre Beziehungen zu
diesen .lülicher Wirren zuriickgegriffen weixlen.
Die Union wurde durch zwei auf einander folgende Anlässe genöthigt,
zu den kriegerischen Bewegungen des Jahres 1610 Stellung zu nehmen.
Der erste Anlass lag unmittelbar in dem Streit über die Behauptung
des von Kurbrandenburg imd Neuburg ergriffenen Besitzes der Jülicher
Lande. Dass in diesem Streit ein wahres Lebensinteresse der deutschen
Protestanten zur Entscheidung gestellt sei, war eine Ueberzeugung. welche
die Mitglieder des Bundes ohne Ausnahme erfüllte. Allein gegenüber
der Frage, ob nun desshalb die Union einzugreifen habe, spalteten sich
die Fürsten und die Städte. Letztere beriefen sich darauf, dass die
Unionsacte mit wol berechneter Absicht die Bundeshülfe nur zum Schutz
der l>eim Bundesschluss im Besitz eines Unirten befindlichen, nicht aber
zum Erwerb neu angefallener Lande bestimmt habe; sie verweigerten
darum eine offene Hülfe zur Erhaltung des brandenburgisch-neuburgischen
Besitzes. Die Fürsten dagegen, ohne die Richtigkeit der städtischen
Beweisführung zu bestreiten, stellten das allgemeine Interesse über den
Buchstaben der Unionsverfassung und fassten ihrerseits den Beschluss,
die Hülfe zu leisten. So führte jener erste Anlass zu einem einseitigen
Vorgehen der Fürsten und zu offenem Zwiespalt in der Union.
Eine weitere Folge der nun in den Jülicher Landen emjxjrschwell-
enden kriegerischen Bewegung war es, dass Erzherzog Leopold im Namen
des Kaisers in seinen Stiftern Strassburg und Passaii Truppenwerbungen
anstellte: zunächst gegen Kurbrandenburg imd Neuburg, dann aber auch
gegen diejenigen, welche ihnen zur Behauptung der Jülicher Lande
Beistand leisteten. Da die Unirten sich durch diese Anstalten in ihren
eigenen Landen bedroht sahen, so wurden sie zum zweiten Mal genöthigt,
ihre Stellung zu den kriegerischen Vorgängen zu wählen. Es wurde von
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88
ihnen — und zwar diesmal in Uebereinstimniung mit der Unionsacte
und unter Zustimmung der Städte — der Ilesehluss zu gemeinsamen
(iegenrüstungen gefasst: ein Beschluss, durch dessen Ausführung die
Union zeitweilig stark und gefürchtet in Deutschland auftrat. Indess
nicht lange war diese kriegerische Haltung eingenoiuinen, so kam es zu
neuem Zwiespalt zwischen Fürsten und Städten. Einige von den erstem,
denen die erschöpfende Defensive zu lang dauerte, veranstalteten einen
zweimaligen Einfall der Unionstrup|)en in’s Eisass, um die Streitkräfte des
Erzliei-zogs Le«])old zu zersprengen. In diesem einseitig beschlossenen
Unternehmen, zumal da der Zweck desselben schmählich verfehlt wurde,
sahen die Städte eine abermalige Verletzung der defensiven Unionsver-
fassung, und in ihrem Unwillen darüber gingen sie so weit, dass sie ihre
Beiträge zu den Krtste.u desselben verweigerten.
ln solcher Eage befanden sich die Dinge, als eine Verlegenheit nach
der andern über die Union kam. Während laiopold seine Streitmacht
in der Xachbarseliaft der Uiiirton zusammenhielt, la^gaim die katholische
Liga nach dem Münchener-Abschied vom 4. .September Hi 10 ein zweites
ihnen feindliches Heer aufzubringen. Der Kaiser erliess am 21. .Juni ein
Mandat, in dem er die Einlälle der Unirten ins Eisass. ihre Einlagerungen
und Dui-chzüge dureh verschietlene geistliche Fürstenthümer, endlich die
Union selljer als Verletzungen des Landfriedens bezeichnete: er befahl
die Auflösung des Bundes uiul die Trennung seiner .Streitkräfte ; den
Soldaten kündigte er für den Fall des \'erharrens im Dienste der Union
die Strafe der Acht und Oberuclit an. Wenn die auf solche Weise ein-
gesetzte kaiserliche Autorität sich nicht als leer luid hohl erwcnsen sollte,
so mus.ste auf dieses Mandat die Aechtung der unirten Stände folgen.
Und schon unterhandelten die Kurfürsten von Köln und Mainz üljer eine
Vereinigung der Liga mit den Ständen der protestantisch-sächsischen
l'artei zu gemeinsamem Schutz gegen die Landfriedensbrecher. Während
aber so die Gegner der Union sich erhoben, gingen den imirten Füi^sten
die Mittel zur Unterhaltung der Tru])i»eu aus; von den Städten wui'den
1) IhisR die VerUatHlinngeD Tiber ein ketIioliKh-|>rote«laDti8cbej Bünd»i$a bei der i^ragcr Fiir<teo>
TersAinmlung bcgftnncu, xwar aaf Anlaus der EiofäUe der Unirten ln die Gebiete von btraabnrg,
Würzburg, Bamberg, ia;;t ein Gutaebton des H. Braunschwei^ T,>in 2%. Dec. 1610 uusirücklicb.
(Moser, pntriot. Archiv VI S. 477, 4><2.>
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8!»
neue Leistungen verweigert, so lange nicht die militärischen Anstalten
auf den Fuss strenger Defensive zurttckgeführt , und die Kosten der
Elsässer Einfälle von den Fürsten übernommen sein würden; endlich der
starke Kückhalt der Union, der nicht in Deutschland, sondern in Frank-
reich war, hatte seit dem Tode Heinrichs IV. (14. Mai IG 10) und dem
Eintritt der Uegentschaft seine Zuverlässigkeit verloren, und war jc'den-
falls für offensive Unternehmungen unbrauchbar.
Unter derartigen Verhältnissen war es ein Glück für die Unirten.
dass, während sie selber die Kosten ihrer übereilten Unstungen und Unter-
nehmungen nicht mehr bestreiten konnten, die beginnenden Anstalten
der Gegner alle die Mängel an sich trugen, die aus der Abwesenheit
eines gemeinsamen Planes und zeitiger Vorbereitungen sich ergeben. Nur
dadurch konnte es der Union noch getingen, eine Anzahl von Vortheilen
die sie ihrem frühen Losbrechen verdankte, in Sicherheit zu bringen.
Es wurde durch das Zusammenwnrken der Hülfstruiipen der unirten Fürsten
und der auswärtigen Mächte die volle llesitznahme der Jülicher Lande
für Brandenburg und Neubnrg erwirkt (1. Sept. IG 10); zwischen Union
und Liga wurde ein Vertrag geschlossen auf Grundlage beiderseitiger
Entwaffnung (24. October 1610); und wenn Leopold seine Truppen nach
wie vor beisammen hielt, so wurde doch mit dem Strassburger Dom-
capitel ein Vergleich vereinbart, nach dem sich diesell)en in das Ober-
elsass und auf österreichisches Gebiet zurückzuziehen hatten (24. August).
Im Vertrauen auf diese Abmachungen und gedrängt von ihrer Geldnoth,
dankten dann die Unirten ihre Werljetruppen ab bis auf vier Keiter-
compagnien in der Gesammtstärke von 500 Mann.')
Wie gestaltete sich nun aber — das ist die nächste Aufgabe der •
Betrachtung — nach solchen Erfolgen und Zugeständnissen die Lage
der Union? Um diese Frage zu beantworten, gehe ich nach einander auf
die finanziellen Verhältnisse des Bundes, die innem Zwistigkeiten desselben,
luid endlich auf seine militärische imd politische Stellung ein.
I) Acten III n. 2M. Neben Jen dort gennnntrn drei Compagnien hielt man, wie der Scliwein-
fbrter Abechied, 1611 Man 2S, zeigt, eine vierte Compagnie des Mgr. Anepach im Feld.
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I. Oie Finanzlage und die Innern Zwistigkeiten.
Beim Abschluss der Union hatte man <lie für Bundeszwecke erforder-
lichen Cieldinitttd dadurch zu sichern gesuclit, dass man in den enäten
fünf Jahren (Mai 1608 — Ende 1612) die Summe von neimzig Uömer-
monateu in den folgenden fünf Jahren noch fünfzig Monate einzuschiessen
bes(ddoRs; von dem Bet7-ag der neunzig Monate waren wider zwei Drittel,
also sechzig Jlonate, in den drei ersten Jahren zu erlegen. Die stärkere
Belastung, welche so auf die erste Zeit der L'nioasdauer fiel, hatte den
Sinn, dass man durch die frühzeitige Begründung eines Fonds sich für
die Erfortlernisse späterer Zeiten gefasst machen wollte ; und in der That
wurde der UnionsvoiTatli bis .Anfang 1610 so gut wie unberührt bewahrt.
Aber da brachten die kriegerischen Bewegungen unverlüdtnissmiissige
Anforderungen: bi.s zum Ende des Jahres musste der gesainmte Vorrath
der sechzig Jlonate für Unionsausgal>en eingefordert werden.') An und
für sich hätte man nun eine solche Aufzehrung der ordentlichen Mittel
hinnehmen können, wenn man damit gereicht hätte, und wenn die Ver-
bündeten sich fähig und l>ereit gezeigt hätten, ihre Beiträge gleichmässig
zu zahlen. Aber es war das erste schlimme Zeichen, dass l)ei Einzahlung
der Beisteuern sich die Rückstände häuften. So lange der Kriegszustand
dauerte, war Ordnung in der Bezahlung der Truppen unmöglich, weil
die Gelder so unregelmässig eingingen; und als während und nach der
Abrüstung die Rückstände ernstlicher eingetrieben wurden, berechnete
man im Herbst 1611 noch einen rückständigen Betrag von 137,393 Gulden*),
d. h. ungefähr den siebenten Theil der gesammten Beisteuer.*) Kui‘-
1) Die Reihe der BewilligiiDgOD war folgeode: ein IH. Februar 2 Monate (Acten 111 n. 20 S. 107),
am 13. Mirz 7 Monate (n. 44 S. 136), am 6 April 9 Monate (n. 85 S. 183>, am 19. Juli H und
27 Monate (n. '^7 8. :)49, am 7. December 7 Monate (n. 294),
2) Der Rotenburi^r Kechnungaabtehied 1611 8ept-2 (MQoehen 547/13 f. 261. Stuttgart UnioDS*
acten XI. f. 562. 664), enthilt in seinen Beilagen folgende Zusammenstellung:
Churpfalx 2,704 fl.. Churbrandenburg 86,HK4 fl, (.Qber abzug" von 12,796 und 10,000 fl. in
Datbenos* und äaugenflngers Rechnung), Neuburg — » ZweibrQeken 5,811 fl., WQrteroberg 22,441 fl.
O'/tkr.t Anhalt 1.155 fl. 31'/« kr., Oettingen NOrnberg 9,527 fl. 50'/* kr., DIm 11611., Schwoinfart
1,274 fl. 11 kr., Memmingen 2,480(1., ,Theop1iilns Richius ist der Union schuldig, so er bei Nürnberg
erhebt 5000 A." — Summa IS7..393 fl. 4-V/4 kr. Hiniichtlich Neuburg* wird bemerkt: .obwol s. f. g. «or
60, monatlich 764 fl., und also in lumma 45,840 fl. xur nnion schuldig, ist doch solche post und noch
roerers ausgeben, darüber kein reebnung Torhand«).*
3) £in UnioDsmonat betrng gegen 16,000 fl. (Acten III n. 20 S. 100 Aum. 1.)
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brandonburg war über drei Viertel von seiner Quote schuldig geblieben,
Würtemberg etwa ein Fünftel.
Also die ordentlichen Steuern gingen nur theilweise ein. Dazu kam
als zweiter üebelstand, dass der Betrag derselben bei weitem für das
Bedürfniss nicht ausreichte, und dass Ijei Vertheilung der fernem Er-
fordernisse sich die schlimmsten üngleichhoiten ergaben. Von vornherein
sah man sich im Jahre 1 B 1 1 genüthigt., zur Deckung der auf die gesammte
Union fallenden Ausgaben de.s Jahres 1610, sowie der Kosten der gering-
fiigen Defensivanstalten in der ersten Hälfte von 1611 noch weitere
35 Monate zu bewilligen, womit die bis Ende 1613 fälligen Unionsst-euern
bis auf 5 Monate erschöj)ft wurden.') Da aber auch mit diesen Bei-
trägen die wirklichen Ausgaben nicht zu bestreiten waren, so mus.ste
das andere auf anderen Wegen eingobracht werden; und hier zeigte sich
die schlimme Ungleichheit der Belastung. Da wurde vor allem die für
Behau])tung der Jülicher Lande geleistete Hülfe von den Einnahmen und
Ausgaben der Union geschieden und — abgesehen von den geheimen
imd wenig ergiebigen Darlehen einiger Städte®) — den Fürsten aus-
schliesslich zugewiesen. Dieser besondere Beitrag belief sich auf 35 Kömor-
nionate, oder eine Gesammtsumme von ungefähr 260,000 Gulden.*) Eine
weitere Summe von beinahe 300,000 Gulden wurde den Füi-sten zuge-
schoben fiü' die Kosten der von den Städten nicht gebilligten Einialle
in’s Eisass und einzelner Gesandtschaften.*) Als Ereatz dafite übeniahmen
die Städte bloss einen ausserordentlichen Beitrag von 60,000 Gulden.
Das war die Mehrbelastung der Fürsten insgesaimnt. Eine zweite
Keihe von Ausgaben, die einzelnen Ständen einseitig zur Last fielen, ergab
sich durch die Nothwendigkeit von Vorschüssen und durch die Unter-
scheidung zwischen solchen Schäden und Ausgaben, welche die Union
iusgesjmnnt, und solchen, die der einzelne Unirte allein zu tragen hatte.
t) Roteuborgcr Nebonabschictl 1611Sept.2. Von d«n Mutmten waren 15 Monate imJahrlflll,
20 weitere 1C12 — 14 zu erlef^en. Zar Ergänzung des Unionsfonde »ollten dann 20 weitere Monate
erlegt werden, damit sich derselbe Endo 1614 wieder auf Ö5 Monate stellte.
2) Acten 111 n. 116.
3) Ein Monat «üramtlicher nnirter F&nten ausser Kurbrandeoburg und Neubarg, die hier
natürlich nicht tnitalcuerteu, belief sich auf 7,463 fl. (Acten III n. 20 S. lOO Anm. l.)
4) N&mlich 276.013 fl. für das Elsässer Unternehmen und 13.23S fl. für Gesandtschaften.
Abh. d. UI. CI. d k. Ak- d. Wiss. XV. Jid. II. Äbth. 13
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Schon iin October des Jahres 1610 berechnete Kurpfalz seine derartigen
Vorachüsse und z\Yeifelhaftcn Ausgaben auf nahezu 200.000 Gulden; im
.fahr 1611 legte er ül>er geleistete Vorschüsse eine Kechnung von
284,609 Gulden vor. Nel>eu der Pfalz waren es besonders die drei aus-
schreilwnden .Städte, die zu Darlehen herangezogen wurden: Ulm l>erech-
nete 100,000 fl., Nürnberg 80,000, Stnissburg 64,458.') Nun wurden
allerdings diese Vorschüsse durch die ini .lalir 1611 nachträglich be-
willigten und iiii Laufe von vier Jahren einzuzahlenden Deiträgu allmüldich
getilgt; al>er nicht getilgt wurden solche Ausgaben, welche die Union
den Kinzelnen üborlie8.s. Inwonders Schäden, die bei Durchzügen imd Ein-
fällen erlitten waren, unil Kosten von Anstalten zur Landesvertheidigung,
welche über die von den Unionstagen beschlossenen Rüstungen hinaus-
gingeu.*)
Von letztem Au.sgal)en fiel auf Kurpfalz der grösste Betrag mit
126,813 Gulden; der Miirkgraf von Anspach, dessen Opfer die zweit-
grössten waren, taerechnete 42,749 fl.; dann kam Hes.sen-Cassel mit rund
30,000, Würtemberg mit 27,000, das kleine Zweibrücken mit 23,000 fl.
Neuburg dagegen hatte gar nichts zu verrechnen, die Städte nur unl>e-
deutende Summen.*)
-Man erkennt aus diesen Angaben sofort, dass <iie Lasten der Unirten
gross und ungleich vertheilt waren. Vergegenwärtigen wir uns nun, um
die Wirkung derselben auf die Finanzen eines einzelnen Bundesinitgliodcs
zu ermessen, die Grösse der von Kurpfalz gebrachten Opfer in ihi-er
Gesammtheit. An Unionsteuern zahlte der Kurfürst 95 Monate, für die
Jülichor Hülfe 35 Monate, und für die wegen der Elasser Einfälle den
Fürsten allein zugewiesenen Kosten nochmals 20 Monate:*) das machte
im ganzen 307,200 Gulden*), eine Summe, welche durch Zuzähhuig der
1) Bcila^Ti ßotenborger Hechnuiii?sabxchi<.M)it Straasbarg rechnet« Aaelai^eu von H.
tiod ein baarett I>ark*hen von 6000 fl. - Von «ier pfiUzi»chen Forderang müssen nach Ausweis eines
Verxeichoissea von 1618 i München 548/2) schliesslich nur 2.^6,04^ fl. 46‘/> anerkannt sein.
2) Rotenbnrger Rechnungsabschted.
') Zusaiiimeiutcllnng von 1611 München 547/18.
4) In einem besohdern Abschied zu Hotenbnrg (Stuttgart. Uoionsacten XI f. 570) Übernahmen
die Fürsten diese Steuer
5) 204X X 150.
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ebüu tTwühnten 126,813 fl. auf 434,013 fl. stieg. Dazu kuiuun dann
die Vorschüsse von rund 284,000 oder 2.56,000 fl., die allerdings später
znrückgczahlt wurden'), aber doch in Jahren 1610 — 11 aufgebracht
werden mussten. Möge man nun eine Gesammtausgabe von nmd 430.000
oder von 700,000 Gulden rechnen, jedenfalls, wenn man diesen Summen
die ordentlichen Einnahmen der pfillzi.schen Centralverwaltung*! gegen-
übeintellt, die im Jahr 1599 gegen 250,000 Gulden betrugen und in
den folgenden eilf Jahren immerhin auf 300,000 Gulden gewachsen sein
mögen®), so ergiebt sich, dass der kleine Krieg von 1610 der Pfalz
el)enso schwere Oj)fer auferlegte, wie sie ein gn)sser und verlustreicher
Krieg von einem grossen Staate fordern würde.
Die Ausg.aben von Kui-pfalz waren freilich die bedeutendsten, welche
für die Unternehmungen .der Union von einem einzelnen Bundesstande
geleistet wurden; aber in einem ähnlichen Missverhültniss zu den Mitteln
stanilen doch auch die Opfer der Uebrigen. Es war eine Ueberanstrengung
welche den Unirten zugemuthet wurde; und theils hierdurch, thcils durch
den wenig glänzenden Verlauf der kriegerischen Vorgänge, wurde seit
Ausgang des Jahres 1610 eine sehr bedenkliche Stimmung in der Union
hervorgenifen: statt dos Vorwärtsdringens vom Anfänge ties .lahros kam
jetzt die defensive Hichtung vollständiger zur Geltung als früher; statt
des V'ollgefühls erkämpfter Triumphe blieben gereizte Empfindungen
zurück; und als die Vertreter einer von diesen Stimmungen tmd .\bsichten
beseelten Partei traten den Fürsten die Städte entgegen.
Es ist nothwendig, die damalige Haltung der Städte näher in’s Auge
zu fassen. Nachdem man ihnen bei ihrem Eintritt in die Union die
doppelte Forderung zugestanden hatte, dass sie ei'stens sich nur zu einem
1| Bis 161*> waren 174,27*J fi. bezalilt. (Vemichni«e« München 54H/2.)
2) Ich brauche diesen Aufdruck, weil die Konten der AmUTerwaltunj^ und die ihnen enteprech'
enden Einnahmen besondere Terrechnut wurden, und stomit das Einnahmebud^et des pfalsischen Hofs
sieh niedriger stellt, als sieb nach heuti^-er Berechnuni'sweise stellen würde.
B) Vjr). meine Biographie Friedriehs IV. (ÜeutMhe Biographie VI S. 616.) und Acten 1 S. *>3
(dort ist Z 2 r. n. statt ;KK),000 fl. — 300,tM)0 sendi in lesen). Bei der Summe von 2-50,000 Ö.
ist der Betrag der noter dem Titel der TQrkenhÜlfe erhobenen Steuer nicht einbitgriffeo. Bui Km<>
rechnuDg derselben würde sich das pditzisebe Budget abermals erheblich höher stellen. — Das Wachs*
thnm der Einnahmen wird man annehmen müssen, wenn auf die Häussersche Angabe von :ld6,000 fl.
Einnahme in den Jahren 1616— IS (Gesch. d. Pfalz II S 6-59) Verlass ist.
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defensiven Bündnisse verpflichteten und zweitens bei Fassung genieinsanier
Beschlüsse einen den Fürsten nicht ganz aber doch beinahe gleichen
Stiimnantheil haben sollten, hatten sie es erlebt, dass in den Elsässer
Unternehmungen nicht nur die Schranken der Defensive überschritten,
sondern die darauf zielenden Beschlüsse ohne ihr V^orwissen von einem
kleinen Kreis von P'ürsten gefasst und sofort ausgeführt waren.') Hieraus
entstand ilire Opposition gegen das offensive Vorgehen der Fürsten, und
diese erhielt ihre eigentliche Schärfe durch den Argwohn, inan wolle die
Städte zu einer dienenden Klasse in der Union erniedrigen. Wie in Folge
des-sen die Städte den Fürsten ihre Mitwirkung versagten, ist oben be-
rührt. Es kam aber auch gegen Ende des .lahres IG 10 soweit, dass der
Nümberger Kath die Frage zur Erwägung stellte, ob die Städte den
Bund nicht lieber ganz verlassen sollten.*) Dieser Gedanke wurde aller-
dings mit Bestimmtheit zurückgewuesen ; allein bei der Unionsversammlung
in Schweinfurt (März IGll) übergaben die Städte den Füi-sten eine Zu-
sammenstellung all' der Vorfillle, durch welche sie die ihnen zukommonde
Stellung im Bunde als verletzt ansahen.*) Wie nothwendig es den Fürsten
erschien, solche Klagen zu beridiigen, erkennt man aus der Bereitwillig-
keit, mit der sie sich die Kosten der einseitig beschlossenen Unternehm-
ungen auf bürden liessen, mid aus der Eile, mit der sie die Abrüstung
der Union horbciführten.
Durch solche Nachgiebigkeit der Fürsten wurde indes-s die Lage
der Union wol thoilweise gel>es.sert, aber auch theilweise verschlimmert»
Das Vertrauen zwischen Fürsten und Städten blieb gestört und jedenfalls,
jeinehr den letzteren Rechnung getragen wurde, um so mehr kam der
Grundsatz ängstlicher Zurückhaltung zur Anerkennung. Nicht besser
gestalteten sich ferner die Dingo dadurch, dass zu dem allgemeinen
Gegensatz zwischen Fürsten und Städten eine Reihe von be.sondern Dif-
ferenzen miter den Fürsten selber kamen: so entfernten sich, um nur
1) D«tn erst«n K|ji&M<;r Einfall die Bestimmung dce Heidelberger Abuchied« (1010 Min Bl)
über Zerstörung der MusterpUtzo zu Grunde. (Acten 111 n. 44 S. Bi7). Uebcr dio Mitglieder der
Heidelberger Tagsatzong Acten JIl n. 47 Der zweite Hlaasser Einfall wurde zwischen Eandgraf Mortz,
KttrpfaU, Aiinpach und Baden beschlossen. (Acten HI n. 145.)
*2) Acten 111 n. 2!)1 Anm. I.
•I) Abschied 1611 Marz 2.1. (tJtuttgart, Unionsacten IX f. 251.)
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xlas wichtigste zu berühren, Würteiiiberg und Culinbadi in ihrer politischen
Auffassung von ihren Standesgenossen und näherten sich ilem Standpunkt
der Städte; zu den Streitigkeiten zwischen Itrandenburg und Neuburg
filjer die Jülicher Lande brachte nach Friedrichs 1V\ Tod (Sept 1610)
die Frage der vomiundschaftlichen Regierung der Kurpfalz einen neuen
tiefgreifenden Stroit zwischen dein Inhaber der Regierung, dem Herzog
Johann von Zweibrücken, und dem Fnitendenten denselben, dem Herzog
Philipp Ludwig von Neuburg.
War aber seit Ende 1610 der Stand der Dinge darnach angethan,
um derartige Zwistigkeiten und unter demselben die übereilte Entwaffnung
ohne Gefahr zu gestatten ? Ein Blick auf die politischen und militärischen
Verhältnisse wird darfll>er aufklären.
II. Die militSrische und politische Lage.
Von den beiden kriegerischen Unternohmimgen dos Jahres 1610
hatte diejenige, welche gegen Jülich gerichtet war, den zur Union ge-
hörigen Fürsten, Kurbrandenburg und Neuburg, die Festung Jülich und
damit den vollen Besitz der Jülicher Lande verschafft; aber es fehlte
für die Sicheidieit dieses Besitzes an jeglicher Gewähr. Gerade während
des Kampfes war das Haus Sachsen vom Kaiser mit den umstrittenen
Landen belehnt, der Kaiser hatte also die Pflicht übernommen, dieses
Haus in den Besitz der übertragenen Lehen einzuführen. Wenn nun die
imirten F'ürston nach jenem äussern Erfolge sofort ihre Streitkräfto ont-
hessen, in dem Gefühl, dass man eine derartige Hülfe nicht sobald wieder
zusitminenbringen könne, .wenn Frankreich seine Truppen zurückzog in
der Absicht, sich in diesen Streit so leicht nicht wieder einzulassen, so
musste man wol besorgen, dass die Gegner der besitzenden Fürsten ihren
Angriff zur gelegenen Zeit erneuern wünlen. Schutzlos imd gefährdet
Hessen die Unii'ten ihre Bundesgenossen in Jülich zurück.
Nicht viel günstiger erschien auf den eisten Blick die L.age der
gesaminten Union auf dem andern Schauplatz kriegerischer Bewegungen,
in Oljerdoutschlaud. Während der Bund seUief gegen Ende des Jalu-es 1610
seine Werbetruppen bis auf 500 Reiter zu entlassen genöthigt war, zog
sich das kleine Elsässer Heer des Erzherzogs Leopold nach dem Willstätter
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Vertrag vom StrassUiirger Stift in das Oherelsass ; dort blieb es, den
Unirteii in drohender Nähe, beisammen, und als im flecember 1610 die
Alsianknng tjegann, geschah sie so langsam und /.weidentig, dass die
Besorgniss vor dem Klsn.sser Volk die Unirten bis ins Friihjahr 1611
stetig in .\them hielt.') Das zweite Heer des Erzherzogs im Stifte Passau
sollte nach den Bedingungen des Vergleichs zwischen Kaistn- Undolf und
Matthias (Sept. — Oct. 1610) ebenfalls abgedankt wonlen; alsT auch dieses
blieb beisammen, und erst als es sich im Decemlier 1610 nach tlber-
Oesterreich und von da nach Böhmen wandte, erleichtert!- es die Furcht
der Unirten, ohne sie zu heben. Der einzige Wiilersacher der Union,
der ehrlich, wie er es zngesagt hatte, seine Tru|>pen entliess, war Herzog
Ma.vimilian von Baiern als Haupt der katholischen Liga.
Wenn also die Union im Frühjahr 1610 durch ihr rasches Ergreifen
der Waft'en die Gegni-r geschre<-kt hatte, so stainl sie zu Anfang des .Jahres
1611 den kaiserlichen Streitkräften beinahe wehrlos gegenüber.“) Es
war das ein Umschwung der militärischen Verhältnisse, dessen volle
Gefahr ei-st durch die gleichzeitige Wendung der politischen Beziehungen
klar wird. Als König Heinrich IV. von Frankreich im Februar 1610
sich mit der Union über das .lülicher Unternehmen einigte, war zugleich
eine gegenseitige Unterstützung verabredet, falls der König wegen der
Jülicher Hülfe, und falls die Unirten wegen einer mit .Jülich oder der
Union zusaminenliängenden Angelegenheit sollten angegi-iffen werden. Als
dann aber an die Stelle des Königs die haltlose Hegentschaft getreten war,
erlangte man von derselben mit Mühe die versprochene Hülfe für .Jülich;
jene allgemeinere Abrede dagegen wurde lautlos bei Seite geschoben.*)
Das will sagen , es wurde die Verbindung der Union mit I-'rankreich,
in welcher die Hauptstärke derselben lag. im wesentlichen gelöst, .\ller-
dings zeigten dafür in derst-lben Zeit England iind die Staaten sich bereit-
1) AvtcH III n. Kurpfalz an Wftrtembprjf. Kill Jan. 21. (Stuttgart, rnionünoten XI f. 4.)
Wormwr uiul Schweinfurltfr Ab<iclii«d. F«br. 10, Mürz 2^1. (Stuttgart. Unionsacten IX.)
Bei <len Ver«aminlun'/cn zu Speier (1610 I>cc. Acten III n. ShH). WorniB (1611 Febr.) untl
SchwHnfurt (1011 M&n), an denen lich Dbrigciiz nur einige Unirt« iMtiheiügten, wurde Ober di«
GrOndong einer Landrettung gehandelt. In Sehweinfurt benehloiiii man die AufAteliung von 20(K) Mann
t. F.. die dann im Mai. zugleich mit den noch unter den Fabnen gehaltenen EeiUrn. wider abge>iankt
wnrdeii. (Kurpfalz an Würtemberg. 1611 Mai VI Stuttgart. Uiiiomiiict n. X C2'>)
:t) Acten III ii. 2W.
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willig, ein älmliches, nur in den Ansätzen iler Hülf<! viel liescheidontu-es
Bündnit« mit der Union zu schliessen. Allein die Verhandlungen dairfiljer
kumen nicht vorwärts, erst in den Jahren KJ 12 — 14 gelangte man zu
definitiven Abschlüssen. Vom Anfang des Jahres Hill kann man sagen,
dass damals die politischen Beziehmigen der Union nicht viel günstiger
waren als ihre militärische Stellung.
Mitten in solcher Ungunst der Dinge gab es nun aljer wider ein
vortheilhaftes, freilich von dem Willen uml der Weisheit der Unirten
unabhängiges Verhältniss, w’elches ilmen schon im Verlauf der kriegerischen
Actionen zu statten gekommen war: das war die Zerfahreidieit und der
Zwiespalt im Lager ihrer Gegner, vor allem der Streit zwischen Kaiser
Uudolf und seinem Bruder Matthias. Diesem Streit hatte die Union es zu
verdanken, dass sie am Ende ungefährdet blieb, ja dass sie in unerwarteter
Wendung von denen, die sie anfänglich bedrohten, zu einer nicht ganz
unbedeutenden Wirksamkeit berufen ward. Den Ui'sju'iing und Verlauf
dieser Wendung haben wir in’s Auge zu fassen.')
Zweites Kapitel.
Die Union und der Ausgang Kiidulfs II.
«
Durch das gegen die Unirten erlassene Mandat vom 21. Juni 1610
hatte Budolf II. die Autorität «ler Reichsregierung in solcher Weise- ein-
gesetzt. dass, w’enn dieselbe nicht beschimiift werden sctllte, entweder die
Union sich a\ifl()sen, oder ein offener Krieg des Reichs gegen den wider-
spenstigen Bund geführt werden musste. Was in Wirklichkeit nach jenem
Erlass geschah, entsprach weder der einen noch der anderen Folgerung.
Von Seiten der Union wimle eine heftige Etitgegnung an den Kaiser
verfasst, und tlas Mandat zur Seite geschoben. Von Seiten des Kaisers
kam den Unirten im Octobi'r 1610 eine Erklärung zur Kenntniss: er
1) Die Entwicklan^ tU*r binher vielfÄch berührten JüUeher SMcbe ich in Folg:en«ieni fatleii,
weil <iie Union, oder nach oor die unirten Fünften in ihrer Gc»amiiitheit. seit Endo 1610 für dieselbe
nicht mehr eintraten.
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wolle mit denselben iin unguten nichts zu thun haben.') Ja einer von
den Intriganten, die damals den Kaiser zu frevelhaften Entschlüssen
drilngten und halbe Zustiimmmg und hall« Aufträge von ihm auabrachten,
eröffnute schon im Se])teml)er dem Herrn von Uosenberg, dass der Kaiser
gewillt sei. .siqh selber in die Union zu begeben.*) Wie hängt ein solches
Ende mit einem solchen Anfang zusammen?
Bei dem Versuch einer Erklärung muss man von vornherein fest-
halteu, dass damals am kaiserlichen Hof von Einheit und Cormequenz
in der Regierung gar nichts, von dem Dasein einer Reichsregierung über-
hau j)t, insofern es sich in bindenden Entschliessungen und Erlassen änssert,
nur wenig zu erkennen war. Der Kaiser wurde berathen bald von den
in Prag versammelten Fürsten und den obersten collegialen Behörden,
bald und mit Vorliebe von Abenteurern und Intriganten, deren Haupt der
Erzherzog Leopold war. Wenn im Namen des Kaisers gehandelt und
verhandelt wurde, so geschah es gerade in den wichtigsten Fragen weniger
auf bestimmte kaiserliche Entschliessimgen, als a«if unsichere Aeusser-
ungen und zweideutige Zustimmung des Monarchen zu ertheilteu Rath-
schlägeii. Die.se Zerfahrenheit zeigte sich in der gesammten .Jülicher
Verwicklung, vor allem in <ler Angelegenheit der in Passau gesammelten
Truppen. Allenlings waren es klare Erlasse, durch welche Rudolf 11.
am 14. Juli 1609 den Erzherzog Leopold zum Haupt der kaiserlichen
Commission in Jülich ernannte, .und am 9. .lanuar 1610’) die Vollmacht
dessell«!» zu Truppenwerbungen kund that. Allein als das Heer in Paasaii
gesammelt, und über seine Verwendung zu entscheiden war, da wurde
kein bindender Entschluss gefasst, sondern nur wilde Pläne zwischen dem
Kaiser, dem Erzherzog Leopold und den Anhängern desselben erwogen
Nach dem wiö vorausgegangen war, mussten die Trupj>cn zur Vortreibung
der besitzenden Füraten aus den Jülicher Landen und zur Bekämjifung
dei’ jenen Fürsten boistchenden Union verwandt werden; in Wirklichkeit
standen aber in jenem Kreise schon im Frühjalir 1610 andere Gedanken
im Vordergrund: die Rückgowiimung der an König Matthias abgetretenen
1) Acten III n. 2'<S S. -t-Sl.
2) Acten III n. 24»,
3) Karl. Beiträgf zur tiuachichtc Oesterreich» o. d. E. IV S.
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Lande, die Erhebung LeopoldB zum ImhiniBcheu und römischen Könige,
eine kirchlich-politische Reaction in den böhmischen Landern Als daher
das erwähnte Mandat erging, war die Politik, deren Ergebniss es war,
in der Hauptsache von der kaiserlichen Regierung schon verlassen.
Bei alledem wurde zur Ausführung der neuen Pläne eine feste Ent-
schliessung nicht gefasst, sondern in beispielloser Perfidie und Unent-
schlossenheit in’s ungewisse vorangeschritten. Als die in Prag versam-
melten Fürsten den Kaiser, statt ihn in seinen Absichten zu unterstützen,
zu einer scheinbaren Vensihnung mit Jlatthias nöthigten, rangen sie ihm
da.s Zugeständniss ab, dass die Passauer Truppen, weil sie der Versöhnung
im Wege standen, abgedankt werden sollten. Das geschah in den letzten
Tagen des September.') Dann dauerte es bis zum “23. November ehe ein
wirkliches Decret über die Abdankung erging;*) und in derselben Zeit
wurde wieder im stillen der förmliche Beschluss gefasst, die Abdankung
nicht geschehen zu lassen.*) Zur Ausführung dieses Beschlusses geschah
vorläutig nichts, als dass den Truppen die vor ihrer Entlassung zu be-
richtigende Besoldung nicht gezahlt wurde: eine bestitnmte Weisung über
ihre fernere Verwendung wurde nicht ertheilt. Erst als iin December 1610
das verzweifelte V’olk unter dem Obersten Raine, der in die geheimen
Pläne eingeweiht war, eigenmächtig aufbrach, zunächst nach Oberöster-
reich, dann nach Prag, da endlich kam eine gewaltsame Action, die sich
naturgemäss gegen Matthias und die protestantischen Stände Böhmens
kelirto, in Fluss.
Bei dieser Lago der Dinge wird man es liegreifen, weshalb der
Kaiser im Octoher 1610 mit den Unirten im unguten nichts mehr zu
thnn haben wollte. Aber eine weitere Folge dieser Wehdung der kaiser-
lichen Politik war es, dass die Union in dei-selben Zeit eine zweite nicht
minder vortheilhafte Annäherung erfuhr. Oleich beim Beginn der
Passauer Rüstungen hatte König Matthias die gegen ihn gerichteten Pläne
geahnt und zu seinem Schutz sowol militärische Anstalten getroffen, als
auch politische Verbindungen gesucht. Eine der Mächte, mit denen er
1) Hibcrlin XXIII. S. “25S fg.
2) Oindely, Rudolf II, 6d. II S. 178.
8) Ä. «. 0. S. 179.
Abh. d. III CI. d. k. Ak. d. Win. XV. Bd. II. Abth. U
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ein freundlichos Vorhiiltniss wiinschtu, war die Union. Bereits iin Juni
vernahm man von des Könij^s Absicht, eine fiesandtscliaft an den Bund
abzufertigen'), im August spracli Matthia.s diese At)sicht vor den stiind-
ischen Aus-schttssen in bindender Form aus''*), im Novend)er erscliion in
seinem Auftrag Gundaekcr von 1‘olheim beim Herzog von Würtemberg®),
und zu Anfang des Jahres 1611 begaben sich in gleichem Auftrag Nicolaus
von GrinthaH) und Graf Reichard von Starhemlwrg®) zu den miirten
Fürsten: der erstere brachte unter andern beim Administrator der Kur-
pfalz, letzterer beim Herzog von Würtemberg seine Aufträge voi\
Die nächste Absicht des Königs bei dieser Annäherung war, die
Unterstützung der Union gegen des Kaisers AngritFe zu erlangen, wie
denn auch die letzterwähnte Gesandtschaft im Hinblick auf den Fhnfall
der Passauer in Oesterreich geradezu um Truppen- oder Geldhülfe bat®)
Die Unirten wichen solchen Ansjmiichen an ihre ei-scliöpfte Tliatkraft aus,
aber dem Verlangen nach guten Beziehungen kamen sie bereitwillig ent-
gegen. Für sie lirachte es also die neue Gestaltung der Dinge mit sich,
da.sa der Kaiser ihnen nicht mehr gefährlich war, und dass des Kaisers
Bruder ihr Bündniss suchte.
Unmittelbar an dii'so Wendung der Dinge zu Gunsten der Union
schlossen sich nun aller die Katastrophen, die durch den Aufbruch der
Passauer Truiijien horvorgerufen wurden. Im Mär/ des Jahres 1611 ver-
banden sich, weil sie von jenen Streitkrüften gleiclunä.ssig bedroht waren,
König ^Matthias unil die böhmi-schen Stände; bis zum 22. Mai brachten
diese Verbündeten es dahin, dass Rudolf die liöhmischen Stände vom Eid
der Treue lösen musste; am 23. Mai wurde Matthias als König von
Böhmen angenommen, worauf die Regierung der seit 1608 dom Kaiser
noch belassenen I,ande an ihn überging; am 11. August endlich kam
1) Acten III n. HU Anm. 1, 190, 24o. Auf die darauf xielenden Rathi<chlaji;e fitindlscher Partei-
hÄu^iter and die weiter gehenden Absichten dtrselben gehe ich hier nicht ein.
2) Acten III n. 24-'i, Vgl. 241 Anm. I, 190 Anm. 2.
U) Resolution des Herzogs. Kotr. 24. (Stuttgart. Unionsocten XI f. 297.)
4) Resolution des H. Zwoibrftckeii Febr 19. (Stattgart. Unionsacten IX f. 142.)
'Ä) Würtemberg an Matthias. April 13. (Stuttgart. Unionsacten XI f. 512.)
«) Zweibrucken an Batlen. 1611 Febr. 19. (A. ». 0. IX f. 144.) Die angegangonen Fürsten ver-
wiesen die Sache an den ünioostag, und der Schweinfurter ünionstag kam zu keinem Beachltws darüber.
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ein Vergleich zu Stande üljer die Ehren un<l Einkünfte, welche dem
abgedankten Lamlesherrn zugestanden wurden. In densellmn Tagen, in
denen solche Dinge in der österreichischen Monarchie vorgingen, kam
das lleich in Bewegung. Die Kurfürsten beschlossen die Abhaltung eines
Ck)llegialtags, der auf den 17. Juli 1611 nach Mühlhausen berufen wurde,
aller erst gegen Ende des Monats Octoljer in Nürnlierg zu Stande kam;
dessen .■Aufgabe sollte sein, die Kückwirkung dej- österreichischen \'orgiinge
auf das Reich, besonders die Feststellung der Nachfolge des Kaisers in
Berathung zu ziehen.
E.S war natürlich, dass diese geivaltaamen Vorgänge, indem die
unmittelbar Betroffenen sich nach Unteretützung und Bunde.sgenossen nm-
sahen, immer weitere Ki-eise ergriffen. Zu denjenigen, die zunächst davon
berührt wurden, gehörte, wie nach den eben erwähnten frühem Anknö]if-
ungen des Kaisers und des Königs Matthias zu erwarten war, die Union.
Am 26. Juni 1611'), zu einer Zeit, als die Krönung des Königs Matthias
vollzogen, aber der Vergleich vom 11. August noch nicht getroffen, und
somit die Gesammtheit der kaiserlichen Concessionen noch nicht unwider-
ruflich war, schickte Rudolf den englischen .\geuten Gunderot au den
Markgi-afen von Anspach und den Füi'sten Christian von Anhalt, mit der
Absicht, bei den Unirten einen Rückhalt zu gewinneiL Was dieser Ab-
geordnete auf liestimmten Auftrag vorbrachte, war ziemlich allgemein:
der Kaiser wünschte der Unirten Unterstützmig zur Erhaltung der Ehre
des Reichs und seiner Person, und er ersuchte beide Fürsten, zu näheren
Besprechungen mit ihm nach Prag zu kommen. In dem ersten Theil
dieses Gesuches lag wenig auffallendes; denn gewi.ss bedurfte der Kaiser,
wenn er nach dem Verlust seiner Erblande die Rcichsregienmg fortführen
wollte, der nachdrücklichen Unterstützung aller, l>e.sondei-8 auch der unirten
Reichsstände. Verfänglicher dagegen lautete schon die Einladung der
beiden Fürsten, die in der Union den Gedanken der selbständigen und
offensiven Politik vorzugsweise vertraten, zu vertraulichen Besprechungen
mit Rudolf, und vollends bedenklich waren die Aeusserungen , welche
der Agent auf Grund der mündlichen Mittheihmgen des Kaisers machte:
die Abtretung Böhmens, so hiess es da, sei eine eiv,wuugene, die neue
l) Oeditiv OonderoU- Berlin. UuionsActen XXII.
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Regierung beginne bereits den Ständen unerträglicli zu werden, die ganze
Umwälzung sei von Sjianien und dem l'apst ins Werk gesetzt, um den
Weg zu bahnen zu einer Bedrückung des Reichs nach dem Muster der
Tyrannen FenJinands von Steiermark. Was Rudolf bei den Verhand-
lungen in Prag widerholt androhte, dass er aus Böhmen sich nach dem
Reich, am liebsten mich Regensburg, begeben werde, wuixle auch hier
aiwgesjirochen. Kurz, wenn man all' diese Reden ernst nehmen durfte,
80 schien es, dass der Kaiser die Hülfe des Reichs suche, um seinem
Bruder das Königreich Böhmen wieiler zu entreissen und die Nachfolge
desselben im Reich unmöglich zu machen.*)
Fürs erste blieb diese Anknüpfung ohne bestimmte Folgen. .Vber
als im August 101 1 der Unionstag zu Rotenburg gehalten wurde, ei’schien
bei demselben eine neue kaiserliche (xesandtschaft, bestehend aus Eustach
von We.sternach und Zacharias fteizkofler*) , wahrend gleichzeitig der
Agent Gnnderot die kurfürstlichen Höfe von Sachsen, Brandenburg und
Pfalz besuchte.*) Wenn man von diesen Gesandten .Vnträge erwartete
in der Richtung der selbständigen Andeutungen Gunderots, so wurde man
freilich enttämscht: im wesentlichen bat der Kaiser auch jetzt bloss um
Unterstützung zur Erhaltung seiner und des Reichs Autorität.*) Indess
dass ein solches Gesuch nunmehr an den gesammten Bund kam, war ein
Fortschritt in der begonnenen Annäherung, und für die Union war es
ein Vortheil und ein Triumph zugleich.
Gewiss nicht ungünstiger wurde die Stellung der Union dadurch,
dass ilieses V'orgehen des Kaisers sofort wieder die concurrirende An-
näherung des Königs Matthias nach sich zog. Flinon Tag nach dem
Vortrag der kaiserlichen Bevollmächtigten nahm die Rotenburger Ver-
samndung die Werbimg des Herrn Giuidaker von Polheim entgegen, der
im Namen des Königs Matthias an sie abgefertigt war: er stellte den
Feldzug des Königs nach Prag als vertragsmässige von den böhmischen
l*) Beilage I.
2) Anbrlogen der Gt*«andtcn. Atigiut II. (Stuttgart Uoionsacten X f.
3) GuDderot an Anspacb. Jnli 30. (Berlin. Unionsacta ad tom. XII.) Kesolntion des Administ
Kurpfalt auf Gonderota Werbong Ang. 16. (Stnttgart. Unionaacten X f. 196.)
4) Bei Kurpfalz wurde auch wegen der rQckatindigen ßeiebaateuem gemahnt.
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103
Ständen geforderte Hülfeleistunjjf, seine Erhebung zum böhmischen König
als das von ihm gar nicht vorgedachte Ergebnis» einer Veroinbiining des
Kaisei-s und der böhmischen Stände dar. Und da bei <les Gesandten
Abfertigung der Vergleich vom 11. August noch nicht zu Stande ge-
kommen war, so schloss sein Vortrag mit der Hitte um die Unterstützung
dui' Union, falls diese letzte Vereinbarung nicht zu Stande kommen sollte.*)
In den Erklärungen, welche hierauf die Union au den Kaiser wie
an seinen Bruder abgab, hütete sie sich abermals vor der Verplündiing
ihrer Kräfte. Mit dem unverkennbaren Wuasch, den Vergleich zwischen
dem Kaiser und Matthias bald vollendet zu sehen, verwies sie den eratem
auf ihren erprobten Eifer für des Reichs Wol und die kaiserliche Autorität,
und rieth dem letztem zu Mässiguug luid Ehrfurcht vor seinem Bruder.
Allein dass die so angeknüpften V^orhandlungen ihre Bedeutung doch
nicht blos in der Uingcsbiltuug der allgemeinen Beziehungen der Union
zur Ueichsgewalt hatten, diiss vielmehr gleichzeitig noch ein unmittel-
bares Ergebnis» denselben angebahnt war, wenlen wir erkennen, wenn
wir einen Punkt in diesen Bespreclnmgen hervorlieben, der bisher bei
Seite gela-ssen ist.
Seitdem durch den Gegensatz der confessionellen Parteien die V'er-
fassung des deutschen Reichs gesprengt war, standen die Geschicke Deutsch-
lands unter der verhängnissvollen .\lternative, ob die Parteien sich selbst-
ständig zu organisiren und ihre Gegensätze selbständig auszutragen ver-
mochten. oder ob cs ihnen gelingen werde, ein gleiches Mass für ihre
beiderseitigen Reclite und die Möglichkeit einträchtigen Zusammenwirkens
iimerhalb der Grunzen eines gemeinsamen Staatswesens wieder zu finden.
Die Bewegungen des Jahres 1610 hatten es der Union gezeigt, dass
für die erstere Aufgabe ihre Kräfte nicht ausreichteii. Sehr erklärlich
war es daher, wenn unter dem Gefüld der Ermattung der Wunsch uacli
einer gütlichen Verständigung über die Gegensätze zwischen katholischen
und protestantischen Ständen, zwischen den Standen und dem Kaiser
erwachte. Der erste, in dem dieses Verlangen zum bestimmten Ausdrucke
kam, war der llerzog Johann Friedricli von Würtemberg. Er hatte über
den Plan eines allgemeinen Ausgleichs mit Kurfürst Friedrich IV. von
t) Beilage II.
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104
der Pfalz kurz vor deswen Tode (16. Sept. 1610) corresjwndirf); den
gleichen Gedanken batte er durch Vermittlung des Zacharias Geizkofler
an den Erzherzog Maximilian von Oesterreich gebracht und bei diesem ein
freundliches Entgegenkommen gefunden. ®) Wie nun Matthias bei seiner
Annäherung an die Union da« Bewusstsein hatte, dass er seine persön-
liche Angelegenheit nicht ausschliesslich in den Vordergrund rücken
durfte, so eignete er sich jenes sellK» Vorhaben an, und zwar, wie man
sicher annehmcu darf, in der doppelten Absicht, seine niichstliegenden
Anträge zu empfehlen und daneben seine Nachfolge im Keich, die er ja
seit lange ei"strebte und bei dem Verfall des Kaisere immer dringender
erstreben musste, den protestantischen Ständen angenehm zu machen.
Schon in der ersten Werbung, welche sein Gesandter Guudaker von Pol-
heim im November 16 10 bei Würtemberg verrichtete, liess er in diesem
Sinne um Aufklärung bitten über die Zerwürfnisse im Beich und bot
seine Dienste zur Verniittlung an.*) Von da ab kam der Gedimke der
)) Würtemberg au Zweibrücken, Nenbarg, Annpach, Baiien. IßlO Not. 10. (Stottgurt. UnioD»*
acten XI f. 267.
Vergl. das ebeo angeführte Schreibe». Ferner: Protocoll einer würiemboig. Katheeitzung.
1610 Not. 18 (A. a 0. f. 2ß«.) Würtemberg an Maximilian. Not, 29. (f. Es sollte scheiDen.
dass aacb der R. Baiern mit demselben Plane uroging. Ich finde darüber folgende« Schreiben des
R. Philipp Ludwig toh Neuburg an Würtemberg vom 10. April 16U: Gaugier liat bei seiner Durch*
reise nach Düsseldorf mit M. Jäger auf besonderu Auftrag des Pfgr. Wolfgang Wilhelm über wichtige
Puncte sich besprochen, besonders über die Mittel zur Herstellung des Vertrauens im deutachen Reich,
und dabei erdUhet. was der H. Baiern gegen ,umers eltisten sons 1 in der iierson zu München diies
puncten halben ganz eiferig und wol affertionirt sich vememen lassen.“ Aus erwähnter BeaprechaDg
ergiebt sich dass Würtembergs und Neuburgs Ansichten in dieser Sache tm Einklang sind ; deshalb
und weil .sich gleicher gestalt auf der andern seiten auch friedliebende fürste» befinden, durch deren
Termitlung und beförderung diser fürgesetite zweck aller orten zu erlangen sein möchte“, so bat der
Herzog seine Bemühungen in dieser Sache fortgesetzt. Zur Führung der Ausgleichsverhandluiigen
wären Ton päpstlicher Seite zu gewinnen Mainz und Baiern als Häupter der Liga und wegen ihres
grossen Ansehens im allgemeinen. Der H. Würteml»erg möge sein Gutachten geben, ob als dritter
Unterhändler Erzii. Maximilian oder wer sonst zu gewinnen sei. Von protestantbcher Seite muss man
solche Fürsten nehmen, welche einander wol leiden mögen, etwa Chursachseti und Würtemberg. Die
Dienste des H. Neuburg stehen ebenfalls zu Gebote. Ist man einig, welche Unterhändler und wie sie
gewonnen werden sollen, so bat man sich weiter zunächst auf jeder Belte booitouders zu bedenken, .wie
man bernacber das ganze werk füreu und ineffectum richten wolle.“ (Stuttgart. Uulonsacten X f. 9.
Vgl. Sattler V'l S. 56.) Es scheint iudess das Datum dieses Schreibens um ein Jahr zu früh sn*
gesetzt, da von einer Anwesenheit Wolfg. Wilhelms am bairischen Hof zu Anfang des Jahres 1611
nichts bekannt ist.
:l) Stuttgart. Unionsacten XI f.
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105
allgemeinen Ausgleichung aus seinen Vcrhaiullungcn mit Würteml)erg
nicht wieder hinaus;') mul im Juli Ißll war damit si> viel erreicht,
dass die würtcmbergischen Ililthe den König ^latthias als den am meisten
geeigneten Nachfolger des Kaisers Ije.zeichneten.’-)
Jlatthias suchte also einen Rückhalt bei den ])rotestantischen Ständen
des Reichs, indem er sich einen (ie<lanken aneignote, der dieselben l)e-
heri-schte. Was war da natürlicher, als diiss der Kaiser, nachdem er
seiner Erblande beraubt war und nur im Reich noch die Mittel zur
Fortführung der Herrschaft linden konnte, dem Beispiel seines Bruders
folgte? Ala Rudolf II. den Oln-i-sten Gunderot au Anspiich und Aniialt
sandte, Hess er l>etheuren, das,s er dem, was zum Nutzen des Reichs von
ihm verlangt wei-den könne, nachkommen werde, und dass er mit den
Protestanten ein vertrauliches Verhältni&s wünsche.^) Als seine Gesandten
vor der Rotenburger Tagsatzung erechieneu, schlugen sie Besprechungen
vor über Herstellung der Eintracht im Reich und Erhaltung der Rechte
der Stände.'*)
Eine wirkliche Vei-ständigung, oder auch nur die Anfänge zu einer
solchen kamen nun freilich auf jene Andeutungen nicht zu Stande. Als
die kaiserlichen Gesandten die vorgeschlagenen ßospreclumgeu mit der
Rotenburger Versammlung ■wirklich eröffnet hatten, erhielten sie ein am
1) Matthias an WOrtemberg. Itill Pebr. (A.a O- f. 44U.) Würtomberg an Matthias. April If).
(f. 512.) WQrt' mbcrga Resolution an Polhcim. Aug. 20. (B«U. II.) Daa xunachst erwähnt« Schreiben
des Matthias hat übrigens noch eine beeondere 8piUe. Matthias bebt nnter den GrQndt'n des Zwie-
spaltes im Reich wie im Hause Oesterreich den Rinfluss der friedhässigen Rathgeber des Kaiaeni
hervor. Er dankt dem Heriog daRlr, dass er ihn um sein Gatachten über Herstellung der Eintracht
im Reich gebeten hat. Dann fahrt er fort: eine Schwierigkeit hierbei ist es, den Kaiser und seine
Käthe für dieses Werk des Friedens und den Plan der Ernennung von Personen, «welche die tail ver-
nemmen und xeitlieh »olciie hinlegen kunten“, zu gewinnen. Da der kaiserliche Hof seiner Gewohnheit
nach die Bikcbc ricUcicht nur verschleppen dürfte, so könnte man «auf andere weg gleichesfaU gofasi
sein, oder die interessierte persuadtern, das sie inen etliche unpartcUsdte und oninteressierte neben
eine mobman gefallen Hessen. Bei welchem termino die nnierte färBten in gemain viel vermoj^ii könten ;
welches i. Kai. M. zu keinem praeiadicio do^balben gereichet, weil ir ambt erfordert, frid und ainigkeit
za erhalten, ir auch mit nnrnhe and ol>erhanRen negotiis nit alle zeit wol ist.* Der König ist bereit
alles zn than, was er .den unirten char- and fürsten zu gemainem friden im hei), reich nützliches
eraaigen kann. Das übrige ist der feder nit zu vertrauen.*
2) Gntachten von Eborsteiu, Kngelshofen. Buwinkhaoseo, Faker. Juli 2t>. (A. a. 0. X f. 2-U. |
d) Beilage I.
4) Vortrag der Gesandten.
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106
10. Anglist erlassent-s, vinlleicht diu-cli don mii 11. dessellien Monats /.um
Absi'hluss gelangenden letzten Vergleieli mit Matthias hervorgerufenes
kaiserliches .Si-hreihen , nach dem die fernere Verhandlung üher Be-
schwenlen der Ueichsstiinde auf den Nürnberger Kiirfursttmtag zu ver-
weisen war.') Damit «uirden die Conferenzen abgebrochen. Indess die
Unirten nahmen die geschehenen Andeutungen als eine Art von Ver-
jiflichtung des Kai.sers und seines Bruders auf zur weitern \’erfolgung
des einmal aufgestellten Zieles; und im Vertrauen darauf formulirten sie
ihre Stellung zu dem ihnen so willkommenen Voi-schlag. Nach ihrem
alten Grundsätze gab es für den .\ustrag der gi-ossen Streitigkeiten im
Keieh nur ein Forum, nümlich den Beichstng; es gab nur eine Art der
Entscheidung, nämlich freiwilliges Uebereinkoimnen silmmtlicher Ileichs-
stände ohne Uebei-stimmung. DemgemiU« forderten die Unirten vor allem
einen Reichstag. Du jedoch die letzte V'ersammlung der Reichsstände
(1608) nur dazu gedient hatte, um die Gegensätze der Parteien auf die
Spitze zu treiben, so hielten sie es ferner für nöthig, die Arlieiten des
neuen Reichstags vorboroiten zu lassen. Sie verlangten also eine voraus-
gehende Versammlung auserwählter Füi-sten iKÜder Parteien, welche eine
vorläufige Verständigung versuchen sollte, natürlich ohne da.ss auch hier
ein Ueberstinunen statthaft, oder das Ergebniss für <len Reichstag bindend
sein dui-fte.
In solcher AVeise wurde der Plan der Ausgleichung zunächst von
Würteinlierg gefasst*) und dann mit einem wichtigen Zusatz von dem
Rotenburger Unionstag gebilligt. Hier nämlich unterschied man zwischen
solchen Forderungen der Protestanten, die durch den fraglichen Aus-
gleich unter sAmmtlichen Ständen zn erledigen waren, und denjenigen,
welchen der Kaiser einseitig gerecht werden koimte. Zu letztem rechnete
man die Aufhebung der den Protestanten widerwärtigen Entscheidungen,
welche aus der Ausübung der kaiserlichen Jurisdiction im Reichshofrath
hervorgangen wareji. die Aufhebung dieser Jurisdiction selber, sowie eine
1) n^fiprechung^ swlvchen den Genndten and den DopatirUn d«« Unionstaf^ Tom 17. Aa|?.
(Statthaft. Unionsmcten X f.
WOrtemberj; an ZwcibrOcken «tc. 1610Nnv. 19. (Stuttgart, roionsacten XI f. 267.) DeaiHbeo
Resolution auf Polheims Werbung. 1611 Kcb. 3. (f. 449.) Nsubnrg an Würtemberg. 1611(1012) April 19.
(X f. 9.)
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Neulx^setzung d<?s kaiserliclu-n Uathos unter Mitwirkung der Fürsten. Um
nun den Ausgleich zu erleichtern, sollte der Kaiser in der letztem Classe
von Forderungen den Protestanten sofort zu Willen sein.') — Schwerlich
konnte man in diesem Zusatz der ünirten eine günstige Aussicht für dsis
Vei-söhmmgswerk erkennen; ihr Grundsatz war eben jetzt wie später,
dass es gefährlich sei, eine Neigung zu Concessionen zu veiTathen.
Aber dessen ungeachtet hielten sie an dem aufgestellten Plan in seiner
allgemeinen Fassung mit seltener Zähigkeit fest: es war der Gedanke der
„Comiiosition“, der fortan in den üeziehungen des Kaisers und der jiro-
testantischen Stünde im Vordergrund stehen sollte, und dessen endlich
erkannte Undurchführbarkeit vor allem dazu diente, um die Geister mit der
Nothwendigkeit eines grossen Krieges vertraut zu machen.
Fasst man das bisher Ge.sagte zusammen, so ergiebt sich, dass der
Hotenburger ünionstag vom A)\gust Hill einen nicht unwichtigen Ab-
s<'hnitt in der l'nionsgeschichte bildet: hier wurde die Abrechnung über
den Krieg von 1610 aufgestellt; es kam hier die neue Verbindung der
Union mit dem Kaiser und Matthi:is zum vollen Ausdruck, und es wurde
der Anstoss gegeVien zu den die Folgezeit erfüllenden Com|H)sitions-
verhandlungen.
Drei Monate nachher trat der Nürnberger Kurfürstentag zusammen.
Da auf dieser Vei-sammlung alT die schweren Fragen, welche in dum
laufenden Jahr die Union, das Reich , die österreichischen Lande Ijuwegt
hatten, vor dem Forum des Reichs zur Sprache kommen sollten, so muss-
ten die Parteien sich gefasst machen, das, was sie errungen hatten, zu
sichern, und was sie noch erlangen wollten, vorzubringen. Die Unirten
erwarteten Verstärkung ihrer günstigen Stellung zwischen dem Kaiser
tmd Matthia-s und enistliche Fortsetzung der Compositiousverhandlungen.
1) Antwort der Kotenbarger Veriiainnilung tn die ItaiscrlichenGeeuidten (Stuttgart. Unionsacten X
f. 442.) Am Schloss heisst es: wenn gegenwärtig der Kaiser Ule oben angeregten leiliglich in seiner Hand
liegemleu Braehwerdon abstellt, and in den unter den Standen des Koichs schwebenden Beschwerden
,die vor alters indergleichen differentien im h. Rom. reich gebreuclilichen mittel* anwendet, so wird
Eintracht und Wolstand im Reich hergestellt wenlen, und der Kaiser den Diensteifer der Stände
mit der That bewährt sehen. — Unter den Im Reich herhdmmlichen Mitteln ist etn Modus nach Art
der Wurtemberger Vorschläge txx Ters|ehen, wie denn auch die kaistTlichcii Gesandten in einer ferneren
Beaprechang toiq 17. Aug. die AoagleicliBverbandlung durch eine paritätische Ständedeputation ihrer*
seits als einen .Ausweg proponiren.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss XV. Bd. H. Abth. ir.
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>Iatthia.s hoffte, eine (ienehinigung seiner neuen Erwerbungen zu erzielen,
indem die Kuiffürsten ihn als Inhaber der böhmischen Kur erkemiten,
und er wünschte nicht niintlor dringeiul, seine Wahl zum römischen König
endlich durchzusetzen. Der Kaiser schliesslich hatte den Gedanken, sich
zum mindesten die im lleich ihm gebliebene Herrschaft und die in Böhmen
ihm gelassene Wü«le zu sicheni und die Bestimmung seiner ■ Nachfolge
hinatiszuschieben.
Das Spiel der entgegengesetzten Bestrebungen begann, indem Rudolf II
seine Verbindung mit den Unirten wider aufnahm. Von ihm eingeladen,
erschien im Octobor 1611 der Markgraf von Anspach in Prag '), und
am 23. dieses .Moiuvts wurde er vom Kaiser der zum Nürnberger Tag
abgefertigten Gesandtschaft beigesellt.®) Die Aufträge, die er bekam,
hatten den Zweck, einerseits dem Kaiser in der Beichsregierung wieder
eine wirksame Stellung zu vei'schaffen ; . — in dieser llichtimg wurden
Vom-hliige verlangt zur .Vbstellung der Beichsbeschwerden und zur Be-
lebung der .lustiz; es wurde angedeutet. dass der Türkenkrieg alwrmals
beginnen könne, und dann vom Kaiser mit dem lleich zu führen sei;
es wurde endlich die leise Bitte um eine Beisteuer des Ibüchs zur Unter-
haltung der kaiserlichen Regierung eingefügt; — anderseits gingen des
Markgrafen Instructionen darauf aus, den zwischen dem Kaiser und
Matthias geschlossenen Vertrag zum V^ortheil des elfteren zu wenden:
die Kurfürsten wiu'den ersucht, den böhmischen Ständen grössere Ehr-
furcht gegen den Kaiser einzuschärfen; sie wurden befragt über Sicher-
ung der dem Kaiser ausgesetzten Einkünfte, über Verlegung der Residenz
in das Reich, und, wenn mau die Worte streng nehmen ilai-f, sogar über
Geltung oder Nichtgeltung dos gesammten Vertrags.’)
Selbverstäudlich trat diesen Anträgen dos Kaisers die Gesandtschaft
seines Brudci's. an deren Spitze der Bischof Klesl stand, überall entgegen.
Matthias nahm als König von Böhmen die Mitgliedschaft des kurfürst-
lichen Collegiums inAns])ruch; der Hauptzweck seiner Vorstellungen war,
die Kurfürsten von der Nothwendigkeit einer römischen Königswahl zu
1) Gindely II. S.
2) Kaiserl. Creditiv. Berlin. Unionmcta ad toro. XII. Früher hatte der Kaieer den Lao Igrafen
Moritz an die Spitze seiner Gesandtschaft stellen wollen. (Rommel II 8. 320.)
3) Beilage HI.
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übei-zeugen. und die Wahl wo möglich sofoi-t. und dann natürlich zu seinen
Gunsten, vornehmen zu lassen. Er wüaschte sichtlich, die Kurfürsten zu
einem ähnlichen Verfahren zu heatimmen, wie es kürzlich die Iwhmischen
Stande l>ei Uebertragung der Krone Ikihmens beobachtet hatten. ‘)
Hätten mm die Kurfürsten es vermocht, solchen Gegensätzen gegenüber
sich selber zu einigen! Aber es zeigte sich, dass die Spaltung von 1608
im wesentlichen Irestehen geblieben war. Wenn der Kaiser — hierin im
Einverständniss mit der Union — den Kurfüi-stan die \'orbereitungen zur
Einigung des getrennten Reiches antrug, so konnten unmöglich die geistlichen
Kurfüi-sten mit denen von Pfalz luid Brandenburg in ditwon Dingen Überein-
kommen. Wenn der Kaiser von ihnen erwartete, dass sie seiner Erniedrigung
ein Ziel setzten, und wenn in der That sowol Sachsen als die geistlichen
Kurfürsten über das Vorgehen des Matthia.s erbittert waren, so hätten doch,
falls der .Muth zu einem Einschreiten in die österreichischen Händel vor-
handen gewesen wäre, <lie Kurfürsten der Liga und die von der Union
sich unmöglich über die Art einer Restauration, die entweder der prote-
stantischen oder der katholischen Sache zu gute kommen musste, vereinigen
können. Das Ergebniss war daher ein halbes, wie es regelmässig bei den
letzten Kurfflrstentagen gewesen war: an dem Vergleich zwischen Kaiser
und Matthias wurde nichts geändert; die Frage der Einigung des Reichs
wurile, abgesehen von einigen unbedeutenden Ma.s.snahmen, auf einen Reichs-
tag geschoben, und die Bewilligung zur kaiserlichen Berufung eines solchen
im voraus beschlossen. Nur in einem Punkt, der allerdings keinen Verzug
mehr zu leiden schien, kam man zu einem weiter reichenden Entschluss,
in der Nachfolgefrage. Da fertigte man eine schleunige Gesandtschaft
an den Kaiser ab. um dessen Zustimmung zur Vornahme der M'ahl ein-
zuholen. In der Voraus-setzung dass die Zustimmung nicht versagt werden
könne und dürfe, einigte man sich gleichzeitig, den Wahltag am 21. Mai
in Frankfurt abzuhalten.-) Unter die zur Theilnahme berechtigten Kur-
fürsten aber nahm mau den König Matthias, wie er es verlangt hatte, auf. *)
1) Berichte Kleiil* bei Hammer II. Nr. H49, J150, 356, H61.
2) Beilage IV.
3) (linüely II. S. 318. Das Mainzer Ausschreiben des Wahltags vom 16. Uec. 1611 itiertin.
Rtp, XII 1, 2.) wurde auch an Matthias gerichtet, (vgl. das Be-lenken von Anspach, Miukwiz und
Pflug. Beilage IV.)
15*
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Aber aucli bei flieseni Vorgehen felilte zur sidieren Erreicliung ile»
gesteckten Ziels noch eines : die Einigung fiber die Person des Nwlifolgers.
Es standen sich in dieser Hinsicht abermals die Alwichten der geistlichen
und der zur Union gehörigen weltlichen Kurfürsten entgegen, und zwischen
beiden in der Mitte lx>fand sich Kursa<’h.sen. Wol hatte der Erzbischof
von Mainz iin Septeinljer des .Jahres 1610 sich über die Nachfolge mit
dem Kui'füi'sten von Sachsen besprochen') und dabei als seinen Candidaten
den Erzlieiv-og Albert empfohlen, -) wol war auch von kaiserlicher und
katholischer Seite soviel erreicht, dass Sachsen sich bei Beginn des Kur-
füi-stentags vor allem mit den geistlichen Knrfureten, abgesondert von
Pfalz und Brandenburg, zu Ix-reden gölachte;*) aber hinsichtlich der
Pereon des zu Wählenden war man am sächsischen Hof bei Eröft'nting
des Nürnljerger Tags noch unklar: jwlenfalls sollte er vom Hause Oester-
reich sein; sichtlich neigte man auch ti'otz des Unwillens ül>or die letzten
Vorgänge am meisten zu Matthias; allein, wie man sich selber nicht
binden wollte, so wollte man auch von einer bindenden Vereinbarung der
Kurfürsten vor dem eigentlichen Wahltag nichts wis.sen. — Ob Sachsen
bei dom Kurfih'Stentag selber über diese liinie hinausgegangen ist? Einige
Zeit nach demselben mahnte ihn der Erzbischof von Mainz an eine dort
getroffene „vertrauliche Abrede“"') und als die an der Abrede Betheiligten
nannte er neben Sachsen und sich selber die Erzbischöfe von Trier und
(oln.®) Nimmt man hierzu, dass Mainz gloichziütig fortfuhr, über die
1) Gin<i«l}- II. s. 162.
2) Ueb«r dUM Cotif«renzcn thcilt Gentonber^ in einer itadisUcben Rathssitzon^ rom 20 0dtbr.
1611 (Presden I067S, Ander lJuch Wahlaachen 1612. f. foljjendes mit: »soviel da« sobieetnrn
betrift. bette sich Meint erboten, alle aubiecta domus AoBtriacae nfs pappicr za bring’en. und rationc«
pro et contra bei iedes XU aotzen and u. gg. b. zaiostellen. Hct der Gräxer lini und In specie ertzhertzog
Lefipoldi gedacht, aber dovon bald wieder abj^prungen. Max. wurde dieses nicht annemen. Endlich
bette er Matthinm und Albertum kegeu einander gesetzt, die exceas erstlich zum höhesten exaggeriret
und endlich uf Albertum geschlossen, auch gedacht, das Pfaltz zu dieser election geneigt. Heit dofor.
das an diesem ort viel explorandi causa gesagt."
‘\) In der erwähnten Sitzung wird über die Möglichkeit einer von Sachsen, Mainz und amleni
KarfQrsten auazuHtellenden Obligation über Geheimhaltung der Successionavcrhandlungen beratben-
Dabei bemerkt lirandenstein : .so würde es auch bei Pfalz und Pratulenburg ungleich anseben habeo.
wen dergleichen oue ir beisein gesebebe."
4) 1612 Febr. 6 .ich verpleibe nochmals bet Nümborgiacben abaebiet und vertraulicher abret*
(Dresden l(Kii5. Erstes Buch Wabltagssachen 1612. f. 17.)
ö) Werbung Broms^ra bei Knrsacbaen. 1612 März. (t. a. 0. (. 96),
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Bewerbungen des M.itthias sich ungünstig und über Alliert sidi günstig
gegen t^achsen zu üussi'm,') so könnte man vernicht sein, jene Abrede
auf eine Verständigung der genannten Kurfürsten über die Wahl Alberts
zu douteu. Aller wenn man dagegen sieht, wie liei der im Mai l(il2
lieginnenden Wahlhandlung die geistlichen Kurfürsten für Albeit, Sachsen
dagegen für Matthias war,-) wie auch unter den (Jeistlichen <ler Kurfürst
von Cöln wieder zu Baiern neigte.“) so muss man doch wol die An-
nahme einer Einigung über die Peisoii des zu Wählenden aufgeben; man
wird die Abretle auf irgend ein anderes Moment in ilen Waldvei-hand-
lungen beziehen müssen. *)
Unfertig wie somit der Beschluss des Nürnberger Tags ülier die M'ahl-
angelegenhüit war, wurde doch iler Kaiser aufs emjifindlichste von dem-
selben betroffen. Denn wenn ihm die Kurfüi’sten ihre Mitwirkung ver-
sagten zur Befestigung seiner Stellung im lieich oder zur Aenderung des
Vertrags mit Matthias, so vei'eitelten sic doch nur Hoffnungen, ilie in die
Zukunft gingen; indem sie sich aber anschickten, die von Kudolf so lange
und so hartnäckig verhinderte Wahl ‘eines Nachfolgeis durchzuzwingen,
verschlimmerten sie, seine gegenwärtige Lage; ein erwählter Nachfolger
musste bei Rudolfs geistiger Verfassung ihm fürs Reich das wenlen,
was Matthias ihm für die östeiTeichischen Lande geworden war.
Bei solchen Verhältnissen fragt man sich, ob Rudolfs Annäherung
an die Union ihm denn nicht einmal in dieser Verlegenheit zu statten
kam. Denkt man hierbei an die zur Union gehörigen Kurfürsten, so
1) In dein Schreiben Tora 6. Febr. bemerkt er über Ue^eomüllers Werbung» durch welche die
Wahl des K. Mathias eitipfoblen wnrde: »der strick ist gestelit; w>'r ticli fangen wil lassen, dem
stehet cs frei.* — ln einem eigenh. Kachschreiben vom *i. April berichtet er mit sichtlichem Missfallen
die Abneigung von Kurpfalt gegen Albcrt's Candidatar: die Unirten »eien« wie man böre, mit Matthias
Handels einig geworden. »Wil gern sehen, wer den andern betrigen wirt.* (a. a. 0. f. 1*2»>.)
2) Kurkuln an Baicru. 1612 Mai :1Ü. (Wolf 111. 8. Ueber das irrige Datum dieees Schreibens
dche nnten.
3) Vgl. die Keihe der Aaszüge bei Wulf 111 8. 2H6 fg.
4) Erwähnen muss ich freilich noch eine amlere Möglichkeit. In der angeführten Werbung
Brörosers winl Kursachsen befragt, ob er bei der erwähnten Abrede beharre. Darauf heisst es in des
KorfQraten Resolnthra (April S. Dresden a. a. 0. f. I2U): die Succtfssionnache ist durch de» Kaisers Tod
in andern Stand gerathen. Die vom Enbischof angedeuteten Kriegsrüstungen und Praktiken <der
Staaten und mehrerer Unirten) , andern auch die gefaste consiHa.* Seine Gedanken darüber hat der
Kurfürst dem Brömser mündlich eröffnet. — Unmöglich ist es nicht, dass in dieser etwas undeutlichen
Antwort eine Lossagung von einer Abrede Ober Alberta Wahl liegt.
112
muss man die Frage verneinen; Pfalz mul Brandenburg stimmten mit ihren
Collegen. ‘) Denkt man an die beiden Fürsten, welche die Amiäherung
vornehmlieh vermittelten, an Anspach und Anhalt, so stellt sich die Sache
etwas anders und nichts weniger als einfach.
Beim Nürnberger Tug wirkte der Markgraf von Anspach selbst-
verständlich gegen ilie Beschlüsse über die N.uchfolge, ') denn er war ja
G<«andter des Kaisers. Kurze Zeit nach dieser Versammlung, in den
ereton Tagen <les .Iahr(?s 1(112, ei’schien er aber, vom Kaiser berufen,
zum zweiten Mal in Prag; mul min war es seine Aufgabe, nach eigenem
Krmessen dem Kaiser in seinen neuen ATnlegenheiten zu rathen und zu
helfen.*! Dem Kaiser kam es damals darauf an, den Wahltag rückgängig
zu machen. Obwol er der kurfürstlichen Gesandtschaft die Zustimmung
zur Abhaltung desstdben nicht zu verweigern gewagt hatte, so hoffte er
doch, ihn daduivh in’s ungewisse verschieben zu können, dass er den
Beichstag, den man ja auch in Nürnberg für nöthig era<ditet hatte, und
der in den Comiuisitionsjdanen der Unirten obenan stand, ihm voiuetzte.
1) Der Bei^ihluia in <!er Wahhachp war ein einhelliger. (Mainzer AuzKlireiben. 1611 Dec 16.) —
Um Dicht zu breit zu werden, kann ich nlciit io die Einzelheiten der Geschichte des Korrnretentag^
eingehen. Nur aodeuten will ich, dass nach Kh^l's Reri'ht (Hammer II. Nr. ;W1) die geistlicheD
Kurfürsten und Sachsen anfangs geneigt waren, den Nürnberger Tag als Wahltag zu constituiren und
sich Ober den Nachfolger sofort schlQsttg zu machen, das»« dagegen Pfalz und Brandenburg die Aus*
Setzung der Wahl auf einen beson lern Wahltag rerlaugten. Vielleicht hatte denn auch die oben er-
wähnte Abrede den Zweck, einem abermaligen Venmch, den endlich festgesetzten Wahltag zu rcr-
schtcben, zu widerstehen.
Hammer 11. Nr. -Itil.
3) Am 24. Dec. Kill schreibt Anlialt an Anspach : Gunterot wird bald im Namen des Kaisers zu
dem Markgrafen kommen, .pour rons prier dVntreprendre nne anibassade dVmpeecher rasseinbire collegiale
pour l'election. II la subatance de rinstroction, latiuelle ne veult rien. 11 vous fault aller la,
apporter et rapporter Ic latin, a quoy je rous aideray, a ce que jVspcre, asse* bien. L’empereur desire
que j*aiile eu France; mais rimbecillite de nia bourse trnuvera une excuse de gouttes pretendoes.
Ce que je vous ay roulu representer arec adjointes nouvelles des noces a Vienne, cs)nsommees et celebrees
par gouttes, hjdropistes et mr. NelH. Bon augure de la siiccesaion !“ (Berlin. Unionsacta LX.) Am
3. Jan. 1012 schreibt derselbe an Christoph von Dohna: der Kaiser will den auf den 21. Mai anbe-
räumten Wahltag verschoben stdien ; es sei gegen die Heichsgesetze, dass die Kurfürsten bet Debxeitea
und gegen den Willen des Kaisers einen Nachfolger deeseiben wählen. Zur Verbinderang des Tags
schickt er Gesandte an Sachsen nnd Mainz. Dass man den K. Matthias zu demselben berufen wolle,
findet er bi-fremdend. ,Led. cm|tereur a recherche m, le raarqui« et rooy que debvions venir en per*
soune vers lui. dont ra. le nmrquis s'en va anjoiirdhui ; moi je me suis excuse. II desire une diet«
imperiale {>our pouvoir propoeer a loult« les «stats lea torts qa'on lui fait. et que touts les estats irait*
teot pour les capitnUtions entre lui et le sueeesseur. 11 a desseing de se faire )>arty en Fmnce et
au Pays-bas et avec tous ceulx qui n’ayment pas rEs|<agnül* (Schlobitten. Nr. 42«. I
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113
Hierzu sollte der ^larkgraf helfen. Ohne Zögern ging nun Anspaeh auf
den Oetlanken der Veranstaltung des Ueichstags ein. .\l)er wenn der
Kaiser damit die Absieht vei’band, die Fe.ststelluiig der Nachfolge über-
haupt zu hintertreiben, so sc-hliig der .Markgraf eine andere Hiehtiing ein.
Unter allerhand entgugenkoiimienden V'orscddägen , wie Uudolf die M ahl
nicht vermeiden, sondern unter seine Leitung bringen .solle, schloss er
seine Kathschläge mit dem Hinweis, dass der Kaiser, um diesen Zweck
zu eiTcichen. mit der Üesignation seines Nachfolgers den Kurfürsten zu-
vorkouinien müsse; und er empfahl ihm geradezu den König Matthias.*)
M'ie soll man ditsicn Uath erklären? Beachten wir zunächst, dass
.\nspfwh im vollen Kiuverständuiss mit dem Füi-sten Christian von .Vidialt
verfuhr, wie denn auch der Kaiser den Beistand des letztem verlangte.
M'eim mm beide Fürsten die Wahl von den Verhandlungen eines voraus-
gehenden Heiclistags abliängig machen wollten, so folgten sie damit den
Absichten <ler Botenburger Tagsatzung und der hergebrachten Politik der
Unirten überhaupt, welche jeden wiclitigen Akt im Reich abhängig zu
machen suchte von einer vorausgehendeu gesetzlichen Erledigung der Be-
schwerden der Reichsstände, oder, wie man es sich jetzt daclite, von der
Composition. M'^eiin aber abgesehen von dieser Voybedingung die beiden
Füi-sten der Vornahme der M'ahl nicht nur nicht entgegen waren, sondern
den Ausfall dei'selben mit Hülfe des Kaisere im \’oraus zu sichern suchten,
so lag dies zunächst daran, dass ihnen die Neigung der geistlichen Kurfürsten
zur Erhebung Alberts bekannt geworden war; es lag ferner daran, «hiss sie
die wahren Absichten der spanischen Politik verkannten. M'ährend nämlich
der 8[tanische Gesandte seit .4nfang IBll) die M’ahl des Matthias als die
einzig zweckmässige erkannt hatte*) und stetig beförderte, liessen sich .Anhalt
und Ansjttich den Glauben nicht nehmen, dass .Alberts Candidatur von
Sj)anien aufgestellt sei und Iteförtlert werde. .Albert erschien ihnen als
der .Auserwählte einer spanisch-katholischen Verbindung; um .seine Bewerb-
ung zu durchkreuzen, dazu wussten sie kein anderes Mittel, welches Erfolg
versprach, als baldige Sicherung der AVahl des Matthias. *)
1) Beilage V.
2) UindeW II. S. 157.
:t) Vgl. Anhalts Schreiben vom 14. Jan. (Beilage V) and :i. Jan. (oben II2 Anm. :i.)
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114
Alle NValilverhaiidlungen, an denen der Fürst von Anhalt betheiligt
gewesen Ist, tragen die Kennzeichen der Intrigne und Zweideutigkeit an
sich. Auch jetzt wurde dieser Charakter nicht verleugnet. .Airspach war
vom Kaiser nach Prag berufen, um demsellien Hath und Hülfe gegen
Matthias zu gewähren. In densell)en Tagen nun, in denen er zum eisten Mal
am kaiserlichen Hof erschien, richtete der Jlarkgraf bereits an Matthias
ein eigenhändiges Schreiben, in welchem er seine Dieirste zur lloförderung
der .\bsichten des Königs anlKit. ') ln Nürnl)erg sodann erneuerte er
seine entgegenkommenden Erklärungen gegen des Königs Gesandte; und
als er' zum zweiten Mal in Prag weilte, erhielt er Schreiben von Klesl
und Mathias, die ihn in seiner Haltung bestärken sollten. -) F> brachte
es auf diese Weise ilahin, dass er der Wrtraute beider verfeindeten Brüder
zugleich war.
Und gewiss, für die Zwecke, die der Markgraf verfolgte, war es gut,
dass er nicht bloss mit Kaiser Uudolf rechnete. Denn al.s er zum zweiten
Mal in Prag anlangte , fand er denselben so krank , dass er gar keine
Audienz erhielt ; und lievor jenes Gutachten über die Nachfolge des Königs
Matthias übergeben werden konnte, machte der Tod dem widerwärtigen
Treiben des Kaisers ein Ende (20. .Januar 1012). Hierdurch erhielt die
ganze Nachfolgefrago einen neuen und dringliotien Charakter ; für Anspach
aber war damit die eine Hälfte seiner Pläne vereitelt, und nur die An-
1) Erwähnt in dem Schreiben Klesl*« bei Hammer II Nr.
2) Am Ja», schreibt Mntthia« an Anapach (Berlin. Unionsacta ad tnm. XXIV): „mir haben
meine zu Nürnberg geweste ges&nte. insonderheit aber der bisebof alhie, was für gnaden, ebr and
liebs e. 1. Ton meinetwegen inen erzeigt, zu genügen referiert, deswegen ich mich dun gonlz freuntlicb
gegen derselben bedsneVe Was du» o. 1. mit berürtern bischoven etwiis vertreulicliers irer äbernniu’
men<^n kaiserlichen Cfmimission wegen conrersiert, mögen tlieselb tleetten versichert sein, dass ich Iren zu-
vor mir gegebenen fürstlichen werten und anerboltenen aff*»ction viel ein nierera vertrant, als da« ich
der angenommenen commiaeion halber den geringsten Zweifel in dieselbe hätte «ttdlen sollen... Wis
ich da» vast gern verstanden, das e. 1. von i. Kai. M. hietznnd erfordert wonlen , dan also haben sie
gelegenbeit, ire offerta nnd nffcction gegen mir würcklicb kq erzeigen.** Bedauern über des Kaisers
Krankheit, bei dem er sieb gern einatellen würde, wenn es ihm nicht missliebig wäre. — An demselbea
Tag schreibt Klesl : ..derselben (e. i. g.) zu Prag ankanft und der Florentinischen potsehaft mit mir
alhie gehabte conversation hat mich bewegt und behertzt gemacht, e. f. g. hiemit zn schreiben und
diesclb zu iTindero, das ich der k. M. m. gg. h. alle« dises, was e. f. g. mit mir vertreulich lu
Nürnberg conversiert, aafredit und, wie ichschuldig, referiert. * Beifolgendes Schreiben desKünigs bestätigt
dessen Yertranen zu dem Markgrafen, welcher seine gegenwärtige ('oimnission dazu benntzen wird, .ob sie
l. Kai M. gmOet gewinnen, etliche alterationes lind^nrn, endlich gegen dem heil, reich und gauze Christen-
heit zum bosten disponieren/*
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115
kniij)fung mit Matthias blieb ihm noch übrig. In Voraussicht dieser Sacli-
lage hatte ihm denn auch der Fürst von Anhalt schon am 16. Januar
geschrieben: wenn der Tod des Kaisers eintritt, so müsst Ihr meines
Erachtens offen und ehrlich die Partei des ^latthius ergnüfen und von ihm
Vollmacht aimbringen zu Verhandlungen mit Sachsen. lirandenluu’g, Pfalz
und Mainz; immer iin besondern Gegensatz gegen die Candhlatur Allwrts.')
Betrachten wir, wie dieser Rath befolgt wurde, und was für die Zwecke
der Unirten dabei erreicht wurde.
Drittes Kapitel.
Die Wahl des Königs Matthias.
Zehn Tage nach dem Tod seines Bruders traf Matthias in Prag ein.
Einer der ereten, der Audienz bei ihm erhielt, war der Markgraf von
Anspach, und die Frucht der ilainals gepflogenen Besprechungen war,
dass der unirte Fürst im Auftrag des Königs in das Reich hinausreiste,
um für dessen Wahl zum deutschen Kaiser zu wirken.''*) Am 25. 2)larz
verrichtete er seine Werbung l>eiiu Administrator der Kurpfalz; wenige
Tage nachher begab sich nicht er, .souderu der Administrator selber, be-
gleitet vom Fürsten von Anhalt, zum Erzbischof von Mainz, um hier die
Befönlerung des Matthias ebenfalls zu befürworten.
Gewiss liegt darin der Beweis, dass die Verbindung, welche sich
zwischen den Unirten und dem Kaiser Rudolf gebildet hatte, von dein
Nachfolger desselben aufgenommen wuiale, und dass äusserlich kein Rest
von dem alten Gegensatz mehr übrig war, der beinahe ein kaiserliches
Achtm'theil über die Union gebracht hatte. Aber das Nähere über den
Charakter dieser Verbindung erkennt man doch erst, wenn mau den
Erwägungen folgt, unter denen iVnsjiach dem König Matthiius seine Dienste
anbot, und unter denen dieser sie aunahm.
1) Beilage VI.
*2) Hierfür un«i für das Folgende Beilage VI.
Abh. d m CI. d- k. Ak. (L \Vis8. XV. BJ. II. Äbth. 16
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llii
Kilt Kaiser aus dem Hause < lesterreieii , das war der Gedankengang
des Markgrafen, ist an sicli niclit wünsclienswertli, aber unvermeidlich.
Unter den beiden Mitgliedern dieses Hauses, tlie allein Aussicht haben
gewühlt zu werden, ist Albert für die Katholiken. Matthias für die I’ro-
testanten der bessere Candidat. Letzterer würde sich, sobald er etwas
gegen die I’rotestanten unternehmen wollte, durch seine mit neuen Frei-
heiten ausgestatteteii. der Mehrzahl nach jirotestantischen Lande behindert
sehen, auch würde er diiri'h die Türken nntl die Xachbarschaft tler pro-
testantischen Heichsstilnde im /anm gehalten werden, und zur grösseren
Sicherheit können die Unirten mit den Ständen seiner Lande sich förm-
lich verbinden. Da ferner die Wahl des Matthias im Gegensatz zu den
.Absichten der katholischen Ueichsstände und Mächte erfolgen wird, so
muss er ohnehin seine Stütze bei den Protestanten suchen. Und da er
durch seine Wahl sich mit .Albert Überwerfen wird, so kann zugleich die
Macht des llau.s«'s Oesterreich sich nicht wieder befestigen, dies um so
weniger, da Alatthias kein langes Leben mehr vor sich hat.
Also die Protestanten wählen Matthias, weil in seinem Hause, seinen
Krblanden unil dem Reich seine Kräfte überall gelähmt sein werden. —
ln ganz anderm Sinne nahm Matthias den ihm allgetragenen Beistand an.
Kr berie-f sich den Protestanten gegenüber gern auf seine Concessionen
an die protestantischen Landstände und auf tlie unfreundliche Stiinmung
eines Theils der Katholiken: das sei der Beweis einer Gesinnung, welche
zwischen hehlen Partien mit gleicher Billigkeit vermittle. Den Katholiken
gegenüber suchte er dagegen seine eigentliche Gesinnung zu charakterisiivn,
indem er erinnerte, dass er im Jahre 1604 zur Aufhebung der von
Maximilian II. den <)sterreichischen Protestanten gewährten Concession
gerat hen hatte, und dass er noch gegenwärtig die Besch wenlen der pro-
testantischen Stände errege. Die Concession für Oesterreich von 1609
wurde dargestellt als tun IVbel, veranlasst durch des Kaisei-s Umtriebe und
unvermeidlich gemacht dureh die Unthätigkeit der katholischen Mächte,
auf deren Unterstützung der König hoffen durfte. Ks wurde darauf hin-
gewiesen, dass ilie Concession nur für des Königs Ijcbzeiten gewährt sei. )
I) Inatrnclion 1011 Man 12. (Hammer II. n. 304. Vgl. deo Entwarf n. 263.) Gatachten
1612. (Hammer MI. n. 372. Vgl. n. 742. ebenfalla an 1012, nicht 1617 gehörig.)
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Jii der NjiaiUBehe (Jesandte wurde bereit» ItilO l)edeiitet. e» »ei <lie Auf-
gabe, da», was zum Naditheil der lieligioii und de» Hauses Oesterreich
preis gegeben, wider einzubringen. In dieser Gedaukelireilie konnte
natürlich der Beistand der protestantischen Fürsten nur als ein solcher
ersclieiuen, der benutzt wurde, ohne belohnt zu werden. Der Erzbischof
von Mainz hatte Hecht, wenn er über das Verhfiltniss zwischen Matthias
und der Union bemerkte: ich möchte »eben, wei' den andern betrügen wird.
Ob die Wahl des Matthias der Union zum Vortlieil gedeihen sollte
oder nicht, das hing Iwi so widersprechenden (iesinnungen vornehmlich
davon ab, ob die Unirten vorlu'r bestimmte Zusagen von ihm erlangten,
oder ob sie während des Interregnum auf andere Weise den Zustand des
Keichs zu verändern vermochten. In ereterer Beziehung nun hob Matthias
es vor den Katholiken mit liecht hervor, dass keine U-apitulation zwischen
ihm und den Unirten getroffen sei:-’') die Union war wohl stark genug,
um den Kaisiw lliidolf und »einen Nachfolger zum V'erzicht auf die in
dem .lunimandat von IfilO eingenommene Stellung zu nöthigeii, aber die
Bedingungen einer Kaiserwahl zu dictiren, vermochte sie keineswegs. Hin-
sichtlich des zweiten Punktes war es der Wunsch Anhalts. <lem gewiss hierin
die Unirten heistimmten, den Wahltag möglichst hinausgeschoben zu sehen:
ein langes InteiTegnum unter pfülzisch-sächsischem V'icariat konnte l)enutzt
werden, um in den grossen Streitfragen zwischen katholischen und pro-
testantischen Ständen die Dinge zu (Junsten der letztem zu wenden.^)
Allein auch hier trug die Majorität der Kurfürsten es über die AVünsche
der Union davon, indem der W.ahltag fa.st genau an dem zu Nürnberg
bestimmten Termin eröffnet wurde.
Von da ab beruhte die Hoffnung <ler Unirten nur noch auf der
dopjjelten Voraus.setzung, dass einerseits die Katholiken durchaus den Kra-
herzog Allx»rt wählen wollten, Matthias also bei mul nach der AVahl sich
auf die protestantische l'artei werde stützen müssen, und dass anderseits
bei der vor dem Wahlact zu vereinbarenden Wahlcapitulation die Prote-
1) Kleil an ZnXiga. 1610 A|iril 2. (Hammer II. n. 273.)
2) Tgl. 3. 111 Anm. 1.
3) In dem eitirten ActenstUrk Hammer III. n. 372.
4) Anhalt an Anspach. 1612 Fehr. 9. (Herlin. Unionsacta ad tom. XXIV.)
5) Bestimmt war der 21. Hai. Die erste Sitxnng des Wahltags war am 22. Hai.
16‘
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stauten ihre Kordeninu;«'!! wüitlen aufstellen unil durehsetzeii können. Auch
darin sahen sie sich am Knde getäuscht. Die Candidatur Alhei’t.s war
vor allein von dem Krzheiv.og selher so wenig ernst gemeint, dass der-
sells^ noch vor dem Wahltag seinem Drnder versichern Hess, er wolle die
Wahl nicht erstreben.') Wenn trotzdem die geistlichen Kurfui’sten für
ihn waren, -) so entschieden sich der Papst und Spanien mehr für Matthias,®)
und zu demselben neigte der Kiirfiu'st von Sachsen.*) Was aber die
Vei-suche einer wesentlii'h geänderten Wahlcapitulation angeht, so pflog
der Kurfüi'st von Sachsen über seinen conservativen (irundsatz. die Kniser-
wahl nicht abhängig zu machen von der Hefriedigung einer der grossen
Parteien, noch vor dem Wahltag einen Gedankenaustausch mit dem Erz-
bischof von Mainz, nai-h welchem man voiiiussagen konnte, er werde die
weitgehenden .\ns|irüche der unirten Kurfürsten gemeinschaftlich mit seinen
gei.stlichen Collegen niederstimmen. ®) Der .Vdministrator der KiU’iifalz
selber lieschied sich in Anerkennung dieser Sachlage, da.s,s Aenderungen
der Cajiitnlation W(d zu erstreben, alier schwer zu erlangen sein werden:
1) Der Grainl von Albcrts Xurü4*kliBUung wird in ikni Vortrag der Krzlierzoge vom 27. Dee.
Kill (durtor Vif. S. 2) zu stachen noin. .\in 12. April kurichtot Ph. Fochs an Anapuck (Iterlio.
UnioitMCU ad tom. 24): or hat dom Ki'mig MattliiaH de« Markgrafen Schreiben Qbei^oben and die
niQndiiche Werbung rerriehtot. Der K. erwiderte n. a. : ,*wero «eine« bruders halben, das er sieb nicht«
annemon wurde, ganz versichert.“ Zur Ueberbringttng der dem Gr. Sore aufgegebenen Werbung aei schon
ein anderer Gesandter unterwegs. ,8o stunde es nun mit Sachsen gegen «einer peraon weit in
bessern terminis Hotte den von Walstein kürzlich alda gehabt*, und anncmblicfae satisfaction er*
langt.*' — Jn einer dem undatirten Schreiben, Heil. VI, folgenden eigenh. Notiz bemerkt der Mark-
graf: «die erklernng. s«) durch den g(rafj v(on)Siord) geschehen solte, du nemlich A(lbcrt) die succcs-
siun weder affectiren noch aimeinen wollte", würde dem Matthias Nntzen schaden, wenn sic vor dem
Wahltag etlichen t'hurfUrsten, besonders Mainz und Sachsen vorgotragen würde. — Vgl. auch die Acunser-
ung Klesl's Hammer lli. ii.
2) Siehe oben S. 111 Anni. 2. Auf den Versuch Kurerdn», die bairische Candidatur eiuzo-
sekieben, der wol ziemlich in der Luft schwebte, gehe ich absichtlich nicht ein.
d) Vgl. die Correspondenz zwischen Kurcüln und üaiern. Wolf HI 8 2HC fg.
41 Siehe oben.
o) In des Knrl^rsten Resolution auf des Mainzer Gesandten Brömser Werbung lieisst es hin-
sichtlich der Capitnlation : allen BetMThwerdeu abzuhelfen steht nicht in der Kurfürsten noch de«
künftigen Keichshaupto« Macht. Angesichts der .Misi>briach>? in der Regierung de« vorigen Kaisers
Ware aber in die Capitnlation cinzurOcken, dass der neue Kaiser mit Zuziehung der Kurfürsten das
Kegiment .fasse* und .bcstolle**, dass er Diener und Häthe gebrauche, die im Reich angesessen, ver-
nW'igend und angcflclien sind und das Vertrauen der Stände haben. Die t^ig^Qtlichen) Verhandlun^n
Ober di« ('apiinlation sind aber, um Streitigkeiten zu vermeiden, erst bet der Zusammenkunft sämmt-
lichcr Kurfürsten zu fuhren. d>resden. l'hil. Krsten Utich Wahltagssachcn 1012. f. 120.)
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er wolle das seinige thiin ,und das übrige Gott dem allmächtigen
befehlen“.*)
Wa.s der .\dininistrator fürchtete, geschah denn auch. Als der Kur-
fürstentag versammelt war, und die Uurathungen über die Wahlcapitu-
lation*) vor sich gingen (29. Mai — 8. Juni), machten er und Brandenburg
den Versuch, in einem der wichtigsten Punkte de.s pfäbisch - protestan-
tischen Parteiin-ogramms, der sich auf Umgestaltung der kaiserlichen lle-
gierung im paritätischen und ständischen Sinne bezog, eine Entscheidung
herbeizuführen. Es wurde verlangt: Besetzung des Beichshofraths unter
Mitwirkung der Keicksstände, Be.soldung dessellion durch Zusc:hüsso der
Reichsstände, jährliche Visitation durch Mainz und einen protestantischen
Kurfürsten, gleiche Vertretung beider Religionen bis in’s Präsidium hinein.
Nicht ganz klar war es dabei, bis zu welchem Grad man die Gerichtsbarkeit
der Behörde einschränken wollte, ob nach der ganzen Strenge der pfälzi-
schen Staatslehre oder nach einem geiiiässigteren Gesichtspunkte: jeden-
falls fas-sto man den Hofrath als vorwiegend gerichtliche Behörde auf,
neben welcher der für die allgemeinen Regierungsgeschäfte bestimmte ge-
heime Rath als besondei’es Collegium anerkannt wmrde. ln letzterm sollte
nach dem pfälzischen Vorschlag eine .Vnzaid Räthe, präsentirt von den
Kurffu’sten, und Ijeiden Religionen angehörig, aufgenoinmen werden.
Das Geschick die.ser Vorschläge war, dass sie zunächst von Sachsen
stark abgeschwächt wurden, schliesslich al)er, da die geistlichen Kurfürsten
sie nun einmal nicht annahmen, uml Sachsen, um nur die Wahl nicht zu
gefährden, zu den Gei-stlichen übertrat. unter nichtssagenden Vorbehalten
zu Boden fiehm. Es gelangtefl zur Annahme nur ziemlich unverfiingliche
Bestimmungen, z. B. dass der Kaiser in wichtigen Angelegenheiten nicht
ei-st hinterher, sondern von vornherein die Kurfürsten um Rath zu fragen
1) An KarbranJenbar^. 1012 April *<0. (Berlin Xil 1, 2. WahltajC xu Frankfort)
2) Vgl. (las Prytokoll bei Moser, Wahlcapitnlation Krani;' J. IW. II 8. *‘167. Mir liegt ein von
Herrn Dr. Baumann excerpirtes Protowll Abrahams v. Dohna (bei der brandenburg. Geeandtschaft) vor
(Schlobitten. Manuecriptonim tom. XXV), durch welches da.s Moser'scbe Protokoll vielfach erganxt wird.
— ProtocoUausxQge aus einigen Sitxangen bei Wolf 111 8. 29i). Wolf muss ein pfalzlschea Protocoll
vor sich gehabt haben , da er die Wahl auf den 8. Juni (sie fiel auf deo 13. nach neuem Styl) an-
setzt. Merkwßrdiger Weise setzt er auch das Schreiben Kurc^lns S. 21^3 auf den 30. Mai, welches
Datum nur dann passt, wenn man alten Styl annimmt. — Bin Brnchstllck aus dem karbranilenbargt-
schi'D Protocoll bei Ranke, Werke VII 8. 2>'8.
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habe, dass die Mitjilieder de» geheimen und Hofraths von deutsclier Na-
tionalität, theils fni’stlieh oder adelich. theils sonstige ehrliche Leute und
in Heiehssachen wohl erfahren »ein müssten, das» eine neue Hofraths-
ordming zu verfassen und den Kurfürsten vui-/.ulegen sei.
Xocli weniger Glück hatten die Kurfuraten von der l’falz und
Brandenburg mit andern Vorsidilägen, wenn sie z. B. — in Krimiei-ungeii
an die Conflicte von 1610 und als Hinweis auf ernstere Vorgänge der
Zukunft — den Antrag »teilten, kein Beichsstand dürfe in die .\cht er-
klärt werden ohne Vorwissen der Kurfüreten uml keinem Kurfürsten dürfe
diese Strafe anders widei-fahien als mit X'orwissen der gesammten Ueichs-
stände; oder wenn sie den protestantischen Bisthuinsadministratoren den
Weg znm Reichstag wider zu öffnen versuchten durch (ünen Vor»chlag,
nach welchem demjenigen, der ordnungsmässig die Belehnung nachgesucht
hatte, die Session nicht verweigert werden sollte. Derartige Forderungen
wurden beseitigt, und die Berathungen über die Uapitulation überhaujit
in zehn Tagen zu Ende geführt.
Während dieser Zeit konnten die geistlichen Kurfüraten »ich über-
zeugen, dass mit der Candidutur Albnwhts nicht ilurchziidringen, und
dass Matthias ihnen nicht gefährlich war. Am 13. .Juni wurde derselbe
einstimmig zum Kaiser gewählt.
Auf solche Weise entsprang die Wahl des .Matthiii» einem Conipromiss
zwischen der katholischen und prot<«tautischen Partei, al)er einem Com-
promiss nicht über streitige .Ansprüche, s<jndeni nur über die Pei-son dtw
zu Wählenden. Der Mann, der in liiesom gewiss nicht gerailen Verlauf
der Dinge das Interesse de» Matthias vorflehmlich wahrgenoiiimen und
die Verhandlungen ilesselben geleitet hatte, war derselbe, der seit vierzehn
Jahren') für ihn dachte und handelte, der Bischof Melchior Klesl von Wien.
Seit der Zeit, da Rudolf die Regierung von Böhmen niedergelegt hatte,
und die Reichsregierung durch das Hinüberziehen vornehmer kaiserlicher
Räthe in den Dienst des Matthias*) gleichsam an dessen Hof lünüljerzu-
wandern begann, hatte Klesls Wirksjiinkeit ihn mitten in die Verhältnisse
1) In der Eingabe Ton ISII bei Hnminer UI. n. bereeboet er seine Dienste beim K.
Matthias nnf dreizehn Jahre.
2) Vgl. z. n. Hammer II. n. 356, lU. 3S7. Hannewalt an Anspach. 1611 Dec. 24. (Berlin.
ünioDsacten ad tom. 24.)
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des deutschen Reiches hineingeführt. Als dann Matthias zum deutschen
Kai.ser gewählt war, fiel ihm recht eigentlich die Einrichtung der Reichs-
regierung zu: er verwaltete die Kanzlei bis zur Ernennnng des Reichs-
vicekanzlers Ludwig von Ulm (Endo 1612); er führte den neuen Präsidenten
des llofraths, Grafen Johann Georg von Zollern, nebst andern Hof- und
Geheimen Rathen in ihre Aemter ein; und nach der Resetzung aller solcher
Stellen behielt er für sich die Direction des geheimen Raths und, was
mehr als das sagen will, die Direction des kraftlosen Kaisers sellter.’)
An diesen Mann trat nach der Wahl die Frage heran, wie der durch ein
so zweideutiges Verhalten gegen die Parteien erkämiifte Titel der kaiser-
lichen Regierung zur Wirklichkeit zu machen sei. Denn das.s unter den
Gegensätzen der protestantischen und katholischen Stände und unter der
Unfiihigkeit Rudolfs II. die Reichsregierung geradezu stille gestellt war,
konnte er sich unmöglich verhehlen ; und dass beide Paideien sich ülter die
Wahl des Matthias geeinigt hatten, weil beiden die Verhältnisse im Reich
unerträglich waren, und jede eine Aenderung derselben in ihrem Sinne
von der neuen Regierung erwartete, war nicht minder klar. In Aner-
kennung dieser Lage der Dinge entwarf denn auch Klesl ein politisches
Programm.
Es ist oljen erwähnt, w'ie das V'orgehon der Uuirten und ihr Zerwurf-
niss mit Sachsen und seinen coaservativ-lutherischen Gesinnungsgenossen
den Gedanken einer V'crbindung der letztem mit der katholischen Liga
erzeugt hatte. Die Verhandlungen über dies<?n Plan waren begonnen
bei dem Prager Furstenconvent. fortgesetzt zunächst bei der in Cöln der
Jülicher Sache wegen gehaltenen Versammlung und abermals bei deniNürn-
Iwrger Kurfürstentag. Rei ilieser letzten Gelegenheit hatten sie zwischen
Sacksen und Mainz eine Wendung in dem Sinne genommen, dass die beste,
I al>er entfernte Auskunft in der Auflösung der Sonderbündnisse überhaupt
bestehe, und dass Sachsen einen dahin zielenden Versuch gegen die Union
zu machen habe: wegen der geringen Aussicht derartiger Versuche jedoch
und in der Voraussetzung, da.s,s die Union als da.s grössere. Uel)el einen
Gegenbnnd zur Rettung der Katholiken und der Reichsverfaasung als
1) Hammer 111. n. H94.
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gerinjifereB Uebel notliweuiHg mache, werde, wi meinte Mainz, dei' nächste
Ausweg nocli immer zu dem erwähnten gemischten Bündnisse führen
müssen.')
In diesem Stand war die Verliandlung, als Klesl — sei es durch eigenes
Eindrängen, sei es auf Veninlnssung des Erzbischofs von Mainz — sich des
Planes bemächtigte und darüber, noch im Laufe des Jahres 1612, mit
Mainz in Correspondenz trat. .4iich bei ihm war die Grundstinmmng
durch den Satz von der Verderblichkeit der confoasionellen Bündnisse
gogctxin, auch er schlug eine Vereinigung der Liga mit Sachsen und allen
für die Roichsverfa.s.sung eintretenden Ständen vor: aber — und das war
die ihm eigenthüinliche Wendung — «las Haupt dieses Bundes sollte der
Kaiser sein. *) Ol) Klesl damit seinen letzten Gedanken aussprach ? Mir
scheint nach seinem weitem Verhalten eher, dass es ihm «illeidings Ernst
war mit .Auflösung d«T Union und Liga, dass er dann aber nicht eigent-
lich an einen neuen Bund, sondem an das Zusammenhalten der grossen
Majorität der Ueichsstände unter kaiserlicher Autorität dachte.
Die Frage ist, über welche Mittel er gebot um ein so kühnes Unter-
nehmen durchzuführen. Man muss sich in dieser lliasicht erinnern, wie
die Anstrengungen des Jahres 1610 in beiden Bündnissen Entmuthigimg
und Zwiespalt hervorgerufen hatten, und wie aus dieser Stimmung der
Plan der Composition hervorgegangen war. Matthias hatte sich schon
im Jahre 1611 den neuen Gedanken angeeignet; einer der ersten Entschlüsse
Klesls l)ei dem Wechsel der Heichsregierung war es nun, dass er auf
denselben zurückkam; im Namen des Kaisers, so meinte er, sollte die
Ausgleichung «ler gros.sen Gegoisätze im Reich unternommen, und damit
die Bündnis.se überflüssig gemacht, und alle Stände dem Kai.sor veri>flichtet
werden. Allerdings war dies ein Plan, der leichter zu fassen als durch-
zufühn.-n war. Vielleicht in der Emi)findung, dass der Erfolg zu uiLsicher
sei, verband denn auch Klesl mit seinem ersten Gedanken sogleich
einen zweiten.
1) Beilnge VII.
*2) Wolf 111 S. fg. Am 13. März 1613 berichtet auch Batigj an Puiiiieax: KImI solle nach
Krüften an Aufltisuug der Union and Liga arbeiten. (Paris- Bibi. nat. Harlaj f. 96.) Vgl.
Häberlin-Senkcnberg XXIII 8. 022 Anm. i.
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123
An der Üstgränze der österreichischen Lande bewährte damals das
Fürstenthum Siebenbürgen seine in dein Jahrhundert vorher und nachher
ges]nelte Rolle des Friedensstörers zwischen Oesterreich und der Türkei.
In demselben Jlonat in dem der Wahltag zu Frankfurt, gehalten wurde,
brachte Andreas Geczi im Namen der drei siebenbürgisclien Nationen
da.s Gesuch') an die Pforte, sie von ihrem Fürsten Gabriel Uathory
zu befreien uud die türkische Hoheit über Siebenbürgen, die nach öster-
reichischer Auslegung durch den Frieden von Szitva-Torok (1606) end-
gültig VieseiGgt war,®) geltend zu machen. Bald darauf veiutändigte sich
Betlen Galmr erst mit dem Pascha von Temesvar, dann in Adrianojiel
mit dem Sultan selber über seine Erhebung zum siebenbürgisclien Fürsten
unter türkischer Hoheit. Diesen Umtrieben gegenüber näherte sich Bathory,
der bisher eine unabhängige Stellung zwischen der Türkei und Ungarn
erstrebt hatte, dem Kaiser. Zu -\nfang des Jahivs 1613 schlossen seine
Gesandten mit Matthias einen Vertrag®) in welchem die Zugehörigkeit
Siebenbürgens zm- ungarischen Krone, und somit auch die Oberhoheit
des Königs von Ungarn anerkannt wurde. ') Das Ergebniss von all’ diesen
Schritten war, dass, wenn nunmehr der Kaiser auf seinem Vertrag mit Bathory
l>estand, ein neuer Türkenkrieg ausbrechen musste, wie denn auch im
Frühjahr 1613 von Seiten des Sultans gerüstet wurde, und daliei die Ab-
sicht hervortrat, die Regulirung des ungrisch-türkischen Grenze, die nach
dem letzten Friedensschluss noch zu vollziehen war, iin türkischen Sinne
durchzuführen.
Wenn man nun aber bedachte, wie die für das Haus Oesterreich so
nachtheiligen Friedensverträge von 1606 nur dadurch zu Stande gekommen
waren, dass dem Kaiser Rudolf II. durch die allerwärts ausbrechende
Empörung die Vortheile eines zehnjährigen Krieges aus der Hand geris.sen
\yaron, so lag für einen österreichischen Staatsmann der Gedanke sehr nahe,
es dürfe keine neue Concession gemacht werden, wol aber müsse die
Gelegenheit lienutzt werden, die vorigen Verluste nach Möglichkeit wieder
1) Mai 12. Katooa XXIX S. 408.
2) Katooa XXIX. S. -U9.
H) Katona XXIX. S.
4) Dagegen räumte der Kaiser den Siebenbürgen! das Recht freier Fursteowahl ein, während
der Wiener Friede den Klickfall Siebenbürgens an die ungrische Krone nach Itocskay's Tode bedang.
Abh. d. IIT. CI. d. k. Äk. d. Wisa. XV. Bd. II. Abtb. K
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einzubi'ingen. In <lic*sein Sinne fasste Klesl die Sache auf. Er hoffte,
wie die österreicliischen Ijande, so auch das Reich zu einer ruhuireiclien
Action nach aussen fortzuroissen und ini Bewusstsein der allgemeinen
Zusaniinengehörigkeit die innern Streitigkeiten zu ersticken. ')
Um beides, die Compositioii und die Vertheidigung der ungrischen
Kronlandc gegen die Türken, zu Wege zu bringen und somit die kaiser-
liche Ma<-ht durch eine erfolgr-eiche Bethätigung derselben wieder zu be-
gründen, wünschte Klesl die möglichst baldige Abhaltung eines Reichstags.
E.s w\irde daher von kaiserlicher Seite wenige Tage nach der Wahl an
die Kurfüi-sten der Anti'ag gerichtet, die Berufung einer solchen Ver-
sammlung, die in drei bis vier .Monaten eröffnet wenleii sollte, zu Ire-
willigen. Alrer gleich hier zeigte es sich, dass den Kurfürsten die Dinge
weniger dringend ei'schieneii als der kaiserlichen Regierung : indem sie den
Reichstag Irewilligten, verschoben sie den Termin des-selbeii auf den April
des Jahres 1613.*l Wirklich eröffnet wurde er daun eirf im .\ugust lt>13
zu Regonsburg.
Der Verlauf dieses Reichstags und der Verhandlungen, die unmittel-
bar aus demsellren hervorgingen, ist in der Beschichte der Reichsregierung
des Kaisers Matthias wol das iMsleutsamste Moment. Denn obgleich es
an einem äusseren Erh)lg bei demselben fast gänzlich gebrach, so wurde
doch darüber entschieden, ob eine Hei-stellung der staatlichen Einheit des
Reichs in den Gränzen der l>estehenden Verfassung, iiei dem damaligen
Verhältniss der Parteien unter einander und des Kaiseisi zu den Parteien,
möglich war. Wegen des unuiittelbai^m Zusammenhangs der Vorgänge
des Reichstags mit den bisher besjmochenen V'erhandlnngen gehe ich so-
foi-t zu demselben ül)er.
1) Uebfir stineo Eifer f&r den Türkenkrieg rgl. n. a. seine }>chreibeD an Molart. 1018 Oct.
(Hammer JIJ. n. 407, 40><.) Im übrigen muss die Rechtfertigung dar über Klesl'R Abaichten aus»
gesprochenen 8«tze sieb aUR seiner Haltung am Reichstag und bet den Compositionsverhaudlungen
nach dem Kciclutag ergeben. Interessant ist die Rechtfertigung seiner Politik in seinem Schreiben
an Anspacli vom 4. Oetober 1014. (Hammer III. n. 4>51. das Orig, im Berliner Archiv. Union'ucta
ad tom. !24.)
2) Dohna's Protocoll. Sitzung Juni 19.
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Viertes Ka]>itel.
Der Regensburger Reichstag und die Conipositioii.
Am 13. August 1613 wurde der Uogensburger lleichstag') durch Vor-
le.sung der kaiserlichen Proposition ‘*) eröffnet. Mit aller Offenherzigkeit
wurden in derselben die zwei grossen Ziele der kaiserlichen Politik —
Aufliisung der Bündnisse und Vertheidigung gegen die l’elwrgi'iffe der
Türken — in den Vhtrdorgrund gestellt. Statt der Bündnisse verlangte der
Kaiser Hemtellung der Kinigkeit unter den Standen und Wiederbelebung
der Keichsverfassung, und als das rechte Mittel für diesen Zweck propo-
nirte er die 'Wiederaufrichtung der .lustiz am Kammorgericht, indem Vi-
sitationen und Vornahme der Revisionen in Gang gebracht, und die alte
Kammergerichtsoi-dnung durch Aufnahme der seit 1553 erla.s.senen Gesetze
und Visitationsabschiede, die er hatte zusammunstelleii lassen, ergänzt
tvürde. Zur Vertheidigung Siebenbürgens und der ungrischen Granze
gegen die Türken beansjiruchte er eine Steuer, die höher oder nie<lriger
austiel, je nachdem es zum offenen Krieg kam oder nicht, deren voller
Betrag sich aber auf 260 Monate®) belief. — Vergleicht man diese Vor-
schläge mit dem, was oben als diu« Programm Klesls bezeichnet ist. .so
scheinen sie doch auf den ei-sten Blick demselben kaum zu eutsj)rechen :
Belebung der Ueichsjustiz bedeutete noch lange nicht die Vornahme der
gesauunten Gegensätze, welche protestantische und katholische Stände
getrennt, und das Reich zerrissen hatten ; das Verfahren eines Reichstags
1) Meine Hauptqiielle für diesen Keichstaie: bilden die kurbraadenburj^isdien Berichte (Berlin
X. Iieich.*iUi^ IßlH. Vor mir bennUt Ton Hanke. Werke VJI. S. fj;.) and die von Abraham
ron Dohna (Mitglied der brandenbarg. Gestvadtsebaft) gemachten Aufzeichnungen . halb Tagebuch,
halb Protocoll. Sie finden sich im Schlobitteiier Arcbir. inanuscriptorum tom. XXVI, und sind von
Herrn Dr. Bauniann ezeerpirt. Die gedraekten AetenstQcke vom Reichstag jedesmal zu citiren, halte
ich fQr überflüssig- Man findet die nöthigen Xaebweisangen bei Hüberliu>Senkenberg. an dessen Ex«
cerpte man sich freilich nicht halten darf. Senkenberg fügt einige Auszüge ans einem Heiebstags-
protocoll des Darmstädt^r Archira binza.
2) Mit derselben ist zusatnmenzuhaUen das kataerlichc Anuehreiben bei Sattler VJ. Beil. S. 07.
:t) Nämlich fünf Jahre lang je Monate zum Schutz der Grünten, für dieselbe Zeit je *2U Mo*
nate im Fall des Krieges, endlich 10 Monate fUr die Befestigung Wiens und zwei Festungen in der
Nähe von Canissa. — Ob letztere 10 Monate einmal, oder fünf Jahre lang gezahlt werden sollten, ist
anklar. Dohna, in dem unten erwähnten Protocoll nimmt es im letztem Sinne und rechnet eine For*
derung von dOO Monaten aus.
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mit Abstimmung nach Majorität und mit gesetzlichem Cliarakter iwiner
Beschlüsse entsprach keineswegs demjenigen Verfahren, welches bei einer
ComjK)sitionshandlung zu beobachten war. Indess abgesehen davon dass
allerdings , wie sich gleich zeigen wird , die Proposition wahrscheinlicli
kein getreuer Auwlrnck von Klesls Alisichten war, so zeigte die kai.ser-
liche Hegiorung doch, indem sie gegen ein langes Herkommen nicht die
Türkonhülfe. sondern den Justizi)unkt voranstellte, da.ss es ihr Ernst war,
wenigstens eine der schwersten innern Streitfragen zur Erledigung zu
bringen. Unmöglich konnten sich auch die versöhnlich gesinnten Mit-
glieder dieser Itegierung die innere Nothwendigkeit verhehlen, mit der
die Parteien, besonders die Uuirten, von jenem einen 1‘unkte zu den übrigen
Streitfragen, und von der formellen Behandlung der Gegenstände auf
den Weg freier Verständigung drängen mussten. Nicht mit Unrecht konnte
man daher die Proposition als eine Aufforderung an die Stände betrachten,
den Versuch einer Vei’ständigung über ihi’c Parteigegensätzc zu unter-
nehmen.
Die grosse Frage war nur, oh die kaiserliche Uegierung diesem
Vei-such eine Direction zu geben vermochte. In dieser Beziehung hatte
Klesl sich .Mühe gegeben, das vortnmliche Verhältniss des kaiserlichen
Hofes zu dem Markgrafen von Anspach zu erhalten;') Matthias hatte
1) Am 7, Sept. U»12 schreibt Klesl an Anspach: er hat des Markg^rafen Schreiben dem Kaiser
Qod der Kaiserin übergeben. .Und eie glauben mir bei meinen eren, das sie das ktnt im baue sein,
aucli bei uns anderst darfür nicht gehalten werden; und verhoffe. i. Kai. M. Werdens bet allen gelegen-
beiten erxaigen, sie halten sich nur stamlhaftig an dieselben.* Der ungrische Palatin ist gegen
Türken und Siebenbürgen nicht Torwarts, nnch zur Aufnahme der Deutschen bei dieser äussersten Notb
tu bringen. Der Türke hat in der Moldau Pulacken .niedergehauet* und ist dann mit 40,000 M.
nach Siebenbürgen gezogen. Sein langer bei Kronstadt, Lippa, Janö, Wardein will er besetzen. Der
Kaiser sucht durch seinen Gesandten in Constantinopel, wie er es bei dem Pascha ron Ofen ond dem
Bathur)* Yeraucht hat. für den Frieden zu wirken. Aber der Türke kennt seinen Vortfaeü : dass die
Ungarn keine Deutschen wollen, dass Deutsche und Ungarn in Siebenbürgeo lieber unter dem Türken
alt unter Batborjs Tyrannei leben wollen, dass im Reich ein baldiger Reichstag nicht zu erlangen
war. Friedbrüehige KinfAUe de« Türken von Erlau und Cauissa aus. Erwägt mau diese Dinge, so
dürfte man wol einsehen, dass man einen Reichstag gleich nach dem Wahltag hätte veranstalten sollen.
.Solches schreibe e. f. g. ich.., weil ick wol waiss, das sie mit mir ains sein, und mir die zeugnus
geben wenien, dasich in diesem meinem ambt nichts verschwigen, dissimuliert noch Vorhalten.* Auch
der Kaiser hat das seinige gethan. .Es sagen andere was sie wÜllen, so sihe ich unsor Verderbon
vor äugen . . Es sein vü kOnigreicb und das Kaisertomb zu Constautinopel , ja das heil. Unt selbst
unter des Türken gewalt kommen. . . Wer sieh seinem fennt nicht widersetzet, muess in seinen gewalt
sieb begeben. (Berlin, Unionsacta ad tom. 24.)
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(len zum Keidishofratli beförderten Gundaker von Polheini an den Ad-
ministrator der Kurj)falz und an andere unirte Fürsten geschickt, mit der
Bitte, sie möchten persönlich am lleichstag erscheinen;’) ja am kaiser-
lichen Hof wagte man es, eine der wichtigsten Streitfragen, ob nilmlich
die Session und überhauj(t der Besitz der protestantischen Bisthums-
administratoreii anzuerkenneii sei in einer Denkschrift anzuregen und eine
Entscheidung zu Gunsten der Protestanten zu empfelilen. '■*)
Wäre diese Sclirift im Namen des Kaisers oder auch nur des Bischofs
Klesl ausgegangen, so lüitte sich damit die kaiserliche liegiermig au die
Spitze einer Bewegung gestellt, die zu Concessionen an die Protestanten,
zu dem Verzicht auf eine katholische Reaction führen konnte. Aber
gerade das, worauf es in diesem Falle angekommen wäre, fehlte: die Schrift
wurde verbreitet ohne einen Namen, auf den die Verantwortung fiel.*)
V^tn vornherein trug somit die Haltung der kaiserlichen Regierung die
Merkmale der Zweideutigkeit und Halbheit an sich. Der Grund davon
mag zum Theil in Klesls V'ergangeuheit gelegoi haben, die zu eng mit
dem katholischen Parteiinteresse verbunden war, um ihm jetzt, da er zum
Versuch der V'erständigung fortschroiten wollte, eine wirkliche und prin-
cii>ielle Concession an die Protestanten zu gestatten; zum Theil aber werden
die Ui-sachen auch in einem Zwiesjialt unter den kaiserlichen Rathen
gasucht werden müssen. Es wird sich zeigen, wie während des Reichs-
tags der Reichsvicekanzler von Ulm den scharf katholischen, Klesl den
vermittelnden Standpunkt vertrat. Dass dieser Gegensatz von Anfang an,
jedenfalls schon bei Eröffnung des Reichstags vorhanden war, imd damals
mit einem Siege der katholischen Partei begann, wird man annehmen
dürfen, wenn es inchtig ist, dass die Abfa,ssnng der ProjKjsition nicht dem
Bischof Klesl. sondern dem Andreas Hannewalt übertragen wurde ,■*) einem
Manne, der unter Rudolf 11. von den protestantischen Reichstäuden als
die Verkorperimg der ihnen feindlichen Politik des Kaisers l>etrachtet ward.
1) Creditiv für Polhoim 1613 Febr. 16. (München. 2. Mit der Notiz: .die w^buog Ut ge-
wesen, das sich Pfalz beim rekbstAg in der ^lerson einstellen wolle.) Vgl. die Aeusserung ln Klesls
Schreiben (folgt weiter unten) an Anspach vom 31. Aug. 1613.
2) Wolf III S. 336.
8) Die« nmas man aus den Worten Wolfs (a. a. 0.) schliessen. Anders Kauke, Werke VII, S. 222.
4) £r solle der Verfaeser sein, berichten die kurbrandenborgUeben Gesandten am 13. Sept. 1618.
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Der Inhalt der Projwsition selber unterstützt diese Annahme. Denn an
einer Stelle wenigstens, wo sie in der Frage, ob die vier Klostersachen
dem Urtheil der Revisionscommission zu unterziehen seien oder nicht,
sich deutlich gegen die Forderimgen der pfälzischen Partei ausspricht,
ermuntert sie jedenfalls nicht die Stimmung des Ausgleichs und der
Versöhnung.
Im Grunde genommen war also Klesls Plan der Vei'stündigung ein
schönes Ziel, zu dem er aber leider keinen Weg anzugeben wusste. Es
konnte nicht anders sein, als da.ss er in der Folgezeit l>ei seinen auf-
dringlichen Bemühungen um die Au-sgleichung und bei diesem Fernhaltcn
von wesentlichen Concessionen. sein Heil in der Täu-schung der Parteien,
besonders der Proti?stanten, suchen musste, um schliesslich von allen Seiten
als Betrüger verworfen zu werden.
Und MÜe stand es nun Iwi dieser Halbheit der kaiserlichen Politik
mit der Stellung der Parteien? Die Unirten konnten sich sagen, dasi
mit dem Versuch der Ausgleichung man ihren eigensten Gedanken an-
nahm. Wie aber bei derartigen Vergleichen immer das jeweilige Ki’aft-
bewusstsein der Parteien von entscheidendem Einflüsse ist, so konnten sie
danetien nicht übeistehen, dass gerade jetzt, seit dom Jahre 1612, ihre
Stellung eine ungleich gflnstigei’e geworden %var als im Jahre 1610.
Und in dieser Stimmung kamen sie im März 161.S in Rotenburg zu-
sammen, um sich über ihre Haltung bei dem kommenden Reichstag
zuvorständigen.*) Sie hatten, wie es scheint, von dem obersten Ziel der
kaiserlichen Politik, welches in der Auflösung des katholischen wie des
protestantischen Bundnis.sos l>estand. voi-nommen: dom gegenüber war es
eine der ersten Ma-ssregeln iler Versammelten, das.s sie sich zusagten, an
der Union festzuhalten, auch dann, wenn die Katholischen ihnen die Auf-
lösung ihrei’ Liga als Gegendienst vcisprechen würden. Die Absicht dos
Kaiseisi, am Reichstag den Justizpmikt an erster Stelle vorzunehmen,
erkannten sie als ein Entgegenkommen an, welches sie vergelten wollten,
indem sie 'dem Vortrag der Proposition vor den gesammten Ständen nichts
in den Weg legten: allein nach diesem Act, so beschlossen sie weiter,
I) l’eber Jas Kolganäe IMlair« VIII.
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hab« man von jirotestantischer Seite die Gesamintheit der Beschwerden
voraulegeii und sich vor Krörterung derselben in andere V'erhandlungen
niclit einzulassen. Kine neue Reilaction der Beschwerden wurde demgeinäss
entworfen und angenoiimien. ‘) Positiv gewandt, forderte diese Schrift
zu Gun.sten dos j)rotestantisc-hen Bekenntnisses: .Vusübung der rcichs-
ständischeu Ueehte durch die protestantischen Bisthuuisadmiiiistratoren
und Zulassung der Protestanten zu Stiftscajiiteln und geistlichen Orden.
Anerkennung der Kcrdinandeischen Declaration und des Rechtes der jiro-
tostantischen Reichsstiinde , die Klöster und Stifter ihrer Laude nach re-
forinatorischen Grundsätzen uinzuwandeln, endlich für die pi-otestantischen
Ünterthanen katholisclier Stände das Reclit zu bleiben oder aaszuwandern,
und ihren Gottesdienst in der Nachbarschaft zu besuchen. In Bezug auf
die Reichsvorfa,s.sung wurde verlangt: die Beseitigung der mit dem Kammer-
gericht concurrirenden Jurisdiction des Reichshofratlis imd Verzicht auf
die Geltung der Majorität am Reichstilg in Religionssacheu und „frei-
willigen“ (d. h. Türken-) Stoueni, .streng paritätische Besetzung des Kammer-
gerichtes und der Dejiutation-stage und Zuziehung von Protestimten zum
Iteichshofrath. Zum Schlus.s kam endlich noch eine lange Reihe von
Ijesonderen Forderungen, unter denen die Restitution Donauwörths und
die Bestätigung der vom pfälzischen Reichsvicariat zu Gunsten der jiro-
testantischon Sache erlassenen Flntscheide in Aachen, Biberach und Fried-
berg obenan standen.
Der Beschlus-s, diese Summe von Forderungen zu betreiben, war die
Entgegnung auf den Versuch , aus den zwischen den Parteien streitigen
Punkten bloss die Justizangelegenheit horauszunehmen. Nicht minder
deutlich war die Antwort auf die Voraiis-setzung , dass über die grossen
Streitfragen auf dem Wege reichstäglicher Verhandlung entschieden werden
könne. Nach der bei dem Unionstag von Kill getroffenen Unterscheiduug
trennte man diejenigen Beschwerden, deren Abstellung durch kaiserliche
Verfügung erfolgen könne, von den andera, über welche Kaiser und Stände
sich einigen mussten: aus der ersten Cla.sse sollten die wichtigem sofort,
vor Eintritt iu die lleichsberathmig , erledigt werden, hinsichtlich der
andern erschien nur ein freier zVusgleich statthaft, und die Zusicherung
1) Vgl. di« Anm. za dem b«treffcDdeo Passus: in !kü. VIII
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einer solclieii Vergleichsverhandlung, die noch während dos Reichstags
zu beginnen hatte, und hei der man dem Kaiser die Rolle des Vermittlers
zwischen den Parteien ziidachte, sollte die weitere Bedingung für die
^’ornahme der Reichtagsgeschnfte sein. ')
So rasch machte also die Union den Schritt von der Reichstags-
verhandlung zur Composition. Da es ihr ohne Zweifel mit solchen Ans-
gleichsverhandlungen ernst war, so erhebt sich für uns die Krage, ol) sie
sich denn auch mit dem Oedanken vertraut machte, den Vergleich durch
Concessionen zu erm<iglichen. Ich finde, dass in zwei der wichtigsten
Streitfragen ein Xachgeben wenigstens angedeutet wurde. Nach tleni
wahren Sinn der Beschwerden ülmr den llofrath kam dom Kaiser eine
eigene .Turisdiction nur in zwei Fällen zu: bei .\n- oder Al>erkennung
von Reichsleh<‘n, und bei Landfrieden-sbrucli (in letzterm Fall coiicurrircnd
mit dem Kammergericht). Ging in solchen Sachen das Verfahren gegen
füi-stenmässige Pei-sonen. so sollten zur UrtheilsfäJlung Standesgenossen
der Beklagten zugezogen werden ; nur gegen nieflere Stände^ mochte ein
mit Reichshofriithen besetztes (Bericht ausreichon. Da nun diesen Be-
haujdungen gegenüber Kaiser Matthias die mit dem Kammergericht con-
currireiule .lurisdiction des Hofraths ebenso entchieden verfocht wie
Rudolf II.. und da er hierin die katholischen wie die jirotestantisch-con-
servativen Stände auf seiner Seite lintte, so wurde in Rotenburg der
Gedanke einer wenigstens jiartiellon Anerkennung der in Besitz xmd Aus-
1) Die Scheitlung dtr Bt‘Kbwerden oiul die Forderung veriKhiedenartiger Hohandlang denielben
läMt sich in der Brscbwerdeschrirt selber erkenoen. Der zweite Theil beginnt (nach dem Prock bei
Meyer. Ausg. von L ^ S. 59 col. 1 letzter Absatz) mit der Bemerkung, dass nuniDehr die Be>
echwerden folgen, die den Kv. roo den katholischen Ständen zugefügt seien, und deren Abstellung
durch gOtlichen Ausgleich zwischen den beiderseitigen Ständen der Kaiser vermitteln •olle. Der voraus*
gebende erste Theil enthält also die Besebwenten, die nach Ansicht der Unirien ln di's Kaisers Hand
stehen, wie es denn auch zum Schluss dieses Theils heisst: , welches alles abznschaffen aud in eine
biliigmiasige Gleichheit und ortlnong zu bringen, e. Kai. M. allergnaedigst gernhen wollen*. Nach
dieser Sebeidung würde in des Kaisers Hand stehen : Regelung der kaiserlichen (und Hofraths*) Juris-
diction, Restitution Donauwörihs. KinfQhrung der Parität am Kammergericht, Bestätigung der Vica*
riatsacte, Kmeuerung der ordentlichen Visitationen unter Betheiligung Magdeburgs, Beseitigung von
Parteilichkeit und Competenzüberschreitung des Kammergerichts, Beseitigung der Boechwerden über das
Rotweiler Hofgericht, Abstellung von Beeintrlchtigungen der Evangelischen bei Kreistagen, von Ent-
ziehung der ihnen zukommenden Sessionen am Reichstag und Niebtberufung der geistlichen ev. Fürsten
zum Reichstag. (Der letzte Punkt kehrt im zweiten Theil übrigens in der Wendung wider, dass
diesen geistlicheo ev. Fürsten ihre katholischen CoUegen die Session streitig machen.
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Übung beiindlichen Jurisdiction des Keichshofrathes angeregt. Das Er-
gebniss der darül)er gepflogenen Erwägung war verneinend. Allein ais
Grund für die Al)lelinung führte man doch nur an, das.s bei der gegen-
wärtigen Gesiimung der kaiserlichen Käthe imd der Hofräthe jedes Zurück-
weichen gefährlich sei. Also wenn die kaiserliche Regienmg sich zu den
Tendenzen der pfälzischen Partei freundlicher stellte, dann war eine Con-
cession möglich. Noch gewundener als in diesem Punkt lautete die Ent-
scheidung der Unirten in dem so tief greifenden Vierklosterstreit. Es
war in einem für den Kaiser bestimmten und den Unirten wahrscheinlich
durch tVürtemberg mitgetheilten Gutachten des Zacharias Goizkofler der
Vorschlag gemacht., den Streit über liecht oder Unrecht bei Einziehung
von Klösteni auszu.setzen und nur den zeitweiligen Be.sitzstand zu sichern.
Die Vereammlung meinte nun, 'j man habe derartige Vorschläge anzu-
horen. ihre Tragweite zu ermessen und dann über ihre Annehmbarkeit
mit den andern Evangelischen sich schlüssig zu machen. Wenn sie freilich
hinzufügte, dass eine Formel annehmbar sei, welche die katholischen
Stände gegen üebergritfe schütze, den protestantischen aber für jetzt
und künftig (also auch den spater übertretenden) <las liecht der Refor-
mation in ihren Landen, d. h. das Recht der Einziehung von Klösteni
und gei.stlichen Anstalten belasse. *) so hielt sie an allem fest , was der
extreme Standpimkt nur verlangen konnte. Aber wenn es ihr mit diesem
Festhalten so ernst war, warum dann der Wunsch, Vorschläge zur Güte
an sich kommen zu lassen?
Die Union verrieth also eine, wenn auch leise Neigung zu Conces-
sionen. Aehnliche Stimmungen mögen damals im Innern der katholischen
Liga vorhanden gewesen sein;*) aber zum Untemdiietl von der Union
hielt das Haupt des katholischen Bundes und der Bund sell>er, wo er als
Gesammtheit sprach, es für zweckmässiger den einmal eingenommenen
Rechtastandpunkt unter Abweisung derartiger Vermittlungsversuche zu
behaui>ten. Dass in Streitigkeiten, die nach Massgabe des Religionsfriedens
zu entscheiden seien, das Kammergericht zu urtlieilen, und in allen lle-
1) Ueber den ZiuammenhiDg mit UeiikoSen Ootocht.'n vgl. die Anmerkung tu dem betref-
fenden Pamus in Beil. Vlll.
2) Aocb den betreiTendeo P&siub der Warttcmber^erReichitai^instrnction. (SattU'rTI S. 70.)
3) Darüber unten bei der Gesebiebte de« Beich«ta)(«.
Abh. d. ni. a. d. k. AV. d. WiM. XV, Bd. II. Abth.
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visioiuittachcn , oline Ausschluss der vier Klostersachen, die Visitations-
coiumission zu erkennen habe, dass der Ueichstag in den Streitfragen
zwischen den confessionellen Parteien seine gesetzliche Entscheidung durch
Majorität trelfen müsse, und daas des Kaisers Jurisdiction nicht nur mit
der des Kainiuergerichts concurrire, sondern sie auch übertrefFe, dass end-
lich der Besitz der protestijntischen Bisthuinsadministrutoren ein wider-
rechtlicher sei — das waren die Beschlüsse mit welchen iin Jlär/- 1613
die in Frankfurt versammelten Ligisten nebst mehreren andern katholi-
schen Ständen die Stellung abgrünzten, die sie am Ueichstag einzunehmen
gedachten. ')
Es gab nur einen Punkt, in dem Katholiken und Protestanten ziem-
lich übereinkameu: das war die abwehrende Haltung gegenüber der ge-
forderten Türkensteuer. Wie die Protestanten, so verlangte sichtlich auch
das Haupt der Liga Erhaltung des Friedens mit den Türken, so lange
er sich nur erhalten lasse; beide w'ünschten zmii Vortheil der ständischen
Freiheit keine Hülfe in Geld sondern in Trnpjjen; die üiürten endlich
machten jede Steuerbewilligung abhängig von der Befriedigung ihrer An-
sprüche in Sachen der Beschwerden, während Herzog Maximilian meinte,
wenn die Protestanten die Steuern verweigerten, so dürften auch die
Katholiken sich ihrer Mittel nicht entäussern.
M’ie wenig Hoffnung auf einen gedeihlichen Verlauf des lleichstags
bei .solchen V'orbereitungen der Parteien übrig blieb, lässt sich leicht
ermessen. Die Unirten fassten denn auch die Jlöglichkeit einer vollstän-
digen Abweisung ihrer Forderungen und die Folgen davon in’s -\uge:
ihre Gesandtem sollten in jenem Fall nach Majorität beschliessen, ob der
Beichstag zu verlassen sei gleich dem von 1608; und da nach Ausführung
dieses Beschlusses ein gewaltsames Vorgehen <ler Katholiken gegen die
Protestanten zn ts'sorgen war, und vielleicht gar der Kaiser an die Spitze
iler Liga treten konnte, so hielten die unirten Fürsten die Stärkung der
Geld- und Kriegsmittel der Union, die Verbindung derselben mit fi-emden
.Mächten, l)CSonders mit Zürich und Bern, mit England, den Staaten,
Schweden und Dänemark für unabweisbar. Ganz in demselben Sinne
1) Frankfurter Abschied. März 11. (Wolf 111. S. -^^4) bairische Instruction zom
Frankfurter Tag (8. -MO) und bairische KeiclisUgainstruction. (3S*2.)
'^) Wolf III. S. fg.
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rechnete gleichzeitig Herzog Maximilian, dass da» starre Feststehen der
Katholiken auf ihrem Kechtsboden die Protestanten zur Sprengung des
Reichstags und zu offener Kriegseinjwrung veranlassen könne; er rieth
für diesen Fall das, was die Unirten fürchteten, nftmlich die Verbindung
des Kaisers mit der katholischen liiga, welche dann im Falle des Krieges
die ()|>fer zu bringen hätte, die sie für den Türkenkrieg nicht ver-
schwenden dürfe. ') Die Liga selber verhandelte bei der Frankfurter
Versjumnlung über Erlegung neuer Beiträge zur Vertheidigung des Bundes
gegen den möglichen Losbruch der Unirten. ")
Mehr wie zwei kriegsbereite Lager, als wie Mitglieder eines Friedens-
congresses standen also Katholiken und Protestanten einander gegenüber,
als die kaiserliche Proposition verlesen ward. Schon äusserlich merkte
man die feindselige Stimmung der unirten Fürsten daran, dass sich trotz
des kaiserlichen Wunsches kein einziger von ihnen jjersönlich eingefunden
hatte ;^) und sehr bald zeigte es sich, dass die Aufträge ihrer (le.sandten
auch nicht dazu angethan waren, um äusseres Blinvernehmen und Unklar-
heit der Lage länger bestehen zu lassen.
Die erste Sorge der Unirten war, die sämmtlichen Protestanten zu
SonderlHjrathungen unter kurpfiilziseher Leitung *) und zu einem Vorgehen
1) Wolf in. S. :wi) fg.
2) Di« beiden äbsebiede bei Wolf III. S. S.m, :169. Beerilli^n); von Z.’i und erentnell noch 10
Monaten. Ein Theil der Gesandten behielt «ich die Ratification der Herrschaften vor.
S) Klesl schreibt darüber am Sl. Argnst an Anspach: «ich muss mein nnglicl: klagen, das
mir nit correspondiert . und ich bei allen tailen veislacht srier. Got nim ich «um xeugen, das ich'«
aufrecht, e, f, g. und allen treuherzigen 1. M. dienern zum bbsten genmint hab. Weil aber die Sepa-
ration ez professo gesucht wiert, et quasi nullo titulo kan nunmer beschonet weclen, ist cs roier von
hertzen laid, da« ich solches nit reinedieren kan. Da« evangelium ist lanter: non est potestas nisi a
deo, et qui jiotestati resisiit, deo reaistit. Die ezempla altes und neues testaments, historien und der-
gleichen sein vorhanden. Got mness straffen . weil wir wieder den TQrcken niemaln solche occasion
als hieznnd gehabt, die alle wegen diser diftidenzen und verblendnng verloren werden. Ich liab diese
uniones und ligas oder scissiones dahin verstanden, das vorige Kai. ,M. ir ainbt vielleicht nit thun,
und also jedweder tail sich handhaben oder defendiern wallen Da nun hieznnt der justitiaepunct der
erste von L M. gesetzt wiert, bleibt die ganze union aus und sernpuliert, oder suchet man lauter
missverstant. Vil anderst sein i. M. zu Francktbrt vertröstet, auch durch hern von Polbaimb aber
versichert worden : welicbe« i. Kai. M. taegllcli und stQndlich mit empfhndligchait vermelden. Mit
hefligebait und erzaigung hette man niemaln verlOeren, wol aber gewannen können, weil man die
schuld gethan.* Weitere Klagen Uber da« Ausbleiben der Forsten in Person, besonder« auch des
Markgrafen. (Berlin, Unionsacta a.1 tom. 24.)
4} Die erste Versammlung der Cnlrten notirt Dohna zum 10. August.
IS*
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134
iin Siane der Rotenburger Beschlüsse zu bestimmen. Dieser Vereuch
misslang bei dem Hause Sachsen und dem Landgrafen von Hessen-Danu-
sta<lt; dagegen wurden gewonnen Mecklenburg, Lauenburg, Braunschweig-
Lüneburg. Pommern-Stettin, die Wetterauor Grafen und mehrere Städte.')
Die Ge.simmtheit der so geeinigten Protestanten bezeichnete sich nach
früheren Vorgängen als Correspondirende.
Schon am 17. August, als der Reichstag die Verhandlung über die
kaiserliche Proposition begann, traten die Correspondirenden. so weit sie
bis dahin geeint und eingetroffen waren, *) mit der in Rotenburg verein-
barten Erklärung hervor: in den ersten Tagen würden sie, so hioss es,
dem Kaiser die evangelischen Beschwerden übergeben, und nunmehr, l)is
der Kaiser zur Erledigung dersell>en die nöthige Ai\ordnnng getroffen
habe, *) sich an den reichstäglichen Verhandlungen nicht betheiligen. Die
katholische Majorität, verstärkt durch Sachsen und Darmstadt, hielt dem
gegenüber an dem Gegen-stand der Tagesordnung fest und vereijibarte
einen Beschluss über die Reihenfolge der Beratlmngspnnkte (Vornahme
der .Justizangelegenheit an ei'ster Stelle) ; aber als sie durch Relation
zwischen den drei Cr)llegien diestm Entscheid zum Reichsschluss erhoben
wollte, entfernten sich die Pfälzer und Brandenburger aus dem Kurfürsten-
rath, und den Correspondirenden gelang es, durch Einstellung ihrer Be-
theiligung den Reichstag ins Stocken zu bringen, *)
1) Von oichUnirten SUilten beiliciligUn «ich Lübeck, Isny, Hopfingen, Hegen«barg. Lindau.
Rcatlmgen, Leutkirch, WezUr.
2) Im KQrförst-enratb Pfalz imd HrRodenborg, im Für«tenrath I<autern. äimmtfrn, Kwoibrückt’ii.
An«pacb, Würtemberg. Ues.>ieii*Ca««el, Wetternuer Onfen {Wolf IIL 8. ferner Lauenburg, dc««e&
Votum von Pfalz geführt vurde, Culmbacb, Meckb-nburg, Anhalt. — Baden erschien im Correspondenz-
rath. aber nicht im Fürstenrath, weil ihm der beansprochten drei Vota nur eines zugestanden
wurde. Neuburg scheint sieh der Theilnahme am Correspondenzrath und an den gemeinen Rei>rha>
Verhandlungen enthalten zu haben. (Brandenburg. Relation vom Ang.) Die Genandten von Pommern'
Stettin trafen erst am 17. ein und erschienen am 18. zum ersten Mal iut Correspondenzrath (Branden*
bürg. Bericht vom ‘.fO. Aug.), der iQneburger Gesandte erschieii zum ersten Mal am 9. Sept. (Bericht
vom 11. Sept.) Seit dem 2. Oct, votirte Pommera-Stettin zugleich für Wolgast. Bericht vom 4. OeU
>1) .bis so lang das hierOber gebfirende versehung von i. M. gemacht worden waere.* Branden-
burg. Relation vom 18» Aug.)
4) Am 19. boschluMen die Correspondirenden, io den Rathen nicht weiter zu erscheinen. Die
pomTuerschen Gesandten erklkrten, sie würden erscheinen» aber nicht votiren. Ebenso hielten sich
Mecklenburg und die Städte. Vom 2. Sept. ab hielten sich samnitliche Correspondirende den
Rathen fern.
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135
So kam man gleich zu Anfang auf den Punkt, den inan heim letzten
Reichstage doch erst nach einigen Wochen erreicht hatte. Die Reichs-
tagsberathungen ruhten; der Schwer|)unkt der Verhandlungen zog sich
in einen Schriftenwechscl zwischen Con-esiiondirenden und Kaiser, welcher
mit der am 19. August vollzogenen üebergabe der protestantischen Be-
schwerden begann und bis zum 10. September zu einer (juadruplik der
Correspondirenden führte.
Haltlos wie von Anfang an war in dieser Verwicklmig die Stellung
des Kaisers. In seinen Antworten an die Correspondirenden stellte er
ihrem Ansinnen auf vorherige Aljstellung der Beschwerden die Aufforde-
nmg, zur vorlierigen Erledigung der Proposition, und dem Verlangen
nach freier Veiatändigung ilie aiuwlrückliche Erklärung von der in gemeinen
Reichssachen entscheidenden Majorität entgegen. Hätten diese Antworten
die einhellige und letzte Meinung der kaiserlichen Regierimg enthalten,
80 wäre von vorn herein alles Verhandeln umsonst gewesen, und es
würde auch das, was oben von den Absichten Klesl’s gesagt ist, unrichtig
sein. Aller die Wahrlieit ist, dass, wde bei der Projiosition , so auch in
die.sen Antworten der Einfluss der streng katholischen Partei, an deren
Spitze der Vicekanzlor von Ulm stand, vorwaltete, und dass Klesl mit
dieser Schärfe unzufrieilen war. ') Zwischen beiden Richtungen sollte bald
eine Auseinandersetzung erfolgen.
1) t'eber dt'D Gegeosatz im «iltfcmeinen Sattler VI. S. Geber Ulm« bitziire Aeuaserunifen
da«. S. Sl. ln einem «ehr scharfen Schreiben an den Kaiser vom 5. Ort. beschweren «ich die Corre*
fpoDdirenden über .Verläamduni^en“, die Ulm am :)0. Aog. gegenüber den Kegettsharger Gesandten
Ober ihre Haltung aasgesvrochen habe. (Duhna October 4 und August .SO). Schon die Replik der
Correspondirenden vom 20. Aug. wird» statt dem Vicekanzler. dem Biachot* Klesl übergeben mit der
Bemerkung: »weil man bei der negsten Überantwortung viel harter dreuwort verneinen müssen, und
man deren nit gewont, wollte man t hochw. dieselbe zuatellen.* Klesl sagte darauf zu: er wolle die
Schrift dem Kaiaer .zu eigen handen überantworten, auch da» beste dabei than. Kr würde zwar viel
darüber erzürnen; aber er hclte wol eher in den kot getreten, er rnüate e« auch itz nit sebewen."
(Dohna Aug. 20.} Ueber die Triplik der Correspondirenden vom >10. Aug. berichten die branden*
Bürger Gesandten (äept. l.)r wegen der heftigen Auslassungen Ulms gegen die .hem und knechte,
aonderlicli aber die armen genanten Calvinisten“ übergab man die Triplik nicht ihm, sondern ilem
Kleel. .dieweil dieser und der Ulm einander feint und aofsetaig.“ Kleal nahm rie gern und willig auf
und bemerkte: er werde sie sicher zu des Kaisers Händen liefern .auch gern alle« darüber ferner thuen,
was den saehen nutz und erspnetlich sein rabchte. mit anderm raerertu erbietteo. welches wir. indem
sein Ingenium bekant, dahin stellen. ~ Er bat gleichwol auch die andere partei mit ireo hitzigen
consiliii ziemlich dabenebenst angestochen.*
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136
Fur’s erste stützten sich die Vertreter der extremen Meinungen auf
die Majorität am Reichstag. Hier verwirkten sie von den nicht corre-
Bi)ondirenden Ständen am 23. und 24. August ein üutacliten, in welchem
des Kaisers Antworten gebilligt wurden. ') Indess schon am 6. September,
als dies Bedenken in verschärfter Form erneuert ward, erhoben Sachsen und
der Landgraf von Hessen-Darmstadt Einwände dagegen;*) sie fürchteten,
von ihrer politischen Opposition gegen die Correspondirenden zur Schädigung
ihrer Kirche fortgerissen zu werden, uud suchten nach Sicherung gegen
den Zwang ihrer Bundesgenossen. Während aber so die conservativen
Protestanten zurückwichen , zeigte sich auch der Halt, denen <iie katho-
lischen Stände boten, keineswegs zuverlässig. Wenngleich, äusserlich ange-
sehen, die Katholiken elwnso einig wie unversöhnlich den Protestanten
gegenüber standen — wie sie denn nach dem Muster des Jahres 1 594
die i)rote8tantische Gravamina mit einer katholischen Beschwerdeschrift
beantworteten, und in dieser sowohl als in den Aeusserungen einzelner
Männer das verhängnissvolle Wort wieder laut wimle, dass es nicht bloss
un\ Erhaltung des katholischen Besitzes, sondern um Rflckgewiimuug des
1) Gatachten <)er Kurfßnaten rom 2'i. Aa^. Adoptirt Tom FQralcorath aui 24. An^. (Hacberlin
XXIll S. fg.) Nach der branJciiburger Relation Tom 28. Aug. batte sich aacli der 8tidt«rath
aogeachloe^en.
2) Nach Senkenberg (d. h. dem Darmstädter Protocoll. 8. 5tü6 Anni. z.) hätten Sachsen and
Hessen eugestimmt. Nach dem brandenburger Bericht vom 8. Sepi. dagegen hätte Korsachet^n wider*
Sprüchen, und nach dem diesem Bericht beigelegten Protokoll des Frintenraths vom 5. Sept. hätten
Sachsen und Hessen in gleichem Sinne rotirt. Ebenso erwähnt itohna in seinem Diarium (ß. Sept.)
den Widerspruch Kursachtens. Vom FQrstenrath sagt er: Baiem hat die «majora in religionssachen
nit approbirt, aber sonsten wol.* Sachsen hat .indiiTerenter* geredet. — Dohna tbeilt (znm 5. und
6. Sept.) über Sachsens und Darmstadts Haltung noch Folgendes mit: die Sachsen haben den erneuteo
Befehl erhalten «one uns za verfaren*. Priratim aber erklären die Karsächsisebon dem Camerarios :
'er möge ausharren} .wir würden alles erhalten. Unangeseheo sie bsfel bekommen, on ans tu ver-
faren. so sahen sie wol, das os sine fructu sein würde.* ln der Klostersacho roüsaten sie mit den
Corres|ioodirenden halten, denn Ihre Kl&ster wären erst nach dem Religionsfrieden (sie?) cingezugen
worden.' — Dohna bemerkt dazu: .so schikts got. das, da sie propter rerbum nit bey uns halten
wolten, das sie pro])ter ventrem bey uns ii halten müsaen. Es macht uos einen mat, and erwarteten
die ke.Tserlige resolution mit minderer furcht. * — * Weiter theilten die Kumebeen mit: .daas den
pfaffen lieb were, unter anflerm dekel ire contrihation einzobehalien. Man würde suchen, entweder
dnreh depntatos uns zu helfen,” oder den reiebstag zn prorogiren.* Sie hätten es lieber gesehen, dass
die Correspondirenden gar nie in den Kath gekommen, als dass sie .aas dem rat von inen gegangen.*
Landgraf Ludwig sei sehr bestünt. .das man i. f. g. fürwürfe, das sie von den eTangelisebeii sich
scherden;* er wisse nicht, was er thnn solle, wolle nichts gegen dieselben vornehmen; er müsse oft
.mehr trinken, damit nur die melancoley Qbergienge.* 8ie (die Sachsen) haben keinen Befehl, .etwas
contra religionem zu tbun, wie sie es denn wol teigen würden, wen man nur za rat keroc.*
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137
seit dem Paseauer Vertrag und dem Religionsfrieden an die Protestanten
V'erlorenen zu tlmn sei *) — so neigten doch unter den katholischen
Ständen und Käthen manche zu einem Ausgleich auf Grund des Besitz-
standes,*) und sie mochten umsomehr dazu neigen, da gerade während
des Reichstags die Riga mitten unter den Bemühungen, alle katholischen
1) Vgl. die Stelle in den katb. Bivcbwenlcn bei Mejer. 1. 8. 8. 68 col. 2 unten : «und man
nicht allein nicht gemeint, dieselbe (Hi»thQmer und Stifter) wider abzntrctten, sondern et«.* In
dem Bericht der brandenbnrgischen GesaDilton vom IS. Aug. Ober die Knrffirsitenrathssitzang vom 17.
heisst es: «es bat sich bei diesem convent der Cdlnische can^zler dr. bisterfeit gegen dem dr. Came*
rario auch so weit heraus gelassen, dass er gesagt, es sollten und mosten alle seiter dem rcligions*
frieden cingezugene clöstergneter hinwieder restituiret werden; dazu wcren ire berren gantz resolvirt;
den ausserdem wurde es einen kurtzen reichstag geben ; und betten ire berren albereiU die mittel an
der hant, dieses zu effectuiren und binauszufQren. — Welches warlich wort sein, die wol in acht zu
nemen.* Vgl. Ranke TU. S. 234 Anm. I.) — Derselbe Gedanke kehrt in dem Gutachten des Mainzer
Raths von Eifein wieder. Lhnig. europ. Staatsconailia I. S. 787.)
2) Die pfälzischen Reichstagsgesaiulten nberschicken am 20. Sept. ein Aktenstück, (es findet
sich auch bei Dohna, zum 20. Sept.) welches durch »einen Inhalt sich als ein Gutachten über die von
den katholischen Ständen zu befolgende Politik kennzeichnet. Es heisst in demselben: wenn die Or>
respondirenden nicht nachgeben oder abziehen, so soll 1. nichts destoweniger der Reichstag fortgesetzt
werden. 2. Blau muss sich, um die gefassten Bosohlüsse and des Kaisers Autorität aafroeht zu er-
haltciR genügend gefasst machen, »o dass letzterer „nicht allein wider die contradictores procediren,
sondern anch exeqniren könte.*' -i. Für den Fall, dass die Türken den Frieden brechen und Sieben-
bürgen nicht verlassen wollen, muss man auf Mittel zur Unterstützung des Kais4>rs be«lacht »ein.
4. Es ist zn bedenken, was man, wenn Charsachsen und sein Anhang sich den Katholiken anzuschliesscn
weigert, nichts desto weniger thun, und wie man «lern Kaiser helfen kann, „die grosse ungleiclibeit
künftig daraas zu verhueten.“ 5. Für den Fall, dass es an den notbigen Mitteln fehlen sollte, vor-
stehende Pankte auszuführen, so bleibt nach der Ansicht Einiger nichts übrig, als die Goraposition.
Diese hat zwar den Katholiken keinen Nutzen gebracht, ist aber von frühem Kaisern im Interesse
des Friedens vorgenommen. Es sind sodann die schlimmen Folgen eine» Kriegs bedacht worden.
Sollten auch „viel treuherzige etferige‘* der Meinung sein, man solle auch ..den übrigen rcst** wagen, so
mögen sie bedenken: es ist ein anderes, darüber „in loco secretisaimo“ zu beratheti, and ein anderes,
den Schaden erleiden und den Untergang seiner Unterthanen, Kircheu und Jurisdictionen miUnzn^ehen.
Wenn im Fall de» Krieges Etliche kleinmOtbig werden und nachgeben, so winl der Bond zerrissen
werden, und es dürfte dann ein ncoer Reiligionsfrinle zum höchsten Präjudiz de» geistlichen Vorbehalts
and de» bestehenden Religionsfriede&s verursacht werden. Darum muss mau zur rechten Zeit alles
wohl bedenken, damit man solchem Unheil zuvorkomme und die Gehorsamen in allen Fällen sicher
stellen könne. Nur in Gewisseussachen, von denen die Seligkeit abbangt, darf man nicht weichen;
wo dies abvr nicht der Fall ist, oder man Mittel findet, das Gewissen zu salviren. wollen Viele meinen,
man solle diese Mittel gebrauchen und alle eitrerocn Blassregelo, so lange man nicht zu denselben
getrieben wird, vermeiden. (Münch^'n 543/2.) Schon Geizkofler bemerkt, dass »ein Vorschlag einer
Regelang der Frage der geistlichen Güter nach dem Besitzstand von «etlichen ]>olitiichen, auch geist-
lichen Stands Personen*^ gemacht sei. Lünig europ. StaaUconsilia I. S. 730 coL 2.) Den unnach-
giebigen Standpnnct verheht dagegen das ebenfalls während des Reichstags abgefasste Gutachten von
Effem (Lünig 1. 8. 787), desgleichen, nach Angabe Dohnas (tum 20. Sept.), das Gutachten eines Trierer
Raths und ein drittes von dem Cölner Domherr Wolf v. Metternich.
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Stände in üir zu vereinigen, durch die Umtriebe Klesl’s, der iiire Auf-
lösimg wünsi:lite, und durch die Politik des Hauses Oesterreich, das sie
in Concurrenz mit Baiern zu beherrschen suchte, in eine geilihrliche
Krisis trat.')
Zu dieser Lhizuverliissigkeit der ständischen Majorität kam für den
Kaiser als zweite Schwierigkeit die wachsende Kriegs- und Gelduoth. Zu
Anfang des Monats Septemiwr traf die Nachricht ein, daas die Türken
an die 80,000 Mann zusamineugebracht und ihre kriegerischen Openitioncn
begonnen hatten, indem sie Lippa und Jeiui zur üebergalje aufforderten:
der Krieg, in dem bald darauf Bathory fiel, und Betlen erhoben wurde
war damit eriifthet.”) Diesem Angriff gegenüber sah sich der K.aiser so
vollständig von eigenen Mitteln entblösst, dass er selbst die Kosten seines
Kegensburger Aufenthalts nur durch dürftige Darlehen, die er vom spa-
nischi-n Gesandten und anderwärts erwirkte, zu erschwingen vermochte.®)
Unter solchen Verlegenheiten erwiesen sich die Absichten der Ex-
tremen am kai.studichen Hof doch sehr bald als midurchführbar, und es
kam die Zeit, wo die MänntT des Ausgleichs Gehör fanilen. Zum ereten
Mal geschah es am 1 1 . September, dass Bischof Klcsl.vor den CoiTespon-
direnden mit der Erklärimg hervortrat, man müsse auf einem andern
Weg als dem bisherigen die Verständigung zu erzielen suchen. An dem-
selben Tag Hess sich die kaiserliche Regierung von Zacharias Geizkotier,
dem Maime. der schon vor dem Reichstag zu Concessionen an die Pro-
te.stanten gerathen hatte, ein Gutachten über die Mittel ziu* Einigung
geben.'*) Geizkofler verlangte und erhielt zwei bedeutsame Concessionen;
einmal iiändich, da.ss statt des blossen Justizpunktes die gesammten Be-
schwerden der Stände erörtert werden sollten, ferner dass die Erörterung
nicht in der Form tler Reichtagsordnung, sondern auf dem Weg freier
1) Ich Terauche ea nicht» auf die inneren Vorgänge !tn Kreis der katholiacheo Stande, noch auf
di« BeziehnnKen zwiachcii dem Kaiser and den katholischen Standen einzugehen, da in diesen Dingen
die Ergebnisse tod Stiere’« Forschangen abtuwarten sind.
2) Brandenbnrgiscbe Relation. Sept. lü
3) Einzelheiten in den Schriften Klesr« bei Hammer III. n. 403, 407. Dohna notiit zum
I. Sept. über den kaiserlichen Hof; «wäre aneh grosse not; den man sagte, das die hatachicrer and
trabanten zu dem schlachter gehen mQsten und daa blut des geschlachteten riehes uffangen and
kochen lassen: also das der grossen Herren detit oft gröwer ist als geringer lento.”
4) Brandenburg. Relation rom 14. Sept. Dohna zum II. und 13. Deceinber.
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Verständigung unter den Kurfürsten und einem jmritätischen Aasscliuss
der ülirigen Stände gepflogen werde. Als Vermittler zwisehen den Par-
teien schlug er den Erzhei-zog Maximilian von Oesterreich vor. Wie
ernsthaft diese Vorschläge sofort von dem Kaiser aufgenominen wurden,
erkannte man, als in den letzten Tagen dos September der Erzherzog in
Regensbui’g eintraf, um die Verständigungsversuche zu beföi-deni.
Indess in demselben Augenblick, da die kaiserliche Itegierung ihre
bisherige Haltung aufgab und auf die Forderung der Composition oftoner
einging, zeigten sich auch wieder principielle Schwierigkeiten, au denen
schliesslich der Plan scheitern sollte. Im Sinne der ünirten hatte alles,
was ein .Ausschuss der Stände verglich, nur vorbereitenden Werth; es
musste von der Oesammtheit der Stände neuerdings vereinbart werden,
und auch von ihnen nur auf dem Wege freier VTu-ständigung. Das Be-
denken Geizkoflers dagegen setzte zwei In.stanzen anderer Art fest, indem
es Iwsagte : was der Aus.schus.s vereinhart, ist definitiv v'ereinbart ; worülier
er sich nicht vergleichen kann, darüber giebt der Kaiser einen wenigstens
vorläufigen Ausschlag. ') Darin lag ein eiister Anstoss. Ein zweiter ergab
sich aus der wachsenden Geld- und Kriegsnoth. In der Hoffiiung, eine
Steuei-bewilligung zn erlangen, ging der Kaiser auf den Vei-sucli einer
Verständigung über die Beschwerden ein. Nun aber war der Stand punct
der protestantischen Stände in den Worten befasst: erst Erledigung der
Beschwerden, dann Bewilligung von Steuern; der Kaiser dagegen in seiner
finanziellen Notli konnte unmöglich ilas Ende iler unabsehbaren Vergleichs-
verhandlungen abwarten.
Um in der letztem Verlegenheit liath zu schaffen, vei-suchte der
Kaiser eine rasche Wendung. Am 1. Oetober trat er mit einer neuen
Proposition vor den lieichstag, in welcher er unter Hinweis auf die stei-
1) Dobim giebt folgenden Aanug au» Geizkoflvrs Betleuken : es gebe keinen andern Ausweg
aU den einer Interposition; »da solte cnhenog Msx bej Bein, das ganze charfbrsteucollegiani, und
aus den andern ein gleicher aasschua; man solle da verfaren nit per Vota, sondem mit einer oon-
fereni; was man nnn vergleichen kQnte, dna wäre verglichen, wo es sieh stossen anlte« muss man es
i. M. anbringen, das die den aasschlag gebe, so lang bis man die beschwerten beftidigte." — Da, so
berichtet Dohna weiter, die Pfälzer diesen Vorschlag kennen lernen (Dl. S«pt.). »o berathen ale ,4”
grosser geheim'* mH Prukmaim, dem WOrtemberger Faber, dem Hessen Starschedel und dem NQrn*
berger Gesandten. Sie beschliessen n. a., „das es mit der interposition zwar ein ding aey, das aber
der kejrser gleichsam den ansscblag der strittigen punrten haben solte, das sei ganz nit thonlicb,
den wem wolt er's zusprechen, als den papisteo ?
Äbh. d. HI. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. II. Abtb. 19
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gerule Tflrkeiigefahr, da Bathory schon geschlagen, Oberungarn bedroht,
und seine Bückkehr nach den Erblandeu unaufschiebbar sei, um eine
schleunige Türkenliülfe von 40, eventuell 80 Monaten bat und für die übrigen
Angelegenheiten eine Verschiebung des Beichstags auf bessere Zeiten vor-
schlug. Wenn man bedenkt, dass vier Tage vor diesem Act der in-
zwischen cingetroffene Erzherzog Ma.ximiliaai die Correspondirenden befragt
hatte, ob sie ihn als Vermittler in einem Verstilndigungsversuch über
ihre Beschwerden annehmen wollten, und dass am Tage der neuen Pro-
position der Erzherzog mit einer Deputation der Corresjwndirenden die
erste Unterredung über den Inhalt ihrer Beschwerden anstellte,') dass
also die Verhandlung über einen Au.sgleich in Sachen <ler Bes<'hwerden
gerade damals begonnen wurde, so wird man beim Kaiser nicht die
thörichte Illusion voraussetzen, er werde eine Türkenhülfe erlangen, indem
er mit einem Schlag alles andere in's ungewiase vei-schiebe; seine Absicht
winl vielmehr gewesen sein, bei der steigenden Noth den Versuch zu
machen, ob er den ermüdeten Ständen nicht eine rasche Steuerbewilligimg
abringen könne, indem er gleichzeitig den Ausglcichsversuch mit den
Protestanten bloss anbahiie. statt ihn zu vollenden.
Dieser Gedanke der den Correspondirenden statt voller Befriedigung
eine Abfindung zuwies, zeigte sich an und für sich als gar nicht übel
berechnet; die Correspondirenden schienen geneigt, darauf einzugehen.
Allein die Frage, die sie nun sofort aufwarfen, war: bis svie weit der
.\nfang zur Verständigung noch am Beiebstag gemacht werden .sollte,
um eine gedeihliche Fortsetzung der V^erhandlungen zu sichern. In dieser
Frage lag die grosse Schwierigkeit, um welche sich die nun beginnenden
Berathungen über die Nebenpro|iosition vornehmlich bewegt.en.
Die Correspomlirenden hatten dem Kaiser den Gefallen gethan, bei
der Pro])osition, imd abermals l)ei der zur Behandlung derselben anbe-
raumten Sitzung der drei Bäthe (3. Octobtm) zu erscheinen. *) In dieser
Sitzung aber trugen sie nach vorheriger V'ereinbarung da-sjenige vor, was sie
gleichsam als Pfand des guten Willens Iwtrachteten. \'on den Beschwerden,
welche nach ihrer Auffassung in dei' Hand des Kaisers lagen, wollten sie
nicht mehr alle, aber doch die wichtigsten sofort abgestellt wissen. Sie
1) Brandenbarg. R«lation vom 4. October
2) Hier erschien auch Baden und nahm seine drei Se9sion«>n ein. (Brandenburg. Relation Oct. 4.
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forderten also: Durclifülirung der Paritiit am Kammergericht und Ab-
stellung der Jurisdiction des kaiserlichen Hofraths, soweit sie verfassungs-
widrig sei, desgleichen, im Zusuiimienluiug mit letzterem Ansinnen, die
Erledigung mehrerer Einzelbeschwerden, wobei wieder die llestitution
Donauwörths und die Anerkennung der \'icariatsentscheidungcn in Aachen,
Bibera<'h und Friedberg in erster Linie standen. ') Die Visitation des
Kannnergerichts nebst Entscheidung der Revisionssachen, ferner die Be-
liandlung des ganzen Justizpunktea dachte man einem paritätischen Depu-
tationstag zu, dessen Mitglieder der Heich.stag sofort ernennen sollte.
Natürlich mussten dabei die vier Klostersachou und etwaige gleichartige
Ffdle von den Hevisionssachen abgesetzt und zu gütlicher Vergleichung —
sei es unter den Parteien, sei es an einem Reichstag — verwiesen werden.
Was dann von Beschwerden noch übrig war, das sollte durch die (kmi-
positionsverhaudlung, die erst vorlwreitend durch einen Ausschuss, dann
definitiv durch einen Reichstag zu führen war, erledigt werden: die Art
und Weise des vorbereitenden Verfahrens aber, so fügte man mit sicht-
licher Bezielnmg auf den unannehmbaren Voi'schlag Geizkoflers hinzu,
sei noch am gegenwärtigen Reichstag zu vereinbaren. — Unter der Voraus-
setzung, dass ihnen dieses alles eingeräumt werde, und dass ferner der
Friede wirklich durch Schuld der Türken gebrochen werde, zeigten die
CorresjKjndirenden sich geneigt, dem Kaiser eine be.scheidone Hülfe zu be-
willigen, aber auch dies nicht ohne einen neuen Vorbehalt zu Gunsten der
absoluten Freiheit der Bewilligung, l>ei der die Minorität nur zu dem-
jenigen verpfiichtet sei, was sie selb<‘i' zugestanden habe. *)
Als am 3. October dieses \’otum vorgebracht wurde, erneuerten sich
die Scenen vom 17. Augu-st. Die Majorität überstimmte die Correspon-
^ 1) Daneben fand Dad«ns Beachwerdo über den Hofproceas in Sachen der Mark ßadi^D-ßadea
Aufnahme.
2) Das /eroeinsauio Votum der CorrespotHlireDden atebt nach einer unvolUtändij^eD Aufzeicb«
nunpf bei Sattler VI. Beil. S. 79, und nach der im Städterath gegebenen Form bei Straf, Geachichte
der Religioaabeechwerden I. S. •'iOl. Ich gebe folgenden Auuog deaaelben nach einer vollatandtgern
Aufzeichnung in den Berliner Akten (Beilage zu dem Bericht vom 4. Oet.}: man hat hinaiebtiieh der
Prorogation keinen Befehl, stellt aber dem Kaiser anheim ,,mit zathun de« chorf. collegii einen andern
reichstag berneclist auszuBchreiben.** Damit deraelbe Erfolg habe, ist den „difficultetcn . . . interim
also ZQ begegnen und dazn noch hie praeparation zu machen, damit hcmechat an andern bet^uemen
orten notwendige handlang dazu Torzunemen.^ Man wünscht, dass Ungarn und das Reich gegen die
Türken geschützt werden, und dass „es Siebenbürgen halben in einen aolclien stant gebracht werden
19*
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dii^endcm und setzt« den IJesciiluss, dass eine Hülle zu leisteu sei, ohne
Rücksicht auf die gestellten Bedingungen durch, womuf die Correspon-
diremlen lieschlossen. sich des Besuchs der Räthe abernmls zu enthalten.')
In den reducirten Rathen ging dann in den folgenden Tagen die Berathung
über dieTürkenhfllfe ihren Weg, das ilauptintorcsse aber zog sich wiederum
in Conferenzen, welche von den Correspondirenden mit Erzherzog Maxi-
milian und verordneten kaiserlichen Ratheu vom 1. bis zum 21. October
gehalten wurden.
ln diesen Conferenzen wurde der Ausgangspunkt von einer am 4. Oct.
überreichten Schrift der ( 'oiTespoudirenden genommen, welche nach dem
Muster des Votums vom 3. October verfasst war. Von allgemeinem In-
teresse waren die Besprechungen in sofern, als sie die Punkte zeigten,
bis auf welche man sich in Forderungen und Anerbietungen einander
näherte. Bei Feststellung dieser Annäherung muss man jedoch darauf
achten, dass Maximilian bis zum 10, October seine Erklärungen auf die
Ansprüche der Correspondirenden im Namen des Kaisers abgab, dann
aber am 13. October eine weit nachgiebigere Resolution im eigenen Namen
ertheilte, welche vom Kaiser nicht genehmigt, sondern durch eine letzte
kirnte, d&8 dahero nit juder Mit die occ&sioo zu eioeui TurckcnkricK ctiU|)riiij;eQ, sondern die mit dem
Sultan ^^etrofTene i>aeitication erhalten werden könte. dazu bei rorigen rcichstaegen oft auch geraten
worden.*' Das Reich dürfte z. Z. zum Widerstand gegen einen so mächtigrii Feind kaum stark ^unug
sein. Jedenfalls kann man keine Steuer bewilligen, „ei wurde dan friet und recht im reich besser
Btahilirt und den besebwerden wo nit gar doch etlicher mmen noch alhie abgeholfen." Eventuelle
Verwahrung gegen die Majorität. Als Boschwerden, die noch hier abzQstellen sind — hinaichtlicb der
übrigen ist noch hier der Modus zu vereinbaren, nachdem vor dem künftigen Reichstag geeignete
Verhandlung über sie anzustelien ist -> bezeiclmet man: a. Abstellung der Terfafsangswidrigeo Hof-
processe, besonders in den badischen, Aachener, Friedberger, Biberacher Sachen, und zumal wenn
während des Interregnnms von den Vicarien Anordnungen darin getroffen sind. b. Einführung der
Parität am Kammergericht uni Verhandlung des Justizpunctes im übrigen an einem paritätischen und
verstärkten Deputationstag zu Speier, dessen (neue) Mitglieder noch hier von den Ständen zu er-
nennen sind. c. Verweisung der Visitation und Revtsionssachen an denselben DeputationsUg. Ueber
die bewoasten Klostersachen und gleichartige Fälle hat man sieb freundlich zu bereden und sie, wenn
man sich darüber nicht vergleichen k.*\nn, an den nächsten Reichstag zu weisen, e. Restitution Donau-
wörths. Dass Haiern befriedigt, und darüber die Restitution nicht verzögert werde, dazu wird der
Kaiser Mittel finden; in alle Wege ist die Einstellung der Bedrangung der Leute wegen der Religion
zu verfügen. — Unter diesen Bedingungen weirlcn die ev. Fürsten obne Zweifel, falls der Friede mit
den Türken nicht zu erhalten Ut, dem Kaiser Hülfe leisten, etwa mit einer Anzahl Römermonaten bis
zum nächsten Reichstag, wie sie denn auch künftig, wenn die Notb mehr erfordert, „mit fernerer
volck- oder gcldhülfe nach bedndung sich auch der gebar erzeigen" werden.
1) Brandenburger Relation vom 4. Oct.
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Erklärung vom 17. October zum Theil zurückgenoimuen wurile. Fassen
wir mit Kücksicht auf diesen Hergang das wesentliehe zusauimen. ’)
Unter ihre sofort zu twfriedigenden Ansprüchen hatten die Corre-
sponJirenden in dem Votum vom 3. Octoher die Parität am Kammer-
gericht aufgeführt: in der Schrift vom 4. October lies.sen sie diesen Punct
fallen. In dem Votum vom 3. October hatten sie ferner die .\b.stellung
der von ihnen bestrittenen Jurisdiction des kaiserlichen Hofratlis verlangt:
in der Schrift vom folgenden Tage bezogen sie sich auf die vom Era-
herzog ihnen gemachte Mittheilmig, das-s eine neue Hofratlisorihiuug
demnächst den Kurfüraten zur Begutachtung vorgelegt werden st)lle; sie
forderten Mittlieilung dei-selben an die gusammtcn Stände und in Folge
dessen gesetzliche Uegelung der Competeuz. Für die Gegenwart und die
Zwischenzeit begehrten sie Einstellung der schwebenden llofprocesse und
Nichtanstellung von neuen Processen. — Durch eine solche Suspension
wäre eine von den wichtigen noch schwebenden Einzclbeschwerden , die
Aachener Veinvicklung, von selbst im Sinne der Protestanten geordnet
worden; aber hinsichtlich dieser sowol, wie der Bilwracher, Friedborger
und l)a<lischen .Stmtsache wurde auch noch ausdrücklich gütliche Er-
ledigung verlangt. •)
ln den Antworten, die hierauf im Namen des Kaisers ergingen,
wurde d<is Ansinnen einer gesetzlichen Kegelung des llofraths bei Seite
1) Di« iiiu«»ern Momento aiotl folgende: Oct. Vorl»e«pr«cbungeo. — Oct. 4- Di« Corre-
8pondir«i)d«n Übergeben dem Enh. Maximilian ein Venteichnifs ihrer Forderungen, im weseutlichea
dem Votum vom 3. Oet- eutspreebend (Auuug bei Dohna). — Oct. 7. Conferenz vor MazimiliaD, io
der Klesl des Kaizera Reeolotion auf obige äehrift mündlich eröffnet. — ' Oct, Schriftlich« Antwort
der C'orrespoodirenden hierauf, Oberreiebt an Maximilian am U. October. — Oct. 0 und 10. Cvnfcrenzeu
mit Maximilian , in denen ersterer de« Kaisers Resolution auf die Torige Schrift mündlich eri^ffnet,
worauf die Correspondirenden scbliesslich eine scbriftliebe Antwort verfass^.n. — Oct. 13. Eine auf letz-
tere Antwort im Namen des Erzb. Mazimiiiiu) (nicht des Kaisers) verfasste Schrift wird von Ueizkofler
übergeben. — Oct. 14. Schriftliche .Antwort der Cerrespondirenden bierHUf. — Oct. If). Abreise des
Erzherzogs. — Oct. 17. Audienz der Corruspondireiiden vor dem Kaiser, dessen Resolution auf ihr«
Forderungen von Ulm niuodlicb eröffnet wird. — Oct. 19. äcbriftliebe Antwort der Oorresponiliremb’n.
— Oct. 21. Letzte Erwiderung des Kaisers. — Die .Acten dieser Verhandlungen liegen mir vor in
den brandenburgischen Relationen nebst ihren Beilagen und in Dobna's Diarium. Einzelne Artenstücke.
vielfach aber in ungenügenden .Auszügen, sind gedruckt. Nachweise bei Haberlin-MieDkenberg. Drei
Actenstücke aus der letzten Phase der Verhandlungen theile ich in Beilage IX mit.
2) Desgleichen in Sachen der Stadt Weil. Die Bestütigung der Vicariatsentseheide wurde da-
gegen nicht mehr bestimmt gefordert. Es heisst nur: io Sachen der Vicariatsacte »oll nichts weiter
geändert werden, „darülrar man doch vieliner di« contirinationes verhoffet bette.*
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geBclioben; das einzige reale Zugestiindniss, das überhaupt gemacht wurde,
lug in der Erklili'ung: der Kaiser werde, ohne sich gerade die Hände
binden zu wollen, in der Aachener und wol auch in den andern spe-
eiellen Streit.saclien bis zu dein gleich zu erwähnenden Coinpositionstag
den Protestanten keine Schädigung zufügen. ' In seiner Resolution vom
13. October erbot sich daun allerdings der Erzherzog Maximilian, den
Correspondirenden im eigenen Namen eine Bescheinigung zu geben, dass
bis zum Coinpositionstag die Hofprocesse, so weit sie in den evangelischen.
Beschwerden angefochten würden, suspendirt sein sollten. Allein dieses
Zugeständniss wimle in des Kaisers Schlusserklärung zurückgenommen:
er wolle, so hies.s es darin nur, solche Mäsaigiiug zeigen, das.ssich Niemand
zu beschwei’en halie.
Nicht näher kam man einander in der Donauwörther Sache. Die
CoiTespondirendeii verlangten einfache Zusii-henmg der Restitution inner-
lialb eines bestimmten Termins: der Kaiser war ganz bereit dazu, voraus-
gesetzt dass die Reich.sstände ihm die .Mittel zur Bezahlung der bai-
rischen Executionskosten bewilligten. An dieser Bedingung, die nur
Erzherzog Maximilian in der Erklärung vom 13. Octol>er fallen Hess,
der Kaiser aller wieder aufnahm, scheiterte die Verhandlung.
Neben diesen .Anliegen , deren sofortige Erledigung die Protestanten
verlangt hatten, stand nun noch die Frage der Behandlung des Justiz-
punktes und der übrigen evangelischen Beschwerden. Der Kaiser zeigte
sich bereit, beide Sachen den Beratlmngen eines paritätischen Stände-
ausschusses zu übergeben, der gegen Ostern 1H14 in Speier zusammen-
treten sollte: allein, wenn nun die Corresjiondirenden verlangten, dass
man sich über die Mitglieder des Ausschusses noch am Reichstag einige,
und wenn sie über den für sie entscheidenden Punkt, die Art und AVeise
der Verhandlung nämlich, ebenfalls am Reichstag eine bestimmte Fest-
setzung getroffen sehen wollten, so wich der Kaiser ihnen jedesmal aus.
1) Die Erklärung Tom 10. Oct. lautete iiaob dem brandeDburf^Uchen Bericht (Oet. 12): .wegea
Achen und Maelhaimb (die MObIheimer-Sache wurde UQAufitefordert von kuieerlicber Seite hier eioge'
mischt) sollen wir oos bis auf dieselbte commisaioo nichts zn hefareo haberv; aber die baende konten
inen i. M. nicht biodeu lassen, ebensowenig als wie sie den catholiken znsagen . . wollen, ob sie wo!
hiemmb instendi^^ angebalttn, zu eiequiren.“ — Auf den Einwand der Correspondirenden, dass tou Uadeo,
Priedberg, Biberacb. Weil nichts gesagt »ei, erwiderte Maiimilian, ,das sie (s. d.) unten den AacbiKhen
und Muelheimbischen Sachen alle andere, die derselbten art weren, zugleich gemeint .. haben wolteu.
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Es handelt« sich hier für die Gorrespondirenden vor allem um das Pi-incip
der Nichtgeltuiig der Majorität; und dieser Grundsati'. schien ihnen so
wichtig, dass sie darüber noch ein besonderes und letztes Begehren for-
mulirten. Wenn sie — so lautete ihre Erklärung — in Folge der An-
nahme ihrer Forderungen sich wieder an den Iteichsverlmndlungen über
die Türkenhülfo Ijctheiligten . so müssten sie vorher gegen die Verbind-
lichkeit der Majoritätsbewilligung gesichert sein.
Der Kaiser gab in diesem Punkte ebensowenig nach, wie in den
andern. Darüber aber machte die Majorität iler Stände, die in den ilroi
Uäthen ihre Verhandlungen fortgesetzt hatte, der Sache ein Ende; sie
vereinbarte einen lleichsabschied , durch welchen dem Kaiser 30 Monate
l)ewilligt, und im übrigen der Reichstag auf den 18. Mai 1614 verschol>en
wurde. Dieser Al)scliied wm-de vom Kaiser genehmigt, im Xanien sämmt-
licher Stände ausgefertigt und am 22. (Jet ober verlesen. Vorher jedoch
hatten noch Sachsen-Coburg und Holstein sich ausgesondert und gegen
den Abscliied jtrotestirt, ') während umgekehrt aus der Zahl der C<iri'e-
spondirenilen die Stadt Regensburg die Unterschrift des .Abschiedes nicht
zu verweigein wagte. Die (’orrespondii-enden legten gegen densellwn
natürlich Protest ein.
UelxM'sehen wir den Gang der gesammten Verhandlungen nochmals,
so springt in die Augen, d:iss man von beiden Seiten sich zwei Monate
lang um Vergleichshandlungen abquälte, ohne die nothwendige Bedingung
jedes Vergleiches, die Bereitwilligkeit zu bestimmten Concessionon, einander
zu zeigen. Wir sahen, wie eine leise Neigmig zu Zugeständnissen sieh in
der Union vor dom Reichstag geltend machte : aljer am Keich.stag selber
machte die Union nur den Unterschied zwistdien Ansprüchen, die sofort
zu Itefriedigen, und solchen, die sjiäter zu behandeln seien; in ihren .An-
sprüchen sellier eine Herabminderung eintreten zu lassen, schien ihr nicht
zeitgemäss. Wie innerhalb der Union, so hatte auch im Kreise der
Liguisten die Politik der Niudigiebigkeit ihre Vertreter : aber die schroffe
Haltung, welche die Unirten von vornherein einnaiimen, verschaffte den
1) SachMD^Cobarg (vgl. Hiberlin •ä<nkcob«rg XXIIl 8. Adiu.) protectlrte nicht mit ileo
Gorrespondirenden, sondern Air sich allein; ebenso Mecklenburg. Holstein schloss sich den Correspon'
direoden an. (Dohna Oct. 21, 22.)
2) Dohna Oct. 20, 21.
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starren Vertreteni des Hechtsstandpunktes das volle Uebergewicht. Iin
kaiserlichen Kath hatten die Unversöhnlichen einen Veilreter ihrer Sache
im Vicekanzler von Ulm ; dem trat entgegen der Bischof Klesl. der mit
seiner aufdringlichen Beredsamkeit immer von Verständigung und Ver-
söhnung redete, schliesslich jedoch — sei es aus eigener Ineonsequenz,
sei es aus Scheu vor den katholischen Ständen') — vor jedem ent-
scheidenden Zugeständnisse zurückschrak. Gerade an ihm zeigte sich
denn auch die wahre Natur dieser l'erlmndlungen. Die katholische Partei
erfüllte sich mit Misstrauen gegen ilm als einen halben Verrätlier; die
Protestanten sahen schliesslich in ihm einen Betriiger, der nicht anders
denke als Ulm und gj-össeren Hass verdiene als dieser.
Trotz dieses kläglichen Misslingens blieb der Geilanke, welcher die
Verhandlungen des Heichstags beheiTscht hatte , auch in den folgenden
Jahi-en lel)endig. Der Plan der Comjiosition war für Klesl in den ver-
wickelten Gängen seiner Politik nach wie vor das l>estimmcnde Ziel; in
dem Vorte (’omposition war für die Unirten die Forderung befa.sst. welche
ihnen Kaiser und Heich vor jeglicher lau.stung ihrereeits zu erfüllen hatten.
Erst als Klesl gestürzt war, und gegen den Böhmenkönig Friedrich V.
das grosse katholische liündniss den Krieg eröffnete, trat jener Plan vor
den Katastroplu‘11 zurück, ilie nach seinem Scheitern kommen mussten.
1) Dohna b«2deltnet (zum 10. Oct.) die «inmal neu die kaUerlichen RütlN} suclteti verj^eb^
lieh die ^'cistltchen Korfürsteii zur Nach^ebigkeit zu bewegen. Diese wollen nicht einmal zugeben,
dass der Kaiser ..seinem reiehshofrat behehle, einzuhalteo, bis man mit unsem graTamintbus hordurch
kaeme. Drüber erzherzog Mai die bend gehen lioase uml »ahe, das nichts zn verrichten sein wurde.”
Vergebliche Mahnungen an die Gegenpartei zum Nachgel^en. »So stunden wir gegen einander wie zwei
böcke. die nietnant weichen wollen.” — Ich bemerke bei dieser Gelegenheit Qbrigens nochmals, dass ich
die Stellung der Unirten am Reichstag schildere, nicht aber auf die Vorgänge im Kreise der katho-
lischen Stände und auf die Beziehungen zwischen ihnen und dem Kaiser eingehe
2) Vgl. die Aeusserung über ihn in Beil. IX. Dohna bemerkt hier ihn (Oct. 14.): Klesl soll
gL^agt haben, er habe bewirkt, dass die gehorsamen Stände dem Kaiser soviel bewilligt haben, und
er wolle es noch höher treiben. Die f.^rrespondirenden werden »och froh sein, wenn man sie zu
Gnmlen annchme. ,Got wirt dem falschen pfnffen seine untrew bczalen ; den er zu Frankfurt gesagt,
man solle den kerern nur viel Zusagen, d&rfte man doch nit alles halten. Das hat er nun wol prao
ticirt. den er nf eine suche, die preees priniarias Caesaris im enatilft Magdeburg bctrafle. Ift decrcta,
des Kejsers ausgegeben, da es doch nur einer haben kQnfe. Christian von Bellin batte eins davon,
wurde aber vergebens umbgefQrt mit grosser schand des Keisers, welcher uf des ehurfbrsteo von
Brandenburg intcreession sein wort, hant und siegel weggeben, und dieser lumpenp&f wolt »las retrac-
tiren! Kr hat vergessen, dass sein brnder sich ex desperatione gehenkt. Kr sehe zu, das wie er aus
oinoni becker zum fürsten W'orden, das er nit ans dem bisehtntn auch an den galgon komme/*
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Beilagen.
I.
Die Deeandtechafi Dunderols an Anapaeh and Anhalt.
Meine Hanptquelle der Gesandtschaft Gunderots ist da.s Protocoll eines von
Anhalt in Stottgart Torgetrageueu Berichtes. (Stuttgart. Uniousacta X f. 113.) Das
Acteustück ist nndatirt, gehurt aber, wie sich unten zeigen wird, zwischen den
30. Juni und ü. Juli. Ich lasse es z. Th. wörtlich folgen :
F. Christian von Anhalt: „hah sich bei i. f. g. wollen ein.stellen aus dem
lant zu Gulich und commnniciren , sonderlich suasn Anspach. Sei oberst von
Gunterot uf der post zu Nürnberg ankonuncn und begert, mit i. f. g. zu reden, auch
schreiben zugestelt und mündlich angezeigt. Dergleichen auch bei Auspach ge-
schehen.“ Gunderots Werbung: kaiserlichen Grass und Gnade für Anhalt. „Obschon
allerbant Vorkommen, so i. M. misfellig, sol eich doch dessen nicht hindern lassen.
Wolte viel schuldig sein, das i. f. g. consiliis vor zwei jaren gefolgt betten.“ Anhalt
und Anspach mögen beim künftigen Uuionstng das befördern, „was i. M. notturft er-
fordere.“ Gegenüber falschen Berichten mi^n sie denjenigen annehmen, den ihnen
der Kaiser wolle abstatten lassen, und dabin sehen, dass der Kaiser mit seiner und des
Reichs Reputation aus der Gefahr komme. „Das weiten sie in acht uemen, das man
i. M. nichts anmuten wurde können pro imperio, das sie nnderlassen (?) werde, und
das i. ^L mit den evangelischen in vertrenlichem wesen stehen.“ — Gunderot scbliesst :
„hab auch keiner kaiserlicher gesanter sein wollen ; doch betten sie (i. M.) im die
stel praesentirt, so er letzlich angenommen.“
Anhalt erwiderte: er werde das .\ubringen der Union mittbeilen, bitte aber um
eingehendere schriftliche Mittheilung des „inhalts legationis.“ Der Unionstag sei
snspendirt, werde aber bald vor sich gehen. Wenn dann der Kaiser demselben eine
Werbung vortragen lassen wolle, so werden sich die Unirten zu seiner Zufriedenheit
erklären, und er (Anhalt) sich auFs beste dafür verwenden. Der Fürst erinnerte
darauf an seine Gesandtschaft und .^Vorstellungen von IbU9.
Gunderot wollte nichts schriltliches von sich geben : ,.hetten i. M. viel mit im
communicirt, welches bedenklich anzuzeigen. Aber soviel vermelt, das i. M. gezwungen
weren zu dem, was mit dem koiiig geschlossen. Hetten sie mit .Soldaten verwacht,
Abh. d. UI. CI. d. k. Ak. d. Wi»s. XV. U.L II. Abth. 29
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auch die raet, fo zu i. M. pereou gehen wollen, uf i. M. pereon inquiriren hi.«i«u
lind aber schweren listen und ducken' verhört, welches doch in ir herz nit kommen.
Daminh konten sic (sich) bei solchen falschen leuteu nicht lenger nfhalten. Darauf
sich lamentirt wider den konig: regire ubeler, als zuvor am kaiserlichen hofgeclagt;
hette den Bohemen noch nicht volzogen, was sie inen zugesagt; Hessen den Clösel
das factotuni sein.“ Die ganze Umwälzung sei vom Papst und von Spanien in’s Werk
gesetzt : „wollen gravamina wie zu Graitz im reich aniahen.“ Die böhmischen Stände
la.ssen sich schon verlauten, „wen es nicht anders werden wollte, konten sie lieim
konig nicht bleiben, sonderlich graf von Turn. Hab konig die papistische raet be-
halten Die stellt in Oesterreich weren diffident unter sich, und betten i. M.
inen befohlen anzuzeigen: obsebon i. M. den vertrag vor drei jaren gemacht, das doch
konig darwider practicirt und itzo ins werk gericht, alles zu dem end, da-s sie ira
zut crou Bohemen verhelfen werden; welches \V. Kinski mit statlicher recompens
vergolten, hingegen andere nichts bekommen ; hab also der konig nicht candide umb-
gangen mit der Sachen.“ — Schliesslich Bitte: „weil i. M. so gar verlassen, sollen
i, f. gg. (Anhalt und Anspach) zn derselben kommen nach Prag.“
Anhalt entschuldigte sich. Anspach erwiderte: „mau müsse wissen, zu was ent
sie gefordert wurden.“ Er wolle auch den ünionstag nicht versäumen. „Hette auch
konig vertreulich mit Anspach communicirt, darum weren auch i. f. g. nicht unge-
neigt hinein zu reisen, doch wollen sie sich nichts obligirt haben.“ Der Markgraf
bittet den H. WOrtemberg um sein Gutachten.
Soweit das Protocoll. Die Mittheilungen desselben werden ergänzt durch eine
auf Gunderots Werbung gegebene Resolution Anspachs und Anhalts (Berlin. Unious-
acta XXH): lieide Fürsten, so heisst es darin, lialjeu dem Gesandten .\nleitung ge-
geben, „wie e. Kai. M. sich nachmals der noch vorstehenden versaramlnng etzlicher
unirter chur- und fürsten in kurzem sich liereit zu machen, das dun vielleicht mit
gesanibtem rat und zuthun e. Kai. M . . . satisfactiou widerfareu könnte.“ Was die
Person beider Fürsten angebt, so erklären sie sich jederzeit dem Kaiser zu Diensten
bereit. — „Onolzbach den 20. Junii a. Kill.“ — Am 5. Juli schreibt daun Anhalt
aus Heidelberg au Anspach: er habe Gunderots Anbringen dem H. Würtemberg mit-
gethcilt, der mit dem Inhalt nicht einverstanden sei aus Rücksicht auf K. Matthias.
Gleiche Mittheilnng habe er dem Admin. Pfalz gemacht. Noch keine Antwort. —
„Heidelberg den 25. .lunii a. ICH “ (Berl. Unionsacta ad tom. XII.) — Am 6. Juli
schreibt Anhalt an Anspach: Würtemberg ist ,,gauz passionato anf des Malthiae seiten,
und solches aus anstiftuug des Ueitskoflers.“ Anspach könnte dem Gnnderot schreiben,
wenn der Kaiser mit ihm vor dem Ünionstag couferireu wolle, so müsse er ihn Ixild
erfordern, — „Heidelberg den 2(i. Junii a. Kill.“ (.4. a. 0.) — Uebrigens hatte
Gunderot den Mgr. Anspach auch ersucht, bei dem vorstehenden tränkischen Kreis-
tag mit den andern Ständen zu berathen, wie der Kaiser mit seiner und des Reichs
Reputation aus seiner Gefahr baldigst zu retten sei. (Anbringen G.’s. Unionsacta XXII.)
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II.
Die GeBanütschaft Gnndackera TOn Pollieiiii.
1611 Auf^nst 12. — Vortrag vor der Roteuburger üiiiousrer-
sa mm lang. (Cop.): Bericht Ober des Matthias Zug gen Prag: der König von den
böhmischen Ständen gegen die Pussaner zu Hülfe gerufen, zögerte drei Wochen, bis
er sein Volk sandte, fUuf Wochen, bis er auf neue vermöge „der ufgerichten com-
pacten“ angebrachte Mahnung der böhmischen Stände persönlich aufbracfa. Ks sollte
eben nicht „einer begierd regnandi , oder das sie sich in das königreich eindriugen . .
wollten, gleich sehen.“ Daranf Kinladung des Kaisers, und einige Tage später ,,one
allen deroselben (des Königs) gedanken“ Äutraguug der böhmischen Königskröuiiiig
durch denselben mit Vorbehalt der Regierung für den Kaiser. Matthias antwortete:
„weiln 8. k. w. nicht wüsten, warumb .sie von den staenden bernffen worden, wolten
sie solches vemenimen, i. Kai. M. und den andern aber keine Ordnung geben, wie sie
sich der cron und regiments halben vergleichen wurden.“ Die holimischen Stände er-
klärten ,,auf erforderung" (we-ssen?): sie würden „denjenigen weg, welchen ihnen die
compactata zeigeteu, furneiumen, auch ire notturft bei i. Kai. ,M. Selbsten handlet). Und
haben sich i. k. w. weitter nicht (viel) oder wenig in disem werk angenommen.“ Aus-
schreibung des Landtags durch den Kaiser und dessen Beschlüsse. Krönung des
Matthias. Es waren noch „etliche absonderliche puncten“ zwischen dem Kaiser und
Matthias zu vereinbaren. Aber der Verhandlung darüber entzog sich der Kaiser erst
vor daun nach der Krönung; er hat ..endlich auf Regenspurg zu verraisen und alda
zu residieren sich erklaert.“ Dieses Verhalten von friedhässigen Leuten angerathen.
Mit äusserster Muhe bewog der König eudlicb den Kaiser zur Vornahme der Ver-
handlung. Der König entliess gleichzeitig seine Trappen bis auf einige Hundert.
Stand der Verhandlungen zwischen Kaiser und Matthias. Während derselben Al>-
dankung der Passauer.
Der König ersucht nun die ünirten : sie mögen „solch i. k w. Intention gut
heissen.“ Wenn der Kaiser die letzten Vorschläge des Matthias nicht annehmen,
sondern wider den Ratbschlägen friedhässiger lieute folgen sollte, so mögen die
Unirten dem entsprechenden Vorstellungen nngehört des Königs keinen Glauben
schenken, souilern für Erhaltung und Beförderung „brüderlicher lieb“ eintrcten. Sollte
endlich der Kaiser den König oder seine Lande feindlich angreifen, so mögen die
Unirten ihm auf sein Gesuch Beistand leisten. Anerbieten und Bitte um Fortsetzung
der guten Correspondenz des Königs mit den ünirten. (Stuttgart. Unionsacta X f. 463.)
AntwortderUnirten (Aug. 16): der König wird in der gütlichen Verhandlung
mit dem Kaiser, die er zu gutem Ende zu bringen suchen wird, sich alles gebührlichen
Respectes gegen den Kaiser betleissigen, besonders auch es so einzurichten suchen, dass
der Kaiser seine Residenz in Prag behalte und einen ihm vielleicht schädlichen ürt-
nnd Luftwechsel vermeide. Der König bat guten Erfolg zu erwarten, wenn er die gOt-
20*
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liehe Handlung mit Khrfurcht und Mdssigung weiter führt. Deshalb mid da „die
•Sachen in dem königreich Büfaeimb de.s Passaiiwischen kriegsvolks halben zue etwas
sieherm zuestant kommen , wird es w«l der hievor vcrtrö.sten assistentz berürts . .
kriegsvolks halben ferner nicht bedörfen“, zumal auch der Kaiser friedlichen Ilath-
scliliigen folgen wird. Fortsetzung der guten Correspendenz. (f. 409.)
Neben der üuionsversaramlung scheint Polheim auch die Fürsten einzeln an-
gesprochen zu haben. Der H. Würtemberg erlheilt ihm am 20. August folgende
.Antwort: der König hat geiiaukt. „das i. k. w. einer assistcuz wider das Pa-ssauische
kriegsTolk von i. f. g. von disem vertröstet worden.“ — Die Erledigung der von den
Dnirten geklagten Beschwerden hat der Kai.ser auf den vorstehenden ChurfTirstentag
verschoben. Der König wird sich Ijemtthen, dass diese Sache „mit der Kai M. belieben“
in gedeihlicher Weise erledigt werde. Der Herzog wird in gleichem Sinne arbeiten und
seine Correspondeuz mit dem König fortsetzen. Hierbei die Mahnung, der König möge
in diesen und ähnlichen Sachen „sich schaetlicben und bösen raeten, welche der re-
ligion Augspurgischer confession and deren ruhe vor andern übel affectionirt, nicht
zu viel vertranen, damit solche vertreuliche correspondenz desto sicherer nnd besser
vortgesetzt werden könne, inmassen solches und mer anders, was i. f. g. mit dem
hern königlichen gesanten vertrenlich und ganz wolmeinent weiters muntlichen cora-
mnuicirt . (er) mit fleiss zu referireu wi.ssen würt.“ (f. 210. C’pt.)
III.
Die kaiserliche Gesandtschaft ziim Nfirnberger KnrfOrstentag.
»
lieber die Anträge, welche er au den KurfUrstentag bringen wolle, spricht sich
der Kaiser schon am I. Juni in einem Schreiben an Kurmaiuz aus (Stuttgart.
Cnionsacta X f. I.ü3); er wolle proponiren lassen: 1, wie das kurfürstliche Collegium
„widernmb ergentzet und vereiniget, 2. mein regiment tauglich wider ersetzt und
gebessert, und 3. wie der jüngst verschobene reichstag entweder reassumirt oder durch
neuen consens der churf. 11. ausgeschrieben, auch schliesslich andere mer suchen . . befür-
dert werden möchten.“ — Die .4uflrüge des Markgrafen von Anspach sind zunächst aus
seinem Vortrag vor der Kurfnratenversainmlung (Nov. 3. Berlin. Cnionsacta ad tom.XII)
zu entnehmen; 1. Eifer des Kaisers für Herstellung der Eintracht im Reich, Abstellung
der gravaiuina, Aufrichtung der Justiz. Erbittet sich Vorschläge der Kurfürsten zur
Erzielung dieser Reformen. — 2. Üble Behandlung das Kaisers, besonders durch die
böhmischen Stände. Die Kurfürsten mögen dieselben zu grösserm Respect gegen den
Kaisers weisen. — 3. Der im Vergleich des Kaisers mit Matthias für erstem ansgesetzte
Unterhalt leicht nicht für den Hofstaat, geschweige denn zur Ablegung der im
ungrischen Kriege gemachten groasen Schulden. In diesem und den andern schon
von dem vorigen kaiserlichen Gesandten vorgetragenen Piincten mögen die Kurfürsten
sich des Kaisers in seiner Drangsal so annehmen, dass ,.i. M. sich bei denjenigen, da
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»ip sich noch zur Zeit licfimlei). merern rcsjied* inskünftig zu KPtrösten.“ — Üim«*n
Vortrag nbersendet Anspacli am selbigen Tag dem Kaiser und iiemerkt dazu: die ihm
„anfgetragene andere geheime suchen“ wird er den Kurfürsten einzeln vortragen, wie
er heute bei Mainz den Anfang dazu gemacht hat. Der Krzbischof hat die Sachen zu
Bedeuken genommen. — Den Inhalt dieser geheimen .Aufträge entnimmt man aus
der von Anspach aufgezeichneteu mtlndlichen Krklüruug des Krzb. .Mainz, folgenden
Inhalts: 1. hetretl’end den taslauerlichen „zn.staud" des Kaisers sieht der Krzbischof es
für ilnrchans unräthlich au , „von vorigem vertrag abzuschreitten“ und so „fernere
numhe zu beginnen,“ Er erinnert an die vom Prager Eörstenlag ertheilteu Kathschläge.
2. Die ..aasecuration des depntata“ hält der Erzbischof für nöthig. 3. Die Kesidenz
steht in des Kaisers freier Wahl. Zu erwägen gibt der Erzbischof aber, ob nicht ein
schlesischer reichslehenbarer Ort gewählt werden sollte, „damit dieselbe (Kai M.) nit
so stracks ins reich kommen möchten “ d. Die „voruemhete Sachen“ des Kaisers wird
ihm jeder Reiohsstand gern in Verwahr nehmen. 5. Die spanische (iesandtschaft bat
den andern Kurfürsten nichts anderes, soweit man vernommen hat. angebracht als beim
Admin. Hfiilz. (Empfehlung der Wahl des Königs Matthias, wenn die Wahl eines röm.
Königs mit Zustimmung des Kaisers vorgeuonmien wird.) 6. Kur diskursweise be-
merkt der Erzbischof: wenn das nngrische Kriegswesen wider aiigeheii sollte, „were es
billich, wen das reich denselben krieg Itireu mUste, das alsdann auch i, M. als dem
hanbt die directiou zustUode und verbliel«:.“ — Dass der Alarkgraf seine Werbung
auch bei andern Karfdrsten verrichtete, ergiebt sieb aus tiebreibeu von Kiirpfalz
und Kurtrier an den Kaiser. (Nov. 22. Berlin. Unionsacta ad tum. XXIV.)
IV.
Der Nöriiberger Kurflirsteiitag.
Heber die Verhandlungen des Kurförsteutags soweit sie nicht mit der Nach-
folge zosanunenhingen , berichtet der .Administrator von Knrpfulz an Würtemberg
folgendes (Dec. lU. Stuttgart. IJnionsacten XI f. 1007): I. hinsichtlich der Beschwerden
über das Kammergericht nnd den kaiserlichen Hof, welche alle vor zwei .lahren von
der Union vorgetragenen Beschwerden umfassen, drangen die geistlichen Kurfürsten
auf Rea-ssumlioii der I59S beschlossenen ausserordentlichen Vi.sitation: Kurpfalz und
Brandenburg verlangten Wideranfnahine der ordentlichen Visitationen „hindangesetzt
des wegen Magdenbnrg hiebevor erregten Streits,“ nnd mit Aussetzung der vier
Klostersachen zu gütlicher A'ergleichung. Schliesslich setzte die Majorität im W'ider-
sprnch mit Pfalz und Brandenburg den Iwi dem Kurfürstentag von IbOti ventilirten
Beschluss dnroh, dass in den vier Klostersachen vom Kamiiiergericht die Acten nebst
Bericht über die EntscheiduugsgrUnde eiugefordert , und von einem nächsten Kur-
fürsten- oder Reichstag erwogen werden solle , ob dem Recht und der Billigkeit
gemäss genrtheilt , and das gefürchtete Präjudiciiun wirklich vorhanden sei. Der
Kaiser ist demgemäss ersucht , das Kamiiiergericht zur Einsendung liesogler Schrii)-
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Stücke an die Mainzer Kanzlei aufzuforderu. — lieber die sonstigen Beschwerden
und Verbesserung der kaisei liehen Regierung hatten die kaiserlichen Comniissarien
sellrer eine Proposition vorgetrageu. Die geistlichen Kurfürsten und Sachsen be-
zogen sich auf das vom Prager Convent dem Kaiser abgestattete Bedenken. Einer
abermaligen Ueberreichung desselben stimmten Pfalz und Uraudenbnrg zu unil ver-
langten vergeblich einen Zusatz betrelTenii die „maessigung“ der Hofprocesse nach
Mussgabe der Kammergerichtsordnung. Knrpfalz und Kurbrandenbnrg , bei ihren
Anträgen vielfach überstimmt, haben sich ausdrücklich Vorbehalten, dass den evan-
gelischen Ständen , besonders in den vier Klostersachen , durch die Verhandlungen
des Knrfürsteutags keinerlei Präjudiz zngezogen werde. Mit Beziehung auf die Be-
stimmnng des lloteuburger Tags über eine nach dem KnrfQrstentag zu haltende
Versammlung der nächst wohnenden Unirten, schlägt nun der Administrator vor,
dass vor dein nächsten, zwischen Ostern und Pfingsten zu haltenden Kurfürsten-
oder Reichstag ein Unionstag gehalten werde, zn Besclilussfassang, was bei dieser
Sachlage die evangelischen Stände zn thnn haben, besonders in den Klostersachen. —
Ueber die Evangelischen in .Aachen und Cöln ist nichts vorgekommen, nach von pfälzi-
scher Beite nichts augeregt, da der Kaiser „die achtamandata (gegen Aachen) zu su-
spendireu Vertröstung gethan haben sollte.“ 2. Oer Kaiser und der König von Ungarn
haben ihren „allerdings volzogenen" Vergleich berichten lassen, und sind von den Kur-
fürsten zn getreuer Haltung des.selbeu ermahnt, „wiewol mit ansneminung dessen, was
etwan wider versehen dem reich an seiner gerechtsamh und libertet dardureb künftig
praejudiciren möchte.“ Der Oedanke, die R<!siden7. aus Böhmen nach Dentscbland zu
verleben, der den Unirten beim letzten Unionstag solche Sorge machte, wird unter diesen
Umständen dem Kaiser vergangen sein. — Ein Gesuch des Kaisers nm ,,eine contribu-
tion und zneschuss zu dero nnderhalt“ ist z.nr Beliebnng sämmtlicher Btiinde verwiesen.
3. Bezüglich Donanwörths trugen die in l’rag gewesenen Kurfürsten den dort vorge-
brachten Vorschlag vor. während Pfalz und Brandenburg auf der kaiserlichen Resolu-
tion betreffend die Restitution bestanden. Die Majorität entschied sich für noch-
malige Erinnemng obigen Vorschlags an den Kaiser. Baiern ist auf Klagen der
verbannten Donauwörther ersucht , er möge die Douauwörther „über die aussönung
mit neuwem thaetlichem vornemeu, und sonderlichen wider den religiou- und profan-
frideu nit beschweren lassen.“ — 4. Kursnehsen schien „der nnion etwas mer als
etwan vor disem atfectionirt,“ so dass „sich zum wenigsten zue derselben keines wide-
rigen zu versehen sein dürfte. — 5. Einen baldigen Reichstag hat man für nötbig er-
achtet und beschlossen, einen solchen, wenn der Kaiser darum nachsuche, zu bewilli-
gen, dabei aber den Kaiser zu erinnern, er möge einen gedeihlichen Fortgang des
Reichstags dadurch anbabnen, dass er „den bishero vorgewesenen difficulteten abhelfe.“
— Itatnm uf der Rehehfitten den 6. Deceiubris a. 1611.
Für die Nachfolgeverlmudltingeu vergleiche mau die Acteustücke bei Hammer
II. n. 3S0, 361 ; ferner Gindely II. S. 318. und l>esonder8 die kaiserliche Resolution
au die kurfürstlichen Gesaudfeu vom 25. (oder 23 ?) Nov. , bei Londorp I. S. 98.
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(vgl, Uiutlely II. S. 321 Aam. 2). Der bei Loudurp a ii. O. gedruckte Auär-iig der
Werbung der kurfürstlichen Gesandten widerspricht in allen Puncten den wirklichen
Bc.scbiU.s8eu des Kurlurstenlags. Man möchte, wenn er überhaupt auf einem authen-
tischen Actenatiiek beruht, verinuthen, dass i-s ein besonderes .Aiibringen Anspachs
oder des zu der kurfürstlichen (ieaandtschaft gehörigen Cainerarins (llindely II S. 320)
ist. Zur fernem hirlänteruiig der fraglichen Verhandlungen gebe ich folgende zwei
Acten.stücke :
I. Rudolf II., Instruction für den R eic h sbo f r at h Khreufried.
Frh. Miukwiz an Chursachsen (Kill December 15. Iterlin. Uuioiisacteu ad
lom. 24. Cop.): der Kaiser hatte geglaubt, der N0rnl)erger Kurfiirsteutag habe ihn aus
seiner Soth erretten und vor allem auf seine Proposition antworten sollen. „Befinden
aber, das man nur mit der succession seie uinbgangen, und uns durch andeutnng eines
hantbriefieins, so man uns znstellen sollen , fast zur resolntion gedrungen.“ Das
gleicht dem vom K. Matthias gegen den Kaiser eingeschlageneu Zwangsverfahren.
Hätte mau dem Kaiser „die sache recht vorgehracht“ und ihm „die deliberation heim-
gestellet,“ so würde er sich „halt ans gutem freiem willen“ zur Zufriedenheit der
Kurfürsten erklärt haben. Und „wan man uns gar zur dank.saguug der ausgestan-
denen schweren mühe und arbeit . . die benennuug der person ans unserem hau.s
Oesterreich heimgestellet, betten wir auch niereren trost als also in un.serer trilm-
lation empfinden mögen.“ Bei der gegenwärtigen Sachlage bittet der Kaiser den
Kurfürsten nur noch, er möge sich verwenden, „damit wir in dieser Sachen nicht
übereilet, oder ja zum wenigsten solche bis nach dem reichstag, an welchem uns
und dem heil, reich viel mer gelegen ist, verschoben, und volgends, wan es nicht
anders sein kann, zu solcher wal mit seinen gebürenden re4|uisitis geschritten werde.“
Nicht weniger hat es den Kaiser bestürzt, dass zu der Wahl sclion ein Tag be-
stimmt sein soll. Derartiges soll „billich mit unserer approl)atiou beschehen.“ Der
Kurfürst möge also in Sachen, „die wider uns“ sind, nicht einstinimen , sondern es
dahin richten , „das derselb conventus bis nach dem reichstag beruhen , und wir
die person aus uuserm haus andeuten mögen.“ Der Kaiser wird sich dann zur Zu-
friedenheit erweisen. Der Kurfürst empfängt die Bestätigung des Jüterbocker Ver-
trag.s , aber mit der Erinnerung, das,s er dafür dem Kaiser in seinen Angelegen-
heiten überall treulich beizustehen hat.
II. Johann Georg, Kurfürst von Sachsen, Resolution auf die
Werbung von Minkwiz (1B12 Januar 3. A. a. 0. Cop.): der Kurtürstentag
zog den 8uccessiouspunkt vor Ankunft der kaiserlichen Commissarien in Berath-
nng, weil er ihm unter allen Anliegen des Reichs als der dringendste erschien.
Man dachte an keine Beeinträchtigung der kaiserlichen Wörde. Bei .Abfertigung der
Gesandtschaft au den Kai.ser rechnete man darauf, dass er seine Znstimmung —
„inmassen Jan sulche auch von e. Kai. M. ervolget“ — nicht versagen werde, und
deshalb befand man es einhellig für gut , „sich in omneiu eventnm eines waltags
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154
KU vergleichen.“ Zugleich gab man dem Erzbischof von Mainz Vollmacht , dem
Kaiser, wenn er in üblicher Weise um die Bewilligung eines Reichstags nachsnebe,
dieselbe zu ertheileu, so dass der Reichstag gleich im .\uschluss an den Wahltag zu
Frankfurt gehalten werden küuue. Es ist dem Kurfürsten unverständlich, weshalb
der Reichstag dem Wahltag vorausgehen soll. Da „einmal ein coll^alschlnss znm
wal- und reicbstag — doch auf angedentte mass — gemacht, derselbe von meinen
mitehurfUrsteu und mir l>esigelt und unterschrieben, und iuhslts der charfüiatlichen
und von mir geschworenen verein, solchem uiicbzukommen gebürt,“ so kann der Kur-
fürst gegen diese Beschlüsse nichts erklären. Warnung vor falschen Einflüssen, be-
sonders vor Zulassung eines Interregnum. Die Proposition des Kaisers ist von den
Kurfürsten wol beantwortet, uud die Antwort schon vor sieben Wochen den kaiser-
lichen Comniissarien übergeben.
V.
Anspachs Terhandlungeii in Prag.
Nachdem Anspach am II. Jan. dem K. Anhalt gemeldet bat, er habe Iwim
Kaiser wegen dessen sich bedenklich anlassauder Krankheit noch keine Audienz er-
halten (Berlin. Unionsacta ad tom. 24), meldet er demselben am 15. Januar (a. a. 0.):
Der Kaiser hat ihm , dem v. .Minkwiz nnd Christoph Pflug — ..davon der herzog
von Braun.schweig sich abgesondert und es seines teils a pari zn thun erklaert“ —
befohlen, die Relation von Dresden (vgl. Beil. IV. Sendung des Minkwiz) abznbören
und ihr Ontachten darüber zu geben; „welches dan von uns nnmer beschehen, nnd
verhofl'eu wir, es sol nf den e. l. bewusten scopnm gerichtet werden kflnnen, das
nemlich der waltag zurück, oder aber doch der reicbstag demselben Vorgehen möge.“
— Praga den 6. Jan. 1612. — P. S. Vor drei Tagen Ändienz; fand den Kaiser
sehr schlimm, „tellement qn'ü fant proceder d'une autre fai^ou, |ms si senre, comme
si on ponrroit parier a. s. M. mesmes.”
Das in di(s<em .Schreiben erwähnte Gutachteu wird von Anspach, Minkwiz nnd
Pflug am 16. Jan. abgestattet. Es lautet: auf den Antrag der Kurfürsten l^trelfend
Bewillignug des Wahltags hätte der Kaiser .statt bestimmter Erklärung sich Beilenk-
zeit aushalten und zugleich bei der Uesa udtscbaft aufragen sollen, ob man die Be-
willigung hei ihm als Kaiser, oder zugleich als Kurfürst suche. Darauf ging des
Markgrafen eigenhändiges, von Hertel übergebenes Bedenken. Weiter hätte dann
der Kaiser eine iTesandtschafl an die Kurfürsten schicken sollen, um sie zu erinnern,
wie es nach kaiserlichen Rechten und dein Herkommen bei der Wahl eines Nach-
folgers twi Lebzeiten des Kaisers zn halten sei, uud um zugleich die Bewilligung
eines Reichstags nachzusuchen. Erst wenn letztere ertheilt wäre, hätte er „auf einen
ordentlichen . . waltag gncdigste Vertröstung geben sollen.“ Vortheile eines solchen
Voigeheus, darunter folgende; ohne des Kaisers Bewilligung hätten die Kurfürsten
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deu K. Matthias zu kmupm Wahltag berufpu können. E.s würden „dadurch dero
hem brüder ut candidati imperii zu mererm und grösserm respect gegen e. Kai.
M. angewiesen worden sein , sich auch aller gemach ad snbniissionem et tacitam
capitulationem in Zeiten geschickt und augebeu haben.“ Da nun aber der Kai.ser
„in verwilliguug des waltagcs oue gutten rat praecipitiret,“ so handelt es sich nun-
mehr ilaruin, „wassermassen der sacheu am fOglichsten zu helfen und zu remediren
seie.“ Nach liecht, Herkommen, besonders dem Kaden 'scheu Vertrug von 1534
wäre der Kaiser, weil die Kurfürsten nicht ordnungsgemäss vorgegangeu sind, be-
fugt, ihre ganze Verhandlung zu cassiren. Um indess die nüthige Einigkeit
mit den Kurfürsten zu erhalten, möge der Kaiser sie lieber nochmals durch
eine Gesandtschaft ersuchen, den Keichstag dem Wahltag Vorgehen zu lassen. Ein
demgemässes Schreiben an Kursachsen, in dem des Kaisers Hechte und die ordnungs-
gemä.sse Anstellung eines Wahltags ausgeführt werden , *) wird beigelegt. Nach
seinem Inhalt kann die Instruction au die andern Kurfürsten ausgefertigt werden.
Möge nun der Wahltag vor oder nach dem Reichstag fallen, jedenfalls wäre es nütz-
lich, wenn der Kaiser sich inzwischen entschlösse, wen er den Kurfürsten als seinen
Nachfolger vorschlageu will. Er könnte darüber mit Kursachsen insgeheim zu Ruthe
gehen. „Wie wir dau vor unsere personeu pflichten und gewissens halber, doch
e. Kai. M. biemit kein Ziel noch ma.ss gesetzet, nicht widerraten köuten, da.ss die-
selbe ireu eltisten hern brudern, den könig, deine sie königreiche und erblaude
albereits abgetreten , bei welchen aber seit viel menschen gedeucken als Vormauern
des heil, reichs gegen dem erbfeinde die hoheit und würde der römischen crone ge-
wesen, den churfursten des reichs bei Zeiten nominiren und maiorum exemplo auf’s
beste recommendiren" möge. Der König wird sich dafür dankbar erweisen. —
Prag den 16. Jan. a. 1612. (A. a. 0.)
Dies Gutachten kam dem Kaiser nicht mehr zn, da er darüber starb. (Anspach
an Anhalt. Jan. 2S.) Zur Erläuterung der dabei verfolgten .Absichten füge ich noch
folgendes Schreiben Anhalts an Anspach vom 14. Jan. (a. a. 0.) bei : so lang noch
Hoffnung vorhanden, möge der Margraf Prag nicht verlassen; er möge. sich um persön-
lichen Zutritt beim Kaiser bemühen . zugleich „mit den besten und vertraulich.sten
officiren der crou B(öhcira I und der landstende conversiren und unterbauen , das die
Spanische pructieken sonderlich mit Alberto, gehindert wurden... Bei solcher ge-
legenheit zu versuchen, ob könig Matthias (und) liöheim mit den drei tceltlichen
ehurfürsten nicht allein die alte vorein erneuern , sondern auch vormeren wolten,
sonderlich wan ein neuerweiter einigen solcher vier weltlichen ehurfürsten beleidigen
1) Als Ordimagswidriglfeiten Ini bisherigen Vorgehen der Kiirfdrsten werden bezeichnet: Mainz
hat wider „die gewönlicbe form der cilation, der kaiserlichen autoritaet und gp|iosition nnerwaenet.
und meiner (des Kaisers) bedingten und entllcbcn nieiiiung ganz zn entgegen, meinen brudern den kbnig
Matthias . ■ neben e. 1. und miteburfursten, so mererteile unbelenet, oue mein vorwissen zum waltag
bernffen.**
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss XV. Bd. II. Abth. 21
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wolte, item das in religionwesen keine bestrengnns zu gestatten, item wie es, im
fal die Durcken eintrungen, gehalten werden solte.“ Zur Verhandlung hierzn wäre
etwa der II. März zu bestimmen. Pfalz und Brandenburg werden dazu bereit sein,
Sachsen sich nicht entziehen können. Matthias ist durch Anspach zu gewinnen und
hat dann wieder auf die weltlichen Knrfllrsten einzuwirken. — ,,Si vons avez I'acces
(beim Kaiser), et qu'il se presentoit quelque occasion d’un legatum par le testament,
crojez nioi qne ce .scroit une rccompense de vos peines. Mais si ne croyez
qn'extremite, je vous conseille d'aller droit a Dresden, af6n, si ne ponvez poiirchasser
le bien, an moins que taschiez d'empescher le manvais.**
VI.
Anspach und Matthia.s.
Xoch vor dem Tode des Kaisers wurde das offene Eintreten Anspachs für die
Succession des Matthias vorbereitet. Auf des Markgrafen Anfrage vom 11. Jan., was
er im Falle des plötzlichen Todes dos Kaisers thun solle, erwidert Anhalt am
16. Jan. (Berlin. Dnionsacta ad tom. XXIV); da.« Schreiben vom 11. macht ihn sehr
unruhig. Sobald der Tod des Kaisers eintritt, .je tiens que vous debvez prendre,
ouvertement et sans dissimnlation , (le parli) de Matthias, le venir ou aller voir et
prendre Commission de lui vers Saxe, Brandenbonrg, Palatin et Mayence, et qne
puissiez traitter avec Braudenbourg par nn substitut; et ce en speciel contre All)ert
et vous .servir des points dont je von« ay escril hier." — .Am '23. Januar schreibt
Anhalt; da der Kaiser gestorben, suche der Markgraf nunmehr dem K. Matthias
vorzustellen , „das, was e. 1. bis dato laboriret, in effectu zn i. k. w. bestem ange-
sehen, indem e. I. sich bemühet, die Kai. M genzlich zu gewinnen, das dieselbe i.
k. w. ir Votum gegeben betten, und wüsten, das sie zu diesem fundament albereit
ser gereumet.“ Die Zustimmung des Kaisers wäre für ihn sehr wichtig gewesen,
„dan über zwen cburfursten betten i. k. w. wenig vota im collegio zu hoffen, und
das noch mer , so stunden etzliche in der meinuug , das i. k. w. raete eines teils
Selbsten raer uf einen andern als i. k. w. sehen.“ Gegenwärtig habe Matthias die
Wahl, entweder die Kaiserkrone zu gewinnen, oder Krieg, ja Ruin de« Hauses Ost-
reich zu gewärtigen. Zn dem Zweck habe er sich soIIkt seine .Stimme zn geben,
habe vertraulich mit Pfalz und Brandenburg, Mainz nnd Sachsen zn verhandeln,
wozu ihm er (der Markgraf) seinen Dienst anbiete. Kr müsse ferner „die allianzen.
davon ich e. 1. iui vertrauen geschrieben, an die hand nemeu, die Uuirte favorisiren
und inen in der Donawertischcn und Aachischen Sachen nichts zuwider von mandatis
und dergleichen ansgeheu noch geschehen lassen.“, nnd sich ,,in puncto grava-
minnm aller schiedlicfakeit“ erklären. Anspach hat ferner dem Klesl „zu helfen zn
'seinem scopo, das er director des consilii noch zur zeit zu verbleiben, nnd ihn weid-
lich mit dieser ambition zn reiten.“ Er ermahne ferner den König , mit Kurpfalz „gnte
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vertreulichkeit zu halten als demjenigen, der sich öffentlich jederzeit für ihn dcclarirt"
und ihm als Director der Union gute Dienste erzeigen könne. Im Verbältniss zu
auswärtigen Mächten solle man nichts übereilen, sondern weitere Berathung Vorbe-
halten. — Am 24. Jannar schreibt A n h a 1 1 : „je peuse que ce point des correspon-
dances *) eu (sic) seit practicable. Si les estats evangeliques penseut bien a leurs affaires,
ils debvoient tascher de reduire ces beau.t royaulmes et provinces a une teile dispo-
sition, que les evangeliques y puisseut parvenir une fois. Les Lspauguols fout leurs
deaseins pour trente et cinquante an.s; ponrquoi ne le ferions uous pss aussy en un
aftaire couceruant la gloire de Dien et uostre Conservation ?"
Ueber seine ersten Schritte nach dem Totle des Kaisers berichtet Anspach
am 2. Februar an Anhalt (a. a. 0.): vorigen Montag traf der K. Matthias ein. Auf
seine sofortige Anmeldung erhielt der Markgraf vor dem päpstlichen, spanischen und
allen andern Gesandten eine anderbalbstündige Audienz. Er erbot sich dem König zur
üeberuahmc eines etwaigen Auftrags io das Reich. Der König verordnete den B, Klesl
zu weitern Verhandlungen. Diesem theilte der Markgraf mit, wie „alles dasjenige, so
wir bisanhero albie gebandelt, auch e. I. mit uns geret und durch schreiben coni-
muiiicirt, i. k. M. zum besten gemeint und angesehen gewesen.“ V'ermuthlich wird der
König dem Markgrafen Auftrag nach Dresden, Mainz. Pfalz ertheilen. — Am 25. März
verrichtet Anspach seine Werbung im .\uflrag des K. Matthia.s beim Administrator
der Kurpfalz. Am 1. April theilteu der Administrator und .Anhalt diese Werbung
dem Erzb. Mainz mit und sprachen für Matthias und gegen Albert. (Mainz an
Sachsen. April 2. Dresden. lOfil. Erstes Buch Wahltagssacheu 1012. f. 126. Vgl.
zwei Berichte Anspachs au Matthias, der eine undatirt, der andere vom 14. April.
Berlin a. a. O.)
Seine Ansichten über die Zweckmässigkeit der Nachfolge des Matthias führt
Anspach in folgendem Gutachten au einen ungeuannten Fürsten aus (o. D.
Berlin a. a. 0. Eigenh. Entwurf und Abschrift de.sselbeu in Form eines Concepts) :
Hat dem Fürsten „in irem nachern persönlichen anwesen alhie“ sein Bedenken ,,de suc-
ce.ssione Cae.«aris“ zu übersenden versprochen. Da z. Z. die Zeitungsschreiber übe."
diese Sache öffentlich schreiben „und ir Votum gleichsam dem Alljerto“ geben dürfen,
so kann viel weniger ,, unser“ einem verdacht werden , seine Meinung darüber aus-
zulühren. „Und ist 1. „bei mir one allen zweivel, das man bei dem haus Oester-
reich vor dismal verbleiben wort.“ Unter den .Mitgliedern dieses Hauses würde den
Katholiken am vortheilhaftesten sein der König von Spanien, oder Erzh. Albert, oder
Erzh. Ferdinand. Ersterer ist nicht durchzubringen, letzterer zu mittellos: er hat
ja auch ..den Türken zum nahen iiachbum, ingleicheu Ungern, Oesterreich, so me.-ern
teils evangelisch So seind im die V^enetianer auch nahe, als welche nit catholisch
1) Vielleiclit meint er die in seinem Scfarcibeii vom U. Jsnusr (Beil. V) erwähnte Verbindnng
der weitiiehen Kurfürsten mit Matthias , vielleicht eine Verbindung mit den Ständen der Lande des
Matthias.
21*
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Rnug.“ Auch Krab. Maximilian wird schwerlich gewühlt werden; denn er müsste
„vom reich erhalten werden, dar/.n niemant würt verstehen wollen. So würt er selbst,
als der scr religiös, einen .solchen nützlichen catholischen desseiug, so durch einen
andern aus seinem hause in’s werk gerichtet könte werden, nit wollen hindern ; dan
weil er sich selbst wenig darumb annimbt, da er doch wüste, das man auf in in-
clinirt, auch die geistlichen zugleich ire meinung geaendert, so scheinet, das diese
Sachen one zweivel mit ime communicirt worden, und er seinen consens albereit
darein gegeben.“ Für die Katholiken bleibt also .Aliwrt. Ihm gegenüber ist für die
Evangelischen Matthia.s zu empfehlen. Mit seinen Reichen kann er gegen die Türken,
wie auch in ., andern des reichs nöten ein statliches thnu.“ Es sind zugleich seine
Lande „nierern teils evangelisch nnd (haben) nunmer .soviel libertet erlanget, das man
sich evangelischen teils gar nit zu befaren, das er dieselbe mittel der religion zu
praeindicio würde anwenden können.“ Mau hat auch „zu merer Versicherung noch
die mittel, sieh mit selbigem könig and crblanden ') zu unirn.“ Es würden dadurch
Matthia-s und Albert veruneinigt. Ersterer ist den „catholischen churfUrsten zuwider,
au.s welchen nr.sachen man sich dis teils desto mer solle an in halten.“ Kommt er
dann durch Berörderung der Flvaiigelischen zu der Würde, so „würde er umb so viel
mer ein aug auf die Union haben müssen.“ Er wird in Zaum gehalten durch die
Türken und die Nachbarschaft der Evangelischen. Einwflrfe gegen Matthias, dar-
unter folgende : es wird so „das haus Oesterreich widerumb ganz stahilirt.“ Allein
Matthias wird nicht lauge mehr leben, „und haben die königreiche nnd erblanden
nnnicr solche freilieiten , das die Sachen gar in einen andern stant sind innerhalb
wenig jaren kommen." Die V^erstimmung zwischen Albert und Matthias wird auch
jene Befestigung hindern. Und endlich ist ,,aus zweien bösen das geringste zu er-
kiesen.“ Matthias ist vom Papst und Spanien selber empfohlen worden; allein
„die recoinmendation ist a desseing beschehen, uns irre zu machen.“ Matthias wird
von Klesl ganz regiert; allein es i.st „bei keinem andern von diesem haus eines
bessern zu gewarten. — Gründe gegen Albert.
VII.
Verhandlungen über AuflÜHung der Union oder Gründung eines paritätischen
KttndnisBe.s.
Dass die Verhandlungen über Stiftung eines katholisch-prote.stantischen Bünd-
nisses tjeim Prager Eürstenconvent begannen, habe ich 8. 88 Anni. 1 naebgewiesen : über
den Fortgang derselben bei und nach der Cölner Tagsatznng finden sich Actenstücke
bei Wolf III 8. 20 — 38 und bei IIäberlin-8enkenherg XXIIf 8. 337 — 332. Zur Er-
gänzung theile ich eine Verhaudlung zwischen Mainz und Sachsen mit.
1) .So falsch in dem copirten Cpt. ln dem eigenh. Entwurf ; „mit eelbigen kS.- und erblanden."
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Ende Märvt oder Anfang April 1612 (das Oredilie ist vom 24. März) trägt
der knrmainzische Gesandte Brömser dem Kurf. Sachsen u. a. vor:
bei dem Nürnberger KorfUr.stentag sagte Kursachsen dem Erzh. Mainz zu , dass er
den Administrator der Knrpfalz, den Mgr. Ans|>ach und andere l’nirte nach Gelegen-
heit von der Union abwendig zu machen suchen werde, indem er erwartete „ilas
es auf der catholischen stende seitten ein gleichmässige maiiiung haben . . werde.“ Nun
sieht der Erzbischof „dergleichen onzeittige nnione.s“ als schädlich fllr de* Heicha
Verfassung, Friede und Wolfalirt an. Aber da die Staaten, besonders in der Nach-
barschaft des Rheius, starke Kriegsrilstungcn an.stellen, da Pfalz, Wörtemberg, Htrass-
burg. Baden und andere ünirte Befehl-sleute anwerheii und beträchtliche Wartegelder
ansgeben, so dürften die Katholischen, wenn sie nicht zur Gegenwehr rüsten, da ea
möglicherweise gegen sie abgesehen ist, übel dabei fahren. Der ErzVrischof bittet
deshalb den Kurfürsten um .Aufschluss, was für .Anschläge unter jenem Vornehmen
stecken möchten, ferner, ob er mit vorgenannten Ständen Ober die Union gehandelt
habe, und mit welchem Erfolg. (Dresden 1061. Ertes Buch Wahltngasachen a. 1612
f. 95.) — .Auf diese erste Werbung folgt eine zweite de.s,sclben Gesandteu, folgenden
Inhalts :
„nachileme bei jüngst gehaltener abentmalzeit under anderem von e. cbf. g.
ich soviel nnderthenigst vermercket, das wegen abschatfung der Union dieselbe bis
noch nicht* sonderlich oder veraulessig verrichten mögen, und aber anf solchen fal,
und da deswegen kein versicherte resolution ervolget, e. chf g. ich ferner um^er-
thenigst anzulangen, von meinem gnedigsten hern gnedigsteu beuelch entpfangen, als
habe lieh) . . . meinen habenden ferneren befelch nuterthenigst zue erofnen gedacht.
Wissen sich demnach e. chf. g. zweifelsfrei gnedigst zue entsinnen, weichergestalt
von dem hern ertzbischoffen und churfürsten zue .Maiutz. meinem gnedigsten hern,
sie vor diesem auf vorgangene freuntliche und vertreuliche comraunication die ver-
sicherte erklerung bekommen, auch nochmals i. chf. g. mit got dem almechtigen als
dem rechten hertzenkündiger nnd irera gewissen eitlich beteuren und beteuren wollen,
das solches zuesainethuen und verbinden etlicher catholischer stende im reich anderst
nicht angesehen und genieinet gewesen und noch ist, als das man sich bei dem
heiligen Römischen reich, dessen libertet. dem heilsamen religion- und prophanfriden,
wie auch (im) genuss der wolangeordneten reicbsconstitutiouen nnd Verfassungen er-
halten und behalten, auch sich gegen den onbilligeu gewalt nnd taeglicbe zuenotigung
etlicher onfritfertiger, oneinger stende etwas versichern oder je aufhalten möge, in-
massen den got und nnmer der weit offenimr ist, wie es mit solchen itzgedachten
zuenotignngen und uberhauffendeu empfundenen trangsal beschaffen , auch entlieh
mit und nach aufgerichter Hallischer iinion soweit kommen, das man einsmals den ca-
tholischen und sonderlich den geistlichen steuden den garauss zue machen und ein
andere formen des reich* anznerichteu, nicht allein mit Worten und Schriften sich
offent- und heimblichen verlautten lassen (in masseu man deren Schriften nnd uach-
richtnngen genugsam zue banden bekommenl, sondern auch gar zue dem werck und
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der that zue greiffen uud uiider eiuetii audern geguchteii ecbeiu die waffen und wer
au die haut zue nenien. frenibde auslendixche mechtige, dem reich iederzeit verdechtige
poteutaten mit in das spiel und das reich zue inritiren , und in allem nichts zue
underlassen, was nur die gefar vermeren mögte, welches ongewitter vielleicht auch
so schlecht nicht aligangcu were, da der almechtige gut mit seiner gewaltigen haut
nicht in das mittel gegriffen und diese schädliche Consilia vor ditzmal etwas ver-
wirret mul zue nicht gemaclit hette. Dahero vorangeregte catholische beschwerte
stende einiger niensch geaunten und onparteiischen verstaiits, und deme sonsten die
beschaffeiihaiten solcher trangsal bewust, der vorgangeneu gegeuverfassungen ver-
hoffentlich in ongnettem nicht verdenken wirt oder kan.
Nichts destoweniger hochsternielter mein gnedigster her . . . uachiualg nichts
Hebers sehen uud wünschen mogte, als das mau allerseits von solchen geferlichen
trenmmgeu uud purtialiteteu nbstunde und sich bei und an den heilsamen reicbs
Constitutionen und verfa.ssnngen dem religion- und prnphanfriedeu, darzue mau oue das
so hoch und mit leiblichem ait verbunden, hielte, iuniassen i. chf. g. solches irerseits
zue werben und zu verschaffen an aller moglichkait ongern etwas erwinden lassen
wolle, da mau nicht ') Versicherungen haben mogte, das es hei der anderen nnion
und deren zuegewauten stendeu ein gleiche meinung haben solte. Demnach aber i,
eilt', g. und andere catholi.sr.he uud fritfertige lieschwerte stende bis noch darzue nicht
allein wenige, ja gar kein hofnung calcr ansehen erlangen können, sonder viel mer
nnd stündlich die gewisse uoehriebtung haben , das solche Union von tag zue tag
sich mit in- uud auslendischer macht zue bestercken, mit allem angelegenen tieiss
und schwinden anschlegeu bearbeiten thuet, auch darauf die hohe betrauungen, ja
gar die werck gegen den catholischeii nicht aufhoren oder nachlasseu, uud dan i. chf.
g. von allen anderen catholischen stendeu, die solches onwesen uud inen zue uaheude
gefar vorseben. umb dero ratsames gnetachten vielfeltig angelangt werden, wie mau
sich dieser seits zu etwas tnehrern Versicherung auch austelleu konte oder mogte —
welche anlangende stende i. chf. g. oue autwort in die lengde , wie bisbero in hof-
nung de.s gegenteils gewierigeu resolution geschehen , nicht aufhnlten mögen oder
können — , jetloch in dieser so hochwichtigen Sachen one gehabten rat nicht gerne
weiters fortfaren oder erkleren wolten, sich aber vor anderen zue e. chf. g. (als mit
dero löblichsten vorfaren hertzogen uud churfiirsteu zue isaxen i. chf. g. auch seligste
vorfaren ertzbiseboffen und churfBrsten zne Maintz von ondencklichen zeitten in
guettem vertreuliclieu wesen , mit mercklicliem wolstaut uud aufuemeu nicht allein
haider chnrfurstentmiih sonderen auch des gantzen rcichs uud des geliebten vatter-
lants gestanden, und dieselbe vertreulichkait dnreh gottes gnat nnd segen sich auf
beide e. chf. gg. mit aller fritliebendeu wolgefallen und sonderbaren frent continuiret
nnd erstrecket) sich in diesem fall und in allen hoch uud veraulessicb getrosten, sie
1) Ue>: nur.
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werde dieselbe mit gnettera rat nicht laeseu : als thuen sie e. clif. g. hirmit dnrch
meine person vertreulichen ersuchen , ziim fsl bei der andern Union nicht zue er-
langen sein solle, das sie darvon abstunden, ob als<lan e. chf. g. rermeinen wolle,
das die catholische und andere fritfertige stende ongleich verdacht werden konten oder
sollen, da sie ire angefai gene gegen rerfassnng nicht allein continuirten , sonder
dieselbe zue stercken sich gleich den anderen bemnbeten, wie es dan inen vielleicht
an initteln auch nicht ermangeln mogte.
Demnach den auch e. chf. g. abermals one zweifei sich gnedig.<t erindern, was
dieser Union halben vor diesem mit e. chf g. hern bruderii löblichsten gedacbtenis,
e. chf. g. Selbsten nnd dero gantzem löblichsten hauss :^xen, wie auch anderen frit-
fertigeu der Angsburgischen confession znegewanten freunt-vertreulichen commnnicirt
worden, auch darauf auf vorangeregten fal, da nemblich die uniones baiderseits
nicht abgeschaft werden wollen, guette und frenntliche Vertröstungen beschehen, als
Ihnen e. chf g. hiemit i. chf g. abermals freunt-vertreulichen ersuchen und pitten,
sie wollen sich anitzo ires gemuets onbeschwert erkleren , was sich die catholische
churfilrsten und stende auf vor nnd mer angeregten fal zue e. chf. g. und dero löb-
lichsten hauas veranlessich zu getrosten.“ Grunde für den Beitritt des KnrfÜrsten
von tiachsen Einziger Zweck der katholischen Verbündeten : sich im Genuss der
Keicbsverfassung nnd des Land- und Keligionsfrieden.s zu behaupten.
,,Nechts diesem haben i. chf. g. ferners anznbrengen bei diesem puucten mir
gnedigst anferlegt, das zwar i. chf g. bei iro wol sehen und eiuphuden , wie wenig
es mit den alten löblichsten reichsverfassnngen ubereinstimpt , sich mit frembden
oder auslendischen potentaten zue beladen und dieselbe in des reichs Sachen mit ein-
zuezihen, wenigers nicht auch deroselben onverborgen, was gro.sse ge^r dergleichen
beginnen vor diesem mit sich bracht und noch nach sich zihen mogte, nichtsdesto
weniger aber dennoch die erfarung nnd der augenschein answeiset , weichergestalt
die andere Union nicht nnderlassen, frembde ansländische potentaten, als Engellant,
Dennemark, ja gar die Staten in Hollant zue irer, der unionsverwanten fürstlichen
stende, augenscheinlichen nnd hantgreiflichen eigenen gefar an sich zue zihen nnd
sich darmit treflich zu stercken, auch darauf mit onformblichen und vor diesem on-
erhorten eiecutionibus anf des reichs boden nicht allein anitzo, als mit Coln, Achen,
Ritberg, sich betreulich vernemeu lassen nnd buchen, sondern vor diesem, als mit
Gulch und sonsten, im werck zu hohem despect der kai-serlichen hochheit und des
heiligen reichs erwiesen: so stehen i. cht. g. in denen sorgsamen gedanckeu, da die
andere union.sverwanten darmit continuiren sollen, sie mt^en vermittels solcher aus-
lendiscfaen hulf den fritfertigen stenden an macht überlegen (sein), nnd also dieselbe
in gefar stecken, bei solcher irer enghertzigkait, und in deme sie der reichs Consti-
tutionen halben zue viel scrupulos oder conscientios verplieben, darüber den kurtzeren
zihen und das reich mit den constitutionibus zue verliren; als pitten sie e. chf g.
hochvertreulichen und frenntlichen, ir ratsam bs bedeucken darbei zu erofnen, ob
sie vermeinen, thunlich zue seid, das man auf dieser seits gleichraessig, wo nicht gar
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162
an die Union sich 7.0 Itegelten. jedoch auf begehende onTerhofte fernere ofleusiou vnib
ein ergleckliche und reranlessige asaistentz und succurs bei Kranckreicb, Lottriiigeu.
Sapboy, Burgnud und anderen benachbarten vermittels einer gesampten ansehent-
lichen legation ausuchete, und ob e. chf. g. zue solchem ausncheu oder legation
die irige zuezueordnen kein l>edenckens tragen.
Vor das vierte, demnach, wie in meiner vorigen Werbung underthenigst ange-
meldet, sich allerhiuit krigischer austalt am Reim<tromb und anstossenden landen
an tagk gibt , dahero man .sich einer ongelegenbait befaren müsse , pitten i. chf. g.
abermals e. chf. g. getreuen rat, ob sie vermeinen wolten. den catholischen und frit-
fertigen Stenden zue raten sei, sich in etwas Verfassung zue irer und der irigen
versii'heriing zue stellen, welches sie doch, als darbei bei itzigen teuren zeitten nicht
viel Vorteils zue gewarteu, viel lieber geubriget sein und pleibeu wolteu." —
O. D. — Dresden 10675. Erstes Buch Wabltags.«achen . 1612. f. 103.
VIII.
Rotenburger Union8Abarhie<l. (1613 .-Vpril 7. Orig.)
(Änwe.seud: Hesseu-Ca-sel, Zweibrllcken, An.spach, WOrlemberg, Baden, Anlialt-
Bernbnrg! persönlich; Gesandte von Kurbrandenburg, Kulmbach. Itettiugen. 8tras.s-
burg, Nürnberg, Ulm.)
Vor und nach dem Frankfurter Wahltag wurde der Herzog von Zweibrllcken
von verschieclenen Uuirten um Absetzung eines ünionstags vor künftigem Reichstag
ersucht, üemgeniäss und nach Einvernehmung mit den übrigen Unirten Berufung
des ünionstags auf den 24. März. Propositiou am 25. .März.
I. Einhellige Zusage der Versammelten, bei der Union zu beharren, auch nicht
z. B. durch die etwaige „Vertröstung des andern teils, das er hingegen auch seine
ligam ufhebeu wolte,“ sich davon abwenilig machen zu lassen. Mängel der Union
fand man Ijesonders in den Restanten und Irrnngen. In ersterer Hinsicht ist all-
seitig, besonders von Knrbrandeuburg , die Erstattung sicher zngesagt. Mau hat
für Rückzahlung der hohen Rückstände Kurbrandeuburgs fünf Termine (Michaelis
1613 — Michaelis 16151 festge-stellt, wa.s der Gesandte ,,ud referendum“ genommen
hat, mit der Erklärung sein Kurfürst werde sich beim nächsten Reichstag hierüber
wol erklären. Die andern Unirten haben ihre Rückstände bis Michaelis 1613 zu er-
legen, bei Vermeidung der kraft der Uiiiousverfassnng gegen die Säumigen be.stimmten
Massregelu. Dem Herzog von Neuburg wird Baden diese Bestimmungen vortragen
und ihn ermahnen, seine früheren Restauten und die seit längerer Zeit zurückgehal-
teuen Uuion.ssteuern in den dem Kurf. Brandenburg bewilligten Terminen zu zahlen.
— Die durch nachbarliche Irrnngen beschwerten .Stände werden dem Directorinm
eine ,, richtige specification“ derselben übergeben, worauf man sie auf den in der
üniousverfassung bestimmten Wegen gütlich oder schiedlich bcizulegen suchen wird.
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163
Vorschläge zur Stärkung der Verthcidigungsfähigkeit der Union (Sicherung
eines bestimmten Kredits durch die einzelnen Uuirteu , Bereitschatl von Artillerie
und Kriegsbedarf bei den einzelnen) sind von den Städtegesanrlten „ad refereudum“
genommen, mit Zusage einer baldigen, wie sie glauben, nicht ungünstigen Resolution
ihrer Herrn. Die höhern Stände haben beachlos.sen , da-ss Kurpfalz einen Credit
von 200,000 11., die übrigen einen selchen nach verhältuis.smässigem An.satz sich zu
sichern .suchen und darüber in sechs Monaten sich dem Directorium erklären sollen.
Ein Vorschlag derselben bezüglich eines Magazins uud Kriegsbedarfs liegt bei. Der
kurbraudenburgische Gesandte hat diese Sachen „ad refercnduin“ genommen , mit
Zusage wie oben. — Erweiterung der Union. — Gemeinschaftliche Berathungen der
evangelischen Stände beim nächsten Reichstag in den sie angehenden Sachen unter
knrpfälzischem Directorium zur Vereinbarung gleicher Voten nöthig.
Da unter den Schweizern nach Bericht Badens, Zürich und Bern „etwas mer
freie baut haben , sich mit andern staendoii in büntnnsseu einzulasseii ,“ so wird
Baden und Strassburg mit ihnen unterhandeln, ob und wie sie in näheres Verständ-
uiss mit der Union gebracht werden können. Fleissige Correspondeuz mit den öst-
reichiscbeii, böhmischen und mährischen Ständen. Ersnehung derselben durch das
Directorium, dass sie „dem gegenteil“ in ihren Landen keine Werbungen noch , .andere
vorteil“ ge.statten, und dass man sich gegenseitig über uachtbeilige Vorgänge unter-
riebto. Verhandlungen mit der .Stadt h'rankfurt sind bei gegenwärtigem Zustand
bedenklich. Doch mögen einzelne Unirte „ad partem guete underbauwung thnen,“
damit man dann sehe, ob beim nächsten Reichstag „sich bessere Gelegenheit etwas
auszurichten praesentiren möchte.“ — Unter auswärtigen .Mächten ist mit England
..eine gewisse würckliche correspondeuz“ bereit-s vereinbart ; die mit den .Staaten be-
gouneue Verhandlung ist wieder aufznnehnien. Ueber diesen Punct haben iiidess.
da die Städtegesaudten nicht iustruirt waren, nur die Fürsten nebst Dettingen „etwas
gewisses bedacht." D# Städtegesandten werden die bei diesem l’unct ihnen darge-
legte Nothwendigkeit referiren, und zweifeln nicht, dass ihre Obern beim nächsten
Reichstag sich hierüber ,, eines entliehen erklären lassen" werden. — Man wird Eng-
land ersuchen, sich bei Schweden uud Dänemark zu verwenden, da*s sie ihre jüngst
getrotfene 1‘aciücation erhalten, und dass „das gemeine evangelische wesen, und
sonderlich in Teutschlaml , desto staerker stabilirt werden möchte“. König .Takob
wird dann gebeten, über das Ergebniss zu berichten und sein Gutachten zu geben, was
„der Union ratsamb uud be(|uemlich, bei Inaleu i. k. ww. zu suechen.“ — Die Cor-
respoudenz mit Venedig ist zn unterhalten.
II. Ueber die übel admiuistrirte .lustiz am Kammergericbt und kaiserlichen
Hofratli haben die Unirten von den dazu Verordneten Bedenken uud Vorschläge,
„was bei künftigem reicKstag zu urgieren sein soltc“, eutgegeugeuoininen uud geneh-
migt. Man suche Ireim nächsten Reichstag wenigstens fllier die wichtigsten Pnncte
auch mit andern evangelischen Stünden sich zu geuieinschiiftlichem Vorgehen zu
einigen. Hinsichtlich des Hofruths wird mau am Reichstag zunächst die vom Kaiser
Abh. d III. CI d k. Ak. d. Wi»s. XV. Bd II. Abth. -JJ
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164
den Kurfürsten vorzulegende Reirhshofrathsordnung abwarten. Zwei Beicbagerichte
und besonders die kaiserlichen (Jommissiouen hat man anders nicht als nach Ausweis
der Kammergerichtsordnung und des alten Herkommens zuzugehen und die Apella-
tionen von kaiserlichen Commissarien an das Kammergericht sich nicht henehmen zu
lassen. Wegen der voreilig erlassenen Acbtserklärungen erinnerte mau, es sei dafür
einzntreten , „damit inskünftig kein stant on wüssen und bewilligen der chnrfOrsten
und staent insgemein in die acht erklaert, ingleichen das die vielfältige eorruptiones am
kaiserlichen hof abgeschaft und eingestelt“ werden. Da Kaiser Matthias in Schreiben
an Zwcibrücken und .Anspach die Jurisdiction des Hofraths entschieden verficht, und
etliche evangelische Stände dessen mit dem Kammergericht concurrirende Jurisdiction
ebenfalls behaupten, „so ist zwar nicht nnerwogen geplieben, ob man dieserseits
etwas nachgel>eu oder nfs eusserst nur verhnetten und Vorkommen wolle, damit die
Unordnung nicht weitter einreissen, nnd die staent nicht mer beschwert werden. Es
ist aber ser bedencklich nnd bei noch jetziger beschaffenheit der reichshof- und
anderer kaiserlicher raet gefaerlich Iwfunden, sich aus den so klaren reichsordnungen
bringen zn lassen.“ Man suche also andern, besonders Knrsachsen, ihre Meinungen
von der Conenrrenz zu widerlegen, und den Keichsständen ihre Rechte zu sichern.
Betreffend das Kammergericht und besonders dessen Afisitation, so suche man dem Erz-
bischof von Magdeburg seine Session und was mit derselben znsainmenhängt zn sichern.
Wird das Kammergericht am Reichstage nicht reformirt, nnd die ordentliche Visita-
tion und Revision nicht wieder cingefiihrt, so hat man „etwas andentlung“ zu thnn,
dass man die Unterhaltung des Gerichts zurOckhalten werde, zumal da „Oesterreich
gar nicht, Burguut aber ser .sanmbselig an solcher underhaltnng tragen wollen.“
111. Ueher die vier Klostersachen haben die V'erordneten ebenfalls ihr Gut-
achten abgestattet, welches genehmigt wird. Man hat darüber mit den andern evan-
gelischen Ständen ,,fleissig zn commnniciren,“ besonders aber in der Hauptsache sich
in keine unuöthigeu Dispnte einznlassen. Die von dem Nünifeerger Collegialtag be-
schlossene Einsicht der .Acten ist nicht ohne Gefahr ; doch kann man , wenn daranf
bestanden wird, sich gegen die daraus fliessenden Präjndicien verwahren. „Ob auch
etwan das interdictum 'uti possidetis’ für ein mittel angesehen werden und uf die
ban kommen wollte,*) so ist doch bei demselben, und sonderlich ob man gewissens
halben so weit nachgeben künte , allerbant l>edencken eingefallen , nnd darvor ge-
halten worden, das nochmaln nf die aussetzniig diser vier clostersachen zn tringen
sein solte. Weil man aber nicht gewust, wie der gegenteil dises oder andere mittel
verstehen möchte , so hat man gnet befunden , das dieses medium nicht allerdings
1) Sichtliche Beziehung anf den Passos in Geizkoflers Gatachten, LUnigs Staatsconsilia I. S. 7äö
col. 2: ,,das uti possidetis ita possideatis zu practiciren etc.*', welche Worte von dem Benntzer (nach
fr. 1 D. Uti possidetis 4.d, 17) auf das Inierdict „uti possidetis'* bezogen sind. — Oeizkoller cor*
respoudirte Ober sein Bedenken mit WOrtemberg (Sattler VI Beil. S. 6,*i). Durch WOrtemberg wird
das Bedenken also den Unirten mitgetheilt sein.
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hiudauzusetzen , eoudern dasseih anzuhüren , uud hernächat mit dea andern evange-
lischen ataenden zu bedencken, wie weit sich daaselb one sonderlielie cousequenz uud
praejndiz des religionfridens und der staent thuen uud accepliren lassen wolte. Uud
wan dieses medium den < erstant , das den paepstischen in dem irigen keiu fernerer
eintrag gescbeben sollte, möchte es nicht allerdings abweg sein, doch das vermüg
dea religionfridens den evangelischen staeuden die reformation in ireu landen fürsteu-
tumbeu uud gebietten jetzo und ins künftig frei und unverwört gelassen werden (soll).“
IV. Das von den Verordneten in Sachen der ..gravamiua“ ausgestellte Out-
aebteu ist geuebmigt mit einigen Zusätzen. ') .\iis der am näcbsteu Keichstag mit
den andern Evangelischen darüber anznstellenden Comraunication wird sieb ergelien.
was für „gravaniina zu behaupten oder etwan so hoch nicht zu urgieren sein werden.“
Belege zu den Beschwerden hat jeder Unirte, besonders die Reichsstädte, dem Di-
rectorium zeitig einzusenden.
V. Bezüglich Donauwörths ist beim jüngsten Kurfürsteutag durch Mehrheit
beschlossen, der Kaiser solle Baieru „vermittelst einer Commission zu einer richtigen
Ii(|uidation der ufgewauten executionscosten vermögen, und nach der haut (solle) die stat
Donauwört bei den mitverwauteu staetten oder sonsten umb beisprnng zue aljledig-
ung solcher Unkosten sich bewerben.“ Der Kaiser hat darauf den Herzog von Baiern
nur „zue specifleation durch ein schreiben enuant", dieser aber machte isohwierigkeiteu,
eine solche zu geljeu, bevor er hinsichtlich der Zahlung versichert sei. Dem gegen-
über haben die unirteu Reichsstädte gegen obigen Beschluas des KurfOrstentags pro-
testirt, und auch die Fürsten halten jede Betbeiliguug au dem Ersatz der Ko.steu
für prüjudicirlich. Mau wird also beim nächsten Reiebstag die Douauwörther Sache
neben andern gemeinen Beschwerden mit allem Eifer lietreiben, um wo möglich die
von Rudolf 11. versprochene Restitution zu erlangen und die Unkosten denen zuzn-
schieben, welche die -Sache verschuldet haben. Ein eifriges Erinneruugsschreiben in
diesem Sinn an den Äaijier hat man beschlossen, noch vom ünionstag aus an den
Kaiser abgeheu zu lassen. — \'l. Die .Aachener Sache ist wegen Wichtigkeit der
Stadt und wegen des auf Nichtachtung der Anordnuugen des Vicariats stehenden
Präjudizes als gemeines „gravamen“ mit andern evangelischen Ständen beim nächsten
Reichstag zu betreiben, mit .Antrag an den Kaiser, entweder die Vicariatsverordnung
zu bestätigen, oder eine „solche Vermittlung zu finden“, dass .Aachen nicht unter
„fremile subjection gebracht werden möge.“
Vll. Hinsichtlich der Betreibung der ..gravamiua“ ist beschlossen: a. da der
Kaiser in dem Ausschreiben den Justizpunct an erste Stelle gesetzt hat, so wird
man umb ,,merem glimpfs willen“ nicht Behandlung der ..gravamiua" vor der Pro-
positiou verlangen, sondern sie gleich nach derselben Oiwrgcbeu, dann in den Rathen
1) Auj lÜMcr Schrift wurde unter Aenderungen in „cingsng, condusion und pctilion“ am
BeichsUg die evangelische Besehwerdeschrift verfertigt, (lirandenbnrger Relation vom IS. Aug. 161S.)
lieber die Drucke der Beschwerde.«cbrift Haeberliu-Senkenberg XXIll. I8. ,h7U Anin.)
ICC
nach Anhörung der dort vorzntrajjcndpn Vorschläge erklären, dass man vor der
Krörtening der ,,gravaminu“ sich in „keine verbfintliche deliberation und conchiss
einlassen könne, wie dau hiebei durchaus nicht ratsamb befunden, von diesen gemeinen
gravatninibus in den raeten durch votieren einigen Schluss machen zu lassen , weit
mau sich sonderlich im ftlrstcnrat , gleichwie vor diesem , liberstimmens zu befaren,
und die Verbitterung nnr grösser und vergeblich disputirt würdet.“ Man sucht mit
aller Austreugang alle evangelischen Stände zur Theilnabme an diesem Vorgehen
zn gewinnen. Gelingt das nicht, oder gewinnt man doch nur wenige, so beharren
die ünirten gleichwol dabei , bis mindestens die vornehmsten , besonders die in des
Kaisers Hand stehenden „gravamina“ erledigt sind, und hinsichtlich der übrigen
„etwas hofnnng und mittel, etwan durch ein interpositiou i. M oder in andere weg
erlangt würt.“ Zu dem Zweck darf dann aber kein ünirter von diesem Beschluss
einseitig abgehen, und sind die Heichstags-Iustructionen nach Massgabe desselben
gleichförmig abzufassen. Wenn in Sachen der ,, gravamina" nichts erreicht wird, und
alte Hoffnung etwas zn erreichen, sich als nichtig heraus.stellt, so haben die Keichstags-
gesandten der Unirten darüber zu beschliessen, ob sie den Reichstag verlassen sollen,
und den Majoritätsbeschluss zu befolgen. Da nun hiernach ein gewaltsames Vor-
gehen der Gegenpartei gegen die Evangelischen zn beftlrchlen ist, und die Gegner
alles tbun werden, um den Kaiser dazu zu vermögen, dass er sich als Haupt der
Liga erkläre, so hat man — abgesehen von Verweigerung der Contribution und
ähnlichen in früheren ünion.sabschieden bedachten Mitteln — von Seilen der höhern
Stände die beim ersten Punct angeordneten Mittel znr Defensionsbereitschaft und
Zuziehung fremder Machte (letzteres nach dem Beispiel der Gegner) bestätigt. Die
Gesandten der Reichsstädte werden die Resolutionen ihrer Herrschaften über diesen
Punct so betreiben, dass sie bei taler, wo möglich, vor dem Reichstag dem Direc-
toriuni zukoinmen , damit mau um .so ungehinderter die nöthigen Beschlüsse über
Steuerverweigerung, Secession von den Rathen oder Zerschlagung des Reichstags
fas.sen könne.
Hinsichtlich der Tflrkenhülfe wird man heim Rcich-stag genaue Erkundiguugen
über den Stand der Türkengefahr einziehen und mit andern evangelischen Ständen
znr möglichsten Haltung des Friedens mit den Türken rathen. Wird diese Mahnung
nicht beachtet, und werden zugleich die ..gravamina“ nicht erledigt, so wird keinerlei
Steuer bewilligt. Stellt sich hingegen die Türkengefahr als gewi.ss heraus , so ist
„zue vorkommung fernem TOrckischen einbruchs" eine Hülfe zu bewilligen, jedoch
in Volk, nicht in Geld und mit dem Beding, „das des reiebs interesse besser al.s
bisher, indem dasjenig , was dem TUrcken abgenommen , anderstwohin als zu dem
reich verwendet, in achtung genommen werde.“ Gewiss soll „auch uf disen fal
einer bewillignng nicht weniger nf die erörterung der gravaminum noch bei wereudem
reiebstag getrungen, und austrncklich bedingt., werden, das nf den widerigen fal
die bewilligte contribution nichts sein . . sol.“ Es ist zugleich eine Versicherung
für die coiitribuirendcn Stände zn erwirken, dass die Hülfe zn keinem andern als
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dem von ihnen gewollten Zweck verwandt werde; es ist fllr Abstellung der coufes-
sionellen Ungleichheit bei Besetznng der Befehlshaberstellen und anderer Aeuiter zu
sorgen. Falls von den Türken kein Angrift zn Itefahren ist. die .Stände alter in
ihren billigen Anträgen befriedigt werden, nhi! dann eine Hülfe vom Kaiser verlangt
wird, so hat man mit andern die sicherste uud erträglichste .Art dieser Hülfe und
die Bedingungen derselben zu bedenken, vor dem wirklichen Beschluss aber Bescheid
einznholen.
L’eber Münze und Moderation bat der Unionstag beiliegende.s Betlenken der
A'erordneten genehmigt. — ln den .Anlagen ferner Antwort auf Badens Bitte um ein
Bedenken in der Eik’.schen Sache nebst dem Schreilten an den Kaiser darüber, des-
gleichen Bedenken der Verordneten nnd Intercessions-schreiben an den Kaiser auf
die Beschwerden der Stadt gegen die Burg Friedberg, der Stailt Kempten gegen den
dortigen .Abt. — Geheimhaltung der Uuionsverhandliingeu.
Datum Rottenburgk a. d. T. Den 28. Martii anno 1613.
Stuttgart. Uuiouaacta XHl. f. 22'J Orig.
IX.
Letzt« Verhandlungen der Unirten mit Erzherzog Maximilian und dem Kaiser.
Am l.S. October Ubergiebt Geizkofler') im Namen des Erzherzogs fol-
gende Schrift; 1. „compositionstag“ wird auf Ostern 1614 nach Speier angesetzt:
es werden „die unterhendler jetz benaut. Aldar der ganze punctus iustitiae uud
bederseits gravamina furgenommen, darinnen gütlich tractirt, und wits daselbsteu ge-
handlet, oder ratsam und thunlich befunden, der Kai. M. referirt werden (sol).
2. Die corrigirte hofraUordnung sol den churfnrsteu mit allerehistem zngestalt, unter
des.sen nnd bis auf künftigen commissiunstagk mit fortstel-, erkeu- und exequirung
der process, so die religion betreffen und sonsten in die geklagten gravamina mit
einluuffen, in specie der Badischen, Aachischen, Friedbergischen, Biberach’schen, Weil
der stat, und Mulheimischeu. ein unvergreiflicher stilstant erhalten (werden).“ Darüber
1) l)«hns bemerkt zum 18. October : man vermuthe. diese Schrift rühre nur von tieiskofler her,
welcher gern ein zutes Ende der Sachen a&lie, da man ihm an ;t00.000 ft. schnldig sei; „er ist in
dieser aacli aer emsic gewesen ; hat sich’a sehr in gemüt gerogan und vil drin gearbeitet, das er sich
eine krankbeit uf den hali gezogen. Etlige meineten, es wer der schlag ; er aber sagte, es seic nnr
eine mattigkeit.“ — Vom l.b. October bemerkt Dohna: Mazimilian Itekennt den Correapondirenden,
dass Geizkofler einige Poncte mit ihm „confmrt“ habe. Den lanb 2 erwähnten) Schein aei er bereit
zu ertheilen, wenn es der Kaiser befehle. Weiter bemerkt der Erzlierzog : es wäre ihm leid, wenn
aie, die , .einerlei geblnt weren,“ einander in die Haare kämen. „Ifamit er auf gut aufrichtig Taitach
mit uns houdolte, so were er zufrieden, das alles übel über in gienge, als über den minston der nn-
sern.** — «Wir hielten in (so notirt Dohna) für einen frommen aufrichtigen füraten. Der liebe got
behüte ihn ! Ist vera imago lutris.“ — Ueber die .tatorsebaft siehe unten die brandenburgische Re-
lation vom 18. October.
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soll den Gesandteu ,,von der f. d. erzher/.og Maiimiliauo, sintemal die Röra. Kai. M.
dessen bedenckeiia haben, schriftlicher schein erteilet werden.“ S. Donauwörth soll
zwischen jetzt und Ostern „plenarie in geistlich- und politischen Sachen, auch allem
deme, was von dannen wegk gefüret, In den alten stant restituirt, den catholischen
aber ir freies exercitium oiie alle Verhinderung gestattet werden. Woher der ange-
forderte executionskosten zu neinen, wirt der Kai. M. one massgebuug heimbgestellet.
4. AYan die correjpondirende sich mit den übrigen stendeu in votando ratioue qiio-
tae vel conditiounm einer einhelligen meinung . . nicht vergleichen würden , stehet
zue deren gelcgenheit, ire notturft nicht allein in den raeten, sondern absonderlich
der Kai. M. vorznbringen , desgleichen . . auch bei abhömug des abschiedes l>ei der
Meintzischeu canzlei , das inen die unterlassene coutradiction bei der ötfeutlichen
ablesuug wie auch der suhscription uupraejudicirlich sein sol, zu protestiren und zu
begeren , die protteitation dem protocollo einzuverleiben. Sie sollen auch mit den
6scalischen proces.sen in sSlchen feilen nit gefaret werden."
Hierauf erwidern die Cor r espo udi re n de n am 14. October: 1. Einver-
standen, und auch „das die unterhaendler von der Kai. M. noch alhier benent werden,
damit man solches allerseits angehörigen örtern reteriren möge.“ Die Relation der
Unterhändler an den Kaiser über das Verglichene und Nichtverglichene hat zu ge-
schehen, „damit hernaechst und bei rea-ssumtion des reichstags auch solcher unver-
glichener Sachen halb ferner versuch gethan, und, wie es im reich herkommen , mit
wissenden dingen darin gehaudiel und entliehe Vergleichung getrotfeu werde,“ Der
Kaiser wird Anordnung thnn, „das dieser pmict also in den itzigen reichsahschiet
gebracht werde.“ 2. Einverstanden. Die Vorlage der Hofrathsordnuug erwartet man
noch am gegenwärtigen Reichstag. Die erwähnte Suspension muss gelten „cum
etfectu bis der commissionstag vorüber, und die Sachen, wie zu hotten, entweder da-
selbsten verglichen, oder bei künftigem reichstage andere Verordnung geschehcu.“
Hinsichtlich Biberachs und Weils erinnert mau. „das es umb keine prucess oder ex-
ecpintiou, sondern urab eine nuparteiliche gütliche Commission, darumb i. Kai. M.
gehorsambst ersucht worden , zu thun sei." Im allgemeinen bittet mau nochmals,
dass Ober die fraglichen isachen vor oder doch l)ei dem Compositioiistag gütliche
Vergleiche unterhandelt werden. Den angebotenen Schein des Erzherzog.^ nehmen
die tiesaudten, obwol dazu nicht instrnirt, au, wenn nun einmal eine Ijezligliche .An-
ordnung im Reichsabschied nicht zn erhalten ist. 3. Einverstanden. Der .Stand „in
kirchen, schulen, hospitatn und., im reginient“, wie er vor der Execution war, ist
herznstellen , und darnach den Katholischen ihre Iteligionsfibung im Kloster zum
heil. Kreuz zu sichern. Liquidation und Unkosten gehen die Correspondirenden
nichts an. Man erwartet, „das i. M. auch diesen pnncten in den aWhiet mit ein-
verleiben werden.“ 4. Die Erfahrung von vielen Reichstagen lehrt , dass man mit
Protestiren und Conditioniren gegen die Verbindlichkeit der Majorität nicht gesichert
ist. Mau wiederholt daher das Ausiuueu , dass die Prote.stationen und Coudilionen
in Relationen und Abschied gebracht werden , oder dass mindestens die t'orrespon-
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169
(lirenden durch einen Schein dee Kaisers oder Anweisung desselben an seinen Kunimer-
gerichtsfiscal gegen fiscalische Processe gesichert werden. Die (Gesandten bitten
hierauf um schriftlichen Bescheid, „oder mcissen der begerten dimission halb ire
vorige erklernng wiederholen,“
lieber diese Schriften und was darauf folgte, berichten die Bra n den bu rge r
Gesandten am 18. October: am 13. wurde eine neue schriftliche Resolution
„im nameu des erzherzogen Maximiliani“ durch Geizkofler den Correspondirenden
übergeben und darauf, da sie nicht genügte, am 14. eine schriftliche Antwort über-
reicht. Ära 15. Erforderung sämmtlicher Städtegesandten vor den Kaiser, der sie
durch den Ticekanzler ermahnen liess, vom fernem Betreiben ihrer Beschwerden
abznlassen und die von den „gehorsamen staenden“ bewilligten 30 Monate auch zu
bewilligen. Dann wurden sie zu weiterer Besprechung mit den kaiserlichen Räthen
beschieden. Hierbei .sonderten sich die katholischen Städfegesandten von deu evan-
gelischen ab, ohne dass man weiss, was sie erklärt haben. Die evangelischen Ötädte-
gesandten erklärten , bei den von den Correspondirenden übergebenen Schriften zu
beharren. — Der Ausschuss der übrigen Correspondirenden wurde am 15. vor Erz-
herzog Maximilian beschieden, welcher ihnen erklärte: weder auf ihre Erklärung vom
14. noch auf die vom 10. Oct. haber er vom Kaiser eine Erklärung ausbriugeu
können. Da er nicht mehr länger am Reichstag verweile, mögen sich die Correspon-
direnden an deu Kaiser selber wenden. In der am 13. übergebenen Schrift sei ,, das-
jenige, was von dem scheine, so i. f. d. den elenden geben sollen, darinnen vermeldet,
des Geizkoflers vorschlagk gewesen ; doch trügen i. f. d. über der ausstellung des
Scheins . . kein bedencken, wan es nur i. M. wil und befelich were. .An demselben
aber tbettc es ennangeln.“ — Am 16. reiste der Erzherzog ab — Am selbigen Tag
wurden sämmtliche Corregpondirende vom Kaiser lieschieden, dann aber, nachdem
man sie ohne die dem geringsten fürstlichen Gesandten gewährten Rücksichten
empfangen und warten hatte lassen, auf den folgenden Tag beschieden. Da endlich
Audienz beim Kaiser, welche ohne irgend ein Zeichen kaiserlicher tinade — der
Kaiser griff beim Hereinkoraraen nicht einmal an deu Hut — vor sich ging, ln seinem
Namen hielt Clm den Vortrag, der ausdrücklich als die letzte kaiserliche Erklärung
bezeichnet wurde, ') Dalrei wurde den Correspondirenden auch verwiesen , dass sie
in der letzten Schrift an den Erzherzog Maximiliau zu .scharfe Worte gebraucht
hätten. ,, Solches alles ist uns nun zimblich nahet gangen, sonderlich weil auch aus
solcher anzeig befunden, das alles zuerucke gehandlet würde ; den uns hiervor sowol
vom Kaiser in Schriften , als auch vom erzherzogen und dan von des teiiffels mis-
geburt, dem Kleesei,’) merere zuesage und versprüchnis geschehen wäre.“ Der Aus-
schuss bat daher um Zeit zu schriftlicher .Antwort, was ihm vom Kaiser bewilligt ward.
1) Eine Änfieicbnani? derselben giebt Dobna. Eine andere lindet sieb in der ge>lmckten Re-
lation vom Reichfltag (Senkenberg, Sammlung ungedruckter nnd rarer Schriften 1. S. 141).
*d) Piei« Orthographie tritt hier nen ein. Der Grund liegt am Tage.
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Darauf Vcrsamiuliing der Correspondireudeu uuter Zur.iehuug der Städte und
Vereinbarung der achrifttichen Erklärung. ‘) — Zu der kaiaerticheu Erklärung ist
7,u beai’liten : die rnterhändler des beabsicbtigten Speirer Tnga werden nicht genannt,
wie doch „r-uvorhin verheisehen. Und hatjeu wir sonsten von andern örtern genng-
.«amcn bericht, da.s Trier, Sachsen, der Erzherzog Maximilian unil lantgraf Ludwig
hierzu gezogen werden sollen. Weil aber diese alle mer auf erweitterung, ausbreitiing
und propagatioii der kaiserlichen juristliction sehen, forter als das sie solche au irc
alte limite.a liesage der cainmergerichtsordnung und anderer reichasatzungen alligirt
und eingezogen zue sehen begeren sollen . lantgraf Ludwig auch sich solcher hof-
process wieiler lantgraf Moritzen bis in gcgeuwart aclb-sten gebraucht, werden chnr-,
fürsten und stende wol zuezuschawen haben, was dergestalt zum wercke vor bofiiung
zue tragen." Man schweigt Uber den „modus piocedendi,“ gieht al)er mehr als
genügend zu verstehen, „das auch hieriuuen uberal die niaiora den Schluss machen,
und das übrige pro extremo znni ausschlage des Kaisers gestalt werden solte.“ Als
letzter Termin der Verhandlung war bisher stets Ostern angegeben, jetzt heisst es:
Ostern, „da e.s müglicli.“ — Die Kpfurnmtion des Hofraths soll nacdi der Capitu-
lation „alsofort zu eiiigang des reichstags da .sein und den steuden vorgelegt werden:"
jetzt wird die Vorlage ohne Benennung einer Zeit und nur für die Kurfürsten zu-
ge-sagt. Da die Reformation ausserdem der allgemeinen Meinung nach von Mainz
entworfen ist. so wird sie die Evangelischen gewiss nicht befriedigen. Wer endlich
soll der „moderation" bei .Anstellung und A'ollstreckmig der Execntioiisproeesse
tränen V War doch vorher durch den Erzherzog , .diese gewisse /.iie«age gethau. das
alles bi.s an den Speiri.schen tagk in itzigem zuestande verhleilien solle." Wegen
der Restitution Donauwörths geschieht jetzt .,nnr in generc Vertröstung, das solche
(stat) wircklich restitnirt werden solte, wan wir da.s gelt zur coutentirnug des Reieru
darreichteu, da sich doch der Kaiser zuvor durch Kleesln in beiseiu des erzherzogen
erkleren lassen, der zuesagen Kaiser Riidolti stricte zue iuhaerireu , ingleichen noch
vor geendigtem reichstage die vollkommene restitutiou zu thueu. *) Itzo aber wirt
der zeit ganz gesohwiegen Es ist auch das wort ‘wirkliche restitutio’, so alhier
gebraucht worden, ein solch wort, so ganz anf schrauben stehet.“ Die Evangelischen
können zu den Kosten der Restitution nicht beitragen. „Soviel daun letzlich die
maiora lietrift, thut aucli in demselben pass die erklerung den Sachen kein genügen;
den solche werden hierdurch dem herkoumieu znwieder auch in contributione ge-
sterckt und stabilirt.“
I) In Jer geiirockten Kelation. Beil. P.
Kbsil’i Krklsruna vom *, Octoher lautet nach ,1er tieaandteu ei;;enein Bericht ;Oct 9):
„wehren tionswert wollen sie Kaieers RuüolH erklerung inhaeriren, onü solte ans solche restltulrt
werden." Baiern sei bereits zur Liqnslatlun aufgefordert, doch müssen die Stande dem Kaimn zur
Aufbringung der Kosten beistehen.
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B e i t r ä e
zur
Geschichte der Grttndung imd der ersten Periode des
bayerischen Hansritterordens vom heiligen Hnbertns
1-44.-4—1700
J. Würdinger.
Abh. a. III. CI. d. k. At. d. WiM. XV. Ud II. Abth,
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Beitrüge
zur Ocschichte der Gründung und der ersten Periode des bayerisclien
Hausritterordens vom lieilisen Hubertus 1444 — 1709
von
J. Würdinger.
Vom Uegieruiigsantritte Kaisur Carl IV'. an bis zu dem Zeitpunkt«
an dem Kai.ser Maximilian I. die früher willkürlichen V'erbindungen
deutscher Länder durch Einfühmng der Kreise zu einem Theile der Reichs-
verfaasung machte, war Deutschland in einem Zustande, den man als
einen Bundesstaat wiiil bezeichnen können. Der gi’össte Theil schien
sich in Bündnisse einzelner Stände auHösen zu wollen. Grössere Landes-
herren, der rittcrschaftliche Adel, die Städte, selbst die Bischöfe ver-
banden sich untereinander, um sich ihrer Existenz gegen die UbImu--
griffe und Angriffe des anderen Tlieils zu eiwi^hren, zuweilen auch
um über die V'ei-theidigung hinaus auf Unterdrückimg der Gegen-
partei hinzuwirken, wobei es deim nicht selten geschah, dass zwei
Stände gegen den dritten gemeinschaftliche Saclie machten, Eüi'sten und
Städte miteinander verbunden gegen den fehdelustigen Adel, oder wieder
Fürsten im V'ei-eine mit der Ritterschaft, gegen die Städte oder einen
anderen Gegner auftraten. Diesem Drange nach Association scheinen
mir auch diejenigen Verbrüderungen zwischen Füllten mul Adel ent-
sprossen zu sein, welche sieh im Norden Deutschlands im Laufe des
15. Jahrlumdei'ts mit dem Namen Orden bildeten, und die eljenso den Cha-
racter einer geistlichen V'ereinigung der Genossen, durch für die Mit-
glieder vorgesohrielx'ne Gebetübungen und den gemeinsamen Besuch des
Gottesdienstes au bestimmten Tagen , als den der V'ersammlung des Adels
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A
!74
um ihren Fürsten zur Verfolgung weltlicher Zwecke trugen. — Schon
Ende des 14. .Tahrhunderts tritt eine derartige Gesellschaft, die nach
ihrem Bundeszeichen „einem goldenen oder silbernen llosenkranz“ die
Gesellschaft zum Rosenkranz genannt wurde, in Cleve auf Ihre Stifter,
der Graf Adolf voji Cleve, stsin Bruder der Graf von der Mark imd sein
ältester Sohn Ailf bestimmten die Dauer des Bundes auf zehn Jahre.')
Ihr folgte 1440 die Stiftung des Schwancnni'dens in Brandenburg, 1444 die
des Orden.s Set. Hubertus, auch „vom Horn“ genannt, in Jülich, dann 1408
zum Gedachtnlss au den üt)er den Hereog von Cleve bei Straelen er-
fochtenen Sieg die eines „Marienordens“ in Geldern, der aber schon mit
seinen ersten Trägern wieder endete.®)
Die höchste politische Bedeutung unter den genannten erwarb sich
der Schwanenorden, in dessen Reihen aus der Zeit des Kampfes der
Wittelsbacher mit Kaiser und Reich auch die. Xamen mancher Glieder
des oberj>fälzischen mul bayerischen Adels verzeichnet sind. Die letzten
Aufnfihmen in densellien fallen in das .lahr 152Ö.*) In älterer und
neuester Zeit beschäftigte sich di(» Forschung vielfach mit seiner Ge-
schichte, weniger glücklich ist in dieser Beziehung der seit 1444 fort-
bestehende. 1808 durch König Ma.ximilian 1. zum Hausorden der Imyer-
ischen Herrscherfamilie erhobene Hubertus-Orden, über dessen Entstehung,
Statuten, Mitglieder für die Zeit von 1444 — 1709 in den die Ritterorden
behandelnden .Schriften nur äussei-st dürftige Nachrichten enthalten sind.
Den Nachweis zu lief(TO, dass es aber zur Darstellung seiner Geschichte
auch für die erste I’erif)de seines Bestehens nicht an urkundlichem Ma-
terial fehlt, ist die .Aufgabe, die ich mir für heute gestellt halie.
Mit Eduard HI. der als Bräutigam der Herzogin Catharina von
Bayern in der Schlacht von Baesweiler am 24. August 1371 fiel, starb
der nassauische Füi-stenstamm, welcher von 1229 — 1371 die Herrschaften
Geldern und Zutphen bese.ssen luitte, aus. Sieben Jahre lang währte
der Kamiif um die Nachfolge zwischen ilen erbberechtigten Schwestern
des verstorbenen Herzogs, .\n Mechtilde die kinderlose AVittwe des
1) Tross: r. Schuren Chronik von Clere und Mark 187.
2} Kettersheitn. Gestchiefate der Stadt und des Amts Geldern.
3) Hsenle, Urkunden und Nachweise zur Geschichte des Schwanenordens. Seite flg.
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Grafen Johann von Cleve, schloss sicli die Pailei der Heeckern. an Marie,
die Gemalin des Herzogs Wilheiui von Jülich, die der Bronkhoi'sten an.
Nachdoni der .Sohn der letzteren Wilhelin das grossjährigu Alter er-
reicht hatte, erhielt er am 29. November 1377 von Kaiser Carl IV.
die Belehnnng mit Geldern imd Zütphen , und in Folge dessen verzichtete
Mechthilde, ilie in der Zwi.schenzeit sich mit Johann von Chatillon.
Grafen von Blois vermahlt hatte, gegen eine Jahresrente von 33000
Goldschilden (24. Miii-z 1379) auf ihre Ansprüche. Als Herzog Iteinald IV.
um 25. Juni 1423 ohne Hinterlassung ehelicher Krbeu starb, endete mit
ihm auch der Mannsstämm der Herzoge von Geldern aus dem Hause
Jülich. Von den drei Priltcudenten , die sich um die Ilerzogthümer Gel-
deiTi und Jülich bewarben: Arnold von Egmont, Sohn der Maria von
,4rkel, deren .Mutter Johaimn eine Schwester der beiden letzten Herzoge
von Geldern Wilhelm und Heitiald gewesen war; Herzog Adolf von Berg,
uiiil Johann von Locn, Herr zu Heinsberg, waren die Ansprüche Arnolds
nach dem Ilausbrauche der geldernschen Fürstenfamilie, der die Erb-
berechtigung der weiblichen Linie anerkannte, am begründete.sten. Auf
der Tagfalu-t zu Nymegen wählten die Bitteisichaft und Städte Gelder-
lands am 28. Juni den dreizehnjährigen Arnold von Egmont zu ihrem
Herzoge, die Vereammlung der jülichischen .Stände zu Heinsberg erkor
sich dagegen den Herzog Atlolf von Berg zu ihrem Herm. Der Stoff
zu einem langwiei'igen, Land und Leute bedrückenden, im Geiste der
Zeit mit Verwüstung und Brand die gegenseitigen Besitzungen beschädi-
genden Fehdezuge war geboten. Ungeachtet da.ss Kaiser Sigismmid
am 15. August 1424 erklärte, er halte den Grafen Egmont für den
nächsten Erbberechtigten und rechten Hen-n der Lande von Geldern und
Jülich, so sprach er sich doch schon im nächsten Jahre für den Herzog
von Berg aus, und belehnte diesen 1428 mit Geldern als einem an das
Iteich heimgefallenen Lehen. W-rgeblich waren die Bemühungen Adolfs
der von Jülich Besitz ergrift'en hatte, auch die Bewohner Gelderns zu
unterwerfen, die Fehde begann. Den am 13. Juli 1429 auf vier Jahre
geschlossenen Stillstand brach Arnold durch seinen Angrifl' auf Wilhelm
von Buren. Am kaiserlichen Hofe währten die Verhandlungen wegen
der Erbfolge fort. .Als weder .Arnold, noch die tmgehorsamen Geldern-
schen der dreimaligen Vorladung vor das Keichsgericht Folge leisteten.
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wurde über sie am 17. Juli 1431 die Acht,') am 6. November dessellwn
Jahres die Abenicht ausgesprochen. Die Antwort Aniolds auf diese
Maa.ssregel war ein Einfall in das Gebiet von Jülich (1433), doch zwang
ihn die in seinem Heere ausgebrochene Pest z.ur Heimkehr.
Wiederludt wiu’de mm vom Kaisei- Acht und Aberacht über den
Herrn und das Land von {ioldern (1433) verkündet, der Landgraf Lud-
wig von Hessen, der Erzbischof vom Mainz, die Stadt Dortmund er-
hielten den Befehl dem Herzoge von .lülich. der die Erlaubniss habe das
Ueichsl)anner gegen den Aberächter von Egmont zu führen, zu helfen,
worauf Adolf auch 1434 und 1435 mit Jülicrii.schen, Bergischen und
Cölniscdien Trujipen in das geldrische Uberquartier rückte, bis endlich
am 4. März 1436 ein AVaflenstillstjmd auf 4 Jahre zu Stäindo kam.
Während dieser Fehden hatte der Kaiser gegen den Verächter seiner
Befehle neue Watten geschmiedet und den Bischof Johann von Lübek
beauftragt, den Papst Eugen und das Concil von Basel aufzufordern, sie
möchten mit Kirchenstrafen gegen die Aechter von Geldern vergehen,
ln Folge die.ses Ansinnens orliess das Concil im Juli 1434 au mehrere
rheinische Prälaten den Auftrag, die Geächteten mit Kirchenstrafen zu
bedrohen, und als dieses nicht zum Ziele führte, erhielt der Bischof von
Elbing 1436 den Befehl, ül)er Arnold und seine Unterthanen den Bann
aiiszuspi‘e(dien.-)
Die Hofthung des Grafen Egmont, der Kaiser würde nach dem
Tode des kinderlosen Herzog von Jülich (8. Juli 1437) seine Ansprüche
auf Jülich und Geldern anerkennen, war trügerisch, denn Sigmund be-
lehnte bald nach Erledigung die.ser Läniler den Gerhard , einen Brndere-
Bohn des N'erlebten und Urenkel des Pfalzgi-afen lluprecht , des Aelteren.
zuerst mit Jülich, Berg und ltavenslH;rg, dann auch mit Geldern und
Züti)hen, und forderte die Bewohner der beiden letztgenannten Herr-
schaften auf, diesen als ihren Erbherrn aufzunehmen und zu empfangen.*)
Die Bestätigung dieser Belehnungen durch Kaiser Friedrich HI. ei-folgto
1) I^comblet toin. IV iiro
2) CrkuDtlenMinmlung^ do von ßedinglioveu. coil. g«nn. 22dl im VllI nro. 70, 71 d«r Hof*
und StJuUbibliotliek MQncben.
d) RedinghoTen c. 1. nro. 00, 01, 0*1, 04.
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1442.') Im folgenden Jahre bereitete Ileraog Gerhard, von Lüttich und
dem Erzbischöfe von Cöln imtei-stützt , einen Angriff auf Geldern und
dessen Biuidesgenossen den Herzog von Cleve vor und nahm letzterem
am IH. Septemlrer 1443 das Schloss Bruch an der Ruhr ab. Nachdem
Egmont mit Lüttich Frieden ge.schlossen. und so seinen Bücken gegen
Angriffe geschützt hatte, beschloss er nach Ablauf das bis zum 10. Ok-
tober 1444 verlängerten Stillstandes seine Ansprüche auf Jülich mit Waffen-
gewalt durchzusetzen, und bot hiezu seine Mannschaften, sowie die der
Bundesgenossen Utrecht und Cleve auf. Finde Oktober fiel Figmont mit 2200
Reitern in den nördlichen Theil von Jülich ein, und verbrannte in der Nacht
vom 2. auf den 3. November längs der nach der Hauptstadt führenden Strasse
1 7 Dörfer. Auf die Kunde von diestmi Ueljerfalle berief Herzog Gerhard
seine Rittei'schaft aus .Fülich mid Burg, sowie die Bürger der Städte
unter sein Banner. Nur 800 Reiter brachte er zusammen, doch standen
oft eqirobte Krieger der Graf Gerold von Blankenheim , • die Herrn von
Menxle. Palant und Birgelen mit ihren Manen in der Schaar. Am
Morgen des Set. Hubertustages (3. NovemlMu-) wurde ein Ritterschlag
abgehalten, zuerst erhielt ihn der Herzog von einem alten Ritter, dann
ertheilte er ihn an alle Ritterbürtigen, die darnach begehrten, darnach
wurde auf der nach Linich und Bracheln*) führenden .Strasse der
Vorniarach angetreten. Gegen zwei Uhr Nachmittags wurtle man
des F’eindes, der auf dem linken Ufer der Ruhr herabzog, ansichtig,
ra.sch ordnete Gerhard seine Treffen, und sich an die Spitze des eirten
Haufens setzend, stürmte er auf den F'eind los, mit Wucht des.sen Reihen
durchbi-ecliend. Der Sieg war bei seinen Fahnen. Ueber dreissig geldiasche
Ritter, unter ihnen Gerard von Wardenburg, .Johann von Zaiwt, Jacob
1) ReiUnRhoven uro. 9.'».
2) Wilhelm, Sohn zu HgiDont und Herr tu Mechei*‘n, bezeichnet den Ort des Treffens opdem
velde boynen Lynge ind Braichelcn. Lncomblet IV. ürk. 274. Die MiinstereiÄer Chronik (1270— 14ö0-
giebt die Starke der Geldrischen auf 2700, die der JOlicher anf l2iH) Pferde, den Verlust ersterer
auf 5(M) ITerde an (Annalen für den Nie^lerrheln Heft l.'i. Seite 201.) Der Verlauf des liefechtea
wurde nach einer gleichzeitigen Chronik ron Cöln, (Chroniken der <1eQttichen Städte 14. Band Seite 7S5)
beschrieben; die Namen dcrTbeilneiinior enthält eine Uandechnft des kgl. Hausarchtves, die im Besitze
des Pfaltgraven Philipp Wilhelm war. Die Annahme, die Stiftung des Klosters der Kreuzberrn zu Düssel-
dorf sei mit der des Hubertus-Ordena gleichzeitig und wegen des Sieges erfolgt, ist irrig, sie geecliah
ein Jahr früher am 14. August 144^1. Lacombet Band IV Urk. 249.
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von Viirick , Garnier von Zaneck lagen toJt auf der Wallatadt, Wilhelm
von Egrnont, Aniolds Bruder, Thiry von Uiedwick, der Baillif von
Egniont, Johann von Broichhuisen „der den Krieg roirte,“ Heinrich von
Boxnier, Everard von Wilpe, Johann von Arendael, Johatui von Vianen,
Johann von Bronchorat, Bene d'Oyen, Heinrich von Oppelieren, Herr-
inan von Wye, Herr zu Hernen und viele andere Bitter und Knap]ien
fielen in (Jefangenschaft , aus der mancher, der das Lösegeld nicht auf-
bringen konnte, erst iin Jahre 1448 entlassen wurde. Mit dom Siege
verloren die Geldern, wie die Chronik sagt, aber auch die reiche Beute,
die sie bislier gemacht hatten, und die Ehre der Waffen; zur Xachtszeit
Hohen sie aus dem Lande der Heimat zu, noch jetzt wiisfimd und bivn-
nend. — Von jetzt an war zwischen Jülich und Geldern , die durch die
langwierigen Fehden an Kräften und Geld erschöpft waren, Friefle.
Der über diesen glücklichen Erfolg hoch erfreute Herzog von Jü-
lich errichtete, entw'eder am Schla«’httage selbst') oder in <len näclisten
diesem folgenden Tagen zur Kbre Gottes, Mariens seiner liel)en Mutter
und des heiligen Marschalk Sanct Hubert zum Zeichen des Dankes für
ihre besondere Hilfe für Herren und Damen eine Bruderschaft, und
einen um den Hals zu tragenden Orden, der unter dem Namen Orden
Scti Hul)erti, oder nach der Form des anhiingenden Kleinodes „vom
Horn“ genannt wunle. Fcststijhonde Statuten scheint die Gesellschaft in
iler ersten Zeit nach dem Wortlaute der Be-stiitigungsurkunde vom Ja-
nuar 1477 „welch Orden doch l)isher nä Noitturft nyet eigenlich be-
stettigt, noch confirmeert en is“ nicht gehabt zu haben; die Fonn des
ersten ( )rdenzeicbens war die nämliche, die wir im Original-Gesellscliafts-
buch des Jahres 1477 abgebildet finden, das Statut von 147fi bestimmt
ausdrücklich „da.ss der Orden von Gold oder Silber, je nach Stand und
Geburt, von der Form sein soll, die der Stifter Gerard dafür bestimmt
und verordnet habe.“ Die Bundosglieder von 1444 — 1471 sind in einer
vom tJ. Mai 1655 datirten .Abschrift erhalten, welche Butkens d'Anoiy
von einer i'ergamenthandschrift, die durch ihren Einband von rotheni
1) Eine bei ReUinghoven enthnltene alte Genealogie der FUrston von Jälicb sagt bei Gerard,
instiUit 1441 ordineru eqaeetrem ä. Hubert! , ipsa Scti. Huberti die, qao devieit EgmonUoora,
Geldriae dncem.
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Saniiiit und die goldene Scliliesso als das Original des ersten Gesell-
schaftsbuches gekennzeichnet ist, nahiii.') Sie war iin Besity.e des Doyen
von Cleve, des Herrn von Palant, des Sprossen einer Familie, die im
Orden selbst «nehrfacli vertreten ist. Ausser dem Stifter Gerard und
seiner Gemahlin Sophia, einer Prinzessin von Sachsen, nennt die Liste aus
dem Gründungsjahre 1444; an fürstlichen Personen den Kurfürsten
Ludwig von der Pfalz, Herzog Wilhelm von Sachsen , den Herzog Friedrich
von Bramischweig, den Markgrafen Jacob von Baden; an Grafen: Kverard
von der Jlark, Johann Graf von Nassau und Jacob von Horn; an Herrn
und Rittern: Johann von Heinsberg Lobenberg, Bruno von Querfurt
und Thiery von Mandeiucheid , an Damen die Prinzessin Elisabeth von
Nassau und Sophia von Palant als Mitglieder. Die nächsten Aufnahmen
zidden 1449 — 2, 1452 und 1455 je 1, 1458 — 2, 1460— 1 1461—3,
1462 — 6, 1470 — 8 Zugänge,’“) worunter 2 Fürsten, 3 Füi-stiimen,
8 Grafen, 13 Herrn und Ritter, so dass die Zahl der von 1444 — 1471
aufgenommeuen Mitglieder 38 betragt, jedes derselben ist mit seinen
vier Ahnen aufgeführt.
Sein besonderes Interesse wendete nach dem Tode des Stiftei-s
Gerard (1475) dessen Sohn und Nachfolger in den Herzogthümern Jülich
und Berg, Wilhelm*) dom Orden zu, uml Hess kurze Zeit nach dem
Regierungsantritte für denselben die Statuten verfertigen, die vom
22. Jämier 1476 datirt sind. Die Originalurkunde, welche zuerst in der
Ordenskirche zu Nydegg, nach deren Zerstörung im schmalkadisehen
Kriege seit 1550 in der Collegia tskirche zu unserer liel>en Frau in Jülich
hinterlegt war, ist verschülieii, doch sind von ihr im 17. und 18. Jahr-
hunderte durch die Notare Steprath und Leutmann amtUch beglaubigte
Abschriften in nieder- und obei-deutscher Sprache*) genommen worden
aus deren Inhalt folgende Bestimmungen sich ergeben.
1) Die Abschrift liegt im Oricasarchiv im iliDistcriam de« Aeossern and des kgh Hauses.
2) Vide Beilage nrn. 1.
3) Wilhelm liess tu M&hlbeim einen Goldgulden mit dem heiligen Hobertus KhUgon. Von
Carl Theodor exlstürt ein Dacatc mit dem Uabertos-Orden von IToO.
4) Beide Abechriften liegen im Ordens-Archiv« ride Beilage 2 and 3. Schon vx Anfang des 10.
Jahrhonderta waren die Archive des (^llegiataitiftea and des Sepalcbrinerconveatet in Jlllicb nicht
mehr aufxofindeo. Zeitaebrift des Bergischen Qeschifhtavereines IH. 313.
Abb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. II. Abth. 24
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Nacli einer Einleitmifr, in welcher der zwischen Jülich und Geldern
bestehende Erlistreit, die Schlacht und die darauf erfolgte Stiftung <les
Oiilens erzählt wiril. erklärt Herzog Wilhelm, er wolle nun den bisher
ohne genügende Statuten bestehenden {trden im Sinne seines verstor-
benen Vaters mit solchen vei-sehen, ihn bestätigen und verl>essern, zu-
gleich bestimmt er für ewige Zeit die KiiThe Joliann des Täufers zu
Xydeggen zum Sitze der Bruderschaft.
Als Ordenszweck wird die Verehrung Gottes, der Gottesmutter Maria,
des heiligen Marschalls Set. Hubert und der fünf Wimden, wie sie ihm
am Charfreitag an dem Crucifix zwischen dem Geweihe des Hirsches er-
schienen, bezeichnet.')
Ueber das Tragen des Ordens um den Hals lautet die Vorechrift,
dass er an allen heiligen Tagen angelegt werden soll, wem diess nicht
möglich, der habe an den hohen Festen und andern Tagen, das Hu-
berttiszeichen , welches er mit dem Orden empfangen, ober i>der unter
den Kleidern zu tragen. Wer diess unterlä.sst, und desshalb zur Anzeige
kömmt, hat am Set. Hul)ertu.stag dem Herolde eine Geldbusse zu ent-
richten. Würde Jemand den Orden, ehe er ihn rechtlich empfangen,
tragen, so hat der Herold ihn darüber zu bereden, uml ihm den Ge-
brauch des Zeichens im Namen des Herzogs zu verbieten, im Wie<ler-
holungsfalle das.selbe dem Frevler abzunehmen, es dem Herzog einzu-
schicken, der das abgenommene Kleinoil dann mich Nydegg Ln den
Ordensschatz sendet.
Nur sechzig fromme, liebe .Männer, die nie wider die Ehre gehandelt
und von ihren vier Ahnen von guter schildkundiger Kittei-schaft, d. h.
von adelich gebornen Filtern und Gros.seltern sLinl, können in den Orden
aufgenommen werden. Wer in die Brudei-schaft eintreten will , hat den
Ueizog persönlich oder schriftlich darum zu bitten. Ist der Bewerber
dem Filmten genehm, so erhält er von diesem einen Brief an die vier
Brudermeister, welchen er diesen am Hubertusfeste mit einer von zwei
1) cod. icoo. gibt hi<;r abireicbenii : Id Kre Gottes, in Lre der beiligea Dreifaltigkeit, der
heiligen fünf Wunden und de« heiligen Marscbalks Set- Huprecht, Maria ist nicht erwänt. — Aasstr
Set. Hubert wurden in der Kirche Klein Martin tu Köln: Antonias, Cotnelluti, Qoirina«
als heilige Marsclialke verehrt.
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Ilittei-siimnen eidlich imerkaimfen Ahneiiprobe,') in der auch ilie Wapi^n
gemalt sind, übergiebt. Finden die Bruderineister und der zur Prüfung
der Ahnentafel beigegebeiie Herold alles richtig, »<> hat der Candidat in
die fiewellschaftskas!«; nach seinem Range das Eintrittsgeld zu erlegen.
Flin Friis<t «iebt in die Lade 12, dem Herolde 4; ein tlraf oiler freier
Fldelmaun 6 mul 2; ein Rittermann' 5 und 1 oberliindische dulden jei len
zu 4 Mark cölnisch gerechnet. Der neu Eiutietende schwört in die
Hände eines der vier Rrudermeister „Weder mit Rath noch That gegen
den Herzog zn handeln, Treuo und Freundschaft den Huudesgliederu zu
halten, die Ordensstatuten genau zu beobachten, die Mithriider gegen
ehrenrührige Nachrede in Schutz zu nehmen, und dem Angegriffenen
diese kund zu thun. Würileii Verhältnisse eintreten, dass ein lllied iler
Brudei’schaft gegen den Herzog feindlich auftreten müsste, st> soll er
ilieses dem Fürsten sechs Wochen zuvijr schriftlich verkündigen und den
Orden nach Nydogg zurücksendeu.“ Nun erhält der Bewerlier von dem
Brudenneister den Onlen, sein Name mit den AhnenwapjHm wird durch
den Herold in das Brudei’schaft.sbuch eingetnigen. An i^eligiösen Ver-
pflichtungen übernimmt der Neueingetretcne , dass er jeilen Tag fünf
Pater noster und ebensoviele Ave Maria, an den Quatember Freitagen
fünfzehn Pater noster und Ave Maria zur Ehre Gottes und der heiligen
fünf Wunden, wde die Set. Hubert zwischen dem Hirschgeweih am Char-
fi'eitag erblickte, botet, am Vorabende des Hubertustages fastet, oder
wenn es ihm lieber ist, einen Ghorius zu iJ kölnischen Weisspfennigon
in die Ka.sse oder an die Armen giebt, und den Namenstag des Schutz-
patrons, (wahi-scheinlich in der Ordenskiivhe) feiert. Ausserdem sollen
1) Als Belapie! einer AbnouproiMt mag folgemln 4eni Einscbreibbiiehe des 0i‘i1eii«arcblrs out*
Qommt'oe geiten :
Nuns Gorobert comte de Nienwenare et Henry de Home, sire de Perwei* du pals de Uuäbk,
Gbole, Herbier etc. faisona scaroir a mus nobles et gcaereux Mreü. de Vordre ducal du St. Mari-
chal St. Hubort |»ar contes, qae Nous eai aparu ct notoir, que Vave p&tornel de nre eher Cuiiaia et
Parent Mesaire Jean Sire do Mcrixie de Petersheym , et na graiide mere materoeUu fut une fille d«
Bergeg «nr Ic Zoom, tous leg qnolz de ieur extraction de tout ancieonete son eatez noblen bien nccx,
St'i^rneurs bannerctx, telun que ogu« uvons apprins et eiitendu du uoa Predecesseurs et pareng et ne le
scavona autrement; Ce cj escrirons gar nre. eerment, I« quel nous arona preete et faict a nro. eher
Seigneur En testnoignage de Terite Nous avnna faict pendre a ces preaentes noz seaux Donau
en Van nostre Seig'- quatorx*.' eens B^ptaotu slxu le diinancbc, qu*üa chaat« Retniniscere.
24*
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sicli die Mitglieder erbarlich halten, einander lielwn. besonders alwr in
keinem öffentlichen Oeverspüll (Khebruch) sitzen. Würde ein Mitglied
die Ordensstatnten niiasnchten. oder sich gegen die Ehre grtiblich ver-
gehen, soll der Urudenneister oder der Herold, dem dieses kund wird,
dem IhTzoge davon Anzeige machen. Dieser beruft dann die Bruder-
meister und nach seinem Belieben eine Anzahl Bitter an seinen Hof, und
ladet den Bezüchtigten zur Verantwortung bei diesem Ehrenrathe vor.
Im Falle eine Venirtheilung erfolgt, wird dem Betheiligteu die Ordens-
ketto abgenoiiimen uud nach Nydegg geschickt, sein Name aus dem Oe-
scllschaftsbuchc „gewischt.“ Der Tod eines Mitgliedes mus.s dem Dekan
zu Nydegg, der auch die Orden.skette in Empfang nimmt, angezeigt
weiden, damit die vorgesohriebene kirchliche Trauerfeier abgehalten
werden kann.
Auf Antrag der Ordensritter koimten auch deren Ehefrauen in
die Bruderscliaft aufgenommen werden. Wenn sie die Ahnenprolie be-
standen, die Statuten zu halten versprachen, imd das ilen Männern vor-
gcschriebene Beitiittsgeld erlegt hatten, schickten den Damen die Bruder-
meister den Orden zu. — Die Eniennung der Hofjungfrauen zu
Ordensgliedern liehielt sich der Herzog als (Irossmeister vor. doch durften
dieselben das Abzeichen nur so lange tragen, als sie im Dienste der
Herzogin standen, auch sie mussten die vorgeschriebeneu Gebete ver-
richten, und am vorgeschriebenen Tage fasten. Der Fürst liestimmte
ausserdem, dass er auch ohne die Brudermeister nach Belieben „einen
FüT'sten. Gi'afen oder Freiedelmann in den Orden aufnehmen könne.“
Zur Aufivchthaltung der Statuten, Verwaltung des Vermögens und
Aufbewahrung der Kleinodien waren vier Bruderme ister, zwei aus
dein Lande Jülich, ebensoviel au.s dem von Berg ernannt, welchen für
liesondere Verichtungen bei den Adelspi’obeu und zur Wahrung guter
Sitten unter den Mitglieileni ein Herold, als Verwaltungsratli der Decan
und die zwei ältesten Canonichen des Stiftes Nydegge beigegeben waren.
Ausser <len liereits in frühem Abschnitten berührten Verrichtungen kamen
den Brudernieistern noch folgende zu. Am Set. Hubertus-Abend sollen
sie sich in Nydegg einfinden und Sorge tragen, dass au diesem
Tage in der Collegiutskirche für die leliendon und todten Bruder und
Schwestern Messen, Vigilien und Fürbitten, am Hubertustage selbst für
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183
die Verstorbenen eine Seelenmesse, für die Lebenden ein gesungenes
llocbaiut abgehalton werden. Hierauf folgt die Verlesung der Statuten,
die Eidesnbnahme und die Ordensüberreicliung an die neuen Iti-üder.
Darauf wühlen sie für das nächste .Jahr vier andere, hiezu geeignete
Brudenneister, schicken die Wahlacte dem Fürsten ein, und bostinimen
den Tag, an welchem sie ihr Amt übergeben, und über die abgelaufene
Amtszeit Uechenschaft geben wollen. So soll es alle Jahre gehalten werden.
Sollte einer der Brudermeister durch Krankheit odei’ Hausnoth gehindert
sein am Set. Huliertustage bei der Versammlung zu erscheinen, hat er
hievon schriftliche Anzeige zu emtatten, und die andern drei handeln,
als wenn alle vier da wären; ebenso wird es gehalten, wenn einer oder
mehrere im Laufe des Jahres mit Tod abgegangen, die Beschlüsse der
übriggebliebenen haben gleiche Kraft, als ob der Uath vollständig besetzt
gewesen wäre. Im Vereine mit dem Dechant und Capitel der Ortlenskirche
haben die Brudermeister viermal des Jahres an den Freitagen der Qua-
temberwochen, die Abhaltung der Messen, Vigilien, und Fürbitten für
lebende und todte Ordensglieder, sttwie das dazu bestellte Geläute zu l>e-
sorgen, wofür sie doppelte Prüsenzgelder erhalten. Es sollen die Bruder-
meistor auch, wenn sie am Hubertus-Altend und des Patrons Festtag an-
wesend. für ihre Auslagen an Kost und Zehrung aus der Bundeskasse ent-
schädigt werden. Ferner liegt ihnen ob in der Kirche einen Verschluss zur
Hinterlegung der Bundesgelder und Kleinodien herzustellen , zu dem jeder
einen eigenen Schlüssel empfängt; zur Verwaltung und Verwahrung dieser
Gegenstände sind der Dechant und zwei Canonicer beizuziehen. Die Gelder
sollen auf erbliche Beuten angelegt, und die Zinsen zur Erhaltung des
Capitels, Auszahlung der Präsenzgelder, Anschaffung von Messbüchern,
Kelchen, Glocken und anderer Notdurft verwendet werden. Würde das
Ordensvermögen sich so vermehren, dass sich Uebenschüsse ergäben, haben
sie diese zur Mehrung der Messen, Erhöhung der Gebühren für .\bhal-
tung derselben und zur Förderung des Kirchenbaues zu verausgaben. Der
Dechant und die zwei Canonichen haben die eingesendeten Kleinode auf-
zubewahren, bis sie dieselben den Brudermeistern zum Verschlüsse über-
geben können.
Betrachtet man die vorstehenden Statuten, so ergiebt sich, dass der
Hubertus- wie der vier Jahre früher in Brandenburg gegründnte Schwaneii-
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184
Orden, mit dem er auch manches Statut gemeinsam hat, einen geistliclien
und weltlichen Character tragt, der einerseits in den vorgeschriebenen
Gebetübungen und der Feier der Gottesdienste , anderei’seits in dem dein
Fürsten geleistetem Schwure, der diesem die Hilfe und den Beistand lier
Ordensbrüder in Aussicht stellte, seinen Ausdruck fand.
Feber die Quelle, welcher wir den Bestand des Ordens von 1473 —
1500 entnehmen, i.st es nöthig einiges zu liemerken.
Der ^'erfas.ser einer im Aufträge im 17. Jahrhundert gefertigten
Zusammenstellung der aus friiherer Zeit erhaltenen Aufzeichnungen')
des Ordens berichtet, dass beim Brande des Schlosses Xydegg 1542 das
Archiv der Herzoge von Jülich, die Original -Documente des Ordens und
viele andere Papiere zu Grunde gegangen seien. Reclmet man zu dieser
Thatsache noch den zersbironden Kintluss dreier Jahrhunderte, die
.Stürme, die während ihres Verlaufes geraile über jene Gegenden hin-
brausten, so mag die Behauptung nicht gewagt erscheinen, unsere Hof-
und Staatsbibliothek habe durch die Schankung, welche der höchst selige
König Ludwig I. ihr mit der Papierhandschrift cod. icon. 31S machte,
das einzige noch liestehende, au.s dem 16. Jahrhunderte stammende
Schriftstück des Ordens, und zwar ila.s in den Statuten bezeichnete Ein-
schreibbuch erhalten.
1) Vor <U<^er Aafzeichnnnif, welche «len Titel: rinRtitution de l'Ordre de St Robert ioRtitne
par le bault et paii»ant prince Gertr«! }»&r le ^r&ce de Dien doc de Joliers et de Berg: etc fuhrt befinden
sich io München zwei Kiemplare. I)ae eine io Polin, nach den gestickten Insignieo auf der Einband-
decke Eigentbmn eines Biücbofes and Ordensgliedes, war 1^:14 im Besitze des Baron d'Udekcm io
Loeweo ond wurde theilweiae von Baron KeilTeoberg Im VIII. Bao-le der nooreaui Memoires de PAca-
deinie de Bruxelles vcrbfrentlicht, bei weicher Geiegeoheit er auch eine Beschreibung der Hand'Cbrift
un«l d<^ ineisterhaft gezeichneten Titelbildes, einer Darstellung Set Huberts, das ein Werk des Malers
Marten Voimi 1601), der die Werke Dürers nelfach copirte, sein dürft«, giebU letAA kirn die
Hamlschrift durch den Baron van den Steen Jehay als Geschenk in die Hände Künig Ludwig 1., der
sie dein Ordensarebiv einv«>rleibte. Sie scheint, da in der Vorrede ein Vorschlag zu einem Ordens-
costüm und dem Ccremonie)) bei der Aufnahme enthalten ist, bereits mit dem 6e«lanken einer Er-
nenerung des Ordens verfasst worden zu sein. — Das zweite Exemplar in 1® befindet sich im könig-
lichen Hausarebiv und ist durch eine Inschrift als aus der Bibliothek des PfaUgrafen Philipp Willielm
stammend, kennbar. Sie stimmt mit Ausnahme der Vorre«li% die bei I. auRfQhrlicher behandelt ist,
mit dem obigen in den Kamen und Wappen der ()rdensgli«>der, ond ihrer Eintheilung voUständig
überein. Für die Verzeichnisse der Inhaber 147-1— löOO liegt den Aufzeichnungen der cod. kon. JJIS
zu Grunde, das Übrige wurde aus den Ordenspapieren entnommen. Beide Ma'ioscripte scheinen, da sie
die Aufzeichnungen Butkens nicht benützten, vor dem Jahre 16V» gefertigt worden zu sein.
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185
Das Buch besitzt noch seinen Orij^naleiubaml von gepi'esstem dunkeln
I^eder mit einem Theile des in gothischer Form gehaltenen Messinglw-
Bcldäges. und zählt 142 nununerirte Blätter, das hiezu verwendete Papier
in Gross-Octav ist gerippt, und trägt verschiedene IVasserzeichen. darunter
am häufigsten einen Hund mit Halsband und einem aus dem Itücken
eniporsteigenden Stalte. eltenso eine Hinde mit nach rückwärts gewendetem
Ko])fe. Auf der lliickseite des vorderen Buchdeckels befindet sich von
der Hand eines Künstlers die Darstellung Set. llulterts mit der Unter-
schrift: ü Sente Hu]irechtz sy uus genadig. Der Heilige in roth und
grün getheiltem Jagdanzuge. mit einer vom Heiligenschein umgebenen
Filzkupi>e auf dem Haupt ist mit Knebelspiess , Jagdschwert und Dolch
bewehrt, und trägt an einem rothen mit grün gerändertem Bande sein
Hiüfliorn. \^on einem Jagdhunde, auf dessen Halsband die Buchstalten
B V, begleitet, schreitet er durch ein Flussthal, rechts von ihm jenseits
des F’lusses erhebt sich ein Berg dessen Gipfel von einer stattlichen Burg
gekrönt ist, unter ihr und am Fusse des Borges sind 'Wohnhäuser, wahr-
scheinlich Nydegg, auf dem links von dem Wanderer liegenden baum-
bedeckten Hügel steht ein zieiidich unscheinbares Kirchlein, vor dem
ein Mann kniet, die Urdenskapelle darstelleiul. Das 1. Blatt trägt auf
seiner Vorderseite das Wappen von Jülich und Berg mit dem Herzschild
von Ravensberg, um den Schild schlingt sich mit sechs Kettengliedern
an denen das Kleino<i mit der Darstellung des vor dem Hirsch knioendon
Hubertus und dem Hiefhorn hängt, die grosse goldene Ordenskette.
Aus der rothen Krone des goldenen Helmes steigt ein Pfauenwedel empor.
Auf der Rückseite die Inschrift: Dyt synt Hertzoch Gerartz myns gne-
digen Hem IV Annich Herrn: Hertzoch zo Guilg, zo dem Berge, grave
zo Ravensberg. Syns vaiders moder eyn Palzgravinne, ind syn moder
eyn Gravynne Tcklenborch, ind svnne moder moder eyn Doch ind gra-
vymie van Mors.se. Die dazu gehörige Ahnentafel folgt, da auf den
Blättern 2, 3, 4 der Auszug der ürdensstatuten enthalten, auf der Vorder-
seite des Blattes 5, auf dessen Rückseite dann als zweiter Eintrag folgt :
In den Jaren unss. Hem na gt)tz gebm'te dae men schreiff 14 c dry ind
seveutzich stai-ff myns gnedigen Hem Frousve Frouwe Sophia ind ir Soin
Hertzoch Adolph, den got gnedich ind barmhertzich syn wille Amen.
Mit diesen beiden Einträgen ist die Zeit gegeben, in welcher das Buch
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1H(!
bpfronnen wunle, sie fiillt noch in die Kogierungsperiode üerards 1473,
also, da die Hensogin Sophia bereits als gestorben vni-getragen wird und
Herzog Oerard 1473 starb, zwischen 1473 und 1475. Uni das Allianz-
wappen der Herzogin schlingt sich ebenfalls die goldene Urdenskette
aber nur mit vier Kettengliedern. Von fürstlichen Personen folgen auf
den Blättern 6 — 18: die Herzogin Margaretha von Sachsen, Herzog
Wilhelm von Jülich, die 1479 gestorbene Herzogin von Jülich Elisabeth,
die erste Frau Herzog Wilhelms und gebome Prinzessin von Nassau
Salbrück, sowie dessen zweite (lomahlin (1481) die Herzogin Sibilla, eine
Tochter des .Markgrafen Achilles von Brandenburg, und Enkelin der Kur-
fürstin Elisabeth einer Prinzessin von Bayern Landshut
Die Kückseite des Blattes 1 7 bringt die nach den Statuten ernannten
vier Bnidermeister und zwar als ersten den Grafen Heinrich zu Limburg
und Herrn zu Broich, als zweiten Herrn Johann zum Baide und Petein-
heim, als dritten Engelbrecht Birgelen, Erbmalschalk zu Jülich, als
vierten endlich Berthold von Plettenberg, Hofmeister des Herzogs von
Jülich. Uelier die Zeit ihrer Ernennung giebt die Notiz „Dit is ange-
haven anno 77“*) Aufschluss, die zwei auf der nämlichen Seite folgenden
weitern Brudermeister der fünfte Einand von Pallant, der sechste Dieterich
von Hall gehören dann dem Jahre 1478 an. Auf Blatt 18a ist die
Ahnentafel Heinrichs von Limburg, auf sie folgen sorgfältig eingetragen
bis Blatt 105 auf der Kückseite der Blätter die Namen, auf der Vorder-
seite die Ahnenafeln der Ordensbrüder und Schwestern.*) Die auf der
Rückseite von 105 enthaltene Aufnahme des Conz von Alandei-scheid im
Jahre 1487 und nach drei leeren Blättern auf 108, die am Stephans-
tage 148(5 erfolgte des Erkiuger von Seinsheim, Herrn von Schwarzen-
berg Ijezeichnen für die vorhergehenden Einträge die Zeit von 14 77 —
1486. 109, 110 sind leer, die Blätter 111 und 112 enthalten die
Ahnentafeln des Dietrich von Hai und seiner Frau, 113 die eines von
Hochsteden. Den Schluss des Verzeichnisses bilden 114 die Aufnahme
1) Durch diese Notix sind i»ucb die iksienklicbkeiten des Baron von Reiffenberf? in der oben
bereichneton Kdition es könnten die f^ensnnten und die nun folgenden Mitglieder xum Jahre
1444 gehören, gelöst.
Beilage 5.
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187
des Coin von Vlatten am 18. .luli 1500 und 115 die seiner Frau Anna
von Vclbrüggeii. Die Bliittor 115 — 142 enthalten weder Namen noch
Wappen, sondern nur je vier Schablonen für Almentafeln. Dass das
Buch auch später noch benützt wurde, zeigt von jüngerer Hand (Blatt 100)
die Notiz: Anna von Plettenberg starb anno 1500. — In Mitgliedern
und Ahnen um meisten vertreten sind die Familien: Merotle, Nesselrode,
Biuslelt, Birgel, Klderen, Elverfeld, Ohemen, Gronsfeld, lloiltorpp,
Hoemen, Hom, Landsberg, Pahuit, Haide von (thidhach, Sachsen,
Schoonroide, .Stuel von Holstein.')
Der auf den Blättern 2 — 5 enthaltene .\uszug aus den Statuten
enthält als Aufsc’hriften der einzelnen Kapitel : Sent Huprechtz Broder-
• schafft etc.; Synen eyt unsem gl. ileni zo doin; Der weder unsen gl.
heren doin moste; Van dem vasten der broeder; Van degelichen Gol)ede
dei- broeder; Van dem quattertemper gebede; Van der vrawen orden;
Van verlenongen des ordens; Van dem dragen des ordens; \’an doden
dess broderschatf. ‘
Die Handsirhriften des Haus- luid Ordensurchives , sowie Heiffenberg
enthalten eine französische Uebersetzung dieses Auszuges, welcher bei
den Aufschwoerungen vorgelesen wurde. Da.ss der seit 1709 gebräuch-
liche Wahlspruch: „ln Trau vast’‘ schon seit der Stiftung be.stehe, ist
in keiner der altern Aufzeichnungen bemerkt. — Da.s Drdensz eichen
besteht nach den Zeichnungen im cod. icon. 318 aus einer bei Männern
sechs-, bei Frauen vierglieilerigeu goldenen Kette, an der, durch ans
der Kette herabreichondo Bänder festgehalten, das auf einem Hiefhorn
ruhende Kleinod „Set. Hubert am Fusse eines Berges vor dem Hirsche,
der zwischen den Stangen des Geweihes ein Kreutz tiiigt, kniend, hängt.
Die einzelnen Kettenglieder sind durch zwei gegen einander gekehrte
mit in Form einer 8 verschlungene Tragbänder verbundene Hiefhörner
gebildet. Zwischen den Kettengliedern sinil längliche Wülsten eingofügt,
welche nach beiden Seiten die Kettenglieder überragen.“
Die Ilegierung Herzog M'ilhelins u)ulä.s.st die Glanzjwi'iode dos Or-
dens, dessen Beihen nach den Aufzeichnungen fast vollständig gefüllt
waren, schon mK'h seinem Tode (6. September 1511) aller traten Ver-
1) Beilage IV.
Abh. d. III. CI. tl. k. Ak. d. Wif«. XV. Bd. II. AUli. Z.->
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188
hältnisse ein, welche ungünstig auf der Bruderschaft ferneres Blühen
wirkten. Mit Wilhelm endeten die Herzoge aus dem jülichischen Hause,
sein Schwiegersohn und Nachfolger Johann vereinte die Herzogthümer
Jülich und Berg mit seinem Stammgute dem Herzogthume Cleve. Waren
die Ordensmitglieder bisher meist aus Jülich und Berg, so verlieh Jo-
hann denselben hauptsächlich auch an auswärtige Grafen und Herrn.
Da die Aufzeichnungen nicht mehr so regelmässig gemacht worden zu
sein scheinen, oder verloren gingen, ist es schwer zu entscheiden, welche
von den meist ohne Vornamen folgenden Mitgliedern noch in die letzte
Zeit 1500 — 1511 Herzog Wilhelms, welche bereits in die Johanns fallen.
Als aufgenommen sind noch beurkundet: Johann Herzog von Cleve und
dessen Gemahlin Maria, Erbtochter von Jülich und Berg (f 1543), ferner *
aus dem Stande der Grafen und Herrn die Familien: Solms, Werden-
berg, Hohenzollern, Pappenheim, Hanau, Moers Sarwerden, Reiffei-scheid,
Leiningen, Finstingen, die Rhein- und Wiklgrafen, Isenburg, Nassau-
Wiesbaden und V'ianden, Rienek, Bettingen, Daun von Oberstein, Nellen-
burg, Syrk, 'Wertheiiu und Limburg. An diese reihen sich als Ritter
und Edle bezeichnet Glieder der Geschlechter : Stubenlierg aus Oester-
reich, Bullenheim, Brackl, Geinweiler, Eller, Hohenfels, Harecourt,
Beaucourt, Beyer von Bo ppart, Bullinghcu, Frimersen, Schalsberg, Uhlen-
broich, Keldenich, üi’slwck, Giinmenich, Schaffhausen, Emmendorp,
Raedt von Fleistein, Krummei, Ixküll, Knipprode, Quadt, Borscheid,
Gimborn, Trips. Ob unter den Aufgeführten auch diejenigen Mitglieder
sich befinden, die dem Fümten den Vorwurf zuzogen, er habe durch die
Aufnahme von Gesandten der Fürsten und Abgeordneten der Städte,
welche durch ihre Herkunft hiezu nicht berechtigt waren, das Ansehen
des Ordens so geschwächt, das.s der Adel weiter kein besKmderes Ver-
langen darnach gehabt, möchte zu bezweifeln sein. Herzog Johann wird
in der .Aufzeichnung als der dritte und letzte (irossmeister bezeichnet.')
Bald nach dem Regierungsantritte dieses FOinten begannen die religiösen
Bewegungen, die man unter dem Namen Reformation zusammen zu
fassen gewohnt ist, und die selbst in den grossentheils katholisch ge-
1) llaniluchrift dea Ordenaarebives Blatt 10.
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18!»
bliebenen Ländern') einen Umschwung der Anscliauungen schufen, die
einer halb geistlichen, halb weltlichen Vereinigung weniger AVerth bei-
legten. Gerade das, was solche Bruderschaften zur Zeit ihrer Stiftung
BO hoch in den Augen der Glieder stellte, das religiöse (iewand in
welches ihre Tendenz eingehüllt war, nms,ste bei der .Venderung der
Ideen, die bei manchen Mitgliedern stattfand, an Geltung verlieren, und
dieser Umstand wird gewiss mehr als die zu häufige Verleihung zum
Verfalle des Ordens beigetragen haben.
AVuitlen schon durch die genannten Ui’sachen die Bande der Ver-
brüderung sehr gelockert, so traten bald nach dem Tode des letzten
Grossmeisters (1539) Ereignisse ein. welche sie völlig gelöst zu haben
scheinen. Es wurden nämlich im Jahre 1542 in dem Kriege, den Johanns
Sohn und Nachfolger Wilhelm um den Besitz von Geldern führte, die
alte fürstliche Residenz, die Häuser der Canonicer in dem Stiidtchen Ny-
degg'“) stark beschädigt, die ausserhalb desselben liegende Ordeiiskirche
zerstört, die Besitzungen verwüstet. Da der Herzog nicht im Sinne
hatte seine Burg w'ieder aufzubauen, machte er das stark befestigte
Jülich zu seiner Hauptstadt, und verlegte dorthin auch das von seinen
Vorfahren gestiftete und reichlich ausgestattete Canonicat (1 550 15. Nov.)*)
Der päpstliche Legat Sebastian Pighinus gab hiezu seine Zustimmung
und erlaubte (1551. 13. Februar), dass die 26 Präbondiston auf 6 Priester,
5 Diacone und 3 Subdiacone beschränkt wurden, '•) die wirkliche üeber-
siedelung des Stiftes fand aber erst 1569 statt. Wenn, was aber bei
dem Umstande, dass in keiner dieser Urkunden des Ordens, seiner Fest-
tage oder des Schatzes Erwähnung geschieht, unw’ahrscheinlich ist, der
Orden als Bruderschaft noch fortbestand, so genügte die lange Unter-
1) ln den jOUcliischen Aemtern W&stenberg, Born, Heinsberg und Millen kam 15:12 die erste
erangelische Kirchengemeinde zu Stande
2) Njrdegg. Schloss und Stadt an der Roer. Ersteree wurile zwischen 1141 und 1191 erbaut,
1214 durch den gewaltigen Jenseitstbarm und durch eine Vorburg Terstarkt, UUS wurde die Neustadt
erbaut. 134H geschah auf den Wunsch des Markgrafen Wilhelm von Jülich die Verlegung dea Ca-
nonicats von Stommel nach Xydegg. Ausser der Beachiewsung durch Carl V. U542) wurde der Ort
1642 von den Hessen, 1678 von deu Fraozoeen rerbrannt, hierauf 1794 ein Tbeil der Burg abge*
brochen.
3) Redingboven. c. 1 XIV Band nro 1.
4) Redingboven e. 1. nro 2.
2.->*
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MIO
lirecliung der Zusainnienkünfte und die mit ihr verbundenen jiolitischen
Kreignisse seinen völligen Untergang herbeizufülu'en. Schliesst man
ausserdem aus den Statuten, welche der jiäpstliche Nuntius Caspar
Gropper am 1. Octnber 1574 dem Stifte g»>b. und in denen er den Ca-
nonicem das Henunlaufen in der Kirche während des Gottesdienstes,
freches llormnsehen, den Besuch von Kneij)en und Spielhäusern, das
Tragen von Schwertei-n in der Kirche, das Halten von Concubinen verbot,
und ihnen diis Tragen ehrbarei’ Kleider anempfahl,') auf die bei den
Stiftsherrn heiTschenden Sitten, so fehlte es auch an geeigneten geist-
lichen Persönlichkeiten, welche die Würde des religiösen Theiles der
Statuten hätten vertreten können. — Die Aullösung der Set, Huln'rtua-
Bruderschaft geschah, da keine förmliche Aufhebung Ijekannt ist, nur
allmälig, und man kann, da einzelne Mitglicaler bis zu Ende des 16.
.Jahrhunderts lebten, für die Dauer derKell)en wohl 150 .Jahre ansetzen.
Die Zahl der bekannten Ordensglicder beträgt, über 200.
Die Erinnerung an das Bestehen des liubertusordens scheint selbst
in iler nähern Umgebung des Hei-zogthum .Jülich sich bald verloren zu
haben, denn schon das in Frankfurt 1593, also noch zu Lebzeiten der
eingebornen Fürsten, erschienene Werk Megisers „über alle Ritterorden
der Christenheit'“ erwähnt seiner nicht, und stunein Beisjiiele folgt, auch
Mennenius in den 1613 zu Cöln erschienenen ,,deliciae eipiestrium seu
inilitarium ordinum. Eine bereits der Geschichte angehörende Institution
ist er 1672 dem Vei-fasser der Geschichte des goldenen V'liesses Elias
Asmohle , der in der Vorrede von einem in flämischer Sprache aljge-
fassten Buche spricht, das die Oiileu-sregeln und die Mitglieder bis 1487
enthält, also nach Umfang, Sprache und Inhalt mit dem Münchner codex
nbereinstimmt, der die Veranlassung zur vorliegenden Studie wurde. Ihm
entnimmt Schoencbeck 1699 in seiner „histoire de tous les ordres“' einen
kurzen Abriss der Ordonsgcscliichte , liegleitet ihn al)er mit einer der
riiantasie entsprungenen Abbildung des Ordenszeichens.
Nach dem kinderlosen Tode des Herzog .Johann Wilhelm von Jülich,
Cleve, Berg entbrannte zwischen den sich zur Erl)folge Ixirechtigt hal-
tenden Uiiusern Branilenburg, Pfalz-Neuburg, Pfalz Zwoibrücken und
1) Redinglioven c. 1. nro il.
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191
Sachsen der Clevische Erbfolgestreit. Er endete mit dem Clevischen
Vergleich Hl. Sept. 1666), in welchem Jülicli, Berg und Bavenstein dein
Pfal/grafeu Philipp Wilhelm von Neubiirg, dessen Vater Wolfgang 1614
zur katholischen lleligiou üliergetreten war, definitiv zugesprochen wurde.
Wälirend dieser Wirren und noch ein halbes .Jahrhnndert darnach ge-
dachte Niemand des Ordens, und schon schien er ganz erloschen, als
ihn Km-fürst .Johann Wilhelm .Josejih von der Pfalz, zugleich Uerzog
von Jülich zur Feier der nach längerer Trennung erfolgten Wiederver-
einigung der Ober-Pfalz mit seinem .Stammlande') am 28. September 1708
wieder belebte, und mit neuen von den ursprflnglichen wesentlich ver-
schiedenen Statuten versah. In einem an den Pfalzgrafen Carl Philipp
gerichteten Briefe vom 3. Jänner 1709 schreibt der Kurfüisst seinem
Bruder fiter die Wiedererrichtung: ., Nachdem der vom Heraog Gerhard
dem Set. Hubert zu Ehren gestiftete Orden bei den in dem heiligen rö-
mischen Reich ei-eigneten Revolutioiiün ganz in Abgang gekommen, habe er,
da aus gerechtester Verhängung Sr. göttlichen Majestät das Kurhaus
der Pfalz wieder in alle seine vorigen Würden, Ehren, Praerogationen
und Lande, die ihm eine geniume Zeit entfremdet gewesen, eingesetzt
worden, den Orden wieder erneuert imd restaurirt Das sei geschehen
zu immerwährendem Dank für solche von dem Allerhöchsten empfangene
Gnad, und zu Lob und Ehre der heiligsten Mutter Gottes und vorge-
nannten heiligen Huberts, auch der Nachwelt zur rühmlichsten Ge-
däclitniss solcher also wieder erlangter altväterlicher Dignitaet und
Lande.
Der Orden erhält das Motto: ln fidelitate constans (In Trau Vast).
Ritter vom gi’äflichen und freihen'lichein Stande sollen zwölf sein, die
Anzahl der aus fürstlichem Stande ist nicht festgesetzt, jeder Ritter muss
bei der Aufnahme 1 00 Ducaten dem Schatzmeister für die Armen geten.
Ti-eue gegen den Fürsten, Barinherzigkeit gegen Arme sind RittorpflicliL
Die Wahl der Ritter geschieht durch das Capitel. Von dem Kurfüisiten
werden zu Oitlonsbou inten unmittelbar ernannt: der Statthalter und
Kanzler, vom Capitel Vicekanzler, Secretär, Schatzmeister, Herold,
1) Hierauf bezieht sieb der 170v< aui‘ den iosi^ieit antrebracht« Spruch; ln memoriam recu*
peratae di^itatis avitae.
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Kleiderbewahror. Aeiiiter in der Pfalz sind zu den Einkünften l>estinirat
und in zwölf Coininenden getheilt. Aus ihnen erhält der Statthalter
4000, die drei ältesten Kitter je 600, die folgenden sechs je 300 Reichs-
thaler jäJirlich. Fürstliche Kitter beziehen keinen Gehalt, erhalten aber
dafür ein Regiment, imd wenn keines erledigt ist die Gage eines Obersten
aus den Einkünften der Obei-pfalz. Frauen sind vom Orden ausge-
schlossen.
Zu gleicher Zeit mit den Statuten erschien auch eine Verordnung
des Kurfürsten, „was bei Creirung der Ritter des Ordens dos heiligen
Hubert! zu obsendren“ in welcher ausser dem Hofceremoniell, die Schwur-
form und die Abhaltung des Ritterschlages enthalten sind.')
Ein zweiter gegenüber dem pfälzisch -jülichischem von dem Kur-
fürsten Clemens August von Cöln, dem Bruder Kaiser Carl VII, 1746
gegründeter bayerischer Hubertus-Orden mit der stolzen Devise: Aussi
dement, qu’auguste erlosch wieder mit dem Tode dos Stifters.
1) I>u Orii^irail auf PergaToent mit d«r Uoterscbrift des Kurfürsten Johann Wilhelm befindet
•ich mit der Bezeichnung cod. bav. 1505 in der HandKhriftensammlang der Hnf« nnd Staatsbiblio-
thek in Münclien.
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Beilagen
I.
Ordensglieder Ton 1444—1471 mit je 4 Ahnen.
Jahr
Ordaniglitdar
'
Ahnen
proben
Be-
merkung
Vater
Motter
Vaters
finiter
Mntters
Mutter
1444
fienird, Herxofr v. JOIich
jQlich
Teklenburg
Pfalz
Menrs
Stifter
+ 1474
•
Sophie, Herzogin r. dlllkh
Sachsen
Pominern
Braunschwg.
Holstein
t 1477
Lodwlff, KurfQrst voo der:
Pfals !
Pfali
S)Kinlieim
Norenberg
Leuebtenbrg.
WllhelBi, Hereog von j
8ach»ea 1
Sachsen
Braaiiichwg.
Henneberg
Pommern
Friedrich, Hertog von |
BriBnachwel^LßnebQrf; j
Braunaehwg.
Sachsen
Brandenburg
Sachsen
Jacob, Markgraf v. Badan
Baden
Oettingen
Sponheim
Mannsfeld
.Everard v. d. Mark, Graf:
von Arenberg
V. d. Mark
Nenfchatel
Arenberg
Limbnrg
Jacob, Graf von Hom und
Alteaa, Herr v. d. Weert
Hom
Montignj
Heinsberg
Quennes
Johaau, Graf v. Xaaaaa
Nasaau
Polanen
V. d Mark
Solms
Johann, Herr von Heina-
berg-I^venberg
Heinsberg
Genneppe
Randenroide
Bnt von Bern
Bmno, Herr v. ({nerflrt
Querfurt
Beiehliagen
Henneberg
Gruithuysen
Thicrj V. Mandemckeid
Manderscheid
Stein
Nievenarilt
Kodemaben
Sophie v. Palant j-
Palant
Piermont
EngelitorlT
Erenberg
>
EHaabeth v. XaMaa-Saar*'
brücken.
Naasau
Heinsberg
Lothringen
Üiest
Voye» lei Xll Chevalier« de la prcmiere creatinn.
les ilaraee soot ioubnombraires a la volonte du Chef.
1+4«
Adolf, Herzog von JOIich f
Herr von Sittard I
Jülich
Sachsen
Tecklenburg
Poatoern
Otto, Graf v. d. IJp|ic !
Lippe
Everstein
Schualenburg
Isenberg
1+5/
Margaretha, Heizogin von
Sachaen
Sachsen
Brandenburg
Pommern
Bayern
Uhh
Vincent, Graf v. Moenrs
und Saarwerden
Menrs
V. d. Mark
Saarwerden
Jülich
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194
•I AhntRproben
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Vater i
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be-
Mutters '* tnerkung
Mutter
14.W
Sihlllfy von RratideiiburK Brandenburg !
Sacbaen
Bayern j
Oesterreich ;
H.W
Marie Herzogin v. JHIich JöHch j
Brandenburg
Sachsen i
Sachsen
14C0
Heinrich, Graf r. I>«en« Limburg '
borg u. Uroock 1
' Wische
1 - 1
Broock '
Bronkhorst
I4i;i
Heinrich, Herzog v. Na»««ii N'a^aau
Herr zu Bilstein
Gitomen |
1 HandenralU j
Hom \]
•
Kverard, Graf von SaTn* ifayn
Wittgeni«lein
Arenberg
Arnsberg |
T..oon 1
i'
•
MrolaoK, Graf v. Teklen- Teklenburg
bürg
' Lieck
Hoy '
Bentheim '[
141!.!
Johann, Herr von NcMael- Nesselradt
rode zum iitein
' Orafschaff
SchoenraetU
Kschweiler i
IVllhelra von Sombroeuf,’! Sombroouf
Herr zu ßeckuin
Cbabot
Kerbten
1 Sterenadorp
■
Sebastian, Graf v, Seyii. Seyn
Herr zu Krfurt
Syrick
Solms
1 Kbeiograf
•
Mcolana« Graf v. Te<*kleii> Tecklenborg
harr
Hot '
M«-urs
^ Sachsen
-
Heinrich von (fenimen, Geminen
Herr zu Saffelenberg
Horn
1
1 Bronkhorst
Heinsberg
|i
.
Ghbert vao Grii1thiii*ien Gruythusen
' L«io
Gemmen
1 SeheUardt ^
1470
Philipp Graf von >l'aldeck Waldeck
Werthheim
Nassau
llcymenherg
■
Kngelbert von lilrgelen, Birgelen
.Mararhall v. JQlich
Kaehvreiler
Schafdris
Unckelhoven
>
'Johann von Hoenien, vU HOmen
comte «.rOud^kerk
: Birgden
Oudekerk ,
1 Kschwiler
DenI» von Raesfeldt Haesleldt
Hoemen
Steck
1 Keyt Oude- i
1 kercke '
•
llernard (Werner) von Pa* Palant
laut, Herrzn Brcilebent
KngeLtorff
Btfrgerhuaen
Binsfeld |
1
! Bertraiid v Xesnelrode zu Nea^telradt
' zu Erunstein
Landsberg
1 Grafschaff
, Schonndt |.
1
-
'Johann v. .MenMle. Herr Merode
zu Pett^nheim
Petersheiin
Wwenal
1 li
, Berges |i*> 1
•
Simon V. PlettenberK Plettenberg
Lisma^ie
- Hoirdc
V. Bobben i'
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cy denua nomioeta avec
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Le aoui'Kigntf atteate snr tnon bonneur et noble^se, qnc
lea ehcTaliers
qturtier« sont tirvz hont in vieu Höre on parchemin r^poMnt qaanJio Tay ven en maios de Monsr.
le Doyen do (.leves PalUnt coovert d«* relonrs rouf;« Serrorca d’or^s. Tennoing j’ay aigne la preeentf
et chachetc de niea armoires. Kn Natareth H de May 16.^.*).
lintkena sr. d'Anoly.
(Titel d. Mecpt. Iin Onleoa-ArcblT. L’onlre de at. Hubert, inetitoe par Oerard etc.) Folio.
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BestätiKmigH- und Slaiut«nltrirf des Sanet Hubertus-Ordens.')
de dato 22. Jannar 117G.
Wir Wilhelm vau (jotz (Juueden llzuucli zo Guylgu, zo dem Berge, Greve zo
liaeciiaberg , her zo Heinsberg doin kuiit allen luden, die diesen krieff aollcn aien oi
hoeren lesen, so als der Hochgeboren Kurst hre Gerhart Hzouch zo Guylge, zo dem
Berge seliger Gedacht uuse liese her endo Vader as der nciste recht Krro van der
Swert - Syde zu dem Hzochdom ran Gelreende GrailTschapt vau Zntpheii , deselve
landscha|iten vau unsen allerguedichsteu Hr Hren. Kriderich Komschen Keyser zo
lehn outfaugen, ende deselve landsuhapten mit keyserlickem urtbel ende recht er-
wonneu hait — da uu dau de Bdviman UUter.schapt ende Siede der vorsz. Land-
schnpt Euie zoweder vrewelnk ende ungehorsam gewest syut, ende darzo venicht
unse. allerguedichsteu Ur. des Keysers Urdele ende Senteutien ende boveu syne
keyserlike Majestaet Geboetsbriefe yu daroever gesant moitwillicb van eygencii Ver-
nemen den Edelen hru Arnold vau Egmont vor yren bru ende Hzougeu van Gelre
upgeworpen eude genoemen Daroiume sich dan eyn schwerlich kreich tu.schen den
vorsz. linsen lieven Hru ende Vader ende der vorsz. Laudschapt van Gelre erhaven
hait, !iodau der Vorstl. her Arnold mit andren Gelrischen Synen zo.stcuden mit
eyne groysson houQe in uuss. lund van Guylge gezogen ulda mercklichen Schaiden,
buide mit Koufe eude brande gedaiii hait in den Jareu unss. Hr. Dusent vier houdert
vier ende vicrtzich op des hilgen Sent Huprecht dag. Darum der vortz. unse lieve
hr. eude Vader mit syne Ritterschapt ende uutersai.sser sich io dat V'elt gestalt, den
vorsz. Geldrescheu mit syueu iutwunders bayner geuieck eude nnderongeu gezogen
ist, daroever sich eyn Stryt begeven hait, eude in densetveu stryde de Gelrescben
meer dau dry mann legeus eyuen uns. lieven hrn ende Vmlers Volck hadden, da der
alinechtigc Gott ende der bilge Marsehaick sent Huprecht dem Vorsz. nnse liven
Hn. ende Wler eude den Syueu de guaide gedain Glück eude Eventure verleit, dat
sy den stryt gewonnen, dat Veit behalden eude den Viaudeu afgewonneu baut. —
Üarom dann der Vorsz. unser lieve Hr. eude Vader zor Eren Gotz, .Marien Öyner lieven
inoider ende des hilgen Marschalks sent Hupertz Eyuen Orden in dem Halse zo
tragen ende brodersebapt auuommeu ende geordiueert hait, Welche Orden doch
bisher uae uoitturlft nyet eigeulieb bestedigt, noch coufirmeert en is, hain Wir de
Vorsz. Gnaide ange.sicu ende vcrmirckt, Ende so Wir dan gautz geneigt syn de Vorsz.
Ere ende Danckbarkeit unser lieve hr. eude Vader unsem lieven Hru Gott ende 8ent
Huprecht mit dem vorsz. Orden vorgeiiommeu hait, nyet zo vermyniiereu, dau uaer
unse macht zo vermeeren ende zo verbesseren, ende hain darom mit godem Willen
1) Oniensarchtv mit der Bezeichnung des Schriftst&ckcs ; Set. Hob. Ord. iim 6. Acta die Er-
neaernng der Statuten Set Hnberti-Ordens ITiiO.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wus. XV. Bd. II. Abtb.
L'ß
l!)fi
emlc vorbpiliigtem Haide des Vorn!, uns lieveii !irn ende Vaders Orden ende broder-
schapt annomen fortan zo volforen heatedigl ende confirmeert , ende overniiU diesen
brief Ijestedigen ende confirmeeren zo den Ewigen daigen in anser Collegiatcnkirken
zo i^ent Johiinn ETungelisten zo Nydecken gehenden et begangen zo worirden in
d'Eere Gots, Marien syne lieve Mneder.s ende des liilgen .Marachalks Sent Hoprecht
mit allen pnnten ende .\rticulen , als heriiaer geachreven volgt.
Zorn Irsteii aal der Orden, den wir ende nnse Hitterscbapt draegen van Goulde
of Sylver syn, wie igligen dat naer syne staet ende gebürt, ende van der formen
ns nnse lieve hr. ende Vader den vorgenoiumen ende geordineert halt, ende wir hain
geschlossen ende verdrnegen , da.s nyet dan seestig manapersonen in desem iinsen
Orden ende brneder.-chapt syn eil süIIen , ende wer darzo gelaisaen ende ontfaiigeii
sal woorden, in maissen dat hernaer kinirlich bescbreven staet, der sal syn ein
froeme lieve niaun, der nyet weeder Ere gedain hait emle sal syn van syne vier
Annhern van goeiler schillkindiger Kitterschapt ende wer zo desem ordeii ende broe-
derschapt ontfangen wirt, der aal naer der ontfankniase allweege Sent Hupcrtzdaeg
vyren ende syneii avent vasten, of darvBr geveii eynen alden Ghorius of diy wisse
peiming collsch. in dese hroederscliaept, of armen Inden, wie eine dat beleeft; Vort
sal der spreckeii alle daege vüiif l’ater noster ende Moviel ave Marien in Ecre Gota
ende der liyligen viinf VVonden as de tuschen den Hirtzliorne .sent Hupert op hylgcn
Vriedag erschynen. Vort sal der ende alle de ghiene in desen Orden ontfangen
worden in de haunden Eyns van den vier Broeder- ende OrJeiisnieester , as men
hernaer hoeren wirt zo den Hilligeii sehwoeren, legens ende weeder uns nyet zodoen
mit raede noch Saede ; Vort broederliche truwe ende frundschaept under hiiu zo
haldeu, ende alle punten ende hibiilt des Ordens ende Broederschaept te houden
ende naer syne macht zo volforen. Ende hoirt Eynicher op des andren Eer spreeckeii
of straiffeii, sal der ghyne dat gehoirte verautwoorden bis aen den anderen, den dat
aentrifft, ende hiiin ock dat kunt doen.
Ende waere Saacke, dat yit cynichem broeder so gelegen woerde, dat hy syns
Eydts of ander beweiitnysse halvcr weeder endo tegens uns doen moist, dat sal hy
uns sees weeckeii lanek zovor ens verkündigen, ende .synen Eydt in deese Broeder-
schaept uitschriven mit synen offenen versiegelten brieven ende damit synen lials-
baud ende orden in dat vorsz. Gotscliuys zo Nydecken over.senden. Vort«. hain wir
nu vur dat yrste ende anfanck geordineert ende darzo ge.sat uit unser Kitterschapt
vier Ordens- ende Broedermeesters , as zweene mit iin.se Lande van Gnylge, ende
zweeue uit nnse Lande van dem Berge , die vier sullen desen iinsen Orden, ende wat
darimien zo doin ist, hanthaven ende regiren, ende de sullen op sent Ilnperts avent
neyst ikommt zo Nydeggen syn, alda bestellen in nnse Collegiaterkirckeii vorsz dat
alle broeders de in dese broeiier.schaept syn, begangen worden, sy syn doet off levendig
mit missen, vigilien ende commendatien, ende op sent Hiiprecht dag eyue äielemisse
doin singen ende daruaer eyne syngeiid hoemisse van iieiit hupert , ende op den
selvcn daeg den Orden verlien, as de missen uyt sint, alle den gbynen, de darzo
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bei|aem synt, as das hernaer gakleert ata«t, ende deuseWen dan vnrlesen alle articnl
ende punteii di.s briefs, ende zo den billigen doin swaeren , de zo houden ende vol-
foren uaer yre macht, ende den.-ielven dan unse zeicken, dat wir darzo hain gesät
ende geordineert, overgevcn, Kude op denselven daeg aollen de vorsz. vier Ordens
ende liroeilermeesters onder sich vier anden, as uit igleichen uusen vorsti. Landen
zweene nyt den broedereu dainueu synde, de sy darzo nütze ende bequeme bednncken,
keeseu, ende deselre aullen sy uns van dannen scbriptlich ocversenden , ende daby
eyncn nemlicken daeg beteickeueu. — Süllen wir ns den den vieren, de also darzo
gekoereu woorden, doin schriven vor uns of unser volmachtigen roilen zo erschynen,
dar de vier, de dit neyst vergangen jair broderineesters geweest syn, oock körnen y
beure Heckenschaept so duiu vau alleu Saukeu, nitgeven ende inneuien vur nns of
unseu Ucdcn, ende den andren vieren, de darzo gekoereu synt ende alle geieeg
davan den oevergeven, de ooch dainne gehoirsani ende willich syn sollen, ende vortan
dat ueyst jaer regireu ende doin, wut darzo gebürt, as rorschreveu staet, ende op
seut lluprechts avent ueyst daruaer volgeude zo Nydecken konien , de kuyr de veir
andren doin, endo sovorfan hauthaven ende regircn, alle Jairs veir andre ze setzen, ende
all dat zo dein in maissen dat vur ende uaer in deseu brieve geschreeveu staet, Ende
de veir gekorene brodenueesters eu sutlen in gheinerley wyse nyct laisseu nock om
gheyne sacken wille uytblyveu, syeu sullen op sent Huprecht avent zo Nydecken
koroeu in vorsz. maissen, dan were ydt eynigen vau Uuuliefsnode of Kraingden
halven so gelegen, dat liy o|) de vorsz. zyt nyet zo Nydeckeu gesyn en konte, dat
sal hy mit synen oopenen besigelten brieve by synem Eyde de andren zo Nydecken
vorkondigen ende beweeren, so sollen de andren, de da waasen alle Saicken vort
wyssen, ende de Kner der veir andren doin, gcleick of sy alle veir da waasen. Des-
gleichen of der veir broedermeesters bynnen Jaers eyniger of mer toids halver af-
giengen sullen de andre, so noock im leven blieven, fortan alle Saicken nyt richten,
ende doin geleick of sy noock alle im leven waassen.
Vort as eynig manu van Ititterscbaept begerden bsette, in desen
nnsen Orden ende broedersebaept zo syn, der sal des aeu nns personlyk gesynnen,
of overmits syne besiegelte Schrifft laissen gesynnen. Sullen wir deme dan, so vern
uns geliefde den daiu zo uemen, eyneu brieve doin.geven uen de vair, de dat Jaor
broedermeesters synt dat sy den ontfaugeu, fp vern hy darzo bequem was. Den
brieve sal der ghyne des Ordens ende broedersebaept gesynnens op sent Hnpreebts
daeg zo Nydeckeu den veir gekoereu Broedermeesters vurbrengen , ende daby eynen
besigelten Schyu met aubaugenden Sigellen van zweeu Erbareu uubesprokenen
ßittermanueo, de dat by yren Eydeu darinnen beweeren, ende behalden, dat deselve
van synen veir Annhern van goeder Ritterschaept sy, ende daby syne Waapens ende
Schildens van syne veir .Annhern gemaclt oevergeven un.sem beralde: as dat so ge-
schiet iä, ende derselve eyn vrome mann is, der nyet weeder Eere gedain hait, sullen
deselve broedermeester.s eme nnsen Orden overmits synen Eydt, as vorsz. staet, ver-
lien ende darin ontfaugeu, ende derselve, der also darin genomeu ende outlangen
20*
«
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198
Word, is der eyn Fürst. sbI hy in de broederscimept geven zwelf overleiidsche Gulden
of veir Mark Colsch. vur iglieken gülden, endo unsem heralde veir, eyn Grcre of
vry-Kdelmann sess Gnlden, ende nnsem heralde zwcen gülden, ende eyu llittermami
dry Guldens, ende unseiu heralde eynen , op dat der de Waappens van igliekem
iusete ende Hebalde, ende man sal igleicks broeder» namen in eyn Boyck iusohriven. —
Vort were sacke, dat eynicher van den broeders begerde, dat ayne elige hnysvrowe
desen unsen Orden traege ende in ile broederschaept were, sal hy dat r.o Nydecken
aen de veir broedermeestera verkondigen, ende de beweeronge doin , dat sy von goeder
Ritterschaept sy, ende heure veir Annhern Schilde ende dat Gelt mitschicken in aller
maissen , as vorschreven ataet op de broeders. So aullen dan de broederineesters
derselven den Orden verlien ende sy mel in dat Boyck der broederschaept teyknen,
ende der inet beleykent senden, wie sy sitdi homlen anlle met henre Geliett, ende
anders naer uytwysougen dis uussera ordens. anders en sollen ghyne vrowen personen
desen unsen orden drugen. — Vort were sacke, dat lOynig Fürst, Greve, of Vryedelinau
dys nna. orden Broederschaept an uns gcsonne, sollen wir den oft niis geüeft den
maicht hain, den orden un verlien buyten die Broedermecsfers, ende anders uemanden
ende aullen oock van den yren Kydt ende dat Gelt in de Brocdershaept, wie vorsz. nicht
ontfangeii, of laiasen ontfangen. Vort mögen wir nnsern Hofjunfeieu, de van Ritter-
schaept waasen, verlien ende erlenen nnaen orden zo draegen , dewyle sy in miaeii
hoeve by unser Eliger hnys vronwen ende unser Gemahelde synt, ende solang ay den
draegen, sollen sy schuldig syu dat gebett zo doin. ende zo va.sten, as vurgecleert
staet, ende a.s hy unser hoevejnngfcrcn nyet langer eii weesen , aullen ay dan den
Orden nederlegen ende nyet langer in gheyne wyse draegen, het sy dan sacke, dat der
hun verlien woonlen overinits de Broedermeeater.«, as sich dat gebürt in vorsz.
massen. — Vort aullen de veir broedermeestera bestellen mit den Erbaren unsen lieven
andeechtigen Dechen ende Capittel der vorat. un.ser Kirken zo Nydecken, dat deea«'
broederschaept begangen sal woorden alwege zon eweigeii daegen vier worlf de*
Jairs mit uaenien op iglicken vrydaeg in deu quatertempen mit vigilien , missen
ende commendaerieu, da man bidden sal vor alle levendigen ende toiden broeders,
ende sal eyn iglicke broeder op de daege sprechen, wa hy sy, vunfzien I’ater noster
ende soviel ave marieu. Ende .of de veir broedermeestera op de vorst. veir daege
zo Nydecken geayii können of willen, sullen sy dat doin, ende de begengknisae
bestellen met geluydt* ende andren noittdurffligeu sacken, ende of sy nyet da gesyn
konden, sullen sy dan dat bestellen aen den Dechen ende Capittel vorst. dat snlchs
also geschee ende gefaoiiden woorde. Vort sullen de veir broedermeestera eyn be-
schloss in de vorstz. unae kircke doin maickeu, du egleyehen van hun eynen Schlüssel
van haven sal, da sy der broederschaept gelt, kleinoid ende anders inne bewahren.
Vort sullen de veir broederroeesters den Dechen ende zweeu van den elsdeu of er-
bersten Canouichen der vorstz. nnser Kircken, de sy berjueme bedunckeu, dar/.o ueinen
ende kesen, yn dee.«er broederschoepts «aickeu helfien te bestellen ende bewahren, ende
des sullen deselve doppel prae.sentie hoven , a.s de begengkuiase in nmissen vorstz.
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19f>
geschien. Knde waire J'ack«', (lat eynicher rau den broedern of suj^teren binnen dem
.laire toidth halver afgingen, «il der ander stiih lej»ter bestellen, dat syn ordeu zo
Nydeggen den vor^t. Dechent ende zweeii Canonichen oversant worde, ende syn
toidt inede Terkundigt. so sollen de Dechent ende zween Cauonicbeu den orden ont-
faugen ende bewahren, bis an de zokomint« der vair broederineesters hun den dan
zo orergeven, ende sollen vau stand den broeder of snster, der gestorveu was, mit
missen ende vigillien eerleich begaen. as sich dat gi'beurt. — Vort sullen de broeder-
Tnec‘fiterR alle Kienode ende gelt, dat sy ontfiingen keereu ende legen aen ertiige
Renten, de den priestorn ende personen des Capittels vorst. dienen sal, de deese be*
gengkniasf* doin, wie de broedermeesler» dat in dem besten ordineeren ende bestellen
worden, ende oock mysiiboyker, gcyer, kelck, geluydts ende anders, as des noit-
turfflick is, damit geldeti. Knde waire saicke, dat yt gutt ra^de dut de Kenten sich
verbesseren ende vermeihren worden, meer dar men behonftde zo den vorst. begengk*
nissen, sullen de veir broedermeestera bestellen dat durnaer de misMJU ooek gegroist
ende vermeirt worden, of andre inisseu , het sy de gelieks of zerdeelder damit l)e-
steedigen in deselve Kircke in Eere unser lieveu Frouweu ende anders zo derselven
Kircken bowe mitdeilen, wie sy dal all naer geleege der Renten of gelt«, dat sy
haedden, beqnemlick sal duncken. Vort sullen de broeders ende snsters, de in doesen
orden ende broedcrschaept synt , sich erberlieck halten ende lievon , ende besonder
in gheyne offenbaere oeverspyll nyet sitzen. Vort sullen alle broeder ende snsters
den ordeu zum mynsten alle hilge daege draegeii , ende of liun doch also gelegen
waas, dut sy den uyet otfenlyck alle hilgc daege of audre daege draegeu wetiddeu,
sndden sy dan sulche sout Ruprechts Zeichen, damit sy desen orden jrst ontfangen
hedden, by sich hoven ende dmegen bovcn of under den kledeeren , sonder under-
laeas, ende wer befunden were, der sulchs nyet en dreege, der sal eynen alden
Ghorius verbnieht hain of dry wissen j>ennynck colsch. darvur, den unser heralde
of dem ghynen der dat befonde, zo geveu, der dat vorts op sent Hnprechts daeg
zo Nydecken in de Broederschaept oererleevereii sal. Vort were saicke , dat ymant
so vermessen was, ende den orden droege zovoir ende ee hy den ontfangen hedde,
ende in de Bro«»derschaept genomen was, as vorstaet, bet sy mann of vrouwe sal
unse Herald den darin spreecken, ende van nnsen wegen gebieden den orden neder
zo legen ende nyet mer zo draegen, ende of der daereuboven den ordeu droege, so
sal der orden daii unser broederschaept verfallen syu, ende «al unser herald uns
dat vorts verkouden, dan sullen wir bÄtetten , dat der orden dem ghynen von dem
halse genommen werd ende vort.*« naer Nydeggeu geschickt zo gebruchonge unser
broedersclmept gleycks ander yre gelt en<le kleinodie.
Were ock saicke dat eynicher vau den broederen sich nyet en hidit, as de
punteii ende articulen in diesem brieve uitwysen, of dat hy weder Kere gedaiii
hedde of dede, »nllen de veir broedermeesters of iiuse Herald sameiiHyck off yre
iglyck eyn b««onder ons dat b>’ yren Kyden vrrkondigen ; so bald sy dat veraeromen,
snllen wir den dau vur de veir broedermeesters ende andre broeders, sovile es una
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200
geliefde darby zo haveii, beschedpn ende kan der sich nyct verantwortheu, as unj
ende de veir broedemieesters ende andre broeders darby bescbeden wesend bedacht
syne Kere ende deesem orden geuoch were, sal der dan des ordena ende broeder-
echaept entwyseht syn, ende ayneii orden snllen wir yn alsdan doin afleygen ende
vorstz zo Nydeggen schicken, gelycks as of hy gestorven were.
Vort snllen de veir broedermeeatera , as ay zo Nydecken kommen op sent
Huprechts avent ende daeg vre kost ende zerongen , de ay oin der broederachaept
ende den ordena willen verdoin moisten of worden , klairlyck berechnen ende nyt
der broerlerschaepts Rente of gelde nemen.
Ind want wir Wilhelm Herzouch voi-atz. deaen orden ende broederachaept .soat
Turgeuominen ende ingesat hain van nn fortan erflyck vur uns, unse erven ende
Nakouimlinge vcatlich ende stattlich zo haldeu, hain wir daromb deeseu brieve in
de vorat. unse kircke doin oever geven, ende unae Sigitl heran met nuse wist ende
goeden wille doin hangen. Der gegeven ia zo Blunckeuberg in den .Taere unser
Hru. Duaent vier houdert sees und aevenzig op den Montag naer St. Agueten daeg.
De Mnndnto D"' Duois ns*'‘ per vic. Czl.
Kx vero ejus et in Archiv io venerabilia Capituli eccleaiae
Collegiatae B. M. V. hin Juliaei asaetranter detento originali co-
piam haue deaumptara non modo olim per Notarium legalem et jnria
licentiatum Joan. , Betrnm Steprath aed et nnnc per me infra acriptam
uc collationatam adeoque dicto ejus original! verboteuua couaonam teator.
Joh. Wilhelm Lentmann,
Notariaa Apostolicua-CacBSreua legalia bic Jatiaei
resideaa, manu signetoque propriis.
III.
Wir W’ilhelm von Gottes Gnaden Hertaog zn Gulich und Berg, Graf zu Ra-
vensperg Herr zu Heinsberg etc.
Thuen kuudt allen Leuthen , die diesen Brief sollen sehen oder hören leasen,
wie dass der hochgeborne Fürst Herr Gerhard, Hertzog zu Gulich und Berg, .aee-
ligen GcdächtnOss, unser liebe Herr und Vater, als der nächste Erbe von der Schwerdt-
seithe zu dem Herzogthums Geldern nud der Grafschafft Zütpheu dieselben Land-
schaften von unserem allgnädigsteni Herrn Herrn Friderieh Römischen Katser zn
I.a-hn empfangen und dieselbe Laudaclmften mit kaiserlichem Urtheil und Hecht er-
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Wonnen hat. Da nun dann die edele Ritterschaft nnd Städte der vorftemelten Land-
schaft so widerwillig nnd ungehorsam gewesen .sind , und dar/.u verachtet nnsers
Allergnädigsten Herrn des Kaisers Urtheile und Sentenzen nnd gegen Seiner kaiser-
lichen Majestät Gebothsbriefe muthwillig anss aigeneni Trieb den Edelen Herrn -Ar-
nold von Egniont für ihren Herrn crkänt und als Hertzogen von Geldern aufge-
worfen und genommen, darum sich dan ein beschwerlich Krieg zwischen den ge-
melten nnssereii lieben Herrn Vatter und der vorgeinelten I.andschafft von Geldern
erhoben hat und der gcmelter Herr Arnold mit seinen andren Oeldriscben Zuständen
mit einem grossen Hanffen in nnserm Landt von Gniich gezogen , alda merklichen
Schaden mit Hauben und Brennen gethan hat, Im Jahr nn.sseres Herrn Tansendt
Vierhundert vier und vierzig anf den heiligen Elnbertnstag. Worumb unsser vor-
gemeller lieber Herr und Vater mit seiner Hitterschafft nnd Unterthanen sich in
das Feldt gestellet, gegen gcmelte Goldrische mit den ^einigen in Ordnung und
Glieder angezogen , woräber sich ein Sireith begeben hat , nnd in welchem Streith
die Geldrisehen mehr denn drey Mann g^en Einen des Volkes nnsseres lieben Herrn
nnd Vatters hatten , da der Allmächtige Gott und der heilige Marechal Hubertus
dem Vorgcnielten unsserm lieben Herrn und Vatter und den seiuigeu die Gnade ge-
thau und das GlUck verliehen, dass sie den Streith gewonnen, da.s Kehlt behalten
und den Feinden abgenohmen haben; darum dan der Vorgemclte unsser liebe Herr
und Vatter zur Ehre Gottes, Marien seiner lieben Mutter und des heiligen Marechal
Hubertus einen Orden an dom Halse zu tragen nnd eine Bruderschafft gestiftet hat,
welcher Orden doch bisher nach Nothdurft nicht aigeutlich bestätigt ist. So haben
Wir die vorgemclte Gnade angesehen nnd vermerckt, wie wir dan ganz geneigt
sind, die vorgemelte Ehre und Dankbarkeit nnsseres lieben Herrn und Vatters,
welche er nässerem lieben Herrn Gott nnd dem heiligen Hubert mit dem gemelten
Orden vorgenohmen hat, nicht zu vermindern , sondern nach unsserer Macht zu ver-
mehren und zu verbesseren, und haben darum mit gutem Willen uud vorberlachtem
Kath den Orden uud die Bruderschafft des vorgemelteu unseres lieben Herrn und
Vatters, forthin zu vollfdhrcn auf uns geiiohmen, ihn bestättigt und coutirmirt, und
vermöge dieses Briefes bestättigen und confirmireu zu ewigen Tagen, in unserer Col-
legint-Kirchen zu Set. Johann Evangelisten zu Nydeggeu gehalten und )>egaugen zu
werden, zur Ehre Gottes, Marien seiner lieben Mutter, und des heiligen Marechals
Hubert mit allen puncten und Articnlen, wie hiernach beschrieben folgt.
Zum Ersten soll der Orden, den wir und unsere Uitterschaft tragen, von Goldt
oder Silber seyu , nach eines Jeglichen Staudt nnd Geburih und in der Form, wie
ihn unser liebe Herr and A'' alter sich vorgenohmen und verordnet hat, und wir
haben beschlossen und uns vereiubahret , da.ss nicht mehr dun Sechszig Maniisper-
sohucii in diesem uusgeren Orden und Bruderschafft seyn sollen, uud wer darzn ge-
lassen und aufgenohiuen werden .soll, wie solches hernach klärlich beschrieben stehet,
der soll ein frommer lieber Mann, der nichts wider die Ehre gethan hat, nnd soll
seyn von seinen Vier Ahnen von guter schilderkündiger Ritterschaft, uud wer in
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202
di^m Ordeu niul Brudprachatft auf);enafamen wird , der soll nach der Aufnahin all-
zeit Sanol Hubertus Tag feyeru und den Tag vorher fiusteu, oder dafür geben eiuen
alten Gorgius oder drey weisspfenning Cölliiiscli in diese Hriidcrachalft , oder denen
armen la-mthen, wie ihm solches beliebt Forth soll er betten alle 'lag fiinlF Pater
Noster und soviel Ave Maria znr Khre Gottes und der Heiligen füuff Wunden.
Weither soll der und alle diejenige, die in diesen Orden aufgenohmen werden,
in die Handt eines der Vier Bruder- oder Ordeusnieister , wie man hernach hören
wird, zu den Heiligen schwöhren, wider Uns nichts zu thuen mit Kath noch Thal,
forth brüderliche Treue und Freundschufft unter einander zn halten, und alle puncten
nnd Inhalt des Ordens und der Brnderschadt zu halten, und nach seiner Macht zu
vollfSbreu, und falss einer hörte auf des anderen Ehre sprechen, uud sie schuiäbleren
so soll derjenige, der dieses höret, es verantworten für den anderen, dem solches
angehet, und ihm auch solches kundt thneu; nnd falss ein Bruder seines Aydts
oder anderer Bewandtnissen halber gegen Uns verfahren müsse, dieses soll er uns
sechs Wochen zuvor verkündigen uud seinen Aydt in diese Bruderschafft aufsagen,
durch seinen offenen versiegelten Brief, und damit seinen Halsbaudt und Orden in
das vorgemelte Gotteshauss zu Nydeggen nhersenden.
Ferner baljen Wir nun für das erste und zum Anfang verordtnet, und auss
Unserer Ritterschaft Vier Ordens- uud Brudermeistern darzu gesetzt , uemblich zwey
aus.s unsserem Gülischen und zwey aus uusserem Bergischen Lunde. Diese Vier
sollen diesen nnsseren Orden nnd was darinnen zu thueu ist, handthaben und re-
gieren, nnd diese sollen auf nächsten SanctjHubertustag Abends zuvor zu Nydeggen
seyn, alda in unsserer vorgemelten Collegialkircben bestellen, dass für alle Brüder
dieser Brnderschafft , sie seyn todt oder leliendig Messen, Vigilien nnd Gedächtnissen
gehalten werden, und auf Sanct Hubertstag eine ::ieelenmesae singen lassen, und
hernach eine feyerliche Sangmesse zn Ehren des heiligen Hubert, uud auf denselben
Tag .sollen sie , wann die Messen ans sind , den Orden verleyhen allen denen , die
darzu bequäm sind, wie solches hernach erklährt stehet, und ihnen dann vorlesen
alle Articül uud pnncten dieses Briefs, und sie zu den Heiligen schwöhren lassen,
selbige zu halten und nach ihrer Macht zu vollfUhreu, nnd denselben sodann uusser
Zeichen, so wir darzu gesetzt, und verordet haben, üljergeben.
Demnechst sollen au demselben Tug die vorgemelte Ordens- nnd Brndermeister
unter sieh Vier andere, aus.s Jedem nemblich unsserer vorgemelten Landen Zweeu
auss den Brüderen, welche darin sind, so ihnen darzu nützlich uud bequäm scheiueu,
erwählen und dieselbe sollen sie Uns von dannen schriftlich übersenden , und den
Tag, wann che es geschehen, dabey setzen ; sollen wir alsdann den Vieren , die also
darzu erwählt werden , schreiben lassen, dass sie vor Uns und den Ivevollmächtigten
Rüthen erscheinen sollen, wohin die Vier, welche das vergangene Jahr Brudermeister
gewesen sind, auch kommen, ihre liechenschafft zu thueu von allen Sachen der Aus-
guh nnd Eiiinahm vor Uns oder nnsseren Rätheu und den anderen Vieren, die
darzu erwählt sind, und allen Unterricht davon diesen übergeben, welche auch
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'larin gehorsam und willig aevu sollen, und fortlian das nächste Jahr ri'giereu und
tbnen, was sich gebühret, wie vorgeschrieben stehet, und nechst darnach folgenden
Sauet Ilubertsubendt nach Nideggen kommen, die Wahl der Vier anderen r.ii halten,
und so forthau zu handhaben und zu regieren, alle Jahr vier ciulere zu setzen, und
alles das zu ihnen, wie dieses vor und nach in diesem Brief geschrieben stehet,
uud die vier erwählte ßru.lermeister sollen auf keinerlei VV'eiso etwas unterlassen,
noch aus einigerley Ursache nusblciben, sie sollen auf Snnct Hnljerts-.\bendt nach
Nideggen kommen auf vorgcschriebeno Art.
Wäre es aljer mit einen von ihnen wegen Lcibsnolh oder Krankheit so be-
schatten, dass er nin die vorgeschriebeue Zeith nicht zn Nideggen sein könnte, dieses
soll er durch ciuen offenen versiegelten Brief bei seinem Ayde den anderen zu Ni-
deggeii anzeigen und bewei-vseu, also sollen die andern, die da seyn werden, alle
andere Hachen wissen, und die Wahl der vier andern vornehmen, als wenn sie alle
Viere da wären , desgleichen wenn in einem Jahre einer oder mehrere dieser vier
Brndermeisteren mit Todt abgiengc, so sollen die Andere, die noch im Leben
bleiben, ferner alle Hachen verrichten nnd tliueu , gleich als wenn sie noch alle im
Leben wären.
Hernsch wenn einer auas der Ritter.seliaft verlangte in diesen un.ssereii Orden
und Brnderschattt zu seyn, der soll dieses persöhnlich von Uns begehren, oder vermag
einer von ilinie versiegelten Hchrift begehren lassen, alsdann wollen wir, so fern
es uns belieben wird, ihn darin autiiehnien, ein Schreilten an die Vier, welche in
demselben Jahre Brudermeistern sind, ausfertigeu lassen, ihn anlzuuehnien, sofern
er darzn fähig ist. Dieses Ansebreiben soll derjenige, der willens ist, in den Orden
und die Brnderschafft anfgenohmen zu werden, anf. Hauet Hubertiistag zu Nideggen denen
Vier erwählten Brudermeisteren vorzeigen, nud dabei einen versiegelten Schein, mit
anbangenden Hiegilleii zwoer Ehrbarer und nicht tadelhafter Uittereu, welche in dem-
selben bey ihren Aydeu betheureu nnd bekräftigen, dass er seine Vier Ahnen habe
und von guter llitterscbaft seye, Er soll dabey seine Wappen und Hchilder der Vier
Ahnen gemahlt unsserem Herolde übergeben.
Wenn dieses also geschehen und derselb ein frommer Mann ist, der nichts
wider die Ehre gethau hat, so sollen diese Brnderinei.steru ihm nn.sseren Orden, ge-
mäss seinem Aydt, wie rorgeschriebea stehet, verleihen, und ihn in densellzen a\if-
nebmen, nnd wenn also derjenige, so in denselben an und anfgenohmen wird, Ein
Fürst ist, so soll er, der Bruderschnllt zwölf Oberläudische Gulden, oder für jeden
Gulden Vier Mark Cüllniscb, nud unsserem Herolde Vier bezahlen; Ein Graf oder
Freyherr scchss Gulden und unsserem Herolde zween; Ein Ritter aber drey Gnlden
und unsserem Heroldt einen, auf dass dieser die Wappen eines Jeden einsetze, nud
beybehalte. Man soll auch eines Jeden Bruders Nähme in ein Buch cinschreihen.
Wäre es auch Hache, da.s.s einer von den Brüderen begehrte, daas seine Eheliche
Haussfrau diesen unssereu Orden tragen , und in die Bruderschafft aufgenobnien
werden möchte, so soll er diese.s zu Niedeggeii den Vier Brudermeisleren auzeigen
Abh. d. 111. CI. d k. Ak. d. Wiss. XV. bd. II. Abth. •>?
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uml l>eweisseu, dass sie Ritterbilrtig sern, und die Schildter ihrer Vier Ahnen mit
dem (jeldt, wie von den Hrüderen vorgeschrieben stehet, auf jeden Fall einsehicken,
alsdeiin sollen die Bruilermeisteru derselben den Orden Terleyheu, und sie in das
Brnderschafftsbuch einschreibcn. und den einneschriel>enen zustellen, wie sie sich in
ihrem Oebett und anderwärts nach Ausweissung dieses unsseres Ordens verhalten
solle, sonst sollen keine andere Frawenzimmer diesen unsseren Orden tragen.
Wenn auch ein Fürst, Graf oder Freiherr diesen unsseren Orden nnd Brnder-
schatll von uns begehrte, so sollen Wir die Macht haben, wenn es uns beliebt,
ihnen den Orden ohne Vorwissen der Brudermeister zu verleyheu und anders Nie-
mandt. Wir können auch von denselben ihren Aydt uml das Bruderschafftsgeldt,
wie vorgeschriebeu stehet, empfangen oder empfangen lassen.
Ferner stehet es uns frey un.ssereii Hof-l)aiues, wenn sie Kitterbilrtig sind,
unsseren Orden zn verleyhen, und ihnen die Krlaubnis denselben zu tragen zu ge-
statten, alss lang sie au unsserem Hof bei uusserer Khelichen Haussfraw und Gemahl-
innen sind, und so lang sie diesen tragen, sollen sie schuldig seyn , das Gebethe zn
verrichten, nnd zn fasten, wie vorgeschriebeu stehet und wenn sie unssere Hof-
Damos nicht mehr sind, sollen sie den Orden iiiederlegen, und auf keine Weiss
mehr tragen, es seye dann .Sach, dass er ihnen verliehen werde durch die Bruder-
meistern, wie sich dieses vorgeschriebener Maasen gebühret.
Weither sollen die Vier Brudermeistere mit den Ehrbaren unsseren lieben an-
dächtigen Dechandt und Capitularen nnsserer vorgeschriebenen Kirche zu Nideggen
anordtnen, dass diese Bruderschafft zn ewigen Tagen alle .Jahre vierraahl , nemblich
an jeden Freytag in den tjustertemperen mit Vigilien, Meessen und (iedächtnOssen,
worinnen man bitten soll für alle lebendige und verstorbene Brüder, solle gehalten
werden, und soll ein jeder Bruder an diesen Tagen, wo er immer seye, sprechen
fönffzehn Pater Nester und so viel Ave Maria, und wann die Vier Brudermeistere
an den vorge.schriebeuen vier Tagen zu Nideggen seyn können oder wollen, so sollen
sie es thueu, und diese Begänguiss mit Gelünthe und anderen iiothwendigen Sachen
anordtnen , und wau sie nicht da seyn könten , so sollen sie dieses an den vorge-
schriebenen Dechant und Capitularen bestellen, damit solches also geschehe und ge-
halten werde; nnd sollen die Vier Brndermcistero in nnsserer vorgeschriebenen
Kirche einen verschlossenen Kasten machen lassen, wovon ein .Jeder aiiss ihnen einen
Schlüssel haben soll, worin sie das Qcidt, die Kleinodien nnd andere Sachen der
Brndersehafft verwahren.
Es sollen auch die Vier Brudermeistere den Dechandt und zwey von den ältesten,
oder Ehrbar.sten Canonichen nnsserer vorgeschriehenen Kirche, welche sie für bequäm
darzu halten , zu Gehülfen dieser Bruderschnffts-Sachen anzuordlnen nnd zn bewahren
nehmen, und erwählen, nnd dafür sollen dieselbe doppelte Praesentz-Jura habenr
wann die Begängnisse vorgeschriebener niasseu gehalten werden ; nnd solte einer
von den Brüderen oder Schwesteren in dem .Jahr mit Todt abgehen , so soll de
andere ihn überlebende besorgen, dass sein Orden nach Nideggen dem vorgeschrie-
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benpn Uechant nnd zween Canonicheu übersendet, und »ein Al)9terben zugleich ver-
Itündiget werde. AI.sdann »ollen die Decbnnt und Canonichen den Orden empfangen
nnd bewahren bis zur Ankmift der Vier Brudermeiateren, um ihu denenscibcn aladan
zu übergeben, und sie sollen ulnbaldt dem verstorbenen Bruder oder Schwester zum
Trost mit Messen und Vigilien Begängnis» ehrlich halten , wie e« »ich geziemet.
Forth sollen die Brndermeistere alle Kleinodien und Oeldt. so sie empfangen
anf erbliche Khenten verwenden und aasthnen, welche den Priesteren nnd Persobnen
des vorgemeltcn Capitols angedeyhen sollen, so diese Begängnüsscn halten, wie
cs die Brudermeistere bestens einrichten nnd anordtnen werden. Es sollen such
Messbücher , Stollen, Kelch, Olocken und andere Sachen . was nothwendig ist, davon
angcscbalH werden, und solle Gott es fügen, da.»,» diese Rhenten sich verbesseren
und vermehren würden, mehr, als man brauchte zu den vorgeschriebenen Begäng-
nns-seu, so sollen die Vier Brudermeistere e» eiurichten, dass die Messen auch diesem
nach verdoppelt und vermehret werden, oder andere Messen, es .seye znsammen,
oder jede besonders in derselben Kirche zur Ehre uusserer lieben Frawen damit be-
stiften, und das andere hinführo zu derselben Kirchen -Bau hergeben, wie ihnen
dieses alles nach BeschalTenheit der Khendten oder Gelder , so sie hätten , thunlich
scheinen wird.
Hodann sollen die Brüder und Schwestere, welche in diesem Orden und Bruder-
schalft sind, sich ehrbar halten und leben, und besonders in keine otTeubahr ver-
dächtige Häusscr sich aufhalten; auch sollen alle Brüder und Schwestere den Orden
wenigstens an allen heiligen Tagen tragen , nnd wann es ihnen nicht belieben würde,
denselben an allen heiligen und anderen Tagen ölTeutlich zu tragen, so sollen sie
diejenige Band Hubert! Zeichen , womit sie diesen Orden dereinst empfangen haben,
immer liey sich haben und tragen über oder unter den Kleydern, und wenn einer
gefunden würde, der solches nicht trüge, der »oll dalür in einen alten Uhorius oder
drey Iteicb.spfcnnig Cöllniscb verbrücht haben, und solche nnsserein Heroldt oder
demjenigen, der es bcmercket bat, geben, der es weither auf St. Hulrerti Tag zu
Nideggen an die Bruderschafft überliefern »oll.
Wenn ferner einer so vermessen seyn würde, dass er diesen Orden trüge zuvor
nnd eher, als» er denselben empfangen hätte , nnd in die Brnderschaöt wie vorge-
schriebeu stehet, anfgenohmen wäre, es seye Mann oder Fraw, so soll nasser Heroldt
ihu darum besprecheu, und von unssertwegeu ihm befehlen, den Orden abzulegen
und nicht mchi zu tragen, und wenn derselbe diesem ungeachtet den Orden trüge,
alsdann soll der Orden unserer Bruderschatft verfallen seyn, und soll unsser Heroldt
uns dieses alsbald verkündigen, alsdann werden wir verordtnen, dass der Orden
demjenigen vom Halse genohiucn, nnd weither nach Niedeggeu geschickt werde zum
Gebrauch uusserer Brndersebafft gleich ihrem anderen Geldt und Kleinodien.
Solle auch einer von den Brüderen sich nicht betragen , wie die puncten und
Articulen dieses Briefs es ausweiasen , oder solle er wider die Ehre gethaii haben,
oder tbuen, so sollen die Vier Brudermeistere oder unsser Heroldt zu sainmeu oder
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ein Jeder inslwgondere uns 1>0T ihren Ayden daroii Ekrieht erstatten, snhaldt sie es
vernehmen , alsdann wollen Wir diesen vor die Vier Brndermeistere und soviel an-
dere Brüder alss cs uns gefallen würde, deren dabei zu haben, abladen, mid kann
er sich alsdann nicht veranthworthen , wie es uns, Jeu Vier Hrndernieiateren nnd den
anderen Brtlderen, so darr.n abKeladen waren, seiner Ehre und dem Orden gemäss
hinlänglich zu seyn düncken würde, alsdann soll dieser anss dem Orden mid der
Bruderschaft verwiesen seyn, und wir wollen ihm alsdann Ijefehlen, seinen Orden
abzulcgcn und sogleich nach Nicdeggen zu schicken, ebenso als wenn er ge-
storben wäre.
lieber dass sollen die Vier Brndermeistere, wenn sie auf Set. Huberti Abend
und Tag nach Xiedeggen kommen, ihre Zehrungskosten, welche sie allda verwenden
werden, und auch allen Ncbenlohn und Zehrungskösten, welche sie wegen der
Bruderschafft nud dem Orden machen werden, und klarlich l>erechnen mflsseu, auss
den Bruderachaffts-Uenlhen und Geldern hernehnieu.
Letztlich, weil wir Hertzog, wie Oben uns von nnn an diesen Orden und
Bruderschafft iur uns, unssere Erben und Nachkömmliugeu Erblich, vest und stets
zu halten rärgenohmen, und denselben eingesetzt haben, so haben wir diesen
nnsseren Brief in die vorgemehltc unssere Kirche übergeben lassen, und unsser In-
siegel mit unsserem Wissen nnd guten Willen darahn zu hängen befohh'U, welcher
gegeben ist in dem Jahre utisseres Herrn Ein tansseiult Vier hundert sechs und
Siebenzig anf Montag nach St. Agnestag.
L. S. üe Mundato D"' DucU nostri per Troll Czl.
Es vero ejus et in Archivio venerabilis capitnii ecclesiae Cnllegiatae. B. M. V.
hie Juliaei as,servanter deteuto Originali copiam hanc desnmptum non tantum olim
per Notarium legalem et Juris licentiatum Joannem Petrum Steprath, seJ et nunc
per me Infra subscriptnra rite conscriptam et collationatam , adeoi(ue dicto originali
verboteuua cousonara testor.
Johann Wilhelm Ileutmann.
Notario« Aiwstolico-Camteus legalia et hie Jüliaei resijens.
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207
\
N
\
Sent huprechtz broderschaffi elc.
Itra *0 wissen, dat <l«er öden ind broderschatf a< uni?ehauen ind bestedicht ln
ere gots, der heyligen d ry neldic h ey t . In ere der heylger vnnff wondeu,
des heilgen mar^chalcks sent huprechtz, der otlenbarongen np den heylgen
wyssen vrydacli. Ind wer deser broderschatf begert ind yeine zogelaissen wirt , der
sali dein ind haldeu In niuissen herua geschribu rolght.
Synen eyl vnsem gl. Heren zo doyn.
Item so salll eyn yecklich broder sweren, weder vnseu gnedigen Heren nyet
zo doin myt raide noch daide ind sali vort alle punten ind artikell In den heufll-
briene begreiffen halden ind volfvoeren na synre macht, eyne myt desem rerdrage
hyrynne begriffen.
Der weder vnsen gl. heren.doin moeste.
Item off eynichem broeder so gelegen \rnrde van eydtz wegen , off' ander be-
wentnysse off vudersaissen haltieu, weder vnseu gnedigen heren doin moeste, dat
sall hey myt synen offenen besiegelten brieue, rnaem gnedigen heren. VI. wechen
lanck zo voerentz verkündigen ind den bro«iermey<teren deser broderschaff vp
schryuey ind dar myt synen orden ind zychen oeuersenden zo Nydeggen In sent
kristinen kyrohe da dese broderschaff gelegen ist.
van dem vasten der broeder.
Item sall eyn yecklich broder sent huprechtz auent vasten ind synen dach
vyren off in der broderschaff darunr gheuen Dry alb. coelsch, wilchs einer geliefft.
van degeliehem gebede der broeder.
Item yt eal eyn yecklich broder sprechen alle dago viinff pater no,ster ind
vnnff ane marien In ere golz ind der heylgen vnnff wondeu. alz die sent
huprecht tnsschen des hyrtz horne vp den vurst. wys.scn vrydach offenbart worden
dat yeme got ind sent hoprecht syne vnnff -syune behoeden wille,
van dem qualertemper gebede etc.
Item sall eyn yecklich broder sprechen In allen quatertemper vp den vrydach
XV. pater noster ind so vill ane marien vor alle broeder ind sn.ster deser broder-
schaff lenendich ind doyt Iml ouch a.sdan alle broeder ind snster lewendich ind der
darvyss verstomen synt l>egain a.s geweulich is,
van broderlicher lieffde ind truwen.
Item soileu die broedere mailich anderen broderliche lieffde ind truwe halden,
nyemantz den anderen versprechen Ind hoerte yematz van yn, vp eyns anderen
IV.'
Statiiton-Aiiazug ans dem Kinschreibbiteh.
Ccd. icoii. 318.
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2Ü8
broder eer yedt spreche!), der iiyet vutgaiiiwerdich werc, der sali yn /.ora besten
Terantwortteu biss au den ghenen , vp den gesprochen wurde hey vurkoraen wirt
Sich seiner zo verantworilen.
van gestalt der broedere.
Item sali eyii yecklich broder descr broderschafl’ van gueder ritterschaff syn
van syneii IV Aeueben der iiyet weder syne cir gedain en bait iiid sali vort eirber-
lichen lenen ind sich haldcn , onch besonder in geyme onerspille offenbierlichen sitzen,
van gehorsamheyt der broeder.
Item sali eyn yecklich broder der van vnsern gnedigeu bereu In deser broder-
schaif zo gelaissen wirt, gehorsam syn alle pnnteu doyu ind haldeu na Inyde ind
Inuchaldeu des vurgez, briefs ind dis verdrachs sich dar weder nyet wranelen,
wer sich nyet en hielte na desen verdrage.
. Item were eynicb broder, der sich nyet en hielte na ynnehalden des briefa ind
dis contractz, off' besonder der yedt weder syne eir gedain bette oß' dede dat sich
knntlich erinnde ind des hey sich' an vnaem gnedigeu heren nyet verantwordeu künde,
der sali desen Orden ind broderschaff verloiren hain ind verwyst syn ind sali synen
Orden van stunt an zo Nydeggen In sent kristiueu kirchen senden, gelych off hey
doyt were,
wat men In dese broderschaff geuen sali.
Item sali eyn fürste gheuen in desen orden ind broderschaff XII golden ind
dem heralt IV gülden, item eyn greue off eyn edell mau VI gülden ind dem Iieralt
II gülden Ind eyn Uittermeessigh man 111 gniden ind dem heralt I gülden.
van der vrawen orden etc.
Item yt en sollen geyne vrawen personen orden dragen. Sy en hauen dan elige
mane, die den orden irst vntfaugen bauen Ind so verre as die vranwen personen
onch guet genoich synt van yren IV Aenchen in des beweronge doynt, as vp die
broedere geschreuen »teyt. Item soylen die vranwen onch yre gebet doyu ind haldeu
onch as vp die broeder steyt, Item soile die vranwen onch ind den orden ind broder-
schaff glieuen allit as vp die broedere geschr. steyt nyssgesebeyden vnse gnedige
vrauwe ind yre Jouffranwen. dewylle sy by vnser gnedigeu vranwen synt. Ind as
sy van vnser gnedigen vranwen synt. Sollen sy den Orden nyet me dragen , yre
mane, die betend den vrloff van meinem gnedigen heren vnd bewyss than as sy
ander brnyde ind snester.
van verlenongon des Ordens etc.
Item off herem hoynen yemantz werc, manen off' vranwen, die den orden
droegen sonder vnss. gnedigeu heren orloff ind II brodermeyster zo den sali iinss.
gnediger heren heralt ryden ind yn den orden aifdoyn legen biss zeit ist. Sy van
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TnsPin ^rnedigon heren iiul brodermeyster« orloff hauen Ind asdaii offt vnser piiedigon
heren beliefl't , yerae off yn yueu brieff gheuen ind die vntfaiigen as rerre die seinen
luaiien off vranwen, dar ao beqnenie aynt myt yreu IV Aeiichen , Ind so sali men
myns gnesligen heren brieff' vurbrengen T)> sent huprechtz dach in die bewerongc
der IV Aenchen oenernytz eynen versiegelten brieff' van II oirberen vuberuchtichden
Ritter manen onch asdun myt zu brengen In vnri. niais'^en, da sall yn dan der nrden
verleyul werden na Inyde des Heufftbrieffs etc.
van dem dragen des Ordens.
Item sali eyn yecklich broder synen orden alle heylichs dages dragen ind sali
syn Zeichen alle dages dragen boynen np off" vuder den cleyderen , vp cync pene van
eyme Tornesch. In die broderschatt’ zo gheucn so rucke hey da yune bruchich ind
versnynilich vunden wurde,
van doden dcss broderschaff.
Item so waneu vnss her got oeuer eynichen bro«lcr off suster geboiden hait in
doitzhahien affgegaugeu ist. tjo solen desselueu doiden uyester eruen ind maige
yren orden ind zoichen zuyruc schicken ind bestellen zo Nydeggen In die kirch da
ind as dan da begayn ind ouelich rur sy bitten sall as geweulichen is.
V.
Ordenaglleder von 1476—1500 mit 4 Almen, nach dem cod. Icon. 318.
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1) Nach ßeiUjife I war nro 8 bereits 14<30, nro 9 utui 10 1401 aufg^eaotnmeTi und sind ans dem
1. Brnderscliaftsbuch mit anderen DbertraK<}n.
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Ordintgl ledtr
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Roide bei
Ordingen
Johann v. Marode, Bitter
(Franki'nberg)
Merode (bei
Neos)
Gronsfetd
Frankenberg
Herolde
Johann t. Einer, judex
im Land Bert; Bitter
Einer
Oift bei Ket*
wich
Forst im
Lande Berg
•Schics wich In
Cleve
t
N. von Merode, Frankt-n-
berffs Frau
Borscheit
(Bortxet)
Tristant
Elter
Komich
N. (Agnes) Frau des Car*
filius von Palaot
Hoemen
Oedenkirch
Rede bei
Glatbach
Meroide
1484
Heheiflkrt von Merode,
(xu Bornbeim)
Merode
Hamal (d'El-
deren)
Vlatten
Tresenje« a.
Hennengau
N. (Klisnbeth) v. Merode,
Scheiffarts Frau
Beyssel
Beifort
Garstorp
W'ylitx (un-
lesbar)
i
fl49e
Wilhelm von Bemsaa,
Ritter
Bemsau
Belinghofen
aus Cleve
Elvcrfeld
Hilberg aus
Stift Münster
1
N. ( Anna) von Beriuaa,
Wilhelms Frau
Lntzenroide
Nesaelroide
Clebcrg
Lands borg
Wilhelm von »aselrode,
von Langsclieid
Neeselroidev.
Fleckeostein
Varensberg
ferner
Koixxroidt
N. von Neaaelrode, Wil-
helms Frau
Irmtroid,gen.
die Phalon
Dracbenfels
Nassau Mit-
terschaff
Amdaill
Werner, Herr xu BjraHfelt
Byn&felt
Drojrten aus
Geldern
Bachem
Bojmgart
N. von Bjnsfelt, Werners
Frau
Ke}'m»dich
Hejmerden
aus Utrecht
Buxsslingen
in Geldern
Oy» genannt
V. Balgoy
Wilhelm von Neaselrode
xuui Stein
Nesselrode
Gemmen
I<and«berg
Horn
N. (Johanna) von »ssel*
rode, Wilhelms Fran
BirgeUn
Raiftfelt
Eschwilre
Bosnien
Heinrich von llompeaeh,
der Bruderschaft Mar-
schalk
Hompesch
Buidesheim
(Binsbeiin)
lUndenroide
Guckenzell
V. Schönaich
N. (Sophia) v. Hompesch,
Hetnriclis Frau
Bortsclielt a.
LQtzelbnrg
Crauweli von
Gimborn
Elter in LÜ-
tzclbnrg
Bernsau aus :
Berg
t
Beraaiits von Palant
Palant
BorUcheit
Engelsdorp
Elter !
Abh. d. III. CU 4. k. Ak. d. Wim. XV. Bd. II. Abth. -J8
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212
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'' 1
Ahnenproben
: Be-
merkung
j Vater j
j Muttßr
V'aters
Mutter
I M Utters
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' N. von Falant, Bemards Kassfelt
i Frau
1 Aesiwin aus
1 Oleve
OdenkircUen
1
i HeMan in ■
Cleve
1 Salentin ron Mcnsin^ni '
.Mensingen I
1
1 Hoiltorpp
1 Kdsenberg
1 Ruidenburg
I V. Spiegel |
j i'mimd Ton der Hor?tl,
j Krbschcnk von Berj |
1 Horst
1 HoiUori 1
Elverfeld
1 Hoidenberg |
1 K. von der Hontl« Con- |
rads Fraa ,
j Velbrng
B|»ede in Oe1*i
dem
, Stael T. Hol-
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Myrieo in
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1 (lerurd von lloeiiicn,
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Beide 1
Beide bei !
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I
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Boidenberg
Kngelstorp
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o. Bmder-
' meifter
Robert von Pleltenliorfr *
1 Plettenberg
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Piscbenich |
Gymracnieh |
Daldnln von dem liorito, |
' Herr zu liknae
Berge
Lerroide
Blense
LQpcnaw j
1 Heinrich von Vlatten .
'i !
1 Vlatten Erb-
; schenk
llollicb
Lysskirch
Bunenbacb i
li N. (Anna) von Vlatten, 1
Heinrichs Frau
j Berne i
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Kerkhnni
Buelsbek
D8m von Palant, Junker
1 (in Weiawiler)
Palant 1
1
BorUcheit
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(
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Janker
Landsberg ^
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chum
Johann v. Harve')
Harve
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1 HUIn
Johann von Scbdnrolde
Bchönroide
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X. (Maria) v. HchSiirolde,
Johanoj« Frau
Meroide
Kurtenbacb |
OruDsfelt
Moillacker b.
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1
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Nesselroide
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jj Williama Frau
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(fehlt)
1 Heinrich v. h'eaaelroide,
1 Janker
Nesselroide.
1 ilana Fleckst.
Meroide j
Vlatten
Gransfdd
i Paulas von Hreitliaeh,
t Bitter 1
1 Breitbach
1
1 Sanerk j
’ 1
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llerisfort
'Johann von IlreitfNieh |
ijohne Namen (Loretto v. :
l! Schdneck, des Joliann v.!
y Breitbacbt Fraa)
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1 Breitbach
Saneck
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von Wed
Herisfort
V. Wineck
1
i i^clibneck
1
1
Kyiienherg
Pyrmont |
VlaUeu
1
l) Hier fehlt in *ier Hand^cbrift ein Blatf, es Uutct in der Abschrift: Wilhelm ton Vlodorpy
mit den Ahnen Vlodorp-Wynaml, ran de Wyet, Hoyn d’AemUnrnde.
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213
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Janker Wilhelms Sohn >
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Janker
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Werner« Frau
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214
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(Wapp. fehlt)
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1
(Wapp. fehlt)
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Der Kalenderstreit
des sechzehnten Jahrhnnderts
in Deutschland
Felix Stieve.
Al)h. d. III. a d. k. Ak. d. Wi«. XV. BJ. HI. Abth.
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Der Kalenderstreit
des sechzehnten Jahrhunderts
io Driitsrhland
TOD
Felix Stieve.
Uebor don Widerstand, welchen die Protestanten Deutschlands im
Bcchzehnten Jahrhundert der Einführung des gregorianischen Kalendei'S
ontgogensetzten, und über die Schriften, in welchen damals um den Wert
und die Zulässigkeit der Neuerung gestritten wurde, hat zuerst Ferdinand
Kaltenbrunner umfassenderen und eingehenderen llericht erstattet. ') Eine
Reihe von Ergänzungen und Berichtigungen seiner Ausführungen hai)e
ich bereits bei einer Besprechung derselben verofifentlicht. *) Nochmals
und näher auf don Gegenstand einzugehen, unternehme ich deshalb, weil
Kaltenbrunner nicht alle einschlägigen Schriften kamite imd aus den
ihm zugänglichen von den theologischen, ])olitischen und nichtwissen-
Bchaftlichen Erörterungen, mit welchen die Kalenderänderung bekämjift
oder verteidigt wurde, nur unvollständige und ungenaue Jlitteilung
machte. Gerade diese Erörterungen sind jedoch nicht allein für die
Denkweise jener Zeit sehr bezeichnend, sondern sie besitzen zugleich für
die politische Geschichte unseres Vaterlandes Bedeutung, da die Beob-
achtung verschiedener Kalender in hohem Masse zur Verechärfung des
Zwiespaltes zwischen den kii-chlichen Parteien Deutschlands beitrug. Es
1) FeMiiiand Kalten bra nner; Die Polemik Über die Grej^orianieche Katendemform.
SitZQDjTi^^lcbtc der hlst.^phil. Claae der k&ia. Akademie d. W. Iknd $7, 48.')—
2) In der Historiscben Zeitschrift X. F. VI, 127 -136.
I*
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4
dürfte daher nicht überflüssig erscheinen, aus den zum Teil sehr seltenen
Streitschriften, die einzusehen mir vergönnt war, ‘) vollständigere Aus-
züge zusammenzustellen. Ueberdies glaul)e ich, dass die Al)lehnung des
neuen Kalenders durch die Protestanten eine andere Beurteilung finden
muss, als ihr bisher von Seite der Geschichtschreiber und in weiteren
Kreisen zu Teil geworden ist.
I.
Papst Gi’egor XIII führte den nach ihm l>enannten Kalendei-, welcher
gegenwärtig bei allen christlichen Völkern ausser bei den Anhängern
der grit-chischen Kirche im Gebrauch ist, vor nunmehr nahezu drei-
hundert JaliTOii au Stelle des i. J. 47 vor Christus von Julius Cäsar
geschallenen Kalenders ein, um die kirchliche Festrechnung in Einklang
mit dem wii-klichen, dem astronomischen .lahre und dessen IIimmel.s-
erscheinungen zu setzen.
Den Angelpunkt für die Berechnung der beweglichen Kirchenfesto
bildet bekanntlich das Osterfest. Die ersten Christen feierten dasselbe
im Anschlu.s.se an das Passah der Juden, welche da.s Osterlamm in der
Nacht vom 14. auf den 1.5. des Monates Nisan assen, wo der Frühliugs-
vollmond, der erste V'ollmond nach der Tag- und Nachtglcichc des
Frühlings, sichtbar war. Wahrend aber die a.siatisohen Christen Ostern
am 14. Nisan scllwt hielten, weil nach dem Evangelisten .Johannes
Christus an diesem Tage geki'euzigt worden war, begingen die Abend-
länder das Auferstehungsfest am Sonntage nach dem 14. und das An-
denken des Leidens Christi am vorausgehenden Freitage, denn nach dem
Zeugnisse aller Evangelisten war Christus an einem Freitage gestorben
und an einem Sonntage aufeisitanden ; wie deshalli allwöchentlich jener
Tag als Fasttag, der zweite als Festtag betrachtet wurde, so glaubten
die Abendländer das Andenken des Erlösungswerkes entsprechend seinem
Verlaufe erneuern zu müssen und fanden es unpa-ssend, die vierzig-
1) Dem Herrn Oberbibliuthekar Dr. För»temRnn tu Dresden, Herrn Oberbibliothekar Professor
Dr. Otto V. Heinetnann zu WolfcnbQttol und Hurm Geheimrath Professor Dr. Lepsius zu Berlin bin
ich f&r die ghti^e Zusendung der auf den hiesigen Bibliotheken nicht rorhandenen SchriDen zu
grösstem Danke verjiflicbtct. Die Titel der von mir eingesehenen Schriften gibt de> Anhang und
führe ich sic der Kürze hun>er mit der ihnen dort eigenen Kummer an.
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5
tägigen Fasten an einem Freitage zu beenden, falls der 14. Nisan auf
einen solchen traf. Weitere Abweichungen wurden dadurch verursacht,
dass die Juden seit der Zei"störimg Jerusalems den 14. Nisan nicht mehr
nach Beobachtung der Gestirne, sondei-n nach ungenauen Berechnungen
ansotzten, denen zu Folge jener Tag vor der wirklichen Frühlingsgleicho
einfallen konnte. Indem nun unter den beiden bis dahin vorhandenen
christlichen Parteien die Einen dem jüdischen Kalender folgten, die
Andern ihr Ostern nach dem wirklichen Frühlings Vollmonde richteten,
entstanden vier verschiedene Arten der Osterfeier. Dazu kam endlich
noch, dass die römische Kirche die Frühlingsgloiche irrig auf den 18.,
die alexandrinische richtiger auf den 21. Mürz setzte. Diese Unteischiede *
veranlassten seit der Mitte des zweiten Jahrhunderts immer heftigere
Streitigkeiten und wachsende Verwirrung. Daher traf da.s Concil von
Nicäa, um die Einigkeit herzustellen und um die Christen von jeder
Gemeinschaft mit den Juden zu sondern, i. J. 325 ilic Anordnung, das.s
Ostern stets am ersten Sonntage nach dem Frühlingsvollmonde gefeiert
unil als Tag der Frühlingsgleiche der 21. März angenommen werden
solle. Dies«! Vorschrift gewaiui — wenn auch nur sehr langsam —
Geltung und wurde seit dem nennten Jahrhundert in allen christlichen
Ländern befolgt. *)
Die Vülter des Goncils hatten jedoch übersehen, dass der l)ei ihrer
Bestimmung der Frühlingsgleiche zu Grunde gelegte julianische Kalender
da.s Jahr um 11 Minuten 14 Secunden zu lang ansetzte und mithin seine
Frühlingsgloiche, wie sie seit der Einführung des Kalendei-s durch Julius
Ciusar bis zum Concil bereits vom 25. auf den 21. März gewichen war,
so auch in der Folge nach je 129 .Jahren um je einen W'eiteren Tag
gegenübej' dem astronomischen Aequinoctinm zurflektreten mu.ssto. Ausser-
dem hatte diis Concil für die kirchlichen Berechnungen die Voraus-
setzung angenommen, dass der Mond nach je 19 Jahren zur selben
Stimdo in dieselbe Phase eintrete ; auch hier lief jedoch ein Irrtum
unter, der nach 312 Jalmui einen Tag üntei'schied zwischen den Mond-
berechnungen des kirchlichen Kalenders und den wirklichen Erscheinun-
gen des Gestirns ausnuichte.
1) Hefele CanciHeng<'5chicbt« 1,^0 fg. 320 fg. und Ideler Handbnch der Chronologie ‘HS fg.
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6
Natürlich traten diese Fehler je länger desto deutlicher hervor. Es
kam dahin, dass der Kirchenkalender Neumond verkündete, während
schon die wachsende Sichel am Ilimmol erglänzte, und dass, wenn iler
wirkliche Frühlingsvollmond vor dem 21. März de.s Kalenders eintrat,
Ostern um eine, \-ier oder fünf Wochen zu spät gefeiert wurde. Indem
ferner einzelne Kirchen bisweilen nach den llimmelsbeobachtungen statt
nach dem Kalender reclmeten, stellten sich aufs neue Abweichungen in
der Abhaltung des Festes ein, wie denn Bremen einmal Ostern vier
W(K‘hen eher als die übrige Christenheit begangen hat, wenn der alte
Sjmuch berechtigt ist: „Bremenses asini canunt llosurrexi, cum populus
. Doi cantat Oculi iiiei.“ ’).
Seit dem Beginn des 13. Jahrhunderte wurde der l!uf nach Abhnlfe
laut und bald erhob sich derselbe dringend von allen Seiten, zumal man
neben der Verwirrung allerlei andere Unzuträglichkeiten und namentlich
den SjK)tt der Laien zu erdulden hatte, ja besorgte, es könne einmal
am Chartreitage der Neumond und durch ihn eine Sonnenfinsternis ein-
trett'en und so der Glaube des Volkes an den übernatürlichen Ursprung
der Sonnen- und Mondfinsterniss bei Christi Tode erschüttert worden. *)
Mehr als zwei .lahrhunderte lang wurde die Verbesserung des Ka-
lenders erörtert. Endlich gi'iff Gregor Xlll durch.
Der Arzt Aloisio Lilio aus Ziro in Calabrien hatte in zehnjähriger
Arbeit einen Entwurf zur Hei-stellung und Erhaltung des Einklanges
zwischen der kirchlichen Jahresrechnung und den UimmelBerschoinungen
vollendet. Mit seinem Werke hatte auch sein Leben den Abschluss er-
reicht. Sein Bruder Antonio legte jedoch die Schrift 1577 dem Papste
vor. Dieser liess sie darauf durch mehrei-e in Born anwesende, mit .Ma-
thematik und .Astronomie vertraute .Männer prüfen und schickte dann
katholischen Füi’sten und Universitäten einen Auszug zu.*) Eine Keilte
1) Den yer* führt N. 20 tlep Anhangp an. Vgl. Kaltenbronner .V2Ö fg.
2) KsUenbrunncr Die VorgeKchiebte der GregorianUeben Kalenderreform . Sitzongsberiebte
der hiii.'pbil. Cliuae der kais. Akademie d. W. 82, 2^*9 fg.
:3) Kaltenbranner Pnteniik 4^9 fg. Tbeiner Annales ccclesiutici II. 444, Archiv für
Kunde Octcrreichiccber Gesehichtsqucllcn XV, 210. Franz Joseph von Dianco Geschichte der Cni-
TcniUU Köln 1, 999. Kalt eii br au n er sagt S. 490, der Auszug sei «den katholischen Fürsten
and Universitäten* zagesehickt worden. Die Kinfühningsballe sagt nur : .ad chrjstianos principes
celebrioresqae uoiversitates” und f« ist nicht wahrscheinlich, das« die katholischen Heichsfürsteii zum
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7
von Gutacliten liefen ein ') und verschiedene Werke , welche die Aen-
derungsfrage behandelten, wui'den veröfl'entlicht. Ohne indes — soviel
ersichtlich ist — diese zu berücksichtigen, unterzog ein vom Papste be-
auftragter Ausschuss die Vorschläge Lilios einer eingeheiiden Prüfimg
und änderte sie in einigen wesentlichen Punkten ab. Er gedachte die
beabsichtigten Neuerungen in einem ausführlichen Werke zu begründen.
Ehe jedoch noch dessen Ausarbeitung begonnen war, setzte Gregor XIII
jene ins Werk, weil das Jahr 1582 von vornherein als „Jahr der Ver-
Ijesserung“ in Aussicht genommen worden war und die cyklischen He-
rechnungen von da ausgingen.
Am 24. Februar 1582 ordnete nämlich der Pu|tst durch die Bulle
„Inter gravissima.s“ an, dass der neue Kalender eingeführt und durch
Auslassung von zehn Tagen im Üctober desselben oder eines der näch-
sten Jahre die Frühlingsgleiche, welche thatsächlich Iwreits auf den
11. März des Kalenders fiel, wieder auf den 21. zurückgeljRicht werden
solle. Beigefügt wurden der Bulle ein Kalemlerbruchstück für die Mo-
nate üctober bis December 1582 und „Canone.s“. Ersteres veranschau-
lichte die durch Ausla.ssung der zehn Tage veranlasste Verschiebung des
bisherigen Kirchenkalenders, die „Canones“ aber gaben das Verfahren
an, wodurch in Zukunft die astronomische FiTihlingsgleicho unverrückt
auf dem 21. März des Kalenders festgehalten und die Mondbestimmungen
des,selben dauernd in Fiinklang mit dem wirklichen Umlauf gesetzt wer-
den sollten. Die in diesen Hegeln mehrfach vereprochene wiasensi'haft-
licho Kechtfertigung der päpstlichen Voi-schriften wuwle vom .Vusschusse
niemals vorfa.sst; erst 1588 gab ein Jlitglied desselben, der aus Bamlrerg
stammende Jesuit Christof Clavius, eine solche zur Abwehr der in-
zwischen von Gelehrten erfolgten Angiätfe heraus; einige Jahre sj)äter
liess er eine weitere Verteidigung folgen und 1603 veröftentlichte er im
Aufträge des Papstes Clemens VII 1 eine umfangieiche Erläuterung des
Kalenderwerkes. *)
Gatacbten awftffforJt'rt wunien ; dAW die ünireraitat lu Wien niebt durch den J^apat. aondem durch
den Kaiser befragt wv^ie, berichtet K. S. 491 se)b«t.
1) Kanke Die römischt-n Päpste. Ü* Aufl. I, 277, Kaltenb runiter Ütl.
2) Kaltenbrunner fg.
H) Kaltenbrunner 54*» fg 565 fg.
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8
II.
Wir sahen, dass die Anregung zu der Aendcruiig nidit von Gregor XIII
ausging. ’) Es war daher nicht eben grossherzig, dass er das Verdienst,
den neuen Kalender geschaffen zu haben, für sich in Anspruch nahm,
indem er denselben unter seinem Namen ausgehen liess und so das An-
denken des eigentlichen Urhelnjrs zurückdriingte.
Ueber den wissenschaftlichen Wert des Kalendei-s zu urteilen, ist
nicht meine Sache. Es ist bekannt, dass seine Berechnungen noch manche
allerdings geringfügige Fehler enthalten. Ilervorgehobon muss jedoch
werden, däiss bereit» um 1080 in Persien ein Verfahren angenommen
worden war und gleich 1582 ein entsprechendes durch den Landgrafen
Wilhelm IV von Hessen vorgoscldagon wurde, demzufolge der julianische
Fehler in der Jahresberechnung in 33 Jahren auf 14’/s Secunden er-
mässigt wurde, während ihn da» gregorianische System eret in 400 Jahren
auf 22 Secunden hcrablmachte. ®) Immerhin aber war die Aenderung eine
für jene Zeit sehr bedeutende, von gimser Gelehrsamkeit und ungewöhn-
lichem Scharfsinn getragene Leistung.
Keineswegs aber darf sie als eine für das öffentliche Leben not-
wendige und ihrer Absicht nach gemeinnützige That bezeichnet wei'den.
Die Fehlerhaftigkeit der julianischen Jahreslänge und der kirchlichen
Mondbestimmimgen war seit Altei-s den Gelehrten bekannt. Schon die
1252 zum Abschlüsse gebrachten Tafeln des Königs Alfons X von Ca-
stilien gaben dann die asti-onomische .lahreslänge bis auf wenige Secunden
richtig an und suchten wie die Phasen der Sonne so die des Mondes
astronomisch genau vorauszubestimmen.*) Seit dem Endo des 14. Jahr-
hunderts wmrden für Astronomen und Aerzte Kalender angefertigt, welche
dieselben Aufgaben zu lösen trachteten. Bedeutendes leisteten endlich
in dieser Hinsicht die 1151 erschienenen „Tabulae Prutenicae“ des Eras-
mus Beinhold. *) Auf ihnen fussten die Ansätze des gregorianischen Ka-
1} In der Einflibniugsbulk bemerkte der dies selbst.
2) Radolf Wolf Geschiefate der Astronomie S. 331; Tgl unten.
3) Wolf 78 fg.
4) Kaltenbrunnner Vorgesebieht« 357 fg.
5) Wolf 242 fg.
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y
lenders. *) Dieser selbst aber war für die Gelehrten unbrauchbar, weil
er die Sonnen- und Mondplnusen nicht astronomisch genau, soiulcm nach
einer Durchschnittsrechnung nngab, und er wurde durch seine eigen-
artigen Cyklen bei jedem Zurückgehen in die Vergangenheit Anlass zu
zeitraubenden Uim-echnungen. Bei allen Lesekundigen ferner war seit
dem Endo des 15. Jahrhunderts der kirchliche Kalender dui-ch die ge-
druckten der Astronomen und Mathematiker völlig verdrängt, in welchen
die Sonnen- und Mondphasen, soweit es damals möglich w.ar, astronomisch
genau bestimmt wurden. Für das bürgerliche Leben endlich war es
doch völlig gleichgültig, ob die Tag- und Xachtgleichen alhuählich um
BO und soviel Kalendertage zurückrückten und ob die kirclilicheu An-
galjen der Mondjihaseu unrichtig waren. tVie man mehr als 1600 Jahre
lang mit dem julianischen Kalender gelebt hatte, ohne durch ihn Nach-
teil zu empfinden, so würde man es auch weiterhin vermocht haben.
Werden doch noch heute die Iliissen und Griechen dadurch, da.ss die
Verschiebung ihres Kalenderjahres gegen das Sonnenjahr auf zwölf Tage
angew'achsen ist, in ihrem Dasein nicht gestört. Allerdings würden die
Bauern-, Schiffer-, Adei-la^-, Purgier- und ähnlichen Kegeln, welche sich
an gewisse Kalendertage, die Lostage, wie man sie damals nannte,
knüpften, mit der Zeit unbrauchbar geworden sein, aber das Volk selbst
hätte sicherlich ihre Berichtigung im Anschlüsse an die Beobachtung
der so deutlich wahrnehmbaren Naturerschoinimgen auch fernerhin ebenso
vollzogen, wie es in den verflossenen Jahrhunderten geschehen war, und
wäre auch schliesslich der 21. März in den Winter gefallen, so würde
dennoch gewiss kein Bauer an diesem Tage deshalb zu ackern mul zu
säen begonnen haben, weil der kirchliche Kalender den Frühlingsanfang
dorthin verlegte.
Freilich wird es nun heutzutage Niemandem beifallen, zu bestreiten,
dass ein unveränderlicher Kalender bequemer und zweckmä.ssiger als ein
wandelbarer is.t, und dass mithin seine Einführung wünschenswert und
an sich verdienstlich w'ar, aber lediglich für die katholische Kirche war
die Aenderung des julianischen notwendig und lediglich von diesem Ge-
sichtspimkte aus unternahm und begründete sie Gregor XIII.
1) Kaitenbrunner Foieniik 4UG.
2) Kaltenbranner Vorj^twchkiite 37ß.
Abh-d.ni.Cl.d-k. Ak.d.Wws. XV.B.1 lII.Abih. 2
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10
Unter den wichtigen Aufgal)en seines Hirtunamtes, sagt er in der
Einführungsludle, sei nicht die geringste die, dasjenige auszufülireu, was
das tridentiner Concil dom apostoliselien Stuhle „Vorbehalten“ habe.
Dazu gehöre die Verbesserung des Rrevioisi, welches die Gebete und die
Berechnung der Feste enthalte. Jene habe sein Vorgänger Pius V ge-
ordnet; die Verbesserung des Kalenders sei durch Lilios Vorschläge er-
niiiglicht, u. s. w. Da nun, um das Osterfest gemäss der Anordnung der
Päpste Pius I und Victor 1 , des nicänischen Concils und Anderer zu
halten, drei Dinge nötig seien, .so .schreibe er vor und befehle“, in
Zukunft gewisse Vorschriften zu l)eobaehten. Er „wolle“, da.ss alle Geist-
lichen den neuen Kalender hielten, un<l er „ermahne und bitte kraft der
ihm von Gott verliehenen Gewalt“ den Kaiser sowie die übrigen Könige,
Fürsten und lleri-schaften und „gebiete“ denselben, den Kalender aiizu-
nelmien und in ihren Landen einzufühi-en, damit in der ganzen Christen-
heit Gleichheit in der Feier der Festtage gehalten werde. 'Wer sich
seiner Anordnung widei’setze oder gegen sie handle, solle wissen, dass er
damit in die Ungnade Gottes und di;r Apostel Petrus und Paulus falle. ')
Vor allem aus der Notwendigkeit, den kirchlichen Kalender wieder
in Einklang mit den Vor.schriften des nicänischen Concils und den wirk-
lichen llimmelsei'scheinungen zu setzen, leitete dann später auch Clavius '*)
die Berechtigung der Neuerung ab. Ueberdies fügte er i)ei, dass durch
die zunehmende Verschiebung der Kalendertage die kiivhlichen Feste
jene symbolische Beziehung zu den Jahreszeiten verlieren würden, welche
sie wie Weihnachten zur Winter-, Johanni zur Sommeisionnenwende u. s. w.
besässen. Wenn er daneben anführte, dass die Monate allniälich ein
anderes Witterungsgepräge erhalten, dass die Lostage ungültig und die
Schilderungen, die Wetterregeln und ähnliche Dinge in älteren Schrift-
1) nie Balle ut zoeret Kcdrackt itn: Kaiemlariani (iregorinnum Perpetoom. Cum Pritilegio
Sammi Pontilici» Et Aliorum Principom. Romae. Ex OfFicina Bominici Basae. MDI.XXXII. t°.
80 Blätter. Das Büclilein enthält auaserdem; 2) Das Pririleg des Papstes fiir den Dracker; S) Canon
in Kalendarium Gregorianum nnni correetionis 4) Da.a Brnclistück für October bis Deeember
1&S2; .1) Quid obaerranduin sit, si correctio Kalendarii non Rat anno 1.^2 (Anweisungen bis 1.>S.1);
6) Canones in Kalendarium Oregorianum Perjietuum; 7) Tabula Paschalia Antiqna Befonnata; 8) Ta*
bula Pasclialis Nora lieforraata; 8) Tabula Paschalia Nova Reformata; 9) Tabella Temporaria Festo-
runi Mubilinm ; 10) Ewiger Kalender fürs ganze Jahr.
2) Romani Culendarii a Gregorio XIII P. M. restituti Eiplicalio 160d, p. 70 fg.
J
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11
stelliTn unverständlich werden würden, so waren da-s allerdings Gründe
weltlicher Natur, doch waren dieselben für die Curie nebensächlich und
für das öffentliche Leben bei dem so langsamen Fortschreitcm der Ver-
schiebung von geringer lledeutung, und sie wurden obendrein noch da-
durch allgeschwächt, da.ss der Papst die Frühlingsiileiche nicht der Zeit
entsprechend ansetzte, in welcher Caesar seinen Kalender geschaffen,
Cliristus gelebt und die wichtigsten römischen und jüngeren griechischen
Schriftsteller geschrieben hatten.
Die Zurücklegung der Frühlingsgleiche war unter den .Venderungen
Gregors diejenige, welche sich, da sie die Ausla.ssung von zehn Tagen
erforderte, im öffentlichen Leben sofoi't und am stärksten bemerkbar
niuchen und .selbst dann, wenn alle christlichen Völker sich fügten, viel-
fache Verwirrungen, Streitigkeiten und Nachteile verursachen, in dem
Falle aller, dass die iirotestantischen Länder und Gebiete sich wider-
setzten, Handel und Verkehr aufs schwerste schädigen und bitteren con-
fessionellen Hader wachrufen mu.sste. Gerade diese Aenderung wurde
jedoch ausschliesslich durch kirchliche Gründe veranlas.st und gerecht-
fertigt. Von katholischer Seite wurde schon vor, von protestantischer
gleich nach der Vcröftonflichung des gregorianischen Kalenders geltend
gemacht, dass es doch weit einfacher und zweckmässiger sei, die h’rüh-
lingsgleiche auf dem 11.31äi-z, wo sie damals astronomisch eintraf, fest-
zuhalten, ’) und dass es wissenschaftlichen und christlichen Gesichts-
punkten besser entspreche, sie auf den 25. oder den 2S. März zu legen,
da sie auf ersteren Tag zn Caesars, auf letzteren zu Christi Zeit gefallen
sei. Dagegen rechtfertigte der Papst die Wahl iles 21. Mära einfach
durch die Vorschrift des nicänischen Concils. Diese Uerufung war indes
Mgar vom katholischen Standpunkte aus nicht zutreffend und hin-
reichend, denn das Concil hatte seine Osterregel nicht wie seine übrigen
Beschlüsse in feierlicher, unbedingt bindender Form, dimh einen mit
U l)er ProtoRt-ant Calyisiiis machte Ou^egOM in Reinem Elenchns Calcmlarü Grej^oriani. Kil'J,
Foi. I). 3I> darauf aufmerksam, das-s man den 11. Marz allerdings nicht febtlmlten k^nns, wenn man
Ostern dem Nicänum und dem wirklichen Krühliitj'svollmonde gemäss feiern wolle, denn «onst könne
man genötigt sein, einige SonutagsCTangplien auszalaRsen, beziehangswpisc in unpnsseniler Reihenfolge
elnzaschalten. Wie schon er bemerkt, war dies von katholischer Seite nicht hervorgehoben worden
Dod doch gerade ein Grand, der auch für die Protestanten ins Gewicht fiel, da ja auch sie die Fest*
reebnung nach dem alten kirchliche» K ilender richteten.
2*
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12
dem Aiiiitliein ausgerüsteten Canon aufgestellt, ’) und warum sollte es
dem Pa]>ste nicht zugestanden haben, die nicänische Vorschrift in ISo/.ug
auf die Frühlingsgleiche ebenso zu ändern, vs'ie er es in Hinsicht der
Mondcyklen that?
Clavius brachte später als zweiten Grund vor, dass die griechische
Kiivhe ebenfalls den 21. Mürz beobachte, also bei Festhaltung desselben
eher ihr Anschlu.ss zu hoffen sei. Auch das war jedoch nur ein Schein-
grund, da die Griechen längst wegen weit wichtigerer Unterschiede jede
Gemeinschaft mit den Lateinern abgebrochen hatten. Geradezu abge-
schmackt ist endlich der dritte Grund, den Clavius geltend macht, indem
er sagt: „Da die Mehrheit der Märtyrer, Kirchenlehrer, IJekenner und
.Jungfrauen, deren Feste die Kirche in dankbarem .\ndenken fromm
begeht, um die Zeit des nicänischen Concils lebte, die Märtyrer nämlich
wenig voi-lier unter Deeius und Diocletian, den grausamsten Verfolgern
der Kirche Gottes, die Bekenner aber zur Zeit des Concils selbst oder
bald nachher zur Zeit d(« Basilius und Gi’egor von Nazianz ,
konnte die Frühlingsgleiche nicht auf eine passendere Zeit gesetzt werden
als auf die des nicänischen Concils, damit die Feste der Heiligen jähr-
lich zu rechter Zeit wiederkehrten und gefeiert würden, das heisst, nicht
weit von jener Zeit, in welcher die Heiligen auf Erden lebten und die
katholische Kirche diirch Beispiel und Lehre erleuchteten, denn, wäre
die Gleiche auf die Zeit der Gebiud Christi zurüekgeführt oder da, wo
sie vor der | gregorianischen | Verbesserung eintraf, festgehalten worden,
so wären die Zeiten aller jener Heiligen verwirrt woivlen.“ *) Nach
diesf^r Ausführung verdienten also Christus, die Apostel und die grossen
Heiligen der ersten Jahrhunderte sowie die des Mittelaltere weniger
Uücksieht als die nach der Meinung des Clavius zahlreicheren des vierten
Jahrhunderts.
Die wahre Ui'sache der Bestimmung des 21. März hat man in
spitercr Zeit übersehen, doch hatte Clavius dieselbe .schon vor dem Er-
1) Hefela Conciliüogcitciiirhte ], (g
2) A. a. 0. 78 fg. Kaltcnbrun nor l*ol«iuik 570 bemerkt bietu: ob gleich nach (Um
Mart.rrtQm oder Tode eines Heiligen sein Qedäcbtnistag in den Kalender eingezeichnet worden wäre."
Allerdings wurde bekanntlich iIm Fest jedes Heiligen auf seinen Todestag gesetzt, und da man hierin
der IVberlieferong folgte, die »ich von den liSeiten des Betreffenden fortptianzte, so wQrdc insoweit
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13
scheinen des Kalenders ven-aten ') und er wiederholte sie auch bei dessen
nachträglicher Verteidigung. Sie bc.staud darin. das.s bei anderem Ver-
fuhren alle vorhandenen Breviere und Missale unbreuchbar wurden und
alle bisher gültigen Tagbestiinmungen für die beweglichen Kirchenfes-te
ningeiindert werden mussten, wa.s grosse Kosten und Umstände vi!r-
ursacht haben wüi-de.
Das alx'r war natürlich kein Grund, der für die Protestanten Be-
deutung besas.s, und elwn.sowenig konnte diesen der Umstand, dass die
Kalenderändenmg für die katholische Kirche notwendig war, als zwin-
gender oder auch nur genügender .\nla.ss erscheinen, sich ihr zu fügen.
Die einzige Erwägung, welche die Protestanten und zwar namentlich tlie
deutschen dazu hätte btwtimmen können, war die. dass die Katholiken
sich unbedingt nach der Vorschrift des Pajistes richten mussten und dass
es daher zweckmässig sei, sich ihnen anzuschliessen, um die Verwirrimg
und die ^^elfachen Nachteile doppelter Kalemlerrechnung fernzuhalten.
Diese Erwägung musste indes znriicktreten, da der Papst die Neuemng
ausschliesslich mit dem Bedürfnisse seiner Kirche begründete und die
Annahme kraft seiner Amtsgewalt und bei Strafe des Bannes befahl.
Gregor hatte nicht das Mindeste gethan, um den die Protestanten
herausfordenuleu Eindruck dieser Bulle zu niihUmi. Obgleich sie schon
unter dom 24. Februar 1562 ausgefertigt wurde mid obgleich in Deutsch-
land ein Keichstag am 1. Januar desselben .lahres ausgeschrieben und
am 3. Juli eniffnet wurde, Hess der Papst doch erst Mitte September
durch seinen Legaten den Kaiser ersuchen, die Annahme des neuen Ka-
der von Claviai angenibrtc Grand Sinn hab«n. Ob er ftb«r wirklich meinte, dsus man der Heiliiren
gerade an dem Tnge, wo sie wirklich gestorben seien, gedenken solle, verraa^ ich aus soinen uii*
klaren Worten nicht zu entnehmen; vielleicht wollte er nnr sagen, c« sei {lassend, die Jahrcsrechnang
festzohalten.. welche zu der Zeit, wo die meisten Ht-Uigen lebten, gegolten habe, weil sonst die An-
gaben aas ihrem Leben den Tagen des gebraucblicben Kalenders nicht eDU|>rachen. Andere Katho-
liken deuteten freilich das Festhalten am 21. März in ersterem Sinne; vgl. anten.
1) Christophori Clavii ßaiDbergenait! Kx Soeietate Jeea In »[dioeram Joannia de Sacro Loeco
Gommentarias, uuue itcrom ab ipso auctore cecognitiu et multis ae variis loeis locapectatus. Komae
IfiSl, p. 'jr>9: »Quare rectios Gregorina XIII Pontifex Opt. Max. idem (aequinoctiam) redneendum
esse fttatait ad diem 21 martii, qnu nimiraro contingebat tempore Nicaeiii conciliit hoc est, anno 825.
Ita enim nihil prorsus immatandam erit in breviarüs ac inisaalibus pernianebnotque iidem termini
pascbales, quoe sancti iUi patres in eoncUio Nicaeno constitnerant.* Andere Grdnde fugte Clavios
dort gar nicht bei.
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14
lenclers zu bewirken. ') Krst nin dieselbe Zeit dürfte iiuch den katho-
lisclien Ueicli.s.standen die Mitteiluiify und Aufforderung zugegangen sein,
denn das gedruckte Einfülirungsnianilat de.s eifrigen Uischofs Urban von
Paasau ist vom 23. Se|)teinber datiert und zwei 'l'age spiiter wies Urlian
seinen OfHcial in AVien. .Melcliior Khlesl, au, in aller Eile die fleneh-
inigimg des Eralieiv.og - Stattlialtei's von Oesterreicli für die Ven'jffont-
licliung naclizusnclien ; er habe nicht Zeit gehabt, .sagte er später, diese
vor Ausfertigung seiiu-s >Iand ates einznliolen. -) ln Uoin war der Ka-
Icniler vorher Niemandem, selb.st den Gesandten :iicht gezeigt wonlon.
Das .Mies legt die Vermutung nahe, dass der l’apst die Welt über-
rnmjieln und dadurch jeden Widerspruch unmöglich machen wollte, und
man kann sich nicht des .Scldusses erwehren, dass er den Hintergedanken
hegte, die .\nnalmie di^s Kalenders durch die Katholiken werde die Pro-
te.stanten zum .\iischlussc zwingen und so bewirken, dass er thatsächlich
als das llaujit der ganzen Christenheit anerkannt wei-de. Um so aus-
schliesslicher erschien sein Wille als der einzige Grund der .Venderung.
da die wissenschaftliche Hegründung derselben, wie. erwähnt, nicht mit-
vei-üftentlicht wurde iiml man nicht einmal Sorge trug, dass die Hegeln
der neuen Hechnung re<'htzeitig weiteren Kreisen la-kannt wurden. Noch
Endo Deianiiber 1582 befaml sich in den Händen der deutschen Pro-
testanten nichts mehr als ('in in München zum Zwecke der Einführung
bei den Gemeinden Haierns gefertigter Naclidruck des Kalenderbruch-
stücki'S für den Schluss des .lahres, und noch einige Monate spät(!f
bemerkte der Churfürst von Hrandenburg , dass nirgend.s Exemplare des
in Hom gedruckbm Kalenders zu bekommen seien.'") Einem ilefehle und
einer Danndrohung des Papstes ab(!r konnten sich die Protestanten, wie
1) Kalt« II bru tnicr I'oKniit 5U4.
2) Th. Wie de mann Uenchichte der Kefonnation nnd OeKenreformatien im Lande unter der
Knsfl, 420 fg.
:i) Hauke Paiwle 277. Wenn er der obigen Nachricht beifügt: «ehe er von den rerschieileuen
Höfen gebilligt worden,* eo musa da eine Ungrnanigkeit aeiuer (Joelle rorliegen» Die Einfübinnga-
bulle und Clavina Exriieatio p. 71 bezeugen anedrücklich, dass den Hofen nur der Auazug der
Schrift Liliue zngerchickt wurde nnd erat nach Einlaufen ihrer Gutachten der Anseeliaaa aeine Prü-
fung iiegann und den Kalender anfertigte.
I) Ohemnitx in aeinem Berichte, a. Anhang K. 14.
5) K alten bru nner 507.
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15
nun einmal die kirchlichen Verhältnisse und Anschauungen gestaltet
waren, nicht fügen: ihre Ablehnung war unveriueidlicli.
Allewlings ent.«in-ang dieselbe ihrer kirchlichen Engheraigkeit und
ihrem wütigen Hasse gegen Uom, aber einerseits war sie an und für
sich keineswegs so unvernünftig, wie man gewöhnlich annimmt, weil
eben für das bürgerliche und öffentliche Leben das Bedürfnis zui' Aen-
deruiig des alten Kalenders nicht l>estand und die Auslassung von zehn
Tagen mancherlei Sidiwierigkeiten und Nachteile mit sich brachte, ander-
seits kann man nicht lüugnen. dass der Papst diircli sein rücksichtsloses
Vorgehen die Hauptschuld an dem langwierigen und unheilvollen Ka-
lenderawiespalte trügt, wobei fi-eilich auch wieder für ihn ilie tiesinnung
seiner Zeit als entlastender Umstand in Anschlag gebracht werden muss.
III.
Vielleicht hätte Kaiser liudolf 11 ilie allgemeine .\nnahme des neuen
Kalenders in Deutschland Iwwirkeu können, wenn er dieselbe sofort im
Sei>teinber 15S2 nach dem ersten Anbringen des päpstlichen Legaten
aus kaiserlicher Machtvollkommenheit und ohne des püjistlicheii Befehles
zu gedenken, ungeordnet hätte, wie das sjaiter von ihm uud anderen
Fürsten geschah. Allerdings widerspnich ein solches Verfahren dem
Herkommen des Kelches, es verletzte dits von den Ständen so eifer-
süchtig überwachte , deutsche Libertät“ und es wäre ihm um so mehr
verargt worden, als der Ueichstag ohnehin geratle um ihn versammelt
war. Unüberwindlich waren indes diese Hindernisse keini'swegs. In seiner
langsamen, beilenklichen und unentschlossenen Art verschob jedoch Ru-
dolf die Entscheidung, bis die Zustimmung der Ueichsstände gesichert
stu. ') Mit dem Reichstage alsbald Verhandlungen zu beginnen, war aus-
sichtslos, da die meisten Fürsten schon abgei’cist waren mul die fle-
sjmdten in Hinsicht auf die Kalenderfrage keine Vollmacht Iresiisson.
Auch in der nächstfolgenden Zeit aber that Rudolf keine Schritte, um
sein Ziel zu erreichen.
1) Kaltenbruimer 604 fg. und iiidn« BMprechung io d«r Hist. Zt«dir. S. l*i-S (g. /u
l«tzUrer trage ich Qach> dass auch Calrisius in der Vorreiie 2U seinem Kienchos calendarü Gre«
goriani. 1612, den Chytraeo« missverstand
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Iß
Inzwischen erlioss wie der Bischof von Passau *) so Herzog Wil-
holin V von Baierii, der in gewohntem Uebereifer *) auch seine bischöf-
lichen Nachbarn zu unverzüglicher Annahme des Kalenders drängte,®)
für sein Gebiet den Befehl, der ])äpstlichen Bulle gemäss nach dem 4.
den 15. Octolier zu zählen. Das ei-schien dem Kaiser als ein Eingrilf
in seine liechte und als Gefährdung der Euitracht im Reiche. Sein
Statthalter, Erzherzog Ernst, legte gegen die Veröffentlichung des Piis-
sauor Befehls in OesteiTeich unter der Enns entschiedene Verwahrung
ein und forderte die Zurücknahme der in Oberösten'oicli ohne sein Vor-
wissen erfolgten Anordnung, worauf denn auch erstere unterblieb und
auf die Beol)achtuug letzterer, wie es scheint nicht weiter gedrungen
wurde.®) Rudolf selbst aber bewog den baierischen Herzog, sein Ein-
führungsgebot zu widerrufen. ®)
Trotz dieser Haltung des Kaisei^s verkürzte eine neue Bulle des
Pajistes vom 7. November 1582 die ursprünglich für das folgende .lahr
auf den Octoter gesetzte .Annahmefrist, indem sie vorschrieb, schon ini
P'ebruar vom 10. auf den 21. zu springen.®) Ihr gehorchten inde.s im
Reichsbezirko nur die belgische Regierung^), der Bischof von Trient
1) S. oben S. 14.
2) Ueber §eine kirchliche OeeinnDn^ v^l. Stieve Die Politik ißaieni» 15bl-~-1607 in: Briefe
nnd Acten t. Gosch, des dreissigjübrif^'R Kriegs IV, 407
3) Wiedemann a. a. 0. 431. Ohne 7.weifel batte Wilhelm wie an Paü«RQ so auch an die
anderen Bischöfe, deren Sprenj^eln Baiem angeburtc, geschrieben.
4) A. a. 0. 431 fg., wonach K a Itenbru n ner 500 and meine .\ngabc in der Hist. Zeitsebr.
N. F. V!, 135 au berichtigen sind.
5} Wiedemann 432. G. Maffei Annali di Gregorio X!ll, II. 274. Schon in seinem Gut'
achten vom 6/15. December 1682 erwähnt I^andgraf Wilhelm IV von Heesen des Widerrofs, Neoer
Literarischer Anzeiger, Tübingen IHüH, 137. ln späteren Streitschriften wird mehrfach darauf hin*
gewiesen. Die betreffenden Mandate Wilhelms sind mir anbekanut.
3) Die Bolle bei Clav ins Kxplieatio und sonst getlruckt. Hin entsprechendes Breve au den
Kaiser vom 13. November bet Thoiucr Annales eccl. Jll, 379 und bei Kaltenbrunner 582; in
beiden Abdrücken heisst es seltsamer Weise, es solle nach dem 10. der 20. gezählt werden. Der
Grund der Beschleunigung ist keineswegs, wie Kaltenbrunner 505 Anrn. 2 will, darin zu suchen,
•dass man für 1583 eine I>ifferenz in der Osterfeier vermeiden wollte«* denn Ostern fiel nach dem
alten Kalender anl den 31. März, nach dem neuen auf den 10. April, also nach beiden auf den*
selben Tag.
71 Mandat Philipix II, Doornicke 10. Januar 1583. Ks belsst darin, der Papst habe einen
neuen ewigen Kalander gemacht, „die principaelicken dienen tal voor de ft-eetdaeghen «mde solem*
niteyten der beiligher kerekc.“ Ttei König befehle die päpstliche Verordnung zu beobachten, „ende
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17
Cardinal Madruzzo, ') und der Bischof Marquard von Augsburg. *) Wil-
helm von Baiern ordnete freilich aufs neue die Beobachtung des päpst-
lichen Willens an, widerrief aber dann seine Befehle nochmals, sei es
auf Mahnung des Kaisers,*) sei es, weil, wie er Gregor XIII schrieb,^)
die Bischöfe, zu deren Sprengeln sein Land gehörte, die Frist zu kurz
fanden oder sich erst mit ihrem Metropoliten verständigen zu müssen
glaubten.
Rudolf II Hess sich durch die Vorstellungen, welche der Papst
schriftlich und durch seinen wiener Nuntius an ihn richtete,®) lediglich
dazu bewegen, jetzt endlich .am 20 30. December 1582 das Gutachten
der Churfursten einzufordern. ®)
Der eifrig katholische Johann VII von Trier äusserte sich ganz
im i)äpstlichen Sinne. Dagegen meinte Churfürst VTolfgang von Mainz,
der in kirchlicher Hinsicht eine vermittelnde Richtung einhielt und stets
das Reichsinteresse vorunstellte, ®J dass der Kaiser den neuen Kalender
wel de welvaert ende deacht« die nayt deso reformatie staet te TerwEchteo niet Rlleeo-
licken ten opsiene van de Bolemniteyten van de feesten van keratdach» p*^scben es andere verander-
licke feestdaeghen, die van nu vortieo zallen ghecelebreert wonlen ten naesten, dat deaelve tjrn
gheviert ghewest t’xedert t'beginse! der heiligfaer kercke. maer oock dat de saysoenen van den jaer«
midtsgaedcra de eqaiDoxien ende soUticien oft stillstant der zonnen zullen gbelickelicker commen
te vallen» volgende den loop van der zonne, hebben by rypen adviae .... gheordonneert* n. s. w.
Placaets van Flandern. Gend 1629» II. 729. Am 16. Juni 1575 batte ein kgl. Mandat bereits
befohlen» von 1576 an das Jahr mit dem I. Januar zu beginnen, während bisher in dieser Hinsicht
in den Niederlanden »ebr verschiedene Uebungen bestanden hätten. A. a. 0. 727.
1) Kaltenbronner 509. Durch einen wunderlichen lapsus calami schreibt er: «Um so
mehr batte Knhenog Ferilinand zu leiden, zu dessen Gebiet die Sprengel von Trient und Augsburg
gelBirton.*’ Es musste heissen : desaen Gebiet teilweise zu den Sprengeln von Trient und Augsburg
gelwrte. Den Tag der Einführung in Trient gibt K. leider nicht an.
2| Dieser Hess vom Dk auf den 24. Februar springen. PI. Braun Biscbtde von Augs-
borg IV, 44 fg.
6) Vgl. Kaltenbrunner 506. Wilhelm wird dem Kaiser wol nur angezeigt haben, dass er
und die ihm benachbarten Bischöfe sich verständigt hätten, den Kalender im Febrnar eininfübren ;
denn dass, wie K. aogibt, die Bischöfe dem Kaiser durch Wilhelm hätten verkünden lassen, sie
wurden den Kslcndsr einführen, wäre doch seltsam und ungebräuchlich gewesen.
4> The itier III, 421.
5} A. a. 0. 419 fg. und Kaltenbrunner 565.
6) Kaltenbrnnner 506 fg., der auch im Weiteren, sofern nicht andere Quellen angegeben
sind, benützt ist.
7) Vgl. über ihn Stieve Politik Baiems, Briefe und Acten IV, Register.
8| Vgl. über ihn a. a. 0.
Abh. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. 111. Abth. 3
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nicht cinführeii dürfe, wenn nicht »ilimntliche Reichsstände ihre Zu-
stimmung gäben, und dass er, um diese zu erlangen, einen Reichs-
deputationstag ausschreiben möge. ') Churfüisst Gebhard Truchsess von
Köln, der sich bereits für den Uebcrtritt zum Protestantismus ent-
schieden und den Kampf um den Besitz des Erzstiftes begonnen hatte,
scheint nicht befragt worden zu sein oder doch nicht geantwortet
zu haben.
Auf protestantischer Seite hatte man sich schon vorher au.s eigenem
Antriebe mit der Kalenderfrage beschäftigt. Churfürst .Vugiist von Sachsen
befragte den Landgrafen Wilhelm IV von Hessen, welcher als Astronom
und .Mathematiker in grossem .Ansehen stand,-) um sein Urteil.^) Wil-
helm erwiderte darauf am .ä, 15. December 1582 geringschätzig, der neue
Kalender werde wol von .selbst in Ranch aufgehen, und er machte gegen
dessen Annahme verschiedene Gründe geltend, vor allem den. dass die
Protestanten ileiii Papste die Befugnis, ihnen in kirchlichen Dingen Be-
fehle zu erteilen, nicht zugestehen und sich nicht aufs neue seiner Ge-
walt unterwerfen lassen dürften; er war der Ansicht, dass man, falls
einmal eine -Venderung geschehen solle, durch das bereits oben^) er-
wähnte, weit küi-zere und genauere Verfahren die Frühlingsgleiche auf
dem 1 1 . Mürz festhalten möge. Dagegen stimmte ihm der braun-
schweiger Sujienntendent Martin Chemnitz, den er seinei’seits zu Rate
zog, am 18,28. December 1582 allerdings in seinem kirchlichen Bedenken
bei, zeigte sich aber im übrigen der .Annahme des neuen Kalenders sehr
geneigt und betonte nachdrücklich, dass vor allem auf Erhaltung der
Einigkeit Bedacht zu nehmen sei.
1) Das soll es ohne Zweifel bedeuten, wenn KAltenbranner p. •^07 der Kaiser
•eine Deputation tusammenkommen Ussen*. Bekanntlich war ja der Depututionstag eine ständige
Eeichecinrichtung und wurde berufen, wenn ein Reichstag la amstandtirh schien.
2) Wolf Geschichte der Astronomie 266 fg.
!)) Cbytraeus Chronicon Saxoniae, ed. Lips 1611, p. 712.
4J S. oben S. ■?,
.5) Das Gutachten Wilhelms ist aussen an der oben S. 16 Anm. 5 erwähnten Stelle schon bei
Kasch ». Anhang N. 29 gedruckt worden.
6) Der Brief ist in N. 14 des Anhangs gedruckt Chemnitx sebliosst : «Aber das eine Bt^lenken
E. 6. Gn. ist bochnotwendig und heilsam, weil der Churfursten and Stande des Reichs Bvdenkfn oder
Votum hierin nicht ersucht, dass nicht per indiscretam accepUtionem novt calendarii Gregoriani dem
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Nicht minder hob dies der durch Gelehrsamkeit ausgezeichnete Pro-
fessor der Matlieinatik und Astnmomie zu Altorf, Johann Priitorius, in
einem auf Befehl der obersten liegierungsbehörde Nürnbergs verfassten
Gutachten vom l'll. December 1582 hervor, obwol er bereits scharf
darlegto, dass die Aenderung nur für die Katholiken notwendig sei. *)
Auch ein anderes Gutachten, welche.s der churpfälzer Begierung zu Am-
berg vermutlich von dem Consistorium eines oberdeutschen Fürsten auf
ihr Ansuchen erstattet wurde, *) fand zur l^ernieidung verderblicher Zwie-
tracht die Annahme des neuen Kalenders zulässig, falls die wissenschaft-
liche Begründung dei-sellxm vorgelegt und von deut.schen Fachmännern
gebilligt sowie die Freiheit der evangelischen Kirche gewahrt werde.
Ebensowenig verhielt sich Pfalzgraf Philipi) Ludwig von Neuburg
von vornherein ablehnend, als ihm Wilhelm von Baiern im Januar 1583
ankündigte, das.s er den neuen Kalender im Februar einzuführen gedenke.
Er ersuchte densellHui nur, den .\nschluss mehrerer Stände ubzuwarten,
und frug die Reichsstädte Augsburg und Regensburg, wie sie es zu
halten gedächten, worauf in ereterer der Mathematiker I)r. Georg Henisch
auf Anlass des Rates ein Gutachten erstattete, welches die Aenderung
billigte, und der Rat mit Zustimmung der meisten evangelischen Mit-
glietler beschloss, sich nach den katholischen Nachbarn zu richten. ®)
Sehr entschieden wurde endlich die Beseitigung des unrichtigen
julianischen Kalenders — wenn auch nicht auf dem gi'egorianist'hen
Wege — und die Notwendigkeit einträchtigen Vorgehens mit den Kn-
Papüt Gewalt, in unst?rcr Kirclien etwa» in änilern, anzosetien gJct zu gebieten, directe oder
oblique wiederom clngeräomt wurde, nml der Punct mnas mit sonderlichem grossem Fleis» wol ver*
wahret werden.“
1) Ihis Schr<>ibpn ist gedruckt in Anhang N. II. Die oldgen Angaben über Urheber und
Adressaten glaube ich in der nist. Zeitschr. a. a. 0. erwiesen zu haben. Ueber Pritorius ?gl.
Wolf Gesell, d Astr. 102 fg. nnd Kegister.
2) Es ist ebenfalli in Anhang N. 11 gedruckt. Veber Ursprung und Adresse s. Hist. 2^it»chr.
1H2 fg. Meine dort ausgesprochene Vermatung. dass das Gutachten in Gotha verfasst sei, muss ich
zuriieknebmen. leb stützte sie darauf, dass die Verfasser von .unseren gnädigen Fürsten und Herrn*
sprächen. Da liegt jedoch ein mir völlig unerklärliches Versehen von meiner Seite vor. Es heisst
nämlich in Anhang N. 11 fol. 166 b nur .unserm* a. t. w. Mithin können nicht die beiden Herzoge
von Gotha gemeint sein, sondern es ist an einen anderen Fürsten in der Naebbarsebaft der Oberpfalz
und Neuburgs zu denken.
3) P. van Stetten Oeechiebte von Augsburg I. Ueber Heniseb s. das. 826.
3*
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tholiken in dem Gutachten des MathematikerB der diurj>fälzi8chen Schule
zu Neustadt an der Hardt ') Iwfürwortet.
Allen diesen Protestanten war damals lediglich das in München ge-
druckte Kalenderhruchstück bekannt. Nicht mehr lag den Chui’füraten
von Ilrandenburg und Sachsen vor, als sie dem Kaiser antworteten.
Johann (ieorg erklärte sich mit der Einführung de.s Ksdenders voll-
kommen einvei’standen und stellte nur die eine Bedingung, das.s der
Kaiser jenen in seinem eigenen Namen veröffentliche, damit die Aen-
derung nicht vom Papste ausgehe. Nachdrücklicher betonte .August von
Sachsen, dass das Ansehen und die Picchte des Kaisei-s und des Beiches
gewahrt und Anmas.sungen des PajMites gegen diese zurückgewiesen wer-
den müssten, doch zeigte auch er sich nicht gesonnen, den Kalender ab-
zulchnen, und schlug wie Mainz vor, die .Angelegenheit auf einem Dc-
jHitatioastage erörtern zu lassen.
AVir sehen, die Stimmung der deutschen Protestanten war dem
neuen Kalender im Allgemeinen keinesw'egs ungünstig. Sogar einer der
bedeutendsten Theologen, der sich durch seinen stairen und unduldsamen
Eifer für lutherische Itechtglüubigkeit auszeichnete, Chemnitz, ’'*) hatte
sich — und zwar sehr entschieden — für die Annahme au8gespii>chen.
Die .Aeusserungen der Churfürstou machten Budolf II Mut. Da die
.Abhaltung des De[)utationstages wegen der kölner Wirren nicht möglich
war, *) zeigte er dem Churfürsten von Sachsen an, er werde die Ein-
führung des neuen Kalenders für den nächsten October anordnen, dabei
aber die Würde des Beiches genügend in Acht nehmen. Nun war es
jedoch zu spät, denn den Protestanten war inzwischen die Einführungs-
bulle l>ekannt gewoiden.
Dass Gregor in dieser seine .Aenderiing mit dem Beschlüsse des
Concils von Trient begründete, dieses Concils, welches die evangelischen
Lehren aufs si-härfste verurteilt mul mit zahllosen Bannllüchen Ijehistet
hatte und zu dessen blutiger Vollstreckung man die Päpste und Spanien
sammt ihrem .Anhänge verechworeu glaubte; da-ss er die Neuerung als
1) N. 'Z des Anhangs p. 5 fg. TgL Uiat. Ztaclir. a. a. 0. i'^^.
2) Vgl ab«r ihn Allgemeine deaUche Biographie s. and die dort angeführten QaeUco.
3) THes Qbertieht Kaltenbranner 50K
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ein Reservatrecht des römischen Stuhles und als einen Teil der Brevier-
verhesserung bezeichnet«;. dass er ihr keinen anderen Zweck Ixdmass als
den. das Osterfest nach den Vorschriften alter l’äpste und des niciinischen
Concils zu begehen; dass er ihre Kinführung kraft seiner .Amtsgewalt
befahl uml dass er die Widerspiinstigon mit dem Hann btslrohte. das
Alles schien den Protesbuiten die Annahme zu verbieten, falls sie nicht
durch diese stillschweigend das tridentiner Concil, die Verbindlichkeit dos
canonischen Rechtes und die kirchliche 01)ergewalt des Papstes aner-
kennen wollten.
Sofort äusserte sich Churfüi-st .August in diesem Sinne ') und erklärte
dem Kaiser, dass er sich dem angekflndigten Befehle dessell>en nicht
fügen werde, ehe er sich nicht mit seinen Glautensgenossen vei’stündigt
habe. l>etztere Bedingung war lediglich eine aus Rücksicht für den
Kaiser beigefügte Verhüllung der umviderrullichen .Ablehnung. .August
wusste voraus, da-xs alle Protestanten sich wie er, der Mächtigste unter
ihnen, entscheiden würden. Rückhaltlos schroff lautete dann die .Ab-
lehnung des Churfürsten Ludwig von der Pfalz, welche wol deshalb eiiät
am 3 13. Sejrtember 1583 erfolgte, weil er sieh ziu)ächst von dem hei-
delberger Professor der Mathematik, Michael Mä.stlin. der später in
Tübingen Keplei-s Lehrer war,-) ein ausführliches Outachten ülx;r den
neuen Kalender geben Hess, das er dem Kaiser zusandte.
Xichtsdestoweniger ging Rudolf, durch das Drängen des Papstes und
eifriger katholischer Reichsstände genötigt, weiter. .Am 4/14. .''eptember
1583 forderte er die sämmtlichen Reichsstände auf, im October den netien
Kalen<ler eiuzuführen. Um die Beilenken der Protestanten zu beseitigen,
erwähnte er dabei den Papst und den kirchlichen Zweck der Aenderung
mit keinem Worte ^) und begründete diese aus.s<'hliesslich mit der Xot-
1) B«t K alt«n brn nner S. Z«iIo 17 voa mitcn moas in dem Satz«: .dass der Pabst
sieht nur siebt die Haltung* des Kalenders mandir*.-,“ das sinnstrirende zweite nicht weKfalles.
2) Vgl. über ihn Wolf Oesch. d. Astrem. und Register.
3) S. Anhang N. und 11, and Kaltenbrnnner 580 fg.
4) Uro die Protestanten nicht zu reizen and die staatliche Hoheit za wahren, hatte schon
Wilhelm ton I3ai«*rn bei der VeK^fTentlichung des KalenderbrucKstdclces im Herbst 15HJ nicht von
dem Aufträge des tridentiner ('ondls gesprochon and betont, dass der Papst die Aenderung auf
emsiges Anhalten des Kaibcrs und anderer christlichen Fürsten erfolgt sei. N. H des Anhangs S. 51.
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Wendigkeit, dass Deutscliland des Handels und Verkebra wegen mit den
es umgehenden Staaten in der Zeitrechnung Gleichförmigkeit l>eobachten
müsse. Die Verschickung dieser Aufforderungen wurde zum Teil durch
tlen Widei'stand gehindert, welchen die für diesell)e Zeit Ijefohlene Ein-
führung des Kalenders in Böhmen fand. Nach dessen Beseitigung erliess
lUulolf am 18 28. Oei'ember 1Ö83 ein neues Ausschreibeu, worin er an-
ordnete, im Januar 1584 vom 6. auf den 17. zu springen.')
Seit letzterem Tage datierte er sellwt nach dem neuen Kalender.
Dil" katholischen Beiclisstiinde richteten sich teils nach seinem ersten
Ausschreiben, teils folgten sie nllmiililich nach.''') Am Beichskammer-
gerichte wurden beide Kalender beobachtet.’) Die protestantischen Stände
aber verhielten sich — ohne Zweifel nach vorgiiiigiger Verständigung —
sämmtlich ablelmend. Vergeblich verhandelte der Kaiser 1584 im Früh-
jahr auf dem Fürstentage zu llotenburg a. T. mit den dort Anwesenden
und im September mit einer Versammlung der Beichsstädte. ■•) Kr er-
reichte nichts.
Vgl. Wietlemunn Reformation o. « w. I. 4:U. Auch in dor Vorrede to N. 1 des Anhanjfs wird
lediglich gesAgt : •Nachdem iins hochnotw^digen Ursachen, der K. Ks). SJt. satnnit anderer f&r*
nembsten christlicben Potentaten und .Ständen .Inhalten, auch mit dertolben Wissen und Wülen di«
Mängel und Irrtilmer, so sich im gemeinen Kalender mit der Zeit in Haltung des bl. lästerlichen
Fest^ und wai demselben anhutigig (wie solches den Gelehrten und matheinaticis unrerborgen) «in*
gerissen, mit sondern Fleiss, MQhe und UnkcMiten corrigirt . . . sind,“ u. s w.
1) Kaltenbrunncr '>'.»1» fg. I>as Mandat des Kiisers rom 4/14. September bei Lbnig
Reirhsarchiv t. 111, Continualio I, dld und Spicilegium erclesia^ticuro. Continuatio 1, Der ent-
sprechende Rinfübrung^bcfehl für Oesterreich rom I/ll. October im Codex .\uatriacus 1, 241. Bei
LQnig Spicilegium a- a. 0. lindet sieh ferner ein Mandat rom 10. December für Schlesien, tmeb
dem 6. Januar 1*>^4 den 17. zu zählen; gleiche Befehle ergingen für Böhmen. Mähren und Lausitz.
Worauf sich die Angabe bei Khevenhiller Annales Ferdinandei 1, 246, der Kaiser habe am 10. De-
cember fbr das Reich und seine Erblander befohb'n, rom 14. auf den 25. December zu springen,
stützt, ist mir unbekannt. Die Behauptung Tbeiners Annales eccl. 111, 41S, der Kaiser habe atn
•Sl. August die KinführuDg ftir den 10/21. October befDhlen, ist offenbar eine der bei Tbeioer nicht
aelteuen Nachlässigkeiten.
2) Ich habe die Einführungstage, soweit es wir möglich war, in der Hist. Ztschr. a. a 0.
135 fg. zusammengestellt.
8) Es rerordnete am 14. Juni 15S8, bei Bcantragnng ron Processen nur den alten Kalender
zu gebrauchen, bis der Kaiser und die ReiclisstänJe anders bestimmen würden. Häberltn Neue
Teutsebe Reicbsgeschichte XIII, 441. Von welchem Tage an cs die beiden Kalender beobachtete,
finde ich nicht.
4) Chjtraeut i'hronicon Sazoniae 741 und Häberlln XIII, 524. Die Reichsstädte hatten
15)<4 iin Februar rereinbait, den neuen Kalender nicht anzunehmen, ehe es nicht Ton allen Reichs-
•tän len geschidie. A. a. 0. 520.
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Solchen Widerstand hatte er nicht erwartet und der entstehende
Zwies])alt erweckte ihm schwere Sorge. Sein Uruder Ernst riet ihm,
die Einführung des neuen Kalendei-s zu wndomifen. ') Das war ihm
jedoch wegen der Katholiken und aus kirchlichen Rücksichten unmöglich.
Er musste den Dingen ihren Lauf lassen und sich wie später sein Nach-
folger auf neue Versuche, die l’rotestanten zum Anschlüsse zu bewegen,
beschränken. -)
ln den kaiserlichen Hauslandeu gelang es Rudolf und seinen Brü-
dem, zum Teil allerdings nicht ohne Kämpfe, den Kalender auch bei
den evangelischen Ständen und Unterthanen zur Anerkennung zu brin-
gen. Im Reiche fügten sich ihm nur die Brotestanten derjenigen (ie-
biete und Reichsstädte, deren Regierung katholisch war. Die »niab-
hängigen betrachteten es als (ilaubenssache, sich seiner zu erwehren, und
mit der ganzen Leidenschaftlichkeit kirchlichen Hasses wurde er aus
ihrer Mitte in Druckschriften bekäm))ft.
Schon 1583 war eine Reihe von solchen erschienen. Im nächsten
Jahre wurden sie zu Heidelberg wie ein Manifest der Partei gemeinsam
veröftentlicht. Andere folgten tiach. Nebenher wurden aus besonderen
Anlässen Gutachten nnd Erörterungen über die Zulässigkeit der Annahme
des neuen Kalenders verfasst, welche nicht minder deutlich als jene
Druckschriften die Stimmung nnd Anschauungen der Protestanten dar-
legen.
IV.
Ich beabsichtige nicht, die wissenschaftlichen Einwendungen, welche
gegen die Richtigkeit des neuen Kalenders erhoben wurden, nnd die zu
U KaltenbrsDner
*2) Vgl. Hist. Ztsebr. a. a. 0. 131. Ueber tÜe Verhandlungen von 160-1 und 1613 werde ich
in meinen Veröffentlichungen für die Historische Commission nähere Nachrichten bringen.
:l) Vgl. Kaltenbrunner 5I1 fg. Chlumecky Zierotin 124; Raapach Evangelisches
Oesterreich IV, 44, VI. 153 fg. Priti Geschichte des Landes ob der Ena 27!». Wiedemann Re-
formation und Uegeiireformatton im Lande unter der Enrw I, 432 fg. J. Zahn Der Kalenderstrcit In
Steiermark, Mittbeilungen d. bist. Vereins f. St. XIII, 128 fg. Dimitz Geschichte Krains III, 105,
Hermann Geschichte von Kärnten II, 184, Khevenhiller 1, 320, K- A. Menzel N- Gesch. der
Deutschen IIL 54 Anm. 4. Fessler Geschichte von Ungarn, 2. AulL IV, 9. Ueber Oesterreich
vgl. auch N. 29 des Anhangs.
4) Die mir bekannten verzeichne ich im Anhänge.
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ihrer Alilelinung vorgebrachten Ausführungen zu l)erichten. ') Für die
uns beschäftigende Seite des Kalenderstfeites sind sie ohne Bedeutung
und es genügt, zu erwUlinen, dass die geringfügigen Ungenauigkeiten
des neuen Kalendeis, welclie übrigens von Clavius und Cletnens VIII
rückhaltlos zugestanden wurden, sowie eine Keihe von anderen, mehr
oder minder verständigen Ausstellungen der Gelelirten auch in weiteren
Kreisen gegen die Annahme geltend gemacht wurden.
Die Gründe der Ablehnung, mit welchen wir uns eingehender zu
l)eschäftigen haben, waren anderer Art.
Zunächst bestritt mau, da,ss die Aeuderung des julianischen Kalenders,
dessen Fehler allgemein bekannt seien, ein Bedürfnis der Wissenschaft
oder des öffentlichen Lebens bilde, und führte daljei nicht nur die oben
erwähnten Gründe ins Feld, sondern bot sofort auclj den dumpfen Aber-
glaul>en und ilie verlwhrte Theologie der Zeit als Bundesgenossen auf.
Es sei gar nicht zu fürchten, wurde gesagt, dass die Frühlingsgleiche
1) Vgl. über sie Kaltenbrunner TiH fg.
2) Sehr derb geschah dies durch OsUnder in K. 7 des Anhangs 91 b. Würde, bemerkt er,
der Kalender an evangeluchcn UniTersititen durch die Hechel gesogen, so wünU sich gewiss noch
>iel grobes Werg, das nichts taugt, Hoden, „dann die Sachen so richtig mit diesem Kalender sein
wie eines alten Bauern tilsig Haar, darin einer wol neun Kämme verbrechen möchte, ehe er es
richtig macht«*.* Es kann wol geschehen, dass nach einigen Jahren ein anderer heiliger Geist daher-
Hiegt und diesen heiligen Geist, der den gregorianischen Kalentler canonisiort hat. reformiert. Bei
den Päpsten ist es ja nicht selten, dass sie die Decrete ihrer Vorgänger verwerfen Dieser Kalender
wird gewiss nicht länger dauern, al» Papst Gregor lebt.
t\) S. S. H fg. Am geringschätzigsten sprach sich seltsamer Weise der Astronom Mästlin aus.
So oft ich. sagt ft in der Vorrede zu N. b des Anhang«, bei meinen Studien auf Auseitiander-
Setzungen, dass die Aeuderung des Kal>nderi notig sei, traf, «hab ich mich allmal ob der kindischen
Einfalt deren, so diese Mater! auf die Dahn gebracht haben, rerwanlert, dass sie gleichwie die
Kinder (welche, so sie in ihren studiis was Subtiles ergreifeo. ea für hohe Kaust halten, so doch
einem verständigen Mann dasselbe auch nur Kiuderwerk UtJ sich mit diesen schlechten, beillosen
Sachen bekümmern und darin ihre Kunst, gleich als ob's was Wichtigs wäre, erzeigen wollen und
aber daneben, was mehr notwendig und nützlich ist, wie die Kinder nicht verstellen noch achten.
Aber die Schuld und Unuich schreib ich allweg derselben 'Aoii zu. in welcher die Künste noch nicht
so bekannt, viel weniger so hoch gestiegen waren, wie sie durch Gottes Gnade jetzt kommen sind.
Darum habe ich nicht vermeint, auch anders nicht getlenken können, denn es wurden nunmehr alle
mathematici (wie zwar solches bei den recht verständigen mathematicis als bei denen, welche in
mathematicis nicht mehr Kinder sondern Männer sind, geschieht) zu dieser jetzigen glückseligen Zeit
sieh schämen, solche Aenderung des Kalenders weiter fortiutreiben * Nun aber kommt der Papst.
Da ist es mit dem blossen Spott nicht mehr gvtban. Ich will also zeigen, wie es mit der Sache
steht. Die Neuerung ist zuin Teil kindisch, zum Teil arglistig; sie ist nnriebtig und eine Praktik
gegen das reine Evangelium, u. s. w.
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scliliesslicli auf Weihnachten falle, weil lange vorher der jfmgste Tag
Kalender und Welt in Feuer vcj’zehren werde. Der Glaul>e an das nahe
Bevorstehen des Weitendes war seit den Zeiten der Beforinatoren und
namentlich durch sie bei den Protestanten allgemein geworden und hatte
sich auch bei den Katholiken eingebürgert. Die Bedensart: „in diesen
unseren letzten Tagen“ und älmliche Wendungen begegnen uns nicht nur
in den Büchern der Theologen, sondern sogjir iin diplomatischen Brief-
wechsel und in amtlichen Actenstücken und Urkunden wie bei.sjiielshalber
im bairischen Landrecht von 1016 ') gleich Erwälmiuigen einer unbe-
zweifelbar feststehenden Thatsache unzählige Mal und in eigenen Ali-
handlungen, namentlich aber in den so beliebten astrologischen „Prak-
tiken“ wurde immer wieder versucht, den Tag des Gerichtes fe.stzu.stellen.
So lag es denn nahe, die herrschende Ueberzeugung auch hier zu ver-
werten.
Es geschah gleich anfangs durch den Landgrafen Wilhelm, welcher
vei-sicherte. die Welt werde untergehen, ehe noch die Frühlingsgleiche
bis in den Februar gewichen sei, wobei er überdies für seine Standes-
geno.ssen noch warnend bemerkte, dass „mutatio calendarii jeder Zeit
grosse mutationes imperii gebracht“ habe. Dann führte der wirtem-
bergische llofprediger Lucas Osiander aus, “) da die Nähe des Weitendes
verständigen und schriftkundigen Christen ül)er jeden Zweifel erhaben sei,
hätte der Pap.st die Zeitrechnung während der noch übrigen, vielleicht
wenigen Jahre wol im alten Stande lassen und sich die Mühe ersparen
können, einen Kalender zu machen, der bis fünftausend oder noch mehr
Jahre nach Christi Geburt, also bis etliche tausend Jahre nach dem
jüngsten Tage hinausreiche. „Aber freilich,“ ruft er aus, „die Päpste
sprechen mit dem bösen Knechte im Evangelium: Mein Herr kommt
noch lange nicht, und deshalb haben sie auch längst angefangen, ihre
Mitknechte zu schlagen, das heisst, reine Kirchendiener und Christen zu
verbannen, zu hängen, zu köpfen, zu ertränken und zu verbrennen.“ *)
l) Polizeiordnaag IX.
ä) N. 7 dea Anlittnjf» fol. 92 b fg.
3) In dem GntAcbteu für die amberger Regiernng, welche« oben Si. 19 erwähnt wurde, heisit
ec: Der jalianicche Külendcr .wäre auch liinfüro nncerec Erachtens nicht anbillig tu behalten,
sintemal uns ans Gottes Wort und andern Zeugnissen bewust ist, dass der jüngste Tag nahe ror der
Abb. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Vfm. XV. Bl 111. Abtb. 4
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Entbprechcnd iUisserte sich 1584 der tübinger Kalenderinacher Jo-
hann Schidin, ') welcher nieiiite, die Welt könne, da eine herrliche, dem
Propheten Elias zugeschriebene Prophezeiung ihr nur 6000 Jahre zuge-
stehe, höchstens noch 413 Jahre erhalten bleiben, wenle aber wahr-
scheinlich schon 1588 untergehen, wie ein Spruch verkünde, der von
dein berühmten Astronomen Itegiomontan -) herrühren siille und laute:
Tansead fünfhuudert achtzig und acht,
Das ist da» Jahr, das ich betracht’.
Geht in dem die Welt nicht unter.
So geschieht doch sonst gross merklicli W ander. *)
Dieser — damals ungemein oft angeführte — Spruch stützte sich
auf das im Jahre 1588 stattlindendo Eintreten der sogenannten gros.sen
Conjunction aller Planeten, mit weleher eine der astrologischen Epochen
schlos,s. Schulin fand ihn durch ein Prognosticon ile.s Astrologen Cy-
prian Leovicius •'*) und andere Zeichen bekräftigt. Dagegen verschob eine
1580 veröffentlichte Schrift“) den Weltuntergang bis 1623, erachtete aber
auch diesen Zeitraum für zu kurz, als dass sich die Kalenderiinderung
noch lohne.
Seihst ein so tüchtiger Astronom wie Miistlin trat in diese Erörternng
ThQro mI, An welchem ^pgenwartige Welt tnit aller Jahre«rediming ein Ende nehmen und der
Sohn Gottes mit seiner letzten Zukunft ein nett, fröhlich inbeljahr des ewigen f^bens lierzubringen
wird und Anfängen.* N. 11 d. A. fol. Iü4a.
l) Anhang N. 18, p. 14 fjj.
*4 Vgl. Über ihn Wolf Gesch. d. AkU. 87 fg. n. Register.
Ein anderer Spruch, den K. I des Anhangs neben obigem anführt, lantete dagegen:
Mille annis (?onim)
Hniusmotli non fnit coelnm.
Veteres dudum dixere,
Hoc anno onmia lagere
Mandi hnem non babebis,
Permntationem magnam videbis.
4) Sämintliche Planeten kamen, indem Satnrn nnd Jupiter das wässerige Dreieck, die Zeichen
des Krebses, des 8corpinns nnd der Fische verliesaen, im feurigen Dreieck, den Zeichen des Widder»,
des Ldwen und des Schützen zusammen. Diese Stellnng sollten sie bei Erschaffung der Welt einge-
nommen haben und erreichten sie nur nach je achthundert Jahren wieder. Vgl. Sethl Calrisii
Elenchus Caleodarii Gregoriani 1612, A 2 fg.
5) Vgl. über ihn a. a. 0. 80:t.
6) .knhang N. 28.
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ein und verkündete gleich Schulin auf die Prophezeiung des Elias hin.
deren Echtheit er freilich bezweifelte, dass die Welt spätestens nach
400 Jahren, vemmtlich aber, da der Antichrist bereit.s offenbar geworden
sei, noch eher untergehen werde. *) Der Verfasser des neuen Kalenders,
bemerkt er,®) habe allerdings viel „Subtilität* angewendet, indes sei es
offenbar nur geschehen, um mit seiner Klugheit zu ]>rangen, denn ihren
Nutzen solle jene meist erst viele hundert Jahre nach dem jüngsten Tage
tragen. „Oder,“ fragt er höhnisch, „werden etwa Gott, die lieben Engel
und wir nach dem jüngsten Tage in der ewigen Herrlichkeit diesen Ka-
lender auch gebrauchen müs.sen. bis die 40000 Jahre abgelaufen sind,
für welche er berechnet ist?“ Dabei steigt Mästlin ein erschreckender
Verdacht auf. „In dem ganzen scripto dieses Kalendarii Gregoriani.“ sjigt
er, „wird des jüngsten Tages niemals mit einem einzigen Wörtlein aufs
wenigste gedacht. Hingegen aber heisst sein titulus; Kalendarium Gre-
gorianum Perpetuum, de."« Gregorii immerwährender oder ewiger Ka-
lender. So auch Tabulae Perpetuae etc. Daraus möchte man schier
Ui'sache nehmen, den Verfasser samnit dem Papste und Allen, die den
Kalender billigen, zu verdenken, dass sie allesammt vom jüngsten Tage
gar nichts halten und also weder nach Cliristus noch nach der Welt
Ende fragen, ja auch weniger daran denken als die epicureischen Sjiötter,
von welchen der Apostel Petrus (dessen Stuhles Erbe der Papst sein will)
II Pet. 3 redet.“ “)
Es war den Katholiken leicht diesen Hinweis auf das nahende Weit-
ende hinfällig zu machen. Schon das neustädter Gutachten hatte ihn
mit den von Mästlin selbst angezogenen Worten der Schrift, dass Nie-
mand Zeit und Stunde wisse, abgelehnt, ■*) und ein anderer Protestant,
1) ln N. 11 des ÄohanKS ful. 16 a fg
2) A. L O. 66 t) fg.
3) Aach die Raaemhlage, Anhang sagt: Der PA(>st volle wol, damit er noch lange nicht
TOT Gottes Richteratulil kommen dQrf«, die Wort« Christi zu Wasser iiiachen, dass die Zeit am der
AuserwÄblten Villen abgekürzt werden ^Ue; sein Kalender gebe ja za verslrben. dasa die Welt noch
siele hundert Jahre bcsteben werde. Zam Schlasse rerkündet aach sie den jüngsten Tag als nahe
bevorstehend, weil alle Zeichen desselben erfüllt seien. Ketzereien, Aufruhr, Zwietracht, Hanger,
Teaerang, Pestilenz and Verfolgung der Christen sind cingetreten; die Feindsebaft wächst, die Liebe
erkaltet, Ungerechtigkeit nimmt überhand; das Evangoliani aber wird recht gelehrt. 0 ChrUte,
zQgere nicht lange mehr und criüse uns aas des Papstes Tyrannei !
d) N 2 des Anhangs p. 16. Aach er, sagt der Verfasser, glaube, dass man in den letzten
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der Kantor an der Thomastchule zu Leipzig, Seth Kallwitz, ') bemerkte,
dass man aus demselben Grunde auch aufhören müsse, llüuser zu bauen,
Weinl)erge anzulegen und Bäume zu pHauzen. *) Deu übrigen Einwend-
ungen wider die Notwendigkeit der Aenderung komiteu die Anhänger
des Papstes freilich die Berechtigung nicht absprechen und sie beriefen
sich daher zu deren AWhwächung nur auf die Fehlerhaftigkeit des
alten Kalenders, das uralte Verlangen nach Abstellung dieser und die
Zweckmässigkeit einer unveränderlichen Jahresrechnung.®)
V.
An zweiter Stelle machten die Protestanten die Nachteile geltend,
welche die Auslassung von zehn Tagen verursachen werde. Eine unge-
meine Verwirrung müsse in allen Handlungen de« bürgerlichen und
öffentlichen Lebens, welche an bestimmte Kalendertage geknüpft seien,
im Geschäftslcben und im Gerichtswesen entstehen. Die Angaben der
Geschichtswerke und Chronologen und die astronomischen Tafeln mid
Berechnungen würden unbrauchbar sein. Zinsen und Schulden müssten
zehn Tage eher bezidilt. die Zehnten zu einer Zeit entrichtet werden,
wo die Früchte noch auf dem Felde standen, und diese wie andere Er-
zeugnisse könnten nicht mehr auf die nun zu früh fallenden Jahrmärkte
gebracht wei-den, wo die Einen sie zu verkaufen, die Anderen sich mit
ihneu zu versehen gewohnt seien. Allerdings könne man, wie der Pajjst
das in seiner Bulle vorschreibe, die Uichter anweisen bei Zahhmgen und
I.«istungen zehn weitere Tage zuzugestehen, aber der arme gemeine Alaun
wage und vermöge nicht immer einen Process anzustrengen.'*)
Zeiten sei, aber daraus folge nicht, dass der jüngste Tag in ein, zwei, drei hundert Jahren kommen
inflase, denn was uns tausend Jahre, sei bei Gott ein Tag.
1} V’gl. Wolf Geach. d. Astron.
2) Setbi Calvisii Elenchns Calendarii Gregoriani editus oper* Dtvidis Ohgani, Franco*
forti March. 1612, foh CH.
8) Fabricius bei Kaltenbrunner 531. Rasch in N. 29 des Anhangs, fol. 14 fg., «o
er Ton C/rill von Alexandrien beginnend die aafzählt, welche die Fehler des kirchüchen Kalenders
rügten.
4) Gutachten des Landgrf. Wilhelm vou Hessen; MästUn in N. 11 des Anhangs fol. 18a fg.
Plieninger N, 8, p. 37.
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Dass alle diese allerdings empfindlichen Beschwerden zum Teil an
sich nur vorübergehende seien, zum Teil bei gutem Willen und ein-
trächtigem Zusammenwirken beseitigt werden könnten, wollte man nicht
sehen, obgleich schon Chemnitz ') bemerkt hatte, dass der neue Kalender
nach Vollzug der einmaligen Auslassung ausser in der Osterfeier keine
Aeuderung der Kalendertage bedinge und mithin bei allseitiger Annahme
keine dauernde Wrwirrung veranlassen könne.
In-sbesondero wurde die Vemdiiebung der Festtage benutzt, um die
Bauern gegen den neuen Kalender einzunehmen. Eine in vieifflssigen,
zweizeilig gereimten Jamben abgefasste „Bauernklage“ Hess 1584 die
Bauern sagen: Wir wissen nicht mehr, wann wir ackern und säen sollen,
denn du, Papst, hast tms durch deinen Kalender alle Lostage ver-
kehrt. Wir müs.sen die Gülten und Uenten entrichten, ehe die Früchte
reif sind. Kein Krämer und Bauer kann wissen, wann ein Kirchtag ist.
Jene kommen zu uns, wir zu den Märkten zu spät. Die Arzneiwurzeln
werden nicht mehr rechtzeitig gegraben. Die Pfiiften wollen uns zwin-
gen, das Obst unreif abzunehmen. Wir wissen nicht mehr den kiu-zesten
noch den längsten Tag. Der Sonnenschein soll sich nach deinem Ka-
lender richten. Alle Feste lutst du früher gelegt. Gewiss wird dein Gott
mit dir auch zehn Tage früher das jüngste Gericht halten, weil du die
Kirche gespalten hast.
Sogar die Tiere mussten in den Kampf eintreten. Das Lied lässt
sie klagen, dass sie nicht mehr ihre rechte Brunstzeit kennten und die
Vögel nicht mehr wüssten, wann sie sich paaren und nisten und wann
sie mit ihrem Gesänge aufhören und wegziehen sollten.
Diesell>en Gedanken wiederholte ein „Kalenderliod“ von 1585,
welches beginnt:
,,Dem Papst ist der Kompass verrückt,
Die Naseu bat er krumm gedruckt
Uud mit dem Hintern hat's ersehen, ,
Dass ttit recht seine Heil’gen stehen.
1] K. 14 des Anhangs fol. 3 b.
Zj N. 3 des Anhangs.
:t) ä. S. 9. Die Klage zählt alle Banernlostage anf.
4) K. 22 des Anhengs.
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Es dnnVt ihm frei.
Von Nöten sei.
Dass man mach’ ein Kalender neu.
Ein Kalender hat neu betracht.
Die Bauern damit irr gemacht.
Es thnt ihn weh under dem Hut,
Unss nimmer ist ihr Praktik gut.
Es dünkt mich frei,
\’on Nöten sei,
Pass er auch mach' ein Praktik neu
Kann er die Leut zwingen mit G’walt,
Pass man sein neu'n Kalender halt,
.So zwing' er auch die Tier dazu.
Pass jedes seinen Willen ihu
.Sie nieiueu frei,
Nit not es sei,
» Pas Alt ihn g’fällt und nit das Neu'.“
Dann wird versichert, der Bär bleibe bis zur alten Lichtmess in
seiner Höhle, der Storch koniuio mit dem alten Peter, der Kuckuck rufe
mit dem .alten Hans, der Hirsch springe am alten Ilgentag in die Brunst
u. B. w., die päpstischen Bauern aljcr, die man mit Gew'alt zum neuen
Kalender zwinge, klagten sehr und richteten sich mit ihrer Arbeit nach
dem alten.
Auf die Bauernklage antwortete 1585 ein katholischer „Bauern-
ratschlag“ *) in ebenso schlechten Verstm und ebenso witzlos, alx*r ver-
ständiger, nachdem er eine Geschichte der Kalenderänderung vom Ni-
cünum an gegeben. Namens der Bauern: Du, Verfasser der Bauernklage,
Bcliiobst uns die Beschwerden gegen den Pap.st zu. . Wir aber hüten uns
wol. dass uns nicht wieder wie im Bauernkrieg ein Wahn betrüge. Der
Pajjst hat die Zeit weder abgekiii-zt noch geändert. Das heisst vielmehr
die Zeit verkehren, dass. sLatt die vom uralten Gott gesetzten Feste zu
halten und die Fsisten zu beobachten, jetzt alle ihre Ordnung vernichtet
ist un<l alle L.aster gemein sind. Wir achten für säen, pHanzen und
graben nur auf die Tageslänge, das Wetter und die Laudesart. Käme
1) N. 21 des Anltanp«.
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es auf flie I^ostage an, so wiiren unsere VorfaJiron sckliinin daran ge-
wesen, als jene stets zurückwielien. Nicht die Heiligen, sondern tlie Ge-
stirne machen das Wetter. Meinst du, die Loostage stimmten jetzt ge-
rade mit der Natur überein, so nimm statt der bisherigen Heiligen
solche, deren Feste zehn Tage später treflen, und
„Hättest derselben noc# nicht gniig,
Ein g'wisses rieten wir mit Fug:
Magst die Philosophie durchgrOnden
Der alten Weiber, so wirst’s tinden;
Hab' wol uni Gäus und Enten .\cbt.
Die Mucken und Flöhe auch betracht.'*
Die Gülten konnten doch unsere V'orfahren entrichten, als die Tage noch
fa.st so lagen, wie es jetzt wieder angoordnet ist. .Viich treffen ja die
Ernten je nach der Witterung sehr verschieden und im schlimmsten
Falle wird man uns schon Aufschub geben. / Die .lahrmürkte sind aller-
dings verkehrt worden, es wäre aber keine Unordnung entstanden, wenn
man den neuen Kalender allgemein nugenommen hätte, und m.au kann
sie ja, wie oft geschehen, verlegen.
Was die Tiere angeht, fährt die Dichtung dann fort, so wollten
wir Bauern ihnen erst gestatten, sich noch viele Jahre jiach dem alten
Kalender zu richten, daun aljer beschlossen wir, sie zu ersuchen, dass
sie den Kalender halten möchten, wie ihn einst ilie Ilömer und jetzt
wieder der Papst geordnet. Da antwortete uns die Kuh, sie wisse ohne
Kalender zu berechnen, wann sie sich zum Stiere gesellen müsse, und
die Vögel sagten: AVir richten uns lediglich nach dem Himmel; in
Deutschland, Welschland, der Türkei, dem Mohi-enlande, Indien. .Amerika
und der Taitarei tinden wir vielerlei Kalender; sie alle kümmern uns
nicht ;
„Doch wissen unter uns tlie .Alten,
Dass man vor Zeiten hat gehalten
In dem Land, das heisset Christenheit,
Ein’ bessere Einhelligkeit “
Nach dieser Mahnung, die aus dem wti.sten Hader der kirchlichen Par-
teien wolthucud zu uns horüberklingt, schliesst dann das Lied: Auf die
Antwort der Tiere hin hielten wir Bauern wieder Rat und fanden nun.
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vrovon jene sprachen, nämlich den längsten und kürzesten Tag. Meinst
du wirklich, wir Bauern wüssten nicht, wann die jetzt treffen? M.ahnt
uns doch alles an sio und zeigen sie uns doch auch die Tiere an.
Kannst du's nicht merken, so achte auf die längste Xacht, dahei ist
auch der küraeste Tag und umgekehrt
Vernünftig und schlagend %urde auch in anderen Schriften dar-
gethan, dass <lie Auslassung der zehn Tage dem bürgerlichen Leben nicht
dauernden Nachteil bereiten könne, wenn sie allseitig durchgeführt werde.')
Eifrige Katholiken empfanden indes das Bedürfnis, auch durch die Natur
die liiehtigkeit des pä)istlichen Kalenders bestätigen zn lassen. So erzAhlt
Johann Basch -| 1590: „Man spricht insgemein, an S. Vincenzen Tag
heiraten jährlich die Vögel zusammen. Obwol das \'ieleu ein Gelächter
sein uml abenteuerlich gedünken will, so gel.)e es doch der Augen.schein,
.sagen die Leute. Als daher etliche heuer und friiher mit Eleiss darauf
Acht gehabt, haben sie gesehen und befunden, dass ilie Vögel sich j).aar-
weis gi-sellet und zusammengestandeu an S. Vincenzen Tag nach dem
neuen, nicht mehr nach dem alten Kalender. ®) Katholische V'ögel. ver-
ständiger als manch grober, stutziger Mensch ! Die heiraten auf dom
Kirchtag zusammen und halten den Neuk.alender elu-sam.“
(ianz besondere Freude bereitete den Ajdiängern de.s Papstes ein
Nussbaum, ttljcr welchen 1584 der Brief eines Unbekannten an ilen
Pfarier zu Nikolsbimg in Jlährcn veröffentlicht wurde. "*) Als ich nach
Graz kam. berichtet der Verfasser — offenbar ein vornehmer Manu —
erzählte mir Erzherzog Karl, zu Campo longo in Friaul, drei Meilen
von Görz, sei ein Nussbaum. der stets Itis in der Nacht vor Johanni
dürr bleibe, dann aber i)lötzlich Blatter. Blüten und kleine Niusse. welche
1) Fabricioi« bei K altcnbrun n »r Rasch N. 211 tl. Anhang» fol. 31 fg. Hornstein
N. :I2 fnl. 7 fg.
2) N. 2J> tl»*8 Anhanirs- TeWr dfn VerfasKer vgl. dort und N. l«, 17 und 2*». Er wird wol
derselbe sein« von welchem Zedier UoiTerMllexicoD s. v. angiht. er hab>* 1572 etliche lateinische
Weihnachls-, Oster* und andere Gesinge für vier ou«l mehr Stimmen eq München in Druck gegeben.
3) Die Stelle ist fast wörtlich aus V. 12 des AnhaiigfS entnommen.
4) S. N. 12 des Anhanges Als Grund der Veröffentlichung wird dort nngegebon. das Wunder
bestätige, dass die Kulenderinderung nützlich und Gottes Willen und Werk sei, dass wir Christen
gehorsame Schäflein d« obersten Hirten sein sollen uml dass der Kalender die wahren Lostage
mehl vorrBcke.
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mit den anderen reif würden, treibe. So liabo er es stets und noch
1582 nach dem alten Kalender gethan. Nachdem aber in Friaul im
October 1582 der neue Kalender eingoführt worden, habe er 1583
diesem gemäss sein Wunder verrichtet. Das habe dem Erzherzog der
Nuntius gemeldet. Viele reisten hin. Auch ich machte mich auf den
Weg. ALs ich zum Bischöfe von Laibach ’) kam, berichtete ein dort
anwe.sender Adlicher aus Görz, Fortunat Cetha, der Kichter zu Görz,
Matthias Scherer, den man auf mehr als -10000 Ducaten Vermögen schätze,
habe eigens einen Mann zu Johanni nach Campolongo geschickt und
dieser habe den Baum am Vorabende dürr, arn Festtage mit Blättern,
Blüten und Früchten geschmückt gefimdeu; von ihm mitgebrachte Zweige
habe der Richter dem Erzpriester und vielen Vornehmen zu Görz gezeigt.
Richter und Erzpriester bestätigten mir dann selbst das Alles und ebenso
die Bauern von Campolongo, wohin ich mit dem Richter und dem zu
Johanni von ihm Abgeschickten ging. Ich habe heute einen am Jo-
hannistage gebrochenen Zweig an Herrn von Dietrichstein*) geschickt,
der ihn ohne Zweifel dem Kaiser zeigen wird. Einen anderen w'ill ich
mit nach Rom nehmen und dom Papste zeigen. Auch den Bischöfen
von Olmütz und Wien schicke ich welche. Der Baum hat sich also nach
dem Pajjste und der katholischen Kirche gerichtet und „habe ich Ew. Ehrw.
diese neue Zeitung darum zuschreiben wollen, damit Sie Gottes Wunder
vernehmen und erkennen, dass mit der Zeit die unvernünftigen Bäume
verständiger und der Kirchen Gottes zu gehorsamen, geneigter und wil-
liger werden als die vernünftigen, unsere Ketzer“.
Wir sehen aus diesem Berichte, in welch hohen Kreisen man dem
frommen Verhalten des Nussbaumes Aufmerksamkeit schenkte. Sogar
der Jesuit Maflfei, welcher die Geschichte Gregors ,\III bald nach dessen
Tode schrieb, gedenkt des Baumes und versichert-, dass des Pa[)stes
Zweifel durch das Zeugnis des Nuntius Malaspina beseitigt worden seien.
Er weiss zugleich noch von anderen, nicht minder belehrenden Wundem
zu melden, die sich fern in Siebenbürgen zugetragen. Als ein Mann,
erzählt er, an einem nach dem neuen Kalender verbotenen Tage ge-
1) Johann Taut»ch«r, ein eifriger Förderer der Restauration. Valvusor Erein JI. 667.
2) Ohne iiweifel der Obersthofnieister Rudolfs II, Freiherr Adam von Dietriebstein.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. III. Äbth. :>
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heiratet habe, »ei sein Brmler am nächsten Tage gestorben und er selbst
mit seiner Frau in so heftigen Streit geraten, dass sie ihm davon ge-
laufen; ein anderer Mann sei wegen des gleichen Vergehens tiugs vom
Teufel besessen und niehroixj Tage ge<iuält worden, unil dem Leibarzte
des Woiwoden Siegmund Bnthori I)r. Blandrate, einem , Häuptling der
Arianer“, sei zu seinem Staunen das Zipperlein, welches ihn seit vielen
Jahren stets von Weihnachten bis Lichtmess befallen habe, nach dem
neuen Kalender gekommen. ')
Solchen Geschichtchen gegenüber bat eine neue vermehrte Ausgalw
der Bauernklage’'“) den Pajist, doch auch den deutschen Pflanzen und
Tieren gleichen Verstand wie dem Nussbauiu von Campolongo und jenen
Vögeln, die sich nach dem neuen Kalender gepaart, zu verleihen, wies
aber zugleich triumphierend darauf hin, dass in der letzten Christnacht
nach neuer Rechnung die Salzpfanne zu Hall iiu Inntal sicli nicht habe
umstellen lassen und die Rose von Jericho nicht aufgeblülit sei. Da der
Pap.st der irdische Gott sei, möge er beiden doch Gehorsam befehlen
und den Bauern eine neue Pi’aktik für die Witterung bis zum jüngsten
Tage machen, der ja nicht mehr fern sein könne. Ein anderes Lied
wusste zu berichten, dass über Bieberach, als es letzthin Pfingsten nach
dem neuen Kalender gehalten, ein schreckliches Gewitter losgebrochen
sei und ein Blitz die Kirche getroffen habe, in Folge wovon der Turm
und die Kanzlei abgebrannt und dreis.sig Leute geschädigt oder getötet
seien.
Die Auslas.sung der zehn Tage gab übrigens zu seltsamen Missver-
ständnissen Anlass. Sogar Chemnitz bemerkt, nach eingelaufenen Zeitun-
gen sei zu Riga beinahe ein .\ufruhr entstanden, als der erste Sonntag
nach dem neuen Kalender an einem .Mittwoch des bishei’igen gehalten
worden.^) Der gemeine Mann meinte, die zehn Tage würden iliin au»
1} G. Maffei Anoali di Gregorio XIII cd. C. Cr>queUnes 174*2, H, UH7 (g
2) N. 10 de« Anhangs.
X. 10 dea Anhangs
4) N. 14 des Anhangs fol. 2a. U«b«r die Wirren, welche die EinfUhrang dea Kalenders in
Riga Tcranlasste, findet Mcb Einiges bei Dressor Sfiebsisebes Chronicon 719 and 7:11. Die 'Schrift
Ton Benjamin Bergmann Die Kalenderunruhen in Riga in den Jahren 15i^5 bis 151H), Leipzig 1H06.
war mir nicht zagänglich.
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seinem Leben genonniien. '). Auch in Belgien zeigte sich diese Auf-
fassung, wie ein S'e verspottendes Gedicht des flandrischen Jesuiten An-
gelinus Gazaeus bekundet. Üsiander schämte sich nicht, sie zu j)linnpen
Witzen auszul)euten. ,,1’apst Gregorius,“ sagt er,“) „und diejenigen, so
die.se grosse Kunst erfunden, wären wol wert gewesen, dass man ihnen
die zelm Tage, so sie auf einmal aus dem Jahr herausgenomincn, nichts
Weiler zu es-sen noch zu trinken gegeben hätte, denn, weil sie diesell)en
zehn Tage, aus der Welt verloren, hätten sie auch daran weder Essens
noch Trinkens Ixidurft. Und mag der Papst Gregorius Zusehen, wie er
sich mit den lieben zehn Heiligen, welche er im verschienenen zweiund-
achtzigsten Jahre mit Verwerfung der zehn Tage ihrer V'erehrung be-
raubt hat, vergleiche, damit sie nicht im Himmel den Riegel inwendig
vorstossen, wann er etwa über eine Zeit lang hineinwollte, dann es
möchten alsdann 'seine Schlüssel nicht aufschliessen und möchte ihn der
Teufel hiezwischen vor dem Himmel hinwegführen. “
Vor allem wurde n.atürlich auf die Verwirrung, die Nachteile und
den Zwiespalt hingewiesen, welche dadurch entstehen mussten, dass die
Katholiken den neuen Kalender annahmen, während die Protestanten den
alten bewahrten. Wir kommen darauf in anderem Zusammenhänge zurück.
Hier sei nur eines Liedes gedacht, welches allerdings nicht eigentlich
den Kalcnderstreit zum Gegenstände hat. indes 'doch von ihm ausgeht
und für die Geistesannut der Zeit bezeichnend ist. Es ist „der Weiber-
krieg wider den Pap.st, darum, das.s er zehn Tage aus dem Kalender
gestohlen hat.“ welcher 1590 erschien.'*)
In holperigen, vierfüssigen, gereimten .lamben erzählt der Verfasser:
Als ich einst in Gedanken über die L'i-sachen der Jetzigen Widerwärtig-
keiten einschlief, erschien mir der Engel Genius und führte mich in den
Himmelssaal. Dort sah ich eine grosso Schaar aus allen Nationen, welche
von Arithmetik und Astronomie disputierten. Auf meine Frage, was das
Bedeute, erwiderte der Genius: „Siehst Du nicht vor dem Saal dos
1) Kasch in N. 29 des Anhangs fol. 20; gar Viele, »agt er, seien darüber selir bekümmert.
2) A. Gazaeus Pia liilaria. Antwcrpiac 1629, \>. 79 fg.
3) N. 11 des Anhangs fol. 02a fg.
4) K. .10 des Anhangs. Vgl. den Aunug bei Kaltenbrunner S. 529. Man sollte memen.
das« diewtr eine ganz andere Schrift vor Angen gehabt habe.
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Papstes Mönche und Pfaffen, Prälaten, Nonnen und Affen, die uns zehn
Tage aus dein alten Äliuanach gestohlen haben? Jene Streitenden for-
schen nach, ob das aucli recht sei und wem sie sich anschliessen sollen.
Das ganze Männergeschlecht ist durch die Aenderung in Aufculir und
Uneinigkeit gebracht.“ Ich frug, was denn diese die Männer angehe?
Der Genius ei-widerte: „Die Weiber herrechen das ganze Jahr über die
Männer ausser in der Marterwoche. Will einer auch sonst mitregiereu,
so muss er seine Frau schön geputzt auf den Markt, in die Stadt, zur
Kindtaufe oder ins Bad schicken oder sie aus dem Fenster sehen lassen.
Durch die Kalenderänderung sind nun zwei Marterwochen entstanden.
Das wollen die Weiber nicht dulden.“ Ich frug, ob denn die Weiber
im Glauben einig seien? „0 nein,“ sagte der Genius, „die einen sind
lutherisch, die anderen papistisch,“ und als ich bemerkte, da werde es
viel Streit geben, fuhr er fort: „Binnen kurzem wird des Papstes Religion
untergehen und in Ewigkeit verdammt sein. Die Pfaffen sind sehr auf
dem Irrwege, dass sie nicht heiraten. Nach Gottes Wort soll Jeder in
die Ehe treten, nicht aber mit Huren haushalten.
„Ob gleich ein Eheweib an dem End’
Will han im Haus das Regiment,
So ist's doch besser an dem Ort,
üaun in der Höllen leiden dort
' Ewige Pein und grosse Qnal,
Höllische Marter ohne Zahl.
Solches wehret in Ewigkeit,
Diss aber hie ein kleine Zeit.“
Die Weiber, versichert« der Genius, werden den Papst und seine Rotte
bald angreifen. Gleich darauf entstand im Saale grosses Getöse. Von
den Mäimern klagte der Eine dem Andern, wie er zu Hause von seiner
Frau geplagt werde. Der Eine sagte, dass er jetzt heim müsse, um
Haus und Hof zu kehren, damit seine Frau, wenn sie ausgehe, sich nicht
die Kleider beschmutze; der Andere, dass er Stuben, Wände, Tische,
Bänke und Trinkgeschirre putzen, sowie kochen und waschen müsse; in-
zwischen vernasche sein Weib Hab und Gut; was er an einem Tage ver-
diene, vergeude sie in einer Stmide und er müsse sie doch obendrein
noch Gnädige Frau nennen; saufe sie sich voU, müsse er aus dem Hause
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laufen, wenn er nicht mit Faust und Knittel geprügelt werden, das
Haus mit dem HinU'rn anschauen und die Frau alleweil zum Prediger
haben wolle. Bei dieser Klage erwachte ich. Gott wird hoffentlich noch
Mann und Weib vereinen, da.ss es keinen Streit mehr gibt.
Das geschmacklose Machwerk bietet ein Beispiel von den faden
.Scherzen, zu welchen der neue Kalender damals oft genug im Volke
Anlass geben mochte. ')
VI
Unter den ernsten Gründen gegen seine .\nnahme iH'gegnet uns in
der Mehrzahl der .Schriften die Ausführung, dass die Befugnis zur Aen-
derung nicht dem Papste, sondern der weltlichen Obrigkeit zustche. Der
Churfürst von Sachsen hatte sich schon in seinem ersten Gutachten*)
über den Kalender sehr eingehend in diesem Sinne ausgesprochen und
man konnte sich hier auf Luther berufen, dessen Ansehen, wie gleich zu
erwähnen, ebenfalls wider die Neuerung verwertet wurtle.
Sehr bitter tadelte man es dabei, dass der Papst ohne Vorwissen
und Einwilligung der deutschen Protestanten vorgegangen sei. Haben
auch, sagte Landgraf Wilhelm von Hessen, Italien, Spanien und , vielleicht
Polen den neuen Kalender angenommen, so wissen wnr doch nicht, ob
deshalb wir Deutschen „penes quos imperium est, gleichfalls dem näch-
sten einwilligen sollen, sonderlich weil unser Bat und Bedenken darüber
nicht erfordert“ worden. Es ist „autoritas imperii allwol hiermiter in
Acht zu haben, ne (jui aliis nationibus hactenus Icges dedimus, ab iisdem
non sine omine accij)ere videamus.“ Dieser Imj>oratt)ren8tolz entspr.aeh
freilich nicht mehr der Machtstellung, welche das zersplitterte Reich
einnahm. Berechtigter war es, wenn man sich auf die wissenschaftlichen
Leistungen der Deutschen in der Astronomie berief.
So geschah es in dem Gutachten von Neustadt an der Hardt.*) Es
1) Vgl wfta Wolf Oe»cb. d. Astroo. au* mir unbebanntcr Quelle anführt. Baieh be*
richtet in N. 29 de« Anhan{(« fol. 19 fg., im Tolke sage mao, der Pap«t habe allen iJindern, die
«einen Kalender nicht annebmen würden, gedruht, xu maeben, dass auf einen Sommer xwei Winter
kirnen.
2) S. oben S. 20.
3) N. 2 de« Anhangs, p. 10.
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lässt sich, heisst es dort, „mit dieser plötzlichen, unordentlichen Refor-
mation ansehen. als wenn der Pa])st die deutschen Ketzer nicht wert
geachtet hätte, sie hei .Vnstellung und Förderung dieses gemeinen Werkes
um Rat zu fragen, wie es seine Vorfahren gethan, die an die deutschen
Fürsten und Univei-sitäten geschrieben und von ihnen ihr Beilenken in
diesem Handel begehrt halien, auch bei I’ön des Ungehorsams und Bannes,
Und sind l)oi diesem Ratschlag allemal die vornehmsten Cardiuäle und
anderen gelehrten Männer Deutsche gewesen, von denen die Walen, was
sie in diesem Handel wissen und fürgeben, gelernt haben.“
Noch schärfer geisselt ifüstlin des l’aj)stes Verfahren. Sixtus IV.
sjigt er,') hat Regiomontan zur Kalenderverbesserung berufen, Leo X
das Gutacliten der Univemitäten eingefordei't und zwar nicht, wie es in
seiner Macht gestanden hätte, selbst, sondern durch den Kaiser. Gregor XIII
aber hat nichts dergleichen gethan und beim Reichstage von lü82 weder
von seinem schon im Februar lieschlo.ssenen Vorhaben Anzeige gemacht
noch die Einwilligung des Reiches nachgesucht. Ehe dann noch ein
Monat seit dem Reichstagsschlussc verflossen war, wurde ein Kalcnder-
bruchstück nach <les Papstes Vei’besserung in Deutschland verbreitet und
sofortige Annahme gefordei't. Die Gründe der Aenderiuig und die Re-
geln. wie es im nächsten .fahre zu halten, wuiilen dabei nicht angegeben.
Hintcnnach erschien das K.alendarium Gregorianum ])erpetnum. ein Tractät-
chen, welches die Uisuichen und die Art der Aenderung nicht anzeigt
sondern nur den Gebrauch erläutert. Zugleich w'unle die Kinführungs-
bnlle bekannt gemacht. Dann folgte eine neue Bulle vom 7. November
1582. den Kalender spätestens im Februar 1583 anzunchinen, mit dem
Zusatze, dass keine Entschuldigung statthaben solle. Ich kann das nicht
anders verstehen, als dass der Papst dius ganze römische Reich und na-
mentlich Deutschland äffen will. Wozu sonst dies Verschweigen und
Uebereilen? „Wie könnte mau das andei-s verstehen, als dass er ver-
suchen will, ob die Deutschen noch so all)crn sind, wie derselben Etliche
etwa gewesen, da-ss sie für göttliche Heiligtümer alles das gehalten haben,
was ihnen im Namen des Papstes vorgeh’alten worden ist? Weil er ihnen
erttlich ein zeratückeltes Fragment, so am Wege nicht wert wäre, auf-
1) N. II iIm Anhang-«, fol. 44 fg.
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zuhelion, zukoiiiim<n lässt, danach ein Tractätlein oder Hflchlein aiisHiegen
lä.sst, worin doch kein Grund, keine hypotheses, keine ohservationes,
keine Ursachen, daran man doch aufs wenigste möchte häbig sein, an-
gezeigt worden, aus.ser allein iler I)onnerklaj>p seines Bannes, welchen er
auch Imld mit einem neuen Donnerklapji bekräftigt wider alle diejenigen,
so auf sein blosses und eitles Begehren und Gebot nicht mit hoher
Ehrerbietung diese Reformation aufnehmen. Üiler aber er meint, es habe
Deutschland keine so geehrten Leute, welche sich hierauf verstehen
können, darum werde es nicht taugen, dass man ihnen die Ui-sache und
den Grund solchen Werkes zu erkennen gebe. Und besonders erscheint
hieraus, da.ss der Papst solchen seinen foetum (ne dicam foetorein) gern
vorher allenthalben in den Gang bi-ächte, ehe man seinen (Jrund er-
lernen und wis.sen möchte, damit nicht die Gelehrten ihm zuvor naeh-
rechneten und etwa erkundeten, <lass die^e Correction ebenso falseh und
irrig wäre als der uncorrigierte Kalender. Wann er aber schon ange-
nommen wäre, ehe man's inne würde, so dürfte man ihn nachmals ohne
Zweifel Scham halber nicht abthun. Aber es soll seiner Heillosigkeit
(oder sollte sagen, Heiligkeit! allhier nicht geraten, dann, ob er schon
seine Kunst in diesem Werk gar vM'schlagen und verborgen hat, so findet
man dennoch bei uns. Gottlob, noch so gelehrte Leute, die aus dem
Grunde ihm nachreclmen und iiiulen köiuien, worauf er seinen Gi’uud
gesetzt hat.“ ')
Derartige Vorwürfe vermochten <lie Katholiken nicht abzulehnen.
Sie unterliessen indes nicht, zu erwähnen, dass der Papst vi'rschiedcne
Univereitäten l>efragt habe, und wie dies schon Herzog Wilhelm von
Baiern gothan hatte, behaupteten auch verschiedene Schriften, dass der
Kalender auf .Anmahnen und mit Vorwis,sen des Kaisei's und anderer
christlichen Fürsten geändert sei. Die Berechtigung des Papstes aber
suchte man wiederholt durch den geschichtlichen Nachweis zu Ihv
gründen, da.ss stets die kirchlichen Behörden den Kalender festgestellt
1) .tach du Bedenken für die aniberi^er Kegiernng cntliilt ülinliche .kasführaogen. N. 1 1 de«
Anhangs fol. 1G4 fg.
*2) Vgl. oben S. 21 Anm. 4 und N. 12 de* Anhang* fol. 2b, X. l* fol. 10, N, 29 fol. IS fg.,
X. S2 fol. 14.
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liätten und aucli Ciisar den seinen nicht als Kaisei' sondeni als Pontifex
inaxiinus geschaffen habe. ')
VII.
Die verwundbarste Stelle der gi-egorianisclien Schöpfung war natür-
lich auch vom kirchlichen Standpunkte aus die Rückverlegung der Früh-
lingsgleiche auf den 21. Mär:?.
Osiander ging dagegen mit seinem tlegelliaften und salzlosen Spotte
an. Es sei nur loser Schein, sagt er,-) wenn der Papst als seine Ab-
sicht ausgebe, da.ss das Osterfest gemäss dem Nicilnum auf den rechten
Tag fallen solle, und er begründet diese Rehauptung, indem er, ausser-
onlentliche Unwissenheit verratend oder heuchelnd, fortflihrt: Auch nach
dem neuen Kalender füllt 1583 das Fest .auf denselben Tag wie nach
dem alten, was nicht geschehen könnte, „da in dem alten Kalender um
so viel Tag sollte gefehlt sein.“ Dem nicünischen Concil war es auch
gar nicht um die astronomische Richtigkeit der Osterfeior zu thun, son-
dern darum, dass sie nicht am selben Tage mit den Juden begangen
und dass die Verwirrung beseitigt werde. „Darum bedeckt Papst Gre-
gorius sich und seinen neuen unnötigen Kalender mit den Feigenblättern
des nicünischen Concils so wol, wie sich ein Dieb hinter der Leiter ver-
birgt.“ AVie will es auch der Papst einrichten, dass die Frühlingsgleiche
stets auf den vierzehnten oder fünfzehnten Tag nach dem Frühlings-
Neumonde trifft? Die Astronomen, welche mehr al.s der Papst, der nur
nach den Schätzen des Erdenreicha trachtet, von der Sache verstehen,
wissen, da.ss es oft um eine ganze Woclio fehlt. Aber sollte der Papst,
wie er den Engeln gebietet, nicht auch den Gestirnen befehlen können,
nach seinem Kalender zu gehen? Stimmt seine Rechnung nicht, so ist
die beste Antwort, dass der Kalender durchaus richtig sei, aber die
Sonne nicht stets den richtigen Tag treffe mit ihrem Eintritte in den
ersten Gra<l des Widders; zu solcher Unordnung habe vielleicht Josua
Anlass gegeben, als er die Sonne Stillstehen hiess, oder Jesaias, als er
\) Kasch in N. 17 des Anhangs fol. Sa uml N. 2i> fol. Ifl. Kocst- Bosäns N. 24 des An-
fol. 6 fg. Guldin Refataio elenchi a Setho CAlvitio conscripti p. 9 fg.
2) K. 11 des Anhangs fol. 93a fg.
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dem Könige Hiskias anzeigte, der Schatten an der Sonnenuiir Achabs
werde um zehn Linien zurückgehen ; hätte man damals die Sonne bei
ihrem ordentlichen Laufe gelassen, so würden gewiss sie und der Mond
aufs Haar mit dem gfregorianischen Kalender Zusammentreffen, ,es wäre
denn, dass es um etliche Bauernschuhe weit fehlte.“
Die wahre Ursache der Aenderung. versichert dann Osiander, „zeigen
andere päpstische Leute in Deutschland an, nämlich, das.« nach dem
alten Kalender der lieben Heiligen und Märtyrer Feste nicht jilhvegen
auf den Tag gefallen, woran sie gelitten haben. Wahrlich, da.s ist nicht
ein Geringes und ist billig hoch in Acht zu nehmen. Und mag diese
einzige ürsache genügend sein, mit dem neuen pä|wti,schen Kalender die
ganze Welt zu verwirren. Denn, da die lieben Heiligen im Himmel ohne
Zweifel eben vornehmlich an demjenigen Tage ihren Anrufern Audienz
geben, woran sie gelitten haben, und sich zur selben Zeit anheimisch
finden lassen, während sie sonst hernach ins Paradies spazieren gehen,
so wäre hierin l)ald etwas versäumt, denn würden die Collecten in der
Messe und sonstige auf ihren Tag eingelegte Gebete um ganze zehn
Tage zu langsam gesprochen und ihre anderen Gottesdienste auch um
zehn Tage länger, als sich gebürt, eingestellt, so wäre solches alles ver-
gel)lich und müssten solche andächtige Diener der lieben Heiligen gar
beinahe ein g-anzes .Jahr warten, bis sie wiederum bei den verstorlwnen
Heiligen Audienz bekämen, dmin es heisst im gemeinen Sprichwort: der
Bischof weiht nicht alle Tage. Und ist also den lieben Heiligen auch
nicht zu verargen, da sie nicht alte Tage zu Verhör sitzen, sondern
allein an den Tagen, wann es ihnen gelegen, denn sie haben ohne das
auf Er<len Mühe und Plagen genug gehabt. Hieraus ist abzunehmen,
eine wie grosse und unvermeidliche Not es gewesen, dass Papst Gregor XIII
seinen neuen Kalender an diese Welt gebar, damit er doch nicht un-
fruchtbar erfunden werde, weil hievor auch ein Pa(i8t zu Rom (Johannes
des Namens der VHI) ein feines, kleines, holdseliges Kindlein an diese
Welt gebracht, wie die alten päpstischen Scriljenten selbst nicht läugnen
können.“ *)
I) Die Sagr<^. über deren UrspraDj? Döllioger Paptttfab^In 1 f;?. Aufachlui^« jnbt. war damals
* eine beliebte Waffe gegen dos Papattnm. Der Jesoit Georg Seberer f.iDd tu nMig, «ie in einer
Predigt Tor dem Enherzog Ernst zo widerlegen, die 15S4 im Druck erschien.
Äbh. d. III. Ci. i k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. III. Abth. C
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Verstäiiiliger schläft darauf üsiander vor: ,Weuu ja der Papst
(iref^orius zum Kalenderinac.lieu (vielleicht aus himmlischer Influenz) eine
sonderliche, aiigeboi-ene Neigung haben möchte und den alten Kalender
hätte i-eformieren wollen, so wäre das der nützlichste Weg gewesen, diws
er die zehn Tage im veisfchienenen Jahi-e aus dem Monat tX^tober nicht
hätte herausgenommen, sondern sie hätte .stehen lassen, hätte aber da-
gegen herausgenomnien die Namen iler Heiligen, von denen man in der
heiligen Schrift und in andern rechten glaubwünligen Historien nichts
Hndet. sondei’ii allein ihre Geschichten mit grausamen, greiflichen Lügen
in den päijstischen Legend- (oder vielmehr Lugend-) Büchern gefunden
werden, deren vermeinte Heilige auch wol zum Teil mögen im .-Vbgriind
der Hölle sitzen. Er hätte al)er dagegen hineingesetzt die lieben wahren
Heiligen. Claims- und Weibsjiei'souen. deren Historien im alten und neuen
Testament beschrieben und von denen man gewiss i.st, diuss sie recht
geglaubt, gottselig gelebt und gewisslich Gott»« Kimler sind. Dieser
Heiligen Namen im Kalender neben den gewöhnlichen christlichen Festen
unil Aposteltagen wären dazu dienlich gewesen, dass, wenn ein Christ in
den Kalender gesehen, er sich auf einen je<len Tag hätte wissen einer
heilsamen Historie aus der heiligen, göttlichen Schrift zu erinnem und
aus derselben zu bessern. .\ber was sollte sich der Papst der heiligen
Schrift annehmen, die ihm das gebrannte Leid anthut und vor der er
sich übler fürchtet als ein verzagter Hund vor einem Igel.'
Zum Schlüsse l>enutzt der Hofi>rediger die Gelegenheit zu einem
Angrifte auf das gesammte Wesen und Lehren der römischen Kirche.
, Warum,“ fragt er, „nimmt Pajist Gregorius den Kalender zu refor-
mieren vory Warum reformiert er nicht vielmehr nötigere Irrtüiner,
Misbräuche und Uebelstände in der päpstischen Kirche?“ Er sollte die
falschen Lehren und .\bgöttereien alwchaft'en. „Warum schatt't er nicht
ab die Geldstricke und Goldnetze, womit er und die .Seinen bisher der
Welt Geld und Gut geraubt haljen? W'arum schattt er nicht ab das
unehrbare, schändliche, unzüchtige W'esen und Leben seiner Gei.stlichen,
deren Sünden nunmehr etliche hundert Jahre bis an den Himmel reichen
und schreien? Hier, hier sollte Paj>st Gregorius XIII die Brille auf die
Nase stecken und sehen, was in der Kirche notwendig zu reformieren
und zu verbessern wäre, auf dass er nicht mit sich so viele taJisend
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Seelen in ilen Abgninil der Hölle führte. Diese Keformation wäre der
Welt viel nötiger al» der gregorianiiH'lie Kalender, welcher der Chri.sten-
heit zu ihrem Heil und Wolstand weder kalt noch warm gibt. Aber
Pajjst Gregoriuii (wie auch etliche seiner V'orf'ahren) reformiert, gleicher-
massen in der Kirche, als wenn Einer in ein schönes Gemach käme,
woriii unflätige Leute gespieen und anderen Unrat mehr gethan hätten
und er sähe ein kleines Spinnweblein an einer Wand oder ein wenig
Staub auf dem Simse; darüber finge er eine grosse Khige an, wie man
ein solches herrliches Gemach hätte so unsauber gehalten, nähme der-
wegen einen h’uchsschwanz und kehrte damit Spinnweben und Staub
hinweg, Hesse aber den andei'en grossen Unflat unil (ie-stank in dem
Gemach liegen, ja er rühmte auch, es wäre lauter Weihrauch, lignum
Aloes und Bisam un<l gebe dem (Jemach einen besonderen Stdimuck und
Wolstand. Eben ein solcher Reformator ist auch Papst (Jregorins in der
Kirche. Gehört derwegen in die Zahl der Pharisäer, von denen Christus
sagt; Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer u. s. w. So hat
auch Papst Gregorius einen engen und einen w'eiten Schlund, einen
engen, dass er nicht dulden oder verschlucken kann, wenn eines Heiligen
Gedächtnis sollte um etliche Tage zu spät begangen werden; einen weiten
aber, dass er alle ]iä])stischen Irrtümer, Abgöttereien. Misbräuche, falschen
Gottesdienste. Schande und Liwter seiner Geistlichen in einem Schluck
und Druck hinabsehlunden kann. Da stösst ihm nichts im Halse an. er-
zürnt sich auch nicht darüber. Und wenn die Deutschen so närri.“ch
wären und gäl>en ihm all ihr Hal> und (Jut. Land und Leute, so könnte
er es auch alles verschlunden und Hesse es ihm selbst ganz wol l)e-
kommen.“
Das war die gewöhnliche Art der theologi.schen Klopffechter jener
Zeit, unter denen sich Osiaiuler einen Namen erwarb. In ihrer plumpen
Wut wu.s.sten sie den Gegner nur schmähend mit Kot zu l>ewerfen, nicht
aber ihn mit schneidiger Watte gefährlich zu trefi'en. Besser verstand
dies der Laie Mästlin, ‘) indem er sachlich und würdig die Frage erfas.ste
und l)ehandelte.
Viele halten es für Unrecht, sagt er, da.<.s die Feste nicht mehr zu
1) y. 11 lies Anhangs fol 20&
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der Zeit gehalten werden, wo sie ursprünglich eingesetzt waren und wie
sie namentlich das Concil von Nicäa bei Strafe des Bannes angeonlnet
hat. Kinige glauben sogar, dass dieser Finch des Nicänunis, dem man
vei-falleii, gegenwärtig viele schwere Landstrafen über die Christenheit
bringe. .Man S4dl min allerdings die Vorschriften und .Vnordnungen der
alten Kirche nicht verachten, aller man muss auch den Ursprung der-
sellien erwägen. Gott selbst hat den .luden die .Sabbatfeier und die
übrigen Feste mit hohem Hrnst vorgeschrieben und Ueberti'etungen
schwer gestraft. Aber diese Feste waren nur Vorbilder, ilie sich auf
Christus und das neue Testament bezogen, und seit ilas Erlösungswerk
vollbracht ist, sind wir nicht mehr daran gebunden, denn Christus ist
das Ende des Gesetzes, üem zum Zeugnisse hallen die erst<>u Christen
den Sabbat mit dem Sonntage vertanscht .Vussenlem halien sie noch
andere Feste eingeführt und dieselben teils auf die Tage gesetzt, wo der
allgemeinen .\nsicht nach die zu feiernilen Ereignisse geschehen oder die
Heiligen gestorben s»iin sollten, teils sie nach ihrer Bedeutung eingereiht.
Biese Ordnungen sollten aber den Gewissen keinen Zwang auferlegen,
denn weder Gott nix^h die .-Vpostel halien in Bezug auf die Feste (iebote
erlassen. Paidus lehrt vielmehr vielfach das Gegenteil. Auch ist Ostern
in den ei-sten 1 51). Jahren von den abendländischen und östlichen Christen
vei'schieden gehalten worden, ohne da.s.s Zwiidracht darülier entstand.
Es muss in der Kirche eine bestimmte Ordnung für die Feste geben,
aber zu behau]iten. dass diese notwendig auf gewisse Tage fallen müssen,
ist eine .Vntastung der christlichen Freiheit. Ba.s Zurückweichen «ler
unbeweglichen Feste i.st gleichgültig, denn die erste Kirche legte sie aus
freiem Gutdünken in diese oiler jene Jahreszeit. Wir sind auch nicht
von der alten Kirche allgewichen, denn wir halten die Kalendertage fest,
welche sie bezeichnete. Es vei^stiesse jedoch gegen die Lehren Christi
und Pauli und gegen die christliche Freiheit, wenn man sagte, die Feste
müssten bei einem gewissen .Stande der Sonne begangen werden, weil
dieser vorhanden gewesen, als das zu feiernde Ereignis eiutrat. Weiss
man denn, wann Christus geboren und beschnitten wurtley Weder die
Apostel und Evsuigelisten noch irgend ein glaubwürdiger Geschichts-
schreiber lierichten darülier; eine althergebrachte Meinung aber genügt
nicht, um die Gewissen zu binden. Wüsste man aber auch diu Tage
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45
zuvtii'läsBig, weshalb sollte man daim das Uedüchtnis dem einstigen Stande
der Sonne entspreehend Iwgehen, als miisste der Pretliger »eine Zuhörer
nicht nur in das VeretAiulnis des Glaubens sondern auch in die Astro-
nomie einführen? Xur auf Krbauiuig ist zn sehen. Die mystische Deu-
tung, welche man der Stellung der Feste zu den Jahreszeiten gibt, ist
le<liglich Wortklauberei und Thorheit. Der Fauwiuul, dass die astro-
nomisch - gleichzeitige Feier Ijesonder» ziu‘ Andacht reize , ist kindisch
und ihn widerlegt am lx*steu der Charfreitag, denn kein Mensch weiss,
an welchem Tage Christus star!> und die Gelehrten streiten noch, ob es
der 25. Mürz oder 3. April war; wiire es uns zur Seligkeit nützlich,
ihn zu kennen, so würden Christus und die A|>ostel un.s den Tag be-
zeichnet haben.
Kbensowenig lässt Mästlin die Venn-dnung tles Nicänums als ge-
nügenden Grund für ilie Festhaltung des 21. März gelten. Jene, sagt er,
geht nur die von Menschen gesetzten Festtage an; sie ist mithin nicht
anzunehmeu. wenn sie als <nn besondere hoher Gott«?.sdienst und als eine
die liewis.sen bindende Ptiic.ht, von welcher unter keiner Bedingung alj-
gewichon werden dürfe, ausgegeben wird. Dann gehört sie zu den
Menschensatzungon. die Gott verwerfen lehrt. Ks war ferner dem Concil
lediglich um Abstellung der Unonlnung mid des Zwiesj)alt<>j> bei der
Gsterfeier, also um die Fälligkeit iler Kiixhe zu thiui, nicht aber um
eine Kalenilerreform, da es die Frühlingsgleiche nicht auf die Zeit Christi
zurücksetzte noch der Verschiebung vom 21. März vorbautc. .letzt han-
delt es sich nur um die eine F’rage, ob mau verpflichtet sei, die F'rüh-
lingsgleiche auf den 21. März und Ostern auf den nachfolgendi.'n Sonn-
tag zu setzen. Der Fluch des Concils kann uns nicht treffen, denn bei
uns herrecht keine Uneinigkeit in der Osterfeier, wir sind auch keines-
wegs von seiner Ordnung abgewichen und was geändert ist, geschah
ohne Wissen und Voi-satz. Oliendrein hat das Concil gar keinen Canon
über das Fest gemacht noch bei Bannesstrafe V'erordnungeu getroffen,
sondern es hat lediglich die lleretelhmg der Fälligkeit beraten und dem
Kaiser die Aiisfülmmig hoimgestellt. Wäre aber auch ein betreffendes
DecTct vorhanden, so wäre es doch luigei’eiuit, da.ss es ims binden sollte,
zehn Tage aus dem Kalender zu nehmen, wälmmd das Concil selbst die
zwei oder drei Tage, welche schon zuviel waren, nicht wogliess. „Ja.
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4(1
wie ärgerlich will es geredt sein, da»». <la sie unserem Herrn und Hei-
land Christo Jesu zu Uhren nicht liaben zw'ei oder drei Tage fallen
laasen wollen, damit das Aetiuinoctiuin und da» Osterfest sich mit der
Zeit Christi wieder vergleiche ; wir sollten von ihretwegen oder ihnen
zu Gefallen zehn ganze Tage mit grausamer Verwirrung und Unordnung
müssen aualftschen ? Mit nichten also!“ Warum legt der Papst jetzt
nicht die Fruhlingsgleiche auf den ‘23. oder 24. Marz, wie sie zu Christi
Zeit tielV Ist etwa Ostern mehr ein Gedächtnis des nicänischen Concils
als des Leidens und der Auferstehung Christi V Die erste Kirche und die
V^äter des nicänischen Concils zeigen uns. dass die Kirche die Coremonien
ordnen kann, wie es am testen ist. Wer wollte ihnen solche Tyrannei
beimessen, (hiss sie diese Freiheit nur für sich hätten gebrauchen und
der Nachwelt entziehen wollen? Eine Aenderuug ist zulä.ssig, sobald
dabei das Beste der Kirche und nicht Aergernis tezweckt wird. Müssten
wirklich alle dem angeblichen Decrete zufolge im Banne sein, welche
Ostern nicht so genau nach dem Stande der Sonne und de» Mondes
halten, so wären die Väter des Concils selbst und die »jiäteren Christen
oft dem Banne verfallen, denn der wirkliche Frühlingsvollmond trifft
nicht selten einige Stunden eher oder später, als der kirchliche Kalender
ihn ansetzt und ein Mond, der in unseren Gegenden noch auf den Sams-
tag fällt, kann unter einem östlicheren Meridian schon auf den Sonntag
trelfen. Es lässt sich überhaupt keine cyklische Rechnung erdenken, die
ganz genau mit den Himmelserscheinungon zusammentriff't. Führte also
das Concil von Nicäa eine solche ein. so beweist das. dass es nicht
wollte, man solle sich so genau nach dem Laufe der Sonne und des
Mondes richten, sondern dass es ihm nur um die Einigkeit zu thun war,
AVeshnll» stört man also die Einigkeit mit einer Reform, die unnötig ist
und nie volle Genauigkeit schaffen kann? Man sollte lieber die gräu-
lichen Misbräuche in der Kirche abschaffen.
Die llauj)tursache der Festhaltung des 21. März, schliesst Mästlin,
ist die, dass in den jiapistischen Messbüchern und Brevieren grosse Ver-
wirrung eingetreten ist. denn sie lehren die beweglichen Feste nach den
Himmelserscheinungen suchen, aber nicht nach den gegenwärtigen son-
dern gemäss der Zeit des Nicänums. Das sollte die Geistlichen freilich
nicht stören, denn sie müsstim gebildete Leute sein. Indes wollen sie
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(luvcli Wiedereinluhniiiff «les 21. Mürz ennöglic.hen, das« ><ie ihre alten
Bücher behalten ktinnen. Sie i'estehon diesen (trund nicht ein, doch
Ulavius hat ihn verraten. *) Ware es nun mir nin den |>füf'lischon Ka-
leinler zu thiin, so möchten sie sich einen heim Hatiier drehen oder
heim Bäcker hacken lassen, so (jfut und scln'in. wie sie ihn nur wünschten.
Ks handelt sich aber um den bürjfi'rlichen Kalender und deshalb ist es
nicht zu raten, lediglich um des papistLschen IMesskrams willen eint; so
unertriigliche Zerrüttung münniglich anfzulegen.
Kinen Teil dieser .ViLsführungen Mastlins hatte .schon launhert Flo-
ridus I’lieiiinger, ein .Slrasshurger, in einer .\nfang lö83 erschienenen
Schrift -) vorgetragen. Er sju'ach sicli dabei für ein unbewegliches Oster-
fest aus und berief sich auf Luther, welcher denselben Gedanken ver-
treten, auf die von der weltlichen Obrigkeit voi-zunehmende Ausführung
jedoch verzichb't hatte, weil das Weitende nahe sei. Die bctietfeudc
Stelle aus Lnthei-s .Schrift: „Von den Concilien“ *) wurde jetzt in einem
eigenen Büchlein'*) veröffentlicht, damit das Urteil des Vatei-s iler Ue-
forniation, dessen Worte in jener Zeit seinen .\nhiingeni beinahe höher
als ilie der Schrift galten, die Seinen im Kani))fe gegen das Werk des
Pajistes bestärke. Auch von vemdiiedenen anderen Gegnern des neuen
Kalenders wurde der Vorschlag, ein festes Ostern zu schaffen, iler sicher-
lich noch heute vollen Beifall verditmt, l)effirwortet und das neustädter
Gutachten wies den sogar von Protestanten gemachten Einwand zurück,
dass alsdann am Charfreitag einnud Neumond und eine natürliche Sonnen-
finstenjis eintreton. dadurch alwr deu .luden zu dem Spotte .\nlas8 ge-
geben werden könne, dass auch die .Sonnenfinsternis Iwi Christi Totle
nicht eine wuntlerbare gewesen sei. *)
Für die pä)>stliche Bestimmung der Frühlingsgleiche suchte übrigens
Plieninger noch andere (iründe hervor als Mästlin. Der Papst, sagt er,®)
ging nicht über das Nicänuiu zurück, weil ilieses zuewt allgemein aner-
I) Vgl. oben ä. IS Anin. I.
*J) N. 4 Anhang. Teber >len Verfusier liab« ich kein« Nachrichten tinJen kennen.
3) Latfaeri Opera ed. Walch XII, J673 ftf.
4) N. !•'> de» Anlfang».
J) ) N. H de« Anhang« p. 10 fg.
6) N. 2 de« Anhang« p. *27 fg.
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4H
kannte Regeln über das Osterfest aufstellte, was Christus und die Ajxistel
nicht gethan und die Päpste vor jenem Concil vergeblich versucht hatten.
Zweitens ist der Todestag Christi nicht sicher festzustellen. Denn da
Christus au einem Freitage bei Vollmond starb, muss dies nach Rech-
nung der Astronomen am 3. April 33 geschehen sein. ') Die Kirchen-
väter aber nehmen den 20., 25. oder 30. Marz 34 an. Der Pajwt hätte
also entweder mit den Ansätzen der Astronomen, auf die er .sonst seinen
Kalender gründet, oder mit den Kirchonvätem in Widerspruch treten
müssen, denen er nicht Unrecht geben darf, ohne die Stützen seiner
ganzen Macht zu Ijrechen. Deshalb half er sich durch Festhalten des
Nicänums. Plieninger ist seinerseits keineswegs geneigt, der Rechnung
der Astronomen den Vorzug zu geben. Sie könne nicht richtig sein,
bemerkt er weiterhin, *) da Christus nach dem Zeugnisse der Evangelisten
iin vieriinddreissigsteu Jahre seines Alters gestorben sei.
Wie er sich hier von der theologischen Engherzigkeit seiner Zeit
beeinflusst zeigt, so sehen wir ihn dem wiiTen astrologisch-mystischen
Hange dei'selben folgen, wenn er den Iwiden erwähnten (Iründen, die
allerdings wohl die Entscheidung des Pajtstes beeinflussten, hinzufügt;
„Der Pa|»st sollte durch das Festhalten am Nicännm einer geheimnts-
vollen Fügung Gottes zufolge zu erkennen geben, dass er nicht der
Statthalter Christi und Nachfolger Petri, sondern der Nachfolger Con-
stantins des Grossen sei. Der Kaiser hat gleich nach dem Concil von
Nicäa seinen Sitz nach Constantinopcl verlegt, wodurch die Trennung
des römischen Reiches erfolgt ist und aus diesem selbständige König-
reiche. das zehnhfirnige Tier, von welchem Daniel im siebenten Haupt-
stück spricht, entstanden sind. Wie jene vom Kaiser, so sintl dann die
Päi>ste, durch die freilich zweifelhafte Schenkung Constantins übermütig
gemacht, in der Folge vom christlichen Glauben allgefallen. Mit dom
Reiehtume ist das Gift in die Kirche gekommen und iler Pajist zum
Antichrist geworden. Er hat den Sitz der heidnischen Kaiser einge-
nommen und ihnen in zügellosem l<eben und in Anmassung der höchsten
1) (Jeher die Kichiiirkoit dieser lierechnong und Ihr Verhältnis iii den Evnnpplien s. A B.
Latterbeck Oie Jahre Christi nach aloxandrinisehem Ansatz*’ und neueren astronomischen Berech-
nungen. Giessen 1^78^.
2) N. 8 des Anhang p. fg.
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4!)
Gewalt nacligeahint. So wuchs er geiimss Daniel als das kleine Hom
zwischen den zehn empor und erniedrigte drei von diesen, das erete dui'ch
die V'eratossung des königlichen Geschlechtes Pharamundi [der Mero-
winger] in Frankreich, das zweite [die Byzantiner] durch Einziehung des
Exarchats von Ravenna und das dritte durch V'ertilguna: der Longo-
hardenkönige. Darauf deutet seine dreifache Krone, die zugleich seinen
Anspruch auf die Herrschaft über Erde, Iliininel und Hölle kundgibt.
Er erlangte die Monarchie der ganzen Welt durch Abhtss. Bann und
Blutvergies,sen, wie dies auch Macchiavelli bezeugt. Nach Daniel sollte
ferner das kleine Horn die Zeit ändern und das hat ja nun Gregor XIII
gethan. Weiter hat er sich dadurch als Nachfolger der Kaiser bekundet,
dass er sich patrem patriae nannte, woraas jiapa entstand. Er hat sich
über alle Fürsten gesetzt und sell)st über Gott, da er sich in seiner
Einführungsbulle Pontifex Optiinüs Maxinius nennt. Da man seit Con-
stantin d. Gr. angefangen hat. da.s weltliche Schwert zu göttlichen Hän-
deln zu gebrauchen, so halten wir mit gutem Grimde dafür, dass damals
der Antichrist angefangen hat. in der Kirche zu regieren. Durch das
Festhalten am Nicänum sollte nun der Papst den vollen Beweis liefern,
dass er der Antichrist und das Tier ist. dem im dreizehnten Haupt-
stttcke der Apokalypse 42 prophetische -Monate, da.s ist 42 mal 30 pro-
phetische Tage oder 12fi0 .Jahre gegelwn werden, also genau so viele,
wie Daniel dem Tiere mit den Hömeni zumisst und vom Concil von
Nicäa bis zur Kalenderändenmg verflo.s.sen sind, denn jenes tagte zwischen
323 und 325®) und diese erfolgt zwischen 1583 und 158.5. Ausführlich
weist dann Plieninger nach, da.«« seine Rechnung auch im Einzelnen mit
den Thatsacheu der Kirchengeschichte übereinstimme, und wie er schon
in der Vorrede dargelegt hatte, dass der Papst unzweifelhaft der Anti-
christ sei, so ruft er weiterhin aus:®) „Nachdem nun erwiesen, da,«s der
Papst der grosse Antichrkt ist. das Ilorn Danielis, welches den Gräuel
der Verwüstung in die heilige Stadt oder christliche Kirche nach Daniel
7. und 11. eingeführt hat, und die babylonische, unverschämte Hure,
1) In der Bulle kommt dieser Auudrack nicht vor, dAi^egen gebnucht ihn Clarios ad der oben
S. Anm. 1 emriUmten Stelle» worüber auch Mästlin sieb AufbäU.
2} Man stritt damals, ob das Conctl 323 o»ler 325 gehalten sei.
3} N. 8 des Anbangs p. 32.
Abh. d. m. CI. d. k. Ak- d. WU». XV. Bd. III. Äbth. 7
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50
welche dfis zehiihörnige Tier nach Apokalypse 17. geritten hat, und
nachdem solches vielfältig 7.u unserer Zeit entdeckt und offenbar worden
ist und zwar der Papst selbst solches erwiesen durch die vorgenommene
Aenderung des Jahres, dm-ch die zurückgeführte Zahl der Tage, des-
wegen Süllen wir uns seiner Gebote als Menschensatzungen nicht teil-
haftig (xler ihnen unterwürtig machen, auch im Geringsten nicht.“
Ebenso beutete Mästlin in der an Churfüi-st Ludwig von der Pfalz
gerichteten Widmung seiner mehrerwähnten Schrift die Worte Daniels :
pjr wird sich unterstehen, Zeit und Gesetz zu ändern, aus, ' ) um dnr-
zuthim, das,s Gregor XIII, der ja auch das cauouische Recht geändert
habe, der Antichrist sei, und wie Plieninger suchte den Bew'eis dafür
der Astronom Tobias Möller oder Müller von Crimmitzschau in einer
eigenen Schrift*) zu fülu-en, nachdem er bereits einen wissenschaftlichen
.Angriff gegen die päjjstliche Neuerung veröffentlicht hatte. “) Dabei ver-
kündete Möller das Weitende für 1606, weil Daniel bi.s zu jenem von
der Aufrichtung des Gräuels der Verwüstung 1200 .lahre rechne; Daniel
spreche nur von einem Gräuel, nicht von Gräueln; mithin könne er da
nichts Anderes meinen, als das-s Kaiser Constantin 316 den ei-sten Paj)st
eingesetzt hal>e; damals sei ja auch eine Stimme vom Himmel ei'schollen:
Heute ist ein Gräuel in die Kirche eingefülmt worden.^)
Gegen Möller suchte ein mainzer Jesuitenschüler Peter Röst dar-
zuthim, **) dass die AV'orte Daniels sich nicht auf den Papst beziehen
köjmtcu. Im Uebrigen vermieden die Katholiken, auf eine Widerlegung
dieser wunderlichen Deutungen der Prophezeiungen näher einzugehen.
1) N. 11 de« Anhaiii?« fo). 2 f|?.
2) S. 2‘1 de« Anhuogiü U«ber den Verfa«Äer Vjfl. Zedier« UniversallexicGn g. v.
N. 6 des Anhang« Vj;l. Ka I tc n bronu er Da« di»rt erwähnte, dem Reich«ta)^^
vorjrclc;fte Werk über die Berichtiguntr der Jahresrechnnn^ verspricht auch hier in nächster
Zeit zu TerofTentlichen. Ansserdetn verweist er wiederholt auf die Vorrede eines 15H4 von ihm heraus-
^egrebenen Xnleiiders, den ich nicht kenne
4) Unter den Gröndeii für die Nälie des jüof^ton Tages führt Möller ausser der Verderbtheit
diT Menschen auch an. das« sieh die Kräfte des Himmels so stark bewe^ und das standhafte Flr*
mamont so sehr ^enkt. Um von der Sonne, von welcher es feststeht, zu scliweigeo, er, hat
sich auch ein atuJercr, noch unbekannter •Motus* so sehr geneigt, dass e« nicht zu glauben wäre,
wenn es nicht bemerkbar würde, dass dadurch ein so grosser Irrtum in die Astronomie eingeführt
worden i*t.
’i) K. 24 de« Anhaoga.
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ebenso aber auch, die Verbindlichkeit der nicänischen Vorschrift und die
Notwendigkeit des Zurückgehen.s auf den 21. Mäi-z zu erörtern.
VIII.
.lene Ausführungen, dass der Papst der Antichrist sei, führen uns
nun zum wahren Grunde der Ablehnung des neuen Kalenders.
Schon das neastädter Gutachten bemerkte:') „Ob Gregorius XIII in
dieser vielfältigen S{>altung und billigen Verachtung des Papstes und
seiner Gesetze einen erneuerten und verbesserten Kalender werde können
insgemein cinführon, das wird man sehen. Hätten’s die vorigen Päpste
gethan, als sie noch ihr Ansehen und Gehör hatten, so wäre es nun
ge.schehen. Jetzt ist es dahin geraten mit der päpstlichen Heiligkeit,
dass sie dermassen verhasst und abscheulich ist in vielen Landen und
Völkern, voraus in Deutschland, dass sie Alles, was von ihm und von
Rom herkonunt, verwerfen und fliehen, als wanns vom Teufel und aus
der Hölle käme, wann es gleich gut ist.“
Diesen Hass forderte die päpstliche Einführungsbulle in die Schranken.
Wir erwähnten bereits, welchen Eindruck sie bei den evangelischen Stän-
den hervorbrachte. Die in der Folge entstandenen Flugschriften und Gut-
achten führen einhellig aus. dass die Ablehnung des Kalenders Gewissens-
jiflicht sei, weil der PajMst die Aenderung als eine rein kirchliche Ange-
legenheit behandle und die Annahme mit Berufung auf die Concilien von
Nicäa und Trient sowie auf seine Amtsgewalt und mit Androhung des
Bannes befehle. Füge man sich da. so werde man die evangelische Frei-
heit aufgeben und sich stillschweigend den genannten sowie allen anderen
Concilien und der päjistlichen Gerichtsbarkeit wieder unterwerfen. Von
nun an sah man in der Kalenderänderung nur eine schändliche Praktik,
durch welche der Papst sich die evangelische Kirche wieder unterwerfen
oder die Katholiken zu blutigem Kriege gegen deren Anhänger hetzen
wolle. *)
1) N- 2 de« Anhangs p. 1^.
2) Schon das ijedenkeu fltr die «mberger Regierung batte diesen Vevdacbt ansgesprochen.
N. 11 de« Anhangs fol. I66a. Ausser den tm folgenden AngefQhvten s. Macstlio K. U des Aii'
hangs fol. 47 fg. Plieninger N. p. 2.1 fg. Hecrbrand N. 13, p. 1 fg. Seholin N l>f
52
Mit der wüsten Leidenschaftlichkeit jener Zeit werden diese Gesichts-
punkte geltend gemacht.
Johann Magirus, Propst zu Stuttgart, schickte der uns schon be-
kannten Schrift Üsiimdei'8 ') eine empfehlende Vorre<lo voraus, worin er
sagte, da es klar sei, dass der Papst diu’ch seinen Kalender nichts An-
deres bezwecke, als in Deutschland eine grosse Trennung in kirchlichen
und weltlichen Angelegenheiten und die Aufhebung des lleligionsfriedens
und der christlichen Freiheit zu bewirken, so müsse solchem arglistigen
V'omehmen begegnet werden, „denn was diese listigen Füchse und gräu-
lichen Wehrwölfe, dieses Pa])stes Gregorii Vorfahren hievor für Jammer
in Deutschland angestiftet, auch anzustiften sich unterstanden, das sei
mehr denn zuviel am Tage,“ und wiü-den alle Gutherzigen, die (Jiristus
von Herzen liebten und dem Widerchrist feind seien, üsiander seine aus-
schliesslich gegen den Pajist gerichteten Ausführungen nicht als allzu-
scharf verdenken, da ja bei verständigen und in Gottes Wort erfahrenen
Christen kein Zweifel mehr bestehe, dass der Papst der Antichrist und
ilie babylonische Hure sei.
Osiander selbst übte zunächst wieder seinen pfäffischen Witz. Petrus,
versichert er, hat imsbesondore von den Päpsten geweissagt, das-s falsche
Lehrer unter ihnen aufstt^hen wüurden. Diese haben einige Jahrhunderte
lang Alles, was die einfiUtigeu Christen von ihnen genommen, um Geld
verkauft, so dass sie des täglichen Handelns gewohnt waren wie die
Diebe des Steldens, bis mau sie hängt. Durch Luther aber hat Christus
ihnen den Ablas-skram umgestossen „und ihre Ablassbriefe so imwert ge-
macht, dass tei recht vei'stündigen Christen die Hunde möchten darim etc.“
Daher will jetzt Gregor XIll statt der Ablassbriefe Kalender verkaufen,
welche noch mehr Vorteil bringen würden als jene, da sie jährlich und
von Jedem gekauft w’erden müssten. Kr sucht ein Monopol für diesen
Handel zu errichten, indem er ilurch eine eigene Bulle-) bei Bann und
p. 10 fir* Aueb Laiidj'raf Wilbeliu von H»«u‘n sagtp in ««iaein Schreiben vmu o/15. Ueceinber
Der KHlendcr sei nicht ein roin politincbes Werk nnd man dürfe nicht dem Papste die Befu^is ein'
raamen. die Feste seini’K Ciefaliens zu ändern, noch sich, du diut Work ex mandato papae herlliease,
durch die Annahme mittelbar der päpstlichen Gewalt uaterwerfen.
1) N. 7 des Anhangs.
Die Bulle: ,Cum not« »uper* vom Ü. April bestimmte, dass Niemand während der
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tausend Ducaten Strafe den Nachdruck seines Kalenders verbietet, nach-
dem er in der Einführungsbullo die Beobachtung eines anderen untei-sagt
hat. Mono})ole aber sind in den Iloichsgesetzen verboten und es ist un-
billig, den Christen wehren zu wollen, dass sie dies»; wie andere Waaron
nach ihrer Gologeuheit kaufen.
Weiterhin spricht dann Üsiander ernsthaft, indem er bemerkt: Der
Pajjst weiss recht wohl, d:iss die evangeliscdien Iteichsstände den Kalender
auf seinen Befehl nicht aimehmeu werden. Er will daher durch iliesen
lediglich die Zwietracht und das Mistrauen im Reiche vermehren, damit
unter den Ständen und Unterthanen tägliche Händel entstehen luid viel-
leicht eimiial ein blutiges Gcrauf. Durch kein anderes Mittel hätte der
I'ajKit die Deutschen mehr gegen einander hetzen können. Er wird den
Ruhm eines Uerostratus erwcrbon. Aber es ist ihm auch noch um ein
Anderes zu thun. Der Papst weiss, dass etliche Päpstische in Deutsch-
land ihn nicht so hoch achtiui, wie er möchte, und er weiss also nicht,
wessen er sich zu ihnen zu veiseheu hat. wenn er künftig einmal ein
Blutbiul gegen die Protestanten in Deutschland anrichten möchte. Da
will er mm mit dem Kalender die Probt: machen. Wer ihn nicht an-
nimmt, dom wird der Papst l>ei seinen Anschlägen nicht vertrauen, son-
dern ihn für insgeheim halb oder ganz lutherisch halten, und das wird
ihm zur blutigen Vollstreckung des Concils von Trient mit welcher die
Päpste seit längerer Zeit schwanger gehen, dienlich sein. Er verrät
seine geheimen Absichten unwissend durch sein Wap])en auf dem Titel
des Kalenders : einen grossen Drachen, mul durch das Buchdruckoi'zeichen
am Ende : eine Katze mit einer Maus im Maule. ') Der Drache will, w'ie
er l>ereits in Italien, Spanien und Frankreich gethan, auch in Deutsch-
land umhertliegen, die Christen durch diu Jesuiten mit falscher Lehre
vergiften und ein Blutbad anrichten. Die Katze möchte, nachdem sie
DttcliütoD zehn Jahre «teo ueueti KaleitJer uboe (.icncbuuguug J«» Antuniu Lilio un<l eeloer Erbt'n
«irneken niut vitrkaafen »olle. Zuwiilerhandelmlt' eolle im KircheriNtiUit Verlust der UQclicr uoil eine
Strafe von lOfiÜ Ducaten. im ÄUülande die groeK« KxcommnDlcatioo treffen, von welcher nur der Papst
lösen knnni*. Knlendariam tiregoriaoum l'erpetuuin, Itoma« fol. 4. Schon eine Halle vom 20.
vember 15:^2 erlaubt« jedoch allen Katholiken ilen Xachdrnck, X. 4 des Anhangs fol. f>b, was Kal*
tenbrunnor 51^ Anin. 2 übersah.
t) Die römische Ausgabe des Kalenders von I*»IS2 zeigt das Wapi*eu Gregors mit dem Drachen,
dagegen nicht die Katze. Die von Oslander bezeichnet« Aaagabe kenn«' ich nicht.
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lange in Religionssadien heitniich, ini Sückel der Christen aber öffentlich
gemaust hat den armen Christen, mit welchen sie wie mit einer Maus
gespielt hat, den Garaus machen. Alwr Gott wird dieser blutgierigen
Hetichler endlich auch müde werden „und ihnen das unschuldige Blut
seiner Christen, das sie nun viele .lahre her vergossen, auf ihren Kopf
be/Kihlen und sollte er gleich lien Türken ilazu gebrauchen“.
Dieselben beiden Absichten wie hier Osiander schieben auch die
„Bauemklage“ und ein „Kalenderlied“ ’) dem Papste unter. Dagegen
begnügte sich mit der ersten, allerdings erweiterten, die Vorrede, mit
welcher Luthers .\eusserungen über das Osterfest veröffentlicht wurden.*)
In echt theologischem .Stile erzählt ihr Verfasser: Es ist, Gott sei
Lob und Dank, in diesen unseren und den uns twnachbarten Kirchen
weit und breit dahin gekommen, dass nach den Schriften der hl. Pro-
pheten, Evangelisten und Apostel zum grossen Nutzen vieler gottseligen
Herzen die geistreichen und voller Trostes und Lehre steckenden Schriften
des seligen Gottesmannes Lutheri gelesen und geltraucht werden. Wieviel
das armen Seelen genutzt hat, wollen wir mit F'reuden am jüngsten Tage
sehen, wo unzählig viele Seelen erscheinen und Gott invig Lob singen
werdim, welche dem Gifte der trüben jnäpstischen Pfütze und des ver-
gifteten Krötentümpels in grosser ^^.attigkeit enttiogen waren, aber aus
diesen schönen, hellen Brünulein. die aus dem lautersten Worte Gottes
hertliessen. sich zur Seligkeit erquickt haben. Das ist auch dem Pa]>ste
um! seinen Dienern, die in Gleisnerei Lfigenredner sind und das Brand-
mal der falschen Lehre in ihrem Gewissen haben, alter dennoch die
Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten und also Viele verführen, sehr
wol bekamit, indem sie den seligen Abfall vieler, ja unzähliger .Seelen
von ihrer Abgötterei uml öffentlichen Lästerung Gottes weit und breit
in allen Ländern erfahren haben. Ditshalb hätte ich seit Beginn de.s
Kalenderstreites gewünscht, dass Luthers Bedenken darüber den Christen
auch abgesondert mitgeteilt würde. Dies jetzt selbst zu thun, bestimmt
mich ein sehr wehmütiges Schreiben eines Adlichen, der in der Nähe
von da sitzt, wo das Paj)sttum mit Gewalt regiert, und der wol weiss.
1) N. 9 und 2*^ de» Anbaiig».
2) N. 15 dea Anhangü.
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dä
was aus dem Kalender folgen muss. Denn ob nun die Neuerung richtig
oder unrichtig sei, „so ist das gewiss, dass das Tier mit den sieben
Häuptern und zehn Hörneni und den sieben Kronen und den Namen
der Lästerung auf jenen dies Werk nicht vorgenommen hat, um der
Kirche Nutzen oder der Zeit Richtigkeit anzurichten, sondern es ist iler
Teufel, welcher dem hl. Macario 1x>gegnete mit vielen Büchsen liehangen
und als er von Macario gefragt ward, was die vielen kleinen Büchsen
bedeuteten, sagte er, es wäre in einer jeden eine solche Sünde, womit
er die Menschen vei-suchte Gleichesfalls thut dies Thier auch.“ Wie-
viel Anschläge hal>en die Päpste nicht, um früherer Zeiten zu geschweigon,
seitdem das Licht des Evangeliums entzündet ist, ausgehockt, um es aus-
zulüsclien und „ihren untüchtigen Krempelmarkt von Totenlwinen, Vigi-
lien und Seelenmessen den Unverständigen und denen, die in der Fin-
sternis und dem Schatten des Todes bei ihnen sitzen, wieder zu ver-
kaufen“. Alles war vergeblich. „Jetzt aber hat der Papst eine neue
Büchse aufgethan und den (triff herausgelangt, womit er sich listiglich
vorgenommen hat. alle Nationen, die noch unter seiner Stock uieisterei
liegen, in Handel, Wandel und Kaufmannschaft von den Deutschen, denen
sie sonst nicht übel gewogen, abzuwenden, die Deutschen unter einander
selbst in einander zu hängen, den jwlitischen Frieden, den noch die
Fürsten trotz ungleicher Religion unter einander haben, zu zerreissen,
die Herzen gegen einander zu verbittern und den armen gemeinen Mann
auch mit ins Sjiiel zu bringen, ob Deutschland sich in sich selbst ab-
matten und auffi'es.sen wollte.“
Ebenso führte eine höchst merkwimlige [lolitische Flugschrift ') den
neuen Kalender unter den Mitteln auf, duich welche der Papst den in
Frankreich und in den Niederlanden wütenden Ileligionskrieg nach Deutsch-
land übertragen wolle ; er liealisichtige dadurch den kirchlichen Zwie-
spalt zu verschärfen und zu verhüten, dass Katholiken und Protestanten
sich im Umgänge befreundeten.
Ein Keimschmied Hess sogar die Katholiken den Papst zur Blutarbeit
auffordeni. in<lem er dichtete: -)
1) ü« cau»a Colonienu btevi» «t perapicoii Commentotio. 'l.'iSS. VerlMuC ist 'iie Schrift woi 15s;t.
*2) K. 22 tlca Anhangs.
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Erhalt uns Papst bei deinem Wort
Und steur’ Allen mit Krieg und Mord.
Die dich nicht fürchten und dein Mom, *)
Wölln .«tUraen dich vom Stuhl stu Ifom-
Reweis dein Macht mit allem List.
Weil du Herr aller Herren bist.
Und r.wing' die Reichsstadt allgemein
Zn halten den Kalender dein
0 starker Geist, des Papstes Herd,
Schaff den Sauiten *) Fried auf Erd’,
Die Luth'rischen .schlag all au Tod:
Das ist ihrs Heraen Freudenbot.
So werden .sie erkenneu uoch,
Dass du au Rom, Papst, lebest noch
Und der Welt Fürst mit seiner Schaar,
Die sich auf dich verlassen gar.
Verleih uns Gelt g'nug, bitten dich,
0 Papst, an diesen Zeiten.
Auf dass wir können kräftiglich
Dein' Kniender bestreiten
Hie und auf allen .Seiten.
In nij'stischer Weise hehnndelte wieder Plieninger die Frage nach
den Absichten des Pajistes. Das Papsttum, sagt er, ®) hat die drei Grade
erlangt, welche jedes Keich dnrchmacht: Wachsen. Griisse und Verfall.
Er hat erst, den Primat, dann da« Patrimonium imd endlich die Inve-
stitur an sich gebracht. Dazvi diente ihm vor allem das Sehafsfell,
nämlich das Vorgelien, dass es ihm um die Kirche Christi zu thun sei.
Unter diesem Schafskleido aber verbergen sich drei Tiere, die ihm zur
Erreichung jener drei Güter behülflich waren: erstens die Natter der
Klugheit und Voraicht, wodurch er zum Primat kam, von dem aus er
dami das Gift der Natter, die Menschensatzungen und iius.serlichen Ccro-
monien in die Kirche goss; zweitens der Fuchs der List imd des Be-
1) Muhme? Etwa f^Ieicb ilea Tcofela Gro^smatter.
2) Jesuiten.
3) N. 8 des Anhangs p. 43 fg.
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tniges, wodurch er Land und Leute gewann und als das kleine Hora
drei der zehn Hörner Daniels erniedrigte, und drittens der Wolf des
Tobens und Blutvorgiessens, womit er die Investitur und die Hoheit über
Kaiser. Könige und Fürsten erlangte. Er hat die Fürsten gegen den
Kaiser und gegen einander gehetzt und sie mit Fluch und Bann seinen
Gesetzen unterworfen. Dann ist der Papst ins Abnohmen geraten. Seit
kurzem aber sucht er sich wieder aufzurichton durch Mord, Blutver-
giessen und die Inquisition wie in Frankreich, Spanien und den Nieder-
landen, welche er mit Krieg erfüllt hat. Da ihm dies in Deutschland
wegen des Keligionsfriedens noch nicht gelungen ist, hat er einen anderen
Weg erdacht, um sich die Reichsstände wieder zu unterwerfen, indem er
sie uneinig macht und gegen einander hetzt. Zu dem Zwecke hat er
seinen Kalender erfunden. Nehmen die Stände ihn an, so machen sie
sich ihm unterwürfig; andernfalls kann er sie in Zwietracht bringen, den
Religionsfrieden aufheben, die Inquisition einlühren, Aufruhr und Blut-
vergiessen anstiften und so seine Herrschaft horsteilen. Dazu braucht er
alle Mittel seiner Vorfahren, Schlangenklugheit, Fuchsliat und Wolfsart
zugleich unter dem Schaffell des christlichen Namens; Sehlangenklughcit,
indem er einen Gegenstand vornimmt, der auch bei Geleluden ein An-
sehen hat; Fuchslist, indem er seinen Kalender zunächst nur den papi-
stischen P’ürsten schickte und ihn einführen Hess, ehe auf dem Reichstage
darüber beraten war und ehe seine Einführungsbulle bekannt wurde;
Wolfsart endlich, indem er in jener Bulle die Bischöfe ermahnt, den
Kalender im Notfälle auch mit dem Schwerte einzuführen, ') und dies ist
der Hauptzweck des Papstes, nämlich den RoHgionsfrieden aufzuheben
und Blutvergiesson anzustiften, damit er wieder zu seiner Hoheit im
Reiche komme.
Hier gellt nun Plieninger zu politischen Betrachtungen über, wie sie
in jener durch die französischen und niederländischen Glaubenskämpfe
erregten Zeit häufig angestollt wurden, doch verliert, er sich bald wieder
in astrologische Schwärmereien. Wird der Papst den Zweck seines Ka-
lenders erreichen? fragt er und antwortet: Danach trachten mit jenem
seine falschen Ajxistel, die Jesuiten, und liemühen sich nicht nur heimlich
1) Aaf welche Stelle der Bolle hier angespielt wird, rermtg ich nicht in deaten.
Abh. d. III. CI. (I k. Ak. d. WtM. XV. M. III. Abth. 8
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darum, sondern auch in öffentlichen Scliriften wie denen von Callidius
und Eder. ') Bei vielen Fürsten und Herren sieht es aus, als hätten sie
Lust solchen Ratschlägen zu folgen, und offenbar stehen grosse Ver-
änderungen bevor. Welchen Nutzen aber der Krieg bringen würde,
lehi’en die Geschichte und das Beispiel von Frankreich und Nioderland,
wo der Pa|tfit den Kainj>f entzündet hat. Die deutschen Papisten mögen
nicht glauben, dass sie die stärkeren und des Sieges gewiss seien. Auch
ist das Reich schwach und es wird, wenn innere Unruhen ausl)rechen,
den auswärtigen Feinden, den Franzosen, Türken und Anderen znm Raube
werden. I^asst Euch, ihr Fürsten, daher nicht durch den Paj>st und die
Pfaffen verhetzen, ruft Plieninger aus. Sonst ward, wie Johann Agricola
von Eisleben in seinen Sprichwörtern 1525 pi-ophezeit hat, Deutschland
bald im Blute schwimmen. Leider scheint es, als solle sich die Prophe-
zeiung doch erfüllen. Darauf deuten seit dem im Jahre 1572 erschienenen
Wnnderstern viele Zeichen wie der grosse Komet von 1577 und die Er-
scheinungen von 1582, wo z. B. der Mond am 3. März zwischen acht
und neun Uhr Abends das Gesicht eines verhüllten Weibes angenommen,
sich nahe zur Erde niedergelassen und sechs bis sieben Mal mit hellem
Geschrei „Wehe“ gerufen hat Gerade am Tage der Kalenderänderung,
am 10. October, ist ein schreckliches Gewitter über fast ganz Deutsch-
land gegangen, welches zu Wien den vor zwei Jahren aufgerichteten
Doppel.'wller zcmdimetterte und das eiserne Kreuz von der Jesuitenkirche
warf. Dann folgten während der geänderten Monate gi‘os.se Wa.s.sertluten.
„Es redet auch der Komet, welcher vom 14. Mai bis in den 27. diese.s
Jahres gestanden ist, so doch die vorhergehenden Kometen ihre Bedeutung
nicht zu Ende geführt und noch nicht ausgeredet haben. Und wird auch
reden in diesem 1583. Jahr die grosse Coniunction *) und Zusammenkunft
der Planeten zu Ende des wässerigen Triangels im Zeichen der Fische,
wie auch im Jahre 1524 dergleichen Conjunction gewesen, darauf dann
1) S. über Eder und rerwindte Sehrillen; Briefe und Acten rar Geachichte dee dreiuizjährigen
Krief^ IV, 144 fg. Oie mir damnls noch nnbeknnnte Schrift dee Callidini erschien 1.579 in Lnxem-
bnrg unter dem Titel: Apologii Cornelii Callidii Chrjsopolituni in orationem Philippi de Marnix,
domini de S. Adelgonda pro Serenisf. arcfaiduce Austriae Matthia et ordinibne Belgicis ad delegatoa
Septemrirnm caeterornroqne Principum ct Ordinnm S. J. Wormatiano eoorentn hahitam mense Uaio
1578 n. e. w. 4”.
2t Vgl. S. Änm. 4.
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gleicli das nächste Jahr hernach der Bauernkrieg erfolget und die anderen
Jahre hernach viel Kriege in Italien entstanden sind, auch llom einge-
nommen worden ist. Diese jetzt angehende Conjunction aber hat um so
mehr zu bedeuten, weil sie zu Ende des wässerigen Triangels geschieht
und zu Anfang des feurigen nach dem mittlen und gleichen Lauf, der-
gleichen dann iimerhalb 800 Jahren einmal geschieht und ist der Himmel
also gestanden zur Zeit der Erschaffung der Welt, item vor der Sündtluts
item vor der Geburt Christi zu Anfang der römischen Slonarchie, item
zu Anfang des deutschen Kaisertums unter Carolo Magno. Dieweil dann
allwcgen grosse Aenderungen darauf erfolgt sind imd dies von Anfang
der Welt die siebente und letzte Conjimction ist, wiewol sie erst auch
dem wahren Lauf nach Anno 1642 vollkommen ausläuft und im Anfang
des feurigen Triangels geschieht, so kann Jeder daraus erachten, was wir
innerhalb solcher Jahre, nämlich von jetzt an bis in das 60. oder 70. Jahr,
zu erwarten haben, nämlich die allerletzten Aenderungen, mit welchen
der Himmel und die Natur iliren Lauf und das Werk, dazu sie von Gott
bestimmt und verordnet sind, verrichten, erfüllen und zu Ende führen
wenlen. Sonderlich al>er sind diese künftigen zwanzig Jahre wol wahr-
zunehinen, weil es die Jahre mntationis a>|uei trigoni in igneum sind, in
welchen allwegen die grössten Aenderungen und Unruhen sich begeben
haben, denn Anno 1603 geschieht erst die vollkommene Conjunction der
Planeten im feurigen Trigono.“ Mit umständlichen Rechnungen und mit
Zusaininenstcllung der Ereignisse des alten Bundes und der christlichen
Geschichte sucht dann Plieninger den Beweis, dass das Weitende nahe sei,
zu vei-stärken, imd bezeichnet daraufhin schliesslich die Kalcndcrändorung
als das letzte und dritte Wehe, welches der siebente Engel der Aj)okalyjise
mit der sielienton Posjmne über die Welt geblasen. Der Kalender wird
dem Papste Anlass gel>en, die grosse Verfolgung ins Werk zu setzen, von
welcher die Apokalypse spricht Daniel gibt dein Reiche des Antichrists
1290 Jahre, indem er nicht wie die 1260 Jahre berechnende Apokalypse
den Anfang, sondern das Ende des Verfalls seiner Herrschaft bezeichnet.
Mithin haben wir, wenn man vom nieänischen Concil an zählt, noch
dreis.sig Jahre bis zum Ende der Regierung des Antichrists, nur noch
zwanzig alier, wenn wir die Zählung mit der Freigebung der Kirche im
Jahre 312 anfangen und also den Beginn des Verfalls und der Verfolgung
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des Antichrists auf 1572, das Jahr der Bartholomäusnacht, setzen. Bis zum
Weitende sind noch etwa siebzig Jahre zu rechnen.
Weniger weitreichende Absichten als die Mehrzahl der Protestanten
schrieb ein Kalenderlied ') dem Pap.ste zu, welches ihn mit dem atheni-
schen Dichter Kinesias verglich, der nur darauf gesonnen habe, .\lles
anders zu machen wie die übrigen Menschen. Das unflätige Machwerk
überhäufte Gregor deswegen mit Schmähungen und bczeichnete ihn als
toll und lotterbubisch, als den rechten und echten Papstesel. Einen ganz
eigentümlichen Grund aber heckte ein „Bauerngespräch“ aus,*) welches
1584 von dem sächsischen Pfarrer Caspar Füger veröflfeutlicht wurde und
hier um so mehr eingehende Besprechung verdient, als es zeigt, mit
welchen Mitteln der Verfas.ser und seine Amtsgenossen den Glaubenhass
ihrer Bavieru schürten.
Zwei Bauern gehen mit ihren Weibern ins Wirtshaus, mn zu zechen,
da Alles, was sie zur Stadt bringen, jetzt hoch Iwzahlt wird. Da erzählt
Merten: Ich fuhr jüngst einen Mann nach Böhmen; dort war letzten
Sonntag Christus schon auferstanden, sie trugen ihren Fladenherrgott um
die Kirche herum und die Leute assen Osterfladen, geweihte Schultern
und Anderes. Der Papst hat nämlich auf der ganzen Welt ungeordnet,
eiuen von ihm neu gemachten Kalender zu beobachten, damit <.)stern an
dem Tage gefeiert werde, wo Christus aufeirtanden sein soll. Wie? fragt
ei-staunt der andere Bauer, Pebel: Sollte denn der Papst an die Aufer-
stehung der Toten glauben? Unser Pfarrer hat letzthin im Kretscham*)
erzählt, er habe von einem neulich aus Welschland gekommenen Doctor
gehört , dass man zu Rom nicht viel von der .Vuferstohung und dem
ewigen Leben halte; es werde selten davon gepredigt und wenn man
den Leuten davon spreche, so hielten sie es für ein Mährchen; ja, der
Papst selbst suche durch die Fabel von Christus, wie er das Evangelium
nenne, nur Geld. Ich meine, er hält das Evangelium für einen Schnabel,
mit dem er Alles an sich roissen will, der Antichrist, „Unser Pfarrer
sagt, dass er der Entechrist sein soll, denn er weiset uns auch ein Bild,
1) N. 15 dc4 Anhangs.
2) N. 20 det Anbanp. Den VerfaBser nennt Johann Haacb in N. 29 des Anhangs fo), 9.
.'I) Wirtphau«.
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das er mit sich hat ans der Stadt gebracht, da waren Christus und der
Papst gegen einander gemalt, also dass man eigentlich daraus vernehmen
konnte, dass der Papst der Entechrist sein müsse, denn er sieht Cliristo
so gar gleich wie der Wolf einem Schafe oder der Fuchs einem Hasen.“
Der Pa])8t reitet in stolzer Pracht auf einem weissen Hengste, Christus
bescheiden auf einem geliehenen Mühlesel. u. s. w.
•Merten: Ja, ja! Der Papst ist Christus gleich wie der Kuckuck der
Grasmücke. „Wie ich dann auch vielmal von euerem und anderen Pfar-
rern höre losen,') man hat im Papsttum geglaubt mul glaubt’s auch
noch, dass nur drei Reiter im Himmel sind und hineingehören; der Ritter
S. Georg, der liebe Herr S. Merten und unser lieber Herr und Heiland
Jesus Christus. Darum so muss der vierte Reiter, der Papst, in Himmel
nicht eingelassen werden. Er gehört auch nicht hinein, sondern er wird
lebendig in den feurigen Pfuhl, der von Schwefel brennt, nebst seiner
ganzen Reiterei geworfen werden, wie in der Offenbarung .Johannis am
19. Capitel nach unseres Pfarrers Aussag geschrieben stehen soll.“ Pebel:
D’rum singen wir auch täglich in unserer Kirche: Erhalt’ uns Herr bei
deinem Wort u. s. w., „denn es sind doch Huben, Monier, Räuber und Blut-
hunde, der Papst wie der Türke, und sind die rechten Entechristi, denn, was
Christus geordnet und eingesetzet hat. divs ändern sie, wie’s unser Pfarrer
zum oftern Mal klar vorlegt imd lioweiset, dass .\lles, wa-s Christus in
seinem Evangelio befohlen hat, das gefalle dem Papste nicht. Mich ge-
mahnt es mit dem neuen Caldandors gleich also. Christus ist in und
nach dem alten Kalender geboren; der Papst fürchtet, er möchte, ihm
zu rasch wiederkommen zum Gerichte, darum hat er diesen neuen Cal-
danders (ich hätte schier gesagt, Raldauders) gemacht, dass sich Christus
veriiTen soll unil nicht wissen, wo er daheim sei, wo er sein Gericht
nun anstellen und dazu kommen soll, damit sich der Papst desto weniger
davor zu fürchten und desto länger seine Schinderei, Gotteslästerung und
Bubenstücke frei und ungestraft treiben könne. Gott strafe diesen Buben.“
Merten: Der Papst nennt den Kalender einen ewigwährenden, um anzu-
zeigen, dass er nicht an ein jüngste.s Gericht luid ein Weitende glaubt;
ja, er soll so sicher sein, als müsse es Christus machen, wie er will.
1} Da« Original bat nkosen*. doch »o!l «« gewUa rede». b«i«sen.
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Pebel: Das wird ihm fehlen, denn ich glaube, da.ss Christus bald kommen
und den Pa{)st umbringen wird.
Jlerten; Die Leute sind gar bestürzt über den neuen Kalender und
sagen, er verwin-e Alles und mache Irrung in allen weltlichen Händelu.
Verschreibungen, Historien, Jahrmärkten, (ierichton, Schifffahrten, Acker-
bau, PHügen und .Säen und Unordnung in den Festen der Kirche. Er
wird nichts Gutes anrichton. Pebel: Wie soll er Gutes anstiften, da man
die Osterfladon zu so Unrechter Zeit is.st? Wie können sie Einem ausser
der rechten Zeit schmecken? Ebenso geht es mit den Genüssen aller
anderen Feste. „Zu Ostern, wenn sie zu rechter Zeit gehalten worden,
schineckcm am allerbesten die dicken Quark- ') und anderen Osterfladen
und Kuchen, item Schultern, hart gesottene Eier und lirntwürste, mit
den Schultern gekocht. Zu Pfingsten scliieast man den Vogel ab und
trinken wir unser Pfingstbier. Auf Bartholomäi schleichen wir den Vö-
geln nach und gehen mit der Eule. Um Michaelis geben \rir Zins, gehen
die Kermes an. unsere allorgrösste Freude und Kurzweil allhier auf Erden,
und trinken wir guten Most. Auf Martini trinken wir den kühlen Wein
und essen d.azu feiste und wolgemästete Gänse. Auf Weihnachb-n schlach-
ten wir die gemästeten Schweine, machen die Osterechultern und essen
die grossen und andere Würste sammt den Christwecken und Streusselen.
Und so verzehren wir die Zeit, das liolnj, lange .Fahr und uns <lie Zeit“
Sogar die unvernünftigen Tiere halten ihre Zeit, wann sie kommen und
gehen. Warum wollen denn nicht auch wir unsere alte Zeit halten und
uns nach dem alten Kalender richten? „Ja, auch das Vieh hält seine
rechte Christnacht unil steht in <ler alten und nicht in der neuen Clirist-
nacht der Geburt Christi zu Ehren auf. Item es blühet darin auch die
Christwurz, das Kap])iskraut trägt Samen u. s. w. Item es hat auch die
Sonne ihre drei Sprünge vor Freude der Auferstehung Christi noch nicht
gethan, sondern wird sie erst thun, wenn sie de.s Morgens auf unseren
fröhlichen Ostertag aufgehen würd.“ Sollten die Zeiten so geändert wer-
den, wie könnten wir armen Bauern wissen, wann wir säen sollen u. s. w.
Wahrlich der Papst verrät sich gleich der Sj)itzmau8 selbst mit diesem
seinem neuen Baldandere, „dass er der rechte Entechrist sei, denn ich
1) Eine Kineart.
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halw gehört, dass der Entochrist, wenn er kommen wird, auch die Zeiten
verändern oder wie Daniel sagt, Zeit und Gesetz zu ändern, unterstehen
(unterstehen, alwr nicht ausführen) werde.“ Dem Papste wird es gehen,
wie mir, als ich neulich den Herrn im Hause spielen und meiner Frau
Marfa nicht mehr unterthan sein wollte: sie lehrte mich mit der Ofen-
gabel (jehorsam.
Merten: Ich habe auch gehört, da.ss der Pap.st mit seiueiu Versticho
schwerlich durchdringen werde, denn die Iteichsstände, Dänemark. Schwe-
den, Schottland, England, die Schweizer und Andere wollen nicht ein-
willigen, ja die, welche ihn schon angenommen liatten, wie liaiern und
Andere, sollen ihn um der Unordnung willen, die er anrichtet, wieder
abgeschafft haben. Auch höre ich, d.a.s.s gelehrte Sterngucker ihn für
unrichtig erklären. Pebel: Das ist recht. Warum will sich auch der
Papst die ganze Welt unterwerfen? Doch, „siehe, meine Marfa hat sich
vollgcsoffen luul will heiingehen, ich muss ihr traun folgen.“')
IX.
Die Katholiken unternahmen nicht den aussichtslosen Vei-such, die
Vermutungen über die Absichten des Papstes zu widerlegen. Sie be-
mühten sich nur, die übrigen I!e<lenken zu beseitigen. Wie der Kaiser
und andere Fürsten dies dadurch zu erreichen getrachtet hatten, dass sie
in ihren Einführungslwfehlen des Pai»stes mit keinem Worte gedachten,
und wie kathuliscdie Schriften gellissentlich hervorhoben, dass die Neuerung
auf Anhalten weltlicher Füi'sten erfolgt sei, wurde bereits erwähnt *) Des
Weiteren hoben die Verteidiger des päpstlichen Kalenders hervoi’, dass
der Hofeld und Bann Gregors nur seinen Anhängern gelte; die übrige
Christenheit, versicherten sie der Wahrheit zuwider, habe er nur höflich
zur -Amiahme eingeladen. Sie wiesen ferner daraiif hin. dass doch nur
der Papst im Stande gewesen sei, die Aendorung im grössten Teile von
Europa durchzusetzen, und machten anderseits geltend, da der Kaiser
1) Schon in der Einleitung heiMt oe: üiucro Weiber raufen jetit «o gerne und »o riel guten
Wein wie wir Männer, darum dhrfen eic'a um nicht mehr »orwerfen, wenn wir beide, Männer und
W'eiber, wol beuebt lur Studt hinuue nach dem Dorfe heimgehen, fol. 2 b.
2i S. oben S. 21 und :d9.
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f.4
don Kiilonder in seinem Namen als weltliche Obrigkeit eingeffihrt lial)e,
sei derselbe nicht mehr ein Werk des Papstes, sondern ein weltliches,
ein „])olitisches“ Werk und die Protestanten könnten ihn mithin nach
Luthers eigenem Urteil ohne Verletzung der Gewissen annehmen. Sogar
für die Katholiken sei seine lleobachtung nicht Sache des Glaubens, son-
dei-n nur dos kirchlichen Gehorsams. Würden die Protestanten durch
seine Annahme Papisten, so seien sie es doch auch bisher gewesen, da
der alte Kirchenkalender vom nicänischen Concil un<l von den Päpsten
geschallen sei. Da-s Concil von Trient habe den neuen Kalender nicht
gemacht und da.ss man durch diesen nicht jenes anerkenne, zeige ilas
Beisj)iel Frankreichs. Man wies ferner auf das Beispiel der Holländer
hin. welche den Kalender gleich 1583 unter Verwahrung gegen die
kirchliche Hoheit des Papstes cingeführt hätten : ') so könnten auch die
deutschen Protestanten ihre Freiheit durch Proteste wahren. Emljich be-
merkte im .lahre 1612 ein Jesuit sehr treffend, dass nun jene Freiheit
doch durch langjährigen Widerstand hinlänglich dargethun sei imd die
Annahme also ohne Schaden und Misdoutung vollzogen werden könne. -)
Die Protestanten blieben indes dabei, dass der Papst den neuen Ka-
lender einmal zu einer kirchlichen Angelegenheit gemacht habe und dass
mithin <lie Annahme trotz allen \T)rwänden die Unterwerfung unter seine
Kirchengewalt bedeuten werde und jedes Piictieren mit dem Antichrist
unzulässig sei. ’)
1) Dies berichten Gramineus N. ^ des Anhani^s. Widmung und (oL 1, und Uöst N. 24
fol. 9; ersterer mit «1er Angabe, dass vom 1. auf den 12. Januar gesprungen und Acben dies
Beispiel befolgt habe. Merkwürdiger Weise gibt kein Handbuch der Chronologie den Tag der Etn-
fuhruDg des neuen Kalenders in den vereinigten Niederlanden an. Der Gät« des Horm Reichs*
arebivars van den Bergh im Haag, an welchen ich mich wandte, verdanke ich folgende Auskunft:
Am 10. October 1582 erliess der Heraog von Anjou ein Placaat, welches befahl, nach dem 14. den
25. October zu zahlen. Groot Placaatboik 1, 895. In Folge dessen nahm die Staatskanzlei den neuen
Kalender an, doch, wie es scheint, erst seit dem 15/25. December 1582. Holland und Seeland zählten
zufolge Beechluss vom 19. December 1582 nach dem 1. Januar 158:1 den 12. Fricsland, Geldern.
Oberyssel, Utrecht und Gröningen folgten dagegen erst im Jahre 1700 den deutschen Protestanten im
Anschlüsse nach.
2) Fabricins bei Kaltenbrunner 531. (Achnlich äussorte sich Tjrcbo de Brahe, das. 584.1
Rasch N. 29 des Anhangs fol. 26 fg. Röst N. 24 des Anhangs foL 8 fg. P. Guldin Refutatio
elencbi a Setbo Calvisio cunscripti 1612, p. 5 fg.
3) Mistlin in N. 11 des Anhangs, fol. 50 fg. Vgl. das Gutachten der iübinger Universität
bei Sattler Geschichte des Horzugtfaums Würtenberg V, Beilagen S. 50 fg., und die Eingabe der
nnteruflterreicbischen Prediger bei Wiedemann a a. 0. I, 440 fg.
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Hütten der Kaiser und die Ueichsstände beider Bekenntnisse, sagte
Osiunder, ') die Besserung des Kalendere nötig erachtet, sie etlichen ge-
lehrten Leuten übertragen und sie als politisches Werk durch Reichstags-
beschluss angeordnet, wie die i-öniischen Kaiser Cäsar und Augustus getlian
haben, dann wüTe es vor Gott keine Sünde, ihn anzunehinen, denn solche
Dinge geben und nehmen der Religion nichts. Aber der Kalender kommt
vom Pajjste, der ihn anonhiet, als ob er unser aller Seelsorger, Bischof
und Herr w'äre. Er ist nicht unser W'eltlicher Herr und hat uns als
solcher nichts zu gebieten. Noch weniger aber können wir ihn als
obersten Bischof anerkennen, „dann wir Gottlob in Deutschland wissen,
dass der Papst zu Rom der wahre Antichrist und ein Feind unsers Herrn
Jesus Christus ist, als der die reine Lehre des hl. Evangelii gräulich
lästert und anathcmati.siert., falsche und abgöttische Gottesdienste ver-
teidigt und fortpttanzt und fromme und unschuldige Christen gräulich
als ein grimmiger Wolf zerreisst und frisst, wo sie ihm werden mögen.
Und wird uns dieser gräuliche Wehi-wolf (vermittelst göttlicher Gnaden)
nicht mehr l>ereden. dass wir einen sulchen reissenden Wolf für einen
Hirten und getreuen Bischof ansehen. Znm Teufel mit einem solchen
Bi.schof und Hirten, der seine Schafe frisst und ihre armen Seelen dem
Teufel in den Rachen zu stossen begehrt. Wir erkennen den Papst zu
Rom für die babylonische Hure (wie ihn der Apostel Johannes in seiner
Otfenbaruug am 17. Capitel nennt), welche nunmehr längst vom Blute
der Heiligen trunken worden und vom leidigen Teufel mit allerlei geist-
licher und leiblicher Unreinigkeit (als mit Franzosen und Aussatz) be-
schmeisst und vergiftet ist. Wer nun mit dieser babylonischen Hure
buhlen und ihr zu Gefallen ihren Kalender annehmen will, der mag es
auf seine Gefahr thun. Wir aber wollen der Hure müssig gehen, wie
wir auch den Pajjst nicht für unseren Bischof und Seelsorger, sondern
für einen gi-äulichen Seclenmönier erkennen. Darum, wenn wir gleich
sonst diesen Kalender für gut hielten, jetloch, wenn uns ihn der Papst
aufdringen will, sollen wir ihn hinworfen.“ ln jenem Falle müssten wir
ihn sogar dann um der christlichen Freiheit willen verwerfen, wenn der
Papst ein Lehrer des reinen Wortes wäre, denn änsserliche imd gleich-
gidtige Dinge sollen nicht zur Gewissenspflicht gemacht werden.
1) N. 11 de» Anhangs fol. fg.
Äbh.d. II!.Cl.d.k. Äk.d. Wii«. XV. ltd. U!. Abtli. 9
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V^on diesem Standinmkte aus hatten die Prediger zu Augsburg sich
dein Beschlüsse des Rates, gleich den Nachbarn den neuen Kalender an-
zunehinen, mit solcher Hartnäckigkeit wiilersetzt, dass sie schliesslich aus-
gewiesen wunlen. Zwischen ihnen und dem Rate sowie dessen Anhängern
wm’dcn zahlreiche Schriften gewechselt und auch in deTi Veröffentlichun-
gen über den Kalender sowie in einer Reihe von Liedern wurde der
Streit wiederholt erwähnt oder behandelt. ’)
Im Hinblick auf denselben hielt an der Universität Tübingen der
I’rofes.sor der Theologie Jakob Heerlirand eine Disjmtation über Thesen,
welche er dann veröffentlichte. *) In der 'Widmung an die augsburger
Prc'diger sagt er; Ich habe eure Antwort auf die Schrift eines Advo-
caten eurer päjistlichen Gegner, der sich diesen verkauft hat, gelesen. *)
Jener sucht aus den Schriften Luthers und .\mlercr ilie Zulässigkeit der
Annahme des neuen Kalenders aufs schmählichste ilarzuthun. Ihr habt
ihm trefflich geantwortet und ihr habt Recht, dieses trojanische Pferd
nicht in eure Kirche zu lassen. Da nicht nur im Reiche sondern auch
im Auslande über den Kalender so viel gestritten wird, habe auch ich
Thesen verfasst. Ich sehe, dass ich mit euch völlig übereinstimme. Allo
Frommen und Kinsichtigen wissen, ilass hinter dem Kalender der Satan
steckt, „denn wie er ein Lügner und Menschenmörder ist, so sinnt er
nicht nur durch diesen Kalender des .-Vtitichrists auf Trennung cler Ge-
müter, gegenseitigen Mord nnd Zertleischung, sondern er sucht auch den
verfallenen und durch Gottes Wort umgestürzten Stand seines Reiches
(den Primat) und seine frühere Jurisdiction und volle Hen-schergewalt
herzustellen.“ Sagt er doch in seiner Bulle: „mandamus“. Hat er erst
durch unsere Sorglosigkeit seine Gewalt wieder erlangt, dann wird er
mit sieben schlimmeren Geistern wiederkommon, alle seine Abgötterei
allmählich einführen und uns sein tyrannisches Joch wieder auHegen.
Der Zweck seines Kalendci-s ist, da.ss die Feste der Heiligen zu rechter
1) Vgl. über den Streit Stetten Geschichte von Augsbarg If, und Haberliu K. T. Reich*-
geschieht« XIU. -14:1 fg. Ö27 fg.; XIV, 318 fg, m fg-, m fg . 647; XV, y\ 239, 2-13. 41S 435,
446. 495, der sich ronugsweise anf Stetten stützt. Da Kaltenbrnoncr eine actenmässigo Dar-
stellung des Streites in Aussicht gestellt hat, gehe ich nicht naher auf ihn ein.
2) N. 13 des Anhangs.
3) 8ie ist mir unbekannt; ihr Verfasser dürfte der Ratsadrocat Dr. Tiadel genesen sein.
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Zeit gefeiert werden eolleii. Damit wird zugleicli die verabschuuungs-
würdige Abgötterei mit veratorbenen Mensclien erneuert» Vom Dogma
ist allerdings im Kalender nicht tlie Rede, aber wie der Teufel kann
auch der Papst den Bocksfuss nicht verbergen, indem er des Concils von
Trient gedenkt, welches er zu vollstrecken wünscht, während es ein
Lernasee aller üel>el, eine Pfütze aller Gottlosigkeit, ein Zusammentlus.s
und Meer aller Irrtümer schrecklichster Art ist.“ Den Anfängen muss
man widei-stehen. Wachet also ihr Kirchenhirten über eurer Heenle imd
nehmt nicht das babylonische .loch wieder auf euch. ')
ln seinen Thesen führte dann lleerljrand unter rohen Schmähungen
gegen den Pajwt und mit vielfachen Wiederholungen aus, dass die Fest-
feier zwar zu den für die Christen gleichgültigen und freigestellten
Dingen, zu den Adiaphora oder Mitteldingen, wie die Theologen jener Zeit
sich ausdrückteii, gehöre, der Kalender aber wegen seines jinjiistischen Ur-
sprungs, wegen seines rein kirchlichen Geprägeji und Zweckes und weil
der Papst die Annahme l)ei seinem Bamie befehle, ohne Verrat am
evangelischen Glauben und <lcr christliclien Freiheit nicht angenommen
werden könne; auch einer weltlichen Obrigkeit, welche die Beol)achtung
befehle, dürfe nicht gehorcht werden, weil einerseits die Ordnung der
Festfeier nur den Geistlichen und der Kirche zustehe und man sich
anderseits durch Annahme des Kalendei's unter allen Umständen dem
Papste und Antichrist untei'werfe.
Ganz in demselben Sinne wie Heerbrand und Osiander sj)richt sicli
ein ohne Zweifel von ihnen beeinHus.stes , w'onn nicht verfasstes Gut-
achten*) aus, welches am 24. Noveud)er a. St. von Rector, Kanzler,
Doctoren und Regenten iler Univeisiität Tübingen dem Herzoge von
Wirtemberg auf dessen Kribrdem erstattet wurde, nachdem er ilie kaiser-
liche Kinladung zur Annahme des neuen Kalenders erhalten hatte. Na-
mentlich wurde hier betont, dass nach Luther das kaiserliche Papsttum
1) Die Widmung ist d&tiert: Tobingae die aequinoctü vernl anno a nato Christo also
Docli Tor der Vertreibung der Prediger gcEchrieben. Heerbrand bemerkt: •Vehtrineiiter iiiibi etiaiii
probatur moderatio vesira, modcstia atque obedientia erga magistratam vestrum in omnibus, quae
non cum verbo l>ci pognant et illaesa fieri possunt conscientla." So weniet ihr jedem Tadel entgehen
und der Gott des Friedens wiixl euch beistehen und euch gegen die Banke der Gottlosen schöllen.
2) Sattler Geschichte des nenogthams Wörtenberg V, Beilagen S, 50 fg.
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ebenso unzulässig sei, wie das päpstliche Kaiseftuin und die weltliche
Ül)rigkeit in Kirchenangelegenheiten nur mit Beirat der (ieistlichen An-
ordnungen trefteu dürfe. ') Ans-serdem wurden einige neue Gründe gegen
die Annahme des Kalendern geltend gemacht. Nicht nur begehre der
Papst durch jenen, der gleichsam der erste Buchstabe seines -\BC sei,
den Fus.s in die evangelische Kirche zu setzen, sondern er greife zugleich
den Reichsständen nach ihren Fürstenhüten und Regierungen und ver-
suche, ob sie ihn als ihren Herrn leiden wollten. Dass dies .seine Ab-
sicht, erhelle daraus, dass er jüngst den Churfürsten Gebhard von Köln
gegen den Clmrfürstenverein und ohne Bewilligung der Reichsslände
seiner churfürstlichen Würde entsetzt habe, (ileiches wenlo er auch
gegen die evangelischen Fürsten unteniehmen, wenn sie sich nicht recht-
zeitig wehrtcu. Durch den passauer Wu’trag und den Religionsfrieden
sei fenier die iiäpstliche Jurisdiction über die Proteshinten gänzlich auf-
gehoben: diese Freiheit würden sie aufgeben, wenn sie sich durch An-
nahme des Kalenders dem Pa])ste wieder einigenmwisen unterwürfen.
Endlich wäre es ein gefsihrlicher Eingang, wenn sie es zulicssen, dass
der Kaiser, vom Paj)sto verhetzt, ihnen in Religionssaclum Ma.ss untl
Ordnung gebe ; dadurch werde der Religionsfriede geschwächt und es
schwer gemacht wenlen, sich in Zukunft weiterer Zumutungen zu er-
wehren. Sehr leichtherzig äussert sich dann das Bedenken über die aus
der Kalenderverschiedenheit zu erwartende Verwirrung und Zwietracht.
Wenn man die l>eiden Kalender neben einander drucke, könne sich Jeder
leicht danach richten und Handel und Wandel ihren gewohnten Weg
gehen. Seit Jahren wiü-den ja von den Papisten etliche Feste gefeiert,
die bei den Protestanten nicht gehalten worden, und in einigen Reichs-
städten seien beide Religionen in derselben Kirche üblich, ohne da.ss
darum die Welt untergegangen. Gewiss werde sich auch der Kaiser
nicht vom Pajwte verhetzen la-s-sen, gegen die ihm sonst durchaus ge-
horeamen evangelischen Stünde wegen des Kalenders etwas Thätliches
vorzunehmen, da ja sogar einige papistische und sogi»r geistliche Stände
jenen noch nicht angenommen hätten. Entstehe aber irgendwo Unruhe,
1) Afhnlich äiuisdrt »ich die Schrift bei Wiedemann Ge»ch. d. Ref. und Gegenrcf. im Lande
unter der Emi» I, 44S fjjr.
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so triigen nicht die Protestonten die Schuld, weil sie den neuen Kalender
nicht erdacht hätten. Dass die evangelischen Heichsstünde selbst ein©
Verbesserung des alten Kalenders, „die doch der päpstischen nicht aller-
dinga gleich wäre,“ vornähinen, wird nicht rätlich gefunden, weil -die-
jenigen, welche schon den neuen Kalender eingeführt, sich nicht an-
schliessen, etliche Protestanten vielleicht auch l>eiin alten Kalender ver-
hatren und die Deutschen so drei verachiedenc Kalender Ijekoininen
wfli-den. Könnte aber der Kaiser bewogen werden, mit den Reichaständen
einen Kalender zu verfas-sen, „der nicht vom l’apste herkäme,“ so könnte
man den annehmen. Um eine gemeinsame Antwort seitens der evange-
lischen Keiclisstände an den Kaiser zu vereinbaren, empfiehlt das (iiit-
achtcn eine allgemeine Zusammenkunft, zumal auch äusscrst nötig sei,
zu beraten, „wie des Papstes Praktiken, womit er die reine Religion zu
unteixlrücken trachtet, gehindert werden mögen, ilann der Satan gewiss-
lich nicht feiert, sondern sich unterstehen wird, einen gi-ossen Jammer
anzuricliten. “ Schliesslich wird das Verhalten der augsburger Prediger
entschieden gebilligt und dem Herzoge Uiiterstützung derselben angeraten.
X.
So heftig regfte sich der Fanatismus gegen die Kaleuderänderung,
seit sie als Religionssacho betrachtet wurde, dass der schon erwähnte
tübinger Kalcndermacher Schulin es nötig fand, sich gegen den Verdacht
der Hinneigung zu den Papisten öffentlich zu verwoliren, •) nachdeni der
Verleger seinem Kalender eine die Massnahmen Gregors XIII billigende
Vorrede des görlitzer Astronomen Bartholomäus Scultetus ®) vorge<lruckt
hatte.
1) N. 18 des Anhangs.
2) Mfiiie in der HUt. Zeitschrift, N. Folge VI, auagwprochene Vennutnng. dass Scnltetns
Katholik gewesen sei, ist mir wieder zweifelhaft geworden, da ich bei S. Grosser Lausitzische
MerkwDrdigkeiten, 1714, I, 208 fand, dass er zuerst Professor am Gymnasium zq Görlitz, dann Rats-
herr Qod zuletzt Bürgermeister daselbst war. Solche Stellungen konnte io der protcatantlschon Stadt
doch ein Katlvolik nicht cinnebtnen. Hingegen spricht wieder für meine Annahme eine Stelle in
einem: Allmanach and Scbreibkalender auffs Jahr nach der Menschlichen Gebarth Jesu Christi 168S
, . . Dnrch Bartholomänrn Scultetum von Görlitz, der Mathemat tschi n Künsten besondem Liebhaber.
Gedruckt zu G«'<rlitz durch Ambrosium Fritsch. 4*^. ^Dresden, Staatsbibliothek, Cbronol. 703.) Dort
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Indes war der Abscheu der tübingor Theologen gegen die Gemein-
schaft mit dem Antichrist und das Buhlen mit dem babylonischen Fräu-
lein doch nicht so stark, dass sie seinetwegen etwa Kirchen ihres Be-
kenntnisses hätten zu Grunde gehen la.ssen wollen. Der Geist der christ-
lichen Märtyrer, welche den Tod erlitten, um nicht vom Opferfleische zu
essen, war den Vorkämjifern der Concordienformel nicht eigen, wie tapfer
und grimmig sic auch gegen das Papsttum fochten.
Osiandor stellte sich bereits 1583 in Bezug auf Augsburg die Frage,')
was denn die Pflicht gebiete, wenn in einer kirchlich gemischten Heichs-
stadt die üljerwiegend pajnstische Obrigkeit den Protestanten den neuen
Kaleiuler aufzwingen wolle und es darauf stehe, dass man die Kirchen-
diener entlasse. Mein Rat ist, entscheidet er darauf, dass weder Kirchen-
diener noch Gläid)ige gegen das Gebot etwas Aufrührerisches voniehmen,
sondern unterthänig bitten sollen, dass, wie ihnen die Uebung der augs-
burgischen Confe.ssion kraft des Beligionsfriedens gestattet ist, ihnen auch
hierin die christliche Freiheit gelassen werde; schlösse aber der Hat die
Kirchen an den Festen des alten Kalenders, so sollen die Prediger an
den Tagen, wo ihnen gestattet ist zu predigen, sich mit gebürlicher Be-
scheidenheit also erklären und dem Paiiste „die laudes also singen“, dass
männiglich vomteht, wie sie in den Kniender nicht gewilligt haben.
Dann sind sie entschiddigt. denn Gewalt leiden, ist nicht Unrecht thun.*)
heisst «B nämlich in der luliAltsOhersicht: „Uies«m nach folgen die br&uchliehcn Namen der Feier*
nnd WerktafT^^« wie «io nach KtDs#tiun|; der katholischen Kirche vod Anfang licr bet den occiden*
tischen Christen unter dem rOmiselieo Stahle sind eiDgeaeUt ond za halten verordnet.* Einige weitere
Nachrichten über ScnltetOR gibt Grosser a. a. 0. I, 211 and II, 51. Vgl. auch Wolf Geaebichto
der Astronomie 144, 270, HOo. Abraham Hob mann Genealogia Aastriaca sagt in der Vorrede p. I-IO:
«Ueber das iRt mir auch zu diesem und anderm mcltieiii Vornohmeu nicht wenig beförderlich gewesen
der chrnveste, achtbare, hochgelehrte, hoch* und wolweise Herr, H. Ilarthoioinäus i$euttetu8, weit*
berühmter, hochorfahrener Astrologun nnd Mathematicus, Hurgermeister tu Görlitz, der mit Par*
rciebung alter Monumeuta, gcwhtien VcrzeichnisBen und allerhand gedenkwürdigeu Sachen nicht wenig
ge«lient und gefördert hat.*
1) N. U d« Anlrnngs fol. lOIb
2) Allzu scharf beutete der katholische ßauernratschlag diese Stelle aus, N. 21 des Änbangi«
fol. 5b fg. Du sagst, erwidert er der Bauernklage, der Tapst errege Unruhen, wie schon manche
Stadt spüre. Ja. auch wir wissen, was Dr. Müller [der Führer der Prediger] ohne Zweifel auf
Osianders Rat in Augsburg angefangen hat. Hätte er Paulus* und Irenaus’ Worte über die Festfei<*r
gelesen, so hätte er wol nicht um froigelassener Dinge willen Zwiespalt erregt, da sie der Lehre
nichts gehen noch nehmen. Christen sollen ihrer Obrigkeit in Allem gehorchen, was nicht gegen
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Strenger äusserte sich in seinen Thesen Heerbram), da er ja die
augsburger Prediger zum Widerstand ermutigen wollte. Er erklärte die
Annahino des neuen Kalenders unter anderem deshalb für unzulässig,
weil dersell)e zum Zwecke der lleiligenverehrung gemacht sei und man
sich mithin der Abgötterei des Papsttums teilhaftig machen würde.
Indes bemerkte auch er:') „Unter die Zahl derer, welche sich der Ab-
götterei durch Annahme dos neuen Kalenders schuldig machen, wollen
wir diejenigen nicht rechnen, welche wider ihren äVillen und mit Gewalt
von ihrer Obrigkeit, der sie unmittelbar unterworfen sind und au der
sie selbst nicht teilhaben, zur Annahme gezwungen worden uml zwar in
der Weise, dass sie weder in geüstlichen noch in weltlichen Dingen irgend
etwas anders als nach dem neuen gregorianischen Kalender handeln
kömien, obwol sie vorher alle gesetzlichen Mittel mit gi-össtem Eifer,
doch alle vergeblich, dagegen versucht haben.“
Er hatte hierbei die Stände Steionnarks im Auge, deren Predigern
er zwei Jlonate vorher im Verein mit Osiander und den übrigen Theo-
logen der tübinger Universität unter entspivcheiiden Ausführungen wider-
raten hatte, wegen der Annahme des netten Kalenders ihre Kirchen zu
verlassen, du man durch iliose ja nicht zm' falschen Lohre und Abgötterei
gezwungen werde.-) In demselben Sinne hatte sich gleichzeitig ilas wir-
tembergische Consistoriutii atisges))rochen , *) welches schon itii vorher-
gehenden Jahro einen Pretliger zu Lütz ähnlich boschiodon hatte.
Gottes Wort ist. Jotxt sehen Alle, eore Herten nur zu Krie^ und Uofrieden geneigt sind.
Homchtet ihr über weite Länder wie der Papst, der Kai.4er und die katboUseben Fürsten, so würdet
ihr die Zahl der wahren Christen bald klein macbon.
1) K. d«M Anhangs p. 40.
2) J. Zahn Der Kalenderstreit in Steiermark, Mittbeilaugen des Insturischen Vereines für
Steiermark XIII, 140
3) Sattler Geschichte des Ucrzogthuius Würtenberg V, 00 fg. Dies Gutachten dürfte nacli
der bei Zahn mitgeteilten Stelle wOrtlich wie das der tübinger Unireniität gelautet haben, was utn
so wahrsclteinlicher ist, als die vier Mitglie^1er des Consistorioins auch jenes mitverfassten.
4) Kaupach KrangcUschcs Oesterreich, Zweite Nachlese L'vl fg. Befremdlich ist es gegen*
Ober diesen Aeuaaerungen der Tübinger, dass der oberusterrvicliiscbe Prediger Friedrich Stock in dem
bei Raup ach Dritte Fortsetzung 44 Aiiin. k. mitgeteilten Briefe rom 22. Sept. a. St. 15So sagt,
die Fiacianer seien in ihrem Widerstande gegen den neuen Kalender vornelimUch .scriptis et sermo*
nibus Tubingensioui, in refutandis orroribus aliis academUs prudentiae et industriae laudem prae*
ripieutinm. confirmatL* Bezog sieh dies auf Osianders und Ueerbrands Dracksebriften?
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Diese weltkluge Nachgiebigkeit gegen den Antichrist wurde jedoch
von den Flacianeni, welche die schroffsten Vertreter der lutherischen
Rechtgliiubigkeit und die alten Gegner der Adiaphoristcn waren, mit
gleicher Leidenschaftlichkeit wie einst das Interim verurteilt Einer von
ihnen, M. Marcus Volmar, Pfarrer zu Michelhausen in Oesterreich unter
der Enns, überreichte dem Landtage zu Vien im Decemlwr 1583 eine
Schrift, welche imter heftigen Schmähungen gegen Osiandere Buch über
den Kalender und gegen die Anhänger der Conconlienformel überhaupt
die Annahme der i>äpstlichen Neuerung für unzulässig erklärte,') und im
Älärz 158.5 eiAvidorten sieben andere Pfarrer Unterösterreichs ihren Pa-
tronen, die sie bei fortgesetztem Widerstande gegen den neuen Kalender
mit Entlassung bedrohten, dass sie Gewissens halber lieber ins Elend
wandern, als dem Antichrist hofieren würden; könnten sie doch »lern
Papste oder Teufel (denn d.as sei ein Ding) auch nicht gehorchen, wenn
er ihnen gelwte, das Vaterunser zu beten oder das Sacrament in beiderlei
Gestalten zu empfangen (xler etwiw Anderes zu thun, d.as recht wäre. *)
In Uegensburg wurde sogar einem Prcdigtamtscandidaten aus Ste3T die
Ordination verweigert, weil die Überösterreichor durch Annahme des
neuen Kalendei's Papisten geworden seien. '*)
Auch sonst verurteilten Eiferer die Gefügigkeit der Protestanten in
den kaiserlichen Ländern als Glaubensvermt Zacharias Rivander, Super-
intendent der Herrschiift Forste und Pßirdten in der Lausitz, veröffent-
lichte 158fi eine Neujahrsjtredigt über die Kalenderänderung , ■•) weil er
wisse, „wie gar crasse und inij)ie etliche semidocti und Unverständige
von dieser imiteria sentieren und halten, ja auch wol in publicis con-
ciouibus als die empirici unil rechten sperinologi an etlichen Orten
1) N. 27 Anhangs.
2) Th. Wiedemann Gesehicbtc der neformation und Gegenrefonoation im Lande unter der
Knna I. 4S8 fg. Dort wird S. d*')! erwähnt, dass schon mehrere Prediger in Unterösterreich wegen
ihres Widerstandes vertrieben »eien.
8) Haupach III; Portsettung fg. In der Schrift bet Wiedemann a. a. 0. 441 heisst es,
dasselbe »ei zu Wittentwjrg und an anderen Orten geschehen und habe man von dort wie von Kegens-
bürg keine Prediger mehr dahin schicken wollen, wo der Kalender eingcfQhrt worden. Diese Angabe
muss in Bezug auf Wittenberg irrig sein, da die dortige Universität nicht der dacianiseben Richtung
angehurte und unter ihrer Aufsicht die gleich »u erwähnende Schrift Rivander» gedruckt wurde.
4) N. 2C des Anhangs.
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unserer Nachbarschaft tiieselbe berufen, da sie doch das üeringste nicht
davon verstehen und nur wie Papageien Anderen ihresgleichen nach-
schwatzen und uns. die wir li. ksl. Majestät zum allerunterthänigstcn
Gehorsam den neuen Kalender angenommen haben und halten, schimpf-
licher und leichtfertigm' Weise Papisten nennen.“ Auch wisse er, dass
Viele, die es nicht böse meinen, keinen rechten Bericlit von der S.ache
haben, und dass Edle und Unedle oft bei den Pfändern um Aufklärung
anhalten und Viele, welche keine oder nur eine halbe Antwort erhielten,
das Predigtamt gelästert haben und den Pfarrern feind gew'orden sind.
Kivander beginnt seine Predigt, indem er Gott dankt, djiss dersollw
Deut-schland vor Krieg bewahrt habe, „obwol etliche unruhige Leute von
hohem und niedrigem Stande meisterlich Ursache dazu gegeben und
Lärmen geblasen“ hätten. Doch herrsche überall Unruhe, die Pest suche
alle Länder heim und aus vielen Zeichen sei zu merken, diisa wogen der
gros.seu Sünden und der vei'stockten Unbussfertigkeit der Welt gräuliche
liaudstrafen und schwere Verändoruiigeu und Verwüstimgen der Kegier-
ungen und Kirchen vor der Thüre ständen. Den jüngsten Tag sieht
auch er nahe, doch findet er hierin nicht einen Grund die Aenderung
des Kalenders als unnötig zu verwerfen.
Ueber diese äussert er sich mit grosser Vorsicht. Wiederholt tadelt
er den Papst scharf, weil die Neuerung jählings und ohne irgendwelche
vorgängige Beratschlagung mit denen, die billig, von Kechts wegen mid
alter Gewohnheit mich hätten zugezogen werden sollen, eingeführt sei;
hinwieder aber macht er es auch den evangelischen lieiclisständen nicht
undeutlich zum Vorwurfe, dass sie nicht zur Beseitigung der grossen
Venvirrung in allen weltlichen Händeln und des grossen Aergeimisses in
der Kirche ein christliches Einsehen hätten. ') Ausführlich verfolgt er
1) KiT»ii4)er Wmerkt writ«r: Welchen Nachteil die Kalendcrandcrung gestiftet and tn welchem
Oesp&tt fiitf Aolasi gegeben, wu«aten namentlich die an den Grenzen Sitzenden sehr wol, „denn es nicht
gesagt oder geschrieben werden knon, was Wunders man davon bTirt und erfahrt, welches der leichter
des iiasqailliscbcn Gespraelia der zwei Hauern, so hiervon ausgangeii. männiglich hat tn verstehen
geben wollen, aber wenig aosgerichtet bei denen, so darauf zu sehen gehört." 8. fg. I>a^ hier
dos Gespräch zweier roeissner iUuem, vgl. N. 20 des Anhangs und oben S. 4h fg., gemeint sei, kann
ich nicht glauben, denn «lassclbe war gewiss nicht ironisch gemeint und spricht gerade von der ent-
stehenden Verwirrung and Feindseligkeit nur nebenher. Eher ist an eine aoonjine Schrift Rivanders
selbst XU denken.
Äbh. d. III. CI. d. k. Äk. d. Wiss. XV. Bd. IH. Äbth. 10
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die Kntetelmng der Zeitrediming üherliaupt und die der Römer und der
alten Kirche insbesondere. ') Dass das Concil von Nicaa jedes Fest an
dem Tage gefeiert wissen wollte, zu dessen Gedächtnisse es eingesetzt i.st,
erklärt er für eine feine und christliche Ordnung und er billigt, das»
Gregor XIII den sehr unrichtigen julianischen Kalender änderte, um
jener Alwicht des Nicänums gerecht zu werden, die Zeitrechnung mit
den Gestirnen in Einklang zu setzen, das Verschieben der Winterfeste in
den Sommer zu verhüten u. s. w. Ob die Aenderung dem I’ajwte oder
dem Kai.ser zustand, lasse ich unerörtert, sagt er dann weiter; elnsnso
untersuche ich nicht, ob man einen besseren Weg zur Reform linden
kann. Der Eine sagt dies, der Andere jenes, aber der, welcher durch
die That don Beweis gibt, hat sich noch nicht gefunden. Oft ist früher
die Berichtigung veisucht, aber nie gelang sie. Auch Luther brachte sie
vergeblich in Anregung. Nach ihm „hat man vor so vielen Corrup-
telisten und Schwärmern wider unsere reine Lehre der augsburgischen
Confession, die in dem heiligen und nützlichen Buche der Concordieu-
foruiel erklärt ist, soviel zu schaffen gehabt, dass man zu einem solchen
grossen und schweren Werke wie der Verbesserung des Kalenders füglich
nicht hat kommen können. Nun abei’, weil die meisten Streitsachen, so
wir zwischen uns selbst gehabt, beigclegt, mögen sich dieses löblichen
Werkes imsere Potentaten erinnern und sich als löbliche Deutsche sehen
hissiui. Sed surdis narro fabulam. Wir brauchen das Gehl lieber zu
etwas Anderem etc. Hiervon nicht mehr; es heisst: Noli me tangere.“
Da Niemand vorging, hat endlich Papst Gregor Allen die Ehre abgelaufon.
Zu entscheiden, welcher Kalender der bessere ist, lehnt Rivander
furchtsiim ab. Entweder, sagt er, wird -es heissen, ich fuchsschwänze
dem Pa])ste und denen, die seinen Kalender angenommen haben, oder
1) Kr iat löblich, fährt Rivamler fort, die Zcitreclmung nach den Gentirncn xn bemeoeen. vrio
Gott da« Ursprünglich gethan hat. Nur U»sc man die Astrologie beiseite, aonst gibta gute Phia-
tasten und Narien, wie an dem neuen boechmisscm'n Haaptpropheten, welchen der ßauernkrieger oder
Toitlandifchrr Dor^clienker gern ausmalen wnilto, zu sehen, davon ich nach der Länge in meinem
8chrcU>eu an einen vornehitH^n Lsndherrn gebandelt und dem Gecken die Narrenkappe und Schellen
so gewiesen, dass wo er jetzt nur geht and steht, ein Jeder die Eselsohren an ihm sieht und spricht t
Siebe, das ist der Meister, der <Ien ncoen Propheten auabecken und au* seiner unfundierten Apologie
aasrechnen wird, wann der jüngste Tag kommen loll.* S. 25. Wievlerholt, t. H. S. -iO, 52 und 53»
erneuert Bivander diese Angriffe, Welche Schrift er iin Auge hat, welss ich nicht.
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ich verdei'tje es mit (len Fürsten und Gelehrten, die den neuen Kalender
halten und verteidigen. Ueberdiea ist die Entscheidung bub Gottes Wort
gar nicht zu treffen, sondern es gehört viel Kenntnis der Astronomie
und Geschichte dazu. Icli sage, der gregorianische Kalender ist insofern
besser, als er dem ursprünglichen julianischen entspricht, der ersten
Stiftung der Feste nilher kommt und von den meisten und mächtigsten
Fürsten der Christenheit l>eobachtet wird. Hingegen ist der alte insofern
besser, als er nicht vom Pajmte. sondern von einem Kaiser herrührt und
von den Anhängern der wahren Kirche beobachtet wird. Darin sind sie
einander gleich, dass sie beide von Iloin herkominen, und gleichwie der
alte von einem heidnischen Kaiser, der sonst nicht viel Gutes gethan
hat, BO ist der neue vom Papste gestellt, von dessen Tugenden wie von
denen fast all seiner Vorfahren man sehr wenig weiss. Ich meine, Jeder
kann nach eigenem Gewissen den einen oder den anderen halten, wenn
es nur ohne Aergernis geschieht.
Die Einigkeit, fährt der vorsichtige Pfarrherr fort, könnte nur her-
gestellt werden, wenn der alte Kalender allein beobachtet würde. Aber
dit?ser ist unrichtig und wird inmier unrichtiger. Auch würde es scheinen,
als wollten unsere huchlöblichen und hochveretändigen deutschen Fürsten
und Herren ihrem von Gott durch vorhergehende ordentliche AVahl und
Bestätigung Vorgesetzten Haupte, dem Kaiser, welcher sich des neuen
Kalenders nunmehr nngenonuuen hat, vorgreifeu. welches viel, viel und
sehr viel Hochschädliches und Gefilhrliches verursachen würde. Der
Kaiser würde es schimpflich finden, dass er den Fürsten weichen sollte,
und es wi'u-den sich wol Leute finden und sollte es der Papst selbst
sein, welche ihm das übertreibend vorhielten und ihm zu anderen hoch-
schädlichen Sacdien Anreizung gäben. Anderseits kann auch nicht wol
der neue Kalender allein beobachtet werden. Dieser ist ohne Beratung
mit denen, die dazu gehören, vom Papste veröffentlicht und, als man
ihn nicht auf Befehl des Papstes annehinen wollte, vom Kaiser ange-
ordnet worden, was die Fürsten als Schmach und Verachtung auslegen
könnten. Es könnte ferner scheinen, als feierten wir wieder dem Papste,
dem wir doch spinnenfeind und gram sind. Drittens beschämten wir
unser ganzes Deutschland und alle seine Fürsten und Gelehrten, als
hätten sie nicht zu finden gewusst, dass der alte Kalender unrichtig
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und wie ihm xu helfen sei, wenn es nicht vom Papste und seinen
wälschen Leekei-n hergekommen wäre. Endlicli würde es sclieinen, als
vergäben die Deutschen etwas von ihrer Freiheit, für die ihre Vorfahren
Gut und Blut in die Schanze geschlagen haben, und sie müssten be-
sorgen, dass man ilmen mit Aufnötigung von allerlei lleformen so lange
zusetzte, bis es ganz um ihre Freiheit geschehen.
In diesen Ausführungen gegen den neuen Kalender wiederholt lli-
vander nur die gewöhnlichen Gründe seiner Glaubensgenossen, um seine
Uechtgläubigkoit aus-ser Zweifel zu setzen. Seine wahre Meinung gibt er
kund, indem er eine Vei'ständigung für möglich erklärt, falls die Häupter
des Ueiches zusainmenkiliiien und Jeder etwas nachgäbe.
Auf gleichen Umwegen führt er die Frage zur Entscheidung, ob
beide Kalender neben einander zu behalten seien. Er fügt den in der
Kegel aufgeziihlten Nachteilen hinzu, dass die Ausländer schliessen würden,
wenn die Deutschen in einer so geringen Sache nicht einig seien, sie es
noch weniger in grösseren sein würden, und da.ss so jenen Mut gemacht
wei’de zum Anginff auf das Reich. Das. fährt er dann jitlichtschnUlig
fort, ist auch, wie ich glaube, des Paj)stes Hau])tab8icht und sein Suchen,
dass, wie im Kalender viele Namen rot gezeiclmet sind, so er sich im
Blute der Ketzer erlustigen möchte. Aber nur um so mehr betont er
wieder die Notwendigkeit der Einigung. Schon, sagt, er, gibt es unter
dem Volke Streitigkeiten; „denn gleichwie es vor wenigen Jahren zu-
ging, da der Streit zwischen Victorino und Flacio war, nämlich, wo
zwei bei der Zeche zusammenkamen, examinierten sie einander und
dis])iitierten so mit einandur, dass sie sich die Argumente gegenseitig auf
den Kopf solvierten, oder wie es nocK jetzt leider geht, dass Eijier
calvinisch, der Andere der Concordienformel zugethan sein will, also ist
es mit den beiden Kalendern auch: da kalendert sich’s im Zechen so
lange , bis man endlich des Kalenders vergisst und gar kälbern und
kollern wird und auf einander znschlägt wie auf die tollen Hunde.
Dann bekommen Bader und Barbiere zu llicken, die Richter das Straf-
geld, die Leute die geflickte Haut und bleiben die Kalender nichtsdesto-
weniger einmal wie das andere.“ Eindringlich ermahnt daher Rivander
den Kaiser und die Fürsten zur Beseitigung des Zwiespaltes.
Diese durch Herstellung eines dritten, besseren Kalenders zu er-
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reichen, erachtet er für unmöglich. Der Papst wird seinen Kalender
nicht mifgühen und die Fürsten wenlen einem anderen einzelnen ]^[anne
nicht leicht folgen. Jener würde auch ein neues Concil berufen wollen,
diese aber würden es nicht beschicken. Geht man nicht im Einvoi-ständ-
nisse mit dem Papste vor, so wird dei’selbe das nötige Geld nicht her-
schiessen. unseren Fürsten aber worden die Kosten zu gross dünken und
die Gelehrten selbst vermögen sie niclrt zu tragen. „Die Stifte und
Klöster, so zu solchem und dergleichen gewendet, sind weg, zerrissen
und in prophanum usum. das 'ist zu weltlichen Dingen gekommen; die
wenigen, die noch da sind, werden von den Ilarpyeu täglich so ge-
zwackt und gerupft, dass schier weder Heu noch Futter, w'eder Stumpf
noch Stiel da ist.“ Diejenigen, welche sie innchuben, kömicn mit den
Einkünften nicht zu ihrer Fleischeslust und Hoffahrt reichen, wenn sie
nicht die Unterthaneu aufs äusserste aussaugeu, und was sie haben, wird
verpra.sst. Auch sind die Fürsten und Gelehrten unter einander uneinig-
Ich würde daher raten, dass mau die überzähligen Tage allmählich aus-
liesse und einen Kalender machte, der vom julianischen weniger als der
gregorianische abwiche.
Auch die baldige Ausführung dieses — gewiss nicht ernst gemeinten —
Vorschlages bezeichnet llivander indes als unwahrscheinlich und so führt
er denn zur Beruliigung derjenigen Christen, welche auf Befehl der
Obrigkeit den neuen Kalender annehmeu müssen, tlie Ei'örterungen Luthein
über die Jlitteldiugo und die Feier des Osterfestes an. Diese in der
Concordia wiederholten Worte, sagt er, enthalten die göttliche Lehre.
Meine Meinung ist daher: Würde uns der Kalender vom Papste oder
vom Kaiser dergestalt zugescluckt, dass ohne ihn unser Gottesdienst
nicht recht sein sollte und dass er zur Gewissenssache gemacht würde,
dann könnten wir ihn nicht ohne Sünde aimehmen. Wir müssten dann
trachten, ilm ohne Aufruhr abzuwenden. Wiuale man aber das Begehren
um weltlicher Ursachen willen an ims stellen, so könnten wir wohl will-
fahren, doch mit dem Vorbehalte, dass wir den Papst durchaus nicht für
unser Haupt hielten, .sondern den Kaiser, dem wir, soweit es ohne Sünde
geschehen kann, zum Gehorsam verpflichtet sind. Wo also der Kaiser
die Hoheit hat und Gottes Wort ungehindert üben lässt, da sind wir
schuldig, auf sein Geheiss den neuen Kalender, mag ihn gemacht haben
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78
■wer will , anzum'huien , zumal derselbe für weltlielie Angelegenheiten
nützlich ist. Dass die evangelischen Reichsstiincle ihn gleichwol nicht
angonoinnien haben, dazu, bemerkt der rücksichtsvolle Pfarrer, haben sie
freilich viele Ursachen, die ich schon erwiVlmte. Noch eine will ich l>ei-
fügen. Gewiss sucht der Papst mit seinem Kalender nur, sich wie ein
Dieb in unsere Kirche zu schleichen, um dann nach seinem Gefallen
darin zu liau-sen, und er will ei;» lllutbad in Deutschland anrichten. Wir
müssen es lieber auf einen Krieg ankoiniiien lassen, als dom Pajwte Ein-
mischung in unsere Kirchen gestatten. Die deutschen Fürsten aber
werden durch ihre Gelehrten Hat halten lassen, wie dem Zwiespalte ab-
zuhelfen ist, ehe der kleine Funke zur Flamme wiitl. Ohnehin, schliesst
dann Uivander an die Einleitung anknüpfend, lässt es sich ansohen, als
ob grosse Veränderungen in allen Ständen im Anzuge seien, und es naht
das Jahr 1588, für welches der bekannte Spruch') gros.se Wuudei- vor-
hersagt. Zu diesen kann die Kalendei-treimung und die Conjunctiou der
oberen Planeten die Vorbereitung sein, wiewol ich und alh; rechten
Christen hoffen, dass der liebe jüngste Tag bald kommen werde.
Die schüchtern vereteckten Mahnungen des lausitzer Pfarrern ver-
hallten ungohört. Einzelne Glaubensgenossen mochten mit ihnen einver-
standen sein. Der grosse Astronom Tycho de Drahe hatte sich in liriefeii
sofort für die Annahme des neuen Kalendore ausgesprochen und den
Widei’stand der augsburger Prediger unbedingt verurteilt. 15!) 7 befür-
wortete auch Kepler jene in einem Schreiben an Mästlin dringend, damit
die nachteilige Absonderung der deutschen Pi’otestanten von der Zeit-
rechnung ihrer katholischen liandsleute und Nachbarn a»ifhöre ; der
gregorianische Kalender sei doch unstreitig besser als der julianische
und dem Pap.ste habe man hinlänglich bewiesen, dass man die Neuerung
nicht auf seinen Befehl hin annehme. Er verfasste auch eine deutsche
Schrift, um diese Gedanken vor weiteren Kreisen zu vertreten, doch
wollte er dieselbe nicht unter seinem Namen herausgeben und schliess-
lich nahm er von der Veröffentlichung gänzlich Aljstand. *) Der Ila.ss
gegen den Antichrist zu Korn, welchen die Protestanten jener engherzigen
1) S. S. 26.
*J) KaUenbrußner b'i'\ fg-, WÜ fg.
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79
und in fanatischer Theologie verstrickten Zeit als eine der l>esten Errun-
genschaften der Reformation und als einen wesentlichen Bestandteil christ-
licher Vollkommenheit ansahon, machte nach wie vor alle Erwägungen
politischer und bürgerlicher Zweckmässigkeit unwirksam.
Auf dom Reichstage von 1598 hatten sogar die evangelischen Reichs-
stÄnde in einer an den Kai»'r gerichteten Beantwortung katholischer Be-
schwerden erklärt: Was den neuen Kalender betreffe, so könnten sie die
angemasste Obrigkeit des Papstes nicht anerkennen; die der weltlichen
Obrigkeit zustehende Aenderung sei „nicht so fast zu besserer Richtig-
keit mathematisc-her Calculation als zu einem Kennzeichen seiner jeder-
zeit gesuchten Superioritüt über alle Stände der Christenheit geschehen,
ausserhalb welcher solche an sich sellwt nicht unnötige noch auch unnütze
Emendation und Reduction der Zeit auch wol durch seinen des Papstes
Antrieb, wenn ihm ja soviel an den Festen und Feiern gelegen, aber
billiger durch einen römischen Kaiser, um anderer erheblicher Ui'sachcn
und Nutzbarkeiten willen hätte besehehen können und sollen, weswegen
die Evangelischen billig den Papst als einen Antichrist, der die Zeit
verändert, beschuldigen.“ ')
XI.
Die Katholiken fanden sich in der Abwehr der protestantischen An-
griffe dadui’ch behindert, dass die Begründung und <lie wissenschaftliche
Rechtfertigung der Neuormig von Seite der römischen Curie so lange
auf sich warten Hess. Sie entbehrten somit einerseits der nötigen Unter-
lage für ihre Verteidigung, andei-seits mussten sic füi-chten, sich mit
ihrem geistlichen Oberhaupte in Widerspruch zu setzen.
Zum Teil beschränkten sie sich deshalb darauf, den neuen Kalender
und die päpstlichen V'^erordnungen nachzudrucken. So geschah es in dem
1583 zu München veröfl'ontlichten Kalendarium Romanum®) und in anderen
1) Lehmann Acta de i^ace pobHca I, 241 mit der ijerichtigung b«i Senkenberi? N. T. Keiebs'
j^etchichte XXI, 34T) Arnn. t. Da«. Amn. u wird ein bei Lehmann fehlender ZaiaU mitgetcilt: .Wie
dann etliche vortreffliche Mathematici (dee Kaisers eigener Hatheraatiens, Ditmams Ureas, wie auch
Albinos) ad oculnm demunstriret, dos» solche unrichtige emendatio onwidcrlcglicb Terursachte, dass
man dieses Jahr drei Ostern habeif werde.* Den Sion dieser Stelle verstehe ich nicht.
2) N. 4 des Anhangs.
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80
katliolisdien Gebieten dürfte älmlieli verfahren sein. Noch 1595 Ivegnügte
sich der wiirzlnir^er Professor Adrianus Uomamis, ohne jede Polemik
lediglich die Regeln für den Gebrauch des alten und neuen Kalenders
zusanuuenzustellen. ') Ein 1583 zu München erschienener deutscher Al-
manach ®) wagte nur, die Versicherung zu geben, dass die Aenderung anf
Anhalten und mit Wis,sen und Willen des Kaisers und anderer Füi'sten
erfolgt sei, und auf die den Gelehrten längst bekannten Fehler der alten
Osterrechnung hinzuweisen. Entsjirechend verfuhr ein 1584 mehrfach
gednickter Bericht *), welcher die Geschichte der Kalenderänderung etwas
ausführlicher behandelte. Der Profe.ssor der Mathematik zu Köln, Theodor
Graniinaeus aus Roernionde ■*) begrüsste 1583 in einer Mahnung“) an den
Kaiser und die deutschen Füi-sten zur Einführung dos Kalenders diesen
als ein Vorzeichen, dass die Reformation der Kirche, durch welche die
Reinheit des Glaubens und der Sitten in Europa und namentlich in
Deutschland hcrgestellt werden solle, in Kürze erfolgen werde, wie er
sie nach dem Zeugnisse der hl. Schrift orwaite und ihre Anfänge bereits
wahrzunchmen glaube. Die erste Kalenderverbesserung sei ja durch
Cäsar und August zur Zeit der Geburt, Christi und die zweite vom Concil
zu Nieüa, welches den Glauben erläuterte, vollzogen worden. Er wendete
sich gegen die wis.sen.schaftlichen Angriffe, welche ein zur frankfurter
O.stermesse erschienenes Buch des Astronomen Möller®) wider die pä]>st-
licho Neuerung enthielt Die übrigen Gründe der Protestanten gegen die
Annahme derselben berührte er nicht und es konnte dieser gewiss nicht
förderlich sein, wenn er bemerkte, abgesehen davon, (lass sie vom Pajiste
allen k’ürsten der Welt und namentlich dem Kaiser als Schinuherm der
Kirche aufgetragen sei, ver])Hichte auch das canonische Recht alle Chri-
sten zu ihr.
Die erste umfassende Bespreclumg der protestantischen Einwände
1) tf. Sl dea Anhang
2) N. 1 ie» Anhan'rs.
3) N. 12 des Anlsangs.
4) Ri an CO Geschichte der UniTcreiUt Köln 1, 099.
5) N. 3 des Anhangs,
(!) Vgl. Kaltenbronner 53“ fg. und Hist. Zeitschrift K. F. Vl, 135. Hen Titel siebe
F. C des Aohangf).
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81
gegen den Kalender verfasste der wiener Matheinatikprofessor Fabricius
auf Befehl des Kaisers gegenüber dem Gutachten Möstlius, welches der
Churffirst von der Pfalz nach Wien geschickt hatte. Diese Schrift wurde
jedoch, soviel bekannt nicht veröffentlicht. ')
Flüchtig befasste sich dann 1584 der ebenfalls zu Wien lobemle
Johann Hasch mit der Abwehr der theologisch-bürgerlichen Gegengrflnde
in seiner „üegenpractic“, welche den Glauben an das nahe Bevorstehen
des Weitendes bekämpfte,-’) und in einem „Neu, alljahrigen Kalender“,*)
welcher eine Umarbeitung der gewöhnlichen, ewigwährenden Kalender
nach Massgabo der gregorianischen Vorschriften bot. Das letztere Werk-
eben wurde 1586 nochmals, doch abgesehen vom Titel'*) völlig tmver-
ändert, ausgegeben.*) 15!)0 endlich veröffentlichte Kasch in seinem „Neu
Kalender“ eine ausführlichere und allseitige Verteidigung der gregoria-
nischen Schöpfung. ®)
Dieser eri-ogo nicht nur Streit l>eim Volke, .sagt Hasch in der Vor-
rede, sondern werde auch benutzt, um dasselbe gegen die Obrigkeit zu
verhetzen. Frage man, weshalb über den Kalender wie über fast Alles
gestritten werde, warum der Gehorsiim bei den Christen so sehr ge-
1) S. K al ten b r u nn er 5H0 fg. Bei Wiedemann Geschichte der Reformation and Gegen*
refonnfttion im Laude unter der Enns wird 1, 438 und 445 eine Practica des Fabricius von 1584 and
S. 441 ein Fragmontum von ihm erwähnt, worin er sich Ober den neuen Kalender äussere. Ob dort
ein Teil oder ein Ausing der obigen Schrift mitgeteilt war, ist nicht ersichtlich. Vielleicht ist Fa*
brieitis auch mit dem oben S, 79 Anm. 1 erwähnten kaiaerl. Mathematiker gemeint.
2} N. 17 des Anhangs, ln der Inhaltaangabe sagt Rasch: Weil überall viclo alte Weissagungen,
auf das nahe Weitende gedentet, umfahren und damit der Pöbel genarrt ond die Obrigkeit rerliasst
gemacht wird, besonders aber weil der Sterndeuter, Wahrsager und Schwarmgeister kein Maas noch
Ziel ist, welche aus der Conjunction der Planeten, die 15S4 geschieht, den Untergang aller Geist-
lichen, der Religion, der Reiche und der Fürsten und alles Ueble weissagen, so will ich darlegen,
was davon su lialten, als Vortrab eines grösseron Propbezeibuebes.
3} K. 16 des Anhangs.
4) N. 25 des Anhangs.
5) Vgl. Kaltenbrunner b34.
6) N. 29 des Anhangs, ln der aus Wien vom 25. Mai 1584 datierten Widmung an Erxhenog
Maximilian tagt Rasdh. er habe neben zwei lateinUcben Tractätchen: de lonovatione temporis und
de Christianissiraa Calendarii ecclesiastici ordinatione , „welche noch Anno 82 alsbald gar verschickt
ond verloren worden/* auch ein deutsches Buch fürs Volk über den Kalender geschrieben. Diese drei
Schriften sind mir unbekannt, falls nicht mit dem letzten N. 25 des Anhangs gemeint sein sollte.
Weiter bemerkt Rasch, er habe das vorliegende Buch schon 1583 verfasst und es sei „von cooailio
ecclesiastico Monacensi passierlich erkennet“ worden, dann aber beim Drucker liegen geblieben.
Abb. d, III. CI. d. k. Äk. d. Wiaa. XV. Bd. III. Abth. II
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82
sdnvundon sei und warum die Religion an vielen Orten fort und fort
geändert werde, so liege die Ursache davon grossen Teils darin, d.'iss
etliche hoho llorron den hitzigen Köpfen und Schriften zu viel Gehör
gäben. Wohin letztere es in vielen Ländern gebracht, zeige die Er-
fahrung. Es ist dahin gekommen, versichert Ra.sch, ohne Zweifel mit
Bezug auf die österreichischen Zustände, dass jetzt oft achtzehn Befehle
eines Fürsten bei seinen Landsassen und Unterthanen kaum soviel wirken
wie sonst ein einziges volo, dass an manchen Orten der Bauer dein Ge-
bote des Landesfürsten nicht gehorchen darf ohne Erlaubnis seines Edel-
mannes und dass der Adel überall Freistellung der Religion fordert, aber
seine Unterthanen mit Gefängnis, Schlägen und Ausweisung zu seiner
Sektiercrei zwingt. Mancher Landmann legt jetzt seinen Bauern den
neuen Kalender auf, nicht auf dos Landesfürsten, des Papstes oder des
Bischofs Gebot oder der PfaiTor Kanzolverkündigung hin, sondern mit
der Entschuldigung, er thue es nur seinen Nachbarn zu Gefallen. Als
Grund des Widerstandes gegen den Kalender bezeichnet Ra.sch den Hass
gegen das Papsttum. Er zählt dann die für und wider jenen veröffent-
lichten Schriften auf,') gibt die Gründe der Neuerung gemäss der Ein-
führungsbulle an und sucht alle Einwändo der Protestanten zu widerlegen.
Er verrät dabei jedoch weder viel Geist noch wissenschaftliche Einsicht
und Kenntnisse. Hervorragend ist nur sein Stil , der an Unbeholfenheit
und Verworrenheit den aller mir bekannten Schriften jener Zeit über-
trifft und bisweilen trotz aller Vertrautheit mit der damaligen Ansdrucks-
weiso geradezu unverständlich ist. Uio dem Titel zufolge beabsichtigte
Fortsetzung des Buches erschien, soviel bekannt ist, nicht.
Des 1585 erschienenen „Bauernratschlages“ geilachte ich bereits.*)
Gelegentlich eifert auch der durch Witz und Grobheit ausgezeichnete
Barfüsser Johann Nas gegen die Widersacher des Kalenders , *) und mit
heissendem Spotte fertigte der wiener Jesuit Georg Scherer schlagend
1) Sammtlicho Ton ihm auf^eführte Schriften sind mir bekannt bis auf einen: Commcntariolas
de Calemlario, i**. Heidclbergao den ich weder anftreiben konnte noch sonst erwähnt fand.
2) 8. oben S. 30 fg-
3) In dem 1584 erschienenen Concordibneb p. 208. Ueber Nas s. Job. D. Schöpf Johannes
Nasiis, Franiiskaner nnd Weibbtschof Ton Brixen, 1534 — 1590, Boxen 1600.
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83
die plumiien Scherze Osianders in einer Schrift at>, ') die er 1587 aus
Anlass einer anderen Fehde*) gegen denselben herausgab.
Als Erwiderung auf Heerbrands Thesen liess der Jesuit Johann
Busäus 1585 solche an der Akademie zu Mainz durch M. Peter Rost
verteidigen und daun veröffentlichen. *) Rost widmete seine Schrift dem
gerade in Mainz weilenden Bischöfe von Jletz, Herzog Karl von Lotli-
ringen. Die Angriffe der Protestanten gegen den Kalender führte er da
auf den Hass und Neid deraelben gegen das Papsttum zurück und er
fand, dass Heerbrand das ganze Gebäude seiner Beweisführung lediglich
auf leeren Verdacht bezüglich der Absichten des Papstes gründe. Besser
hätten die Protestanten getlian, dem Rate des Chemnitz'*) und dem Bei-
spiele Augsburgs zu folgen. Schon ihrer Kaufleute wegen w’erden sie
schliesslich den neuen Kalender annehmen müssen, nachdem dies alle
katholischen Staaten gethan, oder glauben sie etwa, den Kaiser und die
katholischen Reichsständo bewegen zu können, zum alten zurückzukehren
oder einen dritten zu machen? Warum sollten sie nicht gleich den
augsliurger Predigern den gi’egorianisehen Kalender unter Verwahrung
gegen die Anerkennung des Papsttums einführen? Aber sie w'ollen über-
haupt keine Verbesserung des alten. In den Thesen werden daun die
Gründe Heerbrands gegen den neuen Kalender bis zu den .Vusführungeu
über das Antichristentum des Papstes herab gewandt, verständig und in
meist würdigem Tone abgelehnt, doch konnte es nicht versöhnlich wirken,
dass die Zugehörigkeit des Kalenders und der Festfeier zu den frei-
gelassenen Mitteldingen entschieden bestritten*) und die Befugni.s zur
Aenderung und zum Anbefehlen derselben aus der Amtsgewalt und dem
Primat des Papstes hergeleitet wurde.
Noch w'eit weniger konnte zur Förderung der Eintracht ein Gespräch
dienen, welches ein Priester, M. Jakob Hornstein aus Ueberliugon, 1596
1) G. Scherer Triumph der Warheit wider Lucam Osiandrum. JngolsUdt lf)87.
2) Siehe darüber liriefe und Acten nur Gesch. dea dreiasigjährigeu Krieges IT, 153 fg.
3j N. 24 des Anhangs. Da Böst das ßoeh in seinem Namen und »auf Antrieb seiner Lehrer*
dem Bischöfe von Mett widmet, kann nicht, wie man allerdings nach dem Brauch der Zeit annehmen
sollte, der Vorsitzende der Disputation Busäus der Verfasser sein. Indes wird er, der bekannte Jesuit,
schon Ton den Zeitgenossen statt Bösts als Verfasser genannt.
4) S. oben S. 18.
5) Fol. 16 fg. Kaltenbrunner 584 lässt das gerade Gegenteil behaupten!
n*
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EU Ingolstadt veröffentlichte. ') Es zählte die Gründe der Kalendcrändenmg,
welche von katholischem Standpunkte au-s geltend gemacht wunlen, auf
und suchte sic dui^ch j)luini)e Schmähungen gegen die Protestanten und
die einfältigsten Ausführungen zu erhärten. So hielt er es für nötig,
darzuthun, was Niemand bestritt, da-ss nämlich das Erlösungswerk zur
Zeit des Frühlingsvollmondes vollendet worden sei, und sagte zu diesem
Ende: „I)a.s.s die Juden ihre Ostern im Vollmond des Nisan gelialten und
ja Christus der Herr selbst auch zu solcher Zeit für uns gelitten und
gestorljen, erweisen und bringen klärlich mit sich die AVortc, so Dionysius
Areo[)agita, damals ein Philosophus und Professor zu Athen, am Tage des
I,eidens Christi zu seinen Zuhörern geredet und gesagt hat: Entweder
Gott der Natur leidet oder die Welt wird vergehen. Denn warum hat
gemeldeter Philosophus solche Worte geredet, als allein darum, weil er
gesehen, diiss die zwei Finsternisse, so sich zumal am Tage dos Lei-
dens Christi drei ganzer Stunden lang über den ganzen Umkreis der
Erden begaben, nielit natürlich gewesen, dieweil solche zumal auf einen
Tag und im Vollmondsclioin sich zugotragen, welches natürlicher Weise
niclit hat können gescliohen, denn wissentlich, wenn es im vollen Jlond-
Bchein ist, wie es denn damals war, so wird keine Finsternis natürlicher
AVeise an der Sonne im<l wenn es gleich schon im Neumond, in
welchem sich die Finsternisse an der Sonne begotjen, so winl die Sonne
alsdami also nicht und zu keiner Zeit verfinstert, dass solche Finsternis
(wie am Charfreibig oder am Tage dos Leidens Christi beschehen) allent-
halben in der Welt gesehen werde Folgt derhalben. dass Christus
der Herr sammt seinen Jüngern am Uten Tag Mondscheins Ostern ge-
halten und für das ganze menschliche Gesclüecht gestorben sei. Sonsten
hätten sich solche Finsternisse an beiden grossen Lichtern nicht begeben
noch auch obgemeldeter Dionysius also hiervon geredet.“ Weiterhin Ije-
merkt dann Hornstein: „Die lutherischen Nasweisen, Confessionisten und
Protestierenden sainrat anderem ketzerischen Ge-schmeiss“ geben als Ur-
sache der Ablehnung des neuen Kalenders vor, dass der Papst ihn ge-
macht und seine Einführung befohlen habe. Werde er Keichskalender
genannt, versichern sie, so sei schon geholfen, und 1594 ist im Volke
1) N .12 «Jes Anhang«.
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■y
85
die Sa|?e gegangen, dass der damals stattfindondo Reichstag ihn wieder
ubscliaffen oder iimtaufen werde. Da sucht nun Hornstein nacli/uweisen,
dass der Kalender mit Fug und Recht Reicliskalendcr genannt werden
könne, svobei er unter Anderem hervorhebt, da die Einführungsbulle vom
24. Februar 1581 ') datiere, sei es sehr imwaln-scheinlich, dass der Ka-
lender, wie einige Protestanten behaupteten, beim Reichstage von 1582
zu spät übergeben worden. .4uf den Einwurf, dass die Bezeichnung
Reichskalender doch nicht ]>a.sse. weil die Protestanten sich abgesondert
hätten, erwidert er: „Darnach fragt man nicht viel; wer nicht will, der
fahr’ hin; da.s hl. römische Reich ist auf sie nicht gebaut, sonst wäre es
vorlängst zu (!rundu gegangen. Doch ist nicht ohne, dass sie ihres
Nichtmithaltens des Kalenders zu entschuldigen, dieweil ihr Reich nur
weltlich und lauter jmlitisch, oder da gleich au dein was Geistliches,
so ist es doch ohne ein Haiijit und nach den Weiten Christi in ihm
selbst durchaus uneinig und zertrennt Dorhalben kann bei ihnen in
Annehmung und Bewilligung dos reformierten Kalenders wie auch in
anderen Religion-sartikoln nicht bald Friede und Einhelligkeit einge-
gangen und erlangt W'eitlen, es sei denn, dass solches wohl nach ihrem
Kopfe und Sinne schmecke oder sie voran den Vorteil und das Heft in
ihren Händen haben. Sonst verschafft und erlangt man in Religions-
sachen, in die dann der Kalender gehörig, dieselben seien an sich selbst,
so gut sie immer wollen, nicht leicht etw^a.s.“ In so jämmerlicher WeLse
behandelt Hornstein durchgehends seinen Stoff und nachdem er noch
darüber gespottet, dass tiie Protestanten jedem Spiessbürger teuer zu
bezahlende I^ichenpredigten voll überschw'änglichen laibes hielten und
dadurch ein neues Martyrologium schüfen, in welchem Heilige wie Galle
Bürstenbinder, Vole Vollzi»pf, Lipp Fassnacht, Lenz Saubirst prangten,
erzählt er zum vollkommenen Beweise, da.ss der neue Kalender der rechte
sei, in seiner Gegenwart habe es zu Strassburg, als ein Kaufmann über
jenen geflucht, in der Silvesternacht gedonnert und der Kaufmann wäre
später im Rhein ertrunken, wenn ihn nicht Anhänger des neuen Kalenders
gerettet hätten.
Das elende Älachwerk Honsteins schlies-st die Reihe der hier zu
1) Grfij<or XIII fing: das Jahr mit dem 25. Man an.
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8f.
besprechenden Streitschriften. Im Grunde imtto die Fehde auf dem Ge-
biete der Tagesliteratiir sciioii zehn .Jahre vorher ilir Ende gefunden.
Länger setzten die (lelehrten den Kampf um den wissenscltaftlichen AVert
der gregorianischen Neuerung fort, docli fand auch er auf ])rotestan-
tischer Seite 1012 durcdi das Werk von Kalwitz'), auf katholischer 1016
durch die Erwiderungen des zu Ilom lelienden Jesuiten Paul Guldin-)
seinen Abschluss. Es konnte übtu-flüssig erscheinen, die Zulässigkeit und
die Richtigkeit des Kalenders zu erörtern, du die evangelischen Reichs-
stände einhellig entschlossen waren, denselben nicht anzunehmen.
Die Vem'hiedeTdieit der Jahresrechnung und Fostfeier wurde fiir
unser Volk eine Quelle bitteren Haders und Zwiespaltes. Viele, hatte
das neustädter Gutachten bemerkt, würden sich mehr an der Ungleich-
heit der Ostern und Weihnacditen als an der des Glaubens stossen, und
Mästlin hatte vorausgesagt, ■*) die Beobachtung zweier Kalender werde die
Protestanten von den Katholiken scheidim, wie die Juden von den Christen
insgesammt geschieden seien. Der Erfolg gab ihnen Rocht. Zwischen
den Anhängern der beiden Bekenntnisse trat im alltäglichen Leben ein
Unterschied hervor, der augenfällig und empfindlich war und zwar um
80 mehr, je grosser die Zahl der Feste war, welche auch die evan-
gelischen Kirchen damals noch begingen. Damit bildete sich dann als-
bald das Gefühl eines feindlichen Gegensatzes aus, welches bis dahin nur
in geringem Masse vorhanden gewesen war, weil die Protestanten durch
iimere Streitigkeiten in Anspruch genommen wurden und die Masse der
Katholiken in ihren dogmatischen Anschauungen und ihrem kirchlichen
Leben wesentlich durch reformatorische Lehren beeinflusst war.
Dia Erbittei-ung wurde gesteigert durch die vielfachen Unbequem-
lichkeiten und schweren Schäden, welche die doppelte h’ratfeier für
Handel imd Verkehr, für das Gerichtswesen und für jode Thätigkeit, die
1) 8. ob«n S. Anm. 2.
2) S. Historische Zeitschrift N. F. VI» 127. Gnldin. der die V>rtcidijrung d«a verstorbenen
Ciavius gejjen Kalwiti fibernftliiii, bespricht die von diesem za«aimncitj^cste1Uen Gründe der Pro-
tcstantcD gegen die Annalnne des neuen Kalenders in seinem Hauptwerke, der ßefutatio elenchi>
p. 3 fg. nur oberflächlich. Auch er nimmt das Rocht zur Aeudorung für den Papst in Anspruch und
sagt» der beste Reweis für dasselbe »ei, dass der Kaiser den Kalender Angenommen habe.
8) K. 2 des Anhangs p. 6.
4) N. 11 de« Anhangs fol. 51b.
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in das Gebiet einer andei'Sgläubigen Obrigkeit hiniiberreichte, unverineiil-
lich nach sich zog. Das Reichskaniinergericht vermochte seine olinehin
übergrossü Geschäftslast um so weniger zu bewältigen. Kaufleute wurden
bald durch ihr eigenes, bald dui^h das andere Bekenntnis am Absatz
oder an der Weiterführung ihrer Waaren gehindert. Jahrmärkte, die
sich früher zweckmässig an einander reihten, fielen zusammen. Wer
Aecker in andersgläubigem Lande besass, musste sich ihrer Bestellung
zweimal enthalten. Und so stellten sich der Nachteile noch manche -ein.
Am härtesten und öftesten wurden diese natürlich da empfunden,
wo katholische und protestantische Gebiete sich vielfach Ijerührten und
durchsetzten, wie in Schwaben, Franken und im nordwestlichen Deutsch-
land. Vor allem aber litten darunter die kirchlichgeinischtcn Reichs-
städte, wo die Bürger in so enger Gemeinschaft des Lebens standen.
Wir erwähnten bereits der Streitigkeiten in Augsburg. ') Sie setzten
sich eine Reihe von Jahren hindurch fort, wobei es sich allerdings bald
mehr um andere Fragen als den Kalender handelte, und hatten zur
Folge, dass Augsburg lange Zeit sich den Versammlungen der Reichs-
städte fernhielt, weil deren Mehrheit für seine evangelischen Bürger
gegen den Rat Partei ergriffen hatte. In Kaufbenren wurden die vom
Rate der Beobachtung des neuen Kalendei's entgegengestellten Hinder-
nisse der Anlas.s zu bitterem Hader und zur Einmischung dos Kaisers,
des Bischofes von Augsburg und der Herzoge von Baiern, welche schliess-
lich die Ueborlassung der einzigen Stadtkirche an die winzige katholische
Minderheit und die Annahme des gregorianischen Kalenders durch den
Rath erzwangren. -) Auch in anderen Reichsstädten störte der Kalender
die Eintracht und je mehr der kirchliche Hiias entbrannte, desto häufiger
wurde die Wi-schiedenheit zu schnöden Bedrückungen und Quälereien
ausgebentet. Protestantische Stadtobrigkeiten und Herren zwangen ihre
katholischen Bürger und Untorthauen nicht nur, an den Festtagen des
alten Kalenders zu feiern, sondern auch an denen des neuen, deren Be-
obachtung ilmen ihre kirchliche Obrigkeit zur Gewissensptlicht machte.
1) Vgl. oben S. 6<3.
2) F. Stiofe Die Reiebsitadt K&ufbeareD tind die baieriiche Refitaaretionspolitik. München
1870. p. m fg.
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88
zu arboiten. vor Gericht zu erscheinen und üiro Kinder zur Scliule zu
schicken, ja sie wehi-ten sogar den in ü»ren Mauern wohnenden katho-
lischen Geistlichen die Beobachtung der inipstlichen Vorschriften. ’) Auf
katholischer Seite wurde dann dieses Bei.spiel mit gleicher Unduldsamkeit
nachgeahmt.
In den achziger .Jahren di>s sechzehnten .Tahrhunderts verschärften
sich die Gegensätze zwischen den kirchlich-|)olitischen Parteien im Reiche
und« begannen sich entschieden zu unheilvollem Ausgange zu wenden. -)
Die KalenderveiTichiodenheit trug das ihrige dazu bei, indem sie nament-
lich im Volke den Glaulwnshass entzündete und schürte.
Mehr als ein Jahrhundert Lang bestand sie fort. Erst 1700 nahmen
die Pnitestanten, durch Leibnitz bewogen, einen „Reichskalender“ an, der
jedoch noch immer, da er Ostern astronomisch genau bestimmte, von
dem gregorianischen abwich. Endlich gelang es 1750 Friedrich d. Gr.,
die allgemeine Annahme des letzteren in Deutschland zu erwirken.
1) 8. die katholiKhcn Beichstagebcschwerden ond Kalteobrnnner Polemik .‘>.'17.
2) Vgl. StieTe Der Ureprting de« dreiasigjnbrigcn Krieges I, 22. 30, 447 fg.
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A 11 li a II g. ')
1) Alt Gemain Alma nach, || vnd kurtze Practica, auff etliche Jar, sambt ||
dem New Corrij^irten Calender- vaderschidlicb mit |1 fleiss, menigklicheu vmb beaser
nachricbtaug wil- || len zu täglichem gebrauch iu dise || form geatelt; Auff || das
Jar II M. D. LXXXIII. |{ (Vignette: Kaiserliches Wappen.) || Getruckt zu Manchen,
bev Adam Berg. || Mit Rom. Kay. May. Freyheit nit uachzutrucken.
Staatsbibliothek MQncben. 4^. Cbrlg. 154/3. 16 Blätter.
2) Kurtzer Bericht von || gemeinem || Kalender, || Woher er kommen, wie
er mit der zeit || verrOckt, ob vnd wie er widernmb || zu ersetzen sey. || Auss
aiilass der Päpstlichen newlich ausge- |] gangeneu Kalenders Reformation, I, Gestelt
in II Fürstlicher, Pfaltzgräuischer || Schul zu || New Stadt an der Hardt. || (Vignette
des Buchdruckers.) " Gedruckt in der Fürstlichen Pfaltz, zu New- || stadt an der
Hardt, durch Matthäo- || um Harnisch. || M DLXXXIII.
gUaUbibUothok München. 4°. Chrif;. 150/14 ornl 64. 32 Seiten. Ygl. Ksitenbrnnner
Polemik 521. WieJerabj?eJrnckt in N. 11 fol. 76b— 37.
S) I-'xhoHalio II Hc Exeqiiai- || da Calendarii Corredioiie, Quam S. D. A'.
Grcgorios XIII. Pont. II Max. Edi, Promvli/ari Et Per Italiam |! caeterasque orbis
Christiaui partes Anno || M UC.XXXi j obseruari mandauit. |1 Arf Sacrum Caesaieam
Maie- II slatem, Imjxrii Eteclores Ae Prin- || cipes caeterosqne Status: Praecipue
vero ad Screnissimnm Reverendissi- |1 mumque Principem Erueslum, recens electum
Arcbiepiscopum Colo- |l niensem, Principem Electorem, etc Nec non ad Illustrissi-
mum et || Reuereudissimnm D. Joanuem Wilhelmum, Postulutum Admini- || stratorem
Monosterieusem, Juliae. Cliniae et Montium, etc. || Ducem baereditarium, Dominos
suos clemen- || tissiinos, directa et scripta. || Per Theodorum Graminaeum,
Philosophiae Doctorera, J. Licen- || tiatum, lllustrissimi ac Reuerendissimi Priucipis
1) Die cureiv ttedmekten gtellen sind im Ori^nal ganz mit grossen Bnchstaben gesetzt.
Abh. d. IlI.Cl. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. III. Abth. 12
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ac Domini, || D. Joannis Wilhelnii, Administratoris Mouaste- || rieusis etc. Consilia-
rinm. || Dvascldorpii || Excudebat Albertas B\isius, || Anno 1583.
Staatsbibliotheli MSnclien. 4°. Litnrg. 268. 2.2 Blätter.
4) Kalendarivm || Gregorianvm || Perpdvimt. || Cnm Priuilegio Sumnii Pon-
tifici«. (I (Vignette : Schild mit S. P. Q. R. auf einem Querbalken.) || Monachii, || Ex
Typographia Adami Montani. || Cum gratia et priuilegio Caca. Maiest. || M DL XXXIII.
Staatsbibliothek München. 4’’. Clirlg. 44c. 22 Blätter.
5) Aussführlicher vnd || Grflndtli- || eher Bericht || Von der allgeniainen, vnd ||
nunnielir bey seebtzehen Hundert Jaren, von 11 dem ersten Kayser Jnlio, biss aufif
jetzige Tusere Zeit, im || gantzen H. Römiseben Reich gebrauchter jarreebuung oder
Kalender, || In was Gestalt er anfänglich gewesst, vnd was durch länge der Zeit
für li Irrthumb dareyu seyen eyngeschlichen. Item ob, vnd wie er || widernmb ohn
merckliche verwflrrnng zu || verbessern were. 11 Sarabt erklärnng der newen Refor-
mation, 11 welche jetziger Bapst zu Rom Gregorivs XIII. || in demselben Kalender
bat angestellet, vnd an vilen Orten eyn- II geführet, vnd was darvon znhalten seye |)
Gestellt durch II M. Micaelem Maestliuum Ooeppiugen- 1| sein, Matheseos Pro-
fessorem zu Heydelberg.
Am Schlüsse des Buches steht eine Vignette mit der Umschrift: Jacobus Mylius.
Coronas annum beniguitate Tua. Psalm. 05. — Darunter: Getruckt in der Chur
forstlichen Statt || Heydelberg, durch Jacob MOller, im .Tar || M D L XXXIII.
Staatsbibliothek München. 4^ Chrlg. 51 und 76 m. 8 Blätter 176 SS.
Wiederabgedruckt in N. 11, fol. 1 — 76a. Vgl. Kalten brunner 514 fg.
6) Gründtliche Wiederlegung, || Sambt eigentlicher Be- || Schreibung, derjenigen
Restitution Auni || vnd Calendarij, so sich dermalcius, nach viel darauff || gewandten
nuibe vnd vnkosten hcruor gethan, vnd |1 sehen lassen, Im Jar || MDLXXXII. i| Allen
Potentaten, Fürsten vnd -Stenden, des heiligen Römischen Reichs, sambt all derselben
Ge- II lehrten, vnd Bewandten, Auch allen Reichsstädten zur nach- || richtnng, auff
das dieselbige, weil sie aus gantz keinem Fnnda- || ment noch Grunde geaetzet, nicht
Pnblicirt, oder || ins Werck gerichtet werden möge, || beschrieben. 1| Vnd sambt
kurtzer auzeigung, wie rnud wel- || eher gestalt, eine solche HochnOtige Emendntion
lichtig II vnd gantz. vollstendig zu vberkommen, vnnd endlichen ins II werk zu
richten. Mit vleis erkleret, vnd den sehr 1| schönen Künsten der A.stronomiac || zur
Rettung geaetzet. !l Durch || M. Thobiam Mollerum, || Astronomum.
.\m Schlüsse: Geclruckt zu Leipzig, il Bey Johann Beyer, In verle- || gang
Simon Hutters, || Im Jar. || M. D. L. ixxiii.
8tääUbibliothck München. 4®. Chrlg. 51 unil 54 m uml 64. 20 Blätter.
Wiederabgedruckt in N. 11, fol. 102a-ll:ia. Vgl. Kaltenbrunner .5:17.
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7) Bedencken, H Ob der newe l’äpstische Kalender ein Notlurft bei der l|
Christenheit seie, rund wie trewlich discr Papst || (rregorins XIII die Sachen darniit
meine: Oh der II Papst Macht habe, disen Kalender der Chri- 7 stenheit anflfen-
tringen : Ob auch fromme vnd 'I rechte Christen schuldig seien, deusel- t bigen an-
aunemeu. '| Lucas Osiander D. || (Vignette: Lamm auf einem Oraeheu; Um-
sehrift : Kcce Agnns Dci, qni toUit peccata mundi. Jolnan. I ) |{ Tübingen, bey
Georgen Gruppenbach. || M. L). LXXXIII
SfaatAbiblietliek Müncbm. 4®. Cbrlg. bl und 64, 1‘/» Blätter und 46 Seiten.
Wiederab^eilrncV’t in N. 11. fol. 8S~102a. Vgl. Kaltenbrnnner bl8 fg.
8) Knrtz Uedencken l| Von der Kmendation dess || .lars, durch Babat Gregorium
den XIII. II rdrgenomen, vnd von seinem Kalender, nach jbm || Kalendarium Gre-
goriaunm perpetuum || jntituliert. || Ob solcher den Protestierenden Ständen anrn-
nenien seie, oder || nicht. Mit angehencktem Prognostico, inn was zei- || ten wir
seien, auss den Propheten Uaniele. |{ Zacharia, vnd Apocalypsi Johannis || hergefUhrt,
vnd wa.s wir zuge- || warten haben. || Gestellt || durch Lambertum Floridnm
P I i eni nger um , im Jahr M. D. LXXXIV. || im Monat Jannario, zur Warnung vnd
aulfinnndemng der Christen- || heit, sonderlich deutscher Nation. || Esaiae 6G sagt
der Herr, || Ich will erwehlen, das sie verspotten, vnd was sie schewen, || will ich
vber sie kommen lassen. || Gedrnckt zn Strassbnrg, durch || Josiam Rihel.
StaaUbibliothek München. 4". Chrlg. 64 und 78 ra. 7 Blätter und Seiten.
Wiederabgcdruckt in N. 11, fol. ll.lb — 163a. Vgl. Kaltenbrnnner .720.
9) Baurenk lag, || Vber des Bapst || Qregorij xiii. Newen Ca- 1| lender,
Nämlich, was für grosse Vnord- || nung (beides im Geistlichen, wie auch im Welt-||
liehen liegiment, inn Kirchenyebuugen, vnnd inn || anderen Politischen Sachen,
Händeln vnnd Ge- || werb) darauss entsprungen, gewachssen vnd || herkomraen sey.
Kiirtzlich vnd einfältig || in gebnndene reden gestellet II vnd verfasset. !I (Vignetten :
Zwei Bilder, auf jedem links Sonne, Sanduhr und astronomische Zeichen ; rechts ini
grö.ssereu, durch eine Diagonale geteilten Abschnitte der Bilder auf dem einen oben
ein Centaur, unten ein Bauer mit Axt, anf dem anderen ol)en ein Mann mit einem
Gefassc über einer Wolke, unten trinkende Bauern.) |] Eiu New Lied, vom newen ||
Caiender, auch was sich zu .Augspurg, || den 4 Tag Brachmonats, inu disem 84. Jar jj
hat zngetrageu Im Ton, Es wouet |l Lieb bey Liebe, etc. || 1584.
Bibliothek Wolfenbüttel. 6®. QnoJIib. 517. 8 Blätter. Vgl. Kaltenhrunner 529.
10) Die New vermehrte, |{ vnd gebesserte Bawrenklag, vber den || Newen
zngerichten Gregorianischen || Bäpstische Kalender. || In wölcher kiirtzlich angedoutet
wirdt, das nicht || allein vnder dem Bawersvoick, sondern auch in den || Kirchen-
flbnngeu uml Polittischeu Sachen, für vn- || Ordnungen, auss disem newen Ka-
lender II ent.sprungeii vnd erwachsen || seyen. I! Neben einem sonderlicheu begern an
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den Babet, || da er anderst wolle, das mau sich nach seinem Kalender halten solle. ||
(Vignette : Zwei Bauern und zwei Händler auf einer Wage.) II Getruckt im jar nach
Christi gebnrt, || M. D. LXXXIIII.
Bibliothek WolfeDbüttel. 4*. Quodlib. 2SX 8 Blätter.
11) Nothwendige vnd grUndtliche || Bedenckhen || Von dem allgemeinen,
vhr- II alten, vnd nn mehr bey sechtzeheu hundert .Ta- || ren gebrauchten Hömiscben
Kalender, wie vnd ob etliche || Irrthumb hiezwischen in demselbigen eyngescblicben
seyen, || Item, ob vnd wie sie zu corrigieren oder zu || verbessern weren. || Sampt
Erklärung vnd Widerlegung dess || vngegründten vnnd vuuohtwendigeu ueuwen
Bäpsti- II sehen Kalenders, in welchem jetziger Bapst zu Rom, Gregorius XIH || den
alten Kalender zu verbessern vermeint, rund denselben jedermennig- || lieh antTzu-
dringen (nach vermög seiner hievon aussgegan- || geuen, vnnd allbie zu end bey-
gesetzten Bullen oder || Ausschreiben) Vorhabens ist. || Alles durch etliche hochver-
steudige Theologen vnnd || Mathematicos (welcher Namen in nachfolgendem Blatt
verzeichnet) || anss H. Göttlicher .Schrifft, den alten Kirchen Historien, vnd gewissen
Mathe- || matischen Grundt, allen frommen Christen, Hohes vnd Nidriges || Stands,
zur treuwherlzigen Warnung vnd Auffmun- || terung, beschrieben vnd er- |I kläret. ||
Gedruckt zn Heydelberg, dnreh Johann Spies. || M.D LXXXIIII.
Staatsbibliothek Manchen. 4°. Chrlg. Sin. 8 Blätter nml ITC Blätter.
Inhalt: 1) Mäatlin s. N. S.
2) NenstätlU-r Schale s. N. 2.
o) Osiander s. N. 7.
4) Möller i. N. 6.
5) Plieuinger s. N. 6.
fl) .Ein anders Bedencken.“ fol. 183b— 167a. Vgl. Kal tenbranuer 522.
7) Ainplissimis Prvdentissiniis Dominis Dominis Et Patronis ObservantU-
simis S. P. fol. 167b— 170b. Vgl. Kaltenbrunner .522.
12) Warer Bericht, war- || vrab das alt Römisch Calender dieser || zeit nott-
wendig ersehen vnd gebessert worden, wie H im Nicenischen Concilio vor 1255 Jaren,
aufif II begeren dess Grossmächtigsten Römischen || Keysers Constantini Magui auch ||
Ireschehen, etc. || Genesis Cap. I. || Diiit autem Dens, Fiant luminaria in tlrmamento
Coeli, II et dividant diem ac noctem, et sint in sigua et tempora et di- || es et
annos. II Gedruckt in der Churfürstlicheu Statt || Meyutz, durch Caspariim Behem,
Anno 1584. — Am Schlosse des Buches: C. F. D.
Staatsbibliothek München. 4°. Chrlg. 7 n und 150/19. 7 Blätter.
A. Warer Bericht, warunib || das dieser zeit uotweu- || dig
Constantini || .Magni auch beschehen, etc. „ Daueben auch mit eyngefilhrt ein Newe
Zeit- l| tung von einem Nussbaum, so zuuor dürr, vnd || ohn Frucht, jetzt aber nach
dem Newen Calender I) seine Frucht bringt vnd gibt. :| (Arabeske.) ![ Genesis. Cap. 1. :|
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Diiit II Gedruckt ru Mnnclieu, bey Adam Berg || M. D. LXXXIIIT || Cum
licentia Siipcriorum. ')
A. a. 0. Chrlg. 7 in und 4-4 c. 8 Blätter.
B. Eine dritte Au-iigabe erwähut Kalteubrnnner 535 Anm.
13) Disputatio. || De Adiai>horis, Et |I Calendario , Gregoriano. || In qua ||
Auspicio sanctae Triadis. || Atthore, Et Praeside, Jaco- ||. ho Hcerbrando, Doctore,
El Pro- II fessore Theologiae in celeberrima Tubingcasi Academia, Praece- || ptore
sno summa fide et obseriiantia colendo: diebns Martij || 27. et 28. || hora sexta
matutiaa, in Aula uoua, || exercitij causa respoudebit, || M. Martinrs Corbiars || Schoru-
dorffensis. || (Vignette: Gerechtigkeit in einem (lahmen mit Engeln.) || Tuhingae,
apud Alexandrum Hockium. || MDLXX.MIII.
Bibliothek l'reeden. 4». Chrlg. 642. 1 Blatt and 73 Seiten. Vgl. Kal tenbrunner 524.
14) D. Martini || Kemnicii || Bericht vom uew- || en Bäpstischen Grego- || riano
Calendario, || an den Landgrafien zu || Hessen, etc. || (Arabeske.) || Gedrucket .Anno 1581.
Staatsbibliothek .München. 4^. Chrlg. 19n. 4 Blätter. Vgi. Kaltenbrnnner 523.
15) Herrlich Bedencken, || des tewren Mannes Gottes Lu- || theri seligen, von
dem jtzundt newen bepstis- || eben Calender. Daraus gründlich zuuememeu, || das
der Mann, als ein rechter Prophet, die aus jetzigem Bepstis- || cheu Calender ent-
stehende zurOttnnge, vnd verbitternnge der t| hertzen, zunor im Geiste geschehen.
Vnd darneben deutlich |i zuerkennen, da je ein verbes.scninge, des bisher gebreuch- ||
liehen Calenders, vorgenommen werden solle, || von wem solchs, vnd wie es ge-
schehen II müste, etc. II Gestellet vor 45 Jahren, Vnd jtzundt dem || Christlichen Icser
zu gute, entzelu in || druck geordnet. || (.Arabeske.) || Gedruckt im Jhar || MDLXXXiiii.
Am Schlüsse : Gedruckt vnd ausgangen. Eben auff den || Newen gehaltenen
Oatertag, soll mau || billich geleyret haben, || im Jahr || LXXXIIII.
Angehängt Ist: Vom newen Bapst Calendario, ’| Ein uew .Thar geschenck.
Staatsbibliothek Münehon. 4°, H. ref. 484, 11 Blätter. Vgl. Kaltenbrunner .523.
IC) Ein New : All Järiger Calender, u darin sonderlich zu finden || der Suunen
auff vnd vntergaug : Tagsaubruch || vnd Scheidung : Tag vnd Nachticug : Grösse der
Planeten : || stnnd : Bewegliche vnd stäte Fest : .Sunneulauff : Gulden Zal vnd || Epacta
der Newmonden : Tahulae Directorii et Cicli Ecclesiasti- || ci etc. dessen alles der
Bericht zu end, knrtze || erlenterung vnd vnderwei- || sung gibt. j| Gestell, durch
Joannem Kaschen, auff Poln || höhe 48. und 4SI. grad. 1| (Vignette; Doppeladler
1) Die durch Ponble bezoichneten Steilen entsprechen genau dem Titel der ersten Ausgabe.
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mit Kranz.) || Ge<lruckt zn Möncben, bey Adam Berg. (I Mit Römischer Käy» May.
Freyheit uit nachzutrucken || Anno M. D. LXXXIIII, (| Cum Liceutia Superioroim
SUatsbibliotbelc München. 4*. Ohrlg. 44c. 24 Blätter.
In der Widmung an den Abt der Schotten za Wien, Georg, sagt Rasch: Ich habe wogen d^r
mir aufgetragenen und von mir selbst erwählten Arbeiten nicht Zeit, jährlich, wie ich es vor neun
bis fünf Jahren that, einen Kalender berauszagoben ; deshalb dieser alljährige Kalender. Dem Vor-
gänger E. Gn. wollte Ich meine «Tabnlas perpetoi Calendarii, Computi et Directorii «cclesiastici* and
den .magnum et expansum cjclam Pascalcm*, für den ich zweimal von Kaiser Jiaximiliaii II. ConaeOit
erhielt', widmen, aber das Geschrei von der bevorstehenden Kalenderändernng hindert« mich. Bald
werde Ich jetzt diese Werke veroffeollichen. Seit 1570 diene Ich dem Schottenkloster. Wien in feslo
d. Matbaei [21. September] 1.5RS.
17) Gegenpractic, )j Wider etliche auj^sgangeu || Weissag, Prognostic vnd
Schrifftuii, sonder- || lieh den Misocaci, vber das S4 vnd S8. Jare von vu- || tergang
hohes Geseblächts, änderung der Reich vnd \\ Religion, Neweui Oaiender, Letzten
Zeit, Anti- || Christ vnd Knd der VVelt. || Ge.«iiellt durch |j Joannem Rassinm.
Preclariensem. |i Domini potentes, popnli regentes. |1 (Zwei Vignetten, die links mit
der Ueberschrift : Mars, Motor Mundi und dem Bilde eines Kriegers, die rechts mit
der Ceberachrift: Mercurius. Mirificiis Machinator und dem Bilde des geflügelten
Buten ) 11 Kst Deus in coelo, reuelans arcauH quae Ventura sunt in || nouissimis tem-
poribuB. Dan. 2. II Ciim gratia et prioilegio Cue«. Maiest. |) M. D. LXXXIIII. |i Cum
liceniia Superiortim.
Am Schlüsse: Gedruckt zu München bey 1| Adam Berg II MDLXXXIIIL
Staatsbibliothek München. 4**. Ohrlg. 44c. 3^ Blätter.
In der Widmung an Krzhentog Maximilian sagt Hasch: Wie kein Glück ohne Xeid ist, so wird
das Haus Oesterreich immerdar durch Angriffe und Hinterlist misgUnfttiger Fürsten und Uc-tche, Ja
auch durch Privatpersonen angefochten. Lazins hat. nrn den f<>sten Bestand des Hanse» zu erweisen,
gegen die falsche Praktik eines Franzosen einen lateinischen Tractat von alten iateinischen nnd
deatsehen Vaticinlis geschrieben. Dadurch hin ich angeregt worden, ein grosseres Werk zu veröffent-
lichcD, welches icli K. 1). Dt. widmen werde. Inzwischen habe ich gegen eines Niederländers Praktik
von dem HauKN dem ich durch Gott nnd di« Natur unterworfen hin, dieses Werkeben verfasst und
widme es E. fl. Dt., um zu sehen, ob ich mit dem grösseren Buche fortfahren soll.
18) Entschuldigung und Ableiniing Johannis j) Sch ul in CruylshoimoosiB
Astro- ]i noniiae stiidiosi. || Wegen der Praefuti- 1} on oder Declaration, den Newen |{
Päp«tischeii Kalender betroffoud, welche ohne \\ seiu wissen, willen vnd moinung,
seinen |] r4ileiidarijs ist fürgesetzt Ü worden. H Darinnen auch etliche Vrsacbeii, j|
warum dieser Xewe Gregorianische vnd jiu- || inerwereiide Kalender (wie man jhnie
den II Nunieu gebeuj nicht anzuneiueu, oder zu- ]| billigen sey, kürtzlich angeregt ||
werden. || (Arabeske.) !| Tübingen, bey Georgen Grnppeubach. il Im Jar !l M.D.LXXXIV.
Staatsbibliothek München. 4^. Chrlg. 84m. 12 Blätter Vgl. Kaltenbrunner 527.
Die Widmung ist an Frau Sibilla Fuchsin, gebornc Fuchsin von Dornheim, WiUwe zu der
BarlcswAg gerichtet ; gegeben den lü. Martii anno 15'‘4 zu Tübingen.
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19) Zwo warhatttiifo Newe Zei- || ttung in lisangweiss gestellt |1 Die erst von
den II gewaltigen straffen Gottes, |1 so vber die Statt Bibrach in Schwa- || benlandt
geschehen, durch erscbröckliche vii- || gewitter, darbei geinelt, wo es eingeschlagen ||
hat vnd grossen schaden gethon, an || Leoth, Kirchen vnd Gebew, in || disera 1584.
dar. II Im Thon, ICompt her v.u mir, spricht || Gottes Sohn etc. || Das ander Lied,
Ist von der || Vnruh, so Angspnrg gesche- || hen, von wegen der Reli- jj gions-
sachen. || Im Thon, II Wie mau den Lindenschmid singt || Im Jahr 1584.
Am Schlüsse: Erstlich || Getruckt zu Sant Gallen.
Bibliotliek Wolfenbüttcl. 8°. Quodtib. 517. 4 Blätter.
20) Newe Zei tt n nge : !| Eines kurtzweiligen gesprechs : 1| Zweyer .Meissnischen
Pawren, Von II dem jetzigen Newen des Bapsts Collender, das der <| Ostertag ist ge-
halten worden am Sonntag Ocnli || Anno 1584. || Brenenses Asini clamabant Re-
surrexi, || Cum Populus Dei cantarent Oculi mei. || (Vignette: das päpstliche Wappen;
quer steht links: „des Bapsts Gesindt jhr Ostern beghan,“ rechts: „Wann wir
Bawrn Ocli mei han.") || .\uffs newe gebessert vnd jetzt zum andern mahl in Druck
verfertiget. || -Autore C. E.
Am Schlüsse : Cum Gratia et Priuilegio. || Gedruckt in der Churfürstlichen Stad
Dressden, durch || Gimel Bergen. || den 25 Martij. || Anno M.D L XXXIIII.
Kgl. Bibliothek Berlin. 4°. Oi. .598. 8 Blätter. Tgl. Kaltenbrunner .528.
21) Bawren Uathschlag, || Vber den Neuwen || Kalender, auch jhnen zu-
gemesseue || vnd aussgcgangene ßanwrcnklag, darin- || nen sie sich erkleren, ent-
schuldigen vnd verantworten, || vom Kalender urtheilcn , woher der entsprungen,
auss II was vrsacheu die Emendation vom Bapst lurgenom- || raeu, die Klag wider-
sprechen vnd heiter zn vcrste- || heu geben, das dieselbige nicht von jnen, || sondern
von einem vnrnwigen II Hantbeisser erdicht || sey. || (Vignette: Mehrere Bauern vor
einigen Bäumen.) || .M. D. L. X X X.V.
Universitätsbibliothek München. 4''. Math. 800. 8 Blätter.
22) Ein new |, Kalender Lied. || Ein schönes an- H dechtiges Liedlein, von
dem II Newen Wolformierten Menschen || vnd Vieh, angeuemen Kalender, || Bäpst-
licher heiligkeit .zu Rom || zu ehren gesungen. || In des hübschen Mägtlins Thon. ||
Sampt einem newen, Erhalt vns || Herr etc. Vmb erhaltuug des Ka- || lenders zu
bitten II (Arabeske.) |! Anno M. D. LXXXV.
Am Sehlusse: Gedruckt zu Papschaueu, Stelts Hans Vmlautf in der Dredelgassen.
Bibliothek Wolfenbüttel. 8*. Qnodlib. 517. 4 Blätter.
23) Kurtzer bericht, || V^on der eigen- |1 schafft dieser Jare vnd vnse- || rer gegen-
wertigen zeit, auch was || von dem newen Bepstischen Calender, So || man Calen-
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durium Gregorisnum oder || den reformirten neonct, zu || lialten 8er. || Gestellet ||
durch M. Tbobiam Molle- || rum Crimuicensem, Astronomnm. || (Arabeske.) ||
Gedrucket Auno 1585 || Cum Gratia et Priuilegio : etc.
Bibliothek WoUenbüttel. 4®. Qaodlib. 107. 7 BUtter.
24) Pro Calepdario || Greffonmio || Disjmlulio || Aj>ologetica et Jo- II aiwe
Brsaeo Socieialis Jesv || Doct. Theologo Disputation! Ln- || tlieranae Tübingens!
opposita II F,t II hl Acmiemia Mogmtina Anno MDLXXXV || Ad III Idiis Martias
publice habita || Itispondentc || Pro prima lanrea Tbeologica consequenda || M. Petro
' Roestio Koviomago || .sacrarum literarnm studioso. || Mogviiliac, Ex Offtcinn Gnaparis |{
Behem. Anno 1585.
Uoirorsitätsbibliotbek älünchcn. 4®. Math. .‘100. 40 Blätter.
25) New Kalender. 1| Von rerbe.<»eruiig des Kirchen Kalenders, ron || Veränderung
des Gregorianischen newen Uster Circkels, |j rud von etlichen der geordneten newen
Jarzal. Aiiff al- || lerley des gemeinen rolcks lästeruugeu vnd cinreden I1 antwort vnd
bericht. j| Darneben resolviertc Tabulae vnd Canones von schalton- || gen, excess vnd
anticipatione Ae«|ninoctij, Ueuulntioue Solls, von anfaug 11 oder ciiigaug des Astro-
nomi.schen newen Jars. Das ist, wann die Soun || im Merzen den ersten puuet des
Zeichen Widers erreichet || Extendiert vnd erstrecket biss auff das 1620 || Jar Christi |;
Gestelt, durch .lohann Rasch |l (Vignette; Astronomisches Bild.) || Gedrnckt -zu
München, bey Adam Berg. |) Anno M.D.LXXXVl.
Staatsbibliothek München. 4®. Cbrig. 1-50 2:1. 24 Blätter. Vgl. K alten brun ner ■'>34.
Pas Büchlein ist abgesehen vom Titelblatt identisch mit N. 16.
26) Christliche Erinnernng || Zum Newen Jar || VOm Alten vnd Ne- || wen
Calender, Wer sie Erstemals || erfunden, wenn, wer und wie offt sie gcendert, was
die jtzige || Trennung genrsacht, welches vnter dem Alten Vnd |l Eevren der beste,
wie man wider zn einer richtigen ein- || treehtigkeit kommen, vnd sich vnter des
ein Christ gegen Gott vnd II seiner Oberkeit, mit gutem Gewissen recht vnd wol ,j
verhalten kan vnd sol, kürtzlich || Zusammen in eine Piedigt verfnst || Durch
M. Zachariam Hinan drum der Herrschatft |l Hilrerstein Superintendenten, vnd
Pfarherreu || zu Forst etc. || (.Vrabe.ske.) || Wittenberg. || Gedrnckt bey Matlhes Welack.||
Anno MDLXXXVI.
Staatsbibliothek München. 4“. Hom. 1872. 4 Blätter 70 Seiten.
Anf der Uückseite des Titelblattes ein lateinisches Geilieht an Kivauder von Martin Hholer.
In der Wi-Imnng an die Pfarrer, Uiaconen und Schuldieoer in der Sniierintendenr der Herrschaft
Forste and Pfürdten sagt Rivander: Ich bin zur Superintendentar von den Grafen Johsnn, Abraham
nnd Joachim ron Biberstein berufen. P.innächst iverdc ich eine .Saperiiiteiident- und Inspections-
ordnnng" auf Befehl derselben veröffentlichen. Da mir aber diese Schrift, die ich vor meiner früheren
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Gemeimlir als Predigt rortrag, gerade gedruckt ron Wittenberg znkatn, boecbloes ich, «ie Euch als
Autriitserklarung meint's Gcmütea zu widmen. — Itivander zählt dann noch eine ganze Reibe ron
Schriften, die er verbifentlichen wolle, auf : eine Ketzerchronik, Annotationes znr ganzen Bibel, Pre-
digten über das erste Hnch Moses, eine Postille, Eiercitinm Theotogicum, Topica historiarum mundi,
Aiinales, Calendarinm historicnm, Pastorale onomaatico-dictionario-tfaeologicnm, Consilia Lnthcri nnd
einen Katechismus
27) Epistol. II Den newen Papstischeu || Gregorianisclien Calender betreffend,
etc. II .\nno 1583 im Monat December, zu || Wien in Oesterreich in der Landständc ||
vcrsamminng vberantwnrtet. |{ Denen Wolgebornen, Edlen vnd Go- |I strengen Herren,
Herrn Niclnssen von Buclibeim, Frey- || herrn zu Rabs vnd Grnrabach, Erbdrnckses
in Oesterreich, Her- || ren Wolffen von Liechten.stein, von Niclassburg, auff Willlfera- ||
dorff vml Asclia, Herrn Maximilian von Mämming, zu Kirch- |1 berg an der Püelack
aiitf Sitzeutbal, Herrn Krantzen von Gern, || zn Micbelstedten , Röra. Kay May.
Rathen, vnd einer || Ersatueu Landschafft, dess Ertzhertzogthumbs || Oesterreich vnter
der Enss || verordiieten. H (Arabeske) || Sampt einem knrtzen An.sszng, anss Papst
Gregorij LS. |, zweien Ballen, für seinem Calender gedruckt, Neben nutzer erin- j
nening etlicher fiirnemer Puncten, den Christen zn wissen, || jetziger Zeit, hoch von
nöthen. || Anno M. DLX.XXVII.
Die Eingabe ist unterzeichnet: Datum Wien den 16 decembris am Montag
nach dem dritten Sontage des Advents anno snlntis hnmanse 1583. M. Marens
V 0 1 m a r i n s.
Staatsbibliothek München. 4“, Chrig 150/25. 8 Blätter.
28) ChrLsti vnd Antichristi 11 Ostern, treffen beyde zugleich das || 1583 Jahr,
vnd seind eine erleulcrung der 1| Christlichen Kirchen, welche Apocal. 12. in gestalt |!
eines Schwängern geberenden Weibs, || auff den Monschein ge- || stellt wirdt. .|
(Arabeske) || 1589.
Am Schlüsse: Eustachius Poyssel.
Staatsbibliothek München. 4°. Obrlg. 150/26. 4 Blätter.
29) Neu Kalender. || Das erste büch. || Von Computistischen || kirch Calenders
besserung vnd wunder, von || neues Gregorischen Ostercycli änderung, von astrouo- {|
misch georndten neu ,Iars zeits anfang, der resoluirten tabulen, Cauonen, || Schaltungs
vbermiis.s, ae([ninoctien, reuolntion der tjunnen, vnd alles dess I| wesens zu guter ge-
dechtnns, etlich notwendige bedeucken oder retractation, || denen die hierinn was
geyebt zu sein oder den verwirrten scribeuten, groai- || iien volcks angstlautraäriger
eutsetzung, landgengigen Icsternngen, wi- 1. dersinnigen einredeu, vnforracklichen fiir-
würffen, mit gezimlicher ant- || wort vnud gutem bericht beg^nen zu wissen, last
hatren, gar verstand- || lieh, dicn.stlich vnd nutz, wie volgends blatt weiter innhelt, j|
gestellct durch Joh. Rasch. || (Vignette: Ein Theologe mit dem Osterlamm, gf^en-
Abb. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Wiss. X V. Bd. III. Abth 13
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98
Ober ein Astronom mit dem Astrolabinm, darüWr Sonne, Mond nnd Sternbilder
sowie astronomische Zeichen, deren auch zwischen den beiden Männern stehen.) ||
Tempus enrrit a tempore scientiae et potentiae, || Getruckt bey Leonhart Straub,
in dess || Flirstl. Gottshauss Sand Gallen Reichshotf, || Korschach am Bodeusee. j
Anno MDXC.
StasUbibliothek Mönchen. 4®. Chrlg. 44c. 64 Blätter.
30) Der Weiber Krieg wider den Hapst, || Darnmb da« er Zehen tag aus l|
dem Calender gestollen hat. |{ 1. Weil aber der Bapat zu der fart, || den Calender
geendert hat, || Zehen Tag daraus vns genommen, |i Bringt solchs vns Frawen kein
frommen. || Derentwegen entspricssen thut, || dem Männlichen Geschlecht zu gut. ||
(Vignette; Eine Frau mit Rocken, hinter der ein Adler nnd in der Ferne eine Stadt;
rechts von ihr die Strophe 2., unter ihr 3., links 4.) || 2. Zwo Marterwochen in dem
•lar, II Seins erschrocken wir Frawen zwar, || Dan wir im Jahr viertzehn Tage |1 Das
Regiment nicht sollen haben. || 3. Uerhalben ohne zweiffel ist, || Wir werden sein
bedacht auff List, || Wie man doch solches möcht greiffen au, || Bapsts Calender zn
wider stahn. || 4. Weil es gantz vnd gar ist vnrecht, || Das doch die Menner bleiben
Knecht, || So hab ich dir kürtzlich vcmielt, || Wariimb dieser Krieg ist angeatelt. ||
Gedruckt im .lar, M. D. XC.
Bibliothek WolfenbiUlcl 4®. Qacnllib. .‘KW. 6 Blätter. Vgl. Kalteubrniiner .V29.
31) Sr/J/H'/n/io II Jiccfosiflsfica II Seenudum novam et antiqvam || Calendarii ratio-
nem II lluic accessit || Tlteoria Culatdariwum \\ AvOiore || A. Romano L. E. A. |1
(Wappen.) || TTirfe&trijri [| Apud Georgium Flelschmaiin .Anno 1595.
Staatsbibliothek Mönchen. 4“. Chrlg. SOp. 2 Blätter .V2 und SO Seiten.
32) Iteformierter Reichs Calender: ü Oder || Ein Newes kiirtzwci- || liges Ge-
spräch, vom Alten vntid Newen || Calender, welcher der rechte seye : || Folgendts
welche parthey recht daran thne, || die, so es mit dem Newell, oder aber die es [|
mit dem Alten Calender haltet. || Dem Einfältigen zn Nutz vnnd gutem, wider alle ||
Calenderschender, ziisamen getragen vnnd in Trnck geben. || Durch || M. Jacohnm
Hornstein Acronianum. || Genesis 1. || Es werden liechter im füruamen dess Him-
mels, vnnd scheiden || tag vnnd nacht; vnnd seien in zaichen vnnd in zaiten, vnnd
in II Tagen vnnd Jaren. || (Vignette.) || Getruckt zu Ingolstntt hey Wolfgang Eiler. (I
AnnoMD. XCVI.
Am Schlns.se : Cnm licentia Snperiornm,
Staatsbibliothek Mönchen. 4®. Chrlg. 41m. 20 Blätter.
Wilmong an Johann Habisreittinger, genannt Costanier im Thal, J. Ä. Dt. tn Oesterreich
Hath und oberster Salzfactor Innthalcr Salzes. Igolstadt 21 März 1.M16.
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Uebei' ältero Arbeiten
Kur
baierischen und pfälzischen Geschichte
geheimen Hans- und Staatsarelnve.
Von
Dr. Ludwig Rockinger.
Dritte un<i ScMQt>»*Abthei)aog.
Abh.d.lU.a.d. k. Ak.d.Wii*. XV. Bd. JIl. Abth
U
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l'obcr altere Arbeiten
zor
baierischeii und pfälzischen Geschichte
iin
geheimen Hans- und Staatsarchive.
Von
Dr. Ludwig Rockinger.
Eine bedeutende Masse vereehiedenartiger Arbeiten zur baieri-
schen wie pfälzischen Fürsten- und St autsgeschichte bis
um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, welche sich ini ge-
gehoiincn Haus- und Staatsarchive finden, hat die erste und zweite A)j-
theilung dieses Gegenstandes**’) in ihren 104 Hauptnuinern mit den da
und dort bei ilmen eingeroihten L'nternumem und den in der Note Ifi
der einten Abtheilung®**) besonders zasainuiengestellten Tagebiichem ver-
zeichnet. Theilweise sind es von baierischen Chroniken, wie in den
Num. 48 und 49 des Andreas von s. Mang zu Stadtamhof oder in
Num. 52 des berühmten Sponheimer Abtes Trithemius, Handschriften
wovon man bisher keine oder wenigstens keine nähere Kcnntniss hatte.
Theilweise sind nicht unwesentliche Berichtigungen falscher Annahmen
eingetreten, wie etwa nach der Num. ß.'i bezüglich des von Friedrich
Cliristoph Jonathan Fischer als „Kurfürst Ludwigs V von der Pfalz
reimweiso verfasste Genealogie des Bayerischen und Pfälzischen Hauses“
201) ln den Abhandlungen der hUtoriMhen Claaio Bftnd XIV AbtheiL 3 S. 29— US, B4nd XV
Äbtbeil, 1 8.103-29«.
20B) Am angef Orte Band XIV Abth. 3 S. 34—59.
14*
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102
veröffentlichten Werkes, oder nach der Num. 66 bezüglich des von dem-
selben Gelehrten als „Markward Frehers Blutstaniin imd Si|>p8chaft der
Herzoge von Baiern und Pfalzgrafen am Uhein“ veranstalteten schlechten
Druckes der baierischen und pfälzischen Genealogie des I)r. Wiguleus
Hundt. Zum Theile sind auch ganz neue Schriften in die Literatur der
baierischen Geschichte eingeführt worden, wie — um hier nur ein Paar
Beispiele zu erwähnen — in lat. d der Xum. 62 der zweite Theil der
baierischen Geschichte des au-sgezeichneten Arclüvars Augustin Kölner,
oder in der Num. 61 das Tdteste auf urkundlichen Grundlagen erwachsene
baiorische Stammenbuch, und zwar von Niemand geringerem als unserem
Aventin, oder in der umfangreichen Num. 57 die mehrfach interessante
Umarbeitung der baierischen Chronik des Ulrich Fütrer.
Liegt da wohl d.as Verlangen nicht zu entfernt, einen Gesamnit-
eindruck von diesem Stoffe zu erhalten, namentlich auch mit
Uücksicht auf das Verhältniss zu den sonst bereits allgemeiner
bekannten Gescbichtserzeugnissen jener Zeiten, wie ge-
staltet sich dieser ungefähr ?
Im grossen Ganzen ist schon bei der bisherigen Aufzählung eine
allgemeine Scheidung mit Bezugnahme auf den Haupt-
inhalt getroffen worden. Es fällt ein nicht imbctrüchtlicher Theil in
di(* gleich in der ci-stun Abtheilung schon in den Num. 1 — 20 ein-
schliesslich an die Spitze gestellte Gnippe von Schriften die so zu sagen
als Genealogien bezeichnet werfen niögeii, wozu noch weiter an die
Num. 68, 80 — 82, 83, 87, 96, 101, 102 gedacht werden kann. Andere
beschäftigen sich sodann mit einzelnen fürstlichen Persönlich-
keiten von Baiern wie von der Pfalz oder mit irgendwelchen
bemerkenswerthen Ereignissen aus ihrer Herrscherzoit,
wie die Num. 21 — 40 einschliesslich, 69, 91, 93. Einige auch befassen
sich mehr oder minder mit dem Gebiete der Geographie, Topo-
graphie, Statistik, wie der Ortsgeschichte, beispielsweise die
Num. 41 — 46 einschliesslich, 76, 78, 84, 88, Endlich — und das ist
gewiss das wichtigste — begegnen uns Darstellungen der baie ri-
schen wie pfälzischen Geschichte selbst, sei es über klei-
nere oder über grössere Zeiträume.
Dass die genealogischen Schriften in ziemlicher Zahl vor-
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103
handen, kann nicht Wunder nehmen. Abgesehen von den älteren wie
jüngeren Familienliehhabereien auf diMein Felde war inan ihrer vielfacli
zur Befriedigung geschichtlicher Bedürfnisse und gerade
auch für das Herrscherhaus in all seinen Verzweigungen wie für diese
und jene Staatsangelegenheiten zu sehr praktischen Zwecken he-
nöthigt, wie etwa hei Heiratafragen und in Krbschaftssachen wie naincnt-
lieh Erbfolgeangelegenheiten, an welchen ja in Baiern wie in der Pfalz
Jahrhunderte hindurch kein Mangel gewesen.
Soll bezüglich der 11 eirnt.sfragon hier nur ein Beispiel aus
späterer Zeit angeführt werden, so mag man an die Zu.sanmienstellung
der Vereldiehungcn von Gliedern des haierisclien und österreichischen
Hauses denken, welche l>ei Gelegenheit der Verlobung des Kurprinzen
Karl Albrecht mit Kaiser Jos*iphs I Tochter Marie Amalie im Jahre
1722 gefertigt wurde, die sich im geheimen Hausarchive auf einem
Grossfoliobogen findet. Seine erste Seite füllen acht „Conjugia SerenLs-
simue Doinüs Bavariae ex Serenissima et AugustLssima Domo Austriaca“
von Ludwig dom Strengen mit Kaiser Budolfs I Tochter Alechthilde im
Jahre 1273 bis eben den Kurpiinzen Karl Albrecht: nuptiae celebrandae
venturo meuse Octobri anno 1722. Seine dritte sechs ,Conjugia Sere-
nissimae ac Augustissimac Domüs Austriacac ex Serenissima Domo Ba-
varica“ von Kaiser Albrechts I .Sohn Otto cognomento Jucundus mit des
niederbaierischen Herzogs Stephan Tochter Elisabet im Jahre 1312 bi.s
Karl II mit des Kurfürsten Phili|ip Wilhelm Tochter Maria Anna im
Jahre 1 fiOO. Die zweite Seite ist der ,Consanguinitas tarn ex Sanguine
20U) Vielleicht darf hier auch auf daa intcreesaote ,Tnmaa&f>vor»clirc)blicbe in dt'r Teutschen,
alten, Tnd neuen Reichs Htstoria vnd in dem wahrem interease de« mehr als aUerglorwirdigiston
Krzhausee (>e9terreich tief gegründie guettachten, dass in der vorse^'eoteD Vermählung der gnädigiaten
Erzhorzogin Maria Josepha Tornemblich auf den dorcbleichiigistcti Chor-Prinzen aus Bajm zu rcflcc-
tieren seye*' aus dem Jahre 1717 aufmerksam gemacht sein, welche« in zwei Exemplaren im ge-
heimen ätaatsarebive vorhanden ist, und bezüglich dessen Kurfürst Maximilian Einanael in einem
Erlasse an seiocn Gesandten Franz Hannibal Herrn t. Mörmann am kaiserlichen Hofe zu Wien vom
5 November 1717 auasert, er habe sich über diesms demselben vom 601.1121. 175.71.61.9.20.^:3.
(Grafen v. Ntxstiz) communicirte und dem letzten Berichte •bejrgeschiossene tractätl vmbständig refe-
rieren lassen, vnd ain so anders hieraosz vmb »o lieber vernobmmen, als scheinet, dass sich noch
ville fanden, die beeder durchleichligister h&uscr interesse zubeobachten beflissen“ seien: du hast
dannenhero — wird hieran geknöpft — dem 601. 1121. 175. 71. 61. 20. 83. (Grafen v. Nostiz) in
voserem Nammen ein hufliehes complimcnt wegen seines goetten Vertrauens abzulegen, vnd selben
vnserer achtnug vnd alles goetten zu versicheren. ,
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104
Bavarico quam Auatriaco Serenissimi Sjwnsi Caroli Alberti, Priiicipis
Electoralis Bavariae, cum sua Serenissima Spousa Maria Amalia Archi-
ducissa Austriae“ von Kaiser Ferdinand II und seiner Gemahlin Maria
Anna an, der Tochter des Herzogs Wilhelm V und Schwester des Her-
zogs und Kurfürsten Maximilian I, gewidmet, au deren Schluss mit
lauter grossen Buchstaben bemerkt ist: Vivant! Floreant! Perennent!
Im übrigen kann auch der baierischen und pfälzischen Verwandtschafts-
tafeln hier gedacht werden, wovon in der Xum. 14 unter Lit. a und b,
in den Num. 15 und Ifi, weiter nachher in den Beilagen I und II
die Rede.
Werfen wir sodann gleich einen Blick auf das andere Gebiet,
so unterliegt es schwerlich einem Zweifel, dass die zwei Stammbäume
zu der in Num. 53 erwähnten Uebersicht der baierischen Landestheilungen
von Augusti)! Kölner ans dem Jahre 1503 mit Rücksicht auf die Vei--
hältnisse bi‘im Tode des Herzogs Georg des Reichen von Niederbaiern-
Landshut gefertigt sind, wenn dort gleich in der Ilauptübei’schrifl die
Bemerkung „künftiger erbuäll halbOn“ oingeflo.ssen ist. Ganz unvei--
kennbar tritt dieser praktische Gesichtspunkt auch bei zwei baierischen
und pfälzischen Stninuibäumen hervor, welche Johaun Sebastian Wilinpl
einer grösseren im geheimen Hausarchive erhaltenen Abhandlung aus
dem Jahre 1672 über eine Reihe von Ansprüchen des KuiTüraten Fer-
dinand älaria gegen das pfälzische Haus der Wittelsbacher®'®) beigefügt
hat, auf welche er sich daselbst S. 10 und 47 beruft. Der eine®")
reicht bis zum Kui-füi'sten Karl Ludwig, und es heisst an seinem Schlüsse:
Hierausz zu ersechen, das IhiX) Chmfüi-stl. Durchl. Ferdinand Maria,
vnseriii gnädigsten Horn, der yetzig regierente Hertzog von Neuburg
uinb ainen Grad nächner verwandt alsz der Churfürst von Pfaltz Carl
Ludwig. Der andere®'®) berücksichtigt noch dessen Sohn, den Kur-
210) Ihre Keinschnft ainfnsBt lialbbrUchig gescliricbcD« Seiten auf (unf je zueAmmen^ebef'
t'ttcn La^'en von fi, 0, fi, 6 Bogen in Folio.
Der Haapititel lautet: Information wa.n auf ableiben Ihr füratl. Durchl. Hertzogeii Älbrechti».
Henogen in Bayern bochsciUgjjiter getiechtnnB, so ein Sohn Herzogen Wüheltna gewest, anlezto von
Dero iniradeo Ihro Churf. Durchl. Fertünancl Maria, meinem gnihligi^ten herm al« regierenten
LandtsfÜrsten in Buym hainibfahlen. rnd wasz hingegen hts^liHtgedachten Herzogen Albrecht« herni
Söhnen Chur« vnd fiiretl. Durchl. erblich zucstehen wirdt.
211) CbufBayriache linj gegen Cburpfaltz rnd Pfaltzneuburg.
212) Stawen wie Chur*Bayrn vnd Pfaltzneuburg gegen (linr|»falti verwandtet.
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105
lirinzen Karl, und an aeinoni Sclilusse ist bemerkt, dass aus diesiuu
„Stamems EntwurfF“ hervorgeho: das Chur-Üaym zu dem Chur-Pfiiltzi-
schen Prinz Carl uinb ainen grad nächner alsz Pfaltz-Neuburg verwandtet
seye. Nicht minder kennzeichnet sich der in Num. 17 aufgeführte pfäl-
zische Stammbaum gleich in seiner Uebersehrift , Genealogie Principum
Palatinorum ab Imperatoro Kol>erto III eorumque maxiine quos refcrre
opus est ad praetensiones Dominae Principissae Aurelianensia“ zur Cenüge.
Ebenso die grosse „Genealogie historiipie des Princes Palatins du llhin“
der Num. 19, wenn man beim Herzoge Leopold Ludwig aus der Linie
von Veldenz liest: c’est colui de la suecession dont il s'agiL Oder die
in Num. 20 berührte genealogische Vorstellung des von llertzog .Stephano
Pfaltzgraffen descendirenden jetztmahligen chur- und fürstlichen Hauses
der Pfaltzgraffen bey llhein und des darinnen secundum pacta et dispo-
sitiones biazher üblich geweszenen imterschiedlichen Ordinis succedendi.
Weiter mag daher noch die Heihige HI ziihleii.
Aber auch noch etwas anderes kommt sehr in Betracht. Man war
— was in den Zeiten des Mittelalters wie auch noch später aus pecu-
niäron und anderen Gesichtspunkten nicht unterschätzt werden darf —
solcher genealogischer Behelfe für den auf mehr oder weniger Ahnen
beruhenden Nachweis zur Befähigung des Eintrittes in höhere
geistliche Pfründen an den Erz- und Dom- wie anderen venuög-
lichen Stiftern tagtäglich benöthigt. Gerade dieser Umstand war häufig
mit Veranlassung, und zwar nicht die letzte, zur Entstehung und Samm-
limg genealogischer Verzeichnungen. Je umfassender dieselben waren,
und je verlässiger man sie gleich fertigte, desto leichter war dann in
späteren Zeiten, für welche sie gewissermassen eine naturgemässe Grund-
lage mid Voraussetzung geworden, ihre Benützung eben für einzelne
praktische Fälle der geistlichen Versorgung insbesondere der nicht über
ein Hei-rschergebiet verfügenden oder sonst mit grösserem Güterbesitze
ausgestatteten Prinzen. Wir haben schon in der ersten Abtheilimg S. 38
unter Lit. b gesehen, wie eine Reihe von Aktenstücken und Ahnenproben
zu Präbendon des Erzstiftes Köln und des Hochstiftes Strassburg für des
Herzogs Johann II von Simmem- Sponheim Söhne Georg und Reichard
mitten in einen Sainmelband des geheimen Hausarchives gerathen sind,
der sonst genealogische und geschichtliche Arbeiten enthält.
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106
Es veranschaulicht gerade die doppelte Richtung, die Liebhaberei
oder auch wirklich ernste Beschäftigung mit Genealogie
und die praktische Rücksicht, kaum etwas lebendiger als die
Einsicht eine« anderen Saiumelbandes in Folio mit dem Titel „Genea-
lügiae“ wieder aus dem 16 Jahrhundert« in Folio im geheimen Haus-
archivo. Er bietet — zweifelsohne aus dem Besitze des eben berührten
Herzogs Johann und seines Sohnes Reicharil stammend — in seiner ersten
gWi.sseren Hälfte abgesehen von einer Reihe von sorgsam je auf der
Vorderseite eines Blattes ausgeführten Nativitüten '■*'*) haujrtsächlich Cor-
respoiulenzen und Aktenstücke zu Ahnen))rol>en der vorhin genannten
Ilei’zoge Gt!org unil insliesondere Reichard für den Behuf der Er-
langung geistlicher Stellen beisjiielsweise am Flrzstifte Köln wie am Stifte
B. Gereons daselbst und am Hochstifte Strassburg aus dem zweiten Vieidel
des 16 Jahrhuuilerts. Auch in seine zweite kleinere Hälfte hat sich noch
derartiges verloren, aber die überwiegende ^lehrzahl dieser Hälfte bildet
ein vielverzweigter Briefwechsel dos genannten Herzogs Reichard®'^) vor-
21H) Den Anfang,' bUden die des Kaisers Karl V aml des nimisch^n Königs Ferdinand. Dänin
reiben sich sodann folgende:
Figura geniture ducis Johannis janioria comitia palatinj Reni et in Spainheyn. ftlij (|Honden
dneU Jotiannis senioria. Qui nascitor in Biemem anno domin. jncarn. 1492, inartij mense, die 20,
bora Id, minnto BO.
Natiuitaa Katherinc filie mee — nämlich des gerade aU jnnior erwähnten Uorsogs Johann 11
Ton Simmem^Bponheim — qne nascitor anno I.jIO, menae roartij, die 27, hora 0. min. 0.
Natiuitaa Johanne fllie mee, qnc nascitur anno 1512, jnlij menee, die 10, hora 0, min. 0.
Natioitas ülie mee Otilie, qof naacitnr anno 1.MB, nooemhij mense, die 23, hora 21, min. 0.
Dqx Fridericu» filia« meoa naacitnr anno 1.M.5, febmarij die 14, hora min. 2ü.
ürigitU filia inea nascitar anno yoininj l’ilH, in augnsto, die 17, hora 10, min. I.l.
Dqx GeorgiuN Ülius mens nascitar anno 1518, febnuirij menee, die 2.5, hora 19, min. 41.
Elisabet filia mea. que nnpta foit Comiti Georgio ab Krpach, nascUnr anno 1.520, febraarij
mense, die 12, hora 18, min. 0.
Dqx Rjrehardus Ülius mcas nascitur anno 1521, julij niense, die 25, hora 3j mio. 30.
Maria filia mea legittima nascitur anno 1.524. aprilis mense, die 29, Imra 3, min. 49.
Wiliielmus filias mens nascitur anno 1526, jalij mense, die 4, hora 11, min 30.
Sabina filia mea. que nupta fuit Comiti Adiniraldo de Egmont, nascitur anno 1528, jonij mense,
die 13, hora 2, min. SO.
Helena filia mca nascitur anno dominj I5:t2, junij mense, die 13, hora 2, min. 1.5.
214) Er war, da ihn das sogleich zur Sprache kommende Stift s. Gereons in Köln als Cano*
niens annahm, nach einem Schreiben dahin vom 16 Jänner 1545 bereits „Dhumblicrr der hohen stifft
Coln, Strasburg, Meint*, Hamberg md Spe.^T".
215) Schon in dem in der vorigen Note berührten Jahre 1.545 hatte er seinem Vater „ein alt
Bchritft^'zugeschickt: vsi einer gar alten geschribenen Cronica, vnd sagt von dem Beieriachen geachlecbt.
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1Ü7
zugsweise mit dem Hei7.oge Johann I von Zweihrücken, mit dem Doctor
der Keclite und kurplalzisclien Itathe Jost Keulx^r zu Heidellterg, wie mit
anderen Ijolien und niederen Persönlichkeiten aus dem letzten Viertel
des IC Jahrhunderts®'®) über verschiedene genealogische®'^) und heral-
216} Folgende Andeutangeo aoa den Jahren 1579 bis 1591 mögen hier genügen:
1579.
Am 3 August Qbenchiekte Henog Reicbard dom L>r. Reuber, da ihm diese Mittbeilung lu
seinem ».Torhabendcn proposito Tiid euuserer der Pfaltzgrauen Genealogia fürtrogticb** sein dürft«,
in der Beilago „die Historiam Tonn woilantt herzog Ernsten Pfaltxgrauen etc. seligen, welcher nach
seiner seltzaamen volbracbtenn ScbielTartt Ezo genant“ worden, welche er „ron einem Mnuich,
Johannes Siluanus, des Closters iw, s. Marthin zw Coin Kellernn, im Closter liranwsilor, das von
Ffaltzgranen fundirtt. zw wegenn gebracbtt^*. Wiewbol wir nun — wird daran geknäpft — solche
historiam ror etzlicb rnnd zweiitzigk Jharen ron dem Closter Dranweiler mit etwas merern rtnb-
stendten abz in dieser beschreibung gedacbtt wurtt, sonnderltch aber des Namens Etonj halb auch
bekhumen, rnnd dieselbe auch weiluntt ronsenn fürstl. gnedigen lieben herm rnd Vattern hertzog
Jobannsen Pfaltzgrauen etc. chrbtseliger gedeebtnusz zwg^teltt: so habenn wir doch, dieweil in der
bistoria keines Ezonj gedacht wirt, rinb merer dissi‘8 Namens Erkundigung diesem Mtuiich abermall
Khreibenn laasenn. Was rnns non derselbig geantwortt. das betin«)«sta ebenfals beyligentt, wie dw
dich dann vez den Prinilegien so wir dir hiebeuom bie zu Simern jun einem gebundt seibsten zu-
gesteh zuerionern. das dieses herzog Ezonj Namen jn des Closters Masimini Prinilegio einem ge-
dacht wirt.
Da hier schon der Antwort des Klosterbruders gedacht ist, an welchen erst am 10 August
geschrieben wurde, ist wohl dieser Brief des 3 August erst später umgeschriebeu worden, wie wir
auch bei dein vom Jauner 15-Mi in der Note 2*JU S. 111 sehen.
Am lu August ertlieilt der Herzog den Auftrag, aus seiner Kanzlei an den erwähnten Johanne«>
Bilranus nach KOlu zu schreiben, dass sein Buch nicht mit dem „jn dem scripto vnd der Verzt'ichnis
welchs er für ctlich vnd zwaintig Jaren von dem Closter IlFauweiier znwegen gebracht“ Überein-
stimme, und er dcsshalb das Buch selbst schicken solle.
Am 0/9 Oktober dankt Dr. Reuber dem Herzoge Reichard für die schon mehrmals ihm ..zu
seinem turhabeuden werck Seiner fdrst). Gnaden vhralten hochloblichen Hauszes der itzigen Pfaltz-
grauen l>ej Rhein genealogi“ geroaebten Zusendungen.
15«l.
Am 14 29 März dankt Dr. Jost Reuber dem Herzoge Relcitard, der sieb das in Rede stehende
Genealogiewerk so angelegen sein lasse, für den am 14 Februar zugesendeten genealogischen Abriss,
aus welchem er mit Vergnügen entnommen, dass „ex priuilegijs Monaslerij Schonouiensis zubeweren,
das Ottonis von WitteUpacb. der die Pfalti b«)' Rhein wörklich an das bausz Bayern bracht vod
beseszen. gemaldin nicht Gertrndis («io sie von etlichen hUtoricis genant winlt sondern Agnes go-
iidszen“ habe, welcher Meinung er zwar jederzeit gewesen, auch dieselbe durch die .Mehrzahl der
einschtagenden Geschichtschreiber zu bewähren gewusst, während er „doch deszwegen kein alt instrn-
mentum diploma oder prinüegium antzutzieben“ gehabt.
All) 4 April beantwortet Herzog Keichard dies« von zwei .Beylagen. vnoserer der Pfalttgrauen
Genealogiam belangend* begleitete Zuschrift mit dem Bemerken, dass er in der Registratur des
Klosters Lombde habe nacbsucbcii lassen, in Folge wovon er eine Abschrift eines Stückes inittheiit,
woraus der Adressat •abermall vernemen“ werde, dass „Herzog Ottunis Gemahclin Agnes vnnd nicht
Gertrudis geheissen haben“ soll. Ob aber — knüpft der Herzog Ideran — disscr Otto von Wittels-
Abh. d. III. a. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. 111. Abth. 15
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108
dische wie dahin mehr oder weniger einschlagende Gegenstände, na-
mentlich für ein grosses genealogisches Geschichtswerk des Wittelsbach-
schen Hauses, welches et)cn von dem Herzoge Johann wie nicht minder
pach genant worilen, wirstu dich vngezwmfTelt tsz der Oenealogia berichten können. Wir babens
keinen gmndt.
Am 27 April dankt Pr. Renber fQr die Za^chriften rom 4 and 10 April snmmt deren Beilagon,
wUnscht ein Werk, aus welchem ein ICxtraet niitgetheilt wonlen, in der Vermnthung, dass selbes
Hallerbaml lu dem forhabenden genealogigcschefft dienstlich“ enthalten dürfte, and bittet den Fürsten,
dass er »wie biszanher stattlich liescbehen, auch hinfurtcr angeregt genenlogi werk gnedigikh be>
fördern helffon“ tndge.
\m.
Am 1 Jänner verlangt Kurfürst Ludwig VI zn seinem „vorhabenden genealogiwerckh“ als einem
Werke „das vnnserra gemeinen löblichen hausx der Pfaltz zu Ehren von vnns fürgenommen worden*
vom Herzoge Keichard die „warhafftigen Contrafejtnngen Prägten vnd Kbieidungen“ der in einem
* anliegenden halbbrQchigen Verzeichnisse aufgeführten fürstlichen Persönlichkeiten sainmt denen des
Herzogs Keichari selbst and seiner beiden Geroahltnen, von jenen „Conirafejrtungen aber so nicht
khönncD vberschickbt werden“ bestmögliche Abmalung.
Am 7 Februar übersendet der Herzog unter Rückleitung des theilweise abcorrigirten Verzeich>
nisses die Copien der Porträte die er za Banden bringen konnte mit darauf gerichteten Bemerkungen
und dem weiteren Anfägeu : Wir können vnsz gleicbwoll crrlnnoro, das wir vtigcrcr fürfarea ein gölte
anzall, wie auch etlicher Zweibruckischen Pfaltzgrauen abconterfeihnngen bey weilandt vnaerem gnä-
digen freuntlichtm lieben hern vatterii albio — nämlich zu bimmern — vnd damocii eben dieaelbige
bej Euer Liebden bern Vattern seligen zu Heidelberg gesehen haben. Ob sy aber noch zu HeideL
borg sein, otler ob vnnserö stifffraue mutter selig, die von Otingen, solche mit jr hinweeg gefurtt,
können wir nit wissen. Einmal wissen wir woll, das nj förliandon gcwosim sein.
Am 14/L5 August schreibt Herzog Reichard dem Dr. Reuber, dass seine Baiie Dorothea Gräfin
von Ortonburg, geborne Gräfin zu Hanau, gerne Jbr 16 aneben von Vatter vnd Mutter bewiessen
sehen“ rouclito. und sendet ihm diese Beweisung mit seiner eigenen ers bereits abmalon
lassen“ mit dem Auftrag«: Nachdem aber disso be/gefögte zwo mderschtedtlicbe Beweisungen nit
allerdings miteinander vberoin stimmen, vnd du dann bis noch mit dum bewusten Geuealogiwerckh
vmbgehen thust vnd dasselb vnderhanden hast, als halten wir dafür, da werdest lekhtüch dorans
kommen vnd solche 16 Aneben nach der Ordnung wo! finden könn«^n.
Nach einer Verzeichnung vom lA August waren die Beilagen dieses Schreibens:
1) iü Wappen illominirt,
2) zwen vnderschiedtlicbe Beweisz meins giwligen FörsUm vnd Herrns,
:t) zwo geschriebne Genealogi so mein gn. Fürst vnd Herr mit eignen banden gc-
schrieben.
Am 28 AugQSt/26 September erklärt Dr. Reuber unter Rückleitang dieser Beilagen als seinen
Befand: obwoU angeregte Beweiszungen nicht allerdings mitteinander vbercinstimnien, dass doch die
seebszehen Aachen tn irer onlnung durch die wspen r'cht gesetzt sein.
Am dO September dankt Herzog Keichard, und nimmt das Anerbieten des Dr Reuber an, da
er „der vor lengst abgestorbenen Herzogen von Meissau vnd der berru von Erckell Wappen“ nicht
habe, ihm dieselben abreUsen und zukomincn lassen zu wollen.
1587.
Am 1/18 Februar bittet Herzog Johann 1 von Zweibrücken den Herzog Keicliard, ihm von den
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von dem Kurfürsten Ludwig VI der Pfalz beabsichtigt wurde, und wovon
jedenfalls das letztere auch mit einem mehr oder minder beträchtlichen
Schmucke von bildlichen Illustrationen’*'®) ausgestattet werden sollte.
|)fahg^ichen and andfreo Genealogien, di« er vor einem Jahre ab er ihn hesacht in einer bc-
»ODderon Kiate ihm cnit2uf;ebcn bereit gewesen, die er aber damals nicht habe mitnvbmeD kennen,
die in einer eigenen noch bei den Akten liegenden Resignation — rgl. Rockinger, die Pflege der
Geschichte dorch di# WitteUbacher. in der Beilage II S. (18 big 20) — veneichneten Numem lom
Behuf# für das bewusste [genealogische] Werk zn übersenden.
Am 2 Mai geschieht das.
Am H/21 Mai erfolgt das Dankschreiben fhr diese Zasendung mit dem Bemerken: Wöllen die»
selbige ta mnterm vorhabenden werckh gobrauchen-
l.VJl.
Unter den Produkten einer Correspondeni Über einen .Otto vonn ürüsEcIl Herr in Polanden
rund ein Truchsäsz desz heiligen Reichs* stossen wir auch in einem Schreiben des Herzogs Johann I
von Zwpibröcken an den Herzog Keichard Tom 8/7 April auf folgendes: Nachdem vnns ronn vnnserm
bey Euer Liebden neulich gehabtem Hbat PcMtor Hanns Henrich Schwelteln rndortheniger bericht
beschehenn, das» sich E. L. gegen jhtn# vernemmen lassenn, dass sie vnns, da wir es begeren wunlen.
ettUche böcher, darinnen allerhandt alte Wa|ienn gemahlet, freundtlicli verehren woltenn, alszo haben
wir darntr nit vnderlaszen mf^nn, E. L. darumb freundtlicb zo ertnehenn vnnd zu bitten. Wofermn
nan E. L. nacbmalo der meinung, mnd vnnsz angeregte Bücher zo den vnn» liiebeoor verehrteon jnn
vnnsere new angestelte Bibliothek zakominenn laszen können, darumb wir diesolbig dann bieinit gantz
freundtlicb gebeiten habenn wollenn, beschicht vnns daran vonn R L. etu sonder angenehme» froundt*
liebes gefallen, so wir vmb dieselbe vfT zutragende gelegenheit jn gleichem vnnd mebrerm widerumb
zuuerdienenn vnuergeszenn sein woUenn.
Am 12 April antwortet Herzog Reichard : Souiel dan die Bücher, darin allerhandt alte wuppen
gemahlet, deren wir gegen obernentem E. E Hhat l>r. Schwebein in neulichkeit gedacht, betr^lfen
tbnet, haben K. L. dieszelbige bescheliencr Vertröstung nach in einem verschlossenen Kistle hieinn
ruompifangen, freundlich E. L pittende, weillo wir dieselbige bei der hanüt auch gerne haben wollen
riid E. E. ohne das einen Mahler bei dero boffstatt stetiiga erhalten. Sie wollen dietelbige wappen
abmahlen, vnd vmis die vnserige — beneben wa;< sie der hern von Polaiidca halben Rir fernem Hr-
rieht cinnehineti werden mit gelegenheit hierneehst aiihoro vnbeschwert wiederumb zukommen lassen.
ln der Empfang»l»estatigung endlich vom 14/16 April hei»st cs: Dasz vnns dann £. L. die
viilengstenn vertröstete Bücher, welche wir nach ausweysung jnnliegender verzeichnus empfangenit,
zukhommenn laszenn. daruor Migenn wir E. E. freuudtliehcnn danckh; rnndt ob wohl weniger nit,
dasz wir einen Mahler, der solche bücher abmahlenn kann, das wir jhme auch zubefehlenn nit voder-
laszenn wölleno, sp ist es doch an dem, dasz derselbig jetztlmehls mit abmahlung allerhaodt alttenn
Pfaltzgrauischen Epitaphien, so vnns ausz dem Land zu Bayern zugeschicket, souiell zuthun, dasz e»
jnn eil nit gcflchclietm kban; gesinneu derowegcuii freuodtvetterlich. E. L. wöllcnn jhr die teilt, so
darufif gehenn wirdt, weil der Bücher vnndt wsppcnn ziemlich viell, nit zugegenn seinn laszenn.
Vif den Pall aber E. L. all solcher bücher jnmittels eines oder mehr bedürftig, sollen sie derselben
jo«]erteit gutwillig gevolgt werden.
Das Venteiebniss, dessen gedacht worden, liegt bei. Vgl. Kockinger, die Pflege der Geschichte
durch die WitteUbacher, Beilage III 8. (21).
217) Vgl. die Note 216 S, 107—10».
Es kann biezu weiter eine längere Correspondenz wegen einer Stolberg'scbeu Geoealogie aus
den Jahren 1580 — 1586 angeführt werden:
15*
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Es kreuzen sich bisweilen in tlieser Con’espomlenz die Scliriftstücke eines
und desselben Zeitraimiea über geschichtliche Fragen wie zu vor-
zugsweise praktischen Bedürfnissen. Konnte ja leicht eine
im 5/7 Dezember 15S0 bat Chrütof Graf tu Stoiber^, KOni^teio, Rocliefort an<l Wernigerode
ans Scbloa« Kunigstein seinen Schwager Herzog Keichard, ihm Abschrift deasen zu schicken, was er
darüber rerzeichnet haben soUte« •wieuiel Kinder rnnd Kindes Kinder von weiland der wolgebornen
Praoeo Julianen, gebomer von Stolberg^ (träum vnd Trauen zu Kassaw, Catjtenelnbogen, Sponheim,
seiner freundlichen liebcon Schweiftern rnd gefattcrin seeligen, bei Zeittean Irer L. Lebenn gebom
vnd eiteugt wordenn* seien, da er Willens, dieses Verzeichnias «abmalilen zu laszenn".
Am 7 Dezember antwortete der Herzog, dass, nachdem seine erste Gemahlin Juliana, geborne
Gräfin »"on Wied, verschieden, er, ,acit hcro nichts weiters von Enckcln vnd Vhrenckeln rfgesebriben
noch obseruieret”, dass er aber was er ,hiebeaor gcsamblett* und bei Händen habe gegen seiner-
zeitige Rückgabe nach der Abmalnng auf Königstein mittheile. Ueberdiess werde sein Schwager be-
züglich dieser Sache bei seinem Schwager dem Grafen Hermann zu Wied „ein locupletiorem obser-
□ationeto flnden* können.
Am Juli ].'iS4 verlangte Herzog Reicbard von dem Erzbischof« Wolfgang von Mainz diese
„Genealngiam von weilandt der wohlgebornen seiner anfrawen seligen, frawen Juliana, gebomer von
Stolbe^, Grauin zu Nafuuiw, Catzenclnbogen etc. chriRtmild«'r ge<le<'htnus, bisz utT ihn selbst, roitt
golt vnd Silber iiluminirt*' zum Behufe ihrer Fortführnng mit dem Bemerken, dass sie ihm beim
Tode des Grafen Christof noch nicht wieder zugekominen gewesen, Schloss und Grafschaft KQnigstein
aber von den Vorgängern des Erzbischofea eingenommen worden und noch in seinen Händen sei,
woselbst das betreffende Werk ohne Zweifel gefunden worden und noch vorhanden sein werde.
Am Id Angost sehrivb der Erzbischof, die erforderlichen Erkundigungen einrioben lassen
zn wollen.
Am Id Dezember brachte »einerseits der Herzog die Sache in Erinnerung.
Am 1/d Jänner 1585 antwortete der Erzbischof, dass die fragliche Genealogie noch bei Leb-
zeiten des Grafen Christof von Königsteio weg an „Doctor 8chüBz!ern, alsz welcher mH solchem
werck vmbgangen, hinein gen Stolberg geschickt" und seit der Zeit nicht mehr gesehen worden sei.
Am Id Dezember brachte der Henog unter Bezugnahme auf sein Schreiben vom Juli 1584
und die Antwort des Erzbisehofes vom Id August dess. Jahres die Sache abermals in Erinnerung.
Zugleich beauftragte er am Id Dezember den Christof Molstetter zu Mainz, da die mehrberührte
Genealogie vielleicht einem Maler zu Mainz oder Frankfurt zum Zwecke der Copirung gegeben worden,
desshalb dortselbst geeignete Nachforschungen anzustelleii.
Am 7 Äugost 158C schrieb der Herzog an seinen Schwager Grafen Albrecbt zu Stolberg unter
Berngnahtne auf das Schreiben des Enbisebofs von Mainz vom I/d Jauner 1585, er »olle bei dem
I)r. Schusslcr oder wo immer sachdienliche Erkundigungen versuchim, und ihm, weil er seine«
•dochterlins, frawlin Katheriua Ffaltzgräuin lialb, das noch allein von jrer Mutter — nämlich seiner
eisten Gemahlin — jra leben, dieselbige Genealogiara gern widerumb haben" wolle, durcli den Grafen
Ernst oder den Grafen Christof zu Mannsfeld, die hievon in Kenntnis» gesetzt »eien, zuschieken.
218) Beispielsweise über da* Sponbeini'sche Wappen:
Am 22/26 Februar 1587 schrieb Herzog Johann Kasimir, Vormund und der Kurpfali Admini-
strator, auf Andringeo seine* Vetters Herzogs Karl dem Herzoge Retchard bezüglich de» berührten
Wappens, dessen sieh Markgraf Philip]) voo Baden bediene, wäbreod es doch eigentlich dom Hause
Simmern zustehe, und welches er denn als Inhaber der halben hinteren Grafschaft Sponheim in den
diese berührenden Angelegenheiten gebranclien wolle, um Auskunft: wie ea zogangen, oder aus wasz
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Frage die in gewissen Zeiten nur ein gewöhnliches genealogisches In-
teresse hot plötzlich auch eine sehr bedeutende praktische Bedeutung
erlangen. War das letztere beispielsweise der Fall bei Ansprüchen welche
das Haus Siininern in den Aehzigerjahren des 16 Jahrhunderts bezüglich
der Grafschaft Saarbrücken gegenüber Xas-sau zu verfolgen bej^trebt ge-
wesen, so fallen hierauf gerichtete Schreiben eben des Herzogs Ueichard
an Johann I von Zweibriicken wegen der Nassau- Saarbrücken'schen tie-
ne.alogie mitten in den Briefwechsel mit diesem über die Zweibrücken'sche
Genealogie-*®) zu rein geschichtlichen Zwecken, so dass dem letztlierülntcn
V'raacboD Siminern berQrt 8(«nh«iiiiit»ch Wapjten ein Zeittbero recht fcfQhri, vontl bejr wehiii eolebes
am ernten angefanf^en wanlen.
Am 13 Marx beantwortete Herzog ßekbard diese Znuchrift dabin, da*» zwar Dr. Rcnber be*-
seren Bericht werde geben können als er selbst; machte ab>r, um nicht unwilHährig zu i -heinen,
ZQgleieh eine R**ihe von eimtchlagenden Mittheilungen.
21tt) Vgl. au» der Note 216 die Briefe vom 1 Jinner und 7 Februar
Auch auf den Hchloiui der Zuschrift des Herzog» Wübelm V an den Herzog Philipp Ludwig
von Pfalz «Neaburg au» dem folgenden Jahre, wovon nachher 8. 120 die Rede, kann hier ver-
wiesen sein.
220) £» mag hier die nachfolgende /usaimni nstelluiig gctiögen.
Im Jannt r 1586 antwortete Herzog Reichard auf eine Reihe von Punkten , ttber welche
Dr. Reuber auf einen kurz vorher «rborschickten luxtract von der Nassawischen Genealogj* u. s. w,
.\n8knnft verlangt
Da indessen beitobt wurde „dissen briff noch ein weil vnabgeschriben zaruck zuhalten, bi*z
Ulan »ich aller Ding gnug*atn erkundigt“ habe, wurde er nach den desfallsigen. Abänderungen ent
am 3 Oktober wirklich abgesendet.
Am 151 Jänner 158H erbat «ich Dr. Valentin Förster zu Wonns för den Belmf eine» Rechts-
gntachton» ,jn Caussa die ürartVehafft äarbrucken anlangendt“ vom Herzoge Keicbard eine Genealogie
der Grafen von Nassau, die er ihm wohl ohne besondere BeKchwerung von stdnem Vetter Herzog
Johann 1 von Zweibrficken werde auswirken können.
Am 20 Jänner erfolgte bereit» die Zuiagt* auf die Requisition derselben und ihre scinerxeitige
UebcrmittluDg.
Am 10 Fcbruar/21 März übersendete Herzog Johann auf einen Brief des Herzog» Reichard
vom 5 Kebruar wegen Irrungen in der ZweibrÜckeir»chen Oenealogte eine solche au» der Hanau'xchen
Kanzlei mit dem AaTugeii, da»» dort wohl nähere Auft-chlüsse za erholen »ein dürften, und dass er
aus seiuer eigenen Registratar, die er „geliebt» Gott so baltt möglich vor die handt zunemen
bedacht" sei, aUcDfall» sachdienliches roittheilen wolle.
Am 17 März benachrichtigt« Herzog Reichard den Herzc^ Johann, das» — obwohl dieser ihm
beim letzten Zusammentreffen in Lautern bezüglich der Na-isau- Saarbrücken'schen Genealogie münd-
lich geäusseit. sie sei vor damals drei Wochen abgesendet wurden — aie bisher noch nicht ein*
getroffen.
Am 26 März/1 AprÜ bemerkte Herzog Johann dem Herzoge Reichard, das» ihm die Verau-
lassQDg nicht bekannt sei, warum der Brief vom 10 Februar mit der Zweibrücken’ sehen Genealogie
ihm erst am 21 Marz zugekommen, und stellt da» Frsuehon, ihn wegen der IrrthÜnter die darin zu
finden gelegenheitlich zu verBtindigeo, damit er selbe dort abändern könue.
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Füi’sten gerade eine Verwechslung in dieser Beziehung begegnen konnte,
wie er selbst am 26 Miirz/1 Ajiril 1589 zu dessfallsiger Entschuldigung
wegen des Missverständnisses an Herzog Kcichard schrieb, es könne „wol
sein, dasz die bemelte Eweybruckische Genealogi an Statt der Nassawi-
schen gemeint geweszenn“.
Wenn nun aber auch die Genealogien verhältnissniässig stark ver-
treten sind, so führt doch gleich der ei'ste Blick in den Inhalt der ver-
schiedenen Arbeiten, die uns unter den Namen Erl)folge, Genenlogie,
Herkunft. Sippzahl. Stamm oder Stammfolge, Successio u. dgl. begegnet
sind, zu der üeberzeugung, dass man es eigentlich im Ganzen zu einem
nicht gar so aus.serordentlich bedeutenden Theile mit Genealogie im
gewöhnlichen engeren Sinne zu thuii hat, sondern dass hier eine
weitere Bedeutung dieses Wortes sich geltend macht.
In sehr vielen Fallen genügte eine einfache Abstammuugsverzeichnung,
gleichviel ob die Personen welche hicfür in Betracht kommen nur n.ach
einander oder unter einander aufgczählt wurden, oder ob auch gewisser-
massen bildlich die Darstellung in einer Stammtafel oder einem Stamm-
baume beliebt ist, entweder ohne jede weitere Zuthat, oder auch häufig
mit Einreihung von Angilben über die Jahre der Geburt, der \'er-
heiratuug. des Todes.
So haben wir ja in der verhältni.s.smässig gewiss nicht übergrossen
Auswahl, welche in den Num. 1 — 20 einschliesslich getroffen worden,
Arbeiten kennen gelernt, bei welchen die Absicht des Verfa.ssers auf
nichts anderes gerichtet gewesen als auf eine solche Darstellung der
Abkunft ohne allen und jeden ferneren Text oder höchstens
mit einzelnen kurzen Bemerkungen die mehr gelegenheitlich
Am *26 Marx/1 April sodann acbrieb Heno;; Johann dem Herzog^e Reichard auf den ihm jetzt
su^ehommenen Brief vom 17 März bezQji^icb der Naa3an'’.SaarbrQcken'9chen Genealo;;ie, sich nicht
erinnern zu können, weiter <iau sie je schriftlich von ihm verlangt worden, noch nach dass jbDfrat
zu Lautern davon die Rede gewesen. Eu mag aber wol sein — knQpft er liieran — dass die bemelte
Zwtybmckiachf Gem*alogi an Statt der Nassawischon gemi'int geweszenn. Letztere winl denn auch
aof das nanmehr «iederbolte Begehren mit dem BeifQgen Qbcrmittelt: wiewol sie nit CompHrt. auch
Tons, ob sie Just oder nit, vnbewuHt jst.
Am 27 Mäiz wurde sie nach einer Bemerkung auf der oben berührten Antwort an Dr. Vorster
Tora 20 Jänner an diesen ubersendet.
Sie liegt abschriftlich sammt dem «kurtzen Bericht wie es mit der Jetzigen Churfarstlicfaen
rialtzUni Anforderung ann die GraueschafTt Saarbrücken geschafTenn*' bei.
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da und dort angefügt sind. So etwa in des Matthias Kodier Umarbeitung
der baierisehen und pialzischen Genealogie des Herzogs Johann II von
Simmem-Sjxjnheim für dessen Sohn Herzog Georg, Nuin. 6. Oder in der
unter Num. 11 erwähnten Arbeit des Jakob Ludwig Beuther. Oder in den
unter den Num. 17 und 18 berührten pfälzischen Stammbäumen. Auch
nocli in späterer Zeit war diese Behandlungsweise nicht unbeliebt. So bei-
spielsweise bei der Stammtafel der Beilage IV, oder bei der in Num. 102
berührten unter dem Kurfürsten Maximilian III Joseph in grossem
Querfoliofonimte gefertigten chronologischen Ehrentafel des baierisehen
Herrscherhauses von Einzinger von Einzing.
Stellte sich hier und dort, das Bedürfniss nicht allein nach der
Kenntuiss der Abstammongsreihe sondern auch nach der Kunde der
mannigfachen Verwandtschaftsverhältnisse überhaupt heraus,
so würfle dieses früher wie später gleichfalls in besonderen Arbeiten be-
friedigt. Man denke in di»?ser Hinsicht nm' an die in der Num. 14
unter Lit. a und b, in den Num. lä mul 16 wie hernach in den Bei-
lagen I und 11 aufgeführten des l)r. Philipp Jakob Siiener, des Johann
Jakob Pilgel, des l)r. Johann Ulrich Pregitzer, des Friedrich Albrecht
Steinheil.
Abgestdien hievon konnten denn auch die seither besprochenen genea-
logischen Daj'stellungen, insbesondere die in der Gestalt von Stammtafeln
oder Stammbäumen, zu bequemer Veranschaulichung der Abstammungs-
Verhältnisse je nach Bedürfniss in andere Werke Aufnahme finden.
Wir sehen das beispielsweise in der unter den Num. 48 und 49 aufge-
führten baierisehen Chronik des Andreas von s. Mang zu Stadtamhof,
mid zwar sowohl in der lateinischen als auch in der deutschen Be-
arbeitung. Der Chronik des Ulrich Fütrer sind in dem aus Tegernsee
stammenden Cod. germ. 225 der Hof- und Staatsbibliothek die Stammtafeln
der baierisehen und pfälzischen Linien des Ilcrrscherhauses vonio bei-
gegeben. Augustin Kölner hat dem in Num. 62 Lit. a — c besprochenen
ersten Theile seiner so zu sagen ausschliesslich auf Urkunden ruhenden
baierisehen Geschichte einen Stammbaum des herzoglichen Hauses Wittels-
bach bis zum Aussterbon seiner niederbaierischen Linie im Jahre 1340
eingefügt, welcher sich auch in der dort S. 207/208 erwähnten alten
Druckausgabe S. 46 findet. Eine zierliche Stammtafel der männlichen
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Sprossen des Herzogs Ferdinand, des Gründers der gräflich Wartenl)erg-
schen Linie, ist in der in Num. 77 b berührten Arbeit des Johann Wümpl
eingozeichnet.
Verlangt man nach einem Beispiele, wie abgesehen hievon die ein-
fache Reihenfolge der Heri-scher nach ihren Stammvätern auch für ganz
andere Schriften l>enfltzt werden konnte, so mag an die Disputatio
politica et historica de dignitate ducum Bavariae Hetruriae Sabaudiae et
Mantuae des Kaspar Scioppius erinnert sein, deren in der Beilage V Er-
wähnung geschieht.
Dem gegenül)er begegnen wir auch bei einer Reihe von hier ein-
schlageuden genealogischen Werken wenigstens kleineren geschicht-
lichen oder sonst erläuternden Beigaben. E-s mag da gleich
wieder an Augustin Kölner’s Entwurf von Stammtafeln des Hauses Wit-
telsbach unter Berücksichtigung der betreffenden Landestheile erinnert
sein, Xum. 2. Oder an die nach tler Chronik des vorhin Ivorührten
Andreas von .s. Mang gefei-tigte baierische Genealogie des Herzogs Jo-
hann 11 von SNimmern-.Siionheim, Num. 4. Oder an die Beilagen VI und VH.
Abgesehen hievon aber, ging man einen Schritt weiter, so konnten
mit solchen genealogischen Zusammenstellungen g!»nz gut neben den An-
gaben über Gebürt. Verheiratung. Tod. in der unter Num. 13 bemerkten
auch theilweise über die Mitgift der Gemahlinen dieser und jener Fürsten,
auch geschichtliche Nachrichten in grösserem oder gerin-
gerem l'infange an den je betreffenden Orten verknü])ft werden.
Gerade auf dem letzteren Wege erhielt das dürre Gerippe von Namen
ohne die eben berührten Angaben oder mit denselben erst eine mehr
oder minder ausgiebige Bekleidung mit Fleisch. Darauf
stossen wir beispielsweise bereits in den zwei grossen Pergainentrollen
der Num. 1 und .öO. zu welch letzterer insbesondere die Beilage VHl ge-
zogen werden mag, sjuiter in der baierischen Genealogie der Dr. Wigu-
leus Hundt. Num. 60 und 67. in der des Christof Gewold Nmn. 72 — 74.
Solche Darstellungen konnten denn auch zeitweise diesen und jenen Per-
sonen den Mangel des Besitzes eigentlicher baierischer Geschichts-
werke mehr oder weniger fühlbar erscheinen lassen.
Es läs.st sich gewiss nicht läugnen, diws diese Gestalt geschicht-
licher Darstellung eine ausserordentlich einfache ist Und da sich
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in diesen Rahmen der Genealogie die] Geschichte ganz gut einfügte,
fand man auch gar nichts besonderes daran, eben die geschicht-
liche Darstellung selbst auch in den Fällen wo cs sich nicht lun
lediglich genealogische Dinge handelte, sondern um wirkliche Geschichte,
in weiterem Sinne immer noch als Genealogie u. s. f. zu be-
zeichnen. Gibt ja doch beispielsweise Augustin Kölner seiner Oben in
Niun. 62 berührten baierischen Geschichte den Namen Vorzaichnus der
khünigen kaiser fürsten vjwl hertzogen von Bayren altvatter herkomen
sijjschaft vnd ])luetstamm, und dem Auszuge in der dort erwähnten alten
Druckausgabe die Bezeichnung: Stamm- und Erbfolg des durohleuchtig-
sten Hausses l’faltz. Die geschichtliche Darstellung ei-scheint eben so zu
sagen — ^n einer Art fortdauernder Anlehnung an die frülieren Zeiten —
in mehr oder minder genealogischem Gewände.
Natürlich brauchte dieses nicht nur nach einem Schnitte
gemacht zu sein. Jo nach der Begabung der Verfasser der verschiedenen
daher einschlagenden Schriften oder auch je nach den l>esünderen Be-
dürfnissen und Zwecken werden sich da im einzelnen diese und jene
Verschiedenheiten finden. Hiezu kömmt aber noch ein ganz besonderer
Umstand. Die baierische wie pfälzische Geschichte verzweigt sich in
Folge der für die staatliche Entwicklung wie für das Eiiiporkomiiien
des Wittelsbachischen Hauses im Reiche so unheilvollen Landesthei hingen
vom 13 Jahrhunderte an vielfach. Wenn nicht allein die Geschichte
eines einzelnen Landestheiles und seiner Heirscherlinie zur Behandlung
gelangte. mus.ste naturgemäss auch das Gewand, wenngleich es im grossen
Ganzen genealogisch blieb, unter der Hand dieses und jenes Bearbeiters
oder am Ende auch eines und desselben Bearbeiters eine vei’schiedene
Gestalt annehmen.
Betrachtet man nur die oben unter Num. 2 und 62 aufgeführten
Werke des Augustin Kölner, so hat das erste als ein genealogisches zu
gelten; aber beim zweiten M'ar seine Absicht gewiss nicht, wenn es sich
auch als Verzaichnns der khönigen kaiser fürsten vnd hertzogen von Bayren
altvatter herkomen sipsclmft und pluetstamm oder iin Aiwzuge in der da-
selbst erwähnten alten Druckausgabe als Stamm- uud Erbfolg des durch-
leuchtigsten Hausses Pfaltz bezeichnet , eine blos genealogische Schrift zu
liefern, sondern es erscheint als eine auf Grund der Urkunden bearbeitete
Abb d. III. CL d. V. Ak. d. Wi»a. XV. Ud. Itl. Abtta. 16
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baierische Gescliicbte, nnd zählt domnach, wenn man eine Würdigung
nach dieser Seite liin ointreten lässt, eben eigentlich JUcht mehr zuin
Gebiet der Genealogie iin engeren Sinne, somlem ist unter die geschichb-
lichcn Werke zu rechnen, und desshalb da eingereiht
Sehen wir nun auch an dieser Stelle von diesen und von anderen
dergleichen Werken ab. so bot iiu übrigen gerade zunächst die Genea-
logie zu wiederholtenmalen Veranlassung zum Entstehen von daher
einschlagenden Erzeugnissen in Bild wie in Wort
Es lag nulie, die Stamnireihen der Gli<Kh>r dos fürstlichen Hauses,
mochte man sie bis auf den ersten Herzog Otto aus dem Geschlechte
der Wittelsbacher führen, oder mochte man darübei- hinaus bis auf
Kai.scr Karl den Grossen zurückgehen, oder mochte man tMjgar in das
recht hübsch graue Alterthuiu bis zum Bavarus und Norix hinaufsteigen,
wie wir gleich in Xum. 1 goseheii haben, oder mochte man, wie ja auch
zuweilen vorkam. sogar damit noch nicht befriedigt sein, t heil weise
oder ganz durch Wappen oder auch durch bildliche Dar-
stellungen zu vor herrlichen. Schon verhältnissinässig früh hielt
man auf dergleichen Schmuck. Man denke nur an die csben berührte
Pergamentrolle der Num. 1 ans dem letzten Viertel des 15 Jahrhunderts
mit ihrer Menge von Wappen. Und am wenigsten wiinl mau es geratle
den Fürsten selbst ver.argen können, wenn sie in ihren Prunksälen
sich an den Gestalten der lierühmtcren ihrer Ahnen erfreuen wollten,
oder wenn sie im heimischen W oh nge mache wie auch ander-
wärts bei der Lectüre ihrer Thaten gleich unmittelbar ihr Bild vor
Augen zu haben wünschten, oder wenn sie endlich die liuhestätto
der Vorältern und ihre eigene mit dergleichen Zierden mngeben
sehen mochten. Was gleich da,s letzte-®') anlangt, berichtet uns die
Chronik von .Sclieieni aus der Zeit des Abtes Ulrich VII Minnenbeck:
ad guberuacula sedonto hoc ablmte in Curia, id est in capella Principuui
seu Capitulari, pictos esse jussu Friderici ducis Bavariae, proavi Georgii,
Coulites Schiren.ses, tradit Avontinus. Höchst wahrscheinlich war auch
eben durch diesen Hen-schor, der am 4 Dezember 1393 starb, die An-
221) Vgl. die A.b)ian<ilnng des Dr. Jos. r. Hefner über die Fürstengruft und die Fürsten*
kapelle za Scheiem im oberbaJerischen Archive tdr vaterländische Geschichte li S. I^l--202, nament*
lieh 8.
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fertignng iler unter Niim. 47 Iteriilirten Scheiorn - Wittelsbachischen Ge-
ftchleehtetafcl im Krouzgange de» Kloster» beziehungsweise in der er-
wähnten Fürsten- oder Kapitelkapelle erfolgt, die wohl in unverkenn-
barem Zusammenhänge mit einem Theile jenes Bilderschmuckes steht.
Doch wenden wir uns zu lichteren Uitumen. Es mag da zunächst an
eine Bemerkung angeknüpft werden, welche der prächtige haierisch-
pfälzische Stammbaum, dessen in Num. 50 gedacht worden, bei Gelegen-
lieit der Erzählung von der Kreuzfahrt des Grafen Eckhart von Scheiern
mit seinen mit rothen Riemen gebundenen Schuhen eindiessen lässt, von
welchen er allnächtlich einen an seinem Lagei-platze autstcckte, und der
dann sj)Uter in da» Bamier gemalt wurde, wie „in der histori de Scheiren“
stehe. Es haben auch — heisst es da — die fürsten von Bairn vil vnd
offt aufmaln lassn. vnd sunder der frumb hertzog Johanns, ain vater des
kunig von Tennmaivh, das ist Herzog Johann von Pfalz -Neuburg im
zweiten Viertel des 15 Jalirhumlerts. Odor man steige in den ernten
Stock des alten Hofes hier, luid man steht vor dem Beste einer Reihe
von Gemälden baierischer oder mit dem baierischen Fiirstenhause ver-
wandter HeiTScher, mit welchen nach der Ausführung des Ckdlegen
Föriuger im ober baierischen Archive für vaterländische Geschichte XII
S. 2f>6 — 296 muthmasslich Herzog Sieginund von Baiern-München in den
Sechzigerjahren des l>ezeichneten Jahrhunderts vielleicht mit Benützung
der bekanntlich von dem älteren Herzoge Ludwig von Baiem-Ingolstadt
veranlassten und ihm gewidmeten baierischen Chronik des Andreas von
8. Mang zu Stadtamhof — vgl. oben die Nuui. 48 und 49 — sich da
umgab. Wer weiss auch nicht, dass älmlicher Schmuck einen prächtigen
Saal des Heidelberger Schlosses — vgl. oben die Num. 5 und unten die
Beilage IX — zierte ? Kehren wir wieder zu den Münchner Bcsidenzen
im letzten Viertel des 16 und am Anfänge des folgenden Jahrhunderts
zurück, so entnehmen wir Aktenstücken des geheimen Hausarchives, dass
sich Herzog Wilhelm V für den Behuf der Ausschmückung von Ge-
mächern daselbst im Jahre 1584 an Herzog Philipp Ludwig zu Neuburg
um eine „designation oder verzaichnus aller Conterfett der fürstlichen
Personen vom Hans Pfaltz vmnd Kayrn, souil deren in Seiner Liebden
Scblosz zu Neuburg verbanden“ gewendet, welche dem Erasmus Fend
zum Gutachten uiitgetheilt wurde, der am 1 1 November seinem Herrn
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„die Vei-zeichnus der Fürsten vnd Pfaltagrauen , wie sy nach Ordnung
vnd gegen einander vber zeinahlen fürgenonniien“ worden, überschickte.
Es besteht diese Zusammenstellung unter fler Uoberschrift „die Fürsten
in die obersten feldungen baider seits neiden den fenstern herab“ aus
folgenden 26 Pewönlichkeitcn :
1) Otto der gro.>!z, Pfalzgraue zue Wil-
telspach , ward Hertzog in Buyru
anuo 1183.
3) Ludwig Hertzog in Baym, Chur-
fürst, liesz Bein geniachel enthaub-
ten, vnnd muest deszbalbeu Füreton-
feldt pawen.
5) Khay«er Ludwig, Hertzog in Bayrn,
Grane zue Holland Seeland Friesz-
landc.
7) Ludwig Hertzog in Bayrn, Marg-
graue zue Brandenburg, Hertzog in
Cärnthen, Graue zue Thyrol vnnd
Görtz.
9) Meinhard Hertzog etc. Grane zue
Tyrol.
11) Johann Hertzog von Bayrn, Bischoue
zue Lüttich, nacher Graue zue Hol-
land Sehlandt etc.
13) Hanns Hertzog in Bayrn, zu Mün-
chen wonend, genant der from vnnd
schlecht
15) Hainrich der reich, hertzog in Ni-
deru Bayrn, erstlich gar arm.
17) Ernst hertzog zue München.
19) Älbrecht der weise, bracht obern vnd
Nidern Bayrn wider znsamen.
21) Wilhelm hertzog, der groszmnettig.
2) Ludwig Hertzog in Bayrn, erster
Pfaltzgraue am Khein, anno 1215.
Pauet l.andtshuett.
4) Heinrich Hertzog in Nidern Bayrn.
6) Otto Hertzog in Nidern Bayrn, er-
wehlt zue Kbünig in Vngern.
8) Rueprecht Churfürst am Khein, her-
nach Römischer Khönig.
10) Ludwig im Parth Churfürst.
12) Christoff Khönig in Denmarkh,
Pfaltzgraue etc. **’)
14) Lndw'ig Pfaltzgraue Churfürst, der
Tugendtsame.
16) Philipps Pfaltzgraue Churfürst.
18) Ludwig Pfaltzgraue Churfürst
20) Fridrich Pfaltzgraue, Ludwigen brne-
der, Churfürst.
22) Otthaiurich zue Nenburg, Churfürst.
222; Du Wort „Pi'altigraas etc." hat Braamos Fend beigesetit.
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28) Albrecht der Catliolieche, hochner- 24) Fridricb Pfaltzgraue ChnrfOrst.
steudig rund beredt.
25) Wilhelm.’**) 2(>) Ludwig Pfalt7.grane,Fridrichen Sohne,
Charfurst. jungst verstorlwn. ”*)
Bei den Ziffern 1 — 13 einschliesslich, dann 15, 16, lö, 26 ist je ein
kleiner Ring unter den Zahlen selbst angebracht, vielleicht stuiu Zeichen
der herzoglichen Genehmigung. Bei ileu Ziffern 14, 20, 22, 24 finden
sich Kreuze, wohl ®*^) für den Behuf des .Abstriches. Ohne weitere An-
merkung stehen die Ziffern 19, 21, 23, 25. Die Ziffer 17 hat Erasmus
Fend selbst durclistrichen , und unter Vorsetzimg eines Kreuzes diusu be-
merkt: oder an dessen statt herfzog Georgen den Reichen**®) zu Lands-
huett. Zum Zwecke der Ausführung selbst übersendete sodann der
Herzog dem Philipp Ludwig aus dem ihm mitgetheilten VeiTieichnisse
einen Auszug der Namen jener Persönlichkeiten, deren Portraite er be-
dürftig, mit der Bitte : Sy geruchen vnns solche Conterfett auf vrmsern
Cossten vimd betzalung durch siinen gueten ^laler, do Sy anderst mit
ainem solchen versechen, abcontorfetton ; wouerr aber das fueglich nit
beschechen kundt, vnns dieselben woluerwart nach München überschickhen
zelassen: sollen Sy alda durch vnnsere Leuth abgemalet, vund Itinach
E. L. One allen schaden eheest so muglich wider übersendet werden.
Zugleich ersuchte er noch wegen einer Anzahl weiterei- Porträte bei den
Pfalzgi-afeii Casimir wie Reichard und an anderen Orten wo etwas zu
erlangen sein möchte die erfordei-liche Bemühung anzuweuden : vnd do
solche Conterfed, wo müglich, jn färben vnd die gestallt von augesicht
vnd claidung wol getroffen, zu erol>ern, wei’e es vns seer lieb vnd ge-
dient; wouerr sy aber yn dieser manier nit zubekomeii noch verhannden
weren, doch sonst, wie mans haben kami, es sei jn kupffer gestochen
oder anderer form zu wogen bringen, vnd das vfs eheest souil muglich.
Ursprünf^lich itand: Wilhelm der gaettii^ rnd gaietlich.
224) Die Worte .jongst veratorbco'^ «ind von der Hand des Herjogs Wilhelm beigefügt.
225) Wenigatena aaasert Erasmus Fend ioi dtm nngefiUirten Berichte bet Verweisung auf
eine weitere Beilage, es seien „die auff bejgeh'gter Zeit verzaichneten so S. fürstl. Gn. auazzelasscn
beuolvhen mit f rermerckht, aber darvraben ietzt von den andern nit gcaCndert worden, damit
& f. Go. das werclih ganU bejsamen habe**.
226) Schon ln der in Note 225 ber&hrten Beilage hatte er beshglieh dieses Fürsten, der auch
inr Streichung gekommen gewesen, folgendes bemerkt; khombt gleicbwol da aach nit ein. wer aber
sein Conterfeit nit vbl bej andern alten fürsten aafiTuehebeo. oder wer an statt hert«^ Ernsten
mder N. 17 eintsehringen.
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120
Ist auch gar vnnot. derselben ganze Icbensgrösz anders dan durch ain
Mas — alls aiii spaget oder geschniten Pa]iir — zuschickhen. wan allein
•las angesicht vntl deidung recht vnd khaniidtlieh. Vnd dieweil — sehliesst
der Fürst — vnser freuutlicher lieber Vetter vnd bruetler, der jungst
verstürben Churfürst Pfalltzgrene Ludwig etc. seliger gedochtnus in aineni
anstH'hlichen grossen wei-ch gewesL des Hausz Bayrn horkonien jn ain
volkomene histori zubringen vnd jn tnickli zugeben, wie dann S. L. bei
vns soll) vnd anderswo allten Ctjoteideden vnd Monumenten nachgetraeht,
so bitten wir E. L. abennaln freuntlicli, solch wercli oder was daion
fertig vnd zusamen gerieht ist bei wolgedachtem vnnserm freuntl. lieben
Vettern Pfaltzgrauen Casimiro, dessen L. es nun mor alles viider banden
haben, ziibekoineii vnd vns volgends mitzutailen. Da.ss auch des Hei'zogs
Wilhelm V berühmten Sohn Ma-ximilian I ähnliche Plane nur in noch
gp-ossartigerein Massstabe bei der Deeoration seines vielbeneideten Fürsten-
sitzes beseelten, besagen unter anderem nachstehende zwei Aktenstücke
wieder im geheimen Hausarchivo. Am 5 Mäi'z 1601 scdirieb er an den
bekannten Marx Welser nach Augsburg, er solle als in der baierischen
Historie wohl erfahren ihm für die Ausmalung eines Saales in seinem
Neubaue hier u)it beinerkenswerthen Geschichten seiner Vorfahren**’) für
zehn Feldungen Vorschläge über „ettliche dergleichen historias selectiores,
die sich seither desz Ottonis Wittelspacensis sowohl mit ansehenlichen
kriegen vnd feldschlachten, neiierj)awten Stetten, erwöhlung zu frembden
Königreichen, auch in ander weg begeben, mit Ermeldung der authorn
wo von denselben etwas auszfuorliches ziilesen“ machen. Weiter meldet
ein Bericht von Christof Gewold ohne irgend welche Zeitangabe, dass
der Maler Wörnl noch vier Gegenstände für die kleinen Stühle brauchcT
Z27) MnthniMslich aaf die Ueber- oder Untemchriften hiezD beliebt sich eseb ein eintelnee
lUatt Ton der Hand des Christof Gewold :
OTTÜCAKVS HOHEMIAE KEX HOSTIEI AGMINE BAIOAKIAM AGGBES8VS — über AO
ist inr Auswahl IN »eaetit — A DVCIBÜS BAIOARIOKVM FOBTITEK KEPELLITVR: E1V8QVE
EXERCITV.S FVGIEXS PROBE .MVLDOUP PONTE RVPTO IN EI.VMINE OENI PERICUTATVR.
AN. CHRISTI MCCEVII.
JOHANNES BAIOARIAE DVX EPISCOPVS LEOÜIENSIS SEDK A SVIS PVIJ5VS ET
TRAIECTI OBSESSV8 FRATBIS SVI DVCI8 GVILIELMI HANNONIAE COMITIS AVXILIO I,EO-
DIENSES ACTE FVNDIT ET EPISCOPATVM RECVPERAT. AN. DN. MCCCCVTH.
Warm daa ipaeium roviel sebrittt nicht leiden weite, kana wohl abbreuirt rnd aine theile ^hr
anazj,'elaeeen werden.
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wovon der Herzog selbst drei bereits bestimmt habe, und Gewold
nunmehr für den letzten drei Vorschläge ***) zur Auswahl unterbreitet.
Aber nicht allein an den Wänden der Säle und Zimitier fürstlicher
Wohnsitze oder auf kunstreichen Tepjiichen beziehungsweise Tapeten
in denselben ist der Schmuck zu treffen, wovon die Hede. Wie vielfach
begegnet er in den genealogischen Handschriften vom 15 Jahr-
hunderte an bis in späte Zeiten! Schon vorhin ist an den grossen
baierisch-pfalzischen Stammbaum auf Pergament erinnert worden, der in
Nuiii. 1 besprochen ist, mit seinen zahlreichen Wappendarstellungcii. Ausser
ihnen jirangt der gleichfalls auf Pergament gefertigte herrliche baierisch-
piiilzische Stammbaum der \uni. 50 mit zw'oi in ganzer Figur und nicht
weniger als 82 in Brustbildern ausgeführten Farliendarstellungen von
Herzog Garibald bis zu den Söhnen des Kaisers Ludwig des Baiere.
Weiter ist in Xum. 64 bei der Umarbeitung des genealogischen Geschichts-
werkes des Herzogs Johann II von Simmern-SjKmheim für seinen Sohn
den Kurfüi’sten Friedrich Hl davon die Rede gewesen, dass vor die ein-
zelnen Reime zu den je treffenden fürstlichen Persönlichkeiten in je be-
sonderen Uopjadkreisen Holzschuitte mit deren Brustliildern und den oin-
2ZS) Nänilieli I) ilüriog Ludniga hübnng wider die tngUakigrn.
2) Krieg zwUcben Kai»er Ludwig vnd Oesterreich an oinem» auch den Hertzogen
in Kidcm Bayr» rnd Marggrafen aus Mcrhern anders thaila, wegen deaz
Hertjügtumbs Kemdteti.
3) der Friesslendisch Krieg» den Ueruog Wilhelm anf Uollaod gefUerth.
229) Nämlich I) Kavser Ludwigs wähl md khrouuDg.
2) Wie Uertxog Wilhelm in Beym Kaiser Üigiuuivdj Statbalter ira Coocilj zue
Basel etc.
3} vier Krieg zwischen dem Reiniseben Buudt Tod den Fürsten in Lejrn etc.
2^10) Solcher gedenkt auaser Anderen Herzog Johann von Siuuuern-Sponheini in der Num. «4.
Die Allten haben — äussert er gleich in dem Abschnitte »von dem Namen Pfaltigraff" da-
lelUi — jre gehurte ankhuntTt vniid (wie man ea bey den vom Adell nennt) jro auchen. derglechter
jro tbate vnd gcschicbUn in Ducher gewirckei. Dero etlicb haben wir bey dem Ertzstifft Trier» zu
Coblenz vnd Mönster-McinfelU in den burgenu gesehen, welche ein bistori so «ich vor vierhundert jaren
tugedragen besagen, wangestallt Pallentzgraff Sigefriedt seinem gemahel ein« gefasten argwons halben
«einen Marscbalcb Goto vmbzubringeii befolben» welche histori wir bcrnachraalu in beschrcibung ehe
berurta Siegefridten etwas weitlauffigor anzcigen wuIlen. Da wurt vielfeltig in den zetteln vennelt:
Pallentzgrafl'. Vnnd sollten die jetzige Chnr* vnnd forsten solche Ducher der antiquitet vnod beuorab
des Namens Pfaltzgraf halben» darumb so vilfeltig geirt wurt» dieser Ducher vnd gemähle vmb
groaie« nit dahinden lassen.
Einige Beispiele von dergleichen Saal* uod Ziiumerzierdeu im Besitze der pfälzischen und
baicriseben Herrscher um die Mitte des 17 Jahrhunderts führt die Deilago X vor Augen.
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eclila^enden Wappenschildern eingekleht sind. Eine nicht imhetrSclitliche
Zahl von Handschriften iler Hof- und Sftiatshildiothck enthält dergleichen
Abbildungen von Bavarus und Norix angefangen in ganzen Figuren bis
auf die Herzoge Albrecht V und Wilhelm V, ja theilweiso noch weiter
herab, in manchmal ziemlich roher Form, bisweilen aber auch in sehr
feiner Ausführimg. So beispielsweise der Cod. germ. 1602 und 2822
deren über 60, der Cotl. gönn. 1603 imd 1605 Fol. 18 — 57 deren 76,
der Cod. germ. 2799 deren 193, der Cod. germ. 1604 deren 194, der
Cod. germ. 1606 Fol. 137 — 223 deren 202.
Daas bei diesen Bildern so mul so oft namentlich fiir die frühere
Zeit lediglich die Fantasie gut oder schlecht den Pinsel geführt, ist
leicht begreiilich. Dass uns aber auch wirklich Portretf? baierischer
Fürsten und ihrer Familienangehörigen von Meisterhand gefertigt be-
gegnen, dafür nur ein Beispiel aus der Haiulschrift der Bibliothek des
geheimen Staatsjircdiives in welcher sich nach der Beschreibung der
Landtage aus den Jahren 1556 und 1563 und nach der Apologie des
Heichart Strein zu Schiirfenau über das Privilegium des Kaisers Fried-
rich 1 für Oesterreich vom Jahre 1156 hauptsächlich wider Aventin und
Dr. Wiguleus Hundt*®') die pnlchtigen Kiiiestücke dos Herzogs Albrecht \'
und seiner Gemahlin Anna auf Fol. 294' und 297, wie seiner Kinder,
nämlich Wilhelms in seinem 19 Leben-sjahre auf Fol. 295*, Ferdinands
ün 18 Jahre seines Altere auf Fol. 296, Maria in ihrem 17 Lebensjahre
auf Fol. 293', Maria Maximiliana im 16 Jahre ihres Alters auf Fol. 300,
Ernsts in seinem 12 Lebensjahre auf Fol. 299 aus dem Jahre 1567 be-
ziehungsweise 1568 finden.
Es ist da gewiss am Ende auch nicht zu verwundern, wenn die
Erfindungsgabe dieser und jener Leute bei der Darstellung von Stanim-
uiul V'erwandtschaftsbäumcn hier und dort auf Absonderlichkeiten
verfiel. So ist die „summarische deduction vnd abrisz bayde desz durch-
leüchtigen vnd hochgebornen Fürsten vml Herrn Herrn Friderichen Wil-
helms, Hertzogen zu Sachsen. Lamltgrauen jn Türingen, vnnd Marggrauen
zu Meissen, dann der auch durclileüchtigen hochgeboren Fürstin vnd
Frewlin Frewlin Anna Maria, Hertzogiu zu Sachsen, Landtgreuin jnn
2.11) Vgl. die BeiUce Xt.
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123
Türingen, vnd Marggreuin zu Meissen, gebornor Pfaltzgreuin bey Rhein,
Hertzogin jnn Bairn, Gräuin zu Veldentz vnd Sponnheim, fürstlichen
herkhoniinens von zway vnd dreissig Anherrn vnd Anfrawen“ des „Cäin-
inerlings“ Johann Ruinel vom August des Jahres 1591 auf einem Folio-
bogen im geheimen Hausarchive in der Weise gefertigt, das.s ein stolz
in der Mitte sich emporstreckender Pfau,
gemmantes dum lunat avis junonia yiennas,
magnanimos monstrat munina magna Duces,
von dessen Brust das sächsisch -baierisch -jjfälzische Allianzwappen ent-
gegenglänzt, mit dem Rade das der Schweif schlägt die betreffenden
Familienverzweigungeu mit jedesmaliger Beigabe der Waj)pen in Farben
nach beiden Seiten hin kundgibt. Der leere Raum unter dem Rade ist
der Anspielung auf eine Hii-schjagd über Hügelgruppen gewidmet, hinter
welchen von rechts nach links sich leicht hingeworfeno bildliche An-
deutungen der Städte Dornburg, Jena, Kahla, Rudolstadt zeigen. Auch
unter den zahlreichen genealogi,schen Handschriften der Hof- und Staats-
bibliothek führt deren Catalog V S, 373 als Cod, germ, 3570 einen in
einer Papierrolle wieder von einem Foliobogen mit gemalten Wappen
als „Pfauensidiwanzaugen“ im Jahre 1014 entworfenen Stammbaum de.s
Kuriürsten Friedrich V von der Pfalz an.
Aber nicht blos Erzeugnisse wie sie bisher Ijesjjrochen wurden, auf
handschriftlichem Wege erwachsen, kommen zur Erwähnung.
Zahlreiche Vervielfältigung war durch den Holzschnitt und durch
den Kupferstich ermöglicht. Auf solchem Woge konnten denn na-
mentlich bildliche Daretellungen entweder einzeln in weitere Kreise ver-
breitet oder auch gleich in grös.Heren Ganzen diesen und jenen Druck-
werken als willkommene Zuthat beigegeben werden. Haben wir vorhin
an den prächtigen buierisch-pfälzisohen Stammbaum der Num. 50 erinnert,
so mag auch hier gleich eines ähnlichen Werkes aus der Gränzscheide
des 15 und 10 .lahrhunderts gedacht sein. Wir meinen den grossen auf
einzelnen für den Behuf des AneinUnderklebens zusammenpassenden Folio-
bogen in Holzschnitt gefertigten baierisch - pfälzischen Stammbaum von
Norix und Bavarus angefangen, die sich luiten in königlicher Würde
gegenübersitzen, von welch letzterem sich sodann über einander das Ge-
schlecht von Glied zu Glied in niedlicher Gruppining unter jeweiliger
Abh.d.ni.CI.<). k. Ak.d. Wiu. XV. Bd. III. Abth IT
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124
Beigabe der Wappen bis an den bemerkten Zeitpunkt fortpHanzt. Die
Hof- und Staatsbibliothek ist im Besitze eines Exemplares, auf Bretter
gezogen, welche bereits seit längerer Zeit etwas aus dem Leim gegangen.
Einer näheren Beschreibung sind wir überhoben, da als Führer durch
diese gesammte Familien Verzweigung das im Jahre 1501 bei Wurm in
Landshut in kleinem Oktavforinate gedruckte „Tractetlin“ dient; die
Cronick vnd der fürstlich stamm der durchleüchtigen hochgepornen
fürsten vnd Herren pfalnntzgrafen bey Rein vnd herezog in Bairen etc.
Abgesehen von diesem grossen in sich innerlich zu-sammonhängenden
Ganzen, wer erinnert sich nicht anderer hier einschlagender Bilder in
kleinerem Mas.sstabe? Beispielsweise der martialischen „Bildnusz oder
Contrafactur der zwölff ersten alten teutschon König vnd Fürsten“ in
Dr. Simon Schard’s Ausgabe von Aventins baierischer Chronik vom Jahre
1566 ? Die lateinischen und deutschen Drucke der oben unter den
Nmn. 72 — 74 aufgeführten baieristdien Genealogie Gewolds aus den Jahren
1605, 1620, 1623 führen vor dem Texte eine Reihe der darin ver-
zeichueten Herrscher in Kupferstichen des Augsburgers Wolfgang Kilian
vor Augen. Die beiden ersten enthalten die Bildnisse Karls des Grossen,
zur Generatio 14 des Sohnes Ottos III von Wittelsbach Otto IV, zur
Generatio 15 seines Sohnes Otto des Grossen von Wittelsbach, zur Ge-
neratio 19 des Kaisers Ludwig des Baiers, zur Generatio 23 dos Her-
zogs Albrecht III, zur Generatio 24 Albrechts IV, zur Generatio 25
Wilhelms IV, zur Generatio 26 Albrechts V, zur Generatio 27 Wilhelms V,
endlich zur Generatio 28 Maximilians I. Die deutsche Bearbeitung, das
Geschlecht Register der durchleuchtigsten Herzogen in Baiern und etlicher
eigentliche Bildnusz, gleichfalls in Folio aus dem Jahre 1623, ist von
dem erwähnten Augsburger Bürger und Kupferstecher Wolfgang Kilian
der Herzogin Elisal)eth, der Gemahlin Maximilians I, am 20 März des
genannten Jahres gewidmet, und enthält zu der in deutscher Sprache
wiedergegebenen Vorrede Gewolds von den Jahren 1605 und 1620 ein
Gutachten dos Marquard Freher, welcher den Verfasser nicht zu kennen
vorgibt, und bemerkt, dass er selbst vom Herzoge Hans von Zweibrücken
den Auftrag erhalten habe, die da von Kaiser Ludwigs Brüdern an
fehlende pfälzische Linie einzufügen. Die Reihenfolge der Bilder ist im
grossen Ganzen die der lateinisclien Drucke, mit Ausnahme dass bei der
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Generatio 18 auch der Stich Ludwigs II des Strengen eingcsotat ist,
und die Porträte Willielins V und Maximilians I andere sind. Auch dem
von der „Societas Jesu per Bavariam“ ini Jahre 1680 herausgegeljenon
Theatrum virtutis et gloriae Boicae u. s. w. ist eine grosse Zahl von
dergleichen Kupferstichen beigegeljen.
Häufig l>egnügte man sich übrigens nicht mit dergleichen Wappen-
und Bilderschmuck, sondern es sollte derselbe zugleich auch das
Wort in unmittelbarem Gefolge haben. Der Inhaber des Wap-
pens oder das Gemälde sollte namentlich in gebundener Bede
sich selbst dem Beschauer noch mehr nähern. Daher lateinische oder
deutsche Veise wie Prosainschriften zu denselben oder meist unter ihnen.
So bei den Wandgemälden im alten Hofe hier, wie aus der Mittheilung
des (Kollegen Föringer im oberbaierischeu Archive für vaterländische Ge-
schichte XII S. 283 — 285 zu ersehen. So bei der Porgamentrolle aus
dem letzten Viertel des 15 Jahrhunderts, die oben sogleich unter Num. 1
aufgeführt worden, wie sich aus den Noten 18 — 21 daselbst ergibt. So
bei den bildlichen Darstellungen der Rheinpfalzgrafen und Kurfürsten im
Königssaale des Heidelberger Schlosses, wovon in der Num. 5 mit den
Noten 24 — 26 die Rede gewesen. So auch in dem grösseren Thoile der
fniher berührten Bilderhandschriften der Hof- und Staatsbibliothek, wobei
es hier genügt, nur auf tlie wieder von Föringer a. a. 0. S. 286 — 296
mitgetheilten deutschen Keimsprüche unter den Abbildungen in der Met-
ternich’schen und Schrenck'schen Handschrift, Ck)d. bav. 1602 und 2822.
aufmerksam gemacht zu haben. So nicht minder auch bei den Kupfer-
stichen zu Gewolds baierischer Genealogie in den erwähnten Augsburger
Druckausgal>en , wobei nur die gebundene Bede der ungebundenen den
Platz geräumt hat. Dasselbe ist auch noch später der Fall. Man denke
Ijeispielsweise nur an den bedeutenden Bilderschmuck der „ab uni versa
societatis Jesu per superiorem Germaniam provincia“ im Jahre 1715 in
Grossfolio herau8gegol>enen Fortitudo leonina in utraque fortuna Maxi-
miliani Emmanuelis etc. secundum horoiea majorum suornm exempla
herculois laboribus ropraesentata, woselbst Prosa und Verse in bunter
Mischung wechseln.
Oft genug bestehen insbesondere die Reime wovon die Bede gewesen
nur aus 2 oder 4 oder 6 Zeilen. Sie konnten übrigens ohne Schwierigkeit
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auch anderweite Verwendung finden. Wir sind hierauf beispiels-
weise in der baierisch-pfalzischen Chronik der Nuni. 55 gestossen. Nicht
minder haben wir dergleichen Reime in Nuiii. 56 der (ienealogie des
Ladislaus Suntheiin bei den botreffen<len baierischen wie pfälzischen
Fürsten einverleibt gefunden.
Sodann hinderte aber auch nichts, gleich eine ganze Genea-
logie oder ein ganzes genealogisches Geschichtsw'erk in
gebundener Rede abzufassen. Wir hal>en das lx;i dem mufangi’eichen
Werke gesehen, welches Herzog Johann 11 von Simmern-Sponheiin „dem
löblichen hausz Pfaltz vnd Beyern zu Ehren nit on besonder vleisz vnd
ongewenten Costen zusam getragen vnd verfast“ hat, wie bei den Be-
arbeitungen und Auszügen welche nach den Num. 64 und 65 aus dem-
selben gefertigt worden sind. Die Reimdarstelhmg bildet da eigentlich
den Kern ; aber wenigstens bei der Num. 64 a laufen nebenher Ueber-
gängü und Auseinandersetzungen in Prosa, welche im Vergleiche zur
Reimerei für die geschichtlichen Fragen unbedenklich als das wichtigere
zu erklären. Auch dem ersten Herausgeber der baierischen Annalen
unseres Aventin, dem Professor Hieronymus Ziegler zu IngoLstadt, gefiel
es, eine Reiinchronik von „Succession regierung leljen vnd sterben aller
Khünig Fürsten vnd Herren so in Baym regiert haben von anfang bisz
auf das jar nach Christi vnnsers sohgmachers gebürt 1460 da Johannes
Aventinus sein Chronica geendet hat“ zusammcnzustoppeln, die er am
28 November 1561 vollendete, und an welcher sich die Liebhaber solcher
Unterhaltung in den Codd. germ, 159U imd 1600 der Hof- und Staats-
bibliothek erlustigen können.
Lassen wir sotlann das poetische Gewand fallen, so war es bereits
seit dem Anfänge des 16 Jahrhunderts nicht unbeliebt, genealogische
Goschichtswerke in grösseren Rahmen herzustellen, worin
natürlich die regierenden Häuser ganz vorzugsweise Berücksichtigung
gefunden haben. Es ist das bei Ladislaus Simtheim der Full, von dessen
Arbeit in Num. 56 die Rode gcw'esen. Durch die Vervielfältigung im
Wege des Druckes war es leichte Sache, diesen Werken auch eine
grössere Verbreitung zu sichern. So beispielsweise dem umfangreichen
Opus genealogico - catholicum des Elias Reusner. Ueber ein Vierteljahr-
hundert pflegte ein dergleichen Werk — fast aller Königen, Fürsten,
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Grauen vnd Herrn sowohl in alsz auszcrkalb Europa« — der Ober-
schultheiss Johann Jakob Kneupell*®*) zu Kreuznach, für welches der
Pfalz-Birkenfeld’sche Rath Kaspar Zillesius einen Auszug aus seinen oben
2H2) Nachdflm er eieh für dAsaelbe &in 29 Juni 16ß8 we^cn der VeldeoE'Bcfaei) und Sponheim-
achen Genealogie, die er weder za ZweibrUckea noch in Baden auftreiben konnte, aber aieherem Ver-
nehmen nach bei Herzog Georg Wilhelm zn Dirkenfeld za linden lioffte, an seinen S^cliwager, den
Pfalz-Z weibrQcken'scben Rath Wernig oder Wemick zu Meisenbeim gewendet, ond der Pfalz- Birken-
feld'sche Rath Raspatr Zilleeias aaf deefallsiges AoBcbreiben rom 6/7 Juli am 11 deea. Monats seine
Bereitwilligkeit zur Herntellang der letzteren zu erktmnen gegeben, auch Kneupell am 26/<10 dieses
Monats seine Wßnsche bezQglich der Form der Bearbeitung — dass erstlich die nähme geburth vnd
absterben, darnach an wehn vnd wann sich die Kinder sowohl söhn alsz duchter verheurathet,
drittens bey einem Jeden kürzlich die gesta et memorabilia, deren er sich in seinem ganzen opere
meistentheilB gebrauchet, wie Reisncrus getban, gesetzt wünlen, welches dem lectori nit allein air-
mnthig sondern auch in historicU nOzUch ~ geaassert, schrieb er am 8/17 Oktober an Zillesins
selbst, er möchte ihm — > wann dann halt an deme dasz sein von 26 Jahren hero (durch groszer
herren vnd anderer personell hilK) zusammen getragenes opns Genealogicum durch offenen druck ans
lieht gebracht werden solle — den zagesagten Sponheim'sehen Stammbaum nach dessen seinerzeitiger
Dearbeitung mittbeilen: vnd bej Jedem grafen mit wenig Worten melden, wasz er bey seiner regternng
dcockwürdig verrichtet vnd sich zugetragen.
Hteraaf stellte Zillesius fUr den Behuf der Conformit&t der Methode am 19 Oktober das Er-
suchen, ihm „ein abschriftliches specimen einiger Genealogien, r. gr. der hohenloischen“ zukomineo
zu lassen.
I>as geschah am 14/HO November sainmt Uebermittlung einer Abschrift eines dürftigen Spon-
beimisohen Stammbaumes, den ihm unlängst ein Nürnberger Patrizier zugesebickt, mit dem er etliche
Jahre über genealogische Fragen in Briefweebiel gestanden.
Wie es den Anschein hat, entschwand dem Zillesius allmälig die Lost zur Fortführung der
betreffenden NaebforachangeD. Erst im Februar des folgenden Jahres 1664 bestätigte er den Empfang
an Wernig mit dem Bemerken, er „seye bey dem Sponheim-Stammbaum des handele müde, weilen
die mühe grosz, keine Zeit, keine ehre, kein danek, nur geringe belohuung darbey*'.
Am 8 Mai theilte Kneupell dom Wernig mit: Vber 8 tag werde mein opns nach Heydelberg
schicken, alda es gedruckt wirdt. bitte also, an beim Zillesium zu schreiben, dasz ich die Spon-
heimische Genealogi inmittelst bekommen möge, ob sie schon nit so gar aceurat, vnd nun lang ausz-
gestorben ist: es werden doch wenig sein da nit etwas mangel gefunden werde.
Am 21 Mai sodann änsserte sich Zillesius bezüglich der ,,einrichtung des alten Sponbeiroiseben
Staminbaames" dabin, dass er „den selben über 4 secula ona et perpetua serie exbibiren könne,
allermassen ausz beykomtnender tabulä genealogica zu ersehen**. Weiter zurück — fährt er fort —
und aulT den ersten autorem dieses Hauses ist für dieszmahl tu kommen mir unmöglich gewesen.
Es finden sich zwar noch etliche andere alte Grafen zu Sponheim, so seculo undecimo et duodecimo
das Hertzogthnmb Kämdten, die Graffscbafi't Lavandt, und die Graffscbafl Vianden beseszen haben
sollen. Weiln aber die selben ausz mangel beböriger nacbricht cum caeteris, quos exhibeo, nicht
eonnectiren können, hab leb' Sie lieber ausz laszen, und das Stamm-Register absque lacunä repräsen-
tiren wollen. Zu deezen illustration seindt einige wenige annotamenta ex multis per eztiactum bey-
gefügt. Ein roebrers hatte die Zeit and eingefallene leibs unpaszlichkeit nicht gelitten. Wirdt der
Scopus auch nicht sein, das vorhabende ppus genealogicum mit vielen rebos gestis vnd historiis zu
vergröszem. In perlustratione der alten documenten habe angemercket, dass dieser Graffsebafft
nähme o. s. w.
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in den Nuiii. 80 und 81 berührten Arbeiten zur Genealogie des alten
Grafengesfhlechtes von Sponheim besorgte. Dass Abänderungsvorschläge
bezüglich der Behandlung des baierisch - pfälzischen Hauses, deren in
Num. 83 gedacht worden, in des Dr. Philipp Jakob Spener bekannter
Historia insignium illustriuin u. s. w. berücksichtigt sind, ist in der
ersten Abtheilung a. a. 0. S. 257 berührt.
Ueberhaupt bedarf es wohl keiner besonderen Erörterung, dass der
Werth d er bisher behandelten Schriften ein sehr ver-
schiedener ist. Das Gebiet der Fabel und der Sage wie das der
Am 28 Sl&i/Il Jani verbinJet Kreapell mtt dam D&nke für Brief und StAmmbaam folgende!:
er ist eben za rechter Zeit einkommen, angeeeben der ßacbfnbrer Tndt Drucker tu Heydelberg, Herr
Adrian Wjngarteo» mir kürzlich rom zweiten mahl geachriebon, er wolle mein opos Oonealogieuro
Catholicam verlegen vndt drucken« derowegeo begehrt, dass solche! erster tagen — sich darinnen
weiter zn ersehen, nachdeme er« schon vor diesem einmahl darebsehen, vndt seitbero mehr darta
kommen — müge überachieket werden, wolle alszdann der billigkeit nach mit mir handeln, io welcher
handtlaog ich mir einige Exemplaria Vorbehalten werde, damit solche versebeidenen Fürsten vndt
berreo, die zu diesem werck dero bülffliche bandt in gnaden mir geboUen, sonderlich den durch«
leuebtigsten Herrn Pfalzgrafen, vnder welchen ich zum theil geboren, den selben gedieoet, vndt noch
diene, wie auch andern guten Patronen vndt freünden , worunder mein hochgelehrter hochgeehrter
faerr auch begriffen, zur Dankbarkeit vnderthänigst cxbibiren vndt mittheileo könne.
Tritt nun ein längerer Stillstand im Briefwechsel ein, wenigstens soweit die bet^ffenden
Aktenstücke auf uns gekommen sind, so wissen wir anderswoher, dass um diese Zeit, nämlich am
21 Juni 1694, ZiUesios sein aosführlieheres Werk „Oenealogica Sponbemica oder Geschlecht Register
der alten Graffen und Oräfflnnen zu Sponheim** dem Henoge Georg Wilhelm. Grafen zu Veldenz und
Sponheim, widmete. Vgl. oben Num. 82.
Erst dem Rest« eines Schreibens des Wemig au Zilletios, dem es am 13 Dezember 1667
tugieng, entnehmen wir die Nachricht, dass Kneupell „zu Kreuznach gestern Dinstags zur erden
bestattet worden. Wasz sein opos genealogtcum betrifft — wird daran geknüpft — da habe bereits
vor guter Zeit verstanden, dasz Ire Cbarfürztl. Dorchl. zu Brandenburg solches tmeken vnd verlegen
lasten weiten, woruff es aber dlsamalen eigentlich beruhe, habe seither nit veroommen, will mich
hiemechst erkundigen, vnd was erfahren werde auisireo.**
Ein weiterer Brief endlich aus Landsberg vom 22 Dezember 1667 besagt folgendes. Herrn
Oberachnltheissen zu Creuznach sein Wittib war vor 3 tagen albier. Mit deren habe Ich wegen
bewosten operis genealogiei gesprochen. Die sagt mir, dasz alles beisammen vnd zum truck in Be-
reitschaft liege. Ihre Churf. Dorchl. zu Urandenbarg betten den Verlag, wozu 12000 Rthl. erfordert
würden, weilen sonderbare Caracteren vnd figuren — welche erst gestochen oder gemacht werden
müsten — thun wollen, so auch geschehen, wann nicht der ChorfÜratin todt dazwischen kommen.
Sie wolts hiemechst durch Jemanden Ihrer Confidenten an Ihre Chnrf. Dorchl. aehreiben vnd ver«
nemmen lasten, ob Sie nachmaln gnädigst intentionirt weren, den Verlag zu thun. Herrn Kneupeln
sei. haben Sie eine discretion voo etlicb 100 Ktbl. beneben Ezemplarien veraprocheo gehabt. Ein
Boebfübrer zu Ambsterdam hette sich vor disem auch vernemroen lossen, den Verlag zu thun. Weilen
er aber etlicbe harte conditioncs dabej eingerückt, wer ca zuruck gangen. Ein Exemplar roll vnder
24 Rthl. nit kommen. Wann das werck noch in trock gehen solte, u. s. w.
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Geschichte streifen da ausserordentlich nahe an einander. Die Sucht,
nicht mit Ahnen von einem oder von einem Paar Jahrhunderten sich
zu begnügen, auch nicht mit solchen der engeren Heimat zufrieden zu
sein, sondern darüber hinaus sie aus Rom und noch weiter aus Troja
oder vielleicht auch aus Armenien holen zu wollen, führte zum sonder-
barsten phantastischen Aufputz solcher Ahnenreihen. Wie dergleichen
Lächerlichkeiten zu beurtheilen, darüber bedarf es keines Wortes. Auch
in früherer Zeit waren verständige Schriftsteller auf diesem Gebiete
selbst sich hierüber nicht im unklaren. So geisselt beispicdswoise einer
von ihnen aus dem fürstlichen Hause selbst, der mehrerwälmte Herzog
Johann H von Simmern - Sponheim , an verschiedenen Stellen seines
Werkes die Speichelleckerei die auf solche Dinge verfallen kann, und
macht sich vielfach über die theilweise daraus hervorgegangene Wuth
lustig, mit einem Stammbaum von einem oder von einem Paar Jahr-
hunderten nicht zufrieden zu sein, sondern einen haben zu wollen, der
bis auf Noe oder wo möglich gar bis ins Paradies zurückreicht. Zollen
wir daher mit diesem fürstlichen Gewährsmanne dergleichen Ausgeburten
unglücklicher Fantasie keinen Dank, so sind wir natürlich weit entfernt,
den hievon freien und nüchternen Arbeiten Kölners, Hundt’s, Gewold’s,
und anderer, beispielsweise in den Num. 2, 9, 11, 12, 17 — 20, 66 und 67,
72 — 74, das ihnen gebührende Verdienst in irgend welcher Weise schmä-
lern zu wollen.
233) Wie spricht er sich gleich am Eingänge desselben den gütigen Leser" ans?
Es haben f&r der Zent rill so der Pfaltz Tnd Bejrischen Herrn Geburts Dafell oder Genealogi
in ein gevisM absteigende erdiaung verfassen wöllen. ancb xnm thell in drnckh verfertigt vnnd
aoszgehen lassen, sich hart vnd hoch bemUhet, dieselbige nit allain weit vnd hoch hinansz sonder
anch in ainem gewiasen fQr vnd für werendem vnd nit anfbörendem Banm oder Lini gleich ainer
manflOelichen Ketten za füren tu bringen vnd ansahenekeu. Ynd weihe solche« weitlaoffiger vnd
höher, aoeh die jetzig lebend vnd regierende Chnr- vnd farsten jm Haass Pfaltz vnd Beyern jnn die
Bluetsipp vnnd verwantschafft der vralten König in Bayern, Hercalis alemanni, Bauari, Noriz, Ingrams,
vnd wie die Allten gefaeisen, ja so za sagen in die Arcken Nohe — wie sich dan etlich za vÜ ver-
messende lenth mit dem Stam dero von Rabszbnrgkb neolieher zeat nndersUnden -- einzabringen
vnd anhefften mögen, die haben vermeindt, den besten danck znersteeben, auch den Chor- vnd forsten
grossen rahm vnd ewigen preysz erweckt za haben, als das sie jre gebarts dafeil vnd hohes her*
kommen von den Troianer Rhomer vnd dcrglecbter frembden aoszlendiseber Nation vnd volker zn
weisen vnd za enefalen wissen.
Dass wir aber diesen jren vieisz so boeb nit loben, sonder vil mehr für ein veriuessenheidt
vnd ein betrüglich libkoesten dan der warbeit gleich hallten, verrrsaebt vos, das viT dieser weiten
weit n. 8. w.
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InHboBondcre bedarf es wohl keiner langen Erinnerung, dass sehr
häutig die genealogischen Aufzeichnungen welche von mass-
gebender Seite stammen für die richtige Festsetzung fürstlicher
Geburtstage u. dgl. von nicht zu unterschätzendem Werthe sind, ja hiefür
ganz vorzugsweise als berufenste Quelle gelten müssen. Den An-
gaben des Herzogs Johann II von Siinmern-Sponheim über die Geburten
seiner Kinder von 1510—1532, die ol>en in der Note 213 mitgetheilt worden
sind, kann wohl Niemand die vollste Glaubwürdigkeit streitig machen.
Ebensowenig dem was sich in dem in Num. 31 erwähnten Tagebuche
des Kurfürsten Friedrich IV^ vom 9 Jänner 1596 bis 26 Jänner 1599
über die Niederkünften seiner Gemahlin eingetragen findet
Verlassen wir hiemit diesen Gegenstand, so braucht kaum besonders
betont zu werden, dass aus der Menge iler Persönlichkeiten welche in
diesen Genealogien im engeren wie im weiteren Sinne begegnen ein-
zelne die daraus besonders hervorragen selbständige Be-
arbeitungen gefunden haben, oder dass von einigen gerade vorzugs-
weise in die Augen fallende T baten einer eigenen Darstellung
gewürdigt worden sind. Man könnte hiebei sich in die Geschichte von
des m'alten baierischen Herzogs Garibald berühmter Tochter zurück ver-
lieren, der longobanlischen Königin Theodolinde, worauf sich die Bei-
lage XII bezieht, ln der Num. 25 ist ein Entwurf „etlicher denckh-
wirdiger Sachen Wilhelini IV^ Hertzogen in Bayrn“ berührt worden. Die
Thaten des Kurfüi'sten Friedrich I des Siegreichen sind in der Bearbeitimg
des Paul Hachenberg in Num. 34 vertreten. Es mag weiter hiezu noch
unten die Beilage XIII gezogen worden. Die Geschichte des Kurfürsten
Friedrich H, von dem ihm so nahe gestanden<m Hubert Thomas aus
Lüttich geschrieben, ist in Num. 26 erwähnt. Beiträge zur letzten Le-
benszeit des Herzogs Wolfgang von Zweibrücken und Neuburg bieten die
Num. 27, 28, 30. Umfangreiche Vorarbeiten zur Geschichte des Kurfüreten
Maximilian Emanuel, hauptsächlich wohl von seinem Ohristen und „Histori-
schreiber“ Johann Franz Diani. sind in Num. 36 zur Erwähnung gelangt.
Weiter mag daher die Beilage XIV zählen.
Es versteht sich hiebei von selbst, dass ausser solchen zusamruen-
faasenden Darstellungen sich auch noch andere Aufzeichnungen im ge-
heimen Haus- und Staatsarchive finden, welche für die Würdigung
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dieser und jener Persönlichkeiten namentlich nach ein-
zelnen Seiten hin von Interesse sind. Man denke nur etwa an die
so zu nennemlen Jlonita paterna dieser und jener baierischen wie pfill-
zisehen lleiTScher von Wolfgang von Zsveibrücken und Wilhelm V an für
ihre Söhne. Abgesehen hievon erübrigt das für die Unterweisung des Herzogs
Johann Friedrich von Neubnrg-Hiltpoltstein bestimmte Ifandbüchlein haupt-
sächlich zu Johannis Sleidani de quatuor sumniis Inijierii.s Ins zum Jahre
1004, in der Form von Frage und Antwort, hier und dort mit Federzeich-
nungen. Weiter mag, was den Sohn des Kurfürsten Friedrich IV von der
Pfalz l)etritt't, den bekannten Friedricli V, ausser Nachrichten über seine
Studienzeit in .Sedan Injsonders vom Jahre 1008 an®*®) noch aus einem
spateren .Saminelbande des 18 Jahrhunderts an Abschriften von Arbeiten
des Heinrich Alting erinnert werden, die im innigsten Zusammenliange mit
der religiösen Erziehung des Pfalzgrafen Friedrich V stehen: die institutio
Friderici V, couiitis palatini ad iUieiium, ducis llavariae. sub privato prae-
ceptore M. Henrico Altingo,®*®) weiter ein aus dem .Jahre 1029 stammen-
der theologischer Rath desselben, ob es den orthodoxen Refonnirten erlaubt
sei, eine Taufe von Lutheranern zu verlangen und zu nelimen.
Begehrt man Aufzeichnungen zu einzelnen bedeutenderen
Ereignissen die sich an die Regierungszeit dieser und
jener Herrscher knüpfen, so mag abgesehen von der Abschrift von
‘^34) Es ist ein Quartband in steifem rothen Papierüberzage, auf dessen erstes Blatt sieb der
Pfalzgraf Johann Friedricfa mit dem Motto .Vine roemor lethi" im Jahre 1605 cingeieichnet hat, im
geheimen HausarebiTe.
Bei dem Kaiser Constantin dem Grossen begegnet die Präge: Qaid de illius donatione sentis
qaando Vrbem Bomam et Italiam episeoi>o romano donatse scribitur? Piinnentum esse pontiAcium —
lautet die Antwort — probatac Historiae docent: deinde successoribas illius imminuere oem potait.
pag. 155.
In dem Abschnitte de ecclesia und zwar quomodo a Constantini tempore religio chriatiana eet
propagata? wird zum Jahre 574 beim heiligen «Bupertus, Francorum initio episcopus“ und seiner
Tanfe des Herzoge Theodo auf das dritte ßneh von Aventins baierischen Annalen verwiesen-
Spater finden wir in dem Abschnitte de Imperii romani translatione ad Germanos die Frage,
Rectene Septernuiralis Collegij institntio ml Ottonem III refertur? dahin beantwortet: Kon. Constituit
qnidem Otto, ut potestas eligeodi Imperatorem Rom. penes optiinates esset: Septemairi autem post
Friderici II tempora demum invalaerunt.
2S5) Vgl. nachher aus der Note 238 die Lit. e.
236) Vielleicht ist das der Unterricht, von welchem Hausier in seiner Geschichte der rbei*
nlscben Pfalz II 3- 258 in der Note 15 bemerkt, dass er sieb in einer Pfälzer HandKbrift befinde,
und dass Lewald ihn beraosgegeben und erläutert habe. Heidelberg 1841.
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wi&s. XV. Bd. UI. Abth. 18
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Aktenstücken zur Geschichte der Straubing'schen Erbfolge von 1425-1430
in Nuin. 91 hier beispielsweise nur an die unheilvollen Folgen der eigen-
nützigen letztwilligen Verfügung des Herzogs Georg des Reichen von
Jfiederbaiem - Landshut erinnert sein. V'on der hiebei so wichtigen Ver-
handlung in dem Streite der Herzoge Albrecht und Wolfgang von Ober-
baiern gegen den Pfalzgrafen Ruprecht wegen der Verla-ssenschaft des
Ijerührten Herrschers auf dem kaiserlichen Rechtstage zu Augsburg vom
5 -18 Februar 1504 sind in Xum. 22 zwei bisher nicht näher berück-
sichtigte Exemplare uufgezählt worden. Aber sie sind keineswegs die
einzigen welche sich erhalten haben. War ja auch später noch, sogar
noch im dritten und letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, Gelegen-
heit geboten, hierauf mehrfach zurückzugreifen. So finden sich deim im
geheimen Haus- wie Staatsarchive ausser den zunächst erwähnten noch
weitere Al)schriften und Bruchstücke von solchen vor. Die mit diesem
Streithandel in Zusammenhang stehende „Summa actorum coram Caesare
Maximiliauo inter duces Bavariae Albertum et Wolfgangum contra ducem
Rupertum Pulatinum ex altera parte propter hereditatem ducis Bavariae
Georgium ventilatorum“ des Johann AVämpl ist bereits oben in Num. 33
erwähnt worden. Den Bauernaufstand in der Pfalz und in Salzburg be-
handeln die Kum. 23 und 93. Vielleicht ziehen den einen oder an<leren
Leser auch die Gedanken eines begeisterten Anhängers der deutschen
Reiterei, des Johann Paul Pirkher von Pirkh, über ihre Bedeutung für
Baiem aus dem Jahre 1606 an, deren in der Beilage XVI Erwähnung
geschieht. Dass endlich wieder eine Erbfolgefrage Veraula.s8ung zum
Entstehen dahin eimschlagender geschichtlicher wie rechtlicher Arl>eiten
gegeben, nämlich die bekamite österreichische, betlarf keiner eigenen Aus-
einandersetzung. Es mögen hier neben der Schrift des Franz Joseph
Freiherrn v. Unertl in der Beilage HI nur noch zwei weitere aus der
Reibe dahin zählender Arbeiten dieses hiebei in hohem Grade bothätigten
Staatsmannes in den Beilagen XVII und XVIII aufgeführt sein.
Unterliegt es sodann keinem Zweifel, dass oft l>edeutsame Aufschlüsse
eigenster Art nach verschiedenen Seiten hin den Tagebüchern’***)
237) die Beilage XV.
238) Ist schon \n der ersten Abtheilong in der Kote 16 S. eine Auswahl tod soleheOf
haaptsachlicfa tod Keisediarien, luitgetheilt worden, so mögen hier noch folgende PlaU finden:
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und Memoiren »ich entnehmen lassen, so wird inan wohl der Ver-
zeichnung einer Anzahl von solchen nur Dank wissen, wie etwa in
Nuui. 24 der Abschrift des Tagebuches des Herzogs Ott -Heinrich von
^ a)
Manche anziehende Mittheilangen enthalt das .Verzaichnae wae ronn wegen des darcblencht.
hoebgebomon ineiooe gnedigen P&reten rnnd Herrn Philipps Ludwigen — nämlich Ton Neoborg —
Pfaltzgraoens etc. ansgeben rnod Terchrt worden, all« sein fQrstl. Gn. meinem auch gnedigen fürvten
vnnd berm Wilhelmen Hertzogen m GQlch Clene rnd llerg etc. das Glaitt ronn Neaborg ans naher
Laugingen gegeben* Tom 11— *20 Oktober 1574 In einem Folioheft« im geheimen Haoearefaire.
Zo Mödingen ist unter anderem am 15 Oktober nachstehendes rerrechnet:
Erstlich dem Ap]K>tegger fär aio gläszltn vol Gurgclwasscr so er meinem gnedigen Fürsten
Tnnd Herrn zugericht vnd geio Medingen gebracht l[autj Z[etel] 44 kr.
lt«m dem Kochen jungen, Schneider genant, Ttnb ain par scbuch beult ... 16 kr.
Item einen Polen mit brieten gein Kaii^heim geachickht, meines gne<iigen Fürsten rnd herrn
ankunfft cuuermelden. Jtem jne vonu da aus voUvnU gein Neuburg des Vischsebifs halben laujfen
lauen. Ime von 6 meilen j« ronn einer 4 kr. geben; thut 24 kr.
Item aus beuelch meines gnedigen Fürsten vnnd herm zu Medingen der Verwalterin vnnd
Clossterfrswen verehrt 6 6.; der ProbsUn 4 fl.; dem Gesindt 2 fl.; Summa ... 12 fl
h)
Ein geheftetes Libeil in Folio, wovon das erste Blatt leer» auf der Rückseite des letzten
,, Beschreibung vnnsers gnedigen Forsten vnnd herrn Hertzogi) Ferdinanden jn Raym etc. Littichiseben
Rais vniiU Einritts“ steht, im geheimen Hanurchive» beluindelt diesen Gegenstand von der Abreise
zu München am 27 Mai 1581 bis zur Rückreise von Stuttgart am 22 Juli Morgens 4 Uhr and der
Ankunft in München am 24 dieses Monats.
Der Uaupttitel an der Spitze des Ganzen lautet ; Yeruichnos wie der durcbleochtig hochgebore
vnnser genediger Fürst vnd Herr Hertzog Ferdinand jo Bayrn etc. von München aas nach Lüttich
den weeg genommen, was sich auch ungeoerlich auf solcher Rais zugetragen.
Ausführlich ist der Empfang wie Einzug in Lüttich am Sonntage den 18 Juni und der Auf-
enthalt dortsclbst bis zum 28 dieses Monats beschrieben.
«)
Unter der Ueberschrift „Veraeignus Beyder Ihrer Fürsll. Dnrchl. Hertzogs Philipsten vnnd
Ferdinanden — nimlich der Sühne des Herzogs Wilhelm V — Komischen Baiszen“ verwahrt das ge-
heime Hausarchiv das Tagebuch von ihrer Abreise zu München am 28 Oktober bis zur Ankunft in
Rom am 8 Dezember mit dem dortigen Aufentbaltu bis zum 13 Dezember 1592 auf 10 nicht ge-
hefteten Bogen in Folio, wovon die letzten 3 Seiten nicht mehr beschrieben.
d)
Ebenda erübrigt von der Reise des Henogs Wolfgang Wilhelm von Neuburg, des Sohnes de«
Herzogs Philipp Ludsrig, nach Paris auf zwei ineinanderliegenden und einem dritten Bogen, dessen
zweites Blatt nicht mehr beschrieben, der halbbrüchige an seinen Vater bestimmte Schluubericbt
von der Audienz am französischen Königshofe am 26 März 1601 bis zur Rückkehr nach Neuburg im
April 1601 , erstattet am 20 dieses Monats. ,
«)
Manche interessante Seite entrollen sodann die wieder im geheimen Hanurchive vorhandenen
Akten über die Ausbildung des pfälzischen Kurprinzen Friedrich, des bald so viel geprüften Sohnes
des Kurfürsten Friedrich IV, aus dem ersten Jahrzeliont des 17 Jahrhunderts.
8ie drehen sich hauptsächlich um den Anfang der Studienzeit in Sedan vom Juli 1608 bis in
das Jahr 1610.
18*
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Neuburg ül>er die Jahre 1521 — 1534, in Nuin. 2!) der Aufzeichnungeu
über den Zug des Heraogs Ferdinand zur Unteretützung seines Bruders
Ernst ini kölnischen beziehungsweise Truchsess'schen Kriege in den Jahren
Gleich einer der Berichte der ohereten Spitten der Begleitung, des Burggrafen Achaz von
Dohna *u AUei und de« Bnr^rafen zu Starkenhurg, cnUialt rum 15 Juli lß08 Miltbeilungen 6her
die Beratbuug mit dein Herzoge von Bouillon — vgl. Häusscr'« Geschichte der rheiutscheo Pfali
II S. 257;26c^ — bexügUch de« Gange« der Unterweisung.
Zunächst wunlo die noch bei den Akten befindliche , Aasztheiluug der Stunden* festgeeeUt:
wobejr auch — wie hieran geknüpft ist — dieses errinnert vndl herr Tilenus vflf hochgem. Hertzogs
von Bouillons fürstl. On. begehren sich dahin erclirt hatt, das er nicht allein die begehrte 4 Stundt
in der Wochen zue Ynderweiszung in Historieu mit alJera fieütz anwenden, sondern auch vber dUz
hochgem. Hertzog Friederichs gantze Institution in litcris vndt Cateeliismo eine fleUzige viTsicht haben
vndt das directorium in distem führen woltt>^, viidertlientgster hoffnung, es werden Kuer Cburf. Gn.
jhnie vif den Fall belit^bens solches noch ferner vndt in spocie beueihen, auch ~ da Sie deszen
sonsten kein bedencken hellen — jhme seine vorige bestallung oder gleichmesslge gnedigsi zue-
stellen laszen.
IMreffendt den Ingenieur oler Vndervreiszang des jungen Herren ln der Matbeiuatic ist vff
vnser Aiibringon angezeigt worden, da;» Vandam seit b*>cbgem. Hertzog Friederichs von Sedan Ver*
reyszen auch sonnten nie einige bestallung von Euer Cburf. Gn. gehabt, anietzo za Pariis sey.
darendts die Landt-TafTelln von der Champaigne vndt andere Sachen der Konigl. Mayest. etc ver-
ferttigen müsze, schwerlich vor dem October zuc Si-dan anlangen werde, auch mit verferttigung vor-
angezogener jbine anbeuoblcner Sachen diesen Wietter nicht werde kOnuen ferttig werden : kdndte
also vmb desto weniger dieszer Institution abwartten oder sich in einige nebenbestallung elnlaszen.
Ist demnach Euer Cburf. Gn. Katb Carle Panln, so ohne das naher Parisz verschicket, anbenohlen
worden, bey Mons. de L'heanme daselb^ten sich zuerkundigen u. s. w.
Ans der berührten Stundenordnung .sei hier nur bemerkt, dass von 8—9 Uhr Morgens „die
colloquia desz Corderij zu Vbung der Latinisebon sprach*' zu repetires seien. Ueber der Mittags-
mahlzeit hatte der fürstliche Zögling .jrgend ein liupschen sentontz oder Spruch vnd kurze hlstorien
zuentchlcn vnd vorznbringen“. Vmb zwej Vliren nach mittag ist wider zum studirn tu schreitten,
vnd der anfang mit der repetition desz Catechismi zumacben, vnd die stund bisz tu 8 Vhren mit
intorpretirung einer epistol aus dem Cicerone zuzubringen, vnd fortan anzuwelszen zu lesuog vnd
atudirung der liistorien vnd gesebiebtten ; vnd kan hierinnen zu morgens auch etwasz zeit ver-
wendet werden.
f)
Von den in der Note 16 der ersten Abtheiloug unter Lit. i erwähnten Aufzoiebnungon über
den Aufenthalt des Kurfürsten Ferdinand Maria sammt Gemahlin während de« Keiebstage« zu Begens-
burg vom 9 Jänner bis zum 26 März 1664 liegt ein zweites Exemplar im geheimen Hausarebive in
einem Foliobande von Pappendeckel mit weissem Lederöberzuge vor, welches dieses „Diarium nach
Ihrer CburfQrstl. Darcbl. meines genedlgs>ten Herrn vnd meiner genedigsten Frauen ankhunfft nach
Regenspurg* auf seinen ersten 171 Seiten enthält.
i)
Ueber den Betrieb der Studien des Prinzen Gustav Philipp, des Sohnes des Herzogs Leopold
Ludwig zu ITeldenz, in Paris geben die Berichte de« Johann Philipp Heintz vom Ende des Monats
November 1666 bis zum 14 '24 Mäit 166S im geheimen Hausarebive AuskuofC.
Am Montage wurde — laut der an der Spitze bcündUchen Tagesordnung nach dem nnter
Zugrundlegung des „C^mpendium Ilutteri" behandelten Religionsunterrichte „ein stück in desz Clnveri
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1583 «nil 1584, in Num. 31 des Tagebuches des Kurfüi-sten Friedrich IV
vom 9 Jänner 1596 bis zum 26 Jänner 1599. So manches auch erübrigt
noch aus der Zeit Kai-1 Alberts. Eigenhändige Aufzeichnungen von ihm
über Ereignisse vom November 1723 bis zum November des folgenden
Jahres in französischer Sprache sind in Num. 38 orwälint worden. Solcher
in deutscher S]n'iiche hauptsächlich vom Jahre 1727 Ijezieliimgswoise 1728
bis über den Tod seiner Mutter, der verwittweten Kurfürstin Therese
Kunigunde, im Jahre 1730 wird in der Eeilage XIX gedacht. Ein"
Tagebuch über die Kiiegsereignis.se in Böhmen im Jahre 1742 ist iu
Ejiitom« Uintoriarum explicirt, rnilt (larauff ein KxercHitint styli Riiroani gegeben: auch über liasz
die Arithmetic Tnilt Geographia nach zala«iaog der Zeit tractirt**. Unter dem Uienstage ist die
„memorirnDg de«x Lipeij Pelitic** eingc^tzt. Donnerstags würdt da«z Jna PabHcnm ausz dem Braut*
lach gelcBzen, rndt dasz nothwendJge meiimrirt : sonsten wQrdt wie die vorige tag continuirt in dem
Clarero. Freytags werden die InstttutioneB Juris Justinianei tractirt» Ihme dieszelbe explicirt, die
deUnitioDcs vudt divisionee nobiliorcs wie auch die Kegulae Juris zu meiuoriren aulTgcgeben werden:
dan bisz ietzo man mit der Historia Juris noch zubracht.
b)
Das HDiariutu wa»z sieh vom 7 Juni Di'^d bis zu endt der Belögorung in Wienn bey der
Tirckhischen annee znegetragon“ findet sich anf vier gehefteten Foliobogeii , wovon die letzten drei
Seiten nicht uielir beschrieben« von einer Hand des 17/!^ Jahrhunderts io einem äammclbande der
HandscbriftcnabtlieiluDg der Bibliothek des geheimen Hansarchives.
Es stimmt« soweit eine nur buchst oberfiächHchc Vorglcicfaung zn einer Aeussvruxig berechtigt,
ira grossen Ganzen mit dem Anhänge welchen Firnhaber zu Pai. Brulig's Bericht über die berührte
Belagerung Wiens im Archive fGr Kunde österreichischer Ge»cbichtM|uellen 1^50 8. 41^6—^08 mit-
getheilt hat,
i)
L>as, wie es den Anschein bat. am Anfänge nicht mehr ganz vollständige Tagebuch des Reichs-
hofrathes Frietlricli Binder über die Vorgänge in dem bekannten Orleans'sehen Erbichaftsstreite —
vgl. Häussers Geschichte der rbeinischen Pfalz II 8. 766 bis 7d*J, — jetzt vom 1 November 169^
bis 9 Dezember 1699 findet sich in einem Pappendeckel bande mit rotbem Sammtüberzuge im geheimen
Hausarchive.
Vorne ist der schöne Kupferstich des J. A. 8eupel von dem von Merian im März 1701 ge*
malten Porträte des .Frideriens Binder, sac. Caes. Maj. Consiliarius Imperialis Aoliens et In causa
Pulatiiia Anreliaoensi pro tempore Pleiiipotentiarius Coesareus, natus die <^15 octobris 1646** in Gross-
foüo eingeheftet.
k)
In einer gewissen Art bilden auch Memoiren die Aufzeichnungen über den kaiserlichen Hof
und über Persönlichkeiten wie Zustände der obersten neicbastellen aus deu Jahren 174B/1749 in der
Beilage XX.
l>
Etwas über die Zeitbegränzung dieses Vortrages hinaus fällt endlich das Tagebuch des kur-
pfiltischen Uofbiblinthekars und Akademikers Maillot de la Treille über seine literarische Reise in
Italien vom Oktober 1767 bis in den Mai 1768, wovon ich in den Beilagen VIII und IX der
akademischen Festschrift „Die Pflege der Geechichte durch die Witt-^lsbacher** 8. (80 — 38—50) ge-
handelt habe.
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Nuni. 39 aufgeführt. Wieder eigenhändige Mittheilungen dieses Fürsten
als deutschen Kaiser aus dem Jahre 1744 finden sich in Nuin. 40.
Nicht lange nach seinem Tode fallen endlich die in der Beilage XX
berührten interessanten Mittheiluugon über den kaiserlichen Hof und über
Persönlichkeiten wie Zustände der höchsten Reichsstellen aus den Jahren
1748 1749, die zweifelsohne zur Beachtung von Seite Baierns oder des
kurpfälzischen wie vielleicht eines anderen pfitlzischen Hofes zu Papier
gebracht sind.
Aber nicht allein Pei-sonen kommen für die Geschichtschreibung in
Betracht , gleichviel ob einzeln oder im grösseren Ganzen : auch der
Schauplatz auf welchem die oft so wechselvollen Ereignisse vor sich
gpgjmgen sind will gekannt sein. Mau bedurfte hionach von jeher
geographischer Hilfsmittel und was hiemit zusammen-
hängt. In dem Sammelbande des geheimen Hausarchivcs, welchen wir
in der ersten Abtheilung S. 39 — 50 kennen gelernt haben, findet sich in
Lit. g ein Bruchstück einer deutschen Uebersetzmig des geographischen
Werkes des Enea Silvio über Euro]>a. Wa.s insbesondere Baiem aulangt,
hat Aventin, wenn auch nur in Küi-ze, am Anfänge seiner Annalen wie
seiner Chronik hierauf Rücksicht genommen. Im Aufträge und auf Kosten
des Herzogs Albrecht V fertigte Philipp Apian die ausgezeichnete Be-
schreibung der vier Regierungsbezirke des Landes, deren Veröffentliclumg
der historische Verein von Oberbaiern als Festgabe zur sielienhundert-
jährigen Regierungsfeier des Wittelsbach’schen Hauses bestimmt hat. In
Nmn. 43 ist das Original des Rentamtes Burghauseu und sein Vcrzeich-
niss der Aemtor des Rentamtes Landshut erwähnt worden. Die Delineatio
Norici veteris ejusque confinimn una cum nomenclatore des Christof
Güwold ist gleichfalls in der ersten Abtheilung S. 33 bereits berührt.
Wemi auch nicht, wie hier, für das ganze Land, so liegen auch, was
die Pfalz betrifft, doch für einzelne Gebiete höchst verdienstvolle Arbeiten
vor. So die in Kum. 42 aufgezählte Beschreibung der Aemter Zwei-
brücken und Kirkel von Tilemann Stella, auf Befehl des Herzogs
239) In acioero Archive für vatcrliodische Geschichte, iiand XXXIX : Philipp Apiaos Topo-
l^aphie von Üaiern und baicrische Wappensammlang. Mit 60 AbbildDogsUfeln.
240) Vgl. über ihn auch noch des Georg CbrUtian CrolUns de Ülustri olim bibliotheca ducali
Bipontina per duplieem temporum iDiuriam saecalo soperiori deperdita commentatio § VI mit der Note
a. H. H-23.
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Wolfgang hergestellt, deren Schluss die zwei auch geschichtlich nicht
uninteressanten Abschnitte :
a) die verzaichnung der allten vnd wüsten dorflF vnd hofFstete, welche
in den baiden Ainbtem gefunden werden, wie der Verfasser „die-
selbigen geiiieinlich selbst besehen“’ hat,
b) ein bericht von den alten örtern do alltc vnd heidnische gebcw
gestanden sind, deszgleichen von den antiquiteten vnd allten heid-
nichen abgöttern vnd bildern welche jn disen Ijiüden Anibtern ge-
funden werden,
bilden. Eine ähnhche Arbeit lieferte — vgl. Georg Christian Joaunis in
dorV'orrede zu seiner Au.sgabe der Historia Bavarico-Palatina des Daniel
Pareus S. 14, 15 — Johann Holfinann iin .Jahre 1585 für das Amt
T..ichtcuberg.
Mau begnügte sich übrigens schon auch iin Ifi Jahrhunderte mit
dergleichen geographischen Darstellungen in Wort allein nicht, sondern
verauchte sie auch in einem zusammenfassenden Bilde vor Augen zu
führen. Wir wissen, dass Aventin im Jahre 1522 als Vorläufer seines
baierischen Geschichtswerkes einen den herzoglichen Brüdern Wilhelm
Ludwig und Ernst gewidmeten Auszug auf 32 Blättern in Folio ver-
öffentlichte. Darin spricht er von einer „beschreibung sambt einer mappa
nach rechter kunst des ganzen lands Stet Wasser Perg vnd w.as sonnst
hierjnnen anzuzeigen die notturfl't erayscht". Diese erete Karte von
Baiern, auf zwei Folioblättern in Holz geschnitten, erschien als , Obern
vnd Nidern Baini, bey den alten hu Latein vnd Kriechischen Vindelicia“
gleichfalls im Jahre 1522, wieder den genannten Herzogen gewidmet
und in neuer veränderter Auflage im Jahre 1533 als ,.Ioannis Aventini
tyqms Vindeliciae sive utriusque Bavariae secundmu antiqunm et recen-
tiorem situin“ zu Landshut bei Johann Weissenburger, bei welchem auch
die aus einem Folioblatto bestehende kurze Unterweisung zur ersten Karte
gedruckt ist. Weiter ist bekannt wie der kunst- und prachtliebendo
Herzog Albrecht V mit der Herausgabe einer solchen Mappa von Baiem
in grösserem Umfange den vorhin bereits genannten Philipp Apian be-
auftragt hat Im Jahre 1563 war sie vollendet 484 Quadratschuhe! gross
und künstlerisch ausgestattet, und sollte nach der Meinung des Herstellers
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für den erlaucliteji Urheber ein „ewigs Klainot, Lob- und Klirenwerk“
sein. IJn dieser übrigens die herrliehe Arbeit nicht für sich allein Iw-
sitzen, sondern sie als Gemeingut wissen wollte, sollte Ajnan sie ..etwas
eingezogners in ein besonderi! Mapj)en bringen und j>ublicirn'‘ wie einen
alphab(!tischen Iudex dazu fertigen. So kamen im Jahre l.o68 zu Mün-
chen und Ingolstadt die ..XXIV bairischen Landtaflen“ heraus, welche der
Münzwardein Peter Weiner im Jahre 1579 nachgestochen. Scheint es,
dass diese Unbill unsern Apian zu dem Entschlüsse brachte, seine grosse
Karte zu veröffentlichen, so scheiterte diese AI>sicht an der Itiesenaufgabe
der Vervielfiiltigung. Nur eine Netz- oder Uebersichtskarte znm „Neuen
Bayrlandt" hat er noch in Holz schneiden lassen.-*') Im Vorühergehon
mag noch aiigedouti't sein, dass die ganze grosse historisch-gcograplüsch-
statistisehe Arbeit mit reichem xyIograj)hischem Schmucke versehen
werden sollte, insbesonilere auch mit den Wappen der Glieder der alt-
baiorischen Landsti'inde wie des zu seiner Zeit abgegangenen Adels, welche
der historische Verein von Oberbaiern nun gleichfalls zur Veröffentlichung
gebracht hat. Abgesehen von einer weiteren Auflage der haierischen
Landtafeln ans <lom Jahre 1(151 mag auch noch an die Arbeiten des
Georg Philipp Finckh und insbesondere die von seinem gleichnamigen
Sohne im Jahre 1684 besorgte Ausgabe der väterlichen Karte von Baiem
in 28 Blättern erinnert sein.
Dass neben den grösseren Arbeiten wovon die Re<le gewesen auch
insbesondere die Geschichte einzelner Gebiete und Orte mehr
oder weniger Berücksichtigung gefunden, wird nicht wunder nehiiien.
Wenn auch vielfach mit Fabeleien untermischt, bieten doch die in der
Num. 41 angeführten Aufzeichnungen des Jakob Beyerlin? über pfälzische
Orte namentlich wo von späteren Zeiten die Sprache ist mitunter brauch-
baren Stoff. Dass es weiter an der Behandlung besonderer Verhältnisse
dieser und jener Orte nicht fehlt, dafür nur folgende Nachweise. In
Num. 45 sind Schicksale Nabburgs aus der Zeit des dreissigjäluigen
Krieges berührt. Li der Beilage XXI solche der Stadt Froistadt in der
oberen Pfalz. Die in Num. 46 besprochene Arbeit des Johann Wämpl
erörtert die Frage: wasz gestalten die Stadt Kegenspurg von dem Herzog-
241) Vgl. y. Oef«le im oberbAieritebeo ÄrchiTe a. a. 0. S. IT— VII.
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139
tliunib Bayrn kommen, und ob Kurfürst Ferdinand Maria wohl welche
Anspnicho in der Beziehung geltend machen könne. Eine topographisch-
statistische Geschichte von Zweibrücken von David König ist in den
Num. 84 und 88 zur Erwähniing gelangt. War sodann für das pfäl-
zische Herrscherhaus die Grafschaft Sponheim nicht ohne Bedeutung, so
kann an die Schrift des Christof Jakob Krcmer in Num. 104 erinnert
sein. Auch die mehrseitig interessanten Verhältnisse des sogenannten
Cröverreichs sind in den Num. 95 und 103 berücksichtigt. Vier Arijeiteu
zur Geschichte der seinerzeit an einen wichtigen Zweig der Pfälzer Linie
des Wittelsbachischen Hauses gelangten Grafschaft Happoltstein finden sich
in den Beilagen XXH — XXV’ einschliesslich verzeichnet.
So verdienstvoll und mitunter in hohem Grade wichtig die Schriften
sind welche im bisherigen Vh-rlaufe berührt worden, ganz vorzugsweise
Berücksichtigung erheischen dennoch ihnen gegenüber die eigentlich
geschichtlichen Darstellungen, sei es von hervorragenden
Ereignissen, sei es hauptsächlich in grösserem Ganzen.
Man weiss zur Genüge, welcher allgemeinen Hilfsmittel sich
die Verfas-ser von Geschichtswerken im späteren Jlittelalter und über das-
selln: hinaus bedienten. Es ist bekannt, welch grosse Rolle d,»s Speculum
des V^incenz von Beauvais spielte, nicht minder welchen Einfluss weiterhin
das Werk wieder eines Dominikaners, des Martin von 'l'roppau, ausübte,
sowie auch die minoritischen Flores tem{)orum und was man unter der
Chronica Martiniana oder gleich personificirt dem Martinianus verstand.
Wir Ijedürfen hiefür keiner fernher geholten Belege. Ulrich Fütrer macht
in der V’orrede seiner baierischen Chronik abgesehen von dem „aller ge-
lertisten edlen Coronisisten Garibaldus, der diser gesta vnd materi das
aller lewtrist anzaigen vnd bericht gibt“ den „Vincencium in sjmjcuIo
hystoriali, Alfonsum, Martinianmn, Franciscum Petrarcha“ etc. namhaft.
Es mag hiezu der wohl für Zwecke Aventins gefertigte Auszug daraus
in der Num. 58 verglichen werden. Nicht minder die beiden in der
Num. 59 besprochenen Anfiinge einer baierischen Chronik eben des Johann
Timuaier von Abensborg. Sind diese Stücke silmmtlich dom oben in der
ersten Abtheilimg S. 39 — 50 berührten Saramelbande des geheimen Haus-
archives entnommen, so bietet gerade er wie nicht leicht etwas anderes
Gelegenheit, äusserst beipiem einen Blick in eine Werkstätte der
Abb. d. m. CI. d. k. Ak. d. Wiu. XV. Üd. III. Abth. 1»
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140
Geschicbtschreibiing jener Zeit zu werfen, in die Werkstätte von
Niemand geringerem als eben unserem Aventin, und zwar einen Blick,
welcher nicht niu" tbeilweise die allgemeinen Hilfsmittel sondern auch
besondere für diese und jene Bedürfnisse erkennen lässt.
Bleiben wir hier bei der Geschichte Baierns stehen, so wurden
natürlich die bereits vorhandenen Annalen und Chroniken wie sonstigen
geschichtlichen Aufzeichnungen, beispielsweise des Otto von Freising, des
Hermann von Niederaltach, die Scheiern-'Wittelsbach'sche Gesclilechtstafel,
von den Nachfolgern immer mehr oder minder ausgiebig benützt. Und
je weniger man im Mittelalter und noch später den Begriff dessen kannte
w'as man jetzt unter Plagiat versteht, indem man unlwiiTt durch die
etwa gegontlieiligen Ansichten einzelner Schriftsteller ül>er diesen Punkt
das was einmal vorhanden war als Gemeingut betrachtete, um so weniger
wird man erstaunt sein können, wenn theilwoise in einer späteren Chronik
auf den ei'sten Blick die Anlehnung an eine friihere entgegenti'itt, oder
w'enn diese so und so oft gleich wortwörtlich w'ieder begegnet.
Nun war gerade in Baiern kein Mangel an dergleichen Arbeiten.
V'erschiedeno Umstände wirkten da günstig zusammen. Nicht zum min-
desten die stete Förderung, deren sie sich von Seite der
Fürsten des Hauses Wittelsbach in mannigfachster Weise
zu erfreuen hatten.
Ist eben jetzt allenthalben im Lande die Erinnerung an den Zeit-
j)unkt wach, da vor sieben Jahrhunderten an ein Glied dieses erlauchten
Stanmies die herzogliche Würde von Baiern gelangte, woran sich bald
auch der Besitz der wichtigen Pfalzgrafschaft am Rhein geschlossen, so
wird es bei dieser Gelegenheit sich für die historische Classe der Aka-
demie der Wissenschaften, welcher ja die Pflege der Geschichte und zwar
insbesondere der des Vaterlandes zur Aufgabe gesetzt, ist. w'ohl schicken,
einen wenn auch nur flüchtigen Blick dahin zu werfen, w'ie hiefür das
Haus Wittelsbach — gleichviel ob in Baieni oder in der Pfalz — sein
reges Interesse bekundet.
Vor Allem verdient Beachtung, wie seine Glieder von frühen Zeiten
an für die Sammlung der Quellen und Hilfsmittel der Ge-
schichte bedacht gewesen, zunächst in den Archiven und Biblio-
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141
theken von Baiern und der Pfalz, dann in den Museen von Alterthümem,
von Münzen, und dergl. mehr.
Nicht minder förderten sie überall die Benützung dieser
Schätze zum Frommen der Geschichte auf jede erdenkliche
Weise.
Und sie interessirten sich nicht allein für das was hier zu schaffen
war, sondern einzelne aus ihnen übten selbst eine schrift-
stellerische Thätigkeit, indem sie Aufzeichnungen über ihre eigenen
Erlebnisse oder auch sonst dahin einschlagende besondere Vorkommnisse
machten, wofür sich in den Nuin. 24, 31, 38, 40 Beispiele finden, wler
selbst genealogische und Geschichtswerko verfassten, wie wir aus der
Num. 64. und weiter vom Hei-zoge Johann I von Zweibrücken wissen,
während sie ausserdem zeitweise in lebhaftem Brief-
wechsel'*'**) über Fnigen gestanden w'elche dahin cinschlugen.
Keineswegs unljedeutend ist sodann die Zahl der eigentlichen
grösseren Gesch ich ts werke welche sie durch ilii'e Aufträge und
ihre Anregung unmittelbar wie mittelbar ins Leben gerafen.
Bekannt genug endlich ist ihre Begünstigung von gelehrten
Gesellschaften und die Gründung der Akademie der Wissen-
schaften in Baiern wie in der Pfalz an dem Gi-ä:izpunkte welchen
von Anfang an die Be.sprechung „über ältere Arbeiten zur baierischen
und pfälzischen Geschichte im geheimen Haus- und Staatsiirchive“ sich
gesetzt hat.
Eines weiteren Eingehens auf diese Gesichtspunkte bin ich hier
überlioben, da ich im Aufträge unserer Classe in der Festschrift zur
angedouteten Feier „die Pflege der Geschichte durch die Wit-
telsbachei"* S. 9 -76 mit den Beilagen I — XII S. (1— 83) mich hierüber
einlässlicher verbreitet.
Die Früchte solcher Bestrebungen wie sie kein anderes deutsches
Land aufzu weisen hat, sie liegen der Betrachtimg Aller offen vor. Man
darf — abgesehen von den früheren Erzeugnis.sen — sich nur Aventins
erinnern, und insbesondere hiebei nicht übei-sehen, wie gerade er die bis
zum sechzehnten Jahrhunderte an den Tag getretenen Schöpfungen in
242) Vf;]. b^upieUweis« ob«n S. 106—112 mit den Noten 216 — 220, oder Rockinger, die Pflege
der Geschichte durch die WUteUbecher« aus der Beilage XI die ZifT. 15 S. (64 -70).
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ganz staunen«werthem Masse dureh das allseitige Beiziehen des
verschiedenartigsten urkundlichen Stoffes im weitesten
Sinne überholt hat.
Damit soll allerdings nicht behauptet sein, dass nicht noch immer
die früher beliebte wenn man will so geinüthliche Darstell imgsweise hal>e
Platz finden können. Es ist in Nmn. 57 einer Umarbeitung der
Chronik des Ulrich Fütrer gedacht worden, deren genauere Unter-
suchung nicht ohne Interesse sein möchte. Darf man, wie sie uns da
vorliegt, nicht eine einfache sondern möglicherweise eine dopjielte Um-
gestaltung annehmen, so möchte manches auf den ersten Blick an
irgend eine Betheiligung Aventins l)ci der ersten Umgestaltung denken
lassen. Ein Paar Anspielungen auf die .lahre 1525 und 152S wider-
sprechen wenigstens seiner Zeit nudit. Insbe-sondere aber liegt, wie es
den Anschein hat, in dem Satze bei Gelegenheit der Erwähnung des
ersten aus Deutschland im Jahre 1395 gegen die Türken unternommenen
Zuges „ini zeit-buech vbor gannz Tentstdrlandt wil ich nach notturfft
disen zug beschreiben“ eine fast unverkennbare Beziehung auf seine auch
sonst so und so oft mit sichtlicher Vorlielxs berührte Germania illnstrata.
Wie viel allenfall.s von dieser Umarbeitung in unserer Handschrift noch
erhalten sein mag, nach deren erster von den übrigen im Formate ab-
weichender Lage das Werk dem Herzoge Albrecht gewidmet ist, der
erst im Jahre 1528 das Licht der Welt erblickte, muss hier dahin ge-
stellt bleüjen. Im übrigen sei nur darauf hingedeutet, dass die Ver-
änderungen gegenüber der .\rbeit des Ulrich Fütrer theilweise keine nur
geringen sind. So wird die Erzählung von der Geburt Karls des Grossen
auf der Ileisinühle im Würmthale *■*■*) als eine lächerliche Fabel erklärt,
woran man höchstens noch in den Gunkeln glaube. Von einer Chronik
in der Bibliothek des alten Wessobrunn, aus w'elcher das Mährchen an-
geführt ist, dass Herzog Tassilo durch das Hineinblicken in zwei glühende
Becken erblindet und dann in das von ihm gestiftete Kloster Lorch ge-
kommen, sagt er, dass diese Chronik ein Quodlibet sei. Eine förmlich
kritische Behandhuig tritt bei der Erzählung von der Meerfahrt des
Grafen Eckhard von Scheiorn mit dem Bundschuhe zur Eroberung des
2«) Vgl. 1. «, 0. XV Abth. 1 S. 193/194.
244) Vgl. ebendort S. 186 — 189.
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heiligen Grabes ein, die aus der Zeit des Kaisere Heinrich iiii Jahre
1046 in die des Krouzzugos unter König Philipp von Frankreich iin
Jahre 1208 verwiesen wird. Höchst bedeutend ist weiter die Aenilerimg
bei der Behandlung der Geschichte des Kaisers Ludwig des Baiers, welche
oben a. a, 0. S. 192 auf eine andere Gelegenheit vei-spart worden ist,
und nunmehr in Beilage XXVI ihre Stelle findet.
Abgesehen von diesem Werke bildet aber insbesondere die Be-
achtung der Schätze der Bibliotheken und hauptsächlich
der Archive, die jetzt in so erfolgreicher Weise zum Durchbruche
gelangt war, auch für die Folgezeit eine Errungenschaft welche sich die
Geschichtschreibung in Baiern von da an nicht wieder hat entreis.sen
lassen. Die zwei Bücher der baiorischen Geschichte des Augustin Kölner,
in Nuin. 62, liefern den Beweis hiefttr, namentlich in ihrer auf rein
urkundlicher Grundlage ruhenden Behandlung der Herraclier aus dom
Hau.se Wittelsbach bis in den Beginn der Vierzigerjahre des 14 Jahr-
hunderts. Nicht minder die baierische und pfälzische Genealogie. Nuni. 66
und 67, wie das baierische Stammenbuch des Dr. Wiguleus Hundt.
Uebrigens treten gesclüchtlicho Werke grösseren Umfanges oder be-
sonderer Bedeutung in diesem Jahrhunderte nicht mehr entgegen. Eine
unheimlich düstere Macht luidagerte, wenigstens in Baiern, die gei-
stigen Itegungen. Vor Allem war Niemand geringerer als sein grosser
Geschichtschreiber zum Schlachtopfor auserkoren. Als bald
nach seinem Hinseheiden am 9 Jänner 1.534 der Buchdrucker Johann
Herwag zu Basel gewillt gewesen, die in lateinischer Spruche ubgcfassten
Annalen zu veröffentlichen, und desshalb den berühmten Eriwmus von
Uottordam um sein Vorwort bei dem baierischen K.mzler und Gönner
Aventins, Leonhard von Eck, ersuchte, damit ihm das Manuscript über-
geben werde, schrieb derselbe allerdings am 30 Juni und h August 1535
in dieser Angelegenheit, allein ohne Erfolg. Wahrscheinlich — bemerkt
Dr. Wie<lemann hiebei — war dem Herzoge der Verleger sowohl als
der Verlagsort Basel, beide der neuen Religionsgenossenschaft angchörend,
unangenehm. Einen Augenblick hatte es den Anschein, als ob trotzdem
245) EbeDduelbst S. 189 — 192.
24C) Johann Tnrmair, genannt ATentinns, GeBcbichtschreiber des baierischen Volles, 8. 257 — 280.
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die Sache sich günstig gestalten sollte. Des Kanzlere Sohn, Oswald von
Eck, Aventins treuer Zögling, entschloss sich nämlich da, die Annalen
der Presse zu ühergeben, von denen er ein vollständiges Exemplar liesaes:
einen Theil davon hatte er in seinem Hau.se, der andere l)efand sich in
der Bibliothek seines Vaters. Allein auch Oswald von Eck stiess auf
Hindernisse, die er nicht zu überwältigen vermochte. Er übertrug nun
diese Arl»it dem berühmten ür. Wolfgang Hunger. Doch auch er war
in seinem Vorhaben von keinem besseren Erfolge gekrönt. Endlich erhielt
Professor Hieronymus Ziegler in Ingolstadt vom Herzoge Albrecht V den
Auftrag, die Ausgabe der Annalen zu besorgen. Aljer wie V Mit dem
Befehle, Fabeleien und alles was zu hart namentlich gegen die Geistlich-
keit erscheuie zu streichen, und sich hiebei des Rathes der Doctoren
Wigulous Hundt und Christof Seid zu bedienen. Kaum hatte Oswald von
Eck von dem au Ziegler ergangenen Aufträge Kunde erhalten, als er
mit lobüuswerthem Eifer dieses Unternehmen wieder zu untei-stützen
suchte und seine aventinischen Manuscripte zur Verfügung stellte. Wie
er aber wahmahm, dass so manches ausgelassen und die Schöpfung
Aventins nur veretümmelt an das Tageslicht treten sollte, zog er sich
zurück. Cum viderem — sind seine Worte — multa omitti, et novam
historiam. non Aventini, cudi, nunquam deinde iuspicere volui. In solcher
Gestalt verliess endlic-h im Dezember 1554 das so lange ersehnte Werk,
dem Herzoge Albrecht V gewidmet, zu Ingolstadt die Pre.sse. Etwas besser
erging es seiner deutschen Bearlwitung in der baierischon Chronik.
Der Assessor Simon Schard am Kammergerichte zu Spoier, welcher ein
Exemplar derselben „nit mit geringen kosten“ an sich gebracht, übergab
diesen „Schatz dem gemeinen Teutschland zu gut, dem löblichen llausz
Pfalltz vnnd Beyern zu elu'en, auch jm dem Aventino zur ewigen ge-
dechtnusz“ dem Drucke, welcher — den Pfalzgrafen Friedrich, Georg,
Reichard, Wolfgang, und Georg Hanns gewidmet — zu Frankfurt am Main
im Jahre 156(i erschien, und zwar entgegen der Ausgabe der Annalen
in der Weise, dass die zu Grunde gelegte Handschrift nicht „behawen,
zurstümmelt, vnd keiner Censur“ unterworfen worden. Wie von den
Annalen, so konnte auch von der Chronik im Jahre 1580 eine neue
•247) A. ». O. S. 'JSO-3Ö3.
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Ausgabe erscheinen. Allein bereits gegen den .\usgang dieses Jahraehntes
ersah sich Herzog Wilhelm \', wie bereits in der ersten Abtheilung
S. 32/33 berührt worden, den schlauen Jesuiten und Exjesuiten Michael
Arroden *■**) zu der Aufgabe aus, die der römischen Kirche nicht genehme
„historiam bavaricam Joannis Aventini, damnati auctoris, plures et varios
errores continentem, ad studiosorum comcKlitatem ab eiToribus in ea
contentis expurgare“ oder auch „ein volkhommene! Bayerische History
zue schreiben“.
Diesem Gebahren in Baiern gegoiüil>er herrschte in der Pfalz in
der zweiten Hiilfte des 16 Jahrhunderts ein anderer Sinn imd desshalb
auch eine freiere gei.stige Bewegung. Wir wissen, dass einer der dortigen
Fürsten, Herzog Johann II von Simmern-Sjiouheiui, der im Jahre 1557
das Zeitliche gesegnet, sich sellist mit Geschichtschreibung abgab. Von
der Umarbeitung seiner baieriscli - pfälzischen Reimchronik, welche im
Jahre 1569 für seinen Sohn besorgt wui’de, den Kurfürsten Friedrich HI,
ist in Nnm. 64 die Ke<le gewesen, wozu noch die Num. 65 verglichen
sein mag. Von der Vorliebe seines anderen Sohnes Heichard für Genea-
logie und Geschichte geben die Mittheilungen ol)on in den Noten 215—220
zur Genüge Anhaltspunkte an die Hand. Das.% Kurfürst Ludwig V „in ainem
ansechlichen grosseii werch gewest, des llausz Bayrn herkomen jn ain *
volkomene histori zu bringen“ und durch den Druck zu verbreiten, ist
beispielsweise den oljen S. lOö in der Note 216 mitgetheilten Aktenstücken
aus dem Jahre 1583 wie dem Schlu-sse des sodann auf S. 120 bemhrten
Briefes des Herzogs Wilhelm V an den Herzog Philii>p Ludwig von Neu-
burg aus dem Jahre 1584 zu entnehmen. Weiter ist bekannt, wie
Herzog Johann I von Zweibrücken sich mit einem grossen genealogischen
Geschichtswerko des Wittelsliach’schen Hauses in nicht weniger als
25 Folianten beschäftigte. Zw’ar nur eine kleine Arljeit endlich ist es,
der wir in Num. 71 gedacht haben, aber im höchsten Gra<le rückhaltlos.
Dort haben wir schon gesehen, wie ihr Verfasser bei verechiedenen Ge-
legenheiten seinen Gefühlen nicht den mindesten Zwang anthut. Hören
*248) HinBiefatJicb des abßlligen Urtbeiivs des baierischen AgeDten Mimiccio dei MiDacei zq
Rom Tom 4 Februsr ir>92 Tgl. Rockmger, die Pflege der Geschichte dorch die WittelsbAchcr, Beilage
XII 8. (8‘>/b3).
249) Vgl. ebendort S. 61/62, wozu aas der Beilage XI die Ziff. 15 Bit. i S. (68/69) verglichen
werden mag.
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wir hier nur, wie er gleich unter Otto von Wittelsbach spricht ! In
seinen khintltlichen Jahren giib ihn »ein Vatter dem Keyser Conrad dem
dritten in einem Handel vnnd Vertrag zue Geysel. Da kam er im Hofif
in KhundtschafFt, vnnd ward erzogen mit desz Keysers Bruders söhnen,
der nachmals Keyser Friedorich der Erst von den Wahln Barbarossa ge-
nant. Diosinn Keyser war Ottho also lieb vnndt werth von wegen seines
Verstandts sitto vnd geschickhlichkeit, dasz er ihn fümemblich in allen
groszen saclien braucht. Solt man etwiin frieden machen, da wardt
Ottho hien geschickht. Führet man Krieg, da war Ottho der erst vnd
der best mit That. Dieszes Mans ehrlich vnd hefftig geinüth ist aasz
dem zuorachten; es kam desz Bapsts bottschafft zu Kh(»yser Friedrichen
gehn Bisants im Jahr 1156. Weil er die höret, stund Otth alsz ein
Marschalckh bey ihm mit bloszcm Schwerth. Da nun der Legat vnder
anderm sprach, der Keyser erzeigt sich gegen den Bapst vudanckhbar,
von dem er seine hochheit hette, ergrimmet Otth vber der Bedt der
niaszen, dasz er das Schw'erdt faaset, wolt den eretochen haben, wan der
Keyser nicht ausz seinem stuel wer auszgesprungen vnd ihm gewehret
hott. So wehe that es dem edlen Teutschen der Biipstbubcn hoffart vnd
vbermuth, den sie wieddi^r die Keyserlich Mayestat in.sonderheit der Zeit
^wiedder diesen teuren hehlen Friedcrichen den ersten, vbeten, welche
Jleyestat zu erhalten ‘vnd zu mehren dem Otth kain arlieit zu schwehr,
kein gefahr zu grosz war. Darausz zuerachten, wie ihme zu gemüth
gewesen, da er hört, dasz sein herr der Kheyszer sich vom Bapst mit
fuessen hatt trotten la.s.sen zue Venedig vor st, Marx Kirchen.
Boschüftigen sich die Schriften wovon die Ilede gewesen eigentlich
mit der baierisehen wie pfälzischen Geschichte in gi-össercn wie kleineren
Zeiträumen, so ist weiter nicht zu üljerseheu, da-ss in manchen von ihnen
aucli mitunter einzelnen geschichtlich mehr oder minder
wichtigen oder W'cuigsteus interessanten Fragen eine eigene
Erörterung gewidmet ist. Es stu hier nur daran oriuuei't, wie Aventin
in der in Nuin. 60 berührten Arbeit das Aufkommen der Kurfürsten be-
handelt, oder wie Herzog Johann II von Simmern-Sponheim in der Ein-
leitung zu seinem vorhin erwähnten Werke, beziehungsweise die Um-
arbeitung desselben in der Num. 64 a die Entstehung der Pfalzgrafen-
wttrde untersucht.
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Doch kehren wir wieder zur Landesgeschichte hauptsächlich
von Baiern zwück ! Hatte sich auch Herzog Wilhelm V hinsichtlich
des Vollzuges seines oben S. 145 berührten Auftrages an seinen Günst-
ling Michael Arroden ganz ausst^rordentlich getäuscht, so schreckte dieses
seinen Sohn Maximilian I, dem die Herstellung eines grossen baieri-
schen Geschichtswerkes, wie allgemein l>ekaimt ist, nicht minder am
Herzen lag, keineswegs ab. Nur wendete er sich desshalb zunächst an
Jemand anderen. Es ist nicht nöthig, hier auf seine Bestrebungen in
dieser Beziehung mit besonderer Ausführlichkeit einzugehen, nachdem
College Friedrich in seinem V'ortrago zur Vorfeier des 1 1 3 Stiftungstages
unserer Körperschaft „über die Geschichtschreibimg unter dom Kurfürsten
Maximilian f“ am 27 März 1872 sich hierüber verbreitet hat, und wir
selbst in der akademischen Festschrift „die Pflege der Geschichte durch
die Wittelsbacher“ S. 40 — 57 sammt der Beilage XI S. (55 — 82) diesen
Gegenstand gleichfalls und zwar mit Benützung zahlreicher Aktenstücke
des geheimen Hau.s- und Staatsarchives bis in eine umfassende Auswahl
aus der oft beinahe erdiiickenden Menge von Einzelheiten verfolgt haben.
Mit aller Hingebung war Marx Welser der Aufgabe obgelegen wozu
er Busersehen worden, und Baierns Herrscher erklärte sich, nachdem am
1 April 1600 d.'us vierte Buch zum Aljschlusse gelangt war, und er am
25 September dieses Jahres wieder eine Fortsetzung des Werkes mit dem
Beifügen hatte zuri'ickschliessen lassen, dass er mit sonderem Wohlgefallen
hievon Einsicht genommen und unverdrossenes Weiterarbeiten wünsche,
am 17 März 1601 mit dem Vorschläge des Geschichtschreibers, der da-
mals mit dem fünften Buche bis zur Zeit Karls des Grossen und zur
Absetzung des Herzogs Tassilo womit sich „gloichsamb ein periodus im-
perij Bavarici schlieszet“ beschäftigt war, dahin einverstanden, dass die
Heransgiibe der ersten vier Bücher bis dahin verschoben werde. Hatte
Welser hierauf am 26 Sejitember unter Danksagung für Uebersendung
eines guten Hirsches gemeldet, dass er hoffe, ohne den Eintritt besonderer
Hemmnis.se innerhalb drei bis vier Monaten mit diesem fünften Buche
zu Ende zu kommen, so erlebte der Herzog gegen die Mitte des August
des folgenden Jahres*®®) die Freude, den ersten Theil des baierischen
250) Vgl. Roekiagar a. a. 0. S. 46 mit der Note 2.
Abb. d. lll.Cl. d. k. Ak. d. Wigs. XV. Ud. 111. Abth. 20
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M8
Geschichtswerkos im Drucke vor sich liegen zu sehen, welcher die be-
rührten fünf Bücher umfasst, und mit Zuschrift vom 22 dieses Monats
versendet wurde, beispielsweise an den Erzbischof Adam von Mainz, an
den Herzog Johann I von Zweibrücken u, s. w'.
Für die Fortsetzung trat jetzt das Bedürfniss irgend welcher Er-
ledigung der Frage der älteren Abstammung des Wittelsbach’schen Hauses
gewaltsam in den Vordergrund. So wenig als die Gelehrten waren die
Glieder der F'amilie selbst hierüber einig. Wie viel dom Herzoge Maxi-
milian an einer wenn möglich endgiltigen Regelung dieses Punktes ge-
legen gewesen, geht ausser andei’em*®') aus zwei Aktenstücken vom 19
und 23 September hervor. Es w'ar nichts geringeres im Werke, als diese
Frage zum Gegenstände einer Gonferenz zu machen! In dem ersten
Schreiben nun berichtete Welser aus Augsburg, dass er sich hievon
nicht sonderlich viel zu vereprechen verniöge. Auff Ixmohrstehender zuo-
samenschickung wegen der bairischen genealogia vnd histori wirdt sich
meines vndorthenigiston einfeltigen bedenkeiis noch der zeit nitt wol vil
mehr handlen laszen als das die parteyen zuo allen thailen der notturfft
eingenomen, die behelff vnd documenta so zuo disein werk ain jede bey
der hand copeilich reciproce communiciert. zuo ruck zuo hausz gebracht,
volgendts mitt guotter muosz rechtem vleisz vnd discretion examinierte
werden, wölches sich auff ainer taglaistung — ob sy sich gleich zinilich
lang ei'streken soltc — schwerlich wm-de verrichten laszen. Am 23 Sep-
tember-'’®) sodann erbot sich Herzog Johann 1 von Zweibrücken aus
Bergzabern unter dem Ausdrucke seines Dankes für die vorhin erwähnte
Mittlieilung des ersten Bandes der baiorist^hen Geschichte; was wir zu
solchem angefangeneu nützlichen werckh dienlich zu sein bey vnns jn
vnnserer bibliothec finden kömren da.sselbig Euer Liebdeu hingegen auf
doro begern, wann wir nur bericht werden was dem mangelt, freund-
lichen zu communiciren , auch dem authori, da er sich souil bemühen
wolte, sich E. L. vnd seiner guten gelegenheit nach dermal eins uacher
Zweybrückh zu vnrrs zu begeben, oder da E. L. sonst jemant diser
Kl) Ebendort Biilsg« XI Ziff. 15 8. (64—70).
252) Ebendort Lit. i S. (67—69).
253) Ebendort Lit k S. (69).
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149
Sachen verstencligen zu vnns abfertigen wolten, alles dasjenige so bey
vnns deszwogeu vorhanden sein möchte zu zeigen vnnd mit ihine nach
notturift daraiisz zu conferiren, damit solch werckh, wie es alliereit an-
gefangen, vollent mit sainbtlichem zuthun aller Interessenten zu guten
vnd ehren auch mit desto besserm gruiidt zu gewündschtein endt möchte
gebracht werden.
Beruhte diese Sache einstweilen*®*) noch, so trug Muxiiiiilian, wie
seinerzeit bei den gleichfalls in lateinischer Sprache abgefasston baieri-
schen Annalen Aventins der Fall gewesen, auch für eine deutsche Be-
arbeitung der baierischen Geschichte Welscrs durch dessen
Bruder Paul*®®) Sorge. Am f> November 1604 war sie vollendet, unil
wurde am 20 des.selben Monats dem Herzoge zu Hunde gestellt. Nicht
lange damach muss der Druck begonnen haben, denn am 25 .bini 1605
ütersendete der Bearbeiter 50 Exemplare, und am 10 Juli erfolgte ihre
Mittheilung nach auswärts.
Drängte nach diesen Errungenschaften allmülig der gewaltige Ernst
der politischen Angelegenheiten wenigstens zeitweilig die Sorge des Für-
sten für sein baierisches Geschichtswerk in den Hintergrund, so ging bei
diesen Zeitumständen auch die Arbeit des viel in Anspruch genommenen
StadtpÜegers von Augsburg jetzt langsamer von Statten. So nahte sich
der günstige Zeitpunkt für die Gesellschaft Jesu. Da-s Jahr
1611 ist hier nicht ohne Bedeutung. Im Juni desselben fa.sste Maximi-
lian den Gegenstand wieder ernstlich ins Auge. M'ir wissen 4ms dom
vielfach zerstreuten Schriftenw'echsel *®*) unter anderem. da.ss am 27 dieses
Monats dem baierischen Geschichtsi'hreiljer diui Ansinnen gestellt wunle,
ob nicht „Jemant aus den Patribus Societatis, als Pater Kaderus oder ain
annderer“* dazu zu gebrauchen sei, ihm au die Hand zu gehen, jedoch
2*»4) Einem Schreiben ile* Herzo);ii Johann I von ZweibrQcken an den Kurfürsten Friedrich IV
Ton der Pfalz vom 28 Mai beziehunKTweisc 7 Juni — ebondaswibst LU. m S. (70) — eiitnehmeD
wir» dass der lettiere den bekannten pfäliiichen Gelehrten Marquard Freher zu ihm defwhalb ab^e*
fertiift. Weill aber — bei«it e» dort — tu «olchcr wichen mehr zeitt gehört, wie E. L. von jhmo
weitter werden bericht werden» seindt wii E. L. gutachtens wie die zachen weitter anztigreUfen
gewcrtlig.
2.Vj) Vgl a. a. 0. S. 4't/47.
2ö0l Ich lasse hieraiia eine Reihe von hier näher bemerkeoswerthon Mittheilangen ln der Dei-
läge XXVJl folgen.
20*
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ISO
so dass Welser die eigentliche Leitung behalte und das Werk selbst
seinen Namen trage. Es ist nicht 7.u verwundern, wenn sich hiebei
eigenthüinliche Gedanken seiner wie anderer bemächtigen mochten.
Beschäftigte ihn theilweise eine Ueberarbeituug der bereits veröffentlichten
fünf Bücher, so äu.ssert er in einem Schreilten vom 27 des folgenden
Monats, dass er das sechste Buch, sobald es fertig, inundiren lassen
werde. Uebrigens erschien weder eine verbesserte Auflage der ersten
fünf Bücher, noch eine Fortsetzung. In seinein Nachhisse fand sich ein
sechstes Buch, welches an Gewold gelangte. Von einem sietienten ist
noch kurz vor seinem Tode in einem Briefe an flen Pater Kader die Hede.
In dessen und der Jesuiten Hände kam nunmehr auch ohne Wider-
spruch die baierische Geschichtschreibung, nur erlaubte der Orden
nicht allen, ihre Werke auch unter ihrem Namen erscheinen
zu lassen. Zunächst sollte allerdings hiebei auch Gewold noch thätig
sein. Allein er war so sehr in ihrem Lager, dass er von dem General
das Privileg erbat und erhielt, aller im Orden zu erwerbenden Gnaden
theilhaftig zu werden, und von dem Rector des hiesigen Collegs, dem
alsliald zu berührenden Pater Johann Keller, den Glückwunsch hiezu
mit den Worten empfangen konnte, er freue sich, dass „der Herr mer
als ein halber Jesuitei”“ geworden. Was nun den Pater Matthäus Kader
anlangt, fand auch seine Dai-stellung der Bavaria sancta, beata, religiosa
in drei Foliobunden in den Jahren 1615, 1624, 1627 Verbreitung durch
den Dryck, so war seiner baicrischen Geschichte, welche von den frü-
hesten Zeiten bis zum Jahre 1621 reicht, die.ses Loos nicht beschieden;
sie ist lediglich auf der Hof- und Staatsbibliothek, vom Jahre 1180 an
in den Codd. bav. 218 — 221 vollständig, vom Anfänge bis dahin aber nur
bruchstückweise im Cod. lat 9213, erhalten. Pater Brutschor, welcher mit
dem Pater Andreas Brunner anfangs hilfreiche Hand bieten sollte,
wurde — weil er, dum nimis oculatus esse stnduit involvit negotium
magis quam ex difficultatibus eriierit — vom Provincial im Jahre 1621
dieser Aufgabe wieder enthoben. Besser erging es der Arbeit Brunner’s,
welche als Annales virtutis et fortunae Bojormu in drei Bänden in kleinem
257) Vgl. beispieUweise Friedrich a. a. 0. 8. 6 and inabesondere die Note 15.
25S) Vgl. Friedrich a. a. 0. S. 7.
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151
Okta\'fonnate in den Jahren 1626 bis 1629 erschien, aber — was hiebei
nicht übersehen werden darf — nur bis zur Erhel)ung Ludwigs des Baieis
an die Spitze des deutschen Reiches geführt ist. Dagegen sollte Kurfüist
Maximilian die Veröffentlichung einer vollständigen baierischen Geschichte
bis in seine eigene Zeit nicht erlelien. Von Radei-s Werk war die Rtde.
Auch die, wenigstens in der Behandlung Ludwigs des Baiei's viel zahmere
Geschichte des Pater Johann Verva ux gelangte ti'otz der Be-
mühungen der cburfüisitlicheii Wittwe Maria Anna wie des Kurfürsten '
Ferdinand Maria*®*) erst in den Jahren 1662 und 1663 zur Herausgabe,
und züvar nicht unter dem Namen ihres Verfassers, sondern es musste der
baierische Kanzler Johann Adlzreitcr den seinen dafür hergeben.
Abgesehen von der schon früher berührten Frage der älteren Ab-
stammung des Hauses Wittelsbach- war eine weitere Klipjie, und zwar
eine gefährlichere, für jeden Bearbeiter der baierischen Geschichte m
jener Zeit die richtige Würdigung eines Herrschers wie
Ludwig der Bai er gewesen. Lubricum in omnem partem thema
heisst dieser Gegenstand in einer der Censmen der baierischen Geschichte
des vorhin erwähnten Pater Vervaux. Maximilian I selb.st war hiebei in
hohem Gratle interessirt. Hegte er jwrsönlich eine ausserordentliche Ver-
ehrung gegen seinen grossen Ahnherrn, wovon das prunkvolle noch in
miserer Mitte befindliche Denkmal über dessen Grabstein öffentliches
Zeugniss ablegt, hatte er bereits im Jahre 1598 bei dem mehrgenannten
damals von ihm zur Abfassung der baierischen Geschichte ausersehenen
Marx Welser sachdienliche Erkundigungen eingozogen, war er weiter über
die dort nicht so ganz und gar gleichgiltige Frage über die Lo8sprc*chung
von dem gi’äulichon Bannflüche, welchen d;i8 Oberhaupt der römischen
Kii-che gegen das Oberhaupt des deutschen Reiches geschleudert, glaub-
haft berichtet, worüber er sich noch am Endo des Jahres 1615 oder am
Anfänge von 1616 zu mehrerer Sicherheit liei dem Abte von Ettal*®')
schriftlich zu vergewissern suchte, so musste ihn auf das empfindlichste
verletzen was der ehr- und gewissenlose Dominikanermönch Abraham
259) Ihre CeneoreD tbeilt Friedrich a. a. 0. in der Beilage VIII 8. H2— 41 mit.
260) Tgl. die Aktenatücke in der Beilage XXVlll-
261) Vgl. deaseD Bencbt TOm 15 Jauner 1616 in der Beilage XXIX.
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152 •
Bzovius im 14ten Bande seiner Fortsetzung der Annales ecclesiastici des
Baronius geschriel)en, wenn inan anders für solehea Maehwerk den Aus-
druck „sclireiben“ luiwenden darf. Was er für die Ehrenrettung des
Kaisers getlian, ist wiederliolt in neuester Zeit zur Besprechung gelangt
Mein Aiutsvorgringer I)r. v. Söltl hat diesen Gegenstand in populärer Weise
als „einen historischen Pressprocess“ nach Aktenstücken des geheimen
Haus- und Staatsarchives iin Morgenblatte zur baierischon Zeitung vom
11, 12, 14 Juli 1862 Nuin. 173 — 176, woselbst aber höchst bedeutende
Kürzungen der Kedaction an dein Originahnanuscripte vorgenominen sind,
behandelt. College Friedrich hat sich in seiner schon liemhrten Festrede
iui Jahre 1872 wie in dem Nachträge hiezu in dem Berichte über die
Sitzung unserer Classe vom 3 Jiinnor 1874 S. 48 — 55 mit Benützung des
allgemeinen Beichsarchives wie der Hof- und Staatsbibliothek hierüber
verbreitet. Schon in der ersten Abtheilung der ältei’en Arbeiten zur
baierischen und philzischen Geschichte ist bei Erwähnung der Thätigkeit
des Christof Gew old S. 33 bemerkt worden, dass er auch die Feder
zu den in Ingolstadt im Jahre 1618 gedruckten Vindiciae Ludovici IV
imiHiratoris contra Alirahami Bzovii, Lazii, Cuspiniani et aliorum historio-
graphoruni calumnias ergriffen. Sie können sich mit der Wucht des
Bectors des hiesigen Collegs Pater Johann Keller in seinem „Ludo-
vicus imperator IV defensus“ auch nur entfernt in keiner Weise messen.
Allerdings durfte diese Schrift nicht unter dem Namen ihres Verfassers
erscheinen, aber der Herzog sorgte für ihre Herausgabe unter dem seines
Geheimrathes und Landschafkskanzlei's I)r. Georg Hörwart von Hohenburg
nicht allein durch Erlas.s vom 11 März 1618, sondern Hess sie auch im
Jahre 162(1 neuerdings, und zwar im Formate und als Appendix des
19tcn Bundes der berührten Annalen des Baronius in München verviel-
ililtigen. Unter dem Eindrücke dieses Werkes schrieb Pater Kader seine
bereits erwähnte baierische Geschichte, in der er sich hei der Behandlung
Tjudwigs des Baiere lediglich seiner Auffassung anschliesst, ja sogar noch
beweist, dass die Excomniunication den Kaiser überhaupt nicht gebunden.
Mehr konnte gewiss Maximilian nicht wünschen ! Aber wie erwähnt,
Baders Werk durfte das Licht der Welt nicht erblicken. Es ist vorhin
davon die Bede gewesen, dass des Pater Brunner Annales virtutis et
fortimae Boiorum nur bis zur Erhebung Ludwigs des Baiers an die Sjiitzc
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153
dos Kaiserreiches geführt sind. Hic ipse annus — iUissort er an ihrem
Schlüsse beim Jahre 1314 — Ludovicum Caesarem videbit. Ad quod
nomen nos qnidem assurgimus, contenti Poinum .-Vureum, Septoinviratus
insigne, Uhonibis Boicis inseruisse. Angustalem Aqnilani Ludoväco liberior
Calamus asseret minusque invidiae obnoxius. Ea nobis vacationem dedit
ardui lalioris, uianumquc sua sponto non cessantem a Tabula subinovit.
Doch hatte er die Geschichte dieses Kaisei’s noch in zwei Büchern —
wie er sich in einem Briefe an Elisis Ehiuger vom 16 Dezember 1636
austlrückt — summa ciira fideque^®^) bearbeitet. Sein Orden erlaubte
wieder nicht, dass sie unter seinem Namen erscheinen durfte. Doch das
brachte den Geschichtschreiber nicht aus der Fas-sung. Lucubrationes
meiia — heisst es in jenem Schreiben weiter — clarissimo viro N i-
colao Burgund io, professori juris Ingolstadii, viro eloquentissimo,
tradidi: ille iis, uti volet, retictis intorpolatis reconcinnatisiine utetur.
Wie übrigens der Herrscher Bniern.s auch sonst in keiner Weise
gewillt gewesen, seinem Hause und insbesondere seinem Ahnherrn von
welchem die Rede von irgend welcher Seite das mindeste vergelien zu
lassen, dafür hier noch folgenden Beitrag. Als ihm eine Druckschrift
eines gewissen Girolamo Vecchietti zu Händen gekommen, die in ähn-
licher Weise wie das Machwerk des Bzovius seinen Unwillen erregen
musste, säumte er nicht am Ausgange des Monats August des .lahres 1621
mit der Verfügung -®®) von Straubing aus , denselben unter Mittheilung
eines E.xemplares von des Pater Koller Vertheidigung Ludwigs dos Baiers
zum Widerrufe seiner Angi’ifte auffordoni zu lassen : so, doch dasz wider-
spil hiebeuor mit sattem vnd stattlichem gi-und wider den Abrahamum
Bzovium — welcher sich eben dergleichen angemasst — widerlegt aus-
getiehrt vnnd zweifls ohne jme Vocchiettj zu hannden kommen.
W'erfen wir nun zum Schlüsse noch einen Blick auf die weiteren
Erzeugnisse im Gebiete der baierischen und pfälzischen Geschichte bis
Ü62) Schon am 4 Juli hatto er ihm in ähnlicher Weise geschrieben: liWrtate germanica, can-
doreqae qaem restis roeae color — credc mihi — nihil obfuacat. Vgl. H&berlin's allgemeine Welt*
hiatorie, neue Historie Band 111 in der Vorrede.
Wieder am 4 JoH schon hatte er sieb Torlautcn lassen •• Burgundus |»rofei'90r Ingolsta-
dienai« edet, et caetera porro saepius in eondem scopnlam inenraara tatus cljpeo Boico publicabit.
2G4) Vgl. die Beilage XXX.
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154
zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, so begegnen uns bei der crsteren
zunächst Darstellungen in Lebensbildern der einzelnen Herm-her. Die
Excubiae tutelares des Pater Brunner aus dem Jahre 1637 eröffnen
da den Reigen. Ihre Vervollständigung fanden sie durch die Anfügung
der ersten baiorischen Kurfürsten Maximilian I und Ferdinand Maria in
dem in kleinem Oktavformate im Jahre 1680 von der „Societa-s Jesu
per Bavariam“ herausgegehenen und auch mit Kupfern gezierten Thea-
trum gloriao et virtutis boicae, scu duces Bavariae u. s. w. Der
Bruchstücke eines Entwurfes von Lebensbildern baierischer IIoiTscher von
Otto IV von Wittelsbacli bis zum Kaiser Ludwig dem Baier von Franz
Jo8oj)h Freiherrn v. Unertl ist in Num. 99 Erwähnung geschehen.
Prächtig ausgestattet ist sodann wieder die — wie es scheint, in theil-
weise abweichender Gestalt zu München wie zu Stadtamhof ohne be-
sondere Erwähnung der nrdensai)prol)ation eiwchienene — ab universa
societatis Jesu jier sujwriorem Germaniam provincia bei Gelegenlieit der
Rückkehr des Kurfürsten Maximilian Emanuel in sein Erbland im Jahre
1715 in Grossfolioformat gewidmete Fortitudo leonina in utraque
fortuna Maximiliani Emanuelis Electoris, secundum heroica
Majorimi suorum exem|>la herculeis laboribus rei)racsentata, mit zahl-
reichen bildlichen Dai-stellungen in Ku))fei'stich. Es ist hiebei nicht ohne
Interesse, zu l)eobachton wie da wieder von Ludwig dem Baier die Rede
ist, insbesondere wie der Verfasser ihn gegen den V'orwurf der Ketzerei
und dergl. in Schutz nimmt Ne vero quis verborum meorum interpres
malus romauam cathedram fideique magistram veritatem hic existiinet
sugillari, is non ab orthodoxa — quae errare non jmtest — ecclesia,
sed a ]>rivata jiontificis, aut seijuiore affectu abrepti aut sinistris docu-
mentis imbuti, persona qnidquid in Ludovicum acerbe agebatur pro-
fectum esse intelligat. Pontificia sane authoritas nihil habet quoil inde
detrimenti patiatur. Errare o cathedra ]>ontifex non potest: e sensu suo
labi, irasci, conimoveri etiam in immeritos potest. Quin eadem romana
sedes nostrae causae et I..udovici laudibus in suis successoribus clare
aperteque subscripsit. Appello hic. ut abunde fiat ignorantibus. ajqxdlo
praeter Benedicti XII ornculum, viva voce de Ludovico adhuc vivente
datum, tot alios pontifices maxiiuos subsequentes, qui publicis testimoniis
Ludovicum Catholicum nomiuarunt et laudarunt, testes utique et hi idonei
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et sine exceptione majores. ütinam siiigulonnn oracula verlx» tenus luic
addueere j)raefixi liniitis ratio jiermitteret ! Compendiiim dat)o, sine causau
tarnen disiwndio. Die ergo, Lndovicoinaatix, an nugivendi tibi sunt
Alexander V, Eugenius IV, Innocentius VIII, Alexander VI, Urbunus V,
Ui'banus VI, Bonifacius IX, Nicolaus V, Callistus III, superi ! Quanta
nomina, quibiis sanetius in terris nihil, nihil verius, nihil testatins in
hunmnis habere )iossuimis: et vos lividi scriptoruui dentes, quoci haec
suprenia orbis catholiei et ecelesiae capita de Luilovieo Catholieo asse-
vorant verbo et scri])to, qua fronte audetis iiificiari? An vos soli, non
ins]>eetis )iontificuin liorum diploniatis, inspexisti.s nrcanain Dei dijihterain,
ut Ludovicmn haeivticae nientis et vitae et mortis fuisse ibi legatis
livido ocuh), leetuin orbi roniaiio tain asseveranter publii’etis. publicatuni
orco tain iiijui'iose transeribatisV Negare audes, calinnniatrix invidia,
quod integra etiain synodus Basileonsis t<>statuni rtdiipiit ? (juod episcopi
item Augustani Ulricus Henricus Marqnardus; quod divi Im)>eratores
Sigisimindus Kridericus Maximilianus; quod lleges potentissimi Valesius
Ualliao, Kduardus Angliae; quod Principos Ferdinandus Infans Hispaniae,
Maximilianus Dux Austriae ; quin quod ut ipsi sacri romani Im]>erii
Electores — Trevesrensis, Moguntimis, Hnhemas, Biandenburgicus, Saxo —
in solemni et autlientico Elet'tionis Decreto dudum agnoverunt, obsig-
narunt? 0 denientiam inereilibilcm ! O enormem eriminandi licentiam!
Hi summi Electores Imperii cum enuuieratis supra orbis c^atholici Prin-
ci])ibus <pia sacris (pia profauis Ludovicum virum vocunt Catholicum:
vos llaeroticum V Uli orthodoxae Kilei fervidum y.elatorem (verbis gra-
vissimis horum Princi|>um loqiior): vos i>or inauditam caluinuiam vocatis
schismaticum ? Illi ecelesiae sanctae Dei et ministroruin lyus et jiacis
sanctae devotum et humilem nmatorem : vos tiirbaruni in ecclesia et
Imperio aiithorein ? Uli in judicio justmn, in consiliis providum, in uni-
versa uiurum honestate praeclarum, benigniim, atfabilem, mansuetum in-
signi jiraeconio dixerunt : vos Ludovicum horrenda historiae metamor-
phosi facitis injustum, scelemtum, verbo furentem tyranmnp ! Parcius
ista de Catholieo lmj)eratore ! Cum de Deciis, de Diocletianis inciderit
serino, utamini hujusmodi verbis, utamini hac piperata loc^ueutia aut
potius maledicentia. Equiduni non in eo sum ut sacram Ludovico inno-
centi statuam apotheosin, ut nihil admoduni ex naturae humanae inibe-
Abh. d. III. CI. d. k. Ak. d. WU». XV. lid. III. Abth. dl
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156
cillitate peccasse inter Imperii sui iiitricatissiini curas defendam: sed hoc
ultro dabo, nec piulet fateri, qiioniain laudis est, non infainiae, agnovisse
nimirum liunc Caesarcni citra palj)um, citra fucum alios suae vitae
errores, qiiando<iuidem nihil huinani a se alienum putavit: Haeresis tarnen
inaculain, ajo, alienissimaui a se habuiase. ut nihil inajore studio, niajore
odio, prout pur erat, sit tota vita detestatus. Interim non nescio, vel ipsi
Sereniasimo soli suas esse maculas, quas mali tiunen oculi niinium quan-
tum augent, easque solas notant, non attenta lucis caeterae et exuba-
rantis luajestate. Id nunc contendo et quaero abs te, Imperatorii noiuinis
et honoris mastix, quid maxiiue potuerit mo%'ere hos tantos testes quos
adduxi ex sacra et profana curia tanquani supremos advocatos, nt no-
strum Augustisaimuiu taiu honorificis titulis et praepriinis Catholici ap-
pellatione honestarint, etiam durante nec revocata unquani diri fulminis
sententia? Dicain ego alioruin loco, quoniam pudet Ludovico- mastiges,
dicam non meo sed Principum u. s. w.
Sieht man von solcher Behandlung der Geschichte von Baiem in
Biographien seiner Herrscher ab, so ist bekannt, dass die Annales boicae
gentis des Pater Vorvaux, nachdem es nicht gelungen, sie unter seinem
Namen erscheinen zu lassen, unter dom des baierischen Kanzlers Johann
Adlzreiter auf Veranlassung des Kurfürsten Ferdinand Maria veröffent-
licht wurden. Im Aufträge seiner Gemahlin Henriette Adelheid verfasste
Thomas Blank in französischer Sprache eine Geschichte von Baiern,
deren ursjirünglicher Anfang in Num. 85 besprochen worden. Hatte so-
dann auch das Glück und Unglück des Sohnes und Nachfolgers Maxi-
milian Emanuel den Namen Baicrns W'cit über seine Gränzen hinaus
verbreitet, so ist nicht zu verwuindem, diiss dieser Zeitraum auch seine
Geschichtschreiber gefunden. Als Einleitung hiezu haben wir in Num. 86
zwei Arbeiten seines Obersten und „Historischreibers“ Johann Franz
Diani kennen gelernt, während massenhafter Stoff, den er für die Ge-
schichte des Kurfürsten Maximilian Emanuel selbst gesammelt, in Num. 36
erwähnt wurde, und in Num. 37 des Inhaltsverzeichnisses des in vier
Theile gegliederten Werkes „Vita et gesta Maximiliani Emanuelis electoris
Bavariae“ von 1662 — 1726 von dem Cabinetssecrotäre Franz Xaver
Ignaz von Wilhelm gedacht worden ist.
265) Es mag hier auch aaf die Beilage XIV Terwieeen sein.
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157
Was die Pfalz anlangt, ist eine Vorarbeit des Karl Ludwig
Tolner für seine bekannte Historia Palatina in Xuui. 89 eingeführt
worden. Uat sodann durch die Verbindung in welche seinerzeit ein be-
trächtlicher Theil der Grafschaft Sponheim und die Herrschaft Rap-
poltstein mit dem pfälzischen Hause der Wittelsbacher gelangt ist
deren Geschichte Bearbeitungen durch Johann Jakob Luck, Fried-
rich Albrecht Steinheil, Johann Baptist Patrick, Christof
Jakob Krem er gefunden, deren in Num. 103 wie nachher in den
Beilagen XXII — XXV' Erwähnung geschieht, so ist in Num. 90 auch
von einem Abrisse der allgemeinen und deutschen wie insbesondere der
gesannnten pfälzischen Geschichte bis in das erste Viertel
des vorigen Jahrhunderts die Rede gewesen.
Welche Zahl von den Arbeiten die nunmehr vorgeführt worden
unmittelbar oder mittelbar den Fürsten aus dem Hause der Wittelsbacher
ihr Entstehen verdankt, ist ohne besondere Schwierigkeit der Auseinander-
setzung zu entnehmen welche diese Zeilen sich zum Gegenstände gewählt
haben. Wie viele von di(»en Arbeiten sich aus den alten baieri-
schen und pfälzischen A rc hi vbos fänden in das geheime
Haus- und Staatsarchiv fortverpflanzt haben, ergibt ein Blick
in die V'erzeichnung welche in den drei Abtheilungen der älteren Ar-
beiten zur baierischen imd pfälzischen Geschichte vorliegt, deren Haupt-
inhalt ein Namen- und Sachen-Renner am Schlüsse in alphabetischer Ueber-
sicht kurz zu vergegenwärtigen strebt. V'on ihnen weiteren Kreisen Kunde
zugohcn zu lassen, war ja eben auch mit die Absicht bei der Wahl dieser
drei V'orträge; und zwar das um so mehr, je emsiger man schon seit
längerer Zeit sich überall im Lande angeschickt hat, in Dankbarkeit der
V'erdienste zu gedenken welche jenes erlauchte Herrscherhaus seit sieben
Jahrhunderten sich um die mannigfaltigsten Zweige des Wohles der Ange-
hörigen seiner Staaten erworben. Bietet nun für die Bestimmung des Ge-
fühles der Dankbarkeit doch gewiss nicht der Zufall des grösseren oder
geringeren Werthes eines Geschenkes den richtigen Massstab, so muss als
Ausdruck derselben immerhin auch eine kleine Gabe erscheinen dürfen,
denn nicht jeder ist in der Lage, gleich mit einer bedeutenderen Leistung
sich beim Opferaltare einzufinden. Wenn nun oben S. 140/141 bereits an-
gedeutet worden, wie bei der Feier wovon die Rede einem Pfleger der
21*
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Ifi8
vaterländischen Geschichte sicher die Berechtigung nicht versagt sein
kann, in freudiger Anerkennung dessen eingetlenk zu sein was die baie-
rischen wie pfälzischen Sprossen des Hauses Wittelsbach eben für die
Geschichte seiner Heimat im weitesten Sinne gethan, so liegt es wohl
nicht minder nahe, dass auch die beiden Archive, welche die
seit einer langen Folge nicht blos von Jahrzehnten son-
dern von Jahrhunderten ererbten Denkmäler früherer
Zeiten in treuer Pflichtübung beherbergen, darunter eine
Heihe von Schriften älterer Archivare selbst, von Augustin
Kölner und Krasmus Fend angefangen über Michael Arroden und Christof
Gewold bis auf Johann Adlzreiter und Johann Sebastian Wämpl wie den
F’reiherrn Franz Joseph v. Unertl, von der Tlieilnahme an jener Erin-
nerung nicht ausgeschlossen sein möchten. Ist es ihnen allerdings auch
nicht beschialen, hiebei mit einer besonderen Gabe in ftsstlichem Ge-
wände zu prangen, sondern müssen sie sich begnügen, in der letzten
Sitzung unserer Classe vor der Jubiläumsfeier selbst nur den schlichten
archival ischen Beitrag zur Literatur der baierischen und
pfälzischen Geschichte mit Beiseitelassung von allem und jedem
äusseren Schmuck zum Abschlüsse zu bringen, so ist trotzdem wohl der
lloft'nung Itaum gelassen, dass in Itücksiclit auf den Inhalt von der F’onn
Umgang genommen werde, und dass man die hier gelmtene erstmalige
Zusammenstellung von älteren Arbeiten zur baierischen
und pfälzischen Geschichte in ihnen nicht unwillkommen
heissen möge.
So sei ihnen denn, indem ihre Verwerthung zum F’rommen der
Haus- wie Staatsgeschichte den weitesten Kreisen empfohlen sein mag,
nunmehr das entsclmldigende Geständniss Begleiter auf ihre Bahn; et
voluisse sat est !
r
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Beilagen.
I. Zu Seite 104.
Des Johann Jakob Pilgel
C'ognatio Serenissimae cunjugis Sereniaaimi Electoris Barariae, genitae D.D. Sabandiae,
eiiifique Domini fratris Serenissimi Ducis Sabandiae,
in einem in farbige.s (jlanr.papier steif brocbirteu Koliobündcben im geheimen Staats-
archive, anf dessen letztem nraprflnglich nicht beschriebenen Blatte l>emerkt ist :
Snbjectissime et hnmilime otfert Job. Jacobus Pilgel, Nobilis Palat. Seren. El. Ba-
variae Consiliarius et Praefectns in VVetterfeld. Sollte er nicht — vgl. oben die
Nuni. 15 — der Verfasser sein, so ist er ohne Zweifel der Schreiber. Wohl aber
nird ersteres der Fall sein.
Das Ganze ist in der Weise gehalten wie die eben berührte Arbeit in Nnm. 15,
nur ila-ss nach der Darstellnng der Verwandtschaft der Gruppe X cnm Priiicipibus
Regni Poloniae als XI die cnm Principibus Transsylvaniae eingeschaltet ist, nnd in
Folge dessen die dortigen Nninern XI bis XIII einschliesslich je nm eine Einheit
mehr erhalten, also :
XII cnm Magnis Dncibns Moscoviae,
XIII cnm Imperatore Tnrcico,
XIV cum regibus Persiae.
II Zu Seit« 104.
De« Licenciateu Friedrich Albrecht Steinheil
genealogischer Schauplatz desz dnrchlanchtigsteu Pfaltzischen Hauses von Bircken-
feld, worinnen des durcblancbtigsten Erb-Printzens Christiani desz Jüngern 1024
Ahnen aufl’ 32 Tabellen vorgestellet, und nebst diesem Deroselben hohe Anverwandt-
scbafften mit denen fürnehmsten Potentaten nnd Fürsten in Europa gezeiget werden.
Diese zur Feier des achten Geburtstage« des erwähnten jungen Fürsten am
6/lfi September 1730 bestimmte Zusammenstellnng in Grossfolioformat in Pappen-
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160
deckelhand mit farbigem Papierfiberzuge im geheimen Hausarehire gibt nach der
Widmung auf der Vorderseite des ersten Blattes zunächst gewissermassen als ge-
drängte Debersicht eine von links nach rechts hinfiberstelgende und eilende Dar-
stellung der Abstammung des Erbprinzen von Pfalz wie Nassau einerseits bis znm
Pfalzgrafeu und Herzoge Wolfgang summt seiner Gemahlin Anna von Hessen und
andrerseits bis zum Grafen Ludwig Eberhard von Hohenlohe mit seiner Gemahlin
Dorothea von Erbach zurück, unter Beifügung der Numern der jetzt auf je einer
besonderen Seife folgenden .,32 Tabellen desz durchleuchtigsten Erb - Printzen von
Pfaltz-Birckenfeld 1024 Ahnen vorstellend“.
Daran reihen sich sodann die „Anverwandtschafften desz durchleuchtigsten Erb-
Printzeu von Pfaltze-Birckenfeld mit denen fürnehmsten Potentaten und Fürsten in
Europa“ in 70 besonderen Abschnitten von den römischen kaiserlichen Majestäten
angefangen bis zu seiner hochfürstlichen Durchlaucht von Kurland herab.
III. Zu Seite 106.
Des Franz Joseph Freiherrn v. ünertl
Exegesis genealogica all ieniger Frauen, welche aus dem letzt regierendt durch-
lencbtigsten Haus von Oesterreich in andere hoche Heuser verehlichet worden, von
denen heint zu tag eine eheleihliche Descendenz verhandten, vmb zu wissen welche
etwan einen Regresz - Spruch in cosum de6cientis Lineae masculiuae Austriacae auf
selbe Laude vud in wie weith zu stellen haben mechten,
vom II November 1732. in zwei Exemplaren in Polio im geheimen Staatsarchive,
wovon das eine aus 9 für sich gehefteten Lagen von zusammen 216 .Seiten besteht,
das andere in steifes weisses Papier brochiert 186 ursprünglich gezählte Seiten nra-
fasat, wozu noch ein Anhang von zwei Seiten und — wie beim ersten — ein alpha-
betisches Verzeichniss der Generationen auf 3 Blättern kommt. Dieses Exemplar hat
an verschiedenen Stellen eigenhändige Verbeasterungen des Verfassers.
Er brachte diese Arbeit dem Kurfürsten Karl Albrecht „ex aedibus den 23ten
Novembris 1732“ in Vorlage, und zwar in der zuletzt berührten Ausfertigung Das
Werkh — änssert er in dem Begleitberichte — ist an sich selbst nicht so künstlich
als vnsaglich soicbergstalten mnehesamb da.sz dergleichen mir [mein] lebtag nit zu
handten gestandten, auch nit glaube dasz dermahlen derley in der weit sein möge.
Die gleich aller anfangs vorgetragene Snccessiones lineales Austriacae et collateralea
constitunnt factum seu esse. Damit aber Euer Churf. Durchl. sich schnell in die
Cognition des ganz.en werkhes sezen mögen, dienet der a fol. 124 his ans endte
zusam gezohene Begriff.
Der Anfang lautet: Demnach die ganze sach mit denen Regresz-sprnchen,
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161
welche deoen durch henrath aus dem durchleuchl:i|;isten Haus von Oesterreich aus
in andere hoche Königliche, Chur- vnd fürstliche Heuser eingegangenen Frauen
Döchtereu vnd deren Descendenz gebühren oder zuestehen niechten, ad Jura tertiorum
aukomet. vnd danen hcro man dis orths u. s. w.
Der Schluss; Aus allen von dem Hans von Oesterreich aus \-nd in andere
Familien getrettenen Frauen Döchtercn Eiv.-herzoginen aber solle wohl Maria, Ge-
mahlin Herzogen Wilhelmbs von Cleuen, in ordine Jurium ad Regnuni Bohemiae et
Hungariae die meiste zu beobachten, vnd eben daruraben mit dem Chur-I’falzischen
Ministerio die sach behuetaamist zu tractieren sein : allerdings zweitflend , ob —
weillen sich Brandenburg vor dem Chur - Pfälzischen Haus in Besüz der Erbschafft
gesezet — daselbst man ermelter Mariae Erz-herzogin heyraths- Pacta bcu dem be-
kandter messen zimblich verzohenen Archiv zu handen haben werde. Salvo omninm
in re iiiformatorum et melius seutieiitinm judicio.
Hieran schliesst sich im zweiten Exemplare noch der bereits berührte Anhang:
Es mag endlichen gar wohl vnd nit zu verwerffeu sein, das — weillen der an
Herzogen Alberecht aus Bayrn angeehlichteu eiteren Kaysers Ferdinand! I Frauen
Dochter, wan heu dem Haus von Oesterreich die Succession zu Düchtereu körnen
solte, die Erbfolge nit allein in die Oesterreichische Laude vnd das Königreich Vngam
.sondern ganz abgesondert in das Königreich Böhamb so specifice vnd deittlichen
zuegestanden worden — man sich damahlen von der an Cleuen verehlichten 3ten
Frauen Dochter gleichen zuespruch zu liberiren gedacht, vnd jhr darumben u. s. w.
IT. Zn Seite 113.
Des Anton Stegbuecher
Wittelsbach’sche Stammtafel vom ersten Herzoge Otto bis zum Kurfürsten Maxi-
milian III Joseph,
auf einem grossen und zwei kleineren an einander geklebten Stücken Pergament in
der Höhe von 1,‘J2 Met. und der Breite von 0,68 Met. unter einer Glasscheibe in
schön geschnitzter vergoldeter Holzrahme unter der Kurfttrstenkrone in der Mitte,
im geheimen Hausarchive.
Sie ist mit der Feder schwarz gezeichnet, in einer das Ganze umziehenden
Randeinfassung, Ober welche sich oben in der Mitte das baierisch-pfälzischc Wappen
in den Ordensinsignien erhebt, und um welches rechts und links in einem Bande in
dnnkelrother Schrift der Titel steht; Tabvla genealogica sereniss. Boiariae Dvcum
ac Electorvm ab Ottone Magno Principe Wittelspachio ad nostra vsque tempora
feliciter propagata anno milesimo septingentesimo qvadragesimo septimo ezaote con-
scripta et delineata.
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162
In der Mitte des (ianr.en wächst aus einer weiten Fläche, deren rechte Seite
die Hauptstadt München abgränzt, während links eine Anspielung auf die Burg
Wittelsbach abschliesst. ein gewaltiger Lorberbaum, hinter welchem reiche Trophäen
den Mittelpunkt fllllen. Unten am Stamme ist das Bildniss des ersten Herzogs Otto
Ton Wittelsbach in Medaillouform angebracht, von Lorbertweigen eingefasst die
unteu durch eine Bandscbleife zusamniengchalten sind. Darflljcr weg Terbreitcn sich
nach beiden Seiten die Aeste, welche in besouderen Vierecken die Namen der
Sprossen des Geschlechtes meist mit den Geburts- und Todesjahren wie den .\n-
gaben der Gatten aufiÜhreu.
Die unteren Theile entstammen nach der Widmung des .\uton Stegbuecher
dem Jahre 1713, während der Best bis znm Jahre 17t2 nachträglich angepasst
worden.
V. Zu Seite lU,
Des Kaspar Scioppius
de dignitate ducum Bauariae, Hetruriae, 8al>audiae, et Mantuae politica et bisiorica
disputatio.
Sie füllt 7 in einander geheftete Bogen in Folio im geheimen StaatsarchiTe,
wovon das erste gewisserinassen Uni.*ehlagsblatt leer i.st, auf der Rückseite des letzten
Blattes sich von einer äus-serst flüchtigen Hand die Archivverzeichunng findet: Dis-
cursus bUtoricus de dignitate et titulis ducum Bauariae. Hetruriae, Sahaudiae, et
Mautnae, Caspari Schoppij, über welchen H. Kowallek in den Forschungen zur
deut.sclieu Geschichte XI .S. 403 — 482 beigezogen sein mag, exhibitus serenissimo
Electori Bauariae 8 novembris 1630 Katisbonae.
Das erste Blatt des Textes und die Vorderseite des zweiten wie die erste Beite
des .secb.sten und sieben Zeilen von de.ssen zweiter sind von der gleichen zierlichen
nnd gedrängten Schrift, alles übrige stammt von einer anderen Hand.
Es handelt sich hielmi um die Auseinandersetzung zur Berechtigung, den
,,Berenitatis et Cclsitudinis titulus“ zu führen. Wa.s hiebei Baieru betrifft, wird die
Genealogie seiner Herrscher von Karls des Grossen Sohne Pipin von Italien in
28 Ziffern bis auf „Maxiniiliauas .Magnanimus diix Bauariae et Bohemiae domitor*’
eingeschaltet, bei welchem .sich die Bemerkung tindet; uiuit anuura aetatis 47, so
dass die Abfassung der Schrift in das Jahr 1620 fallen würde, «ozu auch die Ver-
weisung auf die „Genealngia Bauariae ducum a Christophoro Genuoldo optimo
doctiasimot|ue viro Augu.stae hoc ipso anno edila“ pa-sst.
Ala Anhang sind Auszüge von Kapiteln ans mehr oder weniger einschlagenden
Titeln des spanischen Gesetzbuches wie von Stellen ans dem zweiten Buche des
,Liceuciado Oastillo Bouadilla del Consejo del Rey Felipe 3 de la Politica“ beigefngt.
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163
TI. Zu Nette 114.
Des Dominik Franu Caliu
Stammtaiel iler baieri.schen Herrscher von dem ersten Herzoge Otto von Wittelsbach
bis zum .Tahre 1662,
auf zwei Stücken Pergament in der Höhe von 1,27 Met. und der Breite von 0.7.Ö Met.
mit der Feder schwarz und in Goldschrift gefertigt, dem baierischcn Herzoge und
Freisinger Bischöfe .41bert Sigismund im Jahre 1662 gewidmet, auf Bretter ge/.ogeu,
in einer breiten Holzrahme mit Vergoldung, im geheimen Hau»archive.
Die Stammtafel selbst umschliesat rings eine S*'s (’entimet breite Einfassung
von Laubwerk in schwarzer Feilerzeichnung zwischen Goldlinien, welcher in gewi.ssen
Zwischenräumen ovale Rundlingen für .Aufzeichnungen über die regierenden Glieder
des Fürstenhauses enthält, ausserdem oben in der Mitte das baierisch - pfälzische
Wappen zeigt, und unten gleichfalls in der .Mitte in einem grösseren Raume die
Widmung enthält; Reverendissimo et serenissimo Principi ac Domino Domino .Al-
berto Sigismvndo, episcopo Prisingensi, vfr. Bavariae et sup Pal. Drei, Com. Pal.
Kh. Landtgr. Leichtnbergae, hanc Boicae stirpis genesim hnmil. ded. Dominions
Francis. Cnlin de s. Cruce ex comita. Goriciac. MDCLXII.
Die Darstellung des .Stammbaumes, der hinter dieser Widmung von Trophäen
umgeben herauswächst, ist die dass an seinem Fosse zunächst der Schild des Her-
zogs Otto von VVittelsbach entgegentritt, um welchen links nud rechts seine Töchter
Mechthilde, Gemahlin des baierischcn Pfalzgrafen Rapoto von Ortenburg, und Sophia,
Gemahlin des Landgrafen Hermann von Thüringen, angebracht sind, während von
diesem Stammvater weg seine nach beiden Seiten sich verbreitenden Lorberzweige
wieder in schwarzen Kreisen in stehenden Goldbuchstaben die einzelnen Sprossen bis
auf den Kurfürsten Ferdinand Maria beziehungsweise bis zu dem berührten Jahre
einachliessen , meist mit Beifügung der Gebnrts- und Todesjahre wie mit Angaben
über die Gatten.
In den vorhin erwähnten Rundungen im Rande sodann, die bis auf je zwei
in der oberen wie unteren Einfassung mit den Herzogs- beziehungsweise KurfUrsten-
kronen filierdeckt sind, liudeu sich wieder in Goldschrift Nachriehteu zu Otto I,
Ludwig I, Otto II, Ludwig dem Strengen, Kaiser Ludwig dem Baier, u. s. w, bis
anf den Kurfürsten Maximilian 1.
Die Mittheilung in Aettenkhovers knrzgefasster Geschichte der Herzoge von
Baiern u. s. w. S. ,3, dass Herzog Albert Nigismuud diesen Stammbaum verfasst habe,
hat in der akademischen Festschrift „die Pflege der Geschichte durch die Wittels-
bacher“ iS. 63 ihre Berichtigung gefunden.
Akh. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wi«. XV. Bd. III. Abth.
22
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TH. Zd Seit« 114.
Des Bernhard Herzog
Genealogia Üomjtam Bipontinorum,
in einer Abschrift des vorigen Jahrhunderts auf einem Grossfoliobogen im Formate
von zwei gewöhnlichen Bogen in einem ans dem ZweibrOcken'schen .\rchive stam-
menden Fascikel des geheimen Staatsarchives***) mit der Aufschrift: Collectauea, die
alte Graffschafft Zweybrücken betr.
Auf der RQckseite ist bemerkt: Diese Genealogie hat Bernh. Hertzog gemacht
nnd Pfaltz-Grav Johann 25 Jan. 1585 überschicket, wie solcher gedachter Hertzog
Job. selb.st mit eigener Hand notiret.
Sie beginnt mit den Grafen Walram und Eberhard folgendermassen :
Walramus. Er und sein Bruder baueten Berg-Zabern 1256. Anno 1285
22 Juii. gab ihnen König Rudolph die Freyheit, selbiges Dorf zu einer Stadt zu
machen. Herzog 1. 5. pag. 37.
Eberhard, Grav zu ZweybrQckeu, batte zum Gemahl eine Grävin von Aspre-
mont. Herzog 1. 5. pag. 37.
Sie reicht bis in das letzte Viertel des 16 Jahrhunderts, woselbst beispielsweise
die beiden Töchter der an den Grafen Philipp zu Hanau verheirateten am 15 De-
zember 1569 verstorbenen Gräfin Lndovika Margaretha von ZweibrUcken Lichtenberg
nnd Ochsenstein folgendermassen begegnen:
Sibylla, Grävin zu Uanln, Frau zu Lichtenberg nnd Ochsenstein, verbeirathet
anno 1582 an Graven Beichart zu Wied.
Catharina, nata 1568, unpta Comiti Limpurg.
Auf der RQckseite sodann ist oben die Stammtafel von dem am 28 Oktober
1504 verstorbenen Simon Wecker bis zn den Kindern seines Sohnes Reinhard, wieder
mit Verweisungen auf das Werk Herzogs, angebracht : Simon Wecker, Jakob, Wil-
helm, Johanna, Elisabeth.
Die untere Hälfte dieser RQckseite enthält Zusammenstellungen geschichtlicher
Nachrichten von 1197 bis 1399, gleichfalls aus dem Werke Herzogs, dann aus dem
Codex diplomaticus zu Tolner’s historia Palatina, aus Lehmann, aus Wenck's Col-
lecta archivi.
266) Er enthält sneh eine andere „Genealogia Comilnm Bipontinornm" von derselben Hand, auf
der Innenieite eines Foliobogens, von nnten mit „Weckema C[omei] Bipont. et Scbanmbnrg circa
ann. 1276“ beginnend bis znr „Margareta Lndovica herea, nnpta 1560 Philippe inniori Comiti in
Uanan et Lichtenberg f 1569, 15 decembris“ beziehnngaweise in das dritte Viertel des 16 Jahr-
hunderts.
Weiter findet eich darin auf vier ineinanderliegenden Bogen in Folio, wovon die letiten drei
Seiten nicht mehr beschrieben sind, ein in französischer Sprache nbgefasater Abreg£ de la Genealogie
de la Serenisaime Maison de Denz-Pont depuie 1222 jusqu’ä la fin de 1570, tird des Archives de
PAbbaye de Stürtzelbrunn.
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VIII. Zu Seite 114.
. I.
Aus dem roth geschriebenen unteren Texte der linken Hsitte von Herzog Ga-
ribsld, an welchem „Garibaldus vahet an der ander stam oder geschlächt“ aufwärts :
Theodo der erst — eltlich sprechen ; der ander — des namen , hertzog in
Baieren, hat angenouien den heiligen Cristen gelanben von dem heilign bischof sand
Kneprecht, darnach hat er gcstift das pistninb Salczburg.
Ottilo, herezog in Paieru. disem Ottilo ward verlihen das berczogtnm von
künig Pipino in Frangkreich. der ist Stifter gewesen nideru Altach vnd Munsee.
zw den ezoiten cham sand Virgili in Paiern land. dem verlech er das pistum Salcz-
purg. an dem Ottolo vahet an der dritt stamen oder geschlächte in Paiernland.
Tassilo, herezog in Paiern. diser Tassilo hat aufgehebt den bischofstuel zu
Ensz vnd geseezt gen Passaw, vnd das bistum reichlich begabt, er begabt auch
sand Corbi[ni]an mit dem perg zn Frevsing vnd mit dem zamgeschlossen ertricb
czwi.schen der Yser vnd der Amper bis au di .stat Mospnrg. er ist auch Stifter der
düster Pollingen, Besselprun, Cremsmunster, Pfaffenmonster, Weltenburg vnd Larich.
II.
Aus dem gleichfalls roth geschriebenen unteren Texte der rechten Hälfte vom
Kaiser Arnulf — entschlueg sich der weit nach dem sterben seiner gemahl, vnd
ward bischofe zw Metis — anfwärts;
Di drey snn Karolomarcelli.
Gripho ward erschlagen in ainem streit.
Karolomannus ward ercznndt in gotlicher lieb, vnd gab sich in den orden
sand Benedictu. er pawt aiu closter zw Rom auf ainem perg in den eern sand
Silnester. vnd, als Ottonus de Freysing seezt, so ist er auch stiffter des clo-
sters Fnld.
Pipinns ward ain künig in Franckrcich gemacht durch vnderweisung pabst
Stephani des anud|er]n: vnd ward künig Hiltrudis in ain kloster verstossen, der di
selben czeit den kuuiglichen namen het, als in seiner histori mer getagt wirt.
III.
Ans den auf den vertilgten nrsprünglicben rothen Text dieser rechten Hälfte
gesetzten schwarz geschriebenen Nachrichten :
22'
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166
Pipinuus der grosz von dem haws zu Triel. er het seiu wesen am maisten zu
Köllen, er lie drey suu bey zwayen frawen, das ist Tiaganien, üreinmoldum, vnd
Karlamartzello. diser trat ain zeit aus dein eelichen stand, rnd nam an sich ain
sctilafweib, was genant Abbaidis. vnd do in dammb strafft saud Lamprecbt, bischoff
zu Triel, do erscblueg in zu tod Dota, der genanten Abbaidis brueder. nun
merckht Pipiiius, das von seiner sfind wegen der heilig briester gottes gemartert
was; des schambt er sich als ser, das er die gemelten Abhnides von im tet vntl
nicht mer zu ir kam
Karlomartzello ist gewesen ain starckher fraissamer man, vnd hat vertriben
seiu zwen brueder vom vater, Tiagamen vnd Greinmoldum, vnd ist gewesen regent
des künigreicti in Franckreicli nach seines vater tod. vnd er ist auch gewesen ain
tirann, als ettlicb sprechen, disen Karlomarcello nennen ettlicli ain knnig, des er
nit was.
Er lie drei süu, das ist Pipmus, Karlomanus, vnd Griphoch.
Ettlicb sprechen, er hab gepawen das ächciblig Kirchlein zu Altenötliug,
Diser kaiser Arnolfus ist pawer vnnd stiffter gewesen der gefurstn grasebafft
8cheirn.
Ettlicb historisebreiber sprechen, das diser kaiser .\rnoltfns hab gehabt vir sun.
Enabaldus ward herezog jn Lutringn, vnnd ward erschlagen in ainem .streyt.
Ludwig ward römischer kunig vnnd von den Römern geplennt. zu der zeit
tailt sich das reich enzway, vund die Römer regirten Italiam in kaiserlichem iiamen.
das reich bracht wider zusameu der gross Otto zu Saxeu.
Arnolt ward hertzog in Baireu.
Diser Arnolt vnnd sein brueder Bernuher habn gehabt zwo Schwester, des
königs töchter von Hunger, die wurden getaufft von sand Vlrich auf der purckh
zu Öcheim.
All bistori sprechen, das Arnolt gewesn sey ain tirann. er nam der kiricben
vil gueter, vnd gab das den layeu. er vermacht das hertzogthumb Bairen den
Saxen, vnnd nach seinem tod nam ein das lannd hertzog Hainrich von Saxeu.
Dawider was graf Wernnher von Scheiren, vnd für ab goin Vugeru, vnd
bracht mit jm ain gross vnzalber [her], vnnd er nam das lauud auch ein, vnd zoch
damit bis an den Lech, da begegendt im kaiser Otto, dieselben zeit noch römischer
kunig. vnnd durch das audechtig gebet sand Vlrich kert sich der sig zu den
Cristen, vnd wurden die Vngern äuebtig. in dem streit ward erschlagen hertzog
Conrad von Schwaben, vund Diepoldus, sanud Vlrich brueder, der graue von Til-
ligen, vnnd grosse ritterschalft mit ju. VVernher von .Scheiren doch ab gein Vnn-
geru. Da ward er erschlagen als ainer der sy dem tod vnuerhuet het vbergeben.
vnnd — als Otto de Freysing spricht in seiner coronickhn — seine guter vil wurdu
gegeben der kirichen von knnig Otten, vnnd ain tail sein erben gelassen mit der
purckh Scheiren.
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167
Der haiser Arnold vnnd sein sun Ludwig der plindt ligen begraben in dem
clOBster Sand Uameran zu ilegeuspurckh im Icbor.
Disen Kaiser Arnolfi aasen di leis zu tod ; des knnd jm kain artzt gebenden.
Bei seinem vierten .Sohne, dem Grafen Weriiher von Scheiern, ist kurz be-
merkt: Diser graue Bernher von Scheirn hat verloren das hertzogtumb Bairu mit
streit.
Von seinen zwei Söhnen ist der Name des einen, von welchem früher die
Verzweigung dahin ging wo jetzt — vgl. in der ersten Abtheiluug S. 170 — das
anstatt des Ausschnittes eingeklebte leere PergumeutstUck ist, ausradirt. Der andere
ist Graf Eckhart von .Scheiern. Zn ihnen ist bemerkt: Die zwen grauen brueder
ererbten den khrieg, vnd mustn den mit armut ligen lassen.
Die Nachkommenschaft des letzteren, wie sie nunmehr erscheint, zeigt — nnd
zwar fortan ohne Bilder — den Grafen Arnold von Dacban, den Grafen Otto zu
Scheiern, und den Grafen Konrad von Pül.
Ala Sohn des ersteren begegnet sodann: Chunrad hertzog in Kewsen. Bei
ihm steht: Dieser graue Conrad ward erschlagen bey kaiser Utten dem dritten jn
wällischen lanndn, ettlich sprechen vor Maylandt.
Der Sohn des im vorletzten Absätze berührten Grafen Otto von Scheiern ist
Eckhart, und dessen Sohn führt gleichfalls diesen Namen. Disem gianen Eckhart —
heisst es da — ward versprochen von kaiser Haiurichen das hertzogthumb Bairen,
das er sollt ziben mit allem seinem vermugn die raisz vnnd herfart gein dem
heilign grab mit hertzog Gotfrid von Lntigen. vnd alls die histori de Scheyrn
spricht, so hat graf Eckhart schuch getragen mit rotten riemen gebnnden. der
sebuech ninen steckht er all nacht auf. za dem legt sich allermaist voickb. darnach
ward der schuech in ain pauer gemalt, aber in der histori Gotfridis wirt ganntz
nichtz daiion gesagt, yedoch stet es also in der histori de Scheiren.
Es haben auch die fürsten von Bairn vil vnd offt anfmaln lassn, vnd snnder
der fmmb hertzog Johanns, ain vater des knnig von Tennmarch.
Aber das hertzogthumb Balm besas der graf nit, vnd ward verlibn ainem
granen ausz ^^chwaben laund.
IV.
ln das Mittelstück zwischen dem ersten und zweiten Hanptbestandtheile fallen
rechts folgende zwei Absätze:
Nach kaiser Hainrich tod des heiligen kam an das reich Conradis der annder,
ZüT) Dieser Schloss ist mit schwärzerer Tinte gcechriebea, aber von der gleichen Hand.
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ain herUog von Schwaben, zu dem kamen die grauen von Scheiren, vnd erfodreten
das hertzogtumb Baim, dauon jr ellter verstossen warn von kaiaer Otteu dem ersten,
der kaUer antwurt, er biet das land in des reiche hennden fnuden : dem wolt ers
auch Inhalten.
Vnd nach disem kaiser Conradis kam an das reich Hainrich der dritt. der
verlech das lunnd Bairu seinem gemahl, der kaiserin frawen Agnes, geborun ans
Aqnitania.
Die coronick zu Scheirn spricht, da.s die grauen die Vngem dreimaln auf das
reich gefurt habn vmb das hertzogtumb zu Baim.
Diser graf Otto erstach den römischn kunig Philippen zu Pabuwerg. das
begab sich also, da Philipp noch hertzog was zu Schwaben, bet er sein tocbter
versprochen zu geben zu gemahl graff Otten. vnd da er kunig ward, sagt er den
beirat wider auf, vnd sprach, er wolt sein tochter kainem aussetzigen man geben,
des schambt sich der graff als ser das er schwur, er wolt die schmachait rechen
oder darumb sterben, zu puess mnest er die pnrckh WideI.spach niderprechen , vnd
ain kirichen in den eren vnnser frawen da pawen, vnd das erstört kloster Ensdorf
auch wider pawen.
Der grosse Raum auf der linken Seite sodann ist den Welfen gewidmet:
Darnach ward das land Bairu verlichn von kaiser Hainrich dem vierdn des
namen ainem Schwaben, was genant Welffo, geborn aus dem grafen geschlecht
von Stawff.
Nun fachet an die histori von hertzog Welffo vnd seinen nachuolger. Welffo
was ain maudlicher vnd streitper furst. er belegert die stat Angspurg mit grosser
macht, vnd gewan die mit listikait, vnd für wider daraus mit ainem grossen raub,
er legt auch der statmawr vil uider, darumb er in schwäre vngenad viel des kaiser
Hainrich. vnd erwarb doch wider genad mit dem dos er solt ziben gein Jherusalem
den Cristen zu hilff u. s. w.
Mer er lies zween sfln, das ist Hainrich vnd Welffo. dise zween furssten setzten
sich wider kunig Kunrad den dritten des namen, vnd raainten Konrad war nit red-
lich erwelt zu rdmischom kunig. vnd Welfo macht sich auf mit grosser macht, vnd
zoch in das land zu Schbaben. da begegent im hertzog Fridrich von Schwaben,
ain brueder kunig Conrad, da wart ein herter streit verbracht, vnd der sig kert
sich zu hertzog Fridrich. vnd hertzog Welffo ward erschlagen, vnd das land Bairn
ward verlihen margraff Leopold von Österreich, der vertraib hertzog Hainricben,
das er Hoch mit weib vnd kinden gein Saxen zu kaiser Letharis witib, die auch
sein schwiger was.
In der zeit het hertzog Hainrich der inng das lannd zu Saxen ererbt, der
vnnderstaind sich zu kriegen vmb das land zu Bairn, dauon sein vater verstossen
was worden von kunig Conradn. der kri^ vnd stos ward gericht durch kaiser
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169
Fridrich den ersten des uamen in ainem gemainen hof den der kaiser hielt zu Ke-
genspnrg. vnd nach rat der fürsten ward die bairisch march das jetz genant wird
das lauud ob der Enns Ton dem haus Baim gebrochen, vnd zu der marckgraff-
schaSt Oesterreich gelegt, Tnd ain hertzogtnmb darans gestiift vnd zubant markgraf
Hainrichn rerlihen in ewigem rechten, der Hainrich ist der erst bertzog in Öster-
reich gewesen, vnd das land zu Baim ward dem bertzogeu von Saxeu verlihen.
vnd der hertzog von Behaim hat das vrtail ausgesprochen, das die fnrstn all bestatt
haben.
Darnach als der grossmächtig kaiser Fridrich Mailandt erstort, in der raisz
hielt sich hertzog Hainrich von Bairn vnd Saxen widerwärtig kaiserlicher maiestat,
damnib er ward von dem kaiser von baiden landen abgesetzt, vnd Bairn ward ver-
lihen ainem grafen von Scheirn. vnd das land Saxen ward verlihen ainem grafen
von Anhalt, von demselben grafen die altn herrn von Saxen hie sind, den kaiser
Sigmund *••) das land zu Saxen nam vud verlech das marckgraff Fridrich von Meicksn.
diser hertzog Hainrich von Bairn vnd Saxn ist stiffter gewesen des klosters zu Ranshofen.
V.
Jetzt kommen im zweiten Hauptbestandtheile die Wittelsbacher an die Reihe,
und zwar zwar zunächst Herzog Otto und sein Bruder Konrad.
In dem aufstehenden Bischofskragen von diesem finden sich — vielleicht als
Monogramm des Kflnstlers dieses zweiten Hauptbestandtheiles anfzn&asen — links
und rechts vorne die Zeichen und E.
Disem grafen Otten von Scheirnn ward verlihen das hertzogthumb Bairen von
kaiser Fridrichen dem ersten ; des verhalff im sein brneder Khonradus, bischolff zu
Saltzburg, nachmaln bischolf zu Maints; darumbn .seine voruodera die grauen von
Scheim gross khrieg gevbet betten mit hilfle der Vngera, vnd vil men-schen pluts
vergossen, das vrlongen vnd zännckht hat gewerdt ob zwain hundert jaren von
kaiser Otten dem ersten bis auf kaiser Fridrichn auch den ersten, als lanng sind
die gefnrstn grauen von Scheirn von dem vaterlandt verstossen vnd abgeschnitn von
dem lüblichn haws Bairnn.
Diser furst hertzog Lndwig ist gewesen ein krön vnd der törstn fnrstn ainer
so er die zeit gelebt hat, wenn er vil raisz getan hat wider die haidn vnd snnder
dem teutschn ordn zu hilf.
Er ist stiffter vnnd anfanckh der purckh vnd stat zu Landshut mit gebawe.
Er hat gehabt zu eelichm gemahl Lodmila, aines knnigs tochter von Pehaim,
die vor jnngehabt het graf Albrechtu von Pogen. die fraw ist stifiterin des klosters
Soldnntal bei Lanndshut.
268) Im Texte »teht: kaiser Sigmondn vnd.
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170
Ettlicb aprechn, er hab vertriben die grafen von Wasserwurg vnd Kling.
Diser fnr*t ging aina tags spacieren auf dem gstatt der Tonaw bey Kelbaim,
do ward ein vnbesindt mensch err.nrnt ; daa lief den furstn an, vnd stach ein messer
in jn nllao daa er auf der däch atarb. vnd ward begraben in das kloater zu Scheirn.
Er lieaz ainen sou, genant Otto.
Der furat Otto nein zu geniahl pfaltzgraff Hainricha tochtcr, vnd er besaa die
Pfalltz zu erbrecht durch hilff vnd gönnst kaiser Fridrichs des annderu.
Er gab sein tochter kunig Conradn von .Iheniaalem, der ain ann was des ytz
gedachten kaiser Fridrichs.
Der furat Otto was im anfaug gar ein gerechter richten, aber aus lieb die er
hett zu kaiser Fridrichen viel er jn den pann, darmnbn ward er die pfaffhait
haasen, vnd setzt vbl zu vbl. vund an Sand Andres tag, als er frolich was, fiel er
hin vnd starb eines gäben tods
Ettlicb sprechen, er bab vertribn die grafen zu Pogen aus Bairn land, das
die flnhen in waellischc lannd.
Er lies zween sun — das ist Ludwig, Hainrich — vnd ain tochter.
Die zwai brueder Ludwig vnnd Hainrich tailtn das lannd zn Bairn; vnd ist
der erst tail der jn Bairn geschach.
Ludwigu ward zuegetailt die Pfalltz bey Rein vnd Obern Bairn, Hainrichn
ward zuegetailt Nidern Bairen.
Ludwig bat gehabt drey elich gemahl die erst was ein hertzogin von Praband.
die liesz er enthanhtn zu lichwäbi.schn Werd ausz arkwan vnnd gUhm zorn vnd da
der frawen vn.scbuld geoffent ward, pawot vnd stifft er das klo.ster Fiirsfnveld zu
puesa vmb die gross sundt so er verbracht bet darnach nam er hertzog Conradtn
tochter aus Polen, bey der bet er ainen son, was genant Ludwig, vnd da die
gestarb, nam er des römischen knnig Rnedolfs tochter. ans der gepert er zween
sun, Ruedolff vnd Ludnigen den jQngern.
Der fnrsst fnerot gross krieg wider die reichstet.
Er bawot die fesst Pridwerg wider den biachof vnnd die burgcr zu Augspurg.
das geschach der jare Cristi tansendt zwayhnndert vnd sechtzig jare.
Zu der zeit des furstn knndn .sich die chorfursten nicht vergleichen vmb ainen
römischn knnig; vnnd sie gaben gantzn gewaldt diesem pfaltzgrauen Ludnign, >ias
er näm wen er wolt, den wollen sy zn kunig haben, do erwelt er grafen Rnedolff
von Hablspurg, der die selben zeit lag mit heres krafft vor Pasl. dann allain kunig
Ottackher von Pehaim wolt seinen willen darzne nit geben, das er swärlich entgalt:
wann er ward von dem kunig Ruedolf in ainem streit erschlagen, vnd verlos damit
das land Oester Reich.
Diser knnig Ruedolf hat lernen fechten sein pawrn die yetzo genent werden
Schweintzer, das seinen nachkomen den hertzogn von Österreich vil zu scbadn
komen ist.
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m
Hainrich herzof; in Nidern Baim, der was fridlich gnetig vnd gerecht, er het
zu gemabl knnig Welus von Vugem tochter, vnd hat gebaut die zwai petlklüster
zu Lanndahut.
Der lieaz auch drey snn: Ottu Stetfan vnd Lnduig.
Hieran reiht sich links bei der oberbaierischen Linie:
Ludwig der ellter ward auf ainem hof zu Nürnberg angerUrt mit dem sper
an den heim von ainem grafen von Hobenlo, das er starb.
Ruedollff ward pfaltzgraf. het zu gemabl aius kunigs tochter von Lngellant.
bej der het er drey sün.
Lndwig der jünger ward bertzog in Ober Bairn. er ward auch römischer
kaiser. im stund grosser reichtnmb zne mit dem das zu der zeit vil lannd dem
reich ledig worden, mit namen die march zu Brannburg, Holland Henigaw Seelaudt
und die herlikait in Friessen, auch die graschafft zu Tirol.
Er vberlebt auch die annder fürstn all io Nider Bairn, vnnd zoch an sich ir
fürstnthuinb Nider Bairen.
Er behielt das reich mit dem Schwert wider bertzog Fridrich von Österreich.
Er het viel widerwertikait vnd vngenad von dreyen päbsten, darumb das er
dem hertzog von Mailand geliben het die zeit vnd er noch römischer kunig was.
Er vertreib seinen brueder Rudolffu von der Pfalltz, darumb das er wider in
gewesen was in der wall, vnd da Rudolff starb in Engelland, da gab er seinen
kindn wider die Pfalltz vnd was dar zue gehört.
Der kaiser hielt gerechte gericbt vnd guten frid.
Er hat gehabt zwo eelich gemabl ; die erst was ains kunigs tochter von Pollan,
vnd die annder was ain gräfin von Holland, bey den zwayen frawen het er
sechs sUn.
Ettlieh sprechen, er sey im pann gestorben.
Wer sein histori all schreiben wolt, war zu diser materi zn lanng.
Bei der niederbaierischen Linie ist rechts bemerkt:
Otto hertzog in Nider Baini ward kunig in Vugern, vnd mit grosser zirhait
von den Vngern angenomen zu kunig Kurtz nach der krönung fing in ain mäch-
tiger Vnger, vnd wolt in genött haben das er sein tochter nüm zu gemal, des der
kung nit thuen wolt. darumb muest er ettlieh zeit in fenncknns ligen. aber die
so sein warten in der fenncknusz hUllfien im ausz feuuekuusz, vnnd er zoch dnreh
verre lannd, ee er kam in Bairn.
Diser kung Otto hat dem lannd zu Bairen gross freihait geben.
Fir het ainen gemahl, geborn ans Pollan. bei der bet er ainen suu, was
genant Hainrich.
Steffan het zween sOn, Otten vnd Hainrich.
Ludwig starb an erben.
Äbh. d. III. a. d. k. Ak. d. Wiis. XV. Bd. III. Abth 23
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172
Jetzt endlich kommen die letzten Bilder mit ihrem Texte, nämlich links von
der oberlmierisch-plalzischen Verzweigung aus die drei 8öhne Rudolfs von der Pfalz
und die sechs seines Bruders Ludwig des Baiers, links aus der abaterbenden nieder-
baierischen Linie die Söhne der eben Irerdhrten Flirsten Otto and Ludwig.
Die drey furstn bcy der Pfalltz fOrtn gros krieg wider die hertzogen von
Paxcn mit grossem irem schaden.
Ruedollf lie ain tochter: waril vermählt ainem kilnig von Bebaim.
Rupertns lie ainen .<ionn, was genandt Ruepertns.
Adollf starb an erben.
Ludwig ward niargkgraft' za Prawmvurck vnd graf zu Tirol, er het zu gemahl
des letzten grauen .Meinhart zu Tirol tochter. was ein vugeschaffn weib. darumb
wirt sy bis auf hewtigen tag geneudt die Maulta.sch. ans der gebert er ainen sun,
wa.s genant Meinhart.
.Stetfan ward hertzog in Nider vnd Ober Bairii. het zu gemahl ains kunigs
tochter aus Cecilia, bey der het er drey siin.
Wilhalm vnd Albrecht wurden grauen zu Holland, Ileuigaw, Seeland, vnd
herren der Friesen.
Wilhalm het zu gemahl nin hertzogin von Burguudi. aus der gebert er
drey sün.
Albrecht gepcrdt ans .seiner gemahl N N ain tochter, was genant fraw Jacoba.
Ludwig der jünger ward genandt der Römer , darumb ilas er zu Rom geborn
was. starb in jungen tagen.
Otto ward margkgraf zu Pranburg nach .seines brueder tod. der verkaufft das
lannd kaiser Karl, am gesebläcbt ain kunigfvon Bebaim. dieser Olt het sein gesasz
auf dem geschloss zum Wolfstain gelegen auf der Iser. starb an erben.
Die drey furstn in nider Bairn — Hainrich, Otto, vnd Haiurich — flirten
ainen grossen krieg miteinander allsii: Otto vnd Hainrich der jünger kriegt mit dem
elltera Haiurich. der krieg ward gericht durch kaiser Ludwig vnud kiinig Karl.
Otto lie ainen |snn], was genandt Johanns, starb in kindes allter.
IX. Zn Seile 117.
Dreizehn Miuiatumachbild äugen der Oegenstäude dieses Saalscbnmckes sammt
eilf Blättern von J. G. Wisger'schen Kupferstichen darnach gelangten mit den aus
der Verla.ssen.schaft des Hofgerichtsrathes Theodor v. Traiteur zn Mannheim im Jahre
1831 im Wege des Kaufes erworbenen Schriften und Büchern an das geheime
Hansarchiv.
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173
Die ersten «ind unter dem Vorbehalte des liigeuthums des geheimen Haus-
archires unterm 12 März lS5ä au das damals sogenannte Wiitelshuch'sche Museum,
jetzt baierische Xationalmnseum, abgegeben worden.
Nach einem darauf bezGglichen Aktenstück» sind es Bildnisse [baierischer und]
pfälzischer Fürsten und Fürstiueu, Copieu nach alten auf Holz gemalten Bildern,
welche früher im Schlosse zu Amberg gewesen, nnd später in der .A hnen-Gallerie
zu SchlBis.sheim aufgehäugl wurden. Diese Amberger Bilder — heisst es daun
weiter — sind hinwieder Nachbildungen der alten Schildereieu, welche früher in der
Trinkhalle des Heidelberger Schlosses sich befanden. Den fraglichen Miniaturmalereien
selbst wird endlich ein um so grü.sseres Interesse beigelegt, als die »Schleissheimer
Bilder seitdem durch üebermalung grCisatentheils den Werth der Ursprünglichkeit
verloren haben.
Von den berührten noch im geheimen Hausarchive befindlichen Kupferstichen
führt das erste Blatt die ersten Wittelsbachischen Herrscher vor, mit folgender
Fassung der in der zweiten Abtheilnug aus des Ladislaus Sontheim baierischer und
pfälzischer Genealogie, Num. 56, in den Noten 94 — 96 mitgetheilteu Reime:
Otto zu Bayern Hertzog was,
Dansendt hundert achtzig mau las.
Sach(8]cn-land hett er in seiner handt.
Sein weih Agnes von Scheirn genaudt.
Ludwig, desselben Otten .sone,
Hett zo einem weil) von Königs kröne
Ludniil, die dochter von Bchefijm.
Er starb am stechen zu Kelheini.
Otto, der erst Pfaltzgraf bey Rein,
Hett des [’faltzgrafen dechterlcin.
Milt mauheit er es so erfecht.
Des Reichs Churfürst blib sein geschlecht.
Das neunte Blatt zeigt den Kurfürsten Ott-IIeinrich und seine Gemahlin mit
folgenden — vgl. aus der Num. 5 der ersten Abtheilnug die Noten 25 und 26 —
Versen :
Ottheinrich Pfaltz durch Gottes gnade
Von des Bapsls greulu erledigt hat.
Der kirchen ruhe, des reicha wolfart
Zu fUrdern, er kein fleisz nit spart.
Snsanna von haus Bayern geborn,
Margraff Casimir zu vor erkom,
Folgens bei Pfaltzgraf Ottheinrich
Ir leben beschloss seliglich.
2:i*
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174
Auf dem eilften Blatte endlich findeo wir den Kurfürsten Ludwig VI und seine
beiden Gemahlinen mit folgenden Reimen:
Ludwig hat ruh und frieden lieb.
Sein Zeit mit Gottes Wort vertrieb.
Drng lust zum bauw und freier kunst.
Acht wenig ander kurzweil sonst.
Mit seiner gemal Elisabet,
Ijindgreffin, er vil kinder het. ‘
Darnach wardt seinem Ebbet bekant
Anna, Gräffin von Ostfrislaudt.
X. Zn Seite 121 Note 230.
I. Aus den Aufzeichnungen Ul>er die um die Mitte des 17 Jahrhunderts aus dem
Haag wieder in die Heimat zurückgelangten pfälzischen Mobilien u. s. w.
a)
.Aus dem Verzeichnisse ,,der kästen vndt kisten weiche ausz dom Haag nach
Franckfurt geschickt worden den 14/4 Septembris 1649“ beispielsweise:
Neun Stückh Tapezerey von seiden mit goldt vndt silber eingewirckl, auff
welcher Augusti vndt Pompej historia von Cleopatra.
Zehen Stückh Tapezerey, hi.storia des Simsons, mitt seiden vndt wUllen ein-
gewircket.
Ein Canier von .«echsz stücken, reich von seiden, vndt die historia von Atlante
hoch 6 ehlen, weit zusammen .77 eblen. NB. Diese .Stückh seindt einander alle
gleich an höhe vndt breite.
Ein Canier von sechsz Stücken von Bucho, mit seiden vermischt, je«les stückh
hoch 6 ehlen, zusammeu weit 74', i ehlen.
Ein Camer von sechsz stücken, römische vnbekaute historj, hoch 4',s ehlen,
zusammen weit 22'/> ehlen.
b)
Aus dom „Inueutarium vber die Mobilien welche ausz dem Haag seindt nach
Heydelberg geschickt worden den 27 Sept. 1651“ beispielsweise';
Ein titücklein Tapezerey, darauff eines Pfaltzgranen Bildnusz.
Ein Stückh Tapezerey vom könig Salomon vndt der königin von .Seba, mit
goldt vndt Silber vermischt, .7 ehlen breit vud 3*/i ehlen hoch.
Ein Stückh Tapezerey, deszen gruudt roth vndt braun, Pfaltz Wappen in der
Mitten, vnd mit golt vermischt, neben hernmb acht andere wappen, hoch 3'/, ehlen
vndt 3'/« ehlen weit.
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175
Kin StSckh, darinnen das Pföltzische vnd Sächeische Wappen, mit goldt vnd
seiden Termischt. ist hoch 4 ehlen vndt 3 ehlen breit, darin Religio, Sinceritag,
Constantia, et Justitia.
Ein Stflckh Tapererey der entsatzuug von Leyden, »ehr schön, hoch 4*/i ehlen,
breit 3'/t ehlen.
Waren diese Gegenstände in der sogenannten indianischen Kiste verpackt, so
»eien aus „der schwartzen euglischen kisten mit dem gebogenen Deckel, daranS'
holtzenc Leisten“ verzeichnet:
Zwey Stückh Tapecereyen von C'hurfflrsten Ott Heinrichen, Pfaltzgrauen,
ringsherumb mit kleinen Bildern wappeu vndt schrifft gleich einer Genealogia,
hoch 6 ehlen, vndt beide zusammen weit 13*t ehlen, mit goldt .Silber vndt seiden
vermischt.
c)
Dmfassend ist sodann die Aufzählung in dem Verzeichnisse ,, derjenigen Mo-
bilien vnd t^childereyen so den 13 Martij anno I6.3(> ausz Holland gekommen vnd
dem Hausz-Schneidern Peter Thomas in Verwahrung geliffert“ worden. Hieraus;
Neun stflck, die bistorie der kinder Iszrael in Kgipteu, daniuder 8 stück hoch
5 ehlen, vnd 1 stuck hoch 4 brah. ehlen, brcitt zusainracn 46’/4 ehlen; alsz:
1) Ein stück wie Joseph in Kgipten verkanfft worden, hoch 4 ehlen, brcitt
2*4 ehl.
2) Ein stück wie Jacob mit seinen kinderen in Egipten gezogen, hoch 3 ehlen,
brcitt 6*,'i ehl.
3) Ein stück wie .Toseph seinen Vatter vnd Brüder zum König in Egipten
gebracht, hoch 3 ehlen, breit 3’/» ehl.
4) Ein stück da Iszrael .loseph schweren thut wegen seiner begräbnusz, hoch
.3 ehlen, breitt 3’,'i ehlen.
.3) Ein stück wie nach dem Todt Josephs vnd seiner Brüder ein newer könig
kam der von seinen thaten nichts gewusst, u. s. w.
Bekehning Paulj. Bestehend in sieben stücken Tapezereyen. seind hoch 5,
breitt zusammen 37 '/4 ehlen Brab.
.laditium Salomonis vnd andere historien. Bestehend in sieben stücken Tape-
zereyen. seind hoch 4 ehlen, breitt in allem zusammen 33 Brab. ehlen.
Die historia von Salomou. Besteheut in neun stück Tapezereyen.
3, breitt zu.sammen 33 '|4 Brabandt. ehlen.
Die historia von Tobias. Bestehend in zehen stücken Tapezereyen.
6 ehlen, breitt zusammen 38 Brab. ehlen, vud ein stück hoch 3*/4 ehl.
Pfaltz vud Sächsig Wapeu. Bestehend in sechs stück Tapezereyen.
3 ehlen, breit zusammen 32 brabandt. ehlen.
Die historie von Moyses. Bestehendt in füuff stück Tapezerey.
4 ehlen, breit zusammen 19’/4 Brab. ehlen.
seind hoch
seind hoch
seind hoch
seind hoch
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176
II. Aus dem Inveutaro der in der Resideuz zu München ira .Jahre 1655 vorhanden
gewesenen „Taiietzereyen“ n. s. w.
Gleich dis erste Aufzählung unter den an die Spitze gestellten „Niderleu-
dischen von Goldt vnnd Silber erhöchten Tapetzereyon" bilden;
Zwclf Stükh reicher vnd zierlicher Tapezereyen, mit goldt Seyden vnnd Wohl
gewürkht, darin zuersehen die Kitter- vnd fürtrelflichen geschieht Ottonis von Wit-
telspack, des grossen Pfalzgrafens vnnd Herzogen in Bayrn etc.
.An.s der ganzen übrigen Menge seien hier nur noch folgende Numern anf-
gefnhrt :
, Neun Stückh von s. l’aiils ge.schichten, mit goldt silber vnnd seyden reich
gezieret, darinnen grosse bilder /eschen u. s. w.
Zway schmalle stükh auch von s. Paulo, so zu erstberegten neun stnkhen
gehörig.
Zvrelf Stuckh Niderleudischer Tapezereyen, Grottc.scho genant, von goldt silber
vnnd seyden, in aineni yeden stükh dreyerlay tugeuten, der ganze Podu von rotter
Carmesin seyden, wie auch die frisen mit goldt vnnd seyden gewürkht, an den vier
Eggen dasz Bayrisch Wappen, vndeu vnnd oben in mit! des Frisens die Puchstaben
oder Nammen M vnnd E.
Ain kleines stäkhl von niderlendischer Arbeit, auch von goldt vnd silber mit
seyden vnderwürkht, darinen die heil. Susanna, so auf die Prob gemacht worden.
Widerumh 11 Stükh von Wohl mit seyden reichlich erhebt, .sonsten auch von
Ottonis von Wittehspach des grossen Pfalz.grafen vnnd Ilerzogens in Bayrn etc.
geschickten.
Hierbei ain klains stukhel von dergleichen Arbeit, darin das Bayrische Wappen
gewürkht, alsz zu einer Prob.
Finf stükh niderlendischer Arbeit von fein seyden vnd garn gewürkht, mit
dem Jaydtwerch. in miti desselben ist das Bayrisch Wappen eingetragen.
Neun stnkb auch von fein seyden vnd garn, Eaubwerch. in mittl ist da-s
Pfälzische Wappen.
Sechs stükh niderleudischer Tapezerey, auch von Laubwereb, mit zway Wappen,
darunder ainsz das Plälzische vnd das ander das Hesische Wappen,
Ain lang schmalles stükh Niderlendischer Arbeit, vnd Pluemwerch, darunder
dasz Bayrische vnd österreichische Wappen.
Ain grosz altes stnkh obiger arbeit, sonsten von seyden vnd fein garn, darinen
etliche Kürsstens Persohnen LeWn gro.sz, sonderbar aber Wolf Dietrich etc. begriffen.
Ain gefürthes stukb Niderlendischer Arbeit von seyden vnd fein garn, darein
das Bayrische Wappen von goldt getragen, mit drey Creutzen eingefasst, daran
weis/ vnd plaue seidene fransen, das pflegt man in s. Georgen Bruederschafft zu-
gebrauchen.
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177
XI. 7m Seite 122 Note 231.
Ues Keichart Strein zn Scharfenau
Apologie über das Privilegium des Kaisers Friedrich 1 für Österreich vom Jahre
1136 hauptsächlich wider .Tohanu Aventin nnd Ur. Wiguleus Hundt.
Diese Schrift findet sich in einem Codex des lG/17 Jahrhunderts in der Hand-
schriftenahtheilnng der Bibliothek des geheimen Staatsarchives. Kr stammt ans dem
Besitze des Grafen Kmanuel von Törring und Gronsfeld, ward seinerzeit von dem
OI>erhihliothekar liufrath Heinrich Färinger erworben, aus dessen Bibliothek ihn der
Akademiker Dr. v. Drnll'cl im Joli dieses Jahres als Bestandthcil einer Sammlung
baierischer Landtagshandlungen — er selbst enthält die der Jahre 1556 und 156.7 —
ersteigerte, welche er alsbald dem geheimen Staatsarchive znm Geschenke machte.
Das Werk umfasst 289 Blätter in Folio. Der Titel lautet:
.Apologia
oder Schutzrede über des durchleuchtigisten Hauses Österreich von weyland Kayser
Friderichen dem ersten hochloblicbster gedechtnus demselben anno 11.36 gegebenen
vnd erthailten ausechenlichen Prinilegio
wider
weiland Johannis Anentini, Bairischen Historici, vnd Doctor Vigelij Hnndt von
Snltzemoosz, fürstlichen Bairischen gewes.sten Raths vnd Hofraths- Präsidenten zue
München, wie auch anderer viler mehr Bairischen Historiensebreiber etc. schritflcn
in jhren Historien vnd buechern darbei gesuechtem vngleichem verstandt abbruch
vnd znesatz
sambt
.Ablainung auch anderer vom Auentino dem Laudt vnd Erzherzogthnmb Österreich
aufgotrungeneu hochpräiudicierlicheu praetensionen vnd fürgehiingen,
darbei anch
der Bairischen Nation rechte vber vhrnlte ankunffl angezaigt, dagegen die aufge-
tragene Boysche oder Gallische verworfen wiird,
darinnen auch
anderer Teiitschen, sonderlich aber der benachbarten Völekher vnd Nationen wahrer
vrsprnng vnd deren rechte vhralte nomina — so gmainglich anderen Historiographis
viibewusst, vnd offt maniiigfältig darin goirret, oder ains fürs ander gehalten wUrd —
mit rechtem sattem gmndt wflrd dar gethon md erörtert,
gestellt
vnd mit groszem vleisz vnd langer müehe in disz buech zuesamen gebracht durch
den wolgebomen Herrn Keicharten Strein*®’) Herrn zue Scharffenaw, so etlichen
2G9) Bass ein gewisser gefaeimnissvotlcr Schleier seine Schriften am Anfänge des 17 Jnhrhonderta
nnigab, ist fulgcnden Aktenstücken des geheimen Hansarchives nnd des hiesigen Kteisarchives ans dem
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178
Komischen Kaysern für ain gehaimen Rath gedient, bochgodachtem durchleucbtigstem
Hansz ynd seinem lieben Vatterlandt zno schuldiger pflicbt rnd ehren, auch billiger
rettung vnd defension, aasz warhaiften Historien vnd brieflichen Vrkanden, auch
sonsten gegründten argumenten beigefiiebrt.
Ain hoch vnd gehnimb werckb
Briefwechsel des Henof^ Maximilian I mit dem Stadtphysikna Dr. Karl Widemann ron Aagnbarg za
entnohmen. Ton welchem in der akademischen Festschrift ..die Pflege der Ottchichte durch die Wit-
teUbacher“ S. 50 bemerkt worden, dass er zu wiederholten Malen in der Angelegenheit des baicri-
schen Hietorienwerke« des genannten Herrschers tbätig gewesen;
a)
Am 13 August 1605 berichtete er dem Herzoge, er sei. als er jüngst in Böhmen gewesen, za
Prag mit einem vornehmen Herrn bekannt geworden, welcher ihm im Vertrauen von zwei geheimen
Werken gesprochen, die hiefür von Werth sein dürften.
Das erste ist die eben berührte Apologie, von welcher es heisst, sic solle „ein aaszbund von
eim fürnemen werk" sein, und für das Haus Baiern nach der Seite der Kenntnisa der Pratensrnnen
gegen dasselbe nicht za untersebitzen. Aach habe die kaiserliche Majest-at den ErWn des Verfassers
20000 Tbaler ansser einer weiteren Gnadenbezeigung verehrt.
Die andere Schrift .aonales historici, 1000 Bogen und mehr, ante et post Christum natnm,
in folio. oder historisches jabrzeitbuch der herzogen in Baira oder marggraffen ob der Enns" wird
gleichfalls als ein für Baiern hochnothwendiges Werk bezeichnet, da seine Geschichte „secundum
5 aetates vleissig verfertigt" sei.
Dr. Widemann bietet seine Dienste zur Erlangung dieser Arbeiten an.
b)
Bezüglich der zuletzt berührten Schrift berichtete er auf einen Befehl vom 14 Marz am
8 April 1606:
Auf Euer Durebl. lestern gnedigsten befeicb den 14 Martij verwichenen monats an mich be*
Schechen, den annalibus historicis ante et post Christum natuin des herizt^umb und hertzogen in
Bairn oder marggraffen ob der Eos nit allain fürderlichiston nach zuebedrachten. sondern auch der^
selben ersten pdgen von 20 bis in 30 umb weitter ersehens willen zuer bant zuo bringen, hab ich
nit gefeirot, sondern also halt an bewost hochvortrauttes ort mit sonderm vleiss gesebriben.
Euer fürstl. Durebl* bcfelch ein gnüegen ze thuen, übersende derselben ib hiebei angedeütter
pögen des anfanges 25. und seind dise annale» von bem Strein selig, so dreien Kaisern für ein ge*
baimen rat gedien^'t und alle urcana domus AuRtriacae under seinen handen gehabt, dedneiert usque
ad annum Christi 1559: und werden gern Qfs wenigste derselben auf 300 pögen sein werden.
Dise Annalee historici hern baronis Strein wie auch andere aelne Schriften, Euer Durebl. von
mir hinderlassen und underthenigst angedeütet, reimen und schicken sich alle — nämlich nach einer
besonderen Anfügung: Apologia, Aonales, Privilegia, Dednetion schrift — wol zsamen, referiert sich
je ein schrilt auf die ander, interpretiert auch eine die ander.
Ligt ounmer alles an dem das Euer Durebl. sich gnedigsi an airo und anderem resolrierGD.
was dero wil, mainung und weitterer befclcl) ist
Es seint zwar an disem hoebvertrautten ort da emaote arcana reponisrt noch irier hochwüclitige
Sachen so Eurer Durchl. sue hohem nutz und frommen gedeieu mögen verbanden, wiri aber von
nutten sein, der apologiae erstlichen ainen aastrag zue geben, and den übrigen dreien angeilcütten
Schriften Eurer Durchl. gnedigstem verheissen nach: so mag das übrige von mir desto füeglicbcr auch
zner stel gebracht und Eurer Durchl. underthenigst zue geordnet werden.
Im fal non Eurer Dnrchl. vorhergehende und auch zuekonftige meine angebottene ander*
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17'J
Das Werk selbst beginnt : Es haben Johannes Auentinns, ein bernehmter ge-
lehrter Mann vnd erfahrner fleissiger Historicus, in seinen Lateinischen Boiornm
Annalibus rnd in der Tentschen seiner Bayrischen Chronickh, wie auch Herr Vige-
lius Hnndt von Snlaenmoosz u. s. w.
theoiffste «iienit zoe gnediestein gefallea ger&ichet und konftig raiclteo möchten, da ih varlicheo
allerlai müe versaumoas coaten and cleiga willig angowendet bisher, und angedeutte Sachen dise
über mir bei tag und nacht hoch angelegen sein lassen, auch one persönliches hinralaen dise
angedeütte sachen — und was etwan noch liinderstellig Eurer Durchl. hochnutzlich gwUs zue erfareo —
mir kaum zuo erbeben getrau, bit und erioner Euer Durch!, ih biemit undertheuigst, mich mit einem
gnuegsamen idaher ersprieslicfaeo) stipendio seu salario annuo ad annoe vitae mee protenso gnedigst
bedencken, in disen Eurer Durchl. angedeOttoo hochwöchtigco und hochnntilichen Sachen d^to besser
und freudiger ans* und abwarten möge, gedrau mir durch götlicben beisUnt Eurer Durchl. diss an
aim vil merern und derselben inor erfreulichen vilraltig wider herein ze bringen, nit allain in disen
sondern auch andern Sachen Euer Durchl. zue erfreQen und dero bobeit weitter zue erheben, dise
hohe Sachen (meines schlechten Verstandes) seint einer furstUeben begiiadigung gantz wol wQerdig,
weil die Jetzig kais. Maiest. uinb die aintzige Verfertigung der a{K>Iogiae bem Strein seligen erben
20,U00 taler allergncdigst vereret, sambt noch einer andern kaiserlichen gnad, als Eurer Durchl. in
meim ersten schreiben an dieselbe ih auch underthenigst angedeOttet hab mense Augusto 605.
c)
Nach einem Erlasse des Herzogs an Marx Welser zn Augsburg vom 21 Februar 1607 sollte
dieser die alte österreichische Chronik von Dr. Widemann übernehmen, und ihm dafür 200 Golden oder
dergl. unter Discretion anbieten, wie der anderen Bücher wegen mit ihm handeln, wenn er darunter
etwas brauchbares finde.
Ob sich das auf Schriften d^ ßeichard Strein bezieht, ist zwar wahrscheinlich, allein eben so
wenig sicher ausgemacht als bei dem Befehle au die Rofkaromer vom 10 August, dem Dr. Widemann
für ein „grosses geschrtbenes Historibueb'^ 200 Gulden zu zahlen.
d)
Nachdem er am 26 Mai 1607 darüber was er „weitter wegen der Apologiae wider Aueotinum
jnn Böhem so wohl schrifftlicU alsz mündlich verrichtet, vnd worauf die sach berhue“ Bericht
erstattet batte, ihm aber hierauf innerhalb zweier Monate keine Antwort zugegangeo war, bat er
deashalb am 21 Juli um Entscbliessung.
e)
Eine solche ist aber — wie es den Anschein bat — wieder nicht erfolgt, denn er brachte den
Gegenstand am 3 Februar 160ä neuerdings mit dem Bemerken in Erinneruiig, dass er gleichwohl es
dabin gebracht habe, dass ihm das Buch insgeheim zur Abschrift geschickt worden. Es komme jetzt
darauf an. was der Herzog thon wolle Der Besitzer meine, durch den Druck 3000 Gulden gewinnen
tu können, wolle aber davon abstebeo, wenn mehr gegeben werde.
0
Dieses Schreiben wurde dem Marz Welser mitgetheilt, von welchem wir anderw&rts her —
vgl. die berüttrte akademische Festschrift S. 4^1/44 und die Beilage XI Ziff. 9 daselbst S. (60) —
wissen, dass er bereits io einem Briefe an Dr. Johann Georg Hörwart von Hobeoburg vom 30 Sep*
tember 1600 bezüglich einer österreichischen (Thronik im Stifte Mondsee geäussert : Dem ersten bueeb,
als cbrooicao Austriacae, facit precium das in rceonditioro Abbatis bibliotheca sein und Dr. Strein
stark darnach sol traebt haben.
Er schaute die Sache sehr nttebtem an, und sprach am 11 Februar 1608 sieb unumwunden
dahin ans, er meine noebmals, der Herzog solle sich mit Dr. Widemann nicht einlaascn. Könnte der
Abh. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. ßd. III. Abth. 24
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Uer SchlnsK lautet; >las Herzog Leopoldt in urieutaleui lioiariaui, in rniler
Uaircu (in Oe-sterreicii) aicti begeben bab : dan ob er wol Herzog in Beim vnd nebeus
Margrafe in Österreich gewesen, so hat doch aiues mit dem andern kain gemain-
schaCfl gehabt, so wenig als irzo Vngarn vnd Österreich, Österreich vnd Bayren hat.
Zn allenfallsiger Wrgleichnug können von hiesigen Handschriften die Codd.
germ. 118.5 S. 1 — 5fi7 und 1186 der Hof- und Staatsbibliothek beigezogen werden.
XII. Zu Beite 130.
Zwei Arbeiten des Bartolomeo Zncchi von Monza
in deutscher Uebertragung.
Sie stehen in einem gewi.ssen Zusammenhänge mit der ältesten baierischon Ge-
schichte, theilweise auch mit den bekannten Bearbeitern derselben nnter Herzog Ma-
ximilian I , Marx und Paul Welser. Beide Schriften hinterliegen im geheimen
Staatsarchive.
a)
Die erste ist die ..Histori von der durcbleuchtigsten Krawen F[rawJ Uietliud,
Künigin der l.ombarder, welche die Kayserlicbe Statt Monza erhebt, vnd alda die
berümte Kirchen St. .loban des Tauffers erbawen hatt“ auf 79 etwas mehr als halb-
lirQchig beschriebenen Seiten in Folio.
Kine Vergleichung des Wortlautes der Briefe des Pabstes Gregor an den Bischof
Constantins von Mailand und die Künigin Theodolinde im zwölften Kapitel „der
Bapst bemühet sich, die vbel verlaitete Königin Dietlind wieder auff den rechten
weg zu bringen, vnd gelingt jme“ auf S. 24 und 25 mit dem in des Paul Welser
deutscher Bearbeitung der baierischen Geschichte seines Bruders Marx S. 21 1 und
212 zeigt höchst auffallende Uebereinstiinmnng.
b)
Die zweite ifrt die „knrze Histori von der Eisineu Krön, vud Verzeichnusz der
König und Kayser, welche darmitt jnn der Kayserlicben Statt Monza vnd anderstwa
gekrönt seind wonlen“ wieder auf 79 etwas mehr als halbbröchig beschriebenen
Seiten.
(legen den Schluss auf S, 77/78 kurz vor dem Tode des Kaisers Karl V ge-
schieht da bei Erwähnung des Augsburger Reichstages auch des Marx Welser in
Besitzer de* Werke* durch den Druck 3000 Gulden Teolienen, »o hatte er ihn gewiss schon unter-
oomroen. Wenn aneb Herr Reicbard Strein dem ÄTentin und Dr. Hundt etliche Unrichtiglceiten nach«
weise. 90 enUtehe hieraus für Baiern kein aosserordentlicher Sdiaden, die Wahrheit werde schliesslich
weder »o noch so endgiltig nnteHrückt werden.
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181
Bcbnieichelbaft«^ter Weise Krwiihnuiig. Weil der Kayser — heisst es — jnn Ifalia
gewest , halt er einen allgemeinen Reichstag gen Augspurg anszgeschrihen : welche
Stat ohne das bcrßmt, vnd jetzo durch Herrn Marxen Welser, meinen geliebten
Herrn vnd grossen freund, so von (ieschlecht eines alten Adels, von wandt vordere
gottselig — anilercr seiner hohen qnalitcten, welche dnreh^die Werkh so er jnn
den Trnkh gefertigt meniglich bekannt, zn geschweigen — noch vil berümter
worden.
Xlll. Zu Seite 130.
Zur CJeschichte des Kurfürsten Friedrich I von der Pfalz,
des Siegreichen.
Die Handschriftenabtheilung der Hibliothek des geheimen Hausarchives verwahrt
fünf je für sich mit weiss-blanen Scidenfäden geheftete Convolute in Folio, von
einer Hand der zweiten Hälfte de.s vorigen Jahrhunderts halbbrnchig geschrieben,
je mit dem Titel : Merckwtlrdige meistens unbekannte aus dem Chnrfürstlicheu Archiv
gezogene Nachrichten.
Darin findet sich eiu so bezeichuefes „Diarium Friderici Victoriasi ab anno
144!) usque 1458“ in der Abtbetlung 111 § 15 von 1419—1458, in der Abth. IV
§ 16 von 1458—1461, in der Abth V § 21 von 1461 — 1472.
Der gelehrte vnd Heissige Abt Schannat — heisst cs am Eingänge — hat bey
seiner anwessenheit zu Korn die Erhinbnns erhalten, aus der Pfältzisclien Hibliothek
im Vatican ein vndt anderes so ihm dienlich scheinen würde zu eztrahiren. Was
er nun daraus entnommen, solches ist nach seinem ableben, in etwa 30 bisz 40
Rogen bestehendt, zu dem ChurfUrstl. -\rcliiv abgegeben worden, vndt darunter ein
Tagbuch Churfurstens Friderici I befindlich.
Die Aufzeichnungen selbst um welche es sich handelt beginnen: In der zyt
alsz man zait von Christus geport MCCCC vndt XLIX jar, off raitwoeb vor assumptio
Mariae virginis, vndt der was off einen frytag, zu XII uwren starp Herzog Ludwig
Pfaltzgrane hy Ruin vndt Herzog zn Beyern, zu Woriusz in der Domprobstie. vndt
was der hischoff von Meintz ouch da, vndt ander vil herru vnd graffeu u. s. f. in
der Weise wie in den in der zweiten Abtheilung unter Num. 70 berührten Auf-
zeichnungen des Michael Arroden.
Der Bchluss lautet: In dieszem Krieg haben ouch die graffen von Nassaw, die
Ringruffeu, vnd juncker Winrich von El>erstein. Herzog Ludwig fil gefangen.
Wie bereits am erwähnten Orte bemerkt worden, hat man es wohl mit dem
Anonymus spirensis znr Geschichte des Kurfürsten Friedrich I, des Siegreichen, zu
thun. Wenigstens stimmt — abgesehen von anderem — die Stelle welche Christof
Jakob Kremer in der Note h der Vorrede seines bekannten Werkes Uber denselben
24*
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182
mittheilt hier folgendermftsseii : Da das geschläge schier zergangen was, do komen
die wepener zu lauffen, und waren wir von Spier die ersten mit vnszern fenlen in
der wagen bnrg.
XIV. Za S«U« 130.
Des K urfUrsteu Maximilian Gmanuel
prima expeditio ad Dannbium,
in lateinischen Versen besungen und mit allegorischen Darstellungen geschmückt, im
grössten Folioforniate von 50 Centim. Höhe und 37 Centim. Breite, in einem mit
blauem Seidenmoire überzogenen Pappendeckelbande, dessen Innenseite rothes Glanz-
papier bildet, in welchem unter lauter Arabesken in Golddruck zwischen munteren
Genien einer in der .Mitte des Ganzeu mit einem Lorberkranze in der vorgestreckten
Linken und einem Palmenzweigo in der hocherhobenen Rechten dahinschreitet, im
geheimen Hausarchive.
Auf das in Kapitalbnchstaben von 2‘/» bis über 3 Centim. Höhe in grauem
Tusche au.sgeführte Titelblatt „Prima expeditio a<l Danubium" folgt das er.ste Bild,
nach einer unten auf der linken Seite angebrachten Bemerkung von Jonas Wolf im
.Tahre 1704 gefertigt, auf einem hohen Mauersockel mit zwei Vorsprüngen den Kur-
fürsten Maximilian Kmanuel darstellend , wie er hoch zn Ross in der Kleidung der
alten Imperatoren vor Kriegstrophäen und vor zwei Pyramiden dahiusprengt, von
welchen die anf der linken Seite dem Andenken an die Kämpfe bei Schmidmühlen
und Hochstätt gewidmet ist , die andere rechts denen von Eisenbirn und Munder-
kingen, woran sich noch weiter Medaillons mit „capit IV vrbes“ und unter „conivnctio“
mit der Anspielung auf die Vereinigung der baierischen Truppen mit den fran-
zösischen reihen. Zu deu Füssen des Reiters ist der Name von Ülm in der Mitte
angebracht, links der von Augsburg, rechts der von Regensburg, die letzteren
beiden mit ihren Wappen , zwischen welchen sich noch von links nach rechts die
Wappen von Kempten, Füssen, Memmingen, Passau, Oillingen, Lauingen finden,
ans deren Mitte noch das von Nenburg über das obere Gesimse des Mauersockels
herabragt. In diesem selbst, dessen beide Vorsprünge je zwei Medaillons zieren,
links mit den Ueberschritten „tutus a tergo“ und „solvit vel eivdit“ wie rechts mit
„arceo praedantes“ und der schon auf die „seennda expeditio“ in den viel oder
wenig sagenden Worten „plnra latent“ gefassten Anspielung, ist ein niedlich ge-
fertigtes Kärtchen eingefügt, welches den gesaramten Schauplatz der „prima ex-
peditio“ vor Augen führt.
Die folgenden fünf Blätter fällen, wie alles folgende in einer Raudeinfassung
von einer einfachen dunkelrotfaen Linie, die Hexameter über die Gesammtdarstellung
von der Schlacht bei Eisenbirn angefangen, je 14 Zeilen auf der Seite umfassend.
Sie beginnt :
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185
Jam Macedüm cessate ducem ; cessate subactj
Persarum fastüs domitorera, A«iae<)ae potentia
Victorem aonio super aethera tollere cautu.
Den Schlnss bilden die Verse :
At, tibi quae canimus, sunt facta receutia, nostris
Visa oculis, uec iama potest tibi demere quidquam,
Aut fidei maculas aspet^ero longa vetustas.
Deniqiie factorum si quisquam comparet annos,
Nnllus Alexandrum posthac mirabitur, nt qui
Tanta decennali perfecit tempore ; tantis
Vt mtiles factis, onus tibi sufficit annus.
Von da folgen unter je einem besonderen in grossen Kapitalbachstaben ge-
fertigten Titelblatte, welchem sich wieder auf eigenem Blatte eine dahin bezügliche
allegorische Darstellung in grauem and dankelgelbem Tasche je über einem Sockel
mit einem besonderen Spruche anschliesst . die Diaticha zu nachstehenden Ab-
schnitten :
Maria, coelurum regina, protectrix Maximiliani Magni et Bavariae,
Maximilianns, Barariac dux, detensor religionis et patriae,
Maiimilianns rincit hostes primo ad Eisenbirnam,
Masdmilianus rincit hostes secundo ad Schmidtmilt,
Maximilianns rincit hostes teriio ad Mvnderckingen,
Maximilianns rincit hostes quarto ad lloechstett,
Maximitianus irngit suas copias cum gallicis,
Maximilianus capit XIV rrbes et oppida,
Maximilianns liherat dnas arces ab obsidione,
Maximilianus Barariam liherat ab incrrsionibrs,
Maximilianus spectante boste srbsidirm immittit,
Maximilianus ad secvndam expeditionem se parat :
Hactenus iusignes cornu tibi copia gazas
Fudit, et ex pleno deplnit illa sinn.
Quas tibi diritias laurorum porro refundet,
Nunc canere, o Princeps, nostra canioena neqoit:
Nam velrt obten.w relo nunc obtegit nrnam,
Proque futuro, inqnit, tempore PLVRA LATENT.
Hinc arida exspectat reniens tua Boia tempus,
Quod Patri patriae clara tropbaea feret.
Et quoqne iam cupidis exspectat tempora plectris,
V t laoros iterum nostra camaena canat !
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184
XV. Zn Seite 132 Note 237.
Streithandel der Herzoge .\lbrccht und Wolfgang von Oberbaiern gegen den Pfalz-
grafen Knprccht
wegen der V'erlassenech aft des Herzogs Georg von Niederbaiern
auf dem kaiserlichen Rechtstage zu Augsburg vom 5 bis 18 Februar 1505.
a)
Frierlrich Kaspar V. Günter behandelt ihn in seiner im geheimen Hansarchive
anflwwahrten „kurzen jedoch verlässigen Nachricht von der Bayrischen Fehde, da.s
ist demjenigen Streit welcher sich zu Anfang de.s IBten Jahrhunderts um die Krb-
achafft Herzogs Georgen von Bayern Landshutischer Linie zwischen dem Pfalzgrafen
Ruprecht einer sodann denen Herzogen von Bayern .Mlinchischer Linie Albrecht
und Woltl'gang anderer seiths ereignet hat“ aus dem Jahre 1765, welche in theil-
weisc veränderter Fassung auch in den Acta acadcmiae Theodoro - Palatinae zu
Mannheim Tom. V 8. 445 — 464 — 472 zu hnden, in den Sg II — 26.
Die Beilagen D — S dieser Abhandlung bildet eine ohne Zweifel ans einem
Aktenstücke des kurpfälzi.schen Ärchives zu Mannheim gezogene Abschritl der
Vorgänge auf dem berührten kaiserlichen Reclitstage.
Sie entsprechen den Mittheilungen in Franz v. Krenner's baierischen Land-
tagshandlungen XIV' von S. 178 an im einzelnen folgenderraassen : D = S. 178 bis
183, K S. 183 bis 200, F = S. 200 bis 219, G = S. 226 bis 260, H = S. 261
bis 287, P = S. 288 bis 325, S = S. 335 bis 394 mit unterschiedlichen Aenderungen.
Die Beilagen .1 — 0 wie Q und K, welche hier nicht berührt sind, enthalten
nachstehendes : J die erste kaiserliche Anwerbung zum V'ergleiche vom .Montage
nach Remini.scere des Jahres 1504, K die zweite vom Dienstage nach Reminiscere,
L die dritte vom Donnerstage darauf, M die vierte vom Samstage nach Oculi mit
der Antwort des Herzogs Ruprecht, N die Erklärung der kaiserlichen Käthe über
den Sinn des bekannten hübschen kaiserlichen Interesse, O die Anerbietung der
kaiserlichen Allianz an die Pfalz vom Sonntage Laetare, mit der .Antwort des Her-
zogs Ruprecht, Q den kaiserlichen ürthcilsspruch zu Augsburg vom 20 April,
R -des Herzogs Alexander „bewarung“ vom Mittwoche nach dem Fronleichnamstage
des Jahres 1504.
b)
Eine andere Ahschrift dieser V'erhandluugen gleichfalls aus dem vorigen Jahr-
hunderte lindet sich im geheimen Staat-sarchive auf acht je für sich gehefteten Lagen
von verschiedenem Umfange in Folio, wovon die dritte mit der HauptiiberschriR
270) 'VS'cni^nt«iid ttQS«crt der Verfaeser in $ 27 : Hier nan nehmen die Kftcbrichten des all-
biesigen Archivs ein Ende; aiHl finde ieb nur in Büchern, dass im jetstgedacliton Jahre nämlich
1507 — auf damabligem Keiefasztag za Cosinis die sach ToUkommeo abgctlian o. s« w.
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löO
„Extract aus der gerichtlichen Verhandluug Her/^ Georgii divitis an Laudshut Ver-
lassenscbafft betreffend“ aus einem Baude hcrausgerissen oder berausgeschuitten ist.
Jede dieser Lagen enthüll ein Ijesonderes SlQck der in Rede stehenden Akten.
Die erste mit der zu unserer Nuui. 22a stimmenden allgemeinen Eingangsüberschrift
„Hernach volgen die handlang so vor kais. Majestät Kurfürsten Fürsten und andern
des heiligen Reichs und des lobl. Fundts im Land zu Swalren stendeu durch Herzog
Albrecht und Herzog Wolfgang“ u. s. w. den Anfang bis zu Herzog Ruprechts
erstem Vortrage. Die zweite diesen. Die dritte unter der oben schon berührten
Ueberschrift der Herzoge Albrecht und Woltgang zweiten Vortrag vom Mittwoche
nach deu\ Dorotheentage. Die vierte die Duplik von .Seiten des Herzogs Ruprecht.
Die fünfte die Triplik o. s. w. bis — vgl. unsere Nummer 22 b — Herzog Ru-
prechts Beschluss: wo aber die guetigkait nit verfangen möcht werden, vuverpfendt
seines Rechtens will er es auf sein vorigen gethanu Rechtpotten bestehen und l>e-
leibeu lassen.
c)
Wieder im geheimen Staatsarchive findet sich ein aus dem vorigen Jahr-
hunderte stammendes Bruchstück von drei je für sich gehefteten Lagen in Folio,
am imteren Rande des jeweiligen ersten Bogens mit 1—3 bezeichnet, oder 34 be-
schriebenen .Seiten, mit der eben in b angeführten allgemeinen Eingangsüberschrift
bis gegen das Ende des drittletzten Blattes der daselbst bemerkten Lage 3.
a)
Ausserdem liegt im geheimen Staatsarchive auch noch der Schloss einer anderen
Abschrift wieder des vorigen Jahrhunderts, bestehend ans zwei Lagen in Polio, in
der linken Ecke des unteren Randes mit ü und 10 bezeichnet, von 4 und von 2
znsammengehefteten Bogen, von deren zweiter die letzten 3 Seiten nicht mehr be-
schrieben sind.
An den vorhin unter b berührten Schluss knüpft sich hier noch unter dem
Anfligen „Vermerkt die so von der gemayneu Landschaft zu Aichach gehalten am
Montag nach Sontog invocavit 1504 zu einem ausschusz verordnet siudt samt der
kon. Maj. zwischen den Hartheyen der Fürsten gnetlichen zu handlen“ das Ver-
zeichni.ss der Vertreter der baierischen Ritterschaft, während die des Prälatenstandea
nicht mehr aufgezählt sind.
XVI. Zu Seit« 132.
Des „Hanns Pauls Pirkher von Pirkh, Guttnekher genandt“
kurtzlich bedenckhen wegen Keuterey in Bayrn etc. anno 1606.
Es nmfaast dieses Aktenstück des genannten am Schlüsse eigenhändig nnter-
zeichneten Hauptmanns vorm obern Wald and zu Furt sechs zusammengeheftete
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Bogen in Folio im geheimen Staab^archiTe , wovon die letzte ursprünglich leer ge>
weseue Seite zn dem archivalischen Vermerke %*erweudet ist: Copia. Haubtmans
vorm oberu Waldt vnderthenigst bedenkhen, aus wasz Vrsachen vnnd warumb die
fursth Durchl. etc. mein gnedigster her in Beyern etc. die Tentsche Beiterej wider
herforbringen solle. Vuderm dato den 10 Nouember anno etc. 6. Ir Durchl. zu
aigen handen.
Unter einer Reihe von Erzählungen über miterlebte Kriegsereignisse wird auch
bei Gelegenheit eines solchen vor Bergen in Heunegau aus dem Jahre 1576 und der
Erwähnung des Hanns Clas Russwonn bemerkt: damals meines obersten herm Hein-
richen von Staius etc. des hochtheurn manua seligen Rittmeister ainer« jetzo noch
verhoffentlich im leben, der eitest Rittmeister im Reich, vnnd des Bistumbs Bam-
berg besteiter Rittmeister vnd Ämbtmann zu Pottensteiu.
Nachdem auf deu ersten acht Blättern der Gegenstand von dem die Rede mit
aller Begeisterung für die deutsche Reiterei und ihre 8chlagordnuug in kernhafler
theilweise mit derben Sprüchen untermischter Ausdrucksweise *’*) behandelt worden,
knüpft sich daran eine kurze Zusammenfassung der Hauptfragen in sieben besonderen
Ziffern, weiter Ansichten Über die ,,Beuelch** oder Chargen, dann eine beiläufige
Uebersicht über „Costen vnnd vnndterhalt im feldtleger^^ zum Abschlüsse.
XVII. Zu Seite 132.
Des Franz Joseph Freiherrn v. ünertl
succincta Dednetio Jurium Bavaricorum ad Regna et Proviucias Ausiriacas,
in schöner Reinschrift auf drei für sich gehefteten Lagen in Folio mit 73 beschrie-
benen Seiten im geheimen Staatsarchive.
27t) Hergcgen — lautet ein Absatx gleich auf S. 4 — die Beaterey so in keiner ordnang vnd ge-
stalt gefQrth oder gehalten, oder auch so die Peniobnen sieh »o vngeachickbt erzeigen, sonnderlich in
dem ij nit wissen weder handt fness noch leib sehalten, henngeo an pferden, schlampen daher wie dia
Mexker, können kein halffter ztuamtnen legen noch anfbindten, mach dem Sprichwortt nach nit ein
Pigl recht ln Sattl ziehen, was dergleichen ReateriMhe Process (deren soail. das wo es in bQcbem
beschriben. einer daran zetragen bett) aber darauf ordeolich gelemet vnd von Jungen oder denn
Jenigeo gemeiniglich durch die wähl vnd wer es besser kan vmb ein bar Packhenstreich dispuUrt wirdet.
Vnndt was — heisst es sodann fast ganz am ischlusse — bedarf es vil ? es wer nit von kurtz-
weil wegen angefanngen, ist wol zueraebten, diser Orden batt aneb sein Leiden, wie ein bekhandt alt
Sprichwortt Untt:
wann die Kriegsleuth sieden vnnd braten,
die geistlichen zn weltlichen Sachen rathen,
VDod die weiber haben das R^imeot,
so niffibts selten ein gueta enndt.
Zo dem ersten Verse ist an den Band bemerkt: NB das ist wan si gutt Qnatir haben.
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187
Sie stannnt aus dein Jahre 1731 oder 1732, indem einmal auf S. 38 und 72
einea kaiserlichen Commissionsdecretes an den Reichstag zu Regenaburg vom 18 Ok-
tober 1731 bezDglich der pragmatischen Sanction vom 19 April dieses Jahres Er-
wähnnng geschieht, und sodann der Verfasser sich in der sogleich in Beilage XVIII
zn berührenden Arbeit S. 6.6 wörtlich dahin äussert : Wie in Dednctione Jurinm
Baearieoruffl ansgefiert worden, solle wohl ben in anno 1246 erfolgten abgaug
Friderici Bellicosi Ultimi aus der Ärnolphiniscb-Bajrriscb - Bsbenbergischen Linie
Dncis Anstriae dessen Frau Schwester Constantia, Leopoldi Illnstris Dochter, u. s. w.
Das Werk beginnt: Quemadmodum manifestum et uotnm omnibus est, Prag-
maticam Sanctionem ab Imperatore Carolo Vl'° angnstissiiuo Viennae 19 aprilis
anno 1731 promulgatam deücientibiis masculis Archi-Diicibus filias suas Archi-Duces
secuudnm ordinem Primogeniturae primo loco u. s. w.
Es schlicsst: quae lides justicia et plenissima reservatio tarnen in totum cor-
rucret, dum novus per eandem Pragmaticain introductus Successionis ordo in snm-
muni Domns Bavaricae praeiudicium damnum et irreparabile detrimentnm contra
sacratissimum Caesareae Majestatis verbuin intentarelur.
An zwei Stellen, zu S. 14 und 63, finden sich zwei Fmaungsänderungen ein-
gelegt, die erste in einem besonderen Bogen, die zweite auf einem eigens inliegenden
Blatte, nach den beigefügten Bemerkungen des Verfassers auf die einschlagenden
Ausfertigungen an Frankreich berechnet.
XTIII. Zu 8«ite 132.
Des Franz Joseph Freiherrn v. ünertl
Deductio bistorica praeliminaris et superficialis jurinm Ducum Bavariae
in terras Austriae,
auf 17 und einem halben Bogen in Folio im geheimen Staatsarchive, halbbrüchig
geschrieben, mit besonderen Bemerkungen des Verfassers auf der leeren Hälfte.
Sie zerfallt im Ganzen in zwei Quaestioues.
Die erste handelt bis etwas nach dem Anfänge des 16 Bogens davon : wie die
Oesterreichische Lande mit deren zuegebör von dem haus Barm körnen , vnd durch
was miti die ieztmablige Herzogen aus Oesterreich habspurgischen Btamen solche
Lande vnd besOtzendte Königreich nah vnd nah an sich gebraht.
Die zweite bis an den Schluss: de Privilegiis Anstriacis vnd was es mit sel-
bigen für eine beschafienheit habe.
Her Anfang der Arbeit lautet: Eine bey allen beriembten Historicis findtige
vnd richtige sacbe ist, waszgestalten vmb die Jahr nach Christi gobnrt 520 die
Theodones Herzogen in Bayrn ausz dem vralt vnd beriembsten agilolfingischen ge-
schlecbt n. s. w.
Abb. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Win. .K V. 8d. 111. Abth. 25
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188
Der Schlnss: die Herzogen in Bayrii mit einem Diplomete versechcn, crafft
dessen Kayser Fridericli der 3te von ieztig Oeaterreichiscben stammen das Hansz
Hayrn n pririlegiis Anstriacis solchergestalten eximieret, dasz nemblichen desz Haitsz
Oesterreicb erlangte privilegta dem Hausz Bayrn an dero freybeit, alten berkommen,
vnd gerecbligkbeiten vnpraeindicirlicb sein sollen, dalnm Grätz den 3ten februarij
1478, anderen tfaailsz aber mau sieb von seithen Ihrer CburfOrstl. Durchl. wie her-
nach folget deren < isterreiebiseben Privilegien nntzlichen wirdtet mit bedienen könen.
XIX. Zu Seit« 135.
Eigenhändige Aufzeichnungen des Kurfürsten Karl Albrecht
bis in das Jahr 1730.
Sie finden sich unter der (Jebcrschrift ,,Handbiichlein von allem was mir vnd
den meinigen von geburtli an denkwBrdiges widerfahren“ auf sieljcn besonderen
Bogen in Grossquartformat mit Gold.schnitt, au welche sieb vier gleiche iueinander-
liegende anschliessen, wovon aber nur mehr die ersten drei Blätter beschrieben sind,
im geheimen Hausarchive. Es geschah ihrer bereits in der akademischen Fest-
schrift „die I’rtcge der Geschichte durch die Wittelsbocher“ S. GO beiläufige Er-
wähnung.
Von Anfang an sind es mehr flüchtig hingeworfene Bruchstücke, vielleicht für
eine spätere genauere Ausfnhrnug zu Papier gebracht.
Eingehender werden sie von der Ankunft des Kurfürsten Franz Ludwig von
Trier zu Nympheuburg im August des Jahres 1728.
Unterm 4 Jänner 1729 thut der Herrscher seiner Resolution „eiu Cnrfnrstl.
mouopolium von tohakh aufzurichten, nachdem das consilium teologicum dariber
cingehollet, vnd reifflich überleget vnd gefunden das der tobakh dem gemeinen man
nil theurcr als vorhero vnd noch viel wohlfeiller als in anderen landen körnet, vnd
der grosse vnd ibermässige gewinn so vorhero etlich wenige handlslciitt genossen
abgetbeilt werde“ u. s. w. Meldung.
üeber den Brand in der kurfürstlichen Residenz gegen Ende dieses Jahres ist
folgendes bemerkt: Den 22 Dezember 1729 ist vmb sechs vhr in der frühe eine
grausambe brunst in meinen neu augebauten zimern in der Residenz entstanden, bey
272) KBr eine solche ist theilweise der ßanin leer gelassen. 8o beispielsweise gleich im Ein-
gänge: Den 6 August ltid7 bin ich so Brissel an einem ... in dem Zeichen . . . gobolireo. Mein
herr Vatter wäre Mai Emannel Curfhrst in Bayrn, vnd meine fran Mutter Teresia Cunignnde, ge-
bohme Khnigl. Priniessin aus Pohlen, Joannis . . . Königs io Pohlen, tochter.
Bei dem sogleich in berührenden Aufenthalte des Korrursten von Trier lesen wir: die arth vnd
weis wie selber bewirttet worden ist aus der sonders verfasten beschreibung litt. ... zu ersechen.
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189
welcher trey zimmer TÖllig verbrnnnen vnd der batis-schalz kimerlich errettet worden.
Da.s 80 genandte cabinet de bronee ist mit allen alten Ton glokspcis gegossenen
fignren im rauch anfgangen, deren die meiste zerschmollzen, etlich daunoch noch
erkaudtlich waren. Die schen.ste stukh vom Albrccht Dörer, darnndter ein haupt-
knnst-stukh welche von den alten hau.s-mallereyen war, seindt verbrnnnen. De*z-
gleicbeu mebriste dem hans gehörige schöne knnststukh von helffenbänn , md der-
gleichen gcschOr.' vnd was vor mir am betaurlich.sten wäre, die helffeiibäunene kästen
80 mit meine herrn Vattem seel. C'urfüraten Max - Emanuel aigenhiindiger schöner
arbeitb eingerichtet waren. Aua dem schlosz hat die bei dem Curhaua so hoch ge-
schäzte vnd in der ganzen [weit] bekandte Franen vom Haphuel Vrbino nit könen
erettet werden: dises ist der haupt- schaden so in dis leidigen brnnst ge8chechen_
Gott ist zu dankben, das der haua-.<chatz noch so glikblich darvou kommen, vnd
nit die ganze Residenz abgebrunuen.
Die Anfzeiebnnngen schlieasen mit den Anordnungen zur Ucberführnug der
Leiche der Mutter des Kurfürsten, der Kurförstin-Wittwe Therese Kunigunde, von
deren Tod zu Venedig durch einen Kurier um 12 Februar 1730 Kunde eingetroffen
war, unter Regleitung von 8 Hartschieren durch „einen Wachtmei.ster vnd einen
leuttenandt, welcher zugleich Cammer - Herr“. Den 17ten haben wir — heisst es
am Kode — meinen geheimhen fiecretariuin Triva nettst dem Cor-Cöllnischen als
dem Beilunger nachcr Venedig abgeschikht, nachdem selbige zuvor allen Erbs-
interessendten die pllicht abgelegt , vmb das selbe die hindterlassene pretiosa vnd
alle schriffteu alsoglcich anhero iberbringen selten.
XX. Zu Seite 186.
Beschreibung des Kaiszerlicheu Hoflagers
de Anno 1748/1749 *’•)
im geheimen Hausarebive auf sechs je für sich gehefteten Lagen von je 3 Bogen io
Folio, von deren letzten die beiden Schlussblatter nicht mehr be.schriebcn sind.
Die Absicht gegenwärthiger Beschreibung — so leitet sie sich ein — gehet
dahin, den nexum persouarum et rerum bey dem Kayaerlichen Hofflager so vill alsz
möglich kürzlich durzustellen, umb darnach in vorkommenden wichtigen Negotia-
tionen und anderen GeschiiSleu und Angelegenheiten sich mit nuzen richten und
darinn desto besser forthkommen zn können.
Solche Absicht stehet obnroöglicb zuerreichen, wan man sich den gegenwärthig
Kaiserl. Königl. Hof nicht in dreyerley Gestalt vorznstellen weiss: nemblich einmahl
273) UrsprCnglich stand 1748, was nachträglich in 174U verirandvit ist.
25*
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190
alsz einen KaiRorl. Hof, da der Kayser qua Kayser ohne die Kayeeriu in dem Heyl.
Rom. Reic)i nach der Wahl Capitnlation and anderen Ueichez^Gnind-Geeezen allein
zu regiren hat; zum andertenmahl al^tz einen Königh Hof, da die Kayserin, wan
eie will, ohne MitregentschaSl. de« Kaysers in ihren Erb^Königreicben und Länderen
ebenfahlaz allein regiren und ihre macht geeezmässig brancben kann ; und zum
drittenmahl als?, einen KayserL Königl. Hof, da beyderley Höfe Regierungen und
Macht unter einander vermischet seynd, daaz Kayaerl. und König]. Ministerium
einerley Persohnen auszmachet, aber meistens von der Königin besoldet wird, und
der Kayser theilz wegen des gemeinsammen Haus?. - Interesse theiUz wegen Mangel
Eigener Macht in wichtigen Sachen mit denen Absichten der Königin u, s. w.
Zunächst kommt natürlich der Hof selbst zur Besprechung, von der Kaiserin-
Königin Maria Theresia und ihrem Gemahle samint der ganzen Familie ange-
fangen bis zu den bedeutenderen Persönlichkeiten auch des Hofstaates.
Daun winl von den hervorragenderen Reichsstellen und den Persönlichkeiten
gehandelt welche damals in denselben zn wirken hatten. Zunächst „von der Be-
schaffenheit und denen Persohnen des vornehmbsten und jnuersten Staats - Katbsz'*
u. 8. w.
Insbesondere ist „eine vmbständliche Besebreihnng des ganzen Reichs- Uof-
rathsz - Collegij , welches nicht wider als?, dasz Ministeriam genau zu khennen ist,
wan man sich in denen bey aolcbeu CoHegio pendenten Sachen derer möglichsten
Vortheill bediemien will“ nicht vergessen.
Herr Reichsz-Hofrath von Seuckenberg — heisst es beispielsweise darunter —
war ebkHlem Professor juris in Giesen, gieug aber von da hinweg, und begab sieb
27>i) Des Prinz Carl von Luthringen Kdnigl. Hochheit — hebiBt e« beiapiclsweiBü da — haben I
lieh nach ihren Kigenachafften beroithns ao bskhant gemacht, dasz davon villes zaroelden hberflOiiig I
8uyn wurde. Sie lieben alle Qeiellicbafrten nod Luitbabrkeiten , wobey ihnen dis nacht so Heb ahn ^
der tag iit. f>ero Residenz ist ebenrahlsz bey Hof. Halten eigene Caimoer-Herrn, Camroer'Dienner, '
MarsUll, and Lirr^: und dero Apanage-Regiment und unter sich liahendes Ingeniear Cor|i«, wovon
SU Gcneral'Director sind , reichen Ihnen zu fQbrung eines Eigenen ansehnlichen Staats genaegiame
mittel dar. Bey beydorseithsz Kayserl. May. haben sie grosses gehör. |
Gleichwie aber ihr ganzes Ihnen und weszen vornehmlich auf dasz 3filitare gehet, alizo ^
melirn Sie eich desto seltner tu andere Dinge, sondern bediennen sich ihres gehöre ley Kayserl. May.
desto st&rckberer in denen Militsire-Sschen. 1
An Ihrer courage und Tapferkeit stellst Niemand etwass ausz, ob man gleich hier in Wienn !
ohne Hsellung ihrem Commando den Verlust von Schleszien sosebreibet, wouon die Heinitng, ob es
dabsy Ihnen an GHckh, an moderation, an Vorsiebt, oder an Erfahrung gefehlet, oder ob eine
aemulatioD anderer Generals daran ichnld ssje, anterschidlich, gleichwohl aber so weith einstimmig
sind, dasz es boy dem sich bezaigten miezgünstigen Watren*G)Qkb wohl gethann gewetzen, Sie bitz
auf anders nnd glickblichere Zeiten mH Coromando zu verschonnen ; zoroahl sich zu mereklicher Sal*
uirang ihrer reputation und Oloire gezeiget, dass esz usehbero anderen commandirendeD herm Gene-
ralen nicht glickblicber ergangen.
Sölten die Niderlaode durch Priden wieder an Österreich kommen, so wird allda dass gnber-
ement vor diesen Prinzen retabliret werden.
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191
nach Franckfnrth am Ma)*n, allwo Er von Oranien und mehreren theilsz fdreten
alsz Hof- Rath depeudirte und von Franckfurth anez eeine Consilia gab. Nach ab-
sterben Kaysers Carolj VI defendirte Er in üfTentlichen schrifften die jura .Succes-
sionis des Hanszes Österreich contra Churbaym, nnd controuertirte deszhalben sehr
hefftig mit dem damabligen die Charbayr. Partie gemihiuenen Professor Gramer in
Giesen, welcher unter Kayser Carl den VII ebenfahlsz Reichsz - Hofrath geworden.
Nachdem nun jener unter gegenwarthig Kay-«. Regiernng zur Belohnung gleicher-
gestalt die Reichsz - Uofrathsz - Stelle erlanget, ist da«z weithere von Selbsten zu ge-
denckbeu. Der Kayserl. Hof sezet auf seine Persohn ein vollkommenes Verthrauen,
und er siiechet sich stetts mehrere merita vor Österreich znerwerben. Dahero fängt
man auch schon an, ihn in den wichtigen Cansis zum Re- oder correferenten zn-
bestellen. Unter seinen herrn Oollegen ist Er der Expediteste, hat ein ohnver-
gleichliches donum propouendi und Memoriam, aber mehrere Lectnr alsz jndicium.
Oasz point d’honneur und Fligene praesumption von seiner gelehrsamkeit ist sein
gröster fehler, wovon sich am besten nnd in aftäiren seine beuevolenz znegewiuneu
profitiren last. Seine gemahlin, welche Er in gegenwartliiger Charge geheurathet,
■st eine gebohrne von Palm, und hat ihm 80,000 fl an Capitalien zuegehracht.
Nicht sehr erbaulich ist sodann der .Schluss dieses Abschnittes. Ob gleich —
lesen wir da — sämtliche herrn Reichsz- Hofräthe keine grosse Salaria, und zwar
die von der IRitter und] Gelehrten Bauckh 4000 Gulden, von der [Graffen und]
Herrn Banckh nur 2500 Gulden, herr Präsident 12000 Gulden, und der herr Vice-
Präsident 6000 Gulden jährlich in fiio haben, auch hievon ötfters Ruckhstand
bleibet, ingleichen alle Sportuln und taxen von Cbnr-.Maynz zu Unterhaltung der
Reichsz Canzley cingezogen und verwendet werden , so machen doch die meisten
unter ihnen mehr älaat al.sz sich aus ihren Eigenen Mittlen begreifieu lasset. Sie
geniessen — ohnerachtet ietzo der Kayser nicht in Eigenen Landen residiret —
forthin au«z gnaden der Königin freye wohnung, und sind vor sich und ihre
oeconomien von allen oneribns personalibus, mauthen und anfschlägen liberiret. So
gar die Salaria der herrn Reichsz - Hofräthe werden noch ausz der Königl. Cammer
bezahlt, alrz wan beyderscitige Kayserl. und Königl. aeraria, die doch übrigens unter
gegen wärthiger Regierung ganz separiret bleiben, annoch wie unter Kayser Carl
dem VI combiniret wären. Wasz Ihnen ausser ihren Salarien noch extra öffentlich
erlaubt Zufällen kan, sind die Laudemial - Gelder, welche denen Statibus Imperij bey
Successious fällen ex linea collatrali pro arbitrio augesezet und unter den Reichsz-
Hofräthen getheillet werden ; dan ob gleich die Neuere wähl capitulationes dise
Landemial - gelder expresse abschaffeu , so stehet doch der Reichsz - Uofrath bey
eiistirenden fällen von dem alten herkomnien nicht ab, nnd gehet dabey niehmahlen i
leer ausz, sondern man behandlet sich deszhalben ordentlich mit den Reichsz Ständen.
Die Italienischen fürsten nnd statns hingegen miessen davon allemahl desto grössere
Summen bezahlen, welche sich manchmahl auf etliche 100000 fl erstreckheu. Esz
ist eine zwar obnerlaubte doch leichte Sache , gegen eine discretion bey dem Pro-
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tokollisleu in jeder Causa die berm Re- und correferenten zuerfahren , an welche
sich sodaim die Partes frey und aiu stärckbesten addresairen können, aber dabey
uöthi^ haben, zugleich die gewogenheit des herrn V'ice- Praesidentens und derer
beyden eiteren oder vorsizenden herrn Reichsz- Hofräthe vor anderen znsuechen,
weill dise am ersten votiren und jm votireu die Argumenta pro und Contra schon
solchergestalt exhauriren da-sz die Becjueutes meistentheills denen ersteron simpliciter
beyfallen. Wan aber einem Reichsz Stand an Betreibung und Besorgung seiner
Atfaireu recht gelegen ist, so schickbet und bevollmächtiget Er darzue gemeinglich
jemand Eigenes, und flberlaszt sich nicht blosz denen Agenten, welche theilsz nicht
allezeit ihren jnstrnctionen nacbzukommeu dasz Herz haben, theilsz mit allzu Villen
geschäffteu Oberhuiitfet sind, mithin weder die villerley facta et Argumenta cansarum
im gedUchtuusz behalten, noch zeit zum deiszigen Bollicitiren und informiren ge-
winnen können. Esz gibt verthraute weege durch ein und andere Subalternen des
Reicbsz-Hofrathsz, deren sich die ienige welche vigilanl sind mit sonderbahren nuzen
und Vortheillen zubediennen vermögen. Unter anderen kan man durch einen ge-
wiszen Canal täglich alles wasz bei dem Reichsz -Flofrath eingebraclit oder exhibiret
worden u. s. w.
Nächst dem Kayserl. Reichsz-IIofrath — wird nach dem Ende dieses Ab-
schnittes weiter gefahren — sind die hiesig sowohl von den höchsten Reichsz fürsten
alsz auswärthigen Potenzien subsistirende GesaudscbaÖ'ten und accrcrlirte Miniatri
und Käthe die jenige, anf deren Persohnen und uegotia vorzüglich attention zu-
nehmen , jndem disze nicht nur das jnteresse ihrer Eigenen höflen und Principalen
observiren , sondern auch andere höff und Partheyen durch ihre Recomendationes
und connexiones in Justiz - Sachen und in anderen besonderen und gemeinen ange-
legcnheiteu derer Reichsz Stände bey dem Kayserl. Hof zu unterstüzen wissen, auch
vill von ihrer Oemüeths Neigung und conduite dependiret, n. s. w.
Die sogenante verthraulichste — berichtet der nächste Absatz — und vor dem
Kayserl. Hof wie man glaubet, am besten gesinnte frembde und teutsche Hofe sind
dermahlen erstlich unter denen fremlKlen mäcbten Ru.szland, Engell- und Holland,
Portugal, .Sardinien, nnd Venedig; hernach von denen toutschcn Höfen und Ständen
unter denen weldlichen vornehmlich Hannover, Wolffenbüttel, Hollstein - Gottorp,
Meckhlenbnrg-Strelitz, Sachszen- Coburg, Hessen -Darmstatt, nnd Nassau- Oranieu;
unter denen geistlichen Mayntz, Trier, Würzbnrg, Salzburg, und Passau , so dan
die meiste kleinere geistliche und wcidliche Höfe, nebst der Reiclisz- Ritterschafft
' nnd denen Stätten , welche alle zu benennen noch weithere Gelegenheit Vorkommen
wird. Hiergegen sind ausser denen gegenwärthig offenbahren feinden — e. g. Spa-
nien und Kranckhreich — in dem römisch teutsclien Reich vil mehrere Höfe, mit
denen man hier nicht recht zufriden ist, oder wenigsten mit etlichen — e, g. mit
Chur - Sachszen seith der Mariage mit dem Dauphin — noch nicht in ganzen Ver-
thrauen stehet, worunter unter den geistlichen selbst der Päbstliche Stuhl, Cölln,
Lüttich, samt Freysingen und Regenspurg, und unter denen weldlichen in specie
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Preaszen, alle Brandenbnrg. Hsuszer, Chiirbayrn, Cbarpfalz, Plalz-Zweybrückhen,
Naema - Saarbrdckben , Hessen - Cassel , Wflrthembcrg etc. gehören. Die Qbrige pns-
siren entweder vor gänzlich neutral und meliren sich in gar nichts, oder der
Kayserl. Hof bedarf ihrer und Sie desz Kayserl. Hof nicht, weill ii. w.
.4us dem nun folgenden Absätze über die päbstliche Nuntiatur und den Nun-
tius Serbelloii sei schliesslich nur noch bemerkt, dass die Vertraulichkeit des Wiener
Hofes mit ihm „nicht sonderlich" betont wird : sondern der besondere faven- welchen
Ihro letzt regirende Pabstl. Heiligkeit ror die Electinn Kayszers Carl VH Majestät
gezaiget, wie auch die in favorem catholicae religionis biszheru geschechene Patro-
cinanz des Engl. Krön - Praetendentens, und andere Vmbständ« haben den Kayscrl.
Hof auf die gedanckhen gebracht, dasz Ihro Pabstl. Heiligkeit unter der Hand auf
alle mögliche weisze dasz .Spannische und Französz. jnleresse zn beförderen hülffen.
Ja! die Jalousie und mi.szrerständnusz zwischen hiesigen Huf und dem Pabstlicbeu
Stuebl nahm 1742 so weith über hand , dasz der damahlig Pabstl. Nuntius sieb auf
Befehl des Hofs binnen 24 Stunden von hier retiriren mueste, und mau hernach
gleichwohl — weill darauf Ihro Pähstl Heilligkeit die hiesige Nuntiatur auf 4 .fahr
vacirend gelas.sen - wfirckhlich von einem Concept geredet, in denen Österreich.
Erblauden eine besondere Patriarchie aufzurichten, welche in ennsistorialibns et eccle-
siasticis ausser wasz die pnucta merae fidei betreffe von der Palwtlichen Obristen
Kirchen gewalt gänzlich exiiuiret scyn soltc. Esz muste auch der gegeuwärthige
Herr Nunlins, da Er bey seiner endlich vor 2 Jahren wider erfolgten Aulierokhunfft
zugleich erst die Pabstl. in windeln und anderen Kinder -zeig bestehenden Patben-
gescbenckhe vor den Prinz Joseph — welche damablen schon Hungar. Hoszen ge-
tragen — mitnberbrachte, Ijey Hof allerley equivocinn expressioiies wegen so spather
ankhnnfft und geschenckhe anhören. Allein! disze affectuose Vinbstände haben sich
iezo durch die von dem Herrn Nuntio gebrauchte Politische anfführung n. s. w.
XXI. Zu Seite 138.
Des Johann Friedrich Keylholz
Kelation welcher gestalten die Statt Freystatt auf den Graff Tillyschen Namen khomen,
vnnd wasz sich dabey bisz dato zugetragen, beschriben den 13 Februarij anno 1657.
Sie tindet sich, von dem bei den erzählten V'orgängen persönlich betheiligten
Verfasser ans „Helffenberg den 18 Februarij 1657" nnterzeichnel, auf 15 be-
273) Uleich auf Pol. 2 heisst es bei dem am 31 Jänner 16-51 erfolgten Tode des Orafen
Wemher von Tilly, des Vetters des bekannten durch Crknnde vom 10 Juni 1627 mit Freistadt be-
gabten baieriseben Heerführers Johann Txerclas Grafen von Tilly; auf welchen zeitlichen todt fahl
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gchriebeneu Blättern in zwei znsammengehefteten Lagen von 6 und von 2 Bogen
im geheimen Hausarchive.
XXII. Zn Seit« 139.
Johann Jakob Lucken,
ehemaligen Uegistratoris der HerrschaITt Kappoltstein und .\ntiqnarii Argentoratensis,
Rappoltsteinische Chronica.
Eine Abschrift des zweiten Theile« dieses aus dem Bappoltstein'schen Archive
zusammeiigetragenen Werkes nach dem seinerzeit zu Rappoltsweiler nnd jetzt im
kaiserl. Bezircksarchive zu Colmar — vgl. Jul. Rathgeber die Herrschaft Rappolt-
stein S. 26 — verwahrten Originale, vom .Jahre 1500 bis 1623 beziehungsweise
1640, besitzt das geheime Staatsarchiv in einem Ober den RQcken und an den
Ecken in i’ergameut gebundenen Pappendeckelbande in Folio ans der zweiten Hälfte
der Vierzigerjahre des Vorigen Jahrhunderts.
Nach einem lose inliegenden Zettel vom 28 Marz 1747 wnrde diese Abschrift
zu dem Ende mit nach Zweibrüeken gebracht, dass sie der dortigen „Bibliothec, so
noch zu Bischwciler, einverleibt werden“ könnte. In dieser Absicht war auch der
erste Theil abgeschrieben worden , welcher g^en Erstattung der Auslage von 1 1 fl
9 Batzen gleichfalls dahin gegeben werden wollte. Ob er wirklich erworben wurde,
oder nicht, ist zur Zeit nicht bekannt.
XXIII. Zu Seit« 139.
Des Licenciaten Friedrich Albrecht Steinbeil
CrkundenauszOge über die Reichsnnmittelbarkcit der Grafen nnd Herren zu Rappolt-
stein von 1479—1629.
Diese im Jahre 1710 zu Rappoltsweiler zusammengetragene Arbeit findet sich,
mit einer Einschaltnng des in Nnm. 103 wie nachher in der Beilage XXV berührten
Zweibrücken'schen Kegiemngsratbes Patrick zum Jahre 1493, halbbrüchig in dem in
der Beilage XXIV erwähnten Aktenbande des geheimen Staatsarchives.
die Oreff Tilljeche administretiou bej denen noch vnmj'ndigeD Herrn Sühnen auf dem verlassene
Wittib die boebzeborne Praw Praw Frandeea Barbara eine gebome Fürstin von Liechtenstein ge-
fallen, welche darui in anno Id.'iB Ihm Prinlein Tochter dem Herrn Landthofraeistcr im Künigreicb
Büheimb üraff Pople Excel!, verehiiget, vnnd snb dato Linz 25 Junij bemeltes 1653 Jars an dem
Oberambtmann Johann Friderich Kejlholx gemeeaene eehrifftliche Befekh ergehen lassen, daax n. e. w.
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Sie leitet sich selbst fulgendermassen ein ; Dass das uhralte Hanss der GraSen
and Herren zu Rnppoltstein jeder Zeit dem heyl, Röm. Reich unmittelbar unter-
worffen gewesen, und einen freyen Reicbssland initgemacht, solches erhellet sowohl
ansz denen vielfältigen bey dem Gräflichen Rappolt'teiniscben Archiv sich befindenden
Original auszschreiben auf Reichs- und Craysz Tage, alsz auch ansz denen Reichs
Abscbiden , bey welchen die Graff'en und Herren von Rappoltstein wOrcklieh in
Persohn erschienen , und selbige mitunterschriljcn hnlren , sodann auch absonderlich
ausz dero Reichs- und Craysz Contigent, welches sie jwlesmuhl zu denen Kriegs
Expeditionen und Unterhaltung desz Kayszerlichen Cammer Gerichts beygetragen,
wie solches alles ausz hiernachfolgenden secundnm seriem temporum auffgezeichneten
Documenteu mit mehreren! zu ersehen.
An diese von A bis Tttt gezählten Nachweise reiht sich noch auf 15 Seiten
eine Art zusammeufassender üeberblick.
XXIV. Zu Seite 139.
Gründliche Nachricht von der erblichen Devolution der Graffschafft Rappoltsteiu
und dem von dieszcin auszgestorbenen Hausz verlassenen Schulden -Weszen. 1741.
a)
Sie bildet, halbbruchig geschriben, das zweite Produkt eines starken in Pap-
pendeckel mit farbigem Papierliberzuge und Uber den Rücken wie au den Ecken
in weisses Leder gebundenen Aktenbaudes, dessen .Anfschrift seinen Inhalt als
„Deduct. und .Mem. die gr[afschafftj Rappoltstein *’•) betr.“ bezeichnet, im geheimen
Staatsarchive.
Sie behandelt ihren Gegenstand in 35 §§, worauf das Verzeichnis» der im
Texte je auf der leeren Halbseite bemerkten Docnraente und die „Genealogia der
Herren vnd Oraffen zu Rappol.stein , deren in denen alten Theilnngen und Erb-
verträgen gedacht wird" von Anselm II und seiner Gemahlin „Sigiberta, Graffin
von Werd, Laudgrnffin im Eisass, 1220“ an bis zu dem im Jahre 1633 erfolgten
Tode der Catharina Agatha, der Gemahlin des Pfalzgrafen Christian II zu Birken-
feld, folgt.
b)
Anseerdem findet sich im geheimen Staatsarchive auch noch eine collationirte
gleichfalls halbbrücliig gefertigte Reinschrift auf drei zusammengehefteten Lagen,
276) Du dritte Stuck ist eine äuaserst übersichtliche nur je mit kleinem Bande links ver-
sehene DeseriptioR de l'Btat Oeaersl de la Comtee de Ribeaupierre.
Weiter findet sich gegea das letzte Drittel des Bandes ein Memoire coocernant les droits
Seigneriaoi da Comte de Ribeaapierre daos lo Caaton appelU die gemeine Marek daiu le Baillage
de Goemar.
Abh. d. 111. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. III. Abth. 26
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woTon die beiden ersten je 6 Bogen umfassen , die letzte nar mehr ans 4 solchen
besteht, deren erstes Blatt ausgeschnitten ist, ohne dass übrigens vom Texte
etwas fehlt.
Die V^orderseite des ersten Blattes trägt den oben bemerkten Titel, während
seine Rückseite und die Vorderseite des zweiten Blattes zu der vorhin berührten
Genealogie benutzt sind.
Mit dem dritten Blatte beginnt das Werk selljst in seinen 35 §§ bis an den
Schluss des vorletzten Blattes.
XXV. Zu Seite 139.
Des Johann Baptist Patrick
Nachrichten von denen Grafen und Herrn zu Rappoltstein, auch der jetzmahligen
GrafschaR dieses Nahmens, deren Ursprung und ehemahligen Zustand betreffend,
sowohl in Ansehung der Herrn selbst als ihrer Unterthanen.
Sie sind im Entwürfe de.s Verfa.«sers und in einer mit Verbesserungen von
demselben versehenen Reinschrift im geheimen Staatsarchive erhalten.
a)
Der Entwurf enthält zunächst die Widmung an den Herzog Friedrich von
ZweibrOckeu vom 28 Juni 1746. In ihr äussert der Verfasser, dass er zu dieser
Abhandlung bereits in seinen gemeinschaftlichen Kappoltstein’scheu Diensten einen
Anfang gemacht, weil er „wahrgeuommen , da.ss von dem richtigen Begriff diesser
materie ein gros-ses in beurtheilung der jezuweilen mit denen Lehen -Höffen und
absonderlich zwischen der Herrscluifft uud ihren hier und du in die Herrschafftliche
rechten eingreifenden ünterthaneu entstehenden vielen processeu bey dem König-
lichen Conseil zu Colmar abhange". Auch habe er „in diesser Absicht dem Lic.
Radios zu Verfertigung seiner Dissertation de urigine dignitate jnribus et praero-
gativis illustrissimae Rappottsteinensinm Domns Commnnicatiou davon gethan“.
Nachdem aber — fährt er fort — in höchst Derosclben Durchlenehtigsten Herrn
Brndera, meines jetzigen gnädigsten Fürsten und Herrn, hiessige (nämlich zu Zwei-
brOcken) partieular-Dienste bernffen, mithin von dem Rappoltsteinischen archiv ent-
fernet, seithero aber Ew. Hochfürstl. Durchl. die grafschafft Rappoltstein in der
Fürst - Brüderlichen Erbtheilung privative überlassen worden; so habe dennoch, ob-
gleich mich ausser Stand befanden , ausz gedachtem archiv mehrere specialia beyrzn-
bringen , das augefangene nicht gar abaiidonireu wollen , sondern dafür gehalten,
dass es nicht undienlich seyn würde, wann den allgemeinen begriffen, so ich mir
hoffentlich mit gutem grund von dem alten Zustand derer Herrn und nachmabligen
Grafen zu Rappoltstein und ihrer unterthanen gemacht , weiter zu papier brächte,
und solchen durch einige Proben u. s. w.
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Das Werk selbst besteht aus 33 §§ auf drei halhbrflchifi^ geschriebeueo mit
vielfachen Aenderungen des Verfassers versehenen Lagen in Folio.
Unter den noch dabei befiudiieheu Beilagen bringt ein ,, Anhang** Krklärungen
anf die Erinnerungen welche Probst und Professor Scherz zu Strassbnrg gegen diese
Ausftihrung geltend gemacht. Ein anderes StQck enthält Erwiderungen aut „Pro-
fessor Scböpfiins desiderata“ aus dem Monate Juni des Jahres 1741.
b)
In der oben berührten Reinschrift •”) findet «ich wieder die Widmung an den
Herzog Friedrich von Zweibrückeu vom 28 Juni 1746, und zwar in zweifacher
gleichlautender Ausfertigung.
Das Werk selbst umfasst, halbhrüchig geschrietwii, drei Lagen von je 4 Bogen
und eine Lage von 2 Bogen, wovon die letzten beiden Blätter leer sind.
Dazu kommen vier besondere „Adjuncta“ zu den §§ 7, 8, 15, 16. Weiter
wieder der „Anhang“ mit den Erklärungen auf die Erinnerungen von Scherz.
XXVI. Zu Seite U3.
Alls uu diser kai.ser Haiurich erstor-
ben was, do wurden ir zwen an das reich
erwelt. hertzog Ludwig von Bairen, von
dem ich yctz vor au dem jüngsten ge-
sagt hab. den erkurn au das reich der
bischof von Majntz, der bi,«choff von
Trier, der kunig von Feheim, vnd der
niargkgraf von Bramideunhnrg. so er-
küren der bischof von Kölen, der pfaltz-
graf Hudolff, der doch hertzog Lndwigs
bmder was, vnd der hertzog von Saebs-
sen den hertzog Friderich von 0.sterreich.
disz beschach tansent drew hundert vier-
zehen iar. do lag kunig Ludwig bey der
stat Franckfurt. so lag hertzog Friderich
jeu.set des Mayns. do ward das wasser
277) ßei ihr liegt Hoch eine gleichfalU von Patrick iru Jahre 1717 verfaaste Mcraeria Aiisclmi
Pii Dynastac in — ursprünglich stand: Diasertatio historica de Anselmo Pio Dynaata de — Bappolt-
stein, oecisi in ohaidione Archados in Paiestina anno 1095. Ei scriptoribos gestomm Der per Francos
— früher stand; cnllccta — deprompta.
Sie schlieast: Fahulosa haee esse atque fraudes nionachorum sapere, nouio nnn perspiciet. Cum
vero ad memoriam Anaelmi noetri pertineant, baud omittenda foemnt.
•2ti*
Als nun diser khonig Haiurich ge-
storben was, da wurden anno 1314 jar
zwen an das reich envelt. hertzog Lud-
wig von Bayrn, von dem ich am inng-
sten gesagt hab, den erwelt der bischof
von Maintz, der bischof von Trier, der
khonig von Bchem, vnud der marggraff
von Branndeuburg. so etTvölt der bischof
von Cölu, der |ifalltzgralV Ruedolff, der
doch hertzog Ludwigs von Bayrn brueder
was, vnud der hertzog von Sachsen den
bertzogen Friderichen von Österreich, da
lag kouig Ludwig bej Frannckhfurt. so
la^ hertzog Friderich jenlmlb des Mayns.
der war so grosz das sy nit zusamen
mochten, vnd betten baidt zway grosse
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so gros, dos sy nicht 7.usanitneD mochten,
vnd betten paydnhalbeu zway grosse her.
do kam darnach kunig Ludwig zu Speyr,
vud uam den jndeu kirchhof ein. do kam
auch Friderich von Österreich mit seinem
htuder hertzog Lewpolld vnd der pfalUz-
graf Ruedolf saunt dem von O.sterreich
vil volcks wider seinen bruder kunig
Ludwigen, hertzog Leupolld pranut ab
alle dörffer vmh Speyr. nach dem kurtz
kumen sy zusammen in Swahen bey Ess-
lingen. do ward ain grosser streyt, vnd
vil volcks erschlagen vnd gefangen, vnd
nyemant wesst, wellicher das erger an
dem streyt het. nach dem ulls mau zalt
von der gepurdt Cristj tanseut drew hun-
dert zwaynzigk jar zoch kunig Ludwig
den Kein herauf mit aiuem grossen voick
bys vmb Straspurg. alls das kunig Fri-
derich von Österreich vcmam, zoch er im
mit seinem brnder hertzog Lewpollt nach,
vnd an der Pruscha bey Schacbtelczhofen
Aechenheini vnd Wickershaim legten sy
sich gegeueinanuder zu velld vmb vnser
lieben frawen purt tag. der bischof von
Straspurg zokh mit seinem her zu kunig
Friderich. so waren die von Stras|mrg
mit den von Zoreu vnd vil des adels mit
kunig Ludwig, doch enpfiengen sy ire
leben von payden kiinigen, die auch sein
hernach hochgenussen, als kunig Ludwig
kayser ward, sy schickten im alle uot-
turft zu seinem voick. allso teten die von
Müleuheim dem kunig Fridrich. nu kam
dem kunig Friderich gras voick, so das
kunig Ludwig aus dem velld zoch. knndt
in nicht gestreiten. nach dem allen kam
der kunig Friderich gen Österreich, do
ersamlet aber der geneunt kunig Fride-
rich ain gar mächtig grosz her von Vnn-
geren vnd allenn enndeu, zoch in Bayren
hör. da kham darnach kbouig Ludwig
zu Speyr, vnnd nam der Juden freithof
ein. da kham auch hertzog Friderich von
Österreich mit seinem bruederu hertzog
l.<eopolt. vnnd der pfalltzgraff Rnedolff
schickht dem von Österreich vil volckbs
wider seinen brueder khonig Ludwigen,
hertzog Leopolt prennt vmb Speyr alle
dSrtfer ab. nach dem khurtz kbamen sy
zusamen in Schwaben bej Essling. da
ward ein gro.sser streit, vnnd vil voickhs
erschlagen vnnd gefauugen vnnd uie-
manndt west, wer siget. nach dem als
man zeit 1.^20 jar zoch khonig Ludwig
den Rein herauf mit ainem gro.sscn hör
bis vmb .Straspurg. als das khonig Fri-
derich von Österreich vemam , zoch er
mit seinem brneder hertzog Leopolt nach,
vnnd an der Pruscha bey .Schaffltzhoncn
Atteuheim vnnd Wiekhershaim legen sy
sich gegen einannder zu veldt vmb vnn-
ser lieben frawen gepurts tag.
Anno dominj 1323 jar auf sanndt Mi-
chels abent zoch aber hertzog Friderich
mit einer grossen anzall gleucn vnd
schützen, vnnd zu jm Leopoltns mit den
seinen ans dem Oberlanudt vnnd Schwa-
ben gegen khonig Ludwigen , bey wel-
chem was der khonig von Behem vnd
der bischof von Trier mit fnnffzeben-
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mit raub vnd prannt. na hat auch knnig
Lndvrig ain grosz ber, wann dar kanig
Tou Pehaim schickt im wol fnnfieheii
bändert gleuen vud wol dreygsigk tau-
sent fu^eender. do legten «y sich gegen-
einander zn velld bey Empffing auf der
vebeu wisen. du gert kanig Kriderich
zastreyten. do sprachen die seinen banbt-
laut vnd annder sein rät , er soU ver-
ziehen bis sein bnider bertzog Lenpolld
zn ihm kam , der hiet ain grosz voick
bey im. des wolt der kunig vber ain
nicht tnn. alkso hüben sy an dem ann-
deru tag an znstreiteu. vnd ward auf
payden tailen gross voick erschlagen, zu
dem jüngsten gewan der knnig Ludwig
die oberen handt au dem atreyt, vnd
prachten die ans Österreich in die flucht,
vnd wardt kunig Friderich gefangen mit
all seiner ritterscliaft. damit was diser
krieg verendet, der het gewert stet von
dann alls man zait tansent drew hundert
drewzeben bis mau zaIt tausent drew
hundert zwaynndzwaintzigk iar. an sand
Michels abent beschach diser streyt.
(Vgl. die zweite Hälfte des folgenden
Absatzes.]
Nu berunibten sich vil guter ritter
vnd knecht , vnd yeder wolt den knnig
Fridrich gefangen haben, so das vnder
ettlicben nach ain rnrw erstannden war.
hnndert gleuen vnd dreyasig tausent zu
fnesz. vnnd als sy an einannder nuhen-
ten, mochten sy nit zusanien khonien vor
Wasser, da schosz Friderich mit den sei-
nen vber das wasser, deshalb khonig
Ludwig wich auff ain schlosz. nach-
uolgendes tags sprachen die rüth zu Fri-
derich, er sott nit schlnheu, snnndern
seines bruedern wartten. aber Friderich,
ein khuen zornig man, tienng die Schlacht
an gegen khonig Ludwigen, des wich
Ludowicus rai.ssiger zeug Linder sich,
vnnd eytienndts kham sein fuesfolckh
vnnd 400 wolgerusster heim : die trenn-
ten hertzog Friderichs hör: vnnd wardt
khonig Friderich mit vil vom adl ge-
fanngen. nachdem kham hertzog Leopolt,
vnnd als er sach, das er seinem bruedern
nit hellTeu mocht, war er so wuettig,
das er sich selber gern getodt het nach
disem khrieget er nachuolgender zeit vnnd
jareu strenng aufli Ludwigen vnd auff
alle die jme hnldeten. als er aber nicht
schäften mocht, warb er bey dem babst
vnnd khonig von Franncklireicb, das sy
seinen brue.lern Friderico ledig machten,
macht aber nit sein, nach diseu dingen
kham ainer zu Leopoldt, der erpot sich
durch der schwartzeu khuu-st hertzog
Friderichen znentledigen. vnnd nachdem
als er den teuft beschwur vnnd zu Fri-
derichen schickht, da sprach der teoil zu
hertzog Friderich, er solt auf in sitzen,
da tienng hertzog Friderichen an zu
grausen : vnnd macht das crentz fnr jn.
also vnrschwanndt der teuffl. in diser
schiacht bliben 4000 auf der wallstaL
Anno dominj 1323 jar am tag Weu-
zela, als vor gesagt ist, als der kouig
Friderich von Österreich gefanngen wardt
bej Ampting, beruembten sich vil guetter
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^00
do sprach der knnig Fridrich : wann ich
säch die klainat die sy auf iren helmen
gefärt haben , ich wesst wol den rech-
ten zuzaigen. zuhandt bracht ain yeder
seine clainet das er gefürt bet. vnder den
sach er das klainct ains edlmanns, ge-
nant der Riudsmaul. do sprach er : do
ich mich ains yeden manns erwerd , do
knnd ich mich des Kueniaals nie erweren.
mit dem erkannt man, das jn ain Kinds-
maul gefangen het. nach dem ward der
knnig beuolhen dem Apel vitztnmb. der
furt in auf ain gschlos genant Trausnit.
do lag er ettlich zeit, vnd do hertzog
Lenpold erfnr, wie cs gefaren was mit
disem streit, do zoch er vasst trawrig mit
seinem her wider in Österreich, allso was
hertzog Priderich gefiingen ettlich zeit,
da list man in ainer teutschen coronica,
das ainer sey kummen zu dem hortzog
LewpoIId, hat gesprochen, ob er im sein
Ionen wollt, so wolt er im den briider
die selben nacht aus der gefäncknusz au
allen schaden seins leibs bringen, der
hertzog gelobt im vil dar vmb. so hebt
der an , vnd be.schwur den Ijosen geist.
der kam ftir in in ains pilgreins weys
oder gestalt, do gebot im der maister,
das er den hertzog Friderich aus der ge-
fancknusz vnd zu im an schaden solt
pringen. der pbs geist kam allso zu
hertzog Fridrich vnd cttlichen herrn die
bey im waren, vnd sprach das er auf in
säsz, er wolt in zu seinem lannd pringen.
der hertzog sprach : wer pisstu. der geist
antwurt; ruech dich, wer ich bin: sitz
ock auf. da ward dem hertzogen vasst
grawen, vnd zaichent sich mit dem Segen
des heiligen krawtz. an stund verswand
der pös geist. etc.
ritter , vnnd wolt ain yeder , er het
hertzog Friderich gefanngen, also das
gar nahent vnfridt vnnder jnnen war
worden, da sprach hertzog Friderich:
wann ich die khlainat sech , die sy auf
irm heim gefuert hetten , wolt ich die
rechtn anzaign der mich gefanngen hat.
zustnudan pracht ain yeder sein khlainat
das er anf dem heim gefuert het. vnnder
den sach er das khlainat eins edlmans,
genant der Kinndtsmaull. da sagt hertzog
Friderich: da ich mich aines yeden mans
erweret, da knndt ich mich des Knemauls
nit erwern. mit dem erkhanndt man. das
in ain Rindtsmanll gefangen het. nach-
dem wardt konig Friderich beuolhen dem
vitzthumb. der fiiert in auf ain schlosz,
genannt Transnitz. da lag er ettlich zeit,
das ist das .schlosz zu Lanndshnt, ehe
vnnd die stat gewest ist. da lag er ett-
lich zeit gefanngen.
(Vgl. das letzte Drittel des rorher-
gehenden Alwatzes.]
Nach disen dingen samlet abermals
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201
bertzog Leopoldt ain grosten zeug jm
Oberlanndt, zn Schwaben Tond Rlasaaz,
zoch aaff des reiche stet in Eleasz, vnd
leget sich zu letzt für Colmar, dagegen
samlet kbönig Ludwig auch ain grossen
zeug in Bayrn mnd sonnst allenthalben
im reich, vnnd war bei im der khünig
Ton Beheni mit seinem zeug, desbalben
sy zn beeden thaillen vasst starckh waren,
nachdem kliönig Ludwig nahen herzn
kham , der maynnng bertzog Leopoldt
Tor Colmar hindan zuschlahen, begert
der khönig von Bebem , vor vnnd ehe
mit bertzog Leopoldt sprach zubalten.
vnnd haundlet sonil das er da ain fri-
den machet, nemblich also das khonig
Ludwig bertzog Friderichen ans der ge-
fennckhnusz solt lassen dagegen solt
bertzog Friderich schwern, desgleichen
hertzog Leopoldt versprechen vnnd ver-
trössten , binfur kbönig Ludwigen an
dem reich nit zuhindern, hinwider solt
khonig Ludwig vmh fridens willen im
reich hertzog Leopolden ain summa gelts
geben an den schweren vncossten so er
in dem khrieg erlitten bet. als aber
khönig Ludwig an gelt auch- erschöpifl,
war durch den khönig von Behem vnd
annderr mittl erfunden, das khönig Lud-
wig vmb solche summa gelts dise stett:
Zurcb , Schaffhausen , Reinfelden , vnnd
Neuenburg bertzog Leopolden vnnd sei-
nen erben verpfenndt sollen sein bis die-
selb summa gelts vou Ludwigen oder
dem reich wider erlegt ivirde. die vou
Znrch wollten in sölchs nit verwilligen:
zeigten an das sy fnr sölchs gefreyt
weren von Friderico vuud anndem caiser
vnnd khönig etc. also kham an deren
von Zurch in dise verpfeundung Brüsach
am Rein gelegen.
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202
Nacbdem ward der hertaog Fridrich
auegelaasen mit der vnderschaid das er
»ich verschreiben musst das kain herr
von Österreich wider kaineu herrn von
Bayren nymmer mer stellen wolt zu ewi-
gen Zeiten nach dem reich, auch muss-
ten sieh die lanndtherrn vnd annder edel
verschreiben , ire lehn zneiitpfahen von
ainem clltiaaten herrn von Bayren. der
lehen gab er ettlich dem pnrgkgrafen
von Nürnberg, der sy noch hat. nach
dem forstet der knnig Ludwig den grauen
von Hennenberg, dise berichtumb ward
von dem hertzog I/ewpolt von Österreich
nicht wol gehalten, er legte vil kosstnng
darauf das er den kilnig Ludwig geren
von dem reich gedrungen het. er het vil
arbeit vnd mfle gen dem pabat, das er
im die kaiserlich weich versagte, vnd in
verküute in den pan. das fügt auch sich
also, der kunig Ludwig was gar zumal
ain weltsaliger man. er was freiindtholt
vnd grüssam gen aller mauigklich. vmb
das gieng im alle dinug leicht zuhann-
deu. er was in nöten keck, manlich,
witzig, vnd lebt aller dinng fürstlich,
an allain was das sein maister geprechen,
das er sich nicht Ireheltfen kund noch
nichtt verstund latein. vmb das spricht
Salomon : ain vngelerter fnrst in ainem
lanud ist geleicher masz wie ain gekrön-
ter esel. disz kam auch dem frummen
knnig zu grossem nachtail, alls jr hören
werdt.
Der knnig Ludwig het ain canntzler,
genant maister Vlrich von Angspurg,
dem er eren vnd alls guts vertrawte. der
het auch zu gewalt des kunigs mayestat
sigel secret etc. damit schuf er vil, das
wider sein kuniglich mayestat was. des
ward er ofiennlich vor dem knnig ge-
Nachdem vnnd hertzog Fridorich von
Österreich ledig vnnd ausgelassen war
mit dem vnnderschaidt das er sich ver-
schreiben iiiuest, das khain herr von
Österreich wider khainen herrn von
Bayrn etc. nymer stellen wolte zu ewi-
gen zeitn nach dem reich, auch inuess-
ten sich die lanndtherrn vnnd annder
edlen verschreiben , jere lehen zuerapfa-
l'.en von ainem eltestn herrn von Bayrn.
derselben leben gab khaiser Ludwig ett-
lich dem biirggranen von Nilrnnberg, der
sy noch hat.
Nachdem fürstet khaiser Ludwig den
grauen von Hennenberg.
Dise obgeraelte bericht nng wardt von
hertzog Leopolt von Österreich uit wol
gehalten, er legte vill costurab darauf,
damit ilas er kayser Ludwig gern von
ilem reich getrungcn het.
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203
rueget. er pnt «pin vnschuld. dca ge-
standen im funfT prelateu, die dem ku-
nig sagten, dise dinng giengen aus neyd
vnnd basz. nu was im ye der kOngk
gar rast genedig, uani in wider in die
canntzley wie vor. un vermainte der selb
canntzler maister Vlrich, vnd verwisz dem
kunig dick der marnung, er solt die von
ireu erben vertreiben vnd vcriagen oder
gar ertütten die sölichs auf in beten ge-
sagt. vnd vmb das es der kunig allso
valinu vnd beleyben lie.sz, geilacbt der
valscb man sich an dem kunig zurechen,
alLs jr hernach hören werdt.
Nu schickte der kunig Ludwig sein
erwirdige potschafft zu Rom , vnd er
gerte da zu eutphahen die kaiserlichen
weich von dem pabst. nu was der pabst
zu Auion. die Cardinal vnd Römer wa-
ren begirig seiner kunft, sagten das er
kam, so wollen sy die zeit zu dem pabst
schicken, nu bet — alls ich vor sprach —
der iLertzog Lewpolt von Ö.sterreich alle
vil mit dem pabst geschafft, das er dem
kfinig die krönumb versagt, alls der ku-
uig zu Korn wolt , schuf er mit dem
cantzier, das er dem pabst schrib vnd
genaden von im gerte, vnd in dem brief
seiner heiligkait ine enpfnih, er wolt
auch alle dinng nach seinem rat bandien,
darwider schraib der canntzler geleich
widerwärtige dinng, vnd verachtt den
pabst gantz. vnd vnder disen dingen
nanut er den pabst ain bestio, als ain
vnuernunfftigs tier. solichs gedech dem
kunig zu vil vbels. het aber er die la-
tein verstanden , er war nicht in souil
sorg vnd vbel gefcrt worden.
Vnnder den Zeiten was der hertzog
Mathias zu Mayland gestorben, do gert
Gnlacidus, des hertzogen sun, das lannd
Abb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wits. XV. bd. III, Abtb.
Bey disen zelten starb Matheus der
herr von Mayllanndt. deshalb gab khö-
nig Ludwig auf ansueeben herrn Ga-
27
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204
TOD (lein kunig zu leyheu, daz auch der
•künig tet. alls das der pul»t erfur, pieen
er den ktlnig noch mer, sprach : er hiet
es nicht gwalt, niemant in Ytalia oder
Lamparten zuleyhen ee er zw Rom ge-
krönt war. allso zoch der kllnig zu Rom.
do whickteu aber die Cardinal rnd Rö-
mer zu dem pabst gen Aniou, das er
kam vnd den kllnig krönte, oder anndcr
yemaut seinen gwalt gab. das wolt der
babst auch nichtt tun. do kamen zu-
sammen all Cardinal vnd bischof mit-
sambt dem künig vnd den Romeren, vnd
erwelten ainen aunderu papst, ainen par-
rüsaen, vnd verpienen jenen pabst. allso
ward der künig Ludwig zu kayserlicher
wirde geweicht, das beschach'anno tau-
sent drew hundert achtt vud zwayutzigk
iar. vnnd vmb das ward grwse zwayumb
vunder den päbsten cardinälen vnd bi-
schofen.
[Vgl. die z(«eite Hilfte des votigen
Absatzes.]
Nu wonte der kaiser zu Rom mit
grosser vnd reichlicher zerung vud kos-
stnng. vnd die kayserin was aine von
Poland. gelag ains snns zu Rom, den
man allzeit hernach nannt Ludwig den
Römer, nu het sich der kaiser so ser
leatzen Mayllanndt zu leben, darumb der
khönig Ludwig vom habet gen Jniuion
beruefft wardt. vnnd als er nit erschein
wolt, thet er khönig Ludwigen in pann
wie ein vncristen man vnd khetzer am
glaulieii. nach disein allem nam hertzog
Lenpoldt von Österreich ein neuen au-
sprach wider khöuig Ludwigen, verhofft
seinen bruedern Friderichen mit hilif des
babsts vnnd khönigs von Franiickhreich,
auch des pfalltzgraffen Ruedolffs vnnd
ettlicher bischofF an das reich zupringen.
darnmh samlet er ain neuen zeug, vnd
zug in das KIsasz, scblaifft sandt Pöldt
das stättlen wider den graSPen von Wördt,
laundgraneii im Elsasz, vnd zoch gen
Speyr, belegert die stat, wardt alda blödt
vnnd krannckh, fuer gen Strasburg aus
rat der ärtzt, kam doch zu letzt von
sQuneu , vnnd starb alda in der von
Ochsenstain hof, anno dorainj 1327 jar.
vnnd verliesz kain kindt.
König Ludwig achtet des panji nit
vasst, vnd ans begem herrn Galleatzen
vnd der Römer zug er mit 1500 pferd-
ten gen Mayllanndt, vnnd wardt alda
krönnt mit der anndern krön den 17t»
januarij von dem cardinallen Steffany de
Columna sambt der königin. er zog auch
gen Rom, vnud' machet im iar 1328 ain
parfnesser münch zu aiuem babst, mit
namen Petrum do Carbaria, vnd nennt
in Nicolaus den funSten. vnnd wardt
von demselben babst zu kayser kröndt
nach dem er 14 iar könig was gewesen.
Nun wonte der kayser Ludwig vnud
sein gemahel zu Rom mit grosser vnnd
reichlicher zerung. die kayserin lag alda
zu Rom aines snns nider , den man al-
zeit hernach uent Ludwig den Römer,
nun het sich der kayser so seer verzert
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205
Terzert za Rom, das er nicht wesst mit
seinen eren dannen zu kämmen, er was
in Tusst grossen sorg rnd ängsten in
disen seinen sorgen gieng er in ainer
capeilen zn got raffend Tud zu seiner
mnter Marie vmb trostuug. so kuinbt
ain geistlicher niünich zn im, sprach;
kaiser, sag mir dein betrübde, zilleicht
vindestn rat der dir zn hail knmbt. der
kaiser sagt im vil seiner sorgen, do
sprach aber der manch : glob gott Tnnd
Tnnser lieben frawen, so du zulannd
knmbst, das du in den eren gottes sei-
ner lieben muler Marie ain gotzhaws
wellest stifflen sand Benedicten orden
auf dem Ampfrangen , so wirt dir got
zn schicken das da mit grossen* eren
hinnen kämest, disz gelobt der kaiser
dem munich : wenn er zu lannd kam
vnd das endt erfUre welliches da.s Am-
pfranng war, wolt er das gar an ver-
ziehen verpringen. do gab im der mSnich
ain pilld das niemant erkannt, ob es von
metall oder stain ist warlich, daun das cs
ist ain Maria pilld. vnnd er sprach zu
dem kaiser : morgen wirt ain herr käm-
men. vnd wirt an dich kummen vnd be-
geren, das dn in vnd sein lanudt im
freyest. vnd alls vil du von im geuoderen
torst, das wirt er dir geben, vnnd mit
dem verscbwandt der mtincli im vor den
angen.
Als morgens der tag kam , do käm-
men abcb mär, wie ain grosser berr kem.
alle aber diser herr nur kam, gieng er
fnr den kayser, begert wie oben gesagt
ist, vnd fragt was er dem kayser vmb
solicbs tun oder geben sollt, do aischt
' der kaiser hundert tansent gnilden. an
stnnd gab im der herr die snmm gülden,
vnd wardt ain schimpfred aus den dingen.
zn Rom , das er mit ehern von Rom
ziehen noch khamen mocht. er was in
grossen sorgen vnnd anngsten. vnnd in
disen seinen bekhumernussen gienng er
in ainer cappelin za gott rueffendt vnnd
zu seiner muetter Maria vmb kostumb.
so erscheint im ain geistlicher inQnch,
zu im sprechent : kayser, sag mir dein
betrnebnnsz, villeicht viiistu rath der dir
zn guet kumbt. der kaiser sagt ime vil
seiner sorgen, da sprach aber der mOnch:
glob got vnnd vnnser lieben frawen, so
dn za lanndt kumbst, das dn in den
eeren gottes seiner lieben muetter Marie
ain gotzbaus wellest stiflhen sanct Bene-
dictn Orden auf dem Ampfrangen , so
wirdt dir got zneschickben das dn mit
grossen eeren von hynnen kumbest. disz
gelobte der kayser dem münch, wann er
zu lanndt khem, vnnd dos enndt erfnere
welches der Ampfranng wer, wolt ers
gar an verziehen volpringen da gab im
der münch ain pildt das niemandt er-
kennt, ob es von metal oder von stain
ist, daun dos es ain Maria pilt ist vnnd
der münch sprach zu dem kayser; mor-
gen wirdt ain herr khumeu vnnd wirt
an dich khiimen vnnd begern das du inn
vnd sein lanndt im freyest. vnnd als vil
du von im vordem darsst, das wirdt er
dir geben, in dem verschwaundt der
manch dem kayser vor den angen.
Vnnd als morgen der tag kham, da
khamen dem kayser die mär, wie das ain
grosser herr kbämb. vnnd als der herr
kham , gienng er für den kayser vnnd
begert fnr in vnnd sein lanudt von im
fridt, vnnd fragt den kayser, was er ime
vmb solches ihnen vnnd geben solt. da
vordert der kayser hundert dausent gül-
den. von stundan gab im der herr dise
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206
md sprachen die Walben, das kain IkiTr
kain grossere snninin knnd nennen dann
hnndert tansent gülden, alls io der kai-
ser nu frewet, do scbanck er der kay-
serin tausent gullden, rnd r.way tansent
in die cantzlej. allso kam er mit grossen
eren vnd lob von Itom. alls palld er in
diese lannd kam, vieng er das gotxbaws
an ziipaweu. vnd er legt selb den ersten
stain an dem tag Vitalis anno dominj
tausent drew hundert dreyssigk jar. vnd
nannt das gotzbaws Etal. er stiSl das
gotzhaws von zwen vnnd zwaynzigk brie-
steru, unmm dahin ainen abbt von Rei-
chenbach, genannt her Friderich. er
machte auch dahin, das zwelff ritter da
sollten wonen mit iren frawen , vnd
sechs witiben : beten all pfrfindt alls die
brieeter. die woneten da die weil der
kayser lebte.
Nu alls der kaiser nu sein weich zw
Rom enpfangeu het, do sand der pabst
der zu Auion was in das reich, vnd
verpien alle die in für ainen kayser
betten , verschlag anch dar singen vnd
lesen, das richte alles hertzog Lewpold
von Österreich vnd der pfalltzgraf Rudolf
an. zn dem jOngsten kam der hertzog
von Österreich gen Speyr, schnef des
pabsbs panbrief znlesen. do kam in ain
kranckheit an, vnd ward vnsynnig, vnd
starb an beicht vnd rew aines wnetten-
den tods.
snnima. vnd als die Walhen dos erfuern,
machetn sy ain schimpf redt daraus, das
im khain Bayr khain grossere summa
khnndt nennen dann hundert danaent
gülden, vnnd als in der kaiser nnn
freiet , da schenckht er der kaiserin
fUnffzig daiisent gülden, vnnd in die
canntzley zway dauseiit gniden. also
kham der kayser mit grossem lob vnnd
eern von Rom. vnnd als paldt er in
dise lanudt zu Bayrn kham , vieng er
ain gotzhansz an zu pawen , vnnd legt
selbs am tag Vittalis den ersten stain
anno etc. dausent drewbnndert vnd
dreyssig jar. vnnd nannte das dosier
Ettall. er stiffte das gotzhau-sz von 22
priesteru, nam dahin ain abbt von Rei-
chenbach, genannt herr Friderich. er
machte auch dahin, das zwelf ritter da
soltn wonen mit ieren frawen , vnnd
sechs Wittiben: die hettn all pfrnenndt.
Als man zalt 1329 iar, zoch er wider
in Teutsch Lanndt.
[Vgl. den luüheten Abeati.]
[Vgl. oben den Schinu des ersten
Absatiee der Spalte 2 von S. 204.]
Nach ettlicher zeit ergab sich diser
babst sambt seinen cardinSIen an den
babst Johannem, vnnd fanndt geuadt bej
im. aber babst Johannes durch ächtet
den kayser Ludwigen für vnnd für, ver-
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207
Der babet zu Auion starb auch, rnd
ward Benedictus der zwelfft. der wolt
den kayser aus dem pan Terkünden. des
wollt der kOnig von Pranckreich nichtt
gestatten, do schreib der babet den kur-
fursten, sy solten ainen anndern kanig
weien; ob aber sy des nicht tun woll-
ten, BO wolt er dem reich ainen geben,
vnd sy von iren wirden entsetzen, allso
kamen die fürsten znsamen, vnd erkoren
Karlen von Pehaim. zn der wal wolt
der bischoi von Maintz noch der von
Trier nichtt. vmb das wardt der von
Maintz von dem pabst entsatzt. aber er
behub sein bistnmb nicht desster mynn-
der die weil er lebt, do beraffl kayser
poth den miinchen vnnd pfaSen vnud
den geistlichen in Teutschen lannden
singen vnnd lesen in der kirchen. das
weret vil jar, deshalb vil vnrueh ennt-
stuenndt. dann ettlich geistlich dem
bähst gehorsam waren , die waren aus
den stettn vertriben. die von Straspiirg
sprachen zu ieren predigem,
sy sollen furbas singen
oder aus der stat springen,
deshalb sy die stat vierdthalb jar mei-
den mnessten. der babst sprach zn den
vertribnen :
recht, alter nit weislich;
vnd zn den die nit wichen sprach er:
weysiicb, aber vnrecht.
Kayser Ludwig zwanng nit dessto
weniger die geistlichn fürsten, von im
die leben zu empfahen vnnd im zuhnl-
den. er beleidiget aber die anndern geist-
liehn nit vasst.
Anno domini 1330 jar starb hertzog
Fridrich von Österreich, so vormals von
ettlichen curfOrstn zu ainem römischn
könig erwelt was worden.
Anno dominj 1334 jar starb babst
Johann, vnnd wardt erwelt Benedict der
zwelft. diser babst bekhennt woll, das
sein vorforder gegen kayser Ludwigen
zn vil strenng vnud vnpillich gehann-
delt. het in gern ans den pan gethan,
darfft aber das on wissen des künigs
von Frannckhreich nit thuen.
[Vgl. den folgenden AbeaU-l
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208
Ludwig ainen hof zu Speyr. vnd vodert
dahin all berrn vnd die stet an dem
Rein Swaben vnd Francken, vnd fragt
sy, ob sy in für ainen kayser wolten
haben , oder kQnig Karlen, sy sprachen
all mit ain, sy wolten in hallten fnr
ainen kaiser, vnd wollten sich weder an
des pahsts brief noch an die walherrn
nichts keren. vnd vnder der zeit wardt
sein kanntzler siech, dauon ich vor ge-
sagt hah, maister Vlrich von Augspurg.
alls der an seinem jüngsten lag, bekannt
er sich offenlich, das er dem knyser die
vnrwe mit dem bähst hiet gemachtt
vmb das er sich an dem kaiser rechen
mücht, alls ich vor sprach, alls mau das
dem kaiser sagt, vnd man mainte, er
solt vber in richten als er verdient hiet,
do sprach er: ich wil das gerichtt dem
enpfehlen der in yetz geschlagen bat.
bey den Zeiten ward gemachtt das püch
das inan nennt „defensor pacis“. das
sagt von dem geitz des pabsts, der Car-
dinal vnd bischof, vnd von ir symonej,
auch das ain yeder pabst sol sein vnder
dem gwalt des kaysers.
[Vgl. den vorhergehenden Absati.]
Anno domiuj 1342 jar starb Benedict
der zwelft. vnnd wardt erwelt Clemens
der sechst, ein grym hoebferttig man.
der vnnderstnendt sich vber den kayser
vnnd alle weit berr zeeein, verachtet
vnnd verpannet den kayser Ludwig hört-
ter vnd v5ster als seine vorfordern kai-
ner. er entsezt den bischof von Maintz
dammb das er dem kayser anbenngig
was, vnnd macht ain anndern, der war
ain graCf von Nassaw, mit namen 6er-
lacus. als aber Ludowicus der kayser
vnd die fnrsten, auch die stöt so ime
anbenngig waren sölches panen nit
achteten, praebt der bähst wider den
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209
kayser Ludwig in Tentschen lannden
souil zviwegen, das in dem iar 1346 zu-
Samen khamen der neu bischof von Menz,
der von CSln, der könig von Behem,
aucli der bertzog von Sachsen, vnnd er-
weltn ein aundern könig, den marggraff
Carlen von Märhern, khonig Hannsen
von Behem sun. vnd wardt von dem bi-
scliof von Cöln zu Rom gekhront. dar-
wider wardt der recht bischof von Menz,
der pfalltzgraf, vnd marggraf von Branu-
denbnrg. es wolt auch auf dem reichs-
tag zn Speyr kain stat des reiche Caro-
him für ain römischen könig erkheunen.
es darfft sich auch bej leben kayser
Ludwigs Carolus der regiernng im reich,
vnnd Gerlacns des bistumbs Mentz nit
vnndersteen.
In den Zeiten krieget Etwardus, der
könig von Engellanndt, den könig von
Prannckhreich. da kham Carolus der
erwelt könig dem von Frannckbreich
zuhilf, vnnd sein vatter könig Johanns
von Behem mit grossem voickh der Be-
hemen vnnd Tentschen vnnd da sich
der könig von Enngellanndt mit aller
macht keret wider den könig von
Frannckbreich, da wardt der könig von
Frannckbreich vnnd der neu erwelt kö-
nig Carlen in die flacht geschlagen, da
wardt der könig Johanns von Behem.
der hertzog von Lottringen, der graff
von Flanndern, der graff von Blüsz, der
graff von Salm erschlagen mit villen
anndern rittern vnnd herrn vnnd Tent-
schen voickh. da schickht der könig von
Enngellanndt könig Johannsen von Be-
bem gen Lntzelburg, das er da eerlicb
begraben wurde.
Anno dominj 1347 jar zoch Johanna,
ein hertzogin von Österreich, so hertzog
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Albrecbta von Österreich selligen ver-
lassne wittib, von dem Schwabenlanndt
die Thüpnaw ab, im willen gen Öster-
reich zufarn. vunderwegen suecbt sy
hertzog Ludwigen in Baym etc. haym.
caiser Ludwig will ier zu lieb ain ban-
geth vnd ain gejaidt zu Vnderstorf hal-
ten. vnnd als sy sbweg wolt raisen,
reicht sy im ain gefesz , darans zn-
trinckhen nachdem er aber jer vor vil
eer bewi.seu het, das tbet er noch, vnnd
path sy soll von erst trinckhen. das
thet sy, vnnd verkert dem caiser die
ror darin das giSt in war. vnnd als er
getrunckhen het, eylt sy von stnndan
von im abweg. vnnd als er sich schwach
emphndt, rit er gen waldt, wolt an das
jaidl, vnnd das gifll von im znreutn.
viell er von dem pferdt, vnnd starb in
ainem paurn bans bey Furstenfeldt, den
dritten tag nach Dionisius im 1347 jar.
Kayser Ludwig wardt gen München
gefnerth in vnnser lieben freuen Pfarr-
kirchen, vnnd ligt vnnder dem cor in
ainem gwelb in seinem kayserlichen
mnndl zepter vnd cron bej anndern
fnrstn.
Als diser kayser Ludwig gestorben
was, da tailten seine 6 sun die lanndt
zu Landsperg. Ludwig der elter wardt
bej leben des kaiser Ludwigs marggraf
zu Branndenburg. Ludwig dem jungem,
den man nent Kümer, vnnd Otten wardt
Obern Bayru. Wilhelm, Steffan, vnnd
Albrechtn wardt Nidem Bayrn mit Hol-
lanndt Seelanndt Frieslanndt vnnd He-
ncgaw etc. das geschach 1.349.
Anno doniiuj 1307 •’•) jar hat vor-
gemelter kaiser Ludwig die stat München
27S) In der Hudsehrift iteht: 1370.
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erweittert aambt der alten resst oder
schloss, anch das Parfnesser vnnd Augu-
stiner dosier gepawen. vnnd nachmals
im 1315 jar hat er die stat München
abermals mit schönen menni vnnd thurn
erweittert. vnnd anno 1324 jar pauth
er die capellen in der Allteu vesst.
XXVII. Zn Seite 149 Note 256.
a)
Von dem Erknndignngsachreiben des Herzogs Maximilian I Ober den Stand der
Arbeit des Marx Welser liegen zwei Coiicepte vom 6 und 9 Juni 1611 vor.
Das erste ist — wie es den Anschein hat — nicht zur .Ausfertigung gelangt.
Das zweite verräth ihm gegenüber eine gewisse Kühle, und slelll die Präge,
ob nicht bald wieder ein Theil fertig sei.
b)
Hierauf berichtete Marx Welser am 15 .luni:
Tn antwort Euer fürstl. Diirchl. genedigisteu Schreibens vom 9<™ dis monats
das Bairische histori werck betreffent berichte ich gehorsamest, das — ob mir wol
wegen der fünf bereit gedruckten und pnblicierten büecher bisher von jemant kein
dag oder gegeuwnrf firkonimen ist — hat mich daunocht wo nit ein notturft jedoch
ein wolstand gedunckt, sie auf ein newes alles vieiss zue ibersehen, und zuerwegen
ob etwas darin zne endereu und zue verbesseren sein möchte: wie ich dan in der
that befanden, das es diasfals nit one, noch die angelegt mühe, wölche ein geraume
zeit erfordert hat, verloren gangen ist.
Darneben hab ich die continuation der histori nit gar ausgeselzt, sonder bin
— sovil mir die ordinari und extraordinari gesebäft, wölche mich etlich jar her-
werts gleichmim gar nnderdrückeu , neben meinen leibs ungelegenheiten znegelasseu
haben — fortgefareu bis auf künig Ludwigen, kaisers Ludovici pii snn, wölcber
sich anfangs künig in Bairen hernach künig in Teutschlant geschriben hat: dies
trifl der zeit nach vast mit dem mittel des Aventini histori zue.
Was mir zue fortsetzung dieses wercks — wie Euer fürstl. Durchl. genedigist
andentten — mangle, kan ich io specie dnrumb nit anzaigen, weil mir nit eigentlich
wissent, was fir dienstliche monumenta bei Euer fürstl. Durchl. archiv oder sonst vor-
handen seien, in genere aber mag man wol datir halten, das alle bairische schritten
von jaren zue jaren ansgezogen, es seien gleich cronicken, brief, Stiftungen oder
anders, ser wol dienten, und mich einer unseglicben mühe iberhepten, wie ich mir
Abh.d. 111. CI. d. k. Ak.d. Wiss. XV. Bd. III. .Abtli.
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dan aollicher gestalt und wan mir also vorgearbaitet wurde volgeiits in einem jar
mer als jetzo in fttnf secbsen zue schaffen getrawte.
Zue beschluss darf ich nit wagen, Euer lürstl. Durch! ein gewise zeit zuer-
uennen in wölcher ich mit iberschicknng eines tails auf zue kommen vermeine, wan
je nit gern an der nnnarhait wolte ergriffen werden, und eiumals das werck mer
als es das ansehen hat schwer ist, sonderlich hoinini toti modis oeenpato et di-
stracto. bit aber Euer fOrstl. Durchl. demDetigist, sie wQllen mir genedigist trawen.
wan meine kräflen der hegierde gleich gevolgteu, selten Euer ftlrstl. Durchl. ge-
wisslich aller dings unaufgehalten sein, diser gestalt nun bit ich Sie abermal ge-
borsamest, genedigi.ste gedult mit meinem Unvermögen zue tragen, dero beineben
mich zue beharlichen milten gnaden empfelchent.
c;
Dieser Bericht wurde dem Johann Georg Hörwart von Hohenburg und dem
Christof Gewold zum Gutachten öberwiesen.
ln diesem äusserteii sie sich am 22 Juni dahin, dass sie die „vorgenombenc
renision der alberait vor di.sem publicierten flluf buecher für ein guette nnzliche
arbait ausiebt. es mecht auch Euer Durchl. solches revidiertes werk znesambt der
contiiiuation so weith sich solche deme im schreiljen beschehen audeiten nach er-
strecket gnedigist abfordeni lasseu, nnd zugleich dabei ime Welser zu versteen
geben, das Euer Durchl. sowol solche sein angewendte arbait als auch die con-
tinuatiou desz haubtwerks selbst genedigist wolgefalle.
Belangend wasz zue fortsezuug dises werke für subsidia hin und wider vor-
handen nnd dem statlpfloger zu aubmiuistriern, da können Euer Durchl. wir mit
bestendigem grund berichten , das aus Euer Durchl. archif bisz man uf das jar
Christi 1200 korabt wenig oder zue hnussen gar nicht verbanden : sonder miessen
die materiae historicae nur anderwerts znesamben getragen werden, zue welchem
ende firnemblioh sowol die cathalogi veterum manuscriptorum auctorum bei den
clestorn und Stiftern in Euer Durchl. fürsteuthuinb nnd andern orthen alsr auch
verzaichnnsz der verhandnen alten bäbstl. kaiserl. und köiiigl. auch fUrstl. brieflichen
urkuuden priuilegien und documenteu zue hand gerichtet, daransz bishero allerhand
dienstliches abgeschriben worden und noch alrgeschriben wirdet.
Gewiss wirdet beim stift Bamberg viel ntlzliches vorhanden sein, und wollen
wir nächstens einen verschlag machen wie man es bekommen kann.
Demnach aber be,schliesslich Euer Durchl. die entliehe volfierung dises ires
historiwerks billich sehr angelegen, dabei uun des herrn stattpflegers schweres ampt
und vilfeltige teglicb uberhaUfflge gesebefft und andere menschliche znestende die
sich bald können begeben in acht zenemmeu, so vermainten wir, Euer Durchl. betten
ime disz ir verlangen gnedigist zu versteen geben und dabei andeiten zue lassen, ob
er jemanden usz den P. societatis — alsz den P. Kaderum, oder wen er sonsten
hierzne für tauglich anseche — Vorschlägen thette, der ime dise arbait helffe ver-
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richten , doch das er alzeit das directorium hette, oder das er andere mitl an die
hand geben wolte dardnrch dises werk zue seinem hrderlichen ende aller möglicbkeit
nach zebringen seie, Uber welches er stattpfleger dann in ansehung seiner obligen-
den nnzalbaren anfwachsenden occnpatiouen, auch leibsnngelegenheiten, nnd das dises
werk an ime selbst schweer nnd weitleifßg ist, versehentlich ain guetten und nicht
nnrathsamben noch znr Sachen nndienstlichen fiirschlag thuen wirdet, darüber Euer
Dnrchl. sich alsdann der vernem notturfft mögen entschlieszen.“
d)
Am 27 Juni erging die Mittheilnng hierüber mit dem namentlichen Anfligen,
der Herzog habe seinerseits „auch letzt widerumb von neuem benelch geben, dasz
Weisem alles das jenige was so wohl bei seinem archiuo vorhanden als auch sonsten
zuebeckhommen so zn diser histori beschreibung nuzbar vnnd dienstlich zur handt
gebracht, extrahirt, vnnd ihm vnfehlbarlich vberschickht werde“.
e)
Aus sejner Antwort hierauf vom 30 Juni entnehmen wir folgendes:
Das histori werk betreffendt wolte Euer fUrstl. Dnrcbl. ich die Corrcctur
publiciertcr fnnff bllecber sampt der Continuation gehorsamest gern jberschiken,
wann eines vnd anders jnn sollichen stand were das sieb jemandt auszer meiner
verstendtlich darein verrichten kiudte. So erforderte das auszsebreiben vnd mnn-
dieren etwas weil , wölchc zuoversichtlich jnn fortsetznng nntzlicher kan angelegt
werden. Das anszzieheu ausz dein .Archiuo vnd anderen monumentis wirdt sonders
fnrdersam sein, wann den jaren nach, wie jnngst von mir angedeuttet worden,
ordenlich disponiert wirdet, dann jeh noch der mainung, das auff solche wichtige
Vorarbeit Euer fürstl. Dnrchl. jeh mit der expedition des werke, wa nit mit der
perfection — dann dises zuovertrösteu dartf ich mich nit vermeszen — zimlich
Contentament geben möchte.
Den lirscblag hem P. Raderuni oder andere Patres Societatis belangendt lasze
ich mir wol gefallen , will jedoch den Sachen weitter nachdenken vnd mitt jnen
selbst daransz connersieren : allein weszte jeh nit zuoverantworten , das dergleichen
scripta vnder meinem namen auszgiengen, vnd jeh tanquam fucus alienis laboribus
incubierte. Villeicht möchte ein mittel sein, das wolermeldter Patrnm einer die
Continuation der fUuff bnecher fir die band neme, vnd jeh nichts destoweniger
fortfiere so vil vnd guott meine occupationes zuolaszen. Kernen beede auff, so
etöende bey Euer fürstl. Durchl. genedigsten election vnd Resolution , ob sie ein
oder anderen oder beede an das liecht wolteu kommen laszen , dann es dem löb-
lichen hansz vnd landt Baira rnemlich wann es vnderscbidliche scribenten firzno-
weisen hette. blibe jeh dann stecken, so were mann dannoebt mitt der anderen
279) im Kopfe steht von der Hand des Henogs: Soll die nottnrfft vergriffen und sussgefertigt
werden.
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hiatori gefaazt. Wölchea Ener fürstl. Durchl. jch fir mein eraten einfeltigen einfahl
jnn gehoraamb anfSegen sollen.
f)
Da der Herzog hierüber das Gutachten Hörwarta und Oewolda begehrte,
schrieb der letztere , weil er den erateren nach dessen bereits erfolgter Abreise zu
einer Badekur nicht mehr persönlich traf, am 17 Juli unter Uebermittlung des
Veranlassungsschreibens selbst folgendes an ihn :
Meinem ainfeltigen bedenkben nach were e«, doch E. H. vnvorgreifflich , bej
desz herrn Stattpflegors aiidenten wegen der Correctur der fünf publicirteu böecher
sambt der Continuation bleiben zulassen , damit nämblich in abschreibeii derselben
nicht viel Zeit vergeblich verzehret, sondern dieselbe in fortsetzung der hauptmateri
nüzlich angewendet wurde. Es wer dann dasz Ir Durchl. ie solche correctur vnd
continuation noch begehrten ziieselien oder ersehen zuelassen, so köndte es ans dem
rapnlar oder original selbst geschehen, vnd dasselbe vnncrzogenlich widerumb
reniittirt werden. Ich sehe aber schier nicht, warzue es diser Zeit vonnötbeu.
Wolte den herrn Welser vermögen, vnd da je noch etwas zuebessern , es bej der
continuation vcrlibeii lassen, dasz solche niuudirt würde.
Was den Vorschlag wegen eines P. societatis — der dem herrn Statpfleger in
diser arbeit helffe — belanget , weil derselbe den Sachen selbst weiter will nach-
denkben, so wer dessen znewartheu. Es wer aber je ansehenlich vnd gueth, wenn
herr Welser selbst das ganze werch — alsz ich zue Gott hoffe dasz es geschehen
solte — compliren thette.
Was die subministrationem matcriarum Ex Archino vnd sonsten belanget, will
ich meinen möglichisten vleisz. brauchen.
Es were auch gahr gueth, wenn mahn die adminicula von dem .Stifft Bam-
berg haben köndte. Von widerhanskonfft desz herrn Pistorius ans Cärnilten höre
ich noch nichts, got wai.sz was noch entzwischen kombt. V'ermitls desz herrn
Dr Förner getrauet ich mier wohl etwas znewegeu znebringen, vnd würdt das
meiste an dem DombcupitI stehen: will mich gehrn darzue brauchen lassen vnd
aldahin gehn Bamberg raiszen , köndte verhoffentlich in einer knrtzeu Zeit vnd mit
gar gringcm Vncossten verrichtet werden.
g)
Am 25 Juli erfolgte die Entscbliessnng an Marx Welser dahin, der Herzog
wolle bezüglich der üeljerarbeitung der bereits veröffentlichten fünf Bücher „geren
wissen, ob vnd jn was Sachen er dieselben hauptsächlich zu corrigieron vnnd
enderen gedenche“.
Im übrigen verbleibe es allerdings bei seinem Vorhaben.
Und weil Welser „willens, fernere nachzudenkhen wie der Sachen auf alle
zuetragende feil am besten ratb zne schaffen , damitt dise historische beschreibnng
jren würcklichen vnd vnauszgesetzten vortgang erraiche", so sehe der Herzog des-
follsiger Aeusserung entgegen.
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h)
Der bieräber an ibn ergangene Krlase selbst bringt diese Entscblieesuug in
folgender Fassung :
Soviel nu enr vorgenombene correctur der ersten alberait vor dissem pnbli-
cierten fünf büecber desz bayerischen historiwerks belanget, lasse ich es bei eurem
andeuten, das die zeit mit abschreibnng desselben nicht vergeblich verzehrt, sonder
in der continnation des hauptwerks selbst besser angelegt werde, verpleiben.
Allain wdllet mich summariter und mit möglichster kürze berichten, worinnen
solche correctur hauptsächlich bestehe, und an was orthen solche förgenoinben
worden.
Die weitere fortsezung, so weit sie fertig i-st, laszt ehstens abschreiben, und
schickt sie vns zue einsicht.
lieber die Beförderung des histori werks erwarte ich euer weiteres guetacbten.
i)
Dieses erfolgte ans Augsburg am 27 Juli dahin :
Jnn Antwort Kiier fürstl. Durchl. genedigisten schreil>euus vom 25 disz mouiite
jberschike jch pro speciniine der verbeszerung der berait ge<lrukten bairischen histori
beygefüegt Capitulare oder wie manns jezo znonenneu pflegt Instruction wölche
Papst Gregorius secundus denen gesandten so er jne das Bairlandt ahgefertiget initt-
gegeben butt. Die ist meines l>eduukens ein flrtrctTlicb alt monumentum, vnd wirdt
libro 4'’ pag. 255 zno jnserieren sein.
Sn hab jch gefunden , das die zwuo epistolac .Alcuini wölche pag. 2‘J‘J et
seqnentibus libro 5“ gesetzt sein nit dahin gehören, noch .\qitila Pontifex welchen
Alcuinns germanum suum nennet bischoff .lohann zuo Salzburg sein kann , sondern
das dise epialolae ad tempora Arnonis — wölcher der erste Erzbi-schoif zuo Salz-
burg gewesen, vnd anno 821 mitt todt abgangen ist — gehören, wie dann die
alten Teutschen Ar oder Arn für den Adler gebracht hal>en, vnd haisen jne die
Niderlandcr noch heuttigs tags Areut, dannen her Alcuiuus gelegenheit genommen,
Aqnilam pro Arnone zuosetzen.
Vnd dann ist die opinio so libro D" pap, 333 eiugefnert, das der alte bai-
rische Agilolfiugische stammen mitt herzogeu Thassilone vnd Theodone gar vnder-
gangen seyn, zuo retractieren : dann jch ausz etlichen vrsachen glaublich muttmasze,
kan es jedoch fir gar gewisz uitt angeben , die Welfen seien von den Agilolfingen
herkonmien.
Das hab Euer förstl. Durchl. jch gleichsam zuo einem mnster kürzest, wie sie
genedigist begeren, jn vndertbenigkeit audeutten wöllen.
Vnderlasse darneben nitt, das sechste buoch, so bald es gar elaborieret,
mundiren zuolassen vnd gehorsamest zuo jbersebiken.
Was sonst die befirderung dises histori werks berüert, hab jch auf weitter
nachsinnen merers als newiieb vnderthenigist erjunert hab nitt erdenken kinden:
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waltet ee nochmahlen deazcn, daa — wann die materi nitt allein zuosaroen ge-
tragen, sondern auch ordine temi>ornm disponiert — solches mir oder einem anderen
ein jber die masz grosse Ringemng sein wurde, Tud jch mir als dann gewisslich
jnn einem bar munat so weit als sonst jnn einem Jar zuo kommen getrawte.
So hielte jch auch nochmahlen 6r tbonlich, das sich etwa ein Pater Societatis
der Continuation aulT die fiinff bllecher vnderlienge, weil — wie jungst gemeldt —
selbiges in ornnern euentum nitt anderst als guott sein bindte; md werden ohne
Zweiffel sie selbst firznoscblageu wiszen, wen sie darzuo destinieren vermainen.
XXVIll. Zu Seite 151 Note 260.
a)
Am 25 Juli 1653 schrieb die Kurfürstin-Wittwe Maria Anna an den General
der Gesellschaft Jesu, Goswin Nickel, zu Rom folgendes:
Inter ea qnae Serenissimo Electori Maximiliano, Bavariae Duci, conjugi uostro
dilectissimo , felicis recordationis a nobis etiam mortuo debentur amoris et reue-
rentiae pignora eat non minimum illnd , quod eins uitam et gesta a reuerendo
P. Joanne Veruaux, ipsius qnondam confessario et secretiornm conscio, in historiam
nostro inssn redacta typis committere propositnm habeamus, idque ob granissimas
causas: ita tarnen nt omnia sine offensione cuiusquam iuxta ueritatis cynosnram tnto
lucem possint aspicere.
Consilium hoc nostrum admodnm reuerendae Paternitati Vestrae ea de cansa
signiflcamns, ut pro sna in nnirersam Societatem anctoriiate committere uelit prae-
&to Patri editionem huiusce bistoriae, et ea praeterea qnae sibi e re esse nidebantur.
Ne uero contra ac nobis est propositum res trahator in longum , nosque
dintina quam vellenius ista consolatioue careamus , hoc petimus R. V. P. ut istnd
opns historicom censurae Patrum Societatis subjrcere auctor non teneatnr, quando-
quidem suppresso eins nomine rolnmns illud diuulgari.
Fungentur uero uicem censorum alij, et quidem tales qui nobis ab iutimis
Consiliis sunt; ij scripta eins sedulo et accurate examiuabunt, utpote qui remm
gestarum et statum politicum concernentium notitiam in bac Electorali Domo prae
ceteris habent: ita nt historia hoec ab iisdem Cousiliariis nostris lecta et approbsta
non indigeat alterius cuiuscunque censurä, sed libere typis mandari possit.
Faciet admodum Ren. Patemitas Vestra in eo rem nobis pergratam, cni hiace
beneuolentiae nostrae affectnm deferimus etc.
b)
Hieran! antwortete der General ans Rom am 16 Angust 1653:
Petitiones Serenissimae Celsitndinis Vestrae pro mandatis accipio. Proinde
quodcnnqne a me petet prompte exequar, siquidem fuerit in mea potesiate.
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Vita et res gestae serenissimi Electoris Maximiliani , Banariae Ducis, conjugia
Serenissimae Celsitndinis Vestrae, felicis recordationis eiusuiodi saot ut mereantur
ad aeternam posteritatis memoriam scriptis luandari «t iu Inceni emitti.
Sed quemadmodmn Serenissimae Celaitudioi Vestrae iustis de causis vistim est,
historiam istam sappresso aathoris nomine emitti opp<irtere, ita oro nt hanc gratiain
addat Sereuissima Celaitudo Vestra, ne anthor — auscepta editionis cora — cogatur
se prodere.
De historiae ceusura statuat Serenissima Celsitndo vestra qnod videbitur.
Deura oro, ut Sereniasimam Celsitudinem Vestram cum tota Serenissima siia
et Augnstissima Domo seruet seniper incolnmeni etc.
c)
Einem Schreiben der Kurfürstin - Wittwe aus Wasserburg vom 23 August des
folgenden Jahres an den Provincial P. Georg Spaiser entnehmen wir folgendes;
Uns7. bat unser obrister laudhofmeisler referirt was sich der P. Kector wegen
der von unss begehrten Censur über den D« tomum der histori unseres in Gott
mehenden geliebten herrn gemahls seel. angedenkens erbotteu. Lassen es daliei ver-
bleiben, und wollen es mit iiegstem von ihme erwarthen
Dabei gehet uns zue gemüetb , und erinnern wir unss noch guelter inasseu,
das sich hüchstged. unser gel. herr gemahl seel. öfters über dess P. Brunners ge-
schribene bairische histori das sie so unverstendlich sei beclagt, mit dem vermelden
mau hette allezeit einess Calipini vonnöthen vvan mau versteheu wolle, wass er ge-
schriben. Wau nun aber entgegen dess P. V’ervanx histori, absonderlich aber dess
stili ballier von ineniglichen gerühmbt wird, und uusers enucsseus ihme nit sonders
schwer fallen würde gemelten P. Bmners tomos zu revidieru und in ein verstend-
lichen stilnm zu bringen , wir aber hedenkens getragen ihme solches ohne eur vor-
wissen zHzumuethen , aGs ersuechen wir euch hiemit geneiligst, ihme P. Vervani
auf/utragen, das er gemelte histori forderlich uuder hand nehme, selbige revidire,
nnd biss auf nnsern sohn herzog Maximilian Philipp in solche perfectiun bringe,
damit sie auf ein neues in truck gegeben und mchrers als bis dato ge.schchen under
die leuth gebracht werfen möge.
<1)
Die entsprechende Antwort des Provinciais hierauf ist vom 27 dieses Monats.
e)
Am 7 November sodann crtheilte der General dem Provincial den iu Lit. g
eingeschalteten Auftrag.
f)
Man wird schwerlich weit irren , wenn man annimmt , dass er in einem ge-
wissen innigen Zusammenhänge mit den Gutachten der Censoren des Ordens steht,
welche College Friedrich in der Beilage VllI seiner Rede „über die Geschicht-
schreibung unter dem Kurfürsten Maximilian I“ S. 32 — 41 veröffentlicht hat, und
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deren der General in dem Erlasse an P. Spaiser ans Rom vom 14 November 1654
a. a. 0. 8. 42 (gedenkt.
g)
Dieser seinerseits Hess Ober den in Lit. e berührten Auftrag dem P. Vernaux
ans Landsberg nnterm 21 November 1654 folgende Mittheilung zugehen:
Mandauit mihi postrerais litteris 7 Nou. datis admodnm R. P. N. quaedain,
quae — cum ad R. V. spectent — commnnicabo ei, sicut Koma aceepi, nnllo apice
mntato :
Intelligo, Mouachii a nonnullis ogi, vt nomen P. Joannis Vervaux
praeficiatur — vtique praeügatnr — historiae Bauaricae quam ipse con-
scripsit. Justis et magnis de causis id nullo modo expedit; et literas haben
a Serenissima, quibus mihi scribit, id non futurum.
Velim ut R. V. solicite caueat, ne id fiat, et meo — si opus fuerit —
nomine raandet P. Veruaux, ne id fieri curet aut permittat.
Similiter non permittatnr Patri Veruaux, assumere tomos P. Brunneri
aliter con.scribendos.
Haec admodum R. Pater Noster ad me acripsit ; qno autem monitore id fecerit,
id sane nescio.
Contido autem, R. V. hand difficulter obtemperaturam voluntati P. N. quae
nobia pro DEI voluntate esse debet: aut si aliud quid R. V. videatur, cum ipsomet
P. N. per se acturaui.
h)
Hierauf säumte Kurfürst Ferdinand Maria nicht, dem General unterm 18 De-
zember dieses .Tabres nachstehendes zu eröffnen :
Mich berichtet mein Beicht Vatter, P. Joannes Veruaux, wasz gestalten ihme
ausz Euer Ehrwürden befelch von seinem prouintialn bedeutet worden, dasz er nicht
gestatteu solle, dusz die histori die er von meinesz in Gott ruhendten gnädigsten
geliebsten herrn Vatteru Durchl. der ganzen weit bekhanteu rühmblichen Khrigs
vnnd fridensz auch anderer löblichen Verrichtungen halber zuesamen getragen nicht
allein vuder seinem Nahmen im Truckh verfiirtiget , noch weniger aber die vor
diesem von Patre Brunner beschriebene Bayrische histori von ihme weiters reassu-
miert oder anderst beschrieben werde, allesz mehrern inbalts gemelten prouintialis
schreiben, so mir mein Beicht Vatter originaliter vorgewiszen.
Nun ist mir zwahr vnbekhant, wasz Sy bewogen, ohne vorgehendte commu-
nication mit mir alsz der dabei principaliter interessiert ist über diese baide puncten
so gemessene inbibitiones ergehen zue lassen : muesz mir aber einbilden, solches seie
mehr anrz vugleichen vnnd villeicht in etwasz pa-seionierteu relationibus anderer
alsz au-sz wahrem grundt der Sachen an Sy gebracht, Sy also zue dieser Inhibition
bewogen worden.
Weil aber leichtlich zuegedenckhen , dasz — wan diese histori suppresso nel
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ficto nomine solle ans* tage Hecht khiimen — selbige hei der well den Credit nit
haben wurde alsz wan der author dieses werckhs, danoii müniglicb waisz dasz von
Pater Vernani herkhunicn ist, der histori den glauben gibt, so hoffentlich höchst-
gedaclit meines gnädigsten geliebsten herrn Vatters Durchl. seel. gedächtnuaz vmb
dasz pnblicum wie dan anch in specie rmb die Societet woll meritiert , mein Beicht
Vatter auch anderst nichts geschrieben alsz wasz ihme meine lenth sellisten, partim
ex actis et diarijs die alhier vorhandten, partim alsz lebendige gezengeu ansz meinem
befelch suggerirt , nicht weniger die histori mit solcher circumspection zne papier
gebracht worden dasz nichts darin sich linden wirdt so nicht anderwertig villfältig
geschrieben, vnnd zwar mit nicht geringer passion, deren sich kheiue in dieser histori
ßndeii wirdtet, vnder die lentb gebracht, die ienige auch so sein composition zue
durchgehen alhier im Collegio verordnet worden hierüber nichts zne anthen oder zue
corrigiren gewnest, dabej sie nicht Selbsten o<ler ansz vnwisseuheit desz herganngs
oder villeicht ansz particiilar affect verstoszen, so siehe ich anch nicht, dasz in
anderen prouineijs da Collegia seiut souiel difficulteteu gemacht worden zue l)C-
schreiben wasz Sy vermaineu der warheit zue Steyer vnnd ihren beuefacloribus zue
gueten khomeu müchte: mnesz also bei dieser histori iiottwendig dasz liedenckhen
sein, dasz man lieber sehe, dasz meinesz herrn V'atlern Dnrchl. seel. angedenckhens
löbliche llegirnng vnnd wasz Sy dem gemeinen Weszen vnnd der Societet zue guetem
gethann der vergesenheit consecrirt alsz ier die woll meritiert« vnsterblichkeit vor-
gnnt wolle werden, welcher gedanckhen dann bei mir desto mehrer plaz hat, weilen
sich anfänglich kliein Jesuiter gefunden der sich diese* werckhs hefte wollen vnder-
fangen , iezt aber, da esz fbrtig viid vntadellmfft , maistenteils conenriren solches
zue vndertrncklien vnnd zue discreditiren, vnangesehen ich vrhietig bin, jhne meinen
Beicht Vatter viid seine .Scripta aller orthen zue vertretlen vnnd znuerdeidigen, vnd
— da mir auch von ime oder >ler Societet solle ainziger bedenckhlicher passiis ge-
wisen werden , der nicht emendirt wehre woriien — solches noch ziinerfüegen : ansz
welcher vrsachen ich dan verhoffe. Euer Khrw. weiter kliein heilenckhen haben,
snnder dem anihori vergönnen werden, dasz seine labores durch heisezung seiner
persolm melirerst accrwlitiert alsz durch deren omissiou für ein opus gehalten werde
zue deme sich der author selbsteu nicht habe bekbennen dürfen.
Soniel nun vnd vor dasz ander desz Pateris Brunueri historiam betrifft, ist es
nie dahin angesehen noch mein oder meinesz Beicht Vattersz maiuung gewest, selbige
zue renidiren , zue corrigiren , oder gahr zue cassiren , weil ich woll gewust dasz
selbige mit snnderm vleisz von ihme zuesamen getragen worden. Esz haben aber
alle die so sie zue lesen verlangt gefunden vnnd sich beclagt dasz der stilus also
hoch versezt vnd mit solchen frasibus augefOhlt sein, dass ansser deren so die
scholas täglich tractiren fast kheiner ohne hilf eines calepini oder dictionarij gewust
wasz er lest. Ob esz nun mit tleisz ge.<chehen, damit man sich vmb diese histori
nicht vill annehme, snnder weil der stylns vortreflich auch Selbsten ausser acht ge-
lassen werde, will ich nicht vrtblen : woll aber hab ich gefunden, dasz — da man
Abb. d. III. CI. d. k. Ak. d. Wiss. XV. Bd. III. Abth.
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sy nicht ex propoeito zne vntertnickhen bepehrl — nottwendig durch einen andern
verstendtlichen stylum miiesz wieder beschrieben werden.
Weilen dann nichts neues daaz ein materi ein histori vund dergleichen durch
vnter8chie<l liehe Scribenten geschrieben vnnd an dasz liecht gebracht werde, esz auch
gannz nicht dahin angesehen gewest, die o|>era patris Bnmneri dadurch zne con-
fundiren , weilen sy einen weeg alez den andern bei den buechfuehrern exponiert
aber obgemelter vrsacheu willen fast nicht xerkhanfft werden , esz auch hiesiger
pruuincialis vnnd Rector auf meiner gnädigsten geliebsten Kraw Muetter Durchl. be-
gehren gemeltem patri Veruanx aufgetrageu, vnd er damit nun zimblich weit khnmen,
alsz will ich nicht hoffen , daaz Euer Ehrw. die anbefolchene inhibition werden be-
haubteu ; sondern vill mehr ihme patri Veruaux die haudt zue volfiehrung dieses
werckhs wider öffnen , vnd mir dardurch znerkhennen geben wollen daaz Sy auch
an ihrem orth mir vnd meinem Cnrhansz die ehr gönnen die villeicht weniger vmb
dasz Reich vnnd die Societet verdienten ohne so uiel einwQrff vnnd difRcnIteteu
anderer Orten von der Societet mehr entgegen getragen alsz verhindert worden.
V'nd verbleiire Euer Kbrw. mit allem guten willen beygethan.
i|
Auf diese Eröffnung Hess sich der General unterm 9 Jänner des folgenden
Jahres so vernehmen:
Accepi eä quä par est obseruantia literas quas Serenitas Vestra dare dignata
est; non tarnen, nt submississime dicam , sine graui dolore, quod vel ego viderer
sine debito ad Serenitatem suam respectu praepropere iuhibuisse editionem bistoriae
Bavaricae a P. Joanne Veruaux scriptae, et reformationem styli in iis quae P. An-
dreas Brunner publico dederat: vel Societas cius cui summis ac innumeris beneficiis
mnnificentissimo affectu collatis aeternum obnoxia et obstricta est, Serenissimi Pa-
rentis, meritissima ob virtntes plane beroicas sc singuläres et ob luculeutissima in
totum Imperium et Ecclesiam merita gloriam famamque immortalem impedire aut
olwcurare veile putaretur.
Sane nihil a me et tota Societate magis alienum velim i|uam adeo infamem
ingratitodinis notam ; nt qni aeternum bnmillimam nostram erga Serenissimam Dornum
Banaricam obligationem et .seruitntem toti mundo professnri snmus, et nihil vnqnam
omissuri qnod ad eins exaltationem et felicitatem in Ecclesiam totnmque Imperium
atque vniuersam Societatem plenissime redundantem et votis apud Deum et snb-
missiasimis obseqniis praestare, etiam sanguine nostro, poterimus. Ac proinde Sere-
nitatem V. hnmillime rogo, libeat iis qnae minus benigne suggesta fuernnt sepositis
qnod obseqnentissimo in Elam effectu gestum est clementissime accipere.
Ciun Serenissima Electrix Domina Mater literis datis 25 julii 1653 a me
peteret, nt P. Veruanx ad scribendam reliquam historiam Banariae ad haec vsqne
tempora applicaretnr , vitro obtnlit clementissime se inssuram nt alieno nomine
ederetnr: dubio procul, qnia sapientissime praevidebat Societati fore diffieilins, si
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deberet eius uoniine prodire in pablicnm, et rt non fieret omnino niagis expedire.
Qnarc iam de Serenissimae Tolnntate secnnis , cum ad me referretur de auctore
praefi^^eudo, id tanqnam rem connentam eine vllina offeneae anspicione confestim
inhibui. Et vero pro meo officio atqiie etiara in Serenitatem Vestram studio dis-
siuinlare non possum, me summis precibua humillime etiamnuin rogare, nt quod
Serenissimae matri placuit Sereoitali Vestrae confirmare clementieaime libeat, tum
ob benignitatcm qua Societatem aeruatam deaiderat, tum maxinie ctiam ad operis
ipaius meliorem auccesum. Illud quideni , quia in tanto atudio partium et senten-
tiaruni varietate in rebus recenter geatis , in indicio de grauiasiinis belli paciaque
negotiis faeillimnm est otfendere, ac Societatem iam aliaa afflictam ex irimilibua causia
maioribua exponere incnmmodis; cum in totam Societatem deriuari soleat quod in rno
dieplicel, et auctoris nomeu midi ue<iueat iiisi etiam approbatio Generalis apprimatnr.
Hoc vero turn quia qno Suae Serenitati obstrictior est P. Veruanx eo facilins par-
tialis babebit: tum quia apud grauissimos viros, etiam purpurab» et iam ad suni-
mam in ecclesia potestalom habiles, hic Roinae praeiiidicinni non lene habet ex iis
quae de pacis negotiis contra nonnnllornra sententiam prolata ipsi tribuuntnr. Vt
non ambigam, si quis secularis a Sna Serenitate delectus ad enm modnm qno Patris
Kelleri Lndonicns IV a domino Georgio Hhrwart publicatns foit historiam anctoritate
Serenitatis Vestrae scriptam edat. ad gloriani plausnm fidem lange fore conducibilius.
Quod P. Andreae Brunneri Batiariani attinet, relatum ad me erat, moliri
P, Veruaux meram eins in alium stylnm iaciliorem translationem ; quae res quia
apud Doclos quibns summe satisiactum est a dicto Patre, optimi historici partes
omnes cum magna Serenissimae Domus gloria implonte, visa est futnra intolerabilis,
monui P. Prouincialem ; voluique ut debita cum suVunisaione ea de re cnm Sua Sere-
nitate ^^{eretur. Cum vero intelligara, non hoc agere Patreni Veruaux, setl de nouo
eandeiu historiam sno modo et genio conscribere et suam facere veile, nihil repngno,
desideroque nt Serenitati Vestrae plenissirae satistiat.
Diuina bonitas cnmniet Vestram Serenitalem Omnibus bonis, eiqiie largiatur nt
aetemä meinoriä dignissimos Majores suas gloriä ac feticitate transcendat.
k)
Dass der Kurfürst hiedurch keineswegs nach allen Setten befriedigt gewesen,
ergibt sich ans seiner Antwort :
Ich hab ersehen, wasz Euer Ehrw. den passato auf mein vorher gehendes?,
des? Patris Veruaux xne papier gebrachter hiatori meincsz in Got rneheiidten gne-
digisten geliebsten Herrn Vatters mildtseeb angedeuckheiis vnnd wasz dabei desz
Patris Briineri opera betrifft in autwort üherschrciben wollen.
Vnnd weilen, souiel iezt gemelten Patris Bruueri Scriplion betrifft, Sy ver-
willigen das/, mein Beicht Vatter in selbigem opere gleich wie er bereit einen zimb-
lichen iinfang gemacht Vorfahren möge, also bleibt esz dieses pnucten halber billich
bei solcher resolution , vundt wirdt gemelter Pater Vernaux nun in dieser arbeit
fortfahren, vnnd hoffentlich damit baldt an ein endt khomraen.
■29 •
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Soniel aber betrifft, daiiz S; noch bedenckhens tragen, vnter genielt meineez
Beicht Vatter» Namen die histori höchstgedacht raeinesz Herrn Vattern Durchl. see-
liger gedechtnuez in truckh rerförtigen zue lassen, da finde ich weder in ihrem
schreiben noch in dem wnsz zue gleicher maiming mir mein Beicht Vatter threulich
vorgehalten *"’) gannz khein Vrsach die meines bedunckhensz erheblich wehre mir
solches znuerwaigern : so ich doch endtlich auch gehrn nacbgeben wolte, wan ich
nicht zu besorgen, die histori wurde darumben völlig discreditiert werden, vnud mir
mehr zur disreputation alsz dem dabei gesuechten effect gereichen, weilen esz bereit
dinolgiert vnnd meniglich bekhaudl ist dasz sy von gemelttjm Patre vergriffen vnnd
znesamen getragen worden. Ich bin aber zuefriden, dasz sy noch einmal mechte —
aber nicht durch Scolasticos, sunder solche patres reuidiert vnnd censiert werde die
der weit lauff, die Historiam nostri teraporis, vnnd waaz sich von einem Seculo her
hin vnnd wider verloffen wissen, vnd dannenhero be.«er erkheunen kbindten ob etwasz
in der histori begriffen welches mir oder der Societet möchte preiudicierlich vnnd
uottwendig zne endern sein’*'): bisz dahin ich dann vnud auf Euer Ehrw. weiterer
erclärung die reuisiouem dieser histori in suspeuso halten will, mich dabei gnedigist
versebent, sy werden interim darob sein dasz jhme patri Vernaui befolchen werde,
in desz Patris Bruueri angefangenen opere bisz zne dem endt zuuerfahren, vnud in
dem übrigen alle weitere difficultet beiseitsz sezen , weilen sie nicht erheblich, mir
aber den Conteuto gunen der in deine stehet, meines herm Vattern Durchl. merita
auch der posteritet mit guetem Credit zne binderlaszcn.
Vnnd weilen ich derenthalbeu auch mit hiesigem Rectore CoIIegij conferiren
lassen, ine in diesem werckh cappaciorem zue machen, also will ich mich auf dasz
wasz er derselben in hac inateria mebrers schreiben wirdt bezogen haben.
1)
Hierauf lief folgender Brief des Generals aus Rom vom 13 März ein:
Jam accipio quas Vestra Serenitas dignata est rescribere ad iiieas quibns snp-
plicabam ne inberet nomen P. Joannis Vernaux praefigi Historiae Bauariae ab ipso
conscriptae: et valde dolenler iutelligo, ratioues quas pro ea gratis impetranda
attnleram non fnisse visas Vestrae Serenitaii habere illud momentum quod existi-
mabam illis inesse.
Quare — omissis istis rationibus — descendo iterum ad preces, et humillime
atque instantissime rogo S. V. nt clementissime dignetur ratum habere promissum
quod de ea re placuit Serenissimae Dominae Matri snae nobis facere.
Maximo beneficio afficiet Societatem nostram, sibi innnmeris maximisque titulis
obstrictissimam. Nani quod dignatur V. S. scribere de Historia ista tradenda aliis
Ursprünglich sUnd nur: da finde ich in ihrem schreiben.
Ü81) Zuerst stand hier noch: rnnd sich nicht in der latinitet orthogrania vnnd dergleichen
Soolastieis aufhalten, zue welchen mein Beicht Vatter kheineai correctoris oder censurae bedarf.
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Ceosoribas, valde rereor Dt opportannm ait timori ac aolicitudini nostrae remediam.
Redeo itaqae ad tneam anpplicem et humillimam petitionem.
Interea, qnia plaonit 8. V. me remittere ad ea qaae easem acceptarns a
P. Rectore, expectabo illiua literaa, et Denm precabor u. a. w.
m)
Die Antwort des KorfÜraten hierauf vom 2 April gibt zunächat dem Be-
ft-emdeu darüber Ausdruck, dass der General noch immer auf den bisher erhobenen
Schwierigkeiten bestehe.
Weil ich aber — wird dann angeknüpft — aus gemeltem Schreiben auch das
ersehen, dasz Sy *") des hiesigen Patris rectoria aus meinem berelh an sie abgelassen
schreiben noch nicht erhalten, selbiges aber einen sollichen Vorschlag begreift, mit
dem icb halt, E. Ehrw. werden zufriden sein vnd sich darüber zu luhe begeben
khinden, als wil ich hoffen, es werde nunmer angelaugt, vnd Sy”') damit sich zn
contentieren Vrjache haben.
n)
Hieran achliessen sich endlich die vom Collegen Friedrich a. a. 0. S. 42—43
mitgetbeilten Erlasse;
a) des Generals an den Provincial P. Georg Spaiser vom 26 Juni,
b) des Generals au den Provincial P. Servilian Veihebn vom 18 Dezember,
c) und d) auf zwei Berichte von diesem vom 20 und 21 Jäner 1656 die
Erlasse des Generals vom 12 Februar und 11 März dieses Jahres.
XXIX Za Seite 131 Seite 260.
Euer fürstl. Durchl. genedigisten beuelch sambt jnligender abscbrifft desz Sent-
schreibens von dem Coucilio zue Baasel, das dieselben ich geborsamist berichten
solle, ob die Bulla absolutionis weilinndt Ir Mayest. Kbayser Ludwigs, Uerzogens in
obem vnd nidern Bayrn, meines anuertrauten Gottshansz hochgeehrten Stüfflers vnd
allergenedigisten Herrns böchstseligisten angedenckbens , zn Freisingen in originali
aufbehalten vnud noch findig sein sollen, so Euer fürstl. Durchl. selbst genedigist
gern haben weiten, vnderthenigisten bericht geben solle, bej weme solche Bnlla
absolutionis zue Freising aufl>ehalten , vnd ob ich aintweders selbs oder wer dieselb
sowohl gesechen als gelesen, vnd durch was miti Euer fürstl. Durchl. hinder das
original oder glaubwirdige abscbrifft danon vngeuerlich gelanngen möchten, habe icb
mit diemietigister renerenz empfangen vnd vernommen.
Hierauf gab Euer fürstl. Durchl. ich disen meinen diemietigisten bericht.
282) Ursprünglich stand: er.
288) Hier ateht noch; er.
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I
224
Erstliclieu die Bullani abeolutinnis bclanngent, ist mir vnd meinem anbe-
uolchenem Connent mehrere nit bewusst allain das vor vngeuerlich 30 jaren der
AU Vicarius zne Freisingeu, herr Sclireuckh aeeliger, alhie gewest vnd mit disen
Worten rermelt, das obbesagte Bulla vnd gantzer Äcl höchstemanten Khayser Lud-
wigen Seeligen etc. betr. zue Freisingen in originali ligent vnd zefinden sein. An
was ortt oder Verwahrung aber, ist er weiter nit mehr gefragt, noch dauon zered
worden. Deszwegen ich dann jetzigem herru Vicario etc. beraith zwayiuablen vnd
erst newlichen znegeschribeu, deme iiachzesuechen , aber bisz dato noch khain andt-
wortt bekhommen , yedoch tcglich gewerttig bin.
.4nderm haben Euer fUrstl. Dnrclil. das genedigiat begortc .Sentschreiben von
dem Concilio zne Kua.sel sambt der Beylag in originali vnd souil wir sonsten alhie
bej dem Closster vnsers höchstgeehrten SUifftera seeligen etc. Bchrifflliche Kbundt-
schafft geistlicher Sachen bisz dato gefunden aus bejgelegteu Extrücten von etlichen
alhie ligenden originaln — ausser was beede höchstgechrte Khayser Fridrich vnd
Sigmnndt, auch andere hochlobliche fürsten seclige in tituiatione äerenissimi Ludouici
Komanornni Iinperatoris fundatioues alhieigen Clossters confirmirt — genedigist zu-
empfangen.
Da al>er ich in meinem vleissigen nachsnecheu verners wa-s fnnden vnd er-
fragen khönde, o<ler in original begerl wurde, solle es u. s. w.
XXX. Zn Seite 1Ü3 Note 264.
Von Gottes gnaden Maximilian, Pfaltzgraf bey Rhein, Herlzog in
Obern vnd Nidern Bayrn etc.
Vnsern gruesz znuor, Killer besondere lieber vnnd getreuer!
Wir haben dasz ienige Bnech, so Hieronymus Vecchiettj vnlengst in trnckh
fertigen, vnd du ***) vnnsz vf ersnechen besagten Authoris durch den Edlen vnnsern
Cammerer Obristen Stallmeister Rath vnnd lieben getreuen Georg Coiiraden herru
von Törriug zu Seefeldt vnudterthenigist praesentirn laasen , zwar empfangen , aber
in durcbsehung desselben nit ohne befrembden vernommen, dasz gedachter V'ecchiettj,
alz welcher von ansehenlichen qualiteten will gesehen vnd gehalten sein, sich vundter-
standen , vnnser löblich hausz vnnd hochgeehrte in Gott rhoende Voreltern, in-
tt34) Dr. Msndl bat an den unteren Rand der ersten Seite dieses zunächst — wie es scheint —
schon als Reinschrift gefertigten Alitenstlickes bemerkt:
Wegen des anings in der praefation an Khayser de asinula a laena wirdt nichts hirin gemelt.
W^sil anch der Äuthor das Teutscb nit verstet, vnd Fngger jhme dis mhüe der Interpretation
nit nemen wirdt, so wer — lateinisch oder welsch — in tertia persona die Contenta dises tebreibns
an Hans Ernst Fngger zu notirii vnd beizulegen.
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J
225
Sonderheit aber weylnndt Kaiser Ludwigen christsei igisten augedenckbens, mit schweren
empfindtlichen zaelagen anzegreiffen vnd zn tAxiern. so doch dasz widerspil hiebeuor
mit sattem vnd statklicbem grundt wider den Abrahanium Bzouium ~ welcher sich
eben dergleichen angeinasst — widerlegt aasgefiehrt vnnd zw'eifls ohne jrae Vecchiettj
zu hannden kommen, wie wir dann dir hiemit ein exemplar dessen so zu wider^
legnng desz Bzoaij Irrthnmben (mit welchen ancb desz Vecchiettj bnech bohafft)
vnnd za defension vnsers hausz vnd löblichen Voreltern geschriben zaekbommen
lassen, genedigist begerendt, jme Vecchiettj solches von vnsertwegen vnnd damit er
sich desz rechten grnndts darausz erkundigen möge zetifern, vnd l)enebeu crafft der
beilag**®) zubetleuten, dasz wir vnnsz za jme versehen, er werde nit allain disen
oiTeuen IrVthumb vnnd vnzimbliche vnnsz vnd vnnserm bausz zu vercleinernng
raichende anzüg corrigiern, sonnder auch vor der corectur **•) die Buecher weiter
nit auszbraiten lasseu, damit wir nit vrsach gewinnen, anndere mitl an die hanndt
zunemmen.
Wör befunden gleich wol in einem passu der praefaiion, da er ad Imperatorem
schreibt: videbis a laeuu non propiuquam amplius aduersariam teme in bello, non
inuulum amplius in houore aemulum etc. welcher anzug, da er auif vnsz gemaint,
ebenmessig schwer, ohne grundt, vnd nit zuleideu wäre.
Thuen vunsz sonst gegen dir der hemübeting halben in gnaden mit welchen
wir dir ohne dasz getvogen bedanckhen.
Datum Straubing, den 31 ***) Augusti anno 1G21.
28Ö) Die Worte .crafft der beilag* siol vom Herzoge «elbit so den ßaad geectct, und siefaen
ohne Zweifel in Zusammenhang mit dem Schlossabsatze der vorigen Note.
236) Die Worte .vor der corectur* hat Dr. Mändl an den Rand bemerkt.
2B7) Dieser ganze Absatz ist vom Herzoge Maximilian selbst beigefugt.
Er steht siebtlich ln Zasammenbang mit der ersten Bemerkting des Dr. Mändl in der Note 284.
283) Ursprftnglieh scheint 27 gestanden zu haben.
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Namen- und Sachen -Renner,
Unter I. II, III sind die drei Abtheilangen der ..Klteren Arbeiten zur baieriicheo nnd pfwluBeben
Geschichte im geheimen Haus« und Sraatearchire” verstanden , namlicb unter I im Bande XIV
Abtb. ^ S. 29 — unter II im Bande XV Abth. 1 ö. 163— 29S, unter ^ im Bande XV
Abtlj. A S. 101—22.5.
Adelheid, KurfQrstin Ton Baiem, 1 S. fi7
Note Iß Lit. i II 8. 2.58 -2fj0.
Adixreiter, Johann, IS. 34— :16. II S. 284-
2>ik III S. lÄL
Adolfs, Pfaligmfpi«. Grab II 8. 231 Nute 141
nnd 14^j.
Agilolfinger III S. 215.
Agnes, Gemahlin des Henogs Otto von Wit-
telsbach, III 8. 107GQ8 in der Kote 216.
A g ricola, Johann, l_ S. 97/98.
Ahnenproben 1 8. 38 Lit. b; 8. 4" Lit- n.
III S. 106; m in der Note; S. 122/123.
A ichacb 1 8. 209.
Albert Sigismund. Herzog von Baiern und
Biscbof von Froising, III Beil. ^8. IdS.
Albertus Bohemus II Beil. S. 2iH)— 293.
Albertas, magnna, II S. 179.
Al brecht IV, Herzog von Baiem, II S. 180.
Albrecht V, Herzog von Kaiem, I Kam. A
8. ^ II S. in 8. 87 137/m
Albreeht, Markgraf von Brandenburg, 11
S. 195/196.
Aleuin ill S. 215.
Alte Feste, alter Hof, tu München, Ifl 8. 117;
210/211.
Alting, Heinrich, III 8. 131,
AltötUng III Beil. 8 S. 166.
A inberg I^ 8. ^ Lit. h.
Amsterdam UI S. 128 in der Note 232.
Andreas von s. Mang 1^ Kura.J^ 8.^ 11
Num. ^ 8. 165—167; Num. 49 8. IfiT,
Anon/mus spirenti« II S. 229/2^10 ■ III B«nl. 13
8. 181/1S2.
Apian, Philipp, I Kum. 4;i 8. 99/100. III
8. i:n/l;l8.
Aquila = Am IIE S. 215.
Archiv und Archivare I S. 3! — 37; 50—54;
Num. _2 S. 62/63 ; Nnm. 1 S. ^ Num.
S.W); Kam. 46 S. 102/103; Beil 1 S. 104/105.
II Num. 47 b 8. 164>'165; Num. M 8. 174;
Num.^S. 205 -212; Nom, 638. 212—214;
8. 26:i; Num. S. 226-229; Num. 70
S. 229/230 ; Nnm. 72—74 S. 234 - 237;
Num. 76 8 23X/239; Num. 77—79 8.239—
244; S. 280/2SI ; S. 263; Num. und I^
8. 2h:1-287, III 3. 104/105; 117-119;
120/121 ; 124/12-5; 145 mit der Note 248;
S. 150—152; 160/161; 212—214.
Arn, Erzbischof van Salzburg. III 8. 21 .5.
Arnulf, Kaiser, Num 1^ 8. 61^ III Beil. ^
S. 166 167.
Arroden, Michael, I 8. 32/33. II Num. 47b
S. 164/165; Num. 63b S. 213>214; Num. ^
8.226-229; Nuro.70 S. 229/230. III 8.14-5
mit der Note 24M.
Aventin, Johann. I S. 39-49. H 8. 193/194;
Nnm. 59 S. 199-202; Nnm.^S.202-
205; Num. M 8. 205 ; 8 21^ III 8. 137;
139/140; 141-145; Beil. ^ S. 177-180.
Azo =; Ezo. II 8. lOtf 167 in den Noten ^
und
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ßtdische Genealoge 1 Kuin. 8 S. 66/67.
Baierinche Orte I Num. ^ S. 99—101;
Nqm. AI S. mi Nu™- ifi. S. 1U2/1ÜH. H
Num. m S. 212-214; Nani. 76 S.
Num. 7« 8,241,242. 111 Beil.21 S. 19:i/li*4.
Baierische PrScedeni und Pracminenx vor
Oeeterreich II Nora. ^ S. 277/278.
Bamberg III S. 212 — 214.
Barnabas, Herzog von Mailand, X S. 70 Note 28.
/^Baaernaufruhr:
in der Oberpfalz I S.
in der Pfalz X Nom. ^ 8. Hp/ftl.
im Saliborg'schen II Num. ^ 8. 276/277.
Beebtold, Franz, von Flersheim, II 8. 2X0.
Be heim, Martin, 1 8. 4^
Bercbtold Graf von WitteUbacb II S. 19^.
Bercbtoldadorf, Pfarrei, U S. 274 mit der
Note
Bergzabern II 8. 258 : 269.
Beuther, Jakob Lodwig, 1 Nom. 10 und 11
8. 67*69.
Beyerlin? Jakob, 1 Num. 41 8. 97/98.
Bilderseh m uek, genealogischer and geschicht-
licher, II Noni._^8. 167 — 171. IIJ 8. 116 —
Binder, Friedrich, Beichsbofrath, III S. 135
Note Lit. L
Blank/Thonias, II Nora. ^ S. 258 — 261.
Bleis&rge im Kloster Ensdorf J Nnm. ^
8. 92; 112/lia.
Blondcan II 8, 28X/289.
Böhmen I Num. S. 95/96.
Boias 11 8. X8L
Bologna I 8. ^ Note 16 Lit. c and S. ^
Lit. b.
Bonn I S. ^ Note 16 Lit p.
Bovadilla, CastUlo, Jll 8. 162.
Bracblcn bei Linnig 11 8. 168.
Brandenburg X S* 45/4*» ; 49/50; Beil. 3
8. 106/107. Ill in der Note 232 am Schluise; |
Beil. Ü 8. 122. |
Braun, Franz, zu München, I 8. ^ Lit. e. !
Brauweiler, pfälzisches Eloeter, II 8. 166/167
in den Nuten .81 und 62, III 8- 107 in der
Note 216.
BrQsicl 16. Xu. Note Ifi. Lit L
Brunner, Andreas, lU 8.150—154; 217—223.
Bruseb, Kaspar, X Num. ^ 8. 63 ; Num. 7.
8. iifi.
Abfa. d. lll.Cl.d. k. Ak. d. Wisa. XV. Bd. 111. Abtfa.
Burgbansen, Rentamt, I Nnin. 43a S. W>^10Q.
Bzovius, Abraham, III 8. l.M/152; 225.
G.Un, Dominik Fnni, III Beil. £ 8. 16|ii
C e 1 8 i t u d 0 III Beil. b. S. 162.
Ceremoniel II Num. S8. 8. 2X0—283.
Charlotte Elisabeth, Herzogin von Orleans,
X Num. II S. 75. 76.
Chievo vor Verona LS. Xt&. in der Note.
Christian von V'eldenz-Sponheim I Num. 14
S. 7in2: Nnm. 16 S. 74/75. “ “
Christian Angosts von Salzbach Reisen I
S, 56/.5" Note Xb Lit. h.
Chronik von Rappoltstein III Beil. 22 S. 194.
Chronik von Worms II Num. 97 8. 2711/280,
Chroniken, baierische und pfälzische , II
Num. ^ 8. 164 — 165; Num. 4^ und 49
S. 165— 167; Num. 5fi. S. 167—171 mit III
Beii.8 S. I65-I72. I! Nom. 51 S. 171/172:
Num. ^ S. 172—174; Nom. 54 S. 175/176;
Num. 55 8. 176 ; Num. ^ 8. 179 — 197 mit
III Beiles. 197-211; II Num. WS. 197-
199: Num. 59 S. 199—202 ; Num.^ S. 202—
2Ö5. III S. 12L
Chroniken von Köln 1 S. 39/40; 105/106,
Clemens Angust, Kurprini, ! 8. 59 Note Ijl
Lit 0.
Corderii colloquia III S. 134 Note 238 Lit e.
Cluveri epitome faiztorianim III S. 134^1:15
Note 23X Lit. g.
Constantlnopel X S. 48;'49. H 8. 193.
Cröver-Reich II S. 2.V4; Num. 95 8.279/279;
Num. 8. 289/290.
CustOB, Dominik, Kupferstecher, II S. 235.
V. Dalberg, Johann, Bischof von Worms, I
S. 32.
V. Dann, Dietrich Wilhelm, Domdechant von
Worms. II S. ^
Defensor pacis X II ^ 105.
Dentsehordens' Ritterschlag zu Ellingcn 1
8. ^ Note Lit q.
Diani, Johann Franz, I Num. 36 S. 92—94.
II Num. ^S. 2*11-267.
Donaostauf I 8. 105 Ziff. HL
Dürer, Albrccht, III S. I>*9.
Ebendorfer, Thomas, II Nuro.92 S. 273 —276;
Beil. 8. 293 -296.
'M
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Ebmn, Hanns, ron Wild^nberg, II Knm. ^
S. K1/I72.
V. Eck. Oswald, III S. 144,
E c k h a r t Graf von Scheicrn mit dein HDmlflcbahe
II 8. 1H9— 1«2; ^ ill 8. Beil, 8
S.
Einsinger t. Einzing, Johann Martin Maxi-
milian. II Nnm. 102 8. 288/289.
Eiserne Krone Sil Monza HI Beil. 12 S. 18Q/181,
Ellingen 1 8. 59 Note 16 Lit. q.
Ensdorf I Nom. 8. 927~U2/113. II 8. 224.
Erbfolge in Baiorn II Nom, 82c 8. 209/210-
Ernst. Herzog, ll 8. 188/167 in den Noten
HI und Ü2., III 8. 1Q7 in der Note 216.
Ernst, Erzbischof und Kurfürst von Köln, 1
Num. ^ 8. 86y87.
Elo II S. 166/167 in den Noten ^ und
III S. Ifil in der Note 216.
Fabnen von Kurpfals I Num. 44 8. 101.
Fend, Erasmus, I 8. 82. II Nom. 76 8. 2S8;2:!t9.
III 8. 117-119.
Ferdinand Maria, KorfUrst von Baicrn, I
S. ^ ^ Note 16 Lit. i untK^JH 8. IM •
Noto ^ Lit. f. II S. 2.’>8— 260i 262/263;
265-267. Hl S. 104/105; 151; 218-2>:L
Ferdinands, Herzogs von Baiern, Reise nach
Italien S. 54/55 Note Lit b. Reise
nach Venedig ebendort 8. 55/56 Lit. d. Zug
nach Köln 1 Num. jJ9 S. 86/87.
Ferdinands, Herzogs von Baiem, Reis« nach
Lüttich 111 8. 133 Lit. b. Reise nach Rom
111 8. mLit. c.
Finckh, Georg Philipp, 111 S. 138.
Florenz I 8. 54—55 Note Lit. b.
Flussing, Franz Peter, II Num. 101 8.287/288,
Fortitudo leonina u. s. w. 111 S. 154 — 156.
Freher, Marquard, I 3. 109. II S. 22^4 mit
Note 133. galt irrthfimlich als Verfasser der
baieriscb-pfaUlBchen Genealogie des Dr. Wi>
guleus Hundt 11 S- 22:1/224. III 8. 149 in |
der Note 2-14. |
Frei sing HI Beil. 28 a 223/224.
F r e 1 1 1 B d t in der Oberpfalz III Beil. 21
8- 193/194.
Friedriehl, der Siegreiche, Kurfürst der Pfalz,
I Nnm. M S. ^ Nuni. m 8. 91/92. II
8. Note 14^ III Beil. 13 S. 181/182.
Friedrich 11, Kurfürst der Pfalz, 1 Nom. 26
S. 83t
Friedrich IH. Kurfürst der Pfalz, H S. 214/215.
Friedrich IV, Kurfürst der Pfalz, 1 Nom. 31
8. BityOO.
Friedrich V, Kurfürst der Pfalz, III S. 131 ;
S. l;l:i/KM in der Note ^ Lit. e.
Friedrichs, Henogs von Neoburg. Reise nach
Italien und Sieilieo, 1 8. M ^ Lit. e.
Fütrer, Ulrich. II Num. ^ 8. 179-197. Vgl.
auch Num. ^ S. 197—199. III S. 113 ;
142/14:1.
dallat bei Ooustantinopel 1^ 8. 48.
Qaribald, Chronikschreiber, II 8.197; 199/200.
III S. iüL
Geistliche Versorgung 111 S. ji>5.
Genealogie HI 8. 102—130.
faaierische I S.M. l<it. b. d. e ; S. 52/53
Lit. i; S. ^ Lit. 1; Num. 1^ 8. 58—61 ;
Num. 2 S. 62/63; Num. 6 8.^ Num. 9
8. ^ Num. 12 8. 69/70; Nmn. 13 S. 70.
II Num. ^ 8. 176—179; Num. M
Num. 66- 68 8. 221-226; Num. 72-74
8.2:14-237; Num. 87 8. 267/268; Num.
101 S. 287/-.^ ; Num. 102 8. 288/289. IH
Beil. 4_ 8. 161/162; Beil. 6 8. 163.
leuchtenberg’sche ^ Num. ^ 8. 63 ;
Num. X S.
pfülziiche 1^ 8. ^ Lit 1 ; Num. 1_
S. 58-61; Num. 2 S. 62/63; Num. 6 S.66;
Num. ^ 8. 66/67 ; Num- 9 — 14 S. 67—72;
II Num. 56 S, 176-179; Num. m S. 205:
Num.66 -68 8.221— 226; Num. 89 8.2691270.
sponheim'ache I*Nutn. ^S. 66/67. II
Nnm. 80 - 82 8. 244—256; Num. m 8. 279.
III 8. 127/128 mit der Note 232,
stolberg'scbe IH 8. 109 — 110 mit der
Note 217.
wartenberg'sche II S. 240/241.
zwe ibrückeu'scbe I Num. 10 S. 67/68.
HI Beil. IS. m. mit der Note 266.
Genealogien der alten Frankenkönige 1 S. 53
Lit. L zur alten Geschichte I S. AH ff- .ÜL
Gejiealogiscbe Absonderlichkeiten 111
S. 122/123. Licherlichkeiten III S. 128/129.
Geographische Anfzaichnungen 1 8. 43; 45.
Georg der Reiche, Herzog von B^ern-Landa*
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4
229
but 11 8. 174. Vgl. «Qcb das Schlagwort:
Landflhuter Krbfolgelcrieg.
Georg Guata» von Veldenz |_ Num. S. 90.
s. Georgen Brnderachaft 111 Beil. S. 170.
Germershein) L 8. .9L.
Geschichte, allgemeine, deatsebe. pfälzische,
II Nnm. ^ S. •J7i;272.
Gewold, Christof, I S.‘l;t/84; 50-54; Nura.^
S. 67. II Nnm. 72 8. Num. 73
8. 2H5/2JI6 ; Nutn. 1± 8. 236/237. Vgl. auch
Nnm. >t7 S, 267/268. III 8.120/121: 1247125;
150— l.V»; 162 ; 212—215.
Goldene Ballen fbr die Pfalz L B. 39 Tat. e
und f. II S. Ä
Gregor II, Pahst, III S. 215 Lit. i.
Gretlina Möhl I Beil. 3 8. 106/107.
Griechen II S. 194.
r. Günter, Kaepar, III Bell. _I5 8. 1>*4.
Gustav Philipps von Veldenz Reise nach Schwe-
den 18.^ Kote 16 Lit. k; Stadien zn Paris
III 8. LH/135 Note ^ Lit. g.
Hachenberg, Paul, X Num. 34 S. 91/92;
107—112.
T. Hallberg'Broich, Freiherr, II 8. 16>^.
Harrer, Peter, X Num. ^ 8 80/81.
Hechenstaller L S. ÜÜ. Note HI Lit o.
Heidelberg I 8. 4^ ^ Nnm 21 S. 78;
Num. 26 c S. ÜiL
Heiratsfragen III S. 103/104.
Herzog, Bernhard, I S. HO. lU Beil. X
8. Hü.
Hiltersried II 8. 225.
Hirschberg X 8.52 Lit. h.
V. Hoch berg, Peter, X Num. 27b und c 8. 8.5.
Hbrwart von Hohenburg, Johann Georg, III
S. 212-214; ^ in Lit L
T. Hüvel, Otto, X Nnm. 27d 8- 85/86.
Hoffmann, Johann, HI S. 137-
Hollabrunn II S. 275/276.
HoIUndt. Bernhard, II Num. ^ S. 280-283.
Hagenotten X Kuin. 27_ S. 84—86; Num. 28
8. Mi. 80 S. 87—89.
Hundt, Wiguleua, X Num. 9^ 8. 67; II Num.
m S. 221—225; Num. ^8. 225; Num. §S
S. 225/226. III 8. 144.
Hussiten II S. 225 ; 254.
i Jagersuppe der Gräfin und bald Herzogin
J Ludmilla 11 S. 204^-205 ; 237/238.
I Jesu Christi Geburt II S. 201.
I Innsbruck I S. ^ Note HI Lit. d
Id stitntiones juris Justinianei I Kote 16
j S. 55 Lit. c. HI 8. m Note ^ Lit g.
I Interesse, sogenanntes des Kaisers Maiiini-
lian L Vgl II a ^
J o h a n ^ Xl Herzog von ZweibrQcken, III
8. 111/112 mit der Note 220 : 8. 145 ;
148/149.
Johann II, Herzog von Simmern- Sponheim,
I S. 47. Lit. o ; Num. ^ S. 64: Num. ^ S. ^
II 8. 166/167 ; 173/174; Num. §£ 8. 214—
219; Kam. S. 219—221. III 8. IW mit
1 der Note 213; S. 121 mit der Note 2.‘h> ;
I 8. Hin mit der Note 233.
I Johann III, König von Spanien, I 8. 44 LH. e.
Johann Friedrich, Herzog von Nenburg^Hilt*
' polUtein , III 8. 131 mit der Note 234.
Johann Kasimir, Pfalzgraf, II S. 232—234.
Johann Ludwigs von Sulzbach Reistm I 8.56/57
Note M Lit. h.
Judenvertreihung aus Landshut unter Her-
zog Ludwig dein Beicben II 8. 196 — 197.
Jblich'flcbe Erbfolge X^- ü® Note 16 Lit. f-
Julius Caeear II 8. 182—186 ; 2^
Kärnthon II S. 195^ 111 S. 21j^
Kaiser und Pabst £ Beil. II S. 10.5/106.
Karl IV, Kaiser, II 8. ^ Note I4L
Karl VI. Kaiser, III S. HÜ,
Karl Xll, König von Schweden, I Kam. 20
S. 77.
Karl Albrecht, Kurprinz, Kurfürst, Kaiser, X
I S. 57/5H Note 16 Lit m; 8. 59 Note X®
I Lit ^ p, q; Num. 38- 40 S. 95 — 97. III
i S. 103/104 mit Note 209: S.13.VI36: BeU.l9
S. 188/189; S. 193.
Karl Ludwig, Kurfürst, £ S. 111.
Karl, Herzog von Burgund, II S.231 Note 142.
Karl, Prinz von Lothringen, III S. HM) Note
273.
Karls des Grossen Geburt II S. 186 — 189.
Karten von Baier» 111 8. 137 Lt8.
K-eilholz, Johann Friedrich, lll Beil. 21
ö- 193/194.
Keller, Johann, 111 S. 152; 221 in Lit L
Kepler, Martin, 1 S. 55 Note 16 Lit. c.
~ 30~
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230
KUiao, Wolfgang, Kapfersteober, II S. 2iih,
Kirkfll, Amt, I Nnm. 42 S. ^8/99.
Elein'Frankreicb 1 Nom. 41 8. U7/98.
Kneopell, Jobguin Jnkob, II 8. 244 ; 24<i.
III 8. 126—128 mit der Note
Köln iS. _ü Lit. e.
Kölner, AagusÜn, 8. H2; Num. ^ 8. 62/6H.
II Num. W 8. Num. ^ S. 205 -212;
Nam. M S. 212-214.
Kölner ChronikGo ^ S. il9/ t0 ; 105/106.
E ö 1 n i a c b e Reichsconferent II Nnin. 08 d
S. '2Ki.
Kölniaeher Krie;^ I Num. 20 8. 86/87,
König, David, II Num. ^S. 257 — 258; Nom.
m S. 268/260.
Konrad, Prinz von Polen. Biacliof von Paaeau,
II Bei). 8. 205/296.
Kopenhagen I 8. 56 Note 16 Lit. e; S. 57
Lit. k. " “ ~
Krau», Wolfgang, von Gunzenhauaen, I 8.49 50
Lit. q und r.
Kreicbgau l_ 8. »7/98.
Kremer, Christoph Jakob, 11 Num. lüi
S. 290-292.
Kanataebatze, französische , des Herzogs
Ludwig im Barte, II S. 194/195,
Kur, Kurfürsten, I_ S. .'1^—36; Lit. e
und f ; 45/46 Lit. II S. 203/204; 215.
III S. LÜ in der Note 2^4*
Knrpfalz I 8. ^ Lit. e und f; Num. 44
8- lOL II Num. _75 S. 227/288.
Landesthoilungen Baierns II Num. 53
B. 174; 8. 192/193; 222. 111 Beil. 8 S. 17Q,
Landahut, Rentamt, l^Num. S. 100/101.
Landahuter Erbfolgekricg ^ Num. 22 8.79/^;
Num. ^ 3. ^ II Num!! ^ 8. 220—229;
240. m S, mit Beil. 15 S. If<4;l85.
Landshutiscbe Regiatratur Bulainls II
S. 'ML
Langucd'oc II 8. 1H9.
Lehmann, Christoph, I 8- 110.
Leuehtonberg'ache Genealogie 1^ Num. ^
S ^ Num. 7 S. 66.
Lie b, Johann, I 8. 36; 52 LU. L
Licbtenberg, zweibrücken'achtis Amt, II
8- Mi Ml ni S. 137.
Lipsii Politik Ul 8. 135 Note 238 Ltt. g.
Lombardische Krone lll Beil. 12 8. 180/181.
Lorch-PaasattVlier Bischofakatalog des Thomas
Ebendorfer II Num. ^ 8. 273 — 276 mit der
Beilage 8. 293 -2iiQ.
Loretto I S. 58 Note 16 Lit. m.
Lnck, Joünn JiTkob, iFTBeil. ^8. 194.
Ludwig der Baier, Kaiser, I Beil 2 8. 105/106.
II 8. !7M 192/193; 206 mit der Note
Num. 62d 8. 210-212; S. ^in der Note
131; 8. 236. III 8. 151—158; 154—156;
Beil. 8 S. _I71_^ Beil, m 8. 197—211; BeU.
^ S. 223/224; Beil, S. 224,225.
Ludwig der Kelheiiner, Herzog von Baiem, II
Num. 47 S. lM/165; S. 17^ U8 in der
Note 9^ 8. 204/205 ; 284/285. UI Beil. 8
ö- 169/170; Beil. 9 8. 173.
Ludwig der Reiche, Herzog von ßaiem-Lands-
hut, n 8. 195/196.
Ludwig der Strenge, Herzog von Baiern, 111
Beü ± 8. 170/171.
Ludwig im Barte. Herzog von Baiem •Ingol-
stadt. II S. 194 195.
Ludwig IV, Kurfürst der Pfalz, I^ S. 54.
Ludwig VI, Kurfürst der Pfalz, II 8. 221.
III 8. 108/109 mit den Noten ^ und 2^
8 Beil, fl S. 174.
Mindl, Jotunn. l 8.:H. lll Büil.aO
Maillot de la Treille lll S. 135 Nut« 23S Lit. 1.
Mannheim I_S. ^ Note Lii p.
Manz, Kaspar, I^S.j^mit den Noten 2 und ^
Maria Anna, KnrfUratin von Baiern, 111 8.151;
Beil. :äa.S. 216-221.
Maria Theresia, Kaiserin, III Beil. 20 8. 189—
193.
Hartinianus II 8. iflTi m. lll S. 139.
Matthias von Kemnat 1 8- 01 ; 110.
Mazimilian Herzog und Kurfürst, lll
8.120/121; 147—153; Beil. H 8.211-216;
BeU. ^ S. 216—223; Beil. ^ S. 223/224;
BeU. m 8. 224/225.
Maximilian Emanuel, Kurfürst von Baiem,
^ Num- 1^ S. 72—74; Num ^ und ^
8. 92— Ü5 II 8. 260 ; 26X IIl 8. Note
20^>; S 154—156; Beil. U_ Ö. 182—18:1.
III S. LilL
Meisen heim 11 8. 258; 269.
dei Minueci, Mtunccio. lU 8. 145 Note 2Ar'*.
Monza III Beil. 12.8. ML
\
i
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231
MQncheD II 8. 28Q/2S1. III 8. 117—121;
Beil IQ 8. 17fi; 8- isH/lftQ; 8. 210.'21I.
M Q ns ter’Bcber Frieden II Nnm. *j8 8. 2HQ- 282.
M&nzer» ThomM, 1 8.
^ abburg ^ Num. ^ 8. 102,
NativitäteD III S. 106 mit der Note 213.
Nenbnr^er Schloss III S. 117 — 120.
Nickel, Goswin, Jcsuitengeneral, II! Bei). 28
S. 216 -223.
Kiederm &D8 ter in Begensbarg II 8. ^7.
Nikolaas von Bnrgaod so Ingolstadt III
S. liL
Nimweger Frieden II Nam. ^S. 257.'258.
Nordgau II S. 199; 200; 203.
N 0 r i c a II S. 2Q2.
Noricum II S. 201.
T. NostiSf Graf, 111 S. 10:1 in der Note 209.
Nuntiatur, pabstliche, zu Wien, III S. 193.
T. Obermajrr, II Num. 62c S. 209/210.
Oesterreich II S, 217—2I9; Nom. 79 !
8. 242—244; Num. ^ S, 277, 278. III
8. 10:V1Q4 : Beil. 3 S. 160/161 ; Beil. 8
8.168^69; BciUl S. 177—180; Beil. 17 and
18 S. 186—18«, 8.193: Beil. 26 S. 197-211.
Oljmpiadenzähtnng II 8. 200.
0 r] e a D s^scher Erbechaftsetreit 1 Num. 12 i
S. 75/76. III 8. Uö Note ^ Lit. ju '
OsnabrQck'scber Frieden II Num. 98 8. 280— I
21Ü I
Otilo, Hcaog Ton Batem, II 8. 203. III ;
Beil. 8 S. 165.
Ott 'Hein rie b, Herzog von Neubarg, später |
Kurfürst der Pfalz, ^ 6. ^ mit den Noten |
^ und ^ Num. ^ 8. ^ II S. 194/195. |
III Beil. 9 S. iia* I
Otto von Wittelsbacb. Henog von Daiem, I |
S. ^ II 8. ^ mit der Note 90; S. 178
in der Note ^ S. 2^ III S. 145/146; !
Beil. 8, S. Beil. 9 S. 11^ Beil. 10 }
8. m I
Otto der Erlauchte, Herzog von Baiem, II
S. 176; 178 in Note 9^ 285^ III Beil. 8
S. ITJii Beil. ^ 8. Ä
Otto» Herzog von Niederbaiern, König von
Ungarn, III Bei). ,^8. 171.
Otto, Abt von Prüfening, 1 Nom. ^ S. 92;
Bell. L 8. 112*
Otto, Markgraf von Brandenbarg, I Beil. ^
S. 106^07. III Beil. 8 S. 172.
I Pabstbnben UI 8. 14fL
I Pabatthain 11 S. 2:i0 mit der Note 140.
Padaa LS. AL Note liL Lit. h.
j Parens, Daniel, IS. 109.
Passau'scher Biscbofskatalog des Thomas Eben-
dorfcr II Num. 92 8. 273—276 mit der Bei-
lage 8. 29:1-2907
Patriarchie in Oceterreich 111 S. 193.
Patrick, Johann Baptist , U Num. 103
S. 289/290. III S. 194; Beil. ^ 8. 196/197
mit der Note 277.
j Peterlinge II Nnm. iq3 S. 289/290.
I Petrarca, Franz, II S. 197; 199. III 8. 1:^9.
j Pfälzische Füratenlinien ^ Nom. S. 69;
Num 2^ S. 69/70. II Num, 66. and ^
S. 221—225; Num. 90 8. 271 '272.
Pfälzische Orte L Num. 41 8. 97/98 : Num.
^ 8. 98/**9. II Num. ^ 8. 257/258; Nnm.
^ 8. 268/269.
Pfulz-BirkcnfeU 111 Beil. JL 8. 159 — 160.
Pfalzgrafen Name II 8. 215 ; Rechte II
S. 21A,
Pfalzgrafen von Trier und bei Rhein II
Nam. liiLS. 202 -205.
Ff a D d s c fa a f te n, baierische, 11 Num. 63
8 212—214.
Pfanenzcbwanz-Genealogicn III 8. 122/12:1.
Pfedersbeim L Num. ,2L S.
P.bilipp, Kaiser, UI Beil. 8^ S. 16«.
Philipp Ludwig, Herzog von Neuburg, III
S. in der Note 2:t« Lit. a
Philipp Morii, Kurprinz, ^ S. ^ Note .16
Lit. 0.
Pi Igel, Joliann Jakob, LNum. S. 72 — 74.
111 Beit. 1 S. lAlL
Pirkher von Pirkh, Johann Paul, 111 8. 132
mit der Beil. ^5 S. 1H5/1«6.
Pölet, Georg, L 2^uin. 27a S. 84^
Foitiers I Num. 3Üd 3.
Porträte baierisclier Fürsten und Fürutin^
111 8. 108 in der Note 216: 8. 117—120: 122.
Portugal I S* 4^
Praeeedenz und Pmeeminenz Buenu vor
Oesterreich U Num. ^8. 277/278.
Pregitzer, Johanu Ulrich, I Num. 16 8. 74/75.
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232
?. Preysiog, Maximilian, Graf. 1 8. -^7 Note
Ifi Lit. ! ; ^ Note ^ Lit. p.
PrimofireDitnr in Baiem II S. 240.
KiJer, Mitthäa», III 8. 14»— 152; 212—21«.
Bapbaelf Sanzio. III S. 18D.
Rappoltstöin III Beil. ^ 8. li*4 ; Beil. ^ ;
S. 194/10>> mit iler Note ‘27 f> ; Bell, ^ und
2iS. m— 197.
Rebdorffiana regiatratara 8. ^ LU. h.
Regeniburg ^ Nnm. JO 8. lU2/l<yi.
Reichard, Herzog tod Simmem-Spoohcira. I
8. ^ II 8. Ifiti/lfi". III S. lOS— 112.
Reichshofratb III S. 190 — 192.
Reiehttag zu Begenaburg im Jahre 1613: I
S. 56 Note ^Lit g. ini Jahre 1604: eben-
dort 8. ^ Nöte 16 Lit. i ; III 8. IM Not«
2^Lit. f- zu Speier im Jahre 14M: II S. ‘230.
Reichavicariats-Vergleieli zwUchon liaieni
nnJ der Pfalz II S. ‘283.
Reimchroniken II Num. 04 8.214 — 219;
Num. fiüS. 219-2*21. lil S. 12lL
Reime Aber baicriaclie und pfälzische Fürsten
X 8. ^ Lit. o; Num. S. 58 — 61 } Num. 5
8. 64/66. n Num. ^ S. 176; Num. 66
8. 178/179 ; S. 2H5. HI S. 125/126; Beil. 9
8. 172-174.
Beiaediarien L Note IfLS. 54-59. IH Note
2:18 s. 133-I:i5.
Reise nach Conatantinopel I 8. 48/49.
Reiterei, deutoche, HI 8 132 mit der Beil.
M. 185/186.
Residenzbrand zu München im Jahre 1674:
11 8.280/2K1; im Jahre 1729: Ul 8.188/189.
Residenien zu München III 8. 117—121;
Beil. 10 S. 8. 210/211.
Renber, Jualna, II 8. 167 Note 82. III S. 107
mit den Noten 216—220.
Keuiner, Elias. 1 8. M X3t. e.
Reusner, Nikolaus, 1.8. Lit. a.
Kindsmaul 111 Beil. ^ 8 199/200.
Rodler oder HOthler, Matthias, 1 Num. 6
S. ^ II 8. 220/221 ■
Rom S. 55 Nöte Lit. c ; S. ^ Note
Ut.mj S.^Note 16 Lit.o. II S. 171/172;
180—186.
Rüdiger Ton Kadeck, Bischof von Passau, 11
in der Beil. 8. 29:1 — 296.
Rudolfs II. Kurfürsten der Pfalz, Grab II
S. 2111 Note 14L
Rulands landsbotiacbe Registratur II 8. 239»
Rumei, Johann. IIl 8. 122/12:1.
Sachsen J 8. 45 Lit h; 47/48; 50 LU. r.
Salzburger Bauernaufstand H Num. 93 S. 276
und 277.
Sammelbände LS. — 64.
Scbard, Simon, 111 S. 144-
Scheiblig Kirchlein zu Altötting 111 BeiL J
8. IRtL
Scbeiern III S. 116/117; Beil. 8 8. 166-170.
Scheiern’ Wittetsbach'eche Genealogie II Num.
87 8. 267/268.
Scheiern* Wittclsbach'sche Gcscblechtstafel 11
Num. 47^ 8. 164/16;‘>.
Scbildberger, Johann, II S. 194.
Schwebet Heinrich, I Num. b S. ^
Sehweintzer III UaiT. S. S. TTO.
Scioppitts, Kaspar, IIl 8. 114 und Beil. 5
8. 162.
Seckenheim 1 Nnm. ü S. Jä..
Sedan III S. 1:13/1.34 in der Note 23H Lit. e.
T. Senkenberg, Heinrich ChristiaD, III S.
190/191.
Serenitas III Beil. ^ 8. 102.
T. Sejssel d'Aix, Graf, I Num. 39 S. 95/96.
Sil Tan US, Johanne«, Kellner zu s. Martin in
Kein. II S. in der Note ^ lU 8. 107
in der Note 216.
SilTio. Enea. 1 8- 43; 45.
Sleidani, Joannis, de quatuor summis imperib
UI 8. 13L
SpaUer. Georg, IIl Beil. 28 8. 217—223.
Speierer Reichstag des Jahre« 1451. VgL II
S. ML-
Speoer, Philipp Jakob, I Nutn. 14 S. 71/72;
Num. SH 8. 25ii/'257.
Spirensis anonymos II 8, 229/230 III Beil.
1^8. 181/182.
Sponheim'iche Genealogie I Nnm. 8 8. 66/67.
II Num. 80 S. 244; Num. ^ S. 246/246;
Num. «2 8. 246-256; Num. ^ S. 279.
III 8. 127/128 mit der Note 232.
G^chicht« II Num. U>1 S. 21*0 — 29*2.
Stammtafel II 8. 244. Vgl. insbeeondere
Num. m. 8. 246 -2.56.
Wappen IIl S. 110/111 in der Note 218.
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233
Stammb&mne nnd StEromtareln :
bateriaehe L S. ^ Lit. i; Nam. 1
S. 58—61 ; Nnm. 2 S. 62/6?t; Snm. 4 S. 64 ;
Nam. Ä 8. in. II Nam. ja S. 167—171!
S. 171 in Nam. Mi Nam. 74 8. 286/267.
in 8. llH/105; 126/124; Beil.Ji 3. 161/182;
Beil, a 8. 1£2.
leachtenberg'ache I Nnm. 1 S. ^
Nora. 1 8.
pfüliiacho 1 8. ^ Lit i; Nuin. 1
8. 58— 61 j Nnm. 1 8. 66/67; Nam. 9 8. 67;
Nam. 17-20 8. 75—78. II Nom.SÜ.8. 167—
171 ; S. ^ III 8. 104/10.5; 123/124.
sponlieim'ache I Nam. ^ 8. 66/67.
II 8. 244. Vgl. inabeaQiwlere Num. 82 8. 246—
-
Werten bcrg'ichfl II S. 241.
zweibr&eken’scho III Üeil. X S. ifiA
mit der Note 2r>6.
StftmmenbQCb, bAierisches. des Johann Aven*
tin. II Num. 61 S. 2Ö.>.
Stammtafeln. S. doM fkhla^ort Stamm-
baame.
StarnberR^ II S. 261.
Stegbuecher, Anton, III Beil. 4 8. 161/162.
Y. Stein, Heinrich, III Beil. 16 S. 1^.
Steinbeil, Friedrich Albrecbt, 111 Beil %
S. 1.WI60 : Beil. ^ S. 194/195.
Stella, Tilemann, 1 Nnm. 42 8. 98;09. 111
S. 136/137 mit der Note 240. .
8tr au b i D g 'eche Erbschaft II Num. 91 8. 272.
Strein, Reichart, zu Scbarfenaa, lU Beil.
8. 177— m
Stadien fUratUcher Frinzon 111 S. U15
Note Lit. e and g.
Sthrzelbrnnn 1X1 Beil. 7 8. IfU in der Note
266.
Salzbach II S. 200.
Summaria registrata ra tabalarii boici des
Michael Arroden. II Num. £2. S. 226—229.
Suntheim, LadislBUs, II Num 56 S. 176— 17U.
Tabakraonopol 111 8. 138,
Tafel in der Kirche zum heil. OeUt in Heidel*
borg I Nam, 21 8. 78.
Tafel zu“ Scheiem II Num. 47 S. 164/165.
TagebQcher I. Num. ^ 8. 81 : Num. ^
S, 86/H7; Nimi. jU S. 89/90; Nam. 38—40
8. 95—97. m Beil. ^ 8. 188A89,
Tapeten lU 8. mit der Note 2^10; Beil.
1X8. 174—176.
Taaetlo, Herzog von Baiem, 1 Num. X S. 61.
HI Beil. £ 8. Ifi^L S. ili* Lit 1
Tegerneee II S. 172.
Teppiche 111 8. 121 mit der Note 2:t0; Beil. 10
8 174-176.
Thaurotb, Johann, I^S. Lit. f.
Tbeatrnm rirtutU et gloriae boieae 111 8. 125 ;
I.M
Tbeodo, Herzog von Boicrn, I Nam. 1 8. 60/61.
III Beil. 8 S. 16^ S. 211 Lit L
Theodolindc, Königin der Ijingobarden , 111
Beil. Li S. m
Therese Kunigunde, Kurfürstin von Baicrn, I
8. ül Note IIL Lit. L III S. LüL
Thomas, Hubert, aus Lüttich, I^ Nom. 26
8. 8X
T. TUly. Wcrnher, Graf, in Beil. 21 8. 193/194.
Titulatur III Beil. A 8. LLL
Tolner, Karl Ludwig, II Num. 89 S. 269/270.
Traushit, Trausnitz, III 8. 200.
Trier II Num. ÜX S. 202—204.
Trithemius, Johann, I 8.92; 110. II Num. 52
S. 172—174;^
Truchsess'scher Krieg I Num. 29 8. 86/H7.
Türkei 1 8. 4></49. 11 8. 193/194; 264.
Tuscbelin, Gail, II Num. 95 S. 278/279.
V- Unertl, FranzJoaeph, Freiherr. II Nam. 99
S.283-2X); Num. lOt) S. 286/287. III Beil.
3 S- 160/161 ; Beil. H und 18 8. 186-188.
Ungarn 18.^ Lit. f; 48; 59 Note 16 Lit. n.
n 8. lliX
\'eechietti, Girolamo, III S. 153; Beil, ih)
S. 224/225.
Venedig 18. Note 16 Lit in.
Verlaszensehaft des Horzogs Georg des
Reichen von Baiem-Landibut L Nnm. Ji2
8- 79/80; Num. 8. 00. II Num. ^ S.
226-229; 2^ III S. I.‘l2*mit Beilage 15
S. 184/185.
Verona 18. Al Lit. c,
Vervaaz, Johann, 111 8. 151 ; Beil. 2B 8.
216-223.
Verwandtschaftatafeln L Nnm. 14—16
S. 71—74. III Beil, i und X S. 150/160.
Vohburg II 8. 294.
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I
234
Ws mpl, Jolunn Seliaatiaii, I_ S. 36/37 mit
der Beil. 8. 104/105; Nom. :W 8. 00;
Nnm. 46 S. 102,103. U Nom. 77 8.1519 -241;
Nom. 7« 8. 241 242: Nom. 7ä.S. 242-244;
9. m III S. HM/10.5.
Wappen Ton 8imraem II 8. 257 ; von Sponheim
m S. 110 111 in der Note 218.
Wappenbücher III S. 109 in der Note 216.
Wappensammlong dea Philipp Apion Ili
S. 1.S7/1:»«.
Wartenherg'tchea Oeechleoht II S. 240/241.
Weiner, Peter, IH 3. 13Hj
Welfen II 8. 111 Beil. 8 8. 168/169;
8. ns. Lit L
Wcloer, Marx. lU 8. 147—150; Beil. 1^8.
180/181; Beil. ^ S. 211-216.
Weleer, Paal. III 8. 149.
Woleer, Philippine, 1 8. 56 Note 16 Lit. d,
W er n h e r aus dem Grafengeeehleehte vonScheiem
lU Beil. 8 8. 166/167.
WeetphSllacher Frieden II Nnm. 98 8.280—
2S2.
W idem an Dp Earl, Stadtph^sictu ro Angebarg,
III Note Ä S. 177—180.
Wiedertäufer IS. Äl*
Wien n S. ZcA mit der Note üü*a UI S. 1U5
Note ^ Lit h: Beil. ^ S. 189-19S.
Wildfangiatns |_8. 111.
Wilhelm IV, Herzog von Baiom, 1 Nnm. 25
S.
Wilhelm V, Herzog von Haiern, 111 S. 117 — 1*20;
145; U7.
T. WUbelm, Franz Xaver Ignaz, I Nom. 87
8. 94/95.
W i t e k i D d, Hernuuiu, II Num. 71 8. 2.*t0 — 2.'H«
III 8. 14.V146.
Wolf, Johann, I Nphl ‘28 8. Nnnu 30 S.
87—8».
Wolfgang, Herzog von Zweibrücken and Neo>
bürg, 1 Nnm. 27 und 28 S. M — 86; Nom. iK)
8. 87—89; Nnm. ^ S. 98/9».
Wolfgang Wilhelms von Neubarg BQckreise
aus Üfioemark 18.^ Note Lit. e;
Keisi* nach Prag ebendort Lit I; Reise nach
Paris III 8. I.‘t9 Note Lit d.
Wolfstein I Beil. 3 S. 106/107. III Beil 8
S. 112.
Wormser Chronik II Num. »7 8. 279/280.
Wjngarten. Adrian, tu Heidelberg, III 3. 128
in der Note *2^12.
Ziegler, Hieron)iDaB, zu Ingolstadt, Ul S.
126: 144.
Zniesins, Kaspar, II Num. 80 8. 244; Num. 81
S. ‘245/246. Vgl. auch Num. ^8. 246—2.56. 4
UI S. 127vl*28 mit der Note 2:12.
Zucebi, Bartolomeo, aus Monia, 111 Bell. 12
S. 180/181. 'iii
ZweibrQcken, Amt, I Nura. 42 8. 98/99.
II S. 258; 269. Genealogie I Nura. ^8. ^
67/68; Num. U S. ^ Num. ^8. 77/78. i
IJl Beil. 1 8. 164 mit der Note 2(;6. Her- I
zogthum II Num. 84 S. 257/258; Nom. 88 I
S. 268/269. *
I
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u^x-
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